4 Eylül 2021 Cumartesi

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Full text of "Ginza Sidra Rabba. Der Schatz Der Mandäer"



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GINZA

DER SCHATZ

 

 

ODER

 

 

DAS GROSSE BUCH DER MANDÄER

 

 

ÜBERSETZT UND ERKLÄRT

 

 

VON

 

 

MARK LIDZBARSKI

 

 

 

 

 

 

 

 

GÖTTINGEN LEIPZIG

VANDENHOECK & RUPRECHT J. C. HINRICHS’SCHE

1925 BUCHHANDLUNG

 

 

Theo! ogy |_ibrary

 

 

SCHOOL OF THEOLO@Y

AT CLAREMONT

 

 

Pad 1 ee}

‚alırformia

 

 

Das Recht der Übersetzung vorbehalten

 

 

Druck von Hubert & Co. G. m. b. H. Göttingen

 

 

 

 

 

Einleitung.

 

 

Na‘man, der Feldhauptmann des Königs von Aram in Damaskus, war

ein tapferer Mann, aber aussätzig. Auf den Rat einer jungen Gefangenen

aus Israel begibt er sich zum Propheten Rlisa in Samaria, daß er ıhn vom

Aussatze heile. Elisa läßt ihm sagen, er solle siebenmal im Jordan baden,

so werde sein Fleisch geheilt und rein werden. Na‘man ist über diesen

Bescheid erbost. „Sind nicht Abäna und Parpar, die Flüsse von Damaskus,

besser als alle Gewässer in Israel? Könnte ich nicht in ihnen baden und

rein werden?“ Doch auf das Zureden seiner Diener befolgt er den Rat

des Gottesmannes, er taucht siebenmal im Jordan unter, und darauf wird

seine Haut so rein wie die eines jungen Knaben (2. Könige 5).

 

Wir sehen daraus, daß dem Jordan eine größere Heilwirkung zuge-

schrieben wurde als ansehnlicheren Flüssen. Der Grund läßt sich nur ver-

muten. Wie kein anderer Fluß im vorderen Asien ergießt er sich in aus-

gesprochener Richtung von Norden nach Süden. Im Norden ist aber der

Sitz der Götter. Der Jordan entspringt außerdem einem Berge, der, wie

sein Name Hermon zeigt, besonders zu den Göttern in Beziehung gesetzt

wurde. Man konnte danach von ihm mehr als von anderen Flüssen an-

nehmen, daß sein Wasser vom Sitze der Götter herkomme, somit göttliche

Potenz mit sich führe und heilwirkende Kraft enthalte. Wie lebendig diese

Vorstellung sich in Bezug auf das „lebende Wasser“ erhalten hat, zeigt

281,198. ').

 

Lange hören wir nichts von der Wirkung des Jordans. Erst in den

Evangelien lesen wir, daß Johannes am Jordan ein färriopa peravoias eis

äbeoıv üpaprıwv verkündigt habe (Mk. 1,4; Lk. 3,3). Die Sinnesänderung

und Buße war nicht die Wirkung, sondern der Anlaß der Taufe, die

Wirkung war die Sündenvergebung, oder eigentlich Sündentilgung. Die

Anschauung von der Wirkung des Jordans hatte sich gewandelt. "Nicht

 

 

ı) Im Zweistromlande wurde der Euphrat besonders verehrt, während der Tigris

zurücktritt, vgl. JASTROW, Religion Babyloniens und Assyriens I, p. 378; CUMONT, Etudes

syriennes, p. 247ff. Auch bei den Mandäern wird der Euphrat als Fra$-Ziwä öfter im Zu-

sammenhange mit der Religion genannt.

 

 

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VI Einleitung.

 

 

mehr Heilung des Körpers, sondern Heilung der Seele suchte man in ihm.

Dasselbe Wasser, das früher die eicatrices corporis wegwusch, sollte jetzt

die vulnera animae tilgen. In beiden Fällen liegt die Wirkung in derselben

Ursache, in der Verbindung des Wassers mit göttlichem Wesen. Man war

sich freilich nicht mehr wie unter primitiveren Verhältnissen des Zusammen-

hanges bewußt.

 

Durch die Taufe Christi im Jordan erhielt die Jordantaufe ihre Be-

deutung innerhalb des Christentums, aber doch nur als Moment der Er-

innerung. Und wenn auch noch jetzt Zehntausende jährlich hinpilgern,

um an der vermeintlichen Stelle im Jordanwasser unterzutauchen, ein Gebot

ist die Jordantaufe für die Christenheit nicht. Doch außerhalb des Christen-

tums, ja in einer Gemeinschaft, die dem Christentum feindlich gegenüber-

steht, ist die Jordantaufe ein Gebot, ja steht im Mittelpunkte ihres reli-

giösen Lebens: bei den Mandäern in Babylonien.

 

Mögen Namen, die an Jordan anklingen, auch anderwärts für Flüsse

vorkommen, und mag das Wort 77) ursprünglich appellativische Bedeutung

gehabt haben, in historischer Zeit und in Vorderasien kann mit Jordan nur

der palästinische Fluß gemeint sein, und das Gebot der Jordantaufe kann

sich nur auf diesen Fluß beziehen. Eine religiöse Gemeinschaft, in der

dieses Gebot aufkam, nicht für eine einmalige oder seltene Handlung, son-

dern für eine häufige, ja fast tägliche Übung, muß ihren Sitz ursprünglich

in der Nähe des Jordans gehabt haben. Wenn die Mandäer in ihren

Schriften jedes fließende Wasser Jordan nennen, so kann dies nur ein

Notbehelf sein, zu dem sie griffen, als sie sich fern vom ursprünglichen

Sitze ihres Glaubens niederließen. Ich habe Joh., p. XVIff., Lit., y. X

nach vielen sachlichen und sprachlichen Momenten zu zeigen gesucht, daß

wenn auch in der Zeit, von der wir wissen, die Mandäer ihren Sitz in

Babylonien haben, ihre Heimat doch ursprünglich im Westen gewesen sein

muß. Ich suchte ihren Sitz auch enger zu lokalisieren: im Transjordan-

gebiete angesichts des Haurän-Gebirges. Was dort gesagt ist, will ich hier

nicht wiederholen, will aber einige neue Momente hervorheben.

 

Vom Genius Haurän vermutete ich, daß in ihm das vergottete Haurän-

Gebirge erhalten sei. Tatsächlich findet sich eine Gottheit pn schon in

alter Zeit im Namen pırı2y auf dem Siegel, das von ÜLERMONT-GANNEAU

im Journal Asiatique 1883, Bd. I, p. 141, s.n. 17 mitgeteilt ist (Bd. II Tafel

zu p. 304). Die Buchstaben haben alle eine archaische Form. Leider fehlen

die Zeichen, die eine besondere Stütze für die Altersbestimmung bieten,

trotzdem ist das Siegel wohl der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends

v. Chr. zuzuweisen.

 

Branpr kombinierte die mandäische Schrift mit der nabatäischen und

stützte sich besonders auf die Ähnlichkeit des runden mandäischen Aleph mit

dem Aleph der nabatäischen Schrift‘). Bei den Formen, die ihm bekannt

 

 

!) Die Mandäer (1915), p. 33.

 

 

 

 

 

Einleitung. VII

 

 

waren, ist allerdings die Übereinstimmung nicht groß. Inzwischen zeigte es

sich aber, daß auf den ältesten mandäischen Schriftdenkmälern, auf Münzen

der Characene, das Aleph eine Form hat, die dem nabatäischen völlig gleicht).

Die Form ist so singulär, daß sie nicht an verschiedenen Stellen in Unabhängig-

keit voneinander entstanden sein kann, vielmehr muß die mandäische Schrift

mit der nabatäischen genuin zusammenhängen. Der Zweig der aramäischen

Schrift, der sich in Babylonien ausbildete, ist die Schrift, die Mäni über-

nahm und die zur Schrift des Manichäismus wurde°). In demselben Gebiete

können auch nicht zwei verschiedene aramäische Schriften entstanden sein.

Die Mandäer müssen vielmehr ihre Schrift aus der Fremde, aus dem Be-

reiche der Nabatäer mitgebracht haben.

 

Von der Religion der Nabatäer wissen wir sehr wenig. Ihre Literatur

ist verloren gegangen, und ihre Inschriften bieten von der Religion nur

Äußerliches. Manches in der mandäischen Urgeschichte, das uns unbekannt

ist, mag von ihnen oder einem Nachbarvolke im arabisch-syrischen Grenz-

gebiete herrühren, so vielleicht die Lehre von den vier Weltepochen mit

ihren Häuptern. Die Namen osx) und 717 sind sonst unbekannt. Die Namen

"Nam und 5’yanmınw hängen ja wohl mit der Wendung xAXII% DV

„Stämme verbreiten“ auch „gründen“ (R 240,24; 244, 14,24; 251,2 und

sonst) zusammen. Neben ana steht das syrische na, doch hat u sonst

nur das arabische surbah, und yaRınw ist doch wohl durch den arabischen,

besonders südarabischen Namen 5sarw beeinflußt. Der Name des Landes

INTIND, eines paradiesischen Gebietes (siehe p. 301ff.), läßt sich weder aus

dem Aramäischen, noch aus dem Kanaanäischen erklären, hingegen bietet

das arabische Darwan „reich, üppig“ eine gute Erklärung.

 

Unter den Genien der Mandäer finden sich viele, die in der biblischen

Urgeschichte genannt sind, aber aus dieser allein läßt sich ihr Wesen nicht

erklären. Die Hebräer standen ja mit ihrer Urgeschichte sicherlich nicht

isoliert da, die Nachbarvölker werden Ähnliches gelehrt haben. Ich suchte

anderwärts zu zeigen, daß Adam und Eva auch in der Religion der Phöni-

zier existierten, aber in einer primitiveren Gestalt, als chthonische Gott-

heiten, Adam als König Erd, Hawwah als Königin Schlange’). In der bib-

lischen Urgeschichte ist in der Erzählung von Abel das Bemerkenswerteste

sein gewaltsamer Tod. Beim mandäischen Hibil wird nirgends darauf an-

gespielt. Freilich könnte sein Tod zum Descensus ad inferos umgedeutet

worden sein, aber ich kann mir nicht denken, daß wenn die Lehre von

Hibil lediglich auf die Genesis zurückging, wo er zum Erlöser und Heil-

bringer gemacht wurde, man nicht Kain zu seinem Gegenpart, zum Ver-

treter des Bösen, gemacht hätte. Die Figur des Kain ist aber gänzlich

unbekannt.

 

») Zeitschrift für Numismatik XXXIIL (1921), p. 85.

 

®) Siehe Sützungsberichte der Berliner Akademie 1916, p. 1213ff.

 

 

3) Nachrichten der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, Phil.-hist. Klasse

1916, p. 90f.

 

 

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vol Einleitung.

 

 

Eine so gewaltige Umwälzung auf religiösem Gebiete, wie der Man-

daismus sie voraussetzt (siehe Lit., p. XVf.), kann nicht über Nacht ge-

kommen sein, noch weniger konnte sie sich rasch stabilieren und zum

Glauben weiterer Kreise werden. Aber es fehlt uns jede Möglichkeit, einen

Blick in diese Vorgänge zu werfen. Von den beiden Potenzen, die im

Mittelpunkte der mandäischen Religion stehen, Licht und Leben, geht

wohl das Eindringen der Lichtvorstellung auf persischen Einfluß zurück.

Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bot sich Gelegenheit genug zur Beein-

flussung der Völker Vorderasiens durch die mazdajasnische Religion. Da-

gegen mag die Spekulation über das Leben und die schließliche Stellung

des absoluten Lebens an die Spitze alles Göttlichen bei den Semiten selber

aufgekommen sein. Die alte Verbindung der Begriffe Leben und Heil’)

mag hierauf eingewirkt haben. Seit alten Zeiten standen die Länder des

vorderen Asien in Verbindung mit Babylonien und Ägypten. In den Priester-

schaften Phöniziens und Syriens wurden ja wohl auch Versuche gemacht,

die Religion zu sublimieren, die Götter in eine höhere Sphäre zu rücken.

Schon das frühe Aufkommen des Himmelsbaals und die Verbreitung seines

Kultes sprechen dafür. Wenn die Literaturen dieser Völker verloren gegangen

sind und wir keine Quellen haben, auf die wir uns stützen können, so sind

wir darum nicht berechtigt, die Möglichkeit zu leugnen. Was den Begriff

des Lebens betrifft, so sei an die Verbindung von on mit Göttern in

phönizischen Inschriften erinnert®). Hier p. 452,5 (587,24) wird der Ge-

danke ausgesprochen, daß die Seele in die Tasche des Lebens hineingetan

sei. Derselbe Gedanke findet sich, im Munde der Abigail befremdlich, als

Wunschäußerung 1. Sam. 25,29, nur daß’dort im jetzigen Zusammenhange

„Bündel“ oder „Beutel des Lebens“ als ein Beutel aufgefaßt wird, in dem

das Leben, wie sonst Wertsachen, aufbewahrt wird. Die Juden nehmen

den Satz für sich und setzen die Worte on 32 mn3 (mwe)) wa) nn,

gewöhnlich in der Abkürzung na33n, auf ihre Grabsteine. Trotz des Alters

der Stelle scheint es mir nicht ausgeschlossen, daß der Satz aus einem

Kreise stammt, in dem man eine ähnliche Vorstellung vom Leben und von

der Seele hatte, wie bei den Mandäern, daß ursprünglich auch da „Beutel

des Lebens“ den Sinn hatte: Beutel im Besitze des Lebens als eines per-

sönlichen Wesens, daß der Satz in den Bereich des Verfassers versprengt

wurde, der ihn auf seine Weise verwertete.

 

Wie dem auch sei, jedenfalls scheint es mir unmöglich, die Anfänge

des Mandaismus in die christliche Zeit zu verlegen. Dies zeigt schon die

Stellung der Mandäer den Juden gegenüber. Der bittere Judenhaß, der

aus ihren Schriften spricht, könnte auch in späterer Zeit in Babylonien

entstanden sein, aber das Motiv der Verfolgung durch die Juden (siehe

 

 

!) Siehe BAUDISSIN, Adonis und Esmun, p. 385ff.

 

2) om 19 in CIS I,95, siehe Altsemitische Texte I, p.33 s.n. 35 und Nachrichten

2.2.0. p.88. DM Mm wohl „Leben des Lebens“, Quintessenz des Lebens, in der Weih-

inschrift des Mieipsa Nordsemitische Epigraphik, p. 439.

 

 

Einleitung. IX

 

 

besonders p. 341ff.) konnte in Babylonien schwer aufkommen. Die Juden

waren (dort Fremde und nur geduldet und werden Ausschreitungen gegen

Andersgläubige kaum gewagt haben. Noch weniger ist mir für eine spätere

Zeit die Erwartung der Zerstörung Jerusalems verständlich. Jerusalem war

zerstört und lag in den ersten Jahrhunderten n. Chr. danieder wie nie.

In Babylonien hatte man auch keinen Anlaß, sich mit dem Schicksal der

Stadt zu befassen. Dagegen sind mir diese Ideen verständlich bei hetero-

doxen Kreisen, die zur Zeit als das jüdische Reich noch bestand, in dessen

Machtbereich lebten. Die eifernden jüdischen Gesetzesfrommen werden sich

bemüht haben, Leute zu unterdrücken, die anderen Lehren huldigten, und

Gemeinschaften, die andere Wege gingen, die nach einer Verinnerlichung

der Religion strebten und in der äußerlichen Wortfrömmigkeit des rabbini-

schen Judentums einen falschen Glauben und einen Abfall von Gott sahen,

mögen der Hoffnung gelebt haben, daß Jerusalem mit seinem falschen

Kultus bald zu Grunde gehen werde.

 

An meine Auseinandersetzungen über Nafwpaios SW 3X) Lit., p. XVIfE.

und den Versuch zu zeigen, daß das Wort nicht einen Mann aus Nazareth

bezeichnen könne, haben sich viele Erörterungen geknüpft. Im Allgemeinen

stimmten mir die Philologen bei, während die Theologen an der überlieferten

Erklärung festhielten ‘).. Wenn die Dinge so liegen, daß für Nalaped (Nada-

per) nur diese Namensform überliefert ist, daß alle Formen, die vorgebracht

wurden, um eine Verbindung zwischen Nataped und Nalwpaios bezw. 31

herzustellen, erfunden und erkünstelt sind, daß andererseits Nalwpaios eine

Form aufweist, die sonst ausschließlich Vertreter eines Berufes, besonders

einer bestimmten Lehrtätigkeit bezeichnet), so ist für einen jeden unab-

hängig Denkenden die Frage damit entschieden. Gerade aus den Worten

Mt. 2,23, auf die man sich stützt, scheint mir hervorzugehen, daß man

‚Jesu Eltern in Nazareth wohnen ließ, um eine Erklärung für Nalwpaios zu

haben. War Nazareth wirklich die Heimat Jesu, so haben wir hier ein

zufälliges Zusammentreffen, wie es auch sonst vorkommt. Mohammed nannte

seine Helfer aus Medina ansär und dachte sich anscheinend auch die nasara,

die Nazarener, als die ansar, als die Helfer Jesu‘). Die beiden Wörter

sind desselben Stammes, haben trotzdem nichts miteinander zu tun.

 

 

ı) Daß Ed. MEYER in seinem Buche Ursprung und Anfänge des Christentums für

die alte Erklärung eintritt (Bd. II, p. 423f.), ist bei der ganzen Richtung des Buches selbst-

verständlich. In Nazoraios, Zeitschrift für Semitistik 1 (1922), p. 230ff. zeigte ich, dab

die Auskünfte, auf die er sich stützt, falsch sind.

 

=) ANTION, Amöräer, Talmudlehrer aus früherer Zeit; ARTY2D, Sähböräer, Talmudlehrer

aus späterer Zeit; Burg? Tänöjäer, Misnahlehrer, für das häufigere N.D (von DALMAN,

Grammatik’, p. 90 unt. unrichtig erklärt); WiND „Reiter“ (SCHULTHESS, Lexicon Syro-

palaestinum, p. 164b). In der Endung äi wird das Jod, wenn noch ein Vokal dazutritt,

zu Alef, wie sonst öfter, namentlich im palästinischen Aramäisch, siehe BARTH, Nominal-

bildung, p. 81; SCHULTHESS, Grammatik des christl.-paläst. Aramäisch, 8 22,2. Siehe

übrigens auch hier p. 135%.

 

®) Sur. 3,45; 61,14. Siehe auch SPRENGER, Mohammad II, p. 533.

 

 

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x Einleitung.

 

 

Die Nalwpaioı des Erıpsanmus (haer. 29) haben wohl ıhren Namen aus

derselben Quelle, vielleicht auch die Nasapaioı (haer. 18), aber sie gingen

andere Wege, und nach dem, was Erırkanius von diesen judenchristlichen

Sekten mitteilt, haben sie mit den Mandäern nichts gemein.

 

Die mandäische Religion wurde wahrscheinlich schon vor dem Unter-

gange des jüdischen Reiches nach Babylonien verpflanzt. Vielleicht war

es gerade die Verfolgung durch die herrschenden jüdischen Kreise, die den

Anlaß dazu gab. Doch fehlt uns jede historische Nachricht darüber, wie

wir denn überhaupt keinerlei Überlieferung über die Geschichte der Mandäer

haben. Ihr Blick ist zu intensiv auf das Jenseits gerichtet, als daß sie

den Ereignissen dieser Welt viel Aufmerksamkeit schenkten. Nur eine

legendarische Einkleidung ist vorhanden, die sich an die Person der Mirjai

knüpft. Die Legende wird ausführlich im Johannesbuch (II, p. 126ff.) und

in einem Gedichte der Oxforder Liturgie (Lit., p. 209#f.) erzählt, nur an-

gespielt wird auf sie hier p. 341. Mirjai, eine Jungfrau aus königlichem

Geschlecht, wendet sich vom Judentum ab und schließt sich den Nasoräern

an. Sie wird von den Juden verfolgt und flieht vor ihnen nach Baby-

lonien. Der Name Mirjai ist eine Umbildung von Miriam, Mariam, eine

Art der Umformung, wie man sie auch sonst bei den Mandäern, auch bei

den Elxaiten findet‘). Daß diese Mirjai mit einer der neutestamentlichen

Marien identisch sei, glaube ich nicht. Daß aber die Heldin einen Namen

trägt, der gerade im Zeitalter Jesu bei den Juden beliebt war, zeigt, daß

die Legende eines historischen Kernes nicht ganz entbehrt.

 

Wahrscheinlich haben die Mandäer die Tätigkeit Johannes des Täufers,

die ja aus derselben Bewegung hervorgegangen ist, im Westen miterlebt,

vielleicht auch an ihr teilgenommen. Daß sie lediglich auf Johannes zurück-

gehen, wie vielfach angenommen wird, glaube ich nicht.

 

Das Bündel religiöser Forderungen, das sie in die Fremde mitnahmen,

war nicht groß. Voran stand die Forderung der Taufe in lebendem Wasser.

Vielleicht hat die Kunde, daß Babylonien besonders reich an fließenden

Gewässern sei, sie veranlaßt, sich gerade dorthin zu wenden. Dann kamen

die Sakramente, die sakramentale Speise und der sakramentale Trunk

(anno und mann), Aufrichtigkeit und Gemeinschaftlichkeit unter den

Brüdern (xvw1D und xDıWd) und besonders betont die Mildtätigkeit (PM).

Obwohl in der Heimat in Gegensatz zum Judentum stehend, werden sie

wohl in der Fremde, wie das sich ausbreitende Christentum, Anschluß an

die dortigen Juden gesucht und gefunden haben. Über die religiösen Ver-

hältnisse, die sie in Babylonien vorfanden, sind wir mangels einheimischer

Quellen wiederum nur sehr schlecht unterrichtet, wir können jedoch einiges

aus dem erschließen, was die Mandäer bekämpfen. Mit besonderer Er-

bitterung wendet sich ihr Kampf gegen den Glauben an den Einfluß der

Sterne, der Sieben und der Zwölf, besonders der Sieben, dann gegen Rüha

 

 

!) Siehe Deutsche Literaturzeitung 1913, Sp. 1805.

 

 

Einleitung. xi

 

 

und ihren Kreis. Die babylonische Religion war zu einem wüsten Sternen-

aberglauben ausgeartet, sie übte trotzdem den größten Einfluß auf die

Religionen der anderen Völker aus. Man schrieb den Sternen die Macht

über alles zu, alles war von ihnen abhängig, sie waren „die Herren der

Welt“. Daneben lebte das alte syrische Heidentum fort, in dessen Mitte

der Kult der Göttermutter stand. Diesem Kulte gehört Rüha an. Wie

Ruha in den mandäischen Schriften, besonders im dritten Buche des rechten

Ginza (hier p. 63ff.) geschildert wird, erinnert sie ganz an die Dea Syria.

Schon nach anderen Indizien wurde angenommen, daß diese in priester-

licher Spekulation als Heiliger Geist umgedeutet wurde‘). Daß „der Geist“

im Semitischen weiblich ist, erleichterte diese Umwandlung, wenn sie auch

nicht gerade dadurch angeregt wurde. Unter babylonischem Einfluß scheint

man nun diesen heiligen Geist, wie Istar, mit der ja die Muttergöttin von

Haus aus identisch ist, mit dem Morgenstern identifiziert zu haben’). War

dies geschehen, so konnte man weiterhin diese Göttin, die nun zur dwo-

$öpos geworden war, als Erzeugerin und Mutter des Lichtes ausdeuten.

Von den Erklärungen, die bis jetzt für Ur, den Sohn der Rühä, gegeben

wurden, ist mir noch immer die am wahrscheinlichsten, daß er Yin „Licht“

sei (Joh., p. XXIXf.). Das mandäische „ıy kann Ur und Or gesprochen

werden, Srourrı hat Our. Dies ist wohl auch die ursprüngliche Aussprache,

vgl. babylonisch urru. Das Wort ist aramäisch nicht vorhanden, aber darum

ist es nicht nötig, die Heimat dieser Kombination auf kanaanäischem Gebiete

zu suchen. Da es kanaanäisch und babylonisch ist, konnte es auch ara-

mäisch existieren. Mit jener Inkonsequenz, die diesen Spekulationen eigen

ist, machte man dann Rühä-Morgenstern und ihren Sohn Ur zu den Eltern

der Planeten, wie man neben den sieben Planeten fünf annahm, d.h. die

Planeten ohne Sonne und Mond. Das unsittliche Treiben, das von altersher

mit dem Kulte der Muttergöttin verknüpft war, scheint sich bei der Rühä

fortgesetzt zu haben, wie es auch noch in den mandäischen Schriften durch-

 

 

schimmert (Joh. II, p. 33°), und dies hat den Abscheu vor diesem Kulte ;

 

 

und den Kampf gegen ihn noch gefördert.

 

In älteren Zeiten, als das Christentum noch nicht in sich nach dem

Judentum und Heidentum hin abgeschlossen war, mögen Beziehungen zu

den Christen bestanden haben. Daß später, als im Christentum die Institu-

tionen sich gefestigt hatten, als es katholisch geworden war, eine Ver-

bindung zwischen Mandäern und Christen bestand, glaube ich nicht. Nichts

spricht dafür. Schon die Stellung der Taufe gegenüber machte eine Ver-

bindung unmöglich. Diejenigen, die eine solche Verbindung annehmen, ja

glauben, daß die Mandäer zu einer gewissen Zeit Christen sein wollten

und sich Christen nannten, stützen sich lediglich auf den Namen Nasöräer,

aber ich habe gezeigt, daß dieser Name über das Christentum hinausgeht und

von Haus aus mit dem Christentum nichts zu tun hat. Allerdings wurden

 

 

2) Vgl. LEISEGANG, Pneuma Hagion, p. 88f. und die dort zitierten Arbeiten.

?) Siehe die Reihe p. 28,26f.; 46, 311.

 

 

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xu Einleitung.

 

 

von christlicher Seite Versuche gemacht, sie zum Übertritt zum Christentum

zu bewegen, und p. 29, 199; 47, 132 wird geraten, in diesem Falle äußerlich

dem Drucke nachzugeben, doch im Innern dem eigenen Glauben treuzu-

bleiben. Dieser Zwang ging wohl weniger von den Christen der Städte und des

Kulturlandes aus, gegen die die Mandäer mit Erfolg den Schutz der Perser

hätten anrufen können, als von benachbarten christlichen Araberstämmen.

Zu allen Zeiten standen die Mandäer im Westen besonders unter der Gewalt

der Araberstämme der Nachbarschaft. Vielleicht geht auch die Einführung

der Sonntagsfeier auf einen Druck von christlicher Seite zurück. Die älteren

Schriften kennen sie nicht. Ja, die Worte p. 50,25, wo hervorgehoben

wird, daß die Christen am Sonntag ihre Hände stillhalten, zeigen, daß die

Mandäer in der Sonntagsfeier etwas Fremdes sahen. Erst in jüngeren

Texten wird sie gefordert. Doch scheinen auch andere Momente für die

Einführung der Feier maßgebend gewesen zu sein, sonst verstünde man

nicht, warum ihre Einhaltung mit solcher Intensität gefordert wird.

 

Schon in der ersten Zeit der Bewegung, auf die der Mandaismus

zurückgeht, wird es an Versuchen schriftstellerischer Tätigkeit nicht gefehlt

haben. In Traktaten setzte man Wesen und Werden der Welt nach der

neuen Lehre auseinander, belehrte den Gläubigen über seine Pflichten,

schrieb für den Kultus Gebete und Hymnen. Aber von diesem Schrifttum,

überhaupt vom Schrifttum aus vorchristlicher Zeit, ist kaum etwas Zu-

sammenhängendes erhalten; höchstens kleinere Stücke oder einzelne Sätze,

die in spätere Kompositionen eingefügt sind. Reımzenstein suchte in seiner

Schrift Das mandäische Buch des Herrn der Größe zu zeigen, daß in dem

Stücke p. 29f., 200-202 und in der Parallelstelle in B eine Apokalypse

aus der letzten Zeit vor der Zerstörung Jerusalems erhalten sei. Der Kern

mit der Schilderung des Erscheinens Enos-Uthra’s ist wohl wirklich alt,

aber das Stück war schon in der Vorlage von A und B überarbeitet. Ein

Mann, der der Zeit Jesu nahestand, konnte nicht Pilatus als König der

Welt bezeichnen. Auch liegt kein Anlaß zur Annahme vor, daß in der

Quelle von Mt. 11,5; Lk. 7,22 („Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen“

usw.) die mandäische Schrift benutzt sei. Es ist ein altes und weitver-

breitetes Motiv und kann auf verschiedenen Wegen zum Mandäer und zum

Verfasser der Quelle Q gelangt sein ').

Die erhaltenen Schriften sind wohl alle in Babylonien entstanden, die

Hauptmasse in vorislamischer Zeit, doch dauerte die schriftstellerische Tätig-

keit bis tief in den Islam hinein fort. Die Mandäer übernahmen aber auch

Schriften aus verwandten Kreisen und paßten sie ihrer Lehre an (siehe

p- 4. 197. 206. 250). Mangels historischer Hinweise fehlt uns bis auf geringe

Ausnahmen jede Möglichkeit einer zeitlichen Fixierung. Einen gewissen

Anhalt bieten die Texte auf Bleitafeln, die etwa dem 4. Jahrhundert n. Chr.

angehören und von denen ich die allein gut erhaltene im Florilegium Melchior

 

 

!) Siehe auch GRESSMANN. Zeitschrift für Kirchengeschichte XL (Neue Folge III),

p. 188f.; XLI (IV), p. 167 ff.

 

 

Einleitung. XI

 

 

de Vogüe, p. 352ff. mitgeteilt habe. Der Inhalt berührt sich aufs engste

mit den literarischen Texten und setzt eine Schriftstellerei, wie sie in diesen

vorliegt, voraus. Größere zusammenhängende Werke sind wohl überhaupt

nicht zustande gekommen. Als der Islam kam und zwischen den Religionen

mit einem heiligen, geoffenbarten Buche und den Religionen ohne Offen-

barung schied, vereinigten die Mandäer die wichtigsten bei ihnen erhaltenen

Schriften, von denen vielleicht kleinere Stücke schon damals zu Büchern

vereinigt waren, zu einer Sammlung und legten sie als ihr heiliges Buch

vor. So scheint mir das vorliegende Ginzä entstanden zu sein‘). Im Grunde

waren sie ja von Mohammed zu den „Leuten der Schrift“ gezählt, denn

mit den Säabiern des Korans sind zweifellos die babylonischen Täufer ge-

meint. Aber man war sich im Islam darüber nicht einig, und bekanntlich

wurde diese Bezeichnung später von anderen mit Erfolg für sich in An-

spruch genommen (siehe Joh., p. VD).

 

Die Teile des „Schatzes“ lagen vielleicht von vornherein so bunt

durcheinander ohne den Versuch einer sachlichen Anordnung wie jetzt.

‚Abgeschlossen war die Sammlung nicht. Man arbeitete die Stücke um,

fügte auch neue ein. Vielleicht wurde durch diese Einfügungen eine ur-

sprünglich bessere Disposition gesprengt. Auch ist es nicht sicher, daß

von vornherein das Ganze in zwei Teile geteilt war. Jetzt ist es so, daß

der eine größere Teil, etwa drei Viertel vom Ganzen, mehr vom Leben, der

andere kleinere Teil mehr vom Tode handelt (siehe p. 423). Die beiden

Teile sind so zusammengelegt, daß ihre letzten Seiten aufeinander liegen,

so daß ein Teil im Verhältnis zum anderen auf dem Kopfe steht. Die

langen Kolophone und die Aufzählung der Abschreiber würden uns über

die Geschichte des Werkes mehr bieten, wenn nicht die Unsitte bestünde,

nur die ersten und letzten Seiten abzuschreiben, um eine Gelegenheit zu

bieten, in den Einführungen und den Schlußbemerkungen Segnungen für

den Abschreiber bezw. den Auftraggeber auszusprechen.

 

Seit dem 17. Jahrhundert kamen mandäische Handschriften nach Europa,

vorwiegend durch Vermittlung von Missionaren, die in Babylonien tätig

waren®). Vom Ginzä kamen vier Handschriften nach Paris), drei ganze

und Fragmente nach London‘), eine nach Oxford®), außerdem Fragmente

nach Leiden und München. Die älteste Handschrift des Ginzä ist die Pariser

Handschrift 1 bei Zorenper«g aus dem Jahre 968 d. H. (Anf. 22. Sept. 1560).

 

 

%) 973%) kann man Genzä und Ginzä umschreiben, ich schreibe Ginzä nach ghizo bei

Siouffi, p. 166. Auch PETERMANN schreibt Ginsa (Reisen II. p. 447ff.), der das Wort wohl

öfter von den Mandäern gehört hat.

 

2) Siehe BRANDT, Die Mandäer (1915), p. 5öf.

 

3%) Manuscrits orientaux. Catalogues des manuscrits syriaques et sabeens (man-

daites) de la Bibliotheque Nationale (par H. ZOTENBERG), Paris 1874, p. 217.

 

#) W. WRIGHT, Catalogue of the Syriac Manuscripts in the British Museum 11,

London 1872, p. 1210ff.

 

5) R. PAYNE SMITH, Catalogi codicum manuser. bibliothecae Bodleianae Pars VI,

Oxford 1864, col. 646, n. 203.

 

 

 

 

 

-

 

 

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i

 

 

5

 

 

Io

 

 

D

wi

 

 

35

 

 

XIV Einleitung.

 

 

Wie die Handschriften des Johannesbuches und des Qolasta zeigen auch

die des Ginza einen feststehenden Text, die Varianten sind von geringerer

Bedeutung und betreffen meistenteils die äußere Schreibung. Der Text

muß schon seit Jahrhunderten festgestanden haben.

 

Die mandäischen Handschriften erregten die Aufmerksamkeit der Orien-

talisten, und man versuchte Stücke aus ihnen zu übersetzen‘). Zu Beginn

des 19. Jahrhunderts ging der schwedische Örientalist Matthias NoRBERG

daran, das ganze Werk nach der Pariser Handschrift 2 herauszugeben und

zu übersetzen). Er hielt die Sprache für ein verdorbenes Syrisch, änderte

den Text ins Syrische ab und teilte ihn in dieser Gestalt mit. Hätte er

einfach den Text so wiedergegeben, wie die Handschrift ihn hat, wenn

auch mit anderer Schrift, so hätte die Ausgabe ihren Wert, so ist sie völlig

unbrauchbar. Die lateinische Übersetzung war für die damalige Zeit eine

anerkennenswerte Leistung, sie wurde auch in den folgenden Jahrzehnten

vielfach verwertet, für uns ist sie ohne Bedeutung, und ich habe sie un-

berücksichtigt gelassen. Im Jahre 1867 erschien von H. PrrErMmAnN eine

Edition des Werkes auf Grund der Pariser Handschriften’). Im Hauptbande

gab er in Autographie die Handschrift 1 wieder, in einem Nebenbande die

Varianten aus den anderen Handschriften. Das Verständnis des Mandäischen

lag damals noch im Argen, PErErmann verstand wenig vom Inhalte der

Texte und konnte ähnliche Zeichen nicht auseinanderhalten. Nach dieser

Ausgabe, Eurıne’s Edition des Qolastä und dem sonstigen handschriftlichen

Material bot NöLpekE eine meisterhafte Bearbeitung des Mandäischen in

seiner Mandäischen Grammatik (1875), durch die erst das Verständnis der

Sprache erschlossen wurde. Nach gründlicher Durcharbeitung des Ginzä

und des Qolastä gab Wilh. Branopr im Jahre 1889 eine Darstellung der

mandäischen Religion, die trotz des Schematismus und der künstlichen

Gliederung gut orientiert, und er ging dann an eine Übersetzung des Ginza.

Er hatte anscheinend die Absicht, die ganze Sammlung zu übersetzen, ließ sich

aber durch das schwierige dritte Buch abschrecken, brach am Anfange dieses

Buches ab und übersetzte nur noch den Traktat von Hibil-Ziwä’s Höllen-

fahrt und zwei kleinere Stücke (V,4 und XII,7). Seine Übersetzung zeigt

dieselben Vorzüge wie das andere Werk. Sie ist gewissenhaft, trotz mancher

Mißverständnisse zuverlässig und wurde auch in der Folgezeit viel benutzt.

 

Als im Jahre 1913 die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften be-

schloß, die wichtigsten Quellen der Religionsgeschichte in Übersetzungen her-

auszugeben, sollten die mandäischen Schriften von mir für die Sammlung

bearbeitet werden. Vom Johannesbuch war der Text bereits erschienen, und

 

 

!) Siehe Brandt, Schr., p. XIV ff.

 

?) Codex Nasaraeus, Liber Adami appellatus, syriace transseriptus ... . latineque

redditus. 3 Bände, Lund 1815—1816. Dazu ein Zexidion 1816.

 

?) Thesaurus s. Liber magnus vulgo „Liber Adami“ appellatus opus Mandaeo-

rum summi ponderis. Tomus I textum continens. Tomus II lectiones Codd. additamenta

et corrigenda continens. Leipzig 1867.

 

 

 

 

 

Einleitung. Vi

 

 

die Übersetzung mußte ihm angefügt werden, daher wurde das Johannes-

buch abgetrennt. Es schien mir ratsam, dem (olastä die Oxforder litur-

gische Sammlung beizufügen. Da von dieser Sammlung der Text noch

nicht veröffentlicht war, wollte ich den Text der Übersetzung beifügen,

aber auch einen kritisch hergestellten Text des Qolasta geben. Der Band

paßte in dieser Gestalt nicht in den Rahmen der „Quellen“, daher wurde

er in die Abhandlungen der Gesellschaft aufgenommen. Die Übersetzung

des Ginza stellte ich in den Jahren 1916 und 1917 her. Ich ließ sie zu-

nächst liegen in der Erwartung, daß es mir nach Beendigung des Krieges

möglich sein würde, die in London und Oxford liegenden Handschriften

heranzuziehen und ihre Varianten für die Übersetzung zu verwerten. Schon

1906 hatte ich von diesen Handschriften mehrere Blätter als Proben photo-

graphieren lassen, bemühte mich, mir die Mittel zu verschaffen, die ganzen

Handschriften photographieren zu lassen, doch ohne Erfolg. Auch in den

ersten Jahren nach dem Kriege war eine Reise nach England nicht möglich,

nachher kam die wirtschaftliche Not, die weder eine Reise noch die Her-

stellung von Photographien möglich machte. Um nun nicht die Übersetzung

auf unbestimmte Zeit bei Seite zu legen, wodurch ihr Erscheinen überhaupt

in Frage gestellt würde, entschloß ich mich, sie nach den Pariser Hand-

schriften zu geben. Aus den Photographien der Oxforder und Londoner

Handschriften und wiederholter Autopsie wußte ich, daß ihre Varianten

nicht von großer Bedeutung sind und daß die Übersetzung durch sie nicht

wesentlich beeinflußt würde. Doch konnte ich die Leidener Handschrift

benutzen, die etwa zwei Drittel der ganzen Sammlung enthält. Wurde

auch durch ihre Lesarten die Übersetzung nieht wesentlich modifiziert, so

war es mir doch sehr lieb, sie verwerten zu können, und ich fühle mich

der Verwaltung der Leidener Universitäts-Bibliothek zu lebhaftem Danke

verpflichtet, daß sie, obwohl der Druck des Bandes sich sehr lange hinzog,

die Handschrift bis zur Beendigung des Druckes in Göttingen hat liegen

lassen. Aus Nörvere’s Grammatik, p. XXIII wußte ich, daß er Lesarten

zum Ginzä aus anderen Handschriften als den Pariser hatte. Als ich ihn

nach der Lesart zu einer Stelle fragte, hatte er die große Freundlichkeit,

mir sein Exemplar des rechten Ginzä zu senden, aus dem ich mir die dort

verzeichneten Varianten vermerkte.

 

Ich hätte auch diese Übersetzung nicht herstellen können, wenn ich

nicht das gesamte mandäische Sprachmaterial, das gedruckte, wie das hand-

schriftliche, soweit es nach Europa gelangt ist, lexikalisch verarbeitet hätte.

Protzdem waren die Schwierigkeiten groß. Im Kommentar zum Johannes-

buch suchte ich die Bedeutung der religiösen Terminologie zu ermitteln,

aber es ist noch vieles dunkel oder unsicher. So mußte manche Stelle

unübersetzt bleiben, manche als unsicher bezeichnet werden. Die Kontrolle,

die man sonst bei einer Übersetzung hat, daß sie einen befriedigenden Sinn

gebe, ist beim Mandäischen nicht immer anwendbar. Die Mandäer waren

schwache Denker, und vieles war von vornherein schief und sinnwidrig.

 

 

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25

 

 

30

 

 

35

 

 

40

 

 

xXVI Einleitung.

 

 

Störend ist, daß eine Anzahl von Wörtern verschiedene Bedeutungen haben.

Kann man sich auch in den meisten Fällen nach dem Zusammenhange für

den einen oder anderen Sinn entscheiden, so bleibt er doch an vielen Stellen

unsicher. Besonders störend ist, daß x'27 und sa) sowohl „das große,

gewaltige (Leben)“ als „die großen, gewaltigen (Wesen)* bedeuten kann.

xıpon kann „Welten“ und „Welt“, sowie „Wesen“ bedeuten, xp „rufen“

und „hervorrufen, schaffen“, pn „fest sein“ und „hell sein“, 92 „klar sein“

und „bauen“, x2y8) „Schöpfer“ und „Helfer“, ©W(2)877 „Hymnen, Schriften“

und „Fahnen“, x'nDNt „siegreich“ und „sündenrein“, ebenso das Gegenteil

KINN „unterlegen“ und „schuldig“. Tritt an ein Wort ein Suffix heran,

so ist es oft unsicher, ob es Singular oder Plural ist. Im Allgemeinen ver-

mißt man schmerzlich die Hilfe der traditionellen Erklärung, die uns bei

den meisten religiösen Literaturen zur Verfügung steht. Ist sie auch für

uns nicht maßgebend und muß einer scharfen Kritik unterzogen werden,

so hat sie doch viel Richtiges erhalten. Bei vielen Wörtern, deren Sinn

und Herleitung ich nicht kannte, erwog ich, ob sie nicht akkadischen Ur-

sprunges seien. Herr Zimmern wurde nicht müde, auf meine vielen Fragen

einzugehen, und für manches Wort ergab sich eine befriedigende Erklärung,

doch bleibt freilich noch vieles dunkel. Über einige persische Wörter gab

mir Herr Anpreas Aufschluß. Auch ihnen sei herzlichst gedankt.

 

Der Umfang des Werkes gebot, mich in den Erklärungen möglichst

kurz zu fassen. Wenn ich ein Wort oder eine Wendung in den früheren

Bänden behandelt habe, verwies ich auf sie. Varianten teilte ich in den

Anmerkungen nur mit, wenn sie aus unveröffentlichtem Material stammen.

Wo ich in der Übersetzung nicht der Handschrift A, sondern den anderen

folgte, vermerkte ich es nicht besonders. Man wird daher bei einer Nach-

prüfung der Übersetzung immer auch die Lesarten in Prrkrmann’s Varianten-

bande berücksichtigen müssen ').

 

Der Druck begann im Sommer 1923, mußte aber bald wegen der

wirtschaftlichen Schwierigkeiten eingestellt werden. Er wurde im Frühjahr

1924 wieder aufgenommen, mußte aber dann wieder längere Zeit ruhen.

So zog er sich über zwei Jahre hin. Infolge dieser langen Dauer und

Wechsels in der Besorgung des Satzes und der Korrektur sind Ungleich-

heiten in den Druck eingedrungen, die wohl nicht allzusehr stören werden.

 

Mit der Ausgabe dieses Bandes liegen alle mandäischen Schriften in

Übersetzung vor, die weiteren Kreisen bekannt zu werden verdienen. Hoffent-

lich wird dadurch die Mitarbeit an ihnen angeregt; es ist noch viel für sie

zu tun. Zunächst sind genaue Untersuchungen darüber wünschenswert,

inwieweit bestimmte Wörter und Wendungen sich nur in einzelnen Schriften

finden. Man wird dann vielleicht gewisse Traktate zu Gruppen vereinigen

können, vielleicht auch Anhaltspunkte für eine chronologische Anordnung

 

!) In den Verweisungen bedeutet R den rechten, L den linken Teil des Textes. Der

 

 

Text hat keine Zählung der Traktate, daher zitiere man Text und Übersetzung nur nach

Seite und Zeile, wenn nicht ganze Stücke gemeint sind.

 

 

Einleitung. XVu

 

 

einer Anzahl von Schriften gewinnen. In den letzten Jahren drang die

Erkenntnis durch, daß die mandäische Literatur Berührungen mit dem

ältesten christlichen Schrifttum aufweise und viel zu dessen Erklärung biete.

Siehe außer den Schriften Rerrzenstein’s Walter Baver’s Kommentar zum

Johannesevangelium (Handbuch zum Neuen Testament VI’, 1925) und Burr- ;

MANN, Die Bedeutung der neuerschlossenen mandäischen und manichäischen

Quellen für das Verständnis des Johannesevangeliums, ZNTW XXIV (1925),

p- 100—146. Ich hoffe, daß hier ein Nehmen und Geben sein wird. Der

Örientalist wird sich vorwiegend mit dem Sprachlichen befassen müssen;

Kenner der spätheidnischen und frühchristlichen Literatur werden viel zur ıo

sachlichen Erklärung beitragen können.

 

 

ne

Fo:

A

 

 

Erklärung der Zeichen.

 

 

[ ] ergänzte Lücke.

 

( ) Zusatz in der Übersetzung zur Erklärung.

( ) zu beseitigender Einschub.

 

a = unübersetzt gelassene Stelle.

 

xxx 3% angenommene Lücke.

 

 

 

 

 

Benutzte Druckwerke,

die in Abkürzungen zitiert sind.

 

 

Joh.: Das Johannesbuch der Mandäer von Mark LIDZBARSKI. Gießen 1915. — Joh. mit

einfachen Zahlen dahinter (z. B. Joh. 45,12) verweist auf den Text.

 

Lit.: Mandäische Liturgien mitgeteilt, übersetzt und erklärt von Maik LIDZBARSKI. (Ab-

handlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-bist.

Klasse, Neue Folge, Bd. XVII, 1.) Berlin 1920.

 

Kand. Diwan: Mandäischer Diwan nach photographischer Aufnahme von Dr. B. POERTNER

mitgeteilt von Julius EUTING. Straßburg 1904.

 

 

Brandt, Rel.: Die mandäische Religion, ihre Entwickelung und geschichtliche Bedeutung

erforscht, dargestellt und beleuchtet von Dr. A. J. H. Wilhelm BRANDT. Leidzig 1889.

 

Brandt, Schr.: Mandäische Schriften übersetzt und erläutert von Dr. W. BRANDT. Göttingen

1893.

 

Nöld.: Mandäische Grammatik von Theodor NÖLDEKE. Halle 1875.

 

Siouffi: Etudes sur la religion des Soubbas ou Sabeens, leurs dogmes, leurs moeurs par

M. N. SıourrI. Paris 1880.

 

Uthra: Uthra und Malakha. Von Mark LIDZBARSKI. Örientalische Studien Theodor

Nöldeke zum siebzigsten Geburtstag gewidmet, Gießen 1906, p. 537 — 545.

 

 

 

 

 

Benutzte Handschriften.

 

 

Asfar Malwäse, ein astrologisches Werk, vgl. Nöld., p. XXIVf., in zwei Handschriften vor-

handen: Cod. Petermann I, 155 der Staatsbibliothek zu Berlin und Code Sabeen 26 der

Nationalbibliothek zu Paris. Die Pariser Handschrift hat einen längeren Anhang

jüngeren Datums, der in der Berliner fehlt. Hier wird die Berliner Handschrift zitiert.

 

Code Sabsen 15, f. 1—49a = Code Sabeen 25 der Pariser Nationalbibliothek, ein Hochzeits-

ritual, siehe ZOTENBERG, Catalogue, p. 229, s.n. 15 und Lit., p. VIL

 

Lond. Rolle A. Eine Rolle von 806 Zeilen im Besitze des British Museum. Enthält ein

Ritual für „die Auflegung der Krone des groben Si$lam‘‘, Geschrieben im Jahre 1289

d. H. (Anf. 11. März 1872). |

 

Lond. Rolle B. Eine ebenda befindliche Rolle von 634 Zeilen apotropäischen Inhaltes. Ge-

schrieben im Jahre 1269 d. H. (Anf. 15. Okt. 1852).

 

Oxf. Rolle F. Eine Rolle von 1404 Zeilen im Besitze der Bodleiana. Enthält in Z. 1—-1222

ein Ritual für das Fest der fünf Epagomenen (Parwänäje oder Pansä, vgl. Siouffi,

p. 102,4). Der Rest enthält ein Hochzeitsritual. Die Handschrift ist am Anfang und

in der Mitte ergänzt. Dieser Teil ist im Jahre 1203 d.H. (Anf. 2. Okt. 1788) ge-

schrieben.

 

Oxf. Rolle G. Eine ebenda befindliche Rolle von 1124 Zeilen mit zwei Texten apotropäischen

Inhaltes. Geschrieben 1231—1232 d. H. (Anf. 3. Dez. 1815).

 

Pariser Diwan. Die Pariser Rolle Code Sabeen 16. Vgl. ZOTENBERG, Catalogue, p. 230,

s.n. 16 und Nöld., p. XXIV.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechter Teil.

 

 

 

 

 

 

 

 

Erstes Buch.

 

 

An der Spitze des Ginzä steht ein Traktat in zwei Fassungen; die eine (A) steht als

erstes Buch, die andere (B) als erstes Stück des zweiten Buches. Sie sind Bearbeitungen

einer älteren Schrift und in dieser Hinsicht von REITZENSTEIN eingehend untersucht (Das

mandäische Buch des Herrn der Größe und die Evangelienüberlieferung. Sitzungs-

berichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Kl. 1919, 12. Heidelberg

1919). Die Traktate beginnen mit einem Lobpreis des höchsten Wesens und einer Beschreibung

der Lichtwelt, die in A besonders ausführlich sind. Daran schließt sich ein Schöpfungsbericht

über die Bildung der Welt und der ersten Menschen. Der Befehl zur Schöpfung ergeht an

Hibil-Ziwä, der in A mit Gabriel, in B mit Ptahil identifiziert wird. Nach der Schöpfung

werden durch ihn, den „lauteren Gesandten“, an Adam Ermahnungen und Warnungen ge-

richtet, die einen vollständigen Moralkodex für den Mandäer über seine ethischen und kulti-

schen Pflichten bieten. An die Ermahnungen schließt sich eine Offenbarung über den Verlauf

der Geschichte mit den vier ersten Zeitaltern beim Beginne der Welt bis zu ihrer Zerstörung.

Hieran knüpft sich eine Warnung vor den falschen Religionen. In B wird mit besonderer

Ausführlichkeit vor Christus und den christlichen Sekten gewarnt.

 

Das sechste Stück des zwölften Buches (R 278—282) enthält eine Schilderung des

Königs der Finsternis und seiner Welt. Der Verfasser sagt (278,3): „Zuerst belehrte ich

euch über den Lichtkönig, der in alle Ewigkeit gepriesen ist. Ich sprach zu euch über die

gepriesenen Lichtwelten, die unvergänglich sind, über die Uthras, Jordane und Skinäs, die

wundersam und leuchtend sind.“ Ein Stück dieses Inhaltes ist unter den erhaltenen man-

däischen Schriften nicht vorhanden, dagegen paßt die Äußerung zu der ausführlichen Schil-

derung des Lichtkönigs und der Lichtwelt in A'). Daher nehme ich an, daß der erwähnte

Traktat hier in A eingefügt ist. Die Naht liegt in Abs. 6, der Einschub reicht bis Abs. 39,

dann von Abs. 44 bis 76°). Von demselben Verfasser rührt aber auch das siebente Stück des

zwölften Buches her, das eine Ergänzung zu den beiden Traktaten bildet. Die gemeinsame

Herkunft zeigt sich in übereinstimmenden sachlichen und stilistischen Eigentümlichkeiten.

Nur in ihnen finden sich Zitate, die mit NONT NNIIN eingeführt sind (Text 11,11; 278,17;

284,18; INORT N DNIDNT 284,6). Vgl. IR? RMINYMNDM RI’NOTNP) 8,11 und RIOÖND

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Zu Text 278,4 vgl. 2,22; 10,8.

2) Vor 44 ist ein Stück weggelassen, wenn nicht hier schon im selbständigen Traktat

die Grundschrift von A und B verwertet war, doch konnte sich auch 44 an 35 anschließen.

Lidzbarski, Ginza. 12

 

 

 

 

 

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15

 

 

20

 

 

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30

 

 

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3

 

 

40

 

 

4 Rechter Teil.

 

 

RPINIARD RMINDIN? WIRD) NINYT NIT 278,15; NINND NIINIMND) NMNITINPN

278,14; 280,6, — NM)T NDNT NDORD m 3,22; NDWTT NDOND 87 280,1;

NIWTT NPIN YTNT 278,10, — 2 ID’N im Sinne „in der Art sein von“ (nicht „existieren

in‘) 4,3; 10,6, 22; 278,10,13, — NYDND im Sinne „Arten“ 4,3,10; 9,17; 278,12; 280,7.

 

In diesen beiden Stücken, ebenso in den anderen des zweiten Buches, im vierten Buche

und im sechsten und siebenten Stücke des zwölften Buches erscheint als höchstes Wesen nicht

das große Leben oder das große, erste Leben, sondern der hohe Lichtkönig, der auch der Herr

der Größe (oder der Majestät) und der Große und Erhabene (R'NDy) NDN) genannt wird.

Diese von einer monotheistischen Tendenz ausgehende Lehre vom Lichtkönig ist wohl von

außen her zu den Mandäern gelangt, vielleicht mit der Grundschrift der beiden Traktate.

Sie hat sich in einem gewissen Sinne erhalten, denn auch bei SIOUFFI steht an der Spitze

der himmlischen Wesen der Moro Eddarboutho. Die Grundschrift wies auch andere Züge

auf, die von der sonstigen mandäischen Lehre abweichen. In A 91, B 26 werden drei Gebete

für den Tag und zwei für die Nacht gefordert. Sonst kennen ‚die Mandäer im Ganzen nur

drei Gebete, siehe R 222 ob., Lit., p. 171ff,, Brandt, Rel., p.92. Ja es wird ausdrücklich

verboten, bei Nacht und Finsternis zu beten: R 300 ob. Die Forderung der fünf Gebete ist

wohl durch den Brauch der fünf persischen Gähs beeinflußt, siehe DARMSTETER, Le Zend-

Avesta III, p. 709ff., auf die ja wahrscheinlich auch die fünf Gebete des Islams zurückgehen,

siehe GOLDZIHER, ZDMG LIII (1899), p. 385.

 

Die N'INDND sind sonst bei den Mandäern zu Genien der Zauberei herabgesunken

(siehe Uthra, p. 541f.) und werden auch bei SIOUFFI schlechthin als espröts malins bezeichnet

(p. 42). Hier finden sie sich auch als gute Wesen. Freilich ist dafür öfter, namentlich in A,

NIIOND eingesetzt. Hingegen scheint der Gebrauch von NIINDN, das sich jetzt in beiden

Versionen als Bezeichnung für das höchste Wesen findet (Text 1,22; 2,20; 3, 3; 15,6; 17,16:

22,5, 34,13)'), der Urschrift fremd gewesen zu sein. Das Wort findet sich nicht an der-

selben Stelle in beiden Versionen, und die Worte „den Namen NTINDN legen sie ihnen in den

Mund“, A 173, B 110, kann ich nur so verstehen, daß der Verfasser den falschen Propheten

den Vorwurf macht, daß sie das Wort NINDN von ihren Anhängern gebrauchen lassen. Über

den Gebrauch von NINDN jetzt bei den Mandäern siehe Uthra, p. 540t.

 

In beiden Versionen wird als letztes Zeitalter das des Arabers Mohammed genannt

(A 203, B 164). Die Stücke haben also ihre letzte Fassung in islamischer Zeit erhalten.

Aber diese Sätze sind lose und spät eingefügt; sonst weist in den Traktaten nichts auf die

arabische Zeit hin. Selbst die sonst gewöhnliche Verbindung des Nerig (Mars) mit den

Arabern fehlt hier, siehe A 197, B 130, 160. Hingegen weist selbst das am Ende von B

eingeschobene Stück über die falschen Religionen noch auf heidnische Kulte hin (Abs. 159,

160). Die Grundschrift wird einige Jahrhunderte vor dem Islam entstanden sein. Über den

Versuch REITZENSTEIN’s, in A 200ff. und dem parallelen Stück eine Apokalypse aus der Zeit

kurz vor der Zerstörung Jerusalems nachzuweisen, siehe die Einleitung."

 

Damit die beiden Versionen leichter mit einander verglichen werden können, habe ich

die einzelnen Absätze numeriert und am Ende der Absätze die Nummer des entsprechenden

Stückes angegeben.

 

 

ı) Eine Zusammenstellung des Gebrauches des Wortes NNDN überhaupt im Ginzä

siehe bei Brandt, Rel., p. 211f.

 

 

 

 

 

1,1—2,7 Erstes Buch. 5

 

 

Gepriesen sei mein Herr reinen Herzens.

 

 

1. Im Namen des großen, ersten‘), fremden’) Lebens aus den Licht-

welten°), des erhabenen, das über allen Werken steht, werde Heilung, Sieg-

haftigkeit‘) und ein Sündenerlasser zuteil mir NN°), meinem Vater NN,

meiner Mutter NN, meiner Gattin NN und meinen Kindern ...... Mandäa

dHaije‘) richte ihren Namen in seinem Schatzhause auf, nehme sie in die

hehre Gemeinschaft auf’) und sei ihnen eine Stütze. Denn zum Namen

des Lebens hatte ich Vertrauen, und man schrieb diese Bücher, damit für

mich (Var.: für sie) ein Andenken in der Tibil®) bestehe und mein (Var.:

ihr) Name im Hause der Vollendung°) aufgerichtet werde. (1)

 

2. Alsdann werde ein Sündenerlasser zuteil allen Priestern und Man-

däern, die in diesen Schriften '®) Belehrung suchen, auf die Stimme des

Lebens horchen und das erste Leben preisen.

 

 

3. Gepriesen seiest du, mein Herr, reinen Herzens, du Herr aller

Welten. (2)

 

4. Gepriesen seiest du! Gesegnet, gepriesen, verherrlicht, geehrt und

gefestigt'') sei der große, hohe, gepriesene Gott, der hohe Lichtkönig, der

Gott der Wahrheit, dessen Macht ausgedehnt und endlos ist. Der reine

Glanz und das große Licht, das nicht vergeht. Der Mitleidsvolle, Erbittliche,

Gefällige, [2] Barmherzige, der Erlöser aller Gläubigen, der Festiger aller

Guten. Der Mächtige, Weise, der Wisser, Seher, Unterscheider, der Macht-

haber über jegliches Ding. Der Herr aller Lichtwelten, der oberen, der

mittleren und der unteren. Das große Antlitz der Herrlichkeit, unsichtbar,

unbegrenzbar, ohne Genossen an der Krone, ohne Teilhaber an der Herr-

schaft. Wer auf ihn vertraut, kommt nicht in Schande, wer seinen Namen

aufrichtig'’) preist, kommt nicht zu Falle, wer im Vertrauen auf ihn dasteht,

wird nicht erniedrigt. (3)

 

 

1) Dies nach Leid.

 

2) Stehende Bezeichnung bei den Mandäern für die jenseitigen, der irdischen Welt

fremden Wesen, namentlich für das große Leben. Auch beim „Fremden Gott“ Marcions

dürfte das Wort „fremd“ diese Bedeutung haben.

 

3) Der Plural N'OON wird öfter in singularischem Sinne gebraucht, doch ist es meisten-

teils unsicher, welche Bedeutung vorliegt. 4, Vel. Joh. II, p. If.

 

5) Hier ist derjenige genannt, der das Buch hat abschreiben lassen.

 

6) Die personifizierte Tvaoıs Zwis, die wie das „Leben“ im Mittelpunkte der mandäischen

Religion steht, vgl. Brandt, Rel., p. 167f. ?) Vgl. Lit., p 13°.

 

®) Das alttestamentliche ham als Bezeichnung für die irdische Welt.

 

 

®) Die Stätte, an der die abgeschiedenen Gläubigen der Vollendung zugeführt Ga,

das Jenseits. ı) Leid.: in dieser Schrift.

 

u) Der Ausdruck wird im Mandäischen in demselben Sinne wie „gepriesen‘ gebraucht,

vgl. Lit., p. XXI.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12) In Kustä. NDWYD ist Wahrheit, Wahrhaftigkeit, der wahre Glaube, auch Treue und

 

 

15

 

 

20

 

 

25

 

 

nn

 

 

Io

 

 

in

 

 

20

 

 

25

 

 

6 Rechter Teil. a a8

 

 

5. Der große Herr aller Könige; nichts war, da er nicht war, nichts

ist, so er nicht ist. Für ihn ist kein Tod geschaffen, für ihn gibt es kein

Vergehen. Sein Licht leuchtet, und sein Glanz strahlt über alle Wesen 5)

und Könige*), die vor ihm stehen und in ihrem Glanze und dem großen

Lichte, das über ihnen lagert, leuchten. (5).

 

6. Er verlieh ihnen Gebet und Lobpreisung, die sich in ihr Herz legten,

die in Lichtwolken stehen”). Sie verehren, preisen und bekennen unter-

würfig den Herrn der Größe, den hohen Lichtkönig, für dessen Glanz, Licht

und Herrlichkeit es kein Maß, keine Zahl, keine Begrenzung gibt, der ganz

Glanz, ganz Licht, ganz Helligkeit, ganz Leben, ganz Treue, ganz Liebe,

ganz Mitleid, ganz Nachsicht, ganz Augen, ganz Gesichte, ganz gepriesene

Antlitze der Schönheit, der ganz Einsicht‘), Wissen und Offenbarung, ganz

Namen’) der Herrlichkeit ist. (5)

 

7. Der große, hohe Gott, dessen Kraft niemand gemessen‘), niemand

begrenzt hat; niemand erfaßt seine und aller seiner Welten Kraft.

 

8. Er ist der hohe Lichtkönig, mit allen Segnungen gesegnet, von

Anfang bis in alle Ewigkeit, der Erste”) von allem Urbeginn an, der Schöpfer

aller Gestalten, der Bildner der schönen Dinge, der [3] in seiner Weisheit

bewahrt, verborgen, nicht offenbart ist. |

 

9. Er ist der hohe Lichtkönig, der Herr aller Lichtwelten, der Hohe

über alle Uthras®), der Gott über alle «*«++°), der König der Könige, der

große Herr über alle Könige. Ein Glanz, der sich nicht verändert, ein Licht,

das nicht untergeht, Schönheit, Glanz und Herrlichkeit, die nicht verächtlich

sind. Leben, ein Überleben, Glanz, ein Überglanz, Licht, ein Überlicht; an

ihm ist weder Mangel noch Fehl.

 

10. Er ist das Licht, an dem keine Finsternis, der Lebendige, an dem

 

 

Aufrichtigkeit im Verhalten der Gläubigen dem höchsten Wesen gegenüber wie untereinander.

„Kustä reichen“ heißt den Handschlag der Brudertreue geben. Vgl. zu dem Worte Joh.,

p. XV.

 

ı) xHÖN hat im Mandäischen öfter diese Bedeutung, vgl. Brandt, Schr., p. 3°.

 

2) SIODND ist hier eine Bezeichnung für die himmlischen Wesen, vgl. Uthra, p. HA4f.

und oben, p. 4.

 

8) Auch hier ist von den höheren Wesen die Rede, die in der oberen Welt den Licht-

könig umgeben. Siehe die Parallelstelle.

 

#) Entgegen Joh. II, p. 36? fasse ich N7W""D hier und R 213,27 so auf. Es steht hier

zusammen mit NMIN) und NMVON) und dort zwischen NN’I07 und NNPYIT-

 

5) Leid. hat 7OIW statt NIOWY.

 

6) Wohl way Aonnf oder AoYan WWy7T zu lesen. ?) Lies SINDTIND.

 

8) Bezeichnung für engelartige Wesen; das gemeinsemitische guy) ist zuriick

siehe p. 4. Die in Uthra, p. 539 versuchte Ableitung des Wortes von NM „ Überfülle“ habe

ich inzwischen aufgegeben. Es ist wohl der Schreibung entsprechend xYN\y „Reichtum“ als

Eigenart und Ausströmung der Gottheit. Ein Ansatz zu diesem en NImNy findet

sich anscheinend schon in den Oden Salomos, ı REITZENSTEIN, Das iran. Erlösungs-

mysterium, p. 9.

 

®) Hier hat vielleicht NIINON „Götter“ gestanden, das von einem Ängstlichen gestrichen

wurde. Text 5, 24 ist es stehen geblieben.

 

 

 

 

 

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3, 3-4, 10 Erstes Buch. 7

 

 

kein Tod, der Gute, an dem keine Schlechtigkeit, der Milde, an dem weder

Aufruhr noch Zorn, der Sanfte, an dem weder Gift noch Bitterkeit ist.

 

11. Er sitzt im hohen Norden), machtvoll, schön und prangend, der

Urbehälter aller Leuchtenden, der Vater aller Uthras.

 

12. Er segnet alle Wesen, er ruht auf allen Vollkommenen, Wahr-

haftigen und Gläubigen, in deren Mund sein Name aufgerichtet ist.

 

13. Der König in der Stadt des Lebens, der in den Wohnsitzen des

Königtums weilt. Er ist beständig, sein Glanz steigt empor und erleuchtet,

er ist ohne Ende, Maß und Zahl.

 

14. Er freut sich mit einer Freude ohne Betrübnis, und sein ganzes

Reich freut sich mit ihr. Ein (schönes) Bild, eine Zier®) und Pracht (ist er),

daß es keine Schönheit gibt, die ihm gliche.

 

15. Die Wahrheit ist er, die in den oberen Höhen wohnt, der Herr

der Größe, der Herr aller großen Dinge. Niemand vermag’) seine Macht

näher zu bestimmen und zu beschreiben und die aller seiner Welten, sowie

seine Skinäs‘), in denen er wohnt, und die Uthras und Könige, die in

ihnen weilen.

 

16. Jener hohe Lichtkönig sitzt sicher in seiner Wohnung. Er ist

höher als alle Wesen, wie die Erde als ihre Bewohner”). Er überragt [4]

alle, wie der Himmel die Berge. Er leuchtet mehr als alle, wie die Sonne

mehr als Lampen. Er ist heller als alle, wie der Mond mehr als die Sterne.

 

17. Er ist von Eigenschaften‘), an denen kein Fehl ist. Ihm sind

große Kronen aufgesetzt, daß seine Macht und Größe grenzenlos ist. Nicht

wird er durch Zahl oder Rechnung begrenzt.

 

18. Die Funken seiner Krone sprühen an jeden Ort. Strahlen des

Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit gehen von seinem Antlitz und

zwischen den Blättern seines Kranzes hervor. Alle Uthras und Könige, ja

alle Welten’) stehen in Gebet und Lobpreisung da und preisen jenen hohen

Lichtkönig. (7)

 

19. Von ihm gehen fünf gewaltige, große Eigenschaften aus’). Die

 

 

') Über den Norden als bevorzugte Gegend äußert sich derselbe Verfasser im siebenten

Stück des zwölften Buches. Auch den Babyloniern galt der Norden als Göttersitz, siehe

JEREMIAS, Das Alte Testament im Lichte des Alten Orients?, p.20f. Als Göttersitz

wurde der Norden bei den Aramäern und Kanaanäern selbst vergottet ONDW, a3)

 

2) Statt NN hat Leid. auch Norb. SII8n.

 

#) Leid. und Norb. haben nnd vor TIRDYIT.

 

4) NOW wird von den Mandäern vorwiegend im ursprünglichen Sinne „Wohnsitz“

gebraucht, vereinzelt findet es sich als Bezeichnung für personifizierte höhere Wesen.

 

5) Gemeint ist wohl: wie die Erde größer ist als ihre Bewohner. Die Äußerung, daß

die Erde ihre Bewohner überrage, könnte man allenfalls in einem Lande mit hohen Bergen

verstehen, nicht aber in Babylonien.

 

©) NDND „Ende, Grenze, Gebiet“ hat sich weiter zum Sinne „Kategorie, Art, Eigen-

schaft“ entwickeit.

 

2) Leid. hat nnbıa N37 NIDONT, d.h. ‚aller Lichtwelten“.

 

*) Über Entsprechendes im Avesta und bei Mäni siehe BOUSSET, Hauptprobleme der

 


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