4 Eylül 2021 Cumartesi

ikibuçuk

 

39 Rechter Teil. 31, 14—32, 18

 

 

Wohlduft, den der hohe Lichtkönig ihnen verliehen, mit Gebet und Lob-

preisung, die sich in ihır Herz legten, stehen in einer Liehtwolke und ver-

ehren und preisen (ihn) '). (5. 6. 45)

 

6. Sie hungern nicht und dursten nicht und empfinden weder Hitze

noch Kälte. (50)

 

7. Die Könige?) der Lichterde sind alle voll Lobpreises und stehen da

und preisen den Lichtkönig: lebende, die nicht sterben, an denen kein Fehl

ist. Hell und leuchtend ist das Firmament, in dem sie wohnen. (18)

 

8. Die Welt, in der er steht, ist ohne Vergehen:

 

eine Welt des Glanzes und des Lichtes ohne Finsternis,

eine Welt der Sanftheit ohne Auflehnung,

eine Welt der Rechtlichkeit ohne Wirrsal und Trubel,

eine Welt der Wohlgerüche ohne bäßlichen Duft,

eine Welt des Lebens in Ewigkeit ohne Vergehen,

[32] eine Welt lebenden Wassers, über dessen Geruch die Engel frohlocken,

eine Welt der Treue und des Glaubens ohne Lug und Trug.

Eine reine Welt ist es ohne schlechte Mischung. (41)

9. Die Engel des Glanzes preisen den Lichtkönig

 

in dem Glanze und dem Lichte, das er ihnen verliehen.

Die Engel des Glanzes preisen den Lichtkönig

 

in den Gewändern des Glanzes, die er ihnen verliehen.

Die Engel des Glanzes preisen den Lichtkönig

 

in den Turbanen des Glanzes, die er ihnen verliehen.

Die Engel des Glanzes preisen den Lichtkönig

 

in den Kränzen des Glanzes, die er ihnen verliehen.

Die Engel des Glanzes preisen den Lichtkönig

 

mit der Kraft und der Festigkeit, die er ihnen verliehen.

Die Engel des Glanzes preisen den Lichtkönig

 

mit der Treue, der Gemeinschaftlichkeit und dem Glauben, die er

 

ihnen verliehen. (42)

 

10. Sie alle sind sanft, weise und angenehm ohne Lug und Trug. (43)

 

11. Die Bäume der Lichterde sind sämtlich voll Glanz und Helligkeit.

Die Jordane der Lichtwelten sind voll weißen Wassers. In den Wolken des

Lichtes sind Skinäs des Glanzes eingerichtet‘). In den Skimas des Glanzes

verrichten die Könige Anbetung und Lobpreis. Sie und alle Wesen preisen

den Großen, Erhabenen, den Herrn der Größe, der über allen Welten

wohnt. (55. 60)

 

 

12. Ich bin der lautere Gesandte, den mich der Lichtkönig bei meinem

Namen Hibil-Ziwä hervorrief‘). (79)

 

 

1) Man vergleiche die Parallelstelle.

 

?®) Im Texte steht „Bäume“, das fälschlich aus Text 32, 12 hierher geraten ist.

 

®) Lies PINNIW.

 

*) xp hat sich von der Bedeutung „rufen“ weiter eur Bedeutung „hervorrufen“, durch

 

 

„18—83, 21 Zweites Buch. Erstes Stück. 33

 

 

13. Als der hohe Lichtkönig es wollte, rief er mich aus seiner Skina

jes Glanzes hervor, aus jener Skina, die er, der Große, zu seiner Rechten

zegründet, und sprach: „Geh zur Welt der Finsternis, die ganz von

Schlechtigkeit voll ist. Sie ist ganz voll von Schlechtigkeit, voll verzehren-

jen Feuers. Zur Welt des Wirrsals und des Trubels ohne Festigkeit, zur

Welt der Finsternis ohne einen Strahl des Lichtes, zur Welt der Verfolgung

ınd des Todes ohne Leben in Ewigkeit.‘ (80)

 

14. Er sprach: „Geh, tritt die Finsternis nieder und die Insassen,

33] die aus ihr geformt wurden. Spanne das Firmament aus und bilde

larin Sterne. Schaffe Engel des Feuers. Verleihe Glanz der Sonne, die

siner von ihnen ist, Helligkeit dem Monde, Schimmer den Sternen und hebe

sie zur Himmelssphäre empor. (81)

 

15. Die Erde Tibil entstehe und Früchte, Trauben und Bäume, die in

ier Welt prangen. Es entstehe Viehgetier, Fische im Meere und Geflügel,

von jeder Gattung Männlein und Weiblein. (82)

 

16. Mann und Weib sollen entstehen, und ihr Name soll Adam und

Hawwä sein. Von den Engeln des Feuers sollen einige Adam dienstbar sein.

Wer von deinem Worte abweicht, soll in das lodernde Feuer eingeschlossen

werden. Drei Engel sollen kommen und Adam Gesellschaft leisten. (83)

 

17. Lebendes Wasser komme und mische sich mit dem trüben Wasser,

Durch den Duft des lebenden Wassers prange die ganze Welt. Die vier

Winde sollen entstehen, die über die \Velt wehen. Feuer entstehe und

dehne sich auf alle Körper, sowie die Früchte, Trauben und Bäume aus.

Es fresse einen Fraß in der Welt; wenn es den Fraß in der Welt gefressen

u...... ’). (84)

 

18. Das Feste, das im Wasser ist, soll zu den Seelen gerechnet, das

Fließende an der Speise soll zu den Körpern gerechnet werden’). Alle

Sämereien, Blumen, wohlriechende Pflanzen, Gewürze, Blätter und Heil-

kräuter, das Viehgetier, Geflügel, das Leckere, überhaupt alles was gut und

schön ist, soll Adam und seinem ganzen Geschlechte zu Diensten sein.

 

19. Jene Welt soll durch die Hand Ptahils aufleuchten.“

 

20. Der hohe Lichtkönig sprach das Wort aus, da entstand jegliches

Ding durch sein Wort. (85)

 

 

das ausgesprochene Wort schaffen entwickelt. An einzelnen Stellen ist es zweifelhaft, welche

Bedeutung vorliegt.

 

1) Der Text ist verstümmelt, der Nachsatz scheint zu fehlen. X1% „irren“ findet sich

auch im Mandäischen: Joh. 48,12 und öfter im Pariser Diwan, daselbst auch das Nomen

NND (Z. 562f., 315, 627 und sonst). Aber das paßt hier nicht; dazu müßte das Imperfekt

SW) heißen. Auch kann x), das weiblich ist, nicht Subjekt dazu sein. Ebensowenig

paßt es, wenn man es mit syr. »e3gä „Nebel im Sommer‘ (PAYNE SMITH, col. 2475) identi-

tiziert und zum folgenden Satze zieht.

 

%) Der Sinn des Satzes, der anscheinend sekundär eingeschoben ist, ist nicht ganz klar.

Das Feste im Flüssigen wird dem Flüssigen im Festen entgegengesetzt. Jenes soll mit dem

Flüssigen zum Seelischen, dieses mit dem Festen zum Körperlichen gezählt werden. Vgl.

auch Abs. 21, 57.

 

Lidzbarski, Ginza. 3

 

 

 

 

 

15

 

 

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30

 

 

34 Rechter Teil. 33, 21—35, 3

 

 

21. Ptahil kam, hob den Himmel des Wassers in die Höhe, spannte

das Firmament aus, und die Erde Tibil wurde gedichtet. Er schuf die

Engel des Feuers, er verlieh Glanz der Sonne, Helligkeit dem Monde,

Schimmer den Sternen und hob sie zur Himmelssphäre empor. Geschaffen

wurden [34] Wind, Feuer und Wasser, geschaffen wurden Früchte, Trauben,

Bäume, Heilkräuter, Sämereien und wohlriechende Blumen. Er schuf Vieh-

getier und wildes Getier jeglicher Gattung aus Erdenstaub, die Röte’), den

Guß und die Trübung der Nebelwolken, Wind, Feuer und Wasser, Geschlecht

(Samen), Blut und Galle und die sonstigen Mysterien dieser Welt. (86)

ıo 22. Adam und Hawwä wurden gebildet; durch die Kraft des hohen

 

Lichtkönigs fiel die Seele in Adam und Hawwä. Als die Seele in sie fiel,

waren sie im Paradiese. Als sie im Paradiese waren, begriffen und ver-

standen sie nichts. (87)

 

23. Der hohe Lichtkönig sprach: Von den Engeln des Feuers sollen

ı5 einige Adam dienstbar sein. Sie sollen kommen, sich vor ihm verneigen

und von seiner Rede nicht abweichen. Nur er allein, der Böse, von dem

das Böse gebildet wurde, wich vom Worte seines Herrn ab und richtete

sich nicht nach dem Worte seines Herrn. Als er sich nicht nach dem

Worte seines Herrn richtete, wurde er in seinem Wagen mit Gottes Fessel

gefesselt. (88)

 

 

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24. Mich rief und beauftragte mein Herr und sprach: Gehe, rufe eine

hehre Stimme Adam und seinem Weibe Hawwä zu. Eine hehre Stimme

rufe Adam und seinem Weibe Hawwä zu und belehre sie über jegliches

Ding: über den hohen Lichtkönig, den Herrn aller Welten, dessen Macht

 

25 weitreichend und gewaltig, unendlich und unvergänglich ist; über die Engel

der Lobpreisung, die dastehen und unaufhörlich Lobpreis verrichten; über

die Lichtwelten, die unvergänglichen. (89)

 

25. Belehre Adam, daß sein Herz erleuchtet werde, festige ihn, daß

sein Sinn erleuchtet werde. Zeige dich ihm gnädig und freundlich und

leiste ihm Gesellschaft, du und die beiden Engel, die mit dir zur Welt

gehen sollen. Lehre Wissen Adam, Hawwä, sein Weib, und seine Sippen.

Sage ihnen, daß sie nicht sinken und die Bösen und Satan, der Untaug-

liche, sie nicht verführen sollen. (90)

 

26. Lehre sie Gebet und Lobpreisung, damit sıe hintreten und

[35] den hohen Lichtkönig, den Herrn aller Welten, preisen: dreimal am

Tage und zweimal des Nachts. (91)

 

27. Sage ihnen: Nehmet ein Weib und bildet einen Stamm, damit die

Welt sich von euch vermehre. (92)

 

 

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!) Das Folgende ist wohl sekundär eingeschoben, beachte das doppelte N) N NP.

Der Einschub stammt vielleicht aus derselben Quelle wie der in Abs. 18. Jedenfalls sind die

Worte nicht so aufzufassen, daß die Tiere aus Erdenstaub und den weiterhin aufgezählten

Substanzen gebildet seien. NN) NNDW auch R 126,17. Zu NH siehe R 28,5

(neben X).

 

 

35. 3—36, 8 Zweites Buch. Erstes Stück. 35

 

 

98. Wenn ihr euch euren Frauen nähert, waschet euch mit Wasser

ınd haltet euch rein. (93)

 

29. Buhlet nicht und stehlet nicht und tötet keine vollkommenen,

Jläubigen Menschenkinder'). (94)

 

30. O ihr Vollkommenen und Gläubigen! Weichet nicht von eurer

Rede ab und liebet nicht Frevel und Lüge. Liebet nicht Gold und Silber

ınd den Besitz dieser Welt. Denn diese Welt vergeht, und ihr Besitz geht

verloren. (95)

 

31. Verehret nicht den Satan und die Götzen. Sie sollen vielmehr

sure Diener sein und in der Welt gehorchen. Denn wer den Satan verehrt,

wird im lodernden Feuer gequält werden, bis zum Tage, dem Tage des

Serichtes, bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung, so lange der Licht-

könig es will, der Richter, der alle Welt richtet. Er richtet die Seelen,

edermann nach den Werken, die er getan. (96)

 

32. Lernet nicht des Satans Zauberwerk und leget kein Zeugnis der

Lüge ab. Wenn ihr Recht sprechet, so sollen wahrhafte Zeugen kommen

ind zeugen. Wenn sie Zeugen aufrufen, so sollen gläubige Männer zeugen’).

Haltet gerades Recht und verdrehet es nicht. Nehmet keine Bestechung an

ınd verdrehet nicht das Recht. Ein jeder, der das Recht verdreht, fällt in

las lodernde Feuer. (97)

 

33. Liefert nicht rechtschaffene Diener in die Hand ihrer Herren

us. (98)

 

34. Gebet Almosen den Armen. Wenn ihr gebet, bezeuget es nicht.

Gebet ihr mit eurer Rechten, so saget es nicht eurer Linken. Gebet ihr mit

wurer Linken, so saget es nicht eurer Rechten. Wenn jemand Almosen gibt

ınd es bezeugt, wird es ihm getilgt und nicht angerechnet. (104)

 

35. Ehret Vater und Mutter und die älteren Brüder wie den Vater.

Fin Sohn, der Vater und Mutter verachtet, wird im Gerichtshause verurteilt

werden. (99)

 

36. Beuget euer Haupt nicht vor dem Satan. Eure Augen [36] sollen

nicht zwinkern, eure Ohren nicht auf Schlechtes horchen, euer Herz keinen

Neid aufnehmen. Wer Neid in sich aufnimmt, wird kein Vollkommener

 

 

genannt.

37. Blicket nicht mit Gier und Verlangen nach etwas, das nicht euer

st. Wenn euer Herr es euch gewährt — — —, aber streitet nicht darum.

 

 

Denn nach dem Willen eures Herrn wurde euch jedes Ding in Güte zu-

geschrieben und gewährt. (100)

 

38. Wenn Unheil über euch kommt, bleibet fest und standhaft im

Glauben. Verdrehet nichts und verändert nichts und beuget nicht euer Knie

vor dem hinsinkenden Satan. (101)

 

39. Haltet euch fern von einem jeden, der den Satan anbetet; sei ihm

__

 

1) Beachte die Einschränkung gegen A.

 

®) Auch hier eine Einschränkung gegenüber A.

 

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36 Rechter Teil. 36, 8—37, 16

 

 

kein Freund‘). Wenn er hört, gläubig wird und den einen Herrn aller

Welten, den hohen Lichtkönig, der aus sich selber wurde, bezeugt, so liebet

ihn, nähert ihn euch und erweiset ihm Gutes von dem, was ihr besitzet.

Hört er nicht, legt kein Zeugnis ab und wird nicht gläubig, so wird er

wegen seiner Sünden zur Rechenschaft gezogen werden. (102)

 

40. Denn einem jeden, der in seiner Kindheit sündigt und sich vergeht,

dann in sich geht, nicht mehr sündigt und sich vergeht, wird die Nachsicht

seines Herrn zuteil werden. Er, der hohe Lichtkönig, ist nachsichtig und

barmherzig, er ist ein Erlasser der Sünden und Vergehen. (119)

 

41. Ein jeder, der Almosen spendet und sonst viel Gutes (tut), hernach

aber das Almosen abschafft, fällt in den Brand, bis seine Sünden beendet

sind. (104)

 

42. Sehet ihr jemand, der hungert, so sättiget ihn, jemand, der durstet,

so gebet ihm zu trinken. Sehet ihr einen Nackten, so leget ihm um den

Nacken ein Gewand und bedecket ihn. (105)

 

43. Sehet ihr einen Gefangenen, der gläubig und rechtschaffen ist, so

gebet Lösegeld und löset ihn aus. Doch nicht mit Gold und nicht mit Silber

allein] sollet ihr den Gefangenen‘) auslösen und erretten, sondern mit

lauterer Rede und mit Glauben löset aus und errettet den Gefangenen:

von der Finsternis zum Lichte, vom Bösen [37] zum Guten, von den Un-

gläubigen zu den Gläubigen, vom Irrtum zur Wahrheit, von der Untreue

und Auflehnung zum Lobpreis eures Herrn, der ohne Ende, Zahl und

Aufhören ıst. (103)

 

44, Wer Seelen loslöst und wer die Pfade der Kusta und des Glaubens

wandeln läßt, den wird man den Pfad der Kustä und des Glaubens wandeln

lassen, und er wird auf dem Wege der Gläubigen emporsteigen.

 

45. Ein jeder, der aus Liebe zu seinem Herrn seinen Leib zum Morde

hingibt, wird ohne Sünden und Vergehen emporsteigen und den großen

Lichtort schauen. (108)

 

46. Ein jeder, der Gold und Silber und den Besitz dieser Welt liebt

und einen Mord darum begeht‘), wird selber ermordet und fällt in das

lodernde Feuer. (120)

 

47. Bei eurem Stehen und eurem Sitzen, bei eurem Essen und eurem

Trinken, bei eurem Gehen und eurem Kommen, bei eurem Ruhen und

eurem Liegen, überhaupt bei allen Handlungen, die ihr übet, nennet und

preiset den Namen eures Herrn, des hohen Lichtkönigs, des Herrn aller

Welten. (122)

 

48. Lasset frei fließen (?) den Jordan und taufet euch. Taufet eure

Seele, sprechet die Lobpreisung über das Pihta und esset es, sprechet die

Lobpreisung über das Mambüha und trinket es und saget den Segensspruch

über das Öl und zeichnet euch damit‘). (123)

 

 

%) Wohl auch hier Samnad zu lesen, siehe die Parallelstelle.

3) Lies NOW 72. 8) Lies ba und vgl. A. “) Siehe Lit., p. 35®, 57*.

 

 

 

 

 

37, 16—38, 22 Zweites Buch. Erstes Stück. 37

 

 

49. Wenn eine Seele vom Körper erlöst wird und scheidet, so weinet

über sie nicht, erhebet über sie keine Klage und Jammer und esset über

sie kein Brot ...... Einen jeden, der über eine Seele weint, werden Meere

und Flüsse abtrennen‘). Wer sein Gewand über sie zerreißt, wird den

Fehler an seinem Gewande behalten. Wer sich die Haare über sie ausrauft,

den wird man in den Finsterberg stellen’). (134)

 

50. Wenn eine Seele aus eurer Mitte scheidet, traget den Leuten

Hymnen und Gebetsordnungen vor und belehret sie, damit ihr Herz nicht

strauchele. Gebet für sie (die Seele) Almosen, verteilet für sie Brot, leset

für sie Totenmessen, verrichtet für sie Gebet und Lobpreisung und [traget

für sie] Hymnen und Gebetsordnungen [vor]. Bekleidet für sie mit Ge-

wändern, [38] umhüllet mit Hüllen, zahlet Lösegeld und verrichtet Gebete,

damit er, der Große, voll Erbarmens mit ihr werde. (136)

 

51. O ihr Vollkommenen und Gläubigen! Zahlet den Lohn des Löhners,

und wenn er euch um den Lohn angeht, bleibe dieser nicht bei euch. (139)

 

52. O ihr Vollkommenen nach dem Worte eures Herrn! Beraubet

nicht den Teilhaber. Ein jeder, der seinen Genossen beraubt, wird der

Gnaden der Lichtwelt beraubt werden. (140)

 

53. Wenn ihr ein Wort sprechet, so kehret davon nicht um. Reichet

 

 

einander eure Rechte in Treue und kehret von eurer Rechten nicht um. :

 

 

Denn von reichem Glanz und gewaltigem Licht ist der Befehl, die Warnung

und die Kustä, die von den Großen) kamen, kam das Zusammenhalten in

die Skinas. Alle Engel‘) des Lichtes leisten einander den Treueid und küssen

sich die Rechte. Wenn ihr ein Wort guter (Menschen) sprechet und ein-

ander die Rechte reichet, kehret davon nicht um. (141)

 

54. Seid demütig, sanft und bescheiden gegen die trefflichen Lehrer,

die euch Weisheit und Wahrheit lehren. Überhebet euch nicht über die

Machthaber °), die euer Herr über euch eingesetzt hat. Wenn ihr euch über-

hebet, verleugnet ihr das Wort eures Herrn, und ihr werdet im lodernden

Feuer sieden. (142)

 

55. Gehet nicht zu den Wahrsagern und Chaldäern der Lüge, denn

die Wahrsager und Chaldäer werden in der Finsternis untergebracht. (143)

 

56. Schwöret keine falschen Schwüre, denn ein jeder, der falsch

schwört, wird in der Finsternis untergebracht. (144).

 

57. Esset keine Tiere°). Esset kein totes, kein [in +«*+»»] dastehendes,

kein fallendes, kein trächtiges, keines, das ein wildes Tier überfallen hat.

Esset das Fleisch der Tiere, die von den Früchten des Wassers hervor-

gerufen wurden’). Der Anteil des Lichtes werde dem Lichte, der Anteil

 

 

!) Vom Jenseits. 2) Siehe oben, p. 21°.

 

#3) NY27 steht hier wohl nicht wie anderwärts sehr oft für 03% nn „das große

Leben“. Die „Großen“ sind die höheren Wesen, siehe weiterhin.

 

*) BD „Könige“, vgl. auch A. 5) In A ist von diesen nicht die Rede.

 

%) In A steht: das Blut der Tiere!

 

°) Es ist unklar, was hier mit den Früchten des Wassers gemeint ist, anscheinend

 

 

 

 

 

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38 Rechter Teil. 38, 22—40, 4

 

 

der Finsternis der Finsternis zugezählt. Auch esset keines, über das nicht

das Eisen gefahren ist. (125)

 

58. Verzehret nicht Zins und Zinseszins von Gold und Silber, damit

ihr nicht in das verzehrende Meer') fallet. (145)

 

59. Huret nicht, [39] singet nicht, tanzet nicht, und euer Herz lasse

sich nicht für den Gesang einnehmen, den der Satan gesungen, der, ganz

von Zauberei und Blendwerk voll, das Herz der Gläubigen verdreht. (146)

 

60. Liebet und ertraget einander und wappnet euch mit der rechten

Weisheit eures Herrn. Bleibet fest und haltet stand in der Welt und haltet

in ihr aus, bis euer Maß voll ist. Seid eine Hilfe und Stütze den Voll-

kommenen, an die Verfolgung herantritt. (147)

 

61. Unter euch sei nicht Haß, Eifersucht und Zwietracht. Wenn euer

Herz in Zorn und Bitterkeit wallet, so beruhiget und haltet nieder euer

Herz durch das rechte Wort eures Herrn. Denn die Gedanken derer, die

sich mit dem Zorn und dem Gifte des Satans rüsten, werden durch die

rechte Weisheit und den Glauben zur Bescheidenheit hingezogen. Wer sich

nicht durch den Glauben zur Bescheidenheit hinziehen läßt, wird durch

Schwert und Säbel hingerafft. Hingerafft wird er durch Schwert und Säbel

und fällt in die wohlgeheizte Gehenna. (148)

 

62. Wenn jemand euch Gutes erweist, so zeiget euch dafür dankbar.

Verachtet ihn nicht, sondern ehret ihn, seid ihm gefällig und verleugnet die

Wohltat nicht. Wenn ihr die Wohltat verleugnet, dann zeigt ihr euch der

Wohltat unwürdig, und die Wohltat bleibt bei euch aus.

 

63. Sehet ihr einen Guten, so nähert euch ihm, nehmet von ihm.

Weisheit an und handelt danach. Wenn ihr einen Bösen sehet, der weise

ist, so haltet euch von ihm fern. Lernet nicht von seiner Weisheit, tuet

nichts von seinen Werken und wandelt nicht auf seinem Pfade. (149)

 

64. Bei allen euren Handlungen haltet Grenze und Maß ein außer

beim Gebet, der Lobpreisung und der Verehrung eures Herrn. Übet Lohn-

zahlung, Almosenspende, Wohltat und wahrhafte Barmherzigkeit aus vollen,

vollen Kräften. Für diese Wohltaten gibt es weder Grenze noch Maß.

 

65. O ihr Vollkommenen und Gläubigen! Alles, was euch unlieb und

verhaßt ist, tuet auch eurem Nächsten nicht an. [40] Alles, was euch gut

scheint, tuet, wenn eure Kraft hinreicht, und stützet einander. (150)

 

66. Meine Auserwählten! Horchet und seid gläubig und nehmet das

Wort eures Herrn an. Glaubet mit eurem Herzen, sehet mit euren Augen,

höret mit euren Ohren, sprechet mit eurem Munde, übet mit euren Händen

 

 

überhaupt Früchte, die vom Wasser ihre Nahrung erhalten. Noch unklarer ist die Stelle

R 100,14, die nicht bloß das Viehgetier, sondern auch die Früchte der Erde aus den Wasser-

früchten entstanden sein läßt. Hier erhielte man einen besseren Sinn, wenn man NY

striche: die aus dem Wassar entstanden sind. Hingegen stehen die ND NO R 124,2 im

Gegensatz zu den gutartigen Früchten; es sind schlechte, totbringende Früchte.

 

!) Die Bezeichnung findet sich auch R 376, 24. NODN hat hier dieselbe Bedeutung wie

in XDDN N) und in NOIR NO, siehe oben, p.15°. Es ist ein Flammenmeer in der Unterwelt.

 

 

40, 4—41,13 Zweites Buch. Erstes Stück. 39

 

 

Almosenspende und Wohltat und handelt nach dem Willen eures Herrn,

doch handelt nicht nach dem Willen der Leiber, noch nach dem Willen des

hinsinkenden Satans. (152)

 

67. Habet kein Vertrauen auf die Schönheit der Körper, denn ganz

plötzlich verderben sie. (153).

 

68. Habet kein Vertrauen auf den hinsinkenden Satan, der zu nichts

taugt und sich selber nicht aus dem verzehrenden Brande retten kann, der

die Dews und alle Scharen des Satans verzehrt und vernichtet, die an die

Werke dieser Welt gebunden sind und') hier zurückgelassen wurden, daß

sie den Kindern Adams dienstbar seien und in der Welt wandern’).

 

69. Über einen jeden, der das Wort seines Herrn verleugnet und dem

Bösen einen Weg offen läßt, wird die Hand des Satans Macht haben. Wer

den Willen des Satans nicht getan, wird an der Pforte des Feuers nicht

vorbeizugehen brauchen. Tuet den Willen eures Herrn, damit ihr siegreich

zu den Lichtwelten emporsteiget.

 

70. Bedrücket nicht die Niedrigen, die mit euch nicht kämpfen können.

 

71. Verschiebet nicht die Grenzen im Unrecht und verrücket nicht

die Grenzsteine. Wenn jemand die Grenzen verschiebt, wird ein Ver-

dammungsurteil über ihn gesprochen werden.

 

72. Tadelt eure Freunde aufrichtig und leitet recht eure Freundschaft.

Schmeichelt einander nicht und sprechet keine Rede von Lug und Trug.

Wer schmeichelt, den schleift man auf dem Gesichte ins lodernde Feuer.

 

73. Tuet das große Siegel’) auf euren ganzen Körper und löset es

von eurem Körper nicht bis zu dem Tage, da ihr aus eurem Körper scheidet,

jenem Tage [41] der Erlösung.

 

74. Fastet das große Fasten: (109)

 

75. Fastet mit eurem Kopfe im Glauben und verehret und preiset

euren Herrn, den Herrn aller Welten. Verehret nicht die Satane und

Götzen, die in der Welt sind, so werden sie euch untertänig sein. Wenn

der Glaube in euch ist, werden sie eure Diener sein. Wenn ihr jedoch

vom Worte eures Herrn nachlasset, werden die Dews euren Augen ver-

borgen bleiben.

 

76. Fastet mit euren Augen von bösem Zuwinken an einander. Sehet

und tuet nichts Böses. (110)

 

77. Fastet mit eurem Munde von lügenhafter, übler Rede; saget nichts

Falsches und Lügnerisches. (112)

 

78. Fastet mit euren Ohren vom Horchen auf Böses. Höret und tuet

nichts Böses. (111)

 

79. Fastet und läutert euer Herz durch den Glauben. Heget keine

bösen Gedanken. Sinnet nicht auf Böses und gehet nicht mit eurem

 

 

1) Lies PANWI-

 

2) Er hat mit den letzten Worten die Planeten im Auge, siehe oben, p. 24*.

 

8) Mit „Siegel“ ist sonst die Ölung gemeint, siehe Lit., p. 114. Hier bezeichnet es die

Taufe mit ihrem ganzen Beiwerk.

 

 

25

 

 

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40 Rechter Teil. 41, 13—42, 21

 

 

Nächsten in Arglist um. An wem Arglist ist und wessen Sinn nicht

durch die Kustä geläutert ist, dem werden Gebet, Lobpreis, Verehrung,

Lohnzahlung und Almosenspende nicht angerechnet; er fällt in das lodernde

Feuer. (113)

 

80. Fastet mit eurem Körper von einer Gattin, die nicht die eurige

ist. (115)

 

81. Fastet mit euren Händen von der Verübung eines Mordes an den

Kindern Adams. (114)

 

82. O ihr Vollkommenen und Gläubigen! Eure Hände sollen keine

böse Zauberei üben.

 

83. Fastet mit euren Knien von dem Niederknien vor dem hinsinken-

den Satan, den trügerischen Bildern und den nichtigen Konterfeien und

Werken. Denn alles, was geboren wird, stirbt, und alles, was mit den

Händen gemacht wird, verdirbt. Habet kein Vertrauen darauf. (116. 154)

 

84. Meine Auserwählten! Habet Vertrauen auf den hohen Lichtkönig,

den Herrn aller Welten, auf’) die rechte Weisheit, die Kustä und den

Glauben, [42] die erhabenen Reden und die wundersamen Befehle, die euer

Herr gegeben. Denn durch sie kommt euch Sieghaftigkeit, durch sie wird

eure Seele erlöst.

 

85. Dies ist das Fasten, das euch bestimmt wurde; brechet es nicht,

bis euer Leib stirbt. (118) i

 

86. Vertrauet auf die schönen Werke, die ihr übet. Wenn ihr aus

eurem Körper scheidet, könnet ihr euch auf die schönen Werke stützen,

die ihr in der Welt übet. (155)

 

87. Meine Auserwählten! Habet kein Vertrauen auf die Könige, Edlen,

Herrscher und Bedrücker, die ın der Welt sınd, auch nicht auf Heeresmacht,

Rüstung, Krieg, Kampf, Rotte und Heer, die sie zusammenscharen und Ge-

fangene in der Welt zusammenbringen, auf Gold, Silber, Geld und Gut dieser

Welt. Alsdann schwindet ihr Königtum, und ihre Geißel und ihre Herrscher-

macht wird ihnen nicht zur Stütze. Sie gehen zugrunde und lassen es

zurück, sie ziehen hin und sieden im Feuer, bis zum Tage, dem Gerichts-

tage, bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung. (121)

 

88. Meine Auserwählten! Zeiget keine Verachtung gegen das, was

(euch) in der Welt zu tun obliegt. Zeiget Rechtlichkeit, Sanftmut, Be-

scheidenheit und Freundlichkeit, die von der Natur des Lichtes sind. Zeiget

Nachsicht und treue Freundschaft, die von der Natur des Lichtes sind. (156)

 

89. Wenn sich jemand mit einer Bitte an euch wendet und ihr es

dazu habet, so enthaltet es ihm nicht vor”). Denn wenn jemand, der be-

dürftig ist, würdig ist, sich an seinen Nächsten mit einer Bitte wendet)

und dieser, obwohl er es kann und vermag, ihm nichts gibt, so wird die

Gnade bei ihm ausbleiben.

 

 

1) Lies n8OYDın dy. ®) Es ist nicht sicher, daß dies der Sinn der Worte ist.

P)NOINID ist aus der vorhergehenden Zeile fälschlich wiederholt. Auch 877 ist wohl

zu streichen.

 

 

 

 

 

A

 

 

42, 21—44, 2 Zweites Buch. Erstes Stück. 41

 

 

90. Gewähret Unterkunft und Wohnung, Brot und Wasser dem-

jenigen, der in der Fremde wandert, und versehet ihn mit Reisezehrung

für seinen Weg.

 

91. Wer kein Wissen hat und von dieser Weisheit nicht weise wird,

den nähert euch und belehret ihn, damit die Verführer über ihn nicht

herfallen.

 

92. [43] O ihr Männer, die ihr Frauen nehmet, o ihr Frauen, die ihr

an Männer kommet, liebet, prüfet und nehmet'‘). Alsdann, sofern es für

euch niedergeschrieben ist’) und sie in eurem Herzen geliebt ist, nehmet.

Wenn ihr über sie nicht prüfet und nichts bekommet‘), so ertraget es als

Krankheit am Lager. Wenn sie häßliche Werke übt, so hat sie mit sich

selber kein Erbarmen. Entfernet euch von ihr, ihr werde keine Liebe zu-

teil und saget euch von ihr los. Denn sie gleicht dem Leiden‘), für das

es keine Heilung gibt. (157)

 

 

93. Nehmet zur Frau keine Sklavin, die nicht von ihrem Herrn frei- ı

 

 

gelassen ist und bringet somit eure Kinder nicht in ein Herrenhaus. Nehmet

ihr eine, so löset sie aus, und man wird euch Dank wissen. (158)

 

94. Nehmet zur Frau keine Sklavin, die nicht freigelassen ist und

bringet somit eure Kinder nicht in ein Herrenhaus. Wenn für jemand

Söhne und Töchter niedergeschrieben sind und er bringt sie in ein Herren-

haus, so werden am Tage, da der Diener sündigt und sein Herr über ihn

zürnt, die Sünden, die der Diener begeht, über das Haupt seines Vaters

kommen. (158)

 

95. Empfanget treue Liebe von einem Weibe der Treue, die nach

 

 

dem Willen eures Herrn die eurige ist. Verachtet einander nicht, bis euer 2

 

 

Maß voll ist. Wenn jemand sein Weib hintergeht, während an ihr Trug

und Fehl nicht ist, und liebt und gelüstet die Lust dieser Welt, so ist an

ihm Trug und Fehl. Er wird im Gerichtshause verurteilt, in der Finsternis

untergebracht werden. (159)

 

 

96. Wenn ihr Kinder erhaltet, so lehret sie, sobald sie sich aufs :

 

 

Wissen verstehen, Gebet und Lobpreisung, woran keine Mischung noch

Lüge ist. Wenn ihr ihnen die Wege der Wahrheit und des Glaubens zeiget

und sie es nicht annehmen, seid ihr von ihren Sünden frei. (160)

 

97. Neigt sich einmal irgend ein Böser aus eurer Mitte und vom

Worte seines Herrn weg. so richtet ihn wieder”) auf und stützet ihn.

Neigt sich ein Weinstock°) zum zweiten Male weg, so [44] richtet ihn

wieder auf und stützet ihn. Neigt sich ein Weinstock zum dritten Male

weg, so richtet ihn wieder auf und stützet ihn. Wenn ihr ihn stützet, er

 

 

!) Weiter unten steht »)5 in anderem Sinne.

 

2) Im Schicksalsbuche oder nach dem Ausweis des Horoskops. Über dieses siehe Joh. II,

p. 187. Vielleicht bezieht sich auch das angeratene Prüfen hierauf.

 

®) Keine Kinder, siehe die Parallelstelle. *) Cod. B: dem schlimmen Leiden.

 

5) Lies INN.

 

®) So recht charakteristisch für die banausische Art dieses Umarbeiters.

 

 

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35

 

 

49 Rechter Teil. 44, 2-45, 10

 

 

sich aber nicht stützen läßt, so reißet den bösen Weinstock aus‘), bringet

ihn an das Tor des Tempels, lasset ihn Hymnen und Gebetsordnungen

hören, zeiget ihm Schriften und Reden, damit sein Herz und Sinn durch

sie?) erleuchtet werde. Wenn er hört, bezeugt und sich erwecken läßt, so

liebet ihn, bringet ihn an seine Stelle und verdammet ihn nicht. Wenn er

nicht hört, bezeugt und sich erwecken läßt, so reißet den bösen Weinstock

aus, bringet einen guten und pflanzet ihn an seine Stelle. Wenn er nicht

hört, bezeugt und sich erwecken läßt, so wird er durch den Machthaber‘)

getötet werden. Getötet wird er durch den Machthaber und fällt in das

lodernde Feuer. Weil man ihm ins Auge gezeigt, er aber nicht sehen

wollte, man ihm ins Ohr gerufen, er aber nicht hören wollte, soll er ein

Anteil des verzehrenden Feuers werden. (161)

 

98. Wenn ihr Elende, Verfolgte und Vollkommene sehet, die ein

körperliches Übel und Gebrechen befällt, so lachet nicht über sie in eurem

Herzen. Denn nur die aus Fleisch und Blut gebildeten Körper werden

durch Leiden und Gebrechen verächtlich‘). Die Körper werden durch

Leiden und Gebrechen verächtlich, doch die Seele wird durch Leiden und

Gebrechen nicht verächtlich. Die Seele wird nur durch die häßlichen Werke

verächtlich, die sie begeht, während sie im Kerker wohnt. (162)

 

99. Die keine Weisheit annehmen wollen, sinken gleich denen, die

den Willen des Körpers tun, mit ihrem Körper in die Finsternis. Die den

Willen des Satans tun, wandern mit dem Satan ins Feuer.

 

100. Wer den Willen des hohen Lichtkönigs tut, wird in dieser Welt

nicht erniedrigt. Wenn sein Maß voll ist, gehen Lichtengel ihm entgegen.

Mit Lichtengeln steigt er empor, und sein Antlitz leuchtet und strahlt. Ein

jeder reicht ihm von seinem Glanze, bedeckt ihn mit seinem eigenen Lichte,

Siegeskränze°) von seinen eigener legt er ihm [45] um das Haupt, und so

wird er den Engeln des Glanzes gleich. Sie lehren ihn reiche, unvergäng-

liche Lobpreisung, und er steht in einer Lichtwolke und verehrt und preist

den hohen Lichtkönig. Dieser wird voll Erbarmens mit ihm und gewährt

ihm reiche, große Gnade am Orte des Lichtes. Er wird mit einer Festigung

der Sicherheit gefestigt, die nichts von einem körperlichen Gewande ist.

Seine Gestalt ist reines, unvergängliches Licht. Ein jeder, der wahrhaft

und zuverlässig im ersten Glauben steht, erhält Bestand für alle Ewigkeit.

 

101. Meine Auserwählten! Lobpreiset nicht die Engel, die bei Tag

und Nacht wandern‘), seit dem Tage, da man ihnen Glanz und Helligkeit

verlieh, um die Welten zu erleuchten. (163)

 

“ 3) Der Umarbeiter hat diese Worte hier sinnlos stehen lassen, siehe weiterhin und A.

®2) Lies NIRIRIIT.

 

) Im vorhergehenden Satze ist gesagt, daß er aus der Gemeinde ausgestoßen werden

soll, in diesem, daß er in die Gewalt des weltlichen Herrschers fallen und von ihm getötet

werden wird. Von Mandäern soll er nicht getötet werden.

 

 

a) NIN) NINND gibt keinen Sinn. Da hat vielleicht auch NODNF’D gestanden. Die

Worte sind auseinandergezerrt, vgl. A.

 

 

5) Vgl. Joh. II, p. 2. *) Siehe oben, p. 24*.

 

 

45. 10—46, 18 Zweites Buch. Erstes Stück. 43

 

 

102. Lobpreiset nicht den wütigen Sami$ (die Sonne), dessen Name

Qädos, dessen Name Adonai, dessen Name El-El ist. Dazu hat er noch

Namen, die in der Welt nicht geoffenbart sind. (165)

 

103. Wenn Jerusalem, die Stadt der Juden gebaut wird »*x*x xx, der

Abraham, der Prophet, in Jerusalem genannt wird.

 

104. Er, Adonai, ruft Moses vom Berge Sinai, er bekannte Moses und

verlieh ihm «*++xx'). Dieser ruft ein Volk für sich heran und schafft sich

ein Bethaus. So entstand das Volk der Juden. Opfer vom Fett der Tiere

bringen sie ihm dar, das Blut der Tiere gießen sie im Tempel vor sich aus

und tun was man nicht soll. Das Volk vom Hause Israel werden sie ge-

nannt. Sie beschneiden sich mit dem Schwerte, mit ihrem Blute bespritzen

sie sich das Gesicht und beschmieren sich den Mund. Die Männer verlassen

ihre Frauen und gehen zu einander. Sie verleugnen das Wort ihres Herrn

und wenden sich von diesem Glauben ab. Sie werden Juden genannt,

[46] weil sie gesündigt haben’). (166)

 

:105. Ich belehre euch, meine Jünger, ihr Auserwählten, Vollkommenen

und Gläubigen, die ihr in jenem Zeitalter leben solltet: Tuet nichts von

ihren Werken, esset nicht von ihrer Speise und trinket nicht von ihrem

Getränke. Mischet euch nicht mit ihnen und nehmet von ihnen keine Frau,

von jenen hurerischen Sklaven, die ihren Herrn nicht anbeten und vom

Worte ihres Herrn sich abwenden. Sie verleugnen Moses, den Propheten

der Rühä, der ihnen das Gesetz gebracht. Sie verfälschen es, sie verfälschen

die Werke Abrahams, des Propheten der Rüha auf dem Berge Sinai”). Da

sein Herr Adonai ihn lieb gewinnt‘), beschneidet er sich, trennt sich von

seinem Vater, zieht in die Fremde hinaus, in die Welt, gründet sich einen

Platz und schafft sich ein Bethaus. Vermischet euch nicht mit jenen Juden,

die nicht in einer Rede dastehen. (167)

 

106. Vom Volke der Juden gehen Völker und Zungen aus. (168)

 

107. Mich rief und beauftragte mein Herr, daß ich euch über die

Völker der Lüge, sowie über die Propheten der Lüge und die Gesandten

des Fehls belehre: Sie entstehen in der Gebärmutter der Frauen, die Frauen

werden mit ihnen schwanger und gebären sie. Aus dem Leibe der Frauen

treten sie in Körper ein und nehmen körperliche Gestalt an. Sie verdrehen

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Vielleicht war hier von der Verleihung der Thora die Rede, vgl. Joh. II, p. 192f.

 

2) NINDIIN? wird von N (NM) abgeleitet.

 

#) Die beiden letzten Sätze sind wohl so aufzufassen, nicht etwa 2 N’IDND im Sinne

„sind ungläubig durch“, 3 SI270I9 „lügen durch“. Obwohl Moses und Abraham als Pro-

pheten der Rühä bezeichnet werden, wird dennoch den Juden der Vorwurf gemacht, daß sie

das Gesetz Mosis verleugnet und die „Werke‘‘ Abrahams, d.h. die von ihm eingeführten

Kulthandlungen, verfälscht haben, eine Anschauung, die auch der Islam mit Nachdruck vertritt.

=> 59 im Sinne „verleugnen“ auch R 94,22; 104,11,13. Zur Auffassung von I 372 be-

achte, daß für 3 D7NDD 27,19 in 51,4 I Una steht, außerdem vgl. 26,19; 49, 16.

 

%) In der jüdischen, christlichen und muhammedanischen Literatur wird Abraham be-

sonders als Freund Gottes bezeichnet, vgl. NÖLDEKE-SCHWALLY, Geschichte des Qoräns?, I,

p. 1472.

 

 

AR Rechter Teil. 46, 18—48, 6

 

 

die erste Lehre, und Lug, Täuschung und Gaukelei bringen sie in die Welt.

Sie nennen sich Propheten und sagen: wir sind Gesandte. (169)

 

108. Ich nun, der erste Gesandte, sage und lehre allen Kindern Adams,

 

die waren, die sind und die in jenem Zeitalter geboren werden sollen: Höret

 

; nicht auf die Rede der Engel des Fehls, die abfallen und die Menschen-

 

kinder zum Abfall treiben. Sie machen sie gierig nach Gold und Silber,

 

Geld, Gut und Besitz, [nehmen sie ein]’) durch falsche Bilder, nichtige

 

Konterfeie [47] und Gebilde, durch Gesang und die Lust dieser Welt. (170. 171)

 

109. Bald lassen sie Schwert’), Säbel, Schlag, Kampf, Krieg, Angst und

 

;o Schrecken gegen die Menschen los und erfüllen sie mit Angst und Furcht.

Sie behaupten, daß sie uns fürchten, uns anbeten und bekennen. (172)

 

110. Bald treten sie mit Schlauheit, Demut und Schmeichelei, mit

Süßigkeit, List und Täuschung an die Kinder Adams heran und nehmen

ihr Herz gefangen. Den Namen Gottes legen sie ihnen in den Mund und

 

ı5s mehren Täuschung und Lug. In Lüge fasten sie und beten und geben

Almosen. Sie schreiben Bücher und stellen Warnungen für sie auf. Von

der Weisheit, die der Große, Erhabene mir verliehen und ich euch gebracht

habe, passen sie sich auch an und sprechen sie nach. Sie mischen darunter

Reden, durch die ihre (der Gläubigen) Seelen gehemmt werden, sie ver-

:o drehen ihnen das Herz und bringen Abfall in die Welt. (173)

 

111. Ich nun sage euch, meine Jünger: Höret nicht auf die Rede der

Lügenpropheten und wanket nicht ab vom Wege eures Herrn. Denn die

Engel des Fehls nehmen unsere, der drei Gesandten, Gestalt an, die wir in

die Tibil gegangen sind. Ich erklärte euch: Auch sie gehen in der Welt

 

25 umher, doch gleichen sie nicht uns. Ihr Glanz ist kein Glanz, ihr Gewand

ist ein Gewand des Feuers. Ihr Gewand gleicht dem Feuer, ihr (Gewand

und) Kleid der finsteren Dunkelheit. Ja, Propheten sind sie und ahmen

unser Gewand nach. (174)

 

112. Ich sage euch, ihr Vollkommenen und Gläubigen, fallet nicht vom

 

30 Worte eures Herrn ab. Kleidet ihr euch in Weiß und bedecket euch mit

Weiß gleich dem Mysterium des lebenden Wassers, den ....... und Ophanen’).

Leget euch weiße Kopfbinden um das Haupt gleich den Kränzen des Glanzes,

die die Engel des Glanzes sich um das Haupt legen. Bindet euch Gürtel

um die Hüften [48] gleich den Gürteln des Glanzes, die die Uthras des

 

35 Lichtes sich um die Hüften binden. Bedecket euch den Körper mit Ophanen

des Wassers, damit Herrlichkeit sich auf euch lege. Nehmet Stäbe in eure

Hand gleich den Stäben lebenden Wassers, die die Engel des Lichtes

tragen. (175)

 

113. O ihr Gläubigen und Vollkommenen! Saget nichts, was ihr nicht

 

4o wisset und euch nicht offenbart ist. Es gibt niemanden, dem die ver-

 

 

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Y) Siehe A.

 

2) Z ist gedankenlos aus der Vorlage übernommen, siehe Text 24, 21.

 

®) Zu oo siehe Nöld., p. 126,4. NYND1Y enthält ein mißverstandenes hebräisches

DYDIN, das hier als Gewand gedacht ist, siehe Lit., p. 129.

 

 

 

 

 

48, 6—49, 21 Zweites Buch. Erstes Stück. 45

 

 

borgenen Dinge offenbart wären, außer dem Großen, Erhabenen, dem Herrn

der Größe, dem Herrn aller Welten. (176)

 

114. O ihr Gläubigen und Vollkommenen! Wappnet euch mit einer

Rüstung, die nicht von Eisen ist. Eure Rüstung sei das Näsäräertum und

der Kusta-Glaube. (177)

 

115. Wie ihr von der Weisheit mit euren Augen sehet, mit eurem

Munde rufet und mit euren Ohren höret, so handelt. Denn die mit ihren

Augen sehen, mit ihrem Munde rufen, mit ihren Ohren hören und etwas

Gutes mit ihren Händen nicht tun #«+*+x+» und man reißt aus den bösen

Weinstock, der Wasser trinkt, während Früchte, Trauben und Bäume ver-

dorren’). Die Lüge wendet sich am Gerichte des Todes von ihnen ab. Sie

wußten nicht und verstanden nicht, nun werden sie ihren Werken ent-

sprechend zur Rechenschaft gezogen werden. Die Zeugen zeugen über sie,

die zur Rechten und Linken aller Kinder Adams einhergehen. (178)

 

116. Ich belehre euch, wie der Große mir befohlen. Ich verkünde

euch über das Licht, das ausgedehnt und endlos ist. Ich verkünde euch

über die Finsternis und das lodernde Feuer, das ohne Ruhe und Gnade ist.

Ich verkünde euch über den Satan, der ohne Kraft und Festigkeit ist, der

im lodernden Feuer vergeht, in der Natur, aus der er hervorgegangen ist. (179)

 

417. Ferner verkünde ich euch, ihr Näsöräer, die ihr in dieser Welt

seid, entstehet und geboren werden sollet:

 

118. Im ersten Zeitalter wird die Welt durch Schwert und Pest hin-

gerafft‘). Die Seelen scheiden aus ihrem Körper und steigen zum Licht

[49] empor. Denn es ist den Vollkommenen und Gläubigen bestimmt, daß

 

 

sie bei jenem Scheiden aus ihrem Körper scheiden. Dir, Adam, ist es be- :

 

 

stimmt, tausend Jahre in der Welt zu wohnen, und vor dem Schwert wirst

du emporsteigen. Dann wird dein Weib Hawwä abscheiden, dann alle deine

Geschlechter, außer Ram dem Manne und Rud dem Weibe. Von ihnen wird

die Welt sich vermehren, von ihnen die Welt neu erweckt werden. Alle

werden in einer Rede und einer Lobpreisung rufen, die ich in diese Welt

gebracht habe, mit der sie preisen sollen. (181—183)

 

119. Alsdann wird die Welt durch Brand hingerafft werden. Denn

es ist den Söhnen des großen Stammes des Lebens bestimmt, daß sie bei

jenem Scheiden aus ihrem Körper scheiden, außer zweien, Surbai dem

Manne und Sarhabel dem Weibe, von denen die Welt sich vermehren soll.

Surbai der Mann wird das Haupt des Zeitalters genannt werden. Die Seelen,

die durch den Brand hinscheiden, steigen alle zum Licht empor, weil sie die

Lehre, die ihr Herr ihnen gesandt, nicht verfälschen. (184)

 

120. Vom Zeitalter des Ram und der Rüd bis zum Zeitalter des Surbai

und der Sarhabel werden die Menschen sich vermehren. Mit diesen Reden

werden sie preisen und sich vom Worte der Herrlichkeit nicht abwenden. (185)

 

121. Wenn fünfundzwanzig Zeitalter ausgehen, wird die Welt durch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2) Vgl. A. 8, Lies bpnww, vgl. DONM Text 26, 8.

 

 

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46 Rechter Teil. 49, 21—51, 10

 

 

Wasser hingerafft werden. Die Menschen werden mit einem Scheiden durch

Wasser aus ihrem Körper scheiden. Denn es ist für jenes Zeitalter nieder-

geschrieben, daß die Körper durch Wasser‘) sterben, die Seelen jedoch zum

Lichte emporsteigen sollen, außer Noah, dem Manne, und Nuraitä°?), seinem

Weibe, [50] und Sum, Jam °») und Jafeth, den Söhnen Noahs, die vom Wasser-

tode errettet werden sollen. Von ıhnen soll die Welt neu erweckt werden. (186)

 

122. Von Surbai und Sarhabel bis zum Zeitalter des Noah sind es

fünfzehn Generationen. Dann werde ich und die beiden Uthras, meine

Brüder, den Ruf und die Lobpreisung in der Welt verkünden. (187. 188)

 

123. Vom Archen-Noah bis daß Abraham, der Prophet der Rüha, auf-

tritt, bis daß Moses auftritt, bis die Stadt Jerusalem gebaut wird, sind es

sechs Generationen. (189)

 

124. Dann wird der König Salomo, der Sohn Davids, geboren und

wird König von Juda. Er baut den Ort Jerusalem, und die Dämonen und

Dews unterwerfen sich ihm, bis er sich selber verherrlicht und für die Güte

seines Herrn undankbar ist. Darauf wenden sich alle von ihm ab, und die

Herrschaft geht ihm verloren. Wer sich selber verherrlicht, muß sich dann

selber seiner schämen. (190)

 

125. Von Moses, dem Sohne des Amrä, bis zum Ende der Welten‘)

werden Gläubige der Kustä sein; sie werden in diesem Glauben treu be-

funden werden. Dann werden Lügenpropheten auftreten, die Gestalt von

**xx*x+ annehmen’), in jeder Stadt auftreten. Die Völker werden sich ver-

teilen, die Zungen sich verteilen über jede Stadt, über jeden Ort. Die Juden

werden über jede Stadt zerstreut werden. Die Welt wird sich spalten und

Tyrannen sich eines jeden Ortes bemächtigen. Ein Ort wird über den

anderen herfallen, eine Stadt über die andere mit Krieg herfallen, und sie

vergießen Blutströme in der Welt. Ein jeder sucht für sich selber einen

Vorteil und kämpft um das, was nicht ihm gehört. (191)

 

126. Die sieben Engel, [51] die Verführer, verführen sie und rufen sie

an sich, daraufhin beten sie sie an. Der erste Verführer, eins®), ist Samis

mit Namen (die Sonne), der zweite ist der heilige Geist, Dlibat, Estra,

Amamit mit Namen (Venus). Der dritte ist Christus, der Fälscher, der

die erste Lehre verfälscht. Der vierte ist Sin, dessen Name Mond, dessen

Name Saurel ist. Der fünfte ist Kewän (Saturn), der sechste Bel (Jupiter),

der siebente Nerig (Mars). (192)

 

127. Die Dews vom Hause des Sami$ streuen Lüge, Hochmut,

Prahlerei und Üppigkeit des Bauches über die Menschenkinder und ver-

führen sie. Boten sendet er in die Welt hinaus, Rüha und Christus”), und

sie beten Sonne und Mond an und verehren das Feuer. (193)

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Lies 02. 2?) Siehe Joh. II, p. 58. Man beachte auch hier die Alliteration.

®) Aus Cham unter Einwirkung von Jafeth entstanden.

 

#) Hier wird NOÖN „Welt“ im Sinne von aiöv gebraucht, wie auch Text 53, 18; 58, 23.

5) Vgl. Absatz 111. 6) Wohl nur als Glosse in den Text geraten.

?) Diese Worte rühren vielleicht nicht vom Bearbeiter her, sondern sind eingefügt.

 

 

 

 

 

51, 10—53,1 Zweites Buch. Erstes Stück. 47

 

 

128. Die Dasws der Rühä, deren Name Esträ ist, gehen zu Christus

und werfen Abtrünnigkeit in die Welt. Sie werfen Ehebruch, Hurerei,

Gesang, Tanz und Lüsternheit in die Herzen der Menschenkinder. Die

Liliths <Zauberinnen), die Dews (Zauberer) ') lassen sich auf Bergen und

Höhen, lassen sich an jeglichem Orte nieder. Sie unterweisen die Menschen-

kinder, verbreiten sich unter ihnen, holen sie aus ihren Häusern und ihren

Familien, verschleppen sie auf Berge und Höhen, holen sie auf die Ebenen

hinaus und lassen sie für sich dasitzen. Sie lieben Schmutz, Blut und

Menstrualfluß, lieben Frevel und Trug. Im Feuer erscheint ihnen jener

Christus und ruft seine Verehrer auf?). (194. 195)

 

129. Die Dews vom Hause des Kawän werfen Klage und Weinen in

die Herzen der Menschen. Sie bannen sie weg von der Gnade und ver-

schleppen sie auf die Berge. (196)

 

130. Die Dews vom Hause des Nerig fallen über die Menschenkinder

her und schinden sie. (197)

 

131. Ich belehre euch, meine Jünger, [52] über den Lügen-Messias.

Wenn er das erste Mal erscheint, zeigt er ihnen Wunderwerke im Feuer.

Mit Feuer ist er bekleidet, mit Feuer umhüllt. Amünel ist sein Name,

Jesus der Heiland nennt er sich selber. Auf Feuer ist sein Wohnsitz, und

in einem Feuerwagen sitzt er. Er kommt und tritt vor euch, nimmt euch

gefangen und spricht zu euch: „Kommet, tretet zu mir ins Feuer, ohne

daß ihr verbrennet. Glaubet an mich.“ (198)

 

132. Wenn er euch bedrängt und ihr zu ihm übergehet, so bekennet

ihn doch nicht und wendet euch nicht von eurem Glauben ab. Nennet den

Namen des hohen Lichtkönigs, der über allen Welten steht. Sein Name sei

in eurem Herzen und eurem Munde, und seine Kraft ruhe bei euch. (199)

| 133. Alsdann erkläre ich euch, meine Jünger, daß er auch eine andere

 

Gestalt annimmt. Er tritt vor euch, mit Feuerglanz umkleidet, mit Feuer

umhüllt. Jedoch ist er vor euren Augen verborgen, indem er die Augen

blendet. Er spricht zu euch: „Ich bin es, der aus Gott entstanden ist.“

Jener Betrüger spricht: „Ich bin der Sohn Gottes, den mich mein Vater

hierher gesandt hat.“ Er spricht zu euch: „Ich bin der erste Gesandte, ich

- bin Hibil-Ziwa, der ich aus der oberen Höhe gekommen bin.“ Doch be-

- kennet ihn nicht. Denn ich bin nicht mit einem Feuerkleide bekleidet, und

ich offenbare mich in jenem Zeitalter nicht den Menschenkindern. Vielmehr

Enos-Uthra kommt (vor den Wasserfluten zu Noah und seinem Geschlechte.

 

134. Alsdann, wenn die Welt durch die Wasserfluten hingerafft wird

und dann wiederum Ruhe eintritt, werden sich von Noah, seinem Weibe

und seinen Geschlechtern aus die Menschenkinder vermehren.

 

135. Wenn die Kinder Israel sich verteilen, wird die Stadt Jerusalem

gebaut werden. Enos-Uthra kommt) [53] und begibt sich nach Jerusalem, (be-

 

 

2) Die Worte XNNWNINT und NWNINT sind wohl nur Glossen.

2) Die Angaben über Dlibat-Rühä und Nbü-Christus sind hier zusammengeworfen.

 

 

 

 

 

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48 Rechter Teil. 53, 1—54, 8

 

 

vor sich die Dews in die Welt begeben. Zweitausend Jahre geht Ano$ in der

Welt umher)'). Sein Gewand ist ein Gewand von Wasserwolken und ver-

hüllt seinen Glanz. Sein Gewand ist?) kein körperliches, und Glut und Wut

ist”) an ihm nicht. (200)

 

136. Er’) kommt in diese Welt in den Jahren des Pilatus, der dann

König in der Welt ist. Anos-Uthra kommt in die Welt mit der Kraft des

hohen Lichtkönigs. Er heilt die Kranken, macht die Blinden sehend, reinigt

die Aussätzigen, richtet die Verkrüppelten auf, daß sie gehen können, und

macht die Taubstummen redend. Mit der Kraft des hohen Lichtkönigs belebt

er die Toten. Er gewinnt Gläubige unter den Juden und zeigt ihnen: es

gibt Leben und es gibt Tod, es gibt Licht und es gibt Finsternis und

loderndes Feuer, es gibt Wahrheit und es gibt Irrtum. Er führt einen

jeden von ihnen hinaus‘), der eifrig und fest im Glauben an den Einen,

den Herrn aller Welten, ist. (201)

 

137. Alsdann, wenn er seinen Freunden die Wahrheit zeigt, die Stadt

Jerusalem verwüstet und wir zu den Lichtwelten und den Skinas des

Glanzes emporsteigen, offenbaren wir uns nicht mehr in der Welt, bis die

Zeit kommt und das Maß der Welt voll ist. (202)

 

138. Dann, am Ende der Welten’), kommen wir zu den Seelen der

Vollkommenen und zu den Seelen der Schuldigen, die in der Welt gesündigt

und gefrevelt haben und daher in der Finsternis hausen. Ein jeglicher wird

seinen Werken entsprechend aus dem Feuer und der Finsternis errettet

werden außer jedem, der die große Sünde begangen und eine Person aus

den vollkommenen und gläubigen Adamskindern vernichtet hat‘). Ferner

wer sich vom Worte seines Herrn abwendet, zu dem man gesprochen, ohne

daß er hören wollte [54] und gläubig wurde. Ferner wer aus eigenem

Willen den Satan anbetet, nicht Umkehr tut und somit sich selber ver-

dammt. Ferner wer sich vom Jordan, dem Zeichen und der Taufe im

Jordan lebenden Wassers abwendet, der auf den Namen des ersten Lebens

getauft wird und dann das Leben verleugnet; dessen Wurzel wird von den

Lichtwelten abgetrennt. Dann kommen wir in diese Welt mit’) dem Glanze

der Sonne, mit der Helligkeit des Mondes, mit dem Schimmer der Sterne,

mit der Kraft des Windes, mit dem Schein, der dem Feuer verliehen, und

 

 

!) Die durch ( ) eingeklammerten Stücke sind eingeschoben und rühren von einem

Manne her, der das Erscheinen des Enös in die Urzeit verlegte, vgl. auch R 265. Wahr-

scheinlich stand in diesem Einschiebsel statt Wı)yY die andere Form WY)N, die in den man-

däischen Schriften mit W)y abwechselt (an erster Stelle abgeändert), und daraufhin wurde

auch weiterhin WIN geschrieben.

 

®) In B steht entsprechend der Verlegung in die Vergangenheit das Perfektum.

 

®) Die vorangehenden Worte NY1737 NONT NORD SON sind aus dem Folgenden

hierher geraten.

 

*) Der Kompilator von B hat D%'NMD) der Vorlage mißverstanden, siehe A Text 29, 14.

 

5) Siehe oben, p. 46.

 

SEVelep#3323:

 

”, Im Texte steht hier und im Folgenden „auf“. ı

 

 

 

 

 

54, 8—55, 14 Zweites Buch. Erstes Stück. 49

 

 

mit der Helligkeit, die dem lebenden Wasser verliehen ist. Bis zu jener

Zeit offenbaren wir uns nicht in der Welt.

 

139. Ferner erkläre ich euch, meine Gläubigen: Wenn Nbü') aus der

Mitte der Engel des Fehls kommt, ruft ihn Rüha dQudsa, seine Mutter. Auf

dem Kranze Himmels und der Erde, auf dem Berge Tabdanä”), versammeln

sich die Engel des Fehls. Sie salben Nbü aus dem Ölhorn und bekleiden

ıhn mit Feuer.

 

140. Ferner erscheint Christus, der Verführer, in einer anderen Gestalt.

Er tritt vor euch und spricht zu euch: „Ich gehe über das Wasser hin.

Kommet mit mir, ihr werdet nicht ertrinken.“ Doch tuet es nicht und

glaubet ihm nicht. Wenn er euch bedrängt und welche von euch tötet, so

ängstiget euch nicht. Wenn er tötet, so tötet er nur euren Körper, doch

eure Seele wird auf der Lichterde weilen. Erschrecket nicht, ängstiget euch

nicht und fürchtet euch nicht vor Christus, dem Rhomäer), dem nichtigen,

und vor dem, der die Reden abändert‘).

 

141. Ferner reißt er Früchte, Reben und Bäume von dieser Seite des

Meeres aus und wirft sie auf die andere Seite des Meeres. Dann sprießt es

auf deı Stelle auf’) und trägt Früchte.

 

142. Ferner verfertigt er eine Leiter, wirft sie hin vom Erdboden bis

zum Himmel, steigt auf und nieder, schwebt zwischen Himmel und Erde

[55] und spricht zu euch: „Sehet‘), daß ich aus der Höhe komme; ich bin

euer Herr.“ Doch glaubet ihm nicht. Denn die Leiter des Christus ist

durch Täuschung, Zauberei und Blendwerk hergestellt. Wo der Christus

steht, blendet er die Augen, verhüllt den Glanz der Sonne und spricht zur

Sonne: „Verhülle deinen Glanz.“ Doch die Sonne verhüllt ihren Glanz

nicht. Nun schafft er durch Zauberei Dunkelheit an dem Orte, wo er steht,

und spricht zu euch: „Sehet, ich sprach zur Sonne, und sie verhüllte ihren

Glanz, denn ich bin Gott, der Erlöser ’).*

 

143. Ich nun sage euch, ihr Menschenkinder: „Glaubet ıhm nicht.

Vielmehr preiset ihr den hohen Lichtkönig, den Herrn aller Welten. Preiset

nicht den nichtigen Christus. Er verführt die Welten, Generationen und

Völker, und sie kennen die Natur nicht, aus der er hervorgegangen ist.“

 

144. In diesen Gestalten kommt er, macht Gefangene in der Welt,

verführt Menschenkinder und bringt ihnen seine Weisheit bei. „Gottes-

fürchter“ und „Gerechte“ nennen sie sich selber. Christianer nennt er sie.

 

 

!) Bezeichnung für Christus, siehe A 192.

 

2) Der Berg ist nur an dieser Stelle genannt. Der Name ist aus NINTINT „des Ver-

derbens‘“ unter Einwirkung des % von NM gebildet.

 

3) Christus wird als Byzantiner gekennzeichnet. Vielleicht schwebte dem Verfasser

bei 8'829) ein Wortspiel mit X)97 „Betrüger“ vor, siehe NÖLDEKE, Zeitschr. f. Assyriologie

XXX (1916), p. 144. er

 

#) Der die echten Ofienbarungen verfälscht. siehe p. 43°.

 

5) Wohl identisch mit 777 „sich entilammen“.

 

°) Lies 1177, siehe Text Zeile 6.

 

?) Vielleicht eine Reminiszenz an die Finsternis bei der Kreuzigung Jesu.

 

Lidzbarski, Ginze. 4

 

 

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50 Rechter Teil. 55, 15—57,.1

 

 

Er macht sie zu „Gottesfürchtern“ und „Gottesfürchterinnen“. „Gottes-

 

fürchter“, „Heilige“, „Gerechte“ und „Gerechtinnen“ nennt er sie.

 

145. Sie verlassen ihre Häuser und werden Mönche und Nonnen. Sie

hemmen ihren Samen von einander, die Frauen von den Männern und die

Männer von den Frauen. Sie hemmen ihren Samen und ihre Nachkommen-

schaft von der Welt. Sie legen ihrem Munde Fasten auf, und man legt sie

in Fesseln. Sie halten Speise und Trank von ihrem Munde fern, halten

fern weiße Gewänder von ihrem Leibe. Man läßt sie einsam dasitzen, dann

gehen Liliths zu ihnen, legen sich hin, empfangen Samen von ihnen und

ıo werden schwanger; davon entstehen Geister und Schrate, die über die

 

Menschenkinder herfallen. Arznei, Heilmittel und ......... [56] nehmen

sie nicht an, sondern vom Samen, Dreck (Gestank) und Schmutz jener

Mönche bewirft man sie und bestreicht sie. Einige von ihnen lassen dann

ab, andere nicht. (195)

 

15 146. Ferner erkläre ich euch, meine Jünger: Auf neun Monate tritt

Nbü-Christus in den Bauch seiner Mutter, der Jungfrau, ein und hält sich

da verborgen. Alsdann tritt er als Körper, Blut und Menstrualfluß heraus.

Auf ihrem Schoße wächst. er heran und saugt Milch.

 

147. Wenn er herangewachsen ist, tritt er in das Volkshaus‘) der

 

20 Juden ein, eignet sich seine ganze Weisheit an°), verdreht die Thora und

verändert ihre Lehre und alle Werke.

 

148. Er betört Leute unter den Juden, macht sie zu „Gottesfürchtern“

und zeigt ihnen Zaubererscheinungen, an die sie glauben. Er legt ihnen

einen farbigen Rock an, er scheert ihnen eine Tonsur am Kopfe und be-

 

25 kleidet sie der Finsternis gleich. Am Sonntag halten sie ihre Hände still’).

 

149. Er spricht zu ihnen: „Ich bin der wahre Gott, den mich mein

Vater hierher gesandt hat. Ich bin der erste, ich der letzte Gesandte; ich

bin der Vater, ich bin der Sohn, ich bin der Heilige Geist, der ich aus der

Stadt Nazareth ausgezogen bin‘).“ Darüber ist sein Wagen. Er hält sich

 

30 in Demut und geht nach Jerusalem. Er nimmt unter den Juden welche

 

durch Zauberei und Täuschung gefangen und zeigt ihnen Wunderwerke

 

und Erscheinungen. Dews von seiner Begleitung läßt er in einen Toten

eintreten, und sie sprechen in dem Toten. Darauf ruft er den Juden zu

und spricht zu ihnen: „Kommet, sehet, ich bin der, welcher Tote er-

weckt, Auferstehungen erwirkt, Erlösungen vollzieht. Ich bin Anos, der

 

Näsoräer.*“ (200)

 

150. Alsdann läßt Rüha einen Ruf in Jerusalem ertönen und spricht

das Zeugnis über ihn aus. Er nimmt die Menschenkinder durch Zauberei

gefangen und beschmutzt sie mit Blut und Menstruation. [57] Er tauft sie°)

 

 

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1) Der Ausdruck findet sich als Bezeichnung für den jüdischen Tempel, vgl. Joh. II. p. 76.

?) Zum Gebrauche von 5} bei NNMY1DYr7 siehe Joh. I, p. 116%.

 

®) Siehe zu dem Satze die Einleitung.

 

*, Hier ist wohl eine Lücke.

 

’) Hier steht das christliche Wort für .taufen“.

 

 

 

 

 

57. 1-58. 7 Zweites Buch. Erstes Stück. 51

in abgeschnittenem Wasser‘). Er verdreht die lebendige Taufe und tauft sie

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Er wendet: sie

ab von der lebendigen Taufe im Jordan lebenden Wassers, mit der du,

Adam, getauft wurdest. n

 

151. Ferner wird in jenem Zeitalter ein Kind geboren werden, dessen

Name Johana°) genannt wird, der Sohn des greisen Vaters Zakhria, der ihm

im Greisenalter, am Ende von hundert Jahren, zuteil wurde. Seine Mutter,

das Weib Enisbai, ward mit ihm schwanger, im Greisenalter gebar sie ihn.

Wenn Johanä in jenem Zeitalter Jerusalems groß wird, wird Glaube in seinem

Herzen ruhen, er wird den Jordan nehmen, zweiundvierzig Jahre die Taufe

vollziehen, bevor Nbü einen Körper anzieht und sich in die Welt begibt.

 

152. Wenn Johanä in jenem Zeitalter Jerusalems lebt, den Jordan

nimmt und die Taufe vollzieht, kommt Jesus Christus, geht in Demut ein-

her, empfängt die Taufe des Johäna und wird durch die Weisheit des Johanä

weise. Dann aber verdreht er die Rede des Johänä, verändert die Taufe im

Jordan, verdreht die Reden der Kusta und predigt Frevel und Trug in der

Welt.

 

153. Am Tage, da Johänas Maß voll wird’), komme ich selbst zu ıhm,

erscheine Johänä als kleiner Knabe im Alter von drei Jahren und einem

Tage, spreche mit ihm über die Taufe und belehre seine Freunde. Alsdann

hole ich ihn aus dem Körper, führe ihn siegreich zu der Welt empor, die

lauter Glanz ist, taufe ihn im weißen Jordan lebenden, prangenden Wassers,

bekleide ihn mit Glanzgewändern und bedecke ihn mit Lichtturbanen, er-

richte Lobpreis in seinem reinen Herzen von dem Lobpreise der Licht-

engel, mit dem sie ihren Herrn in Ewigkeit ohne Aufhören preisen.

 

154. Nach Johänä wird die Welt [58] in Lüge dastehen. Der Rhomäer

Christus wird die Völker spalten, die zwölf Verführer‘) ziehen in der Welt

umher, dreißig Jahre zeigt sich der Rhomäer in der Welt.

 

155. In jenem Zeitalter bewähret euch, ihr Männer von erprobter

Gerechtigkeit‘), ihr Wahrhaftigen und Glaubensfesten. Ein jeder, der wahr-

haftig und glaubensfest ist, horche nicht auf die Lehre®) des Christus und

auf die falsche Weisheit der zwölf Völker‘) und verlasse nicht diese erste

Lehre. Bleibet fest und standhaft in eurem Glauben, denn gar bald werdet

 

 

>

 

 

») In Wasser, das aus dem Flusse geholt und in ein Gefäß getan ist, siehe p. 15°. .

 

2) Zur Aussprache des Namens siehe Joh. II, p. 74f.

 

8) Das in diesem Absatz Angedeutete wird im vierten Stück des fünften Buches aus-

führlich erzählt.

 

#, Hier sind die Apostel gemeint, doch liegt darin eine Anspielung auf die Zodiakal-

geister, siehe p. 24*.

 

5) Oder „Frömmigkeit“, siehe zu dem Ausdrucke Joh. II, p. 50°. 6) Lies anwb.

 

?, Nach dem vorhergehenden Absatze sollte man erwarten, dab hier von den „zwölf

Verführern“ die Rede sei, und eine irrtümliche Vertauschung der Wörter SONDN und

NYNWDND ist um so eher möglich, als sie kurz vorher nahe nebeneinander stehen. Doch

könnte hier immerhin von den fremden, falschen Religionen allgemein die Rede sein und

SNDIAN NIDNDON im Sinne von INDN 1282 (siehe p. 20°) stehen.

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92 Rechter Teil. 58, 7-59, 11

 

 

ihr die Welt verlassen. Horchet nicht auf die Lügenlehre dessen, der in

Lüge befangen ist.

 

156. Wenn der Große es will, begibt sich Anos-Uthra hierher. Er

wird die Lüge des Lügners Jesus aufdecken, der sich den Lichtengeln gleich

macht. Er wird den Rhomäer Christus, den Lügner, den Sohn eines Weibes,

das nicht aus dem Lichte kam, schuldig sprechen, daß er einer von den

sieben Verführern ist, die in der Welt umhergehen, daß er an der (Himmels)-

sphäre wandert‘). Er wird den Rhomäer Christus als Lügner entlarven.

Dieser wird durch die Juden gefesselt werden, seine Verehrer werden ihn

fesseln, und er wird ans Kreuz geschlagen werden. Sein Körper wird ge-

tötet werden, und seine Verehrer werden ihn in einzelne Teile zerteilen.

Er wird auf dem Berge Marä°) gefesselt werden; wenn die Sonne aufgeht,

läßt sie von ihrer Glut auf ihn los, weil er Irrtum und Verfolgung in die

Welt wirft.

 

157. Auch alle Verführer, welche die sieben Planeten in der Welt ge-

nannt werden, und die Menschenkinder, die sie bekennen‘°), wandern alle

ins Feuer. Denn man ruft ihnen zu, doch sie wollen nicht hören, man

zeigt ihnen, doch sie wollen nicht sehen, man befiehlt ihnen, doch sie

wollen nicht handeln. Sie wenden sich vom Licht ab, machen ........ 2)

und lieben Ansehen’), Berühmtheit (Namen) und den Besitz dieser Welt.

 

158. Meine Auserwählten! Euch sage ich, den Vollkommenen, die in

jenem Äon, da der Rhomäer erscheint, sind und geboren werden: Wendet

euch nicht, sage ich euch, von der wahren Weisheit ab, [59] ändert nichts

an den klaren Reden ab, zeuget nicht und verweilet nicht bei den Träumen

und Gaukeleien, welche die Verführer euch zeigen. Zeuget (für sie) nicht

um Gold und Silber, durch das die Menschenkinder trunken werden und

dann ins lodernde Feuer fallen.

 

159. Lobpreiset nicht mit dem Gesang, den Nbü-Christus in der Welt

singt. Wenn er eine andere Gestalt annimmt, nennen sie ihn den lüsternen

Oros‘), der den Gesang der Zauberei und Wollust singt, tanzt, in die Hände

klatscht und die Herzen der Menschen gefangen nimmt. Sie nennen ihn

den lüsternen Oros, »+*++x» wirft er in die Welt. Seine Mutter Rühä brüstet

sich seiner. Durch sein liebliches Aussehen’) und durch Zauberei verführt

er die Menschenkinder. Auf seinen Ruf verlassen die Bräute das Braut-

gemach und die Wöchnerin das Geburtshaus. Er wirft in der Welt Lüstern-

 

 

t) Wie einer der Planeten.

 

?2) Im Texte steht N%00%. Kaum „seines Herrn“ (NOT): vielleicht liegt eine

Reminiszenz an Moriah vor.

 

°) Lies PIMRDT.

 

*) Das dastehende NN „Freunde“ paßt nicht. Der Schreibfehler ist durch das

folgende Wort beeinflußt.

 

>) Vgl. Lit., p. 78%.

 

°) Oder Oreus. Wahrscheinlich aus Orpheus entstellt (DYYN aus DIN). Christus

wurde mit Orpheus identifiziert, vgl. Joh. II. p. 20.

 

?) Leid. hat ©.

 

 

59, 11-—60. 17 Zweites Buch. Erstes Stück. 53

 

 

heit über die Männer, Lallen und Lüsternheit über die Weiber. Die Männer

laufen den Weibern, die Weiber den Männern nach. Er treibt Greise und

Greisinnen aus ihren Häusern, verehelichte Männer von ihren Gattinnen

weg. Er treibt die Jünglinge aus ihrer Familie, und sie nennen den Namen

ihrer Familie nieht mehr. Er wirft”) Unzucht, Ehebruch, Hurerei, Brunst

und Leidenschaft tiber Männer und Frauen, über Junggesellen und Jung-

frauen. Sie werden zu Hurern «+++» singen. Die Weiber tanzen den

Männern, die Männer tanzen den Weibern entgegen. Er wirft Lüsternheit

und Falschheit in die Welt.

 

160. Die Dews des Nerig streuen Diebstahl unter die Menschenkinder.

Durch ihren Diebstahl”) werden die Menschenkinder geschunden. Erzürner

und Götzen fallen über die Menschenkinder her und erfüllen sie mit Zorn,

und diese werden geschunden. Jene werden Schinder, werden Priester und

Orakelmänner’) und zerschneiden ihnen den Körper. Jene Dews und

Hmurthas‘) des Nerig und die Satane legen sich auf sie, essen von ihrem

Fleische, trinken von ihrem Blute und werden ein (böses) Schauspiel in der

Weit. [60] Sie treiben Sterndeuterei, und die Wahrsager bereiten ihnen’)

Opfergaben und Opferkuchen. Sie lassen sich nieder auf ihren Tempeln,

an jeglichem Orte, auf den Tells, Dächern, Bergen, Höhen, an jeglicher

Stätte und entfernen die Menschenkinder vom Wege des Glaubens. Sie

verführen alle Welt durch Tamburine, Flöten, Hörner, Sofars, sprechen mit

lauter Stimme und verführen die Welt. Sie verführen die Herzen der

Menschenkinder und machen sie trunken durch die Trunkenheit der Liebe,

die Üppigkeit des Goldes und Silbers und durch walzenförmige Bildwerke,

die aus Lehm gebildet sind. Diese nichtigen Werke ihrer eigenen Hände

beten sie dann an, werfen sich nieder und räuchern vor ihnen. (197)

 

161. Manche unter ihnen verehren die Feuerengel und die Sterne, die

an der Himmelssphäre wandern‘), die Glanz und Helligkeit an sich haben,

um die Welten der Finsternis zu erleuchten. Die Stumpfen, Schandbaren

wissen nicht, daß dieser Glanz aus der oberen Höhe gekommen ist und nur

den Wanderern verliehen wurde, damit sie bei Tag und Nacht wandern

sollen ’).

 

162. Auch du, Adam und dein Weib und deine Kinder und deine

Geschlechter, ein jeder, der wahrhaftig und glaubensfest ist, wer froh und

wohlgemut sein will: haltet euch fern von den nichtigen, häßlichen Werken

 

 

2) ON steht hier und weiterhin irrtümlich für SON”), siehe auch Joh. II, p. XII, 24.

 

 

An dieser Stelle hat Leid. S°ON\, doch weiterhin YANT.

 

 

3) Vielleicht ist hier eine Lücke, oder der Satz ist in Gedankenlosigkeit geschrieben.

 

°) Unsicher. Leid. hat 187 NDONYN; vielleicht ist MIR 07 NOYDnYN zu lesen.

Siehe die Parallelstelle.

 

4) Kleine Steinchen und Muscheln, die man als Sitz von Gottheiten ansah, Baitylien,

die dann selber für Dämonen gehalten wurden, siehe Uthra, p. 541. Oben p. 13, 24 findet sich

das Wort noch in der ursprünglichen Bedeutung.

 

5) Wohl YDY7aN zu lesen. Leid. hat NYTaRT.

 

8) Für P7NYT verschrieben, siehe Text 58, 13. ?) Siehe Joh. II, p. 42°.

 

 

 

 

 

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54 Rechter Teil. 60. 17—61. 19

 

 

des :Satans, von den Dews, Dämonen, Geistern, Hmurthäas, Liliths, Götzen,

die er‘) in die Welt gelassen hat, um die Kraft der Menschenkinder auf die

Probe zu stellen. Manche unter diesen sündigen auch. Doch alle, die nach

dem Willen jener handeln, die den Willen des Satans und den Willen ihres

eigenen Leibes tun, bringen sich selber dem lodernden Feuer dar.

 

163. Bewahre! Die Männer von erprobter Gerechtigkeit, die Voll-

kommenen und Gläubigen, reichen ihre Hand nicht dem Satan und tun nicht

den Willen des Satans, so wird auch die Hand des Satans keine Gewalt

über sie haben. Denn sie sind mit dem Glauben gewappnet, [61] nehmen

den Kampf mit dem Satan auf und üben fromme Werke, wie ihr Herr es

ihnen gelehrt.

 

164. Ferner belehre ich euch, ihr Vollkommenen und Gläubigen: Nach

allen Propheten wird ein Prophet von der Erde aufstehen. Der arabische

Prophet kommt und herrscht über alle Völker. Dann ist die Not groß in

der Welt. Nach jener Herrschaft wird die Welt in Wirrsal dastehen. Nach

dem Araber Mahammad, dem Sohne des Bizbat, wird kein Prophet mehr in

der Welt auftreten, und der Glaube wird von der Erde verschwinden. (203)

 

165. Das große Leben sei gepriesen im Lichte, Mandä dHaije gefestigt

in Sieg.

 

Dieses ist das Buch des Herrn der Größe.

 

 

Zweites Stück.

 

 

Ein eindringliches Sündenbekenntnis mit der Bitte um Gnade. Das Stück wird in der

Schlußnotiz „Das Buch des Jordans“ genannt. Damit ist gesagt, daß es bei der Taufe ge-

sprochen werden soll, doch ist es in die Taufliturgie (Lit., p. 3ff.) nicht eingereiht.

 

 

Im Namen des großen Lebens sei gepriesen der Glanz und das große.

erste Licht.

 

Herr der Lobpreisung! Sieh uns an und verdamme uns nicht.

 

Unser Herr! Wir haben gesündigt und gefehlt; erlasse uns unsere

Sünde und Schuld.

 

Erbittlicher, Versöhnlicher, Barmherziger! Sieh uns an und verdamme

uns nicht.

 

Seher und Erkenner! Sieh uns an und verdamme uns nicht. Sieh uns

an und in deiner Barmherzigkeit erbarme dich unser. Bei deiner Kraft und

Zuversicht?) gib nach und erbarme dich unser.

 

 

!) Der Satan, siehe weiterhin. Er:

”) Vielleicht hat ursprünglich JNINY7}7) „und unsere Zuversicht‘ im folgenden Satze

gestanden, ist dann fälschlich hierher geraten und wurde ROUND angepaßt.

 

 

 

 

 

61, 19—62, 17 Zweites Buch. Zweites Stück. 55

 

 

Unsere Hoffnung und unser Vertrauen! In deiner Barmherzigkeit er-

barme dich unser.

 

Weiser und Herrscher! Bei deiner Geneigtheit und Barmherzigkeit

erbarme dich unser.

 

Hoher Lichtkönig! Höre auf unseren Ruf und verdamme uns nicht.

 

Großer, Hoher, Gepriesener! Weil wir gesündigt haben, verdamme

uns nicht.

 

Offenbarer, der die verborgenen Dinge offenbart! In deiner Barm-

herzigkeit erbarme dich unser.

 

Gott der Lobpreisung! Sieh uns an und verdamme uns nicht.

 

Erlöser aller Gläubigen! Erhöre uns und verdamme uns nicht.

 

[62] Festiger aller Guten! Weil wir gesündigt haben, verdamme uns

nicht.

 

Schöpfer aller guten Wesen! In deiner Barmherzigkeit erbarme dich

unser.

 

Retter aller‘) schönen Wesen! Höre auf unseren Ruf und verdamme

uns nicht.

 

Geber aller Gaben! Gib uns Kraft und verdamme uns nicht.

 

Erlöser aller Gläubigen! Erlöse uns von einem jeden, der böse ist.

 

Retter der Seelen! Rette uns von einem jeden, der sündigt.

 

Beseitiger aller Übel! Beseitige von uns Schwert und Zorn.

 

Befestiger aller seiner Freunde! Gewähre uns Festigkeit, damit wir

nicht fallen.

 

Glänzender von reicher Kraft! Gewähre uns Kraft, damit wir nicht

in Schande kommen.

 

Herr aller Lobpreisung! Deine Lobpreisung ruhe über uns’).

 

Behiüter der Wahrhaftigen! Deine Obhut sei uns bewahrt’).

 

Ansporner aller Auserwählten! Deine Anspornung ruhe über uns.

 

Sender jeglichen Gebetes und Lobpreises! Deine Lobpreisung ruhe

über uns.

 

Hoher König voll Erbarmens! In deiner Barmherzigkeit erbarme dich

unser.

 

Arzt, der seine Freunde heilt! Heile uns von unseren Sünden und

verdamme uns nicht.

 

- Arzt, der die Seelen heilt! Heile uns und verdamme uns nicht.

Gewaltiger von gewaltiger Macht! Zerbrich die Macht der Empörer.

 

 

1) Leid. hat NDNTERD 1927.

 

2) Sehr häufig wird der Wunsch geäußert, daß der Glanz oder das Licht der Gottheit

über dem Gläubigen ruhe, vgl. z. B. R 62, 18f.; Lit. 109,4; 208,6. Da nun auch HMI

mit „Glanz“ und „Licht“ zusammensteht (vgl. R 64,12; 74,4,6; 304, 24; Lit. 205, 7), scheint

es, daß es neben „Lobpreis‘‘ die Bedeutung „Herrlichkeit, Glanz“ angenommen hat, daß hier

also dieselbe Verbindung verschiedener Bedeutungen vorliegt wie bei ööfa. Bei der noch

immer ausstehenden eingehenderen Untersuchung der Geschichte dieses Wortes wird auch der

Gebrauch von &nmawın berücksichtigt werden müssen.

 

8) Man erwartet eher ein Aktivum: „bewahre uns“ (NNYNIN).

 

 

in

 

 

30

 

 

35

 

 

 

 

25

 

 

35

 

 

56 Rechter Teil. 62, 17—63,15

 

 

Glänzender von großem Glanze! Von deinem Glanze ruhe ein Teil

auf uns.

 

Großes, unvergängliches Licht! Von deinem Lichte ruhe ein Teil

auf uns.

 

Der du den Vollkommenen die Hand reichest! Reiche uns die Hand,

damit wir nicht fallen.

 

Der du auf die Pfade der Wahrheit stellst! Laß uns von deinen Pfaden

nicht abweichen.

 

Mächtiger, Weiser! Beseitige den Zorn von deinen Freunden.

 

Wahrhafter, der die Wahrhaftigen zur Wahrhaftigkeit führt! Sieh uns

an und verdamme uns nicht.

 

Großer Herr alles Erbarmens! In deiner Barmherzigkeit vernichte

allen Zorn.

 

Der [63] Leben von Tod scheidet! Beseitige den Zorn von deinen

Freunden.

 

Der Licht von Finsternis scheidet! Beseitige den Zorn von deinen

Freunden.

 

Der Gutes von Bösem scheidet! Beseitige den Zorn von deinen

Freunden.

 

Der Wahrheit von Irrtum scheidet! Beseitige den Zorn von deinen

Freunden.

 

Erleuchter der Leuchten’)! Beseitige den Zorn von deinen Freunden.

 

Der mit seiner Kraft den Himmel ausspannt! Beseitige den Zorn von

deinen Freunden.

 

Der durch sein Wort die Erde dichtet! Beseitige den Zorn von deinen

Freunden.

 

Sender des lebenden Wassers! Beseitige den Zorn von deinen Freunden.

 

Der Früchte, Trauben und Bäume prangen läßt! Beseitige den Zorn

von deinen Freunden.

 

Bewahrer der Seelen! Bewahre sie‘) vor allem, was häßlich ist.

 

Sender der Boten der Kusta°). Beseitige den Zorn von deinen Freunden.

 

Geber der Weisheit und der Lobpreisung! Beseitige den Zorn von

deinen Freunden.

 

Richter, der die Seelen richtet! Beseitige den Zorn von deinen Freunden.

 

Offenbarer, dessen Augen offen sind‘)! Beseitige von uns Schwert

und Zorn.

 

Schuldloser ohne Fehl! Laß uns ohne Schuld und verdamme uns nicht.

 

Wir sind Sklaven der Sünden! Weil wir gesündigt haben, verdamme

uns nicht.

 

 

') Der Sterne am Himmel, siehe p. 25, 31.

 

°) Leid. hat IN39an) „bewahre uns“, siehe auch die Lesung in C.

 

®) Des wahren Glaubens.

 

*) Leid. hat INON] APNT NINON). Siehe auch Lit., p. 108, wo sich auch sonst Ein-

flüsse dieses Stückes zeigen.

 

 

63, 1664. 12 Zweites Buch. Drittes Stück. 57

 

 

Wir sind Sklaven, die wir gesündigt haben. Herr! Verdamme uns nicht.

Unser Haupt ging in die Sünde ein. Weil wir gesündigt haben, ver-

damme uns nicht.

Unser Auge gab (unkeusche) Winke. Weil wir gesündigt haben, ver-

damme uns nicht. 5

Unser Ohr erhorchte Böses. Weil wir gesündigt haben, verdamme

uns nicht.

Unser Mund schwatzte') Lüge. Weil wir gesündigt haben, verdamme

uns nicht.

Unsere Hand beging Diebstahl und tat Böses. Herr! Verdamme uns ro

nicht.

Unser Herz ersann böse Gedanken. Herr! Verdamme uns nicht.

Unser Körper trieb Ehebruch. Weil wir gesündigt haben, Herr, ver-

damme uns nicht.

Unser Knie beugte sich vor den Bösen. Erlasse uns unsere Sünde 15

und Schuld. Herr! Verdamme [64] uns nicht.

Unser Fuß ging barfuß. Herr! Verdamme uns nicht.

Wir sind Sklaven der Sünden. In deiner Barmherzigkeit erbarme dich

unser.

Herr aller Seelen! Wir schauten deinen Glanz und erhielten Leben. 20

Wir schauten dein Licht und wurden gläubig. Wir hörten deine Lobpreisung,

und in unser Herz legte sich Kustä. Kustä legte sich in unser Herz, wir

nahmen deine Lobpreisung an und hörten die Worte der Lobpreisung, die

du uns gesandt hast.

Herr! Wir haben gesündigt und gefehlt; erlasse uns unsere Sünde >;

“und Schuld. Gepriesen sei dein Name am Orte des Lichtes.

Dieses ist das Buch des Jordans.

 

 

 

 

 

Drittes Stück.

 

 

Verkündigung des Lichtgesandten über sein Erscheinen in der Welt und die Wirkung,

die sein Erscheinen ausübte. Das Stück ist in Versen geschrieben. Über den Bau des 30

 

 

mandäischen Verses siehe Lit., p. VIILf.

®

 

 

Im Namen des großen Lebens.

Als ich kam, ich, der Gesandte des Lichtes,

der König, der ich vom Lichte hierher ging,

da kam ich®), Gemeinschaftlichkeit”) und Glanz in meiner Hand, 35

Licht und Lobpreis‘) auf mir,

1) Vgl. Joh. II, p. 41°. Ä

2) MNN steht parallel dem ersten M’NN. Weniger gut ist MMN Leid.: „Da brachte

 

 

ich Gemeinschaftlichkeit und Glanz in meiner Hand.“

®, Vgl. Lit., p. 13°. *#) Siehe oben, p. 55°.

 

 

 

 

 

 

 

 

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50

 

 

Rechter Teil.

 

 

Glanz auf mir und Erleuchtung,

Ruf und Verkündigung auf mir,

das Zeichen’) auf mir und die Taufe,

und ich erleuchte die finsteren Herzen.

Mit meiner Stimme und meiner Verkündigung

sandte ich einen Ruf in die Welt hinaus.

Einen Ruf in die Welt sandte ich hinaus

von den Enden bis zu den Enden der Welt.

Ich sandte einen Ruf in die Welt hinaus:

Jedermann gebe auf sich selber acht.

Ein jeder, der auf sich selber achtgibt,

wird aus dem verzehrenden Feuer befreit werden.

Heil den Dienern der Kusta,

den Vollkommenen und Gläubigen.

Heil den Vollkommenen,

die sich von allem Bösen fernhalten.

 

 

Der Gesandte des Lichtes bin ich,

 

den der Große*) in diese Welt gesandt hat.

Der wahrhaftige Gesandte bin ich,

 

an dem keine Lüge ist;

der Wahrhaftige‘), an dem keine Lüge ist,

 

nicht ist an ihm Mangel und Fehl.

 

 

Der Gesandte des Lichtes bin ich;

ein jeder, der seinen Duft riecht, erhält Leben.

Ein jeder, der seine Rede in sich aufnimmt,

dessen Augen füllen sich mit Licht.

Mit Licht füllen sich seine Augen,

[65] sein Mund füllt sich mit Lobpreisung.

Mit Lobpreisung füllt sich sein Mund,

sein Herz füllt sich mit Weisheit.

Die Ehebrecher rochen mich‘),

da ließen sie eilig von ihrem Ehebruch.

Von ihrem Ehebruch eilig ließen sie,

kamen und umgaben sich mit meinem Geruch.

Sie sprachen:

Als wir ohne Kenntnis waren°), trieben wir Ehebruch,

 

 

64.1265. 5

 

 

jetzt wo wir die Kenntnis haben, ehebrechen wir nicht mehr.

!) Das Zeichen der Ölung, siehe Lit., p. 27, 40 u.a.

 

 

°) Damit ist hier wie in Buch I und Buch II,1 der Lichtkönig gemeint.

 

 

?) Leid. hat weniger gut NIN NWWND, das auch durch das fehlerhafte nYwND D nicht

gestützt wird.

*) Vielleicht hat hier ursprünglich die 3. Pers. gestanden, vgl. p. 59, 8, 25.

 

 

°) Als wir den rechten Glauben noch nicht kannten, in der äyvora waren.

 

 

TE

 

 

65, 5—

 

 

 

 

 

22 Zweites Buch. Drittes Stück. 59

 

 

Der wahrhaftige Gesandte bin ich,

an dem keine Lüge ist,

der Wahrhaftige, an dem keine Lüge ist,

nicht ist an ihm Mangel und Fehl.

Ein jeder, der seinen Duft riecht, erhält Leben ').

Ein jeder, der an ihm riecht,

dessen Augen füllen sich mit Licht.

Die Lügner rochen ıhn,

da ließen sie eilig von ihrer Lüge.

Von ihrer Lüge eilig ließen sie,

kamen und umgaben sich mit meinem Geruch.

Sie sprachen:

Herr! Als wir ohne Kenntnis waren, sprachen wir Lüge,

jetzt wo wir die Kenntnis haben, sprechen wir sie nicht mehr.

 

 

Der Gesandte des Lebens bin ich,

der Wahrhaftige, an dem keine Lüge ist,

der Wahrhaftige, an dem keine Lüge ist,

nicht ist an ihm Mangel und Fehl.

Der Baum der Lobpreisung,

von dessen Geruch ein jeder Leben erhält.

Ein jeder, der an ihm riecht,

dessen Augen füllen sich mit Licht.

Mit Licht füllen sich seine Augen,

[sein Mund füllt sich mit Lobpreisung).

Die Mörder rochen ihn,

da ließen sie eilig von ihrem Morde.

Von ihrem Morde eilig ließen sie,

kamen und umgaben sich mit meinem Geruch.

Sie sprachen:

Herr?)! Als wir ohne Kenntnis waren, begingen wır Mord,

jetzt wo wir die Kenntnis haben, morden wir nicht mehr.

Die Zauberer rochen ihn,

da ließen sie eilig von ihrer Zauberei.

 

 

Von ihrer Zauberei eilig ließen sie,

 

 

kamen und umgaben sich mit meinem Geruch.

 

Sie sprachen: |

 

Herr! Als wir ohne Kenntnis waren, trieben wir Zauberei,

jetzt wo wir die Kenntnis haben, tun wir es nicht mehr.

 

 

Ein Weinstock sind wir’), des Lebens Weinstock,

ein Baum, an dem keine Lüge ist.

 

 

\) Siehe p. 58, 23f. 2) ININD hier nur in Leid.

3) NORBERG hat, vielleicht nur als Konjektur, XIN „bin ich“ (p. 124).

 

 

15

 

 

33

 

 

40

 

 

5

 

 

10

 

 

15

 

 

30

 

 

Sa

 

 

40

 

 

60

 

 

Rechter Teil. 65, 22—66, 16

 

 

Der Baum der Lobpreisung,

von dessen Geruch ein jeder Leben erhält.

 

 

Ein jeder, der seine Rede höret,

 

 

dessen Augen füllen sich mit Licht.

Mit Licht füllen sich seine Augen,

sein Mund füllt sich mit Lobpreisung.

Mit Lobpreisung füllt sich sein Mund,

[66] sein Herz füllt sich mit Wahrheit.

Die Winker') rochen ihn,

da verließen sie eilig ihr Winken.

Ihr Winken eilig verließen sie,

kamen und umgaben sich mit meinem Geruch.

Sie sprachen:

Als wir ohne Kenntnis waren, gaben wir Winke,

jetzt wo wir die Kenntnis haben, winken wir nicht mehr.

Von dem Tage an, da wir dich schauten,

von dem Tage an, da wir deine Rede hörten,

von dem Tage an, da wir dich schauten,

füllte sich unser Herz mit Ruhe.

Wir glaubten an dich), Guter,

wir schauten dein Licht und werden dich nicht mehr vergessen.

Wir werden dich alle unsere Tage nicht vergessen,

nicht eine Stunde aus unserem Herzen dich lassen.

Denn unser Herz soll nicht erblinden °),

diese Seelen nicht gehemmt werden.

 

 

Ich sprach zu ihnen:

Ein jeder, der Umkehr tut,

dessen Seele soll nimmer abgeschnitten werden;

nimmer wird der Herr ihn verdammen.

 

 

Doch die Bösen, sie, die Lügner,

 

 

verdammen sich selber.

Denn man zeigt ihnen, und sie wollen nicht sehen,

man ruft ihnen zu, und sie wollen nicht hören uud gläubig werden.

Die Bösen sinken nach ihrem eigenen Willen

in das große Süf-Meer.

Sie werden in der Finsternis untergebracht,

und der Finsterberg verschlingt sie,

bis zum Tage, dem Gerichtstage,

bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung.

Doch uns, die wir (dich) preisen, Herr,

wirst du unsere Sünde und Schuld erlassen.

 

 

 

 

 

!) Die unkeusche Winke geben. ®) Lies TNINIONT.

®) Leid. hat schlecht IxI31)nD „soll nicht zu Grunde gehen“.

 

 

66, 17—67, 11 Zweites Buch. Viertes Stück. 61

 

 

Gepriesen seiest du, König des Lichtes,

 

der du uns, deinen Freunden, die Wahrheit gesandt hast’).

Siegreich warst du, Mandä dHaije,

 

und verhalfest allen deinen Freunden zum Siege.

Das Leben siegt über alle Werke.

 

 

Viertes Stück.

 

 

Ermahnungen. besonders zum ehelichen Leben.

 

 

Im Namen des großen Lebens.

Euch rufe ich zu, Pflanzen, die ich gepflanzet, Auserwählte, die ich

_ auserwählt habe:

 

Buhlet nicht und stehlet nicht — warum wollt ihr auch Winker sein,

warum den Schwachen dem Starken ausliefern °)?

 

Gleichet nicht den Propheten des Truges, noch den Richtern der Lüge;

nicht steigen sie empor’) aus dem Jordan, noch wurden sie gefestigt durch

diesen [67] Herrn, der in der oberen Höhe sitzt.

 

Dann sage und zeige ich euch, ihr Auserwählten und Vollkommenen,

die ihr den Glauben an den Herrn der Größe angenommen habet. Ich be-

lehrte euch über die Junggesellen und Jungfrauen, über die Männer, die

keine Frauen, und über die Frauen, die keine Männer suchen.

 

Steiget an das Ufer des Meeres, sehet die Fische im Meere: zu zweien

ziehen sie im Meere dahin und gehen nicht zu Grunde. Sehet‘) die fliegenden

Vögel am Himmel: zu zweien fliegen sie dahin und gehen nicht zu Grunde.

Du nun, siehe, warum willst du zu Grunde gehen?

 

Steiget an das Ufer des großen Fuphrat, sehet die Bäume, die am Ufer

des großen Euphrat stehen: sie trinken Wasser und tragen Früchte und

gehen nicht zu Grunde.

 

Doch sehet den trocknen Fluß, in dem kein Wasser hinzieht. Er

trocknet aus’), und die Bäume an seinem Ufer vertrocknen und sterben hin.

 

 

 

 

 

1) GD und Leid. haben PONIRTRDT „der du deinen Freunden gesandt hast‘.

 

2) Siehe zu diesem Satze die Ermahnungen Joh. 174f. (II, p. 174). Mit „Winkern“ oder

„Nickern“ sind Leute gemeint, die unkeusche Winke geben, wie NM’ NTONN oben p. 60,9

(Text 66,1). Zu yD siehe Nöld, p. 39, 11. Auch L 60,5; 105, 15; Joh. 175, 11, 12; 185,14

stehen Y%D und 17 zusammen. An Ny2 im Sinne von 13 BIN (bezw. psı> CISL,

141,2) ist trotz des folgenden Satzes nicht zu denken. — Leid. hat einfacher ahp/\ab) NINND

nananad „liefert nicht den Schwachen dem Starken aus“.

 

2) Leid. hat NPINDNST.

 

+) Leid. hat vorher noch YX32 „Meine Söhne!“

 

#) Die Münchener Handschrift hat hier gut NYN3 7.

 

 

in

 

 

Io

 

 

25

 

 

62 Rechter Teil. 67, 11-68, 10

 

 

Ebenso‘) vertrocknen und sterben hin die Seelen der Junggesellen und

Jungfrauen, der Männer, die keine Frauen, und der Frauen, die keine

Männer suchen. Wenn sie ihren Körper verlassen, erhalten sie ihren Sitz

in finsterem Gewölk. Denn sie werden aus ihrem eigenen Bauche be-

fruchtet, und es kommt ihnen aus dem Munde heraus: weil sie’ getan

haben, was ich ihnen nicht befohlen.

 

Ferner rufe ich euch zu und erkläre euch: In der Welt, in der ihr

wohnet, machet Hochzeit für eure Söhne, die Männer, sowie für eure

Töchter, die Weiber, und glaubet an euren Herrn, den hohen Liehtkönig. °

Denn diese Welt nimmt ein Ende und vergeht.

 

Ferner rufe ich euch zu und erkläre euch, ihr Auserwählten und Voll-

kommenen, die ihr den Glauben an den Lichtkönig angenommen habet:

Warum verkehret ihr mit diesen Junggesellen und Jungfrauen, den Männern,

die keine Frauen, und den Frauen, die keine Männer suchen? Wenn ihr

mir mit ihnen verkehret, werdet ihr in die Gehenna fallen, für deren

Dach nicht tausend mal tausend, für deren Wände nicht zehntausend

mal zehntausend Zedern hinreichen. Wenn ihr euch jedoch nicht [68] zu

ihnen haltet, werdet ihr emporsteigen und sein ruhiges Antlitz schauen.

 

Ferner rufe ich euch zu und zeige euch, ihr Auserwählten und Voll-

kommenen, die ihr den Glauben an den Lichtkönig angenommen habet. Ich

belehre euch über die Tiere, die fliegenden Vögel, die Fische im Meere und

das Getier im Meere. Sie schlachtet, waschet ab, reiniget, spület ab und

kochet, betet über sie und esset, dann werdet ihr keine Prüfung zu be-

stehen haben).

 

Das Leben ist siegreich über alle Werke.

 

 

Die Utlras sprechen zu Jözataqy Mandä dHaije: Dein Gewand leuchte

und deine Gestalt sei geehrt bei jenem deinem Vater, dem Herrn der Größe.

‘) Hier hat sich MD im ursprünglichen Sinne erhalten. Danach ist Nöld., p. 206f. zu

 

 

ergänzen.

2, Über erlaubte und verbotene Speisen siehe p. 20,125; 37, 57.

 

 

DZ

 

 

Rene

 

 

 

 

 

Drittes Buch.

 

 

Das Buch enthält einen ausführlichen Schöpfungsbericht und ist der umfangreichste

unter den erhaltenen mandäischen Traktaten. Es ist aus verschiedenen Stücken zusammen-

gefügt, die schlecht verarbeitet sind, und die Widersprüche stoßen oft auf einander. Dadurch

daß die bösen Mächte die Schöpfung zu verhindern oder in ihrem Sinne zu gestalten suchen,

wird mehrfach ihr Treiben eeschildert. und diese Partien gehören nicht zu den schlechtesten

in dem Buche.

 

An der Spitze stehen zwei Berichte über die Urschöpfung; in beiden wird alles aus

einer Urfrucht hergeleitet. Nach dem zweiten Berichte geht das „Leben“ aus dem groben

Mänä hervor, und das erste Leben schafft durch sein bittendes Wort das zweite Leben.

Dieses schafft Uthras, unter denen besonders drei hervortreten (siehe Brandt, Rel.. p. 122).

Die drei Uthras bitten das zweite Leben, ihren Vater, Skinäs und eine Welt gründen zu

dürfen. Die Bitte wird ihnen vom zweiten Leben gewährt, doch dem großen (ersten) Leben

gefällt es nicht. Dieses wendet sich an den großen Mänä, der darauf Kbar den (iroßen

schafft. Kbar wird mit Mandä dHaije identifiziert, und im Folgenden ist bis auf eine Stelle

(Text 77,7£.) von ihm nicht weiter die Rede. Nach mehreren vergeblichen Anrufungen wird

Mandä dHaije aufgefordert, den Uthras zuvorzukommen, zur Unterwelt hinabzusteigen und

ihren Plan zu vereiteln (Text 71). Er weist auf die Gefahren bei diesem Werke hin, doch

wird ihm vom großen Mänä Schutz zugesagt. Er begibt sich in das Haus des Lebens, das

ihn gleichfalls auffordert, den Uthras entgegenzutreten (73). Es folgen Fragen und Ant-

worten über die Finsternis und die Urschöpfung. die nicht zu einander passen und offenbar

aus Stücken verschiedener Herkunft bestehen. Dabei wird auch eine dritte Darstellung der

Schöpfung aus der Urfrucht gegeben. in der an die Stelle des großen Mänä der Lichtkönig

getreten ist. Mandä dHaije wird dann zum Abstieg in die Unterwelt ausgerüstet, und der

Hinabstieg findet statt (79f.). Hier tritt er aber nicht den Uthras, sondern den Unholden (8792)

der Finsternis entgegen, an deren Spitze Rühä und ihr Sohn Ur, der König der Finsternis,

stehen. Mandä dHaije nimmt den Kampf gegen diesen auf, er überwindet ihn, fesselt ihn und

legt eine Mauer um ihn. Er steigt dann zum Leben empor, das ihm für sein Werk dankt.

- Text 98, 2 wird in einem neuen Stück an die Vorstellung vom zweiten Leben angeknüpft.

Hier wird es aber nicht mehr so, sondern „der Zweite“ genannt. Berührungen mit dem. 14.

Buche (R 291—298). Auch an den Zweiten wenden sich die Uthras mit der Bitte, eine Welt

gründen zu dürfen. Die Bitte wird ihnen gewährt, und sie schaffen Ptahil. B’haq-Ziwä mabßt

sieh unter den Söhnen des Zweiten eine besondere Stellung an. er hält sich für Abathur und

 

 

 

 

 

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In

 

 

40,

 

 

64 Rechter Teil.

 

 

sieht sich als Vater der Uthras an. Er ruft Ptahil, der nach R 297, 20 sein Sohn ist,

nennt ihn Gabriel (siehe auch p. 89,6) und beauftragt ihn mit der Schöpfung. Von dem

Widerstande, auf den er stoßen würde, benachrichtigt er ihn nicht und wappnet ihn nicht.

Ptahil steigt unterhalb der Skinäs hinab. Er verliert von seinem Glanze, die Verdichtung

gelingt ihm nicht, und dies ermutigt Rühä ihm entgegenzutreten. Sie fordert dreimal ihren

Sohn auf, bei ihr zu liegen, dann werde er seine Kraft und seine Freiheit wieder gewinnen.

Sie gebiert dann erst sieben, dann zwölf, dann fünf Unholde (siehe p. 13*), deren Aussehen

sie mit Entsetzen erfüllt... Ptahil holt sich nun vom Leben ein Gewand lebenden Feuers, er

tritt damit in das trübe Wasser, Staub von der Erde Siniawis fällt auf das trübe Wasser,

und dadurch entsteht eine Verdichtung. Auch das Firmament wird ausgespannt (97). Die

Planeten und die anderen Bösen umgeben Ptahil und bieten ihm ihre Dienste an. Er nimmt

dies unter der Bedingung an, daß sie nur Gutes tun. Darauf wird ihm das Haus, d. h. die

irdische Welt, weggenommen, und die Bösen erhalten die Herrschaft darüber (98 unt.). Ptahil

faßt nun den Entschluß, Adam zu schaffen, zieht jedoch zu dem Werke auch die Planeten

heran. Sie schaffen den Körper, können aber keine Seele in ihn werfen (101). Sie rufen den

Luftwind heran, damit er die Knochen aushöhle, auf daß Mark sich in ihnen bilde. Sie

können aber trotz aller Bemühungen Adam nicht auf die Beine stellen. Da begibt sich

Ptahil zu seinem Vater, der aus dem „verborgenen Orte“, d. h. aus dem Hause des Lebens,

einen Mänä holt und ihn Ptahil übergibt. Das Leben ruft nun herbei (oder ruft hervor?)

Hibil, Sitil und Anös als Helfer, die die Seele behüten sollen. Nach einer verderbten Stelle

erscheint, den Zusammenhang störend, Adakas-Ziwä, d. h. der verborgene Adam (= DNIN |

N'DND), das jenseitige Gegenbild zum irdischen Adam, der beauftragt wird, die Seele zu be-

hüten (102); er wird im Folgenden mit Mandä dHaije zusammengeworfen. Dieser beseelt

zusammen mit Ptahil den Körper, und er wird vom Leben beauftragt, Adam die wahre Lehre

zu verkünden. Rühä und die Planeten ihrerseits stellen Adam nach und wollen ihn durch

ihre Künste verführen (105). Mandä dHaije tritt ihnen kraftvoll entgegen. Auf den Rat

der drei Uthras veranstaltet Mandä dHaij® zusammen mit diesen dem Adam eine Hochzeit,

und sie geben ihm Hawwä zur Frau. Rühä, die Sieben und Zwölf beschenken das Paar mit

allerhand Luxus, mit Gewändern, Gold, Wein, Blumen, um sie abtrünnig zu machen. Mandä

dHaije und seine Begleiter vereiteln jedoch ihre Pläne. Er verhilft Adam einen Stamm zu

gründen (107). In einem fragmentarischen Stücke werden die Kinder Adams und Hawwäs,

vielleicht auch die des jenseitigen Gegenpaares Adakas-Ziwä und Anäna dNhürä genannt.

Mandä dHaije unterweist Adam und Hawwä in den Kulthandlungen. Wiederum suchen Rühä

und ihr Kreis, sein Werk zu vereiteln. Sie versammeln sich auf dem Berge Karmel und

fassen den Plan, den fremden Mann zu beseitigen (110). Durch allerhand Zauberkünste

suchen sie Adam und seinen Stamm zu betören. Die Mittel der Verführung werden unter

die sieben Planeten verteilt, und auch den Zwölf wird ihr Wirkungskreis zugeschrieben.

 

 

Adam, der schlief, erwacht infolge der Unruhe in der Welt und ruft nach einem Helfer (113).

Statt Mandä dHaije’s erscheint hier Hibil-Uthra, der ihn und seine Söhne aufklärt und be-

ruhigt. Im Anschluß daran wird von dem Abfalle eines Sohnes Adams erzählt, der im Fol-

 

 

 

 

 

 

genden Adam, Sohn Adams, genannt wird und von dem sonst nicht die Rede ist. Er geht

zu Rühä und den Sieben und wird von ihnen mit Freuden empfangen (115). Weiterhin wird

er mit Adam selbst identifiziert. Um ihn zu täuschen und an sich zu ziehen, nimmt Rüha

die Gestalt der Hawwä an. Der Erlöser erscheint, deckt ihre Gaukelei auf und hestraft sie

 

 

68. 11-69, 2 Drittes Buch. 65

 

 

und die Planeten (118). Es folgt eine Übersicht über die falschen Religionen und ihre Be-

ziehungen zu den Planeten. Darstellung der Verteilung der Weltdauer unter die Tierkreis-

zeichen und Herleitung der Tiere und Pflanzen von den einzelnen Zeichen.

 

Das Buch ist in Versen geschrieben. Aber in zwei Stücken lassen sich, selbst bei

nachsichtiger Beurteilung des Versbaues, keine Verse gewinnen. Das erste Stück steht am

Antange des Buches. Es reicht ungefähr so weit als .der große Mänä der Herrlichkeit als

höchstes Wesen erscheint; nachher tritt an dessen Stelle das große Leben. Beim Übergange,

wo noch vom großen Mänä die Rede ist, findet sich mehrmals der Plural, der im jetzigen

Texte sinnlos ist, so NND Text 71, 16, SYNINW 72. 19; 8127 72,22. Es läßt sich nur so

erklären, daß auch an diesen Stellen, und wohl schon vorher, ursprünglich das Leben ge-

nannt war, dab eine Umarbeitung mit Einfügung des großen Mänä stattfand, aber versehent-

lich der Plural stehen gelassen wurde. So ist wohl auch die Wiederholung p. 67, 33 und 69, 3

entstanden. Bei dieser Umarbeitung, bei der auch die beiden Stücke über die Urfrucht ein-

gefügt sein mögen, ging die Versform verloren.

 

Das zweite Stück ist Text 99, 22 bis 101, 4. Der Anfang ist offensichtlich einge-

schoben, weiterhin ist das Stück umgearbeitet.

 

Nach den Bemerkungen am Anfange und am Schlusse des Buches hat die Schrift den

"Pitel „Buch der lebendigen, ersten Lehre“. Am Anfange wird das Buch das „erste“ genannt,

wohl mit Rücksicht auf die einleitenden Worte im folgenden Buche. — Siehe zu dem Buche

Brandt. Rel.. p. 24ff., 34ff.. 50. 122: Schr., p. 12511.

 

 

Im Namen des großen, fremden Lebens, des erhabenen, das über allen

Werken steht, werde Heilung und Sieghaftigkeit, Kraft und Festigkeit und

ein Sündenerlasser zuteil mir NN, meiner Gattin NN und meinen Kindern

NN. NN, und ihr Name werde aufgerichtet im Hause des Lebens.

 

 

Im Namen des großen, fremden Lebens aus den Lichtwelten, des er-

 

habenen, das über allen Werken steht.

 

Dies ist das Mysterium und das erste Buch der lebendigen, ersten

 

Lehre, die von jeher war.

 

Als die Frucht noch in der Frucht, als der Äther noch im Äther war,

| als der große Mäna') der Herrlichkeit da war, aus dem gewaltige, große

Manas hervorkamen, deren Glanz ausgedehnt, [69] deren Licht groß ist, vor

denen niemand in der großen Frucht war, die ausgedehnt und endlos ist,

 

 

!, Bedeutet geistiges Wesen, Geist, auch den Geist im Menschen. Der ursprüngliche

Sinn ist wahrscheinlich „Gefäß“. Bei den Semiten wird vielfach der Gegenstand, den man

sich als Sitz des göttlichen Wesens, des Gottes, denkt, der Stein, Baum, Pfahl, Altar u. a.

mit dem Gotte identifiziert und dessen Bezeichnung auf den Gott übertragen. So konnte

denn auch der Geist nach dem ihn bergenden Behälter, dem „Gefäß“, benannt werden. Siehe

Uthra, p. 538°; NÖLDERE, Zeitschr. f. Assyriologie XXX (1916), p. 145, 160; REITZENSTEIN,

Das mand. Buch des Herrn der Größe, p. 361. Die Bezeichnung oxedos &vripov, wie die

abgeschiedene Seele sich bei den Herakleoniten selbst benennt (Epiphanius, Haer. 36, 3), ent-

spricht mandäischem NDR? SIND R 325, 12; 326, 1,13, oder XTPN' SIND R 135, 5, 14.

@. HOFFMANN’s Erklärung von NIND als „Gewand“ (ZNTW IV. 1903, p. 284°) ist unwahr-

scheinlich.

 

 

Lidzbereki, (rinza. 5)

 

 

 

 

 

in

 

 

_

 

 

[6]

 

 

-

 

 

si

 

 

wvı

 

 

15

 

 

[9

in

 

 

66 Rechter Teil. 69, 2—-70, 9

 

 

deren Glanz zu ausgedehnt für die Rede mit dem Munde, deren Licht zu

groß für das Erzählen mit den Lippen ist, die in jener Frucht war, da

kamen aus ihr hervor tausend mal tausend Früchte ohne. Ende und zehn-

tausend mal zehntausend Skinas ohne Zahl. In jeder einzelnen Frucht

waren tausend mal tausend Früchte ohne Ende und zehntausend mal zehn-

tausend Skmäs ohne Zahl. Sie stehen da und preisen jenen großen Mana

der Herrlichkeit, der im großen Äther des Lebens wohnt, der im Jordan

weißen Wassers ist, das aus dem großen Manä herausgekommen war, dessen

Duft angenehm ist, an dem alle Wurzeln des Lichtes und des großen, ersten

Glanzes riechen. Der große Jordan entstand ohne Ende und Zahl. An ihm

stehen Pflanzen, freuen sich und frohlocken. Sie sind alle voll Lobpreises

und stehen vollendet da. Aus dem großen Jordan kamen Jordane ohne

Ende und Zahl.

 

Als die Frucht noch in der Frucht, als der Äther noch im Äther war,

als der große Glanz‘) war, dessen Glanz und Licht ausgedehnt und groß

ist, vor dem niemand war, aus dem der große Jordan lebenden Wassers

kam, (aus dem selbst das Leben entstand) °), da ergoß sich dieses zur Erde

des Äthers, auf der°) das Leben sich niederließ und sich in der Gestalt des

großen Mänä hinstellte, aus dem es hervorgekommen war, und dieses richtete

eine Bitte an sich selbst‘). Auf die erste Bitte entstand der gefestigte

Uthra, den das Leben das zweite Leben nannte. [70] Auch entstanden

Uthras ohne Ende und Zahl’). Und aus jenem lebenden Wasser entstand

ein Jordan, der wie der erste Jordan sich zur Lichterde ergoß, und das

zweite Leben nahm festen Sitz in ihm®). Jenes zweite Leben schuf dann

Uthras, gründete Skinas und schuf einen Jordan, in dem die Uthras festen

Sitz erhielten.

 

Drei Uthras entstanden, die eine Bitte an das zweite Leben richteten;

sie baten, für sich Skinäs schaffen zu dürfen. Was die drei Uthras vom

zweiten Leben erbaten, gewährte es ihnen. Sie beraten sich und schaffen

Skinas. Sie beteten”) und sprachen zu ihrem Vater, sie fragten ihren Vater

 

 

1) Hier steht N.

 

2) Ich streiche diese Worte, die den Gedanken unterbrechen und im Widerspruch zu

der bald darauf folgenden Äußerung stehen, daß das Leben aus dem großen Mänä hervorge-

gangen sei. Die Worte sind unter Einwirkung des dritten Schöpfungsberichtes p. 73 hierher

gesetzt.

 

°) Nach der syntaktischen Stellung scheint mir 27 sich eher auf IN’N7 NPIN als

auf NZ) NITIN? zu beziehen, obwohl letztere Auffassung eine Stütze im Folgenden hätte.

 

*) Auch in anderen Religionen findet sich die Vorstellung, daß göttliche Wesen zu

sich selber beten. Vgl. NÖLDEKE, Neue Beiträge zur sem. Sprachwissenschaft, p. 29.

 

°) Dieser Satz ist wohl zu streichen. Das Folgende ist wohl zu NW 09 N 9)

zu ergänzen, vielleicht fehlt aber auch noch mehr.

 

6) Man könnte hier DN’NPNY im Sinne „gefestigt werden, getauft werden‘ annehmen,

siehe Lit., p. XXIII, auch besonders R 293, 5, doch paßt dieser Sinn weiterhin p- 67,12 nicht.

 

°) Oder „sie baten“, d. h. sie sprachen bittend (um Bescheid) zu ihm. Vielleicht ist

aber auch mit „beten“ gemeint: sie beteten für ihn, sie sprachen eine Wunschformel als Be-

grüßung aus, siehe auch weiterhin p. 67, 17.

 

 

70, 9--71, 15 Drittes Buch. 67

 

 

und sprachen zu ihm: „Bist du es, der diesen Jordan lebenden Wassers,

der so wundersam, und von dessen Wasser der Duft so lieblich ist, und die

Uthras, die in ihm festen Sitz erhielten, so groß sind, hervorgerufen hat,

und sind es deine Uthras'), die in ihm festen Sitz erhielten?“ Darauf er-

widerte das zweite Leben und sprach zu den drei Uthras: „Mich, euren

Vater, mich hat das Leben hervorgerufen, der Jordan ist des Lebens, und

ihr seid durch die Kraft des Lebens entstanden.“

 

Darauf sprachen sie zu ihm: „Gewähre uns von deinem Glanze und

deinem Lichte und von dem, was (sonst) an dir ist, und wir wollen auf-

brechen und unterhalb der Wasserbäche’) hinabsteigen. Wir wollen dir

Skinas hervorrufen, dir eine Welt schaffen, und die Welt sei unser

und dein. Wir wollen in ihr Bestand und Sitz erhalten, Uthras in ihr

schaffen, und sie seien unser und dein. Den Namen des Lebens wollen

wir aussprechen®).“ Dies gefiel ihm, und er sprach: „Ich will es ihnen ge-

währen.“

 

Als er dies sprach, gefiel es aber dem Großen nicht, und dem Leben

war es nicht recht. Es betete ein Gebet für den großen Manä der Herr-

lichkeit ‘), der in der großen Frucht wohnt, und pries ihn. Da erhob sich

der große Mana in Glanz, Licht und Herrlichkeit, schuf Kbar den Großen,

dessen [71] Name Kbar-Ziwa ist, Nbat-Jawar, den Sohn des Jöfin-Jofafin,

Sam, den wohlbewahrten Mänä,. den Weinstock, der ganz Leben, der ge-

liebt von den Uthras ist, in herrlicher Pracht’) und sprach zu ihm: „Du,

erhebe dich über die Uthras und siehe nach, was die Uthras treiben und

worauf sie sinnen, die da sagen: Wir wollen eine Welt schaffen und Skinas

gründen, gleich den gewaltigen Uthras, den Söhnen des Lichtes. Du, Mandä

dHaije, gefällt es dir, daß die Uthras des Lichtes das Licht verlassen und

ihr Antlitz zur Finsternis gerichtet haben, zum großen Suf-Meer, zur heu-

lenden Dunkelheit, zum verzehrenden, verderblichen Wasser, zum Orte, der

voll von Dämonen ist, die mit lauter Stimme reden, worin das verzehrende

Feuer redet?“

 

Doch der Uthra des Lebens wahrt Schweigen, und nicht war an ihm

Mangel noch Fehl.

 

Dann sprach er (der Manä) zum zweiten Male zu ihm: „Siehe, Mandä

dHaije, zu welchem Zwecke die Uthras des Lichtes sich beratschlagen 2);

warum ihr Herz in Verwirrung geraten ist, so daß sie ihr Antlitz nach dem

Orte richteten, der grund- und uferlos ist, nach dem Orte, in dem kein

lebendes Wasser fließt und kein Glanz wohnt.“

 

 

t), Ich vermute NM statt MIMY IV.

 

2) SD N'PVDNN, aus dem biblischen DW YPYDN entstanden (Joh. p. XVI, Anm.), be-

zeichnet bei den Mandäern das Grenzwasser, das die Lichtwelt von dieser Welt abtrennt,

vel. BRANDT, Jahrbücher für protest. Theologie XVIIL (1892), p. 405, 427 ff.

 

®, Siehe Nöld., p. 216 unt. #) NINPY” steht hier nur in Leid.

 

5) Bezieht sich auf den großen Mänä; vielleicht ist auch DNP „er stand da” ausge-

fallen. 6) Lies OIOWNM.

 

 

ns

 

 

in

 

 

30

 

 

Ur

 

 

Io

 

 

4

in

 

 

25

 

 

68 Rechter Teil. 71, 15—72, 22

 

 

Wiederum wahrt der Uthra des Lebens Schweigen. Da wandten sich

die Mänas’) zum dritten Male in ihrer Majestät an Manda dHaije und sprachen:

„Du bist der König der Uthras, der Herr der Kusta, der Schöpfer der Schätze.

Über alle Lichtwelten haben wir dich als Herrscher eingesetzt, sowie über

alle Uthras des Lichtes, die in den Skinas wohnen, auch über die unteren

Welten der Finsternis. Du bist es, der für jene (die andere) Welt bestimmt

und begehrt ist. Steige früher zur Welt hinab, bevor die Uthras dahin-

gehen und etwas tun, das für uns häßlich und unschön, dem Leben nicht

recht und dir, Manda dHaije, nicht lieb ist. Denn du [72] bist es, der du

die Uthras in Ordnung hältst, einen Weg aufwirfst und einen Wegstein

aufrichtest. Wenn wir dich riefen‘), weswegen riefen wir dich? Weil du,

wenn du gerufen bist, würdig und wie geschaffen für diese Schöpfung °) bist.“

 

Darauf erwiderte Manda dHaije und sprach zum großen, gewaltigen

Mänä: „Wenn ich dich suche, wen werde ich erblicken? Wenn ich in Be-

drängnis bin, auf wen soll ich Vertrauen haben? Worauf soll ich mein

Inneres, das mit euch war, stützen?“

 

Der Mana sprach darauf in Majestät und erwiderte Manda dHaije: „Du

sollst von uns nicht abgeschnitten werden, wir wollen vielmehr bei dir sein.

Alles, was du sagst, gilt fest bei uns. Du bist bei uns gefestigt und sollst

von uns nicht abgeschnitten werden. Wir sind bei dir, denn das Leben ist

der Güte zu dir voll. Es schuf dir Helfer, es schuf dir sanfte und ge-

festigte Uthras, sanfte und gefestigte Uthras, damit sie dir Helfer seien.

Dann schuf es dir Helfer, die als deine Söhne dort Bestand erhalten sollen.

Deine Söhne sollen den Ruf des Lebens vernehmen lassen und Kaufleute

sein, die Handel treiben und ihren Handel erfolgreich durchführen *).“

 

 

Er, der Große, verlieh ıhm dann Glanz und Licht

 

und vermehrte ihm noch was er hatte.

Er verlieh ihm ein weites Gewand,

 

wundersam und endlos.

Er segnete ihn mit reichem Segen,

 

mit dem die Gewaltigen gesegnet wurden.

Sie machten‘) ihn zum Vater der Uthras,

 

der seine Freunde mit Zehrung versorgt.

Auf Befehl der großen Frucht der Herrlichkeit

 

schloß ich Brudertreue mit ihnen’),

 

brach auf und kam zum Hause des Lebens.

 

Das Leben befragte mich über den Mana,

 

von dem ich geschaffen war:

 

 

‘) Der Plural steht statt des zu erwartenden Singulars, siehe p- 65, 9.

 

®) Wiederum zweideutig, siehe oben, p. 32%. ®) Leid. hat 822.

 

*) Die Handelsware sind gute Werke, vgl. R 340,15; Lit., p. 107,1; 154,9; Joh. II,

p. 178, 16.

 

®) Ks ist unsicher, ob damit: der Mänä (siehe Ann. 1) oder die Uthras gemeint sind.

 

 

72, 22--78, 19 Drittes Buch.

 

 

„Da du durch die Güte der Großen‘) gekommen bist,

 

 

69

 

 

wie ist deine Natur geschaffen (Pflanzung gepflanzt)?“

 

 

Das Leben sprach in seiner Majestät zu Manda dHaije®):

 

 

Du sahest, Mandä dHaije,

was die Uthras [75] tun,

was tun die Uthras

und was sie über dies und das sinnen.

Du sahest, daß sie das Haus des Lebens verlassen

 

 

und ihr Antlitz nach dem Orte der Finsternis gerichtet haben.

 

 

Sie verließen die Gesellschaft des Lebens

und liebten die Gesellschaft der Finsternis.

Sie verließen den Ort des Glanzes und des Lichtes,

gingen hin und liebten die nichtige Wohnung.

Sie verließen die Süßigkeit,

gingen hin und liebten die Bitterkeit.

Sie gingen hin und liebten die Bitterkeit,

an der keine Süßigkeit ist.

Sie verließen den Jordan lebenden Wassers

und gingen zum trüben Wasser.

Zum trüben Wasser gingen sie,

gingen zur lodernden Flamme.

Sie verließen das lebende Feuer,

gingen hin und liebten das verzehrende Feuer.

Sie liebten das verzehrende Feuer

und liebten die lodernde Flamme.

Ja, siehe, Mandä dHaije,

das taten die Uthras!

Siehe, was die Uthras taten

und wie Mangel und Fehl an ihnen war.

Stoßen wir die Welt um und verlassen sie,

wer wird unter ihnen ein Ordner sein?

Wer wird ein Ordner unter’ ihnen sein,

wer sie vom Mangel und Fehl befreien?

Wer wird sie vom Mangelhaften befreien,

das sie von selbst vollführt haben?

 

 

Wer wird sie den Ruf des großen (Lebens) vernehmen lassen,

 

 

das im Hause der Vollendung thronet?“

 

 

Das Leben redete und sprach

zum rüstigen, wohlgerüsteten Uthra:

„War nicht, bevor die Uthras existierten,

deine Schöpfung vollbracht ’)?

 

 

3) Man erwartet den Singular XD”, siehe oben, p. 65, 9.

 

 

») D.h. warst du geschaffen.

 

 

:) Siehe p. 67 unt.

 

 

4o

 

 

15

 

 

25

 

 

30

 

 

35

 

 

70 Rechter Teil. 73,19-74, 11

 

 

Bevor die Uthras existierten,

hat das große (Leben) dich geschaffen ') und beauftragt.

Geschaffen und beauftragt hat dich das Große,

dich gerüstet, beauftragt, hingesandt

und bevollmächtigt über jegliches Ding.

Es beauftragte dich über die Skinäs

und die mächtigen Pforten des verborgenen Ortes.

Es verlieh dir die Herrschaft über die verborgenen Uthras,

die dastehen und das gewaltige (Leben) preisen.

Es verlieh dir die Herrschaft über den Jordan des Gewaltigen

und über das lebende, prangende Wasser.

Als das Gewaltige es befahl,

schuf man dir Uthras,

[74] schuf dir Boten’),

sanfte, gefestigte Uthras.“

 

 

Als das Leben mir dies sagte,

 

verneigte ich mich und pries das Gewaltige.

Ich pries das große Leben,

 

daß das Leben für mich eine Schöpfung vollführet,

daß eine Schöpfung das Leben für mich vollführet

 

und mir Helfer bescherte.

Ich leuchtete in meiner Lobpreisung),

 

während ich am verborgenen Orte dastand.

Ich leuchtete in meiner Erleuchtung

 

mit dem, was das Leben mir gewähret.

Ich glänzte in meiner Lobpreisung‘)

 

über jegliches Ding am verborgenen Orte.

Ich glänzte°) in meiner Erleuchtung

 

und richtete meine Augen auf die Empörer.

Bevor die Uthras da waren,

 

ging ich zum Orte der Finsternis.

Als ich im Hause des Lebens dastand,

 

schaute ich die Empörer°),

schaute die Pforten der Finsternis,

 

schaute die Tiefe, die ganz Finsternis,

 

 

‘) Lies NP.

°) Ein Wort persischer Herkunft, dessen Bedeutung nicht ganz sicher ist, siehe Lit.,

p. 17°, NÖLDEKE, Zeitschrift f. Assyriol. XXXILL (1920), p. 80.

 

®) Siehe oben, p. 55?. *) Leid. hat dahinter noch MIND ‚ich leuchtete“.

 

5) Leid. hat NIMND „ich leuchtete“.

 

) Es ist so gedacht, daß Mandä dHaije vom Hause des Lebens aus die Unterwelt

überschaut, doch gehörte die folgende Schilderung vielleicht zu einer Darstellung, nach der

Mandä dHaije schon in der Unterwelt war, zu der auch der vorhergehende Satz gehörte, der

hier nicht am Platze ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

74. 11-75, Drittes Buch. il

 

 

schaute die Verderber

 

und den Herrn der finsteren Wohnung,

schaute die Kämpen,

 

die in der Finsternis begraben sind,

schaute die Pforten des Brandes,

 

wie sie brennen und lodern.

Es brennen und lodern die Bösen,

 

und dabei beratschlagen sie Mangel und Fehl.

Ich schaute das Weib Hewath'),

 

wie sie in Finsternis und Bosheit redet.

Sie redet in Bosheit,

 

in Zauberei und Hexerei, die sie treibt.

Sie redet in Weisheit der Gaukelei

 

und sitzt auf Blendwerk.

Ich schaute das Tor der Finsternis

 

und die Ader der Erde Siniawis, wie sie sind.

Ich schaute das schwarze Wasser in ihnen,

 

das in die Höhe steigt, kocht und sich windet.

Wer darauf tritt, stirbt,

 

wer es erblickt, wird versengt.

Ich schaute die Drachen,

 

die darin hingeworfen sind und sich winden.

Ich schaute die Drachen

 

jeglicher Gattung und jeglicher Art.

Ich schaute die Fahrzeuge‘) [der Söhne] der Finsternis,

 

die einander nicht gleichen.

Ich schaute die bösen Rebellen,

 

wie sie in Fahrzeugen sitzen.

Ich schaute die bösen Rebellen,

 

wie sie mit der Waffe [75] der Bösen bekleidet sind.

Sind bekleidet mit der Waffe der Bösen

 

und sinnen auf Böses gegen den Ort des Lichtes.

 

 

Als ich sie sah,

wandte ich mich zum Vaterhause um.

 

 

N) MN erscheint namentlich in diesem Abschnitte als Name der Hauptdämonin der

Unterwelt. Ich identifiziere dieses NN mit MM auf einer Tabella defixionis aus Karthago

als Namen der Unterweltsgöttin, siehe Ephemeris I, p. 30. Das Wort bedeutet ursprünglich

„Schlange“ und liegt auch im Namen an Eva vor, vgl. Nachrichten der Götting. Geselisch.

der Wissensch., phil.-hist. Kl. 1916, p. 9i. Aus HT ist ANY mit Aufgabe des Kehl-

lautes entstanden. Damit erledigt sich auch die Nöld., p. 311 angenommene syntaktische

Schwierigkeit.

 

2) Die Markabäthä, die „Wagen“, finden sich zunächst als Wagen der Planeten, siehe

Joh. II, p. 76°, doch wie hier auch anderer Wesen. Das Suffix in NMRIRDINIDD zeigt, daß

dahinter ein Wort im Plural gestanden hat; vielleicht ist N%327 zu ergänzen.

 

 

15

 

 

25

 

 

30

 

 

Io

 

 

20

 

 

30

 

 

72 Rechter Teil. 715, 3—-22

 

 

Ich trat vor das Leben

und berichtete ihm, wie ich sie gesehen hatte.

Ich berichtete ihm über den König der Finsternis,

berichtete ihm über dies und das.

Wie ich die Dinge gesehen hatte,

berichtete ich vor dem Leben.

„Wie soll ich nach jenem Orte wandern, der Stätte der Finsternis,

(in die Finsternis,) in der kein Lichtstrahl ') ist,

zur Ader des Wassers der Erde der Finsternis,

das siedet, in die Höhe steigt und sich windet?

Wer darauf tritt, stirbt,

wer es erblickt, wird versengt.“

Ich will zum Großen emporsteigen und sprechen ®):

„Woher kam die Finsternis,

woher kam die Finsternis,

woher deren Bewohner?

Woher kommen ihre Werke,

die so häßlich und furchtbar sind?

Woher kam ihr Fehler’),

der so ausgedehnt ist,

dessen Anblick so häßlich und furchtbar ist,

der ganz voll von Rissen ist?

Ganz voll von Rissen ist er,

KK:

Woher kamen die gewaltigen, bösen Unholde,

die in dem Brande sitzen?

Woher kam das schwarze Wasser,

das so kocht und sich windet?

Wer darauf tritt, stirbt,

wer es erblickt, wird versengt.

Woher kamen die Drachen,

die in das Wasser geworfen sind und sich winden?

Woher kamen ihre Fahrzeuge,

woher die Bösen, die in ihnen sitzen?

Woher kam Hewath, das Weib‘),

jeglicher Gattung und jeglicher Art?“

 

 

Als ich so vor dem Leben sprach,

zeigte sich das Leben, mein Vater, in seiner Fülle, ohne Mangel.

 

 

‘) Vgl. Joh. II, p. 222, 17.

*) Dieser Satz, vielleicht auch das Folgende, gehört zu einem Stücke, nach dem Mandä

dHaije schon in der Unterwelt war, siehe auch oben, p. 708,

.”) Dahinter ist eine Lücke; die folgenden Worte beziehen sich auf den Ort der

Finsternis. *) Hier ist eine Lücke.

 

 

 

 

 

75, 2276,14 Drittes Buch.

 

 

Das Leben weiß es wohl,

das Leben weiß es und wahrt Schweigen.

Das Leben weiß es wohl

und spricht zu mir:

„Komm, damit wir dich aufklären, Manda dHaije,

du rüstiger, wohlgerüsteter Uthra.

Bevor alle Welten entstanden,

war diese große Frucht da.

Als die große Frucht in der großen Frucht war,

entstand der große Lichtkönig der Herrlichkeit.

[76] Aus dem großen Lichtkönig der Herrlichkeit

entstand der große Glanzäther.

Aus dem großen Glanzäther

entstand das lebende Feuer.

Aus dem lebenden Feuer

entstand das Licht.

Durch die Macht des Lichtkönigs

entstand (das Leben und) die große Frucht.

Die große Frucht entstand,

und in ihr .entstand der Jordan.

Der große Jordan entstand,

es entstand das lebende Wasser.

Es entstand das glänzende, prangende Wasser,

und aus dem lebenden Wasser bin ich, das Leben,

Ich, das Leben, entstand,

und alsdann entstanden alle Uthras.“

 

 

Ich sprach dann vor dem Leben:

„Da du, das Leben, da warest,

 

wie entstand da die Finsternis?

Wie entstand die Finsternis,

 

wie entstand Mangel und Fehl?“

 

 

Als ich so zum Leben gesprochen,

war es voller Güte.

Das Leben war voller Güte

und sprach zu Manda dHajje:

„Du rüstiger Uthra,

du rüstiger, wohlgerüsteter Uthra,

du, rüstiger Uthra, weißt nicht,

wie die Finsternis entstand,

wie entstand die Finsternis,

wie entstand Mangel und Fehl?“ —

 

 

73

 

 

entstanden.

 

 

td

 

 

wn

 

 

30

 

 

Se

 

 

40

 

 

15

 

 

20

 

 

25

 

 

30

 

 

74 Rechter Teil. 76, 14--77,7

 

 

Als das Leben so zu mir sprach, RN

bat ich um die Ermächtigung zu sagen, wie es war.:

Ich sprach zum großen Leben,

zum Leben, das von jeher war:

„Wenn ich nicht darüber sprechen sollte,

gehörte ich nicht zu den Gewaltigen.

Da ich aber zu den Großen gehöre,

klärte mich das Leben selbst darüber auf, wie es war').

Das Leben sprach zu mir in seiner Majestät,

[sprach zu mir] bei seinem „Lobpreis“:

„Wir ermächtigen dich, rüstiger Uthra,

rüstiger, wohlgerüsteter Uthra,

wir ermächtigen dich, rüstiger Uthra,

zu sagen, wie es war,

die verborgenen Uthras zu belehren,

alle Auserwählten zu belehren,

wie die Uthras des verborgenen Ortes enstanden sind.“

 

 

Als das Leben so zu mir sprach,

wiederholte ich mit der Lobpreisung des Gewaltigen,

mit der Freude über das große Leben,

was [77] das Leben zu mir gesprochen, (nämlich):

„Du, Uthra, mache dich auf, gehe zum Hause der Großen,

nach dem Orte, wo die Gewaltigen sitzen,

dem Orte, wo die Großen sitzen,

damit sie dir über dies und das Bescheid geben ’).“

 

 

Als das Große so zu mir sprach,

ging ich nach dem Hause der Gewaltigen,

dem Orte, wo die Großen sitzen,

dem Orte, wo dıe Guten dort wohnen.

Ich trat vor sie hin und wollte ihnen sagen,

wie es am Urbeginn war.

Als ich zu ihnen sprechen wollte,

liebkosten und küßten sie mich,

festigten mich an meinem Orte und sprachen:

 

 

1) Aus der jetzigen Textform geht es nicht klar hervor, aber aus dem Folgenden ist

zu ersehen, daß Mandä dHaije darum gebeten hat, die Uthras über die Schöpfung aufklären

zu dürfen.

 

2) Von einer solchen Aufforderung war vorher nicht die Rede. In diesem und im fol-

genden Satze sind mit N und W271 offenbar andere Wesen gemeint als das große, ge-

waltige (Leben). Es sind höhere Wesen, zu deren Sitz Mandä dHaij& sich begeben soll.

Aber infolge der Zweideutigkeit von N12% und W272 ist im Folgenden eine arge Ver-

wirrung entstanden, und es ist vielfach unsicher, wer damit gemeint ist.

 

 

 

 

 

 

79.7: 19 Drittes Buch.

 

 

=

ot

 

 

„Wir ermächtigen dich, Kbar-Ziwä.

 

du sanfter, gefestigter Uthra.

Wir ermächtigen dich, Kbhar-Ziwa,

 

Uthra, der seine Freunde festigt.

Wir ermächtigen dich, rüstiger Uthra,

 

du rüstiger, gefestigter Uthra.

Wir ermächtigen dich, rüstiger Uthra,

 

zu sagen, wie es war,

 

die verborgenen Uthras zu belehren.

 

Wenn du nach jenem Orte gehest,

 

belehre deine Freunde,

belehre die Männer von erprobter Gerechtigkeit,

 

die wahrhaften, gläubigen Männer.

Wir wollen dir zu deiner Ehrung') sagen,

 

daß es keine Grenze für das Licht gab.

Für das Licht gab es keine Grenze,

 

und es wurde nicht bekannt, wann es entstand.

Nichts war, als das Licht nicht war,

 

nichts war, als der Glanz nicht war.

Nichts war, als das gewaltige (Leben) nicht war’);

 

eine Grenze für das Licht gab es nie.

Nichts war, als das Wasser nicht war;

 

das Wasser ist älter als die Finsternis.

Älter als die Finsternis ist das Wasser;

 

es gibt nichts, das endlos wäre°).

 

 

1) Unsicher. Wörtlich: zum Bilde der Ehrung. 2) Siehe p. 6,1; 31, 32.

 

3) Der Ausdruck findet sich viermal in diesem Buche, viermal im vierzehnten Buche,

außerdem R 229,4; 236,1. Er steht immer außerhalb des Zusammenhanges. Der glatte Sinn

der Worte ist nicht zweifelhaft, aber über den Zweck der Verwendung bin ich zu keinem

abschließenden Urteile gelangt. Die Erklärung, die NÖLDEKE Gram., p. 433 gibt, ist nicht

richtig, führt auch zu keinem Ergebnisse. Die Worte spielen offenbar auf die öfter von

höheren Dingen gebrauchte Wendung Som NONDT „das endlos ist“ an und sagen, dab es

. nichts gebe, das endlos wäre. Eine Verneinung der Endlosigkeit der höheren Wesen ist

jedenfalls auch darin ausgesprochen, aber dies ist nicht der Zweck des Ausspruches. In R 293, 7:

294,24 ist offensichtlich eine Lücke. Eine solche liegt aber wohl auch in 295, 3; 296,13 vor,

ebenso in 236,1. Hinter Shah 2 ehe erwartet man „für den Lichtort‘‘ oder einen ähnlichen

Ausdruck. Auch sind die Worte Fpnınd nr zu kurz im Vergleich mit denen des

parallelen Satzes. Aber auch an dieser Stelle haben wir wohl eine Lücke. Obwohl sonst

NOND und WIND oft zusammenstehen (vgl. besonders Text, p. 69), kann NND Fbndı

keine Fortsetzung von =bmb NINDT sein. Es müßte sonst NIND FonnbF oder NOND AD

NINIID NDd heißen. Der Ausdruck würde danach auf die Vergänglichkeit der Dinge hin-

weisen. Die Stellen 94,23, in demselben Zusammenhange 95,21, dann 100,7 sehen jedoch

nach einem absichtlichen Abbruch der Erzählung aus, und ein solcher ist auch an dieser

Stelle nicht unmöglich. Danach hätten die Worte den Sinn: wenn ich alles hinschreiben

sollte, wäre es endlos, doch nichts ist endlos. Andererseits kann ich die Worte 229,4 nur

als abwehrende Glosse verstehen. Ein Leser oder Abschreiber fand wohl die für das Tragen

farbigen Zeuges angedrohte Strafe zu hart; vielleicht hatte er selber ein schlechtes Gewissen.

 

 

 

 

 

wi

 

 

u

 

 

AS)

 

 

107

w

 

 

76 Rechter Teil. 77.19-78.13

Es gibt keine Zahi‘), von der wir dir sagen könnten,

 

wie groß sie war, als die Uthras noch nicht da waren.

Die Uthras sınd älter als die Finsternis,

 

älter als die Finsternis sind dıe Uthras,

 

älter als ıhre Bewohner.

 

Die Güte ist älter

 

als die Schlechtigkeit des Ortes der Finsternis.

Die Sanftmut ist älter

 

als die Auflehnung des Ortes der Finsternis.

Das lebende Feuer ist älter

 

als das verzehrende Feuer des Ortes der Finsternis.

Die Lobpreisung ist älter

 

[78] als die Zauberei und Hexerei, die die Bösen treiben °).

Der dritte Jordan ist älter

 

als das verzehrende Wasser des Ortes der Finsternis.

Die Einsicht ist älter als dies und das,

 

was die Bösen des Ortes der Finsternis treiben.

Die Stimme der Uthras ist älter

 

als die der gewaltigen Bösen des Ortes der Finsternis.

 

 

Wir haben dir Bescheid über die Ersten’) gegeben,

nun wollen wir dir Bescheid über die Zweiten geben, wie sie waren.

Der sanfte Thron ist älter

als der aufrührerische Thron‘).

Die Hymnen und Gebetsordnungen sind älter

als die Zauberei des fürchterlichen Weibes Hewath.

Der Behälter des Äthers ist weit älter

als das Gerede, das Ruhä redet.

 

 

Wir haben dir Bescheid gegeben über die Zweiten,

nun wollen wir dir Bescheid geben über die Dritten, wie sie waren.

B’haq-Ziwä ist älter

als Ruüha, wie sie war.

Der Gedanke aller Uthras

ist älter als der aufrührerische Ruf.

Das Gebiet der Guten ist älter

als der Herr des ganzen Ortes der Finsternis.

 

 

 

 

 

 

Man sollte annehmen, daß der Ausdruck wenigstens in demselben Traktat einheitlich verwandt

werde, daher sehe ich die Erörterung über seinen Sinn nicht als abgeschlossen an. Eine An-

spielung auf diese Wendung liegt anscheinend Lit. 4,7 vor.

 

1) Für die Dauer der Zeit. 2) Lies mit C, Leid. NYIIN.

 

3) Über die Dinge erster Ordnung. Leid. hat NTINDTINDD.

 

*) Nach NND ist vorher mit B, Leid. 877%) zu lesen. Gemeint ist freilich auch bei

dieser Lesung der Thron des Sanften, des Aufrührerischen.

 

 

1

 

 

1

 

 

78, 13—79, 7 Drittes Buch.

 

 

Die Männer von erprobter Gerechtigkeit sind älter

als alle Schöpfungen der Finsternis, wie sie auch sein mögen.“

 

 

Als das Große‘) so zu mir gesprochen,

als das Gewaltige, mein Vater, der mich geschaffen, so zu mir

als das Große so zu mir gesprochen, [gesprochen, :

begriff ich es in meinem Sinne.

Als ich es in meinem Sinne begriff,

sprach ich zu ihm: „Wie entstand die Finsternis?

Wie entstand die Finsternis,

woraus wurde sie an ihrer Stätte gebildet? 10

Wo du, Auserwähltes?), so groß bist,

warum hört die Finsternis nicht auf?

Warum hört nicht auf die Finsternis

und ist das Licht (die Leuchte) vollkommen aufgerichtet ’).“

 

 

Bevor ich zum Großen sprach, 15

sprach das Große zu mir:

„O geordneter Uthra,

geordneter, wohlgeordneter Uthra,

o geordneter Uthra,

Uthra, der seine Freunde festigt‘)! 20

Am Guten war bei seiner Güte

weder Mangel noch Fehl.

Der Gute ist kraft seiner Güte

gefestigt über die [79] Maßen.

Dem Guten ist kraft seiner Güte a5

die Wurzel festgepflanzt an ihrer Stätte.

Der Gute lodert in seinem Glanze:

das Wasser ist in seinem Gewande verborgen.

Die verborgenen Worte

sind in ihren Büchern verborgen und bewahrt. ;o

Wasser vermischt sich nicht mit Pech,

und die Finsternis wird nicht zum Lichte gezählt’).

Nieht wird zum Lichte die Finsternis gezählt,

die dunkle Wohnung wird nicht erhellt.

Nicht wird die dunkle Wohnung erhellt, =

und das trübe Wasser pranget nicht.

Die Finsternis erweiterte sich °),

_ und ihre Bewohner wurden gebildet.

E“ a) Wegen 723% 7 SNIINTINDN nehme ich an, dab hier wieder vom Leben die Rede ist;

weiterhin p. 78, 24 wird es ausdrücklich genannt.

2) QYY372 ist wohl nicht in Ordnung.

®) Lies PNYy oder yııny. vel. Text 79, Ss +), Lies ONSDH, vgl. p. 75,4.

5) Siehe Joh. II. p. 147°. Leid. hat INNDY.

 

 

78

 

 

vi

 

 

20

 

 

W

 

 

wi

 

 

transitivem Sinne auffassen: „Die Finsternis erweiterte sich und bildete ihre Bewohner. Die

Finsternis bildete (sie), und als sie (sie) gebildet hatte, prüfte sie ihr Heer.“ Aber der in-

transitive Gebrauch von IND} ergibt sich aus, dem verwandten Text 83,22. Intransitives

ON25 haben wir auch R 34,11; 278, 24; Joh. 51,9; Lit. 4,9, siehe auch Nöld., p. 215,3.

 

 

(laß der Zweite, d.h. Jösamin, nachdachte, daß sein Gedanke schwanger wurde und der Ge-

danke, d.h. der Plan der Schöpfung, nahe daran war, durch den Zweiten zustande zu kommen.

Man sollte erwarten, daß gesagt wird, Jößamin sei mit dem Gedanken schwanger geworden,

wie denn in demselben Stücke weiterhin (296,15) I so gebraucht wird, aber es liegt ein

Denkfehler vor. Auch hier ist die Schwangere der Gedanke des Zweiten, der sich mit dem

Plane der Schöpfung trägt. Statt des zweiten Lebens heißt es der Zweite, da damit Jöfamin

gemeint ist, siehe auch p. 63,29. NÖLDERE’s Abänderung von SINN zu INN (Gram.,

p. 122#) ist nicht richtig.

 

 

Rechter Teil. 79.722

 

 

Die Finsternis wurde gebildet,

und als sie gebildet war, prüfte sie ihr Heer’).

Wegen der Schlechtigkeit, die sie im Sinne hat,

wird sie in ihren eigenen Behälter eingeschlossen.

Sie wird in ihren eigenen Behälter eingeschlossen,

und alle ihre Werke vergehen.

Die Kinder der Finsternis vergehen,

doch die Kinder des gewaltigen (Lebens) haben Bestand.

Das Haus der Bösen vergeht,

und das verzehrende Feuer erlischt.

Ihr Zauberwerk stirbt ab und erlischt,

weil es nicht von früher her bestand.

Ihre Geschöpfe nehmen ein Ende,

doch die Stämme des Lebens haben Bestand für immer.

Die lebendige Lehre kommt auf

und erleuchtet die nichtige Wohnung.“

 

 

Als das Große so zu mir gesprochen,

wurde mein Herz auf seiner Stütze aufgerichtet.

 

Ich hub in der Kraft des Großen an,

sprach und pries das Gewaltige:

 

„Da nicht durch dich, Gutes, das Böse in ihnen entstand,

warum soll ich nach jenem Orte gehen?“

 

 

Als ich so sprechen wollte,

sprach das große Leben zu mir:

„Eine Schwangere wurde schwanger im Zweiten ’).

Steige zeitig zur Welt hinab.

Durch deine Kraft werden Uthras entstehen,

durch deinen Glanz werden Gewaltige aufgerichtet werden.“

 

 

Das Große in seiner Größe

verlieh mir reichlich Glanz.

1) Die Übersetzung der letzten Worte ist unsicher. Man würde hier 982) eher in

 

 

 

 

 

 

 

 

 

®) Leid. hat SNIYOND. Der Satz wird durch R 295,24 verständlich. Dort heißt es,

 

 

79, 22—80, 16 Drittes Buch.

 

 

Reichlich verlieh es mır Glanz,

reichlich gab es mir Licht mit.

Es verlieh mir Sieghaftigkeit,

die mich vor allem Hassenswerten bewahrt.

Es verlieh mir ein weites Gewand,

ausgedehnt und [80] endlos.

Es verlieh mir ein weites Gewand

und machte mich zum Großen in honem Maße.

Es verlieh mir einen Olivenstab lebenden Wassers’),

 

 

einen Stab, durch den die Rebellen niedergestreckt werden.

 

 

Es verlieh mir einen Kranz lebenden Feuers,

wundersam und lichtvoll ohne gleichen.

Es wappnete mich durch seine Wappnung,

es koste und küßte mich wie Gewaltige‘).

Es sprach zu mir:

„Ziehe aus gegen die Rebellen der Finsternis,

die Böses gegen uns sinnen.

Sie sinnen in Bosheit,

und der Böse schloß sich in seinen Behälter ein.

In seinen Behälter schloß der Böse sich ein,

und von deinem Worte wird nichts an ihn gelangen.“

Es spricht zu mir:

„Der Gute wird wegen seiner Tugend emporsteigen

und den Ort des Lichtes schauen.

Der Böse wird wegen seiner Bosheit

zu den Pforten der Finsternis hinabstürzen.

Hinausgerufen sind die Rufe,

wohlausgedacht sind die Reden °).

Ein Ruf kommt -

und belehrt über alle Rufe.

Eine Rede kommt

und belehrt über alle Reden.

Ein Mann kommt

und belehrt über dies und das.“

 

 

Als das Große so zu mir gesprochen,

 

ging ich durch seine Kraft nach dem Orte der Finsternis,

nach dem Orte, in dem die Bösen hausen,

 

nach der Wohnung, die voll von Verderbern ist,

 

 

2!) Wie die Lichtwesen ihn tragen, siehe p. 26, 35.

2) Als ob ich einer der Gewaltigen wäre.

®) Vgl. Lit., p. 187. B und Leid. haben auch hier yrmann.

 

 

20

 

 

30 Rechter Teil. 80, 16—81, 5

 

 

nach dem Orte der Drachen '),

 

nach den Öfen verzehrenden Feuers,

nach den Feueröfen, deren Flamme’) emporsteigt

 

und die Mitte des Firmamentes erreicht.

Ich ging hin und traf

 

die rebellischen Unholde der Finsternis.

Ich ging hin und fand sie,

 

wie sie alle in Bosheit sinnen.

Sıe stehen da und sinnen in Bosheit,

 

sie stehen da und schmieden Waffen.

Sie stehen da und schmieden Waffen

 

und sinnen Böses gegen die Guten.

Sie sinnen in Bosheit

 

und beratschlagen mit einander.

Sie beratschlagen mit einander

 

und sprechen:

„Gibt es ein anderes Wesen ’),

 

das eine Teilung in unserer Welt vornehmen will?

Wenn es jemand gibt, der stärker ist als wir,

 

so wollen wir uns erheben und mit ihm kämpfen.

Wir wollen sehen, woher er stammt,

 

woher seine Wohnung und Welt stammt.

Dieses Haus gehört [81] ganz uns;

 

keine Teilung gibt es in unserer Welt.

Gibt es (Wesen), deren Kraft größer ist

 

als die der Unholde?

Es gibt keine, deren Kraft größer ist

 

als die der Engel unseres Ortes“.

Alle sinnen und suchen,

 

und alle stolpern über einander.

Rühä, die Buhlerin ‘*):

 

ihr Sinn ist tückisch, voller Lüge.

So ist der Sinn der Lügnerin Rüha,

 

die ganz voller Zauberei ist.

 

 

 

 

 

 

 

’) So nach B, Leid. Nach AC „der Zweiten“, nach D „des Zweiten", siehe oben, p. 78%.

Die Abänderung zu ISIN (Nöld., p. 122) scheint mir auch hier unnötig. |

 

®) Die Bedeutung ist nur nach dem Zusammenhange geraten. Leid. hat nayy.

ZIMMERN schreibt mir zu NDYON: „ef. dazu event. ein assyr. aläku wahrscheinlich „&N-

zünden“ (von Räucheropfer usw.)- Belege dafür bei MEISSNER, Supplement 7b; ZIMMERN,

Zum babylonischen Neujahrsfest 138° (BSGW, Bd. 58, 1906).*

 

®) Siehe p. 6t.

 

*) Mit Rücksicht auf ZIMMERN’s Bemerkungen KAT’, p. 423 über gadistw als Be-

zeichnung für Istar, hebe ich hervor, daß Rühä hier NMWYIND genannt wird, wie Joh. 187,7

Libat. Eine Anspielung auf NN NM liegt wohl nicht vor.

 

 

8.5-.24 Drittes Buch. S1

 

 

Ganz von Zauberei ist sie voll,

voll von Hexerei und (falscher) Weisheit.

Hewath, das Weib, Rüha, sitzt mit ihren Hmurthas’) da

und rauft sich die Locken am Kopfe aus.

Sie sitzt da und treibt lügnerisches Zauberwerk,

sie samt ihren Hmurthas°), und übt sich in der (falschen) Weisheit.

Wie Rüha sınnt und sucht

und in lügnerischem Zauberwerk wühlt,

in bösem Zauberwerk befangen ist (?),

worin sie bewandert ist,

wie sie sinnt und in Zauberwerk wühlt,

erfuhr Rühä dies und das.

 

 

Wer sagte es der Rülıä’),

 

wer belehrte die Fehler- und Mangelhafte,

wer belehrte die Lügnerin,

 

das Weib, die Mutter des hinfälligen Unholdes,

wer belehrte die Lügnerin,

 

daß der fremde Mann hierher gegangen ist?

Die Lügnerin stand auf,

 

sie samt allen ihren Hmurthäs,

sie kam und fand

 

die gewaltigen Unholde, wie sie dasaßen.

Sie kam und fand sie,

 

wie sie alle mit Waffen bekleidet waren.

Alle waren mit Waffen bekleidet

 

und saßen vor dem König der Finsternis.

Der König der Finsternis mit großer Gewalt

 

tobte in seiner Skinä umher und rief:

„Gibt es jemand, der kraftvoller ist als ich‘),

 

dem alle Welten frohnen?

Sollte es jemand geben, der kraftvoller ist als ich,

 

so erhebe er sich zum Kampfe mit mir,

dessen Speise Berge sind,

 

in dessen Bauch nur Gift, kein Blut sich findet’).

Alle Großen und Riesen,

 

sie und ihre Dämonen und Dews,

 

sie alle frohnen mır.

 

Sie stehen da und frohnen mir,

 

und täglich verneigen sie sich vor mir.“ —

 

 

1) Siehe oben, p. 53*.

 

2) Lies MOM. 3) Siehe R 328,22: 332,15. auch Joh. IT. p. 117,6.

 

*) Siehe auch R 280, 25 ff.

 

s) Vielleicht zu lesen KINWWMRD ROT NO My227, siehe R 281, 2F.

Lidzbarski, Ginzä. 6

 

 

 

 

 

1y

 

 

wr

 

 

[#27

[u

 

 

Io

 

 

40

 

 

52 Rechter Teil.

 

 

Als der König der Finsternis so sprach,

 

 

[82] wankte Ruha von ihrem Throne herunter.

 

 

Rühä schrie und weinte,

 

 

sie samt allen ihren Hmurthas.

 

 

Rühä sprach zu ihrem Sohne,

 

 

belehrte den König der Finsternis:

„Es gibt jemand, der größer ist als du

 

 

und dessen Macht alle deine Welten übertrifft.

 

 

Es gibt eine Welt, die ausgedehnter ist als deine,

in der Gewaltige wohnen.

 

 

Gewaltige wohnen in ihr,

 

 

und ihre Gestalt leuchtet mehr als alle Welten.“

 

 

Als Namrus so gesprochen

 

 

vor dem sinkenden Berge‘),

füllte er auf der Stelle sein Gewand ganz aus?)

und wurde der Weltenfülle gleich °).

 

 

Er wurde voll böser Bitterkeit

EL in Bosheit,

 

er spie und warf Geifer aus,

glühend gleich Feuer.

 

Er beriet sich in Bosheit

 

 

und sammelte ein hinfälliges Heer.

 

 

Ein hinfälliges Heer sammelte

 

 

„Ich will aufstehen und aus dem Orte der Finsternis emporsteigen.

Ich will meine Binde an die Erde heften und sie entwurzeln,

und mit meinem Seile will ich die ganze Welt umschlingen.

 

 

Ich wıll sie verschlucken

 

 

und die Gewaltigen von ihren Thronen herunterstürzen.*

 

 

er und sprach:

 

 

Der Böse wurde voll böser Bitterkeit,

 

er öffnete seinen verderbten Mund,

er öffnete seinen stinkenden Mund,

 

daß sein übler Duft hervordrang.

Er öffnete seinen stinkenden Mund,

 

weit gleich der Weltenfülle.

 

 

Als ich ıhn erblickte,

 

 

zeigte ich mich ihm im Gewande des gewaltigen (Lebens);

 

 

im Gewande des Gewaltigen zeigte ich mich ihm,

 

 

das weıt und endlos ist.

 

 

Als ich ihm in ausgedehntem Glanze erschien,

ausgedehnt und alle Welt überragend,

 

 

 

 

 

*) Vor dem hinfälligen, plumpen Riesen, vgl. auch p. 81,16.

 

 

®) Er blähte sich auf.

 

 

®) Siehe Joh. IT, p. 137 €.

 

 

31.24.82, 0

 

 

 

 

 

82, 20-83, 15 Drittes Buch.

 

 

zeigte ich ihm den Olivenstab lebenden Wassers,

den mein Vater mir verliehen.

Ich zeigte ihm den Olivenstab lebenden Wassers,

mit dem die Rebellen niedergestreckt werden.

Ich zeigte ihm den Kranz lebenden Feuers,

bei dessen Anblick die Dämonen erschrecken.

Als ich Namrus erschien,

rief sie Wehe, Wehe!

Als ich dem Riesen erschien,

[83] verließen ihn alle seine Heere.

Als seine Heere ihn verließen,

zog er gegen') seine Scharen.

z0g gegen die Krieger,

die zu den Waffen gegen ihn greifen,

zog gegen alle Dämonen,

Dews, Hmurthas und Liliths.

Er erhob sich und vernichtete die ganze Welt.

Er umfaßte sie mit seiner ganzen Kraft

und vergrub seinen halben Mund in die Erde’).

Er nahm zwölf ...... ’) Staub

und verschlang vom Orte der Finsternis.

Er verschlang das schwarze Wasser,

verschlang alle Dämonen und Dews, die darin waren.

[Er verschlang?] alle Hmurthäs und Liliths;

er erhob sich und vernichtete die ganze Welt.

Seine Augen erglühten blutrot‘),

und sein Herz stand in Kummer da.

Sein Herz stand da in Kummer,

weil er nun leer in der Welt dastand.

 

 

Wiederum erschien ich ihm mit dem Rufe des großen (Lebens),

da fiel ihm die Krone vom Haupte herunter.

Als ihm die Krone vom Haupte herunterfiel,

zog sich seine Galle an der Erde hin.

Vom Hauch, der ihm aus dem Munde kam,

erheben sich die Berge und sieden.

Die Berge erheben sich und sieden

vom Gifte, der aus dem Munde des Ur kam.

 

 

vn

 

 

20

 

 

!) Dies oder ähnliches ist, wohl der Sinn von NINY. Es dürfte cher Part. act. Peal

 

 

als Perf. Pael enthalten. Etwa „lagerte unter“?

 

 

2) Um sie zu verschlingen. Wie D hat auch Leid. RPAN2.

3) Der Ausdruck findet sich auch R 380,3. XDD%) scheint ein Maß zu sein.

 

 

*) NÖLDERE's Erklärungsversuch Gram.. p. 40° ist mir nicht wahrscheinlich. Leid. hat

 

 

NDT2, wodurch 8972 gestützt wird.

 

 

g*

 

 

20

 

 

30

 

 

S4 Rechter Teil. y 83, 15 --84,7

 

 

Ich erschien ihm mit der Kraft des Großen,

da kam von seinem Hauch etwas an mein Gewand.

Als von seinem Hauch etwas an mein Gewand kan,

erlosch das lodernde Feuer’).

Das lodernde Feuer erlosch.

Er umfaßte die Erde und verschlang sie.

Als er die Erde umfaßte und sie verschlang,

fiel sein Nabel auf die Pforte der Ader der Finsternis.

Als sein Nabel sich auf der Ader der Finsternis schüttelte,

bildete sich die ganze Finsternis von ihm.

Dann erweiterte sich die Pforte der Finsternis’).

und er faßte diese mit seinem Herzen.

Mit seinem Herzen faßte er die Finsternis,

den Behälter, aus dem er gekommen war.

Ich packte seine Augen,

[84] knickte sein Herz.

Ich löste seine ..... 2), |

zerdrückte seine Leber.

Ich legte seinen Bauch in die Därme

und umwickelte ıhn mit vier Tüchern ').

Einen Wickel legte ich um seinen Nabel

und band einen Knoten um sein Herz.

Gift legte ich ihm in die Därme

und Galle in seinen ganzen Körper.

Eine Träne fiel ihm ins Auge,

glühend gleich Feuer.

Er wurde mit einer Fessel gebunden,

die dicker war als er.

Dicker als er war sie,

und sie zermalmte seine Knochen.

Ein Maulkorb legte sich ihm um den Mund.

und er wurde mit eisernem Zaume gezäumt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Y) Das mit dem Hauch herausgekommen war.

 

2) Die Übersetzung des letzten N) ist unsicher, siehe oben, p. 77,37. Zu den anderen

INN siehe Text 74,18. NIWM INMN in Z. 23 ist durch das häufige Non INDN beeinflußt,

die meisten Handschriften haben NIYW IN.

 

5) NÖLDEKE deutet NMNDY® im Sinne von „Kehricht“ (Gram., p. 54%), was nicht paßt.

Nach dem Zusammenhange muß es einen inneren Körperteil bezeichnen, anscheinend zwischen

Herz und Leber. ZIMMERN schreibt ınir: „Event. in Betracht kommend assyr. ipa „Fett“

(des Körpers), vgl. bei HOLMA, Namen der Körperteile, S. 8 und Anm. 3 (in DELITZSCH

Handwörterb. unter libü 8. 369a aufgeführt, bei MEISSNER, Suppl., S. 105b, bei MUss-

ARNOLT, S. 469b unter %dbu 1 und li(p)ba 2). Dagegen ist Zubbu (Tuppu) mit der angeblichen

Bedeutung „Schmeer, Fett“ wohl sicher anders zu fassen.“

 

4) Siehe auch R 167, 6.

 

 

84,.7--85.1 Drittes Buch. 85

 

 

Er wurde an Händen und Füßen geknebelt,

Wehe‘) fiel ihm in die Seite.

Krämpfe?) fielen ihm in den Kopf,

seine Augen erblindeten und waren nicht hell.

Die Rede wurde dem Dew im Munde schwer,

und er schloß sich in seinen eigenen Behälter ein.

In seinen eigenen Behälter schloß er sich ein,

und Ach, Ach rief er über sich.

Ach, Ach rief er über sich,

und sein eigenes Feuer erglühte auf ihn.

Wehe, Wehe rief er über sich,

weil Zorn über ihn gekommen war.

Über ihn war Zorn gekommen,

und Schwären bedeckten ihn von Kopf bis Fuß.

Wehe, Wehe ruft der Böse,

und alle Wasser trübten sich.

Es trübten sich die Wasser.

Seine Augen wurden dunkel und leuchteten nicht.

Seine Arme (Flügel) schlug er gegen die Erde,

eine Erschütterung entstand in seinem Herzen.

Mit seiner Ferse stampfte er auf die Erde,

Krämpfe fielen ihm in die Seite.

Der König der Finsternis schloß sich in seinen eigenen Behälter ein,

und von meinem Worte gelangte nichts an ihn.

Er verzehrte sich ın Seufzen und rief:

„Barmherziger, erbarme dich meiner.“

Als er rief „Barmherziger, erbarme dich meiner“,

warf er alles, was er gegessen hatte, aus dem Munde.

Alles, was er gegessen hatte, warf er aus dem Munde,

und abscheulich war sein Gestank.

Als er rief „Mitleidiger, habe Mitleid mit mir“,

verließen ihn alle seine Anbeter‘).

Seine Anbeter verließen ıhn,

und seine eigene Last drückte ihn.

Ihn drückte seine eigene Last,

die groß [85] und endlos war.

Als er zappelte, umherzappelte,

brachte er seine Skina ins Wanken.

 

 

 

 

 

!) Vielleicht so nach allzx 1 MUSS-ARNOLT, p. 39b. Oder nach alla 1 ebda., col. &

„eine Kette legte sich ihm an die Seite“?

 

2) INT (DY7, MU) heißt „sich zusammenziehen“ und hängt wohl mit syr. yan zu-

sammen (R 137,23; 154,8; 192,6; L 48,22; Pael L 44,3). Davon ist wohl dieses NI9\1

abzuleiten. L 12.3 steht es in einem Zusammenhange, wo anscheinend vom Sonnenstich

die Rede ist. 3) Die ihm seine Last tragen halfen.

 

 

86 Rechter Teil. s5,1—18

 

 

Als er seine Skina ins Wanken brachte,

wurden Wächter über ihn eingesetzt‘).

 

Die Wächter, die über ihn eingesetzt wurden,

waren rohe Riesen der Welt.

 

 

Durch die Rohen und Riesen

 

entstand eine Erschütterung im Herzen der Rüha.

Eine Erschütterung entstand im Herzen der Rüha,

 

sie weint, stöhnt und schreit‘).

Sie spricht zu dem niedrigen Rohling,

 

der häßlichen, schmutzigen Schlange°),

 

deren Gestank aufsteigt:

 

„Wer hat dir dies angetan,

 

wer hat diese ........: a

 

 

Darauf sprach er zu Namrus,

dem Schatze ...... °), aus dem er hervorgekommen war.

Als er zu ihr sprechen wollte,

bewegte sich der Zaum in seinem Munde.

Der Zaum bewegte sich in seinem Munde,

und der Mann heulte und schrie.

Wehe heulte, Wehe schrie

der Mann, der Herr der ganzen Welt‘).

Er sprach zu Namrus,

der Mutter dieser Welt:

„Der Mann, der mir dies angetan,

ist größer als alle Welt.

Ich schaute das Bild seines Antlitzes

und war seiner ganzen Größe nicht gewachsen.

Nicht war ich seiner ganzen Größe gewachsen,

weil er größer als alle Welt ist.“

 

 

Als er so zu seiner Mutter sprach,

wollte er sie zu sich heranziehen.

 

Die Engel, die auf ihn achtgaben,

riefen seinen nichtigen Namen aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Die Bedeutung ist nicht ganz sicher; die Wendung findet sich auch Joh. 190, 5t.

 

”) Lies NINNP).

 

®) my hat wohl diesen Sinn und gehört zu RT, siehe weiterhin p. 88,17, gegen

Nöld., p. 156 unt. Siehe auch oben, p. 71. j

 

*) Leid. hat 8%3137. Der Ausdruck findet sich nur an dieser Stelle, und die Bedeu-

tung ist ungewiß. Weder 837 „Faß“, noch babyl. danänu oder seine Ableitungen passen

bier. Eine Weiterbildung von N)7 im Sinne von „unterjochen“ liegt auch kaum vor.

 

5) Vielleicht ist hier eine Bezeichnung für die Gehenna (sonst mand. ONIM, ON)

entstellt. Leid. hat 83.

 

©) Der Böse, der äpxwv tod Köcnov ToUToD.

 

 

85, 18-86. 12 Drittes Buch.

 

 

Einer spricht zum andern:

 

„Ur rührt sich weg von seinem Orte.“

Als Rüha dies hörte,

 

schlägt sie mit ihren Händen ans Haupt.

Ihre Hände schlägt sie ans Haupt

 

und rauft sich die Locken am Kopfe aus.

Die Locken rauft sie sich am Kopfe aus

 

und ruft Wehe, Wehe.

Rüha und die Astarten stehen da

 

und schmieden geheime Pläne.

Sie stehen da und schmieden geheime Pläne

 

gegen’) die Riesen, die Wächter des Ur.

 

 

Als ich es sah,

umgab ich ihn mit einem Reifen‘).

[86] Mit einem Reifen umgab ich ihn,

der am Herzen des Himmels ...... io:

Ich schuf und machte eine Mauer für ihn, eine eiserne Mauer,

und umgab damit seine ganze Wohnung.

Über die Mauer, mit der ich ihn umgab,

setzte ich Hüter ein,

Hüter, die auf sein Lager achtgeben sollten.

Vierundzwanzig Tore schuf ich in ihr,

durch die seine Welt bewacht wird.

Durch sie wird seine Welt bewacht

und steigt Staub auf ihn.

Als ich vierundzwanzig Tore in ihr geschaffen,

rief er Ach, Ach, Wehe.

„Wenn ich hungre, was soll ich essen;

wenn ich dürste, was soll ich trinken?

\Worauf soll ich mich legen,

und wer soll mir Gesellschaft leisten ?“

 

 

Ich erwiderte darauf und sprach

 

zu Ur, dem nichtigen Könige der Finsternis:

„Der Gute steigt ob seiner Tugend empor

 

und schaut den Ort des Lichtes‘).

Der Böse wird wegen seiner Bosheit

 

am Orte der Finsternis abgeschnitten.

 

 

1) Lies by. Leid. hat N'ININD. ®) Siehe Joh. H, p. 30%.

 

 

ws

 

 

us

wi

 

 

s) 922D ist entstellt. Daß es „Leiter“ oder „meine Leiter‘ bedeute (Nöld., p. 173, 14;

 

 

176, 3) ist unwahrscheinlich. Vielleicht ist hier gesagt, daß der Reifen am Herzen des

Himmels befestigt wurde, siehe R 97,19; 118, 11. % Vgl. p. 79, 23.

 

 

20

 

 

HD

we

 

 

(9)

Li

 

 

38 Rechter Teil. 86..12— 87,7

 

 

An den Pforten der Finsternis sollst du lagern,

 

des Behälters, aus dem du hervorgegangen bist.

Sıe soll dir Gesellschaft leisten,

 

der Behälter, in den du dich. eingeschlossen hast.

Wenn du hungerst, so iß von deinen Scharen,

 

von allem, was sich dir beigesellt hat.

Dein Trunk sei aus jenem schwarzen Wasser,

 

in dem du Wohnung genommen hast.“

 

 

„Wenn ich esse und nicht satt werde,

 

wer wird mein Inneres an seinem Orte stützen?

Wenn ich trinke und mich nicht. sättige,

 

wer wird meinen Durst stillen ?*

 

 

Als der Böse so sprach,

lachte ich, indem ich in meinem Gewande prangte,

ich trotzte und lachte über ihn,

die Schlange ohne Hände und Füße:

„Du wolltest die ganze Welt verschlingen, |

doch da kam das Wort des Lebens,

das zu herrschen und zu befehlen die Macht hat.“

 

 

u

 

 

Als ich so zu ihm sprach,

jammerte er und weinte über sich.

Er jammerte und weinte über sich

und sprach:

„Gibt es jemand, [87] der größer ist als du,

der über alle Welten die Herrschaft inne hat?

Wenn es jemand gibt, der größer ist als du,

so sei nachsichtig gegen mich.

Verdamme mich nicht, weil ich gesündigt habe;

sei nachsichtig gegen mich.

Unser Herr! Wir haben gesündigt und gefehlt,

vergib uns unsere Sünde und Schuld').

Sei nachsichtig gegen mich,

und wir alle wollen uns dir unterwerfen.“

 

 

Ich, der Gute, ıch zum Guten,

zu dir, Leben, das die Macht hat’),

*+xx*+xx Ich sprach zu ihm:

 

 

 

 

 

!) Siehe oben, p. 54, 28.

2) Diese Worte stammen aus einem anderen Zusammenhange. Es folgt eine Ansprache

an Ur, die eine Frage voraussetzt, wie lange er in der Fessel werde ausharren müssen, ähn-

lich wie sie weiterhin p. 89,31 steht. Seine Fesselung soll bis zur Schaffung der irdischen

Welt dauern, siehe p. 92 und R 127 ok.

 

 

87.7--88.3 Drittes Buch.

 

 

„Bis das Leben es wünscht

und Abathur hierher gepflanzt wird,

bis Abathur geschaffen

und die Söhne des Heils”) geschaffen werden.

Das wundersame, lebende Feuer soll gestiftet

und Gabriel, der Gesandte, soll geschaffen werden.

Er soll geschaffen und beauftragt werden,

und man wird ihn hierher senden.

Er soll geschaffen und beauftragt werden,

und er wird die Welt schaffen.

Er soll kommen und die Verdichtung dichten

und die Erde griechisch kunstvoll schaffen.

Er soll die Erde griechisch kunstvoll schaffen

und den Brunnen trüben Wassers verstopfen.

Von dem Staube, der aus Siniawis emporsteigt,

bilde sich für dich ein Zuflußrohr?).

(Es breite sich über das lebende Feuer)

Es fülle sich’) mit lebendem, prangendem Wasser,

 

 

89

 

 

dessen Duft angenehm ist und woraus Wonniges geholt wird.

 

 

Von dem Gusse jenes Wassers

wird dein Trunk sein, wenn du dürstest.

Von dem Fraße, den das verzehrende Feuer frißt,

soll auf dich‘) herabfallen.

Von dem, was übrig bleibt und abfällt,

soll deine Nahrung sein.

Von deinen Dämonen, Dews, Hmurthas und Liliths

soll deine Nahrung sein.

Wenn das Firmament ausgespannt wird,

wird sich die Glut auf dich senken.“

 

 

Ur stöhnte laut

und sprach zu mir:

„Wie lange soll ich allein dastehen

[88] und die Bürde der Welt tragen?“

 

 

Als Ur so sprach,

 

zitterte und bebte Rühä, seine Mutter.

Rühä ängstigte sich und bebte

 

und rief Ach, Ach.

 

 

1) Eine häufige Bezeichnung für die höheren Wesen, doch siehe besonders R 93, 9, 23

und 297, 12.

 

 

2) NINITIND „Markgraf“ ist mit NIIND zusammengeworfen, vgl. auch R 132, 17.

 

 

3) Fbl)anmıN ist aus Faomın verderbt, vgl. auch Text 102, 5.

#, Lies ndy.

 

 

50

 

 

30 Rechter Teil. 88, 3--19

 

 

Rühä stöhnte laut wie eine Gebärende

 

über den Riesen, der erniedrigt war.

Sıe rief ihm zu:

„Wer wird dir gleichen,

 

hintreten und die Welt lenken?

Wer wird der Herr über deine Dämonen,

 

der Herrscher über deine Hmurthas sein,

ein Gewaltiger, ein Riese?

 

Wer wird deinen Schmuck tragen')?

Deinen Schmuck wird wer tragen

 

und dann die Frauen, den Leib der Frauen ’)?“

 

 

Als die Bösen so sprachen,

antwortete ich ihnen über alles°):

„Wie das Große es will,

so wurde es auf der Stelle.

Wie das Große es will,

mein Vater, der mich geschaffen, spricht es zu mir.

Hinausgerufen sind die Rufe, |

wohlausgedacht sind die Reden‘).

Doch was Rüha ersinnt,

werden nichtige Rufe sein.

Wenn die Sieben entstehen,

von denen der Fehl herkommt,

werden die Namen jener Rufe |

über sie niedergeschrieben und ausgesprochen.

Dann entstehen zwölf Rufe),

von denen Mangel und Fehl herkommt.

Nach dem Plane der Lügnerin

werden sie in Leid festgebunden‘).

Es entstehen fünf Rufe,

die mit Schrecken angesehen werden.

Die Welten erblicken sie und fürchten sich.

Sie erscheinen in einem Behälter lodernden Feuers.

 

 

 

 

 

‘) Oder: wer soll deine Gesellschaft ertragen?

 

2) Die Bedeutung von NM) in AND ist unsicher; „Stolz der Frauen‘ paßt nicht.

Das erste X'W)y ist wohl auch nicht in Ordnung; eine Form von „vergessen“ wird hier

kaum gestanden haben.

 

®) Die Worte 9% 519 Sy gehören schwerlich zum Folgenden, siehe auch R 92, 11.

 

*) Siehe oben, p. 79, 27.

 

°) Der Ruf verdichtet sich zum konkreten, durch den Ruf geschaffenen Wesen. Hier

sind es die zwölf Tierkreisbilder und die sieben bezw. fünf Planeten, vgl. p. 13, 27. Von

den Sternen gehen wieder Rufe aus, siehe den Schluß dieses Buches.

 

°) Die festen Tierkreisbilder im Gegensatz zu den wandernden Planeten.

 

 

 

 

 

 

88. 19-89, 15 Drittes Buch. 91

 

 

Sie wandeln an Rädern des Zornes,

sie erscheinen in Feuerfarbe.

 

 

Sie gaben mir Bescheid über die ersten Dinge

und belehrten mich über dies und das.

Sie belehren mich über alle Rufe,

wie sie aus ihrem Orte hervorgekommen sind.

Eın Ruf kommt

und belehrt über alle Rufe.

Eine Rede kommt

und belehrt über alle Reden’).

Ein [89] geliebter Sohn kommt,

der aus dem Schoße des Glanzes gebildet wurde.

Gebildet wurde er aus dem Schoße des Glanzes,

und sein Abbild ist an seinem Orte wohlbewahrt.

Er kommt mit der Erleuchtung des Lebens,

mit dem Befehle, den sein Vater erteilet.

Er kommt im Gewande lebenden Feuers

und begibt sich in deine Welt.

Er bezeigt Verehrung dem großen (Leben),

läßt Erleuchtung aus seinem Sinne hervorkommen.

Erleuchtung läßt er aus seinem Sinne hervorkommen,

er bringt Verdichtung und wirft sie ins Wasser.

Verdichtung ins Wasser wirft er ö

und schafft einen Damm für die Welten.

Er bringt das lebende Feuer

und wirft es in das trübe Wasser.

Er beschwichtigt die Gruben

und trocknet das trübe Wasser aus.

Er schafft sich eine Welt

und baut’) einen Bau gleich den Gewaltigen.

Er bringt Glanz aus dem Hause des Lebens

und erleuchtet seine Skina.

Er schafft der Welt einen König

und wirft eine Seele in seinen Körper.

Eine Seele in seinen Körper wirft er,

und sie essen körperliche Speise.

- Durch die Kraft des lebenden Feuers

redet das verzehrende Feuer.

Das verzehrende Feuer redet,

und alles, dies und das, entsteht daraus.

 

 

 

 

 

!) Siehe p. 79, 29.

?) Siehe Nöld., p. 83, 16.

 

 

530

 

 

4O

 

 

20

 

 

539

 

 

35

 

 

techter Teil. 39, 16%, 10

 

 

Wenn die Blätter, Blumen und Kräuter entstehen,

sowie alle Früchte, Trauben und Bäume,

die ın der Welt prangen,

wird durch den Duft des lebenden Wassers und des lebenden Feuers

ihr übler Duft wohlriechend werden.

Von dem Fraß, den das fressende Feuer frißt,

wird dir deine Speise zukommen.

Drei Uthras werden kommen')

und die Seele bewachen.

Sıe werden den Ruf des Lebens vernehmen lassen

und das hinfällige Haus erleuchten.

Zweı Uthras werden kommen

und an der Spitze des Wassers hierher gehen.

Sie werden Wasser bringen

und einen Jordan in der Welt schaffen.

Einen Jordan werden sıe ın der Welt schaffen

und Glanz über ıhn breiten.

Sie werden Pflanzen [W] ........... °) pflanzen.

Sie werden sein voll Glaubens, Weisheit und Einsicht

und einen hehren Ruf vernehmen lassen.

Einen hehren Ruf werden sie vernehmen lassen

und über das Haus Glanz breiten.

Der Guß, der sich aus dem Wasser ergießt,

das auf die Erde Tibil fällt,

der Guß der Erde Tibil

soll dir, wenn du dürstest, als Wasser dienen.

Das Haus’) der Erde Tibil

soll dır als Hüter dienen.

Von deinen Söhnen, die aus dir hervorkommen,

sollen dır Hüter werden.

Hüter sollen sie über dich sein‘),

die auf deinen Reifen achtgeben.

Auf deinen Reifen sollen sie achtgeben,

auf die Fessel, die der Weltenfülle gleicht.

Sie sollen auf den hohen Fußblock achtgeben,

der schwerer als alle Welten ist.“

 

 

Als der Böse dies hörte,

wurde sein Herz voll Ingrimm.

 

 

X) Var. „entstehen“. Vgl. auch p. 15, 13.

 

2) Die Bedeutung des Wortes ist unsicher, siehe Joh. I, p. 212.

®), D. h. die Insassen.

 

*) Leid. hat NONRJD hinter 7Nby.

 

 

 

 

 

90, 10—91.1 Drittes Buch. 93

 

 

Voll Ingrimm wurde sein Herz,

und er erschütterte den Amboß der Erde.

Den Amboß der Erde erschütterte er,

er erschütterte die Reifen,

er erschütterte die Fessel,

die der Weltenfülle gleicht.

Ich erhob mich in der Kraft des Lebens

und richtete eine Bitte an das große Leben.

[eh rief dann hervor und schuf um ihn eine Mauer. eine eiserne

und legte einen Reifen um ihn. [Mauer,

Einen Reifen legte ich um ihn’),

dessen Stärke niemand gewachsen ist.

Niemand ist seiner Stärke gewachsen,

um ihn von seiner Stelle zu rücken.

Mit meiner Ferse stampfte ich auf die Erde

und schüttelte sein Herz von dessen Stütze herunter.

Einen Wickel legte ich um sein Herz

und knüpfte einen Knoten um seinen Körper.

Ich knüpfte sieben Knoten um ihn,

daß die Stimme der Finsternis aus ihm herausdrang.

leh knüpfte den großen Knoten

und machte seine ganze Rede zu nichte.

Mit zwölf Wickeln umwickelte ich ihn,

daß seine zwölf (bösen) Gedanken’) bei ihm blieben.

Ich fesselte ihn mit lauter Stimme,

daß ihr’) ganzer Fehler von ihnen wich.

ich fesselte ihn mit einer Fessel‘),

daß die sieben ..... ’, bei ihm blieben.

Ich warf mit der Keule nach ihm und schlug ihn

und spaltete ihm einen Spalt in den Kopf.

[91] Ich ließ ihn stöhnen gleich den Weibern

und ließ ihn weinen wie ein Kind.

 

 

1, Lies TONITEN.

 

2) Siehe Joh. II, p. 17!.

 

») Der Bösen.

 

4), NEID TNOND könnte zu AD) oder MD gehören: „ich krümınte ihn mit einer

Krümmung“, doch paßt nach dem Zusammenhange besser N82. Danach steht 7NHIND für

MON. d. I. mne2. und NND ist RIND. Siehe auch R 170, 14.

 

>, NÖLDEKE nimmt für 0°IInT nach dem Syrischen die Bedeutung „Strahlen“ an

(Gram., p. 127, 18). Doch hat es im Mandäischen nirgends diesen Sinn, auch nicht R 377, 8,

wo sieben NSI"N7NT aus der Nase Urs, des Herrn der Finsternis, herauskommen; hier sind

es wohl Feuerflammen und so anscheinend auch R 96, 14. R 242, 22 ist es im Sinne von

Geburtswehen gebraucht, doch steht es da vielleicht irrtümlich für X!TI7R% (vgl. R 158, 11).

ötwas wie „Schmerzen“ würde auch an dieser Stelle passen, (loch ist die Herleitung unsicher.

 

 

w

 

 

wt

 

 

10

 

 

12

un

 

 

to

 

 

71

 

 

Snymaon ursprünglich anenabı dagestanden: und seine Bosheit und seine Wnt.

nicht von vornherein unmittelbar an das Vorhergehende angeschlossen.

 

 

bier vielleicht, wie R 292, 24; 296, 3, Adatan und Jadatan gemeint.

 

 

Trotzdem ist hier nicht ENINDDY zum ähnlichen DNDNINY abzuäandern. siehe R 152, 2.

 

 

Rechter Teil. 91, 2—16

 

 

Kot machte ich zu seiner Speise,

Harn zu seinem Tranke.

Ich löschte aus den Brand und die Glut

des verzehrenden, verderblichen Feuers.

Die Gier nahm ich von ihm

und bekleidete ihn mit Wut‘).

ich ebnete einen Pfad für die Guten

und schuf ein Tor für die Welt?).

Ein Tor für die Welt schuf ich

und stellte in ihm einen Thron auf.

Einen Thron für die Guten stellte ich auf

und richtete an ıhm eine Leuchte her.

Eine Leuchte richtete ich an ihm her,

über die Maßen vollkommen.

Eine Warte für die Söhne des Heils [richtete ich auf]

am Orte, wo sie in Fülle, ohne Mangel leben.

Ich stellte ihnen Throne auf

und überreichte ihnen Gewänder.

Den Jordan des großen (Lebens) schuf ich

und stellte an ihm Hüter auf.

Ich stellte an ıhm zwei Uthras auf,

überreich ohne Mangel’).

Einen Thron stellte ich für den Obersten der Glauzwesen auf‘)

und stellte davor eine Leuchte auf.

Eine Leuchte stellte ich auf,

über die Maßen vollkommen.

 

 

Mit Erleuchtung und Lobpreisung,

mit dem, was das Leben mich hat vernehmen lassen,

mit Erleuchtung und Lobpreisung

machte ich mich auf und ging zum Hause des gewaltigen (Lebens)®).

In der Freude, die ich empfand,

sprach ich zu dem Gewaltigen.

Das Große freute sich und zeigte sich fest®),

es freute sich meiner über die Maßen.

 

 

2: De zweite Halbvers enthält einen Widerspruch zum ersten. Vielleicht hat statt

?) Das Folgende schildert die Wirkung der Überwindung Urs, doch hat es sich wohl

») Als Hüter des Jordans gelten gewöhnlich die Genien Silmai und Nidbai. doch sind

*) Siehe auch R 373, 8.

 

 

®) Siehe p. 74 unt., 95%.

°) Eine beliebte Verbindung ist DNDNINN N77, siehe R 97. 18: 115, 8; 122.

 

 

 

 

 

1) Leid. hat NONON.

2) Alte Segensformel, siehe auch R 240, 15: 343. 23: Lit... p. Of.

3) Siehe oben, p. 91, 25.

 

 

91, 17-92, 8 Drittes Buch. 95

Das Leben zeigte sich mir erkenntlich

und erhöhte meinen Glanz über das frühere Maß hinaus.

Es sprach zu mir’):

„Kustä erhalte dich heil, Guter,

und erhalte heil das Wort, in dem du dich geäußert hast*).“ 5

Das Leben wandte sich in seiner Freude

an die Uthras und sprach:

„Preiset die Kraft des Mannes,

der das Wasser durch Feuer heilte‘).

Preiset die Kraft des Mannes, 10

an dem das Feuer sich nicht versündigt hat.

Das Feuer versündigte sich nicht an ihm:

Der Uthra glänzte in seinem Glanze.

In seinem Glanze glänzte der Uthra

und schuf einen Pfad für die Vollkommenen. 15

Für die Vollkommenen schuf er einen Pfad

und gewährt den Vollkommenen Heil.

Heil gewährt er den Vollkommenen

und gedenkt ihres Namens [92] im Hause des Gewaltigen.“

Der Uthra war wohlgemut und froh, 20

als das Leben sich ihm erkenntlich zeigte.

Es koste und küßte den Uthra

und reichte ihm Kusta wie einem der Gewaltigen.

‚Er tat und hatte Erfolg‘ nannte es den Uthra.

„In allem, was du tuest, sollst du Erfolg haben. 25

Wenn du Uthras schaffest und pflanzest,

so deine Uthras an jenen Ort gehen wollen

KekKcKkEKKK großer Vater, R

dem das Leben sehr erkenntlich ist.“

Ich empfing Kustä von ihm’) 30

und ging nach dem Hause der (sewaltigen.

dem Orte, wo die Guten wohnen,

dem Orte, wo die Guten dort wohnen.

Als ich im Hause der Guten ankam,

verneigte ich mich vor dem gewaltigen (Leben). 35

 

 

*) Vom Leben, siehe vorher Z.23. Wie der Text jetzt: dastebt, muß man ihn so auf-

 

 

fassen, daß Mandä dHaije sich vom Leben zum Hause der Großen und Gewaltigen begibt.

siehe p. 74. Doch ist wohl wrsprünglich auch im folgenden Stücke wie im vorhergehenden

vom Leben die Rede.

 

 

96

 

 

personifiziert. Hier ist die auf die irdische Welt gebrachte Seele gemeint. i

 

 

Rechter Teil. 92, 8— 98,2

 

 

Sobald ich zum Großen sprechen wollte.

sprach das Große selber zu mir’).

Sobald ich ıhm erzählen wollte,

dankte mir das Große.

Das Große dankte mır

und erzählte mir über Alles.

Das Große nannte mich in seiner Majestät

einen Großen über die Maßen.

Das Große nannte mich ‚Er tat und hatte Erfolg‘,

einen Uthra, der seine Freunde festigt.

‚Er tat und hatte Erfolg‘ nannte mich das Große:

„in allem, was du tuest, sollst du Erfolg haben.

Der Vater der Uthras sollst du sein,

der seine Freunde mit Zehrung versieht.

Du seiest der Auserwählte der Uthras,

und mache recht’) alle Werke.

Alle Werke mache recht’),

denn du bist ‚Er tat und hatte Erfolg‘.

Manda dHaije,

du rüstiger, wohlgerüsteter Uthra,

auf, leite hin die Leitung des lebenden Wassers

und führe sie in jene Welt hin.

Rufe die drei Uthras,

die den Schatz des Lebens‘) behüten sollen.

Behüten sollen sie des Lebens Schatz, |

der von hier geholt wird.

Ihn holen einfältige Uthras

und bringen ihn nach jener Welt.

Sie stecken ihn in Kot’)

und kleiden ihn in Fleischfarbe‘).

Sie stecken ihn in Kot

und bekleiden ihn mit einem nichtigen Gewande.

Mit einem nichtigen Gewande bekleiden sie ihn

und schaffen an ihm Mangel und Fehl.

[93] Mangel und Fehl schaffen sie an ihm,

und Schiefheit entsteht bei ihnen.

Bei ıhnen entsteht Schiefheit,

und es widerfährt ihnen dies und das.“ —

 

 

 

 

 

1) Siehe oben, p. 77, 15.

 

2) Lies TPM), siehe weiterhin.

 

®) Leid. hat NANNY PD PPRMD.

 

*) Siehe Joh. II, p. 201. Der „Schatz des Lebens“ ist auch zu einem weiblichen Wesen

 

 

 

 

 

 

5) D. h. in den unreinen Körper. ®, Vgl. Nöld., p. 45 ob., 302 unt.

 

 

3, 2-—16 Drittes Buch.

 

 

Alsdann richtete sich der Zweite auf‘).

 

 

Seine Uthras erhoben sich und erteilten ihm Ratschläge.

Es erhoben sich seine Uthras und erteilten ihm Ratschläge‘),

 

 

indem sie sprachen:

 

 

„Gewähre uns‘), daß wir eine Welt schaffen und dir Skinas errichten, 5

 

 

die die deinen genannt werden sollen.“

 

 

Da verlieh ihnen der Zweite von seinem Glanze und seinem Lichte

 

 

und von dem, was ihm das Leben sonst gewähret.

Er verlieh ihnen von seinem Glanze

 

und befahl ihnen‘), eine Welt zu schaffen.

Die Söhne des Zweiten machten sich auf,

 

 

gingen hin und stiegen zum Orte der Finsternis hinunter.

 

 

Sie riefen Ptahil-Uthra hervor,

 

 

sie riefen ihn hervor und festigten ihn an seinem Orte.

 

 

Sie riefen die Söhne des Heils hervor

und richteten sie auf ihren Thronen auf.

Sie riefen hervor und schufen Skinäs

und schufen in ihnen Uthras.

Sie gingen an die Wasserbäche‘),

sehauten hin und erblickten den Ort der Finsternis.

 

 

B’hag-Ziwa‘) erglänzte”) in seiner Seele

und sah sich als Gewaltigen an.

Als Gewaltigen sah er sich an

 

 

und verließ den Namen, den sein Vater geschaffen hatte‘).

 

 

Er sprach:

 

„Ich bin der Vater der Uthras.

Der Uthras Vater bin ich,

 

der ich den Uthras Skinäs geschaffen habe.“

Er sann über das trübe Wasser

 

und sprach: „Ich will eine Welt schaffen.“

 

 

1) Siehe oben, p. 63, 29: 78°.

2) Vgl. R 296, 22#.

») Lies INONINN.

 

 

4) 73) heißt „ziehen, hinziehen“‘ und steht besonders bei Wasser: es pabt also hier

 

 

nicht. Es dürfte aus 7N7D „er befahl“ verderbt sein unter Einwirkung von Text 92, 18.

 

 

5) Siehe oben, p. 67°.

 

 

©, Er ist oben, p. 76, 30 kurz erwähnt. Ausführlicher ist von ihm R 297 die Rede. Er

ist vom zweiten (Leben) geschaffen und maßt sich den Namen „Vater der Uthras“ an, d. h.

er identifiziert sich mit Abathur, dessen Name so gedeutet wird, siehe Joh., p. XXIX.

 

?) 92 „erglänzte“‘ paßt nicht, man erwartet etwas wie „überhob sich“. Vielleicht

ist IND aus INTNIMY entstellt, wenn nicht wie R 297, 17 WORT NHOND FINN „er

 

 

schaute auf seine eigene Welt‘ zu lesen ist.

8) Oder „ausgerufen hatte‘, siehe p. 32%.

Lidzbarski, Ginza-

 

 

1

 

 

20

 

 

W

 

 

un

 

 

15

 

 

30

 

 

35

 

 

38

 

 

hin Text 94, 10 gegen 94, 8. Leid. hat schlecht FauNHN Kulehlai Sehe

 

 

Rechter Teil. 93, 16--94, 8

 

 

Er ging mit sich nicht zu Rate

 

und kannte das trübe Wasser nicht.

Das trübe Wasser kannte er nicht,

 

er kannte nicht das verzehrende Feuer, an dem kein Glanz war.

Der Vater der Uthras ließ sıch nicht beraten’),

 

und er gewährte ihnen keine Helfer°).

 

 

Er rief Ptahil-Uthra,

koste und küßte ihn wie’) Gewaltige.

Er verlieh ihm Namen,

die an ihrem Orte verborgen und verwahrt sind.

Er gab ihm den Namen Gabriel, der Gesandte,

rief ihn, beauftragte ihn und sprach zu ihm:

„Auf, geh, steig hinunter

an den Ort, wo es keine Skinas und keine Welten giht.

Schaffe und mache dir eine Welt

wie die Söhne des Heils, die du geschauet.

Schaffe und richte eine Welt her‘).

Schaffe dir eine Welt und bilde darın Uthras.

Der Vater der Uthras sagte ihm in seinem Hochmut’) nichts von der

Gegnerschaft,

[94] er rüstete ihn nicht und belehrte ihn nicht.

 

 

Ptahil-Uthra machte sich auf,

 

ging hin und stieg unterhalb der Skimas hinab,

 

an den Ort, wo es keine Welt mehr gibt.

 

Er trat in den kotigen Dreck,

 

trat in das trübe Wasser.

Er begann zu sprechen,

 

da veränderte sich (an ihm) das lebende Feuer.

Als das lebende Feuer sich veränderte,

 

betrübte er sich in seinem Herzen und sprach:

„Da ich ein Sohn Großer bin,

 

warum veränderte sich das lebende Feuer?“

 

 

Als Ptahil-Uthra so sprach,

fühlte Rühä sich gestärkt.

Rühä fühlte sich gestärkt,

und ihre Seele nahm Hochmut an.

t) Siehe auch R 296, 23f.

2) Diese Worte beziehen sich wohl auf die Darstellung im Folgenden.

®) Leid. hat I, siehe auch oben, p. 79, 14.

*) Auch hier ist wie weiterhin 7'2y zu lesen. Leid. hat TIYN.

®) Man erwartet eher die Schreibung NN12%2, siehe Joh. II, p. 331: vgl. auch weiter-

 

 

 

 

 

94,824 Drittes Buch. 99

 

 

Sie sprach: „Sein Glanz hat sich verändert,

an seinem Glanz entstand Mangel und Fehl.“

Sie machte sich auf, zerstörte ihre Habe’)

und kleidete sich in ein weites Gewand;

sie veränderte ihren Geist in Hochmut’)

und stellte sich hin, wie sie nicht war.

Sie sprach zu dem Krieger,

dem törichten, sinn- und verstandlosen.

Sie sprach zu ihm:

„Auf, sieh, wie der Glanz des fremden Mannes sich verringert hat,

wie an seinem Glanze Mangel und Fehl sich bildete.

Auf, schlafe bei deiner Mutter,

damit du von der Fessel befreit werdest, mit der du gefesselt,

die stärker als alle Welt ist.“

 

 

Als der Böse dies hörte,

 

schüttelte er sich mit seinen Knochen,

er legte sich zur Rühä,

 

und sie empfing sieben Gestalten von einer Handlung.

Nach sieben Tagen kreißte sie

 

und gebar die Verächtlichen,

sie gebar die Planeten,

 

von denen die sieben Gestalten ausgingen’).

Als sie sie erblickte,

 

fiel ihr das Herz von der Stütze herunter.

Sie sprach:

„Ich sagte, doch es wurde mir nicht gesagt,

 

was ich wollte ist nicht geworden,

 

keiner gleicht dem andern.“

 

 

Als Rühä so sprach,

lehnten ihre Söhne sich auf.

 

Sie lehnten sich auf und verleugneten ihren Vater.

Es gibt nichts, das endlos wäre.

 

 

Ptahil wusch seine Hände im trüben Wasser

und sprach:

 

„Es werde eine Erde,

wie sie im Hause der Gewaltigen ward.“

 

 

!) Der Ausdruck findet sich nur hier und weiterhin. Soll er soviel heißen wie „auf-

brechen‘ ?

 

2) Doch wohl so aufzufassen, hier nicht X) als Eigenname, sondern nimm parallel

Swon). Zur Lesung ANWUN (auch Leid.), siehe R 117, 6; 173, 16.

 

 

®) Die ihrem eigenen Wesen entsprechen, siehe p. 114, 4, 15: 138 unt.

Rt

 

 

40

 

 

100

 

 

Rechter Teil. 94, 25--95, 17

 

 

Als er seine Hände eintauchte,

bildete sich eine Verdichtung.

Eine [95] Verdichtung bildete sich,

die hingeworfen lag und sich hin und her bewegte (?), als ob es

keine Verdichtung wäre.

Als so keine Erde entstand und sich verdichtete,

geriet sein Herz in Zwiespalt.

Als sein Herz in Zwiespalt geriet,

fühlte 'Rühä sich wiederum gestärkt.

Sie sprach:

„tech wıll mich aufmachen, meine Habe zerstören

und zu dem Könige der Welt‘) gehen.“

 

 

Sie machte sich aufs Neue auf,

zerstörte ihre Habe und bekleidete sich mit ihrem Gewande.

Sie machte sich auf, zerstörte ihre Habe,

ging zu dem Unhold hin und sprach zu ihm:

„Auf, großer Unhold, auf,

siehe, die ganze Welt ist dein.

Ich habe gehört, daß das Haus verlassen wurde

und alle Knoten gelöst sind’).

 

 

Als der Böse dies hörte,

 

fühlte sich sein Herz um das Doppelte gestärkt.

Als sein Herz gestärkt war,

 

sprach sie zu ihm: „Ich bin deine Schwester.

Wenn du bei mir liegest,

 

wird deine Kraft sich verdoppeln.“

Als er bei ihr schlief,

 

empfing sie von einer Handlung zwölf Unholde.

Sie empfing von ihm zwölf Unholde,

 

von denen kein Einziger etwas taugte.

Nach zwölf Tagen

 

bekam Rüha die Wehen.

Sie kreißte und gebar zwölf Gestalten,

 

von denen keine der anderen glich.

Sie glichen nicht einander;

 

ein jeder ritt auf dem Schoße des anderen.

 

 

Als sıe sie erblickte,

 

fiel ihr das Herz von der Stütze herunter.

Das Herz fiel ihr von der Stütze herunter,

 

und sie heulte und weinte über sich.

 

 

!) D. h. dieser Welt, siehe p. 868. ®) Alles ist außer Rand und Band.

 

 

 

 

 

|

 

 

95, 1796, 8 Drittes Buch.

 

 

Sie sprach:

„Ich sagte mir, ich würde tragen und gebären,

und sie würden gleich dem Herrn der Welt‘) sein.

Ich bin gelaufen, mein Herr, doch nicht hingelangt;

Qual habe ich mir selber aufgeladen?).‘

 

 

Als Namrus so sprach,

 

erbosten alle zwölf.

Alle erbosten

 

und verleugneten ihren Vater.

Es gibt nichts, das endlos wäre.

 

 

Ptahil stand in Gedanken da.

In Gedanken stand Ptahil und sprach:

„Ich will die Welt verlassen.“

Als Rüha dies hörte,

richtete sich ihr Herz wieder auf der Stütze auf”).

Sie sprach:

„Der Fremde ist mir kein Widersacher;

der Fremde hat keine Macht über die Welt.“

 

 

Sie machte sich auf, zerstörte ihre Habe

 

und zog [96] ihr Gewand an.

Sie machte sich auf, zerstörte ihre Habe

 

und ging nach ihrer Heimat‘) im Orte der Finsternis.

Sie sprach zu dem niedrigen Krieger,

 

der ohne Hände und Füße ist:

„Steh auf, mein Vater, siehe,

 

ich bin deine Tochter.

Kose und küsse mich

 

und liege bei mir.

[Liege] bei mir

 

und fülle deine Augen mit der Welt’).

Deine Augen fülle mit der Welt

 

und siehe, daß die ganze Welt‘) dir gehört.

Der Fremde, der ın deine Welt kam,

 

 

101

 

 

hat sie eilig wieder verlassen und ist zu seinem Orte emporge-

 

 

Wenn du bei mir liegest,

werden deine Augen bleiben wie sie sind.“ —

 

 

 

 

 

?) Leid. hat INN.

 

2) Anscheinend ein Zitat, siehe auch weiterhin. Leid. hat INVDRID.

») Dies Fbyrın oder Toymıny.

 

*) Wohl 73ND5 zu lesen.

 

5) Sieh dir die Welt voll an, siehe Joh. II, p. 47°.

 

6) Leid. hat no 7127.

 

 

[stiegen.

 

 

20

 

 

B

 

 

35

 

 

Io

 

 

35

 

 

102

 

 

der Schwangerschaft; von der Geburt ist erst nachher die Rede.

 

 

Rechter Teil. 96, 5-97, 2

 

 

Als der Böse dies hörte,

koste und küßte er sie und schlief bei ihr.

Er küßte sıe und schlief bei ıhr,

und sie empfing von ihm eine Schwangerschaft.

Sie empfing von ihm fünf Wüteriche'),

die einander verleugnen’).

Sie verleugnen einander

und geben sich einem unwürdigen, unschönen Treiben hin).

Am ersten Tage spaltete sich (der Himmel), und es blitzte.

Am zweiten Tage donnerte es.

Am dritten Tage wurde (der Himmel) von Feuerflammen umgeben‘).

Am vierten Tage bebte ein Beben an den Pforten der Finsternis.

Am fünften Tage krampfte sich ihr (der Rühä) Herz und ward traurig.

Ihr Sinn empfand den Schmerz einer kreißenden, gebärenden

Wöchnerin.

 

 

Sie kreißte und gebar fünf Gestalten,

 

von denen keine der anderen glich.

Keine glich der anderen,

 

und sie strauchelten über einander.

Von ihnen geht der Fehl aus,

 

dem alle Welten nicht gewachsen sind.

 

 

Als sie sie erblickte,

schlug sie mit ihren Händen an das Haupt.

Mit ihren Händen schlug sie an das Haupt

und raufte sich die Locken am Kopfe aus.

Die Locken raufte sie sich am Kopfe aus

und brachte Schiefheit in ihr Herz.

Sie sprach:

„Ich bin gelaufen, mein Herr, doch nicht hingelangt ;

ich habe mir selber Qualen aufgeladen.

Ich sah sie nicht und fand keine Befriedigung,

ich sprach, und es trat nicht ein.

Alle meine Hexenkünste gingen mir verloren,

und alle meine Worte verließen mich.

Was habe ich davon, [97] daß ich meine Habe zerstörte,

und was habe ich davon, daß ich mein Gewand anzog?

Was habe ich davon, daß ich mein Gewand anzog?),

wo ich keinen Anteil am Hause habe?“ —

 

 

ya m IS

?2) Durch ihre Unähnlichkeit, als ob sie nicht zu einander gehörten.

®) Dies ist vorweggenommen. Die im Folgenden genannten fünf Tage sind die Tage

 

 

 

 

 

#4) Vgl. p. 93°. 5) Leid. hat MW RaHNNT.

 

 

7,2—21 Drittes Buch. 103

 

 

Ptahil dachte in seinem Sinne nach,

beriet sich in seiner Weisheit und sprach:

 

„Ich will mich aufmachen, mich vor dem Leben verneigen

und mich dem Großen unterwerfen.

 

Es ist mein Wunsch, ein Gewand lebenden Feuers zu nehmen

und im trüben Wasser umherzugehen.

 

Im trüben Wasser will ich umhergehen

und angeben, was geschehen soll.“

 

 

Als Ptahil nach dem weisen Plane, den er gefaßt,

das Leben angebetet und gepriesen hatte,

empfing er ein Gewand lebenden Feuers

und ging im trüben Wasser umher.

Als das lebende Feuer sich mischte

mit dem trüben Wasser,

stieg infolge des Duftes des Gewandes lebenden Feuers

Staubpulver von der Erde Siniawis empor.

Von der Erde Siniawis stieg Staub empor

und fiel überall) hin.

Alle Meere wurden verstopft,

alle Gruben beschwichtigt’).

Trocknes entstand,

eine Verdichtung bildete sich und fiel in das Wasser.

Ein Vorhang hob sich’) in die Höhe,

stieg empor und stellte sich am Herzen des Himmels auf‘).

Als das Firmament ausgespannt war,

verneigte er sich und pries den Mann, seinen Schöpfer.

Als er den hohen Thron erblickte°),

freute er sich und ward frohen Herzens.

Er faßte den Nabel der Erde

und wollte ihn an das Herz des Himmels knüpfen.

Als er den Nabel der Erde fassen wollte,

umkreisten ihn die Hinfälligen‘).

Es umkreiste ihn der Korb’) der Listigen,

der voll (falscher) Weisheit ist.

 

 

1) Lies INDN INDND.

 

2) Siehe oben, p. 91, 27 und Joh. II, p. W.

 

3) Leid. hat NORD.

 

%), Der „Vorhang“ ist wohl das Firmament, siehe weiterhin, nicht das NNEYMD des

Ptahil, von dem R 306, 19; 340, 8 die Rede ist.

 

5) Der hohe Thron ist das Firmament, nicht ist damit Ptahils Thron te

 

©) Oder „die Hinsinkenden“. Es ist eine Bezeichnung für die Dämonen, siehe oben,

7183035, 40. Das Wort wird auch öfter für die vergänglichen irdischen Dinge gebraucht,

ars im Ausdruck NDDN) NMIND „das hinfällige Haus“, d. h. diese Welt.

 

?) Das Wort nnDYp findet sich mandäisch nur an dieser Stelle. Im Talmud ist es

 

 

[627

oO

 

 

104

 

 

in

 

 

20

 

 

w

in

 

 

 

 

 

häufiger, siehe LEVY, Newkebr. Wörterb. IV, p. 270f. Das daraus entlehnte arabische

quffe (guffe) bezeichnet jetzt in Babylonien das runde geflochtene mit Lehm bestrichene

Flußboot. „Der Korb der Listigen“ bezeichnet wohl verächtlich das Pack der Listigen.

 

 

schen x98Dy7 (vgl. Joh. II, p. 50%) und wnnDwNW, siehe auch R 361, 17. Die Bedeutung

„Strafen“ (Nöld., p. 21,12; 140, 1; 325, 9; 327, 21) paßt nicht. Die Herleitung ist ungewiß.

Weder N”%& noch 95 bietet eine passende Erklärung, doch liegt ein dazu gehöriges Verb

vielleicht Text 99, 2; 114, 14 vor.

 

 

Rechter Teil. 97,22-98,12 |

 

 

Er ist voll Bleudwerk,

 

ganz voll von Weisheit.

Er ist voll Blendwerk,

 

der Weibskorb') der Hexerei.

Es umkreisten ihn die sieben Planeten

 

und die zwölf nichtigen Unholde.

Es umkreisten ıhn [98] Atarpan und Lufan,

 

die beiden Fürsten der Welt,

Urpel und Marpel,

 

die in der Tibil über den Zorn eingesetzt sind.

Sie umkreisten den großen Drachen’),

 

stiegen empor und stellten sich an die Wölbune.

Als er den Nabel der Erde faßte,

 

ihn emporhob und an die Wölbung band,

als er den hohen Reifen des Firmamentes faßte.

 

in die Höhe stieg und ihn an seinen Thron band,

wurden die Planeten gebunden,

 

und sie stiegen empor, stellten sich an die Wölbung.

Die Unholde stellten sich hin

 

und wurden in ihren Banden’) gefesselt.

Ihre fünf Lenker

 

rufen jammernd Wehe, Wehe‘).

 

 

Ptahil in seiner Weisheit sitzt da

und fragt sie einzeln aus:

„Woher kamet ihr, ihr Bösen,

deren Gestalt nicht aus dem Vaterhause stammt?“

 

 

Als er so zu ihnen sprach,

antwortete ihm Rüha von unten’).

 

„Wir kommen‘), wir wollen deine Diener sein,

wir wollen hintreten und dir Helfer sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Lies NRDD.

?) Siehe NÖLDEKE, Zeitschr. f. Assyriol. XXV (1911), p. 356.

>) SINN, NSIIND muß etwa diesen Sinn haben. Es steht R 225, 21; 377, 18 zwi-

 

 

*) Die Oxforder Handschrift hat gut NOONSDT.

°) So steht fälschlich da; es sind die Planeten, die ihm antworten.

°) Oxf. hat gut INN.

 

 

98, 12— 9, 3 Drittes Buch. 105

 

 

Helfer wollen wir dir bei allem sein, was du unternimmst,

und dich auf deinem Throne ungestört lassen.

Wir wollen dich ungestört auf deinem Throne lassen,

wir wollen hintreten und die Welt in Ordnung halten.

Wir wollen gut sein

und dir in jeder Hinsicht ergeben sein.“

 

 

Als die sieben Planeten so zu ihm sprachen,

erwiderte er ihnen: „Ihr seid meine Söhne.

Wenn ihr gute Werke tuet,

will ich euch zu meiner Parteı zählen.“

 

 

Als Ptahil so sprach,

 

wurde ihm das Haus weggenommen.

Das Haus wurde ihm weggenommen,

 

und die Hinfälligen erhielten die Herrschaft darüber,

wie bevor das Firmament ausgespannt

 

und die Erde durch die Verdichtung fest geworden war.

Als Ptahil so sprach,

 

wurde ihm das Haus weggenommen.

 

 

Ptahil klärt sich bei seiner Klugheit auf und spricht:

„Ich will mich aufmachen und zum Hause meines Vaters empor-

[steigen.

Ich will zu meinem hohen Vater sprechen:

Alles was du mir befahlest, habe ich ausgeführt.“

 

 

Als Ptahil so sprach,

klärt sich Rüha bei ihrer Klugheit auf und spricht’):

„Ich will Hmurthäs und Astarten schaffen,

die meine Kinder m der Welt sein sollen.

[99] Die Planeten und ihre Dämonen

sollen sich zur Gegnerschaft erheben.

Die Unholde und Dews sollen sich erheben,

und wir wollen alle Welt ...... )

Die fünf Herrscher des Hauses’)

sollen sich erheben und Krieg führen.“ —

 

 

2) Leid. hat SION) MNI2D NNEDTI NDR2D RIND NM, was ich nicht verstehe.

 

2, Das Wort TON) findet sich in demselben Zusammenhange auch R 114, 14. Aus

dieser Stelle ist zu ersehen, daß NDR DD Objekt ist Die Bedeutung ist ungewiß, siehe

oben, p. 104°. Zwei Londoner Handschriften und Leid. haben an dieser Stelle PEN), was

eine Verschlimmbesserung ist, zumal Leid. dort auch 7ND8) hat.

 

3) Die fünf Planeten als Herren der irdischen Welt.

 

 

 

 

30

 

 

33

 

 

106 Rechter Teil. 99, 3-21

 

 

Als Ptahil sie erblickte,

 

leuchtete es ihm bei seiner Klugheit auf.

Er ballte die Faust

 

und schlug auf die Vorhöfe seiner Brust').

Er sprach:

„Bevor ich zum Vaterhause gehe,

 

setze ich über diese Welt einen Herrn ein.

Die Herren des Hauses wissen nicht,

 

daß diese Welt einen Herrn hat?).“

 

 

Als er zum Hause des Lebens ging, zu seinem Vater‘),

sprach der Uthra zu ihm: „Ich habe die Welt geschaffen.“

Rühä schuf Hmurthas

und schuf Astarten, die verschleiert sind‘).

Sie bildete Liliths

jeglicher Gattung und Art.

Die Planeten schufen Dämonen,

zahlreich und unbegrenzt.

Die Unholde schufen Dews

als ihr Abbild in der Welt.

Die Fünf bildeten das Schwert,

sie, die über den Zorn in der Welt eingesetzt sind.

Von einigen sind die Abbilder auf der Erde,

von anderen im trüben Wasser.

„Wir wollen im Himmel weilen,

doch unsere Geschöpfe in der ganzen Welt.

Die Erde soll uns gehören,

und niemand sonst soll über diese Welt herrschen.

Das Haus, das unser Vater uns gebaut,

wollen wir nach ihm bewohnen.

Denn wir sind die Herren des Hauses;

Rüha sei die Herrin an unserem Orte.

Rüha dQudsa mit uns,

wir wollen seine Hüter sein.

Die zwölf Gestirne sollen hintreten

und Tage und Monate einteilen.

Sie sollen Stunden und Sosse einteilen,

sollen Minuten und Sekunden’) einteilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

) D. h. die herausragenden Teile der Brust, siehe Joh. II, p. 37°.

 

®) Die Sätze sind unklar. Statt FbnnW lese ich FONNWwy. Der Herr, den er über

die Welt einsetzen will, ist Adam. Die Herren des Hauses sind die Planeten. Diese wissen

nicht, daß er, Ptahil, der eigentliche Herr der Welt ist. Siehe auch R 110, 22.

 

®) Zu B’hag-Abathur, siehe p. 97, 21.

 

*) Siebe Joh. II, p 2231,

 

°) Der Sossos ist bei den Mandäern der zwölfte Teil einer Stunde, siehe Joh. II, p 1801.

 

 

39. 22--101. 2 Drittes Buch. 107

 

 

Wenn wir dies tun,

wird das ganze Haus uns gehören ').“

 

 

Von der Zeit, da die Erde gedichtet wurde, bis daß Adam kam, sind

es dreihundertsechzig Tausend Jahre. Von der Zeit, da Adam kam, bis zum

Ende der Welt sind es vierhundert [100] achtzig Tausend Jahre. Die sieben

Planeten verteilten die Jahre, daß keiner vor dem andern zu kurz kam‘).

Die Verführerin Rühä verteilte die ganze Welt. Von den zwölf Söhnen

der Mangelhaften hatte keiner weniger als der andere. Rühä und alle

Planeten ahnten und wußten nicht, daß die Welt einen Herrn hat und

ihm Helfer zur Seite stehen. Wie sie dastehen und Pläne schmieden und

der Welt einen Herrn geben wollen, — es gibt nichts, das endlos wäre®).

 

Ptahil kehrte wieder zur Welt zurück und horchte auf das, was sein

Vater ihm gesagt. Er sprach: „Ich bin hergekommen, um einen geliebten

Sohn zu schaffen. Ich will ihn schaffen und festigen, dann erhebe er sich

und preise das gewaltige (Leben). Wenn er auf den Füßen steht, wird er

mit der Hand gegen das wilde Getier schlagen. Er wird mit der Hand

gegen das wilde Getier und das Viehgetier schlagen und dieses anweisen,

daß es Nutzen stifte wegen dessen, was die Planeten getan haben. Diese

verteilten das (Erden)reich, daß es den Körpern gehöre, daß diese alles

Viehgetier und alle Früchte der Erde essen, die alle aus den Wasserfrüchten

kamen).

 

Als Ptahil kam und zu /allen)’) den Planeten sprach: „Wir wollen

Adam schaffen, daß er König über die Welt sei“, als er so zu ihnen sprach,

berieten sich alle miteinander: wir wollen ihm sagen, daß wir Adam und

Hawwa schaffen wollen, denn er gehört zu uns. Sie sagen ihm nun:

„Wohlan, wir wollen Adam und Hawwä, das Haupt des ganzen Geschlechtes,

schaffen.“

 

Als die Planeten so zu ihm sprachen, ward Ptahil im Herzen betrübt

und sprach: „Wenn ich allein Adam und Hawwä, das Haupt des ganzen

Geschlechtes, schaffe, was weiß dann Adam in der Welt anzufangen?“

Darauf sprach Ptahil-Uthra zu den Planeten und sagte ihnen: „Adam ist

mein Sohn, der König dieser Welt.“ Darauf sprachen die Planeten

[101] und sagten zu Ptahil: „Im Vertrauen worauf stehen wir dann da°), und

 

 

Auch NYI8) und xD müssen kleine Zeitteile bedeuten; vielleicht etwa Minuten und

Sekunden. Sie stehen R 112,19 in demselben Zusammenhange. Die Bedeutung von NN}

als kurzer Zeiträume geht auch aus L 76,17 hervor. Das hier stehende NM ist kaum

mit No „Festversammlung, Festmahl“ identisch.

 

1) Der Absatz läuft in eine Rede der Sieben aus. Das folgende Stück ist eingeschoben.

 

2) Ausführlicher R 378, 37 ff.

 

9) Siehe oben, p. 75%. Der folgende Abschnitt setzt eine Rede Abathurs voraus,

 

“) Cod. B und Leid. haben 175197, siehe oben, p. 37°.

 

&) na ist vielleicht an dieser Stelle zu streichen. Es ist wohl aus der folgenden

Zeile hierher geraten.

 

®) D.h. worauf dürfen wir rechnen.

 

 

-

 

 

°

 

 

0

 

 

5

 

 

9)

°

 

 

30

 

 

im

 

 

[07

Li

 

 

108 Rechter Teil. 101, 2—18

 

 

worüber haben wir (dann) Macht in der Welt?“ Da erwiderte ihnen Ptahil

und sprach: „Ihr sollt ıhm Pfleger sein und in jeder Hinsicht zu Diensten

stehen.“

 

 

Sie schufen dann Adam und legten ihn hin,

ohne daß eine Seele in ıhm war.

Als sie Adam schufen,

konnten sıe keine Seele in ıhn werfen.

Da riefen sie den Luftwind'),

daß er seine Knochen aushöhle.

Er höhle seine Knochen aus,

und Mark bilde sich in ihnen.

Mark bilde sıch in ihnen,

damit er auf seinen Füßen feststehe.

Sie riefen den Glanz des lebenden Feuers,

damit es sein Gewand licht mache.

Es mache sein Gewand licht,

damit er auf seinen Füßen feststehe.

Sıe riefen den Dunst der Bäche

und den Qualm des verzehrenden Feuers’),

daß sie in seinen Rumpf einträten,

auf daß er die Faust balle

und mit seinen Armen aufschlage,

damit er schelte und sich schüttle,

damit er auf seinen Füßen feststehe.

 

 

Die Planeten sprachen dann

und wandten sich an Ptahil:

„Gewähre uns, daß wir von dem Geist in ihn werfen,

den du mit dir aus dem Vaterhause brachtest.“

Alle Planeten bemühten sich darum,

die Herren der Welt bemühten sich darum.

Doch obwohl alle sich darum bemühten,

konnten sie ihn nicht auf die Füße stellen.

 

 

Da machte sich Ptahil in seiner Erleuchtung, auf

und stieg zum Orte des Lichtes empor.

Er trat vor den Vater der Uthras°),

da sprach sein Vater zu ihm: „Was hast du vollbracht?“

 

 

 

 

 

 

 

 

’) Siehe oben, p. 157.

 

?) Die Bedeutung von X’PINW ist sicher, siehe Nöld., p. 113,5. Aus dem schlechten,

ungesunden Wasserdunst und dem Qualm des kösen Feuers bildete sich in Adam der Jähzorn,

siehe auch Joh. II, p. 57 ob.

 

®) D.h. vor B’hag-Abathur, siehe oben, p. 97, 21.

 

 

101. 18--102,6 Drittes Buch. 109

 

 

Darauf erwiderte er ihm:

„Was ich sonst geschaffen, ist gelungen,

doch mein und dein Abbild ist nicht gelungen ').“

 

 

Da erhob sich der Vater der Uthras,

machte sich auf und ging nach dem verborgenen Orte.

Er holte den Mana’),

daß er alle verweslichen Dinge erleuchte,

daß er das Körpergewand erleuchte,

jeglicher Gattung und Art.

Er wickelte ihn in seinen reinen Turban

unter den Namen, die das Leben ihm verliehen).

Er faßte ihn an den Enden seines Turbans‘),

brachte ihn hin und übergab ihn seinem Sohne Ptahil.

Als er ihn Ptahil-Uthra übergab,

rief das Leben die Helfer herbei.

Es rief Hibil, Sitil und Anos,

die Uthras, [102] die überragend und ohne Mangel sind.

Es rief sie und richtete an sie Befehle,

sowie Warnungen über die Seelen.

Es sprach zu ihnen:

„Behütet ihr sie,

daß alle Welt über sie nichts erfahre.

Der böse Ptahil erfahre nicht,

wie die Seele in den Körper fällt.

Wie die Seele fällt in den Körper,

und wie das Blut in ihm spricht).

Wie in ihm das Blut spricht’)

und wie durch ihn dringe ......

BE ...-... °, Adakas-Mänä,

er sei ihr ein Hüter.

 

 

Y) Leid, hat INONTI- statt INMDT: „gelang vor mir, doch dein Abbild ist nicht ge-

ungen.

 

2) 097 ist zu streichen. Hier ist nicht der große Mänä, das höchste Wesen, gemeint,

sondern Seelensubstanz, die den toten Körper füllen und beleben soll.

 

») D. h. unter Anrufung der Namen, die das Leben ihm mitgeteilt.

 

#) Lies INIOINUT) NIDAND2.

 

5) Siehe auch R 349, 14ff. Statt SybrSHnnD von bu haben wohl ursprünglich Formen

von N®9 gestanden. An erster Stelle etwa Fan), an zweiter Stelle hat Leid. wohl

richtig Sypıbpm, danach: wie das Blut sich in ihm (im Körper) fülle, siehe auch p. 89°.

Daß bier NY statt NOT wie in 2. 17 (Text) zu lesen sei, glaube ich nicht.

 

©) Oder: durch sie (die Seele) dringe. Zu NS im Sinne „spalten, durchdringen“ siehe

Joh. Il, p. 76*, 110%. Die Bedeutung von WIN (Leid. hat Fin) ist unsicher. Häufig ist NIN,

pl. SS im Sinne „Zweig“ bei NDN „Myrten‘“ (Lit. 146.7 und sonst in den Ritualen). Dies

 

 

20

 

 

30

 

 

m

 

 

ON) Rechter Teil. 102. 5—19

 

 

Wenn er (Adam) sich in den Glanz des Lebens hüllt

und fest auf den Füßen steht,

wenn er mit reinem Munde spricht,

bring du ihn‘) wieder an seinen Ort zurück.

Bring ihn an seinen Ort wieder zurück

und bewahre ihn davor und davor.“

Ptahil wickelte ihn in seinen reinen Turban

und umhüllte ihn‘) mit seinem Gewande.

Der Uthra fliegt und geht hin,

und seine Helfer gehen mit ihm.

Seine Helfer, die mit ihm gehen,

sind Männer, die über die Seelen eingesetzt sind.

 

 

Als sie zur Tihil kamen

und zum körperlichen Rumpfe,

als er’) sie (die Seele) in den Rumpf werfen wollte,

nahm ich‘) sie ihm aus der Tasche.

Während Ptahil Adam anfaßte,

richtete ich seine Knochen auf.

Während er die Hände auf ihn legte,

ließ ich ihn den Duft des gewaltigen (Lebens) riechen.

Der Körper wurde voll Mark,

und der Glanz des Lebens sprach in ihm.

Als der Glanz des Lebens in ihm sprach,

öffnete er die Augen im körperlichen Rumpfe.

Als der Glanz des Lebens in ihm sprach,

stieg Adakas-Ziwa zu seinem Ort empor.

 

 

hängt wohl mit S3N „Dom“ in der Misnah zusammen (Löw, Aram. Pflanzennamen, p. 146).

Davon ist wohl zu trennen NIX sing. mit NY). Lit. 180,3; Lond. Rolle A, 380. An letzterer

Stelle heißt es

ARAMINI NM INT NIIT NUN NYDSY,

 

also auch hier SJN mit NY zusammen. Dann heißt es im Mand. Diwan B 49: INN

TOM 829 NND 7992 I TRI2 ONTRD FT MbnR017 bimanars Sınkar Sıbnn

NWN RIBI RUN NIS NTS Fond FOND NTIRD map MAR IN FIRID

N. „Alsdann sprach Abathur zu Ptahil folgendermaßen: Trage deinen Sohn Adam hin,

gehe, baue ihm einen großen Bau, setze ihn hinein. gehe, bringe den Stier Qadiel, bändige

ihn, laß ihn ein Joch tragen, daß er NN in den Bergen spalte und Samen aussäe.“ Da

steht es anscheinend im Sinne von „Furche‘‘. Man beachte, daß auch im Syrischen NY$ vom

Bepflügen des Bodens gebraucht wird (PAYNE SMITH, col. 3439 unt.). Bedeutet XJN hier

die Gänge im Körper, durch die das Blut fließt? Ebenso unsicher ist der Sinn von BINDIND.

Äußerlich ist es ein erweitertes Partizip von OWN „tragen“, aber darum ist doch der Sinn

ungewiß. Nach dem Versbau und DNIDNINT scheint es zum Folgenden zu gehören, aber

neben DNINTNT steht die Lesung DNININ. Die Stelle ist wohl lückenhaft.

 

‘) Die Ansprache gilt hier wohl dem Adakas.

 

?) Ich vermute TIIUNIN) statt TDPINTMN. 2, D, 1. Diahnl

 

*) Hier ist Mandä dHaije gemeint, nicht Adakas, siehe weiterhin.

 

 

 

 

 

102, 19—103, 10 Drittes Buch. 111

 

 

Ich führte ihn zu seinemOrte, zum Hause des gewaltigen (Lebens), empor,

dem Orte, wo das Große thronet.

Ich übergab ihn den Schatzhütern,

den Uthras, die den Jordan in ihrer Obhut haben.

Das Leben dankte dem Uthra'),

der die Seele brachte.

Das Große rief mir”) befehlend zu

und sprach zu mir: „Gehe, rufe eine hehre Stimme.

Eine hehre Stimme rufe”),

daß die Bösen nichts von der Seele erfahren.“

 

 

Ich kam und fand die Bösen,

sie alle, wie sie dasitzen.

Wie die Bösen dasitzen

und Hexerei über sie ausschütten‘).

Über sie [103] schütten sie Hexerei aus,

und die Bösen wollen sie in einzelne Teile zerteilen.

Als ich sie erblickte,

erglänzte ich in meinem reinen Gewande.

Ich zeigte mich den Welten in dem reichen Glanze,

den mein Vater mir verliehen.

Ich zeigte mich Ptahil-Uthra,

da heulte er und weinte über sich.

Er heulte und weinte über sich,

wegen dessen’), das er getan hatte.

Ich zeigte mich der verführerischen Rüha,

die alle Welt verführet.

Ich zeigte ihr das große Mysterium,

durch das die Rebellen niedergeworfen werden.

Ich zeigte ihr das große Mysterium,

doch sie war blind‘) und sah nichts.

Ich zeigte ihr ein zweites,

da legte ich ihr einen Kameelzaum an.

Ich zeigte ihr ein drittes Mysterium,

da schlug ich ihr einen Spalt in den Kopf.

 

 

!) Damit ist Adakas gemeint, nicht Mandä dHaije. Man könnte nach diesem Verse

annehmen, daß mit Adakas hier überhaupt die Seele gemeint sei, die von Mandä dHaije in

die Höhe gebracht wird, danach auch Uthra auf Mandä dHaije beziehen, doch siehe p. 112, 36 ff.

Der Passus ist infolge schlechter Verarbeitung der Quellen ganz unklar, und der Bearbeiter

scheint selber Adakas und Mandä dHaij& zusammengeworfen zu haben.

 

2) Dem Mandä dHaije. 8) Siehe p. 16, 7; 34, 21.

 

4) Zu N°Y7D und YO) siehe Joh. II, p. 1075, 136°. YE) wird auch vom Ausleeren der

Exkremente gebraucht, und N7%D findet sich wenigstens im Talmud im Sinne von trockenen

Exkrementen; vielleicht wird auf diese Bedeutungen angespielt.

 

5) Leid. hat vorher noch XD21 ..und er weinte‘‘, 6, Leid. hat NYIND.

 

 

112 Rechter Teil. 103, 10-104, 6

 

 

Als sie mich erblickten, gerieten sie alle in Angst und erklärten sich

die Sieben erklärten sich als Schuldige. [für schuldig;

Sie erklärten sich als Schuldige,

stürzten sich hin und fielen auf ihr Antlitz.

Sie stürzten sich hin und fielen auf ihr Antlitz;

sie legten ihre Hände auf ihr Gesicht.

Sie sprachen:

„Unser Herr! Wir haben gesündigt und gefehlt,

doch erlasse uns alle unsere Sünden.“

 

 

Als die Bösen so sprachen,

schlug ich eine Bresche in ihre Phalanx ').

Ich beschwor sie beim großen Mysterium,

daß sie sich nicht an der Seele versündigen sollten °).

Ich verbarg mich vor den Sieben, ich bezwang mich,

ich nahm Körpergestalt an.

Ich nahm Körpergestalt an

und sagte mir, ich wolle die Seele nicht AneSDS

Die Seele will ich nicht ängstigen,

und sie ängstige sich nicht in ihrem Gewande.

Ich erschien ihr in Körpergestalt

und setzte mich zu ihr in Glanz.

Ich breitete Glanz vom großen Mana über sie,

aus dem er°) geschaffen worden war.

Ich setzte mich zu ihm und belehrte ihn über das,

was das Leben mir aufgetragen.

Ich predigte ihm mit hehrer Stimme,

die hehr und leuchtender als alle Welt war.

Ich predigte ihm mit sanfter Stimme

[104] und weckte sein Herz aus dem Schlafe.

Ich sprach mit ihm in der Rede der Uthras

und lehrte ihn meine Weisheit.

Aus meiner Weisheit lehrte ich ihn und sagte ihm,

daß er sich erhebe und das gewaltige (Leben) anbete und preise.

Er preise den hohen Ort,

die Stätte, an der die Guten wohnen.

Er preise Adakas-Ziwa,

den Vater, von dem er herkam.

 

 

Wie ıch dasaß und ihn unterwies,

erhob er sich, verehrte und pries das Gewaltige.

 

 

 

 

 

 

 

 

4) Hier ist das griechische Wort gebraucht, vielleicht nur um ein Wortspiel zu er-

möglichen. 2) Leid. hat FIOTNNIT.

®) Von hier an ist Adam Subjekt, nicht die Seele.

 

 

 

 

 

104. 6— 105. 2 Drittes Buch. 113

 

 

Er pries seinen Vater Adakas-Ziwä,

den Mänä, von dem er geschaffen worden war.

Als er seinen Vater, den Uthra, anbetete und pries,

erschien er ihm aus dem verborgenen Orte.

Als er seinen Vater, den Uthra, erblickte,

wurde er voll Lobpreises über die Maßen.

Er sang Hymnen mit lauter Stimme

und stürzte die Planeten um.

Er stürzte die Planeten um,

stürzte um die Herren der Welt.

Er verleugnete die Söhne des Hauses ')

und alle Werke, die sie geschaffen hatten.

Er zeugte für den Namen des Lebens

und den Uthra, der ihn seine Stimme hatte vernehmen lassen.

r verleugnete die Werke der Tibil

und erhob seine Augen zum Orte des Lichtes.

 

 

5

 

 

Als er dies tat,

 

wurde°) der Uthra des Lebens’) voller Güte gegen ıhn.

Er wurde voller Güte gegen ihn

 

und ließ ihm einen Bau bauen.

Er ließ ihm einen Bau bauen

 

und ließ ihm eine Pflanzung pflanzen.

Er ließ ihm einen Jordan schaffen,

 

damit er, wenn sein Maß voll ist,

 

ihn (Adam) emporhebe und in seinem Bau aufrichte:

 

ihn am Lichtorte bei seinem Vater Adakas-Ziwä aufrichte

 

und ihn zum Uthra am Lichtorte mache.

 

 

Als Rüha und die Planeten hiervon hörten,

saßen sie alle in Klage da.

Alle saßen sie in Klage da,

dann begannen sie (böse) Pläne zu schmieden.

Sie begannen Pläne zu schmieden und sprachen:

„Wir wollen Adam einfangen und packen.

Einfangen und packen wollen wir Adam

und ihn bei uns in der Welt zurückhalten.“

[105] Sie sprachen:

„Wenn er in sanftem Tone spricht,

wollen wir‘) in rebellischem Tone sprechen.

 

 

) D.h. dieser Welt.

 

2) Im Texte steht fälschlich der Plural infolge falscher Beziehung auf N.

3) Das ist Mandä dHaije.

 

* yrıya ist durch &77y) beeinflußt. Leid. hat IN.

 

 

Lidzbarski, Ginza. 8

 

 

Io

 

 

25

 

 

us

un

 

 

15

 

 

20

 

 

[93

 

 

35

 

 

114

 

 

Rechter Teil. 105. 2—20

 

 

Wenn er ißt und trınkt,

wollen wir die Welt einfangen.

Wir wollen die Welt einfangen

und in ihr verschiedene Gestalten schaffen ').

Wir wollen ..... °) nehmen

und Umarmung üben in der Welt.

Umarmung wollen wir in der Welt üben

und eine Gemeinde in der Welt gründen.

Eine Kirche wollen wir ın der Welt gründen,

ihn’) einfangen und in unsere Kirche einführen.

Wir wollen ibn in unsere Kirche aufnehmen,

sein Herz fangen und packen.

Wir wollen ihn einfangen durch Hörner und Flöten,

damit er sich von uns nicht losmache.

Wir wollen in ihr (in der Welt) sieben Gestalten schaffen ‘),

verschiedener Art und Gattung.“

 

 

Als die Bösen in ihrer Bosheit die Ränke schmiedeten,

ging ich guten Plänen nach,

um Gutes in der Welt zu stiften.

Ich rief die Uthras, meine Brüder,

die Männer, die den Stamm) festigen.

Ich rief die Uthras, meine Brüder,

sanfte, gefestigte Uthras.

Ich trat hin und sprach zu den Uthras, meinen Brüdern,

die über den Stamm) eingesetzt sind:

„Wisset ihr Uthras, meine Brüder, nicht,

was die Planeten planen?

Die Planeten stehen da und planen und sprechen:

„Wir wollen den Stamm des Lebens verführen.

Verführen wollen wir des Lebens Stamm

und ihn bei uns in der Welt abschneiden.“

 

 

Als die Uthras dies hörten,

die sanften, gefestigten Uthras,

 

sprachen sie:

 

„Gewähre uns, daß wir Adam eine Pflanzung pflanzen

und seinen Stamm zahlreich machen.

 

 

’) Ihre Abbilder, die ihrem eigenen Wesen entsprechen, siehe weiterhin und p. 99. 22.

?) Siehe über das Wort Joh. II, p. 219°.

 

”) Wohl von hier an schon in Beziehung auf Adam.

 

!) Leid. hat ADNW). Dies steht für TINRWN, siehe Text, Z. 3.

 

’) D. h. den Stamm, die Gemeinde der Gläubigen, siehe weiterhin.

 

®) Auch hier ist wohl NNIMW zu lesen.

 

 

195. 20— 106. 12 Drittes Buch.

 

 

Wir wollen Adam eın ......... '), schaffen

und ihn fest pflanzen.

Fest wollen wir ihn pflanzen

und ihm eine Hochzeit herrichten.

Eine Hochzeit wollen wir Adam herrichten,

ihn unterweisen und eine Frau nehmen lassen’).

Wir wollen Adam eine Frau geben

und ihm eine Gefährtin schaffen.

Eine Gefährtin wollen wir ihm schaffen

und seinen Stamm zahlreich machen.

Hymnen und Gebetsordnungen [106] wollen wir vorlesen,

und das Leben soll das Gebet verrichten’).

Wir wollen die Planeten ....... )

damit sie zu unserer Versammlung kommen.

Sie sollen zu unserer Versammlung kommen

und bei uns sein.

Bei uns sollen sie sein,

und Adam soll über sie alle triumphieren.

 

 

Ich und die Uthras, meine Brüder,

stifteten alles Gute.

Wir stifteten Gutes

 

 

und richteten eine Hochzeit für Adam in der Welt her.

 

 

Wir richteten eine Hochzeit für Adam her

 

und gaben ihm eine Gattin.

Wir gaben ihm Hawwa als Gattin),

 

wie man sie an ihrem Orte gepflanzt hatte.

Wir stehen da und freuen uns,

 

wir freuen uns über ihn in hohem Maße.

 

 

Doch bald schmerzte es Rüha,

und die Planeten, sie alle betrübte es.

Rüha nahm Weihrauch ‘)

und spricht über ihn ein Wort der Lüge aus.

Die Sonne brachte ein Gewand,

der Mond brachte einen Rock.

Nbü brachte Gold,

Kewän Stiefel und Schuhe.

 

 

») xy steht falsch da. Hier steht kaum „Reichtum“ im Sinne von Nachkommenschaft.

2) Leid. hat Spmonn SS1an8. Die Lesung 710719) scheint mir den Vorzug zu

 

 

verdienen, siehe auch p. 117, 21.

 

 

3) Wohl xM12 zu lesen, siehe p. 66%.

 

 

4) Trotz Text 104, 10 möchte ich hier eher pop „wir wollen sie einladen“ annehmen.

 

 

5) Leid. hat MN.

6, Er ist hier ein Bild des christlichen Kultus.

 

 

[57

vr

 

 

15

 

 

30

 

 

35

 

 

116

 

 

Rechter Teil. 106, 12—107,7

 

 

Bäl brachte Brot und Wein,

Nerig brachte ..... Ö%

Alle zwölf Gestirne

in allen Gattungen und Arten:

einige von ihnen waren Zimmerer,

einige ihrer Dämonen wanden Kränze,

ihre Dews waren gehorsame Diener,

einige ihrer Ekurs”) Schenken,

ihre Hmurthas waren Tänzer,

ihre Kobolde Gaukler.

Myrten brachten sie in Lasten,

wohlriechende Blumen haufenweise.

Sie brachten den großen Jasmin,

der aus der Skina des Lebens stammte.

Sie brachten den großen Jasmin

und schufen an ihm Mangel und Fehl.

Sie brachten Maru astargän’),

der aus der Skina der Uthras stammte.

Sie brachten Maru astargän

und taten an ihm alles Böse.

Sie brachten Wasserminze und Ocimum basilicum,

deren Duft aus der Skinä der beiden reinen Berge kam‘).

Sie brachten Wasserminze und Ocimum basilicum

[107] und taten daran alles Häßliche.

Sie brachten Narcisse, Myrte und Marmahaz’)

und taten daran Verkehrtes,

Sie brachten alle wohlriechenden Blumen

jeglicher Gattung und Art

und taten an ihnen alles Böse.

 

 

Ihre Kobolde machten sie zu Köchen,

ihre Dämonen zu Bäckern,

ihre Stammler machten sie zu Schlächtern,

ihre Schrate zu Bäckern,

alle ihre Unholde zu Schenken.

Alle waren sie gehorsame Diener

und gehorchten Adam und seinem ganzen Stamme.

 

 

?) Das Wort NYMDNIN (R’PDNIN) findet sich nur an dieser Stelle. Die Bedeutung ist

 

 

unbekannt. Babylonisch scheint es nicht zu sein.

 

 

2) Bedeutet ursprünglich „Tempel“, dann „Tempelgeist‘“, vgl. Uthra, p. 541°.

») Eine Ferula-Art, siehe Löw, Aramäische Pflanzennamen. p. 31.

“, Zu der Vorstellung der beiden Berge, die man sich als Geburtsstätte der Sonne

 

 

dachte, siehe Joh. II, p. 189.

 

 

®) Siehe LÖW, p. 252.

 

 

107, 7 —24 Drittes Bueh. lalerf

 

 

ich und die Uthras, meine Brüder,

machten ihre Schlechtigkeit zunichte.

Ihre Schlechtigkeit machten wir zunichte

und schufen Gutes für Adam.

Gutes für Adam schufen wir

und brachten ihn über die Maßen in die Höhe.

Wir veranstalteten ihm eine große Hochzeit

mit trefflichen Hymnen und Gebetsordnungen.

Wir machten die Rede der Rüha zu Schanden,

zunichte ihren aufrührerischen Ruf.

Wir beseitigten die Schlechtigkeit der Planeten

und unterdrückten alle Unholde.

Wir richteten die Wurzel des Lebens auf;

sie siegte und brachte ihrem ganzen Stamme Sıeg.

 

 

Wir blieben bei Adam,

bis Hawwa ihre Wehen bekam ').

Bis Hawwä die Wehen bekam,

blieben wir bei ihnen.

Wir blieben bei ihnen,

und ich war ihm ein ..... der Frauen’).

Ich unterwies Adam, eine Frau zu ehelichen,

wie Männer eine Frau ehelichen’).

Ich unterwies Adam, eine Frau zu ehelichen

und sagte mir: der Stamm des Lebens vermehre sich.

Es vermehre sich des Lebens Stamm,

und von ihnen werde die Welt erweckt.

Die Welt werde von ihnen‘) erweckt,

und das Leben wird ihnen dankbar sein.

Dankbar wird ihnen das Leben sein,

es wird sie erlösen und in die Höhe heben

aus dieser Welt der Bösen.

 

 

An der Spitze des ersten Geschlechtes

stand Adakas-Ziwä.

 

Da war Adakas-Ziwa,

und da war die Lichtwolke®).

 

 

1) Brandt, Rel., p. 37m. übersetzt diesen Satz falsch: „Wir waren die Ehre des

Adäm, bis die Hawä [es?] verdarb.“ Damit ist auch seine Bemerkung „Hier findet sich die

einzige Stelle, welche den Sündenfall des ersten Menschen vorauszusetzen scheint‘ unrichtig.

 

2) Was DYAND der Frauen ist, ergibt sich aus dem Folgenden mit einiger Sicherheit.

Es ist ein Mann, der den angehenden Ehegatten in die Geheimnisse der Ehe einweiht. Aber

ich kann das Wort DYDND nicht herleiten.

 

) Lies NOIR RINT NIT 72. *) Leid. hat hier RIM.

 

5) Als erstes Paar werden hier nicht Adam und Hawwä genannt, sondern Adakas, der

verborgene, überweltliche, präexistente Adam, der oben als Vater Adams bezeichnet wird, und

 

 

wn

 

 

19}

 

 

un

 

 

118 Rechter Teil. 107. 24-108, 15

 

 

Die Lichtwolke war da.

Als [108] ihr die erste‘) Schwangerschaft ward,

wurden Hibil und Anath-Haije geboren.

Als ihr eine zweite Schwangerschaft ward,

5 wurden Anan-Nsab und Anhar-Ziwä geboren.

Geboren wurden Anan-Nsab und Anhar-Ziwä,

dessen Name”) den Welten angenehm ist:

Anan-Nsab-Ziwa-Sitil

und Anhar-Ziwä-Hawwä, die von Hawwa geboren ward,

ıo denen’) die Welten und Generationen „Bestand“ zurufen,

dessen Name°) in den Welten Bestand hat.

Bei der dritten Schwangerschaft

wurden Bar-Haije und Dmüth-Haije geboren‘):

Bar-Ano$-Adam°), der seinen Stamm festigt;

15 Dmüth-Haije, von der aus die Welt hervorgerufen wurde.

Hibil, der Herr der Erde,

den die Welten erblickten und sich vor ıhm fürchteten.

Sitil, die treffliche Pflanzung,

der Uthra, der die Vollendeten festigt.

20 Anos, der sanfte Uthra,

der seinen Stamm festigt.

Adam, der König der Uthras,

den alle Welten verehren‘°).

Adam richtete ich den Großen gleich

an der Spitze des Baues auf.

Hawwa machte ich der Lichtwolke gleich

zur Herrin der ganzen Welt.

 

 

 

 

 

als Stammutter der „Wolken“, womit von den Mandäcrn die Frauen im Allgemeinen benannt

werden (siehe Uthra, p. 539), die „Lichtwolke“. Hinter dem folgenden Halbvers ist eine

Lücke, in der vielleicht Adam und Hawwä genannt waren. Auch das Folgende ist ab-

gerissen und verworren. Doch können die aufgezählten Paare auch von Adakas und der Licht-

wolke, nicht von Adam und Hawwä hergeleitet sein. Vielleicht kam hier ursprünglich die

Vorstellung zum Ausdruck, von der SIOUFFI, p. 1f., 62 spricht, dab es sowohl in der jen-

seitigen, wie in der irdischen Welt erst2 Paare gab, deren Kinder sich miteinander ver-

mischten und von denen aus beide Welten bevölkert wurden, siehe auch Brandt, Rel., p. 37. ”

 

3) pnamn ist zu streichen. Es ist aus der folgenden Zeile hierher geraten.

 

®) Soll wohl heißen „deren Namen“.

 

3) Auch hier steht im Text der Singular.

 

*) „Sohn des Lebens“. siehe Joh. II, p. 96°, und „Abbild des Lebens“, siehe Lit., p. 84°.

 

5) Hier wird anscheinend Anös mit Adam, andererseits auch mit dem Leben identi-

fiziert.

 

6) Ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden werden die drei Uthras Hibil, Sitil

und Anö$ genannt. Ganz unmotiviert ist auch die Nennung Adams am Ende. Die Pariser

Handschriften haben alle DNTIN, ebenso Leid. Die Schreibung DNIN” scheint ein Versehen

PETERMANN’s zu sein, so daß man nicht DNINT NNIIW DYAPNT lesen darf. Außerdem

steht hier wohl ANINW DOYNPOT in demselben Sinne, wie einige Zeilen vorher.

 

 

108. 13-109. 5 Drittes Buch. 119

 

 

Als ich ') Adam einsetzte,

setzte ich über ihn drei Uthras eın.

Den Uthras, die ich über Adam und Hawwä einsetzte,

trat ich selber an die Spitze.

Ich stellte mich hin und lehrte sie °)

wundersame Hymnen.

Ich lehrte sie Gebetsordnungen,

damit sie die Massagthäs (nach Art) der Uthras vollziehen‘).

ich lehrte sie Gebete,

damit sie durch die Gebete an das Leben gefestigt werden. 10

lelı sprach zu ihnen:

„Ihr seid aufgerichtet und gefestigt

am Orte, an dem die Guten gefestigt werden.

Zwischen den Mänäs des Lichtes

sollt ihr dort gefestigt werden“ ‘). 15

Ich setzte mich hin und unterrichtete sie,

wie ein Lehrer seine Schüler’).

Ich sprach einen Segen über sie aus:

der Segen der Guten ruhe auf ihnen.

Adam und seine Kinder und sein Stamm 20

sollen den Ort des Lichtes schauen.

 

 

in

 

 

[109] Als Rühä sie sah,

rief sie die Unholde.

Die Unholde rief sie

und erteilte ihnen einen nichtswürdigen hat).

Einen nichtswürdigen Rat erteilte sie ihnen,

ungünstig für den Ort des Lichtes.

Sie spricht zu ihnen:

„Was haben wir davon, daß wir im Hause‘) sind

und in der Welt leuchten? 30

Was haben wir davon, daß wir leuchten,

wo wir keinen Anteil an ihr haben?

 

 

ı) D. h. Mandä dHaije.

 

2) Nach dem Folgenden sind es Adam und Hawwaä.

 

3) Leid. hat YPDN). Die Massagtha, „der Aufstieg“, d.h. der Seele, ist die Kult-

handlung und Liturgie, die beim Abscheiden der Seele geübt wird, vgl. Lit., p. 62#8.

 

#) Dieses Gebet ist in erweiterter Form in die Tauf- wie in die Sterbeliturgie ein-

gefügt, siehe Lit., p. 45, XXIX; 95, LXV.

 

5) Das Wort NORM, NONWN „Schüler“, besonders der angehende Priester, wovon

ich Lit.. p. 6° spreche, ist babylonischer Herkunft, vgl. ZIMMERN, Akkadische Fremd-

wörter, p. 16.

 

6, Leid. hat hier und im folgenden Vers den Plural NDUND NIC „nichtswürdige

Ratschläge“.

 

?) Siehe oben, p. 15°.

 

 

ts

un

 

 

in

 

 

ty

 

 

 

 

120 Rechter Teil. 109. 5—21

 

 

Wir haben keinen Anteil an ihr,

 

und das ganze Haus gehört nicht uns.

Auf! Wir wollen dem Fremden') sagen,

 

daß er uns einen Anteil an der Welt gewähre.

Wenn er uns keinen Anteil gewährt,

 

werden wir Streit gegen ihn erregen.

Wenn er uns keinen Anteil gewährt’),

 

werden wir sofort die Welt verlassen.

Wir werden sofort die Welt verlassen,

 

wer wird dann Glanz in ihr sein?

Glanz wird wer in ihr sein

 

und die Welt erleuchten?*

 

 

Als Rüha und die Planeten so sprachen,

die Kinder der nichtigen Wohnung,

wandte ich mich und sprach

zu den nichtswürdigen Unholden:

„Wenn ihr wegziehen wollet, ziehet weg von dem Hause;

ich will es dann allein erleuchten.

Ich will dieses Haus erleuchten

und es in bester Ordnung halten.“

 

 

Alle Unholde erklärten sich gegen ihn

 

und traten hin, um geheime Pläne zu schmieden.

Alle sinnen auf Böses |

 

und sprechen:

„Auf! Wir wollen eine Feier’) veranstalten,

 

auf, wir wollen ein Trinkgelage veranstalten.

Wir wollen Mysterien der Liebe treiben

 

und die ganze Welt verführen.

Wir wollen Mysterien der Zauberei schaffen

 

und unserer Welt‘) ein Ende bereiten.

Wirswollen ...2 °) stiften

 

und den Ruf des Lebens beseitigen.

 

 

Y) D.h. dem vom Jenseits herkommenden Manne, siehe oben, p. 5°. Hier ist es

Mandäa dHaije.

 

®) Leid. hat auch hier NND. Das folgende ”>y (auch Leid.) ist aus der vorher-

gehenden Zeile hierher geraten.

 

») Dies ist wohl der Sinn von XD. Obwohl es nun der Bedeutung nach XY)D nahe-

steht, scheinen mir die beiden Wörter nicht identisch zu sein. Vielmehr identifiziere ich

NND mit dem jüdischen DD, umsomehr als auch beim ND nach p. 123,4 NNNID ausgeteilt

werden, d.h. ia)b@ Est. 9,19,22. Daß der Verfasser etwa das jüdische Purim im Auge hatte

 

 

und dieses als Feier der Bösen hinstellen wollte, ist unwahrscheinlich. Er hätte dann den

Plural mit übernommen, außerdem scheint NE N7D eine feste Verbindung zu sein.

*) Man erwartet eher: ihrer Welt.

 

 

5) Die Bedeutung von NMYWNIIND ist unsicher. An dieser Stelle könnte man an

 

 

109, 21—110. 14 Drittes Buch. 121

 

 

Den Ruf des Lebens wollen wir beseitigen;

 

wer wird rufen Beine ar

Streit wollen wir im das Haus werfen,

 

der in aller Ewigkeit nicht geschlichtet werde.

Streit wollen wir in das Haus werfen

 

und den Fremden töten.

Den Fremden wollen wir töten

 

und [110] seinen ganzen Stamm beseitigen.

Wir wollen Adam zu unserem Anhang machen

 

und sehen, wer ihm dann zum Befreier wird.“

 

 

Rühä und die Planeten brachen dann auf

und stiegen auf den Berg Karmel’).

[Auf den Berg Karmel] stiegen sie

und heckten Mysterien der Liebe aus.

Die Unholde sitzen da und schmieden Pläne,

sie greifen zu den Mysterien ihrer aller.

Sie greifen zum Mysterium der Rüha;

sie sitzen da und treiben Zauberei.

Sie sitzen da, grübeln in ihrer Klugheit

und sprechen:

„Auf! Wir wollen eine Feier veranstalten

und bei ihr Opfergaben darbringen ’).

Wir wollen die zwölf Gestirne versammeln,

und wir alle wollen geheime Dinge treiben.

Wir alle wollen Eide leisten,

und wir wollen die Mysterien der Liebe nicht verraten.

 

Wir wollen das Mysterium der Liebe mit der Myrte begehen

 

und alle Welt einiangen.

 

Wir wollen das Mysterium der Liebe mit Wein begehen

 

und in unserem Rausch die Welt einfangen.

 

Wir wollen das Mysterium der Liebe mit Wasser‘) begehen

 

_ und alle Welt aufrühren.

Wir wollen alle Welt aufrühren

und sie einfangen

durch das große Mysterium der Liebe,

daß niemand etwas über uns erfahre.

wıman „Aufruhr“ oder an RONNTIIRD „Zorn“ denken. Aber das Wort scheint identisch

zu sein mit XMIND R 223,7, das dort zusammen mit „Blut“ und „Befleckung‘“ steht.

 

!) In IND 92 steckt vielleicht NOW „unser Zeichen“.

 

2) Die Kenntnis des Karmels, der auch sonst in den mandäischen Schriften genannt

wird, ist wahrscheinlich aus der Geschichte des Elias und der Baalspriester zu den Mandäern

gelangt, vgl. Joh. II, p. 94%. .

 

®) Das Wort NIUNI findet sich nur an dieser Stelle; es ist das babylonische nindabu.

 

4) Leid hat 02).

 

 

 

 

 

19?)

 

 

us

un

 

 

Io

 

 

25

 

 

30

 

 

3

 

 

40

 

 

122

 

 

Rechter Teil. 110. 14—111, 10

 

 

Niemand erfahre das Geheimnis unserer Eide,

 

und wir wollen unsere Rede nicht bekannt geben.

Wir wollen unsere Eide nicht bekannt geben

 

und was wir alles in unserer Welt ersonnen haben.

Nein’), wir wollen alle Mysterien nicht verraten,

 

und wir wollen seine Partei in Verwirrung bringen,

die Partei, die der Fremde gegründet,

 

damit er keinen Anteil an der Welt habe. |

Er habe keinen Anteil an der Welt,

 

das ganze Haus gehöre vielmehr uns.

Es gehöre ganz uns,

 

und sonst sei niemand in dieser Welt.

Was hat der Fremde nur im Hause getan, |

 

daß er sich darin eine Partei gründen konnte?

Die Herren des Hauses”) wissen nicht,

 

daß das ganze Haus uns gehört.

Das Haus gehört uns,

 

und sie haben keinen Anteil daran.“

 

 

Sie erhoben sich, verwirrten ihre Werke

und taten an ihnen Mangel und Fehl.

Mangel und Fehl taten sie an ihnen,

[111] weil das Haus nicht?) ihr ist.

Das Haus wurde nicht ihr

und war nicht ihretwegen geschaffen.

In das Haus, das die Uthras geschaffen,

haben sie mich gesandt,

mich und die Uthras‘), meine Brüder,

damit ich komme und Gutes darin stifte.

Damit ich Gutes darin stifte,

auf daß die Guten es sehen und Gutes empfangen.

Die Guten sollen es sehen und Gutes empfangen,

sie sollen emporsteigen und den Lichtort schauen.

Die Bösen sollen es sehen und sich schämen;

in die Feueröfen sollen sie hinabsinken.

Sie sollen in die geheizten Öfen hinabsinken,

in den Ort, aus dem sie geschaffen wurden.

An dem Orte, aus dem sie geschaffen wurden,

da soll ihr Geist aufhören.

Da soll aufhören ihr Geist,

weil sie nichts Schönes getan haben.

 

 

1) Leid. hat wie B NY.

®) Die Uthras, die sich dafür halten, es ist hier also anders gebraucht als p. 106, 8.

3) Leid. hat 1x. 4) Leid. hat nImy>.

 

 

 

 

 

111. 10-112, 4 Drittes Buch. 123

 

 

Da sie nichts Schönes getan haben,

sollen sie am Tage des Endes ein Ende nehmen.

 

 

Sie erhoben sich, veranstalteten eine Feier

und verteilten Portionen unter sich).

Portionen verteilten sie unter sich,

sie, die des Lichtortes unwürdig sind.

Sie verdrehten das Gute,

was der Herr der Welt geschaffen °ı.

Sie verdrehten die rechten Mysterien,

was der Erste’) geschaffen. 10

Sie verdrehten die Reden der Wahrheit

und hielten Reden der Lüge.

Reden der Lüge hielten sie,

weil sie des Lichtortes unwürdig sind.

Den Kopf machten sie zum Schwanz, 15

den Schwanz machten sie zum Kopfe.

Sie verdrehten ihre Werke

und taten Böses in der Welt.

Sie brachten alle Früchte

und taten an ihnen alles Böse. 20

Sie brachten die Kräuter

und taten an ihnen Mangel und Fehl.

Sie brachten das lebende Wasser

und gossen Trübung hinein.

Sie brachten das Haupt des Stammes ‘)

und übten an ihm das Mysterium der Liebe und der Lust.

durch das alle Welten (Wesen) in Glut geraten.

Sie übten an ihm Verführung,

durch die alle Welten betört werden.

Sie übten an ihm das Mysterium der Trunkenheit,

durch das alle Welten trunken werden.

[112] Sie gaben ihnen’) aus dem Kelch der Trunkenheit zu trinken,

damit sie ihr Antlitz nach dem großen Süf-Meer richten.

Sie brachten Gold und Silber,

sowie die Perlen dieser Welt. 35

Sie brachten Gold und Silber,

durch das die Welten‘) trunken werden.

 

 

ist

 

 

IB}

 

 

wu

 

 

197)

(6)

 

 

t) Siehe oben, p. 120°.

 

2) Hier ist damit das gute höchste Wesen gemeint.

 

s) Leid. hat NYNOTNDT mit Beziehung auf NM.

 

“) Damit kann nur Adam gemeint sein. Zum Gebrauche von NIND vgl. Joh. II, p. 4*.

5) Dies bezieht sich allgemein auf die Menschen oder die „Welten”.

 

©) Leid. hat auch hier NDR apa") „alle Welten“.

 

 

194 Rechter Teil. 112, 4—23

 

 

Die Welten werden dadurch trunken

 

und richten ihr Antlitz nach dem Süf-Meer.

Sie brachten Geld und Gut

 

und taten damit alles Böse.

 

 

Der Rühä teilten sie die Wollust zu,

die die Welten sehen und in Glut geraten.

Nbü teilten sie die (falsche) Weisheit zu

und machten ihn zum Herrn der Liebe.

Sie teilten ihm die Pauken und Flöten zu,

wodurch alle Welten gefangen werden.

Kewän teilten sie die Schlechtigkeit zu,

von der Mangel und Fehl ausgehen.

Samis (der Sonne) teilten sie die Lüge zu,

durch die alle Welten betört werden‘).

Sin (dem Monde) teilten sie den Mangel zu,

von dem aller Mangel ausgegangen ist.

Bel teilten sie das Mysterium des Wassers zu,

womit er alle Welten aufrührt.

Er rührt alle Welten auf

und mischt das Gute mit dem Bösen.

Nerig teilten sie die Waffe zu,

Krieg in der Welt zu führen.

Sie riefen die zwölf Gestirne

und teilten ihnen den Tierkreis zu.

Sie verteilten unter sie die einzelnen Häuser

und warfen sie wieder in die Bosheit.

Wieder warfen sie sie in die Bosheit:

Haß, Eifersucht und Zwietracht.

Sie verteilten die Tage und Monate,

sie verteilten die Stunden und Sosse.

Die Stunden und Sosse verteilten sie,

verteilten die Minuten und Sekunden’).

Sie verteilten die ganze Fehlerhaftigkeit,

verteilten allen Mangel und Fehl.

Sie verteilten unter sich die ganze Welt,

ohne des Namens des Ersten) zu gedenken.

Sie schlossen ihren Bund

und wamenee.r... 2

 

 

t) Lies WIRD. 2) Siehe oben, p. 106°.

 

») Hier hat auch Leid. so.

 

#) Die beiden hier stehenden Worte sind entstellt. Auch NANIp CD ist verdächtig

trotz Text 113,5. Leid. hat 8292. In MN ist vielleicht eine Form von %) „schwören

enthalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

112, 23—113. 18 Drittes Buch.

 

 

Sie bekräftigten ihre Eide,

ihrer aller, die sich zur Lüge bekennen.

Sie bekräftigten die Eide,

die sie [113] auf dem Berge Karmel geschworen hatten.

Auf der Feier, die die Sieben feierten,

sprachen alle Äonen und Dämenen.

Es sprachen darin die Pauken und Gesänge,

das Haupt aller Zauberei,

das Haupt des großen Einfangens,

womit alle Welten eingefangen werden.

Es sprachen darin die Hörner und Bilüre'),

das Haupt aller Opferschlachtung,

das Haupt aller Kämpfe,

womit alle Welten eingefangen werden.

Es sprach darin die Zither der Wollust,

durch die sich die Wollust über sie verbreitete.

Sie sprachen darin mit Tamburinen,

womit alle Rühas sprechen.

Damit sprechen alle Rühas

und machen einen Fang in der Welt.

Sie sprachen darin mit Hörnern,

sprachen darin mit allen ......... äh

Sie sprachen darin mit den Flöten °, der Lügnerin,

von denen alle Lüge ausging.

Sie sprachen darin mit starkem Getöse,

daß ein Getöse in der Welt entstand.

Ein Getöse entstand in der Welt,

daß sie die ganze Welt erschütterten.

Sie erschütterten die ganze Welt,

erschütterten die Erde von Grund auf.

Sie erschütterten den Amboß der Erde,

erschütterten das ganze Firmament.

Das ganze Firmament erschütterten sie

und brachten überall Gefangenschaft hin.

Auf ihren Schall und den Schall ihres Getöses

stieg ein Mäna aus dem Meer empor‘).

Ein Manä stieg aus dem Meer empor,

und alle Reben und Bäume wurden gepflanzt’).

 

 

2, Ein Musikinstrument. siehe Joh. II, p. 63.

2) 77 ist wohl aus dem Namen eines Instrumentes entstellt.

3) Lies NIMION2-

 

 

#, Hier scheint eine Reminiszenz an den Mythus von Ea-Oannes vorzuliegen.

 

 

8) Leid. hat 232NY.

 

 

IV

St

 

 

35

 

 

126

 

 

vi

 

 

20

 

 

18}

u

 

 

10}

 

 

werden öfter die beiden mit einander vertauscht. Es ist auch möglich, daß schon vorher

hie und da mit dem Uthra Hibil gemeint ist, siehe z. B. p. 113, 14. Der Verfasser sieht in

ihm ein anderes Wesen als in dem vorher und weiterhin genannten Sohn Adams.

 

 

sich.“

 

 

Rechter Teil. 113, 19-114. 13

 

 

Als die Reben und Bäume gepflanzt wurden,

fiel ihr Laut in Adams Ohr. |

Als ihr Laut in Adams Ohr fiel,

wachte Adam aus dem Schlafe auf.

Adam wachte aus dem Schlafe auf

und erhob sein Antlitz zum Orte des Lichtes.

Er rief seine Helfer,

rief die sanften, gefestigten Uthras.

Er sprach zu Hibil-Uthra,

dem Manne, der ihn seine Stimme hatte vernehmen lassen‘):

„Was ist in dem Hause geschehen,

was in dieser [il4] Welt?

Was ıst in dem Hause geschehen,

daß der Schall des Getöses bis zum Himmel emporsteigt?

Die ganze Erde erbebte,

das ganze Firmament wurde zermalmt?).

Das Herz aller Welten wurde erfaßt

und wich von seinem Platze.“

 

 

 

 

 

Als Adam so sprach,

zog sich ihm eine Träne im Auge zusammen’).

Als Adam so sprach,

erglänzte ich in meinem Gewande.

Ich erglänzte in dem Gewande lebenden Feuers,

das mein Vater mir verliehen.

Ich erglänzte in dem reinen Gewande,

das weit und endlos ist.

Ich näherte mich Adam, faßte ihn an der Fläche seiner Rechten

und ließ sein Herz wieder auf seiner Stütze ruhen.

Ich beruhigte ıhn und erzählte ihm,

wie die Sieben gehandelt.

Ferner erzählte ich ihm, wie es an seiner Stelle geschehen war

und wie sie ein Komplott schmieden.

Es ist die Stimme der Planeten,

die einen bösen Rat beratschlagten.

Einen bösen Rat beratschlagten sie,

indem sie sprachen: „Wir wollen Streit erregen.“

 

 

 

 

 

*) Hier erscheint Hibil-Uthra als Erlöser an Stelle von Mandä dHaije. Auch sonst

 

 

2) Ich vermute DNINENY, oder INDNDNY s. v. w. syrisch MANN. danach .streckte

2) Siehe Jah. IL. p. 110. j

 

 

 

 

 

114. 13— 115.6 Drittes Buch. 197

 

 

Sie sprachen: „Wir wollen Streit erregen‘,

sie sprachen: „Wir wollen die Welt ...... Me

Sie sprachen: „Wir wollen die Weit .....

und in ihr Mangel und Fehl stiften.“

Ich sprach zu ihm:

„Sei ruhig und gefaßt, Adam,

und habe keinen Kummer um sie.

Habe keinen Kummer um die Planeten

und um Namrus, die Mutter der Welt.

Ich werde dir ein Schauspiel gewähren an deinen Verfolgern

und deine Verfolger erniedrigen.

Beruhige Hawwaä, dein Weib,

und nicht sei an dir Mangel und Fehl.“

 

 

Nachdem ich so zu Adam gesprochen,

sprach ich auch zu allen seinen Söhnen.

Hibil freut sich seines Glanzes,

und Sitil ruft laut?) nach seinem Helfer.

Sitil ob seines Glanzes

und Ano& ob der Rede, die seine Brüder, die Uthras, ihn hatten

 

 

freuen sich, hüpfen und frohlocken, [vernehmen lassen, ,

 

 

und sie kümmern sich nicht um alle Welt.

 

 

Ais Adam gegessen und sich gütlich getan,

rief er sein Weib Hawwä und flößte ihr Hoffnung ein’),

im Vertrauen darauf, daß Hibil-Uthra

sich an seinem Platze eingehüllt und hingelegt hatte‘).

[115] Doch einem von Adams Söhnen

kam Mangel in den Sinn.

Ihm kam Mangel in den Sinn,

Schlaf kam nicht über seine Augen.

In seinem Herzen bebte es,

und sein Körper stand da und zitterte.

Er faßte böse Pläne

und verließ seinen Vater Adam.

Er verließ seine Mutter Hawwä,

verließ seine Brüder, als sie schliefen.

Er verließ alle seine Brüder

End stieg ..... ’) an der Wand empor.

 

 

') Siehe oben, p. 105°. 2, Leid. hat Fbnapn.

3) ANDDN ist hier wohl in diesem Sinne aufzufassen. Die gewöhnliche Bedeutung von

 

 

SNDDN ist „unterrichten.“ Es ist wohl eine Umschreibung für „Begatten“.

 

 

#) Siehe oben, p. 126’. Der Vers scheint mir zum Vorhergehenden zu gehören. doch

 

 

ist eine Verbindung mit dem Folgenden nicht ausgeschlossen.

 

 

5) Die Bedeutung von NYPN ist unsicher. „Burgen“ heißt es hier natürlich nicht.

 

 

[97

wi

 

 

30

 

 

[9%

 

 

15

 

 

Rechter Teil. 115. 6—23

 

 

sn an der Wand stieg er empor

und begab sich in ihre Versammlung‘).

 

 

Als Rühä ıhn erblickte,

lachte sie, freute sich und war wohlgemut.

Rühä freute sich und war wohlgemut,

und es freuten sich alle Planeten.

Rüha holte Feuer,

und Sami$ holte Weihrauch.

Rüha kniete in Verehrung nieder,

sie streckte ihren Körper hin und pries ihn.

Rüha warf Weihrauch (ins Feuer)),

und Sami$ verneigte sich vor ilım.

Bel nahm prahlerisch Myrten

und ging ihm entgegen.

Sie treten hin, segnen ihn und sprechen zu ihm:

„Unser Segen komme über dich?).“

Kewän [segnete ihn] in seinem Innern,

er steckte ihm Weinblüten in die Hand.

Er reichte ihm einen Kranz in die Hand,

verneigte sich, koste und küßte ıhn.

Sin segnete ihn im Herzen,

und Rühä segnete ihn mit ihrem Gaumen‘).

Sie segnete ihn mit Bilüren

und führte ihn unter Lockreden in die Versammlung ein.

 

 

Als die Planeten ihn umgaben,

warf er die Hände an sein Gewand.

An sein Gewand warf er die Hände

und schüttelte sein Gewand.

Er spie und warf Galle aus,

er schüttelte sein ..... 3)

Er gedachte der Uthras, seiner Brüder,

gedachte der Rede, die die Uthras, seine Brüder, ihn hatten

Lange gedachte er der Rede der Uthras, [hören lassen.

bis sie ıhn an ihre Spitze setzten,

bis sie ihn setzten an ihre Spitze

und bis sie ihm den Becher in die Hand gaben,

 

 

1) Oder in ihre Kirche. ®) Siehe Lit.. p. 64, 14; 116, 11.

 

%) Dieser Vers gehört wohl hinter die folgenden drei.

 

%, Das steht da, aber vielleicht ist IN72 „in ihrem Busen" zu lesen.“

 

5) Das Wort N3PWYP bezeichnet vielleicht auch ein Gewand; es findet sich nur an

 

 

dieser Stelle. NÖLDERE verweist Gram. p. 128, 6 auf talm. 83777, das keinen hier passen-

 

 

den Sinn bietet.

 

 

 

 

 

Lidzbarski, Ginza.

 

 

 

 

 

115, 23—116,14 Drittes Buch.

 

 

bis sie ihm den Becher zu trinken gaben,

 

bis sie es zum zweiten und zum dritten Male taten.

Als sie es zum zweiten und dritten Male taten,

 

geriet sein Herz in Zwiespalt.

[In Zwiespalt geriet sein Herz],

 

und sein Körper verlangte von ihm nach Tanz.

 

 

Als Adam, der Sohn Adams, dies tat,

 

 

123

 

 

[116] wischten die Uthras seinen Namen aus dem Blatte aus’).

 

 

Als er in die Trunkenheit der Planeten geriet,

sprang er auf und tanzte in der Trunkenheit.

Als er nachließ und sich hingesetzt hatte,

stand er auf und wollte an seinen Ort zurückkehren.

 

 

Io

 

 

Da nahm Ruha die Gestalt der Hawwä, seiner Gattin, die seine

 

 

[Schwester ist”), an

und trat an ihn an der Hälfte des Weges heran’).

Sie richtete ein Bett‘) des Truges her,

schuf eine Stätte des Frevels.

Sie warf die Zeiten durcheinander,

sie stand auf und faßte ihn an der Hand.

Als sie ihn an der Hand faßte?),

begehrte es ihn nach Hurerei:

sie mit dem Munde anzusprechen,

sie mit dem Körper zu umfangen.

In der Wollust, die seinen Sinn erfaßt hatte,

sprach er zu Rüha folgendermaßen:

„Da du meine Schwester Hawwä bist,

wo deine Kleider weiß sind,

warum kleidest du dich in einen Rock

von verschiedener Farbe und Art?

Deine Statur ist (wie) eine hohe Zeder,

warum wäschest du dich mit Wasser?‘)

Deine Schenkel sind Reben aus Äther,

warum legst du Gold an?

Deine Fittiche (Arme) sind Hüllen’) aus Äther,

warum legst du Silber an?

 

 

1) Siehe Joh. II, p. 104n.

 

 

td

wur

 

 

103)

[e)

 

 

®, Die Worte ÄNNRTR 777, durch die der Vers zu lang wird, sind wohl nur eine

 

 

Glosse. 3) Leid. hat NIONDS statt NND Fans

 

 

#) Ich vermute NND statt NYVD, vgl. R 147, 23; 148, 61.

5) Leid. hat Ann)> M7y2 72.

 

 

6) Das Waschen ist sonst geboten, siehe Joh. II, p. 99, 18 hier ist nur das Waschen im

 

 

Dienste der Putzsucht gemeint, siehe weiterhin.

 

 

”) Dies paßt nicht: vielleicht NYNIND „Stengel, Stämme“.

 

 

20

 

 

35

 

 

40

 

 

130

 

 

Rechter Teil. 116, 14—117, 8

 

 

Dein Haupt ist eine Lichtwolke,

 

warum wäschest du dich und kämmest du dich?

Deine Augen sind Glanzaugen,

 

warum häufst du Schminke daran?“

 

 

"Darauf erwiderte sie und sprach zum Lügenpropheten,

 

 

zum Mangelhaften voll Mangel und Fehl:

„Schweige still, Adam!

Wenn es keine Ungradheit gäbe,

gäbe es keine Ungradheit,

so hätten wir nur eine Natur.

Wir hätten nur eine Natur

und als einen Mana hätte man uns beide geschaffen.

Jetzt, wo es Ungradheit gibt,

haben sie dich zum Manne und mich zum Weibe gemacht.

Sie haben mich zum Weibe gemacht,

brachten mich und stellten mich vor dich.

Sie sagten mir, daß du in Liebe zu mir entbrennen

und wir mit dir etwas machen sollen.

Daß wir mit dir etwas machen sollen

und daß von uns‘) die Welt erweckt werden soll.“

 

 

Als er sie anfaßte und küßte

und mit ıhr etwas machen wollte,

erschien ich ihm in einer Wolke des Glanzes

und ließ ihn [117] einen wundersamen Ruf vernehmen.

Einen wundersamen Ruf ließ ich ihn vernehmen

und warf sein Herz von der Stütze herunter.

Ich ließ die Zauberkünste der Rüha zerrinnen

und zeigte ihm, daß sie nıcht Hawwä war.

Ich zeigte ihm, daß sie nicht Hawwa war,

er sah sich an und schämte sich vor sich selber.

|Er schämte sich], und [sein Inneres]?’) fühlte sich beschämt,

und er fühlte sich schuldig.

Schuldig fühlte er sich,

weil jegliche häßliche Art an ihm war.

Ich reichte ihm nicht Kusta,

weil er vom Rufe des Lebens abgewichen war.

Er war vom Rufe des Lebens abgewichen

und von dem, was das Leben ihm befohlen.

Er hatte die Gesellschaft der Uthras, seiner Brüder, verlassen,

er ging hin und liebte die Gesellschaft der Planeten.

 

 

 

 

 

*) Leid. hat IND.

2) Vor ANAMNINYN ist wohl NYN72. dahinter TWHONI ausgefallen.

 

 

1) Die Versammlung ist auf dem Berge Karmel. ?) D. h. deinen Frauen.

 

 

117, 9118, 6 Drittes Buch.

 

 

Er hatte die Gesellschaft seiner Gattin Hawwä verlassen,

er ging hin und fiel in das lodernde Feuer.

Er sah den Feuerofen:

wer ıhn ansieht, stirbt,

wer ihn umfaßt, verbrennt sich.

Wer sich auszieht und bei ihr schläft,

fällt in den Weltuntergang.

In den Weltuntergang fällt er,

und seine Augen schauen nicht das Licht.

 

 

Ich nahm Körpergestalt an,

ging hin und stieg zu ihrer Versammlung hinauf’).

Sie alle, als sie mich erblickten,

stürzten hin und fielen auf ihr Antlitz.

Sie stürzten hin und fielen auf ihr Antlitz,

dann standen sie auf und unterwarfen sich mir.

Sie unterwarfen sich, segneten mich und sprachen:

„Sei du unser Haupt und das Haupt unserer ganzen Welt.

Du sei unser Haupt,

und wir wollen dein Gefolge sein.

Der Rühä in ihrer Herrlichkeit

weise einen Platz unter den Frauen’) an.

Unter den Frauen weise ihr einen Platz an,

und du sei unser Haupt in dieser Welt.“

 

 

Als die Planeten so zu mir sprachen,

die Verführer dieser Welt,

als die Planeten so zu mir sprachen,

trotzte ich ihnen und lachte sie alle aus.

Ich sprach zu den Sieben,

die sich selber verdammt hatten:

„Wenn [118] ihr wollet, daß ich euer Haupt seı,

 

 

wenn ihr wollet, daß ich Rühä unter den Frauen einen Platz

dann auf, zerreißet eure Festgemeinschaft, [anweise,

 

 

auf, verlasset eure Versammlung.

Teilet mir eure Geheimnisse mit,

enthüllet mir alle eure Reden.“

 

 

Als ich unter ihnen saß,

nahm ich ihnen ihre Geheimnisse weg

und erglänzte in meinem Gewande.

Ich erglänzte in meinem reinen Gewande,

das weit und‘endlos ist.

 

 

 

 

 

9*+

 

 

131

 

 

25

 

 

30

 

 

35

 

 

40

 

 

Io

 

 

25

 

 

50

 

 

132

 

 

Rechter Teil. 118, 6—21

 

 

Ich enthüllte ihre Geheimnisse

und strafte ihre Rede Lügen.

Ihre Rede strafte ich Lügen,

strafte Lügen ihre Eide, die sie auf dem Berge Karmel ge-

[schworen hatten.

Ich warf Rühä von ihrem Throne herunter

und legte ihr einen Kameelzaum an’).

Ich warf sie hin, schlug sie mit meiner Keule

und schlug ihr einen Spalt in den Kopf.

Ich umstriekte sie mit ihren Locken

und band sie am Herzen des Himmels fest?).

Sami$ packte ich an den geheimen Dingen’)

und machte ihn einem Weibe gleich.

Ich machte Jörabbä‘) einem Weibe gleich,

weil er bei Rühäa geschlafen hatte.

Sin schlug ich mit der Peitsche,

zog ihm sein Gewand aus und nahm es weg.

Ich nahm ihm sein Gewand weg

und ließ ihn in nichtigem Gewande zurück.

Ich ließ ihn im Gewande verzehrenden Feuers zurück,

denn Zorn war über ihm.

Über ihm war Zorn,

und er saß in Aussatz’) an seiner Stätte.

Dieter °) des Nbü zerbrach ich

und zerbrach in seiner Hand ....... 5

Ich deckte seine Blöße auf

und zeigte seine Scham‘) in der Welt.

Ich beschwor den ...... );

daß sein Bild nicht in der Welt gesehen werde.

Ich packte den bösen Stern'"),

ich stürzte ihn hin und warf ihn von seinem Throne herunter.

 

 

ı

 

 

) Leid. hat NNDONN.

 

2) Anscheinend eine Anspielung auf eine übliche Tortur, siehe weiterhin, p. 137, 6.

)

)

 

 

w

 

 

D. h. an seinen Geschlechtsteilen.

*, Der mit Samis identifiziert wird, siehe Joh. II, p. 182.

5) Die Lesung NII2 ist richtig, nicht N%2%32 C „im Norden“. Über den Mond als

 

 

Aussätzigen (wegen seiner Farbe und seiner Flecken) siehe Joh. II, p. 183°.

 

 

®) Das Wort scheint ein Musikinstrument zu bedeuten. vgl. Nöld., p. 151, 18 und

 

 

Bin p. 2218

 

 

?) Auch die Bedeutung dieses Wortes, das nur an dieser Stelle vorkommt, ist unsicher.

 

 

Es ist schwerlich s. v. a. 827977 „Beil“.

 

 

°) Zu NANNY im Sinne „Blöße‘“ siene R 242, 10. Leid. hat ANINI TANMN,, siehe

 

 

zu NNIW LEVY, Neuhebr. Wörterb. IV, p. 354 b.

 

 

9) Siehe Joh. II, p. 1088.

 

 

+ 10), Man beachte, daß 02932 in der jüdischen Literatur schlechthim den Merkur bezeichnet.

 

 

 

 

 

118, 22—119, 12 Drittes Buch. 133

 

 

Ich zerbrach ihm das Rückgrat

und machte ihn zum Gegenstande der Verachtung’) in der Welt.

Ich zerbrach ihn, streckte ihn aus

und setzte ihn in die Verborgenheit.

Ich warf den bösen Stern hin’),

damit kein Zorn in der Welt sei. —

[119] Bel schlug ich mit der Peitsche

und nahm ihm die Krone vom Haupte.

Die Krone nahm ich ihm vom Haupte

und brachte ihm ein Gebrechen in den Körper. —

Nerig schlug ich mit der Keule

und zerstückelte seine Glieder’).

Seine Glieder zerstückelte ich

und gab sie seinen Pfaffen.

Ich gab sie seinen Pfaffen und Verehrern,

damit sie in der Wüstenei in der Welt umherziehen‘).

Damit sie in der Welt in der Wüstenei umherziehen’)

und ihre Torheiten in der Welt zeigen.

Ich verfuhr gegen die Planeten,

die sich über den Stamm des Lebens überheben,

ich verfuhr gegen die Planeten,

daß ich Raub°) unter sie warf.

Raub warf ich unter sie

und zeigte ihre Torheiten‘) in der Welt.

Was ich an den Planeten tat,

werden sie an ihren Pfaffen und Verehrern tun,

damit sie aus der Welt verschwinden.

 

 

Als ich zu Adam kam,

sprach ich zu ihm: „Ich gewährte dir ein Schauspiel an deinen

[Verfolgern.

An deinen Verfolgern gewährte ich dir ein Schauspiel,

an der bösen Sippe, daß sie hingemordet wurden.

 

 

 

 

 

2) Ich vermute XV, das unter Einfluß des an dieser Stelle wiederholt vorkom-

menden SNNYYYW abgeändert wurde.

 

3) Shin scheint mir nach dem Vorhergehenden besser zu passen als Fanny Leid.

und die anderen auf %" .schwören“ hinweisenden Varianten.

 

9) NY ist hier wohl in diesem Sinne aufzufassen, wie das jüdische NYIN, denn im

Folgenden wird auf den Reliquienkult angespielt. „Fittich‘“ oder ‚Arm‘ paßt schlecht.

 

4) Lies YMDWT, siehe weiterhin, p. 137, 15.

 

5) Leid. hat YIMDYI RNY2.

 

6 snn2 kann nur „Raub‘ heißen. Man erwartet jedoch nicht dies, sondern „Ver-

achtung‘“‘ od. ähnl. Aber im Aramäischen findet sich nicht 873 für ND2. Das Nomen hierzu

ist im Mandäischen N30°D)2, und eine Abänderung dieses Wortes zu NND ist schwer an-

zunehmen. Eine Verbindung mit 73 118, 2 (Text) führt zu nichts.

 

?, Oder „Blöße“, siehe p. 132, 26.

 

 

Di

 

 

15

 

 

20

 

 

25

 

 

39

 

 

35

 

 

40

 

 

134

 

 

Rechter Teil. 119, 12—120, 9

 

 

Alle ihre Pfaffen und Verehrer

 

sollen dir Sklaven sein.

Sklaven sollen sie sein

 

und dir in jeder Hinsicht gehorchen.

Nachsicht werde nicht allen Planeten zuteil,

 

noch den Männern, die sie verehren.

Denn ein jeder, der ihre Werke übt,

 

ist des Lichtortes unwürdig.

Wenn ich zum Hause des Lebens gehe,

 

werde ich die Welt in trefflicher Weise herrichten und ordnen.

Ich werde die Wurzel des Lebens in die Höhe bringen

 

und seinen Stamm in trefflicher Weise emporrichten.

Als die Sieben den Tierkreis verteilten,

 

wurde der Welt der Tod als Strafe auferlegt.

Der Tod wurde der Welt als Strafe auferlegt,

 

doch die Seelen‘) der wahrhaften und gläubigen Männer,

sowie der vollkommenen Frauen

 

werden emporsteigen und den Lichtort schauen.

Hingegen werden die Seelen der Planeten

 

in ihren Wachthäusern gefesselt werden.

Sie werden in ihren Wachthäusern gefesselt werden,

 

bis ihr Geist aufhört.

Bis aufhört ihr Geist

 

[120] und sie sterben und erlöschen, als ob sie nie dagewesen.“

 

 

Die Pforten’), die Rühä geschaffen hat,

die Verführerin zur Lüge,

die Pforten, die Rühä geschaffen,

werden alle durch das Schwert hingerafft werden.

Die Pforten, die Rühä geschaffen,

sitzen täglich fastend da.

Täglich sitzen sie fastend,

täglich sitzen sie trauernd da.

Sie sitzen täglich trauernd da,

bis ihr Geist aufhört.

Wenn ihr Maß voll ist,

werden sie ihr Antlitz nach dem Orte der Finsternis richten.

 

 

Die Pforten, die Christus geschaffen hat,

bezichtigen sich alle gegenseitig der Lüge.

 

Sie alle bezichtigen sich gegenseitig der Lüge

und stehen nicht in einer Rede da.

 

 

1) Lies NANOWN oder NANDWN.

?®) Die Religionsparteien, siehe p. 20°.

 

 

120, 9—121, 2 Drittes Buch. ib

 

 

SS

w

 

 

Nicht stehen sie in einer Rede da,

weil sie aus der Schöpfung der Lüge hervorgegangen sind.

Er verdreht die Reden,

was der Erste’) geschaffen.

Er verdreht die Reden

und bringt Torheit in die Welt.

Die Torheit, die Christus schafft,

wird ganz am Tage des Endes ein Ende nehmen.

 

 

Aus der Pforte, die Samis geschaffen,

den alle Welt Adoönai nennt,

aus der Pforte, die Adonai geschaffen,

ist das ganze Volk Haus Israel hervorgegangen.

Aus dem Volke Haus Israel,

die einander mit der Hand schlugen’),

die mit der Hand einander schlugen,

die tun, was man nicht soll’);

was man nicht soll, tun sie,

daher sollen sie am Tage des Endes ein Ende nehmen.

 

 

Aus dem Volke der Juden

sind alle Pforten hervorgegangen.

Hervorgegangen ist das Volk der Jazugqäer‘),

die Verächtlichen, die das Feuer verehren,

die Verächtlichen, die verehren das Feuer,

die aus dem Abbilde des Gewandes Christi hervorgegangen sind.

Die Jazugäer werden ein Ende nehmen,

ein Ende nehmen, die auf ihren Ruf hören.

 

 

Aus der Pforte, die Agzel schuf,

 

den alle Welt Sin nennt,

Sin nennt ihn alle Welt,

 

[121] weil seine Gestalt allerorten häßlich?) ist,

aus der Pforte, die Sin schuf,

 

sind alle Schmerzen und Plagen hervorgegangen.

 

 

 

 

 

!) D und Leid. haben NYRHTNDT siehe p. 123, 10.

 

2) Die sich gegenseitig bekämpften. ») Ein Anakoluth.

 

4) Nach dem Folgenden und R 223, 23ff. scheint es eine persische Sekte mit christ-

lichem Einschlage zu sein. Die Schreibung X’XPYN) läßt eine Form jazögaja und jazzügaja

zu. Bemerkenswert ist die Gleichartigkeit der Form mit Nalwpeios wie mit Zaddoukatos, und

vielleicht ist sie durch diese Formen beeinflußt. Daß der Name irgend etwas mit "legaı, dem

Namen des Bruders des Elxai, zu tun habe (Brandt, Rel., p. 127; Zichasai, p. 130), glaube

ich nicht. Nach ANDREAS ist das Wort persisch und zurückzuführen auf den Nominativ

yazva eines altiranischen Stammes yazvan „Verehrer“ nebst mitteliranischem k-Suffix.

 

5), Im Mandäischen ein W ortspiel.

 

 

Io

 

 

15

 

 

Ur

 

 

20

 

 

ty

ur

 

 

136 Rechter Teil. 121, 2—17

 

 

Sie sitzen über Zauber- und Hexenspuk,

sie verdrehen die Herzen,

sie bringen die Menschen in der Welt zu Falle.

Ein jeder, der auf ihre Rede hört,

fällt in den Weltuntergang.

 

 

Die Pforte, die Koöwän schuf,

fürchten die Tage und Stunden‘).

Die Tage fürchten sie und die Stunden

und sitzen täglich fastend da.

Täglich sitzen sie fastend da

und bringen Lügenpropheten hervor.

Sie wurden Faster und Fasterinnen,

die über Lüge sitzen.

Sie sitzen über Lüge

und bringen (falsche) Weisheit aus ihrem Verstande hervor.

Sie und die Unverehelichten und Heiligen?) insgesamt

werden am Tage des Endes ein Ende nehmen.

Ein jeder, der auf ihre Rede hört,

wird den Lichtort nicht schauen.

 

 

Aus der Pforte, die Angel schuf,

den alle Welt Bel nennt,

aus der Pforte, die Bel schuf,

sind alle Vögte und ...... *) hervorgegangen.

Aus ihr sind die Vögte und....... hervorgegangen,

die über den Zorn in der Tibil eingesetzt sind.

Täglich, alltäglich

sitzen sie auf dem Throne der Empörung.

 

 

*) D. h. ihre Konstellationen. Man hat 5777 hier nicht im Sinne von „verehren‘“ auf-

zufassen.

 

?) Die Mandäer gebrauchen das Wort NUN? nicht für ihre eigenen Religiosen, son-

dern verwenden es nur ironisch für die christlichen „Heiligen“, siehe auch oben, p. 50, 2.

 

?) Die Worte SIND und NTINTUNR)IN bezeichnen Machthaber, deren näherer Cha-

rakter unsicher ist. ZIMMERN bemerkt zu den beiden Wörtern: Vgl. dazu event. den rad,

in der Hammurabi-Zeit etwa „Gefolgsmann“, später aber anscheinend auch Bezeichnung für

einen höheren Grad, etwa „Offizier“. Siehe alles Nähere darüber bei A. WALTHER, Das

altbabylonische Gerichtswesen, 1917 (Lpz. Sem. Stud. VI 4/6), S. 173#f., insbesondere da-

selbst Anm. 3 auf $. 173. WALTHER verweist daselbst auch bereits auf die Stelle bei

THURBAU-DANGIN, Huitieme Campagne de Sargon, Paris 1912, S. 8/9, Z. 33, wo un-

mittelbar neben einander genannt werden Sakkanakki u rede muma’iruüt mäti-zu „les pre-

fets et officiers qui administrent son pays.“ Ähnlich auch ibid., S. 56/57, Z. 367 (amel) 3üt-

rese-ja u (amel) redi-ja „mes fonctionnaires (eig. meine DYO"D) et mes officiers.“ Man

könnte auf den Gedanken kommen, das RUND, falls es nicht etwa anders befriedigend

zu erklären ist [cfr. Nöld. MG. 76 zu NORBERG’s Zusammenstellung mit „D], als eine ent-

stellte Entlehnung aus Sakanakku zu betrachten.

 

 

 

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