Full
text of "Ginza Sidra Rabba. Der Schatz Der
Mandäer"
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gr
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in
GINZA
DER
SCHATZ
ODER
DAS
GROSSE BUCH DER MANDÄER
ÜBERSETZT
UND ERKLÄRT
VON
MARK
LIDZBARSKI
GÖTTINGEN
LEIPZIG
VANDENHOECK
& RUPRECHT J. C. HINRICHS’SCHE
1925
BUCHHANDLUNG
Theo!
ogy |_ibrary
SCHOOL
OF THEOLO@Y
AT
CLAREMONT
Pad
1 ee}
‚alırformia
Das
Recht der Übersetzung vorbehalten
Druck
von Hubert & Co. G. m. b. H. Göttingen
Einleitung.
Na‘man,
der Feldhauptmann des Königs von Aram in Damaskus, war
ein
tapferer Mann, aber aussätzig. Auf den Rat einer jungen Gefangenen
aus
Israel begibt er sich zum Propheten Rlisa in Samaria, daß er ıhn vom
Aussatze
heile. Elisa läßt ihm sagen, er solle siebenmal im Jordan baden,
so
werde sein Fleisch geheilt und rein werden. Na‘man ist über diesen
Bescheid
erbost. „Sind nicht Abäna und Parpar, die Flüsse von Damaskus,
besser
als alle Gewässer in Israel? Könnte ich nicht in ihnen baden und
rein
werden?“ Doch auf das Zureden seiner Diener befolgt er den Rat
des
Gottesmannes, er taucht siebenmal im Jordan unter, und darauf wird
seine
Haut so rein wie die eines jungen Knaben (2. Könige 5).
Wir
sehen daraus, daß dem Jordan eine größere Heilwirkung zuge-
schrieben
wurde als ansehnlicheren Flüssen. Der Grund läßt sich nur ver-
muten.
Wie kein anderer Fluß im vorderen Asien ergießt er sich in aus-
gesprochener
Richtung von Norden nach Süden. Im Norden ist aber der
Sitz
der Götter. Der Jordan entspringt außerdem einem Berge, der, wie
sein
Name Hermon zeigt, besonders zu den Göttern in Beziehung gesetzt
wurde.
Man konnte danach von ihm mehr als von anderen Flüssen an-
nehmen,
daß sein Wasser vom Sitze der Götter herkomme, somit göttliche
Potenz
mit sich führe und heilwirkende Kraft enthalte. Wie lebendig diese
Vorstellung
sich in Bezug auf das „lebende Wasser“ erhalten hat, zeigt
281,198.
').
Lange
hören wir nichts von der Wirkung des Jordans. Erst in den
Evangelien
lesen wir, daß Johannes am Jordan ein färriopa peravoias eis
äbeoıv
üpaprıwv verkündigt habe (Mk. 1,4; Lk. 3,3). Die Sinnesänderung
und
Buße war nicht die Wirkung, sondern der Anlaß der Taufe, die
Wirkung
war die Sündenvergebung, oder eigentlich Sündentilgung. Die
Anschauung
von der Wirkung des Jordans hatte sich gewandelt. "Nicht
ı)
Im Zweistromlande wurde der Euphrat besonders verehrt, während der Tigris
zurücktritt,
vgl. JASTROW, Religion Babyloniens und Assyriens I, p. 378; CUMONT, Etudes
syriennes,
p. 247ff. Auch bei den Mandäern wird der Euphrat als Fra$-Ziwä öfter im Zu-
sammenhange
mit der Religion genannt.
-
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in
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VI
Einleitung.
mehr
Heilung des Körpers, sondern Heilung der Seele suchte man in ihm.
Dasselbe
Wasser, das früher die eicatrices corporis wegwusch, sollte jetzt
die
vulnera animae tilgen. In beiden Fällen liegt die Wirkung in derselben
Ursache,
in der Verbindung des Wassers mit göttlichem Wesen. Man war
sich
freilich nicht mehr wie unter primitiveren Verhältnissen des Zusammen-
hanges
bewußt.
Durch
die Taufe Christi im Jordan erhielt die Jordantaufe ihre Be-
deutung
innerhalb des Christentums, aber doch nur als Moment der Er-
innerung.
Und wenn auch noch jetzt Zehntausende jährlich hinpilgern,
um
an der vermeintlichen Stelle im Jordanwasser unterzutauchen, ein Gebot
ist
die Jordantaufe für die Christenheit nicht. Doch außerhalb des Christen-
tums,
ja in einer Gemeinschaft, die dem Christentum feindlich gegenüber-
steht,
ist die Jordantaufe ein Gebot, ja steht im Mittelpunkte ihres reli-
giösen
Lebens: bei den Mandäern in Babylonien.
Mögen
Namen, die an Jordan anklingen, auch anderwärts für Flüsse
vorkommen,
und mag das Wort 77) ursprünglich appellativische Bedeutung
gehabt
haben, in historischer Zeit und in Vorderasien kann mit Jordan nur
der
palästinische Fluß gemeint sein, und das Gebot der Jordantaufe kann
sich
nur auf diesen Fluß beziehen. Eine religiöse Gemeinschaft, in der
dieses
Gebot aufkam, nicht für eine einmalige oder seltene Handlung, son-
dern
für eine häufige, ja fast tägliche Übung, muß ihren Sitz ursprünglich
in
der Nähe des Jordans gehabt haben. Wenn die Mandäer in ihren
Schriften
jedes fließende Wasser Jordan nennen, so kann dies nur ein
Notbehelf
sein, zu dem sie griffen, als sie sich fern vom ursprünglichen
Sitze
ihres Glaubens niederließen. Ich habe Joh., p. XVIff., Lit., y. X
nach
vielen sachlichen und sprachlichen Momenten zu zeigen gesucht, daß
wenn
auch in der Zeit, von der wir wissen, die Mandäer ihren Sitz in
Babylonien
haben, ihre Heimat doch ursprünglich im Westen gewesen sein
muß.
Ich suchte ihren Sitz auch enger zu lokalisieren: im Transjordan-
gebiete
angesichts des Haurän-Gebirges. Was dort gesagt ist, will ich hier
nicht
wiederholen, will aber einige neue Momente hervorheben.
Vom
Genius Haurän vermutete ich, daß in ihm das vergottete Haurän-
Gebirge
erhalten sei. Tatsächlich findet sich eine Gottheit pn schon in
alter
Zeit im Namen pırı2y auf dem Siegel, das von ÜLERMONT-GANNEAU
im
Journal Asiatique 1883, Bd. I, p. 141, s.n. 17 mitgeteilt ist (Bd. II Tafel
zu
p. 304). Die Buchstaben haben alle eine archaische Form. Leider fehlen
die
Zeichen, die eine besondere Stütze für die Altersbestimmung bieten,
trotzdem
ist das Siegel wohl der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends
v.
Chr. zuzuweisen.
Branpr
kombinierte die mandäische Schrift mit der nabatäischen und
stützte
sich besonders auf die Ähnlichkeit des runden mandäischen Aleph mit
dem
Aleph der nabatäischen Schrift‘). Bei den Formen, die ihm bekannt
!)
Die Mandäer (1915), p. 33.
Einleitung.
VII
waren,
ist allerdings die Übereinstimmung nicht groß. Inzwischen zeigte es
sich
aber, daß auf den ältesten mandäischen Schriftdenkmälern, auf Münzen
der
Characene, das Aleph eine Form hat, die dem nabatäischen völlig gleicht).
Die
Form ist so singulär, daß sie nicht an verschiedenen Stellen in Unabhängig-
keit
voneinander entstanden sein kann, vielmehr muß die mandäische Schrift
mit
der nabatäischen genuin zusammenhängen. Der Zweig der aramäischen
Schrift,
der sich in Babylonien ausbildete, ist die Schrift, die Mäni über-
nahm
und die zur Schrift des Manichäismus wurde°). In demselben Gebiete
können
auch nicht zwei verschiedene aramäische Schriften entstanden sein.
Die
Mandäer müssen vielmehr ihre Schrift aus der Fremde, aus dem Be-
reiche
der Nabatäer mitgebracht haben.
Von
der Religion der Nabatäer wissen wir sehr wenig. Ihre Literatur
ist
verloren gegangen, und ihre Inschriften bieten von der Religion nur
Äußerliches.
Manches in der mandäischen Urgeschichte, das uns unbekannt
ist,
mag von ihnen oder einem Nachbarvolke im arabisch-syrischen Grenz-
gebiete
herrühren, so vielleicht die Lehre von den vier Weltepochen mit
ihren
Häuptern. Die Namen osx) und 717 sind sonst unbekannt. Die Namen
"Nam
und 5’yanmınw hängen ja wohl mit der Wendung xAXII% DV
„Stämme
verbreiten“ auch „gründen“ (R 240,24; 244, 14,24; 251,2 und
sonst)
zusammen. Neben ana steht das syrische na, doch hat u sonst
nur
das arabische surbah, und yaRınw ist doch wohl durch den arabischen,
besonders
südarabischen Namen 5sarw beeinflußt. Der Name des Landes
INTIND,
eines paradiesischen Gebietes (siehe p. 301ff.), läßt sich weder aus
dem
Aramäischen, noch aus dem Kanaanäischen erklären, hingegen bietet
das
arabische Darwan „reich, üppig“ eine gute Erklärung.
Unter
den Genien der Mandäer finden sich viele, die in der biblischen
Urgeschichte
genannt sind, aber aus dieser allein läßt sich ihr Wesen nicht
erklären.
Die Hebräer standen ja mit ihrer Urgeschichte sicherlich nicht
isoliert
da, die Nachbarvölker werden Ähnliches gelehrt haben. Ich suchte
anderwärts
zu zeigen, daß Adam und Eva auch in der Religion der Phöni-
zier
existierten, aber in einer primitiveren Gestalt, als chthonische Gott-
heiten,
Adam als König Erd, Hawwah als Königin Schlange’). In der bib-
lischen
Urgeschichte ist in der Erzählung von Abel das Bemerkenswerteste
sein
gewaltsamer Tod. Beim mandäischen Hibil wird nirgends darauf an-
gespielt.
Freilich könnte sein Tod zum Descensus ad inferos umgedeutet
worden
sein, aber ich kann mir nicht denken, daß wenn die Lehre von
Hibil
lediglich auf die Genesis zurückging, wo er zum Erlöser und Heil-
bringer
gemacht wurde, man nicht Kain zu seinem Gegenpart, zum Ver-
treter
des Bösen, gemacht hätte. Die Figur des Kain ist aber gänzlich
unbekannt.
»)
Zeitschrift für Numismatik XXXIIL (1921), p. 85.
®)
Siehe Sützungsberichte der Berliner Akademie 1916, p. 1213ff.
3)
Nachrichten der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, Phil.-hist. Klasse
1916,
p. 90f.
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vol
Einleitung.
Eine
so gewaltige Umwälzung auf religiösem Gebiete, wie der Man-
daismus
sie voraussetzt (siehe Lit., p. XVf.), kann nicht über Nacht ge-
kommen
sein, noch weniger konnte sie sich rasch stabilieren und zum
Glauben
weiterer Kreise werden. Aber es fehlt uns jede Möglichkeit, einen
Blick
in diese Vorgänge zu werfen. Von den beiden Potenzen, die im
Mittelpunkte
der mandäischen Religion stehen, Licht und Leben, geht
wohl
das Eindringen der Lichtvorstellung auf persischen Einfluß zurück.
Seit
dem 6. Jahrhundert v. Chr. bot sich Gelegenheit genug zur Beein-
flussung
der Völker Vorderasiens durch die mazdajasnische Religion. Da-
gegen
mag die Spekulation über das Leben und die schließliche Stellung
des
absoluten Lebens an die Spitze alles Göttlichen bei den Semiten selber
aufgekommen
sein. Die alte Verbindung der Begriffe Leben und Heil’)
mag
hierauf eingewirkt haben. Seit alten Zeiten standen die Länder des
vorderen
Asien in Verbindung mit Babylonien und Ägypten. In den Priester-
schaften
Phöniziens und Syriens wurden ja wohl auch Versuche gemacht,
die
Religion zu sublimieren, die Götter in eine höhere Sphäre zu rücken.
Schon
das frühe Aufkommen des Himmelsbaals und die Verbreitung seines
Kultes
sprechen dafür. Wenn die Literaturen dieser Völker verloren gegangen
sind
und wir keine Quellen haben, auf die wir uns stützen können, so sind
wir
darum nicht berechtigt, die Möglichkeit zu leugnen. Was den Begriff
des
Lebens betrifft, so sei an die Verbindung von on mit Göttern in
phönizischen
Inschriften erinnert®). Hier p. 452,5 (587,24) wird der Ge-
danke
ausgesprochen, daß die Seele in die Tasche des Lebens hineingetan
sei.
Derselbe Gedanke findet sich, im Munde der Abigail befremdlich, als
Wunschäußerung
1. Sam. 25,29, nur daß’dort im jetzigen Zusammenhange
„Bündel“
oder „Beutel des Lebens“ als ein Beutel aufgefaßt wird, in dem
das
Leben, wie sonst Wertsachen, aufbewahrt wird. Die Juden nehmen
den
Satz für sich und setzen die Worte on 32 mn3 (mwe)) wa) nn,
gewöhnlich
in der Abkürzung na33n, auf ihre Grabsteine. Trotz des Alters
der
Stelle scheint es mir nicht ausgeschlossen, daß der Satz aus einem
Kreise
stammt, in dem man eine ähnliche Vorstellung vom Leben und von
der
Seele hatte, wie bei den Mandäern, daß ursprünglich auch da „Beutel
des
Lebens“ den Sinn hatte: Beutel im Besitze des Lebens als eines per-
sönlichen
Wesens, daß der Satz in den Bereich des Verfassers versprengt
wurde,
der ihn auf seine Weise verwertete.
Wie
dem auch sei, jedenfalls scheint es mir unmöglich, die Anfänge
des
Mandaismus in die christliche Zeit zu verlegen. Dies zeigt schon die
Stellung
der Mandäer den Juden gegenüber. Der bittere Judenhaß, der
aus
ihren Schriften spricht, könnte auch in späterer Zeit in Babylonien
entstanden
sein, aber das Motiv der Verfolgung durch die Juden (siehe
!)
Siehe BAUDISSIN, Adonis und Esmun, p. 385ff.
2)
om 19 in CIS I,95, siehe Altsemitische Texte I, p.33 s.n. 35 und Nachrichten
2.2.0.
p.88. DM Mm wohl „Leben des Lebens“, Quintessenz des Lebens, in der Weih-
inschrift
des Mieipsa Nordsemitische Epigraphik, p. 439.
Einleitung.
IX
besonders
p. 341ff.) konnte in Babylonien schwer aufkommen. Die Juden
waren
(dort Fremde und nur geduldet und werden Ausschreitungen gegen
Andersgläubige
kaum gewagt haben. Noch weniger ist mir für eine spätere
Zeit
die Erwartung der Zerstörung Jerusalems verständlich. Jerusalem war
zerstört
und lag in den ersten Jahrhunderten n. Chr. danieder wie nie.
In
Babylonien hatte man auch keinen Anlaß, sich mit dem Schicksal der
Stadt
zu befassen. Dagegen sind mir diese Ideen verständlich bei hetero-
doxen
Kreisen, die zur Zeit als das jüdische Reich noch bestand, in dessen
Machtbereich
lebten. Die eifernden jüdischen Gesetzesfrommen werden sich
bemüht
haben, Leute zu unterdrücken, die anderen Lehren huldigten, und
Gemeinschaften,
die andere Wege gingen, die nach einer Verinnerlichung
der
Religion strebten und in der äußerlichen Wortfrömmigkeit des rabbini-
schen
Judentums einen falschen Glauben und einen Abfall von Gott sahen,
mögen
der Hoffnung gelebt haben, daß Jerusalem mit seinem falschen
Kultus
bald zu Grunde gehen werde.
An
meine Auseinandersetzungen über Nafwpaios SW 3X) Lit., p. XVIfE.
und
den Versuch zu zeigen, daß das Wort nicht einen Mann aus Nazareth
bezeichnen
könne, haben sich viele Erörterungen geknüpft. Im Allgemeinen
stimmten
mir die Philologen bei, während die Theologen an der überlieferten
Erklärung
festhielten ‘).. Wenn die Dinge so liegen, daß für Nalaped (Nada-
per)
nur diese Namensform überliefert ist, daß alle Formen, die vorgebracht
wurden,
um eine Verbindung zwischen Nataped und Nalwpaios bezw. 31
herzustellen,
erfunden und erkünstelt sind, daß andererseits Nalwpaios eine
Form
aufweist, die sonst ausschließlich Vertreter eines Berufes, besonders
einer
bestimmten Lehrtätigkeit bezeichnet), so ist für einen jeden unab-
hängig
Denkenden die Frage damit entschieden. Gerade aus den Worten
Mt.
2,23, auf die man sich stützt, scheint mir hervorzugehen, daß man
‚Jesu
Eltern in Nazareth wohnen ließ, um eine Erklärung für Nalwpaios zu
haben.
War Nazareth wirklich die Heimat Jesu, so haben wir hier ein
zufälliges
Zusammentreffen, wie es auch sonst vorkommt. Mohammed nannte
seine
Helfer aus Medina ansär und dachte sich anscheinend auch die nasara,
die
Nazarener, als die ansar, als die Helfer Jesu‘). Die beiden Wörter
sind
desselben Stammes, haben trotzdem nichts miteinander zu tun.
ı)
Daß Ed. MEYER in seinem Buche Ursprung und Anfänge des Christentums für
die
alte Erklärung eintritt (Bd. II, p. 423f.), ist bei der ganzen Richtung des
Buches selbst-
verständlich.
In Nazoraios, Zeitschrift für Semitistik 1 (1922), p. 230ff. zeigte ich, dab
die
Auskünfte, auf die er sich stützt, falsch sind.
=)
ANTION, Amöräer, Talmudlehrer aus früherer Zeit; ARTY2D, Sähböräer,
Talmudlehrer
aus
späterer Zeit; Burg? Tänöjäer, Misnahlehrer, für das häufigere N.D (von DALMAN,
Grammatik’,
p. 90 unt. unrichtig erklärt); WiND „Reiter“ (SCHULTHESS, Lexicon Syro-
palaestinum,
p. 164b). In der Endung äi wird das Jod, wenn noch ein Vokal dazutritt,
zu
Alef, wie sonst öfter, namentlich im palästinischen Aramäisch, siehe BARTH,
Nominal-
bildung,
p. 81; SCHULTHESS, Grammatik des christl.-paläst. Aramäisch, 8 22,2. Siehe
übrigens
auch hier p. 135%.
®)
Sur. 3,45; 61,14. Siehe auch SPRENGER, Mohammad II, p. 533.
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x
Einleitung.
Die
Nalwpaioı des Erıpsanmus (haer. 29) haben wohl ıhren Namen aus
derselben
Quelle, vielleicht auch die Nasapaioı (haer. 18), aber sie gingen
andere
Wege, und nach dem, was Erırkanius von diesen judenchristlichen
Sekten
mitteilt, haben sie mit den Mandäern nichts gemein.
Die
mandäische Religion wurde wahrscheinlich schon vor dem Unter-
gange
des jüdischen Reiches nach Babylonien verpflanzt. Vielleicht war
es
gerade die Verfolgung durch die herrschenden jüdischen Kreise, die den
Anlaß
dazu gab. Doch fehlt uns jede historische Nachricht darüber, wie
wir
denn überhaupt keinerlei Überlieferung über die Geschichte der Mandäer
haben.
Ihr Blick ist zu intensiv auf das Jenseits gerichtet, als daß sie
den
Ereignissen dieser Welt viel Aufmerksamkeit schenkten. Nur eine
legendarische
Einkleidung ist vorhanden, die sich an die Person der Mirjai
knüpft.
Die Legende wird ausführlich im Johannesbuch (II, p. 126ff.) und
in
einem Gedichte der Oxforder Liturgie (Lit., p. 209#f.) erzählt, nur an-
gespielt
wird auf sie hier p. 341. Mirjai, eine Jungfrau aus königlichem
Geschlecht,
wendet sich vom Judentum ab und schließt sich den Nasoräern
an.
Sie wird von den Juden verfolgt und flieht vor ihnen nach Baby-
lonien.
Der Name Mirjai ist eine Umbildung von Miriam, Mariam, eine
Art
der Umformung, wie man sie auch sonst bei den Mandäern, auch bei
den
Elxaiten findet‘). Daß diese Mirjai mit einer der neutestamentlichen
Marien
identisch sei, glaube ich nicht. Daß aber die Heldin einen Namen
trägt,
der gerade im Zeitalter Jesu bei den Juden beliebt war, zeigt, daß
die
Legende eines historischen Kernes nicht ganz entbehrt.
Wahrscheinlich
haben die Mandäer die Tätigkeit Johannes des Täufers,
die
ja aus derselben Bewegung hervorgegangen ist, im Westen miterlebt,
vielleicht
auch an ihr teilgenommen. Daß sie lediglich auf Johannes zurück-
gehen,
wie vielfach angenommen wird, glaube ich nicht.
Das
Bündel religiöser Forderungen, das sie in die Fremde mitnahmen,
war
nicht groß. Voran stand die Forderung der Taufe in lebendem Wasser.
Vielleicht
hat die Kunde, daß Babylonien besonders reich an fließenden
Gewässern
sei, sie veranlaßt, sich gerade dorthin zu wenden. Dann kamen
die
Sakramente, die sakramentale Speise und der sakramentale Trunk
(anno
und mann), Aufrichtigkeit und Gemeinschaftlichkeit unter den
Brüdern
(xvw1D und xDıWd) und besonders betont die Mildtätigkeit (PM).
Obwohl
in der Heimat in Gegensatz zum Judentum stehend, werden sie
wohl
in der Fremde, wie das sich ausbreitende Christentum, Anschluß an
die
dortigen Juden gesucht und gefunden haben. Über die religiösen Ver-
hältnisse,
die sie in Babylonien vorfanden, sind wir mangels einheimischer
Quellen
wiederum nur sehr schlecht unterrichtet, wir können jedoch einiges
aus
dem erschließen, was die Mandäer bekämpfen. Mit besonderer Er-
bitterung
wendet sich ihr Kampf gegen den Glauben an den Einfluß der
Sterne,
der Sieben und der Zwölf, besonders der Sieben, dann gegen Rüha
!)
Siehe Deutsche Literaturzeitung 1913, Sp. 1805.
Einleitung.
xi
und
ihren Kreis. Die babylonische Religion war zu einem wüsten Sternen-
aberglauben
ausgeartet, sie übte trotzdem den größten Einfluß auf die
Religionen
der anderen Völker aus. Man schrieb den Sternen die Macht
über
alles zu, alles war von ihnen abhängig, sie waren „die Herren der
Welt“.
Daneben lebte das alte syrische Heidentum fort, in dessen Mitte
der
Kult der Göttermutter stand. Diesem Kulte gehört Rüha an. Wie
Ruha
in den mandäischen Schriften, besonders im dritten Buche des rechten
Ginza
(hier p. 63ff.) geschildert wird, erinnert sie ganz an die Dea Syria.
Schon
nach anderen Indizien wurde angenommen, daß diese in priester-
licher
Spekulation als Heiliger Geist umgedeutet wurde‘). Daß „der Geist“
im
Semitischen weiblich ist, erleichterte diese Umwandlung, wenn sie auch
nicht
gerade dadurch angeregt wurde. Unter babylonischem Einfluß scheint
man
nun diesen heiligen Geist, wie Istar, mit der ja die Muttergöttin von
Haus
aus identisch ist, mit dem Morgenstern identifiziert zu haben’). War
dies
geschehen, so konnte man weiterhin diese Göttin, die nun zur dwo-
$öpos
geworden war, als Erzeugerin und Mutter des Lichtes ausdeuten.
Von
den Erklärungen, die bis jetzt für Ur, den Sohn der Rühä, gegeben
wurden,
ist mir noch immer die am wahrscheinlichsten, daß er Yin „Licht“
sei
(Joh., p. XXIXf.). Das mandäische „ıy kann Ur und Or gesprochen
werden,
Srourrı hat Our. Dies ist wohl auch die ursprüngliche Aussprache,
vgl.
babylonisch urru. Das Wort ist aramäisch nicht vorhanden, aber darum
ist
es nicht nötig, die Heimat dieser Kombination auf kanaanäischem Gebiete
zu
suchen. Da es kanaanäisch und babylonisch ist, konnte es auch ara-
mäisch
existieren. Mit jener Inkonsequenz, die diesen Spekulationen eigen
ist,
machte man dann Rühä-Morgenstern und ihren Sohn Ur zu den Eltern
der
Planeten, wie man neben den sieben Planeten fünf annahm, d.h. die
Planeten
ohne Sonne und Mond. Das unsittliche Treiben, das von altersher
mit
dem Kulte der Muttergöttin verknüpft war, scheint sich bei der Rühä
fortgesetzt
zu haben, wie es auch noch in den mandäischen Schriften durch-
schimmert
(Joh. II, p. 33°), und dies hat den Abscheu vor diesem Kulte ;
und
den Kampf gegen ihn noch gefördert.
In
älteren Zeiten, als das Christentum noch nicht in sich nach dem
Judentum
und Heidentum hin abgeschlossen war, mögen Beziehungen zu
den
Christen bestanden haben. Daß später, als im Christentum die Institu-
tionen
sich gefestigt hatten, als es katholisch geworden war, eine Ver-
bindung
zwischen Mandäern und Christen bestand, glaube ich nicht. Nichts
spricht
dafür. Schon die Stellung der Taufe gegenüber machte eine Ver-
bindung
unmöglich. Diejenigen, die eine solche Verbindung annehmen, ja
glauben,
daß die Mandäer zu einer gewissen Zeit Christen sein wollten
und
sich Christen nannten, stützen sich lediglich auf den Namen Nasöräer,
aber
ich habe gezeigt, daß dieser Name über das Christentum hinausgeht und
von
Haus aus mit dem Christentum nichts zu tun hat. Allerdings wurden
2)
Vgl. LEISEGANG, Pneuma Hagion, p. 88f. und die dort zitierten Arbeiten.
?)
Siehe die Reihe p. 28,26f.; 46, 311.
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40
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Einleitung.
von
christlicher Seite Versuche gemacht, sie zum Übertritt zum Christentum
zu
bewegen, und p. 29, 199; 47, 132 wird geraten, in diesem Falle äußerlich
dem
Drucke nachzugeben, doch im Innern dem eigenen Glauben treuzu-
bleiben.
Dieser Zwang ging wohl weniger von den Christen der Städte und des
Kulturlandes
aus, gegen die die Mandäer mit Erfolg den Schutz der Perser
hätten
anrufen können, als von benachbarten christlichen Araberstämmen.
Zu
allen Zeiten standen die Mandäer im Westen besonders unter der Gewalt
der
Araberstämme der Nachbarschaft. Vielleicht geht auch die Einführung
der
Sonntagsfeier auf einen Druck von christlicher Seite zurück. Die älteren
Schriften
kennen sie nicht. Ja, die Worte p. 50,25, wo hervorgehoben
wird,
daß die Christen am Sonntag ihre Hände stillhalten, zeigen, daß die
Mandäer
in der Sonntagsfeier etwas Fremdes sahen. Erst in jüngeren
Texten
wird sie gefordert. Doch scheinen auch andere Momente für die
Einführung
der Feier maßgebend gewesen zu sein, sonst verstünde man
nicht,
warum ihre Einhaltung mit solcher Intensität gefordert wird.
Schon
in der ersten Zeit der Bewegung, auf die der Mandaismus
zurückgeht,
wird es an Versuchen schriftstellerischer Tätigkeit nicht gefehlt
haben.
In Traktaten setzte man Wesen und Werden der Welt nach der
neuen
Lehre auseinander, belehrte den Gläubigen über seine Pflichten,
schrieb
für den Kultus Gebete und Hymnen. Aber von diesem Schrifttum,
überhaupt
vom Schrifttum aus vorchristlicher Zeit, ist kaum etwas Zu-
sammenhängendes
erhalten; höchstens kleinere Stücke oder einzelne Sätze,
die
in spätere Kompositionen eingefügt sind. Reımzenstein suchte in seiner
Schrift
Das mandäische Buch des Herrn der Größe zu zeigen, daß in dem
Stücke
p. 29f., 200-202 und in der Parallelstelle in B eine Apokalypse
aus
der letzten Zeit vor der Zerstörung Jerusalems erhalten sei. Der Kern
mit
der Schilderung des Erscheinens Enos-Uthra’s ist wohl wirklich alt,
aber
das Stück war schon in der Vorlage von A und B überarbeitet. Ein
Mann,
der der Zeit Jesu nahestand, konnte nicht Pilatus als König der
Welt
bezeichnen. Auch liegt kein Anlaß zur Annahme vor, daß in der
Quelle
von Mt. 11,5; Lk. 7,22 („Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen“
usw.)
die mandäische Schrift benutzt sei. Es ist ein altes und weitver-
breitetes
Motiv und kann auf verschiedenen Wegen zum Mandäer und zum
Verfasser
der Quelle Q gelangt sein ').
Die
erhaltenen Schriften sind wohl alle in Babylonien entstanden, die
Hauptmasse
in vorislamischer Zeit, doch dauerte die schriftstellerische Tätig-
keit
bis tief in den Islam hinein fort. Die Mandäer übernahmen aber auch
Schriften
aus verwandten Kreisen und paßten sie ihrer Lehre an (siehe
p-
4. 197. 206. 250). Mangels historischer Hinweise fehlt uns bis auf geringe
Ausnahmen
jede Möglichkeit einer zeitlichen Fixierung. Einen gewissen
Anhalt
bieten die Texte auf Bleitafeln, die etwa dem 4. Jahrhundert n. Chr.
angehören
und von denen ich die allein gut erhaltene im Florilegium Melchior
!)
Siehe auch GRESSMANN. Zeitschrift für Kirchengeschichte XL (Neue Folge III),
p.
188f.; XLI (IV), p. 167 ff.
Einleitung.
XI
de
Vogüe, p. 352ff. mitgeteilt habe. Der Inhalt berührt sich aufs engste
mit
den literarischen Texten und setzt eine Schriftstellerei, wie sie in diesen
vorliegt,
voraus. Größere zusammenhängende Werke sind wohl überhaupt
nicht
zustande gekommen. Als der Islam kam und zwischen den Religionen
mit
einem heiligen, geoffenbarten Buche und den Religionen ohne Offen-
barung
schied, vereinigten die Mandäer die wichtigsten bei ihnen erhaltenen
Schriften,
von denen vielleicht kleinere Stücke schon damals zu Büchern
vereinigt
waren, zu einer Sammlung und legten sie als ihr heiliges Buch
vor.
So scheint mir das vorliegende Ginzä entstanden zu sein‘). Im Grunde
waren
sie ja von Mohammed zu den „Leuten der Schrift“ gezählt, denn
mit
den Säabiern des Korans sind zweifellos die babylonischen Täufer ge-
meint.
Aber man war sich im Islam darüber nicht einig, und bekanntlich
wurde
diese Bezeichnung später von anderen mit Erfolg für sich in An-
spruch
genommen (siehe Joh., p. VD).
Die
Teile des „Schatzes“ lagen vielleicht von vornherein so bunt
durcheinander
ohne den Versuch einer sachlichen Anordnung wie jetzt.
‚Abgeschlossen
war die Sammlung nicht. Man arbeitete die Stücke um,
fügte
auch neue ein. Vielleicht wurde durch diese Einfügungen eine ur-
sprünglich
bessere Disposition gesprengt. Auch ist es nicht sicher, daß
von
vornherein das Ganze in zwei Teile geteilt war. Jetzt ist es so, daß
der
eine größere Teil, etwa drei Viertel vom Ganzen, mehr vom Leben, der
andere
kleinere Teil mehr vom Tode handelt (siehe p. 423). Die beiden
Teile
sind so zusammengelegt, daß ihre letzten Seiten aufeinander liegen,
so
daß ein Teil im Verhältnis zum anderen auf dem Kopfe steht. Die
langen
Kolophone und die Aufzählung der Abschreiber würden uns über
die
Geschichte des Werkes mehr bieten, wenn nicht die Unsitte bestünde,
nur
die ersten und letzten Seiten abzuschreiben, um eine Gelegenheit zu
bieten,
in den Einführungen und den Schlußbemerkungen Segnungen für
den
Abschreiber bezw. den Auftraggeber auszusprechen.
Seit
dem 17. Jahrhundert kamen mandäische Handschriften nach Europa,
vorwiegend
durch Vermittlung von Missionaren, die in Babylonien tätig
waren®).
Vom Ginzä kamen vier Handschriften nach Paris), drei ganze
und
Fragmente nach London‘), eine nach Oxford®), außerdem Fragmente
nach
Leiden und München. Die älteste Handschrift des Ginzä ist die Pariser
Handschrift
1 bei Zorenper«g aus dem Jahre 968 d. H. (Anf. 22. Sept. 1560).
%)
973%) kann man Genzä und Ginzä umschreiben, ich schreibe Ginzä nach ghizo bei
Siouffi,
p. 166. Auch PETERMANN schreibt Ginsa (Reisen II. p. 447ff.), der das Wort wohl
öfter
von den Mandäern gehört hat.
2)
Siehe BRANDT, Die Mandäer (1915), p. 5öf.
3%)
Manuscrits orientaux. Catalogues des manuscrits syriaques et sabeens (man-
daites)
de la Bibliotheque Nationale (par H. ZOTENBERG), Paris 1874, p. 217.
#)
W. WRIGHT, Catalogue of the Syriac Manuscripts in the British Museum 11,
London
1872, p. 1210ff.
5)
R. PAYNE SMITH, Catalogi codicum manuser. bibliothecae Bodleianae Pars VI,
Oxford
1864, col. 646, n. 203.
-
oO
i
5
Io
D
wi
35
XIV
Einleitung.
Wie
die Handschriften des Johannesbuches und des Qolasta zeigen auch
die
des Ginza einen feststehenden Text, die Varianten sind von geringerer
Bedeutung
und betreffen meistenteils die äußere Schreibung. Der Text
muß
schon seit Jahrhunderten festgestanden haben.
Die
mandäischen Handschriften erregten die Aufmerksamkeit der Orien-
talisten,
und man versuchte Stücke aus ihnen zu übersetzen‘). Zu Beginn
des
19. Jahrhunderts ging der schwedische Örientalist Matthias NoRBERG
daran,
das ganze Werk nach der Pariser Handschrift 2 herauszugeben und
zu
übersetzen). Er hielt die Sprache für ein verdorbenes Syrisch, änderte
den
Text ins Syrische ab und teilte ihn in dieser Gestalt mit. Hätte er
einfach
den Text so wiedergegeben, wie die Handschrift ihn hat, wenn
auch
mit anderer Schrift, so hätte die Ausgabe ihren Wert, so ist sie völlig
unbrauchbar.
Die lateinische Übersetzung war für die damalige Zeit eine
anerkennenswerte
Leistung, sie wurde auch in den folgenden Jahrzehnten
vielfach
verwertet, für uns ist sie ohne Bedeutung, und ich habe sie un-
berücksichtigt
gelassen. Im Jahre 1867 erschien von H. PrrErMmAnN eine
Edition
des Werkes auf Grund der Pariser Handschriften’). Im Hauptbande
gab
er in Autographie die Handschrift 1 wieder, in einem Nebenbande die
Varianten
aus den anderen Handschriften. Das Verständnis des Mandäischen
lag
damals noch im Argen, PErErmann verstand wenig vom Inhalte der
Texte
und konnte ähnliche Zeichen nicht auseinanderhalten. Nach dieser
Ausgabe,
Eurıne’s Edition des Qolastä und dem sonstigen handschriftlichen
Material
bot NöLpekE eine meisterhafte Bearbeitung des Mandäischen in
seiner
Mandäischen Grammatik (1875), durch die erst das Verständnis der
Sprache
erschlossen wurde. Nach gründlicher Durcharbeitung des Ginzä
und
des Qolastä gab Wilh. Branopr im Jahre 1889 eine Darstellung der
mandäischen
Religion, die trotz des Schematismus und der künstlichen
Gliederung
gut orientiert, und er ging dann an eine Übersetzung des Ginza.
Er
hatte anscheinend die Absicht, die ganze Sammlung zu übersetzen, ließ sich
aber
durch das schwierige dritte Buch abschrecken, brach am Anfange dieses
Buches
ab und übersetzte nur noch den Traktat von Hibil-Ziwä’s Höllen-
fahrt
und zwei kleinere Stücke (V,4 und XII,7). Seine Übersetzung zeigt
dieselben
Vorzüge wie das andere Werk. Sie ist gewissenhaft, trotz mancher
Mißverständnisse
zuverlässig und wurde auch in der Folgezeit viel benutzt.
Als
im Jahre 1913 die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften be-
schloß,
die wichtigsten Quellen der Religionsgeschichte in Übersetzungen her-
auszugeben,
sollten die mandäischen Schriften von mir für die Sammlung
bearbeitet
werden. Vom Johannesbuch war der Text bereits erschienen, und
!)
Siehe Brandt, Schr., p. XIV ff.
?)
Codex Nasaraeus, Liber Adami appellatus, syriace transseriptus ... . latineque
redditus.
3 Bände, Lund 1815—1816. Dazu ein Zexidion 1816.
?)
Thesaurus s. Liber magnus vulgo „Liber Adami“ appellatus opus Mandaeo-
rum
summi ponderis. Tomus I textum continens. Tomus II lectiones Codd. additamenta
et
corrigenda continens. Leipzig 1867.
Einleitung.
Vi
die
Übersetzung mußte ihm angefügt werden, daher wurde das Johannes-
buch
abgetrennt. Es schien mir ratsam, dem (olastä die Oxforder litur-
gische
Sammlung beizufügen. Da von dieser Sammlung der Text noch
nicht
veröffentlicht war, wollte ich den Text der Übersetzung beifügen,
aber
auch einen kritisch hergestellten Text des Qolasta geben. Der Band
paßte
in dieser Gestalt nicht in den Rahmen der „Quellen“, daher wurde
er
in die Abhandlungen der Gesellschaft aufgenommen. Die Übersetzung
des
Ginza stellte ich in den Jahren 1916 und 1917 her. Ich ließ sie zu-
nächst
liegen in der Erwartung, daß es mir nach Beendigung des Krieges
möglich
sein würde, die in London und Oxford liegenden Handschriften
heranzuziehen
und ihre Varianten für die Übersetzung zu verwerten. Schon
1906
hatte ich von diesen Handschriften mehrere Blätter als Proben photo-
graphieren
lassen, bemühte mich, mir die Mittel zu verschaffen, die ganzen
Handschriften
photographieren zu lassen, doch ohne Erfolg. Auch in den
ersten
Jahren nach dem Kriege war eine Reise nach England nicht möglich,
nachher
kam die wirtschaftliche Not, die weder eine Reise noch die Her-
stellung
von Photographien möglich machte. Um nun nicht die Übersetzung
auf
unbestimmte Zeit bei Seite zu legen, wodurch ihr Erscheinen überhaupt
in
Frage gestellt würde, entschloß ich mich, sie nach den Pariser Hand-
schriften
zu geben. Aus den Photographien der Oxforder und Londoner
Handschriften
und wiederholter Autopsie wußte ich, daß ihre Varianten
nicht
von großer Bedeutung sind und daß die Übersetzung durch sie nicht
wesentlich
beeinflußt würde. Doch konnte ich die Leidener Handschrift
benutzen,
die etwa zwei Drittel der ganzen Sammlung enthält. Wurde
auch
durch ihre Lesarten die Übersetzung nieht wesentlich modifiziert, so
war
es mir doch sehr lieb, sie verwerten zu können, und ich fühle mich
der
Verwaltung der Leidener Universitäts-Bibliothek zu lebhaftem Danke
verpflichtet,
daß sie, obwohl der Druck des Bandes sich sehr lange hinzog,
die
Handschrift bis zur Beendigung des Druckes in Göttingen hat liegen
lassen.
Aus Nörvere’s Grammatik, p. XXIII wußte ich, daß er Lesarten
zum
Ginzä aus anderen Handschriften als den Pariser hatte. Als ich ihn
nach
der Lesart zu einer Stelle fragte, hatte er die große Freundlichkeit,
mir
sein Exemplar des rechten Ginzä zu senden, aus dem ich mir die dort
verzeichneten
Varianten vermerkte.
Ich
hätte auch diese Übersetzung nicht herstellen können, wenn ich
nicht
das gesamte mandäische Sprachmaterial, das gedruckte, wie das hand-
schriftliche,
soweit es nach Europa gelangt ist, lexikalisch verarbeitet hätte.
Protzdem
waren die Schwierigkeiten groß. Im Kommentar zum Johannes-
buch
suchte ich die Bedeutung der religiösen Terminologie zu ermitteln,
aber
es ist noch vieles dunkel oder unsicher. So mußte manche Stelle
unübersetzt
bleiben, manche als unsicher bezeichnet werden. Die Kontrolle,
die
man sonst bei einer Übersetzung hat, daß sie einen befriedigenden Sinn
gebe,
ist beim Mandäischen nicht immer anwendbar. Die Mandäer waren
schwache
Denker, und vieles war von vornherein schief und sinnwidrig.
in
bu
oO
-
5
[0]
ww
Io
25
30
35
40
xXVI
Einleitung.
Störend
ist, daß eine Anzahl von Wörtern verschiedene Bedeutungen haben.
Kann
man sich auch in den meisten Fällen nach dem Zusammenhange für
den
einen oder anderen Sinn entscheiden, so bleibt er doch an vielen Stellen
unsicher.
Besonders störend ist, daß x'27 und sa) sowohl „das große,
gewaltige
(Leben)“ als „die großen, gewaltigen (Wesen)* bedeuten kann.
xıpon
kann „Welten“ und „Welt“, sowie „Wesen“ bedeuten, xp „rufen“
und
„hervorrufen, schaffen“, pn „fest sein“ und „hell sein“, 92 „klar sein“
und
„bauen“, x2y8) „Schöpfer“ und „Helfer“, ©W(2)877 „Hymnen, Schriften“
und
„Fahnen“, x'nDNt „siegreich“ und „sündenrein“, ebenso das Gegenteil
KINN
„unterlegen“ und „schuldig“. Tritt an ein Wort ein Suffix heran,
so
ist es oft unsicher, ob es Singular oder Plural ist. Im Allgemeinen ver-
mißt
man schmerzlich die Hilfe der traditionellen Erklärung, die uns bei
den
meisten religiösen Literaturen zur Verfügung steht. Ist sie auch für
uns
nicht maßgebend und muß einer scharfen Kritik unterzogen werden,
so
hat sie doch viel Richtiges erhalten. Bei vielen Wörtern, deren Sinn
und
Herleitung ich nicht kannte, erwog ich, ob sie nicht akkadischen Ur-
sprunges
seien. Herr Zimmern wurde nicht müde, auf meine vielen Fragen
einzugehen,
und für manches Wort ergab sich eine befriedigende Erklärung,
doch
bleibt freilich noch vieles dunkel. Über einige persische Wörter gab
mir
Herr Anpreas Aufschluß. Auch ihnen sei herzlichst gedankt.
Der
Umfang des Werkes gebot, mich in den Erklärungen möglichst
kurz
zu fassen. Wenn ich ein Wort oder eine Wendung in den früheren
Bänden
behandelt habe, verwies ich auf sie. Varianten teilte ich in den
Anmerkungen
nur mit, wenn sie aus unveröffentlichtem Material stammen.
Wo
ich in der Übersetzung nicht der Handschrift A, sondern den anderen
folgte,
vermerkte ich es nicht besonders. Man wird daher bei einer Nach-
prüfung
der Übersetzung immer auch die Lesarten in Prrkrmann’s Varianten-
bande
berücksichtigen müssen ').
Der
Druck begann im Sommer 1923, mußte aber bald wegen der
wirtschaftlichen
Schwierigkeiten eingestellt werden. Er wurde im Frühjahr
1924
wieder aufgenommen, mußte aber dann wieder längere Zeit ruhen.
So
zog er sich über zwei Jahre hin. Infolge dieser langen Dauer und
Wechsels
in der Besorgung des Satzes und der Korrektur sind Ungleich-
heiten
in den Druck eingedrungen, die wohl nicht allzusehr stören werden.
Mit
der Ausgabe dieses Bandes liegen alle mandäischen Schriften in
Übersetzung
vor, die weiteren Kreisen bekannt zu werden verdienen. Hoffent-
lich
wird dadurch die Mitarbeit an ihnen angeregt; es ist noch viel für sie
zu
tun. Zunächst sind genaue Untersuchungen darüber wünschenswert,
inwieweit
bestimmte Wörter und Wendungen sich nur in einzelnen Schriften
finden.
Man wird dann vielleicht gewisse Traktate zu Gruppen vereinigen
können,
vielleicht auch Anhaltspunkte für eine chronologische Anordnung
!)
In den Verweisungen bedeutet R den rechten, L den linken Teil des Textes. Der
Text
hat keine Zählung der Traktate, daher zitiere man Text und Übersetzung nur nach
Seite
und Zeile, wenn nicht ganze Stücke gemeint sind.
Einleitung.
XVu
einer
Anzahl von Schriften gewinnen. In den letzten Jahren drang die
Erkenntnis
durch, daß die mandäische Literatur Berührungen mit dem
ältesten
christlichen Schrifttum aufweise und viel zu dessen Erklärung biete.
Siehe
außer den Schriften Rerrzenstein’s Walter Baver’s Kommentar zum
Johannesevangelium
(Handbuch zum Neuen Testament VI’, 1925) und Burr- ;
MANN,
Die Bedeutung der neuerschlossenen mandäischen und manichäischen
Quellen
für das Verständnis des Johannesevangeliums, ZNTW XXIV (1925),
p-
100—146. Ich hoffe, daß hier ein Nehmen und Geben sein wird. Der
Örientalist
wird sich vorwiegend mit dem Sprachlichen befassen müssen;
Kenner
der spätheidnischen und frühchristlichen Literatur werden viel zur ıo
sachlichen
Erklärung beitragen können.
ne
Fo:
A
Erklärung
der Zeichen.
[
] ergänzte Lücke.
(
) Zusatz in der Übersetzung zur Erklärung.
(
) zu beseitigender Einschub.
a
= unübersetzt gelassene Stelle.
xxx
3% angenommene Lücke.
Benutzte
Druckwerke,
die
in Abkürzungen zitiert sind.
Joh.:
Das Johannesbuch der Mandäer von Mark LIDZBARSKI. Gießen 1915. — Joh. mit
einfachen
Zahlen dahinter (z. B. Joh. 45,12) verweist auf den Text.
Lit.:
Mandäische Liturgien mitgeteilt, übersetzt und erklärt von Maik LIDZBARSKI.
(Ab-
handlungen
der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-bist.
Klasse,
Neue Folge, Bd. XVII, 1.) Berlin 1920.
Kand.
Diwan: Mandäischer Diwan nach photographischer Aufnahme von Dr. B. POERTNER
mitgeteilt
von Julius EUTING. Straßburg 1904.
Brandt,
Rel.: Die mandäische Religion, ihre Entwickelung und geschichtliche Bedeutung
erforscht,
dargestellt und beleuchtet von Dr. A. J. H. Wilhelm BRANDT. Leidzig 1889.
Brandt,
Schr.: Mandäische Schriften übersetzt und erläutert von Dr. W. BRANDT.
Göttingen
1893.
Nöld.:
Mandäische Grammatik von Theodor NÖLDEKE. Halle 1875.
Siouffi:
Etudes sur la religion des Soubbas ou Sabeens, leurs dogmes, leurs moeurs par
M.
N. SıourrI. Paris 1880.
Uthra:
Uthra und Malakha. Von Mark LIDZBARSKI. Örientalische Studien Theodor
Nöldeke
zum siebzigsten Geburtstag gewidmet, Gießen 1906, p. 537 — 545.
Benutzte
Handschriften.
Asfar
Malwäse, ein astrologisches Werk, vgl. Nöld., p. XXIVf., in zwei Handschriften
vor-
handen:
Cod. Petermann I, 155 der Staatsbibliothek zu Berlin und Code Sabeen 26 der
Nationalbibliothek
zu Paris. Die Pariser Handschrift hat einen längeren Anhang
jüngeren
Datums, der in der Berliner fehlt. Hier wird die Berliner Handschrift zitiert.
Code
Sabsen 15, f. 1—49a = Code Sabeen 25 der Pariser Nationalbibliothek, ein
Hochzeits-
ritual,
siehe ZOTENBERG, Catalogue, p. 229, s.n. 15 und Lit., p. VIL
Lond.
Rolle A. Eine Rolle von 806 Zeilen im Besitze des British Museum. Enthält ein
Ritual
für „die Auflegung der Krone des groben Si$lam‘‘, Geschrieben im Jahre 1289
d.
H. (Anf. 11. März 1872). |
Lond.
Rolle B. Eine ebenda befindliche Rolle von 634 Zeilen apotropäischen Inhaltes.
Ge-
schrieben
im Jahre 1269 d. H. (Anf. 15. Okt. 1852).
Oxf.
Rolle F. Eine Rolle von 1404 Zeilen im Besitze der Bodleiana. Enthält in Z.
1—-1222
ein
Ritual für das Fest der fünf Epagomenen (Parwänäje oder Pansä, vgl. Siouffi,
p.
102,4). Der Rest enthält ein Hochzeitsritual. Die Handschrift ist am Anfang und
in
der Mitte ergänzt. Dieser Teil ist im Jahre 1203 d.H. (Anf. 2. Okt. 1788) ge-
schrieben.
Oxf.
Rolle G. Eine ebenda befindliche Rolle von 1124 Zeilen mit zwei Texten
apotropäischen
Inhaltes.
Geschrieben 1231—1232 d. H. (Anf. 3. Dez. 1815).
Pariser
Diwan. Die Pariser Rolle Code Sabeen 16. Vgl. ZOTENBERG, Catalogue, p. 230,
s.n.
16 und Nöld., p. XXIV.
Rechter
Teil.
Erstes
Buch.
An
der Spitze des Ginzä steht ein Traktat in zwei Fassungen; die eine (A) steht
als
erstes
Buch, die andere (B) als erstes Stück des zweiten Buches. Sie sind
Bearbeitungen
einer
älteren Schrift und in dieser Hinsicht von REITZENSTEIN eingehend untersucht
(Das
mandäische
Buch des Herrn der Größe und die Evangelienüberlieferung. Sitzungs-
berichte
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Kl. 1919, 12.
Heidelberg
1919).
Die Traktate beginnen mit einem Lobpreis des höchsten Wesens und einer
Beschreibung
der
Lichtwelt, die in A besonders ausführlich sind. Daran schließt sich ein
Schöpfungsbericht
über
die Bildung der Welt und der ersten Menschen. Der Befehl zur Schöpfung ergeht
an
Hibil-Ziwä,
der in A mit Gabriel, in B mit Ptahil identifiziert wird. Nach der Schöpfung
werden
durch ihn, den „lauteren Gesandten“, an Adam Ermahnungen und Warnungen ge-
richtet,
die einen vollständigen Moralkodex für den Mandäer über seine ethischen und
kulti-
schen
Pflichten bieten. An die Ermahnungen schließt sich eine Offenbarung über den
Verlauf
der
Geschichte mit den vier ersten Zeitaltern beim Beginne der Welt bis zu ihrer
Zerstörung.
Hieran
knüpft sich eine Warnung vor den falschen Religionen. In B wird mit besonderer
Ausführlichkeit
vor Christus und den christlichen Sekten gewarnt.
Das
sechste Stück des zwölften Buches (R 278—282) enthält eine Schilderung des
Königs
der Finsternis und seiner Welt. Der Verfasser sagt (278,3): „Zuerst belehrte
ich
euch
über den Lichtkönig, der in alle Ewigkeit gepriesen ist. Ich sprach zu euch
über die
gepriesenen
Lichtwelten, die unvergänglich sind, über die Uthras, Jordane und Skinäs, die
wundersam
und leuchtend sind.“ Ein Stück dieses Inhaltes ist unter den erhaltenen man-
däischen
Schriften nicht vorhanden, dagegen paßt die Äußerung zu der ausführlichen
Schil-
derung
des Lichtkönigs und der Lichtwelt in A'). Daher nehme ich an, daß der erwähnte
Traktat
hier in A eingefügt ist. Die Naht liegt in Abs. 6, der Einschub reicht bis Abs.
39,
dann
von Abs. 44 bis 76°). Von demselben Verfasser rührt aber auch das siebente
Stück des
zwölften
Buches her, das eine Ergänzung zu den beiden Traktaten bildet. Die gemeinsame
Herkunft
zeigt sich in übereinstimmenden sachlichen und stilistischen
Eigentümlichkeiten.
Nur
in ihnen finden sich Zitate, die mit NONT NNIIN eingeführt sind (Text 11,11;
278,17;
284,18;
INORT N DNIDNT 284,6). Vgl. IR? RMINYMNDM RI’NOTNP) 8,11 und RIOÖND
1)
Zu Text 278,4 vgl. 2,22; 10,8.
2)
Vor 44 ist ein Stück weggelassen, wenn nicht hier schon im selbständigen
Traktat
die
Grundschrift von A und B verwertet war, doch konnte sich auch 44 an 35
anschließen.
Lidzbarski,
Ginza. 12
un
Io
15
20
2
An
30
ın
3
40
4
Rechter Teil.
RPINIARD
RMINDIN? WIRD) NINYT NIT 278,15; NINND NIINIMND) NMNITINPN
278,14;
280,6, — NM)T NDNT NDORD m 3,22; NDWTT NDOND 87 280,1;
NIWTT
NPIN YTNT 278,10, — 2 ID’N im Sinne „in der Art sein von“ (nicht „existieren
in‘)
4,3; 10,6, 22; 278,10,13, — NYDND im Sinne „Arten“ 4,3,10; 9,17; 278,12; 280,7.
In
diesen beiden Stücken, ebenso in den anderen des zweiten Buches, im vierten
Buche
und
im sechsten und siebenten Stücke des zwölften Buches erscheint als höchstes
Wesen nicht
das
große Leben oder das große, erste Leben, sondern der hohe Lichtkönig, der auch
der Herr
der
Größe (oder der Majestät) und der Große und Erhabene (R'NDy) NDN) genannt wird.
Diese
von einer monotheistischen Tendenz ausgehende Lehre vom Lichtkönig ist wohl von
außen
her zu den Mandäern gelangt, vielleicht mit der Grundschrift der beiden
Traktate.
Sie
hat sich in einem gewissen Sinne erhalten, denn auch bei SIOUFFI steht an der
Spitze
der
himmlischen Wesen der Moro Eddarboutho. Die Grundschrift wies auch andere Züge
auf,
die von der sonstigen mandäischen Lehre abweichen. In A 91, B 26 werden drei
Gebete
für
den Tag und zwei für die Nacht gefordert. Sonst kennen ‚die Mandäer im Ganzen
nur
drei
Gebete, siehe R 222 ob., Lit., p. 171ff,, Brandt, Rel., p.92. Ja es wird
ausdrücklich
verboten,
bei Nacht und Finsternis zu beten: R 300 ob. Die Forderung der fünf Gebete ist
wohl
durch den Brauch der fünf persischen Gähs beeinflußt, siehe DARMSTETER, Le
Zend-
Avesta
III, p. 709ff., auf die ja wahrscheinlich auch die fünf Gebete des Islams
zurückgehen,
siehe
GOLDZIHER, ZDMG LIII (1899), p. 385.
Die
N'INDND sind sonst bei den Mandäern zu Genien der Zauberei herabgesunken
(siehe
Uthra, p. 541f.) und werden auch bei SIOUFFI schlechthin als espröts malins
bezeichnet
(p.
42). Hier finden sie sich auch als gute Wesen. Freilich ist dafür öfter,
namentlich in A,
NIIOND
eingesetzt. Hingegen scheint der Gebrauch von NIINDN, das sich jetzt in beiden
Versionen
als Bezeichnung für das höchste Wesen findet (Text 1,22; 2,20; 3, 3; 15,6;
17,16:
22,5,
34,13)'), der Urschrift fremd gewesen zu sein. Das Wort findet sich nicht an
der-
selben
Stelle in beiden Versionen, und die Worte „den Namen NTINDN legen sie ihnen in
den
Mund“,
A 173, B 110, kann ich nur so verstehen, daß der Verfasser den falschen
Propheten
den
Vorwurf macht, daß sie das Wort NINDN von ihren Anhängern gebrauchen lassen.
Über
den
Gebrauch von NINDN jetzt bei den Mandäern siehe Uthra, p. 540t.
In
beiden Versionen wird als letztes Zeitalter das des Arabers Mohammed genannt
(A
203, B 164). Die Stücke haben also ihre letzte Fassung in islamischer Zeit erhalten.
Aber
diese Sätze sind lose und spät eingefügt; sonst weist in den Traktaten nichts
auf die
arabische
Zeit hin. Selbst die sonst gewöhnliche Verbindung des Nerig (Mars) mit den
Arabern
fehlt hier, siehe A 197, B 130, 160. Hingegen weist selbst das am Ende von B
eingeschobene
Stück über die falschen Religionen noch auf heidnische Kulte hin (Abs. 159,
160).
Die Grundschrift wird einige Jahrhunderte vor dem Islam entstanden sein. Über
den
Versuch
REITZENSTEIN’s, in A 200ff. und dem parallelen Stück eine Apokalypse aus der
Zeit
kurz
vor der Zerstörung Jerusalems nachzuweisen, siehe die Einleitung."
Damit
die beiden Versionen leichter mit einander verglichen werden können, habe ich
die
einzelnen Absätze numeriert und am Ende der Absätze die Nummer des
entsprechenden
Stückes
angegeben.
ı)
Eine Zusammenstellung des Gebrauches des Wortes NNDN überhaupt im Ginzä
siehe
bei Brandt, Rel., p. 211f.
1,1—2,7
Erstes Buch. 5
Gepriesen
sei mein Herr reinen Herzens.
1.
Im Namen des großen, ersten‘), fremden’) Lebens aus den Licht-
welten°),
des erhabenen, das über allen Werken steht, werde Heilung, Sieg-
haftigkeit‘)
und ein Sündenerlasser zuteil mir NN°), meinem Vater NN,
meiner
Mutter NN, meiner Gattin NN und meinen Kindern ...... Mandäa
dHaije‘)
richte ihren Namen in seinem Schatzhause auf, nehme sie in die
hehre
Gemeinschaft auf’) und sei ihnen eine Stütze. Denn zum Namen
des
Lebens hatte ich Vertrauen, und man schrieb diese Bücher, damit für
mich
(Var.: für sie) ein Andenken in der Tibil®) bestehe und mein (Var.:
ihr)
Name im Hause der Vollendung°) aufgerichtet werde. (1)
2.
Alsdann werde ein Sündenerlasser zuteil allen Priestern und Man-
däern,
die in diesen Schriften '®) Belehrung suchen, auf die Stimme des
Lebens
horchen und das erste Leben preisen.
3.
Gepriesen seiest du, mein Herr, reinen Herzens, du Herr aller
Welten.
(2)
4.
Gepriesen seiest du! Gesegnet, gepriesen, verherrlicht, geehrt und
gefestigt'')
sei der große, hohe, gepriesene Gott, der hohe Lichtkönig, der
Gott
der Wahrheit, dessen Macht ausgedehnt und endlos ist. Der reine
Glanz
und das große Licht, das nicht vergeht. Der Mitleidsvolle, Erbittliche,
Gefällige,
[2] Barmherzige, der Erlöser aller Gläubigen, der Festiger aller
Guten.
Der Mächtige, Weise, der Wisser, Seher, Unterscheider, der Macht-
haber
über jegliches Ding. Der Herr aller Lichtwelten, der oberen, der
mittleren
und der unteren. Das große Antlitz der Herrlichkeit, unsichtbar,
unbegrenzbar,
ohne Genossen an der Krone, ohne Teilhaber an der Herr-
schaft.
Wer auf ihn vertraut, kommt nicht in Schande, wer seinen Namen
aufrichtig'’)
preist, kommt nicht zu Falle, wer im Vertrauen auf ihn dasteht,
wird
nicht erniedrigt. (3)
1)
Dies nach Leid.
2)
Stehende Bezeichnung bei den Mandäern für die jenseitigen, der irdischen Welt
fremden
Wesen, namentlich für das große Leben. Auch beim „Fremden Gott“ Marcions
dürfte
das Wort „fremd“ diese Bedeutung haben.
3)
Der Plural N'OON wird öfter in singularischem Sinne gebraucht, doch ist es
meisten-
teils
unsicher, welche Bedeutung vorliegt. 4, Vel. Joh. II, p. If.
5)
Hier ist derjenige genannt, der das Buch hat abschreiben lassen.
6)
Die personifizierte Tvaoıs Zwis, die wie das „Leben“ im Mittelpunkte der
mandäischen
Religion
steht, vgl. Brandt, Rel., p. 167f. ?) Vgl. Lit., p 13°.
®)
Das alttestamentliche ham als Bezeichnung für die irdische Welt.
®)
Die Stätte, an der die abgeschiedenen Gläubigen der Vollendung zugeführt Ga,
das
Jenseits. ı) Leid.: in dieser Schrift.
u)
Der Ausdruck wird im Mandäischen in demselben Sinne wie „gepriesen‘ gebraucht,
vgl.
Lit., p. XXI.
12)
In Kustä. NDWYD ist Wahrheit, Wahrhaftigkeit, der wahre Glaube, auch Treue und
15
20
25
nn
Io
in
20
25
6
Rechter Teil. a a8
5.
Der große Herr aller Könige; nichts war, da er nicht war, nichts
ist,
so er nicht ist. Für ihn ist kein Tod geschaffen, für ihn gibt es kein
Vergehen.
Sein Licht leuchtet, und sein Glanz strahlt über alle Wesen 5)
und
Könige*), die vor ihm stehen und in ihrem Glanze und dem großen
Lichte,
das über ihnen lagert, leuchten. (5).
6.
Er verlieh ihnen Gebet und Lobpreisung, die sich in ihr Herz legten,
die
in Lichtwolken stehen”). Sie verehren, preisen und bekennen unter-
würfig
den Herrn der Größe, den hohen Lichtkönig, für dessen Glanz, Licht
und
Herrlichkeit es kein Maß, keine Zahl, keine Begrenzung gibt, der ganz
Glanz,
ganz Licht, ganz Helligkeit, ganz Leben, ganz Treue, ganz Liebe,
ganz
Mitleid, ganz Nachsicht, ganz Augen, ganz Gesichte, ganz gepriesene
Antlitze
der Schönheit, der ganz Einsicht‘), Wissen und Offenbarung, ganz
Namen’)
der Herrlichkeit ist. (5)
7.
Der große, hohe Gott, dessen Kraft niemand gemessen‘), niemand
begrenzt
hat; niemand erfaßt seine und aller seiner Welten Kraft.
8.
Er ist der hohe Lichtkönig, mit allen Segnungen gesegnet, von
Anfang
bis in alle Ewigkeit, der Erste”) von allem Urbeginn an, der Schöpfer
aller
Gestalten, der Bildner der schönen Dinge, der [3] in seiner Weisheit
bewahrt,
verborgen, nicht offenbart ist. |
9.
Er ist der hohe Lichtkönig, der Herr aller Lichtwelten, der Hohe
über
alle Uthras®), der Gott über alle «*«++°), der König der Könige, der
große
Herr über alle Könige. Ein Glanz, der sich nicht verändert, ein Licht,
das
nicht untergeht, Schönheit, Glanz und Herrlichkeit, die nicht verächtlich
sind.
Leben, ein Überleben, Glanz, ein Überglanz, Licht, ein Überlicht; an
ihm
ist weder Mangel noch Fehl.
10.
Er ist das Licht, an dem keine Finsternis, der Lebendige, an dem
Aufrichtigkeit
im Verhalten der Gläubigen dem höchsten Wesen gegenüber wie untereinander.
„Kustä
reichen“ heißt den Handschlag der Brudertreue geben. Vgl. zu dem Worte Joh.,
p.
XV.
ı)
xHÖN hat im Mandäischen öfter diese Bedeutung, vgl. Brandt, Schr., p. 3°.
2)
SIODND ist hier eine Bezeichnung für die himmlischen Wesen, vgl. Uthra, p.
HA4f.
und
oben, p. 4.
8)
Auch hier ist von den höheren Wesen die Rede, die in der oberen Welt den Licht-
könig
umgeben. Siehe die Parallelstelle.
#)
Entgegen Joh. II, p. 36? fasse ich N7W""D hier und R 213,27 so auf.
Es steht hier
zusammen
mit NMIN) und NMVON) und dort zwischen NN’I07 und NNPYIT-
5)
Leid. hat 7OIW statt NIOWY.
6)
Wohl way Aonnf oder AoYan WWy7T zu lesen. ?) Lies SINDTIND.
8)
Bezeichnung für engelartige Wesen; das gemeinsemitische guy) ist zuriick
siehe
p. 4. Die in Uthra, p. 539 versuchte Ableitung des Wortes von NM „ Überfülle“
habe
ich
inzwischen aufgegeben. Es ist wohl der Schreibung entsprechend xYN\y „Reichtum“
als
Eigenart
und Ausströmung der Gottheit. Ein Ansatz zu diesem en NImNy findet
sich
anscheinend schon in den Oden Salomos, ı REITZENSTEIN, Das iran. Erlösungs-
mysterium,
p. 9.
®)
Hier hat vielleicht NIINON „Götter“ gestanden, das von einem Ängstlichen
gestrichen
wurde.
Text 5, 24 ist es stehen geblieben.
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3,
3-4, 10 Erstes Buch. 7
kein
Tod, der Gute, an dem keine Schlechtigkeit, der Milde, an dem weder
Aufruhr
noch Zorn, der Sanfte, an dem weder Gift noch Bitterkeit ist.
11.
Er sitzt im hohen Norden), machtvoll, schön und prangend, der
Urbehälter
aller Leuchtenden, der Vater aller Uthras.
12.
Er segnet alle Wesen, er ruht auf allen Vollkommenen, Wahr-
haftigen
und Gläubigen, in deren Mund sein Name aufgerichtet ist.
13.
Der König in der Stadt des Lebens, der in den Wohnsitzen des
Königtums
weilt. Er ist beständig, sein Glanz steigt empor und erleuchtet,
er
ist ohne Ende, Maß und Zahl.
14.
Er freut sich mit einer Freude ohne Betrübnis, und sein ganzes
Reich
freut sich mit ihr. Ein (schönes) Bild, eine Zier®) und Pracht (ist er),
daß
es keine Schönheit gibt, die ihm gliche.
15.
Die Wahrheit ist er, die in den oberen Höhen wohnt, der Herr
der
Größe, der Herr aller großen Dinge. Niemand vermag’) seine Macht
näher
zu bestimmen und zu beschreiben und die aller seiner Welten, sowie
seine
Skinäs‘), in denen er wohnt, und die Uthras und Könige, die in
ihnen
weilen.
16.
Jener hohe Lichtkönig sitzt sicher in seiner Wohnung. Er ist
höher
als alle Wesen, wie die Erde als ihre Bewohner”). Er überragt [4]
alle,
wie der Himmel die Berge. Er leuchtet mehr als alle, wie die Sonne
mehr
als Lampen. Er ist heller als alle, wie der Mond mehr als die Sterne.
17.
Er ist von Eigenschaften‘), an denen kein Fehl ist. Ihm sind
große
Kronen aufgesetzt, daß seine Macht und Größe grenzenlos ist. Nicht
wird
er durch Zahl oder Rechnung begrenzt.
18.
Die Funken seiner Krone sprühen an jeden Ort. Strahlen des
Glanzes,
des Lichtes und der Herrlichkeit gehen von seinem Antlitz und
zwischen
den Blättern seines Kranzes hervor. Alle Uthras und Könige, ja
alle
Welten’) stehen in Gebet und Lobpreisung da und preisen jenen hohen
Lichtkönig.
(7)
19.
Von ihm gehen fünf gewaltige, große Eigenschaften aus’). Die
')
Über den Norden als bevorzugte Gegend äußert sich derselbe Verfasser im
siebenten
Stück
des zwölften Buches. Auch den Babyloniern galt der Norden als Göttersitz, siehe
JEREMIAS,
Das Alte Testament im Lichte des Alten Orients?, p.20f. Als Göttersitz
wurde
der Norden bei den Aramäern und Kanaanäern selbst vergottet ONDW, a3)
2)
Statt NN hat Leid. auch Norb. SII8n.
#)
Leid. und Norb. haben nnd vor TIRDYIT.
4)
NOW wird von den Mandäern vorwiegend im ursprünglichen Sinne „Wohnsitz“
gebraucht,
vereinzelt findet es sich als Bezeichnung für personifizierte höhere Wesen.
5)
Gemeint ist wohl: wie die Erde größer ist als ihre Bewohner. Die Äußerung, daß
die
Erde ihre Bewohner überrage, könnte man allenfalls in einem Lande mit hohen
Bergen
verstehen,
nicht aber in Babylonien.
©)
NDND „Ende, Grenze, Gebiet“ hat sich weiter zum Sinne „Kategorie, Art, Eigen-
schaft“
entwickeit.
2)
Leid. hat nnbıa N37 NIDONT, d.h. ‚aller Lichtwelten“.
*)
Über Entsprechendes im Avesta und bei Mäni siehe BOUSSET, Hauptprobleme der
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