[7
5
20
30
nn
15
20
25
30
35
8
Rechter Teil. 4, 10—5, 17
erste
ist sein’) Licht, das über ihnen aufgeht. Die zweite ist sein Wohl-
duft,
der über ihnen weht. Die dritte ıst die Lieblichkeit seiner Stimnie,
durch
die sie frohlocken. Die vierte ist die Rede seines Mundes, durch die
er
sie schafft und zeugt. Die fünfte ist die Schönheit seiner Gestalt, durch
die
sie groß werden wie Früchte an der Sonne.
20.
Alle Uthras öffneten ihren Mund, sie preisen jenen hohen Licht-
könig
und sprechen zu ihm: Wer soll dich preisen, wer dich verherrlichen,
wer
dich segnen, wer dich ehren, wer dich „festigen“’)? Wenn wir’) dich
mit
deinem Preise preisen sollen, dein Preis ist grenzenlos. Wenn wir dich
mit
deinem Segen segnen sollen, dein Segen ist ausgedehnt und endlos.
Wenn
wir dich nach deiner Erhabenheit hochhalten sollen, deine Erhaben-
heit
ist unermeßlich. Wenn wir dich nach deiner Tiefe preisen sollen, deine
Tiefe
ist unergründlich. Wenn wir von deiner Kraft, deinem Glanze und
deinem
Lichte sprechen sollen, dein Glanz ist zu ausgedehnt, um mit Worten
davon
zu sprechen, [dein] Licht zu reichlich und groß, um mit Reden davon
zu
reden und zu erzählen. "
21.
Der Segen, [5] die Gnade und die Majestät des hohen Lichtkönigs
blühen
empor, kommen heraus und können nicht umgrenzt werden. Nie-
mand
kann sie begreifen, noch verstehen, außer dem Leben, das bei dir
und
den Uthras und Boten, die vor dir stehen. Alle Wesen kennen deinen
Namen
nicht. Die Könige stehen da und sprechen zu einander‘): „Welchen
Namen
trägt das große Licht?“ Sie sagen: „Es gibt keinen Namen wie
seinen
Namen, es gibt keinen, der es beim Namen nenne, keinen, der seine
Benennung
erfaßte.“
22.
Heil den Vollkommenen, die dich reinen Herzens kannten, dein
in
wahrhaftiger Gesinnung gedachten und an dich mit heilem Gewissen
glaubten,
die dich mit einem Munde segneten, der ganz Lobpreisung ist,
dich
mit aufrichtiger Zunge priesen, dich mit gläubigen Lippen bekannten
und
sprachen: Einer ist der Lichtkönig in seinem Reiche, keinen gibt es,
der
größer als er wäre, keinen, der mit ihm Krieg führte. Es gibt keinen,
der
sich mit seiner Gestalt vergleichen könnte, keinen, der seine Augen er-
höbe,
um die Krone auf dem Haupte jenes hohen Lichtkönigs zu schauen,
ohne
daß seine eigene Krone ihm vom Haupte fiele.
23.
Ein hoher Berg ist er, den die Stürme der Luft nicht erschüttern.
24.
Mit neuen Prachtgewändern ist er bekleidet, die nicht von den
Gewändern
dieser Welt sind. Noch kein Weib hat gesprochen: Wir wollen
Gnosis,
p. 231 und REITZENSTEIN, Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften zu
Göttingen
1922, p. 249%t.
")
Wohl A173, MN usw. zu lesen.
2)
NORD) IND) nach Leid., siehe aush weiterhin. Zur Bedeutung von D"nP, siehe
oben,
p.5''. Beachte die Fünfheit der Verherrlichung entsprechend den fünf vorher ge-
nannten
Eigenschaften.
®)
Wahrscheinlicher als 1. pl. denn als 3. sing. m. zu fassen.
*)
Wohl NDR) NIDOND NYDNP) zu lesen.
5,
17—6, 18 Erstes Buch. 9
für
den Herrn der Kronen ein Gewand verfertigen. Nicht sprechen so,
nieht
vermögen auch die Kinder der Völker ihm die Hülle zu schaffen '),
die
um seine Schultern liegt. Das Gewand, das er trägt, wird nicht ab-
genutzt,
und nicht kommt Motte und Fraß‘) in seine Hülle.
25.
Die Sonne geht nicht vor ihm unter, die Leuchten seiner Stadt
erlöschen
nicht. Nicht verwelken die Kronen auf seinem Haupte, und nicht
fallen
die Blätter seines Kranzes ab, die über seinem Gesichte hervorragen’).
Wohlduft
dringt hervor zwischen den Blättern des Kranzes, der über seinem
Gesichteliegt.
Alle Uthras werden von dem Dufte eingehüllt‘) und frohlocken.
26.
Gepriesen, erhaben und gewaltig ist er über alle Götter; am An-
fang
[6] aller Zeitalter war er, der König von Urbeginn an. Nicht wird sein
Name
in unserem Munde, nicht seine Benennung zwischen unseren Lippen
begrenzt.
Der Richter seines Ortes ist er, in dessen Mund keine Lüge ist.
27.
Fest gegründet ist der Thron des Großen, Erhabenen, daß er für
alle
Ewigkeit nicht von der Stelle gerückt wird. Nicht körperliche Zimmerer
haben
den Thron, der unter ihm ist, gefestigt, nicht Baumeister aus Ton die
Häuser
seiner Residenz gebaut. König ist er von Urbeginn an, dessen Reich
für
die Ewigkeit besteht und nicht vergeht.
98.
Nie zitterte ihm seine Hüfte in Furcht, nicht gelangt an ihn die
Bangigkeit
und Angst der Kinder der Finsternis. Noch nie hat er an einem
Tage
des Schreckens gestanden, und ihn erreicht nicht die Stunde des Zornes
und
des Bebens.
29,
Der Lichtkönig ist mit seiner Krone als König für die Ewigkeit
eingesetzt;
für sein Reich gibt es kein Vergehen. Ein König, gepriesen °)
und
geehrt in seiner Stadt, welche gewaltige Diamantmauern umgeben °).
König
der Großen, reich an Uthras, überreich an Boten, größer als die
Könige
jeglichen Ortes. Er ist froh, froh ist seine Stadt, froh seiner sein
ganzes
Reich.
30.
Er hat keinen Vater, der älter wäre als er, keinen Erstgeborenen Pr
der
vor ihm gewesen wäre. Er hat keinen Bruder, der mit ihm seinen Anteil
teilte,
keinen Zwillingsbruder, der am gemeinsamen .....- «xrer). Er
hat
nicht gemischt und nicht geteilt, und keine Spaltung ist in seiner Stadt.
31.
Vor ihm opfern sie kein Schlachtopfer, essen kein;Fleisch .., . ,@ *;
|
!)
Siehe den vorhergehenden Satz, doch vermutet Nöld., p. 239! eine Form von ID),
danach
„ihm wegzunehmen“.
®)
Leid. hat NORD). ®) Vgl. auch 32.
“)
Hier so aufzufassen. Der gewöhnliche Sinn von FDDNNNDNY ist „umarmen“, siehe
auch
R 65, 4.
5,
Nach Nöld., p. 305° ist MW statt mbw zu lesen.
®)
Leid. hat Hasapım ?) Gemeint ist ein erstgeborener Bruder.
8)
Die Bedeutung von MNYYI ist unsicher, vgl. Nöld., p. 39,12; Leid. hat NNYNIIT.
Nachher
fehlt noch ein Wort. Jedenfalls ist gemeint, daß er keinen Bruder hat, der mit
ihm
die
Erbschaft teilte.
9)
xınb „gar sehr“ paßt nicht, aber auch N2D5 nicht, siehe Nöld., p. 207,24 und
Anm.
Hier muß etwas von einem zu kultischem Zwecke genossenen Fleisch gestanden
haben.
a
5
20
30
un
ö
en)
wi
20
25
10
Rechter Teil. 6, 18—7, 21
trinken
keinen Wein der Lust und singen vor ihm keinen Gesang des
Frevels.
32.
Das Gewand, mit dem er bekleidet ist, wird nicht schwarz, die
Kronen
auf seinem Haupte verwelken nicht, und nicht fallen die Blätter
seines
Kranzes ab').
33.
Kein Laut der Totenklage ist an seinem Orte, keine Kinderlosigkeit
der
Menschenkinder. Vor ihm zieht kein Leichnam vorüber, seine Wohnung
wird
nicht durch einen Toten verunreinigt.
34.
Er hat keinen harten Kampf ausgefochten, nicht stand er da am
Tage
des Schreckens.
35.
Der König freut sich der Kinder des Lichtes. Er ruft einen, und
tausend
antworten ihm. Durch sein Wort schafft er Uthras, [7] durch die
Rede
seines Mundes läßt er Vollendete erstehen.
36.
König aller Uthras und Skinas, große Krone auf dem Haupte der
Himmelshöhe,
Sanfter, der du die Mächtigen niederzwingst, Kraft, die du auf
alle
Widerspenstigen (drückst), gesegnet und gepriesen bist du von jeder
Zeit
und Frist bis in die Ewigkeit.
37.
Größer ist deine Eigenmacht als die aller Könige des Ortes der
Finsternis.
Du wohnest an einem Orte, der licht und hell ist, und sckön
und
erhaben ist jenes Land, in dem du wohnest.
38.
Gesegnet bist du im Sitze der Guten, gefestigt am Orte, der ganz
Segen
ist. Du freuest dich seiner, und dein Herz frohlockt ob aller deiner
Mitbewohner.
39.
Du bist seit dem ersten Tage und bestehest in alle Ewigkeit.
40.
Er sprach mit großer Macht und gewaltiger Rede, da entstanden
Könige?)
des Lichtes aus reinem Glanz und großem Licht, das nicht vergeht.
Könige?)
der Lobpreisung kamen empor, entstanden und wurden ins Leben
gerufen,
für die es nicht Ende, Zahl oder Vergehen gibt. Sie sind alle voll
'
Lobpreis und stehen da und preisen jenen hohen Lichtkönig, dessen Glanz
35
40
reicher
ist, als daß man ihn mit einem Munde aus Fleisch und Blut schildern,
und
dessen Licht größer ist, als daß man es mit den Lippen aussprechen
könnte.
Sein Glanz strahlt, und sein Licht leuchtet über alle Welten. Hell
und
leuchtend ist das Firmament, in dem sie wohnen’). (4. 7)
41.
Die Welt, in der er steht, ist ohne Vergehen:
eine
Welt des Glanzes und des Lichtes ohne Finsternis,
eine
Welt der Sanftheit ohne Auflehnung,
eine
Welt der Rechtlichkeit ohne Wirrsal und Trubel,
eine
Welt der Wohlgerüche ohne häßlichen Duft,
eine
Welt des Lebens in Ewigkeit ohne Vergehen und Tod,
eine
Welt des lebenden Wassers, über dessen Geruch die Könige frohlocken,
\)
Siehe auch 47.
2)
An der Parallelstelle steht NIDINROND „Engel“, siehe oben, p. 4.
»)
WW bezieht sich auf die Könige, wie aus R 31,20 zu ersehen ist,
7,21—8,
22 Erstes Buch. 11
eine
Welt der Güte ohne Schlechtigkeit,
eine
Welt der Treue und des Glaubens ohne Lug und Trug.
Eine
reine Welt ist es ohne schlechte Mischung. (8)
42.
Die Engel') des Glanzes preisen jenen hohen Lichtkönig
in
dem Glanze und dem Lichte, das er ihnen verliehen.
Die
Engel des Glanzes [$] preisen ihn
in
den Gewändern des Glanzes, die er ihnen verliehen.
Die
Engel des Glanzes preisen ihn
in
den Hüllen des Lichtes, die er ihnen verliehen.
Die
Engel des Glanzes preisen ihn
in
den Gürteln des Glanzes, die er ihnen verliehen.
Die
Engel des Glanzes preisen ihn
in
den Kränzen des Glanzes, die er ihnen aufgesetzt.
Die
Engel des Glanzes preisen ihn
mit
der Kraft und der Festigkeit, die er ihnen verliehen.
Die
Engel des Glanzes preisen ihn
mit
der Treue, der Gemeinschaftlichkeit und dem Glauben, die
er
ihnen verliehen. (9)
43.
Sie alle sind sanft, weise und angenehm ohne Schlechtigkeit, Lug
und
Trug. (10)
44.
Sie sind mit Gewändern des Glanzes bekleidet und mit Hüllen des
Lichtes
bedeckt. Sie sitzen und wohnen neben einander, ohne daß sie sich
an
einander vergehen oder an einander sündigen. Sie sind herrlich auf
ihren
Firmamenten°) und passen zu einander gleich der Wimper zum Auge.
45.
Ihr Inneres ist einander offenbar; Erstes und Letztes wissen sie.
Tausend
mal tausend Meilen sind sie von einander entfernt, und doch
leuchtet
einer durch des anderen Glanz und duftet einer durch des anderen
Wohlgeruch.
Sie schließen Brudertreue mit einander und offenbaren ein-
ander
ihr Inneres.
46.
Sie sind jeglicher Todesart entrückt, und des Todes Verderben ist
für
sie nicht geschaffen. Für sie gibt es kein Vergehen, sie ergreisen nicht,
ihre
Kraft nimmt nicht ab, und mit Schmerzen und Gebrechen werden sie
nicht
bekleidet.
47.
Ihr Gewand wird nicht schwarz, ihre Hülle nicht dunkel. Ihre
Kränze
verwelken nicht und gehen nicht auseinander, und die Blätter fallen
aus
ihnen nicht ab. |
48.
Sie wachsen in jeglichem Wachstum, leben und stehen fest an
ihrem
Orte. Sie wanken nicht und werden nicht erschüttert. Unter ihnen
gibt
es keinen Greis, der ergreiste, keine Fehlgeburt, die aus dem Mutter-
leibe
berausgekommen wäre.
49.
In ihrer Stadt gibt es kein Gericht, und sie richten einander nicht.
|
ö
2) Bit haben die Pariser Handschriften NIDNOND; doch hat Leid. hier und im Fol-
genden
NIIOND „Könige“.
«
®) Siehe Nöld., p. lräle:
20
o
w
40
Io
15
20
25
30
35
2
Rechter Teil. 8, 2210, 4
50.
Sie hungern und dursten nicht, und Hitze und Kälte, Bosheit und
Zorn
ist nicht bei ihnen. (6)
51.
Sie führen keinen Krieg mit einander und geraten nicht in Ge-
fangenschaft.
52.
Kein wildes Tier betritt ihre Erde, [9] und böses Gewürm kommt
aus
ihr nicht heraus.
53.
Kein schlechtes Blatt ist an ihren Bäumen, keine Bitterkeit an
den
Früchten ihrer Wohnsitze. Ihre Früchte verdorren und vertrocknen
nicht,
und die Blätter der Bäume fallen nicht ab. Motte und Staub‘) fällt
nieht
in ihre Stätte, und für ihre Wohnsitze gibt es kein Vergehen.
54.
Wütige Gewalthaber ohne Erbarmen haben keine Herrschaft über
sie.
Zornige Wütriche ohne Mitleid gibt es nicht an ihren Wohnsitzen.
55.
Ihre Fırmamente°) sind erhaben und hoch, und ihre Gebäude sind
Häuser
des Sitzes der Vollendung. Ihre Meere sind ruhig und sanft, und
in
ihnen gibt es keine Durchfahrt. Die Jordane der Lichtwelten sind voll
weißen
Wassers, weißer als Milch, kalt und schmackhaft, und ihr Duft stärkt
mehr
als die gewürzigen, großen Reben. (11)
56.
Die Uthras und Könige, die aus ihnen trinken, kosten nicht den
Geschmack
des Todes, sie haben keinen bösen, trüben oder harten Tag, und
kein
Kummer ist in ihrer Seele.
57.
Für ihre Jahre gibt es keine Zahl, für ihr ganzes Leben kein Maß.
Sie
alle sind frohgemut und prangend in Freude ohne Trübsal. Sie schreiten
leichten
Schrittes dahin und schweben über jener weißen Erde des Äthers.
In
den Glanz, der über ihnen aufgegangen ist, ist keine Finsternis gemischt.
58.
Jene Lichtwesen zerfallen in viele Arten‘). Sie sind geteilt in
Erden,
Skinas, Jordane, Bäume, Uthras und Engel‘), sowie in Glanz, Licht
und
Helligkeit, die auf ihnen ruhen. Doch ist keine Grenze zwischen dem
einen
und anderen.
59.
Leuchtend und hell ist ihre Gestalt. Der Anblick ihres Antlitzes
ist
blinkend und klar gleich reinem Beryll. Tagtäglich wird Kraft und Stimme,
Rede
und Sieg vom Könige aller Liehtwelten geschaffen und ihnen gesandt.
60.
Sie alle stehen da mit Gebet und Lobpreis, mit wundersamen
(Gebets)ordnungen
und Hymnen’) und bezeigen [IV] dem hohen Lichtkönig
Unterwürfigkeit,
...... °) und Lobpreis. Und jene Engel’), die vom Könige,
ihrem
Herrn «xx*xx*x"). (11)
61.
Wohlduft geht aus ihrer Mitte hervor und alle Wohlgerüche der
Freude,
nicht der Duft der Götzen und nicht der Duft...... °) aller Astarten.
")
R 5,19 steht das ähnlich aussehende NONIT, siehe p. 9, 4. ?) Siehe p. 11, 24.
®)
Siehe oben, p. 7°. *) Cod. B und Leid. haben X’I5ND) „und Könige“.
5)
Vgl. Lit., p. XIVf. Später hat NY7)D wie NWNIT die Bedeutung „Buch“ ange-
nommen,
vg]. Joh., p. V.
6)
Siehe zu NY Joh. II, p. 34°. Die Bedeutung steht nicht ganz fest, doch paßt in
den
meisten Fällen „Erleuchtung“, und es ist im Folgenden in der Regel so
übersetzt.
?)
Auch Leid. hat hier NIDNONNN. ®) Hier ist eine Lücke.
®),
NDNIDT gibt ebensowenig einen Sinn wie NNNII), das Leid. hat. Vielleicht hat
10,
4—11,7 Erstes Buch. 13
62.
Alle frohlocken über einander, wie die Regenwolken den Bäumen
und
Sämereien der Erde (Lust bereiten). Sie sind Wahrzeichen der Schön-
heit,
des (guten) Aussehens, der (schönen) Gestalt und des Schmuckes. Einer
ist
wundersamer als der andere, einer leuchtender als der andere.
63.
Des hohen Lichtkönigs Name ist in alle Ewigkeit gesegnet und
gepriesen.
64.
Die Uthras, Engel‘), Boten, Erscheinungen, Gestalten, Erden,
Skinas,
Burgen’), Gebäude, Jordane und Bäume, sowie der Glanz, der auf
ihnen
ruht, wurden vom Lichtkönig geschaffen.
65.
[Vom Lichtkönige?] sind Uthras und Könige hervorgerufen, von
der
Erde sind (ihnen) Jordane und Bäume geschaffen, von Glanz und Licht
sind
(ihnen) Gewänder, Hüllen und Kränze gebildet, und keinen unter ihnen
gibt
es, an dem Fehl und Mangel wäre.
66.
Jener Ort ist ein Ort des Lebens, der Wahrhaftigkeit, der Ruhe,
der
Sicherheit, des Friedens und des Glaubens, auf den jedermann hofft und
auf
den er sein Vertrauen baut.
67.
Der König freut sich der Söhne des Lichtes, und sie sind stolz
auf
ihn. Ihre Gebäude und Skinäs sind aus Glanz und Licht gebaut, ihre
Wände
aus Sicherheit und Festigkeit.
68.
Ihr Glanz ist wundersamer als der Glanz der Sonne und des
Mondes.
Ihre Helligkeit ist heller als die Helligkeit dieser Welt. An dem
Glanze
dieser Welt’ ist Mischung, doch der Glanz jener [Welt] ist Hellig-
keit
ohne Trübung. Freilich ist der Glanz dieser Welt nach dem Bilde
jenes
Glanzes geschaffen, doch wie kleine Muscheln und Steinchen ’) gleich
Perlen
sind.
69.
Ihre Erde ruht auf keinem Ambos, ihr Firmament dreht sich nicht
durch
Räder, die sieben Sterne wandeln nicht über ihnen, [11] die Fünf
und
Zwölf‘) leiten nicht ihr Geschick.
70.
Staub liegt nicht auf ihrem Wege, Schlamm findet sich nicht in
|
ihren Jordanen.
|
71. Flink sind sie in ihrem Gange gleich dem Gedanken (dem Herzen)
des
Menschen, der nicht auf Füßen geht und doch in einer Stunde an jeden
Ort
gelangt. Leicht und ruhig ist ihr Gang, wie die Strahlen der Sonne
den
Augen der Kinder Adams erscheinen, die Strahlen, die”) vom Himmel
bis
zur Erde gelangen.
72.
Wenn sie einander begegnen, entkleiden sie sich und bekleiden
sich
mit den gegenseitigen Schätzen °).
mn
hier den Sinn „Weihrauch“ und wird dieser als „Tochter (lies NNNTD) aller
Astarten‘
bezeichnet,
wie das Salz die Tochter des Gottes Bel genannt wird (Joh. II, p. 6, Anm.). Daß
NMNID
Zypresse sei, siehe BRANDT zur Stelle, ist mir nicht wahrscheinlich. ?
1)
Siehe p. 12, Anm. 7. ®) Lies N’IPN, so auch Leid.
®)
Die kleinen unechten Zieraten an den Halsketten der Frauen.
4)
Die fünf Planeten ohne Sonne und Mond und die Tierkreisbilder.
5)
Lies PORDT RPYORT.
6)
Sie tauschen gegenseitig ihre Gewänder und Zieraten aus.
un
25
30
35
25
30
35
14
Rechter Teil. 11, 8—12, 15
73.
Sie sündigen nicht und vergehen sich nicht an einander, gleich
dem
Glanze der Sonne und dem Winde, (gleich) dem Feuer und dem Wasser
dieser
Welt').
74.
Ihre Speise ist vom Segen der Jordane, der Früchte und Bäume.
75.
Kein Ende und keine Grenze gibt es für ihre Tugenden, und wir
vermögen
nicht von ihrer Macht zu sprechen. Wie einer gesagt hat: Soll
der
stinkende Körper dich preisen oder die nichtige Zunge? Wäre unser
Mund
wie das Meer, unsere Zunge wie die schroffen Felsen in ihm, unsere
Lippen
wie seine beiden Ufer, könnten wir doch nicht, mein Herr, deine
Macht
über alle deine Welten umfassend schildern’). Nein, es gibt niemand,
der
deine Macht umfassend zu schildern vermöchte.
76.
Heil dem, der dich erkannt; Heil dem, der im Wissen von dir redet.
Heil
dem, der sich über dich aufgeklärt; Heil dem, der Aufklärung über
dich
verbreitet.
Heil
dem, der sich in Wahrheit über dich belehrt; Heil dem, der über
dich
belehrt.
Heil
dem, der deine Weisheit gelernt°) und sich vom Irrtum und Wirrsal
dieser
Welt befreit hat.
Heil
den wahrhaftigen und gläubigen Vollkommenen, die dich erkannt
und
erschaut haben; sie steigen siegreich empor und schauen den Ort [12]
des
Lichtes.
77.
Gesegnet und gepriesen seiest du, mein Herr, du hoher Lichtkönig,
von
heute bis in alle Ewigkeit.
78.
Durch dein Wort wurde jegliches Ding.
79.
Von Seiten jenes Herrn der Größe wurde ein Uthra geschaffen
und
ausgesandt, dessen Name Hibil-Ziwä ist, der Gabriel, der Gesandte, ge-
nannt
wird. (12)
80.
Als der hohe Lichtkönig es wollte, rief er mich aus dem Glanze
und
dem Lichte, in dem er steht, hervor, aus jener Skina, die er, der Große,
zu
seiner Rechten gegründet, und sprach zu ihm‘): „Auf, gehe zur Welt
der
Finsternis, die ganz von Schlechtigkeit voll ist. Sie ist ganz voll von
Schlechtigkeit,
voll verzehrenden Feuers. Zur Welt, die voll Lug und Trug
ist,
die mit Disteln und Dornen besäet ist. Zur Welt des Wirrsals und des
Trubels
ohne Festigkeit, zur Welt der Finsternis ohne Licht, zur Welt des
Gestankes
ohne Wohlduft, zur Welt der Verfolgung und des Todes ohne
Leben
in Ewigkeit, zur Welt, in der die guten Dinge vergehen und die
Pläne
sich nicht erfüllen.“ (13)
81.
Er sprach zu ihm: „Geh, tritt die Finsternis nieder und die My-
1)
Die einander zu unterdrücken suchen.
®)
Siehe Lit., p. 129 und über die weite Verbreitung dieses Bildes Reinh. KÖHLER,
Kleinere
Schriften III, p. 293ff.
®)
Lies mit Leid. YNID.
*)
Ein solcher Wechsel in der Person ist in orientalischen Schriften nicht selten.
12,
15—13, 11 Erstes Buch. 15
sterien,
die aus ihr geformt wurden‘). Dichte die Erde, spanne das Fir-
mament
aus und bilde darin Sterne. Verleihe Glanz der Sonne, Helligkeit
dem
Monde und Schimmer allen Sternen. Verleihe Wohlgeschmack dem
Wasser
und Glanz dem Feuer. (14)
82.
Schaffe Früchte, Trauben und Bäume, die in der Welt prangen.
Viehtiere?)
sollen entstehen, Fische und Geflügel, von jeder Gattung ein
Männlein
und ein Weiblein, die Adam und seinem ganzen Geschlechte zu
Diensten
stehen sollen. (15)
83.
Mann und Weib sollen entstehen, und ihr Name soll Adam und
Hawwä
sein. Von den Engeln des Feuers sollen einige Adam dienstbar
sein.
Ein jeder, der von deinem Worte®) abweicht, soll [13] in das lodernde
Feuer
eingeschlossen werden. Drei Engel des Glanzes und des Lichtes
sollen
entstehen‘) und Adam Gesellschaft leisten. (16)
84.
Lebendes Wasser’) komme und mische sich mit dem trüben Wasser.
Durch
den Duft des lebenden Wassers prange die ganze Welt. Die vier
Winde
des Hauses®) sollen geschaffen werden, sowie die Luft‘), die über
ihnen
weht. Feuer entstehe und verbreite sich‘) über alle Welt. Jene Welt
leuchte
durch deine Hand.“ (17)
85.
Der hohe Lichtkönig sprach das Wort aus, da entstand jegliches
Ding
durch sein Wort. (20) :
86.
Gabriel, der Gesandte, kam, hob den Himmel hoch und spannte ihn
aus,
dichtete die Erde Tibil und gründete sie fest (und die ganze Welt
‚durch
die Kraft des hohen Lichtkönigs). (21)
87.
Adam der Mann und Hawwä sein Weib wurden gebildet, und die
Seele
fiel in den Körper. Als die Seele in den Körper gefallen war, be-
griffen
und verstanden sie jegliches Ding. (22)
t)
Beachte die Abweichung in der Parallelstelle.
2)
Die Haustiere; die wilden Tiere sind hier und an der Parallelstelle nicht
genannt
(gegen
Nöld., p. 326,6). NMNYNI2 NNNWNYTT ist als Plural aus NYI 87 gebildet, das das
zahme
Hausgetier im Gegensatz zu NND. NY, dem verschlingenden, wilden Getier, be-
zeichnet..
Text 33,5 ist mit D 82 07 zu lesen.
83)
Man erwartet „von seinem Worte“, siehe auch 88, doch haben beide Versionen so,
|
*) An der Parallelstelle besser „sollen kommen“, siehe den folgenden Satz.
5)
„Lebendes Wasser“, d.h. fließendes Wasser, das hehren Ursprunges ist und in den
laufenden
Flüssen, den „Jordanen“, fließt. Dies allein ist im Kultus verwendbar. Im
Gegen-
satz
dazu steht das stagnierende Wasser und das trübe Wasser (NONNN NM) des Urchaos
und
der Meere. Der Ausdruck 87 8°D ist wohl vom Judentum übernommen, siehe Gen.
26,19;
Lev. 14,5,50. Nach x 8% bildete man MN NNNWY „lebendes Feuer‘ als Be-
zeichnung
für das Feuer der hehren Welt. Umgekehrt ist nach Nnb1Dy NNNYY, NDDN 81)
„verzehrendes
Feuer‘ (siehe Joh. II, p. XVI!) NDIN NO „verzehrendes, brennendes Wasser“
als
Bezeichnung für das Wasser der Unterwelt gebildet, siehe auch Brandt, Rel., p.
64ff.
6)
„Haus“ ist in den mandäischen Schriften eine häufige Bezeichnung für die
irdische
Welt,
so auch bei den Persern, siehe Joh. II, p. 7°.
7)
RN, d.i. ärp kann im Mandäischen „Luft“ wie „Äther“ bedeuten, und es ist manch-
1
unsicher, welche Bedeutung vorliegt. Doch scheint der Ausdruck NP ININ
besonders
e
Luft zu bezeichnen, siehe namentlich R 283, 4f.
%),
Zur Bedeutung von WMD siehe Lit., p. 178°.
5
20
16
Rechter Teil. 13, 11—14, 20
88.
Die Engel des Feuers kamen und unterwarfen sich Adam. Sie
kamen
und verneigten sich vor ihm und wichen von seiner Rede nicht ab.
Nur
er allein, der Böse, von dem das Böse gebildet wurde, wich vom Worte
seines
Herrn ab. Da fesselte ihn sein Herr mit einer Fessel. (23)
n
89. Mich, den lauteren Gesandten, rief und beauftragte mein Herr
und
sprach: „Gehe, rufe eine Stimme Adam, seinem Weibe Hawwä und
allen
seinen Sippen zu. Eine hehre Stimme rufe ihnen zu und belehre sie
über
jegliches Ding. Belehre sie über den hohen Lichtkönig, dessen Macht
weitreichend
und groß, ohne Grenze und Zahl ist. Belehre sie über die
ıo
Lichtwelten, die unvergänglichen. (24)
90.
Rede mit ihm, daß sein Herz erleuchtet werde, und belehre ihn,
daß
sein Sinn erleuchtet werde. Zeige dich ihm gnädig und leiste ihm
Gesellschaft,
du und die beiden Engel, die mit dir sind. Lehre Wissen
Adam,
Hawwä sein Weib und alle seine Sippen. Sage ihnen, daß die Bösen
ıs
und Satan, der Untaugliche, sie nicht verführen sollen. (25)
91.
Lehre sie [14] Gebet und Lobpreisung, damit sie hintreten und
den
Herrn aller Welten preisen: drei Mal am Tage und zwei Mal des
Nachts.
(26)
92,
Sage ihnen: Nehmet ein Weib und bildet einen Stamm, damit
20
die Welt sich von euch vermehre. (27)
93.
Wenn ihr euch euren Frauen nähert, waschet euch mit Wasser
und
haltet euch rein. (28) ’
94.
Buhlet nicht und stehlet nicht und tötet keine Menschenkinder. (29)
95.
O ihr Vollkommenen und Gläubigen! Weichet nicht von eurer
25
Rede ab und liebet nicht Lüge und Falschheit. Liebet nicht Gold und
Silber
und den Besitz dieser Welt. Denn diese Welt hört auf und vergeht,
und
ihr Besitz und ihre Werke werden verlassen. (30)
96.
Verehret nicht den Satan, die Götzen, die Bilder, den Irrtum und
die
Wirrung dieser Welt. Denn wer den Satan verehrt, fällt in das lodernde
30
Feuer, bis zum Tage des Gerichtes, bis zur Stunde, den Stunden der Er-
lösung,
so lange der hohe Lichtkönig es will, der alle Wesen richtet. Er
richtet
die Seelen, jedermann nach den Werken seiner Hände). (31)
97.
Lernet nicht des Satans Zauberwerk und leget kein Zeugnis der
Lüge
ab. Wenn ihr Recht sprechet, so haltet gerades Recht und ver-
35
drehet es nicht. Wenn sie Zeugen aufrufen, so seien es walırhafte Leute,
die
zeugen. Einen jeden, der das Recht verdreht, verzehrt das lodernde
Feuer.
(32)
98.
Liefert nicht rechtschaffene Diener in die Hand ihrer bösen Herren
aus
und überlasset den Schwachen nicht dem Starken. (33)
40
99. Ehret Vater und Mutter und die älteren Brüder wie den Vater.
Ein
Sohn, der Vater und Mutter verachtet, wird am Gerichtstage verurteilt
werden.
(35)
1)
Leid. hat FON hinter Ä7y: „er gewährt jedermann nach den Werken seiner Hände“
14,
20—-15, 20 Erstes Buch. 17
100.
Blicket nicht mit Gier und Verlangen nach etwas, das nicht euer
ist.
Wenn euer Herr es euch gewährt — — —'); aber streitet nicht darum
in
sündhafter Weise. Denn nach dem Willen eures Herrn wurde euch jedes
Ding
in Güte zugeschrieben und gewährt. (37)
101.
Wenn Unheil über euch kommt, so ertraget es und bleibet fest
in
eurem Glauben. Ändert nichts und verdrehet nichts an [15] eurer Rede.
Beuget
nicht euer Knie und neiget nicht euer Haupt und huldiget nicht
dem
zu steinigenden, hinsinkenden Satan’). (38)
102.
Haltet euch fern von einem jeden, der die Bösen, die Götzen
und
die Bilder anbetet. Sei ihm kein Freund‘). Habet ihr doch Verlangen
nach
ihm und liebet ihn, so lasset ihn die Schriften und Reden und die
Lobpreisung
hören, die euer Herr euch verliehen hat. Hört er darauf,
wird
gläubig und bezeugt den hohen Lichtkönig, den Gott, der aus sich
selber
wurde, so liebet ihn, nähert ihn euch und erweiset ihm Gutes von
allem,
was ihr besitzet. Hört er nicht, legt kein Zeugnis ab und wird nicht
gläubig,
so wird er seiner eigenen Sünden wegen zur Rechenschaft gezogen
werden.
(39)
103.
Sehet ihr einen Gefangenen, der gläubig und wahrhaftig ist, so
gebet
Lösegeld und löset ihn aus. Aber nicht mit Gold und Silber allein
löset
die Seele aus, sondern mit Wahrhaftigkeit und Glauben und des Mundes
reiner
Rede löset die Seele aus: von der Finsternis zum Lichte, vom Irrtum
zur
Wahrheit, von der Untreue und Auflehnung zum Gebet und Lobpreis,
vom
Unglauben zum Glauben an euren Herrn. Wer eine Seele loslöst, ist
mir
Generationen und Welten wert‘). (43)
104.
Euch sage ich, meine Auserwählten, euch lehre ich, meine Gläu-
bigen:
Gebet den Armen Almosen und dem Blinden seiet ein Führer‘).
Wenn
ihr Almosen gebet, meine Auserwählten, so bezeuget es nicht. Be-
zeuget
ihr es einmal, so wiederholet es nicht. Gebet ihr mit eurer Rechten,
so
saget es nicht eurer Linken. Gebet ihr mit eurer Linken, so saget es
nicht
eurer Rechten‘). Einem jeden, der Almosen gibt und es bezeugt,
1)
Der Nachsatz ist ausgelassen, statt dessen hat man sich eine Geste zu denken:
dann
ist
es gut.
|
2) 8337 steht nur in A und ist vielleicht erst nachträglich eingefügt unter
Einwirkung
des
koranischen as-saitän ar-rajim (Sure 3,31 u. sonst). Nach dem Arabischen muß
ur-ragim
„der
Gesteinigte“ bedeuten. Da das Wort im Äthiopischen den Sinn „verflucht“ hat und
dieser
Sinn anscheinend besser paßt, wird das arabische Wort als eine Entlehnung aus
dem
Äthiopischen
angesehen, vgl. NÖLDEKE, Neue Beiträge zur semit. Sprachwissenschaft,
'p.47.
Nun wird der Satan schon bei Ephräm (} 373) daggäla rgima „der gesteinigte
(oder
zu
steinigende) Betrüger“ genannt: Ephraemi.... Opera selecta ed. ÖVERBECK, p.
131,
Der
Ausdruck war also schon lange vor Mohammed bei den Aramäern üblich. Daher kann
er
auch von ihnen zu den Arabern gelangt sein, andererseits ist es nicht nötig,
daß NO
‚an
dieser Stelle aus dem Koran entlehnt sei.
3)
Vielleicht hat ursprünglich NONN” Shmmad „seid ihm kein Freund“ dagestanden.
4)
NONRWN ist — NIONNMWN; es gehört zur Wendung NR) NINT NYINN
(Joh.
200, 14).
5)
Siehe Zeitschr. f. Semitistik I (1922), p. 2. 6) Matth. 6, 3.
Lidzbarski,
Ginzä. 2
un
o
3
5
25
18
Rechter Teil. 15, 20—16, 24
wird
es getilgt und nicht angerechnet. (34) Ein jeder, der Almosen spendet
und
reichlich Gutes tut, alsdann aber das Almosen abschafft und nicht
spendet,
fällt in das lodernde Feuer, bis seine Sünden beendet und alle seine
Vergehen
getilgt sind. (41)
105.
Meine Auserwählten! Sehet ihr jemand, der hungert, so sättiget
ihn.
Sehet ihr jemand, der durstet, so gebet ihm zu trinken. Sehet ihr
[16]
einen Nackten, so leget ihm um den Nacken Gewänder und Hüllen.
Denn
ein jeder, der gibt, empfängt, und ein jeder, der leiht, erhält Bezahlung.
Einem
jeden, der Almosen gibt, wird das große Almosen'') eine Stütze sein.
Wer
den Nackten mit Gewändern bekleidet, dem wird man um den Nacken
Gewänder
und Hüllen legen. Wer einen Gefangenen loslöst, dem wird ein
Bote
des Lebens entgegengehen. (42)
106.
Wer sich aufklären und belehren läßt, dem wird man Helfer
schaffen.
Wer den Ruf des Lebens ruft, dessen Bau ist fest gebaut’) und
gefestigt.
Wer sich durch meine Lobpreisung aufklären läßt, deß Namens
wird
man täglich am Lichtorte gedenken. Wer sich durch meine Worte
erleuchten
läßt, wird dort zu den Uthras gezählt werden.
107.
Wer sich von der Untreue der Bösen frei macht, wird ohne
Sünden
und Vergehen emporsteigen und den Lichtort schauen.
20
108. Ein jeder, der aus Liebe zu seinem Herrn seinen Leib zum
Morde
hingibt, ist sündenrein ohne Makel. (45)
109.
Euch sage ich, meine Auserwählten, euch erkläre ich, meine
Gläubigen:
Fastet das große Fasten, das aber nicht ein Fasten vom Essen
und
Trinken der Welt ist. (74)
110.
Fastet mit euren Augen vom Zwinkern und sehet und tuet nichts
Böses.
(76)
111.
Fastet mit euren Ohren vom Horchen an Türen, die nicht euer
sind.
(78)
112.
Fastet mit eurem Munde von frevelhafter Lügenrede und liebet
nicht
Falschheit und Lug. (77)
113.
Fastet mit eurem Herzen von bösem Sinnen, und Haß, Eifersucht
und
Zwiespalt sei nicht in eurem Herzen. Wer Eifersucht hegt, wird kein
Vollkommener
genannt. (79)
114.
Fastet mit euren Händen von der Verübung eines Mordes und
35
begehet keinen Diebstahl. (81)
115.
Fastet mit eurem Körper von einer Gattin, die nicht die eurige
ist.
(80)
116.
Fastet mit euren Knien von der Anbetung des Satans und kniet
nicht
vor den Bildern der Täuschung. (83)
40
117. Fastet mit euren Füßen von listigem Gange nach einem Dinge,
das
nicht euer ist.
118.
Fastet dieses große Fasten und brechet es nicht, bis ıhr aus
eurem
Körper scheidet. (85)
ı)
Das das Leben an die Frommen austeilt. ®) Leid. hat 8312.
un
I
°
uni
un
2
un
[o}
3
16,
24—17, 24 Erstes Buch. 19
119.
Wer [17] in seiner Kindheit sündigt, dann aber nicht mehr sündigt,
in
sich geht und nicht mehr frevelt, dem wird die Nachsicht seines Herrn
zuteil
werden. Er, der hohe Lichtkönig, ist mitleidsvoll, nachsichtig und
barmherzig,
er ist ein Erlasser der Sünden und Vergehen. (40)
120.
Ein jeder, der Gold und Silber und den Besitz dieser Welt liebt
und
darum einen Mord begeht, fällt in das lodernde, glühende Feuer. (46)
121.
Meine Auserwählten! Habet kein Vertrauen auf die Könige und
Machthaber
und die Widerspenstigen dieser Welt, auch nicht auf Heeres-
macht,
Rüstung, Kampf, Scharen, die sie zusammenscharen '), und Gefangene,
die
sie in dieser Welt zusammenbringen, noch auf Gold und Silber. Sie
fachten
Streit an und warfen ihn hin’). Sie sammeln Gut und lassen es
in
der Welt zurück, dann gehen sie hin und sieden im Feuer. Mit ihren
Händen
schüren sie die Kohlen, und mit ihren Lippen fachen sie den Brand
an’).
Ihre Geißel und ihre Herrschermacht bricht zusaınmen, und ihre Pracht
wird
ihnen gesperrt. Weder ihr Gold noch ihr Silber bleibt ihnen bestehen
und
wird ihnen zur Stütze. Weder ihr Geld noch ihr Gut wird ihnen zur
Erlösung.
Ihre Herrschaft vergeht und nimmt ein Ende, und ihnen wird
das
Urteil gesprochen. (87)
122.
Euch allen sage ich, die ihr auf die Rede‘) Gottes höret: Bei
eurem
Stehen und eurem Sitzen, bei eurem Gehen und eurem Kommen,
bei
eurem Essen und eurem Trinken, bei eurem Ruhen und eurem Liegen,
überhaupt
bei allen euren Handlungen nennet und preiset den Namen des
hohen
Lichtkönigs. (47)
Be
n...... °», den Jordan und taufet euch. Taufet eure Seele mit
der
lebendigen Taufe‘), die ich euch aus den Lichtwelten gebracht, mit der
alle
Vollkommenen und Gläubigen getauft sind. Saget den Segensspruch
über
das Pihta”) und esset es, sprechet die Lobpreisung über das Mambahä
und
trinket es, damit euch ein Erlasser der Sünden und Vergehen zuteil
werde.
(48) u
124.
Einen jeden, der mit dem Zeichen des Lebens gezeichnet, über
1)
Wohl so aufzufassen, gestützt durch die Parallelstelle (42,9). Anders Nöld., p.
328.
Leid.
hat NDIND).
2)
Zweifelhaft. Die Worte 97 NN WNINW sind wohl entstellt (Leid. hat NOHNT)
und
gehören vielleicht gar nicht hierher. An der ursprünglichen Stelle mögen sie
ähnlich
wie
Lit., p. 227, 4f. gelautet haben.
3)
Siehe zu der Stelle NÖLDEKE, Zeitschr. f. Assyriologie XXX (1916), p.150, der
die
letzten
Worte übersetzt „mit seinen Lippen schluckt er Glut“.
*,
Lies mit BD NW.
5,
Das Wort ist bis jetzt nicht erklärt. Die bisherigen Erklärungsversuche siehe
bei
"Brandt,
Rel., p. 100f. Vielleicht ist es mit hebr. y7D zu kombinieren „frei seinen Weg
lassen“,
hier „frei (ließen) lassen“, nicht eindämmen oder abschneiden.
6)
Mit der Taufe in lebendem, fließendem, nicht in „abgeschnittenem‘“ Wasser,
siehe
‚oben,
p. 15°.
F
?) Pihtä ist die sakramentale Speise, Mambühä (Mambügä) der kultische Trank.
Siehe
über
die beiden Bezeichnungen und ihre Bedeutung ZIMMERN, Orientalische Studien,
Theodor
Nöldeke
zum 70. Geburtstag gewidmet, p. 959ff. und Lit.. p. XXI.
23%
1
5
20
Rechter Teil. 17, 24—19, 1
den
der Name des Lichtkönigs [18] gesprochen, der fest und standhaft an
der
Taufe hält und gute und schöne Werke übt, wird niemand auf seinem
Wege')
hemmen.
125.
Esset nicht das Blut der Tiere, kein totes (Tier), kein trächtiges,
kein
werfendes?), keines, das [in ««*x+»] dasteht‘), keines, das ein wildes
Tier
überfallen hat‘). Sondern schlachtet mit dem Eisen, waschet, spület,
reiniget,
kochet und esset es. (57)
126.
Esset und trinket nicht aus dem Hause der zwölf Pforten), denn
sie
sind alle voller Unreinheit und Scheußlichkeit.
10
127. O ihr Männer, die ihr ein Weib nehmet! Warum wollet ihr aus
ihrer
Mitte ein Weib nehmen?
128.
Liebet und ertraget einander, wie die Augen, die auf die Füße
acht
geben. Liebet und ertraget einander, dann werdet ihr das große Süf-
Meer‘)
überschreiten. Denn die Brüder im Fleische vergehen, doch die
ı5
Brüder in Kustä’) bestehen. So seid ihr denn Brüder in Kustä, die ihr die
Liebe
in Vollendung übet. Denn der Name°) des Ersten’) ist auf eurem
Haupte
aufgerichtet. Euer Zeichen ist das Zeichen des lebenden Wassers,
kraft
dessen ihr zum Lichtort emporsteigen werdet.
129.
Wenn ihr, meine Auserwählten, auf das höret, was ich euch
2o
sage, wenn ihr das tuet, was ich euch befehle, will ich euch Glanz von
mir
in Fülle und Licht von mir ohne Ende gewähren. Ihr werdet im Hause
des
Lebens prangen, wie die Uthras des Lichtes am Lichtorte prangen.
130.
Wenn ihr auf das, was ich euch sage, nicht höret, wenn ihr
das,
was ich euch befehle, nicht tuet, so werdet ihr in die Finsternis hinab-
25
sinken, in die die Bösen sinken, ohne emporzusteigen.
131.
Heil dem, der hörte und gläubig war, wehe einem jeden, der
sich
einhüllte und hinlegte'’). Die Guten, die hörten und gläubig waren,
steigen
siegreich empor und schauen den Ort des Lichtes. Die Bösen, die
hörten
und nicht gläubig waren, richten ihr Antlitz nach dem großen
30
Süf-Meer. -
132.
Meine Auserwählten! Haltet euch fern von den Widerspenstigen
der
nichtigen Wohnung. Täglich, alltäglich sitzen sie auf den Thronen der
Auflehnung,
auf den Thronen [19] der Auflehnung sitzen sie, und mit der
!)
Zum Lichtort empor.
2)
Vielleicht ist yD) hier so aufzufassen, siehe über das Wort Joh II, p. 136®.
®),
Hinter NOIRDIND) ist wohl ein Wort ausgefallen. NDDRIINDY in B (Text 38, 20)
ist
vielleicht erst nach dem mißverstandenen NOINDIND) ergänzt.
*,
Ich vermute uny7.
5)
Die „Pforten“ sind die fremden, falschen Religionen, deren Zahl zwölf ange-
nommen
wird.
®)
In alexandrinisch-jüdischer Spekulation wurde der Ausgang der Seele aus dem
Körper
mit
dem Auszug der Kinder Israel aus Agypten kombiniert und das Schilfmeer
midraschisch
als
Meer des Endes gedeutet (Jam suf als Jam söf), siehe Joh., p. XXI.
?)
Siehe oben, p. 5%.
®)
Statt NOW „Name“ ist vielleicht NOW „Zeichen“ zu lesen.
®)
Des Lichtkönigs, siehe p. 6, 17.. ’0) Siehe Joh. II, p. 180; Lit., p. 96*®.
in
19,
1—24 Erstes Buch. 2
Geißel
führen sie ihre Werke aus. Ihre Werke führen sie mit der Geißel
aus,
und Treue, Sanftmut und Friede ist an ihnen nicht.
133.
Nehmet keine Hoffahrt des Fehls an und begehet keine Ver-
fehlungen
mit Gold und Silber. Wer Hoffahrt des Fehls annimmt, dessen
Name
wird vom Lichtort abgeschnitten.
134.
Scheidet jemand aus seinem Körper, so weinet nicht und erhebet
keine
Klage und Jammer über ihn. Brot von..... ') esset über ihn nicht.
Einen
jeden, der über einen Toten weint, wird man in Wasserbäche stellen,
wenn
sie voll sind. Wer sein Gewand am Halse zerreißt”), wird den Fehler
an
seinem Gewande behalten. Wer sich die Haare um den Toten ausrauft,
den
wird man in den Berg, in den Finsterberg einschließen). (49)
135.
Gehet, ihr Armen, Elenden‘) und Verfolgten, weinet über euch
selbst.
Denn solange ihr noch in der Welt seid, nehmen eure Sünden zu.
136.
Wenn euch um die Seelen weh ist, die aus eurer Mitte scheiden,
so
löschet Unmut und Wehleid aus eurem Herzen und haltet Trauer und
Klage
fern von euren Pforten. Denn von Trauer und Klage werden Dä-
monen
und Dews gebildet. Sie eilen den Seelen auf dem Wege voraus
und
bedrängen sie im Zöllnerhause°). Wenn ihr nach ihnen verlanget und
sie
liebet, so verrichtet Fürbitte, Gebet und Lobpreis für sie, rezitieret
Hymnen,
leset Gebetsordnungen und veranstaltet Totenmessen, damit der
große
(Gott) voll Erbarmens mit ihnen werde. Glanz wird ihnen dann
vorangehen,
Licht ihnen nachfolgen. Boten des Lebens werden ihnen zur
Rechten,
Engel des Lichtes zur Linken sein, und sie werden von den Wacht-
häusern‘)
und den siedenden Kesseln erlöst werden. (50)
137.
Belehret die Seelen, daß ihr Herz nicht strauchele. Lasset sie
sanfte
Reden und die Lobpreisung hören, die ich euch gebracht habe.
Mögen
sie hören und zeugen, und ihr Herz finde Ruhe auf seiner Stütze.
138.
Gebet Brot und Wasser und Unterkunft den armen und ver-
folgten
Menschenkindern, an die Verfolgung herantritt.
ı)
Das Wort 82%) ist bis jetzt noch nicht erklärt. G. HOFFMANN’s Erklärung
Zeitschr.
f.
Assyriologie IX (1894), p. 336 ist nicht wahrscheinlicher als die seiner
Vorgänger. Es ist
wohl
babylonischen Ursprungs.
®)
Zum Zeichen der Trauer, ein Brauch, den auch Muslims und Juden üben.
9)
NDWNT NIWD NDN kann heißen „auf dem Finsterberg, an den Finsterberg fesseln“
und
„in den Finsterberg einschließen“. Auch der Ausdruck NDVNT NMHI D'PN (R 37, 20;
-
Joh. 99, 5) ist zweideutig; er kann bedeuten „auf den Finsterberg‘“ und „in den
Finsterberg
stellen‘‘.
Das Motiv, daß ein Frevier an einen Berg gefesselt wird, ist sonst im Mythus
verbreitet
(Dahäk, Prometheus). R 58,16 können die Worte NINDT NWU2 INNDN nur
heißen
„er wird auf dem Berge Märä gefesselt werden“, und auch für den Ausdruck
NDVNT
NW DNININD Joh. 97,4 liegt die Bedeutung „auf dem Berge gefesselt werden“
näher.
Andererseits zeigt die Wendung NIDWNN NND FonbnD Joh. 87,3; 184,4; 208, 3 mit
Sicherheit,
daß die Vorstellung, daß der Frevler in den Finsterberg hineinkommt, bei den
Mandäern
verbreitet war, siehe auch oben, p. 15,11, daher nehme ich diese Bedeutung auch
‚bei
YDN und NIYNT NN DIYPN an.
4)
Lies NINT). 5) Das an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits steht.
©)
Siehe die Vorbemerkung zum dritten Stück des fünften Buches.
5
in
20
30
je>}
un
40
2
Rechter Teil. 19, 25—21, 3
139,
Wandelt die Wege der Kustä, und der Lohn des Löhners über-
nachte
nicht bei euch. (51)
140.
[20] Beraubet nicht den Teilhaber und betrüget nicht euren
Freund.
Wer seinen Genossen und Teilhaber beraubt, dessen Augen schauen
nicht
das Licht. (52)
141.
Reichet einander die Rechte und machet euren Treuschwur nicht
zur
Lüge. Denn die Uthras und Könige des Lichtes gewähren einander
Bündnis
und Treuschwur. (53)
142.
O ihr Auserwählten und Vollkommenen! Seid demütig und be-
scheiden,
damit ihr Auserwählte, Getreue und Gläubige genannt werdet.
Liebet
einander in Treue und führet eure Liebe bis zur Vollendung. Seid
sanft
und bescheiden gegen die trefflichen Lehrer, die euch die rechte
Weisheit
lehren. Überhebet euch nicht über sie, damit ihr eurer Seele
keinen
Makel anheftet. (54)
143.
Gehet nicht zu den Wahrsagern und Chaldäern der Lüge, denn
in
der Finsternis werden sie untergebracht. (55)
144.
Schwöret keine falschen Schwüre und verdrehet eure Eide
nicht.
(56)
145.
Verzehret nicht Zins und Zinseszins, damit ihr nicht in der
finsteren
Finsternis abgeurteilt werdet. (58)
146.
Buhlet nicht und huret nicht, singet nicht und tanzet nicht. Euer
Herz
lasse sich nicht für den Gesang des Satans einnehmen, der ganz von
Zauberei,
Täuschung und Verführung voll ist, der den Sinn der Vollkommenen
verdreht
und das Herz der Gläubigen zum Straucheln bringt. (59)
147.
Meine Auserwählten! Hütet euch und wappnet euch, damit ihr
Gewappnete
in der Welt genannt werdet. Haltet stand in der Welt und
ertraget
die Verfolgung der Welt, bis euer Maß voll ist. Seid einander
eine
Stütze und Hilfe, sowie den Vollkommenen, an die Verfolgung heran-
tritt.
(60)
148.
Wenn euer Gemüt in Zorn wallet, so beruhiget und haltet nieder
euer
Herz. Nehmet an vom Worte eures Herrn. Denn die Gesinnung des
Zornigen,
der vom Zorne des Satans erfüllt ist, [wird durch die rechte Weis-
heit
und den Glauben zur Bescheidenheit hingezogen]').. Wer sich durch
den
Glauben nicht zur Bescheidenheit hinziehen läßt, wird durch Schwert
und
Säbel hingerafft. Hingerafft wird er durch Schwert und Säbel und
fällt
in das lodernde Feuer. (61)
149.
Sehet ihr einen Guten, der Weisheit gelernt hat, so nähert euch
ıhm
und nehmet von ihm von seiner Weisheit an. Sehet ihr einen Bösen,
[21]
der zum Bösen weise ist, so haltet euch von ihm fern, nehmet nichts
von
seiner Weisheit an, tuet nichts von seinen Werken und wandelt nicht
auf
seinem Pfade. (63)
150.
OÖ ihr Gläubigen und Vollkommenen! Alles, was euch selbst ver-
haßt
ist, tuet auch eurem Nächsten nicht an. (65)
ı)
Nach der Parallelstelle.
10
5
20
25
24
Rechter Teil. 22, 13—23, 10
Weib
hintergeht, an dem Fehl, Lug und Trug nicht ist, und liebt und treibt
die
Lust der Tibil, über den wird das Urteil gesprochen werden. (95)
160.
Wenn ihr Kinder erhaltet und sie am Leben bleiben, so lehret
sie,
sobald sie sich aufs Wissen verstehen, die rechte Weisheit und lasset
sie
den Weg der Kustä wandeln. Wenn ihr sie nicht unterweiset und
belehret,
so werdet ihr im Gerichtshofe verurteilt werden. Wenn ihr sie
belehret,
sie aber nicht lernen wollen, werden sie wegen ihrer eigenen
Sünden
zur Rechenschaft gezogen werden. (96)
161.
Neigt sich jemand einmal weg’), so richtet ihn wieder auf und
stützet
ihn. Neigt sich eine Seele zum zweiten Male weg, so richtet sie
wieder
auf und stützet sie. Neigt sich eine Seele zum dritten Male weg,
so
richtet sie wieder auf und stützet sie. Lasset sie die Schriften und
Reden,
Gebet und Lobpreisung eures Herrn vernehmen. Wenn ihr sie
stützet,
sie sich aber nicht stützen läßt, so reißet den bösen Weinstock aus,
bringet
[23] einen guten und pflanzet ihn an seine Stelle. Weil man ihm
ins
Ohr gerufen, er aber nicht hören wollte, man ihm ins Auge zeigte, er
aber
nicht sehen wollte, man ihm zeigte, er aber mit dem Auge nicht sehen
wollte,
soll er am Tage des Endes ein Ende nehmen. Er fällt in die Marter,
in
die die Bösen fallen, ohne emporzukommen. (97)
162.
Wenn ihr Menschen sehet, die mit einem körperlichen Fehler
behaftet
sind, so zeiget keine Verachtung für sie’) und lachet nicht über
sie.
Denn nur die aus Fleisch und Blut gebildeten Körper werden durch
Leiden
und Gebrechen verächtlich, doch die Seele wird nicht durch Leiden
und
Gebrechen verächtlich. Die Seele wird nur verächtlich durch häßliche
Werke,
die sie begeht. (98)
163.
Euch sage ich, meine Auserwählten, euch lehre ich, meine Gläu-
bigen.
Lobpreiset nicht die Sieben und Zwölf’), die Leiter der Welt, die
bei
Tag und Nacht wandern‘). Denn sie verleiten zu Verfehlungen°) den
1)
Vom rechten Glauben.
2)
Lies Poor. BROCKELMANN, Lex. Syr.?, p. 79b ist zu berichtigen, da sich sonst
mandäisch
ND2 findet (R 43,15; 191,8; 215,24), dazu noch mehrmals NIND}12. Syrisches
ND2
mit by siehe bei Brockelm. daselbst.
3)
Die sieben Planeten und die zwölf Tierbilder.
#
Das Verb 07% (7%) steht fast nur bei den Planeten. Es ist im Aramäischen (wie
im
Babylonischen) zweideutig; es kann „wandern“ und „züchtigen, herrschen‘ bedeuten.
An
dieser
Stelle, wo 787% neben NYNTINTD „Leiter“ steht und nicht bloß von den Sieben,
sondern
auch von den Zwölf ausgesagt ist, paßt die Bedeutung „herrschen‘‘ besser, aber
R
40,12 wird daneben von den Döws und den Scharen des Satans, zu denen auch die
Sieben
gehören,
gesagt, daß sie den Kindern Adams unterjocht werden sollen, R 125,1 von den
Planeten,
daß sie Adam und seinen Sippen gehorchen sollen, und R 171, 8f. steht 177
parallel
SER.
Auch hat das neben 77% stehende Nomen &MY7%ND nur den Sinn „Gang, Lauf“
(wie
babyl.
marditu), nicht den Sinn „Herrschaft“. Daher muß man auch an dieser Stelle die
Bedeutung
„wandern“ annehmen. Wenn es nun auch von den Tierkreiszeichen ausgesagt ist,
so
ist zu bedenken, daß auch diese mit der Sonne scheinbar über den Himmel
wandern.
5)
Lies Abwwnn, vgl. R 231,19.
23.
10—24, 10 Erstes Buch. 25
Stamm
der Seelen‘), der aus dem Hause des Lebens hierher verlegt
wurde.
(101)
164.
Lobpreiset nicht Sonne und Mond, die Erleuchter dieser Welt,
denn
dieser Glanz ist nicht ihr. Er wurde ihnen nur verliehen, um die
finstere
Wohnung‘) zu erleuchten. Sie sind die Engel des hinfälligen
Hauses’);
sie ließen einen nichtigen Ruf vernehmen’).
165.
Lobpreiset nicht Samis (die Sonne), dessen Name Adoönai, dessen
Name
Qädos, dessen Name El-El ist, dazu hat er noch verborgene, in der
Welt
nicht geoffenbarte Namen. (102)
166.
Er, Adonai, wählte sich ein Volk aus und gründete sich eine
Synagoge.
Der Platz Jerusalem wird gebaut, die Stadt der Juden, die sich
mit
dem Schwerte beschneiden, mit ihrem Blute sich das Gesicht bespritzen ‘)
und
so Adonai anbeten. Die Männer verlassen ihre Frauen, gehen hin und
legen
sich zu einander. Die Frauen, die in ihrer Menstruation sind, liegen
im
Schoße der Männer. Sie kehren sich von der ersten Lehre ab und
machen
für sich ein „Buch“. (103. 104)
167.
Euch sage ich, meine Auserwählten, haltet es nicht mit jenen
Sklaven,
die von ihrem Herrn abgehurt sind. Mischet euch nicht mit
[24]
den Juden, die nicht in einer Rede dastehen’). (105)
168.
Aus dem Volke der Juden sind alle Völker und Pforten hervor-
gegangen.
(106)
169.
Lügenpropheten traten auf, die in Lüge und Täuschung einher-
gehen.
Sie treten von den Engeln der Mangelhaftigkeit‘) in die Gebär-
mutter
der Frauen ein, die mit ihnen schwanger werden und sie mit Blut
und
Menstruation gebären. Sie holen (falsche) Weisheit aus ihrem Herzen
und
werfen durch sie Bestrieckung in die Welt’). Sie nennen sich Gott und
werfen
sich zu „Gesandten“ auf‘). Sie ziehen einen Körper an und nehmen
die
Gestalt von Männern an. Sie schreiben ein Buch des Truges, stellen
Warnungen
für sie auf und lassen sie falsches Gebet verrichten. Lüstern-
heit,
Wollust und Leidenschaft werfen sie über das Antlitz der Erde und
nennen
sich Propheten. (107)
!)
Eine Bezeichnung für die Gesamtheit der Mandäer, vgl. Joh. II, p. 5.
%)
Beides Bezeichnungen für diese Welt.
%)
Lies SOUND NDND IP NDR) NMNIT, vgl. die Var. in D.
#)
Nach der Beschneidung wird an der Wunde das Blut ausgesogen, So kommt dem
Möhöl
(Beschneider) leicht Blut ins Gesicht. Vgl. auch B.
5)
Dies weist auf Spaltungen unter den Juden hin.
*)
Es ist unklar, wie das gemeint ist; }D bedeutet hier kaum „mit“. Siehe übrigens
die
Parallelstelle.
”)
nna2ın steht im Mandäischen vielfach im Sinne von falscher Weisheit, After-
weisheit.
Ich fasse den Satz so auf, nicht im Sinne „sie entfernen die Weisheit aus ihrem
Herzen
und werfen Bestrickung in die Welt‘ (73 Vorwegnahme von NDOND) namentlich mit
Rücksicht
auf R 121,9; vgl. auch R 375, 15.
8)
Siehe zu diesem Gebrauch von Swan) P'DN auch L 33,19. Doch vielleicht
geradezu
„sich benennen“, vgl. NOYW PYDN Joh. 117,12. und siehe Z. 31.
ın
u
5
25
30
in
Io
I
in
20
2
30
3
in
wa
36
Rechter Teil. 24, 10—25, 18
nd
170.
Ich nun, der erste Gesandte, lehre und sage allen Näsoräern ‘), die
jetzt
sind und die noch geboren werden sollen: Höret nicht auf ihre Rede
und
irret nicht vom Wege des Lebens ab. Meine Auserwählten! Haltet es
nicht
mit diesen, die nicht in einer Rede dastehen. Erkennet in ihrer Rede,
daß
sie sich gegenseitig der Lüge bezichtigen. Ein König schmäht den
anderen
König, ein Prophet straft den anderen Propheten Lügen. Sie rufen
die
Menschenkinder heran, machen sie gierig nach Gold und Silber, Geld
und
Gut, erfüllen sie mit Begierde und verführen sie. (108)
171.
Einige von ihnen nehmen sie durch Gesang, Tanz und Wollust
gefangen.
Einige von ihnen verführen sie durch Bilder von Gold und
Silber,
durch Bildwerke aus einem Klotze, durch Götzenschreine aus Ton
und
sonstige nichtige Werke. (108)
172.
Einige von ihnen bedrücken sie mit Schwert, Säbel, Schlag,
Krieg,
Kampf, Angst und Schrecken, ängstigen sie und befehlen ihnen und
machen
sie gegen ihren Willen zu Sklaven der Planeten. (109)
173.
Einige von ihnen verführen die Kinder Adams durch Demut und
Schmeichelei,
[25] durch Süßigkeit und Schlauheit, durch List und Täuschung.
Den
Namen Gottes legen sie ihnen in den Mund’) und sprechen zu ihnen:
Dies
sind die Bücher und Reden, die der Große, Erhabene uns verliehen
hat.
Sie mischen darunter Reden, durch die deren Seelen gehemmt werden °)
und
zugrunde gehen. Sie verdrehen ihnen das Herz und werfen Torheit‘)
in
die Welt. (110)
174.
Ich nun, der lautere Gesandte, sage euch: Höret nicht auf die
Rede
der Lügenpropheten, die sich als Propheten der Kustä hinstellen und
sich
den drei Uthras gleich machen, die in die Welt gegangen sind°). Ihr
Glanz
ist kein Glanz, ihr Gewand ist ein Gewand des Feuers. Einige von
ihnen
sind mit Gewändern der Finsternis bekleidet, mit Hüllen der Dunkel-
heit
bedeckt, und ihr Geruch ist häßlich und stinkend. (111)
175.
Euch sage ich, meine Auserwählten, euch rufe ich zu und lehre
ich,
meine Gläubigen: Kleidet euch in Weiß und bedecket euch mit Weiß
gleich
den Gewändern des Glanzes und den Hüllen des Lichtes. Leget
weiße
Kopfbinden um gleich den prangenden Kränzen®). Bindet euch
Gürtel
um [gleich den Gürteln] lebenden Wassers, welche die Uthras um
ihre
Hüften binden. Leget gespaltene Schuhe an und nehmet Stäbe in
eure
Hand gleich den Stäben lebenden Wassers, welche die Uthras am
Lichtorte
tragen. (112)
176.
O ihr Gläubigen und Vollkommenen! Saget nichts, was ihr nicht
1)
Bezeichnung für die Mandäer. Über die Bedeutung des Wortes und dessen Zu-
sammenhang
mit dem neutestamentlichen Na&wpaios siehe Lit., p. XVIff., ZIMMERN, ZDMG
LXXIV
(1920), p. 429ff. und meine Bemerkungen Zeitschr. f. Semitistik I (1922), p.
280.
2)
Siehe oben p. 4, 26. 3) Am Aufstieg zum Lichtort.
*)
B (47,12) hat „Abfall“. Siehe auch p. 29,9.
5)
Siehe oben p. 15,12; 16,13 und Brandt, Rel., p. 122f.
®)
Der himmlischen Wesen, die weiß sind.
4
25,
18—26, 20 Erstes Buch. 27
wisset
und euch nicht offenbart ist. Denn es gibt niemanden, dem die ver-
borgenen
Dinge offenbart wären, außer dem Großen, Erhabenen, der Alle
kennt
und durchschaut. (113)
177.
Meine Auserwählten! Wappnet euch mit einer Rüstung, die nicht
von
Eisen ist. Eure Rüstung sei das Näsäräertum'‘) und die wahrhaften
Reden
des Lichtortes. (114)
178.
Gebet einander gute Ratschläge, wie ihr gewarnt und angewiesen
seid.
Wie ihr mit euren Augen sehet, mit eurem Munde rufet, mit euren
Ohren
höret, so tuet mit euren Händen gute, [26] schöne Werke. Gleichet
nicht
den schlechten Pflanzen, die Wasser trinken und ihrem Herrn keine
Früchte
bringen. (115)
179.
Meine Auserwählten! Sehet, ich habe euch über das Licht ver-
kündet,
für das es weder Ende noch Zahl gibt. Ich habe euch über die
Finsternis
und das lodernde Feuer verkündet. Ich habe euch über den
Satan
verkündet, der ohne Kraft und Festigkeit ist und sich nicht aus dem
verzehrenden
Feuer und dem Brande retten kann. (116)
180.
Dies ist die erste Lehre, die Adam, dem Haupte des lebenden
Geschlechtes,
verliehen wurde. Es war eine Rede und ein Zeugnis.
181.
Alsdann°) wird die Welt durch Schwert und Pest hingerafft. Es
ist
den Seelen bestimmt, daß sie bei jenem Scheiden aus ihrem Körper
scheiden.
Und diese Seelen steigen ohne Sünden und Verschuldungen zum
Licht
empor.
182.
Dann bleiben übrig Ram der Mann und Rüd das Weib; das Haupt
des
Zeitalters werden sie genannt. Dann wird die Welt aus ıhnen neu er-
weckt,
und die Welt vermehrt sich.
183.
Adam dem Manne ist bestimmt, tausend Jahre zu dauern‘). Von
Adam
dem Manne bis Ram und Rüd sind es dreißig Generationen. Sie.alle
steigen
in einem Aufstiege zum Licht empor, weil sie in einer Lehre da-
stehen,
in einer Rede wandeln und in einer Lobpreisung zeugen. (118)
184.
Alsdann wird die Welt durch Feuerbrand hingerafft. Es bleiben
übrig
Surbai der Mann und Sarhabel das Weib. Alle Seelen scheiden bei
jenem
Scheiden aus ihrem Körper und steigen zum Licht empor, weil
sie
die erste Lehre nicht verfälschen und die erste Rede nicht ver-
drehen.
(119)
1)
Siehe zu NMINYN) und der Variante SPYYN) Lit., p. XVII.
2)
Es folgt hier ein Fragment über die vier Weltzeitalter, von denen auch sonst im
mandäischen
Schrifttum die Rede ist, außer in B auch Joh. II, p. 93 (hier in Anm. 4
sonstige
Nachweis),
195, 244. Die beiden Paare Räm und Rüd, Surbai und Sarhabel als Häupter der
Zeitalter
(man beachte die Alliteration) sind anderweitig unbekannt. Der Name Sarhabel
ist
ein
arabischer Mannesname und findet sich auch bei den Mandäern als Name männlicher
Lichtwesen.
5)
In den Midraschim wird erzählt, daß Adam eigentlich tausend Jahre leben sollte,
er
habe jedoch freiwillig siebzig Jahre an David abgegeben, vgl. GRÜNBAUM, Neue
Beiträge
zur
semit. Sagenkunde, p. 63.
wa
Ds
o
20
30
Io
15
20
25
35
98
Rechter Teil. 26, 20—28, 3
185.
Dann wird die Welt neu erweckt und vermehrt sich. Von Ram
und
Rad bis Surbai und Sarhabel sind es fünfundzwanzig Generationen. (120)
186.
Alsdann nach Surbai und Sarhabel wird die Welt durch Wasser-
fluten
hingerafft. Es bleiben übrig Noah von der Arche und Sem (Sum),
der
Sohn Noahs. Die ganze Welt wird durch Wasser hingerafft, [27] denn
es
ist für sie niedergeschrieben, daß die Seelen bei jenem Scheiden aus
ihrem
Körper scheiden und zum Licht emporsteigen. (121)
187.
Vom Zeitalter des Surbai und der Sarhabel bis zum Zeitalter des
Noah
sind es fünfzehn Generationen. (122)
188.
Von Noah dem Manne wird die Welt sich vermehren, und sie
werden
in einem Rufe und Lobpreis zeugen. Und eine Rede werde ich
verkünden,
ich, der Gesandte des Lebens, und die beiden Engel, meine Be-
gleiter.
(122)
189.
Von Noah dem Manne bis daß der Platz Jerusalem gebaut wird
sind
es sechs Generationen. Es besteht tausend Jahre in Blüte. (123)
190.
Dann wird geboren und tritt auf der König Salomo, der Sohn
Davids,
und er wird König von Juda und der mächtige Herrscher über
Jerusalem.
Die Dämonen und Dews unterwerfen sich ihm und gehen nach
seinem
Willen, bis er sich selber verherrlicht und für die Güte seines Herrn
undankbar
ist. Dann wenden sich die Dämonen und Dews von seiner Rede
ab,
und die Herrschaft wird ihm genommen. (124)
191.
Dann erscheint Christus, der Prophet der Juden. Er ruft den
Planeten
zu, er macht sie zu seiner Partei, und ein jeder kämpft für
ihn).
(125)
192.
Die sieben Dews, die Verführer”), verführen alle Kinder Adams.
Der
erste ist Sami$ mit Namen (die Sonne). Der zweite ist der heilige
Geist,
Estraä (Venus), auch Libat, Amamit mit Namen. Der dritte ist Nbü
(Merkur),
der Lügen-Messias, der die erste Lobpreisung verfälscht. Der
vierte
ist Sin (der Mond), Saurel mit Namen. Der fünfte ist Kawan
(Saturn),
der sechste Bel (Jupiter), der siebente Nerig (Mars). (126)
193.
Die Dews vom Hause des Sami& schenken ihren Verehrern Gold
und
Silber und Üppigkeit des Baurhes. Boten schickt er in die Welt hin-
aus,
und sie führen die Menschenkinder zur Verehrung von Sonne und
Mond.
(127)
194.
Die Dews vom Hause der Libat lassen Wahn, Ehebruch, Unzucht,
[28]
Hurerei, Lüsternheit, Leidenschaft, Gesang und Zauberei auf die
Menschenkinder
los. (128)
195.
Die Dews des Nbü-Christus überfallen hinterlistig die Menschen-
'!)
Das steht hier. Die Vorlage hatte aber sicherlich wie B (Text 50, 24) abi by
VNIRDND
TOT, ein jeder „kämpft um das, was nicht ihm gehört“, wie denn überhaupt B
hier
offenbar besser die Vorlage wiedergibt. Doch rührt die Abänderung wohl vom
Bearbeiter
von
A selber her, da der jetzige Wortlaut besser zum vorhergehenden Satze paßt.
?)
NN ist wohl erst unter Einwirkung der folgenden Ausführungen eingefügt. Auch
NDNOND
an der Parallelstelle ist wohl sekundär.
28,329,
7 Erstes Buch. 29
kinder.
Sie verbreiten sich unter ihnen, nehmen sie aus ihren Häusern und
ihren
Familien gefangen, verschleppen sie auf Berge und Ebenen, lassen sie
für
sich dasitzen, und ihr Geschlecht und ihr Same fließt ihnen auf die
Beine‘).
Die Dämonen und Dews «+++» die Menschenkinder. Sie nehmen
die
Körper gefangen und quälen Geist und Seele. Sie nehmen ........ 5)
nicht
an, und für sie gibt es weder Medikament noch Heilung. Er selber
erscheint
seinen Verehrern und Verehrerinnen im Feuer und spricht zu
ihnen:
„Sehet, wie mein Glanz über der Welt aufgegangen ist.“ Sie wissen
nicht,
daß es nicht sein Glanz ist. Torheit verbreitet er in der Welt. (128. 145)
196.
Die Dews vom Hause des Kewän werfen Klage, Weinen und
(falsche)
Weisheit‘) in die Herzen der Menschen und entreißen sie der
Gnade.
(129)
197.
Die Dews vom Hause des Nerig überfallen die Menschenkinder,
schinden
sie‘), zerschneiden ihnen das Fleisch und vergießen ihr Blut auf
die
Erde. Sie werden Schinder, Pfaffen, Priester und Orakelmänner’) ge-
nannt.
(130. 160)
198.
Christus offenbart sich auch in einer anderen Gestalt‘). Mit Feuer
ist
er bekleidet, mit Feuer umhüllt und zeigt Wunderwerke im Feuer.
Amünel?)
ist sein Name, Jesus der Heiland nannte er sich selber. Auf
Feuer
ist sein Wohnsitz, und er zeigt seinen Wagen [im Feuer]. Er tritt
vor
euch und spricht zu euch: „Kommet, tretet zu mir, ihr werdet nicht
verbrennen
(verbrühen).“ Doch glaubet ihm nicht, denn in Zauberei und
Blendwerk
geht er einher‘). (131)
199.
Wenn er euch bedrängt, saget ihm: „Wir gehören zu dir.“ Doch
in
eurem Herzen bekennet ihn nicht und fallet nicht vom Worte eures
Herrn,
des hohen Lichtkönigs, ab. Denn dem Lügen-Messias sind die ver-
borgenen
Dinge nicht geoffenbart. (132)
200.
Er sagt: „Ich bin Gott, [29] Gottes Sohn, den mich mein Vater
hierher
gesandt hat.“ Er erklärt euch: „Ich bin der erste Gesandte, ich
bin
Hibil-Ziwä, der ich aus der Höhe gekommen bin.“ Doch bekennet ihn
nicht.
Denn er ist nicht Hibil-Ziwaä. Hibil-Ziwa ist nicht mit Feuer be-
kleidet,
Hibil-Ziwa offenbart sich in jenem Zeitalter nicht. Vielmehr Enös-
Uthra
kommt und begibt sich nach Jerusalem, mit einem Gewande von
_
Wasserwolken bekleidet. In körperlicher Gestalt schreitet er, doch ist er
mit
keinem körperlichen Gewande bekleidet. Glut und Wut ist an ihm
nicht.
(133. 135. 149)
1)
NDBN bezeichnet im Mandäischen auch das Geheglied, das „Bein“, besonders den
Oberschenkel,
siehe R 226, 14; 337,13; 338,7; Lit., p. 20,12; 56,5
2)
SIND „Zahl“ paßt nicht, aber auch NND B bietet wohl nicht das Ursprüngliche.
®,
Siehe oben, p. 25°.
“)
Wohl so aufzufassen. Im Talmud wird nbw auch im Sinne von FE ge-
braucht,
vgl. LEVY, Neuhebr. Wörterb. IV, p. 565b.
5)
NONT ist nach ZIMMERN das babylonische zaddu, das eine Priesterklasse
bezeichnet
(DELITZSCH,
Assyr. Handwörterbuch, p. 2508). Zu NN siehe Lit., p. 225,
%)
Knüpft an 195 an. ”) D. h. Immanuel. 8) Der NUDND.-
25
30
35
in
Lie}
20
25
30
Rechter Teil. 29, 7—80,7
201.
Er geht und kommt in den Jahren des Paltus (Pilatus), des
Königs
der Welt. Enos-Uthra kommt in die Welt mit der Kraft des hohen
Lichtkönigs.
Er heilt die Kranken, macht die Blinden sehend, reinigt die
Aussätzigen,
richtet die Verkrüppelten, auf dem Boden Kriechenden auf,
daß
sie gehen können, macht die Taubstummen redend und belebt die Toten.
Er
gewinnt Gläubige unter den Juden und zeigt ihnen: es gibt Tod und es
gibt
Leben, es gibt Finsternis und es gibt Licht, es gibt Irrtum und es gibt
Wahrheit).
Er bekehrt die Juden zum Namen des hohen Lichtkönigs. (136)
202.
Dreihundert und sechzig Propheten gehen aus der Ortschaft
Jerusalem
hervor. Sie bezeugen den Namen des Herrn der Größe. Enös-
Uthra
steigt dann in die Höhe und setzt sich zu den Msunne-Kusta°). (Alle
Uthras
sind vor den Augen der Menschenkinder verborgen.) Alsdann wird
der
Platz Jerusalem verwüstet, die Juden gehen in die Verbannung und
werden
in alle Städte zerstreut. (137)
203.
Alsdann kommt Ahmat, der Sohn des Zauberers Bizbat®). Einen
Ruf,
der kein Ruf ist, verbreitet er, viel Übel schafft er in der Welt und
verleitet
den Stamm der Seelen zur Verfehlung‘). (164)
204.
Einem jeden, der in jenem letzten Zeitalter übrig bleibt und mit
dem
Ruf, [30] der Kraft und der Verkündigung zum Jordan hinausziehi, dem
wird
man mit Fahnen, Fahnen des Glanzes, aus dem Lichtort entgegen-
gehen.
Die Näsoräer, die das Kopftuch sich um das Haupt legen, werden
mir
Generationen und Welten wert sein’). Auf jeden Mandäer, der in der
Kusta
verharrt, werde ich, Mandä dHaije, meine Rechte legen. So horchet
denn
und höret und lasset euch belehren, meine Auserwählten, damit ihr
siegreich
emporsteiget und den Lichtort schauet.
Das
Leben ist siegreich über alle Werke.
t)
Siehe p. 205ff. (Text).
2)
Die zur Seligkeit entrückten Mandäer, vgl. Joh., p. XVIH.
3)
Der Prophet Mohammed, siehe Joh. II, p. 1931.
4)
Lies FOWWND) siehe auch p. 24°. 5) Lies NONWN, siehe oben, p. 17%.
gr
Ö
Zweites
Buch.
1.
Im Namen des großen, fremden Lebens aus den Lichtwelten, des
erhabenen,
das über allen Werken steht, werde Heilung und Sieghaftigkeit,
Kraft
und Festigkeit, Rede und Erhörung zuteil mir NN und meiner Gattin
NN
wegen dieses Buches. Unser Sinn, unser Wissen und unsere Erkenntnis
leuchte,
unsere Gestalt glänze, unser Antlitz prange hier in der Tibil und
jenseits
in der Lichtwelt, und unser Name werde aufgerichtet bei Jäwar-
Ziwa
und Simath-Haije. (1)
Erstes
Stück.
Siehe
oben, p. 3.
2.
Im Namen des großen Lebens seiest du gepriesen, mein Herr,
reinen
Herzens, du Herr aller Welten. (3)
3.
Gepriesen sei dein Name, du Herr der Größe, im Namen und in
der
Kraft des Herrn der Größe, Lichtkönig, Herr aller Welten, reiner Glanz
und
großes Licht, das nicht vergeht, Mitleidiger, Erbittlicher, Barmbherziger,
Erlöser
aller Gläubigen, Festiger aller Guten. Der Große, Hohe, Gepriesene,
Mächtige,
Weise, Wisser, Unterscheider, der Machthaber über jegliches Ding.
Der
Herr der Oberen, Mittleren und Unteren, das große Antlitz der Herr-
lichkeit,
[31] der unsichtbar und dessen Macht unbegrenzbar ist, der keinen
5
Io
15
Genossen
an der Krone, keinen Teilhaber an der Herrschaft hat. Wer auf 20
ihn
vertraut, kommt nicht in Schande, wer seinen Namen aufrichtig preist,
kommt
nicht zu Falle, wer im Vertrauen auf ihn dasteht, wird nicht er-
niedrigt.
(4)
4.
Der Herr aller Könige sprach mit hoher Macht und gewaltiger Rede,
da
entstanden die Engel des Lichtes aus reinem Glanz und großem Licht, 25
das
nicht vergeht. Engel der Lobpreisung kamen empor und wurden ins
Leben
gerufen, für die es nicht Ende, Zahl oder Vergehen gibt. Sie sind
alle
voll Lobpreises und stehen da und preisen den hohen Lichtkönig, dessen
Glanz
reicher ist, als daß man ihn mit dem Munde schildern, und dessen
Licht
größer ist, als daß man es mit den Lippen aussprechen könnte. Sein 30
|
Licht leuchtet und sein Glanz strahlt über alle Welten. (6. 40)
5.
Nichts war, da er nicht war, nichts ist, so er nicht ist. Die Könige
mit
ihrem Glanze und dem großen Lichte, das über ihnen lagert, mit dem
In
25
30
85
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