380
Rechter Teil. 282, 2—283, 2
Gestalt
emporsteigen. Doch er fand kein Tor, dadurch einzutreten, keinen
Weg,
auf ihm zu gehen, keinen Aufstieg, auf ihm emporzusteigen. Denn
jene
Gestalt, die er schaute, war in der Höhe, während er in der Tiefe war,
wie
die Menschen, das Getier und das Vieh nicht zur Höhe des Himmels
emporsteigen
können. Er erhitzte sich und erglühte, wie der gierige Löwe
über
die Beute, und ruhte und rastete nicht in seiner eigenen Wohnung.
Er
schrie, wieherte und pfiff laut. Die Lichtwelten hörten die Stimme und
schauten
die Gestalt des dumpfen Dämons. Das hinfällige Heer‘) ver-
sammelte
sich. Sie schauten und betrachteten einander wie ein Körper, dessen
Glieder
plötzlich zu zittern begannen, und erklangen wie eherne Geräte.
Alsdann
ging eine Stimme vom hohen Lichtkönig aus, und er sprach
zu
den Welten des Lichtes und den Skinäs der Uthras: „Bleibet ruhig, ihr
Uthras,
in euren Skinas sitzen. Ängstiget euch nicht vor dem Zorn des
dumpfen,
bösen Dämons, der in Zorn geraten ist. In seinem eigenen
Behälter
soll er festgehalten werden. Er soll festgehalten werden in seinem
eigenen
Behälter, alle seine Pläne sollen zunichte werden. Zunichte werden
sollen
seine Pläne und seine Werke nicht zustande kommen.“
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden. Gepriesen
sei
das Leben; das Leben ist siegreich.
Siebentes
Stück.
Das
Stück rührt von demselben Verfasser her wie das vorhergehende und die
Schilderung
der
Lichtwelt im ersten Traktat, siehe p. 3. Es gibt eine ergänzende Belehrung über
die
Natur
des Nordens und das Weltmeer.
Im
Namen des großen Lebens.
Dies
ist die Belehrung und Offenbarung, die den abgesonderten
Männern)
offenbart wurde, die sich von der Tibil und den Werken der
Verführer
abgesondert haben.
Sehet,
was ich euch über die Welten des Lichtes und über das, was
in
ihnen ist, sage. Ich habe euch über die Welt der Finsternis und ihre
Geschöpfe
belehrt. Ich habe zu euch von dem hohen Lichtkönig gesprochen,
dessen
Macht weit, gewaltig und endlos ist, von der gepriesenen Erde, von
den
Uthras und Königen in ihr, die in der oberen Höhe außerhalb der
Tibil
im Norden wohnen, an dem Orte, von dem das lebende Wasser kommt,
durch
das [283] alle Welten prangen, woher Glanz der Sonne, Helligkeit
dem
Monde, Schimmer den Sternen, Schein dem Feuer kommt, woher die
»)
Vgl. p. 82, 22; 1038.
?)
NYNW'ID auch hier in Verbindung mit WED „absondern“, siehe p. 277%.
283,
3—284, 11 Zwölttes Buch. Siebentes Stück. 281
Nordluft
und der angenehme Wind, der König aller Winde, kommt; durch
ihn
leben alle Wesen und fühlen sich wohl. Wenn die Luft‘) auch nur
einen
Tag nicht wehen sollte, würden alle Seelen, die in der Tibil sind,
sterben
und erlöschen.
Wenn
ihr sagt, mit der Nordluft komme Hagel und Zorn‘), so erkläre
ich
euch, daß sie nicht aus der Lichterde kommen. Vielmehr in die oberste
Erde
der Tibil sind ausgedehnte Berge geschnitten. Schnee und Hagel
kommt,
fällt auf sie und schmilzt nicht im Winter und Sommer. Von da her
kommt
der Nordwind, weht darüber, und der Hagel kommt zusammen mit
dem
Winde, wie wenn jemand unter einem verwesenden Leichnam steht
und
der Geruch zugleich mit dem Winde herankommt.
Die
Sterne und Tierkreisbilder kreisen und gehen nicht am Tore des
Nordens.
Denn dort gibt es nichts Finsteres, das der Beleuchtung bedürfte.
Es
ist wie ein Erdenkönig, der in ein von ihm entferntes Gebiet ein Heer
sendet.
Denn die Erleuchter auf dieser Welt, die damit beauftragt sind,
sie
zu erleuchten, haben keinen eigenen Glanz.
Alle
Welt nennt den Norden „Höhe“ und den Süden „Niederung“ °).
Denn
die Welten der Finsternis liegen in der Niederung im Süden. Das
große
Weltmeer umkreist die ganze Tibil, außer dem Tore des Nordens.
Denn
man kann das lebende Wasser nicht vom Lichtorte abschneiden.
Alle
Welt bezeugt, daß das lebende Wasser unterhalb des Thrones
Gottes
hervorkommt, doch verstehen sie nicht, was ihr Mund redet.
Die
anderen, die heißen Winde, die zwischen den Mauern kreisen und
zwischen
[284] den Toren hervorbrechen, wehen über das Weltmeer. Denn
das
Weltmeer ist heiß und das Wasser ist heiß. An den niederen Bergen
kommt
der Hauch des Weltmeeres heraus und schmelzt ihren Schnee. Denn
das
Weltmeer ist den Welten der Finsternis, dem schwarzen Wasser, sehr
nahe,
denn das schwarze Wasser ist gar sehr dunkel und das lebende
Wasser
ist gering, denn in jenem ist der Erguß aller Meere, der in dasselbe
fällt.
Niemand trinkt davon, wie man gesagt hat:
Es
ist das schwarze Wasser,
das
siedet, kocht und sich windet.
Wer
davon trinkt, stirbt,
ein
jeder, der darauf tritt, verbrennt sich.
Niemand
kann seinen Geruch ertragen,
außer
daß er davon her ist‘).
Diese
Zonen sind über die Tibil verteilt. Wer in der oberen Zone
lebt,
ist heilfarbig, die in der niederen leben, sind schwarz, und ihr Aus-
sehen
ist häßlich gleich Dämonen.
1)
Siehe oben, p. 15°.
2)
Zorn der Gottheit, der sich in Unwetter und Schaden äußert.
3)
In Babylonien erklärlich. Weiterhin nach Norden ziehen sich ausgedehnte Alpen-
länder
hin, während der Süden Tiefland ist.
aBiche,p:
71,17; 72,9,27.
vi
-
-
[87
©
[0]
5
wı
282
Rechter Teil. 284,122
ui
Ein
jeder Einsichtige weiß, daß die Lichtwesen hier sind‘). Sehet:
sie
sind nicht auf der Tibil und nicht am Firmament. Denn, wären sie am
Firmament,
wo wäre ihr Aufenthalt, wenn Himmel und Erde vergehen?
Denn
was den Ort des Lichtkönigs anlangt, so war nichts, da er nicht
;
war, und nichts ist, so er nicht ist; für ihn gibt es kein Vergehen’).
Die
Finsternis nahm bei den Menschenkindern auf allen Wegen über-
hand
und verwirrte die Pfade. Wie man gesagt hat: Du hast der Welt
den
Weg verwirrt, und ihre Einwohner liegen da und werden zwischen
den
Wassern hin- und hergestoßen. Je mehr das Zeitalter abnimmt, desto
ıo
mehr bedrückt (sie) die Bosheit’).
Sehet
ein und lasset euch belehren, meine Auserwählten, und steiget
siegreich
zum Lichtort empor.
Und
das Leben ist siegreich.
‘)
Eigentlich „Lichtwelten“, siehe p. 6!. Nach dem Folgenden erwartet man, dab sie
nicht
hier sind.
2)
Siehe p. 6,1; 31,32.
®)
Siehe p. 221,30: 230,32.
N,
or
——Htl
Dreizehntes
Buch.
Gebet
des Priesters für die Gläubigen und Frommen in der Gemeinde, Warnungen
an
die Ungläubigen und Ungehorsamen. Ein junges Stück.
Im
Namen des großen Lebens werde mein Name NN und der meiner
Gattin
NN jenseits am großen Orte im Hause der Vollendung aufgerichtet.
Im
Namen und in der Kraft [285] des gewaltigen, fremden Lebens,
des
erhabenen, das über allen Werken steht, im Namen des zweiten Lebens,
des
reinen Josamin, im Namen des dritten Lebens, dessen Name Abathur,
der
Alte, Hohe, Verborgene, Bewahrte ist, im Namen und in der Kraft des
Manda
dHaije, des Erhabenen in den Lichtwelten, im Namen des Silmai
und
Nidbai, die über den Jordan des Lebens und die große Taufe des
Lichtes
eingesetzt sind und den Seelen Zeugnis, Namen und Zeichen ver-
leihen,
im Namen des Hibil, Sitil und Anos, der drei Söhne des lebendigen,
glänzenden,
leuchtenden, hellen, prangenden Stammes legen wir Priester
dieses
Zeugnis ab über die Mandäer und Mandäerinnen und über ihre Söhne,
die
bereits ihr Inneres kennen und ihr Wissen wahrnehmen’), so am Sonntag
und
Vorabend des Tages®) nicht in den Tempel kommen, sich nicht an
die
Ordnung halten, auf ihre Priester nicht hören und nicht hinter den
Priestern
dastehn, das Gebet nicht verrichten, die Verbeugungen nicht
machen,
das Pihtä nicht nehmen, Kusta nicht reichen, die Gemeinschaft mit-
einander
nicht herstellen, ihre Söhne nicht taufen, ihre Töchter das Zeichen
des
Lebens nicht annehmen lassen, in deren Herzen der Glaube an das
gewaltige,
erste Leben keinen Platz hat, die mit den Verfolgten und Not-
leidenden
kein Mitgefühl haben, ihre Frauen, Söhne und Töchter am Vor-
abend
des Tages und am Sonntag nicht in den Tempel senden;
andererseits
über alle im Wasser getauften Mandäer und Mandäerinnen,
die
gläubigen Männer und Frauen, sowie ihre Söhne und Töchter, die
bereits
ihr Inneres kennen, die ihren Herrn lieben, das gewaltige, erste
Leben
bezeugen, so nichts war, da dieses nicht war, und nichts ist, da dieses
nicht
ist, die im Jordan getauft und mit dem Zeichen des Lebens gezeichnet
sind,
die am Vorabend des Tages und am Sonntag in den Tempel kommen,
1)
Die bereits einen reifen Verstand haben.
2)
Vermutlich der Vorabend des Neujahrstages, siehe Joh. II, p. 68*.
5
IO
18)
@)
30
20
30
103}
in
wre
wı
284
Rechter Teil. 285. 23—287, 10
sich
an die schöne Ordnung halten, die Verbeugungen verrichten, hinter
den
Priestern dastehn, das Pihtä nehmen, Kustä reichen, die Gemein-
schaft
miteinander [286] herstellen, ihre Söhne und Töchter taufen, sie das
Zeichen
des Lebens annehmen lassen, in deren Herzen der Glaube an
das
gewaltige, erste Leben ruht, die mit den Notleidenden Mitgefühl und
Erbarmen
empfinden, ihre Frauen, Söhne und Töchter am Vorabend des
Tages
in den Tempel senden, den Gottesdienst verrichten, in deren Haus
das
Almosen nicht übernachtet‘), sie es vielmehr nach dem Tempel bringen.
Das
gewaltige, erste Leben, das erhabene, das über allen Werken steht,
Josamin
der Reine, Abathur, der Alte, Hohe, Verborgene, Bewahrte, der in
dieser
Welt Raina uRast ist’), Silmai und Nidbai, die über den großen
Jordan
des Lebens und die große Taufe des Lichtes eingesetzt sind, die in
dieser
Welt Zeugen über die Seelen anrufen, Ptahil der Bote, dessen Name
Gabriel
ist’), der mit der Kraft‘) des Lebens und dem Worte seines Vaters
den
Himmel ohne Pfeiler ausgespannt und die Erde ohne Verdichtung
gedichtet
hat, [durch den] am Himmel Sterne gebildet wurden, der auf der
Erde
Früchte, Trauben und Bäume schenkte, Glanz der Sonne und Helligkeit
dem
Monde brachte, der mit der Kraft des Lebens Adam schuf, ihm Hawwa
als
Weib pflanzte und den Segen über sie sprach, so daß bis zum Ende
der
Welten ihre Wurzel und ihre Stämme von dieser Welt nicht verschwinden,
sie
sollen allen Gläubigen und allen im Wasser getauften Mandäern beistehen,
die
alle diese guten Werke üben, diese Wohltaten verrichten, das Leben
bezeugen,
Manda dHaije bekennen und den Lobpreis dieser drei Männer or
der
Söhne des lebendigen, glänzenden, prangenden, hellen, leuchtenden
Stammes
bezeugen und an ihn glauben.
Dieses
Gebet verrichten wir und diese Bitte sprechen wir aus, wir
Priester.
Manda dHaije erlöse uns von der Schlechtigkeit dieser Welt.
[287]
Er sei uns ein Helfer, Beistand, Erlöser und Erretter von den Wacht-
häusern
der Planeten, vor denen die Seelen sich ängstigen, von dem Schwerte,
dem
Unglück und der Seuche dieser Welt, von den bösen Plänen der Bösen,
von
der dritten Zunge, die weicher als Fett und schneidender als das
Schwert
ist, von dem bösen Geschrei, vom verderbten Kranze, vom zweiten
Tode
und den Augen des Schadens’).
Der
Segen, der über die Erde mit ihrer Verdichtung, über den Himmel
mit
seiner Zeltdachspannung, über die leuchtende Sonne, den Mond, der
des
Nachts scheint, die Sterne, die am Firmament glänzen und leuchten,
N
IRININD würde heißen „es glänzt nicht‘‘, was keinen Sinn gibt. Ich vermute
ANRIND.
°)
D. i. der persische Rasnu razista „Rasnu der Gerechteste“, der die goldenen
Wagschalen
hält, in denen die Seelen der Abgestorbenen beim Gericht gewogen werden,
siche
Grundriß der iran. Philologie II, p. 643.
?)
Siehe oben, p. 3,10; 64,2 und Brandt, Rel., p. 55 unt.
=)
Lies NIRDANIT, vorher steht noch im Text: „und mit der Kraft des Lebens, sowie
des
Hibil, Sitil und Anös, die Muhur, Rus und Rast sind, (d. i. Mithra, Sraosa und
Rasnu,
siehe
Grundriß ebda., p. 642) und mit der Kraft des Boten Ptahil“.
°)
Siehe oben, p. 250. °) D. h. dem bösen Blick, siehe auch Lit., p. 39.
287,
10— 288, 24 Dreizehntes Buch. 285
über
die Luft, das lebende Wasser, die Frucht der Erde, über Adam, den
ersten
Mann, sein Weib Hawwä, seine Kinder und Stämme, über die
Gesandten
und Propheten, über die Auserwählten und Vollkommenen, über
die
Gläubigen und Vollkommenen des Lichtes gesprochen wurde, werde
ihnen
zuteil, sowie ihren Frauen, Söhnen und Töchtern, ihrem Kauf und
Verkauf,
ihrem Lande und Wasser, ihren Tieren und ihrem Gut, ihrem
Samen
und ihrer Saat auf dem Felde und im Dorfe.
Manda
dHaije sei ihnen ein Helfer und eine Stütze in dieser Welt der
Bösen.
Was sie suchen, sollen sie finden, was sie erbitten, soll ihnen
gewährt
werden, [sowie] ihren Freunden und den Freunden ihrer Freunde.
Ferner:
die Mandäer, die nur mit ihrem Munde beim Namen des Mandä
dHaije
stehen, im Herzen aber ohne Glauben sind, die den bösen Bäumen
gleichen,
die lebendes Wasser trinken, aber keine Früchte hervorbringen,
die
dem räuberischen Wolfe und dem niederstürzenden Löwen gleichen, die
nicht
in den Tempel kommen, kein Gebet verrichten, nicht hinter den
Priestern
dastehn, das Pihtä nicht nehmen, Kusta nicht reichen, [288] die
Gemeinschaft
miteinander nicht herstellen, kein Almosen nach dem Tempel
bringen,
ihre Frauen und Kinder nicht nach dem Tempel mitbringen, ihre
Frauen
und Kinder nicht hinschicken, am Vorabend des Tages und am
Sonntag
ihre Söhne nicht taufen und ihre Töchter nicht das Zeichen des
Lebens
annehmen lassen, die Männer, die Frauen aus den zwölf Pforten
nehmen,
die Jüngerinnen'), die in die zwölf Pforten eintreten, die man nicht
belehren,
nicht unterrichten und nicht aufklären kann, daß das Leben älter
ist
als der Tod, das Licht älter als die Finsternis, die Guten trefflicher sind
als
die Bösen, das Süße angenehmer ist als das Bittere, der Tag älter ist
als
die Nacht, der Sonntag älter ist als der Sabbat, das Nägaräertum älter
ist
als das Judentum, die oberen Wesen älter sind als die unteren, der
Jordan
lebenden Wassers älter ist als das trübe Wasser des Ortes der
Finsternis,
zu denen ihr Priester belehrend spricht, ohne daß sie auf ihn
hören,
deren Herz nicht erleuchtet ist, daß sie auf den Mann, der sie belehren
und
erleuchten will, hören, die den Ruf des Lebens verlassen und den
Ruf
der Finsternis lieben, die Genossenschaft des Lebens hassen und die
Genossenschaft
der Finsternis lieben, den Glanz und das Licht hassen und
die
Wohnung der Finsternis lieben, den Jordan lebenden Wassers verlassen
und
das trübe Wasser lieben, gegen sie rufen wir diese als Zeugen an:
Das
gewaltige, erste Leben rufen wir als Zeugen gegen sie an.
JoSamin,
den Reinen, der an den Schätzen des Wassers und an den
gewaltigen,
oberen, reinen Sprudeln des Lichtes ruht, rufen wir als Zeugen
gegen
sie an.
Abathur,
den Alten, Hohen, Verborgenen, Bewahrten, der in der Höhe
thront
und in der Tiefe verborgen ist, der die Welten und Generationen
durchsehaut
und versteht, der sieht, was sie tun, der über die Seelen ein-
)
SDNTONNN kann nicht Priesterinnen bedeuten, da es solche bei den Mandäern
nicht
gibt.
in
D
°
[07
in
163}
[®)
in
u
un
D
vi
30
286
Rechter Teil. 288, 24—290, 7
gesetzt
ist, um alle Werke, die sie tun, zu wägen, rufen wir ') als Zeugen.
[289]
gegen sie an.
Hibil,
Sitil und Anos rufen wir als Zeugen gegen sie an.
Die
Sonne und ihren Glanz, den Mond und seine Helligkeit rufen wir
als
Zeugen gegen sie an.
Den
Sonntag und das Almosenwesen °) rufen wir als Zeugen gegen sie an.
Den
Ruf des Lebens, das Wort, den Befehl und die Warnung, die
aus
dem Hause Abathurs und aus dem Hause des großen, ersten Lebens
kam,
rufen wir als Zeugen gegen sie an.
Die
Priester mit ihrem Zeichen, ihre Gebete, Bitten, Hymnen, Gebets-
ordnungen,
Reden, die Kreuze’) des Glanzes und die Olivenstäbe des
Glanzes
sind als Zeugen gegen sie angerufen.
Diese
Rede, dieser Befehl und diese Warnung wurden uns aus der
Lichterde
verliehen. Anos-Uthra, der Gesandte, brachte sie und gab sie
den
Priestern wieder‘), um den Welten und Generationen davon zu sprechen
und
sie hören zu lassen, damit man ihnen glaube, auf daß sie sprechen,
erhört
werden und Glauben finden und man sich nicht davon abwende.
Wenn
jemand sich von dieser Rede, diesem Befehle und dieser Warnung
abwendet,
die Anös-Uthra, der Gesandte, nach dieser Welt der Bösen und
dem
großen Orte, der reich an Bösen ist, brachte, so soll das Königtum
sich
gegen ihn wenden’). Die Sonne und ihr Glanz, der Mond und seine
Helligkeit,
das Wasser und seine Kraft, der Wind und seine Annehmlichkeit,
das
Feuer und sein Schimmer, die Erde und ihre Früchte, der Himmel und
sein
Tau, die Welt und die Gläubigen in ihr, der Tempel, die Priester, der
Sonntag,
das Almosenwesen, das Pihta, Kusta und Mambüha, der Jordan,
in
den sie hinabstiegen, in dem sie die Taufe empfingen und aus dem sie
das
Zeichen empfingen, sollen Zeugen gegen sie sein.
Ferner
rufen wir diese wahrhaften Zeugen gegen alle an, Mann und
Weib,
Knaben und Mädchen, die sich zum Namen des Manda dHaije be-
kennen,
sich aber im Jordan nicht taufen lassen und sich mit dem Namen
und
Zeichen des Lebens nicht gezeichnet haben. [290] Sie stehen außer-
halb
der Kustä und tun Dienste außerhalb der Gnade‘). Wir Priester
belehren
sie und wecken sie, doch sie wollen nicht hören und nicht glauben,
so
werden sie denn wegen ihrer eigenen Sünden zur Rechenschaft gezogen
werden.
Wenn sie sich jedoch belehren lassen, von Mandä dHaije, der der
erste
Gesandte ist, zeugen, nach dem Willen ihres Herrn und dem, was
die
Priester ihnen sagen, handeln, so wird ihnen ein Sündenerlasser zuteil
werden.
Wenn sie nicht handeln und nicht hören, diese Belehrung nicht
1)
Lies Pamınd, so auch im Folgenden.
?)
Siehe Joh. II, p. 5.
°)
Das Banner der Mandäer, siehe Joh. II, p. 185%.
4)
Unsicher, ob DIN) statt IIANN zu lesen ist.
5)
Die Worte Fby Ten NMNDOND sind vielleicht eingeschoben, so daß das Folgende
der
Nachsatz ist. °) Zitiert aus p. 276, 29f.
290,
7—22 Dreizehntes Buch. 287
bezeugen
und auf sie nicht hören, wenn sie nicht fest (im Glauben) stehen
und
ihren Priestern nicht glauben, so wird ihnen kein Sündenerlasser zu-
teil
werden.
Wenn
sie nicht tun, was man ihnen sagt, sich nicht an die Ordnung
halten,
die Lehre, die der erste Gesandte ihnen anempfohlen, nicht bezeugen,
so
werden sie einen Sündenbinder haben und wegen ihrer Hände Werke
zur
Rechenschaft gezogen werden. Wenn sie wach und wachsam sind
und
der Mäna, der in ihnen wohnt, erweckt ist, so werden sie in den
Wachthäusern
der Planeten, dem Gerichtshofe, nicht zur Rechenschaft ge-
zogen
werden, und die Hand der Planeten wird keine Macht über sie haben.
Auch
ihren Frauen, ihren Söhnen und Töchtern, die gekommen sind und
kommen
werden, wird ein Sündenerlasser zuteil werden. Auch den Priestern
und
Gläubigen, die diese Belehrung den Mandäern zukommen lassen, wird
ein
Sündenerlasser zuteil werden.
Das
Leben ist siegreich über alle Werke; das Leben ist siegreich.
Doch
Rühä, ihre Kinder und ihre Geschöpfe unterliegen insgesamt
für
alle Ewigkeit.
in
un
I5
Vierzehntes
Buch.
Der
Traktat nennt sich „Das Buch vom großen Nbat“. Nbat wird an die Spitze der
Schöpfung
gestellt, von dem der vorausbestimmte Jäwar und dann in einer zweiten Schöpfung
Jösamin
„der Zweite“ ausgehen. Daran schließt sich ein anderes Stück an, in dem der
Schöpfer
das Leben und der erste Geschaffene der Mänä Jäwar ist. Das Leben beunruhigt
sich
über die Absichten Jösamins, auf dessen Schöpfungspläne hier wie sonst mit unklaren
Worten
hingewiesen wird. Jäwar bemüht sich, das Leben zu beruhigen. JöSamin sucht eine
Schöpfung
zu vollziehen, wird aber von den über ihn eingesetzten Wächtern daran
gehindert.
Er
schafft jedoch Söhne, die ihn dazu drängen, eine eigene Welt zu bilden. Er gibt
ihnen
den
Auftrag, und sie schaffen eine untere Welt; an der Arbeit beteiligt sich
besonders B’hag-
Abathur.
Von dessen Sohne Ptahil werden die Planeten geschaffen.
Das
Stück zeigt Berührungen mit dem dritten Buche, siehe p. 63f. In sprachlicher
Hinsicht
teilt es einige Eigentümlichkeiten mit dem elften Buche, so im Gebrauche von Dy
„mit“
(Text 292,19; 293,20) und von an INDy. siehe p. 250.
[291]
Im Namen des großen Lebens.
Dies
ist das Mysterium und das Buch vom großen Nbat, der hervorkam,
aufleuchtete,
aufblühte und gewaltig wurde. Vor ihm kamen Uthras hervor.
Bei
der ersten Hervorrufung sprach und rief er hervor achthundert Uthras
mit
einer Hervorrufung. Es kamen und stiegen empor zwei Uthras. Hervor-
gerufen
wurde Jäwar, der Vorausbestimmte, von dem «+++». Bei der zweiten
Hervorrufung
kamen und stiegen empor Josamin und Sar-Ziwa. Bei der
dritten
Hervorrufung kamen und stiegen empor geliebte, erwählte, sanfte,
ruhige
Uthras, deren Namen Sar') und Smir sind. Ihre Namen wurden zu
zweien
in einer Skinä gegründet.
Alsdann
verbreitete er sich aufblühend, erleuchtete und belehrte. Sie‘)
kamen
zu seiner Rechten und Linken hervor, er breitete Lobpreis über
sie‘),
und sie erglänzten in ihren Gewändern. Ihr Glanz vermischte sich
miteinander,
sie strahlen, leuchten und glänzen, denn an ihrem Gewande
war
weder Blut noch Fleisch, nicht war daran Eis und Verderben.
‘)
Lond. AC haben DND. Es findet sich öfter SD OND oder NYDD NIND DND (siehe
p-
67,21 und Lit., p. 282 unt.), nicht aber DND und '%D als zwei verschiedene
Wesen. Danach
ist
IND hier wohl ursprünglich. Auch Leid. hat XD.
®)
Die Uthras. ®) Siehe oben, p. 552.
291,
43—293, 7 Vierzehntes Buch. 289
Bei
der ersten Hervorrufung, die geschah, wurde der Mana Jäwar-Smir')
hervorgerufen.
Jäwar, der wohlbewahrte Mana, erhob sich und sprach zum
Leben,
seinem Vater: [292] „Du, Leben, mein Vater, du bist groß, nicht
gering.
Du bist gewaltig, nicht klein. Weit ist der Glanz an deiner Rechten,
weit
der Glanz an deiner Linken und groß das Licht über dir. Dieser Jordan
lebenden
Wassers ist vor dir kein Wasser. Die Tannäs schmolzen und
verbreiteten
sich aus dem ersten Behälter über die Erde des Äthers.“
Als
das Leben, sein Vater, diese Worte von Jäwar-Ziwä hörte, gefiel
es
ihm so sehr, daß es die Rechte auf ihn legte, ihm einen Kranz von
Siegen
um das Haupt legte, ihn von seinem Wissen lehrte und ihn „Unser
Gewand“
und „Unser Wort“ nannte. Er wurde das Wort des Lebens genannt.
Darauf
erhob sich das erste Leben von seiner eigenen Skinä, das Große
betete
und pries seinen Vater?).. Das Wort kam ihm vor seinem Vater
heraus,
da sprach er zu ihm‘): „Du darfst in deiner eigenen Welt alles, was
du
in Güte erdenkest, tun, und es ist mir lieb. Doch ist es mir unlieb, wenn
du
Häßliches ersinnest. Fern liege es, daß Häßliches bei dir sei. Vielmehr
komme
der Segen, mit dem ich dich gesegnet, über dich, und die Lichtwesen
sollen
sich auf der Erde des Äthers vermehren. Denn ich bin der Sohn
des
Jäwar. Mit dem Worte meines Vaters habe ich dich hervorgerufen,
und
durch seinen Befehl kam alles zustande, was er ersonnen. Auch du
tue
nichts ohne Befehl, sondern handle nach meinem Befehle. Dann werden
deine
Werke gelingen und deine Gestalt in hohem Glanz mit den Uthras
leuchten,
die du geschaffen. Diese werden erwählt, sanft und ruhig sein.
Du
wirst leuchten, und leuchten werden deine Geschöpfe. Was sie sagen,
tritt
in Erfüllung. Die Großen, ihre Söhne und die Geschöpfe, die sie
geschaffen,
erhalten Bestand.“
Alsdann
erhob sich das erste Leben von seiner eigenen Skina, es blühte
auf,
brachte zum Aufblühen und schuf vor sich‘) 360 Jordane. Über jeden
Jordan
setzte es zwei Hüter ein. Die Uthras, die über den ersten Jordan
eingesetzt
wurden, hatten den Namen [293] Adatan und Jadatan. Im Namen
jener
Uthras wurden 800000 Myriaden Uthras geschaffen. An jenem Tage
wurden
Uthras ohne Zahl geschaffen und wurden in jenem Jordan des Wassers
getauft.
Dort wurden 800000 Myriaden Uthras getauft und empfingen das
Zeichen.
Tausend mal tausend Uthras wurden getauft und durch den Glanz
des
Lebens gefestigt.
Darauf
blühte das Leben auf und ließ 360 Lichtwelten aufblühen. Es
schuf
den sanften, ersten’) Uthra, das Haupt der Schöpfung, und machte
1)
Lond. ABCD und Oxf. haben 5) „wurde von ihr Jäwar-Smir hervorgerufen“.
®)
Es ist nicht klar, wen der Verfasser sich als Vater des ersten Lebens denkt.
Der
Vater
bezeichnet sich weiterhin als Sohn des Jäwar, während dieser eine Schöpfung des
Lebens
ist.
3)
Der Vater zum Leben.
4)
Leid. hat PNONTIDD.
5)
Steht hier im Sinne von „hervorragend“.
Lidzbarski,
Ginza. 19
ın
-
[0]
in
35
ın
20
30
290
Rechter Teil. 298, 7—294, 9
ihn
zum Haupte seiner eigenen Welt — es gibt nichts, das endlos wäre,') —
*+*+»*
Myriaden Uthras in jener Welt des Lebens, im Jordan, in dem die
Uthras
gebildet wurden, in jener Skina, in der sie das Zeichen empfingen.
An
jenem Jordan war nicht Haß, Eifersucht und Zwietracht, an ihm war
keine
Unruhe, an ihm war keine Wirrung, an ihm war kein Zorn. Nbat-
Ziwa
schwang sich auf das Wasser, das Wasser brach hervor und stieg
seinem
Glanze entgegen. Darauf vermischten sich beide miteinander. Sie
blühen
auf, werden gewaltig und glänzen in ihrer Gestalt wie ein einziger
Glanz.
Das Wasser gleicht dem Glanze, und der Glanz gleicht dem Wasser.
Die
Erde jenes Jordans®) gleicht einem glänzenden Zeltdache und einer
unerforschlichen
Höhe. Alle’) wohnen im Anteil des Lebens, sie leuchten,
strahlen
und glänzen. Sie blühten auf und ließen aufblühen, und ihre
Gestalt
blühte auf. Dort war keine Verwüstung, noch zeigte sich der Plan
des
Vaters der Uthras‘). Der Glanz des Joösamin häufte sich dort nicht,
und
dieser überhob sich nicht zusammen mit den Uthras. Dort gab es
keine
Großmächtigen, sondern einer war bescheidener als der andere, und
ihr
Herz war ruhig und demütig. Der Herr der Größe°) frohlockte über
seine
Söhne, die Uthras, und sie freuten sich ihres Vaters, des Herrn der
Größe.
Ihr Glanz leuchtete aneinander, und sie preisen den Glanz ihres
Vaters,
der ihnen diesen Glanz verliehen und diese Welt ihnen geschaffen hat.
Alsdann
rief das Leben [294] den Jawar-Ziwä, in dessen Namen es
900000
Myriaden Uthras hervorbrachte. Es schuf ein Abbild‘), gab es ihm
mit
und sprach zu ihm: „Geh, tritt vor den Zweiten”) mit diesem Abbild,
wir
wollen sehen, was er sagt und worauf er sinnt.“ Da trat er vor ihn hin
und
sprach zu ihm: „O Jösamin, Sohn der Dmüth-Haije°)! Mein Vater hat
mich
hierher gesandt. Ja, das Leben, dein°) Vater, hat mir dies befohlen.
Es
sprach: Josamin weiß nicht, wer du bist.“
Ob
des Glanzes des Abbildes, das das Leben Jäwar mitgegeben, erbebte
und
erzitterte die ganze Skina des Josamın. Der Thron des Josamin erlag,
so
daß er zusammenknickte'%. Die Frauen'’), die vor ihm standen, er-
schraken.
Josamin erhob sich und wankte'®), er erhob sich und wankte,
1)5Slchesp.
758. 2) An den Ufern? 3) D. h. die Uthras.
‘)
Der Vater der Uthras ist Abathur, siehe p. 97 unt., und zum Plane Abathurs
siehe
p.
174,20ff. Freilich ist sonst häufiger vom „Plane“ JöSamins die Rede, siehe p.
147,28;
167,28,
und dies würde auch zum Folgenden besser passen.
°)
Dieser erscheint hier unerwartet, siehe oben, p. 4.
°)
Oder „sein (des Jäwar) Abbild“. In Leid. ist der Endbuchstabe zwar lang
gezogen,
steht
aber am Ende der Zeile. Das „Abbild“ ist wohl auch hier als Gattin gedacht,
siehe p. 1445,
”)
D. h. Jö$amin, das Preis Leben.
*)
Vgl. Joh., p. XXI unt. und hier, p. 118,13.
P)
D hat „mein Vater“,
9)
RIMDINN ist Inf. zu NIHNy, siehe R 173,8; 362,10.
“)
Eigentlich „Wolken“, siehe Uthra, p. 539 unt.
'®)
Dies scheint der Sinn von NINDY zu sein, das nur an dieser Stelle vorkommt. Es
kann
nicht zu IDN gehören: „versuchte zu gehen‘ od. ähnlich.
294,
9—295, 12 Vierzehntes Buch. 291
denn
er hatte keine Kraft, vor dem Glanze des Abbildes zu stehen. Die
Füße
standen ihm nicht auf dem Gestelle, und sein Herz wurde vor dem
Abbilde
unruhig hin und her geworfen.
Jäwar
nahm wahr, wie sehr das Herz des Josamin erschrocken war, da
milderte
er seinen Glanz und dämpfte') sein Licht und hemmte°) die Augen
des
Zweiten, in das Licht zu schauen. Jawar milderte seinen Glanz, faßte
ihn
bei der Fläche seiner Rechten, richtete ihn hoch vor sich auf und sprach
zu
ihm: „Halte dich fest, halte dich fest, mein Sohn. Siehe, der Glanz deines
Vaters
ist größer als dein Glanz. Das Leben, mein Vater, gedachte in Güte
deiner..
Ich bin das Leben, der Sohn des Lebens, mich, seinen Sohn, hat
es
zu dir gesandt.“ |
Das
Herz des Jo$amin nahm sofort Hochmut an, und er sprach: „Was
hat
es zu bedeuten, daß das Leben meiner gedacht hat? Ich bin ein
Großer!“
Josamin sagte sich aber: „Das Leben kennt mich nicht, warum
sollte
das Leben meiner gedenken? Es bringt mich nicht zu sich empor,
denn
mein Herz ist des Glanzes bar, vom Lichte abgeschnitten.“
Alsdann
ließ Jawar eine Lobpreisung von Jösamin zum Leben empor-
steigen,
und das Leben empfand Mitgefühl mit Josamin. Es legte die Rechte
auf
ihn, reichte ihm Kustä, und er reichte Kustä seinen Söhnen, den Uthras,
die
vor ihm saßen. Denn noch war, was kommen sollte, nicht eingetreten.
Darauf
— es gibt nichts, das endlos wäre, — [kam] der Gedanke dem
Herzen
des Josamin. Denn als er diesen Gedanken hegte, ließ ihn das
Leben
[295] nicht an sich herankommen. Doch weil er sein Sohn war,
zürnte
es ihm nicht; als einer aus seiner Wurzel war er geschaffen worden.
Als
dieser Plan aufkam, wurde er noch nicht ausgeführt, — es gibt
nichts,
das endlos wäre, — sowohl über das, was gemacht wird, als über
das,
was geschaffen wird, als über das, was gewesen ist. Ja, das Leben
wußte,
was von JoSamin geschehen würde, doch wahrte es Schweigen und
fragte
aus(!). Es sprach: „Wann wird denn der Zweite für sich Söhne
zeugen,
wie er es im Sinne vorhat?“
Da
sprach Jäwar, das Wort), die geliebte erste Schöpfung, an dem
das
Leben Gefallen hatte und dem es Bestand verliehen hatte, zu ihm:
„Während
du, mein Vater, dasitzest, hin und her fragest und redest, ist
dieses
Wort‘) in Erfüllung gegangen.“ Das Herz des Lebens beruhigte sich
darüber
nicht, sondern es sprach zu ihm: „Du bist zu allem befugt, was
du
sagest.“
Das
Leben verlieh ihm Gewand über Gewand und sprach zu Taurel,
der
Jawar genannt wird, dessen Name Säm-Smir-Zıwä ist, folgendermaßen:
2)
Lies SON, eigentlich „er unterdrückte“, vgl. hebr. YRM und babyl. sulmusu.
Leid.
hat Aypım Ar Fran. Siehe auch p. 261°.
®)
Siehe p. 258%. \
3)
Dies ist Epitheton Jäwars, nicht Objekt zu NORD.
#)
Wohl m statt NINTD zu lesen. Gemeint ist das soeben ausgesprochene Wort
des
Lebens. i :
19*
un
25
2
oO
25
30
35
292
Rechter Teil. 295, 12—296, 18
„Geh,
wirf wundersames, lebendes Feuer von Glanz und Licht mitten unter
unsere
Welten. [Unsere] des großen (Lebens) [Welten] sollen oben, und die
Welten
des Zweiten sollen unten sein. An der Grenze jenes Ortes’) sollen
die
Wasserbäche fließen; da sei die Grenze und das Endmaß für alle Welten“.
Es
häufte dem Jäwar Gewand über Gewand, es setzte über ihn zwei
Hüter
ein, Ogar-Hai und Pta-Hai, und gewährte ihm Glanz über Glanz,
reichlicher
als er hatte.
Darauf
löste Jäwar das Herz des großen Lebens in großen Pforten).
Alle
Uthras üben trefflich aus, wozu das Leben, mein Vater, ihnen rät 2),
Jäwar
sprach zu den Uthras und wurde erhört, er, dessen Name Sam-Ziwä
ist.
Alle Uthras dankten Jäwar und dankten dem Leben, wie sie es von
ihm
hörten.
Dann
sann (Jösamin) nach, sein Gedanke wurde schwanger, und der
Gedanke
war nahe daran, im Zweiten geboren zu werden‘). [296] Er erhob
sich
und wollte aus dem ersten Jordan des Lebens eine Schöpfung voll-
ziehen.
Doch die beiden Uthras ließen ihn nicht, die Wächter, die über
ihn
eingesetzt waren, deren Name Adatan und Jadatan ist, die die Taufe
vollziehen,
deren Zeichen das Leben angenommen und deren Taufe es
bestätigt
hat. „Du bist nicht befugt“, sprachen sie zu ihm, „aus diesem
großen
Jordan eine Schöpfung zu vollziehen, auf dem das Leben das Zeichen
aufgerichtet,
über den es Rede und Gehör hat, aus dem es schafft, was es will.“
Da
sprach er zu ihnen: „Wo soll ich hinziehen, um Geschöpfe hervor-
zurufen
und Söhne zu schaffen, wie das Leben mich geschaffen und zu
seinem
Sohne gemacht hat?“
Darauf
erwiderten sie ihm: „Wir sind Söhne, nicht Väter, wir sind zu
nichts
befugt. Wir haben nur den Jordan lebenden Wassers zu bewachen,
zu
bewachen, was in ihm ist. Du, du hast die Macht zu allem, was du
erdenkest.“
Da
ging er hin, stellte sich an die Spitze des unteren Jordans, unter
den
oberen Jordan. Er sprach und rief aus ihm drei Erstgeborene hervor.
Sie
waren eins, doch ihr Abbild zwei und dieses von einem Zorn.
Alsdann
— es gibt nichts, das endlos wäre. — Die Söhne des Zweiten
riefen
ihm in der Skinä ihres Vaters’) zu, während das Leben Schweigen
wahrte
und sein eigenes Wort bei ihm bewahrt blieb.
Darauf
wurden die Söhne des Zweiten (eines Gedankens) schwanger, ein
Gedanke
kam ihnen, und sie sprachen zu ihrem Vater: „Diese Welt, die aus-
gedehnt
ist, und dessen Glanz sehr ausgedehnt ist, ist deine und unsere Welt.
Woher
kommt es, daß wir in ihr nicht wohnen?“ Da erwiderte er ihnen: „Wir
1)
Zwischen der Welt des Lebens und der Welt des Zweiten.
®)
Der Satz ist verstümmelt.
®)
Auch dieser Satz ist wahrscheinlich nicht in Ordnung.
*)
Siehe oben, p. 78°.
5)
Vielleicht so, d. h. des Lebens. Leid. hat NYNIYN) 8732 71, doch ist der Text
hier
überhaupt nicht in Ordnung.
296,
18— 297, 21 Vierzehntes Buch. 293
wollen
lieber in der Welt des Lebens nicht wohnen, einem Insassen gleich,
der
kein eigenes Heim hat, den der Hausherr zum Zorne reizt und ihm
(böse)
Worte ins Ohr wirft. Wenn ich in der Welt des Lebens wohnen
sollte“,
sagte er zu ihnen, „so würde ich (freilich) dort sitzen bleiben.“ Doch
sie
sprachen zu ihm: „In einer Welt, die nicht dein ist, wollen wir nicht sitzen.“
Da
schalt sie ihr Vater heftig‘), doch kümmerten sie sich nicht um das
Schelten
ihres Vaters und wollten ihm einen häßlichen Rat erteilen. Manchmal
nahm
ihr Vater ihren Rat an, manchmal wiederum nahm er ihn nicht an.
Darauf
sprach Josamin: „Ich will mich erheben und zum [297] Leben
emporsteigen,
auf daß es mich ausführen lasse, was ıch wünsche, was aus
mir
hervorkommen soll.“ -
Das
Leben wußte, worauf der Zweite sann, und es sprach: „Einmal
handle
er, und es gelinge, dann handle er wieder, und es gelinge nicht.“
Josamin
wußte nicht, daß das Leben diesen Fluch über ihn gesprochen.
Er
erhob sich und hörte auf das, was seine Söhne gesprochen hatten. Er
verlieh
seinen Söhnen von seiner Kraft, seinem Glanze, seiner Macht, seinem
Können,
seiner Rede und Erhörung und schickte sie hin, indem er zu ihnen
sprach:
„Gehet hin, tuet, was ihr wünschet und mir angeraten habet; machet
es
gut, nicht schlecht.“
Da
zogen sie hin an das Ende aller Welten, an das Ende aller Skinäs,
sie
ließen sich nieder, riefen hervor und dichteten die Dichtung‘) der weißen
Erde,
doch gelang es ihnen nicht, eine Glanzerde zu schaffen gleich der
Erde
des Äthers. Sie schufen und gründeten jegliches Ding auf den Welten,
sie
schufen die vier rüstigen Männer, schufen die Söhne des Heils.
«x++++*
B’hag-Uthra rief hervor und schuf für sich’) eine Welt, als
seine
beiden Brüder nicht bei ihm waren. Denn ihr Sinn war ihm abhold,
sie
standen nicht auf seiner Seite, sie redeten nicht nach seiner Rede und
hörten
nicht nach seinem Gehör.
Als
B’hag hervorrief und schuf, trat er hin und schaute auf diese Welt:
sie
war nicht weit, noch groß, gleich den Welten des großen Lebens. Als
er
auf seine eigene Welt schaute, nannte er sich „Vater der Uthras“‘).
(Gleich
dem großen Leben benannte er sich Adam der Große; darob
zürnte
es ihm aus dem Lichtorte.)
Dann
entstand der Sohn des Vaters der Uthras, der sich selber Vater
der
Uthras nannte. Er nannte seinen Sohn Ptahil: Die Öffnung, der ich
die
Augen geöffnet, doch wurde sie nicht sehend®). Da erhob sich Ptahil,
2)
Es ist nicht einzusehen, warum er sie schilt, da ihre Worte der von ihm
geäußerten
Ansicht
entsprechen. Oder ist nd statt 78597 zu lesen: „in einer Welt, die nicht uns
gehört,
wollen wir nicht sitzen“; sie wollen sich eine eigene Welt bauen?
®)
Vgl. Joh. II, p. 67 Anm.
®)
Leid. hat hier noch won».
*)
B’'haq wird mit Abathur identifiziert, siehe oben, p. 97 unt.
5)
Der Verfasser will eine Erklärung des Namens Ptahil (nnd — FDIINND) geben.
Bei
NND dachte er nur an die Bedeutung „öffnen“ nicht auch an „Schaffen“, was es
auch
bedeuten
kann, siehe Lit., p. XXIf.
rn
33
294
Rechter Teil. 297,21—298, 15
En
der
Sohn des Vaters der Uthras, der sich selber Vater der Uthras nannte,
ging
hin, stellte sich an das gemischte Wasser und an das gemischte Feuer,
in
dem lebendes Feuer und verzehrendes Feuer ist, und das Wasser der
Erde,
in dem trübes Wasser und lebendes Wasser ist, er gedachte, eine
Schöpfung
zustande zu bringen [298] und sprach: „Ich will Uthras schaffen
und
vor mir aufstellen, wie mein Vater mich geschaffen.“
Mit
dem ersten Worte sprach er und rief hervor, und es kamen empor
und
stiegen vor ihm die sieben Planeten auf, die Verderber und Verdorbenen,
an
deren Gewand Blut und Röte ist. Ihr Gewand gleicht der roten Farbe,
10
es leuchtet nicht und ist nicht weiß. Sie alle taugen nichts, denn sie gleichen
dem
Blute, und ihr Name ist im Munde von schlechtem Geschmack.
Die
Seelen, [die] von hier scheiden, steigen wieder zu ihrem Ort empor.
Die
von hier weggenommen wurden, kehren wieder heim.+ Doch alle Seelen,
die
sich zu Bildwerken bekannten, steigen nicht zu uns empor, sind für uns
ı5
ungeeignet und werden die Welt des Zweiten nicht schauen.
Der
Stamm der Seelen der Nasoräer danke nicht den Planeten, sondern
dem
Leben und Jawar «*+++. Sie steigen empor, denn als das Leben den
Jäwar
zu Ptahil und allen bösen Engeln sandte, #++++»++).
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den
20
Verstehenden und der Wohnung?) der Verstehenden. Leben den Männern,
die
uns unterweisen. Das Leben steht fest in seiner Skina, das Leben ist
siegreich.
in
')
Dieser Satz gehört vielleicht an die mit + bezeichnete Stelle.
?)
Leid. hat Y18Y7Y5) „und den Helfern‘.
IT
Fünfzehntes
Buch.
Ich
fasse die folgenden zwanzig Stücke als ein Buch zusammen. Am Anfange steht
zwar
nicht die übliche Einführungsformel, doch haben sie einen gemeinsamen Kolophon.
Die
meisten Stücke sind verwandten Inhaltes: ein höheres Wesen wird ausgesandt, um
die
Gläubigen
oder andere Genien zu ermahnen und zu belehren. Es spricht teils von sich in ;
der
ersten Person, teils wird von ihm in der dritten Person erzählt. Die Stücke
zeigen auch
einige
stilistische Berührungen, so die öftere Verwendung der Verba PIRN "TDNDY
NP, des
Wortes
nö, der Zahl 61. Einige mögen auch von demselben Verfasser herrühren, doch
ist
es schwer die Grenze zu ziehen.
Erstes
Stück. 10
Anös,
das „Wort“, begibt sich im Auftrage des Lebens in die Welt, um die Gläubigen
aufzurütteln,
sie zu belehren und zu warnen.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Ich
bin ein Wort, ein Sohn von Worten, 15
der
ich im Namen des Jawar hierher gekommen bin.
Das
große (Leben) rief, beauftragte und rüstete mich ar
mich
Anos, den großen Uthra, den Sohn Gewaltiger.
Es
rief, beauftragte und rüstete mich,
es
schuf mir Helfer. 20
Die
Helfer, die es mir schuf,
waren
sanfte, feste Uthras.
Es
sandte mich aus, das Zeitalter zu behüten’),
die
Schlummernden aus ihrem Schlafe aufzurütteln und aufizu-
Es
sprach zu mir: [richten. 25
ı)
pa kann hier in Verbindang mit ’PND auch „ermahnen‘“ bedeuten.
2,
Jedes Zeitalter hat seinen Hüter; der Ausdruck NN NUN) „Behüter des Zeit-
alters‘
ist häufig, siehe Joh. II,.p. 93®.
25
296
Rechter
Teil. 299, 12—300, 1
„Geh,
bilde dir einen Anhang aus der Tibil
gleich
dem Anhange, den wir uns gebildet haben.
Erwähle
und hole Erwählte
aus
der Welt.
Erwähle
wahrhafte Männer
und
Frauen, die gut und gläubig sind.
Erwähle
und hole die Seelen,
die
des Lichtortes würdig und wert sind.
Gewähre
ihnen Belehrungen,
durch
die sie belehrt werden sollen.
Gewähre
ihnen geheime Sprüche,
damit
sie ihre Wunderkräfte den Unholden hier zeigen können.
Sie
sollen zu ihnen mit ihrer reinen Stimme sprechen
und
Namrus von ihrem Throne herunterstürzen.
Angst
befalle die Planeten,
die
Herren dieser Welt.
Belehre
die Näsoräer, Mandäer und die Erwählten,
die
du aus der Welt erwählt hast,
die
im Namen des Lebens in der Tihil verfolgt werden.“
Es
spricht zu ihm:
„Erwähle
Erwählte der Kusta
und
führe sie zum lichten Wohnsitz empor.
Erwähle
sie und festige sie,
damit
sie ohne Mangel und Fehl seien.
Unterrichte
sie über die Gebete, Hymnen und Gebetsordnungen,
damit
sie den Gehalt‘) des Lichtes schauen und sich belehren
Belehre
die Seelen, damit sie nicht sterben und untergehen, [lassen.
nicht
in der finstern Finsternis gehemmt werden.
Nicht
soll Namrus sie verderben,
nicht
in den Wohnungen der Schwelgerei in Musik gefangen
Es
spricht: [halten.“
„Wenn
du dich auf die Erde Tibil begibst,
sollen
die Bösen nicht von dir wissen ?),
und
der Glanz deines Gewandes soll sich nicht verdunkeln.
Sie
sollen dich nicht aus dem oberen Firmament herunterzZiäieil
dich
nicht in den Ort der Finsternis werfen.
Ängstige
und fürchte dich nicht
und
sage nicht: ich stehe allein da.
Wenn
Angst dich befällt,
werden
wir alle [300] bei dir sein.
Wir
alle werden zu dir gehen
und
werden dir Helfer sein.
*)
Eigentlich „Geschmack“.
°)
Hier liegt kaum 7 im Sinne „sich stürzen auf“ wie im Syrischen vor.
300,
2—20 Fünfzehntes Buch. Erstes Stück. 997
Helfer
werden wir dir sein
und
dich von allem Häßlichen befreien.
Belehre
die Näsoräer, Mandäer und die Erwählten,
die
du aus der Welt erwählt hast.
Sprich
zu ihnen von Gebet und Lobpreis, 5
daß
sie es in großer Zahl verrichten
und
es ohne Mangel und Fehl sei.
Sie
sollen das Gebet nicht bei Nacht und Dunkelheit verrichten,
zu
einer Zeit, in der das Gebet verborgen bleibt’).
Die
nicht das Gebet zu seiner Zeit verrichten, de)
werden
am Tore des Hauses des Lebens gefesselt werden.
Sie
werden gefesselt werden am Tore des Hauses des Lebens,
bis
das Tor des Hauses des Abathur geöffnet wird.
Wenn
das große Tor des Hauses des Abathur geöffnet wird,
werden
Gebet und Lobpreis an ihren Ort emporsteigen. 15
Emporsteigen
werden Gebet und Lobpreis an ihren Ort
und
am Orte verborgen werden, aus dem sie gekommen sind.
Wer
Gebet und Verbeugung nicht zu ihrer Zeit verrichtet,
wird
im Hause des Abathur einer Prüfung unterzogen werden.
Er
wird im Hause des Abathur einer Prüfung unterzogen werden, 20
wegen
der unnützen Dinge, die er in dieser Welt geübt hat.
Meine
Auserwählten! Ich will zu euch von den einzelnen Mysterien
die
Namrus über diese Welt ausgeteilt hat. [sprechen,
Ich
will zu euch von dem bösen Gifte sprechen,
das
Namrus unter den großen Stamm des Lebens geworfen hat. >5
Sie
warf unter meine Jünger
Haß,
Eifersucht und Zwietracht.
Meine
Auserwählten! Euch rufe ich zu und sage ich,
daß
ihr die Verfehlungen der Namrus, des ..... 2)
und
der sieben Planeten nicht begehen sollet. 30
Wer
ihre Verfehlungen begeht,
wird
in der Fessel schwarzen Wassers sterben.
Wer
ihre Werke übt,
wird
durch das Schwert und den Säbel der Planeten hingerafft
[werden.
35
Hingerafft
wird er werden durch das Schwert und den Säbel der
und
im verzehrenden Feuer verbrannt werden. [Planeten
Sein
Name wird aus dem Hause des großen Lebens ausgerissen werden,
und
er wird keinen Anteil am Lichte finden.
Wer
im Glauben der Ekurs wandelt, 40
wird
in brodelnden Kesseln sieden.
2)
Siehe p. 222 unt. 2) Vgl. Joh. II, p. 1088.
25
30
298
Rechter Teil. 300, 20301, 15
Wer
Wein in der Schenke trinkt‘),
den
wird man mit Sägen von ...... °) zersägen.
Eine
Frau, die Gold und Silber anlegt’),
wird
eines doppelten Todes sterben.
Wer
bei seiner Frau liegt und sich nicht mit Wasser wäscht,
wird
im Leibe des Leviathan seinen Platz finden.
Jede
Frau, die sich nicht mit Wasser wäscht,
wird
Schlag auf Schlag erhalten.
Der
Hüter des Lichtes wird sie schlagen,
[301]
und sie wird vom Lichtort abgeschnitten werden.
Verfluchen
wird sie der reine Name
und
die Ader (lebenden Wassers), die endlos ist.
Wenn
irgend jemand, wenn seine Frau sich nach der Unreinheit und
[Menstruation
wäscht,
schon
an jenem ersten Tage bei ihr liegt,
so
wird sein Name vom Hause des großen Lebens abgeschnitten werden;
in
Nebelwolken der Finsternis wird man ihn stehen lassen.
Man
wird ihn stehen lassen in Nebelwolken der Finsternis,
und
seine Augen werden das Licht nicht schauen.
Wer
von der Speise der zwölf Pforten ißt,
wird
aus der Welt verschwinden. —
Fern
liegt es dem Lichte,
Anteil
zu wünschen an Trübungen ‘).
Ja,
am Ende des letzten Zeitalters wird es unter den Priestern solche
geben,
die ohne Eifer und Würde, ohne Vernunft und Ordnung sind und
bei
denen die Reinheit des Jordans keinen Platz gefunden hat.
Bis
zum fünfzehnten Lebensjahre wird der Vater wegen der Sünden
seiner
Kinder zur Rechenschaft gezogen, so er ihnen nicht mit warnender
Stimme
zugerufen, sie nicht aus dem Schlafe aufgerüttelt, sie nicht Gebet
und
Lobpreis gelehrt, sie nicht die Pfade der Kustä und des Glaubens zum
Lichtort
hat gehen lassen.
Wenn
das fünfzehnte Lebensjahr herankommt, werden die Kinder
wegen
ihrer eigenen Sünden zur Rechenschaft gezogen.
Wer
seine Tochter an die zwölf Pforten ausliefert,
den
wird man in Trauer und Klage sitzen lassen.
Man
wird ihn sitzen lassen in Trauer und Klage,
und
der Kranz der Finsternis wird ihm auf das Haupt gelegt
[werden.
1
)
Vgl. Joh. D, p. 99.
®)
Siehe Joh. II, p. 99° und oben, p. 194°.
®)
Siehe Joh. II, p. 19.
*)
Der Verfasser bewahrt das Licht davor, mit den genannten Scheußlichkeiten etwas
zu
tun zu haben. Siehe Joh. II, p. 98°. Die folgenden Stücke in Prosa sind
eingeschoben.
301,
15—302, 8 Fünfzehntes Buch. Erstes Stück. 399
Auf
das Haupt wird ihm der Kranz der Finsternis gelegt werden,
und
er wird mit Feuergeißeln gepeitscht werden.
Er
wird zur Rechenschaft gezogen werden im lodernden Feuer,
in
Glut, Eis und Brand,
worin
die Seelen der..... zur Rechenschaft gezogen werden.
Denn
sie (die Tochter) hat sich von Lohnzahlung'‘) und Almosenspende
[des
Jawar losgesagt
und
sich von meinem Näsaräertum getrennt.
Sie
trennte sich von meinem Näsaräertum,
und
er (ihr Vater) ging hin und pflanzte sie in das trübe Wasser.
Wenn
sie den Ekurs Opfergaben bereitet,
wird
über ihren Vater das Urteil gesprochen werden.
Wenn
sie zu den Wahrsagern und Chaldäern geht,
wird
er am Throne des wütenden Nerig zur Rechenschaft gezogen
[werden
’).
Ich
spreche zu euch von der Festigkeit und Achtsamkeit,
sowie
von der Kustä, die vom großen (J,eben) kam.
Ein
jeder, der den Duft [des Lebens] riecht),
und
den Namen des Lebens nicht darüber ausspricht,
wird
im Hause des Abathur zur Rechenschaft gezogen werden.
Einen
jeden, der den Geruch der Wahrsager und Chaldäer riecht,
wird
man [302] den Geruch der Verwesung riechen lassen.
Einen
jeden, der für die Ekurs und Götzen Opfergaben bereitet,
wird
man den finsteren Berg: hinaufsteigen lassen.
Wer
die Speise der Gastmähler und der Schmauserei der Planeten
wird
auf dem Throne des Nerig gepeinigt werden. [genießt,
Ein
jeder, der die Speise der Opfergaben der Tempel genießt,
wird
sterben, wie die Hmurthas des Hauses sterben‘).
Wer
sich von allen diesen Handlungen frei hält,
wird
emporsteigen und den Lichtort schauen.
Die
Seelen der »x+x*x xx
werden
in den Wachthäusern der Planeten gefesselt werden’).
Sie
werden in den Wachthäusern der Planeten gefesselt werden
und
am Durst weg von der Welt sterben.
Man
wird ihnen eine Handvoll Wasser am Tage zu trinken geben
und
sie wegen der häßlichen Werke peinigen, die sie in der
[Welt
begangen haben. —
?)
Lies NR 12.
2)
Vielleicht hat man hier wie weiterhin YNIIN3N) „er wird gepeinigt werden‘ zu
lesen.
3
Lies NYIT NOW NIIT NMID RMINIT.
*)
Man sollte annehmen, daß sie als Geister nicht sterben. Mit „Haus“ ist wohl
auch
hier
die irdische Welt gemeint.
5)
Lies NINO NINDWT NANTINEONDI zug NINDWN.
5
Io
D
°
30
35
in
390
Rechter Teil. 302, 8—303, 8
Fern
sei es’), daß die Männer von erprobter Gerechtigkeit, die Wahr-
haften
und Gläubigen, fern sei es, daß die guten und gläubigen Frauen,
die
Almosen gespendet und den Ruf des Lebens gerufen, die zum Jordan
hinabstiegen,
die Taufe empfangen und das reine Zeichen angenommen haben,
die
Peinigung jenes Ortes kennen lernen. Ich beachtete die Gebote, die
meine
Brüder mir aufgetragen, ich nahm sie an und führte sie in voll-
kommenster
Weise durch.
Von
den Wasserfluten bis zur Erbauung Jerusalems stiegen die Seelen
zum
Licht empor’). Von der Erbauung Jerusalems bis zum Zeitalter des
Arabers
Mahammat weilte ich unter meinen Jüngern°). Ich wählte unter
ihnen
und ließ sie zum Lichtort emporsteigen. Vom Zeitalter des Arabers
Mahammat
bis zum Eintritt der Zerstörung‘) schied ich aus der Mitte meiner
Jünger.
Ich ging fort und stieg zu MSunne-Kusta empor. Ich sprach: „Heil
und
abermals Heil dem, der auf sich selber achtgibt.“ Weil die Schlechtigkeit,
die
Unreinheit und Menstruation’) mir zu sehr überhand nahm‘), ging ich
fort
und stieg zu MSunne-Kusta empor. Ich sprach: „Wie weh ist mir um
meine
Jünger, die am Ende jenes Zeitalters weilen. Denn sie achten gering
die
Perlen‘) und halten sie in den Wohnungen der Schwelgerei in Musik
gefangen;
darum sinken sie in das große Süf-Meer. Wehe meinen Jüngern,
die
den Lichtort nicht schauen.“
Vom
Tage der Zerstörung bis zum Untergange der Tibil [303] werden
viele
Seelen zum Licht emporsteigen. Als die Schlechtigkeit und Unreinheit
mir
zu sehr überhand nahm, konnte ich nicht mehr in dieser Welt weilen.
Ich
stieg vor das Leben, meinen Vater, empor, und es ließ mich in seiner
eigenen
Skin wohnen. Ich sprach: „Heil dem, der auf sich selber achtgibt.
Ein
Mann, der auf sich selber achtgibt, hat nicht seinesgleichen in der Welt.
Er
wird König im Lichte sein und wird gleich den Großen ein Großer im
Lichtort
sein.“
Das
Licht ist siegreich im Hause der Vollendung, das Leben ist siegreich.
!)
Auch die folgenden Stücke in Prosa gehören ursprünglich mit dem Hauptstücke
nicht
zusammen.
Dieses kann noch aus vorislamischer Zeit stammen. Daß etwa mit dem „Thron
des
Nerig‘‘ auf die Araber angespielt werde, ist mir nicht wahrscheinlich.
®)
Vgl. p. 28 ob., 46 ob.
®)
Siehe Joh. II, p. 193£.
*)
Hier wird auf irgendeine politische Katastrophe hingewiesen, vielleicht das
Ende
der
Omaijaden-Herrschaft, siehe auch L 40,10f. Das Weltende ist es nicht, da
hiervon erst
später
die Rede ist.
5)
Hier bildlich für die sittliche Unreinheit. Es fehlt übrigens weiterhin.
°)
Lies Dy NDD wie Text 303,1.
*)
Die reinen, lauteren Seelen, siehe Lit., p. 102,8.
803,
9—22 Fünfzehntes Buch. Zweites Stück. 301
Zweites
Stück.
Hibil,
der sanfte Rebstock, wird vom Leben ausgerüstet und mit Wissen ausgestattet
und
nach Tarwän gesandt, um die dortigen vom Leben geschaffenen Uthras zu belehren.
Er
führt
den Befehl aus und besucht dann noch Taurel-Josamin und Ptahil. Das Stück ist
überarbeitet
und nicht einheitlich. An die Stelle des Lebens tritt nachher Mandä dHaije und
dann
„das große Antlitz der Herrlichkeit‘. Auch der Herr der Größe wird genannt,
sogar
Könige
des Lichtes.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Ich
bin ein sanfter Rebstock,
der
ich aus dem Orte herrlicher Pracht') gepflanzt [geschaffen]
Ich
wurde gepflanzt aus dem Orte herrlicher Pracht, [wurde.
und
das große (Leben) war mir der Pflanzer (Schöpfer).
Das
Große war mir der Pflanzer
und
mehrte mir Glanz zu dem, den ich bereits hatte.
Glanz
zu dem, den ich bereits hatte, legte es über mich,
eine
wohlbewahrte Gestalt, die mir im Verborgenen bewahrt war.
Es
schuf mich, festigte mich und gab mir Befehle,
es
rüstete mich durch sein Wort und schuf mir Helfer.
Es
gewährte mir Rede und Erhörung,
groß
und unbegrenzt.
Es
belehrte mich über den großen Glanz
und
über das Licht, das am verborgenen Orte lohet.
Es
rüstete mich durch sein Wort
und
schuf mir Helfer.
Die
Helfer, die es mir schuf,
sind
wundersam und ohne Zahl.
Das
Große rief mich”) und gab mir Befehle
und
festigte mich am verborgenen Orte.
Es
verlieh mir geheime Reden
und
belehrte mich über jegliches Ding.
Es
belehrte mich über die Ersten
und
über den Großen‘), der von jeher war.
Es
belehrte mich mit Erleuchtung
und
festigte mich durch seinen wundersamen Ruf.
Mein
Vater segnete mich mit seinem Segen
und
legte etwas von seiner Pflanzung über mich.
t)
Siehe Lit., p. 38%. Zu dem dort Gesagten sei noch bemerkt, daß man den Ausdruck
N)
NY kaum von NINDY MN trennen kann, worin NYNPyY nur „Herrlichkeit“, nicht
„Wurzel“
bedeuten kann.
2)
Von hier an stehen die Verba im Singular. Dies geschieht auch sonst mit
Beziehung
auf
NT, siehe oben, p. 240%. Aber vielleicht schwebte schon hier Mandä dHaije als
Auftrag-
geber
vor. 5) Den großen, ersten Mänä.
“
5
39
3
302
vı
IO
20
D
1a
30
40
Rechter
Teil. 303, 22—804, 17
Er
verlieh mir Lobpreis,
ausgedehnt
und unbegrenzt.
Er
verlieh mir Erleuchtung,
die
ohne Mangel und Fehl ist.
Er
küßte mich mit seinem reinen Munde
und
bedeckte mich mit [304] inneren‘) Gewändern.
Er
setzte mich in eine Wolke, eine Glanzwolke,
und
sandte mich nach dem reinen Tarwän.
Er
sprach:
„Geh
nach dem reinen Tarwän
und
belehre die Uthras, die sich dort niedergelassen haben.
Gewähre
ihnen Glanz und Licht,
damit
sie in gegenseitiger Erleuchtung dasitzen.
Gewähre
ihnen von deiner Lobpreisung,
damit
sie im Hause des Lebens ihren Stand erhalten.
Nimm
sie in die große Gemeinschaft auf,
damit
sie zu deiner Zahl gezählt werden.
Sie
sollen gezählt werden zu deiner Zahl,
und
an ihnen sei weder Mangel noch Fehl.
Belehre
sie über die Uthras des reinen Tarwan B)
und
über alle Liehtwesen.
Belehre
sie über das große Licht des Lebens
und
über die Uthras und Skinäs, die darin geschaffen wurden.
Belehre
sie über die verborgenen Weinstöcke
und
die reinen Bäume, die über die Jordane leuchten.
Belehre
sie über die Welten des Herrn der Größe
und
über den Glanz und das Licht, das dort weilet.
Sprich
zu ihnen vom reinen Hauraran,
in
dem diese wundersame Stimme gerufen wurde.
Sprich
zu ihnen von der Äther-Erde,
die
[Jawar] in so vortrefflicher Weise gebauet und gegründet.
So
baute und gründete sie Jäwar, |
und
so war er ihr Baumeister.
Ihr
Baumeister war er so,
dann
rief er in ihr einen wundersamen Ruf.
So
gründete er in ihr Skinäs
und
breitete Glanz über sie in hohem Maße.
Alsdann
machten sie ihn zum König über das Licht
und
setzten ihm Uthras zur Rechten und Linken,
damit
sie ihm Gesellschaft leisten. Z
‘)
Aus dem Verborgenen, jenseits der Welt herstammend, siehe Lit. p. 2621, :
?)
Trotz Vers 11 und obwohl wYmy 5y für NImyD stehen kann, sind die Worte so
aufzufassen,
siehe auch den folgenden Vers. Die Uthras sollen über sich und die anderen
Uthras
belehrt werden.
304,
17— 305, 11 Fünfzehntes Buch. Zweites Stück. 303
Gesellschaft
sollen sie ihm leisten
und
ihn in seiner Skimä aufrichten.
Belehre
sie über die große, obere Frucht
und
die Skinas, die sie am verborgenen Orte gegründet haben.
Belehre
sie über den großen, ersten Mänä
und
den großen Jordan, in dem er getauft wurde.“
Ich,
Hibil, ging von meinem Vater Jäwar Manda dHaije fort
und
begab mich nach dem reinen Tarwän.
Ich
kam hin, schuf sieben Lichtwelten
und
stellte in ihnen sieben Könige vollkommener Art auf.
Ich
schuf ihnen sieben Gemächer aus Wasser
und
neue Paläste, die nicht vergehen.
Mit
meinem Glanze, meinem Lichte und meiner Lobpreisung,
die
[305] mein Vater (das Leben) mir in vollendeter Form geschaffen,
mit
meiner Erleuchtung, die das große (Leben) mir gewähret,
mit
den gewaltigen Reden, die ich mit mir brachte,
mit
den verborgenen, gewaltigen, erhabenen, gefestigten und verwahrten
[die]
ich aus dem großen, ersten Vaterhause') brachte, [Sprüchen,
mit
glänzenden Kreuzen’), die es mir geschaffen,
und
Gebeten, die mein Vater, der Herr der Größe, verrichtete,
die
bei mir bewahrt wurden’).
Das
große Antlitz der Herrlichkeit rief mich und gab mir Befehle,
dieses
und sein Abbild, das bei ihm sitzt.
Es
sprach:
„Wenn
du dich nach dem reinen Tarwän begibst,
richte
deine Rede nicht an die bösen Uthras.
Trage
sie nicht der Schöpfung des zweiten Lebens vor,
aus
dem alles Böse hervorgegangen ist.
Fehler
und Mangel entstand durch dasselbe
und
wurde die Lüge in der Welt ausgesät.
Teile
nicht mit die Erleuchtung, das Wissen, die Kenntnis und die
[Lobpreisung,
sowie
die verborgene Rede, die von jenseits hergekommen ist.
Nimm
nicht die gewaltige Rede
und
wirf sie in das trübe Wasser.
!)
Die Wendung findet sich auch im Buche des Dinänükht, p. 208#. Es ist mir jetzt
wahrscheinlicher,
daß die Epitheta NIND’N? NI7 sich auf den ganzen Ausdruck YIN MI
beziehen.
In IN sehe ich gegen Nöld., p. 1823 ein Abstraktum, doch geht der ae Ausdruck
vielleicht
auf babyl. dit abüti ale
2)
Zwischen „Reden, Sprüchen“ und „Gebeten“ kann N’WINN trotz Ri hier, wie
sonst
oft, für NWN”7 „Hymnen“ stehen, siehe Brandt, Schr., p. 49*.
3)
Ein Anakoluth, das Verbum fehlt. Ich glaube nicht, daß es in M’MN hinter
SINOTINP
enthalten
sei und daß man dafür N’NN „kam ich“ zu lesen habe, auch nicht, daß das nn
zum
Folgenden zu ziehen sei.
vı
Ww
(®)
us
wi
20
30
35
40
304
Rechter
Teil. 305, 11—806, 6
Trage
sie nicht den bösen Uthras vor,
den
Uthras, die Josamin geschaffen.
Trage
sie nicht den Uthras vor,
denen
Verborgenheit, Ruhe und Schweigen nicht eigen sind.
Gewähre
sie nur den Uthras des reinen Tarwän,
die
aus der Schöpfung des Lebens hervorgegangen sind.
Gewähre
sie einem von tausend,
gewähre
sie zweien von zehntausend.
Gewähre
sie einem von tausend,
damit
sie sich gegenseitig unterweisen.
Unterweisen
sollen sie sich gegenseitig
und
einander Eide der Treue abnehmen.
Eide
der Treue sollen sie einander abnehmen
und
deine Rede nicht verleugnen.“
Wie
das Leben, mein Vater, mir befahl,
begab
ich mich nach dem reinen Tarwän und ließ dort einen Ruf
Im
reinen Tarwän ließ ich einen Ruf ertönen, [ertönen.
und
das reine Tarwan leuchtete und glänzte über die Maßen.
Ich
gewährte meine Erleuchtung und Lobpreisung
den
Uthras, die meinen Namen lieben.
Ich
belehrte die verborgenen Uthras
und
die Lichtkönige, die ich geschaffen.
Ich
belehrte den König des reinen Tarwän
über
den Glanz und das Licht, die dort lagern.
Ich
belehrte ihn über die Welt des Herrn der Größe,
deren
Name „Äther, großes Licht des Lebens“ ist.
Ich
belehrte ihn über das große Antlitz der Herrlichkeit
und
über die Nituftä, die bei ihm sitzt.
Ich
belehrte ihn über die Uthras, über die reinen Reben und Bäume,
[306]
die über die Jordane leuchten.
Ich
belehrte ihn über das Wissen
und
errichtete ihm unvergängliche Erleuchtung.
Ich
erleuchtete seine Gestalt gleich der meinigen
und
verlieh ihm die Herrschaft über alle Lichtwesen,
die
auf der Erde des reinen Tarwän wohnen.
Alsdann
erhob er‘) sich von seinem Throne
und
verneigte und verbeugte sich vor mir.
Er
verneigte und verbeugte sich vor mir
und
segnete mich mit großem, endlosem Segen.
Er
sprach:
!)
Der König von Tarwän.
306,
6-23 Fünfzehntes Buch. Zweites Stück.
„An
dir sei kein Mangel,
und
deine Schöpfungen sollen nicht verfinstern.
Deine
Werke sollen nicht vergehen,
denn
du bist ein Großer, ein Sohn. Gewaltiger.
Du
bist der Meister der Uthras,
der
Vater aller Vollkommenen.
Kraft
deines reinen Namens
305
werden
wir auf den Pfaden der Kustä hinter dir emporsteigen,
auf
den Pfaden des großen Lebens,
das
dich aus dem Verborgenen hervorgerufen hat.
Aus
dem Verborgenen hat es dich hervorgerufen
und
zum großen Auserwählten gemacht.
Es
hat dich zum großen Auserwählten gemacht
und
als Herrscher über uns eingesetzt.
Es
hat dich als Herrscher über uns eingesetzt,
damit
an uns weder Mangel noch Fehl sei.“
Ich
brach dann von ihm auf
und
kam zur Welt des Taurel').
Ich
erleuchtete die Uthras und Skinäs
die
in der Welt des Taurel waren.
Ich
sprach in meiner Erleuchtung,
und
mein Glanz ging über Josamin auf.
Die
Uthras leuchteten, die Großen frohlockten,
alle
Leuchten waren aufgerichtet.
Josamin
freute sich seines Glanzes
und
erleuchtete alle Uthras.
Er
erleuchtete den bösen Abathur,
der
schuf, aber nichts vollkommen herstellte.
Nichts
leuchtete und wurde recht unter seiner Hand,
weil
er seinem Vater nicht die Rechte reichte.
Unter
dem Rufe, der Erleuchtung und dem Lobpreise der Uthras
ging
mein Glanz tiber dem Vorhange?) des Ptahil auf.
Über
dem Vorhange Ptahils ging mein Glanz auf,
und
Ptahils Herz wurde voll Weinens.
Voll
Weinens wurde sein Herz,
und
eine Träne preßte sich ihm im Auge zusammen.
Er
sprach:
„Ist
der geliebte Sohn des gewaltigen, ersten Lebens gekommen,
der
in hohem Maße alle Uthras erleuchtete?
1)
Wird hier mit Jösamin indentifiziert, doch siehe p. 291, 37f,
2)
Der ihn von seinem Vater Abathur trennte, siehe R 340,8f. und oben, p. 194°.
Lidzbarski,
Ginzä. 20
Io
25
30
55
Io
15
20
25
30
25
306
Rechter
Teil. _ 306, 23—8307, 13
Was
ist mein Tag unter den Tagen?')
Der
Tag, an dem alle Uthras mit ihrer Lobpreisung dastanden.
Die
Uthras standen mit ihrer Lobpreisung da,
und
die Skinas freuten sich und prangten über die Maßen.“
Alsdann
sprachen zu ihm die Uthras,
die
bei ihm saßen:
„Mein
Tag unter allen Tagen ist
[der
Tag, an dem] der Glanz des Hibil-Ziwä aufging,
Der
Glanz des Hibil-Ziwa ging auf
[307]
und erleuchtete uns in unseren Skinäs.
Er
wird uns in seiner Güte segnen,
und
wir werden zum Lichtort emporsteigen.
Wir
werden zum Licht emporsteigen;
unsere
Sünde und Schuld wird uns erlassen werden.
Dein
Name ist im Hause des großen (Lebens) aufgerichtet,
und
dein Vater wird uns nicht in der Finsternis verdammen.“
Als
Ptahil dies hörte,
erhob
er sich von seinem Throne und verneigte sich vor mir in
Er
sprach: [tiefer Verneigung.
„Wenn
es meinem Vater Mandä dHaije beliebt,
vernichte
er bald das Haus’).
Das
Haus vernichte er bald,
und
alle ihre”) Werke sollen vernichtet und zerstört werden.
Der
rechte Teil der Männer von erprobter Gerechtigkeit steige empor,
der
in dem Orte der Wahrhaften‘) wohnt.
Von
der ganzen Tibil
steige
jener Teil zum Licht empor,
Die
hebräische Rede steige empor’),
die
ın die zusammenstürzende Ruine‘) geworfen ist.
Dann
werde die ganze Tibil zerstört,
und
die Werke in ihr sollen verderben.
Von
tausend steige einer empor,
von
zehntausend zwei.
Emporsteigen
sollen die Seelen der Näsöräer,
die
die Speise der Kinder der Tibil nicht genossen.
!)
Vgl. Lit., p. 186, XV. ?) Die von ihm geschaffene Welt.
’)
Derer, die an der Schöpfung beteiligt waren. Besser wäre ANRTIY mit Beziehung
auf
NMIND.
*)
Oder „Getreuen‘“. Der Ort ist identisch mit dem Orte M$unn& Kustä, dem
Aufenthalt
der
Seligen im Jenseits, siehe Joh. II, p. 111®.
5)
Diese Äußerung wäre im Munde Ptahils immerhin möglich, doch heißt pbD auch
„verschwinden“,
siehe Joh. II, p. 595; 87,12 und R 61,8.
°)
D. h. in die irdische Welt, siehe p. 1038.
307,
13—308, 2 Fünfzehntes Buch. Drittes Stück. 307
Sie
wurden nicht durch Schmutz verünreinigt
und
nahmen Verkehrtheit und Schmutz nicht an.
Sie
nahmen nicht an Verkehrtheit und Schmutz
und
wurden nicht in der Trübung der Tibil zurückgehalten,
wurden
nicht zurückgehalten durch die Werke der Tibil‘). 5
Hingegen
werden die Werke der Tibil
und
ihre Stämme und Seelen,
sowie
Rüha, Christus und die zwölf Pforten
in
das lodernde Feuer wandern.
Doch
die wahrhaften und gläubigen Männer werden emporsteigen 10
und
den lichten Wohnsitz schauen. —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Drittes
Stück.
Das
lebende Wasser wird zur irdischen Welt hingezogen, und Silmai und Nidbai werden
15
als
Hüter darüber bestellt. Vor diesen klagt das lebende Wasser, daß es nach der
bösen,
unteren
Welt gebracht wurde. Die Hüter trösten es damit, daß es zur Taufe der Mandäer
dienen
soll. Das lebende Wasser spricht dann die Befürchtung aus, daß es wegen seiner
und
der
Näsöräer Sünden zur Rechenschaft gezogen werde. Silmai und Nidbai weisen darauf
hin,
daß
die irdische Welt einmal ein Ende nehmen werde; dabei werden selbst ihre
Schöpfer 20
Gnade
finden.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Am
Anfange der Schöpfung’) des lebenden Wassers
und
am Ende aller Jordane, 25
am
Anfange des Hinziehens des lebenden Wassers,
das
aus seinem Orte hergezogen wurde und herkam,
als
der Plan’) entstand
und
das Wasser aus seinem Orte gebildet wurde,
als
[308] das Firmament ausgespannt 30
und
die Erde gedichtet wurde,
als
der körperliche Adam entstand
und
bei ihm Hüter bestellt wurden,
1)
Statt NDNTI2Y) nehme ich NMNTI2Y2) an, doch ist vielleicht vorher eine Lücke,
oder
es ist eine irrtümliche Wiederholung aus dem Folgenden.
2)
Siehe Joh. I, p. 67, Anm.
3»)
Diese Welt zu schaffen.
20*
Bo
Io
30
55
308
Rechter
Teil. 308, 2—18
als
der Mäna aus seinem Urbehälter gebildet wurde‘),
hinkam
und in den Körper fiel,
da
gedachten sie, lebendes Wasser hinzuziehen
und
in das trübe Wasser zu werfen,
Läufe
lebenden Wassers hinzuziehen
und
Hüter daran zu bestellen.
Die
Hüter, die darüber bestellt würden,
sollten
Glanz darüber breiten,
sollten
mit der Stimme des Lebens sprechen
und
die Wurzel hierher emporziehen.
Sie
schufen den Zug lebenden Wassers
und
verliehen ihn den zwei Erstgeborenen.
Den
zwei Erstgeborenen verliehen sie ihn,
der
ersten Schöpfung, die aus dem ersten Leben gekommen war.
Sie
schufen Silmai und Nidbai
und
stellten sie als Helfer hin.
Sie
verliehen ihnen Erleuchtung
und
segneten sie mit guter Segnung.
Sie
verliehen ihnen Wissen,
das
wundersamer als alle Welt ist.
Sie
verliehen ihnen einen hehren Ruf,
die
Schlafenden aufzurütteln und zum Aufstehen zu bringen.
Sie
scllten die Seelen wecken,
die
vom Lichte weggestrauchelt sind.
Sie
sollten sie wecken und aufrütteln,
damit
sie ihr Antlitz zum Lichtort erheben.
Sie
zogen das lebende Wasser hin,
und
es gelangte auf der Welt an.
Als
das lebende Wasser aus dem Hause des Lebens ankam,
befand
es sich in Leid und Stöhnen.
In
Leid war es und in Stöhnen,
und
seine Kraft verringerte sich.
Es
verringerte sich seine Kraft,
und
es sprach zu Silmai und Nidbai:
„Durch
wessen Kraft wurde ich hingezogen °)
und
von meinem Orte abgeschnitten?
Wer
hat mich vom Wissen abgeschnitten,
das
wundersamer als alle Welt ist’)?
!)
Der Mänä ist hier die Einzelseele.
°’)
00, das Wasser, spricht von sieh im Plural als grammatischer Plural, wie NY.
°)
Für „Wissen“ steht hier NNMI8D, nicht NND, siehe Joh, p. XVII. Aus dem
Satze
spricht aber eine Vorstellung vom „Wissen“, die auch die Entstehung der Figur
des
Mandä
dHaije erklärlich macht.
308,
19—309, 15 Fünfzehntes Buch. Drittes Stück. 309
Wer
hat mich von der Kustä und dem Urbehälter abgeschnitten
und
von der Gemeinschaftlichkeit,
die
mit ihrem Orte verknüpft ist und dorthin emporsteigt?
Wer
hat mich von der Gestalt abgeschnitten,
die
die Uthras am Lichtorte tragen?
Wer
hat mich von der verborgenen Rede abgeschnitten,
in
der die beiden Berge‘) sich unterhalten?
Wer
hat mich von der verborgenen Rede abgeschnitten,
in
der die Großen sich unterhalten?
Wann
werde ich die Gestalt der beiden Gesichter”) schauen,
die
einander verehren?
Denn
der Ort, an den ich gehe,
ist
von finsterer Gestalt, die nicht leuchtet.
Weggenommen
[309] wird meine Kraft,
und
ich werde im trüben Wasser abgeschnitten.
In
mir bildet sich Schlechtigkeit,
von
mir geht Mangel und Fehl aus.
Verkehrtes
tun mir die Planeten an,
und
mein Verstand und meine Wurzel wird fortgenommen.
Gewalt
erhalten über mich die Geschöpfe
der
nichtigen Unholde.
Die
Körper werden in mir hingemordet,
und
Blut wird über mich ausgegossen.
Die
Schlechtigkeit nimmt in der Tibil überhand,
und
zahlreich werden meine Anstöße. 25
Die
Planeten bedrücken mich durch Wasserfluten,
und
so gehen die Seelen in mir zu Grunde.“
20
Als
diese Rede hielt
das
lebende Wasser an Silmai und Nidbai,
erwiderten
Silmai und Nidbai
und
trugen vor von ihrer Stätte aus.
Sie
sprachen mit ihrer gewaltigen Rede
zum
lebenden Wasser folgendermaßen:
„Sei
ruhig, lebendes Wasser, und beruhige dich,
denn
wir wollen über dies und das zu dir sprechen.
Wir
wollen zu dir über den Mangel, das Leid und die SER
die
vom zweiten Leben ausgegangen sind, [sprechen,
über
die Schlechtigkeit, die von Ptahil-Uthra ausgegangen ist,
der
aus dem schwarzen Wasser emporgestiegen ist.
Ptahil
stieg aus dem schwarzen Wasser empor,
und
alle häßlichen, verderblichen Werke stiegen mit ihm empor.
1)
Siehe oben, p. 116, 22.
2)
Diese werden sonst nicht genannt. Es sind vielleicht dieselben wie die beiden
Berge.
30
40
20
25
35
310
ist.
Rechter
Teil. 309, 15—310, 10
Mit
ihm stieg der Mangel empor,
mit
ihm war das Seufzen.
Doch
weil Abathur seine reine Rechte [erhob?],
daß
seine Werke nicht zu Grunde gehen,
weil
er die Seelen ........ e
daß
sie nicht im trüben Wasser sterben,
sollen
sie nicht im trüben Wasser sterben,
und
die Sieben sollen keine Gewalt über sie haben’).
Du,
lebendes Wasser,
geh
zur niederstürzenden Ruine,
rufe
den Ruf des Lebens
und
breite Glanz über das Haus.
Sei
ein Beistand den Seelen,
die
um Jawars willen verfolgt werden.
In
dir sollen sie die lebende Taufe empfangen
und
in dir mit dem reinen Zeichen gezeichnet werden.
Durch
dich sollen die Schmerzen und Gebrechen geheilt werden,
die
von den Planeten ausgehen.“
Darauf
sprach das lebende Wasser
zu
Silmai und Nidbai folgendermaßen:
„Wenn
ich [310] in das brennende Wasser’) falle,
werde
ich vor Jäwar nicht obsiegen.
Mir
wird der Prozeß gemacht werden,
und
die Männer von erprobter Gerechtigkeit werden mich am
Wenn
meine Wurzel weggenommen wird [finstern Orte tadeln.
und
meine Helligkeit an ihren Ort emporsteigt,
steige
auch ich von der Tibil empor
und
werde vor dem teuren Lichte zur Rechenschaft gezogen
wegen
meiner Sünden und wegen meiner Verfehlungen,
mit
denen ich am finstern Orte gesündigt habe.
Wenn
ich, das lebende Wasser,
wegen
dieses Stammes der Nasoräer zur Rechenschaft gezogen
was
werdet ihr dazu sagen?“ [werde,
Darauf
erwiderten Silmai und Nidbai
dem
lebenden Wasser folgendermaßen:
Einer
steigt von tausend empor,
zwei
von zehntausend.
Zur°®)
Skina des gewaltigen, ersten Lebens
steigen
die Seelen der Mischung und der Lüge nicht empor.
!)
Diese Verse sind stark verderbt, und es ist unsicher, ob meine Auffassung
richtig
Leid.
hat in Text Z. 16 WNKIN WON und in Z. 17 nnd).
%)
Siehe p. 15°. 3) Wohl MNYDW5 zu lesen.
310,
10— 311,7 Fünfzehntes Buch. Drittes Stück. 311
Ein
jeder, dem ein Fehler anhaftet,
wird
beim gewaltigen, ersten Leben nicht als tauglich angesehen,
Du
befreie dich und hebe dich empor
von
den Schmerzen und Gebrechen, die die Sieben hervorrufen.
Gleiche
nicht Ptahil-Uthra,
der
aus dem schwarzen Wasser emporgestiegen ist.
Er
empfing nicht das Zeichen vom Jordan
und
wurde nicht im lebenden Wasser getauft.
Nicht
wurde er im lebenden Wasser getauft,
nicht
nahm er die teure Kustä an.
Für
immer wird die Tibil untergehen,
und
die Werke des Hauses werden dem Verderben anheimfallen.
°
In Verwirrung geraten werden die (Himmels)räder,
gesprengt
die Ketten der trüben, lichtlosen Erde’).
Weil
ihre Eltern‘) keinen Rat annahmen,
sie
annahmen keinen Rat, sie sie nicht belehrten und zu ihnen
weil
sie Hochmut annahmen, [nicht hiervon und davon sprachen,
sitzen
sie in ihrer eigenen Fessel da.
Wenn
das Haus zerstört wird
und
der Geist der Sieben endet,
wird
die Gestalt der zwölf Sterne verderben,
die
diesen Stamm des Lebens verfolgten.
Die
Werke der ganzen Tibil werden in Verwirrung geraten,
und
das ganze Firmament wird erschüttert werden.
Alsdann
kommen Jö$amin, Abathur und Ptahil
und
schauen diese Welt.
Da
kommt eine Erschütterung in ihr Herz,
und
sie schlagen auf die Vorhöfe ihrer Brust’).
[311]
Sie sehen, wie der Stamm der Seelen
insgesamt
in die Trübung hinabsinkt‘).
An
jenem großen Gerichtstage
wird
über Josamin, Abathur und Ptahil das Urteil gesprochen
Hernach
kommt Hibil-Ziwä [werden.
und
hebt sie aus dieser Welt empor.
Josamin
und Abathur
.
werden im Jordan des gewaltigen, ersten Lebens getauft.
Alsdann
holen sie Ptahil-Uthra
aus
den Nebelwolken mit der Fäulnis, in der er sitzt.
Er
wird im Jordan des gewaltigen, ersten Lebens getauft;
in
jenem Jordan wird die Fäulnis von ihm abgekratzt.
1)
Mit welchen sie an das Firmament befestigt ist?
2)
Die Schöpfer der Sieben und der Zwölf.
s)
Siehe p. 106, 4.
*,
Besser pw „hinabgesunken ist“.
5
Io
20
25
30
35
38
312
Rechter Teil. 311,7
Er
wird das erste Leben umarmen
und
vom Fußblock und der Fessel erzählen, die er in der Welt
Er
wird von dem Leid erzählen, [erdulden mußte.
das
ihm von seinem Vater widerfahren ist..
Er
wird König der Uthras genannt werden
und
die Herrschaft über den ganzen Stamm der Seelen erhalten.
Er
wird König der Näsöräer genannt werden,
und
Gebet und Lobpreis werden zu ihm emporsteigen.“ —
Und
das Leben ist siegreich.
Viertes
Stück.
Über
Sin, den Mond, seine Schicksale und seine Wirkung auf die Welt und die
Menschen.
Das
Stück steht mit geringen Abweichungen auch Joh. 192ff., dort zusammen mit einem
Stücke
über die Sonne.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Als
die Helligkeit‘) aus ihrem Orte geschaffen war,
ging
[der Mann] hin und kam zur Welt.
Er
kam zur Welt des Fehls,
und
sie wurde Sin in Fülle verliehen.
Der
Mann, der ihm die Helligkeit verlieh,
rief
ihn, rüstete ihn und gab ihm eindringliche Befehle.
Er
sprach zu ihm:
„Das
Gewand der Helligkeit gebe ich dir,
damit
du damit die Dunkelheit des hinfälligen °) Hauses erhellest n,
Wenn
der Glanz der Sonne sich verdeckt,
wird
deine Helligkeit aufsteigen.
Wenn
der Mann bei seinem Weibe liegt
unter
deinem Horoskop,
wird
die Saat unter deinem Zeugnis zustande kommen
in
der glänzenden Wurzel.
Du
beleuchtetest ihr Antlitz
und
befreitest sie von Schmerzen und Gebrechen
und
von allen den Gestalten, die zu nichts nützen.:
Du
befreitest sie von der Schlechtigkeit
und
dem Leid’) des hinfälligen Hauses.
')
Zum Gebrauche von xp) mit Beziehung auf den Mond vgl. Ich. I,.n.28
®)
So nach dem Johannesbuch.
»)
Lies TIINTINNT.
311,
22—312, 13 Fünfzehntes Buch. Viertes Stück. 313
Denn
die Wurzel der lebenden Saat
wurde
deinen Händen anvertraut.
Beleuchte
du und erhelle
und
festige ihren Stamm in hohem Maße.“
Da
sprach Sin
zu
dem Manne, der ihn mit Helligkeit bekleidet hatte:
[312]
„Einen Tag im Monat bleibe ich verborgen,
und
meine Strahlen sind verhüllt.
Verhüllt
sind meine Strahlen,
und
die beiden Hüter geben darauf acht‘).
Wenn
ich nicht da bin
und
die Männer dann bei ihren Weibern liegen,
so
das Weib an jenem Tage empfängt,
werden
Stumme und Taube und häßliche Gestalten aus ihnen
Wenn
sie an jenem Tage empfängt, [hervorgehen.
werden
Taube und Aussätzige,
Hand-
und Fußlose aus ihnen hervorgehen’).
Die
Planeten verwirren den Samen
und
tun ihm alles Böse an.“
Darauf
sprach der Mann zu ihm,
der
ihn mit Helligkeit bekleidet hatte:
„Die
an jenen Tagen zustande kommen,
sind
füg unsere Stämme untauglich ’).
Nicht
werden sie uns zugezählt
und
nicht zu unserer Wurzel gerechnet für alle Zeiten.
Ein
Sohn der Wurzel der Finsternis ist er,
er
wird zum Neste zurückkehren, aus dem er gekommen ist.“
Darauf
rief er ihm zu, befahl ihm, warnte und ermahnte ihn
und
ließ auf ihn Festigkeit‘) und Achtsamkeit.
Er
sprach zu ihm:
„Gib
acht, auf den Stamm der Seelen,
den
du in der Welt zurückgelassen hast.“
Er
verbeugte sich und entfernte sich von ihm
und
ging zum Hause des Abathur.
Er
machte sich auf und ging zum Hause des Abathur
und
stieg zu den Wachthäusern hinab.
‘)
Vgl. L 56, 3ff., auch Brandt, Rel., p. 62 und Anm. 2.
®)
Nach dem Johannesbuch.
5)
Im Text steht dies und die Fortsetzung im Singular.
4)
Wegen des folgenden Wortes fasse ich hier X37\N in diesem Sinne, nicht im Sinne
„Helligkeit“
auf, siehe auch p. 299,15 und Joh. 191,3.
15
35
Io
20
25
30
35
314
Rechter
Teil. 312, 13— 313, 4
Er
machte sich auf und stieg zu den Wachthäusern hinab,
um
die Rechnung in jeder Hinsicht vollständig zu machen ').
Am
Tage, an dem er?) der Tibil entzogen ist,
in
den Stunden, in denen er von der Welt verborgen ist,
läßt
er?) wegen der Anstöße, die er gegen die Jünger schleudert,
Pein,
Marter und Bedrückung gegen ihn los.
Angst,
Furcht und Schrecken zeigt er ihm,
bis
er stirbt, vergeht und sich verfinstert
und
seine Gestalt aussieht, wie sie nie gewesen‘).
Wenn
er aus den Wachthäusern herauskommt,
wird
ihm seine Farbe weggenommen.
Seine
Farbe wird ihm weggenommen,
und
seine Gestalt sieht aus, wie sie nie gewesen.
Hernach
setzt er sich in seinen Wagen
und
zieht helle Strahlen an.
Sie
spannen die starke Helligkeit über ihn,
und
er tritt seine Wanderung durch die Welt an.
Am
ersten Tage, an dem er erscheint,
öffnet
sich die Spitze des Firmaments.
Er
tritt aus dem oberen Firmament heraus
und
geht am unteren Himmel zur Ruhe.
Bis
zum zweiten Tage
leuchtet
nicht seine Helligkeit über alle Welten.
Bis
zum siebenten Tage im Monat
redet
Sin in der Stimme des Lebens.
In
der Stimme des Lebens redet er,
weil
er die Furcht und die Angst vor dem Leben im Sinne hatte).
Wenn
er über den siebenten Tag hinaus ist,
hat
er schon die Furcht und Angst [313] vergessen.
Vergessen
hat er Furcht und Angst
und
schleudert Böses in die ganze Welt‘).
Euch
sage und erkläre ich,
ihr
Männer, die ihr das Leben bezeuget:
Seid
fest und ertraget die Verfolgung
im
hinfälligen Hause °).
Denn
gar bald wird die Tibil untergehen
und
die beiden Berge’) zusammensinken.
')
Diese drei Verse bezjehen sich nach den letzten Worten auf Sin; sie scheinen
eingeschoben
zu sein.
2)
Der Mond.
®)
Der Mann.
#)
Vgl. Joh. II, p. 180°. °) Nach dem Johannesbuch.
®)
Im Ginzä vorher noch: in dieser Welt. ?) Siehe oben, p. 116%.
313,
5—21 Fünfzehntes Buch. Fünftes Stück. 315
Zusammensinken
werden die beiden Berge,
und
die Kraft des Lichtes wird von ihnen genommen werden.
Weggenommen
wird die ganze Festigkeit,
die
sie in hohem Maße hatten.
Ihre
Gestalt wird dunkel und verächtlich. 5
und
ihre Gestalt sieht aus, wie sie noch nie vorher ausgesehen hat.
Die
Seelen, die sich zu ihnen bekannt haben,
heulen
und schreien und weinen von ihrem Orte aus.
Sie
sagen zu ihnen:
„Als
wir in jener Welt waren, io
leuchtete
euer Glanz über alle Welten.
Wir
zeugten für euch
und
verehrten euch und priesen euch über die Maßen.
Warum
wurde jetzt eure Gestalt verächtlich
und
wurde dunkel und finster, wie sie es nie gewesen?“ 75
Die
Planeten hatten keine Aufklärung,
die
sie ihren Verehrern darüber geben konnten, wie es zugegangen
Die
Planeten und ihre Seelen und ihre Verehrer [war.
u...
') und alle ihre Schöpfungen,
aber
auch die Seelen der Kinder des großen Stammes des Lebens, die 20
werden
in die untere Seol hinabsinken. [an sie glaubten,
Sie
werden in die große Schlange fallen,
deren
Name Ur, Herr der Finsternis, ist.
Doch
von jenem Tage an
werden
eure Seelen erlöst und errettet werden, 25
die
Seelen unserer trefflichen Brüder
und
unserer gläubigen Schwestern.
Die
Seelen der wahrhaften und gläubigen Männer
werden
emporsteigen und den großen Lichtort schauen. —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich, 30
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Fünftes
Stück.
Das
Leben rüstet Säm-Ziwä aus, sichert ihn und bestellt ihn als Schützer der
Gläubigen;
Warnungen
an die Ungläubigen.
Im
Namen des großen Lebens 35
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Y)
Statt Om hat Joh. mannd) MNW7. Beide Lesungen passen nicht in den
Zusammenhang,
und es ist schwer, die Stelle herzustellen.
u
316
20
35
40
Rechter
Teil. 313, 21— 314, 18
Der
Ruf des reinen Säm-Ziwä ist es,
den
das große (Leben) aus seinem Munde hervorgerufen hat.
Das
Große rief ihn aus seinem Munde hervor
und
schuf ihm Helfer.
Es
schuf ihm reine Vollkommene,
daß
sie ihm in seiner Skma Gesellschaft leisten.
Es
bekleidete ihn mit sieben Gewändern
von
Glanz, Licht und Herrlichkeit
und
[314] verlieh ihm die Herrschaft über sein Schatzhaus.
Es
verlieh ihm die Herrschaft über die Uthras und die Leuchten,
sowie
über die Jordane und Skinäs jeglichen Ortes.
Es
verlieh ihm die Herrschaft über die eifrigen Mänas
und
den Glanz, der an seinem Orte lohet.
Es
belehrte ihn über S’hagq, den großen Glanz des Lebens,
und
über den Ort, den es sich zum vollkommenen Sitz erwählt
Es
sprach zu ihm von jener Welt, [hat.
die
vor allen Lichtwelten verborgen ist.
Es
schuf Hamgai-Ziwa, den Sohn des Hamgagai-Ziwa,
und
gab ihm (sonstige) Helfer bei’).
Es
gewährte ihm die sieben verborgenen, reinen, bewahrten Mysterien,
durch
die er in vollkommener Weise bewahrt werde.
Es
verlieh ihm die Macht über die Partei des Jorabba
und
sprach zu ihm: „Geh, behüte das Zeitalter).
Gib
auf den Stamm der Seelen acht;
halte
ihn in Ordnung und führe ihn an seine Stätte empor.
Wenn
Jorabba zürnt,
wird
er durch deine Rede niedergehalten werden.
Sei
ohne Bangen, Furcht und Angst,
und
der Mäna in dir beunruhige sich nicht.
Ängstige
nicht die Wolke,
in
der du in vollkommener Weise verborgen bist.
Sei
ohne Bangen und Furcht
und
sage nicht: Ich stehe allein da.
Ich
gab dir getreue Helfer bei,
auf
daß sie dich behüten.
Sie
sollen dich behüten
und
von allem Häßlichen erlösen.
Erlösen
sollen sie dich von der Hexerei der Rühä, des Christus und
sowie
dem Verderben der zwölf Sterne. [der sieben Planeten,
Erlösen
sollen sie dich vom Schwerte und dem Eise,
sowie
dem Feuer und dem Brande der fünf Wüteriche,
die
Brände gegen die Tibil loslassen.
!)
Siehe Z. 34.
®)
Siehe p. 295°,
314,
18— 315,13 Fünfzehntes Buch. Fünftes Stück.
Wenn
die Bosheit dich bedrücket,
wird
unsere Stimme an dich gelangen.
Wenn
die Bösen gegen den Stamm der Seelen Pläne schmieden
und
in ihnen Angst und Furcht erregen,
so
bebe und zittere nicht an deiner Stätte,
und
die Sieben sollen nichts von deinem Gewande wissen '),
noch
von der Wolke, in der du geborgen bist.
Wenn
sie in großen Zorn geraten,
komme
ein Brief der Kustä von dir zu uns.
Dann
wollen wir dir einen Boten senden,
und
wir wollen dir ein Hüter sein.
Wir
werden dir ausgedehnte Kraft?) senden,
ausgedehnt
[315] und endlos.
Wir
werden dir ausgedehnte Kraft senden
und
großes, gewaltiges Vertrauen von seiner Stätte her.
Wir
werden dir Hilfe senden,
vor
der die Sieben erbeben sollen.
Wir
werden dir verborgene Gebete gewähren
und
Nitubtäs, die nicht vergehen.
Wir
werden dir verborgene Gebete gewähren,
durch
die die Empörer niedergehalten werden.
Deine
Jünger sollen Festigkeit finden,
die
in der nichtigen Wohnung wohnen.
Sie
sollen kraft deines Vertrauens Vertrauen hegen
und
von den Sieben erlöst werden.
Von
den Sieben sollen sie erlöst werden
und
dafür uns und dir Dank wissen.
Den
Naäsoräern, die eifrig sind,
sei
du ein Zeuge.
Sei
du ihr Zeuge,
und
durch deine Kraft sollen sie zum Lichtort emporsteigen.
Sie
sollen in die Nordluft eingehüllt werden‘),
317
den
Weinstock, der aus dem Wohnsitze des gewaltigen, ersten
[Lebens
emporgerichtet wurde.
Sie
sollen mit den Gewändern des großen (Lebens) bekleidet
und
im lichten Wohnsitz aufgerichtet werden.
Sie
sollen im liehten Wohnsitz aufgerichtet
und
zur Stadt der Uthras hinzugefügt werden.
Die
Näsoräer, die nicht eifrig sind,
werden
über Hochmut und Zorn sitzen‘).
1)
Siehe p. 2%, 2.
2)
So, nicht etwa „Heer“.
8)
Siehe p. 281 ob.
4)
Besser „die ...-- sitzen“, (Oy), siehe auch weiterhin.
30
35
40
318
Rechter Teil. 315, 13— 316, 4
Den
Nasöräern, die nicht eifrig sind,
wird
Kraft, Festigkeit und Rede genommen werden.
Ihnen
wird Kraft, Festigkeit und Rede genommen werden,
und
sie werden mit einem Schlage geschlagen werden, für den
5
[es keine Heilung gibt.
Sie
werden geschlagen werden, ohne Heilung zu finden,
weil
sie Erste und Vornehme‘) waren.
Erste
waren sie und Vornehme a)
und
schauten Angst, Furcht und Schrecken ?).
10
Jeglicher Schlag der Finsternis
fand
durch das Wort bei ihnen statt.
Jeglicher
Schlag des Lichtes
fand
durch das Wort bei ihnen statt.
Sie
hielten nicht stand, ließen sich nicht warnen
TE
und kannten keine Furcht und Angst.
Furcht
und Angst kannten sie nicht
und
sahen nicht ein, daß sie von der Welt scheiden werden.
Da
sie nicht nachsannen und nicht einsahen,
sollen
sie aus deinem Namen°) ausgelöscht werden.
20
Sie sollen in den Bränden der Sieben verbrennen
und
ein Anteil der Sieben werden. —
Und
das Leben ist siegreich.
Sechstes
Stück.
Jökabar-Kustä
begibt sich aus dem Hause des Lebens zu den frommen Gläubigen, um
25
Sie zum Kampfe gegen die Bösen auszurüsten. Er bringt ihnen Belehrungen und
Ermahnungen,
sowie
Öffenbarungen über Vergangenheit und Zukunft.
[316]
Im Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Ich
bin Jokabar-Kustaä,
30
der ich vom Hause meines Vaters fortging und herkam. .
Ich
kam mit verborgenem Glanze
und
mit Licht ohne Ende.
Ich
kam zu den Männern von erprobter Gerechtigkeit,
an
denen weder Mangel noch Lüge ist.
’)
NNWND, siehe p. 215!. i
?)
Man erwartet „ließen schauen“ (iS) oder „schauten nicht“ mad), siehe weiterhin.
°)
Lies 7NTENY }D „aus deinem Blatte“, vgl. p. 129, 8.
316,
4—22 Fünfzehntes Buch. Sechstes Stück. 319
Ich
brachte ihnen Rede und Erhörung,
wıe
das große (Leben) es mir befohlen.
Ich
brachte ihnen geheime Reden,
damit
sie ihre Wunderkräfte an den Unholden zeigen.
Als
Hibil der Hüter des Zeitalters war, E
war
ich der Bote vor ihm.
Ich
errichtete ihm den Thron in seiner Wolke,
und
ich erleuchtete ihn in seinem Gewande.
Alsdann
setzte mich Hibil in seiner Majestät
über
diejenigen ein, die seinen Namen lieben. Io
Ich
brachte ihnen‘) großmächtige Rede,
die
wundersam und unbegrenzt ist.
Ich
schuf ihnen Wagen’),
ich
gewährte ihnen Zeugen (jeglicher) Gestalt’).
Ich
gewährte ihnen verborgene Gebete, 15
durch
die die Planeten und ihre Stämme gefesselt werden.
Ich
gewährte ihnen Stahlspieße lebenden Wassers,
durch
die die Hmurthäs des Hauses geknickt werden.
Ich
gewährte ihnen Schwerter (lebenden) Wassers,
vor
denen die Riesen der Finsternis erschrecken. 20
Ich
gewährte ihnen gewaltige Pressen,
durch
welche die ganze Wurzel der Finsternis und des schwarzen
[Wassers
zusammengepreßt wird.
Gut
steht es den Männern von erprobter Gerechtigkeit an,
wie
sie in ihren Wagen sitzen. 25
Wie
sie sitzen in ihren Wagen
und
die Unholde dieser Welt hinstürzen.
Als
Hibil der Hüter des Zeitalters war,
berief
er mich Jokabar-Kustä.
Er
berief mich und machte mich zum Boten 30
und
setzte mich als Herrscher über die Männer von erprobter
[Gerechtigkeit
ein.
Als
Herrscher über die Männer von erprobter Gerechtigkeit setzte er
und
ich wurde ihr Hüter. [mich ein,
Ich
zeigte mich‘) den Planeten und den zwölf Sternen, 35
da
stürzten sie von ihren Wagen herunter.
1)
Man hat wohl NOSTIEMR zu lesen mit Beziehung auf FO NWMNT) wie bei den
folgenden
Verben.
2)
Kampfwagen zum Kampfe gegen die Bösen, vergl. Vers 25, namentlich gegen die
in
Wagen sitzenden Sieben und Zwölf.
3)
Kaum in Ordnung. Vielleicht ist hinter 97 etwas ausgefallen: nach Art von ....
#)
Vielleicht ist NOmRTy — NOnmRTIny) zu lesen und das 4% vom vorhergehenden
yaıny
hierher zu ziehen.
I.
20
25
30
320
Rechter
Teil. 316, 22—317, 18
Ich
wurde ihr Helfer,
und
durch meine, des Jokabar-Kustä, Kraft
wurde
das Gift der Verderber wirkungslos.
Ihre
Gestalt wurde finster,
[317]
und die Kraft ihrer Wagen wurde gelähmt.
Sie
standen vor den Männern von erprobter Gerechtigkeit,
und
diese erlangten von ihnen alles, was sie suchten, in voll- _
[kommener
Weise.
Als
Sitil der Hüter des Zeitalters war,
kam
das Näsaräertum’) in die Welt.
Alles
Gemachte und Geschaffene entstand damals.
Es
entstanden die abgesonderten Männer),
die
sich von der Welt absonderten.
Es
entstanden die abgesonderten Männer,
die
nichts aßen, worin die Planeten sich verbargen.
Sie
taten nichts von deren Werken
und
wurden nicht in der Welt des Siglün abgeschnitten.
Ihre
Gestalt wurde nicht finster
und
ihr Name nicht vom Lichtort abgeschnitten.
Alsdann
belehrte ich, Jokabar-Kustä, euch,
die
Sprosse, die aus ihnen hervorgegangen sind.
Ich
sprach zu euch‘):
„verrichtet
nicht ungiltiges Gebet und Lobpreis.
Wenn
das Pihtä für euch nicht bereitet ist,
spendet
nicht [das Almosen].
Wer
das Almosen spendet und kein Pihta bereitet,
wird
mit sechzig Stöcken von Eis geschlagen werden.
Mit
einer Feuergeißel [wird er geschlagen]
und
im schwarzen Wasser gepeinigt werden.
Wenn
die Verfolgung euch bedrängt
und
die hinfälligen Mysterien‘) euch beunruhigen,
wenn
die Verfolgung euch bedrängt,
redet
und rufet mit der Stimme des Lebens.
Wenn
ihr das Gebet verrichtet und kein Pihtä bereitet
und
körperliche Speise genießet,
wenn
ihr dieses Mysterium verstehet #x+«x+xx%%,
alsdann
stehet auf euren Füßen.
Auf
euren Füßen alsdann stehet
und
verrichtet einundsechzig mal das Gebet.
!)
Auch Leid. hat NMYINYN).
?)
Siehe p. 280°.
®)
Lies NISINDRN, doch ist ein Wechsel in der Person nicht ausgeschlossen.
*)
Damit sind die falschen Religionen gemeint.
317,
18-318, 10 Fünfzehntes Buch. Sechstes Stück. 321
Wenn
ihr dieses Gebet verrichtet,
wird
man eure Sünden und Vergehen euch erlassen.
Ihr
werdet von den einundsechzig Schlägen geheilt werden
und
werdet nicht in die Feuergeräte hinabsinken.
Nicht
werdet ihr in die Feuergeräte hinabsinken
und
nicht in den einundsechzig siedenden Kesseln gepeinigt
[werden.“
Als
die Männer von erprobter Gerechtigkeit ihren Körper verließen,
stieg
das Licht von hier in die Höhe’).
In
die Höhe stieg von hier das Licht,
in
die Höhe stieg die glänzende, wundersame Wurzel.
In
die Höhe stieg die Güte, die Gradheit und das Wissen,
und
der Glanz des Lichtes wurde aus dem hinfälligen Hause ge-
[Er
wurde] von einem [318] Strich der Tibil [genommen], [nommen.
ging
hin und ließ sich am Orte der Wahrhaften °) nieder.
Die
Hüter, die hier waren, gingen hin
und
ließen sich am Jordan des Ortes der Wahrhaften nieder.
Immer
mehr und mehr, immer stärker und stärker
nahm
(dort) die Stimme des Lebens zu).
Die
Mischung der Helligkeit, die in der Tibil blieb,
blieb
jeglichen Ortes bei den dumpfen Leuten‘) verborgen.
Der
Glanz stieg von ihr in die Höhe,
und
das helle Gemurre’) blieb.
Von
jenem Tage an
werden
die Jünger aus jenem Landstrich nicht zum Licht empor-
Sie
werden geprüft und gequält, [steigen.
bis
sie den Schmutz von sich abstreifen.
Ein
jeder, der den Schmutz von sich abstreift,
steigt
zum Hause des Abathur empor und wird da aufgerichtet.
Wer
den Schmutz nicht von sich abstreift,
erlischt
und geht zu Grunde, als ob er nie dagewesen wäre.
!)
Siehe auch p. 306°.
2)
Siehe p. 306.
3)
Die Bedeutung von NDY NEW ist gesichert; es steht immer im Gegensatz zu
"32:
R
324,11; L 50,18; 90,23. Daher kann sich der Vers nur auf das Jenseits beziehen.
*),
NONNN eigentlich: starr vor Staunen (MN), dann überhaupt: benommenen, dumpfen
Sinnes,
vgl. auch R 279,10; 282,8,13; L 57,12. Was vom Licht noch hienieden
zurückblieb,
blieb
bei den Leuten gestörten Sinnes. Dies entspricht der im Orient verbreiteten
Anschauung,
daß
der Geist der Irren und Halbirren dem Jenseits näher stehe als der Sinn der
gewöhn-
lichen
Menschen.
5)
Zur Bedeutung von NW siehe Joh. II, p. 41°. Vielleicht ist die unklare Rede
der
„dumpfen Leute“ gemeint. Das Beiwort NIPNN paßt zum vorhergehenden KIN, es ist
trotzdem
bei NW nicht am Platze.
Lidzbarski,
@inzä. 21
5
20
25
30
322
Io
Rechter
Teil. 318, 10—819, 1
Euch
rufe ich zu und erkläre ich,
ihr
wahrhaften, gläubigen Männer.
Sprosse,
Sprosse werden aus der letzten Generation
durch
mein Wort und meinen Segen emporsteigen.
Sie
werden emporsteigen durch meinen Segen
und
in vortrefflicher Weise gefestigt werden.
Ich
erleuchtete sie und klärte sie auf,
damit
sie nicht in der Welt straucheln.
Wer
strauchelt, wird sterben und verderben.
Wiederum‘)
habe ich euch erleuchtet und aufgeklärt.
Wer
leuchtet und klar ist,
dem
werde ich ein Helfer sein,
ein
Helfer und eine Stütze
aus
dem Orte der Finsternis zum Orte des Lichtes. —
Und
das Leben ist siegreich.
Siebentes
Stück.
Ein
Offenbarungswesen, Mandä dHaije oder Jäwar, wird vom Leben in diese Welt
gesandt,
um die Näsöräer zu belehren und zu ermahnen. Er verkündet den Lohn der frommen
Gläubigen
und die Strafe der Unwürdigen.
20
25
30
35
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Aus
der Skinä des gewaltigen (Lebens) berief das Große mich,
es
rief mich, gab mir Befehle und festigte mich.
Das
Große rief mich und gab mir Befehle,
es
rüstete mich und sandte mich in die Zeitalter hinaus:
den
Ruf des Lebens zu rufen
und
Glanz über das Haus zu legen.
Den
Ruf des Lebens zu rufen,
und
die Pflanzung des Großen zu pflanzen,
die
Pflanzung des Großen zu pflanzen
und
Jordane in vollkommener Weise hinzuziehen,
rechte
Pflanzen zu pflanzen
und
sie mit lebendem, prangendem Wasser zu tränken,
sie
Weisheit, Wissen und Lobpreis zu lehren,
ausgedehnt
und unbegrenzt,
ihnen
[319] den reinen Ruf zu gewähren,
durch
den sie in dieser Welt gefestigt werden sollen.
%)
Vgl. Nöld., p. 204.
319,121
Sie
Sie
Sie
Sie
Sie
Sie
Die
Die
Fünfzehntes
Buch. Siebentes Stück. 323
sollen
in der Erleuchtung des Lebens sprechen
und
die Schlafenden aufrütteln und zum Aufstehen bringen.
sollen
einen Weg wählen und aufwerfen
und
einen Grenzstein aufrichten.
sollen
mit dem Wissen aufsteigen,
das
aus dem Hause des großen Bihräm, (des Sohnes) des Lebens,
sollen
über die Seelen unterrichtet werden, [gekommen ist.
die
des lichten Wohnsitzes würdig sind.
sollen
aufrütteln, sie sollen belehrt werden '),
und
ihnen sollen Leuchten wundersamer Art geschaffen werden.
sollen
ihnen die große Wurzel des Segens zeigen,
aus
der das gewaltige, erste Leben hervorgegangen ist.
wahrhaften
und gläubigen Näsoräer
werden
emporsteigen und den Lichtort schauen.
wahrhaften
und gläubigen Näsöräer und Ausgezeichneten ’)
werden
in dieser Welt nicht zurückgehalten werden.
Nicht
werden sie zurückgehalten werden [in dieser Welt]
und
im großen Gerichte nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Über
sie wird nicht das Urteil gesprochen werden,
Sie
das
über alle Wesen gesprochen wird.
werden
im Gerichtshofe nicht schuldig befunden werden
und
nicht in das große Süf-Meer fallen,
in
dem Rühä und Christus enden,
die
zwölf Sterne enden.
Da
enden die sieben Planeten,
und
ihnen wird das Urteil gesprochen.
Da
enden die sieben Planeten,
die
Söhne des Mangels’),
die
Herren der nichtigen Wohnung,
Die
Ihr
die
Herren des hinfälligen Hauses.
Näsoräer,
die des Hauses des Lebens nicht würdig sind,
haben
schwere Sünde begangen.
Körper
stand in Verfehlung,
und
an ihnen war Mangel und Fehl.
5
Io
15
25
30
Wenn
sie auch in hohem Maße den Schatz (das Ginza) von der Tibil 3;
bringt
es ihnen doch keinen Nutzen‘). [her verstehen,
Wenn
sie am großen Tore des Hauses des Abathur anlangen,
werden
sie vom Tore des Hauses des Abathur zurückgejagt werden.
1)
An sich besser YWNDN) „sie sollen belehren“, doch siehe p. 345, 9ft.
2)
QInWwıD, siehe p. 2151, 280°.
3)
Lies N()NYDNT „der Mangelhaften‘“, d. h. der Rühä, siehe p. 81,14?
*)
13%) scheint hier schon Sammlung religiöser Schriften zu bedeuten, im Übrigen
ist
die
Übersetzung des Satzes unsicher. siehe auch weiterhin.
-—
ZuRE
20
25
30
35
324
Rechter
Teil. 319, 21—320, 16
Vom
Tore des Hauses des Abathur werden sie zurückgejagt werden
und
den Lichtort nicht schauen.
Sie
werden das Wissen nicht schauen,
das
aus der Skina des ersten, gewaltigen Lebens geschaffen wurde.
Es
wird ihnen abgenommen werden,
und
sie werden zur Natur des Ortes der Finsternis hinabsinken.
Ihnen
werden die verborgenen Gebete abgenommen werden,
[320]
die sie von der Welt her verstehen.
Ihnen
werden die verborgenen Gebetsordnungen abgenommen werden,
abgenommen
die wohlgerüsteten Schiffe ').
Ihnen
wird die Totenmesse und die Taufe abgenommen werden,
und
diese werden zu dem Orte emporsteigen, aus dem sie gekom-
Ihnen
wird der verborgene Schatz abgenommen werden, [men waren.
und
er wird beim großen Jürä°), dem Schatzhalter, aufgestellt
Er°)
wird aus dem Lichte ausgerissen werden [werden.
und
in der untersten Gehenna lodern.
Er
wird in die siedenden Kessel fallen
und
im Feuer verbrennen, während es brennt.
Er
wird das Leid der Planeten schauen
und
eines doppelten Todes sterben.
Ein
jeder, der in vollkommener Weise erwählt, fromm, wahrhaftig und
wird
von seinem Orte nicht abgeschnitten werden. [glaubensfest ist,
Nicht
wird er von seinem Orte abgeschnitten werden,
sondern
in die teure Gemeinschaft eingeschlossen werden.
Man
wird ihn die Helligkeit der Wurzel schauen lassen
und
im verborgenen Lichte in vortrefflicher Weise aufstellen ”
Man
wird ihn mit einem Gewande des Glanzes bekleiden,
das
wundersam und unbegrenzt ist.
Man
wird ihn mit einem Turban des Lichtes bedecken,
der
über die Maßen leuchtet und glänzt.
Man
wird ihm einen Gürtel, einen Gürtel (lebenden) Wassers um-
in
dem es keine Schmerzen und Leiden gibt °). [binden,
Man
wird ihm einen Ätherkranz aufsetzen,
der
aus dem Weinstock Rwaz hergenommen wurde.
Wenn
er aus seinem Körper scheidet,
wird
ein Geleiter ihm entgegengehen,
ihn
zur Skina des großen (Lebens) emporführen,
die
wundersam und unbegrenzt ist,
‘)
Die sie zum Jenseits hinfahren sollen. Im Grunde erwartet man hier ein anderes
Wort.
?)
Bedeutet „Glanz“, siehe p. 66, 15, doch erscheint es in diesen Stücken als
Eigenname,
®)
Der schlechte Mandäer.
*)
Lies MNOPRN (so auch Leid.) YTWT samınd Fa.
®)
Siehe Joh. II, p. 206, 21.
320,
16— 321,7 Fünfzehntes Buch. Achtes Stück. 3935
an
den Ort, an dem das große (Leben) thronet:
nicht
kam fort wer aus der Höhe heruntersank '). —
Und
das Leben ist siegreich.
Achtes
Stück.
Am
Anfange heißt es, daß Jäwar von höheren Wesen — es steht nicht da von wem;
vielleicht
bezieht sich der Plural auf N”) „Leben“ — ausgerüstet und über die geheimen
Dinge
belehrt wird. Weiterhin ist es Hibil-Ziwä, der vom großen Mänä belehrt und zu
den
Näsöräern
gesandt wird, um sie zu unterweisen. Er soll ihnen besonders die Wichtigkeit
des
Öles dartun, das zur „Siegelung‘“ verwandt wird. Wer damit gesiegelt ist, wird
alle
verborgene
Dinge schauen.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Mit
der Kraft des Glanzes und des Sandarakbaumes’’)
schufen
sie’) den Jäwar und setzten ihn über jegliches Ding ein.
Sie
belehrten ihn über das Wissen,
das
wundersam und unbegrenzt ist.
Sie
setzten ihn über den großen Berg ein, dessen Glanz wundersam ist
und
dessen Licht strahlet und über die Maßen lohet.
Sie
schufen ihm Erleuchtung,
durch
die er aufgeklärt wird.
Sie
verliehen ihm verborgene Reden,
die
wundersam [321] und der Welt fremd sind.
Sie
belehrten ihn über den großen Jürä
und
über sein Abbild, das Wundersame, das bei ihm ist.
Sie
belehrten ihn über den großen Nsab
und
die Skinas, die er sich am Lichtort gegründet hat.
Sie
belehrten ihn über Zarzel-Ziwä,
den
sanften, festen Mäna.
Sie
belehrten ihn über Jösmir-Uthra
und
die Skinas, die er gegründet hat ...... w}
Hibil-Ziwä
sprach zu seinem Schöpfer folgendermaßen.
Er
pries den großen, gewaltigen Mana,
der
ihm Wissen’) in vollkommener Weise gegründet hatte.
t)
Der Sinn und die Auffassung des Satzes ist ganz unsicher, siehe Joh. II, p.
47°.
2)
Siehe Lit., p. XXI. ®), Hier wohl so, nicht „rufen, berufen“, siehe p. 32*.
#),
Statt NSIPy 72 hat wohl etwas anderes dagestanden, vgl. Vers 26. Zum Folgenden
ist
XANy 72 kaum zu ziehen. Hier ist vielleicht eine größere Lücke.
°)
Ich vermute NAMIND statt NMIIM.-
5
30
[X6)
Rechter
Teil. 321, 7—322,3
Er
hatte ihn unterrichtet, belehrt und erleuchtet
über
die verborgenen Dinge.
Er
hatte ihn über die lebendige Taufe belehrt
und
das reine Öl dieser Welt.
Er
hatte ihn über die Näsoräer belehrt,
wenn
sie aus ihrem Körper scheiden.
Er
sprach zu ihm:
„Geh
zu den Näsoräern,
die
in der Welt zurückgelassen sind.
Sage
ihnen:
Wenn
ihr aus eurem Körper scheidet,
werdet
ihr mit dem reinen Öl emporsteigen.
Denn
wichtig und teuer ist das reine Öl"),
das
aus dem Hause des großen Lebens gekommen ist.
Wer
nicht mit dem reinen Öl emporsteigt,
wird
an den Wachthäusern (so!) des Ptahil warten müssen,
bis
er mit einundsechzig Briefen emporsteigt;
alsdann
wird er in den Lichtwelten aufgerichtet werden.
Er
wird den Weinstock Taurel schauen,
der
im Jordan des reinen Tarwän ruht.
Er
wird den Baum Tatagmur schauen,
der
am Jordan des Herrn der Größe ruht,
Er
wird den Weinstock Rwaz schauen,
aus
dem der Segen des Lebens hervorgeht.
Aus
ihm geht der Segen hervor,
und
alle Uthras duften durch seinen Duft.
Er
wird den Weinstock Josmir schauen,
der
auf der Erde des Säm-Ziwä ruht.
Er
wird den Weinstock Sarhabel schauen,
der
auf der Erde des Hibil-Ziwä ruht.
Er
wird die sieben Zeltdächer schauen
des
Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit,
die
über die wundersamen Weinstöcke gespannt sind.
Er
wird die zwei reinen Berge schauen,
die
ruhig an ihrer Stelle sitzen.
Er
wird Jäwar, den großen Glanz des Lebens, schauen,
den
ersten Weinstock, [322] der auf der Erde des gewaltigen,
Er
wird den Weinstock Sar schauen, [ersten Lebens ruht.
der
auf der Erde des ersten Lebens aufgerichtet ist.
Er
wird den Weinstock Pirün schauen,
der
auf der Erde der „Sie war fest, machte und vollbrachte“ °) ruht.
!)
Lies NY statt NIHM.
°)
Ein weibliches Gegenstück zu Jäwar. siehe p. 151, 17; 162, 38.
Ää
322,
4—19 Füntzehnstes Buch. Neuntes Stück. 397
Er
wird den großen Weinstock schauen,
der
über den Früchten des vorausbestimmten Jäwar ruht.
Er
wird den großen Weinstock schauen,
den
Erzieher der Seelen der Säuglinge, die durch ihn großgezogen
Sie
trinken aus seinen Knospen und frohlocken, [werden ')
und
ihre Seelen blühen empor.
Empor
blühen ihre Seelen
und
erhalten Bestand in der Lichtwelt.
Er
wird den großen Jüra schauen,
wird
die Verborgenheit schauen, die er Sieh geschaffen hat.
Er
wird Adatan und Jadatan schauen,
die
am Tore des Hauses des Lebens sitzen.
Er
wird Silmai und Nidbai schauen,
die
in der großen, verborgenen, ersten Wolke wohnen.
Sie
wohnen in jener Wolke
und
sind über alle Jordane eingesetzt.
Er
wird JöSamin, den Reinen, schauen,
der
unter den Wasserbächen ruht.
Er
wird die vier Männer, die Söhne des Heils, schauen,
die
den Nasoöräern ein Beistand sind,
ein
Beistand und eine Stütze
vom
Orte der Finsternis zum Orte des Lichtes. —
Und
das Leben ist siegreich.
Neuntes
Stück.
Die
Seele — sie ist es, obwohl sie in dem Stücke als Uthra bezeichnet wird — kommt
als
Wohlduft zur Welt herunter und nimmt im Herzen des Körpers Platz (siehe auch
Lit,,
p.
102,10). Wehmütig stellt sie Betrachtungen darüber an, warum sie in die Welt
gesandt
sei.
Das Leben hört die Klage und sendet ihr einen Helfer, der sie belehrt und
tröstet.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Ich
bin der Wohlduft der Uthras,
der
ich hinging und in jedem getreuen Herzen Platz nahm.
Das
Herz, in dem ich Platz nahm,
erleuchtete
und erhellte ich über die Maßen.
Über
die Maßen erleuchtete und erhellte ich es,
brachte
Wohlergehen und ließ es darin wohnen.
1)
Es ist unsicher, ob das zweite NI7 so aufzufassen ist. Es ist eher mit CD zu
streichen,
so daß der Satz einfach heißt „in dem die Seelen der Säuglinge großgezogen
werden“.
5
25
20
25
40
3
8
Rechter
Teil. 322, 19—823, 12
Ich
nahm daraus das Seufzen,
das
die Sieben den Körpern brachten.
Die
Sieben brachten es den Körpern
und
ließen es in den finsteren Herzen wohnen.
Wer
sich durch die Erleuchtung erleuchten läßt,
wird
am Lichtort aufgestellt werden.
Wer
sich nicht durch die Erleuchtung erleuchten läßt,
wird
vom Lichtort abgeschnitten werden.
Ich
stelle in meinem Sinne Betrachtungen darüber an,
wie
es zugegangen ist.
Wer
hat mich aus meiner Stätte und meinem Orte weg gefangen ge-
aus
dem Kreise meiner Eltern, die mich großgezogen? [nommen,
Wer
brachte mich zu den Schuldigen,
[323]
den Söhnen der nichtigen Wohnung?
Wer
brachte mich zu den Rebellen,
die
tagtäglich Krieg führen?
Wer
zeigte mir die Bitterkeit,
an
der keine Süßigkeit ist?
Wer
zeigte mir die Finsternis,
an
der kein Lichtstrahl ist?
Wer
zeigte mir das stinkende Wasser,
das
sich auf Rädern dreht‘).
Es
dreht sich auf Rädern,
und
sein Gestank steigt empor und erreicht das Firmament.
Als
ich an meinem Orte stand,
ängstigte
ich mich und ängstigte meine Seele.
Ich
sagte mir, daß ich keinen hohen Helfer habe,
keinen
Mann als Pfleger.
Wie
ich noch an meinem Orte dastehe,
erhörte
mich das große (Leben) und verurteilte mich nicht.
Es
sandte mir einen hohen Helfer,
sandte
mir einen Mann als Pfleger.
Es
sandte mir einen sanften Beistand,
der
kam und mich von jeglichem Ding erlöste.
Er
sprach mit mir in lebendiger Rede
und
erlöste mich aus der Welt.
Er
rief mit sanfter Stimme
und
ließ mein Herz auf seiner Stütze ruhen.
Er
belehrte mich über die Lobpreisung,
daß
ich die Verfolgung der Tibil vergaß.
')
Das heißt wohl auf den Schöpfrädern der künstlichen Bewässerung im Gegensatz
zu
dem freifließenden lebenden Wasser.
323,
12— 324, 5 Fünfzehntes Buch. Neuntes Stück.
w
Er
sprach:
„O
du sanfter Uthra!
329
Nicht
nach dem Willen des großen (Lebens) bist du hergekommen.
Bist
nicht hergekommen nach dem Willen des Großen,
nicht
nach dem Willen der Uthras, die dort sind.
Vielmehr
nach dem Willen der beiden Uthras’) geschah es,
daß
sie dich aussandten und hierher schickten.
Sie
sandten dich aus, schiekten dich hierher
und
ließen dich in der Welt zurück.
Du
weiltest so lange in ihr und wurdest in ihr groß,
als
es deinem Vater gefiel.
Wenn
es deinem Vater gefällt,
wird
er dir sagen, wie es zugegangen ist.“
Ich
sprach dann zu meinem Vater,
zum
Manne, der über mich eingesetzt war:
„Wer
sind die beiden Uthras,
die
über mich eingesetzt wurden?
Wer
sind die beiden Uthras,
die
mich aussandten und hierher schickten?
Sie
sandten mich aus, schickten mich hierher
und
ließen mich in der Welt zurück.“
Jener
Helfer sprach dann zu mır,
der
Mann, der über mich eingesetzt war:
„Wo
gibt es einen Sohn, der seinen Vater verachtete‘),
daß
er dich hierher sandte und schickte?
Er
sandte und schickte dich hierher
und
ließ dich in [524] der Welt zurück.
Du
bliebst so lange in ihr,
als
es deinem Vater gefiel,
als
es gefiel deinem Vater
und
er dir Helfer sandte.
Helfer
sandte er dir,
und
sie sprachen mit dir [in lebendiger Rede +++ +++ xx.
Nun
o sanfter Uthra,
steh
auf, steige zum Hause deiner Familie empor
und
verfluche den Ort des Hauses deines Pflegers.
So
lange du in ihm weiltest und wohntest,
waren
die Sieben deine Gegner.
rt,
Siehe weiter unten.
vi
[PP
}
wı
2)
NI°D bezw. MID gibt keinen Sinn. Vielleicht ist auch hier eine Form von 803
entstellt,
siehe p. 24®.
30
35
330
Jtechter
Teil. 324, 5—21
Die
Sieben waren deine Gegner,
die
Zwölf deine Verfolger ').
Die
Zwölf waren deine Verfolger
und
sprachen: „Wir wollen seine Werke verächtlich machen,
vielleicht
schneiden wir ihn bei uns ab.
Vielleicht
schneiden wir ihn bei uns ab
und
er nimmt Anteil an [unserer] Welt.“
Ich
sprach zu mir, forschte in meinem Sinne
und
erwiderte meinem Vater, dem sanften Helfer,
dem
Manne, der über mich eingesetzt war:
„Wenn
du weißt, daß Mangel an mir ist,
schneide
mich im Wohnsitze der Sünder ab.“
Darauf
sprach er:
„O
sanfter Uthra!
An
dir war Überschuß, kein Mangel.“
[Darauf
erwiderte ich]:
„Mein
Vater! Wenn du weißt, daß an mir kein Mangel ist,
warum
hast du mir solches Leid angetan?“
Als
er dies von ihm hörte,
holte
er ihn aus seinem Körper heraus.
Er
bekleidete ihn mit einem Gewande des Glanzes
und
setzte ihm einen kostbaren Kranz auf.
Er
zerbrach ihre Wachthäuser
und
führte ihn mit Gepränge aus der Welt.
Mit
Gepränge führte er ihn aus der Welt
und
stützte ihn auf die Erde des großen (Lebens).
Er
stützte ihn auf die Erde,
auf
der das Große thronet.
Empor
stieg der Uthra,
dann
errichteten sie ihm einen Thron, und er nahm auf ihm Platz.
Ich
will euch sagen, ihr Großen,
ich
will euch sagen, ihr Gewaltigen, wie es zugegangen ist:
„Wenn
ihr solches mir antuet,
soll
da an eurer Weinlese in der untergehenden Tibil kein Mangel
Das
Zeitalter nahm ab, [eintreten °)?
und
die Verfolgung bedrückte sie gar sehr.“
„Sitze
da, Uthra,
geordneter,
wohlgeordneter Uthra.
!)
Siehe Lit., p. 160.
?)
Der Sinn ist wohl: Sollen die Seelen, die euren Anteil bilden, nicht darunter
leiden?
4
324,
22—325, 10 Fünfzehntes Buch. Zehntes Stück. 331
Wir
wissen gar wohl,
daß
an unserer Weinlese in der untergehenden Tibil ein Mangel
Das
Zeitalter nahm ab, [eintritt ').
und
Verfolgung wurde gar sehr gegen sie losgelassen.
Du
wurdest erlöst und stiegest empor, Uthra,
und
wer es vermag, soll nach dir emporsteigen.“ —
[325]
Das Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Zehntes
Stück.
Der
Mänä unterhält sich mit seinem Abbilde, d. h. mit dem ihm beigesellten
weiblichen
Wesen,
siehe p. 1445. Er äußert den Wunsch, Uthras zu schaffen, die ihm zur Seite
stehen
sollen.
Sein Abbild rät ihm ab. Er folgt ihrem Rate, aber wahrscheinlich war in einem
jetzt
weggefallenen Stücke davon die Rede, daß er dennoch eine Gefährtschaft schafft,
denn
das
Folgende setzt dies voraus. Er begründet die Schöpfung damit, daß das geschaffene
Wesen,
den Frommen als Helfer dienen soll. Er schickt einen Boten, um die Frommen in
die
Höhe emporzubringen Weiterhin tritt an die Stelle des Mänä das Leben und der
Bote
ist
Mandä dHaije. Er steigt in die Tiefe und bekämpft die Bösen.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Ich
unterhalte mich mit meinem Abbilde:
„Komm,
ich und du wollen bauen (schaffen).
Wir
wollen mit verborgenem Rufe bauen,
bauen
in der wundersamen Frucht.
Bis
daß wir Früchte schaffen, bis daß wir Helfer schaffen,
preise
du mich, und ich werde dich preisen.
Wir
wollen in reichem Glanze verwahrt bleiben
und
einander in vortrefflicher Weise in Ordnung halten.
Vielleicht
werden Uthras von uns geschaffen
und
preisen uns dann Gewaltige.“
Als
er dies sagte,
sann
er auf eine Gefährtschaft.
Auf
eine Gefährtschaft sann er
in
der wundersamen Frucht.
Er
sprach und sann:
!,
Der Text ist hier fälschlich mit p. 330, 34 in Einklang gesetzt. Man erwartet
hier
ARIDN
NTR SOIN2 INDEM DT.
-
_
(0)
-
5
332
Rechter
Teil. 325, 10—326, 2
Ich
will eine Gefährtschaft zu meiner Rechten schaffen,
will
Leuchten zu meiner Linken schaffen.
Ich
will Gesandte des Lebens schaffen,
die
für mich in der Verborgenheit verwahrt seien.
Darauf
erwiderte und sprach
das
Abbild zum teuren Mana:
„Wenn
du Gesandte schaffest,
wird
die Schlechtigkeit des Stammes deiner Pflanzung sich aus-
Deiner
Pflanzung Schlechtigkeit wird sich ausdehnen [dehnen ').
wegen
des Mangels der Welt.
In
ihr wird Lüge sein,
Erschütterung
in der Welt sein.“
Da
erwiderte ich und sprach
zu
meinem über die Maßen wundersamen Abbilde:
„Wir
haben nachgedacht, und nun wollen wir keine Pflanzung pflanzen,
aus
ihr kommt Mangel und Fehl.
Mangel
und Fehl kommt aus ihr,
und
Erschütterung entsteht in der Welt.“
Ich
beugte mich, verneigte mich vor meiner Gefährtschaft
und
nahm von ihr teure Kustä an.
Wir
traten in Geräte ein und verbargen uns’),
und
sie willigte ein, meine Gefährtschaft zu sein,
Als
die Ersten da waren,
sinnen
sie auf Zweite.
Als
die Zweiten da waren,
sinnen
sie auf Dritte.
Als
die Dritten da waren,
sinnen
sie auf Vierte.
Von
den Vierten
kam
Mangel und Fehl.
Mangel
und Fehl kam von ihnen,
und
[326] Erschütterung entstand in der Welt.
Darauf
erwiderte und sprach
das
Abbild zum teuren Mäna:
„Habe
ich dir nicht gesagt,
daß
wir keine Pflanzung pflanzen wollen?
')
899 „Haupt“ paßt nicht; ich vermute nmW2. Vielleicht ist auchNNINWT zu
streichen.
?)
SIND könnte an sich auch „Gewänder‘‘ bedeuten, aber dann paßt schlecht IX dazu.
Es
sind hier wohl Geräte, als Behälter der numina gedacht, wie denn auch NND im
Sinne
„Geist‘“
auf diese Bedeutung zurückgeht, siehe oben. p. 65.
F
326,
2—17 Fünfzelntes Buch. Zeintes Stück. 333
Wir
wollen keine Pflanzung pflanzen,
denn
aus ihr kommt Mangel und Fehl.
Mangel
und Fehl kommt aus ihr,
und
Erschütterung entsteht in der Welt.“
Da
erwiderte er und sprach 5
zu
seinem über die Maßen wundersamen Abbilde:
„Wie
sollen wir die Welt, die entstehen soll,
der
Vernichtung überlassen ?
In
ihr werden sich Männer von erprobter Gerechtigkeit ausbreiten
und
den Ruf des Lebens hierher‘) emporsteigen lassen. 10
Manche
von ihnen werden mit der Wurzel emporsteigen,
manche
von ihnen in der Welt zurückgehalten werden’).
Wer
die Kraft dazu hat und sich frei macht,
wird
emporsteigen und den Lichtort schauen.
Wer
die Kraft dazu hat und sich (dennoch) nicht frei macht, 15
wird
in der Welt zurückbleiben.
In
der Welt wird er zurückbleiben,
und
sein Wohnort wird von der Welt sein.
Wir
wollen den Boten rufen,
den
Boten, die Pflanzung des gewaltigen (Lebens). 20
Wir
wollen ihn beauftragen und dorthin senden:
was
dort ist, soll er hierher emporbringen.
Er
erlöse die sanften Mänas,
erlöse
den teuren Mänä°).
Den
teuren Mänä erlöse er, 25
und
dieser sei ein Guter im Hause der Vollendung.
Mich
berief und beauftragte das Große‘)
und
legte von seiner Weisheit über mich.
[Es
legte über mich] die wohlverwahrte Gestalt,
die
für mich im Verborgenen verwahrt ist. 30
Es
legte über mich Liebe,
die
meinen Freunden zukommen soll.
Es
legte über mich sanfte Rede’),
in
der ich mit meinen Freunden sprechen soll.
%)
Wohl 825 statt NIT zu lesen.
»)
Vielleicht ist auch hier N’IMNINND zu lesen. Zum Schwanken zwischen YNONINY
und
NDNINY siehe R 307, 14f. mit Varr.'
#)
Die Stelle ist unverständlich. Mit den sanften Mänäs sind die Einzelseelen der
Frommen
gemeint. Der „teure Mänä“ müßte hier aber das höchste Wesen sein. Wie soll
er
dieses erlösen? Etwa durch seine Hilfe für die Frommen? Es scheint, daß statt,
APIND))
ein
anderes Verb dagestanden hat.
*,
An die Stelle des Mänä tritt hier das große Leben.
ö)
Lies NNW, vgl. Text 327,12.
25
30
35
40
334
Rechter
Teil. 326, 17— 827,13
Ich
soll mit meinen Freunden sprechen
und
sie vom Vergänglichen erlösen.
Ich
soll sie vom Fehlerhaften erlösen,
das
sie von selbst geschaffen haben.
Es
warnt mich und befiehlt mir,
wie
ein Vater, der seinen Söhnen befiehlt.
Es
kost mich und küßt mich,
wie
ein Vater, der seinen Sohn küsset.
Es
warnt mich und behütet mich,
und
es bleibt fest bei seiner Rede ').
Es
spricht:
„Wir
senden dir Schatzmeister,
komme
rasch mit den Boten.
Rasch
mit den Boten komme
und
bring uns die Pflanzung des Gewaltigen.
Warum
willst du in der Tibil weilen,
warum
[327] dich im Vergänglichen hin und herschlagen?
Warum
verlässest du das reine Gewand
und
kleidest dich in das rebellische Gewand?
Warum
verlässest du die sanften Geheimnisse
und
trittst in die vergänglichen Geheimnisse ein?
Verlaß
nicht die geliebte Genossenschaft
und
liebe die Genossenschaft des Vergänglichen.
Verlaß
nicht die lebendige Rede
und
liebe die Rede des Vergänglichen.“
Als
das Große [so] zu mir sprach,
beugte
ich mich und verneigte mich in vollkommener Weise:
„Warum
sprichst du so zu mir,
wo
mein Herz in Zwiespalt geraten ist?
In
Zwiespalt ist mein Herz geraten,
und
meine Augen preßten sich mit einer Träne zusammen.
Mit
einer Träne preßten meine Augen sich zusammen,
bis
ich an meiner Stelle jammerte und weinte.
Gibt
es jemand, der im Hause des großen (Lebens) weilte
und
dann die Rede des Vergänglichen liebte?
Gibt
es jemand, der das reine Gewand verließe
und
sich mit dem rebellischen Gewande bekleidete?
Gibt
es jemand, der die geliebte Genossenschaft verließe
und
die Genossenschaft des Vergänglichen liebte?
Gibt
es jemand, der die Rede der Sanftheit verließe
und
die Rede des Vergänglichen liebte?“
’)
Vielleicht NO’8) „und es festigte mich mit seiner Rede.“
327,
13— 828, 4 Fünfzehntes Buch. Zehntes Stick.
Da
sprach es zu mir:
„Wir
sagten und erklärten dir:
Schleppe
dich nicht im Vergänglichen hin und her’).
Denn
aus dem Zweiten, der der Älteste war),
bildete
sich Mangel und Fehl.
Mangel
und Fehl bildete sich aus ihm,
und
Erschütterung kam durch ihn in die Welt.“
Alsdann
rief es (das Leben) Manda dHaije und sprach zu ihm:
„Komme
rasch und behüte deine Söhne.
Komm,
behüte deine Söhne
und
segne sie mit deinem Segen.
[Mit]
jenem [deinem Segen] segne sie,
mit
dem du deine Söhne, die Uthras, gesegnet hast.“
Es
segnete’) mich mit seinem Segen
und
breitete über mich von seinem Glanze,
breitete
über mich von seiner Pflanzung.
Ich
beugte mich und verneigte mich vor dem Leben
und
kam in die Welt‘).
Ich
beugte mich und verneigte mich vor dem Leben
und
sprach mit meiner wundersamen Stimme.
Ich
ging zu den Skinas
und
den guten Uthras, [die] sie geschaffen haben.
Als
die Uthras mich erblickten,
verneigten
sie sich und priesen mich’) über die Maßen.
Sie
priesen den Uthra der Herrlichkeit,
von
dem alle Wahrheit gekommen ist.
[328]
Sie sprachen zu ihm:
„Wohin
gehst du, Sohn der Glanzwesen,
wohin
hat das Leben dich (hierher) gesandt?“
Darauf
erwiderte ich ihnen:
„Ich
gehe zur Tiefe‘), die ganz Gestank ist,
und
zu den Werken, die nicht (ordentlich) geschaffen sind,
den
Werken, die die Uthras geschaffen,
die
an ihrer Stelle verborgen sind.“
Da
sprachen sie zu ihm:
„Geh,
richte her
und
bringe siegreich deine Pflanzung in die Höhe.
1)
Siehe Nöld., p. 249°.
>)
NONOND; der Dritte, Abathur, wird NPINN genannt.
335
3)
Es bezieht sich wohl auch hier auf das Leben trotz des Singulars, siehe p.
240°.
&)
Leid. hat Fans. 5) Lies OWINWM. °) Lies NPDY.
336
Rechter Teil. 328, 5-—17
Komm
mit uns und laß dich einpflanzen,
damit
wir dir als Helfer beigesellt seien.
Geh
mit der Kraft des Lebens,
und
Vollkommene seien dir Geleiter.
Der
König des Äthers segnete dich,
und
du gingest zur Tibil der Vergänglichkeit.“
Li
Als
die Bösen mich erblickten,
stürzten
sie hin und fielen auf ihr Antlitz.
Sie
stürzten hin, fielen auf ihr Antlitz
10
und gingen hin zum großen Süf-Meer:
„Wir
haben dich, Mann, geschaut,
deine
Gestalt ist nicht von der unsrigen.“
Da
wandte ich mich hin und sprach
zu
den Bösen und Lügnern, die in dieser Welt wohnen:
15
„Woher habt ihr das Gewand,
das
eure Gestalt erleuchtet?
Woher
habt ihr diesen Wohlgeruch,
der
den Geruch eures Gestankes angenehm macht?
Mich
hat das Leben gesandt;
20
ich bin hergekommen, um siegreich den Stamm in die Höhe zu
Das
Leben zeigte sich dankbar den Uthras, [bringen.
die
aus der Tibil emporgestiegen sind.“ —
Und
das Leben ist siegreich.
Elftes
Stück.
25
Anös-Uthra begibt sich auf die Erde, um die Mandäer aufzurütteln. Rühä erfährt
es
und
verschwört sich mit ihren Söhnen, den Sieben, dem fremden Manne
entgegenzuwirken.
Sie
gründen Jerusalem. Nach einem parallelen Stücke kommen sie auf ihrer Fahrt erst
nach
Bethlehem.
Sie wollen dort bauen, doch auf eine Stimme aus der Wolke des Anös, dab aus
dieser
Stadt 365 Jünger hervorgehen würden, geben sie den Plan auf. Sie ziehen weiter
30
nach Bet-Mtallale. Da geht es ihnen ebenso, desgleichen in Krakh-Nsab. Erst
dann kommen
sie
in die Gegend von Jerusalem und bauen dort eine Stadt. In ihr lassen sich die
Juden
nieder.
Anös begibt sich nach Jerusalem und gewinnt da einen Anhang. Die Juden töten
seine
Anhänger, daraufhin zerstört er die Stadt. Vgl. auch Brandt, Rel., p. 128;
REITZENSTEIN,
Das
Buch des Herrn der Größe, p. 33.
35
Im Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
328,
17—329, 11 Fünfzehntes Buch. Elftes Stück. 337
Als
ich, Anös-Uthra, kam,
in
diese Welt,
da
kam ich, rief den Ruf des Lebens
und
richtete die Pflanzung des Lebens auf.
Ich
sprach und trug vor mit meiner Stimme
und
weckte die Erwählten in der Welt.
Ich
rief mit hehrer Stimme,
ich
rüttelte die Schlafenden auf und brachte sie zum Aufstehen.
Ich
zog Jünger unter ihnen heran,
von
denen (manche) des Lichtortes würdig sind.
Wer
sagte der Rüha,
wer
unterrichtete die Mangel- und Fehlerhafte,
wer
sagte der Lügnerin,
daß
der fremde Mann hierher gegangen ist ')?
Wer
sagte es der Rühä,
[829]
daß sie mit ihren Händen ans Haupt schlug)?
Mit
ihren Händen schlug sie ans Haupt
und
raufte sich die Locken am Kopfe aus.
Die
Locken raufte sie sich am Kopfe aus
und
rief „Wehe mir, wehe mir!“
Rüha
sprach in Zorn,
und
in Lüge kam ihr Wort heraus.
Rühä
sprach in Zorn
und
rief ihre erstgeborenen Söhne zusammen.
Sie
sprach zu ihnen:
„Kommet,
kommet, meine erstgeborenen Söhne,
höret,
was ich euch sage’).
Kommet,
sinnet auf Böses,
und
wir wollen eine Partei in der Welt gründen.
Eine
Partei in der Welt wollen wir gründen
unter
dem Stamme des fremden Mannes, der hierher gegangen ist.“
Darauf
versammelten sich die sieben Sterne
und
begaben sich zu Rüha dQudsa.
Sie
sprachen zu ihr:
„Womit
sollen wir eine Partei gründen
innerhalb
dieser Welt?*
Da
erwiderte sie ihnen:
„Kommet,
wir wollen beieinander liegen
und
unser aller Geheimnis‘) nehmen.
t)
Vgl. Joh. II, p. 117,6. 2) Siehe p. 87,4; 102, 23. 3) Siehe Lit., p. 200, 6.
4)
Lies XIN” nach dem Suffix beim Verbum und dem Folgenden. Das „Geheimnis“
ist
ihr geheimes Wissen.
Lidzbarski,
Ginza. 22
%
15
20
25
30
338
Rechter
Teil. 329, 11—330, 5
Unser
aller Geheimnis‘) wollen wir nehmen
und
ein Gebilde damit bilden.
Wir
wollen damit ein Gebilde bilden
und
den Ort Jerusalem bauen.“
Da
gingen die sieben Sterne daran
und
legten sich zu ihrer Mutter.
Sie
legten sich zu ihrer Mutter
und
nahmen von ihrem gemeinsamen Geheimnis.
Von
ihrem gemeinsamen Geheimnis nahmen sie
und
bauten den Ort Jerusalem.
Den
Ort Jerusalem bauten sie
und
ließen Unzucht, Verderbnis und Hurerei darin zurück.
Sie
sprachen:
„Ein
jeder, der im Orte Jerusalem seinen Sitz hat,
wird
den Namen Gottes?) nicht nennen.“
Dann
erhoben sich die sieben Sterne
und
Namrus, die Mutter der Welt.
Die
sieben Sterne erhoben sich
und
kamen auf ihren sieben Wagen heran.
Sie
kamen auf ihren sieben Wagen heran
und
stiegen vom Firmament zur Erde herunter.
Sie
verließen diese Welt’)
und
gelangten nach Bethlehem.
Rühä
sprach dann zu ihren Söhnen,
sprach
zu den nichtigen Unholden:
„Meine
Söhne! Lasset eure Wagen nieder,
wir
wollen es (Jerusalem) an dieser Stätte bauen.“
Da
kam eine Stimme aus der Wolke des Anos-Uthra
[330]
und sprach zu Rüha dQudsa:
„Aus
der Stätte, an der dieser Ort gebaut wird,
werden
365 Jünger hervorgehen.“
Da
rief sie mit kreischender Stimme und schrie,
sie
sprach zu ihren sieben Söhnen:
„Auf,
auf, meine sieben Söhne,
bauet
es nicht an dieser Stätte.
Ein
böser, unreiner Fluch
ist
über eure Wagen gekommen.
1)
Siehe p. 337%.
2)
Hier steht NIINDN, das für das höchste Wesen der Mandäer selten gebraucht wird,
siehe
p. 4.
?)
Man erwartet „jene Welt“.
330,
5— 20 Fünfzehntes Buch. Elites Stück. 339
Setzet
euch in eure Wagen
und
gehet von jener Stätte weg.“
Sie
gingen von jener Stätte weg
und
gelangten nach Bet-Mtallale').
Rüha
sprach dann zu ihren Söhnen,
sprach
zu den nichtigen Unholden:
„Meine
Söhne! Lasset eure Wagen nieder,
wir
wollen es an dieser Stätte bauen.“
Da
kam eine Stimme aus der Wolke des Anos-Uthra
und
sprach zu Rühä dQudsa:
„Aus
der Stätte, an der dieser Ort gebaut wird,
werden
365 Jünger hervorgehen.“
Da
redete Rüha dQudsa
und
sprach zu den Planeten:
„Auf,
auf, meine sieben Söhne,
ein
Brief des Zornes ist an uns gelangt.
Auf,
setzet euch in eure Wagen
und
gehet von jener Stätte weg.“
Sie
gingen von jener Stätte weg
und
gelangten nach dem Orte Krakh-Nsab.
Da
redete Rüha dQudsa
und
sprach zu den Planeten:
„Meine
Söhne! Lasset eure Wagen nieder,
wir
wollen an dieser Stätte bauen.“
Da
kam eine Stimme aus der Wolke des Anös-Uthra
und
sprach zu Rühä dQudsa:
„Aus
der Stätte, an der dieser Ort gebaut wird,
werden
365 Jünger hervorgehen.“
Da
redete Ruhä in Zorn
und
sprach zu den Planeten:
2)
NIONDNDD N)2, Haus der bedachten Stätten oder Hütten, als Name eines Ortes, der
in
der Geschichte des Judentums oder Christentums eine Rolle gespielt hätte, ist
nicht bekannt.
Das
Wort »talle „Hütten“ findet sich in einem geographischen Namen, soweit ich
sehe, nur
im
Namen eines Klosters Dair& daMtalle im Haurän (siehe NÖLDEKE, ZDMG XXIX,
1875,
p.
438), aber der Ort war ohne Bedeutung. Man kommt auch nicht weiter, wenn man in
Bet-Mtallale
die Wiedergabe eines hebräischen MID annimmt. Ebenso ist das weiterhin
genannte
2839) 702 unbekannt. Es klingt an Nsibin-Nisibis an, aber die Identität ist
zweifelhaft.
HALEVY glaubte, daß es Nazaret sei und IX) 702 auf eine Verschreibung
HANDYS
für MNIYN) zurückgehe, siehe Brandt, Schr., p. 93°; dies ist nicht unmöglich.
In
unverständlichem
Zusammenhange findet sich IX) 70%2 R 193, 6, siehe oben, p. 1939.
228
Io
20
25
30
340
Rechter Teil. 330. 20331, 15
„Auf,
auf, meine sieben Söhne,
höret
auf das, was ich euch sage.
Auf,
wir wollen gehen,
bevor
das große Leben herkommt.“
5
Da erhoben sich‘) die sieben Planeteu
und
gingen von jener Stätte weg.
Sie
erhoben sich’), setzten sich in ihre Wagen
und
setzten ihre Fahrt in der Welt fort.
Sie
setzten fort [351] ihre Fahrt in der Welt,
10
bis die Flügel ihrer Wagen ausfielen °).
Da
sprach zu ihnen Namrus,
die
Mutter der Welt:
„Meine
Söhne, lasset eure Wagen nieder,
wir
wollen an dieser Stätte bauen.
15
An dieser Stätte wollen wir bauen,
weil
der Weg zu Ende ist.“
Darauf
erwiderten die Planeten und sprachen
zu
Namrus, der Mutter der Welt:
„Ja,
unsere Kraft ist gehemmt,
20
und die Flügel unserer Wagen sind ausgefallen.
Ja,
wir wollen nach deiner Rede’) reden
und
an dieser Stätte bauen.“
Die
sieben Sterne versammelten sich
und
trieben Zauberei und Hexerei.
25
Zauberei und Hexerei trieben sie
und
nannten nicht den Namen Gottes.
Sie
gingen daran, kneteten den ersten Ziegel
und
bauten den Ort Jerusalem.
Da
kam eine Stimme aus der Wolke des Anos-Uthra
30
und sprach zu Rüha dQudsa:
„Aus
der Stätte, an der dieser Ort gebaut wird,
werden
365 Jünger hervorgehen.“
Da
redete Rüha dQudsä
und
sprach zu den Planeten:
35
„Kommet, kommet, meine sieben Söhne;
Heil
dem, welchem Gott ein Helfer ist.“
‘)
Leid. hat DNP.
®)
BNDW scheint hier, namentlich nach Z. 20 intransitiv zu stehen: wurden aus-
gerissen,
fielen aus. So vielleicht auch Joh. 133,13, dort bei Vögeln.
®)
Wohl 7719192 zu lesen.
331,
15— 332, 11 Fünfzehntes Buch. Elftes Stück. 341
Sie
bauten Jerusalem,
darin
sich die Juden niederließen ').
Sie
verliehen ihnen die Werke der Finsternis,
und
die Sieben sprachen einen Segen über sie.
Sie
riefen schützende Engel hervor,
Fische
des Meeres und gefiederte Vögel
und
beschworen sie mit Schwüren.
Sie
beschworen sie mit Schwüren
und
schenkten sie den Juden in Jerusalem.
Sie
sprachen einen Segen über sie,
und
sie fanden alles, was sie suchten, in hohem Maße.
Die
sieben Säulen entstanden,
von
denen alle Verkehrtheit und Lüge ausging.
Die
Juden vermehrten sich
in
der wüsten Einöde.
Die
Juden vermehrten sich,
da
kam die Zeit, einen Anhang zu bilden.
Ich
nahm körperliche Gestalt an
und
begab mich nach Jerusalem hinein.
Ich
sprach mit meiner Stimme und trug vor
[832]
und wurde ein Arzt der Mirjai.
Ein
Arzt der Mirjai wurde ich
und
heilte sie von Grund aus.
ich
wurde ein Arzt der Kustä genannt,
der
heilt, ohne Lohn zu nehmen.
Ich
führte Mirjai hinunter und taufte sie im Jordan,
ich
zeichnete sie mit dem reinen Zeichen’).
Von
Mirjai, der Vollkommenen,
sind
Jaqif und Beni-Amin”) ausgegangen.
Von
Jagif und Beni-Amin
sind
365 Jünger ausgegangen.
365
Jünger sind hervorgegangen
in
dem Orte Jerusalem.
Die
Juden gerieten in Zorn
und
töteten meine Jünger, die den Namen des Lebens aussprachen.
Als
ich sıe sah,
wurde
ich voll Zornes und böser Wut über sie.
Ich
wurde über sie voll Zornes und böser Wut
und
stieg zum großen Leben empor.
!)
Im Texte steht „worin die Juden waren‘.
2)
Der Text knüpft an die Legende von Mirjai an, einer jüdischen Prinzessin, die
eine
Mandäerin
wurde und als Repräsentantin des Mandäertums gefeiert wurde, siehe Joh. II,
P2ait..p:
210. 3) Jakob und Benjamin, vgl. Joh. U, p. 71.
20
25
30
35
30
35
Rechter
Teil. 332, 11—833,.5
Ich
erzählte meinem Vater,
wie
es an seinem Orte zuging.
Ferner
erzählte ich ihm,
wie
die Sieben in dieser Welt handelten.
Als
er dies von mir hörte,
gab
er mir einen Brief in Zorn.
Einen
Brief in Zorn gab er mir
gegen
den Ort Jerusalem.
Wer
sagte es der Rüha,
wer
unterrichtete die Fehler- und Mangelhafte,
wer
sagte der Lügnerin,
daß
der weiße Aar') zum Orte Jerusalem emporgestiegen ist?
Sie
ruft ihre Scharen zusammen
und
versammelt alle ihre Hmurthas.
Sie
ruft die sieben Sterne zusammen,
setzt
sich hin und stimmt eine Klage an.
Sie
spricht:
„Wehe
dir, Ort Jerusalem,
daß
der Aar zu dir emporgestiegen ist.
Wehe
den Juden,
die
in Wut und Zorn hingemordet werden sollen.“
Rüha
d(Qudsä tritt dann hin
und
verbeugt sich vor Anos-Uthra.
Sie
spricht zu ihm:
„Bei
deinem Leben, Anos-Uthra,
verwüste
nicht diesen Ort Jerusalem, den ich gebaut habe.“
Darauf
erwiderte er
Namrus,
der Mutter der Welt:
„Wer
ein Gegner [333] des Lichtes ist,
stirbt
eines zweiten Todes.“
Die
Juden in ihrer Furcht
verbargen
sich in den verschiedenen Quartieren.
Da
sprach zu ihm
Namrus,
die Mutter der Welt:
„Laß
mich doch,
ich
will die Tore der Mauer über ihnen sprengen,
daß
sie auf der Stelle getötet werden.
Getötet
sollen die Juden werden,
die
gegen deine Jünger gesündigt haben.“
!)
Findet sich öfter als Bezeichnung für höhere Wesen der Mandäer. Hier ist es
Anös-Uthra;
Joh. II, p. 235 ist es Hibil-Ziwä, siehe auch daselbst, p. 131.
333,
5—20 Fünfzehntes Buch. Elftes Stück. 343
Darauf
schlug ich sie mit der Keule des Glanzes
und
sprach zu ihr:
„Hebe
dich weg von mir;
ich
bin in Zorn gekommen.
[In
Zorn] bin ich gekommen,
in
Zorn hat das Leben mich hergesandt.
Das
Leben sandte mich in Zorn her,
den
Ort Jerusalem zu verwüsten.
Säule
nach Säule‘) warf ich hin
und
stürzte sie von ihrer Stätte herab.
Ich
zerstörte die Säule Usrae]’),
die
meinen Jüngern eine Verfolgung war.
Ich
zerstörte die Säule Jagıf,
die
am Tore Jerusalems stand’).
Ich
warf die Säule Adonai nieder,
die
sich im Mittelpunkte Jerusalems erhob.
Ich
zerstörte die Säule Zatan,
die
an der äußeren Mauer stand.
Ich
warf die Säule Sihmai nieder,
die
an der inneren Mauer stand.
Ich
warf die Säule Karküm nieder,
in
der alle Engel hausten.
Ich
fesselte‘) den großen Turm,
in
dem die Wächter des Ortes Jerusalem weilten.
Ich
verwüstete den Ort Jerusalem,
in
der das Blut meiner Jünger vergossen wurde.
Ich
tötete die Juden,
die
dem Stamme des Lebens eine Verfolgung waren,
alle
gefiederten Vögel
und
häßlichen Tiere, die aus ihnen hervorgegangen sind,
die
Affen und Wölfe?),
die
aus den Juden hervorgegangen sind,
alle
bösen Tiere,
gegen
die Zorn war.
t)
Siehe Joh. II, p. 115°.
®2)
Das ist Israel. Auch die folgenden beiden Namen sind jüdisch. Zatan findet sich
zwar
auch
Joh. 118, 2; 136, 7 als jüdischer Name, ist es aber nicht, siehe Joh. II, a. a.
©. INOM% ist
von
DN% (MH%) „glänzen“ nach der beliebten Form gitlai gebildet. Karküm findet sich
als Name
eines
Dämons, siehe p. 143, 5. 3), Der Text hat ‚steht‘, das einzige Verb hier im
Präsens.
3)
% steht da, das nichts anderes bedeuten kann. Man erwartet aber „zerstören“
oder
„niederwerfen“; vielleicht hat AnspaRp oder etwas Ähnliches dagestanden.
5)
Das oben, p. 295 besprochene NIN}, eine Priesterklasse, kann es nicht sein.
Vielleicht
liegt
hier das Wort für „Wolf“ vor (BANT, älter NDNT). Darin könnte sich das Zain
erhalten
haben,
vgl. Nöld., p. 43. Daß man den Flußnamen Zäb durch Avxos übersetzte, zeigt, daß
das
Wort für „Wolf“ ähnlich lautete.
Io
15
25
344
Rechter
Teil. 333, 20—8334, 10
Zorn
war gegen sie,
und
sie sollen am großen Tage des Endes ein Ende nehmen.
Doch
meinen Jüngern wurde Sicherheit zuteil,
die
die Verfolgung in Jerusalem ertrugen.
Ich
zerstörte das Haus
derer,
die ohne Güte waren. —
Und
das Leben ist siegreich.
Zwölites
Stück.
Das
Leben schickt einen Uthra zur unteren Welt, um den Frommen und Gläubigen
ıo
als Helfer und Unterweiser beizustehen. Das Stück läuft aus in eine abrupte,
wohl anders-
25
woher
entlehnte Schilderung des Schicksals der Seele, „des sanften Mänä“, auf Erden
und
bei
ihrem Aufstieg.
[334]
Im Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
An
der Spitze des reinen Kranzes’), den das große (Leben) sandte,
schuf
es einen sanften Uthra.
Es
schuf den sanften Uthra
und
hob ihn zur Skina des Großen empor.
Es
sprach zum sanften, festen Uthra:
„Sanfter,
fester Uthra!
Nimm
Kraft ın Fülle
vom
Leben, das in seiner Skina thronet.
Eine
Krone gleich der reinen Krone
bist
du auf unserem Haupte?).
Nimm
reichen Glanz mit
und
Licht ohne Ende.
Nimm
in deiner Rechten Leuchten’) mit,
und
zwei Uthras sollen mit dir kommen.
Setze
dich in eine bergende Wolke
mit
sanften, festen Reden ‘).
Nimm
von den Gebeten mit,
die
wir verrichten.
Nimm
von unserer Erleuchtung mit,
an
der weder Mangel noch Fehl ist.
Y)
Leid. hat nur NYIDNT Kyhleje)o) „Als reinen Kranz“. Der Anfang scheint unter
Einfluß
von
Text Z. 6 entstellt zu sein. Die Worte X2% ININWT sind vielleicht zu streichen.
®2)
Wohl 1857 INYID zu lesen. ®) Leid. hat falsch NDOYYIND.
%)
Lies NONSONND2. Leid. hat wie D WORORDN.
334,
10—335, 6 Fünfzehntes Buch. Zwölftes Stück. 345
Geh
in der bergenden Wolke dahin,
und
die beiden Uthras sollen mit dir kommen.
Gehet'‘)
zu den Männern von erprobter Gerechtigkeit,
an
denen Mangel und Lüge nicht ist.
Bring
ihnen die Rede des Lebens,
die
weit und endlos ist.
Gehet
zu den Männern von erprobter Gerechtigkeit,
den
wahrhaften, gläubigen Männern.
Lasset
ihr den Ruf des Lebens vernehmen,
damit
sie die Schlafenden wecken’).
Gib
ihnen verborgene Reden,
durch
die sie belehrt werden sollen.
Belehre
sie über das große Leben,
wie
es in seinem Buche redet,
womit
das Leben die Näsoräer aneiferte,
die
in der Welt sind.
So
sollen sie sich denn mit Gewändern des Glanzes bekleiden,
damit
sie auf den Pfaden nach dir emporsteigen.
Gewähre
ihnen Rede und Erhörung,
damit
sie vom Zorne der Bösen befreit werden.
Gewähre
ihnen von der Gnade,
die
das große Leben dir in seiner Skina aufgegeben.
Gewähre
ihnen die Weisheit des Äthers,
damit
sie sich erheben und das Gewaltige mit Bitten angehen.
Belehre
sie über die Lichtwesen
und
die verborgenen Skinas, [335] in denen sie sitzen.
Belehre
sie über das große Leben,
belehre
sie über die Mänäs, die dort sind.
Belehre
sie über den Ätherkranz,
der
dem großen Leben in seiner Skina aufgesetzt ist.
Belehre
sie über das große Leben
und°)
die Uthras, die in gegenseitiger Erleuchtung dasitzen.
Belehre
sie über den sanften Mänä
und
die drei Uthras‘),
die
ihn gefangen nahmen.
[Sie
nahmen] den Mäna [gefangen]
und
brachten ihn zum Wohnsitz der Sünder.
1)
Die Imperative schwanken im Folgenden zwischen Singular und Plural, indem sie
sich
teils auf den „sanften Uthra‘“ allein, teils auf ihn und seine beiden Begleiter
beziehen.
2)
Man erwartet an sich und nach dem folgenden Verse, daß die Männer selber
geweckt
werden. Doch findet sich hier ebensowenig eine straffe Gedankenfolge, wie in
dem
verwandten
Stücke p. 323 ob. ®) Lies NYINMY by.
*)
Man erwartet nach dem Folgenden, daß es die Sieben seien. Die drei Uthras sind
vielleicht
aus p. 347, 34 genommen.
30
35
30
35
40
346
Rechter
Teil. 335, 6—23
Die
Sieben sprachen von ihm:
„Er
soll zu uns gezählt werden.
Zu
uns soll er gezählt werden
und
bei uns in der Welt weilen.
Wir
wollen ihn in der Tibil zurückhalten,
damit
er seinen Schöpfer nicht schaue.
Er
schaue nicht den großen Weinstock
der
Männer‘), die hier stehen.
Er
schaue nicht den, dessen Glanz lohet,
und
welchem Dinge seine Skina gleichet.
Er
schaue nicht seine Eltern
und
prange nicht in seinem Gewande.
Er
schaue nicht das große Leben,
er
schaue nicht die Mänäs, die hier sind.“
Der
sanfte Mana sprach
und
belehrte seinen ganzen Stamm:
„Ich
bin ein einsamer Rebstock,
der
in der Welt steht.
Ich
habe keinen hohen Beistand,
habe
keinen Ernährer,
habe
keinen sanften Helfer,
der
komme und mich über jegliches Ding belehre.“
Als
das große (Leben) den Mäna vernahm,
schuf
es und sandte ihm einen Helfer.
Es
bedeckte ihn mit reichem Glanz
und
mit endlosen Licht.
In
meiner Rechten brachte ich einen Kranz,
in
meiner Linken brachte ich ein Gewand’).
In
meinem Herzen brachte ich das Zeichen,
mit
der Freude, die das Große mir verliehen.
Mit
der Freude, die das Große mir verliehen,
KK
Der
Mänä schied aus seinem Körper.
Die
Sieben merkten es nicht,
nachdem
er aus seinem Körper geschieden war.
Bis
zum Hause des Zweiten
ging
der Glanz des Mana aus dem Hause nicht unter;
dann
verfinsterte es sich ganz.
Dann
merkten es die Sieben;
nun
sitzen sie alle in Trauer da.
1)
Wohl 92117 zu lesen.
°\)
Siehe auch Lit., p. 98,8.
335.
23— 8336, 14 Fünfzehntes Buch. Zwölftes Stück. 347
Alle
sitzen in Trauer da,
und
Ruüha sitzt in Verwirrung da.
Die
Sonne verließ ihren Glanz,
der
Mond [336] verließ seine Helligkeit.
Nbü
verließ sein Buch,
Libat
warf ihr Bilür fort.
Kewän
warf seine Lende(n) weg
und
schnitt sich den Nacken vom Halse ab ').
Bel
verließ seine Waffe
und
streute Staub auf das Haupt der Rüha. 10
Die
Götter und Herrscher
stürzten
hin und fielen auf ihr Antlitz.
Sie
stürzten hin, fielen auf ihr Antlitz
und
gingen zum großen Süf-Meer.
un
Sie
schweifen ın der Tibil umher, 15
sie
suchen den Mänä und finden ihn nicht.
Sie
gehen zu ihrem Vater,
sie
suchen den Mänä und finden ihn nicht.
Der
Mana stieg zum Hause des großen (Lebens) empor.
Als
die Götter ihn erblickten’), 20
stürzten
sie hin und fielen auf ihr Antlitz.
Der
Mana sprach zum Leben,
das
in seiner Skinä thronet:
„Worin
habe ich gegen dich gesündigt,
daß
man mich zum Wohnsitze der Sünder gesandt hat? 25
Sie
nahmen mich unter ihre Weinlese ’)
weg
vom großen Leben in seiner Skina,
aus
der Mitte der Manäs,
die
aus dem Schatze des Gewaltigen stammen.
Als
das Große den Maänä erblickte, 30
über
den es Befehle erteilt hatte‘),
nahm
es ihn mit hohem Glanz auf
und
stellte ihn in seiner Skina auf.
Es
schuf ihm drei Uthras,
die
ihm Gesellschaft leisten sollen. 35
ı,
Oder den Hals vom Nacken; N7NWD (kisädu) wie NWNY bedeuten beides. Leid.
hat
Aybnn und Amy. Der Sinn der Worte ist doch wohl, daß Kewän Selbstmord beging.
Hier
wird anscheinend auf einen Mythus angespielt. ZIMMERN hält (brieflich) eine
Beziehung
zu
babylonischen Mythen für möglich, doch ist die Frage zu verwickelt, als daß sie
hier
in
einer Fußnote erörtert würde.
2)
An denen er bei seinem Aufstiege vorbeizog.
3,
Unsicher, siehe oben, p. 330, 34.
#,
Wahrscheinlich unvollständig.
rt
t3
u
[@>)
vi
348
Rechter Teil. 336, 14—337, 4
Sie
sollen ihm Gesellschaft leisten
und
seine Skinä erleuchten.
Es
schuf ihm reiches Licht,
das
seine Gestalt erleuchten soll.
Es
schenkte ihm Gnade,
reich
und groß im Lichtort.
Es
schuf ihm Leuchten des Glanzes,
die
den Mäna in seiner Skinä erleuchten sollen.
Er
verneigte sich und pries
das
große Leben in seiner Skina. —
Manda
dHaije errang den Sieg
und
verhalf seinen Freunden zum Siege.
Dreizehntes
Stück.
Ein
kurzer Schöpfungsbericht. Ptahil wird von seinem Vater Abathur hinuntergesandt,
um
die untere Welt und ihre Geschöpfe zu schaffen. Er steigt in das schwarze
Wasser und
versucht
daraus eine Erde zu verdichten, es gelingt ihm jedoch nicht. Er teilt den
Mißerfolg
seinem
Vater mit. Dieser steigt zum Leben empor, und auf seine Bitte schickt es
Hibil-Ziwä
„an
die Seite des Hengstes“, von wo er Verdichtungsstoff holt. Er gibt ihn Abathur,
und
dieser
gibt ihn Ptahil. Er bildet damit die Welt der Seligen, die der
M$unn&-Kustä, dann
die
Tibil, dann aber auch die Welt der Finsternis mit Rühä und den Planeten. Er
verheißt
diesen,
wenn sie Gutes täten (vgl. p. 105,9), sie als Ordner der Welt einzusetzen. Er
wird
deswegen
bestraft und in Fesseln gelegt. Hibil wird hinuntergesandt, um die Welt in
Ordnung
zu bringen. Das Stück zeigt Berührungen mit dem dritten Buche.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Als
ich Ptahil gebildet wurde und entstand,
entstand
ich aus der Quelle des großen Glanzes.
Als
mein Vater den Plan faßte und mich schuf,
schuf
er mich aus der Quelle des Glanzes.
Er
bekleidete mich mit einem Gewande von Glanz
und
bedeckte mich mit einer Hülle von Licht.
[337]
Er verlieh mir eine große Krone,
durch
deren Glanz die Welten leuchten.
Er
sprach:
„Mein
Sohn! Auf, geh, begib dich zur Erde Tibil
und
schaffe eine Verdichtung im schwarzen Wasser.
Dichte
die Erde Tibil
und
zerteile in ihr Jordane und Kanäle.
337.4—23
Fünfzehntes Buch. Dreizehntes Stück. 349
Scehaffe‘)
und bilde den körperlichen Adam,
von
dem die Erwählten entstehen sollen.
Von
ihm sollen die Erwählten entstehen
und
emporsteigen und den Lichtort schauen.
Geh
zur Erde Tibil 5
und
sende drei Rufe aus.
Mit
dem ersten Rufe dichte die Erde;
mit
dem zweiten Rufe zerteile in ihr Jordane und Kanäle;
mit
dem dritten Rufe schaffe die Fische im Meere, die gefiederten Vögel
[am
Firmament und bilde alle Kräuter und Sämereien. 10
Bilde
die Kräuter und Sämereien,
von
denen ein jedes vom anderen verschieden sei.“
Ich
breche auf und gelange
bis
zu den Grenzen der Erde Tibil.
Meine
Augen wurden voll am schwarzen Wasser’). 15
Bis
zu den Knien stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Bis
zu den Oberschenkeln’) stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Bis
zum ersten Munde‘) stand ich im Wasser, 20
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Bis
zum letzten Munde stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Ich
sprach den Namen des Lebens und des Mandä dHaije über das
und
das Wasser verdichtete sich nicht. [Wasser,
Von
den sieben Gewändern des Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit,
die
mein Vater mir verliehen, warf ich (einige) auf das Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Den
Stab der Rede und Erhörung°) schlug ich auf das Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht. 30
[07
un
Was
soll ich nun mit den Gewässern, die einander verzehren °), anfangen,
da
sie den Namen des Lebens nicht annehmen wollen?
Was
habe ich gegen meinen Vater Abathur verbrochen,
daß
er mich hierher leitete und sandte
zur
Tiefe, die ganz Gestank ist, 3s
in
der niemand wohnen kann,
zu
den Gewässern, die einander verzehren,
die
den Namen des Lebens nicht annehmen wollen?
2)
Leid. hat M12. 2) Er sah es, soweit er hinblicken konnte, siehe auch p. 101°.
3)
Siehe p. 291, *, Dem After, siehe auch p. 192,18.
5,
Der Stab, der ihm die Macht verlieh, daß er reden durfte und erhört wurde.
%)
Siehe p. 15°.
350
vi
Io
ty
vr
ah
4o
Rechter
Teil. 337. 23—338, 20
Ich
stieg vom schwarzen Wasser empor
und
begab mich vor Abathur.
[Ich
ging] vor meinen Vater Abathur,
um
ihm über [338] die Geheimnisse dieser Welt zu berichten.
Als
Abathur mich erblickte, |
fragte
er mich aus.
Er
sprach:
„Welchem
Dinge gleicht die Welt, die du geschaffen,
und
wie hast du deine Werke in ihr in vollkommener Weise
[hergerichtet?“
Da
erwiderte ich meinem Vater Abathur und sprach zu ihm:
„Du
sandtest mich zu der Welt, die ganz Gestank ist,
an
der kein Lichtstrahl ist,
zu
den Gewässern, die einander verzehren,
die
den Namen des Lebens nicht annehmen wollen.
Bis
zu den Knien stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Bis
zu den Oberschenkeln stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Bis
zum ersten Munde stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Bis
zum letzten Munde stand ich im Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Von
den sieben Gewändern des Glanzes, des Lichtes und der Herr-
[lichkeit
warf ich (einige) auf das Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.
Den
Stab der Rede und Erhörung schlug ich auf das Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich nicht.“
Als
ich so zu meinem Vater Abathur sprach,
stellte
er sich zu Gebet und Lobpreisung hin.
Zu
Gebet und Lobpreisung stellte er sich hin,
er
verneigte sich und pries das Leben in hohem Maße.
Er
stieg zum Leben, seinem Vater, empor,
um
ihm über die Werke dieser Welt zu berichten.
Ich
rief‘) Hibil-Ziwa,
und
es sandte ihn an die Seite des Hengstes);
von
ihm nahm er Verdichtung.
Verdichtung
nahm er von ihm, |
und
er kam, gab sie Abathur.
Abathur
wickelte sie in seinen reinen Turban ein,
brachte
sie seinem Sohne Ptahil und gab sie ihm a
1)
Es steht fälschlich für „es rief“ (Fbynp).
?)
Siehe oben, p. 2273. ®) Siehe p. 109, 10ff., auch weiter unten.
nn
338.
20—339, 17 Fünfzehntes Buch. Dreizehntes Stück. 351
Er
sprach zu ihm:
„Geh,
verdichte die Erde Tibil
und
spanne das Firmament in vollkommener Weise aus.“
Ich
erhob mich von meinem Vater Abathur
und
gelangte zu den Grenzen der Erde Tibil’).
Ich
warf die Verdichtung, die mein Vater mir gegeben, auf das Wasser,
und
das Wasser verdichtete sich.
Die
erste Verdichtung maß 12000 Meilen,
und
man schuf ihr Flügel [539] einer Wolke gleich.
Flügel
gleich einer Wolke schuf man ihr,
und
sie fliegt und kreist in der Welt umher.
Sie
wird MS$unne-Kustä genannt,
in
der die Männer von erprobter Gerechtigkeit großgezogen werden.
Großgezogen
werden die Männer von erprobter Gerechtigkeit in ihr,
und
sie steigen empor und schauen den Lichtort.
Die
zweite Verdichtung maß 12000 Meilen,
welche
Erde Tibil genannt wird.
Mit
meinem ersten Ruf dichtete ich die Erde und spannte das Firma-
[ment
in vollkommener Weise aus.
Mit
meinem zweiten Ruf zerteilte ich in ihr die Jordane und Kanäle.
Mit
meinem dritten Ruf schuf ich die Fische im Meere und die ge-
[fiederten
Vögel jeglicher Gattung und Art.
Ich
schuf die Fische im Meere
als
Speise für Adam und alle seine Söhne.
Sie
seien auch eine Speise für die Seelen,
die
in der nichtigen Wohnung wohnen’).
Mit
meinem vierten Ruf [schuf ich] alle Kräuter und Sämereien, jedes
[einzelne
verschieden vom anderen.
Durch
meinen fünften Ruf entstand alles böse Gewürm.
Durch
meinen sechsten Ruf entstand die ganze Bildung der Finsternis.
Durch
meinen siebenten Ruf entstanden Rüha und ihre sieben Söhne.
Rühä
und ihre sieben Söhne entstanden,
und
sie kamen, stellten sich vor mir auf.
Als
ich sie erblickte,
fiel
mir das Herz von der Stütze herunter.
Ich
wandte mich an die Sieben und sprach zu ihnen:
„Woher
kamet ihr, Sieben,
wo
euer Name nicht in meinem Vaterhause war?
Woher
kamet ihr, Sieben,
wo
ich nicht die Absicht hatte, euch zu schaffen ’)?“
1)
Die erst später gebildet wurde! 2) Sie sind als Speise auch den Mandäern
erlaubt.
5)
Vgl. p. 104,25. Auch zum Folgenden vgl. p. 104.
wı
D
je)
(0?)
oO
35
35
352
Rechter
Teil. 339, 17—8340, 13
Als
die Sieben mich hörten,
kamen
sie zusammen und vergruben sich ineinander.
Als
Rüha es hörte,
kam
sie und stellte sich vor ihm hın.
Sie
sprach zu ihm:
„Wir
kommen, um deine Diener zu sein
und
dir in jeder Hinsicht zu gehorchen.
Meine
Söhne und meine Stämme,
wir
stehen als Sklaven vor dir.
Richte
du dein Reich ein;
wir
wollen hinter dir als deine Sklaven stehen.“
Darauf
erwiderte Ptahil und sprach zu ihnen:
„Wenn
ihr gute Werke tuet,
will
ich euch zu meiner Partei zählen und um euch sorgen.
Wenn
ihr keine guten Werke tuet,
[340]
werdet ihr in den Herkunftsort eingeschlossen werden, aus
Wenn
ihr gute Werke tuet, [dem ihr gekommen seid.
werdet
ihr meine Söhne in dieser Welt genannt werden
und
die Werke ordnen,
über
die mein Vater mich eingesetzt hat.“
Als
Ptahil dies sagte,
wurde
ihm das Haus weggenommen.
Weggenommen
wurde ihm das Haus,
und
man setzte ihn in schwere Bande.
Man
band ıhn mit Banden,
so
lange bis die Tibil vergeht.
Denn
er wich von der Rede seiner Väter ab
und
hielt sich nicht an die Rede seiner Väter.
Er
tat, was sein Vater ihm nicht befohlen,
daher
setzte man ıhn in schwere Bande.
Ein
Vorhang fiel nieder
zwischen
ihn und seinen Vater Abathur ').
Sie
hören gegenseitig ihre Stimme,
aber
können ihr Antlitz nicht schauen.
Sie
nahmen ihm das Haus ab
und
setzten ihn in schwere Bande.
Sıe
sandten Hibil-Ziwa,
um
diese Welt herzurichten,
die
Werke herzurichten,
die
Ptahil hervorgerufen, aber nicht durchgeführt hatte,
")
Siehe p. 194°.
340,
13— 341. 1 Fünfzehntes Buch. : Vierzehntes Stück.
co
St
Adam
und sen Weib Hawwä zu behüten ')
und
ihnen Gesellschaft zu leisten,
Adam
zu behüten,
von
dem die Erwählten ausgehen sollen.
Von
ihm sollen die Erwählten ausgehen, 5
mit
Lohnspende und Almosen handeln und die Vollkommenheit
Gebet
und Lobpreis bewachen sie, [erlangen.
heben
sie empor und richten sie im Hause der Vollendung auf. —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist. 10
Vierzehntes
Stück.
Der
Abgesandte des großen Lebens kommt in die Welt, um die Jünger zu belehren.
Namrus
sucht ihn zu verführen und an sich zu ziehen, doch er trotzt ihr.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. — 15
Die
Jünger befragen den Mann,
der
vom großen (Leben) hergekommen ist.
Die
Jünger’) sprechen zum Uthra,
dessen
Herrlichkeit sie schauten:
„Sage
uns, du Sohn des großen (Lebens), 20
wie
du vom Großen hergekommen bist.
[Vom
Großen] kamest du
und
gingest in diese Welt.“
Da
erwiderte ıhnen der Uthra,
dessen
Herrlichkeit sie schauten. 25
Er
sprach:
Vom
Großen’) bin ich hierher gekommen,
vom
Auserwählten ging ich her.
Das
Große wünschte mich und sandte mich aus:
[341]
ich bin gekommen, um die Seinigen zu belehren. 30
!)
Deren Schöpfung wurde vorher nicht erzählt.
2)
Doch wohl hier, ebenso am Ende des Stückes NYTWINRN statt NMy zu lesen.
Daß
die Jünger oder Priester als Uthras bezeichnet werden, ist unwahrscheinlich.
®)
Man hat hier }0 zu lesen wie vorher. Auch 3%, das auch Leid. hat, ist nicht
riehtig.
— 072 mit Bezug auf das Leben auch R 351,21: 353,10. Danach ist es auch
R
78,19 (oben. p. 77.11) nicht zu beanstanden.
Lidzbarski,
Ginza. 23
-
20
25
30
>)
>
54
Rechter Teil. 341, 1—18
Ich
bin hergegangen und belehrte
alle
Söhne des Guten‘),
die
erdulden und ertragen ’) mußten.
Von
ihm’) wurde dieses Haus geschaffen
und
die Werke in ihm hergerichtet.
Dem
Himmel und der Erde
wurde
von ihm‘) Festigkeit zuteil,
der
Sonne und dem Monde,
die
durch es leuchten,
dem
Winde, dem Feuer und dem Wasser,
den
Lenkern dieser Welt.
So
ergoß sich das Wasser
und
wurde die Verbindung dieser Welt hergestellt).
So
wurde der Wind geschaffen
und
erhielten die Planeten ihren Lauf.
Ich
ging hin und belehrte sie,
und
den Jüngern wurde die Wahrheit zuteil.
Er
leuchtete in seiner Erleuchtung
und
wurde mächtig über alle Welten.
Als
die Welten ihn erblickten, gerieten sie in Furcht,
und
die Gottheit in ihr (der Welt) erschrak.
Es
redet ihn an und spricht zu ihm
Namrus,
die Mutter der Welt:
„Du
stürzest hin‘)
die
Herren dieser Welt.
Sei
du unser Haupt,
und
wir wollen hinter dir stehen.“
Darauf
erwiderte er und sprach
zu
Namrus, der Mutter der Welt:
„Als
ich hierher kam,
da
wünschte es das Große und sandte mich her.
Das
Große wünschte und sandte mich her,
und
ich kam, um die Seinigen zu belehren.
Zu
den Erwählten bin ich hierher gekommen,
warum
soll ich die Schlafenden wecken?
Zu
den Guten bin ich hierher gekommen,
warum
soll ich die Sünder wecken?
Zur
Helligkeit bin ich hierher gekommen,
warum
soll ich Trübung annehmen?
‘)
Der Singular steht statt des Plurals trotz der Beziehung auf NY”, siehe oben,
p. 240°.
2)
Lies INDD. Hier steht 07 für 07 wie oft im linken Teil.
®)
Bezieht sich auf das Leben.
‘)
Lies 11977 D.
>)
Mit der oberen Welt. °) Hier ist wohl ein Wort ausgefallen.
341,
18-342, 6 Fünfzehntes Buch. Fünfzehntes Stück. 355
Zu
den Sanften bin ich hierher gekommen,
nach
den Widerspenstigen habe ich kein Verlangen.
Ich
bin gekommen, um die Wachsamen aufzuwecken '),
die
des lichten Wohnsitzes würdig sind.“
Als
Namrus es hörte, 5
erhob
sie ihre Stimme und weinte:
„Ich
sagte mir, daß der Uthra nicht kommen würde,
doch
da offenbarte er sich und kam
und
stürzte hin die Herren dieser Welt.
Er
kam, unterwies seine Jünger 10
und
errichtete ihnen einen Weg zum Lichtort.“
Die
Jünger’) freuten sich und priesen
den
Uthra, dessen Herrlichkeit sie schauten.
Er
belehrte [die Jünger]
und
stellte (bei ihnen) die Gemeinschaft mit dem Lichtort [342] her. — 15
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Fünfzehntes
Stück.
Hibil-Ziwä
wird vom Leben zu Jösamin gesandt, um ihn zu belehren und zu beruhigen.
Von
Jösamin begibt sich Hibil zu Abathur und dann zu Ptahil. Dieser lehnt sich auf.
Hibil 20
teilt
es Abathur mit, dieser dem Jösamin. Jösamin eilt herbei, um Ptahil zu
züchtigen.
Dem
Ptahil wird jedoch vom Leben verziehen, und er wird in Gnaden aufgenommen.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Als
der Erwählte, Reine hinging’): 25
Das
Leben schuf mich aus seiner Mitte.
Aus
seiner Mitte schuf das Leben mich,
und
von seiner Sanftheit legte es mir etwas in den Sinn.
Es
bekleidete mich mit Glanz,
es
brachte Licht gar groß und bedeckte mich damit. 30
t)
Eine Sinnlosigkeit; es soll eine Antithese zu p. 354, 35 sein.
?®)
Siehe oben, p. 353°.
®)
Dieser Halbvers ist ein Zitat. Die in den Pariser Handschriften Cod. Sab. 15
und 25
vorliegende
liturgische Sammlung enthält fol. 8b und 38a (bzw. fol. 12a und 46a) ein
Einzellied
und fol. 24aff. (bzw. fol. 29a ff.) eine Gruppe von Liedern, die mit dem Verse
beginnen
NOWIN NINRT NINND NIONT RVTID UN 72 (Var. INN) „Als der Erwählte,
Reine
hinging nach dem Orte, an dem die Vollkommenen sitzen.“
23*
-
iD
vi
auch
p
Rechter
Teil. 342, 6-24
Es
wappnete mich mit seiner Wappnung und sprach:
„Geh,
sei dem Zweiten eine Kraft.
Belehre
ihn, damit sein Herz leuchte,
festige
ihn, damit sein Sinn leuchte.
Kläre
ihn über die ruhigen Mysterien auf,
die
vor den widerspenstigen Mysterien waren.
Belehre
ihn über die Süßigkeit,
an
der keine Bitterkeit ist.
Belehre
ihn über die Söhne des Stammes des Lebens,
der
älter ist als die Söhne der nichtigen Wohnung.
Belehre
ihn über den großen Jordan des Lebens,
aus
dem er sich Sieghaftigkeit holte’).
Kläre
ihn über die große Krone auf,
die
den Uthras auf das Haupt gesetzt ist.
Belehre
ihn über die Söhne des großen Stammes des Lebens
die
dastehn, sich verneigen und preisen.“
Ich
verneige mich und begebe mich hin,
bis
ich zum Hause des Jösamin gelange.
Als
Josamin mich erblickte,
sprang
er von seinem Throne auf
und
redete mich, Hibil-Ziwä, an.
Er
sprach:
„Du
bist die Kustä der Großen,
der
du hingingest und in die Welt kamest.
Du
gingest hin, kamest in die Welt
und
öffnetest der Welt ein Tor.
Ein
Tor der Welt öffnetest du
und
errichtetest einen Pfad für die Gläubigen.
Du
bist der Meister der Ganzibras °),
auf
denen dein Glanz ruhet.
Ich®)
belehrte Josamin, so daß sein Herz leuchtet,
ich
festigte ihn, so daß sein Sinn leuchtet.
Ich
belehrte ihn über die ruhigen Mysterien,
die
vor den widerspenstigen Mysterien waren.
Ich
belehrte ihn über die Süßigkeit,
an
der keine Bitterkeit ist.
Ich
belehrte ihn über alle Werke des Lebens,
die
über alles wundersam und fremdartig sind.
')
NDJ bezieht sich auf Jösamin, nicht etwa auf das Leben, siehe p. 357,5.
*)
Hier wohl, wie gewöhnlich, die Hohenpriester. siehe auch R 368, 24, doch vgl.
.
305,5 und 150%.
»)
Es ist wohl METER NN zu lesen.
343,
1—19 Fünfzehntes Buch. Fünfzehntes Stück. 357
[343]
Ich faßte Josamin bei der Fläche seiner Rechten,
und
die Frage der Lichtwesen'’) richtete ich an ihn.
Ich
sprach zu ihm:
„Ich
verlieh dir Macht kraft der hohen Stimme des Lebens,
von
der du Sieghaftigkeit erhieltest.
Ich
verlieh dir Macht kraft des Pihtä, Kustä und Mambüga,
du
Haupt des ganzen Stammes.
Bei
der ersten Schöpfung
ist
welcher Mann entstanden?
Welcher
Mann ist entstanden,
und
wer war es, an dem Mangel und Fehl war ’)?“
Als
Josamin dies hörte,
fiel
ihm das Herz von der Stütze herunter.
Er
sprach:
„Bei
der ersten Schöpfung
ist
nichts Mangel- und Fehlerhaftes entstanden.
Bei
der zweiten Schöpfung
ist
nichts Böses entstanden.
Bei
der dritten Schöpfung
wurde
Glanz über allen Uthras gemehrt.
Bei
der vierten Schöpfung’)
bin
ich JöSamin entstanden.
Bei
ihr bin ich Josamin entstanden,
und
an mir war Mangel und Fehl.“
Da
sagte ich mir: „Wie soll ich jetzt Josamin anreden, daß er nicht
sage:
Hibil-Ziwa hat jetzt Hochmut mir gegenüber an-
genommen?“
Da sprach ich zu ihm:
„Du,
unser Vater, dein Glanz ist reich und leuchtend‘),
denn
dir sind alle Leuchten aufgerichtet.
Du
sitzest da und erleuchtest den ganzen Stamm.
Guter,
komm und erleuchte uns mit deinem reichen Glanze
und
mit deinem endlosen Lichte, die ich dir aus dem Hause des großen
Lebens
gebracht habe.“
Ich
gehe und begebe mich hin,
bis
ich zum Hause des Abathur gelange.
Als
Abathur mich erblickte,
sprang
er von seinem Throne auf.
1)
Wie diese einander fragen.
?)
Lies DRITT IND).
®)
Also nicht bei der ersten.
4)
Dieses Stück enthält eine freiere Versart, wie die Lieder Lit., p. 241 ff.
Siehe auch
daselbst,
p. XIV.
“
iO)
40
358
Rechter
Teil. 343, 19-— 8344, 13
Er
sprang von seinem Throne auf
und
redete mich, Hibil-Ziwä, an.
Er
sprach:
„Ja,
ist nicht zu mir gekommen?
Ja,
wohlan, gekommen ist zu mir Hibil-Ziwa!
Das
große Leben segnete dich,
und
die verwahrten Mänäs festigten dich.“
Da
sagte ich mir:
„Ich
will Abathur-Uthra anreden,
damit
er ruhig auf seinem Throne sitzen bleibe.“
Darauf
sprach ich zu ihm:
„Kustä
erhalte dich heil, Guter,
und
erhalte heil das Wort, in dem du dich geäußert.“
Ich
gehe und begebe mich hin,
bis
ich zum Hause [344] des Ptahil gelange.
Als
Ptahil mich erblickte,
sprang
er von seinem Throne auf.
Er
sprang von seinem Throne auf
und
redete mich, Hibil-Ziwä, an.
Er
sprach:
„O
du Sproß, der du im Äther groß wurdest os
wer
hat dich geschaffen, wer dich beauftragt?“
Darauf
erwiderte ich ihm:
„Mich
schuf das große Leben,
mich
hat das Gewaltige hier gefestigt.“
Ferner
sprach ich zu Ptahil-Uthra:
„Warum
ist dein Gebet nicht im Hause des großen Lebens auf-
und
leuchtet deine Gestalt nicht am Lichtorte? [gezeichnet
Warum
hat das große Leben dich nicht gesegnet
und
dir den Schatz verliehen, der nicht weggenommen wird?*
Darauf
erwiderte er:
„Warum
soll ich hintreten, mich verneigen und das große Leben
wo
es mir doch keinen Dank dafür weiß?“ [preisen,
Als
Ptahil so sprach,
jammerte
er über sich und weinte.
Er
jammerte und weinte über sich,
setzte
sich hin und schrieb einen Zettel an die Planeten.
Ptahil
versammelte die Dämonen,
versammelte
das hinfällige Heer.
Das
hinfällige Heer versammelte er,
und
sie lauern darauf, Streit zu entfachen.
)
R 351.19 steht besser DNI)T. siehe auch Lit., p. 220,5.
344,
13— 345, 9 Fünfzehntes Buch. Fünfzehntes Stück. 359
Als
Hibil-Ziwä dies sah,
setzte
er sich hin und schrieb einen Brief an Abathur.
Abathur
ging und begab sich hin,
er
und die vierhunderttausend Myriaden Uthras, die mit ihm sind,
Abathur-Uthra
setzte sich hin [kamen hin.
und
schrieb einen Brief an Josamin, den Königssohn.
Josamin,
der Königssohn, ging dann und begab sich hın,
indem
er die Keule‘) lebenden Wassers in der Hand hielt.
Die
Keule, die er in der Hand hielt,
war
derart, daß die Dämonen sie sehen und erschrecken.
Er
nahm das große Schwert,
durch
das die Dämonen getötet werden.
Jösamin,
der Königssohn, ging und begab sich hin,
bis
er zu Hibil-Ziwä kam.
„Laß
mich Ptahil mit dem großen Schwerte schlagen,
ihn
vernichten und vom Throne herunterstürzen.
Ich
will ihn mit meiner Keule schlagen
und
ihm den Kopf spalten.
Ich
will sie mit meiner großen Keule schlagen
und
ihr loderndes Feuer auslöschen.“
Darauf
sprach Hibil-Ziwa zu ihm:
„Sei
ruhig, Josamin, du Königssohn,
denn
das große Leben hat sich in Güte [345] beruhigt.“
Als
das erste Leben dies hörte,
wußte
es, daß es eine Torheit von Hibil-Ziwä ist.
Es
schrieb darauf einen Brief der Kustä
und
sandte ihn zum hinfälligen Hause.
Ptahil
öffnete ihn und las ihn
und
sah, daß das erste Leben ihm vergeben hatte.
Er
schrie dann die Dämonen an
und
zerstreute das hinfällige Heer.
Er
sprach zu ihm:
„Nimm
dich jetzt in acht, Hibil-Ziwä,
es
ist ganz deine Torheit.“
Darauf
erhoben sich Hibil-Ziwa und Abathur,
sowie
Jo$amin und alle Uthras.
Sie
setzten Ptahil in seine eigene Skina ein
und
sprachen ihn an:
„Angenehm
ist der Duft des Manä,
wie
dein Duft angenehm ist, teurer Mänä.
Y)
NND) sonst „Faust“ scheint hier eine Waffe zu sein, vielleicht eine Keule mit
faustartigem
Knauf. Siehe Z. 17.
5
Io
15
30
55
40
25
[@F7
wi
360
Rechter
Teil. 345. 9-24
Angenehm
ist der Glanz des großen Lebens
und
die Erleuchtung des gewaltigen Lebens.“
Darauf
erwiderte Ptahil’)-Uthra
und
sprach sie an:
„Wie
ist doch der Glanz über den Vorhöfen eures Antlitzes aufgegangen °),
und
wie wundersam ist euer Glanz! [Uthras, meine Brüder,
Wundersam
ist der Ort, an dem das Große thronet,
unbegrenzt
ist seine Lobpreisung.* —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Sechzehntes
Stück.
Uthras
begeben sich zu Mandä dHaije, um mit ihm zusammen zu Jögamin zu gehen.
Sie
machen ihm Vorwürfe, daß er Jösamin bei seinen Werken gewähren ließ. Mandä
dHaije
fordert
Hibil-Ziwä auf, zu Jösamin zu gehen. Auf eine Aufforderung des Lichtkönigs geht
er
schließlich selber hin. Es gelingt ihm, JöSamin, doch nicht Ptahil zu
versöhnen. Er ruft
wieder
Hibil-Ziwä, der auch die Versöhnung Ptahils erreicht. Von Ptahil begibt er sich
zu
Abathur
und dann zu Jösamin. Auf beiden Seiten finden friedliche Begrüßungen statt.
Hibil
steigt dann wieder zu den Himmlischen empor und wird von ihnen mit Ansprachen
empfangen.
— An einigen Stellen wird der Lichtkönig genannt, $. 370,11 auch der Herr der
Größe,
doch tritt er im ganzen in dem Stücke zurück.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Als
der Erwählte, Reine hinging:
Das
Leben schuf mich aus der Höhe.
Die
Uthras suchten Aufklärung in ihrem Sinne;
sie
werden durch die Weisheit des großen (Lebens) aufgeklärt.
Sie
sitzen in ihren Skinas
und
bewachen den leuchtenden Schatz.
Sie
sprechen:
„Auf,
wir wollen hingehen, uns zu Mandä dHaije begeben
und
mit ihm von den Werken sprechen, die in ihm (im Schatze?)
Wir
wollen ihn über die lebendige Lehre aufhellen, [sind.
durch
welche die Männer von erprobter Gerechtigkeit aufgeklärt
Wir
wollen mit ihm von den sanften Manäs sprechen [werden.
und
von der Taufe des Lebens, durch die sie (neu) gebildet wurden.
Wir
wollen ihn beim Lichtkönig beschwören,
dessen
Namen die Uthras nicht offenbart haben.
!)
Wohl so statt Hibil. ?) Siehe Joh. II, p. 37° und oben, p. 106, 4.
345,
24—346, 19 Füntzehntes Buch. Sechzehntes Stück. 361
Wir
wollen ihn bei der alten Myrte beschwören,
der
duftenden Pflanze, aus der man den Kranz windet.
[346]
Wir wollen zu ihm sprechen:
Auf,
wir wollen an den Rand des Hauses des Jösamin gehen
und
zu den Werken, die der Mangelhafte geschaffen.
Wir
wollen ihn über den Schimmer aufhellen,
den
er vor die Füße der Gewaltigen ausstreut'‘).“
bw
23
Als
die Großen so sprachen,
stieg
der Ruf zum Hause des gewaltigen (Lebens) empor’).
Vom
Jordan 10
begaben
sich 550000 Uthras zu Mandä dHaije.
Von
der weißen, reinen Erde des Äthers
begaben
sich 444000 Uthras zu Manda dHaije.
Von
unterhalb des Thrones des Königs der Uthras
begaben
sich 660000 Uthras zu Manda dHaije. 15
Sie
sprachen zu ihm:
„Wozu
hat der Lichtkönig dich geschaffen
und
zum König im Äther gemacht,
wo.
du nicht zum Hause des Josamin gehest
und
seine Werke nicht in vollkommener Weise herrichtest? a)
Jösamin
soll wissen, n
daß
des Lebens Kraft größer ist als seine nichtige Kraft.
Die
Uthras des Lichtes sind zahlreicher
als
die Söhne des hinfälligen Unholdes.
Die
Genossenschaft des Lebens ist größer
als
die Genossenschaft der hinschwindenden Bösen.
Jetzt
hast du die Helligkeit genommen
und
vor die Füße der Gewaltigen hingeworfen,
hast
die sanften Mänäs genommen
und
in die nichtigen Körper geworfen, 30
hast
die wohlriechenden Blumen genommen
und
streutest sie haufenweise über das hinfällige Haus’).
Die
Myrte sandtest du in Lasten hin
und
übtest an ihr Mangel und Fehl.
Du
sandtest den hohen Jasmin hin- 35
und
tatest an ihm alles Böse.
1)
vr
1)
Zum Sinne des vieldeutigen NNNDD hier ist zu beachten, daß es anderswo sicher
„Schein,
Schimmer, Glanz“ bedeutet, siehe Joh. II, p. 185°. Da es hier parallel w3P}N
steht
(Z.
27), wird es auch hier diesen Sinn haben. Statt 0I%nW7 (auch Leid. so) ist vielleicht
NIINWT
zu lesen, da es parallel INM’NY”N steht, doch steht auch weiterhin Nm. Zweifel-
haft
ist auch der Sinn des Ausdruckes NIWI N252, der sich nur an dieser Stelle
findet.
Bedeutet
er etwa „auf großen Füßen, großspurig“? Zum Geschlecht siehe Nöld., p. 157. 17.
2)
Vielleicht „der Gewaltigen“, d. h. der Uthras.
3)
Vgl. p. 116.
30
40
362
Rechter
Teil. 346, 19— 347,18
Du
sandtest Maru astargan hin
und
tatest an ihm alles Böse.
Du
sandtest die Narcisse, die Myrte und das Maru hin,
die
vom reinen Lande Tarwän gekommen sind.
Du
sandtest die Nareisse, die Myrte und das Maru hin;
jetzt
übten sie Verkehrtes an ihnen.
Du
sandtest den reinen Wacholder hin,
dessen
Duft von unterhalb des Thrones des Königs der Uthras
Du
sandtest den reinen Wacholder hin, [gekommen ist.
und
sie übten an ihm [347] Mangel und Fehl.
Sie
verschmähten die wohlriechenden Blumen
jeglicher
Art und Gattung.
Sie
verschmähten die wohlriechenden Blumen
und
tun den Seelen alles Böse an,
Du
nahmest den Schatz des Lebens
und
warfest ihn auf die nichtige Erde.
Du
nahmest die Rede des Lebens
und
warfest sie in die Rede der Vergänglichkeit.
Du
nahmest die reine Perle
und
gabest sie den Männern, die aus Fleisch und Blut geformt sind.
Man
verlieh dir die Herrschaft über die Weisheit des großen (Lebens)
und
über die Stimme, die aus der Höhe gekommen ist.
Man
verlieh dir die Herrschaft über die Werke des Lichtes
und
über die Rede des lichten Schatzes.
Und
nun, wo man dir die Herrschaft über alle Werke verliehen hat,
warum
wird Mangel und Fehl an ihnen geübt?
Du
nahmest den Ruf des Lebens
und
warfest ihn in den nichtigen Ruf.
Du
nahmest die Rede des Lebens
und
warfest sie in die Rede der Vergänglichkeit.
Du
sandtest die Gebete hin
und
warfest sie in den nichtigen Ruf.
Du
nahmest die reine Perle
und
warfest sie unter die Vergänglichen.
Jetzt
habe ich den Ruf des Lebens weggenommen,
damit
die Vergänglichen keine Macht über ihn erhalten.
Über
ihn sollen die Vergänglichen keine Macht erhalten
und
kein Weib in der Menstruation darauf treten.“
Als
Manda dHaije dies hörte,
sprang
er von seinem Throne auf.
Er
sprang auf von seinem Throne
und
rief Hibil-Ziwa zu.
Er
sprach zu ihm:
347.
18348, 12 Fünfzehntes Buch. Sechzehntes Stück.
„Springe
von deinem Throne auf
und
rufe Josamin zu.
Sprich
zu ihm:
„Nimm
die reine Perle,
bringe
sie in die Höhe und richte sie an ihrer Stätte auf.
Die
Männer von erprobter Gerechtigkeit sollen nicht wissen,
363
daß
die Kraft auf diese Weise vom Hause weggenommen wurde.
Sie
sollen keine Macht «+xx+»x» erhalten,
und
der Stamm des Lebens soll nicht von der Welt abgeschnitten
Er
(Josamin) spricht: [werden. ı0
„Wozu
soll mir ein Körper ohne Seele,
wie
ein Gefäß, das keinen Glanz hat?
Wozu
sollen mir prangende Reben,
wo
ihr Duft nicht angenehm ist?“
Da
kam eine Stimme vom hohen Lichtkönig
[348]
und rief Mandä dHaije zu.
Er
sprach zu ihm:
„Warum
sollte Josamin wissen,
daß
der Ruf des Lebens auf diese Weise weggenommen wurde?
Warum
sollte Hibil-Ziwä wissen,
daß
der Schatz des Lebens auf diese Weise verborgen wurde?“
Als
Manda dHaije dies hörte,
sprang
er von seinem Throne auf.
Er
sprang auf von seinem Throne
und
zog einundsechzig Gewänder des Glanzes, des Lichtes und 25
[der
Herrlichkeit
Er
suchte Aufklärung in der Weisheit des Großen,
im
Schatze, den das Leben, sein Vater, ihm verliehen.
Er
suchte Belehrung in der Weisheit des Großen
und
begab sich hin, kam zu Jösamin.
Er
stellte sich an den Rand des Hauses des Josamin
und
deckte Glanz über seinen Schimmer ’').
Glanz
über seinen Schimmer) deckte er, e
und
eine Erschütterung erbebte in seinem Hause.
In
seinem Hause erbebte eine Erschütterung,
und
die Planeten fielen auf ihr Antlitz.
Die
Erde schrumpfte zusammen,
und
das Firmament rollte sich wie Matten.
Unter
dem Throne des Abathur
entstand
schwarzes Wasser und füllte sich auf.
!\
Es ist zweifelhaft, ob es hier denselben Sinn wie p. 361,6 hat. Leid. hat NN”.
an.
[07
(v7:
364
techter Teil. 348. 12-349, 6
in
50
Als
sie‘) den Glanz des Manda dHairje erblickten,
stürzten
sie hin und fielen auf ihr Antlitz.
Die
Planeten riefen mit ihrer Stimme
Ptahil
zu und sprachen:
„Warum
sollen wir das Haus bewachen,
wo
uns der Schimmer abgenommen ist?“
Darauf
erwiderte Ptahil-Uthra den Planeten:
„Wer
hat euch den Schimmer abgenommen,
wo
ich seinen Glanz nicht geschaut habe,
nicht
geschaut habe seine Gestalt,
die
wundersame, den Welten fremde?“
Als
Ptahil so sprach,
stürzte
er hin und fiel auf sein Antlitz.
Er
sprach:
„Da
ich in der Fessel sitze,
machten
sie Jösamin zum Hüter des Hauses.
Sie
setzten ihn über die Werke ein,
an
denen ich Mangel und Fehl geübet.
Abathur
wurde der Wagemann,
der
das Helle aus dem Trüben hervorholt.“
Als
Ptahil so sprach,
stand
Jösamin von seinem Throne auf.
Von
seinem Throne stand Josamin auf
und
rief einundsechzig Fesseln um Ptahil hervor.
Ptahil
zürnte in der Fessel
und
rief [349] seinen Vater Abathur.
Er
sprach:
„Was
wollte Jößamin von mir,
daß
er die Fessel um mich geschaffen hat?
Wo
Mandä dHaije Angst losgelassen hat
in
diese Welt,
was
wollet ihr von mir,
daß
ihr mich von meinem Throne herunter zu Falle gebracht habet?
Ihr
habet mich von meinem Throne herunter zu Falle gebracht
und
mein Herz von der Stütze heruntergestürzt.“
Als
Ptahil so sprach,
stieg
seine Stimme zum Hause des gewaltigen (Lebens) empor.
Das
Große stand von seinem Throne‘) auf
und
sprach zu Manda dHaijje:
!)
Die Planeten.
°)
Für „Thron“ steht der Plural NIRINDINI mit Beziehung auf 82% (RM). wie wir
vs
regelmäßig bei NNNI’IW finden.
349.
6— 21 Fünfzehntes Buch. Sechzehntes Stück. 365
„Warum
bist du eigentlich in deinem Glanze groß geworden
innerhalb
dieser Welt?
Du
ließest Angst gegen die Sieben los
und
warfest Verwirrung unter die Uthras.
Wo
du nun mit deinem Glanze JoSamin überragest,
lege
deine Rechte in seine Rechte
und
beschwöre ihn beim Kranze des Gewaltigen.
Beschwöre
ihn bei dem einen großen Namen,
bei
dem der Liehtkönig dich beschworen hat.
Bei
ihm schwor Hibil-Ziwä
und
stieg dann zum Orte der Finsternis hinunter.
Er
baute die Werke auf,
derentwegen
ich ihn in diese Welt sandte’).
Sage
ihm‘): Nicht soll es sein, daß die Sonne (nicht) wisse ®),
wie
sie den Schein des Glanzes trage.
Nicht
soll es sein, daß der Mond wisse,
daß
ich auf seine Helligkeit das Zeichen gelegt habe.
Nicht
soll es sein, daß Ptahil wisse,
wie
die Seele fällt,
wie
die Seele in den Körper fällt
und
wie das Blut in ihm spricht ‘).“
Es
sprach‘): „JoSamin, mein Sohn, ...... *%) Ptahil und laß ihn hören
und
stütze sein Herz auf seine Stütze.
Löse
seine Fesseln,
damit
in seinem Sinne kein Mangel und Fehl sei.“
Als
Josamin dies hörte,
verneigte
er sich und pries das gewaltige Leben.
Er
pries das große Leben,
ging
hin und löste die Fessel des Ptahil.
Die
Fessel des Ptahil löste er
und
redete Ptahil an.
Er
sprach zu ihm:
1)
Die Auffassung dieses Verses ist mir unsicher. Daß es eine Anrede und IIND
Imperativ
sei, ist mir unwahrscheinlich. Das Relativum in SnmınWwT bezieht sich auf
a
Dan.
2)
Dem Jösamin.
®)
Im Folgenden fehlt XD bei NINYT, und dies wird durch die Parallelstelle Text
102, 3
gestützt,
daher ist wohl auch hier xD zu streichen.
t)
Siehe auch p. 109 unt.
5)
Nach dem Folgenden muß dies eine Ansprache des Lebens an Jösamin sein. Hier
ist
also nicht INHN als Imperativ aufzufassen.
6)
Das entstellte und gelegendlich mißverstandene N 2 (siehe Lit., p. 136°) liegt
hier
nicht vor. NX71) scheint mir einen Imperativ mit Suffix zu enthalten, also 77%,
aber
weder
71) noch 773. bzw. 213 oder 2} bieten einen passenden Sinn.
-
(69)
366
Rechter Teil. 349, 21-350, 14
„Wir
glaubten an dich‘), Guter;
wir
schauten deinen Glanz und werden dich nicht vergessen.
Alle
Tage und auch nur eine Stunde
werden
wir dich nicht aus unserem Herzen lassen.
Denn
unser Herz soll nicht erblinden
und
unsere Seele’) nicht in diese Welt eingeschlossen werden.“
vi
Als
Ptahil dies hörte,
wurde
sein Herz [350] auf seine Stütze gestützt.
10
Er erwiderte mit reiner Stimme
und
sprach zu Josamin:
„Wo
Manda dHaije Angst losgelassen hat
in
diese Welt,
was
wolltest du von mır,
15
daß du um mich die Fessel ließest ’)?*
Als
Ptahil so sprach,
wußte
Manda dHajje, |
daß
sich Mangelhaftes zwischen Ptahil und Jösamin ge-
Er
rief Hıibil-Ziwä, [bildet hat.
20
wappnete ihn und sandte ihn in die Zeitalter hinaus.
Er
sprach zu ihm:
„Geh,
predige Josamin und laß ihn hören
und
stütze das Herz des Ptahil auf seine Stütze.“
Ich
gehe und begebe mich hin,
5
bis ich zum Hause des JöSamin komme.
Als
ich im Hause des JöSamin anlangte,
sprach
ich zu JoSamin:
„Warum
hast du dich nicht durch die Weisheit des großen (Lebens)
warum
hast du um Ptahil die Fessel gelassen?“ [belehren lassen;
30
Als ‚Josamin dies hörte,
merkte
er, daß ich das Geheimnis, das er in sich barg, aufgedeckt
[habe
‘).
Ich
gehe und begebe mich hin,
bis
ich zum Hause des Ptahil komme.
Als
Ptahil mich erblickte,
sprang
er von seinem Throne auf.
Er
sprang auf von seinem Throne
und
redete mich Hibil-Ziwa an.
wı
‘)
In der folgenden Anrede schwankt der Text zwischen der 1. sing. und 1. pl. Man
hat
wohl überall die 1. pl. herzustellen. Die Verse sind ein Zitat, siehe p. 60.
®)
Leid. hat IRANDWIN NTMUND, siehe auch p. 60°.
®)
Leid. hat PRIV wie weiterhin.
a)
Fon)7 enthält schwerlich die 3. pers.: daß er aufgedeckt hat.
350,
14— 351, 6 Fünfzehntes Buch. >Sechzehntes Stück. 367
Er
sprach:
„Gekommen,
gekommen ist der Glanz
und
ging im Hause auf.
Im
Hause ging er auf'),
und
das ganze Haus wurde erleuchtet.
Das
Haus erleuchtete,
es
erleuchtete in seinen Winkeln.
Die
Näsoräer, die die Stimme des Lebens vernahmen,
freuten
sich und sprachen:
Wie
lieblich ist diese Stimme des Lebens,
die
hergekommen ist, indem sie uns aus dem Lichtort zugerufen
[wurde.“
Als
ich dies von ihm hörte,
segnete
ich ihn mit dem großen Segen,
mit
dem die teuren Mänäs segneten.
Ich
sprach zu ihm:
„Verhalte
dich ruhig und still, Ptahil, mit demem Mysterium
innerhalb
dieser Welt.
Behüte
jetzt deinen Namen in deiner Skinä
und
rufe ihn ausgesprochen nur den glänzenden Schätzen zu’).
Ich
will sie über jegliches Ding belehren’).
Ich
will die Männer von erprobter Gerechtigkeit belehren,
die
Männer, die aus Fleisch und Blut gebildet sind.
Ich
will sie über jegliches Ding belehren.
Ich
will die Jünger belehren,
die
der Rede des Lebens gedenken:
„Wenn
[351] die Bosheit euch bedrücket
und
Zorn (gegen euch) losgelassen wird,
so
hütet euch zu fluchen und zu Falle zu bringen
und
den Mäna von seinem Throne herunterzustürzen.
Hütet
euch Ptahil-Uthra zu fluchen,
weil,
als er einen Anteil vom Leben verlangte, es ihm keinen
Es
gewährte ihm keinen Anteil am Hause, [gewährte.
gewährte
ihm nicht die Herrschaft über jegliches Ding.
Über
einen jeden, der Ptahil-Uthra flucht,
wird
großer Zorn kommen.
Über
einen jeden, der ihn von seinem Throne herunter zu Falle bringt,
wird
das Urteil gefällt werden.“
1)
FDRIT NDINII nach Leid.
2)
Die Wiedergabe des Halbverses ist unsicher. Sie setzt die Lesung pop statt
poranp
voraus; die Worte sind vielleicht auch sonst entstellt. Mit den „Schätzen“ sind
höhere
Wesen
gemeint, vgl. NYMY-
3)
Der Vers ist wohl irrtümlich aus dem Folgenden hierher gesetzt. Er bezieht sich
kaum
auf die .„Schätze‘“.
35
368
!}
Auch hier ist, wie weiterhin. MIND) zu lesen, ebenso TIWNHN).
Rechter
Teil. 351, 6—24
Ich
umband und behütete seine Werke
und
übte an ihnen weder Mangel noch Fehl.
Ich
setzte das Herz des Ptahil auf seine Stütze,
damit
an seinem Sinne weder Mangel noch Fehl sei.
Ich
gehe und begebe mich hin,
bis
ich zum Hause des Abathur komme.
Als
Abathur meinen Glanz erblickte,
sprang
er von seinem Throne auf.
Er
sprang auf von seinem Throne
und
redete mich Hibil-Ziwa an.
Er
sprach:
„Woher
hat das Leben diese Stimme,
die
so süß, die so lieblich ist?
Die
Uthras des Lichtes sprechen mit ihr.“
Ich
gehe und begebe mich hin,
bis
ich zum Hause des Jösamin komme.
Als
JöSsamıin meinen Glanz erblickte,
sprang
er von seinem Throne auf.
Er
sprang auf von seinem Throne,
suchte
Belehrung in der Weisheit des großen (Lebens)
und
in der Erleuchtung, die das Leben ihm verliehen.
Er
nahm) wohlriechende Blumen,
tauchte
sie in Wasser vom Jordan
und
ging mir entgegen.
Er
nahm die wohlriechenden Blumen,
setzte
mir einen Kranz vollkommenster Art auf
und
redete mich, Hibil-Ziwä, an.
Er
sprach:
„O
du Sproß, der du im Äther emporgesprossen bist,
wer
hat dich geschaffen, wer dich gefestigt ’)2“
Da
spreche ich zu ihm:
„Mich
hat das große Leben geschaffen,
das
Auserwählte mich hier gefestigt.
Zur
Rechten des Manda dHaijje
hat
es dem Josamin einen Thron errichtet
an
der Mündung des Fras-Ziwa).
Manda
dHaije hat diese Welt aufgerichtet,
er
hat in ihr lebendes Wasser aufgerichtet,
das
ausgedehnt und unbegrenzt ist.
?\
Siehe oben, p. 358, 21. °) Des Euphrats, siehe Joh. II, p. 45°; 245.
351,
24352, 17 Fünfzehntes Buch. Sechzehntes Stück.
ii
Es
ist nicht mangel- noch fehlerhaft,
an
ıhm ist weder [352] Mangel noch Fehl.“
Ich
hielt eine Ansprache in vollkommener Weise
und
sprach:
„Ich
richte eine Bitte an das große Leben,
ich
bitte dich, gewaltiges Leben,
ich
richte eine Bitte an das große Leben:
richte
deine Lobpreisung auf mir auf’).
Belehre
mich über die Großen,
damit
ich das Herz des Josamin auf seine Stütze stütze.
Josamin
sage nicht:
Hibil-Ziwa
hat sich über mich überhoben.“
Als
das große Leben dies hörte,
sandte
es mir Kraft in Fülle.
Es
sprach:
„Gehe,
predige Josamin und laß ihn hören
und
stütze sein Herz auf seine Stütze.
Josamin
sage nicht:
Hibil-Ziwa
hat sich über mich überhoben.“
Als
ich dies vom Leben, meinem Vater, hörte,
holte
ich mir daraus die Befugnis zu sagen, wie es war.
Ich
redete mit meiner reinen Stimme
und
sprach Josamin an.
Ich
sprach zu ihm:
„Die
Berge des Glanzes segneten dich,
und
die Höhen des Lichtes festigten dich.
Dich
segnete die Erde des Lichtes,
dich
festigte der lichte Wohnsitz:
den
Geschicktesten unter den Uthras, seinen Brüdern,
den
Ordner aller Lichtwelten.“
So
sprach ich Josamin an,
dann
brach ich auf und begab mich zu meinem Vater ').
Als
Manda dHaije meinen Glanz sah,
rief
er den Uthras zu.
Er
redete mich in vortrefflicher Weise an
und
sprach:
„Das
Kommen Hibil-Uthras
ist
wie das Sitils, der zum Hause seiner Freunde geht.
t)
Siehe Lit., p. 189, XIX.
369
2)
D. h. zum Leben, siehe weiterhin, p. 370,14. Vielleicht ist aber 'INANMININ
hier im
Sinne
„meine Väter“ zu fassen, d. h.: ich begab mich in meine Heimat zurück.
Lidzbarski,
Ginza. 24
30
35
370
Rechter Teil. 352, 18—353, 6
Als
die Jünger die Stimme hörten
des
Anos, des großen Uthra,
verneigten
sie sich vor dem gewaltigen Leben
und
priesen das große Leben über die Maßen ’).“
5
Die Uthras standen von ihrem Throne auf,
tauften
mich mit ihrer Taufe und festigten mich mit ihrer wunder-
Sitil-Uthra
ging heran [samen Stimme.
und
redete mich, Hibil-Ziwa, an.
Er
sprach:
10
„Dein Gewand leuchte und deine Gestalt sei hochgeehrt
bei
deinem Vater, dem Herrn der Größe.“
Er
wand mir einen reinen Kranz,
der
mich vor allem Häßlichen bewahrt.
Es
(das Leben) ließ mich in seiner Skina Platz nehmen,
3
[353] wo es schon vorher selber war.
Er
(Sitil) erleuchtete mich durch die Stimme des Lebens
und
sprach meinen Namen am Lichtort aus. —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
20
Siebzehntes Stück.
Das
Leben sendet Mandä dHaije zur Welt hinunter, um „die Söhne des Heils“, nach
p.
375, 10 die zur Erde hinabgestiegenen Engel, vom Mangel zu befreien, der sich
an sie ge-
heftet
hat. Rühä und ihr Kreis suchen vergeblich ihn fernzuhalten. Um ihre Söhne vor
ihm
zu
schützen, versucht sie es, sie in der Erde, dann im Meere, dann im Berge zu
verstecken;
25
schließlich verbirgt sie sie in den Zisternen des Firmamentes. Mandä dHaij&
holt sie auch
von
dort herunter. Er macht ihnen Vorhaltungen wegen der Verführung, die sie in der
Welt
üben,
und fordert von ihnen sein Gewand zurück. Er verwünscht sie, daß sie ihrem
Vater
Ur
gleichen sollen. Das Stück läuft in eine Polemik gegen die Askese aus.
Im
Namen des großen Lebens
30
sei verherrlicht das hehre Licht. —
Ich
wurde gepflanzt und kam
in
diese Welt.
Das
Leben wünschte mich und pflanzte mich
(zum
Gange) in diese Welt).
!)
Siehe Lit., p. 205, XXXVI.
?)
Siehe auch p. 273, 14.
353,
6—21 Fünfzehntes Buch. Siebzehntes Stück. 371
Es
sprach:
„Auf,
auf, Guter,
steige
zur (jetzigen) Generation hinab,
gehe
zu deinen Brüdern, den Söhnen des Heils,
an
die sich Mangel heftete ’').
An
sie heftete sich Mangel,
an
sie heftete sich Mangel und Fehl.
Mangel
und Fehl heftete sich an sie,
und
Erschütterung entstand in der Welt.“
Mandä
dHaije spricht dann zu ihm:
„Erwähltes
-(Leben), das sich selber erwählt hat!
Gib
mir eine Keule des Glanzes,
damit
ich das Haus zerstöre und seine Erbauer;
daß
ich den Mangel niederschlage
und
ihn’) siegreich zum Lichtort emporführe.“
Als
Mandä dHaije so sprach,
stieg
seine Stimme zu allen Welten hinab.
Die
Engel, die das Haus erbauet, weinen,
und
die Bewohner, die in ihm sind’), erschrecken.
Die
Bewohner schlagen sich und heulen
und
weinen wie Weiber.
Rüha
dQudsa steht auf,
sie
geht und begibt sich hin, einer Gebärenden gleich.
Die
Söhne der Engel schlagen in die Hand
und
stimmen Klage an‘) um ihren Vater.
Sie
weinen um das Haupt der Zeitalter),
der
ihnen gleicht.
Die
Söhne sprechen zum Bösen,
zum
Verderber, der das Leben nicht geschauet:
„Wehe,
du ängstigst und bangest dich vor ihm,
den
sie hierher gesandt haben.
Wie
willst du uns, die du uns geschaffen hast,
vor
ihm schützen °)?“
Sie
sprachen ferner:
Pe
der Fremde,
den
das Leben in seinem Zorne gesandt hat.
t)
70 hat hier wohl die Bedeutung „mit“, und der Sinn ist nicht „aus denen Mangel
entstand“.
?)
Schwerlich den Mangel; man hat sich als Objekt etwa „den Stamm der Seelen‘
zu
denken.
3)
Hier hat man vielleicht 727 zu lesen.
*)
Ich vermute N7DDND), bzw. NYTDDNN), statt, NIDDNM).
5),
Das ist hier soviel wie der Herr dieser Welt, d. h. der Böse, siehe auch
weiterhin, p. 375, 5.
°)
Lies TNONNIMNDN? siehe p. 372, 3öff.
24*
25
30
35
372
Rechter Teil. 353, 21— 8354, 13
Jetzt
wird das Haus zerstört,
und
seine Söhne‘) werden aufgelöst und stürzen hin.
Das
Schatzhaus wird ausgeteilt,
und
du verdammest uns, in dieser Welt zu bleiben.“
Da
sprach der Böse?) zu seinen Söhnen,
den
Schatzhaltern des nichtigen Hauses:
„Machet
euch fort und verschwindet vor mir,
ihr
Toten, die ihr das Leben nicht geschauet ’°).
[354]
Wenn ihr Dämonen seid,
wohnet
in den Einöden.
Wenn
ıhr Dews seid,
verberget
euch und lasset euch nicht blicken.
Wenn
ihr Engel von wunderbaren Kräften seid,
nehmet
die Waffe und gehet ihm entgegen.
Lasset
nicht den Fremden
in
diese Welt gehen.“
Darauf
erwiderten die Söhne dem Bösen,
dem
Verderber, der das Leben nicht geschauet:
„Du,
den sie mit ihrem Glanze bekleidet haben,
bist
der Kraft des fremden Mannes nicht gewachsen;
wie
sollen wir, die wir keine Kraft besitzen,
mit
ihm Streit anfangen?“
Wie
die Bösen dasitzen und überlegen,
hörte
er die Stimme der Verzehrer des Glanzes‘).
Er
schlug gegen ihr Firmament
und
spaltete darin einen Spalt.
Einen
Spalt spaltete er
und
drückte in ihr Firmament einen Pfad ein.
Die
Zisternen des Firmamentes zerschmolzen
und
fielen als Regen vom Firmament herunter.
Rüha
nahm ihre Söhne in den Busen
und
geht umher von einem Ort zum anderen:
„Ich
will euch hier verbergen
und
den Mördern entrinnen lassen.
In
der Erde will ich euch verbergen,
doch
der Glanz des Mandä dHaije ruhet dort.“
2)
Wohl „deine Söhne“.
2)
Lies NW2.
®)
Siehe Joh. II, p. 166°.
9)
NOINT ist kaum in Ordnung; nicht besser ist NDIN NDMNT Leid. Die Lesung
ist
durch das sonst häufige X1'77 NDR, worin NIDN „Keule‘‘ bedeutet (siehe Joh. II,
p. 166°)
beeinflußt.
’
354,
13— 355, 7 Fünfzehntes Buch. Siebzehntes Stück. 373
Er
schlug dort einen Spalt in die Erde der Bösen,
und
sie trieb alles heraus, was in ihrem Innern war.
Rüha
nahm ihre Söhne in den Busen
und
geht umher von einem Ort zum anderen:
„Meine
Söhne, ich will euch hier verbergen
und
den Mördern entrinnen lassen.
Im
Meere will ich euch verbergen,
doch
das Licht des Manda dHaije ruhet dort.
Dort
wird Manda dHaije euch hinmorden
und
in das große Suf-Meer versenken.“
Rüha
nahm sie in den Busen
und
geht umher von einem Ort zum anderen:
„Meine
Söhne, ich will euch hier verbergen
und
den Mördern entrinnen lassen.
Im
Berge will ich euch verbergen,
doch
die Kraft des Manda dHaije ruhet dort.“
Da
nahm Rüha ihre Söhne
und
verbarg sie in den Zisternen des Firmamentes.
Wie
die Bösen dasitzen und überlegen,
kam
der fremde Mann herangeflogen.
Herangeflogen
kam der fremde Mann,
der
Bote, den das Leben gesandt.
Er
schlug einen Spalt in die Erde der Bösen,
und
alles, [355] was in ihrem Innern war, trieb und warf sie
Die
Zisternen des Firmamentes wandten sich um'), [heraus.
und
die Söhne der Rüha fielen wie ein Blitz herunter.
Wie
ein Blitz fielen die Söhne der Rühä herunter
und
gerieten in die Hände ihres Mörders.
Rüha
schwört und lügt,
daß
sie seine Söhne (des Manda dHaije) nicht zu Sklaven ge-
Manda
dHaije wußte, [macht habe’).
daß
Rühäa schwor uud log.
Manda
dHaije sprach
zu
den Bösen und Lügnern, die in der Welt wohnen:
„Woher
kamet ihr,
daß
ihr in dieser Welt wohnet?
Durch
wessen Herrschergewalt wurdet ihr geschaffen,
die
ihr Generationen und Welten abtrünnig machet?“
")
Ich vermute TENWy „ergossen sich“. Leid. hat 02} Tony.
®)
Leid. hat 032 NORD MSDWNDT, worin SION keinen Sinn gibt, wenn man
nicht
NY22Y2 liest: „daß ich nicht die Söhne des Mandä äHaije am Arme faßte.“
20
25
Us
°
35
Io
30
SB
374
nannt
Rechter
Teil. 355, 7— 8356, 1
Darauf
erwiderten die Bösen Manda dHaije,
dem
Boten aller Leuchten.
„Bei
deinem Leben, Manda dHaije,
wir
wissen nicht, woher wir sind'').
Unser
Ort ist der Ort der Finsternis,
an
dem kein Licht ist.
Unser
Ort ist der Ort des Aufruhrs,
an
dem keine Ruhe ist.
Unser
Ort ist der Ort des Wirrsals,
an
dem keine Ordnung ist.
Unser
Ort ıst der Ort der Bösen,
an
dem es keine Guten gibt.“
Da
sprach Manda dHaije
zu
den Bösen und Lügnern, die in der Welt wohnen:
„Ihr
Bösen und Lügner! Alle (Dinge) will ich loslassen,
nur
mein Gewand werde ich nicht loslassen.
Nicht
werde ich mein Gewand loslassen,
das
man brachte und unter euch warf.“
Da
zogen sie ihr Gewand aus und ließen es los,
stürzten
hin und fielen auf ihr Antlitz.
Nun
gleichen sie ..... or
die
von der Finsternis nicht zum Licht herauskommen.
Sie
gleichen den Mönchen,
deren
Haar ihnen auf die Kniee herabfällt.
Auf
die Kniee fällt ihnen ıhr Haar herab,
und
sie kommen aus dem Felde nicht zur Stadt empor.
Sie
gleichen den Ketzern des Truges,
die
auf Säulen des Truges sitzen’).
Sie
sitzen auf Säulen des Truges
und
schneiden ihren Samen von der Welt ab.
Sie
gleichen den Fastern,
deren
Munde Fasten auferlegt ist.
Mandäa
dHaije sprach zu den Bösen und Lügnern,
die
in der Welt wohnen:
„Gehet
hin, gleichet eurem Urvater,
der
getötet in der Finsternis daliegt ‘).
Getötet
liegt er in der Finsternis da,
[356]
und die Dunkelheit kommt und drückt auf ihn.
2)
Leid. hat 97 NDNT 1D PINTYNDT.
©)
Siehe Nöld., p. 139°, wo NUNMSW I, 355,16 zu lesen ist. Leid. hat wma we.
”)
Hier sind doch wohl christliche Säulenheilige gemeint, die schwerlich NYP73N7
ge-
sein
können, vgl. p. 229. Ich würde dafür cher NWIDN) „Anachoreten* vermuten.
#,
Das ist Ur, siehe oben, p. 176.5.
356,
1— 21 Fünfzehntes Buch. Siebzehntes Stück.
Gehet
hin, gleichet dem König der Finsternis,
der
die Waffe gegen Manda dHaije erhoben hat.
Die
Waffe hat er gegen Mandäa dHaije erhoben,
375
doch
Manda äHaije überwand ihn und warf ihn in die Finsternis.
Gehet
hin, gleichet dem Haupte der Zeitalter,
auf
den «+++. das Haupt stützte ')
und
dem Amboß der Erde gleich auf seine Seite drückte.
Gehet
hin, gleichet dem Herrn, dem Riesen,
der
von der Erde bis zum Himmel reicht.
Gegen
ihn stellten sich die Söhne des Heils in Reih und Glied auf,
die
Engel, die keine Bestechung annehmen.
Sie
töteten ihn mit Schwert und Eisen,
weil
er alle seine Verehrer zum Abfall brachte.
Alle
seine Verehrer brachte er zum Abfall
und
erlegte ihrem Munde Fasten auf.
Ihrem
Munde erlegte er Fasten auf,
damit
sein Name nicht aus ihrer Mitte verschwinde’).
Er
erlegte ihnen das Fasten des Siebenten im Monat auf,
als
er am Anfange der Kämpfe getötet wurde.
Er
erlegte ihnen das Fasten des Vierzehnten auf,
als
Manda dHaije sich beriet und gegen ihn kam.
Er
erlegte ihnen das Fasten des Achtundzwanzigsten auf,
als
ihr Held getötet hinfiel.
Er
erlegte ihnen das Fasten des Schweigens auf,
als
sein Geist aus seinem Körper schied.
Er
erlegte ihnen das Fasten des Fünfzehnten auf,
wann
sie das Brot der Schande essen.“
Manda
dHaije ruft mit hehrer Stimme
und
läßt seinen wundersamen Ruf vernehmen:
„Mancher
hörte und wurde gläubig
und
hielt fest am Schatze‘) und an der Rede.
Am
Schatze und an der Rede hielt er fest,
daher
stieg er empor und schaute den Lichtort.
Die
Bösen, die sich einhüllten und hinlegten,
sitzen
noch fastend da
und
schauen nicht den Lichtort.
Die
Faster und Fasterinnen
werden
in die Feuerbrände hinabstürzen.“ —
Und
das Leben ist siegreich.
®)
Wohl auch hier das heilige Buch, siehe oben, p. 323%.
!)
Die letzten Worte sind entstellt. Auch die Lesung Leid. Aby NINTT TOD Fark Aul
ist
nicht richtig. 2) Eine mythische Gestalt. Man denkt an Ur, doch ist von
ihm
schon vorher die Rede. Siehe auch p. 229, 7f., wo Christus gemeint ist.
30
35
376
Rechter
Teil. 356. 22— 357, 14
Achtzehntes
Stück.
Ermahnungen.
Das Stück steht auch Joh. 170.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Eine
hehre Stimme des Lebens ruft,
eine
hehre Stimme des gewaltigen Lebens.
Eine
hehre Stimme des Lebens ruft:
Jederman
gebe auf sich selber acht.
Heil
dem, der auf sich selber achtgibt,
und
sein Herz [357] ihm ein Baumeister ist.
Heil
den Wahrhaftigen;
sie
steigen empor und schauen den Lichtort.
Wehe
dem Ratgeber,
der
sich selber keinen Rat erteilt hat.
Wehe
dem Wegebauer,
der
sich selber keinen Weg geebnet hat.
Er
hat sich selber keinen Weg geebnet,
wenn
er darauf geht, soll er nicht ausgleiten ')?
Wehe
dem Baumeister,
der
vor sich keinen Bau errichtet hat.
Wehe
dir, Mißgunst,
daß
die Bösen von dieser Welt nicht satt werden.
Wehe
dem weiten Bauche,
der,
soviel er auch essen mag, nicht voll wird.
Wehe
der Doppelzunge,
die
über denselben Fall zwei verschiedene Urteile fällt.
Wehe
den Lernenden,
die
man lehrt, ohne daß sie lernen wollen.
Wehe
den einfältigen Narren,
die
in ihrer Narrheit stecken bleiben.
Wehe
dem Weisen,
der
seine Weisheit nicht gelehrt hat.
Wehe
den Herrschern,
die
über Verlassene herrschen
und
keine schönen Werke tun;
sie
fallen in das lodernde Feuer.
Mit
ihren Händen schüren sie die Kohlen,
mit
ihren Lippen fachen sie den Brand an’).
Wehe
dem bösen Herzen,
das
Schlechtigkeit beherrschet.
')
Besser 2 Joh. als 727. Bei dieser Lesung würde es bedeuten „damit er, wenn
er
darauf geht. nicht ausgleite‘“. 2) Siehe p. 19%.
357,
14— 358, 6 Fünfzehntes Bueh. Neunzehntes Stück. 377
Schlechtigkeit
beherrscht es,
daher
wird es mit dem Ende der Welt enden.
Es
wird mit dem Ende der Welt enden
und
den Lichtort nicht schauen.
Heil
dem, der Gutes getan; 5
wehe
dem, der Schlechtes getan.
Heil
dem, der Gutes tut,
Wehe,
Wehe ruft der, der Schlechtes tut.
Wehe
dem, der hatte
und
von seinem Gute nichts Gutes getan hat. 10
Sünden
hat er für sich begangen
und
vor sich Anstöße gehäuft.
Heil
dem Manne, der hatte
und
von seinem Gute Gutes getan hat’).
Er
hat Lohn für sich bereitet, 15
seine
Werke gehen vor ihm einher.
Seine
Werke gehen einher vor ihm
und
bilden vor ihm eine Stütze auf dem Wege.
Eure
Hände mögen Rechtschaffenes üben
und
euer Herz im Glauben fest bleiben. 20
Dies
sei eure Wegzehrung,
sei
die Zehrung auf eurem Wege.
Dies
sei eure Wegzehrung,
und
steiget empor, schauet den Lichtort.
Das
Leben ist siegreich, und siegreich ist Manda dHaije und die seinen >25
Namen
lieben.
Neunzehntes
Stück.
Auch
Joh. 173. Ein wundervolles Lied von der Herabkunft der Seele.
[358]
Im Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. — 30
Aus
dem Lichtort bin ich hervorgegangen,
aus
dir, lichter Wohnsitz.
Aus
dem Lichtort bin ich hervorgegangen,
und
ein Uthra aus dem Hause des Lebens gab mir das Geleite.
Der
Uthra, der mich aus dem Hause des großen Lebens geleitete, 3;
hielt
einen Stab lebenden Wassers in der Hand.
ı)
Die letzten beiden Verse fehlen im Ginzä.
378
Rechter
Teil. 358, 6—22
Der
Stab, den er in der Hand hielt,
war
voller Blätter vorzüglicher Art.
Er
reichte mir sein Laub,
davon
wurden Gebetsordnungen und Gebete voll.
Wiederum
reichte er mir davon,
da
fand mein krankendes Herz Genesung.
Genesung
fand mein krankendes Herz,
und
meine (welt)fremde Seele fand Erleichterung.
Zum
dritten Male reichte er mir davon,
da
richtete er mir die Augen im Kopf empor.
Die
Augen im Kopfe richtete er mir empor,
daß
ich meinen Vater erblickte und ihn erkannte.
Ich
erblickte meinen Vater und erkannte ihn
und
richtete drei Bitten an ihn.
Ich
bat ihn um Sanftmut,
an
der keine Auflehnung ist.
Ich
bat ihn um ein starkes Herz,
womit
groß und klein getragen werden kann.
Ich
bat ihn um ebne Wege,
um
emporzusteigen und den Lichtort zu schauen. —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Zwanzigstes
Stück.
Kurze
Übersicht über die Schöpfung. Dann eine Ermahnung an die Gläubigen, ihrer
25
jenseitigen Herkunft eingedenk zu sein. |
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Wer
will kommen, wer mir sagen '),
wer
will mir kundtun, wer mich belehren,
wer
will kommen, wer mir sagen,
wer
auf der Lichterde war?
Wer
war auf der Lichterde,
wer
ıst älter als wer,
und
wer war vor wem?
Das
Leben weiß es wohl’),
das
Leben weiß es und braucht [nicht] zu fragen,
!)
Siehe Lit., p. 204. °) Siehe auch oben, p. 73,1.
358,
22—359, 14 Fünfzehntes Buch. Zwanzigstes Stück.
-
das
Leben weiß es wohl,
daß
das Leben auf der Lichterde war.
Auf
der Lichterde war das Leben,
und
vom Leben entstand das Wasser.
Vom
Leben entstand das Wasser,
und
vom Wasser entstand der Glanz.
Vom
Glanz [359] entstand das Licht,
und
vom Licht entstanden die Uthras.
Vom
Licht entstanden die Uthras,
die
dastehn und das Leben preisen.
Der
Gute in seiner reichen Kraft,
im
Glanze, den das Leben ihm verliehen '),
trägt
vor und belehrt die Vollkommenen
innerhalb
dieser Welt ?).
Er
spricht:
„Der
Mann, der mich hierher brachte,
wird
mir sagen, wozu er mich hergebracht hat.
Das
Haus, in dem ich wohne,
wird
mir sagen, wer es erbaut hat.
Die
Sieben, die darin wohnen,
werden
mir sagen, woher sie gekommen sind.“
Dir
sage ich und erkläre ich,
einem
jeden, der in seinem Innern wahrhaft und gläubig ist:
Du
warest nicht von hıer,
und
deine Wurzel war nicht von der Welt.
Das
Haus, in dem du wohntest,
dieses
Haus hat nicht das Leben gebauet.
Die
Sieben, die darin wohnen,
steigen
nicht zur Erde des Lichtes empor.
Du,
verehre und preise
den
Ort, aus dem du gekommen bist.
Preise
den Mann von erprobter Gerechtigkeit,
der
dir im Munde die Rede aufgerichtet hat.
Du,
tritt nieder’) und stürze die Sieben um
und
wirf Schande über die Welt‘). —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
1)
Lies Fanny.
2)
Lies NOIR PINNT statt T9yT. Dies ist durch TAxyy2 Text Z. 7 beeinflußt.
®)
Leid. hat 22. “, Leid. hat wie D MI:
IITD
319
un
[92}
°
in
to
20
Sechzehntes
Buch.
Das
erste Stück dieses Buches steht inhaltlich den Stücken des fünfzehnten Buches,
besonders
dem zweiten Stücke, nahe und sollte eigentlich in dieses Buch eingefügt sein.
Es
folgen
kurze Hymnen und Gebete, wie sie auch im Johannesbuch und im Qolastä stehen,
die
zum
Teil von ungewöhnlicher Schönheit sind.
Erstes
Stück.
Der
Sohn des großen Nbat, der Hüter des Landes Tarwän, wird gewappnet und belehrt
und
begibt sich zur Erde des Zweiten, wo er seinerseits ermahnend und belehrend
wirkt.
Rühä
und die Sieben verschwören sich, die Gläubigen zu verführen und zum Abfall zu
bringen.
Nbat,
der Sohn Jöhänä’s, — der Verfasser hat vergessen, daß er vorher von dessen Sohn
sprach
— begibt sich zum Wachthause der Rüha und tritt kraftvoll den Bösen entgegen.
Rühä
sucht eine Unterredung mit ihm anzuknüpfen; gestärkt durch die Erscheinung eines
Helfers
— nach dem Folgenden Hibil-Ziwä — fertigt er sie kurz ab. Sie spricht dann, in
ihrem
Munde unpassend, Verwünschungen gegen die unfrommen Mandäer aus. Der Helfer
züchtigt
sie, Nbat wird unter die Himmlischen aufgenommen.
Der
Hüter des reinen Tarwän bin ich,
der
Sohn des großen Nbat.
Ich
bin der Sohn des großen Nbat,
aus
den beiden reinen Bergen kam ich.
Man
bekleidete mich mit reinen Gewändern,
die
aus den 360 oberen Jordanen der Lichterde geschaffen wurden.
Meine
Gestalt ist die Gestalt des Jäwar-Ziwä,
die
aus dem verborgenen Orte geschaffen wurde.
Die
Wolke‘), die sie mir schufen,
kam
nicht aus der Finsternis.
Nicht
kam sie aus der Finsternis,
nicht
war an ihr Mangel und Fehl.
Nicht
war an ihr Mangelhaftigkeit,
die
aus dem Hause des Zweiten kam.
‘)
D. h. seine Gattin, siehe p. 290.
360,
13— 861, 6 Sechzehntes Buch. Erstes Stück. 381
Sie
schufen mich, festigten mich und wappneten mich,
sie
gaben mir Weisungen und schufen mir Helfer.
Sie
schufen mir Boten’),
Uthras,
die voller Einsicht sind.
Sie
verliehen mir die Herrschaft über das reine Tarwän
und
die ganze geheime Rede, die darin ist.
Sie
sprachen zu mir und belehrten mich über das reine Tarwän,
das
aus der Erde des JöSamin entstanden ist.
Sie
belehrten mich über die Erde des Äthers
und
über den teuren König des Äthers, der aus ihm’) geschaffen
Sie
belehrten mich über die Erde des Äthers, [wurde.
die
vor der Erde des reinen Tarwän bestand.
Sie
belehrten mich über die Erde des großen Nsab
und
über den reinen Ort herrlicher Pracht’), der aus dem Jordan
über
die Skinas, in denen er (Nsab) sich niederließ, [geschaffen wurde,
und
über die Uthras, die in lichtem Gewande dasitzen.
Sie
belehrten mich über die gewaltigen Mysterien des Lichtes,
die
unterhalb des Thrones des Königs der Erde des Äthers ruhen.
Sie
wappneten mich mit einer Wappnung,
damit
die Rebellen nicht an mir sündigen.
Ich
kam zur Welt, die der Zweite geschaffen ‘),
von
dem Mangel und Fehl ausgegangen ist.
Ich
sandte den Ruf des Lebens aus,
und
pflanzte die Pflanzung des großen (Lebens).
Die
Pflanzung des Großen pflanzte ich
und
wählte Erwählte aus.
Jeden
Einzelnen wählte ich aus,
[861]
hellte sie auf°) und klärte sie über das Gute auf.
Ich
machte ihre Augen licht
über°)
den Ort, an dem das Große thronet.
Ich
belehrte sie durch verborgene Hymnen und Gebetsordnungen
über
Gebet und Lobpreisung, die zu uns gekommen sind.
Ich
baute sie ein in den Bau des Lebens
und
schloß sie ein in die Gemeinschaft des Lebens.
Ich
erleuchtete sie mit einer Erleuchtung,
einer
Erleuchtung, wundersam und endlos.
ich
erleuchtete sie mit einer Erleuchtung
und
zeigte ihnen ein Abbild, das aus dem verborgenen Orte kam.
Zsiehe
Lit., p. 17%.
2,
Oder: aus ihr, der Erde. Jedenfalls ist 97 zu lesen.
3)
Siehe p. 3011.
4)
Ich vermute NP statt XPN7. [So hat auch Leid.].
5)
NPNIANZ ist hier eine Mißbildung von }\2, vielleicht unter Einwirkung von Text
2. 9,
siehe
auch Text 367, 20. 6) Wohl 8277 Sy zu lesen.
”
_
o
_
u
30
35
is
IE}
wi
39
382
Rechter Teil. 361, 6—20
Als
die Auserwählten es erblickten,
genas
ihr krankendes Herz.
Ich
rief mit hehrer Stimme
und
brachte die nichtigen Unholde zum Aufstehen.
Ich
rief mit hehrer Stimme
und
gewann mir einen Anhang vortrefflichster Art.
ich
rief mit hehrer Stimme,
die
die Schlafenden aufrüttelte und zum Aufstehen brachte,
“KREKKKKEKEr
+++
des wahren Glaubens') richtete sie auf.
Sie
richtete «+++. im Hause auf,
und
sie schlugen mit ihren Seiten gegeneinander’).
Mit
ihren Seiten gegeneinander schlugen sie,
rüsteten
sich und stellten sich in der Welt auf.
Mit
ihren Seiten schlugen sie gegeneinander
und
taten nichts von den Werken der Sieben.
Von
den Werken der Sieben taten sie nichts,
und
ihre Gestalt wurde nicht erniedrigt.
Als
Rüha sie erblickte,
schlägt
sie mit ihren Händen ans Haupt.
Mit
ihren Händen schlägt sie ans Haupt
und
rauft sich die Locken am Kopfe aus’).
Rühä
in Bosheit
ruft
nach ihren erstgeborenen Söhnen:
„Kommet,
kommet, meine erstgeborenen Söhne,
höret,
was ich euch sage.
Einige
von euch sollen Schlingen legen ‘),
einige
von euch Stricke°’) hinwerfen.
Wir
wollen Wollust und Feuer loslassen
in
diese Welt.
Wir
wollen Schlechtigkeit unter ihnen erregen
undeBrandliund
°) loslassen.
Wir
wollen Waffen schaffen,
und
Christus soll die ganze Welt zum Straucheln bringen.
')
Es ist unsicher, ob dies hier der Sinn von NINY% ist und ob man etwa „die
Männer
des
wahren Glaubens“ zu ergänzen hat. Der nächste Sinn von SINIW ist „Festigkeit“.
°)
Der Sinn dieser Worte ist mir unklar. Stießen sie sich beim Aufstehen?
3)
Siehe p. 87 ob.
4,
Lies mit BCD pay. Das Wort Nd% bei Schlingen findet sich nur an dieser Stelle,
ist
aber gut aramäisch.
5)
Siehe p. 104°. Die Handschriften schwanken hier zwischen NID und 0’YYO (auch
Leid.
hat SYD). NY%D bedeutet „Leidenschaft, Unzucht“, wovon hier der Plural schlecht
paßt.
®)
RMINEOND ist hier nicht in Ordnung; etwa NINYD „Quälerei‘?
361,
20-362, 13 Sechzehntes Buch. Erstes Stück. 383
Wir
wollen den Stamm der Seelen packen
und
ihn in einzelne Teile spalten. .
Wir
wollen die Jünger mit hehrer Stimme rufen
und
ihnen von unserer Lehre gewähren.
Von
unserer Lehre wollen wir ihnen gewähren
und
von unseren Werken über sie breiten.
Wir
wollen Wollust und Ketten in die Welt werfen,
den
Ruf des Lebens hemmen
und
von der Welt verschwinden lassen.
Wir
wollen das Zeichen des Lebens ausrotten
[362]
und die Taufe, mit der sie im Jordan getauft wurden.
Wir
wollen die Taufe‘) der Schmach aufrichten
und
die des nichtigen Christus.
Wir
wollen Pihta, Kustä und Mambühä wegtilgen
und
das Sakrament in der Welt aufrichten.
Wir
wollen die ganze Tibil packen
und
in das lodernde Feuer stürzen.
Wir
wollen die Söhne des großen Stammes des Lebens verfolgen,
die
sich über uns erheben.
Alle
Nasoräer sollen zu unserem Anhange gemacht werden;
wir
wollen ihnen das Kannä des Almosens in trefflicher Weise
Denjenigen,
die uns tadeln, [aufstellen °).
werden
wir Verfolgung in der Welt bescheren.“
Wie
die Sieben dastehn und Pläne schmieden,
verließ
Nbat, Sohn des Jöhänä, seinen Körper.
Der
Auserwählte verließ seinen Körper
und
schritt eilig durch den Äther.
Der
Uthra schritt eilig dahin,
bis
daß er zum Wachthause der Rüha kam.
Als
Rühä ihn erblickte,
neigte
sich der Thron unter ihr.
Als
die Wachthäusler ihn erblickten,
fiel
ihnen die Geißel aus der Hand.
Den
Wachthäuslern fiel dıe Geißel aus der Hand,
den
Glöcknern’) fiel die Glocke herunter.
Die
Zaubereien der Ruha wurden gebunden,
und
ihre Werke zerstreuten sich in verschiedene Teile.
»)
Lies NPITDNDS. Dort steht das Wort für die mandäische, hier das für die
christliche
Taufe.
®)
Lies paar ; Leid. hat RU. Der Satz paßt im ganzen schlecht.
3)
Siehe auch Lit., p. 164, 4. Die Vorstellung von den Glöcknern ist wohl dem
militärischen
Wachtdienst
entnommen. Sie mögen in den Mauertürmen ihren Platz gehabt haben und
sollten
bei drohender Gefahr Alarm schlagen. ZIMMERN schreibt mir, daß sie sich im
baby-
lonischen
Schrifttum nicht nachweisen lassen.
W
wı
35
30
40
384
Rechter
Teil.
Rüha
dQudsa sprach
362,
13363, 8
und
wandte sich an den Mann von erprobter Gerechtigkeit‘):
„Wie
bist du von der Tibil hergekommen,
und
wohin ist dein Gang gerichtet?
Wer
war dir ein Hüter,
wer
holte dich aus der Welt?
Zu
wem hast du Vertrauen,
und
wer war dir ein Erlöser?
An
welchem Ort wohntest du in dem Hause,
und
wo war deine Skinä in der Welt gegründet,
daß
du von unseren Werken nichts übtest
und
dich uns nicht unterwarfest?
Wie
bist du unseren Schlingen entronnen,
wie
unserer Unzucht?) entsprungen?
Wie
bist du unserer Gier und Glut entsprungen,
wie
entsprungen unserem lodernden Feuer?
Wer
hat dich aus der Finsternis befreit und herausgeholt,
die
wir in die Welt gelassen haben?
Wer
war dir ein Herr,
wer
dir ein Beistand?
Wo
ist dein reiner Helfer,
der
Mann, der dir ein Pfleger war?“
Wie
Rühä dasteht und so spricht,
[363]
kam der Helfer herangeflogen.
Der
reine Helfer kam,
der
mit lauter Stimme schrie und mich hören ließ.
Er
schrie mit lauter Stimme und ließ mich hören
und
ließ mein Herz auf seiner Stütze ruhen,
Es
wandte sich an ihn und sprach’)
Namrus,
die Mutter der Welt:
„Wer
war jetzt dein Schöpfer,
und
wie willst du zum Licht emporsteigen?“
Darauf
erwiderte ich ihr:
„Ich
wurde aus dem Lichte geschaffen,
und
nach den Welten des Lichtes ist mein Gang gerichtet.“
Da
schrie sie mit lauter Stimme und kreischte,
wobei
ihr die Geißel aus der Hand fiel.
Sie
rief:
„Außer
dir, Uthra,
soll
niemand zum Licht emporsteigen.
*,
Lies TOARDNT Rp Tinab.
?)
Hier haben alle Handschriften INYTD. siehe p. 3825.
»)
Lies FARO T.
363,
8364, 4 Sechzehntes Buch. Erstes Stück. 385
Niemand
soll aus dieser Welt zum Licht emporsteigen,
nicht
sollen sie emporsteigen und den Lichtort schauen.
Nicht
sollen die Näsoräer emporsteigen,
die
ein verkehrtes Gewand tragen.
Nicht
sollen die Nasöräer emporsteigen, 5
die
um Geld und Gut ein Zeugnis ablegen.
Um
Geld und Gut legen sie ein Zeugnis ab
und
gedenken nicht des Namens Jäwars.
Nicht
gedenken sie des Namens Jäwars
und
gewähren weder Lohn noch Almosen. 10
Weder
Lohn noch Almosen gewähren sie
und
heilen nicht ihre (der Leidenden) Schläge.
Nieht
heilen sie ihre Schläge,
sondern
geben (ihre Habe) hin für Unzucht, Ehebruch, Verderbnis
Sie
geben sie für Verderbnis und Hurerei hin, [und Hurerei. ı
so
werden sie denn mit sieben Schlägen geschlagen werden.
Mit
sieben Schlägen werden sie geschlagen werden
und
in die Wachthäuser der sieben Sterne fallen.
Alle
Seelen, die Böses tun,
werden
dünn werden, wie ein Haar auf dem Kopfe. 20
Wer
den Namen des Lebens verleugnet,
wird
eines zweiten Todes sterben.
Eines
zweiten Todes wird er sterben,
und
seine Gestalt wird finster werden und nicht aufleuchten.“
in
Als
Rüha so sprach,
ging
der Glanz des reinen Helfers auf.
Des
reinen Helfers Glanz ging auf,
und
Rühä fiel von ihrem Throne herunter.
Von
ihrem Throne fiel Rüha herunter,
und
er warf sie hin, schlug sie mit der Keule des Glanzes. 30
Er
warf sie hin, schlug sie mit der Keule des Glanzes,
er
warf Ruha in ihre eigenen Schlingen.
Ruha
[3864] warf er in ihre eigenen Schlingen,
und
sie richtete ihr Antlitz nach dem großen Süf-Meer.
[Nach
dem großen Süf-Meer] richtete sie ihr Antlitz
und
war der Rede nicht mächtig.
[97
vı
(97)
wu
Er
ergriff mich mit sieben geheimen Worten,
hob
mich in die Höhe und richtete mich vor meinem Vater auf.
Er
taufte mich mit seiner Taufe 4
und
festigte mich durch sein Wort. 40
Durch
sein Wort festigte er mich
und
zeichnete mich mit dem reinen Zeichen.
Lidzbarski,
Ginza. 35
20
25
30
35
auch Joh. 245f.
386
Rechter
Teil. 364, 5—21
Er
bekleidete mich mit einem Gewande des Glanzes,
wundersam
und endlos.
Er
setzte mir einen reinen Kranz auf,
dessen
Blätter leuchten.
Er
bedeckte mich mit einem Turban,
der
aus der Erde des Äthers geschaffen wurde.
Aus
der Erde des Äthers wurde er geschaffen
und
leuchtet in hohem Maße mehr als der Glanz der Sonne,
Sie
ließen mich in ihren geheimen Skinas Platz nehmen,
die
von meinem Vater Johänä') gegründet wurden,
als
er aus der Welt schied.
Ich
schaute die Gestalt des großen (Lebens),
die
wundersam und hervorragend im Äther ist.
Ich
schaute das große Licht,
schaute
die teure Leuchte.
ich
schaute Hibil-Ziwä,
den
Mann, der mich aus der Welt erlöst hat,
erlöst
hat aus dem Häßlichen.
Er
erlöste mich aus den Wachthäusern,
die
die Sieben in dieser Welt geschaffen haben.
Er
zeigte mir die Gestalt des großen (Lebens)
und
belehrte mich über den wundersamen Weinstock.
Er
belehrte mich über Sar, den großen Weinstock,
den
das Leben in der Skinä des großen Jüra, des Schatzmeisters,
Er
schuf mir eine Lichtwelt [einsetzte. |
und
gründete mir eine Skina der seinigen gleich.
Er
sprach: |
„Alle
Seelen, die von hier scheiden
und
des Lichtortes wert und würdig sind,
alle
Seelen, die abscheiden,
sollen
in deiner Skina Platz finden.“ —
Und
das Leben ist siegreich.
Zweites
Stück.
Ermahnungen
eines Uthra an Adam. Der erste Teil des Stückes (bis p. 387, 36) steht
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
!)
Oder „für meinen Vater Jöhänä“?
364,
21— 8365, 16 Sechzehntes Buch. Zweites Stück. 387
Ein
Uthra ruft von außen her
und
belehrt Adam, den Mann.
Er
spricht zu Adam:
„Schlummere')
nicht und schlafe nicht
und
vergiß nicht, was dein Herr dir aufgetragen.
Sei
nicht ein Sohn des (irdischen) Hauses
und
werde nicht ein Frevler in der Tibil [365] genannt.
Liebe
nicht wohlriechende Kränze
und
finde kein Gefallen an einem lieblichen Weibe.
Liebe
nicht Wohlgerüche
und
vernachlässige nicht das Gebet der Nacht.
Liebe
nicht täuschende Schatten,
nicht
den Verkehr mit lieblichen Frauen.
Liebe
nicht die Lust,
noch
lügnerische Schattenbilder.
Trinke
nicht und sei nicht unmäßig
und
vergiß nicht deinen Herrn aus dem Sinne.
Bei
deinem Eintritt und deinem Austritt’)
siehe
zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest.
Bei
deinem Gehen und deinem Kommen
siehe
zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest.
Bei
deinem Sitzen und deinem Stehen
siehe
zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest.
Bei
deinem Ruhen und deinem Liegen
siehe
zu, daß du deinen Herrn nicht vergessest.
Sage
nicht, ich bin ein erstgeborener Sohn,
der
ich, was ich auch tun mag, ohne Torheit bleibe.
Adam,
siehe die Welt an,
die
ganz ein Ding ohne Wesen ist’).
Ein
Ding ohne Wesen ist sie,
auf
die du kein Vertrauen haben darfst.
Aufgerichtet
sitzt die Wage da,
und
von tausend wählt sie einen aus,
Einen
wählt sie von tausend aus,
und
zwei wählt sie aus zehntausend.
Die
duftenden Kränze vergehen,
und
Frauenschönheit wird, als ob sie nie dagewesen.
Die
Wohlgerüche vergehen,
und
die Lust der Nacht hört auf‘).
!)
Siehe Joh. II, p. 225 und NÖLDEKE, Zeitschr. für Assyriologie XXX (1916), p.
159.
?)
Siche auch oben, p. 19,19; 36. 33; 182, 20 und Deut. 6,7; 11,19.
3)
Der Ausdruck auch R 300, 11; L 106, 237.; Pariser Diwan, 869f.,. 1708.
#)
Lies NOONW.
2a
20
30
35
30
388
Rechter
Teil. 365, 16-366, 7
Alle
Werke vergehen,
nehmen
ein Ende und werden, als ob sie nie dagewesen.“
Als
Adam dies hörte,
jammerte
er und weinte über sich selbst.
Er
sprach zum Uthra des Lebens
folgendermaßen:
„Wenn
ihr wisset, daß dem so ist,
warum
habt ihr mich von meinem Orte weg in die Gefangenschaft
und
in den stinkenden Körper geworfen? [gebracht
In
den stinkenden Körper habt ihr mich geworfen,
in
das verzehrende Feuer mich geschleudert.
Ihr
habt mich in das verzehrende Feuer geschleudert,
daß
täglich der Gestank in die Höhe steigt.“
Darauf
erwiderte er ihm:
„Schweig,
schweig'), Adam,
du
Haupt des ganzen Geschlechtes.
Die
Welt, die werden soll,
können
wir nicht unterdrücken °).
Auf’),
[366] auf, bete das Große an und unterwirf dich,
damit
das Leben dir zum Erlöser werde.
Das
Leben sei dir ein Erlöser,
und
du steig empor und schaue den Lichtort.“ —
Und
das Leben ist siegreich.
Drittes
Stück.
Ermahnungen
Mandä dHaije’s an seine Freunde.
Die
Stimme des Mandä dHaije ist es,
der
ruft und alle seine Freunde belehrt.
Er
spricht zu ihnen:
„Meine
Auserwählten! Machet unterwürfig euer Heız;
erleichtert,
reiniget und waschet,
beruhiget
euren Sinn durch Kustä.
Liebet
nicht das Geld,
das
die Welten erblickten und lieb gewannen.
?)
IROND kann inneres Objekt sein, ist aber vielleicht zu streichen.
?)
Die Wendung steht auch L 62,1 und entstellt Pariser Diwan, 1086f.
’®)
Zu DYN vgl. Nöld.. p. 204. doch ist wahrscheinlich auch hier DYP zu lesen.
366,
7—24 Sechzehntes Buch. Viertes Stück. 389
Die
Welten erblickten es und gewannen es lieb,
gingen
dann und liefen in der Dürre') dahin.
Meine
Auserwählten! Liebet Kusta und Almosenspende,
damit
euch über das Meer ein Übergang gelegt sei°).
Über
das Meer sei euch ein Übergang gelegt, 5
an
dessen Ufer tausend mal tausend stehen.
An
dessen Ufer stehen tausend mal tausend,
und
von hundert zählt er einen und führt ihn hinüber.
Hinübergeführt
wird wer demütigen Herzens ist,
wahrhaft
und gläubig. 10
Wehe
den Bösen und Lügnern,
die
das Almosen vergessen und es nicht gegeben haben.
Vergessen
haben sie das Almosen und es nicht gegeben,
nun
übernachten sie und ..... ) am Übergange.
Sie
übernachten am Übergange und ..... : 15
nicht
steigen die Bösen zum Lichtort empor.“ —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich,
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
Viertes
Stück.
Verkündigung
des Lichtboten an die Gläubigen. 20
Aus
dem Lichtort bin ich hervorgegangen,
aus
dir, liehter Wohnsitz.
Ich
komme, um die Herzen zu befühlen,
um
alle Sinne zu messen und zu prüfen,
zu
sehen, in wessen Herz ich weile, 25
in
wessen Sinn ich ruhe.
Wer
an mich denkt, an den denke ich,
wer
meinen Namen nennt, dessen Namen nenne ich.
Wer
mein Gebet von der Tibil her betet,
dessen
Gebet bete ich vom Lichtort her. 30
Wer
mein Gebet und meine Lobpreisung betet,
für
den bete ich (ein Gebet) reich und groß.
!)
Die Lesung NINW2 ist wohl richtig, siehe die Varr. und Nöld., p. 107, 11. 8PTW2
Leid.
ist eine Verschlimmbesserung.
2)
Wohl 129% zu lesen.
%)
Der Sinn „wiederholen“ oder „wieder tun“ paßt nicht. Vielleicht ist IN) aus
PINMI2)
„und sie seufzen“ (zu BINNY, TNINNY) entstellt.
390
Rechter Teil. 366, 24367, |
Ich
kam und fand
die
wahrhaften und gläubigen Herzen.
Als
ıch nicht unter ihnen weilte,
lag
doch mein Name auf [367] ihrem Munde.
5
Ich nahm sie und führte sie zu den Uthras empor,
die
Jokabar geschaffen.
Ich
sprach zu ihnen:
„Vollkommene!
Angenehm ist euer Duft,
und
Glanz ruht unter euch.* —
10
Gepriesen seiest du, mein Herr,
der
du die Vollkommenen nicht verdammest. —
Und
das Leben ist siegreich.
Fünftes
Stück.
Seitdem
der Gläubige das Leben lieb gewonnen, hat er zu nichts anderem Vertrauen.
ı5
Seitdem er seine Seele wiedergefunden, hat er nach nichts anderem Verlangen.
Durch die
Gaben
der Kustä wird er erleuchtet und findet den Weg zum Lichtort.
Vom
Tage an, da ich das Leben lieb gewonnen,
vom
Tage an, da mein Herz die Kustä lieb gewonnen,
vom
Tage an, da ich das Leben lieb gewonnen,
20
habe ich zu nıchts mehr Vertrauen in der Welt.
Zu
Vater und Mutter
habe
ich kein Vertrauen in der Welt.
Zu
Brüdern und Schwestern
habe
ich kein Vertrauen ın der Welt.
25
Zu Weib und Kind
habe
ich kein Vertrauen in der Welt.
Zu
Geißel und Herrschermacht
habe
ich kein Vertrauen in der Welt.
Zu
Burgen und Bauten
30
habe ich kein Vertrauen in der Welt.
Zu
prächtigen Gewändern und schönen Hüllen
habe
ich kein Vertrauen in der Welt.
Zu
Gemachtem und Geschaffenem
habe
ich kein Vertrauen in der Welt.
35
Zur ganzen Welt und ihren Werken
habe
ich kein Vertrauen in der Welt.
Nur
nach meiner Seele gehe ich (suchend) umher,
die
mir Generationen und Welten wert ist.
367,
15-368, 5 Sechzehntes Buch. Sechstes Stück. 391
Ich
ging hin und fand meine Seele;
wozu
sollen mir alle Welten?
Ich
stieg zu den hohen Bergen empor
und
stieg zu den tiefen‘) Tälern hinab.
Ich
ging hin und fand Kustä, 5
[da
freute sich?] mein Herz.
Ich
ging hin und fand sie,
wie
sie am Außenrande der Welten dasteht.
Sie
steht da und drei ....... 5
hält
sie in der Hand. 10
Bmes.....
nahm ich von ihr,
da
wurden meine Augen des Lichtes voll.
Ich
nahm das zweite,
da
machte ich meine Seele hell und klar.
Ich
nahm das dritte, 15
da
stieg ich empor und schaute den Lichtort. —
Gepriesen
seiest du, König des Lichtes,
der
du voll Erbarmens mit uns wurdest. —
Und
gepriesen sei das Leben.
Sechstes
Stück. 20
Belehrung
des Auserwählten, des Gesandten des Lebens, an die Söhne Adams: Nur
fromme
Werke, nicht irdische Güter führen zum Heil.
Der
Auserwählte predigt von jenseits her
und
klärt die Söhne Adams auf.
[368]
Er klärt die Söhne Adams auf, 25
diese
Einfältigen, die nichts erkannt haben.
Er
spricht zu ihnen:
„O
ihr einfältigen Leute,
worauf
bauet ihr euer Vertrauen?
Wenn
ihr am Süf-Meer ankommet, 30
womit
wollet ihr das Süf-Meer überschreiten ?
Wenn
ihr am Finsterberge ankommet,
womit
wollet ihr den Finsterberg überschreiten ?
Wenn
die Zeit eures Aufbruches da ist
und
das Scheiden aus dem Körper kommt, 35
1)
Im Texte steht falsch „hohen“; man hat dafür etwa NANPYON einzusetzen.
®)
Ein Wort unsicherer Bedeutung, vielleicht eine Waffe, siehe Joh. II, p. 19°.
Leid.
hat
DIOIONW.
tIJ
in
30
392
holung
aus der vorhergehenden Zeile.
Rechter
Teil.
was
wird eure Zehrung,
was
eure Wegzehrung sein?“
Darauf
erwidern sie ihm:
„Wohlan,
unser Gold und unser Silber
ist
unsere Wegzehrung.
Wohlan,
unser Gut und unser Geld
ist
uns eine Erlösung ').
Wohlan,
unsere Geißel und unsere Herrschermacht
ist
uns ein Helfer.
Wohlan,
das Gemachte und das Geschaffene
ist
uns eine Stütze auf unserem Wege.“
Der
Auserwählte predigt von jenseits her
und
klärt die Söhne Adams auf.
Er
klärt die Söhne Adams auf,
diese
Einfältigen, die nichts erkannt haben.
Er
spricht zu ihnen:
„Nicht
euer Gold, nicht euer Silber
ist
euch eine Wegzehrung.
Nicht
euer Gut, nicht euer Geld
ist
euch eine Erlösung.
Nicht
eure Geißel, nicht eure Herrschermacht
ist
euch ein Helfer.
Nicht
das Gemachte, nicht das Geschaffene
ist
euch eine Stütze.“
Die
Welten und Generationen versammelten sich dann
und
begaben sich vor den Gesandten des Lebens.
Sie
sprechen zu ihm:
„Bei
deinem Leben, bei deinem Leben, Gesandter des Lebens,
offenbare
uns die Geheimnisse des Weges.“
Da
spricht er zu ihnen:
„Eure
Hände sollen Almosen geben
und
euer Herz im wahren Glauben stehn.
Unterwerfet
euch und verehret den König des Lichtes,
damit
er des Erbarmens mit euch voll werde.
Dies
sei eure Zehrung,
dies
eure Wegzehrung.“ —
Und
gepriesen sei das Leben.
u)
INImyT, das die meisten Handschriften hier noch haben, ist eine irrtümliche
Wieder-
368,
23— 369. 14 Sechzehntes Buch. Achtes Stück. 393
Siebentes
Stück.
Der
Uthra bedauert, die Seele in den Körper geworfen zu haben, und verheißt, dab
die
Stunde der Erlösung für die auf der Erde Beengten kommen werde.
Am
Tore des Hauses des Lebens
verneigte
sich der Uthra, setzte sich hin und predigte.
Er
sprach:
„Da
ich der Oberste unter den Lehrern war,
war
ich den Schriftgelehrten ein rechter Leiter.
[869]
Da ich der Oberste unter den Weisen war,
wer
hat mich betört, so daß ich ein Tor wurde? 10
Wer
hat mich betört, so daß ich ein Tor wurde
und
die Seele in den Körper warf?“
Ferner
sprach er:
„Wann
wird das Maß und die Zahl der Welt voll sein
und
es den Beengten, denen enge ist, weit werden? 18
Es
wird weit werden den Edlen,
die
früher besaßen und nichts mehr haben.
Es
wird weit werden den Edlen,
die
Bedrängnis in der Tibil ertragen.
Sie
ertragen Bedrängnis in der Tibil, - 20
dann
sollen sie aus der Gewalt der Sieben erlöst werden.
Es
wird weit werden den Beengten, denen enge ist,
denn
die Welt hat sie überlistet,
überlistet
die Gottheit in ihr.* —
Gepriesen
seiest du, mein Herr, 25
der
du die Vollkommenen nicht verdammest.
wı
Achtes
Stück.
Die
Bösen versuchen, den herabgekommenen Erlöser zu verführen und abtrünnig zu
machen,
doch ohne Erfolg.
Wer,
wessen Sohn ist dieser, 30
dessen
Art so schön ist?
So
schön ist seine Art,
und
er sieht sich in der Welt vor.
Die
Bösen sprechen von ihm:
„Laßt
uns Begierde gegen ihn loslassen.
Begierde
wollen wir gegen ihn loslassen
und
ihn bei uns in der Welt zurückhalten.
[OR]
Zu
394
Rechter Teil. 369, 14— 370, 4
Er
werde abtrünnig, sein Herz ängstige sich,
und
er vergesse, was sein Herr ihm befohlen.
Er
vergesse die Ruhe,
und
Auflehnung liege auf ihm.
Er
vergesse den sanften Pfad’)
und
komme mit den Sündern’) hinter uns her.“
wı
Ich
stehe mit der Kraft meines Herrn da,
mit
der Lobpreisung des Mannes, meines Schöpfers’).
Ich
hielt fest, mein Herz ängstigte sich nicht,
10
und ich vergaß nicht, was mein Herr mir befohlen.
Ich
vergaß nicht die Ruhe,
und
Auflehnung lag nicht auf mir.
Ich
vergaß nicht die Hymnen und Gebetsordnungen
und
sang keinen nichtigen Gesang.
Ich
vergaß nicht die sanften Pfade
und
ging nicht mit den Sündern hinter ihnen her.
Nein,
ich sang Hymnen
und
stürzte die Bösen dieser Welt nieder.
Ich
sprach zu ihnen:
28
„Wisset ihr nicht, ihr Bösen,
daß
ich in der Welt nicht verdammt werde?
Ich
verehrte und pries meinen Herrn,
der
mir ein Helfer sein wird.* —
[370]
Und gepriesen sei das Leben.
Neuntes
Stück.
16)
U
Gebet
an die Kustä um Beistand hienieden und auf dem Wege zum Jenseits. Hinweis
auf
die Vergänglichkeit alles Irdischen. Steht auch Joh. 178.
Kusta,
dich bezeuge ich
als
ein Mann, der nach Erkenntnis sucht.
30
Zu dir schauen meine Augen empor‘),
Auserwählte
des Lebens, die hierher gegangen ist.
Wohlan,
sage meinem Herzen, daß es ausruhe,
sage
meinem Innern, daß es genese.
Y)
7 nach Leid.
°®)
Wie richtig weiterhin.
S)Siehe
Joh. IE pr 822
*)
Nach Joh.: Zu dir lasse ich meine Augen emporschauen.
370,
4—18 Sechzehntes Buch. Zehntes Stück. 395
Sage
meinen Gedanken,
daß
sie an ihrem Platze fest bleiben.
Sage
dem, der Flüsse überbrücket,
daß
er mir über die Flüsse eine Brücke baue.
Sage
dem Wächter der Meere,
daß
er mir im Meere einen Übergang bewahre.
Sage
dem, der Berge ebnet,
daß
er mir auf den Bergen einen Weg ebne.
Sage
dem Bildner der Bilder und Bildwerke:
auf
dein eigenes Haupt schlägt die Begierde.
Sage
dem körperlichen Baumeister:
führe
eilends deinen Bau auf.
Eilends
führe deinen Bau auf,
denn
gar bald mußt du ihn verlassen.
Die
Welt vergeht,
und
ihre Werke werden verlassen.
Verloren
geht das geliebte Gold,
und
das Silber wird gesucht und nicht gefunden.
Die
Herzen der Freude erblinden '),
und
ihr Gesang geht dahin und wird zu nichte.
Der
König verläßt seine Krone,
und
die Edelleute gehen in die Gefangenschaft.
Die
Vollkommenen steigen zum Licht empor,
doch
die Frevler werden hier zurückgehalten. —
Und
das Leben ist siegreich.
Zehntes
Stück.
Lobpreis
des Lebens. Bitte an das Leben um Gewährung von Kraft, um auf Erden
standzuhalten
und zum Lichtort zu gelangen. Die Bitte wird gewährt.
Von
allen Stimmen, die ich gehöret,
antwortete
mir?) deine Stimme, du Sohn des gewaltigen (Lebens) ‘).
Lieblich
ist die Stimme seines‘) Rufes,
süß
die Stimme seiner Rede.
1)
Siehe p. 60,24: 366,5. Joh. hat MPN) „werden ausgerissen“.
°)
Lies INMY.
3)
Siehe Lit., p. 147f.
*,
D. h. des Lebens. Man sollte erwarten, daß auch die folgenden Verse sich auf
den
Sohn
des Lebens beziehen, aber diese Beziehung ist nicht möglich.
10
[07
Er
30
Io
ws
u
396
Rechter
Teil. 370, 19—371, 16
Wundersam
ist der Ort, an dem es thronet,
unbegrenzt
sein Lobpreis'‘).
leuchtend
und groß ist es in seinen Ordnungen
und
tut alles, was es wünschet.
Wie
ich an meinem Orte stehe,
sprach
ich eine große Bitte aus.
Ich
sprach:
„Wer
mag mir von seiner hohen Kraft gewähren,
daß
sie mir in den Zeitaltern eine Stütze sei?
Wer
mag mir von seiner sanften Herrschermacht gewähren
und
mir in allen Zeitaltern (in wunderbarer Weise) dienen’)?
Wer
mag meinen Mund gleich der Mündung [371] des Fras-Zıwä
und
meine Lippen gleich seinen beiden Ufern machen? [öffnen
Gleich
dem Wasser, das in ihm läuft,
fülle
er mich mit Gebeten, Hymnen und Gebetsordnungen.
Wer
mag mich zu dem Orte emporbringen, an dem es (das Leben) thront,
der
wundersam, hell, leuchtend und erleuchtet über die Maßen ist?
Wer
mag mich mit seinem (des Lebens) Glanze bekleiden,
wer
mich mit seinem Lichte bedecken?
Wer
mag mich zu ihm emporbringen,
wer
meine Seele in seiner Skins wohnen lassen?“
Wie
ich an meinem Orte stehe,
gewährte
es mir die Bitte, die ich ausgesprochen.
Es
gewährte mir von seiner hohen Kraft,
daß
sie mir in den Zeitaltern eine Stütze sei.
Es
gewährte mir von seiner Herrschermacht,
daß
sie mir in allen Zeitaltern (in wundersamer Weise) diente a)
Es
öffnete meinen Mund gleich der Mündung des Fras-Ziwä
und
machte meine Lippen seinen beiden Ufern gleich.
Gleich
dem Wasser, das in ihm läuft,
füllte
es mich mit Hymnen und Gebetsordnungen.
Es
brachte mich zu sich empor
und
ließ meine Seele in der Skina des Lebens wohnen.
Es
zeigte ihr den Ort, an dem es thronet,
der
wundersam, hell und erleuchtet über die Maßen ist.
Es
bekleidete mich mit seinem Glanze
und
bedeckte mich mit seinem Lichte.
Die
Stätte, an der das große (Leben) thronet,
ist
ein Ort, an dem die Guten ruhen.
!)
Siehe oben, p. 55°.
®)
>NINW ist wohl zu streichen, obwohl es auch weiterhin steht.
3)
Statt on MANINT ist wohl InomoF zu lesen.
ü
371,
16—19 Sechzehntes Buch. Elftes Stück. 397
Die
Stätte, an der das große (Leben) thronet,
ist
ohne Mangel und Fehl.
Es
ist ein Ort, dessen Sonne nicht untergeht
und
dessen Lichtlampen nicht dunkel werden‘). —
Und
das Leben ist siegreich.
Elftes
Stück.
Das
Stück fehlt in den Pariser Handschriften; es ist hier nach Cod. Leid. gegeben.
—
Mandä
dHaije ruft mahnend die Auserwählten, die jedoch seinen Ruf nicht hören wollen.
Ihzle\opie)
Amn2b DOWN NDR MM22 NooR MI22 DOWRPT NTT NTINDT SON?
wT
aınp Sy win RITNDD RT INON NITTND a Ban Ana NIRPD
NANTIY
NIT ORDNTIY NPIND re ya NINPON MIMTPNRD) MP MP san
Sa\ypage
KPTN RN NDINY NTTIR RTIRDT RIND RITINIDIENIPINY NITIR Hanna
ID)
AMD pnD am MOTOR PIWIRD NDOIROYT NONTPRD) MP NOPRMD 8027
sans
Ann NPD REWIIT RIN2T SIND TUD RI Nr Ra NT NDR
Nam
oin D NT IND Fand RIND“
Der
Ruf Manda dHaije’s ist es,
der
am Außenrande der Welten steht’).
Am
Außenrande der Welten steht er
und
ruft nach seinen Auserwählten.
Nach
seinen Auserwählten ruft er
und
nimmt’) Zeugen gegen sie.
Er
spricht:
„Leben,
sei mir Zeuge
gegen
die Gerufenen‘), die ich aus der Tibil rief.
Ich
rief sie, befahl ihnen und wollte sie herausholen,
doch
sie tun nicht, [was ich ihnen befohlen]°).
Sie
verlassen die Werke des Lebens
und
üben die Werke der Tibil.
Sie
verlassen den Willen des Lebens
und
üben den Willen der Körper.
Sie
verlassen Lohnzahlung und Almosenspende
und
straucheln über die Anstöße der Bösen.
1)
Siehe Joh. II, p. 51 ob.
2)
Siehe oben, p. 391, 8.
»),
Vielleicht ist MUND) zu lesen.
#
K19D Sy zu lesen? Unsicher.
2)
Hinter NITIRD ist wohl MINTPRDT zu lesen. Dieses steckt vielleicht im vorher-
gehenden
NINPEN.
vi
[6)
[@)
vi
[e$)}
°
398
Rechter Teil.
Ich
rief sie und befahl ihnen:
Tuet,
was euer Herr euch befohlen.
Verrichtet
') das Gebet und bereitet das Pihtä
und
verehret und preiset das gewaltige Leben.
Das
gewaltige Leben verehret und preiset,
damit
ihr auf dem Pfade der Kustä emporsteiget
und
den Ort schauet, den unbegrenzten.“ —
Und
gepriesen sei das Leben.
t)
Lies PI TION.
Siebzehntes
Buch.
Erstes
Stück.
Ein
Stück bunten Inhaltes. Ein höheres Wesen spricht von der Stellung. die es jen-
seits
einnimmt, und von der Belehrung und Erleuchtung, die es unter den Skinäs und
Uthras
ausübt.
Glanzwesen und. Weinstöcke werden geschaffen, und von diesen sondern sich Aus-
;
erwählte
aus, die über die Lichterde aufgeklärt werden. Nach einem jetzt nicht am
richtigen
Platze
stehenden Stücke sollen auch die Frommen unter den Söhnen Adams belehrt werden.
Das
Leben fordert Hibil-Ziwä auf, die Auserwählten auf Erden über die verborgenen
Dinge
zu
belehren, namentlich über die Wolken, die den hehren Wesen als Sitz dienen. Es
folgt
eine
Aufzählung der von oben her stammenden Gebete, die hier zurückgelassen, d. h.
den ıo
Gläubigen
nicht entzogen wurden. In dem Stücke wird als höchstes Wesen vorwiegend der
große,
gewaltige Mänä genannt, doch daneben das große Leben und der Herr der Gröbe.
Im
Namen des großen Lebens.
Jenseits,
jenseits stehe ich da
mit
den Worten des großen, gewaltigen Mänä, 15
aus
dem sieben Leuchten entstanden.
Jenseits,
jenseits stehe ich da,
ich
und die Helfer, die mit mir entstanden sind.
Ich
glänze im Gewande des großen (Lebens),
ich
leuchte in der Macht des gewaltigen (Lebens) '). 20
Jenseits,
jenseits stehe ich da,
ich
und die Wolke”), die mit mir entstanden ist.
Jenseits,
jenseits stehe ich da,
in
der verborgenen Säule, die im bereiten®) Äther aufgerichtet
Ich
leuchte durch geheime Reden, list. 25
ich
spreche‘) in trefflichen Gebetsordnungen.
1)
Leid. hat NIINY77. ®\ D.h. seine Gattin.
®)
D. h. hehren, jenseitigen, siehe p. 152'.
4)
Oder „ich glänze“ in Parallele zu ..ich leuchte‘? Siehe Joh. II, p. 11f.
5
10
in
20)
400
Rechter
Teil. 372, 21—878, 7
Ich
leuchte durch die geheime Rede,
die
ich mit mir aus dem Lichtort gebracht habe.
Ich
schuf großen Glanz,
zog
sieben Jordane hin und richtete in ihnen Skinäs auf.
Ich
belehrte sie über die Gemeinschaftlichkeit
und
die Kustä, die von jeher war.
Ich
belehrte sie über den Weg,
auf
dem der große, gewaltige Manä emporgestiegen ist.
Mit
meiner Erleuchtung und meiner Lobpreisung
verehren
und preisen die Uthras in vollkommener Weise.
Ich
erleuchtete sie in ihren Skinäs
Als
und
stellte vor ihnen wundersame Leuchten auf.
Adam
geschaffen wurde,
das
Haupt des Zeitalters für seinen ganzen Stamm,
als
Adam, das Haupt des Zeitalters, geschaffen wurde,
wurde
ihm eine Gefährtschaft gebildet.
Sein
Stamm verbreitete sich von ihm,
und
die Gemeinschaft des Lebens wurde mächtig.
Mächtig
wurde des Lebens Gemeinschaft,
die
jeglichen Ortes wundersam, glänzend und leuchtend ist.
Die
Männer von erprobter Gerechtigkeit wurden geschaffen,
an
denen Mischung oder Lüge‘) [373] nicht ist.
Nicht
war Mischung oder Lüge an ihnen,
Sie
Sie
Sie
Sie
Sıe
nicht
war an ihnen ein Gebilde der Finsternis,
nicht
war an ihnen Haß, Eifersucht und Zwietracht.
wurden
ruhige Vollkommene genannt,
die
aus Ruhigen?) hervorgegangen sind.
wurden
mächtig durch ihre geheimen Reden,
und
vor ihnen wurden Hüter geschaffen.
wohnten
da, blühten auf, und wurden mächtig,
und
die Stirnlocken wurden ihnen auf dem Haupte gedreht.
wurden
über den großen Glanz aufgeklärt
und
über das Licht, das am verborgenen Orte lohet.
wurden
über die Kraft und die Festigkeit und über die Erleuchtung
des
Jawar Manda dHaije, der hierher gegangen ist’). [aufgeklärt
")
B hat NI70D7 „der Lüge“. Zu NIINDT siehe Text 259,3, zu NIINDY 310,9.
®)
Wohl NYonD > zu lesen. Der Sinn „plötzlich“, den won > sonst hat, paßt
hier
nicht.
3)
Dieses Stück von den Frommen unter den Söhnen Adams unterbricht den Zusammen-
hang.
Hier wird zunächst von den himmlischen Wesen gesprochen, und der folgende Vers
schließt
sich an Vers 12 an. Es hatte wohl ursprünglich seinen Platz hinter p. 401,12 und
hatte
seine Fortsetzung in dem dort folgenden Stücke.
2
373,
7974, 4 Siebzehntes Buch. Erstes Stück. 401
Wohlan,
es freuten sich die Uthras ihrer Rede,
die
Vollkommenen ihres glänzenden Schatzes.
Am
Tore des Hauses des Lebens
wurde
dem Obersten der Glanzwesen ein Thron aufgestellt ').
Vor
den ruhigen Glanzwesen 5
wurde
ein Jordan in vollkommener Weise hingezogen.
Drei
Skinäs wurden gegründet
und
sieben Weinstöcke geschaffen.
Sieben
Weinstöcke wurden geschaffen,
die
von Jökabar-Ziwä herkamen. 10
Sie
glänzen in ihren Gewändern
und
leuchten im Glanze, der von jenseits herkam.
Glanz,
Licht und Leuchten kamen vom großen, ersten Maänä her,
und
er gewährte allen Welten Kraft.
Die
Auserwählten, die aus allen wohlduftenden Weinstöcken hervor- ı;
sonderten
sich von ihnen ab. [gegangen sind,
Sie
stiegen vor das gewaltige Leben empor,
und
dieses ließ sie in ihren Skinäs wohnen.
Wie
sie in ihren Skmas dasitzen,
wurden
sie über die Erde des Lichtes aufgeklärt. 20
Sie
wurden über die Kraft und die Festigkeit und über die Erleuchtung
des
Jäwar Manda dHaije, der hierher gegangen ist. [aufgeklärt
Das
große Leben hub an
und
redete zu Hibil-Ziwa.
Es
sprach zu ihm: 25
„Gehe,
belehre die Auserwählten,
die
in der wüsten Einöde weilen.
Belehre
sie über die verborgenen Wolken
und
über den Glanz, der an jeglicher Stätte hingezogen wurde.
Belehre
sie über die Zeltdächer 30
und
über die Skinas und Jordane, die jeglichen Ortes geschaffen
Belehre
sie über die großen, inneren, verborgenen Eier’), [wurden.
die
vor dem Herrn der Größe entstanden sind.
Sie
sind [374] vor dem Herrn der Größe entstanden
und
als Uthras°) hierher gegangen. 35
Belehre
sie‘) über Nhür-Haije-Anäna (die Wolke),
in
der der Herr der Größe verborgen sitzt.
Belehre
sie über Kimsath-Anäns,
in
der der kleine Pirün verborgen sitzt.
1)
Siehe oben, p. 94, 23.
2)
Leid. hat N’DYI7.
3)
Man erwartet NIMy 2.
*)
Auch hier und im Folgenden ist TIDWIMEN zu lesen.
Lidzbarski,
Ginza. 96
402
Rechter Teil. 374, 4—375,5
Belehre
sie über die Wolke Jungfrau,
in
der Hibil-Ziwa wohnet.
Sie
sollen über Sahrath ')-Ebdath-Ukisrath-Anana (die Wolke Wachte,
[Machte
und Vollbrachte) belehrt werden,
5
in der der große, gewaltige Mäna und seine Nitufta sitzen.
Sıe
sollen über Jasmus-Anänä belehrt werden,
in
der Sarrath, der große, verborgene, erste Weinstock, verborgen ist.
Sie
sollen über Sidar-Kasia-Anana (die Wolke, die verborgene Gebets-
[ordnung)
belehrt werden,
10
in der der große Jürä, der Schatzmeister, verborgen ist.
Sie
sollen über Tatagmür-Anana belehrt werden,
die
dem erstgeborenen Sohne des Jösamin gegeben wurde.
Sie
sollen über Pihtath-Unihrath (sie öffnete und leuchtete auf) und
Nifgath-men-gau-maijä
(sie ging aus dem Wasser heraus) belehrt werden,
15
die beiden Wolken, die sie Nsab und Anan-Nsab gaben.
Sie
sollen über Bärath (sie leuchtete) und Ethrauribath (sie wurde
[überragend),
die beiden Wolken, belehrt werden,
in
denen Sar und Sarwän wohnen.
Sie
sollen über Nhar (er leuchtete) und Kbar (er wurde groß), die
Be
[beiden Wolken, belehrt werden,
in
denen Silmai und Nidbai wohnen.
Sie
sollen über Kbar-Anänä belehrt werden,
die
seiner reinen Rechten gegeben wurde.
Sie
sollen über die Wolke „der kleine Knabe“) belehrt werden,
25
deren Name Saskel-Anana ist.
Sıe
sollen über Masglel-Anana belehrt werden,
die
geschaffen und Ptahil gegeben wurde.
Sie
sollen über die Mengen, Mengen Gebete belehrt werden,
die
im Sinne der Männer von erprobter Gerechtigkeit [ruhen]. “
30
Von dieser Welt‘) steigt Kraft, Festigkeit und Rede an ihren Ort empor,
und
in der Tibil bleibt nur Trübung zurück.
Von
den Gebeten‘) des Hauses des Ram-Ziwa haben sie elf zurück- ,
gelassen.
Von den Gebeten des Anan, des Mannes Anan, haben sie vierund-
zwanzig
[375] zurückgelassen. Von den Gebeten des Hauses des Jäwar-Ziwä
35
haben sie vierundvierzig zurückgelassen. Von den Gebeten des Jäwar-Ziwä
haben
sie sechsunddreißig zurückgelassen. Von den Gebeten „Das Haupt
der
Kraft und des Wissens“ «x +++. Sie hoben ihr Geheimnis in die Höhe?)
und
die Kraft der ganzen Erde, alles Gemurmel, das die Uthras in dieser
Welt
murmelten.
-
!)
Leid. hat ANYT’W, Sihrath; R 322,3 hat MNINW. siehe auch p. 326, 41.
?)
Wohl „des kleinen Knaben‘, siehe oben, p. 235.
3)
Möglich, daß die Worte NDON INT 730 der Rest eines ausgefallenen Satzes sind.
1)
Das Prosastück schließt sich wohl an Z. 29 an.
5)
Auch Leid. hat NNPDN. siehe auch Text, Z. 9.
375,
5—22 Siebzehntes Buch. Erstes Stück. 403
Von
den Gebeten „Wenn das gewaltige, erste Leben in seiner Skina
sitzt“
haben sie dreißig zurückgelassen. Von den Gebeten „Das große My-
sterium
und der Spruch, die an den Wassersprudeln ruhen“, haben sie (einige)
verdeckt.
Von den Gebeten „Als Hibil-Zıwäa wollte“, „Als er hinging und
zum
Hause des Abathur kam“ haben sie (einige) von der Welt empor- 5
gehoben.
Von den Gebeten „Oben auf dem Äther“) haben sie zwei
zurückgelassen.
Von den Gebeten des Hauses des Bihram haben sie (einige)
abgetrennt
und den Helfern überlassen. Von den Gebeten „Über die
Tannas“°)
haben sie sieben zurückgelassen.
Denn
sie wußten, daß unter den Männern von erprobter Gerechtigkeit
sich
Lüge in der Welt bilden werde’).
Von
diesen trüben Sprößlingen der Finsternis
ist
die Gestalt blind und leuchtet nicht.
Diese
Näsoräer, die eine Weisheit der Lüge aus ihrem Innern hervor-
und
trübe Reden in die Welt [hinaussenden], [holen 15
jene
Näsoräer der Lüge
werden
am großen Tage des Endes ein Ende nehmen.
Ihr
Name wird aus dem Hause des Lebens ausgerottet werden,
und
ihre Augen werden das Licht nicht schauen. —
Das
Leben wird hochgehalten und ist siegreich, 20
und
siegreich ist der Mann, der hierher gegangen ist.
En
o
Zweites
Stück.
Ein
„Wesen“ des Lebens kommt mit reichem Glanz zur Welt und bringt den Gläubigen
geheimes
Wissen und Lehren mit. In loser Anknüpfung an die Nennung Adams wird eine
Rede
Adams angefügt über die Versuchungen, welche Rühä und die Planeten unter die 25
Gläubigen
bringen, und über die Strafen, denen die Abtrünnigen verfallen. Mahnung an die
Gläubigen,
des Tages eingedenk zu sein, an dem sie ausgefragt und zur Rechenschaft gezogen
werden.
Eindringliche Warnung vor der Benutzung farbigen Zeuges. Der Lohn der Frommen.
Im
Namen des großen Lebens.
Gekommen
ist das Wesen‘) des Lebens 30
und
richtete uns die Leuchte des Lebens auf.
2)
Siehe Lit., p. 228, LIX.
2)
by leitet vielleicht nur das Objekt ein, also „Die Tannäs“.
®)
Man hat wohl NW NP A227 zu lesen, und der Vers ist so aufzufassen.
Schwerlich
ist XD’ 0712 zu lesen, so daß dieses Subjekt zu NY wäre NP NW]
steht
parallel NYNUN), und auf sie bezieht sich NITNN won yorn.
4)
SıNYy, Q'NYy findet sich an einigen Stellen als Bezeichnung für höhere Wesen:
Lit.,
p.
134,7; 138, 3; Cod. Par. 15, fol. 28a (Cod. 25, f. 34b, NYDNT NNY). Es soll
wohl heißen
das
wirklich Seiende im Gegensatz zum Vergänglichen, Irdischen. Siehe auch Zeüschr.
für
Semitistik 1 (1922), p. 1.
26*
30
55
404
Rechter
Teil. 375, 22— 376, 14
Es
kam mit reichem Glanz,
wundersam
und endlos.
Es
brachte uns’) geheime Sprüche,
damit
wir‘) durch sie in dieser Welt aufgeklärt werden.
Wir
'sollen durch sie in dieser Welt aufgeklärt werden
und
den Mann, unseren Schöpfer), preisen.
Wir
sollen das große Leben preisen,
denn
das Leben pflanzte uns eine Pflanzung.
Es
pflanzte uns eine Pflanzung des Lebens
[376]
und gewährte uns Helfer.
Es
gewährte uns verborgene Vollkommene,
die
uns von allem Häßlichen befreien.
Es
belehrte uns über die Gebete,
die
Adam in dieser Welt verrichtete.
Es
belehrte uns über den Äther-Weinstock,
über
die Rede des Lichtes, aus der er Erkenntnis holte,
und
über die Gnade°), die Hibil-Ziwä
dem
Adam in dieser Welt brachte.
Adam,
das Haupt des ganzen Stammes, sprach:
„leh
bin Adam,
mir
war Hibil-Ziwa ein Helfer‘).
Hibil
war mir ein Helfer
und
erlöste mich aus der Welt,
von
der Bangigkeit der sieben Sterne,
die
sie gegen die Seelen loslassen,
von
der Verfolgung der zwölf Sterne,
aus
denen jede häßliche Gestalt hervorgegangen ist,
von
der Wut°) und der Glut,
die
sie gegen ihre Körper loslassen.
Sie
verfolgen die Seelen,
die
des Lichtortes wert und würdig sind.
Sie
bringen Leid
über
die wahrhaften, gläubigen Männer.
Sie
bringen Verfolgung und Seufzen
über
die Seelen, die das Leben bezeugen.
Sie
bringen die Nasöräer zum Straucheln,
so
daß sie des Lichtortes unwürdig sind.
')
Lies KON und NIWNIONNT.
®)
Lies INIYN); Leid. hat YNIYN).
»)
Wohl so aufzufassen. „Gewürz“ heißt NMYIND hier kaum, obwohl dieses in den
apokryphen
Adamsgeschichten eine Rolle spielt, siehe besonders die syrische
‚„Schatzhöhle‘,
*)
Siehe Joh. II, p. 60°.
°)
XD scheint hier diesen Sinn zu haben, vgl. Nöld., p. 105,9. Siehe auch oben, p.
2591,
376,
14— 877,8 Siebzehntes Buch. Zweites Stück. 405
Die
Finsternis bedrückt sie,
und
sie straucheln weg vom Lichte.
Vom
Lichte weg straucheln sie,
und
Rüha ruht auf ihnen.
Auf
ihnen ruht Rüha
und
hält sie in den Wohnsitzen der Schwelgerei in Musik gefangen.
Über
diejenigen, die auf Zechgelagen zechen und singen,
wird
schwerer Zorn kommen.
Sie
werden eines zweiten Todes sterben,
und
ihre Augen werden das Licht nicht schauen.
Nicht
werden ihre Augen schauen das Licht,
nicht
werden ihre Füße Festigkeit finden.
Über
denjenigen, der auf ein Lager von Polstern ') tritt,
wird
schwerer Zorn?) kommen.
Wehe
den Näsoräern,
die
die Sieben in dieser Welt zum Straucheln gebracht haben.
Sıe
verfielen in die Trunkenheit der Planeten,
daher
sollen sie ın das verzehrende Meer fallen’).
[In
das verzehrende Meer] sollen sie fallen
und
mit einer Feuergeißel gepeitscht werden.“
Euch
rufe ich zu und erkläre ich,
ihr
Seelen, die ihr das Leben [377] bezeuget:
Bleibet
fest in dieser Welt,
bis
euer Maß‘) voll ist.
Euch
sage und erkläre ich,
ihr
Seelen, die ihr im hinfälligen Hause wohnet:
Wenn
ihr aus eurem Körper scheidet,
welchen
Bescheid werdet ihr dem großen Leben geben?
Was
werdet ihr dem Boten sagen,
der
euch aus der Welt erlöset?
Was
werdet ihr den Wachthäuslern
und
dem Gefangenenaufseher’) sagen, die dort wohnen?
Was
werdet ihr Anös-Uthra sagen,
wenn
ihr vor ihm zur Rechenschaft gezogen werdet?
Was
werdet ihr Abathur-Uthra sagen
über
das Gewand der Finsternis, das ihr in dieser Welt traget,
1)
Leid. hat wie D SYD.
2)
Leid. hat NY.
ö),
Siehe p. 38.4.
%)
Lies NIR9YIT.
5)
Ein Genius der Unterwelt, der auch in Palmyra verehrt wurde und dessen Tempel
in
der Einleitung zu dem dort gefundenen Zolltarif genannt wird, siehe
Siizungsberichte
der
Berliner Akademie 1916, p. 1218.
5
a5
20
25
30
406
Rechter
Teil. 377, 8—878, 3
über
die sieben ..... on
die
aus der Nase Urs, des Herrn der Finsternis, herausgekommen
über
die zwölf farbigen Zeuge, [sind,
die
aus der unteren Finsternis herausgekommen sind?
Meine
Auserwählten! Ich sage euch über die weißen Gewänder.
Wer
in jenem gefärbten Zeug getauft wird’).
Ein
jeder, der darin getauft wird und sich damit bekleidet,
wird
zur Natur des finsteren Ortes hinabstürzen ’).
Wer
sich darin einwickelt und darin schläft,
wird
in der unteren Gehenna lodern.
Wenn
er aus dem Körper scheidet,
wird
er in den Nebelwolken der Finsternis verdeckt werden.
In
den Nebelwolken der Finsternis wird er verdeckt werden
und
wird den Sieben als Anteil anheimfallen.
Ein
jeder, der sich von ihnen freimacht
und
vor ihnen allen auf der Hut ist,
wird
befreit werden von ihrem Schwerte, ihren Schlingen, ihren Banden *)
[und
ihren Ketten,
sowie
vom Schwerte und der Bosheit, die Christus in dieser Welt
Ein
jeder, der sich von ihnen freimacht, [ausgesät hat.
wird
emporsteigen und das gewaltige Leben in seiner Skinä schauen.
Er
wird Säm, den reinen Weinstock, schauen
und
den Baum Astarwän’), aus dem er hervorgegangen ist.
Er
wird Sar, den Weinstock, schauen,
er
wird in seinen Zweigen, Sprossen und Blättern Platz finden.
Er
wird ein Gewand gleich dem Gewande des Bihräm-Uthra tragen
und
emporsteigen und den Lichtort schauen.
Den
Lichtort wırd er schauen,
wird
schauen [378] den lichten Wohnsitz.
Er
wird suchen und finden
für
die Seelen, die im hinfälligen Hause wohnen. —
Du
warst siegreich Mandä dHaije
und
führtest alle deine Freunde zum Siege.
1)
Siehe oben, p. 93°. 2) Die Verse sind lückenhaft.
8)
Leid. hat NPDN), lies NYDW vgl. Text 80, 10.
*)
Siehe oben, p. 104°, 382%. Leid. hat NNPNND), was die Lesung NND) gegen
pymor
BD stützt.
°)
Ein mir sonst unbekannter Baum. Nach ANDREAS ist es wahrscheinlich persisch
„Sternbaum“.
Achtzehntes
Buch.
Eine
Weltgeschichte, freilich eine mandäische. Ptahil schafft Himmel und Erde, alles
auf
der Erde, auch das erste Menschenpaar. Als Weltdauer werden 480000 Jahre
bestimmt.
Die
Zeit wird unter die Planeten und die Tierkreisbilder verteilt. Zahlenangaben über
die
Dauer
der Weltperioden bis zur Sintflut; Noah und die Sintflut. Nach dem Zeitalter
Sems
wird
Jerusalem von Adönai-Jörabbä gegründet. Abraham zieht nach Ägypten, später
verlassen
die
Juden unter Jorabbäs Führung Ägypten, ziehen durch das Meer, dann durch die
Wüste
und
lassen sich in Jerusalem nieder. Vierhundert Jahre hernach wird Jesus geboren.
Auf-
zählung
der altiranischen und sasanidischen Könige. Die Ereignisse in der Welt vom
Jahre
791
bis zum Jahre 803 der Fische und dann noch über das Jahr 850. Auf die
Herrschaft
der
Perser folgt die böse Zeit der Araber. Daran schließen sich noch apokalyptische
Ent-
hüllungen
über die Endzeit.
Dieser
Traktat ist der einzige, dessen Abfassungszeit sich enger begrenzen läßt
Seite
414 wird die Dauer der Araberherrschaft mit 71 Jahren angesetzt, was nach den
ersten
Jahren
des 8. Jahrhunderts nicht gesagt sein kann. Die Annahme einer so kurzen Dauer
des
Araberreiches,
für welche die neben den Zahlen 70 und 72 beliebte Zahl 71 angenommen
wird,
ist aber wahrscheinlicher für die ersten Jahre des Islams, so daß der Traktat
etwa um
die
Mitte des 7. Jahrhunderts redigiert sein dürfte. Der Verfasser hat aber älteres
Material
verwertet.
Die „Könige der Araber‘‘ werden vor dem Sturze der Sasaniden-Herrschaft an-
gesetzt.
Es sind wohl die arabischen Könige von Hira, auf deren Gebiet ein Teil der
Mandäer
wohnte.
Neben den islamischen Herrschern haben ja auch Könige von Babel, mit denen nur
die
Perserkönige gemeint sein können, keinen Platz. Ja die Art, wie stellenweise
von den
Göttern
und Tempeln gesprochen wird, zeigt, daß auch noch Material heidnischer Herkunft
verarbeitet
ist. Der Traktat bedarf für die Einzelheiten einer eingehenden Untersuchung ').
Im
Namen des großen Lebens.
Am
ersten Tage, am ersten Orte, in der ersten Stunde, als <Abathur
und)
°) Ptahil kam, den Himmel ausspannte, die Erde dichtete, das Firmament
ausspannte,
die Meere spaltete, die Berge ausschnitt, die Fische in den
Meeren,
die gefiederten Vögel und das Viehgetier jeglicher Art bildete, Frucht,
1)
Ich habe das Manuskript des Traktates wegen der astrologischen und
apokalyptischen
Partien
an Franz BOLL mit der Bitte gesandt, ihn daraufhin durchzusehen, ob er
Bekanntes
enthielte.
Das Manuskript kam in Heidelberg am Todestage BOLL’s an.
2)
Dies ist eingeschoben; die Verba stehen auch hier und weiterhin im Singular.
5
_
o
mt
5
25
in
-
un
2
°
2
in
30
35
408
Rechter Teil. 378, 32—380, 7
Traube
und Baum als Speise für Adam und als Getränk für Adam, Hawwä
und
seinen ganzen Stamm bildete, wohlriechende Pflanzen, Sämereien,
Blumen,
Blätter und Heilkräuter schuf, alsdann überlegte (Abathur und)
Ptahil,
betrachtete sich, sah seine Gestalt, schuf Adam, den Mann, und schuf
ihm
Hawwä, das Weib, von denen das Geschlecht sich in der Welt ver-
breitete.
Alsdann
wurden Maß und Zahl dieser Welt verliehen. Von dem Tage,
da
Adam geschaffen wurde, bis zum Ende der Welten sind es 480000 Jahre.
Alsdann
wurden Maß und Zahl [379] den sieben Planeten und den
zwölf
Lenkern verliehen. Das Maß wurde in sieben untereinander gleiche
Teile
geteilt, so daß keiner zu viel, keiner zu wenig hat. Einem jeden
Manne
fielen als Anteil zu 68571 Jahre, 5 Monate, 4 Tage, 6‘ Stunde,
4
Sosse und 1'/ Augenblicke. Die 12 Zodiakalzeichen dauern neben den
sieben
Planeten, und die sieben Planeten dauern neben den zwölf Zodiakal-
zeichen.
Dem Maße des Bel entnehmen die zwölf Zodiakalzeichen, wenn dem
Bel
noch 9000 Jahre übrig bleiben. Die zwölf Zodiakalzeichen empfangen
von
ihm, dann dauern sie 9000 Jahre zusammen mit Bel und 69[000 Jahre]
zusammen
mit Nerig. Von diesen 78000 Jahren, die die zwölf Zodiakal-
zeichen
dauern, teilten sie dem Widder 12000 Jahre als Anteil zu‘), dem
Stier
11000 Jahre, den Zwillingen 10000 Jahre, dem Krebs 9000 Jahre, dem
Löwen
8000 Jahre, der Ähre 7000 Jahre, der Wage 6000 Jahre, dem
Skorpion
5000 Jahre, dem Schützen 4000 Jahre, dem Steinbock 3000 Jahre,
dem
Wassermann 2000 Jahre, den Fischen 1000 Jahre.
Alsdann,
von dem Tage, da Adam geschaffen wurde, bis daß die Welt
durch
Schwert und Pest hingerafft wurde*), sind es 216000 Jahre. In den
Jahren
des Sternes Sin (des Mondes) gingen 10000 Jahre von den Jahren
des
Sın hin, bis daß die Welt durch Schwert und Pest hingerafft wurde.
Aus
ihnen wurden zwei Menschen zum Leben erweckt°), ein Mann Namens
Ram
und ein Weib Namens Rüd, von denen die Welt zum Leben erweckt
wurde.
Bis
daß die Welt durch Feuer hingerafft wurde, [380] sind es
156000°)
Jahre. Als 29000 Jahre vom Anteil des Bel dahingegangen waren,
wurde
die Welt durch Feuer hingerafft. Es verzehrte die ganze Welt, es
verzehrte
zwölf ...... °) Staub auf der Erde.
Alsdann
wurden von ihnen zwei Menschen zum Leben erweckt’), ein
Mann
Namens Surbai und ein Weib Namens Sarhabel, von denen die Welt
zum
Leben erweckt wurde. Von dem Tage, da die Welt durch Feuer
hingerafft
wurde, bis daß sie durch Wasser hingerafft wurde, waren es
100000
Jahre.
!)
Siehe p. 138.
?)
Siehe oben, p. 27.
)
Man erwartet „blieben übrig‘, siehe p. 27, 23, 30.
*)
So muß es heißen; der Text hat falsch 150000.
5)
Siehe oben, p. 83°.
“=
380,
8—381, 3 Achtzehntes Buch. 409
Alsdann,
als noch 8000 Jahre von den Jahren [des Nerig]'‘) übrig blieben,
erging
ein Ruf an den Archen-Noah und sprach zu ihm: „Baue eine Arche.“
Alsdann
brachte Noah entsprechend dem Befehle Zimmerleute herbei, fällte
Zedern
vom Amanus’) und weibliche Zedern’) vom Libanon und baute
dreihundert
Jahre lang. Er fügte die Arche zusammen im Längenmaße von
300
Ellen, in der Breite von 50 Ellen, in der Höhe von 30 Ellen. Dann
nahm
Noah von jeder Gattung je zwei, Männlein und Weiblein, und brachte
sie
in die Arche hinauf. Dann kamen durch 42 Tage und 42 Nächte die
oberen
Wasserquellen vom Himmel und die unteren Wasserquellen von der
Erde,
überschwemmten die Berge und überschwemmten die Höhen. Da
wurde
die ganze Welt durch Wasser dahingerafftt.
Die
Arche schwamm auf dem Wasser elf Monate dahin. Nach den
elf
Monaten ward Ruhe, und die Arche senkte sich und blieb auf dem Berge
Qardün‘)
sitzen. Da erkannte Noah in seiner Seele, daß Ruhe in der Welt
war.
Noah sandte dann den Raben aus und sprach zu ihm: „Geh hin,
siehe,
ob Ruhe in der Welt ward.“ Der Rabe ging hin und fand einen
Leichnam.
Er aß von ihm und vergaß was Noah [381] ihm befohlen. Als-
dann
schickte Noah die Taube hinter ihm her und sprach zu ihr: „Geh,
siehe,
ob Ruhe in der Welt ward. Wo ist der Rabe, den ich vor dir aus-
gesandt
habe?“
t,
Dies ist zu ergänzen. Es wird hier eine Reihenfolge der Planeten vorausgesetzt,
wie
sie oben, p. 28, 192; 46, 126 gegeben ist, von der die pp. 115, 124ff., 176,
347 ab-
weichen.
Über die Planetenfolgen bei‘den Babyloniern siehe ZIMMERN in Keilinschriften
und
Altes Testament’, p. 622f. Die Rechnung hier ist folgende: Die erste Periode,
von der
Weltschöpfung
bis zur Katastrophe durch Schwert und Pest, dauerte die Zeit von Sonne,
Venus,
Merkur und 10000 Jahre von der Zeit des Mondes, also 3 >< 68571 + 10000,
das sind
215713
Jahre. Für die zweite Periode bleiben dann noch von der Zeit des Mondes 58571
Jahre,
dazu
kommt die Zeit des Saturn mit 68571 Jahren und 29000 Jahre von der Zeit des
Jupiter,
das
macht 156142 Jahre. Für die dritte Periode bleiben 39571 Jahre des Jupiter,
dazu
kommen
60571 Jahre des Mars, das macht 100142 Jahre. Die Zahlen sind also abgerundet.
Die
oben, p. 27f., 45f. nach Menschenzeitaltern gegebene Dauer der Perioden ist
viel kürzer.
?)
Statt INN lese ich INONT. Die Kenntnis der Zedern des Amanus geht wohl, wenn
auch
indirekt, auf babylonische bzw. assyrische Quellen zurück, in denen öfter von
ihnen die
Rede
ist. Ebenso hat weiterhin das Motiv, daß der von Noah ausgesandte Rabe eine
Leiche
fand,
von ihr aß und deshalb nicht zurückkehrte, das sich im Alten Testament nicht
findet,
letzten
Endes seine Quelle im Gilgames-Epos. Hier heißt es Taf. XI, 155, daß der
ausgesandte
Rabe
„fraß .... nicht umkehrte*., Das Motiv lebte mündlich oder literarisch in
Babylonien
fort
und wurde weiter ausgeschmückt. So ist es denn auch in die vorliegende
Erzählung
gelangt,
wie auch in das syrische, jüdische und arabische Schrifttum (siehe M. GRÜNBAUM,
Neue
Beiträge zur semitischen Sagenkunde, p. 82f.. Nach dem arabischen Targüm bei
LAGARDE,
Materialien zur Kritik und Geschichte des Pentateuchs II, p. 79 findet sich
der
Zug bereits bei Ephräm. Im Bienendbuch des Salomon von Basra (ed. BUDGE, p. 32)
wird
in diesem Zusammenhange auf ein Sprichwort hingewiesen, in dem von Noahs Raben
die
Rede ist; um so leichter konnte sich das Motiv erhalten.
3)
Siehe Joh. II, p. 157%. E
*)
Das Gebirge der Kordyäer (Gebel Güdi) nach Berossus (JOSEPHUS, Arch. I, 93),
dann
von Juden, Christen und Muslims übernommen (Onkelos und PSittä zu Gen. 8,4;
TABARrr,
Annales
1, p. 197).
un
vı
20
2
De]
410
Rechter Teil. 381, 3—382, 11
Da
ging die Taube hin und fand den Raben, wie er über einem
Leichnam
saß und von ihm aß. Sie sah den Ölbaum, der auf dem Berge
Qardün
stand und dessen Blätter aus dem Wasser herausragten. Die Taube
pflückte
von ihm und brachte es Noah, damit er in seiner Seele erkenne, daß
Ruhe
eingetreten sei. Da verfluchte er den Raben und segnete die Taube’).
Alsdann
wurde das Zeitalter dem Sum (Sem), Sohn des Noah, und
seiner
Gattin Nhüraitä°) bewahrt, von denen die Welt wieder erweckt wurde.
Es
vergingen dann 6000 Jahre, und 2000 Jahre blieben übrig. Da über-
legte
Jorabbä, den die Juden Adonai nennen, er, seine Genossin Ruha und
die
sieben Planeten. Sie planten, eine Partei zu gründen. Auf Befehl des
Adonai
bauten sie eine Stadt, die man Ort Jerusalem nennt. Sechzig Meilen
mißt
sie in der Breite. Tausend Jahre sollte sie in Blüte, tausend Jahre in
Verwüstung
dastehn, und die ganze Tibil sollte dann verwüstet werden.
Alsdann
wurde Abraham, der Vater der Juden, geschaffen. Er und
sein
ganzer Stamm zogen°) nach dem Lande der Ägypter, deren König den
Namen
König Pharao führte. Die Juden mußten viel Böses von den Ägyptern
und
König Pharao erdulden‘). Alsdann führte sie Jorabba, Rühä und der
Gott,
den sie verehren, aus dem Lande der Ägypter heraus. Die Juden
beeilten
sich, als ihr Gott sie herausführte, und an einem Tage zogen sie
durch
das Meer°). Er spaltete ihnen [das Meer], und das Wasser des Meeres
erhob
sich zu zwei Wällen, zwei Bergen gleich, so daß alle Juden hindurch-
zogen.
[382] Sie wanderten dann durch die wüste Einöde. Dann zogen
sie
in Jerusalem ein und ließen sich da nieder °%. Dann kam König Pharao
hinter
ihnen her, er und sein ganzes Heer. Siebzig Myriaden ”), 770000
Ägypter
waren mit König Pharao. Er sieht das Meer ohne Schiff, Floß
und
Furt. Dann sieht Pharao einen Weg auf dem Grunde des Meeres,
während
das Wasser des Meeres sich zu zwei Bergen zusammengezogen
hat.
Dann stieg die ganze Phalanx des Königs Pharao hinter den Juden
hinab,
da legte sich das Meer°) um die Phalanx des Königs Pharao. Nur König
Pharao
mit seinen Freunden und Helfern in den Verfehlungen entkamen.
Dann,
bis daß vierhundert Jahre in Jerusalem vergingen, wurde Jesus,
Sohn
der Mirjam, nicht in Jerusalem geboren. Alsdann wurde Jesus, das
‘)
Vgl. GRÜNBAUM, a. a. O., p. 82.
?)
Die Worte sind, wie aus dem folgenden Relativsatz zu ersehen ist, so
aufzufassen,
nicht
„Sohn des Noah und dessen Gattin Nhüraitä“, obwohl oben, p. 46, 4 Nüraitä die
Gattin
Noahs
ist, siehe auch Joh. II, p. 58.
®)
Statt WıN2 muß ein Verb dieses oder ähnlichen Sinnes dagestanden haben.
*)
Statt NMWY2D (auch Leid. so) ist mit CD xNW2 zu lesen und N2WN hat den
gewöhnlichen
Sinn „sie fanden“. NÖLDEKE’s Auffassung Gram., p. 104! ist mir unwahr-
scheinlich.
Ein Verb IWN im Sinne „Klagen“ findet sich im Mandäischen nicht.
°)
Der Text ist hier stark verderbt. Schon Fan NINDN) neben NIN ist auf-
fällig.
Leid. hat TOYanR7T RDÖRD FIRD ]D NTNDN), was nicht besser ist.
‘)
Die letzten beiden Sätze gehören an das Ende dieses Absatzes.
”)
Ist wohl zu streichen, denn es deckt sich mit NVDON NDYDND im Folgenden.
°)
Ich lese mit D NDN). Londd. und Leid. haben NENN NO, Oxf. 891 NDN.
382,
11—384, 4 Achtzehntes Buch. 41
Haupt
der Christen, geboren. Er schuf sich eine Kirche und wählte sich
eine
Gemeinde.
Nun
sage ich, daß für die Könige, die von den Wasserfluten bis jetzt
und
bis daß die Jahre der Könige vollendet werden, (leben), die Jahre, die
ein
jeder König regiert, ausgesprochen sind.
Der
König‘) Arudan Gaimurat war am Anfange aller Könige. Er
regierte
(dauerte) 900 Jahre. Nach ihm war König Zardanaiata Tahmurat.
Er
regierte 600 Jahre. Nach ihm war König Lifrius-Zisag. Er regierte
750
Jahre. Nach jenem König war hundert Jahre lang kein König in der
Welt.
Hernach war Asdahag, Sohn des Asfag, den man König Bahrän
nennt.
Er regierte 300 Jahre. Nach ihm war König Faridün, Sohn des
Tibian.
Er regierte 450 Jahre. Nach ihm war Pasm Nariman, den man
den
Fesseler des Karkum nennt. Er regierte 500 Jahre. Nach ihm war
Fraarase
[383] von Turän. Er regierte 60 Jahre. Nach ihm war König
Kaikobas.
Er regierte 503 Jahre. Nach ihm war Kai-Kosrau, Sohn des
Seiawisan.
Er regierte 60 Jahre. Nach ihm war König Egab°), Sohn des
Königs
Burzin. Er regierte 300 Jahre. Nach ihm war König Lohräsp. Er
regierte
365 Jahre. Nach ihm war König Gustasp, Sohn des Lohräsp. Er
regierte
14 Jahre. Nach ihm war ArdSır, Sohn des Asfindiär. Er regierte
112
Jahre. Nach ihm war Nuraita$ Horizdän, den man König Samidai nennt.
Er
regierte 80 Jahre. Nach ihm war König Asgan. Er regierte 470 Jahre.
Nach
ihm war König DSamsid, den man König Salomon, Sohn des David,
nennt.
Er regierte 1000 Jahre; 900 Jahre auf der Erde und 100 im Himmel’).
Nach
ihm war König Bruq...... ‚ den man Sandar (Alexander) den Griechen
nennt.
Er regierte 14 Jahre. Nach ihm war Asaq, Sohn des Asgan. Er
regierte
465 Jahre. Nach ihm war Alzur und Listar Kosrau und Abas
(Waba3?)
Jasdis Tibian, den man König Ardbän nennt. Er regierte 14 Jahre.
Nach
ihm waren persische Könige‘). Sie regierten 382 Jahre. An der
Spitze
der persischen Könige war Ardsir Pabugän. Er regierte 14 Jahre.
Nach
ihm war König Sabür, Sohn des Königs Ardsır. Er regierte 62 Jahre.
Nach
ihm war König Bala$ Churnig°), Sohn des Königs Sabür. Er regierte
50
Jahre. Nach ihm war König Bahran, [384] Sohn des Königs Sabür. Er
regierte
12 Jahre. Nach ihm war Jazdigar, Sohn des Königs Bahrän. Er
regierte
12 Jahre. Nach ihm war König Sabür, Sohn des Jazdigar. Er
2)
18% ist wohl entstellt; es gehört kaum zum Namen. Auch NA8 D gibt keinen
Sinn.
Zur folgenden Aufzählung der altiranischen Könige, der ältesten, die vorliegt,
siehe
Louis
H. GRAY, Zeitschr. für Assyriologie XIX (1906), p. 272#f.
2)
Leid. hat INDY.
3)
So nach BCD und Leid. (hier xP7)), während A „auf dem Weltmeer“ hat. Vielleicht
spiegelt
sich hier die Legende wieder, daß Salomo vorübergehend durch einen Dämon vom
Throne
verdrängt war und währenddessen in armseligem Zustande in der Ferne umherziehen
mußte,
siehe GRÜNBAUM, a. &. O., p- 221ff., auch hier p. 28,21; 46, 16. Der Dämon
soll
bw
(Asmodaeus, Tobit) gewesen sein; der Name liegt vielleicht im vorhergehenden
Samidai
((NTONW) vor.
*,
Im Folgenden werden die sasanidischen Könige aufgezählt. 5) Leid. hat POT-
-_
o
2
5
20
in
in
25
412
Rechter Teil. 384, 4—385, 13
regierte
10 Jahre. Nach ihm war König Peroz, Sohn des Jazdigar. Er
regierte
40 Jahre. Nach ihm war König Bihdäd. Er regierte 3 Jahre. Nach
ihm
war König Kabad, Sohn des Königs Peröz. Er regierte 41 Jahre. Nach
ihm
war Kosrau, Sohn des Kabad. Er regierte 48 Jahre. Nach ihm war
König
Hormis, Sohn des Kosrau. Er regierte 12 Jahre. Nach ihm war der
König
der Könige Kosrau, Sohn des Kosrau, Sohnes des Hormis. Er regierte
38
Jahre. Im 38sten Jahre zeigte die Sonne Zeichen. Da ging Kosrau,
und
Seroe') trat die Herrschaft an ?).
Also,
von dem Tage, da Jerusalem zerstört wurde, bis daß König
Jazdigar,
Sohn des Bahrän, von den Persern die Herrschaft antrat, vergehen
von
diesem letzten Tausend 594 Jahre’). Von diesem letzten Tausend der
Fische,
wenn die Welt im 701. Jahre der Fische steht, teilt sie. 89 weitere
Jahre
wird sie im Glücke und 210 Jahre im Unglücke dasitzen‘). Über
die(se)
Jahre ist gesagt: Wenn die Welt ım 790. Jahre steht, wird das Wasser
von
jetzt ab ausbleiben, die ganze Welt wird Trockenheit treffen. Die
Götter
und Könige’) werden in (allen) Jahren und Monaten unter der
Menschheit
allerhand Zeichen zeigen. Diesen Ort‘) bis zur ganzen Welt
wird
Trockenheit treffen.
Ferner
ist angezeigt: Wenn die Fische im 791. Jahre stehen, [385] wird
das
Wasser ausbleiben, und Gott wird mit jedem und jeglichem Wind den
Nord(wind)
loslassen.
Wenn
die Fische im 792. Jahre stehen, ist darüber angezeigt, daß die
Araber
sich aus jedem Landbezirk erheben werden, eine schwarze Wolke
aufsteigen
und kommen und dem König von Babel das Vieh entfliehen wird.
Wenn
die Fische im 793. Jahre stehen, ist darüber angezeigt, daß der
König
der Araber sterben wird, die Araber übereinander herfallen und im
Lande
Babel unter Vieh und Menschen eine Verheerung stattfinden wird.
Wenn
die Fische im 794. Jahre stehen, ist darüber angezeigt, daß die
Erde
dreimal am Tage beben, des Nachts einmal in der mittleren Schlafzeit
in
der ganzen Welt ein Licht erscheinen wird, der Stern Bel (Jupiter) mehr
als
die Sonne strahlen, am Himmel strahlen wird.
Wenn
die Welt im 795. Jahre steht, ist darüber angezeigt, daß der Wolf
vom
Lande aufsteigen und kommen‘) und Verheerung unter die Menschen
!)
Londd. und Leid. haben YYW.
®)
Die Regierungsdauer des Serö& wird nicht angegeben, und seine Nachfolger
werden
nicht
genannt. Die Liste scheint daher aus der Zeit des Söröö zu stammen (628).
»)
Jezdegerd II trat 438 die Regierung an. Jerusalem soll am Anfange des letzten
Jahrtausends
zerstört worden sein (siehe auch p. 28,15), danach stimmt die Rechnung nicht.
*,
Unsicher. Vielleicht ist NMWIIN NINMN NMI2NVD zu lesen. Es ist schwerlich
aufzufassen:
,‚89 weitere Jahre wird sie im Glück und im Unglück dasitzen. Über die
(bleibenden)
210 Jahre ist gesagt:‘
°)
Damit sind natürlich keine irdischen Könige, sondern himmlische Wesen gemeint,
siehe
p. 6° zu SIDOND in diesem Sinne, doch hat wahrscheinlich ursprünglich NIINDND
„Engel“
dagestanden. 6) Wohl so; im Texte steht „jenen“.
?)
Leid. hat schlecht N) &PIN ID Ü’NIINT.
385,
14--386, 20 Achtzehntes Buch. 413
loslassen
wird, verschiedene Könige sterben, die Araber in den Jahren jenes
Wolfes
die Herren der ganzen Welt werden. Die Falschheit wird die
Cradheit
.....- '). Im Monat Februar, im Wassermann der Mesenier?), am
Mittwoch
wird die Falschheit die Sonne...... Ferner ist darüber angezeigt,
daß
der König von Babel nach Babel kommen und das Vieh von Babel
nach
Babel kommen werde und in Turän(?) die Barbaren zur Herrschaft
gelangen
werden.
Wenn
die Welt im 796. Jahre steht, ist darüber angezeigt, daß jeglichen
Ortes’)
Wahrzeichen erscheinen, unter den Pferden und Männern der Welt
und
in den Städten Mangel herrschen, das Getreide ziemlich fehlen, Frevel,
Ertrinken(?)
und Hagel kommen, unter den vierfüßigen Tieren und unter
SE
der Blitz Schaden‘) anrichten wird.
Wenn
die Welt im 797. Jahre steht, [386] ist darüber angezeigt, daß
zwei
Herrscher einander verhöhnen werden; mit Rossen und Männern werden
sie
(einander) verhöhnen.
Wenn
die Welt im 798. Jahre steht, ist darüber angezeigt, daß einer
von
den Herrschern sterben und nur einer in der ganzen Welt sein wird.
Wenn
die Welt im 799. Jahre steht, ist darüber angezeigt, daß eine
Stimme
an die Menschen gelangen wird, ..... °) wird an sie kommen.
Wenn
die Welt im 800. Jahre steht, ist darüber angezeigt, daß Pferde
und
Männer in der ganzen Welt, von Groß bis Klein, auf das Feld und an
einen
Ort [kommen werden], daß in der ganzen Welt ..... °%), Alsdann
sucht
sie sie sehr, und weißer Kampf’) wird sein. Im Monat Juni, den
Zwillingen
der Mesenier, am ersten Tage des Monats, in der 2’. Stunde
wird
weißer Kampf sein. Von je 1700 Männern, die hinausziehen, werden
drei
übrig bleiben.
Wenn
die Welt im 802. Jahre steht, ist darüber angezeigt, daß wenige
Männer
für die Frauen da sein werden »x+++x eine Sache wird viel sein.
Es
ist darüber angezeigt, daß sieben Frauen am Gange‘) sitzen und sagen
werden:
Wir warten, bis daß ein Mann in den Straßen vorbeigeht. Sie
werden
am Tore stehen, hinausgehen und einen Mann süchen, ohne ihn
zu
finden. Sie werden dem Manne um den Hals fallen und ihn tausendmal
küssen.
Denn es werden in der Welt wenige Männer zu finden sein.
Ferner
ist darüber angezeigt: Wenn jene Zeit kommt, wird es viel Streit
geben,
und nur wenige Männer werden davonkommen. Sieben, acht Frauen
NEN)
hat sonst die Bedeutung „erreichen‘‘ od. ähnl., siehe Joh. II, p. 148%, doch
paßt
diese hier nicht. Man erwartet eher etwas wie „unterdrücken“.
2)
Der Bewohner der Landschaft Mai$än, Mesene in Südbabylonien, siehe zu dieser
SCHAEDER,
Islam XIV (1924), »p. I11ff. ®) Leid. hat INAN IENND7.
A
NDNT ist hier wie R 389, 16 pers. zijan.
5)
NATION findet sich nur hier und ist unsicheren Sinnes, kaum „Staubgeborene‘.
e)
SMWND ist doch wohl „Schale“. Stand da, daß eine Schaleer... so und so viel
kosten
werde? Dahinter ist eine Lücke, in der das Jahr 801 genannt war.
?)
Es ist mir unklar, was der Ausdruck bedeuten soll.
s)
Unsicher, doch kaum NTNDNYD2 „an der Moschee“.
in
-_
(0)
30
in
30
414
Rechter Teil. 386, 20—387, 20
werden
einem Manne als Anteil zufallen, und der Mann wird sich wegen
der
Frauen Böses anwünschen.
Es
ist angezeigt: wenn die Welt vom 803. Jahre der Fische ausgeht,
so
frage gar nicht nach den Plagen der Welt, (die) von jener Zeit an (sein
werden).
Es ist darüber gesagt, daß, wenn Kewän (Saturn) im Skorpion
steht
und er dann aus dem Skorpion heraustritt und in den Löwen eingeht,
der
große Euphrat sich über den Tigris [387] ergießen wird, das Land
Babel
fünfzig Jahre vor (gegenüber) dem Lande Gaukai ') verwüstet daliegen
werde
und im Lande Gaukai ein Kafız Samen um fünf Statere gesucht
und
nicht gefunden werden wird. Es ist darüber angezeigt, daß ein Lügen-
messias
kommen, Herr über die ganze Welt werden, auf einem großen
Throne
sitzen und auf ihm richten werde, während er die anderen Richter
entfernt.
Vom Osten nach Westen wird er an einem Tage kommen, bis
daß
der Ziegel aus der Wand für ihn zeugt‘).
Wenn
die Welt im 850. Jahre der Fische ist, wird große Pest ein-
treten
').
Alsdann,
nach den persischen Königen, werden arabische Könige sein.
Sie
werden 71 Jahre regieren. In den Jahren jener arabischen Könige wird
die
Welt lügnerisch sein. Die Rosse der Erde, die Kameele, die Freien,
die
Diener und Mägde, die kleinen Knaben und Mädchen, die Frauen und
die
Freien werden keine Festigkeit und Ruhe finden. In den Jahren jener
Könige
wird der Vater über den Sohn, die Mutter über die Tochter keine
Gewalt
haben, der Herr wird über den Diener keine Gewalt haben. Jene
Könige
ziehen den Menschen die Haut ab gleich Gazellen und Wildeseln.
In
den Jahren jener Könige wird, wer viele Söhne hatte, sie bis auf einen
Sohn
[verlieren?]. Dann wünschen sie: Heil dem, der einen Sohn hätte ).
(Gold
und Silber, Pferde und Kameele, Stiere, Esel und Schafe werden in
(beschränkter)
Zahl da sein. Die Fische werden vom Meere auffliegen. Die
')
Ein sehr fruchtbares Gebiet östlich von Tigris in der Gegend von Seleukia.
POGNON
faßt
richtig DNTP in örtlichem Sinne auf (Inser. mandaites, p. 9).
?)
Bis daß selbst die Steine für ihn schreien, siehe zu dieser Stelle POGNoNn, a.
a. O.,
p.
10 und BRANDT, Die Mandäer (1915), p. 12.
®)
Mit der Überschwemmung ist wohl die folgenschwere Überflutung des Euphrats und
des
Tigris gemeint, die kurz vor dem Zusammenbruch des Perserreiches im Winter
627—628
stattfand
und durch die ein großer Teil Babyloniens für die Dauer verwüstet und versumpft
wurde,
vgl. MAS’UDI, Zes prairies d’or I, p. 225; JACUT I, p. 668f. Dazu paßt das
gleich-
zeitige
Auftreten eines Lügenmessias, d. h. des Propheten Mohammed. Freilich paßt dazu
die
Angabe nicht, daß in diesem Jahre Saturn aus dem Krebs (so muß es statt
Skorpion
heißen)
in den Löwen eingegangen sei. Wie Herr Geheimrat MEYERMANN von der Göttinger
Sternwarte
mir mitteilt, fand diese Konstellation im Laufe des 7. Jahrhunderts im März
622,
dann
in den Jahren 651 und 681 statt. Aber mit der Sternkunde des Verfassers war es
an-
scheinend,
wie die Verwechslung zeigt, nicht weit her. Die anschließend, freilich für ein
späteres
Jahr, genannte Pest ist vielleicht die „Pest des Serös“‘ vom Jahre 628, die
jener
Überschwemmung
folgte und nicht minder verhängnisvoll war, vgl. TABARI, Annales I,
p-
1061, 9; JAcUT II, p. 143, 14f.
“)
Leid. hat NIONYINDT, wohl für Fond: „der überhaupt keinen Sohn hatte“,
387,
21— 389, 4 Achtzehntes Buch 415
Wildesel
werden auf den Bergen ..... ') zu ihm kommen. Alles Geschaffene,
überhaupt
jegliches Ding wird verkehrt sein. Der Reiche wird arm, der
Arme
wird reich sein. Die Häuser werden zu ebenen Feldern, die ebenen
Felder
zu Häusern werden. Die Hervorragenden’) werden zu Taubstummen,
die
Taubstummen zu Hervorragenden werden. Der Herr [388] wird zum
Diener,
der Diener zum Edlen werden. ..... ®,, Hinterlist und Täuschung
werden
unter den Menschen herrschen. Die Tempel werden zerstört, die
Gotteshäuser
zerstört werden. Der Himmel [wird sich verdunkeln ?]‘),
die
Gerechten werden zu Betrügern und gierig nach Besitz werden. Eine
Täuschung
wird von der Erde, eine vom Himmel ausgehen. Beide werden
sich
miteinander vermischen und sich über die Menschen legen. Vom
Himmel
wird kein Regen fallen, und die Erde wird keine Früchte zur rechten
Zeit
hervorbringen. Nichts wird zur rechten Zeit geschehen, und Frevei
wird
auf die Erde herabsteigen. Dann wird eine Zeit des Todes, des Siech-
tums
und der Krankheit sein. Feuer wird zu jeder Zeit ausbrechen, und
Schnee
wird in Übermaß fallen. Von einer Stadt zur anderen, von einer
Ortschaft
zur anderen können nicht zwei oder drei zusammen gehen‘). Der
Sohn
bekämpft seinen Vater und treibt ihn bei Lebzeiten aus dem Hause.
Die
Mutter treibt vor der Zeit ihre Tochter heraus und fordert von ihr
tägliche
Gebühr. Die Magier und Schriftgelehrten verdrehen durch Eide
das
Nask®) und das Buch. Bei Nacht ziehen die Diebe aus, machen die
Wege
unsicher und holen den Besitz heraus. Die Fische gehen im Ozean
und
den (sonstigen) Meeren aus. Von Zeit zu Zeit kommt das Meer und
das
Wasser in Menge heran, richtet viel Unheil an und vernichtet Frucht,
Traube
und Baum. Die Ferne wird zur Nähe, die Nähe wird zur Ferne.
Niemand
hält es aufrichtig mit seinen eigenen Leuten, doch mit fremden
verkehrt
man nach Recht. Wohlbestellte Leute stellen sich zum Truge und
zu
trügerischem Zeugnis hin. Eide verlangt man den Leuten ab, wie ein
Hund,
der nach Brot verlangt. Der Freund hält es nicht schön mit seinem
Freunde,
sondern sie gehen in Eifersucht hinter einander her. Betrügerische
Männer
geben leere Worte als Frauengabe, und die Jungfrau wird ihnen
zur
Genossin. [3889] Die Frauen senden nach Männern zum Ehebruch aus,
die
Frauen verlassen ihre Ehegatten und fordern sie vor das Gericht. Die
Menschen
werden betrügerisch und böse und bekämpfen ihren Vater und
ihre
Mutter. Der Bruder verkehrt betrügerisch mit seinem Bruder, der Sohn
ı)
Das dunkle Wort N3I387 findet sich nur an dieser Stelle.
®?\
D. h. die geistig Hervorragenden; hier steht wieder das Wort NYNW’ND, siehe
oben,
p. 215'.
3)
Das Wort NND findet sich nur an dieser Stelle. Es scheint persisch zu sein und
muß
etwas wie „List‘‘ bedeuten.
#)
Vielleicht ist auch 09%) mit D zu streichen; es könnte unter Einfluß der
folgenden
Zeile
hierher geraten sein.
5)
85 nDWw5 wie Text 391, 23.
8)
Londd. und Oxf. haben NPDNN. Dies könnte nach ANDREAS das persische nask
d.
h. „Sammlung heiliger Schriften“ sein, siehe BARTHOLOMAR. Altiran. Wrib., col.
1060.
un
25
wi
20
N
wı
416
Rechter Teil. 389, 4—390, 10
mit
seinem Vater, der Knecht mit seinem Herrn, die Magd mit ihrer Herrin 6);
die
Frau ermordet ihren Gatten und schließt sich einem Andern an. So
wird
denn Lug und Schlechtigkeit unter den Menschen herrschen. Die
Dämonen,
Unholde, Ekurs und Altargeister machen die Menschen stumpf,
so
daß die Menschen der Welt ohne Verstand sind und geschunden werden.
Die
Götter werden über die Menschen erbittert und berauben sie des ihnen
zukommenden
Anteiles°). Gar bald zeigt sich bei ihnen Altersschwäche °) und
ein
versagender Körper, und ihnen wird ein kurzes Maß zuteil. Täuschung
und
Trug verbreiten sich. Ins Gesicht sagen sie sich schöne Worte, und
hinter
dem Rücken sagen sie sich häßliche Worte. Wegen dieser Falsch-
heit,
die sie treiben, findet sich Gerste, Weinertrag und sonst alles in ge-
ringer
Menge. Sie säen reichlich und erreichen wenig. Sie erwerben reichen
Besitz
und werden nicht satt. Wenn sie essen, werden sie nicht satt. Zu
jeder
Zeit trifft sie Unheil und Übel. An Gräsern und Gerste bleibt die
Erde
ohne Wachstum. Frucht, Traube und Baum vertrocknen. Eine lüg-
nerische
Unreinheit «xx xx.
Hernach
erheben sich die Zungen und kämpfen miteinander. Die
Menschen,
die in den Wüsten leben, ziehen gegen die Menschen, die in den
Häusern
wohnen, und nehmen die Städte ein. Die Perser, Parther, Rho-
mäer,
Sigistanier und die sonstigen Zungen kämpfen miteinander. Dann
siegen
die Wüstenbewohner und bringen Elend über die, welche in Häusern
wohnen.
In den 71 Jahren, die sie herrschen +*++++++ und bringen Gutes,
und
Gutes #x+*+++*+ Die Söhne versammeln sich zusammen mit ihren
Eltern,
[390] die Frauen zusammen mit ihren Männern, die Brüder zusammen
mit
ihren Brüdern nach einem Orte. Mit eigener Hand tötet dann einer
den
anderen.
Dann
bleibt das Uferland von Gaukai fünfzig Jahre in Blüte, Her-
nach
wird das Uferland von Babel, indem die Verwüstung dieses Uferlandes
von
Babel eintritt, sich verändern“). Die arabischen Könige von Kardus’°)
empören
sich. Die vier Winde kommen heraus. Der burdäische König
und
der simräische König °) kommen, empören sich gegeneinander und plün-
dern
dieses Uferland von Babel von Westen nach Osten. Von diesem Ufer-
Jande
von Gaukai werden 12000 ausgeplündert ”). Dann bleiben 50 Jahre,
')
Die Herleitung der Worte NAMNNIWN und NMDNT ist unsicher, aber ihr Sinn ergibt
sich
aus dem Zusammenhang. NNINIWN könnte nach ANDREAS aus mittelpers. (h)asäkert
(neupers.
Sägörd) „Lehrling“, dann „Diener“ aramaisiert sein. NMDNY ist vielleicht aus
MNINT
oder NMDN”T verderbt.
®)
Siehe zu xp5Yn Joh. II, p. 1176. ®) Lies KNWNWND?
*)
NINW) wohl = NYNMW. Sollte es „Zeichen“ bedeuten, so müßte hier eine Lücke
sein,
wie R 391, 24.
’)
Hiermit sind schwerlich die Kurden, Kapdoöxoı gemeint,
°)
Ein burdäischer König ist sonst unbekannt. Die Simräer werden L 17,5 zusammen
mit
den Turaniern genannt, siehe Brandt, Schr., p. 218; MARQUART, Eränsahr, p.
26".
°)
Nicht, woran man leicht denkt: werden geraukt, als Gefangene fortgeführt. Vgl.
R
225,20, wo I1 neben NIW steht.
390,
10— 391, 23 Achtzehntes Buch. 417
daß
das Uferland von Gaukai in Blüte steht. Wenn 25 Jahre von den
50
Jahren vergehen, erhebt sich ein Goldberg in Daxt-Misaq '), sieben Land-
striche
und sieben Könige kommen auf ihm zusammen und halten eine Ver-
sammlung
ab. Die Könige erheben sich und ernennen einen König der
Könige.
Sie sprechen zum König der Könige: Wir wollen die Verabredung
treffen,
daß der Große nicht mehr in Ehren stehen soll als der Sklave.
Nachdem
sie die Verabredung getroffen, kam ein König vom Firmament
herunter
und flüsterte dem König der Könige zu. Der König der Könige
sieht
ihn nicht, während alle Leute ihn sehen. Da sprechen sie zum König
der
Könige: „Was hat dieser Mann, der vom Firmament heruntergestiegen
ist
und dir ins Ohr geflüstert hat, dir gesagt?“ Da spricht er zu ihnen:
„Ihr
lüget.* Da sprechen die Könige zum König der Könige: „Dann ist
die
Verabredung, die wir getroffen, Lug.“ Dann sprechen die Könige zum
König
der Könige: „Auf, wir wollen uns ins Gesicht schauen“ ’). Sie
springen
dann auf und fallen übereinander her. Da kommt jener König,
läßt
sein Pferd los, und dieses schreitet [891] über sie bis zum Sattel in
Blut,
und der Wirbel des Blutes gelangt bis an seine Nasenflügel. Einer
ee
den anderen, und jeder einzelne, der übrig bleibt, läuft hinter einem
her,
den er tötet, dabei spricht er zu ihm: „Ich töte, aber warum bleibe
ich
zurück?“ Darauf fassen sich die Frauen beim Saum ihres Gewandes,
suchen
nach dem ..... und Bilde eines Mannes und finden keines. Da
nehmen
sie ihr Gold und Silber und werfen es auf die Misthaufen.
Hernach
kommt der König Mzarz°). Er herrscht 12 Jahre. Er schafft
Vertrauen
zu den Göttern, und Gott ist ihm ein Beistand. Die in den
Wüsten
sitzen, stößt er ab, und die an ihrem Orte sitzen, kommen heran.
Der
Stadt wird Gutes zuteil, und die Menschen gehen in Glück einher.
Hernach
steigt das Wasser aus dem Ozean empor und bringt viel Unheil.
Hernach
tritt etwas Schweres‘) in der Welt ein. Die hervorragenden
Männer
sowie die Taubstummen’) ziehen in den Kampf, und von ihnen bleiben
nur
wenige Menschen vom Kampfe heil.
Hernach
erhebt sich ein anderer König, dessen Name Sargid, Sohn
des
Warzigar, ist. Er regiert sieben Jahre. Dann erhebt sich ein anderer
König,
dessen Name Serasp ist. Er regiert sieben und zwanzig Jahre.
In
den Jahren jener Könige wird den Menschen keine Bosheit anhaften.
Sie
werden keinen Streit erregen, nicht nach Besitz suchen und nicht über-
mäßig
essen. Jeder einzelne wird in seinem eigenen Hause sitzen, und
Streit,
Quälerei und Kampf wird unter ihnen nicht sein. Niemand wird
Täuschung
und Betrug gegen seinen Nächsten ausüben können. Wenn er
2)
Oder Emisag. Der Ort ist sonst unbekannt. MWNT gehört mit zum Namen; das
Appellativ
„Ebene“ ist NNWNT-
2)
Vgl. II Kön. 14,8.
3)
Oder Mzaraz. Dies heißt „Gerüstet“.
*)
Im Texte steht dahinter NINIP „Kampf“, das mir eine Glosse zu sein scheint,
siehe
das Folgende. 5) Siehe oben, p. 415,4.
Lidzbarski,
Ginza. 21
un
-
o
25
30
35
2
un
30
35
418
Rechter Teil. 391, 23—398, 7
Täuschung
ausübt, wird er in Stücke zerrissen. Wenn diese Rede............ ')
und
Zeichen «x+++». [392] Ein leuchtender Stern leuchtet auf, er steigt
bis
zur Erde herunter und bleibt sieben Tage und sieben Nächte.
Nach
ihm erhebt sich der König Wazan. Er regiert fünf Jahre. In
den
Jahren jenes Königs wird alles gut stehn. Die Götter werden geehrt
werden’),
Alle Städte und Gotteshäuser werden in Blüte stehn, die Grad-
heit
wird zur Geltung kommen, und die Menschen werden nicht gierig nach
Geld
sein. In jener Zeit wird in einem Maße Wein soviel Wein sein, daß
dreißig
Menschen sich von ihm satttrinken, und in einem Ardeb von Gersten-
körnern
wird soviel sein, daß fünfzig Menschen sich davon sättigen. Jeg-
liches
Ding wird gut stehn, und für die Menschen wird es kein Maß geben ?).
Dann
wird dieses Zeichen eintreten, daß vom Himmel ein Stern herunter-
stürzt
und in den Ozean fällt. In den sieben Meeren ‘‘) wird rotes Wasser
dahinfließen.
Eine Frau, die von jenem Wasser trinkt, wird unfruchtbar
und
verliert den Verstand. Sie schickt nach Männern aus und spricht zu
ihnen:
„Ihr da, leget euch zu mir.“
Dann
treten andere Zeichen ein. Ein Sturmwind ’°) erhebt sich, mit
ihm
kommt Staub und überdeckt die Pforten der Menschen. Darauf ver-
anstaltet
der König eine Versammlung, fragt die Leute und spricht zu ihnen:
„Habt
ıhr je etwas, wie es jetzt eingetreten ist, gesehen oder gehört ?*
Doch
die Leute wissen nichts, was sie ihm sagen sollen°). Nach ihnen be-
fragt
König Wazan die Geister der Toten, ob es niedergeschrieben sei, daß
dieses
Ereignis am Ende der Welt eintreten solle, das früher niemals ein-
getreten
ist‘). Darauf sprechen zu ihm die Geister der Toten: „Du weißt
nicht,
daß, wenn ein leuchtender Stern vom Himmel herunterstürzt, ein
Sturmwind
sich erhebt, Staub mit ihm kommt und die Häuser der Menschen
überdeckt
— du mußt [393] wissen, daß das Wort, das über das Ende der
Welt
niedergeschrieben ist‘), zur Erfüllung gelangt ist. Doch du, o König,
hast
schön gegen Gott gehandelt, darum brauchst du dich um dieses Wort
nicht
zu kümmern. Ja, wenn du stirbst, werden deine Totengeister sich
so
gut nähren, gleichwie da du am Leben bist.“
Hernach
erhebt sich der König Parasai Sifa, Sohn des Königs Burzan
(Burzin).
Seine Herrschaft dauert bis an das Ende der Welten. In den
Jahren
jenes Königs wird viel Wohlsein und Rechtlichkeit herrschen. Es
wird
keinen Winter geben.
')
„Wird gebildet“, wie Nöld., p. 252,9 annimmt, paßt schlecht.
*)
C hat gut NIPNINM. \
’)
Sie werden keines brauchen, der Überfülle wegen.
‘)
Die es nach verbreiteter Vorstellung gibt, vgl. ZDMG XLVIN (1894), p. 667 unt.
°)
NIND gibt keinen Sinn. Sollte NND zu lesen sein und zu hebr. YyW gehören?
®)
Lies Fby107 nach CD. >
‚)
Ich vermute, daß zu lesen sei: 97 a5 22 NDÖNT RDIT2 NTD PienT
ANIIRD
RONTD DYIP siche weiterhin.
®)
Man hat wohl anmns N2NND zu ergänzen.
393,
7—8394, 14 Achtzehntes Buch. 419
Dann
wird das lebende Wasser abgeschnitten werden, es wird nicht
kommen
und nicht aufsteigen. Grünes Wasser wird aus dem Ozean kommen,
und
die Seelen, die den Duft jenes Wassers einatmen, scheiden aus ihrem
Körper.
Dann
holen sie den Stern Bel aus der Mitte seiner Brüder, bekleiden
ihn
mit dem Gewande des Ptahil und bedecken ihn mit der Hülle des Ptahil,
legen
ihm den Kranz des Ptahil auf das Haupt und setzen ihn auf den Thron
des
Ptahil. Zweiundvierzig Jahre (sitzt er) in der wüsten Einöde. Alsdann
sprechen
sie zu ihm: „Auf, leg ab dein Gewand, deine Hülle und deinen
Kranz.
Sie gehören dem Ptahil, und wir wollen sie emporheben') zum
Glanze
der Sonne, zur Helligkeit des Mondes, zum Schimmer der Sterne,
zur
Kraft des Wassers, zur Kraft des Windes, zum Schein des Feuers und
zur
Dichtigkeit der Erde.“
Darauf
spricht Bel zu ihnen: „Erst gestern abend setzte ich mich auf
diesen
Thron, und (schon) jetzt saget ihr: „Auf, leg ab!“ Dann heben sie
das
Gewand, die Hülle und den Kranz des Ptahil zu ihrem Ort empor.
Alsdann
wird der große, alte Leviathan von seinen Fesseln befreit.
Die
Dicke der Lippe seines Mundes beträgt 144000 Meilen. Er öffnet den
Mund,
verschlingt die Erde Tibil und verschlingt die sieben Planeten mit
ihren
zwölf Königen und fünf Lenkern )), [394] sowie alle Hmurthas, Ekurs
und
Altargeister, die Dämonen, Dews, Liliths und alle Seelen, die im Ge-
richtshofe
schuldig befunden wurden, die das erste Leben verleugneten; sie
werden
in der Finsternis abgeschnitten. Dann preßt er seinen Mund zu-
sammen,
worauf alle in seinem Leibe sterben und sein Gestank von der
Tibil
in die Höhe steigt’).
Alsdann
kommen alle Uthras der Lichterde, stellen sich an den Rand
dieser
Welt und sprechen: „So steige auf der Gestank eines jeden‘), der daran
denkt,
eine Welt zu schaffen gleich dieser Welt, die Ptahil schuf. Hin-
gegen
diese Welt°) soll tausend mal tausend Myriaden Jahre dauern. Diese
Welt
wird Glanz und Licht genannt. Alle Seelen der vortrefflichen Männer,
die
das erste Leben bekannt haben °), werden im Gerichtshof nicht schuldig
befunden
und sterben nicht eines zweiten Todes. Ihre Seelen wohnen hier
im
Leben.“
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden ’), Leben den
Männern,
die uns unterweisen. Das Leben ist siegreich über alle Werke
in
alle Ewigkeit.
1)
So aufzufassen, siehe weiterhin, nicht „denn Ptahil wollen wir emporheben“.
2)
Vgl. p. 13, 27. 3) Siehe p. 189.
%)
Lies XD 127. 5) D. h. die Lichtwelt.
6)
Wohl YNN7 zu lesen, siehe Text Z. 2. ?, Lies INTRO, INIINDS, siehe p. 177, 6.
as
270
in
30
Linker
Teil.
Erstes
Buch.
Während
der rechte Teil des Ginzä vorwiegend einen belehrenden Charakter trägt, sich
mit
kosmogonischen und kosmologischen Dingen befaßt, das Verhältnis der guten und
der
bösen
Mächte zur Welt und zum Menschen zeigen und den Gläubigen über seine Pflichten
belehren
will, handelt der linke Teil fast ausschließlich vom Schicksal der Seele,
besonders
ihrem
Abscheiden. Dieser Teil wurde mit Recht das Totenbuch der Mandäer genannt.
Betrachtungen
über den linken Teil bietet REITZENSTEIN, Das iranische Erlösungsmysterium,
p.
43ff. — Das erste Buch ist, wie vorwiegend der rechte Teil, in Prosa gehalten;
es erzählt
und
ermahnt. Die ersten beiden Stücke schildern Adams Verhalten beim Abscheiden,
sein
Hängen
an der Welt und am Leben, das dritte Hawwäs Klage um den abgeschiedenen
Gatten.
Dem Gläubigen soll die Nichtigkeit und Verwerflichkeit dieses Tuns dargelegt
werden.
Das vierte Stück bietet eine neue Schilderung der Wachthäuser.
Gepriesen
sei mein Herr lauteren Herzens.
Im
Namen des großen, fremden Lebens, des erhabenen, das über allen
Werken
steht, leuchte dein Gewand und werde geehrt deine Gestalt bei
deinem
Vater dort, dem Herrn der Größe‘).
Erstes.
Stück.
Preis
des Lebens, der Frommen und der Brüder Hibil, Sitil und Anös. — Das Leben
beschließt,
den Tod über Adam, der tausend Jahre alt ist, zu verhängen. Es schickt den
Todesengel
Saurel zu ihm, um seine Seele zu holen. Adam weint und jammert und bittet,
daß
statt seiner Sitils Seele geholt werde: erst werde das Grünkorn und dann die
Ähren
gegessen.
Saurel teilt es dem ersten Leben mit, dieses ist damit einverstanden, daß
Sitils
Seele
geholt werde, und sendet Saurel zu ihm. S$itil schickt den Todesengel erst zu
Adam
zurück,
läßt sich aber dann von ihm überreden und streift den Körper ab. Er schaut die
Lichtwelt,
und auf sein Gebet werden auch Adam die Augen und die anderen Sinne geöffnet.
Nun
will auch Adam nach jener Welt gehen, wird jedoch von Sitil abgewiesen. Sitil
wird
dann
in die Höhe gehoben und vom Leben und den Uthras willkommen geheißen.
2)
Sonst sind diese Benediktionen in der ersten Person gehalten. Hier spricht wohl
der
bezahlte Abschreiber zum Auftraggeber.
in
ie
5
25
10
20
=
in
494
Linker Teil 1,5—2.4
Wer
sind die Berge, die nicht wanken,
und
die Wasserhöhen ‘), die sich nicht verändern,
die
nicht bebten, nicht erbebten,
und
deren Körper nicht in seinem Gewande erbebte?
Das
große Leben ist Berge, die nicht wanken,
und
Wasserhöhen, die sich nicht verändern,
das
nicht bebte, nicht erbebte,
und
dessen Körper nicht in seinem Gewande erbebte.
Es
sind unsere Brüder, die reichlich Lohnspende und Almosen dar-
brachten,
die den Bau‘) erleuchteten, die auf der Erde Tibil, die reich an
Anstößen
und durchweg Mangel ist, einhergingen, dabei nicht bebten, nicht
erbebten
und deren Körper nicht in ihrem Gewande vor den Stürmen,
Blitzen
und Wolken erbebte, die nicht vor den Bösen und Zornerregern
der
Tibil zitterten und erzitterten.
Es
sind unsere Brüder Hibil, Sitil und Anos, die Nasoräer, die Voll-
kommenen,
die von erprobter Gerechtigkeit, die Lohnspende und Almosen
nicht
vergaßen‘), die den Bau erleuchteten, die auf der Erde Tibil, die reich
an
Anstößen und durchweg Mangel ist, einhergingen, dabei nicht bebten,
nicht
erbebten und deren Körper nicht in ihrem Gewande vor den Stürmen,
Blitzen
und Wolken erbebte, die nicht vor den Bösen und Zornerregern der
Tibil
zitterten und erzitterten‘).
Das
Leben sann nach und klärte sich auf. Das Leben saß in seinem
eigenen
großen Glanze da und sprach: „Wohlan, wir wollen die Strafe des
Todes
über jene Welt der Bösen und jene Wohnung, die reich an Anstößen
und
durchweg Mangel ist, verhängen. Denn Adam ist jetzt tausend Jahre
alt).
Nun soll man ihn aus dem Körper rufen und holen, bevor er greisen-
haft,
bevor er [2] altersschwach wird, bevor seine kleinen Kinder sich er-
heben
und viele Torheiten an ihm üben.“
Darauf
rief, beauftragte, rüstete°) und sandte das große, erste Leben
den
Löser Saurel—_Qmamir-Ziwä’), der die Geister und Seelen aus dem
')
Mit „Wasser“ ist lebendes Wasser gemeint. Wie es Olivenstäbe und andere Dinge
lebenden
Wassers gibt (siehe p. 79.9; Lit., p. 21"), so gibt es auch Höhen dieser
Art.
®)
D. h. die Welt. 3) Entweder NYWUyNdT oder NY WND3T zu lesen.
*,
Für Hibil, Sitil und Anö$ paßt weder die Bezeichnung ‚‚unsere Brüder“ noch N
äsöräer.
Sie
können neben dem großen Leben genannt sein, aber in diesem Absatz ist wohl, wie
im
vorhergehenden,
von den Frommen die Rede, obwohl es dann eine störende Wiederholung ist.
Es
scheint, daß die Aufzählung ursprünglich anders gruppiert war.
5)
SYehe oben, p. 27, 26. 6) Siehe p. 295t,
”)
Saurel ist der Todesengel, der Löser der Seele vom Körper, und somit der
Erlöser,
siehe
Joh. IH, p. 119°. Wahrscheinlich sekundär ist ihm hier noch Qmamir-Ziwä als
zweites
Wesen
beigefügt. Im Texte steht „der Löser Saurel und Qmamir-Ziwä“. Dieser wird außer
in
einem schlecht passenden Zusammenhange Joh. II, p. 214,13 nur hier genannt. Die
Pronomina
und Verba, die sich auf Saure] beziehen, standen wohl alle ursprünglich im
Singular,
jetzt
stehen sie teilweise im Plural.
2,4—3,19
Erstes Buch. Erstes Stück. 495
Körper
löst und fortführt. „Tod“ wird er in der Welt genannt, doch Kustä
von
den Wissenden, die um ihn wissen. Ein jeder, der den Anstoß begeht,
dem
Tode zu fluchen, häuft vor sich sechsundsechzig Anstöße. Denn er
ist
gerufen, er ist beauftragt, er ist ausgesandt. Er nimmt keine Bestechung
an,
empfängt kein Geschenk und tauscht niemand gegen einen andern ein.
Da
sprach das große Leben zum Löser Saurel—Qmamir-Zıwä: „Steiget
hinab,
gehet zu jener Welt der Bösen und jener Wohnung, die reich an An-
stößen
und durchweg Mangel ist, rufet Adam einen Ruf zu und belehret.
ihn
mit trefflichem Wissen. Sprechet zu ihm: ‚OÖ Adam, erster Mann,
Stummer,
Törichter, Tauber, Verhüllter ')! Auf, verlasse die Tibil, die reich
an
Anstößen und durchweg Mangel ist — denn du bist tausend Jahre alt —,
bevor
du greisenhaft, bevor du altersschwach wirst, bevor deine kleinen
Kinder
sich erheben und viele Torheiten an dir üben.“
Darauf
stieg der Löser Saurel—-Qmamir-Ziwä hinab und kam zu jener
Welt
der Bösen und jener Wohnung, die reich an Anstößen und durchweg
Mangel
ist. Sie riefen Adam einen Ruf zu und belehrten ihn mit trefflichem
Wissen.
Sie sprachen zu ihm: „O Adam, erster Mann, Stummer, Törichter,
Tauber,
Verhüllter! Auf, verlasse die Erde Tibil, die reich an Anstößen
und
durchweg Mangel ist — denn du bist tausend Jahre alt —, bevor du
greisenhaft,
[3] bevor du altersschwach wirst, bevor deine kleinen Kinder
sich
erheben und viele Torheiten an dir üben.“
Da
zürnte Adam, er kleidete sich in Zorn, bekleidete sich mit Zorn
und
hüllte sich in Zorn. (Süßen, nicht) ’) bitteren Speichel spritzte und
warf
er auf die Erde. Er krümmte sich zusammen und dehnte sich nicht),
und
sein Herz füllte sich mit Wehleid. In sein Auge fiel eine Träne, er
schrie
und jammerte, heulte und weinte. Er warf sich hin und streckte sich
auf
den Boden. Er ballte die Fäuste, schlug sie gegen die Vorhöfe seiner
Brust‘)
und rief: „O du Stimme, die du mir zurufest, o du treffliches Wissen,
das
mir gelehrt wurde! Ich bin nun tausend Jahre alt. In dieser Welt, in
der
ich lebe, werden erst die Blütenrispen vor den Datteln gegessen, und
dann
werden die Datteln gegessen. Erst wird das Grünkorn vor den
Ähren
gegessen, und dann werden die Ähren gegessen. Ferner werden in
dieser
Welt, in der ich lebe, erst die zarten Gemüse vor den kräftigen ge-
gessen,
und dann werden die kräftigen gegessen.“ Dann sprach er zu ihnen:
„Laßt
uns zur Mündung des Fras-Ziwä, zum Ufer des großen Jordans des
Lebens
und zum großen Bau unserer Väter emporsteigen und in den Wohn-
sitzen
nachsehen, ob zarte Gemüse zum Essen da sind oder kräftige.*
Darauf
stieg der Löser Saurel—Qmamir-Ziwä empor, trat vor das große,
erste
Leben und sprach zum großen, ersten Leben: „Du weißt und dir ist
1)
Dessen Verstand umschleiert und unklar ist.
2)
Die Worte 852 WDNT sind wohl zu streichen. Daß der Sinn sei „er schluckte den
süßen
Speichel herunter und spritzte bitteren aus“ (NIINDN), ist unwahrscheinlich.
>)
JOrNnyRD ist zu streichen.
#)
Siehe p. 106 ob.
wi
_
oO
20
30
2
2
3
s)
4
°
in
°
wn
[e)
in
°
496
Linker Teil. 3, 19—5, 10
offenbar,
mein Vater; die geheimen Dinge sind vor dir offenbart. Du be-
darfst
keiner Belehrung und brauchst nicht zu fragen. Was Adam betrifft,
so
haben wir mit ihm gesprochen, doch er liebt die Gesellschaft und Lust
jener
Welt und will sie nicht verlassen.“
Da
rief und beauftragte das große, erste Leben den Löser Saurel—
Qmamir-Ziwa
und sprach zu ihm: „Steiget hinab, gehet [4] zu jener Welt
der
Bösen und jener Wohnung, die reich an Anstößen und durchweg Mangel
ist.
Rufet Adam einen Ruf zu und belehret ihn mit trefflichem Wissen.
Sprechet
zu ihm: ‚O Adam! Sollte niemand da sein, der, weiser als du,
dasitzt,
dir gute Lehren beibringt und zu dir spricht: Nein! Steh auf, ver-
lasse
die Erde Tibil, die reich an Anstößen und durchweg Mangel ist, bevor
du
greisenhaft, bevor du altersschwach wirst, bevor deine kleinen Kinder
sich
erheben und viele Torheiten an dir üben?‘ Sprechet zu ihm: ‚O Adam,
auf,
stirb, als ob du nie gewesen, und vergehe, als ob du nie geschaffen
wärest.
Denn deine Seele wird für den Urbehälter (der Seelen), für das
große,
erste Vaterhaus‘) und für die Stätte, an der sie früher weilte, verlangt.“
Darauf
stiegen hinab und kamen der Löser Saurel—Qmamir-Ziwa zu
dieser
Welt der Bösen, dieser Wohnung, die reich an Anstößen und durch-
weg
Mangel ist. Sie riefen Adam einen Ruf zu und belehrten ihn mit treff-
lichem
Wissen. Sie sprachen zu ihm: „O Adam! Sollte niemand da sein,
der,
weiser als du, dasitzt, dir gute Lehren beibringt und zu dir spricht:
Nein!
Steh auf, verlasse die Erde Tibil, die reich an Anstößen und durch-
weg
Mangel ist, bevor du greisenhaft, bevor du altersschwach wirst, be-
vor
deine kleinen Kinder sich erheben und viele Torheiten an dir üben ?*
Ferner
sprachen sie zu ihm: „O Adam, auf, stirb, als ob du nie gewesen,
und
vergehe, als ob du nie geschaffen wärest. Denn deine Seele wird für
den
Urbehälter, für das große, erste Vaterhaus und für die Stätte, an der sie
früher
weilte, verlangt.“
Darauf
sprach er zu ihnen: „O du Rufer, der du mir zuriefest, o du
treffliches
Wissen, das mir gelehrt wurde’)! [5] Ich bin tausend Jahre alt
und
möchte noch weitere tausend Jahre leben. Doch gehet zu meinem
Sohne
Sitil und rufet ihn; er ist es, der für jene Welt gebraucht wird. Er
ist
jünger als ich, zarter als ich. Er ist in dieser Welt achtzig Jahre alt’).
Er
hat noch nicht auf den Saum eines Weibes getreten‘), und ihm wurden
noch
keine großen Früchte zuteil. Er hat noch kein Schwert gezogen und
in
den Wohnsitzen noch kein Blut vergossen. Er ist es, der für jene Welt
gebraucht
wird.“
Da
kam der Löser Saurel—Qmamir-Ziwäa vor das große, erste Leben
und
sprach zu ihm: „Leben, mein Vater! Du weißt und dir ist offenbar;
die
offenbaren und die geheimen Dinge sind vor dir offenbart. Du bedarfst
2)
Vgl. p. 303%. 2) Ich lese nach Text 3,8 NÖWNTDNN.
°)
Zur Lesung und Beziehung von }X7 NDÖND siehe Text Z. 15 und p. 6,12, 15.
*)
NOW bedeutet auch die weibliche Scham, und 727 „treten“ hat auch sonst im
Aramäischen
den Sinn „begatten“.
5,10—7,3
Erstes Buch. Erstes Stück. 4927
keiner
Belehrung. Was Adam betrifft, so sprachen wir mit ihm, und er
schiekte
uns zu seinem Sohne Sitil, indem er sprach: ‚Ich bin tausend Jahre
alt
und möchte noch weitere tausend Jahre leben. Gehet‘, sagte er, ‚zu
meinem
Sohne Sitil, der jünger als ich, zarter als ich ist. Er ist in dieser
Welt
achtzig Jahre alt. Er hat noch nicht auf den Saum eines Weibes ge-
treten,
und ihm wurden noch keine großen Früchte zuteil. Er hat noch
kein
Schwert gezogen und in der Tibil noch kein Blut vergossen. Er ist
es,
der für jene Welt gebraucht wird.“
Darauf
rief, rüstete und sandte das große, erste Leben den Löser
aurel—Qmamir-Ziwä
und sprach zu ihm: „Steiget hinab, gehet zu jener
Welt
der Bösen und jener Wohnung, die reich an Anstößen und durchweg
Mangel
ist. Rufet Sitil, dem Sohne Adams, zu und belehret ıhn mit treff-
lichem
Wissen. Sprechet zu ihm: ‚O Sitil, Sohn Adams, auf, stirb, als ob
du
nie gewesen, und vergehe, als ob du nie geschaffen wärest. [6] Denn
deine
Seele wird für den Urbehälter, [für das große, erste Vaterhaus] und
für
die Stätte, an der sie früher weilte, verlangt.“
Da
stiegen hinab und kamen der Löser Saurel— Qmamir-Ziwa nach
dieser
Welt der Bösen, dieser Wohnung, die reich an Anstößen und durch-
weg
Mangel ist. Sie riefen Sitil, dem Sohne Adams, einen Ruf zu und be-
lehrten
ihn mit trefflichem Wissen. Sie sprachen zu ihm: „oO Sitil, Sohn
Adams!
Auf, stirb, als ob du nie gewesen, und vergehe, als ob du nie ge-
schaffen
wärest. Denn deine Seele wird für den Urbehälter, für das große,
erste
Vaterhaus und für die Stätte, an der sie früher weilte, verlangt.“
Darauf
sprach Sitil, der Sohn Adams: „O du Rufer, der du mir zu-
rufest,
o du treffliches Wissen, das mir offenbart wurde! Ich bin in dieser
Welt
achtzig Jahre alt. Ich habe noch nicht auf den Saum eines Weibes
getreten,
und mir wurden noch keine großen Früchte zuteil. Ich habe noch
kein
Schwert gezogen und in der Tibil noch kein Blut vergossen. Gehet
zu
meinem Vater Adam. Er ist in dieser Welt tausend Jahre alt. (Er
sterbe),
bevor er greisenhaft, bevor er altersschwach wird und bevor seine
kleinen
Kinder sich erheben und viele Torheiten an ihm üben.“
Da
sprachen sie zu ihm: „OÖ Sitil, Sohn Adams! Bevor wir diesen Ruf
dir
zugerufen haben, riefen wir ihn Adam zu und sprachen mit ihm, doch
dein
Vater Adam ') schickte uns zu dir.“
Da
sagte sich Sitil, der Sohn Adams, in seinem Sinne: „Ich fürchte mich :
zu
sagen, daß ich meinen Körper nicht verlassen wolle, sonst zürnt mir noch
das
große Leben am eigenen großen Orte.“
Darauf
erhob sich Sitil, der Sohn Adams, und verrichtete ein großes,
nicht
kleines Gebet. Dann legte er den Rumpf von F leisch und Blut ab
und
legte ein Gewand [7] von Glanz und einen vorzüglichen, reinen Turban
von
Licht an. 990000 Myriaden mal leuchtete sein Licht mehr als das
Licht
der Sonne, und 990000 Myriaden mal war seine Helligkeit heller als
1)
Lies DNIN)
un
[6]
-
in
12
°
19}
ın
30
je}
in
to
wı
vi
428
Linker Teil. 7,38,
die
Helligkeit des Mondes. Tausend mal tausend und zehntausend mal zehn-
tausend
führten ihn an der Rechten und an der Linken. Winde, Winde
holten
Sitil, den Sohn Adams, hin, Stürme, Stürme führten ihn hin, hoben
ıhn
empor und stellten ihn in eine große Lichtwolke’). Er verrichtete ein
Gebet,
das sehr groß, nicht klein war. Sitil, der Sohn Adams, sprach: „An
euch
richte ich eine Bitte, an das erste Leben, das zweite Leben, das dritte
Leben,
an Joöfin-Jofafın, an Säm, den wohlbewahrten Mänä, an den Wein-
stock,
der ganz Leben, und den großen Baum, der ganz Heilungen ist?),
daß
man‘) meinem Vater Adam die Blendung von den Augen, die Stöpsel
aus
den Ohren und das Fleischstück vom Herzen nehme‘), damit er diese
Welt
schaue, zu der ich gehe.“
Da
stieg das Weinen, die Klage und die Unterwürfigkeit des Sitil, des
Sohnes
Adams, vor das große, erste Leben auf, und es nahm (Adam) die
Blendung
von den Augen, die Stöpsel aus den Ohren und das Fleischstück
vom
Herzen. Er schaute jene Welt, die Sitil sah, und sprach zu ihm:
„Mein
Sohn! Komme, komme! Ich will nach jener Welt gehen, nach der
ich
verlangt werde.“ Darauf erwiderte er ihm: „Gehe, Greis, der ohne
Weisheit,
und großer Maribä°), der ohne Verstand ist. Gibt es jemand, der
Speichel
aus dem Munde gespien und ihn wieder verschluckt hätte? Gibt
es
jemand, der aus dem Mutterleib herausgetreten wäre und den man wieder
in
den früheren Ort eingeführt hätte®)? Nein! Wie ich aus dieser Welt vor
den
Jahren scheiden mußte, komme der Fötus aus dem Mutterleibe hin,
gleich
einem Eidotter aussehend, kommen die kleinen °) Kindlein hin, wäh-
rend
ihr Mund ihnen noch voll Milch ist, kommen die verschlossenen Briefe,
die
Jungfrauen, hin, kommen [8] die Bräute hin, während das Öl ihnen noch
vom
Kranze trieft, kommen die Knäblein durch ...... und die Mägdelein,
indem
ihr Mund .......... in dieser Welt‘). Der Hausherr®) hingegen
wird
den Tod wünschen, und dieser wird sich ihm nicht nähern, bis sie ihn
verachten’)
und sich (seiner) schämen. Ein jeder, der sagt, dieses Knäblein
')
Siehe oben, p. 208 ff. ®) Siehe p. 191 ob.; 196, 11.
®)
Oder „sie“. Ein Wechsel in der Person wie sonst nicht selten, siehe p. 141.
*)
Siehe p. 237,11.
°)
Das Wort wird auch Joh. 120,12 verächtlich von einem Greise gebraucht. Es ist
anscheinend
entstellt, siehe Joh. II, p. 117°. °) Vgl: Joh. TE,:p. 1225
?)
Dies muß etwa der Sinn von N'%%) sein, das sich nur noch L 17,19 findet,
®)
Die Schwierigkeit liegt in dem zweimal vorkommenden N. Dieses bedeutet
„Zufall
(der jemand trifft), Unglücksfall“, dann „Auflehnung, Streit“ und findet sich
besonders
in
den Jösamin-Stücken des Johannesbuches (21.6; 26, 11; 29, 11; 34,6), siehe auch
Nöld.,
p-
195 unt. Ich weiß mit diesen Bedeutungen hier nichts anzufangen. Vielleicht ist
9
MNDYD
unter Einwirkung von Text 7,23 hierher geraten.
®)
Der begüterte Grundbesitzer.
10)
NÖLDEKE nimmt für uman, das sich nur in GL findet (hier; Text 44,4; 62,15;
63,9),
die Bedeutung „‚hinwerfen“ an nach by» (Gram., p. 55,2). In 44,4 könnte es
diesen
Sinn
haben, doch paßt er nicht an den anderen Stellen. Da scheint es „verachten“
oder
„verächtlich
machen“ zu bedeuten. Dieser Sinn könnte sich allerdings aus der Bedeutung
„wegwerfen“
entwickelt haben.
8,595
Eıstes Buch. Zweites Stück. 499
bleibe
hier und dieser Alte gehe hin, wird am großen Orte, im Hause der
Großen,
zur Rechenschaft gezogen werden.“
Winde,
Winde holten Sitil, den Sohn Adams, hin, Stürme, Stürme
führten
ihn hin, hoben ihn empor und stellten ihn an das Wachthaus $il-
mais,
des Schatzmeisters, der die Pflöcke des Glanzes in der Hand hält und
die
Schlüssel der Kustä auf beiden Armen trägt. Sie öffneten ihm das Tor
des
Schatzhauses, hoben vor ihm den großen Vorhang der Sicherheit in die
Höhe,
führten ihn ein und zeigten ihm jenen Weinstock, dessen Inneres
Glanz,
dessen Seiten Licht, dessen Fersen Wasser, dessen Zweige Uthras,
lessen
Blätter Leuchten des Lichtes‘), dessen Same der große Behälter der
Seelen
ist. Sie essen, was nicht verwerflich, und trinken, was nicht Wein
ist).
Ajar-Ziwa, der Sohn des großen, ersten Lebens «x»# ++. Sie essen,
und
die Wonnigkeit des Lebens kommt und legt sich über sie. Sie winden
Kränze
der Wonnigkeit und legen sie sich aufs Haupt. Sie laclıen, hüpfen,
frohlocken
und jubeln über die herrliche Pracht. Sie prangen in der Herr-
lichkeit,
die auf ihnen ruht.
Sitil,
der Sohn Adams, sprach: „Auf diesem Wege, Pfad und Aufstieg,
auf
dem ich emporgestiegen bin, sollen auch die wahrhaften, gläubigen,
trefflichen
und vollkommenen Männer emporsteigen und kommen, wenn sie
aus
ihrem Körper scheiden.“
Darauf
reichte das Leben, die Uthras und Könige der Lichterde und
des
lichten Wohnsitzes die Kustä, sie reichten [9] die Hand der Kustä Sitil,
dem
Sohne Adams.
Das
Leben stützte das Leben,
das
Leben fand das Seinige.
Das
Seinige fand das Leben,
und
meine Seele fand, was sie erhoffte‘).
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den
Männern,
die uns unterweisen. Saget: Das Leben steht fest in seiner Skinä,
das
Leben ist siegreich.
Zweites
Stück.
Das
große Leben schiekt einen Boten, um Adam(s Seele) aus dem Körper zu holen
u
oO
u
25
und
von der irdischen Fessel zu befreien. Der Bote komınt zu Adam und fordert ihn
auf,
den
Körper abzustreifen. Adam weint und heult und weist in langer Rede auf seine
Unent-
behrlichkeit
in dieser Welt hin. Der Bote hebt die Schlechtigkeit dieser Welt hervor und
fordert
Adam nochmals auf, diese Welt zu verlassen. Adam schmerzt es, seinen Körper
1)
Siehe Lit., p. 72 unt.
2)
Siehe Joh. II, p. 130, 4.
)
Vgl. Lit., p. 114.
35
wı
20
2
in
30
sb
430
Linker Teil. 9, 6—10, 9
unbewacht
und unversorgt zurückzulassen, und er wünscht ihn mitzunehmen. Wie dies
abgelehnt
wird,
wünscht er, daß Frau und Kind ihn auf dem Wege geleiten. Der Bote weist auf die
Wertlosigkeit
alles irdischen Besitzes und die Schwierigkeit des Weges hin. Adam klagt
wieder,
den Körper verlassen zu müssen, der neben seinen Mängeln auch seine Vorzüge
habe.
Eine
von vier Uthras geleitete Wolke kommt ihm entgegen, und er wird von den Uthras
aufgefordert,
in sie einzusteigen. Noch immer sträubt er sich und bittet wieder, Hawwä
mitnehmen
zu dürfen. Er wird belehrt, daß Hawwä nach ihm aufsteigen werde, dann über-
haupt
sein ganzer Stamm. Die Leiden der Endzeit werden geschildert; danach sollte es
ihm
lieb
sein, die Welt vorher zu verlassen. Adam bittet das Leben, die Welt vor
Verwüstung
zu
bewahren. Das Leben verheißt ihm und seinem Stamme ewiges Heil.
Im
Namen des Lebens.
Als
der Plan vom Hause des großen Lebens ausging, schickte es den
Boten
zu Adam, ihn zu (er)lösen und herauszuholen aus dem Körper, aus
dieser
Welt, aus dem Fußblock, der Fessel, den Stricken und den Schlingen,
ihn
wegzuholen von der Erde, die Ptahil und die sieben Planeten gebaut, in
die
sie ihn dann einführten und ihn darin haben wohnen und sitzen lassen, ihn
zu
erlösen und herauszuholen aus dem schmutzigen, stinkenden, verzehrenden,
verderblichen
Körper, dem reißenden Löwen, dem lodernden, verderblichen
Feuer,
dem zerrinnenden, auseinanderfließenden (Körper), dem Meere, das
nicht
ergründet, und dem Spalte‘), der nicht verstopft werden kann, dem
Drachen,
der die Welt umkreist, dessen Kraft niemand gewachsen ist.
Alsdann
überlegte die Seele im Körper Adams, sie überlegt und fühlt
sich
zu kurz‘), um einen Zoll fühlt sie sich im Körper zu kurz. Die Seele
sitzt
da und spricht mit dem Geist und dem stinkenden Körper’): „Warum
sitzen
wir da, warum liegen wir da, wo wir uns nicht mit Reisezehrung
für
unseren Weg versehen haben? Gar bald mag der (Er)löser zu uns
kommen
und uns aus dieser Welt holen.“
Einmal
sprach die Seele mit dem Geist und dem stinkenden Körper,
doch
der Geist und der stinkende Körper gaben ihr keine Antwort. Während
die
Seele dasteht und mit dem Geist und dem stinkenden Körper spricht,
kam
der Erlöser heran. Heran kam [10] der Erlöser, es langte an der Bote.
Er
kam heran, trat an den Pfühl Adams, an den Pfühl Adams trat er
und
weckte ihn aus dem Schlafe. Er sprach zu ihm: „Steh auf, steh auf,
Adam,
leg ab deinen stinkenden Körper, den Lehmrock, in dem du weiltest.
Leg
ab den körperlichen Rock, den verwesenden Körper, in dem du weiltest.
Leg
ab das körperliche Gewand, in dem du weiltest, und schlag es den
Sieben
und den Zwölf, den Männern, die es geschaffen, um den Kopf. Laß
den
Körper sogleich in der Welt zurück, denn deine Zeit ist gekommen,
dein
Maß ist voll, aus dieser Welt zu scheiden‘). Das Leben hat mich zu
')
Der vom großen Grundwasser zur Oberfläche der Erde führt, siehe auch p. 208°.
°)
Sie fühlt sich im Körper beengt.
?)
Der Mensch besteht aus Seele, Geist und Körper, siehe Bitsep. 12%
*)
Lies Ayn proymb Dibw RbyD..
10,
9—11, 15 Erstes Buch. Zweites Stück. 431
dir
gesandt, denn es verlangt nach dir. Dein Gang sei nach dem Orte des
Lebens,
nach dem Orte, an dem du früher weiltest, nach der Wohnung, in
der
dein Vater sitzet.“
Als
Adam dies hörte, jammerte er über sich und weinte. Er jammerte
und
weinte, und in seinem Auge löste sich eine Träne. Adam öffnete den
Mund
und sprach zu dem Boten, der zu ihm gekommen war: „Vater! Wenn
ich
mit dir komme, wer wird in dieser so weiten Tibil Hüter sein? Wer
wird
diesem meinem Weibe Hawwä Gesellschaft leisten? Wer wird diesen
Pflanzen,
die ich gepflanzet, in den Zeitaltern') eine Stütze sein? Wer
wird
ihnen eine Stütze sein? Wer wird in diesem Hause wohnen, in dem
ich
gewohnet; wer soll darin ..... ?), sein? Wenn die Palme Früchte trägt,
wenn
der Christdorn Blüten trägt, wer wird ihr Hüter sein? Wenn der
Euphrat
und der Tigris herankommen, wer Bol ®, mit der Hand er-
greifen
und das Wasser zu den Pflanzen leiten? Wenn die Gebärerin ge-
bieret,
wer soll ihnen‘) beistehen? Wer soll die Rinder vor den Pflug‘)
spannen
und wer den Samen in die Erde leiten? Wer soll die Klapper in
die
Hand nehmen und den Schafen nach ihrer Hürde und den Antilopen
nach
ihrer Herde zuklappern? Wer soll die Waisen zusammenhalten,
wer
die Taschen der Witwe [11] füllen? Wer soll den Nackten kleiden und
ihm
ein Gewand um den Nacken legen? Wer soll den Gefangenen auslösen,
wer
im Dorfe den Streit schlichten?“
Darauf
erwiderte der Bote des Lebens, der zu Adam gekommen war:
„O
Adam! Steh auf, steig zu deinem Ort empor, zur guten Wohnung, in
der
du früher weiltest, zum Orte, dessen Sonne nicht untergeht und dessen
Liehtlampen
nicht dunkel werden. Nimm das Gewand des Glanzes und bekleide
dieh
damit und hülle dich in teures Licht. Setze dir den Kranz, den Kranz
der
Siege, auf, durch den die Welten leuchten. Binde dir den Gürtel, den
Gürtel
(lebenden) Wassers®), um, in dem man ohne Schmerz und Leid
bleibt.
Setze dich auf deinen Thron des Glanzes, den das Leben dir in voll-
kommener
Art aufgestellt hat. Vergiß das Haus deines Pflegers, in dem
du
täglich, alltäglich Verfolgung ertragen mußtest. Es tue dir nicht leid,
Adam,
um diesen Ort, in dem du weiltest, denn dieser Ort ist öde, und die
ganze
Wohnung liegt in der Wüstenei. Die Werke werden gänzlich ver-
lassen
und kommen nicht wieder zusammen. Die Schlechtigkeit ist groß in
ihr
und der Zorn ausgedehnt in jeglicher Stadt. Die Söhne verleugnen
ihren
Vater, die Töchter verleugnen ihre Mutter. Die Brüder töten einander,
1)
Gerade im linken Teile ist es oft unsicher, ob NN zu NN „Zeitalter“ oder zu
NPINT
„Wohnsitz“ gehört. Ersterer Sinn paßt aber im allgemeinen besser.
%)
97 ist wohl verderbt, es steht aber kaum für NN „wer soll darauf sehen?“
s)
Offenbar ein Gerät zum Bewässern. Die Herkunft des Wortes ist unbekannt, siehe
Joh.
II, p. 48°.
4)
„Ihnen“ wohl nur aus Flüchtigkeit statt „ihr“ (Abm), oder es bezieht sich auf
Mutter
und Kind. 5) Lies NINTNDI oder NIMNNT „das Joch Rinder zusammenspannen“.
6)
Siehe p. 424'.
in
_
5
35
in
39
40
4323
Linker Teil. 11, 16—13, 2
und
die Schwestern essen einander das Fleisch ab. Jeder Mann verläßt sein
Eheweib,
und jedes Weib verläßt seinen Ehemann. Damit keine Schlechtig-
keit
komme und Zorn über die Zeitalter losgelassen werde, damit keine
Waisen,
Witwer und Witwen und Gefangene da seien, stehe du auf, Adam,
und
verlasse diese Welt und den stinkenden Körper.“
Da
öffnete Adam seinen Mund und sprach zum Boten: „Vater! Wenn
ihr
wußtet, daß dem so ist, warum betörtet ihr mich und brachtet mich in
den
stinkenden Körper hinein? Wenn ich jetzt meinen Körper verlasse,
wer
wird ihm ein Hüter sein? Wenn er schläft, wer wird ihn wecken, wer
ihn
aus dem Schlafe rütteln? Wer wird ihm zu essen, wer zu trinken geben,
[12]
und wer wird ihm in den Zeitaltern Gesellschaft leisten? Wenn Donner
und
Blitze über ihn losschlagen, wer wird ihm einen Palast und einen Bau
aufführen,
wer ihm ein Dach herstellen? Kommen nicht Krämpfe *), kommt
nicht
die Sonne und fällt auf ihn? Die Winde fassen Staub und werfen
Erde
auf ihn. Versammeln sich nicht die Vögel und essen von meinem
Körper?
Von meinem Körper essen sie, nisten in meinem Haare und tragen
von
meinem Fleische zu ihrem Nest empor. Sie ziehen mein Gewand ab,
zerreißen
es [und werfen es] auf die Misthaufen. Wer soll mir ein Anblick ®)
sein?
Vater! Wenn du willst, daß ich mit dir komme, komme mein Körper
mit
mir als Geleite. Mein Körper komme mit mir und leiste mir Gesellschaft
auf
meinem Wege. Ich habe nicht Vater und Mutter, die mit mir als Geleite
kommen
sollten. Gold und Silber wird von mir nicht getragen und geleitet
mich
nicht, das ich als Reisezehrung mit mir tragen, und das mit mir als
(Geleite
kommen sollte.“
Darauf
erwiderte der Bote, der zu Adam gekommen war, und sprach:
„Wie
schmerzt es und packt es dich, Adam, um den stinkenden Körper,
in
dem du weiltest! Gibt es einen Körper [im Hause] des Lebens? Ein
Körper
steigt zum Hause des Lebens nicht empor.“ i
Da
erwiderte Adam dem Boten, der zu ihm gekommen war, und sprach:
„Gesandter
des Lebens! Wenn es dir beliebt und gefällt, komme mein
Weib
Hawwä mit mir als Geleite und leiste mir Gesellschaft auf dem Wege.
Meine
Söhne und Töchter mögen mit mir kommen und mir auf dem Wege
Gesellschaft
leisten.“
Als
sein Weib Hawwa diese Äußerung von Adam hörte, schrie sie laut
und
rief. Sie schrie und rief laut, und in ihrem Auge löste sich eine Träne.
Sie
sprach zu ihm: „Ich will mit dir als Geleite mitkommen, Adam, und dir
auf
deinem Wege Gesellschaft leisten.“
Darauf
sprach zu ihm der Bote des Lebens, der zu Adam gekommen
war:
„Im Hause des Lebens gibt es keinen Körper; ein Körper steigt zum
Hause
des Lebens nicht empor. Auf Vater und [13] Mutter, auf Brüder und
Schwestern,
auf Gold und Silber kannst du im Hause des Lebens nicht ver-
')
Hier ist wohl der Sonnenstich gemeint, siehe p. 85%.
2)
Auf den ich meine Blicke richte? Sehr unsicher.
13,
2—14. 10 Erstes Buch. Zweites Stück. 433
trauen.
Dort wird jeder einzelne nur nach seinen Handlungen, nach Lohn-
zahlung
und Almosenspende, dem Zeichen und der Taufe und den Werken,
die
er geübet, geprüft. Wenn sie den Körper verlassen, werden sie an den
Wachthäusern
geprüft. Adam! Wozu sollen dir falsche Brüder, die ein
Ende
nehmen, und falsche Schwestern, die zu nichts taugen? Deine Brüder
sind
Uthras der Kustä, und deine Schwestern sind gläubige Skinas. Täglich,
alltäglich
stehen sie im Hause des Lebens da und verrichten über dich ein
reiches,
langes Gebet. Adam! Wozu soll dir in dieser Welt Gold, das ver-
geht,
wozu soll dir Silber, das sich verfinstert? Der Weg'), den wir zu gehen
haben,
ist weit und endlos. Auf ihm sind keine Meilen abgemessen, keine
Meilensteine
nach dem Maß aufgestellt. Vögte sind an ihm zurückgelassen,
und
Wachthäusler und Zöllner sitzen an ihm. Die Waffe ist geschmiedet
und
bereitgelegt, poliert und bereitgelegt ist das Eisen. Die Kessel brodeln,
die
die Seelen der Bösen bergen. Am Wege ist ein Meer, das ohne Über-
gang
ist. Nein, jeden einzelnen bringen nur Lohnzahlung und Almosen-
spende
heran und bringen ihn hinüber. Nur seine Werke gehen als Führer
vor
ihm einher. Der Weg, den wir zu gehen haben, ist voll Disteln und
Dornen.
Sieben Mauern umgeben ihn, Berge, in die keine Bresche ge-
schlagen
ist. Die Wage sitzt aufgerichtet da, und von tausend wählt sie
eine
Seele aus, die gut und erleuchtet ist.“
Als
Adam dies hörte, jammerte und weinte er über sich, und seine
Trömen
..r.. flossen herunter. Darauf verließ Adam seinen Körper. Er
wandte
sich um und erblickte ihn, da erbebte er. Es dauerte ihn, den
Körper
zu verlassen, und er konnte sich von ihm nicht trennen. Dann trat
er
seine Wanderung durch den Äther an. Adam wandert und zieht dahin
wie
ein Vogel, der noch kein Nest gebauet, nicht gebrütet und noch keine
Jungen
erhalten hat. [14] Adam wandert und zieht dahin wie ein Vogel,
dem
man (soeben) Flügel gebildet hat’). Er fliegt und zieht durch die
Welten
und Äonen dahin und gleicht einem Tier, das von seiner Herde ab-
geschnitten
ist. Er gleicht den vier Winden, und die Stürme trieben ihn
fort”).
Er gleicht einem Löwen, der aus dem Käfig entwichen ist. Br
gleicht
einem Wildschwein‘), das aus dem ..... °%) entwichen ist. Adam
ging
dahin und sprach: „Wehe, wehe, daß meine Brüder mich betörten,
mich
aus ihrer Mitte fortbrachten®) und gewaltsam in den stinkenden Körper
un
Li
5
‚2O
hineinwarfen,
den verderblichen Löwen, den grimmen, grimmigen Löwen. 35
Sie
warfen mich in den Drachen hinein, der die ganze Welt umkreist. Sie
brachten
mich und warfen mich unter die bösen Planeten, die täglich Un-
1)
Siehe Joh. II, p. 180f.
2)
Dies ist wohl der Sinn des Satzes. NY steht mehrmals gerade bei Flügeln: R 339,
1;
L
88,4; 104,4; 111,26, doch siehe auch R 244, 15ff.
8)
Sehr unsicher. Hier ist wohl eine Lücke, und NYYYONY ist vielleicht entstellt.
4)
Lies NININD statt NPIN2.
5)
Offenbar auch ein Wort für Käfig oder Behälter. Es ist vielleicht verderbt
unter
Einwirkung
von NY2UIND „Turban“. ®) Lies YPDN.
Lidzbarski,
Ginza. 28
un
2
in
30
35
40
434
Linker Teil. 14, 11—15, 19
ruhe
erregen. Täglich schmieden sie Waffen gegen mich. Sie bauten für
mich
Götzenschreine aus Lehm, Trugbilder, und täglich, alltäglich schlachten
sie
vor ihnen und [spielen] auf Pauken und Flöten, um mich in ihrer Mitte
zum
Abfall zu bringen. Durch die Kraft des großen Lebens trat ich zu ihnen
und
nahm in ihrer Mitte Platz, doch wurde ich nicht ihr Genosse und
machte
keine Gemeinschaft mit ihnen. Ich wußte, daß ich scheiden werde,
daß
ich allein scheiden, allein meinen Streit schlichten werde. Als meine
Brüder,
dıe Uthras, mich betörten, mich aus meinem Orte entfernten und in
den
stinkenden Körper hineinbrachten, pfui! — da trat ich in ihn nicht ein
und
wohnte in ihm nicht eine Stunde, ohne daß ich auf ıhn mit den Füßen
trat
und ihn den Sieben und Zwölf, den Männern, die ihn geschaffen, ge-
glättet
und hochgemacht haben, an den Kopf schleuderte. Doch wie schön
war
(immerhin) mein Körper, (wie häßlich hingegen die Männer, die ihn
geschaffen
haben,)> wie weise und schön waren die Bildner, die ihn gebildet,
und
die Goldschmiede, die ihn geschmiedet haben!) [15] Gar schön haben
sie
ihm den Kopf gebildet, ihm das Haar geglättet und geschaffen. Sie
glätteten
und schufen ihm das Haar, legten ihm in den Kopf Verstand und
gossen
Weisheit in das Herz. Sie schufen ihm zwei Augen, die bei Tag
und
Nacht leuchten. Sie schufen ihm eine große Pforte, die täglich das
Leben
preist. Sie schufen ihm zwei Hände, die täglich arbeiten, ohne sich.
zu
verzärteln?). Sie schufen ihm zwei Füße, die von Östen bis nach
Westen
wandern. Nun geht die Gestalt, die so schön war, dahin und wird
zu
Staub und Gewürm auf dem Friedhofe. Seine Augen gingen als Stern-
bilder
umher, nun sind sie Finsternis. Verstopft sind die beiden Fenster,
die
täglich die Rede des Lebens hörten‘). Verstopft ist die große Pforte,
die
täglich das Leben pries®). Während die Hände sonst Tag und Nacht
arbeiteten’),
ohne sich zu verzärteln, fürchten sich jetzt die Vögel nicht
vor
meinem Körper. Während die Füße früher Meilen weit hinschritten ’),
laufen
jetzt die Vögel nicht davon. Es dauert mich, ihn zu verlassen, und ich
kann
ihn doch nicht mittragen. Ich sagte mir, wir könnten hingehen, wäh-
rend
ich meinen Körper trage, doch da barsten seine Wände, und er fiel
auseinander.
Darauf schlug ich meinen Körper hin und warf ihn fort, da
ging
er hin und wurde zu Staub und Gewürm. Er ging hin, wurde zu
Staub
und Gewürm, er teilte sich und fiel in jegliche Stadt.“
Am
Tore des Friedhofes *)
kaufen
Brüder einander nicht los.
Wenn
Brüder einander loskauften,
käme
kein Körper zum Friedhof.
Kein
Körper käme zum Friedhof,
nicht
legte die Seele den Körper ab.
2)
In Ar ist vielleicht persisch zer „Gold“ enthalten.
2)
Kann nur zu ‘om „süß, sanft sein“ gehören. Arabisch Aal& „leer, müßig sein“
würde
passen, kommt aber nicht in Betracht.
®)
Im Texte steht das Präsens. *) Ein eingeschobenes Stück in Versen.
15,
19—17,1 Erstes Buch. Zweites Stück. 435
Wenn
der Vater seinen Sohn loskaufte,
gäbe
es keine Kinderlosen‘) in der Tibil.
Wenn
die Söhne ihren Vater loskauften,
gäbe
es keine Waisen in der Tibil.
Wenn
der Mann seine Gattin loskaufte,
gäbe
es keine Witwer in der Tibil.
Wenn
die Frau ihren Gatten loskaufte,
würde
keine Witwe auf den Märkten gerufen werden’).
Darauf
erwiderte und sprach zu ihm der Bote des Lebens, der zu
Adam
gekommen war: „O Adam! [16] Wie schmerzt und packt es dich um
den
stinkenden Körper, in dem du weiltest! Hebe deine Augen empor und
schaue
die Lichtwolke, die dir, Adam, entgegenkommt, die vier Männer,
Söhne
des Lichtes, hinleiten. Tausend mal tausend Meilen zieht die Wolke
dahin,
die dir entgegengekommen ist. In ihr liegen zusammengewickelt Ge-
wänder
des Glanzes und reine Turbane des Lichtes. In ihr liegen prangende
Kränze,
die weit und endlos sind.“
Die
vier Uthras, die Söhne des Lichtes, die zu ihm gekommen waren,
redeten
ihn an und sprachen zu ihm: „Warum weinest du, Adam, und fällt
dir
vom Auge eine Träne herunter?“
Darauf
erwiderte er ihnen: „Ich bin ein Diener ohne Herrn, auf den
der
König erbittert ist.“ Darauf sprachen sie zu ihm: „Du, Adam, bist der
Sohn
des großen Lebens, der Diener des gewaltigen Lebens. Du bist der
Diener
des großen Lebens, so komm denn in Frieden, Erwählter, Reiner,
Sündenloser,
den das Leben sündenlos gemacht hat. Komm, steig empor
und
nimm in der großen Lichtwolke Platz. Deiner gedachte der lichte
Wohnsitz,
deiner gedachten deine Eltern, denn du warst ihr ..... °), und
sie
hoben dich aus der Welt des Ptahil empor, der Welt, die ohne Wert ist.“
Da
öffnete Adam den Mund und sprach zu den Uthras, die zu ihm
gekommen
waren: „Wenn es euch, Uthras, meine Brüder, beliebt, wartet
mir‘)
eine Stunde, nur eine Stunde wartet mir, damit ich nach meinem
Weibe
Hawwä sende, daß sie mit mir als Geleite komme.“
Darauf
erwiderten die Uthras und sprachen zu Adam, dem Haupte
des
ganzen Stammes: „Sei ruhig und schweig, Adam, und die Ruhe der
Guten
umfange dich. Du gehst und steigst zu deinem Ort empor, und dein
Weib
Hawwä wird nach dir emporsteigen. Dein ganzer Stamm wird empor-
steigend
dir nachfolgen. Dann nehmen alle Generationen ein Ende, und
alle
Geschöpfe gehen zu Grunde. Alle Brunnen und Meere trocknen aus,
und
die Flüsse und Bäche versiegen. [17] Die Berge und Anhöhen werden
1)
RUNIINT, NYINNINT muß diesen Sinn haben, doch ist mir die Herkunft des Wortes
unbekannt.
2)
Von Männern, die mit ihnen verkehren wollen? Wiederum die mißliche Zwei-
deutigkeit
von N.
2)
Schwerlich „bei ihnen“; auch „Blätter“ paßt natürlich nicht.
4)
Vgl. Nöld., p. 85.
28*
-_
wi
[97
un
30
35
436
Linker Teil. 17,.1—18, 6
zerstört,
fallen und sinken ein. Babel und Borsip werden verödet und ver-
gehen
und werden als ob sie nie existiert hätten. Das Land der Perser
und
das Land der Rhomäer werden zerstört und werden als ob sie nie exi-
stiert
hätten. Sind und das Inderland fallen übereinander her, und das Ge-
5
biet des Simräerlandes, das Turäerland') und der Eisenberg töten einander.
Sie
sprechen das Urteil über ihre Mörder, und die Erde spricht das Urteil
über
den, der auf ihr das Blut eines Adamssohnes vergossen und Bilder
seinesgleichen
vernichtet hat. Die Vögte, Häscher, Ehebrecher, Diebe,
Fälscher,
Denunzianten, Grenzverschieber, Grenzsteinverrücker, Zauberer,
ıo
Hexen, Pfaffen, Priester, Orakelmänner, Schmäher, Zeichner’), Wahrsager
und
Chaldäer wandern in den Feuerbrand. Wenn die Erde in Trümmer
zerfällt”),
der Himmel ohne Sterne dasteht, Sonne und Mond an ihren Ort
zurückgehen,
die Leuchten an ihren Ort zurückgehen, die vier Winde des
Hauses
an ihren Ort zurückgehen, alle Bösen in die Tiefen der Finsternis
ı;
sinken, dann Heil dir, Adam, daß du auserwählt wurdest und aus der Welt
der
Engel‘) und dem Leid dieser Welt emporstiegest. Es tue dir nicht
leid,
Adam, um diese Welt, die du verlassen hast. Nach dir verlassen sie
die
kleinen Kindlein, wenn sie noch nicht zu Verstand gekommen sind. Es
verlassen
sie die Jünglinge und Mädchen, die Knäblein und Mägdelein, wenn
20
sie noch keine Verlobung gefeiert haben. Es verlassen sie die Bräutigame
und
Bräute, und Staub fällt auf ihren Pfühl‘). Die Nägel ihres Braut-
gemaches
springen heraus, und sie verlassen leer die Welt. Die verheirateten
Männer
und Frauen erwerben Häuser und verlassen sie dann, sie gehen
dahin
und enden im Gefilde der Seol. Die Greise und Hausherren verlangen
25;
[18] nach dem Tode, und er kommt zu ihnen nicht, dann verlassen sie un-
freiwillig‘)
die Welt. Der König läßt seine Krone im Stich, die Edlen lassen
ihre
Pracht im Stich. Den Frauen geht ihre Schönheit, den Edelfrauen ihr
Reiz
verloren, und sie schreiten barfuß zum Friedhof. Du, Adam, steig
empor
und trage deine Rechtssache “dem Lichtkönig und) dem großen,
30
ersten Leben vor, die Rechtssache betreffend die Welt, in der du weiltest.
')
Sind ist das Gebiet des Indus, zu den anderen Namen siehe p. 416 unt.
®)
Zu magischen Zwecken. ®) Siehe p. 203, 3. *) Siehe p. 4, 20,
5)
Dies dürfte ungefähr der Sinn von Nam sein. In einem Hochzeitsliede Cod. Paris.
25,
f.15b; Cod. 15, f.11b heißt es:
FOND
NIDNT NUNIN) sm AD212H STD
RT
RPIN INTND NYTNT KDD m
N
NP NION NYTTT RINDND
„Polster
sind für den Bräutigam hingebreitet,
Becken
mit Wein für ihn gemischt.
Der
Pfühl des Bräutigams
war
der Amboß der Erde.
Das
Kissen des Bräutigams
waren
die Zisternen des Himmels.“
Das
Lied knüpft an kosmologische Vorstellungen an (zu N711977 81211 vgl. R 354,
9,21; 355, 1),
doch
kommt Unsinn heraus. Siehe auch Lit., p. XI.
®)
Eigentlich: ohne ihren Beschluß.
18,
6—19, 15 Erstes Buch. Zweites Stück. 437
Sprich
zum großen Leben: „Warum hast du diese Welt geschaffen, warum
hast
du die Stämme weg aus deiner Mitte hinbefohlen, warum hast du in
die
Tibil Streit geworfen? Warum verlangest du nun nach mir und meinem
ganzen
Stamme? Warum hast du die ganze Welt in die Einöde gebracht,
während
kein Hüter für sie da war, während die Sieben und Zwölf in ihrer
eigenen
Welt die Herrschaft über die Menschen ausüben und meine Stämme
dauernd
der Verfolgung ausgesetzt sind? Wohlan, wenn es dir, großes
(Leben),
lieb ist und es dir gefällt, werde jene Welt nicht verwüstet, (son-
dern
leuchte,) meine Stämme von ihr nicht abgeschnitten, und dein Name,
gewaltiges,
erstes Leben, weiche von dort nicht. Diese Skinäs, die Hibil-
Ziwä
gegründet hat, sollen nicht verwüstet, der Jordan von dort nicht weg-
genommen
werden und die Planeten, Rüha und Christus nicht die Herr-
schaft
über sie ausüben.“
Darauf
sprach das große, erste Leben zu Adam, dem Haupte des
ganzen
Stammes: „O Adam! Bleib ruhig in deiner Erleuchtung, und die
Ruhe
der Guten umfange dich. Hibil-Ziwa ist hier, deine Brüder, die
Uthras,
sind hier, der ganze Jordan ist hier. Du, Adam, sollst hier wohnen,
dein
Weib Hawwä wird hierher kommen, ‘und dein ganzer Stamm wird nach
dir
emporsteigen. Dies ist die Skina, die für dich, Adam, und dein Weib
Hawwäa
vor dem [19] gewaltigen, ersten Leben gegründet ist, bis zum Tage,
dem
Gerichtstage, bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung, bis zum großen
Tage
der Auferstehung. Dann stehest du, Adam, und alle deine Stämme
auf
und gehest nach deiner eigenen Erde’). So beruhige denn deinen Sinn
und
laß dein Herz auf seiner Stütze sitzen.“
Und
das Leben ist siegreich.
Dieses
Buch „Als das Maß Adams voll war und seine Rechnungen sich
in
den Zeitaltern vor ihm auflösten“ trägt Manda dHaije vor und erklärt 2):
Er
spricht: „Der Verdammung verfällt ein jeder, der, wenn er seinen Körper
und
die Welt verläßt, in der er war, nach Gesellschaft verlangt, Gold und
Silber
liebt, sagt, was er nicht sieht, und erzählt, was er nicht hört, Brüder
entzweit
und Söhne von den Eltern trennt, leiht und Zinsen nimmt,
kleines
.....”) verzehrt, Grenzen verschiebt, Grenzsteine verrückt und sonst
häßliche
Handlungen verübt, diesen wird Mandä dHaije verfluchen, er wird
den
Weg, den Adam, das Haupt des Zeitalters, gegangen ist, nicht gehen,
1)
Dieser Satz ist nach den vorhergehenden Äußerungen sinnlos; sie sollen in der
oberen
Skinä ihren dauernden Sitz erhalten.
®)
Es ist ein Nachwort zum zweiten Stücke. Die einführenden Worte entsprechen zwar
dem
Anfange des dritten Stückes, aber das Zitat beruht auf einem Irrtum, oder der
Vers hat
ursprünglich
auch an der Spitze des zweiten Stückes gestanden, siehe auch p. 183, 25. Die
Bemerkung
enthält ja eine Warnung vor dem Hängen an der Welt und ihrem Besitz, was
zum
zweiten, nicht zum dritten Stücke paßt. Eine entsprechende auf das dritte Stück
be-
zügliche
Bemerkung steht am Ende dieses Stückes.
2),
Weder NYY’D noch NIYYD (siehe p. 1043, 382°) paßt.
{0}
1
De
5
30
in
20
w
ın
30
35
438
Linker Teil. 19, 15—20, 12
er
wird nicht emporsteigen und den Lichtort schauen, wenn die guten Seelen
zum
Hause des Lebens emporsteigen, sondern er wird vom großen Lichtort
und
vom lichten Wohnsitz umkehren müssen.“
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den
Männern,
die uns unterweisen. Das Leben steht fest in seiner Skina, das
Leben
ist siegreich über alle Werke.
Drittes
Stück.
Das
Stück wendet sich gegen die Totenklage und knüpft an Hawwäs Verhalten nach
Adams
Tode an. Auf Rühäs Überredung erhebt Hawwä Klage um Adam. Hibil-Ziwä wird
vom
Leben gesandt, um sie zu trösten und zu veranlassen, daß sie sich der Klage
enthalte.
Hawwä
folgt seinem Zureden. Darauf verschwören sich Rühä und die Planeten, sie wieder
zur
Totenklage zurückzuführen. Hibil-Ziwä teilt dem Leben den Erfolg seines Schrittes
mit
und
daß Hawwä sich nach dem Lichtorte, dem Sitze Mandä dHaije's, sehne. Da die
Planeten
sie
bedrücken, wendet sie sich an Mandä dHaije um Hilfe. Er kommt, um sie aus dem
Körper
zu
holen. Rühä sucht sie auf der Erde zurückzuhalten. Da erscheint Hibil-Ziwä und
holt
sie
aus dem Körper. Wir haben hier einen Wechsel zwischen Hibil-Ziwä und Mandä
dHaije,
wie
sonst oft. Hibil ermahnt die Kinder Adams. wo ihre Hüter von ihnen geschieden
sind,
selbst
auf sich achtzugeben, und verheißt auch ihnen die Erlösung. Er holt den kleinen
Sitil
in die Höhe. Das Stück schließt mit einer Mahnung Mandä dHaije’s gegen die
Totenklage.
Im
Namen des großen Lebens.
Dies
ist das Mysterium, das Buch, die Belehrungen, die Überredung
und
die Aufklärung’), die Manda dHaije lehrte und den Männern von er-
probter
Gerechtigkeit mitteilte.
Als
das Maß Adams voll war und er seinen Körper [20] verließ, und
sein
Weib Hawwä sich der Klage, dem Jammern und dem Schmerze hin-
gab,
als sie sich dem lange, kostbare Tage hingab, kam Rüha, setzte sich
vor
sie und sprach zu Hawwä: „Warum erfassen dich die Schmerzen der
Witwen?“
Sie bringt ihr die Totenklage”) um Adam mit (mannigfachen)
Klageweisen®).
Sie schlägt die Hände gegeneinander, so daß sie eine Er-
schütterung
in die Erde bringt, und spricht: „Meine Gefährtin! Wer hat
dich
verlassen, so daß du ruhig dasitzest und nicht zürnest?“ Alsdann be-
gann
Rüha und alle Liliths, die mit ihr waren, Klage zu erheben, und sie
sprach
zu Hawwä: „Wohlan, wir wollen uns eifrig der Klage widmen. Eine
Edle,
die keine Klage um [ihren Gatten] erhebt, verachten ihre Genossinnen.“
Hawwa
gehorchte der Rüha, und Hawwä nahm alles an, was Rüha ihr sagte.
!)
02 sonst von 22 = 832 gebildet, gehört hier zu na!
?)
Siehe Joh. I, p. 115".
®)
Siehe Nöld., p. 266'. Nicht etwa „mit Klageweibern‘“, siehe p. 441, 7.
20,
12—21, 21 Erstes Buch. Drittes Stück. 439
Ich,
Hibil-Ziwa, wußte, daß Hawwä viele Sünden hatte. Sie stand da
in
Nachdenken und Wehleid, und ihr Herz war zwiespältig. Sie stand in
Verfehlung
da und näherte sich Adam nicht ').
Da
rief, wappnete, beauftragte und sandte mich das Leben, mein Vater,
und
sprach zu mir: „Du, Schöpfer der Stämme, der du die Stämme Adams
ausbreitest!
Du führtest Adam in das Hochzeitsgemach hinein, und du
gründetest
Hawwa ein Haus der Buhlerei. Gehe du, rede Hawwä zu und
laß
ihr Herz auf seiner Stütze ruhen. Sprich zu ihr: ‚Der Seele, die von
dir
geschieden ist, leuchtet das Antlitz in Freude, sie findet reichlich Be-
hagen
und führt die Seelen von dort zu sich empor. Für den Abgeschiedenen,
der
von dir geschieden ist, ist es eine Verhängung vor dem Schwerte‘).
Alle
Menschen, [die] den Ruf des Lebens bezeugen und in der außerweltlichen
Rede
sprechen, [21] scheiden ab laut der Verhängung vor dem Schwerte
und
gehen dahin auf dem Wege des Lebens und dem Pfade, auf dem die
Männer,
die Söhne des Heils, hinausgingen, die sich dann auf das Leben
und
die Skinas der Wesen gewaltig an Herrlichkeit stützten und Rettung
fanden.
Auch du wirst, wenn du deine Augen von der Träne trocknest,
deine
Arme vom Haupte wegnimmst, Zorn und Wehleid aus deinem Sinne
entfernest,
Trauer und Klage aus deinem Herzen entfernest, ihm bald laut
der
Verhängung vor dem Schwerte nachfolgen, auf dem Wege des Lebens
dahingehen
und auf dem Pfade der Männer, der Söhne des Heils, hinaus-
ziehen.“
Diese
Worte richtete sein Vater an Hibil-Ziwä, dann ging dieser hin
und
kam vor Hawwä. Er legte um und glättete seinen Turban’°), setzte
sich
hin und sprach mit Hawwä in freundlicher Rede. Hawwä zeigte sich
fremdartigen
Sinnes und weinte vor ihm. Sie sprach zu ihm: „Hast‘) du
die
Seele gesehen, die von mir geschieden ist?“
Darauf
erwiderte er ihr: „Die Seele, die von dir geschieden ist, ist in
herrlicher
Pracht aufgerichtet, ihr Antlitz leuchtet ihr in dem Behagen, das
sie
gefunden, sie ist in großer Freude des Lichtes aufgerichtet.* Ferner
‚sprach
er zu ihr: „Du treibst die Torheiten der Planeten, widmest dich der
Trauer
und Klage, weinest, ängstigst dich und betrübst dich und bringst dir
Zorn
und Wehleid in den Sinn ««+x+++»«"). Ihr entfremdeter Sinn wurde
!)
Dessen Körper noch dalag?
2)
Der Tod ist über Adam verhängt, bevor das Zeitalter des Schwertes eintritt,
siehe
oben,
p. 259, 19.
8)
So wie die Worte dastehen, geben sie keinen Sinn. Ich vermute, dab TDInW AND
Syauındb
zu lesen sei. “) Lies ROMMND.
5
6) Die Rede Hibil-Ziwäs ist abgebrochen, und in die Lücke sind Reste einer oder
ver-
schiedener
Ansprachen Rühäs und der Sieben an Hawwä und einer Erzählung von Rühä ein-
gefügt.
Vielleicht gehören die Worte NMMMI TIN INIRDSY) „und deine Augen preßten
sich
mit einer Träne zusammen“ noch zur Rede Hibil-Ziwäs. Die Worte „[sprach zu ihr]
in
freundlicher Rede und sprach zu ihr in hebräischer Rede‘ beziehen sich auf
Rühä, siehe
weiterhin.
Die Form Fomanwy statt Sbnminnwy stört nicht sehr. Im Folgenden ist
wieder
von Hibil-Ziwä die Rede.
ın
In
5
30
in
20
25
30
440
Linker Teil. 21, 21—22, 21
ihr
zu den fremden‘) Menschen zurückgebracht. Er richtete ihr das Herz
nach
dem Hause des Lebens hin, nahm ihr Trauer und Klage vom Ge-
sichte,
nahm ihr die Träne aus den Augen und sprach zu Hawwa: „Siehe,
du
treibest ihre Torheiten, doch wird man dir deine Sünden erlassen.
[22]
Denn die Planeten haben dich verführt. Jetzt sollen dir deine Augen
leuchten,
stehe in der Freude der herrlichen Pracht da, preise die Seele,
die
von dir geschieden ist, und sende zu ihr in Freude Gebet und Lobpreis.“
Hawwä
erhob sich dann, ließ von der Trauer, der Klage und dem
Wehleid,
von der großen, schweren Klage, stand in Lobpreis®) da und
sprach:
„Meine Sünden wird man mir erlassen, denn Rühä und die Planeten
haben
mich verleitet. Ich saß in Klage da, erhob große, schwere Klage.“
Hawwa
sprach dann zu Hibil-Zıwa: „Warum hast du mich nicht mitgenommen,
sondern
setztest dich zu mir? Meinen verbitterten Sinn hast du nicht be-
ruhigt,
nicht Trauer, Klage und Wehleid aus meinem Herzen °) entfernt.
Du
sprachst mit mir nicht in fremder Rede, unterhieltest dich nicht mit mir
in
angenehmer Unterhaltung und sprachest mit mir nicht mit angenehmer
Stimme.“
Darauf
erwiderte ich ihr: „Dem Auserwählten, der von dir geschieden
ist,
war ich ein Geleiter. Ich führte ihn an den Wachthäusern vorbei, an
der
Erschütterung und dem Zorn dieser Welt. Ich führte ihn an Ptahil
vorbei,
der ihn geschaffen hatte. Ich zeigte ihm das Haus des Abathur, und
Abathur
reichte ihm die Hand. Ich brachte ihn zum Zweiten ‘), und dieser
vermehrte
seinen Glanz aus dem seinigen. Ich brachte ihn über die Wasser-
bäche
und zeigte ihm die Glänzenden °), Wohlbewahrten in ihren Skinas.
Ich
ließ ihn in den Gemächern der neuen Paläste wohnen, die nicht zer-
fallen.
Ich schuf ihm eine Skinä des Glanzes, dann ging ich hin und kam
zu
dir.“
Da
sprach sie zu ihm: „Warum war Ano$ nicht bei mir und schmiedete
nicht
mit mir geheime, aufrührerische Anschläge‘)?“ Darauf erwiderte er
ihr:
„Er ließ sich nicht im Hause eines Gegners nieder, paßte nicht für das
Haus
eines Feindes.“ Da sprach sie zu ihm: „War ich seine Gegnerin, wenn
Adam
ihn haßte?“ — „Nicht du warst seine Gegnerin“, sprach er zu ihr,
')
D. h. jenseits" befindlichen, siehe p. 52.
°)
Lies SAPMINN.
3)
Lies IND 0. Der Text hat „von meiner Pforte‘,
4)
Siehe p. 782.
®)
Wie es sonst öfter zweifelhaft ist, ob eine Form zu 1 „glänzen“ oder zu NY
„wach
sein“ gehört (siehe Nöld., p. 62°), so bei diesem NY, ob es „die Glänzenden“
oder
„die
Wachsamen‘ bedeutet. Letzterer Sinn liegt R 341,19 vor (hier p. 355, 3),
wahrscheinlich
auch
L 130, 9f. Bei der Bedeutung „wachsam‘“ könnte N’2y mit den }19%y Dan. 4, 10ff.
zu-
sammenhängen,
siehe auch oben, p. 180". NMY BCD ist erst für das seltene NY eingesetzt.
*)
Gegen Adam. Hier wird auf eine Feindschaft zwischen Anös und Adam angespielt;
vielleicht
ist es der Vorgang, von dem p. 127 erzählt wird. Daß NN YNDD „geheime
Pläne
schmieden“, nicht etwa „niedertreten‘ heißt, ist sicher, siehe z, BR 114, 11;
258, 22;
259,14;
L 24,6, 8.
22,21—24,3
Erstes Buch. Drittes Stück. 441
„und
nicht haßte ihn Adam. Die Sieben waren seine Gegner, und die
Zwölf
und Rüha waren seine Verfolger‘). Alle Planeten sannen in Zorn
Böses
gegen ihn.“
Da
erhob sich Rüha und die Planeten, sie drehte sich im Kreise, ging
hinaus
und sprach zu ihnen: „Hawwä zeigt sich untreu, sie ist durch die
fremde
Stimme zur Untreue verleitet. [23] Sie zeugt in der lieblichen Rede’),
nimmt
den Namen Adams nicht mit Klageweisen in den Mund und erhebt
keine
Klage und Trauer. Sie erblickte den fremden Mann und gewann ihn
lieb,
während sie unseren Namen nicht in den Mund nimmt. Was haben
wir
davon, daß wir bei ihr saßen und sie große, schwere Trauer und Klage
erheben
ließen‘), daß Hawwä sich dann zu Lobpreis hinstellte, Trauer,
Klage
und Wehleid verließ, daß sie sich hinstellte und durch den fremden
Ruf
aufleuchtete, in der lieblichen Rede sprach, angesichts des fremden
Mannes
aus dem Lichte aufleuchtete und zu ihm sprach: ‚Erleuchte, erleuchte
mich,
mein Schöpfer, du Mann, der du mich mehr als alle Uthras aufhelltest‘),
du
Mann, der du mir die Arme vom Haupte wegnahmest, meine Augen von
der
Träne trocknetest, Trauer, Klage und Wehleid von mir entferntest, so-
wie
die Torheit und Lässigkeit, die die Planeten auf mich‘) warfen‘. Sie
neigte
ihr Ohr nach der fremden Stimme hin und sprach in der lieblichen
Rede.“
Da
ging ich von Hawwä weg und begab mich zu meinem Vater. Ich
erzählte
ihm, was die Planeten und was Rüha an Hawwa, (Adam und den
Frauen)
getan haben. Wie ich sie von der Klage befreit, ihre Augen von
der
Träne getrocknet und sie zu Lobpreis hinstellte. Sie vergaß dann
Trauer,
Klage und Wehleid und die Erschütterung, die die Planeten hervor-
gerufen
haben. Sie stellte sich hin, erhob ihre Augen zum Hause des Lebens
und
zum Pfade, auf dem Mandä dHaije herkam. Täglich, alltäglich spricht
sie:
„Wann wird er geneigt sein herzukommen, wer wird mir den Willen
tun,
mich aus meinem Körper holen und mich den Weg der Söhne des
Heils
und den Pfad der frommen Männer gehen lassen‘)? Ich möchte hin-
scheiden
laut der Verhängung vor dem Schwerte und jenen Mann sehen,
zu
dem meine Augen emporschauen, den Ort, an dem Mandä dHaije weilt,
die
neuen Paläste und die Gemächer der neuen Paläste, [24] die nicht zer-
fallen.“
Da
wandten sich die Planeten gegen Hawwa, verfolgten sie und ließen
schwere
Verfolgung gegen sie los. Doch Hawwä stellte sich zu Lobpreis
hin
und rief nach Manda dHaije, indem sie die Worte an ihn richtete: „Du,
1)
Siehe Joh. 60,9; Lit., p. 160, 10.
®2)
Der Himmlischen. Nicht „für die .... Rede“, was es an sich auch heißen könnte,
siehe
weiterhin.
8)
Lies FORITIINI?
%)
Lies NMy HDD ID IRWTIDRT NIDNN.
5)
Lies Sy.
®,
Lies AIINIDRIYN.
un
-
un
20
IS}
in
“wı
w
un
30
442
Linker Teil. 24, 3—25, 9
Mandä
dHaije, werde mir bald zum Erlöser und erlöse mich aus dieser Welt,
in
der die häßlichen, verderblichen Unholde täglich auf Böses gegen mich
sinnen
und einen geheimen Anschlag gegen mich schmieden. Wegen des
Gewandes,
in dem ich stehe, und weil ich auf ihre Rede nicht höre, beraten
sie
sich in Zorn gegen uns und schmieden häßliche, geheime Anschläge
gegen
uns, indem sie sprechen: Wir wollen die Söhne Adams durch das
Schwert
hinraffen.“
Darauf
brach Manda dHaije auf, kam hin, holte Hawwä vor der Ver-
hängung
des Schwertes und entfernte von ihr Trauer und Klage. Als
Hawwä
den Manda dHaije erblickte, streckte sie sich hin und fiel vor ihm
hin
und sprach zu ihm: „Du bist zu Guten gekommen, mein Herr ), be-
stimme
die Verhängung über mich und hole mich weg.“ — „Wohlan, das
Leben
hat mich gesandt und gerüstet, es hat mich hierher zu dir geschickt.
Seele,
um dich zum Schatze deines Vaters hinüberzuführen ,E
Da
verfiel Hawwä in Krankheit und Stiche °), einen Tag und einen
halben‘).
Darauf kam Rühä, setzte sich vor Hawwä und sprach zu ihr:
„Warum
scheidest du [aus] dem Leben °), du Edle, und läßt die Häuser ohne
Herren
zurück, wo ich nach dir verlange? Wohin sollen wir gehen und
worauf
Vertrauen fassen?“
Darauf
kam Hibil-Ziwä, belehrte Hawwä und holte sie aus dem Körper.
Und
Hibil-Ziwa sprach zu den Planeten: „Auf, traget die Werke eurer
Hände
weg und achtet auf sie.“ Darauf sprach Rüha zu Hibil-Zıwa: „Alles
was
begehrenswert ist, holst du von uns und was ohne Wert ist, läßt du
uns
zurück.“ Da sprach Manda dHaije zu Rüha: „Du [und] die Werke
deiner
Hände haben beieinander ihren Platz gefunden, doch der Mana, der
darin
war, soll [25] zum lichten Wohnsitz emporsteigen.“ Er ermahnte die
Stämme
Adams und sprach zu ihnen: „Ihr alle ermahnet euch gegenseitig,
denn
die Hüter lassen euch zurück. Ich gehe hin, lasse Hawwa in neuen
Gemächern
wohnen, die nicht zerfallen, dann will ich wieder zu euch kommen,
euch
erlösen, euch behüten und erretten, euch am Orte im Hause des Lebens
behüten,
hingehen und euch bei eurem Vater Skimäs gründen.“
Da
kam ein Tor, der töricht gehandelt‘), und sprach zu ihm: „Deine
Nachsicht
werde mir zuteil, mag ich hingeleitet werden, emporsteigen, bei
meinem
Vater aufgestellt und in seiner neuen Skina aufgerichtet werden.“
Darauf
erwiderte ich ikm: „Ein jeder von euch, der abgefallen ist, wird hier
bei
euch aufgerichtet werden.“ Die Söhne Adams ängstigen sich‘) und
')
Wahrscheinlich formelhafte Begrüßung eines Ankömmlings.
2?)
Wohl MarTD zu lesen.
®)
Siehe Nöld., p. 41, 7.
4)
Lies KIbRDN.
°),
Im Munde Rühäs ist 7 }D nicht anstößig, sonst würde man NND !D oder
TIND
!D erwarten.
*%)
89% heißt auch „Verfehlungen, Sünden begehen‘. An dem einen Toren und Sünder
werden
im Allgemeinen die schlechten Gläubigen exemplifiziert. ”) Lies PINND.
25,
10—26, 11 Erstes Buch. Viertes Stück. 443
weinen,
und in ihren Augen preßt sich eine Träne zusammen. Sie sprechen
zu
ihm: „Du steigest empor und gehest davon; was läßt du uns zurück?“
Darauf
erwidert er ihnen: „Ich gehe hin, will eurer Mutter einen Platz
anweisen,
dann will ich aufbrechen und hierher kommen.“
Dann
ging ich hin, wies Hawwä dort in ihrer Skinä einen Platz an
und
sprach zum großen Leben vom Stamme Adams. Da sprach das große
Leben:
„Du bist als Bote zu ihnen gesandt.“
Da
kam ich, hierher in die Zeitalter und Welten gesandt. Ich erlöste
den
kleinen $itil und bewahrte ihn vor jeglichem Ding. Ich setzte ihm
einen
Kranz des Glanzes auf, erlöste ihn aus der Welt und wies ihm einen
Platz
in seiner Skina an. Ich verlieh ihm reichen Glanz, erlöste die Söhne
Adams
und hob sie zum lichten Wohnsitz empor. Dieser lebende Stamm
wurde
gegründet, und die Sieben, die sie verfolgten, xx» + +++».
Dies
ist die Überredung und Aufklärung, die Manda dHaije lehrte und
den
Männern von erprobter Gerechtigkeit, gebildet aus Fleisch und Blut,
übergab,
die da sagen, daß sie sich der Trauer und Klage der Planeten
widmen
wollen. Er sprach’): „Einem jeden, der an dieser Überredung fest-
hält,
wird eine Stätte in Freude errichtet werden, wie sie Adam errichtet
wurde,
[26] und sein Antlitz wird leuchten gleich Hawwä, dem Weibe Adams,
deren
Antlitz in den gewaltigen Eiern der Verborgenheit”) leuchtete.“
Dies
ist die Überredung, die Manda dHaije dem Adam und allen
Stimmen
Adams gewährte. Er sprach: „Ein jeder, von dem eine Seele
scheidet”),
gebe sich der Freude über sie hin. Er widme sich nicht großer,
schwerer
Trauer und Klage über sie, sondern in wahrhafter Freude suche
er,
und er wird finden, gleich Adam, der im Hause des Lebens suchte und
fand,
sprach und erhört wurde.“
Gepriesen
sei das Leben, das Leben ist siegreich, und siegreich ist
Manda
dHaije, sowie die seinen Nainen lieben.
Viertes
Stück.
Eine
neue Schilderung der Wanderung der Seele durch die Wachthäuser, siehe p. 183.
Die
Beherrscher der Wachthäuser sind hier: Nbaz, Nbü, die sieben von Ptahil
geschaffenen
Gestalten,
[Jörabbä?], Christus, Ewath der heilige Geist, [Ptahil], Abathur.
Im
Namen des Lebens und im Namen des Manda dHaije, des erhabenen
unter
den Welten (Wesen).
2)
Lies INON).
2)
Siehe oben, p. 151°, 236°.
#)
Lies ON.
ın
[e}
25
30
un
Io
20
2
ken
30
35
444
Linker Teil. 26, 11—27, 20
Dies
ist der Glanz und das Licht des Lebens.
Als
der Geist und die Seele aus dem Körper, aus dem Rock von Blut
und
Fleisch, aus dem siedenden Kessel, aus den geheizten Öfen, aus den
Gräben,
.. ') und Gruben schied, da ging diese Seele hin und stieß auf
ein
Wachthaus, in dem Gerät, Fußblock, Pein und Qual zusammengehalten
sind,
wo man mit rechtlosem Rechte die schuldigen Seelen richtet. Mit
einer
Feuergeißel peitscht man die [Zauberer und]?) Hexen, wie Würmer
wirft
man sie in die Öffnung der Öfen. :
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert und bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht: „Wo ist das Leben, das ich geliebet, wo ist die
Kustä,
die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Almosen, das ich
in
meiner Tasche trug?“
Darauf
erwidert man ihr: „O Seele! Du steigst zum Lichtort empor,
warum
rufest du nach dem großen, hehren Leben? Gib deinen Namen und
dein
Zeichen her, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen
des
Glanzes, aus dem großen, hehren Krater‘), [27] aus dem großen Jordan
der
Heilungen und aus den gewaltigen Quellen des Lichtes geholt hast.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft, zeigt
an
und gibt her ihren Namen, ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe und
was
sie sonst aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes,
aus
dem großen, hehren Krater, aus dem großen Jordan der Heilungen, aus
den
gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen, hehren Leben geholt
hat.
Da fielen die Verfluchten auf ihr Antlitz und sprachen zu ihr: „Gehe,
Seele,
laufe und gelange hin, entrinne, steig empor, führe deine Rechtssache
und
sıege ob, sprich und werde erhört, gedenke unser vor dem großen,
hehren
Leben.“
Darauf
erwidert sie ihnen: „Wer soll euer vor dem großen Leben ge-
denken?
Ihr seid Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter, ‚wir sind
Menschen,
eure eigenen Taten und Werke werden euer gedenken.“
Ich
steige empor, und die Uthras, meine Brüder, steigen vor mir auf.
Ich
frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu ihnen: „Wessen Wacht-
haus
ist dieses, und wer ist darin gefesselt?“ Darauf erwidern mir die
Uthras,
meine Brüder: „Dieses Wachthaus ist das des Nbaz, der Kraft des
Himmels,
des großen Ambosses der Erde. Am Tore der Welten ist ihm ein
Thron
hingestellt, und seine Schleppe [zieht sich] über alle Meere hin. Sein
Kopf
ıst ihm auf die ...... ‘) geschlagen, und seine Füße ruhen auf den
unteren
Abaddons der Finsternis.“ Ferner sprachen sie: „In diesem Wacht-
hause
sind die Pfaffen, Priester und Orakelmänner festgebunden, die Kichern,
!)
Schwerlich „Nägel“, Nöld., p. 61°.
*)
Nach den folgenden Stücken.
®»),
Siehe p. 1833.
*)
Die Bedeutung von NSW hier ist unsicher. Daß es wie anderwärts für NY
„Bier‘‘
stehe, siehe p. 236°, ist unwahrscheinlich.
27,20—29,
5 Erstes Buch. Viertes Stück. 445
ee
“und ......‘) hinwarfen, die Abgesonderten°) und Hervorragenden, die
sich
voneinander absondern, die Männer, die ihre Gattinnen, und die Frauen,
die
ihre Gatten verlassen, die die Grenzen verschieben und die Grenzsteine
verrücken.
Sie fesselt man in diesem Wachthause und brüht sie’) mit
Schwert,
Brand [28] und Feuer bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis zur
Stunde,
den Stunden der Erlösung.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun
Angst,
Furcht, Schrecken und Beben vor mir nicht mehr da seien. Diese
Seele
ging dann hin und stieß auf ein anderes Wachthaus, in dem Gerät,
Fußblock,
Pein, Bedrückung und (Qual zusammengehalten sind, wo man mit
rechtlosem
Rechte die Seelen der schlechten Menschen richtet. Mit einer
Feuergeißel
peitscht man die Zauberer und Hexen, wie Würmer wirft man
sie
in die Öffnung der Kessel.
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert und bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht: „Wo ist das Leben, das ich geliebet, wo ist die
Kustä,
die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Almosen, das ich
in
meiner Tasche trug?*
Darauf
erwidert man ihr: „O Seele! Du steigst zum großen Lichtort
empor,
warum rufest du nach dem großen, hehren Leben? Gib deinen
Namen
und dein Zeichen, deinen Segen und deine Taufe her, die du aus den
Wogen
des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes, aus dem großen, hehren
Krater,
aus den gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen, hehren
Leben
geholt hast.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft, zeigt >
an
und gibt her ihren Namen und ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe und
was
diese Seele sonst aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des
Glanzes,
aus dem großen, hehren Krater, aus den gewaltigen Quellen des
Lichtes
und vom großen, hehren Leben geholt hat. Da fielen die Verfluchten
auf
ihr Antlitz und sprachen zu ihr: „O Seele, laufe und gelange hin, :
entrinne,
steig empor, führe deine Rechtssache und siege ob, gedenke unser
vor
dem großen, hehren Leben.“
Darauf
erwidert sie ihnen: „Wer soll euer vor dem großen, hehren
Leben
gedenken? Ihr seid [29] Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid
Götter,
wir sind Menschen, eure eigenen Taten und Werke werden euer
gedenken.“
Ich
steige empor, und die Uthras, meine Brüder, steigen vor mir auf.
Ich
frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu ihnen: „Wessen Wacht-
haus
ist dieses, und wer ist darin gefesselt?‘ Auf meine Frage erwidern
ı)
ROT) und RNNIND bezeichnen wohl auch Vegetabilia. sind aber unbekannt. Das
Hinwerfen
geschah wohl zu magischem Zwecke.
2)
NTNWND, siehe p. Bit, 280°.
®)
Lies yorpbaı trotz „Schwert“. Ich habe auch an PD gedacht, aber dieses findet
sich
im Sinne „peinigen“ nur im Pa&l.
>
En
oO
55
wi
20
30
ER)
40
AA
Linker Teil. 29, 5—80, 14
sie
mir: „Dieses Wachthaus ist das des weisen Schriftkundigen Nbü’), vor
(lem
diese seine Bücher hingelegt sind und dessen Gedenkbuch auf seinen
Händen
liegt‘). An der Spitze seines Buches ist Wehe für ihn hingeworfen,
am
Ende seines Buches ruft er Wehe, Wehe!“ Ferner sprachen sie zu mir:
„In
diesem Wachthause befinden sich die hervorragenden und abgesonderten
Schriftgelehrten,
die mit ihren Augen sehen, mit ihren Ohren hören, mit
ihrem
Munde rufen, in ihrem Herzen wissen und doch nichts Gutes tun.
Sie
fesselt man in diesem Wachthause und brüht sie mit Schwert, Brand
und
Feuer bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis zur Stunde, den Stunden der
Erlösung.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun
Angst,
Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Diese Seele
ging
dann hin und stieß auf ein Wachthaus, in dem Gerät, Fußblock, Pein,
Bedrückung
und Qual zusammengehalten sind, wo man mit rechtlosem Rechte
die
Seelen der schlechten Menschen richtet. Mit einer Feuergeißel peitscht
man
die Zauberer und Hexen, wie Würmer wirft man sie in die Öffnung
der
Öfen.
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert und bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht: „Wo ist das Leben, das ich geliebet, wo ist die
Kustä,
die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Almosen, das ich
in
meiner Tasche trug?“
Darauf
erwidert man ihr: „O Seele! Du steigst zum großen Lichtort
empor,
warum rufest du nach dem großen, hehren Leben? [30] Gib deinen
Namen
und dein Zeichen her, die du aus den Wogen des Wassers, aus den
Schätzen
des Glanzes und aus dem großen, hehren Krater geholt hast.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft, zeigt
an
und gibt her ihren Namen und ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe und
was
sonst an ihr ist, die sie aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen
des
Glanzes, aus den gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen,
hehren
Leben geholt hat. Da fielen die Verfluchten auf ihr Antlitz und
sprachen
zu ihr: „O Seele, laufe und gelange hin, entrinne, steig empor,
führe
deine Rechtssache und siege ob, gedenke unser vor dem großen,
hehren
Leben.“
Darauf
erwidere ich ihnen: „Wer soll euer vor dem großen, hehren
Leben
gedenken? Ihr seid Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter,
wir
sind Menschen, eure eigenen Taten und Werke werden euer gedenken.“
Ich
steige empor, und die Uthras, meine Brüder, die Söhne des Lichtes,
steigen
vor mir auf. Ich spreche zu den Uthras, meinen Brüdern: „Wessen
Wachthaus
ist dieses, und wer ist darin gefesselt?“ Darauf erwidern sie
mir:
„Dieses Wachthaus ist das der sieben Gestalten, die Ptahil hervor-
‘)
Siehe p. 205 unt.
*)
Siehe p. 206, 15.
30,
14—31, 23 Erstes Buch. Viertes Stück. A4A7
gerufen
hat. Sie sind mit Rosen bekleidet, mit Rosen bedeckt. Ein Kranz
der
Unzucht und Hurerei ist ihnen aufs Haupt gelegt. Unzucht und Schande
ist
ihnen in den Busen gelegt. Ihre Brust ist ihnen zur Schande entblößt,
ihre
Seite ihnen zu Verfehlungen aufgeschlitzt. Streit ist für sie hin-
geworfen,
Hader für sie breitgetreten, und ihr Haupt ist ihnen verhüllt.*
Ich
frage ferner und spreche: „Wer ist in diesem Wachthause, das
Ptahil
hervorgerufen, gefesselt?“ Darauf erwidern mir die Uthras, meine
Brüder:
„In diesem Wachthause sind diejenigen gefesselt, die zum Hause
des
Tammüz gehen, dort 28 Tage sitzen, Schafe schlachten, Becken mischen,
Kuchen
hinwerfen und trauernd im Hause der Dilbat‘') dasitzen. Die Wahr-
sager
und Wahrsagerinnen, die Zauberer und Hexen, die Buhler und Buhle-
rinnen,
die Diebe und Diebinnen, diejenigen, die an den Pforten ihrer
Genossinnen
stehen und nach den Worten lauschen, die Pforten öffnen,
[31]
die ihre Hände nicht geschlossen, die erbrechen, was ihre Hände nicht
versiegelt,
die Fesseln lösen, die ihre Hände nicht geschlossen, die etwas
nehmen,
was ihre Hände nicht hingelegt, die ihre Milch verkaufen, ihre
eigenen
Kinder töten und die Kinder ihrer Genossinnen nähren, indem sie
um
Bissen und Becher betteln, die ihre eigenen Kinder töten und die Kinder
ihrer
Genossinnen nähren, sie fesselt man in diesem Wachthause und brüht
sie
mit Schwert, Brand und Feuer, bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis
zur
Stunde, den Stunden der Erlösung.“
‚Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun
Angst,
Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Diese Seele
ging
dann hin und stieß auf ein anderes Wachthaus, in dem Gerät, Fuß-
block,
Pein, Bedrückung und Qual zusammengehalten sind, wo man mit
rechtlosem
Rechte die Seelen der schlechten Menschen richtet. Mit einer
Feuergeißel
peitscht man die Zauberer und Hexen, wie Würmer wirft man
sie
in die Öffnung der Kessel.
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert und bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht: „Wo ist das Leben, das ich geliebet, wo ist die
Kustä,
die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Almosen, das ich
in
meiner Tasche trug?“
Darauf
erwidert man ihr: „O Seele! Du steigst zum großen Lichtort
empor,
warum rufest du nach dem großen, hehren Leben? Gib deinen
Namen
und dein Zeichen, deinen Segen und deine Taufe her und was sonsi
an
dir ist, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätz endes Glanzes,
aus
dem großen, hehren Krater, aus dem großen Jordan der Heilungen,
aus
den gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen, hehren Leben
geholt
hast.“ |
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft und
zeigt
an ihren Namen und ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe und
1)
Oder Dlibat. Lies NN297 siehe p. 176, 16ff.
in
1
Oo
[27
[e}
o
w
40
un
2
un
35
40
448
Linker Teil. 31, 23--33, 14
was
sonst an ihr ist, die sie aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen
des
Glanzes, aus den gewaltigen Quellen [32] des Lichtes und vom großen,
hehren
Leben geholt hat. Da fielen die Verfluchten auf ihr Antlitz und
sprachen
zu ihr: „Laufe, Seele, entrinne, gelange hin und steig empor,
führe
deine Rechtssache und siege ob, gedenke unser vor dem großen,
hehren
Leben.“
Darauf
erwidere ich ihnen: „Wer soll euer vor dem großen, hehren
Leben
gedenken? Ihr seid Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter,
wir
sind Menschen, eure eigenen Taten und Werke werden euer gedenken.“
Ich
steige empor, und die Uthras, meine Brüder, die Söhne des Lichtes,
steigen
vor mir auf. Ich frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu
ihnen:
„Wessen Wachthaus ist dieses, und wer ist darin gefesselt?“ Darauf
erwidern
sie mir: „In diesem Wachthause weilen die Großen, die mit großen
Scheffeln
nehmen und mit kleinen Scheffeln geben, die Zins und Zinses-
zins
nehmen. Sie fesselt man in diesem Wachthause und brüht sie mit
Schwert,
Brand und Feuer bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis zur Stunde,
‘len
Stunden der Erlösung.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun Angst,
Furcht,
Schrecken und Beben vor mir nicht mehr da seien. Diese Seele
ging
dann hin und stieß auf ein anderes Wachthaus, in dem Gerät, Fuß-
block,
Pein und (Jual zusammengehalten sind, wo man mit rechtlosem Rechte
die
Seelen der schlechten Menschen richtet. Mit Feuergeißeln peitscht man die
Zauberer
und Hexen, wie Würmer wirft man sie in die Öffnung der Kessel.
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert ünd bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht (zu ihm): „Wo ist das Leben, das ich geliebet,
wo
ist die Kustä, die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Al-
ınosen,
das ich in meiner Tasche trug?“
Darauf
erwidert man ihr: „O Seele! Du steigst zum großen Lichtort
empor,
warum rufest du nach dem gewaltigen, hehren Leben? Gib [33] deinen
Namen
und dein Zeichen, deinen Segen und deine Taufe her und was sonst
an
dir ist, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes, aus
den
gewaltigen Quellen des Lichtes, aus dem großen, hehren Krater, aus dem
großen
Jordan der Heilungen und vom großen, hehren Leben geholt hast.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft, zeigt
an
und gibt her ihren Namen und ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe
und
was diese Seele sonst aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen
des
Glanzes, aus den gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen, hehren
Leben
geholt hat. Da fielen die Verfluchten auf ihr Antlitz und sprachen
zu
ihr: „Laufe, Seele, und entrinne, führe deine Rechtssache und siege ob,
gedenke
unser vor dem großen, hehren Leben.“
Darauf
erwidere ich ihnen: „Wer soll euer vor dem großen, hehren
Leben
gedenken? Ihr seid Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter,
wir
sind Menschen, eure eigenen Taten und Werke werden euer gedenken.“
33,
14— 34, 23 Erstes Buch. Viertes Stück. 449
Ich
steige empor, und die Uthras, die Söhne des Lichtes, steigen vor
mir
auf. Ich frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu ihnen:
„Wessen
Wachthaus ist dieses, wer bewacht es, und wer ist darin gefesselt?“
Auf
meine Frage erwidern sie mir: „Dieses Wachthaus ist das des Zauberers
Christus,
des Sohnes des Geistes der Lüge, der sich als Gott der Näsöräer
aufgeworfen
hat').“ Ferner sprechen sie zu mir: „In diesem Wachthause
sind
gefesselt die „heiligen“ ’) Männer und Frauen, die jungfräulichen Männer
und
Frauen, die ehelosen Männer und Frauen, die Männer, die nach keinen
Frauen,
und die Frauen, die nach keinen Männern begehren, die die Kinder
töten,
damit sie keine haben, die die Kinder in ihrem Leibe vernichten °),
die
ihren lebenden Samen abschneiden, der ihnen aus dem Hause des Lebens
gekommen
ist. Sie fesselt man in diesem Wachthause und brüht sie [34] mit
Schwert,
Brand und Feuer bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis zur Stunde,
den
Stunden der Erlösung.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun Angst,
Schrecken
und Beben vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und stieß
auf
ein anderes Wachthaus, in dem Gerät, Fußblock, Pein, Bedrückung,
Fesselung
und Qual zusammengehalten sind, wo man mit rechtlosem Rechte
die
Seelen der schlechten Menschen richtet. Mit Feuergeißeln peitscht
man
die Zauberer und Hexen, wie Würmer wirft man sie in die Öffnung
der
Öfen.
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert und bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht: „Wo ist das Leben, das ich geliebet, wo ist die
Kustä,
die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Almosen, das ich
in
meiner Tasche trug?“
Darauf
erwidert man ihr: „O Seele! Du steigst zum großen Lichtort
empor,
warum rufest du nach dem großen, hehren Leben? Gib deinen Namen
und
dein Zeichen, deinen Segen und deine Taufe her, die du aus den Wogen
des
Wassers, aus den Schätzen des Glanzes, aus dem großen Jordan der
Heilungen,
aus den gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen, hehren
Leben
geholt hast.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft, zeigt
an
und gibt her ihren Namen und ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe
und
was sonst an ihr ist, die sie aus den Wogen des Wassers, aus den
Schätzen
des Glanzes, aus dem großen Jordan der Heilungen, aus den
gewaltigen
Quellen des Lichtes und vom großen, hehren Leben geholt hat.
Da
fielen die Verfluchten auf ihr Antlitz und sprachen zu ihr: „O Seele,
laufe
und gelange hin, entrinne und steig empor, führe deine Rechtssache
und
siege ob, sprich und werde erhört, gedenke unser vor dem großen,
hehren
Leben.“
1)
Siehe p. 25, 27.
2)
Siehe p. 136°.
3)
Ich lese PN) mit BD statt NND) AC.
Lidzbarski,
Ginza. 29
un
1
°
25
30
35
40
in
20
[9]
in
40
450
Linker Teil. 34. 24-36, 10
Darauf
erwidere ich ihnen: „Wer soll euer vor dem großen, hehren
Leben
gedenken? [35] Ihr seid Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid
Götter,
wir sind Menschen, eure eigenen Taten und Werke werden euer
gedenken.“
;
Ich
steige empor, und die Uthras, meine Brüder, die Söhne des Lichtes,
steigen
vor mir auf. Ich frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu
ihnen:
„Wessen Wachthaus ist dieses, und wer ist darin gefesselt?“ Darauf
erwidern
die Uthras: „Dieses Wachthaus ist das der Ewath, des heiligen
Geistes.“
Ferner sprechen sie zu mir: „In diesem Wachthause sind gefesselt
die
Faster und Fasterinnen, die ein Fasten des Frevels fasten und ein Gebet
der
Lüge beten, die nach Brot hungern und nicht essen, nach Wasser
dürsten
und nicht trinken, in Trauer und Jammer dasitzen, ihren Kopf
gerade
strecken‘) und keinen Gruß entbieten. Sie fesselt man in diesem
Wachthause
und brüht sie mit Schwert, Brand und Feuer bis zum Tage,
dem
Gerichtstage, bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun
Angst,
Furcht, Schrecken und Beben vor mir nicht mehr da seien. Diese
Seele
ging dann hin und stieß auf ein anderes Wachthaus, in dem Gerät,
Fußblock,
Pein, Bedrückung und Qual zusammengehalten sind, wo man mit
rechtlosem
Rechte die Seelen der schlechten Menschen richtet. Mit einer
Feuergeißel
peitscht man die Zauberer und Hexen, wie Würmer wirft man
sie
in die Öffnung der Öfen.
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, zittert und bebet sie, und ihre
ganze
Gestalt zittert ihr in ihrem Gewande. Sie ruft nach dem großen,
hehren
Leben und spricht: „Wo ist das Leben, das ich geliebet, wo ist die
Kustä,
die in meinem Herzen Platz genommen, wo ist das Almosen, das
ich
in meiner Tasche trug?“
Darauf
erwidert man ihr: „Du Seele steigst zum großen Lichtort
empor,
warum rufest du nach dem großen, hehren Leben? Gib deinen
Namen
[36] und dein Zeichen, deinen Segen und deine Taufe her und was
sonst
an dir ist, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des
Glanzes,
aus dem großen, hehren Krater, aus dem großen Jordan der
Heilungen,
aus den gewaltigen Quellen des Lichtes und vom großen, hehren
Leben
geholt hast.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, öffnet sie (den Mund), ruft, zeigt
an
und gibt her ihren Namen und ihr Zeichen, ihren Segen und ihre Taufe
und
was sonst an ihr ist, die diese Seele aus den Wogen des Wassers, aus
den
Schätzen des Glanzes, aus den gewaltigen Quellen des Lichtes und
vom
großen, hehren Leben geholt hat. Da fielen die Verfluchten auf ihr
Antlitz
und sprachen zu ihr: „Du Seele, laufe und gelange hin, entrinne
')
Die den Kopf steif halten, ohne ihn zum Gruße zu neigen. Immerhin unsicher.
22
findet sich gerade in diesem Stücke im Sinne von „foltern, peinigen‘“, doch
scheint mir
dies
weniger zu passen.
86,
10— 37,19 Erstes Buch. Viertes Stück. 451
und
steig empor, führe deine Rechtssache und siege ob, sprich und werde
erhört,
gedenke unser vor dem großen, hehren Leben.“
Darauf
erwidere ich ihnen: „Wer soll euer vor dem großen, hehren
Leben
gedenken? Ihr seid Recken, wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter,
wir
sind Menschen, eure eigenen Taten und Werke werden euer gedenken.“
Ich
steige empor, und die Uthras, meine Brüder, die Söhne des Lichtes,
steigen
vor mir auf. Ich frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu
ihnen:
„Wessen Wachthaus ist dieses, und wer ist darin gefesselt?“ Darauf
erwidern
mir die Uthras, meine Brüder: „In diesem Wachthause sind die
Bösen
gefesselt, die Ptahil hervorgerufen. Darin sind die großen Macht-
haber’)
und Herrscher gefesselt, die auf den Thronen der Auflehnung sitzen,
ihre
Handlungen mit der Geißel ausüben und Blut in der Tibil vergießen.
Den
Schuldigen sprechen sie frei und den Unschuldigen verurteilen sie. Sie
nehmen
Bestechung an und empfangen Geschenke. Sie verdrehen das Recht,
beugen
das Recht. Sie gehen hinaus auf die Straßen der Tibil und sagen,
was
sie nicht sehen, erzählen, was sie nicht hören, schwören Schwüre [37] der
Lüge
und zeugen ein Zeugnis des Frevels. Sie fesselt man in diesem Wacht-
hause
und brüht sie mit Schwert, Brand und Feuer bis zum Tage, dem
Gerichtstage,
bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß nun Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da sein werden. Ich ging hin
und
gelangte zum Wachthause des alten, hohen, verborgenen und verwahrten
Abathur.
Ich frage die Uthras, meine Brüder, und spreche zu ihnen: „Wessen
Weachthaus
ist dieses, und wer ist darin gefesselt?‘ Darauf erwidern mir
die
Uthras, meine Brüder: „Dies ist das Wachthaus des alten, hohen, ver-
borgenen
und verwahrten Abathur. Vor ihm ist die Wage aufgerichtet. Er
wägt
Werke und Lohn. Er wägi und vereinigt den Geist mit der Seele.
Wer
sich beim Wägen als vollwichtig erweist, den hebt man empor und
gewährt
ihm eine Stütze im Leben. Wer sich beim Wägen als nicht voll-
wichtig
erweist, dem erledigt man schon dort den Rechtsstreit.“
Ich
frage und spreche: „Wer alles ist in diesem Wachthause des Abathur
gefesselt?‘
Darauf erwidern sie mir: „Darin sind die Näsöräer gefesselt,
die
keine Näsoräer waren, die den Vorabend des Tages°) nicht kannten und
am
Sonntag nicht in den Tempel gingen, die ihr Haupt nicht neigten, nicht
lehrten’)
und keinen Dienst verrichteten‘), die den Armen kein Almosen
gaben
und ihre Pforte den Armen nicht öffneten, die sich einen unrechten
Namen
beilegten, indem sie sich Nasöräer nannten.“
Wie
diese Seele an ihrer Stelle steht, schaute sie hin und erblickte
den
Ajar-Gufna (Äther-Weinstock), den Sohn des Piriawis-Gufna, dessen
U)
Siehe p. 136°.
2)
Siehe p. 283,17.
»)
Da AN2DN8D sowohl "N2D Ry) wie "NIDN ND sein kann, ist es
zweifelhaft, ob es
„nicht
lernten‘ oder „nicht lehrten‘ bedeutet.
*)
Nicht gerade Gottesdienst, sondern allgemein Betätigung im Dienste des
Glaubens.
29*
in
t9
in
35
un
452
Linker Teil. 37, 19-38, 4
Fersen
Wasser, dessen Wurzel der Stamm der Seelen, dessen Zweige Utlhras,
dessen
Blätter Leuchten des Lichtes sind’). Ein Blatt nahm diese Seele
von
ihm und legte es sich auf die Augen. Da wurde ihr die Blendung von
den
Augen genommen, und sie schaute den äußeren Äther und den lichten
Wohnsitz.
Man hob für diese Seele die Kleiderfalte des Lebens hoch und
führte
sie ein, man stützte sie auf das Abbild des Lebens’).
Das
Leben stützte das Leben,
[38]
das Leben fand das Seinige.
Das
Seinige fand das Leben,
und
meine Seele fand, was sie erhoffte.
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den
Männern,
die uns unterweisen. Das Leben steht fest in seiner Skina, das
Leben
ist siegreich über alle Werke’°).
1)
Siehe Lit., p. 72 unt.
?)
Siehe auch Lit., p. 84, 4f., wo die Worte unrichtig wiedergegeben sind. NDJND
heißt
neben „Arm, Seite, Schoß auch „Kleiderfalte, Tasche“, und dieser Sinn liegt
hier vor,
siehe
auch Text 131,16. Es ist unsicher, was mit dem „Abbild des Lebens“ hier gemeint
ist.
)
Cod. Tieid. hat hier noch: RNROWII KIT NTIND INN WIIDRT NTTD 7 TINT
N"D
107 NYNDIIT NIITD Mind SORT 1 O NONINOND®N. „Dieses ist das Buch, das
Mandä
dHaije den Seelen und den Wachthäuslern lehrte und vortrug: von hier nach unten
hin
sind die Bücher über die Mänaäs.“
YS
MV)
Zweites
Buch.
Das
zweite Buch besteht aus 28 Stücken mit einheitlichem Eingange, in dem die
Seele
sich als Mänä des Lebens einführt. Die meisten Stücke stehen sich auch
inhaltlich
nahe.
Der Mänä klagt darüber, daß man ihn aus seiner Urheimat entfernt und auf die
ver-
gängliche
Erde unter die Bösen in den Körper geworfen habe. Auf seinen Ruf kommt ein 5
Helfer,
gewöhnlich allein, doch auch mit anderen Beschützern, so in Stück 8, siehe auch
Stück
27. Der Helfer klärt ihn auf und tröstet ihn. er ermahnt ihn auszuharren und
ver-
spricht
ihm den lohn hierfür und Erlösung aus dieser Welt. Der Helfer wird in diesen
Stücken
gewöhnlich NDYN) genannt, das auch Schöpfer bedeuten kann. Daß es ersteren Sinn
hat,
zeigt, dab daneben NMNIN gehraucht wird. Einige Stücke weichen von der
Hauptform
ab,
und auch sonst zeigen sich Widersprüche. Die Sammlung rührt nicht von demselben
Verfasser
her, und einige Stücke haben wohl erst vom Kompilator die übereinstimmende
Einführung
erhalten. Das Stück oben. p. 327ff. hat ja auch bei verwandtem Inhalt eine
andere
Einführung. In Stück 1 wird der NPINYIND von Mandä dHaije gesandt. In Stück 10
wird
erst der Urvater genannt, an den der Mänä sich wendet. Er ist anscheinend nicht
das
Leben,
siehe p. 470,171. Der Vater schickt dann einen Helfer zu ihm. In Stück 15 wird
der
Mänä erst von den Großen aufgefordert, in den Rumpf einzutreten und sich unter
die
Planeten zu begeben. Er tut es. die Planeten bemühen sich. ihn in ihre Netze zu
ziehen,
doch
er vereitelt ihre Versuche. Der Mänä ruft dann nach seinem Helfer und bittet
ihn,
ihn
wieder in die Höhe zu bringen. In Übereinstimmung ınit dem Leben tut es der
Helfer.
Auch
in Stück 16. 19 wird der Mänä erst aufgefordert, in den Körper einzutreten. In
Stück
14,
19, 21, 24, 25 wird der Mäna Adam genannt, in Stück 18 „der verborgene Adam“ im
Gegensatz
zum körperlichen Rumpfe. während in Stück 8 gerade dieser Adam genannt wird.
Die
Sammlung ist im ganzen ein Trostbuch, zum Lesen für diejenigen, die der Schrift
kundig
sind,
zum Vortrage vor denen, die sie nicht kennen. Die Zahl 28 brachte REITZENSTEIN
mit
den Mondstationen zusammen. Durch die Zahl der Mondstationen wurde die Zahl 28
populär.
und es mag sein, daß der Kompilator sie absichtlich gewählt hat. aber an die
Mond-
stationen
selber hat er schwerlich gedacht.
Im
Namen des großen Lebens werde die Gemeinschaft und die Selig-
Io
15
20
12}
in
keit
des Lebens, sowie ein Sündenerlasser zuteil meiner, des NN Seele, der 30
Seele
meiner Gattin NN, (den Seelen) meiner Kinder NN, NN, meines
Vaters
NN, meiner Mutter NN, sowie den Seelen unserer Väter, unserer
454
Linker Teil. 38, 12—39, 6
Meister,
unserer Brüder und unserer Schwestern, die aus ihrem Körper
geschieden
sind und die noch in ihrem Körper weilen.
25
Se
35
OÖ
sanfter Mäna,
0
geordneter, wohlgeordneter Mana,
o
sanfter Mänä,
mögen
mit dir Helfer kommen.
bis
daß die Wage wäget
Werke
und Lohn.
Erstes
Stück.
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Ein
Mänä bin ich des großen Lebens,
ein
Mäna bin ich des gewaltigen Lebens,
ein
Manä bin ich des großen Lebens.
Wer
hat mich in der Tibil wohnen lassen ?
In
der Tibil hat wer mich wohnen lassen,
wer
mich in den körperlichen Rumpf geworfen?
Wer
hat in den körperlichen Rumpf mich geworfen,
der
ohne Hände und Füße ist?
Kr
hat weder Hände noch Füße
und
weiß nicht, wie er gehen soll.
Er
liegt da und kriecht
und
ist ohne Kraft.
Warum
riefen sie mich [39] von meinem Orte weg,
brachten
mich hin und warfen mich in den Rumpf?
Meine
Füße sind Füße des Glanzes,
nun
müssen sie dem Rumpfe zum Gehen dienen.
Mein
Mund ist ein reiner Mund,
nun
wurde er ein Mund für den Rumpf.
Meine
Augen, die vom Lichtort her aufgetan wurden,
gehören
nun dem Rumpfe.
Mein
Herz, das sich nach dem Leben sehnet,
kam
hin und wurde dem Rumpfe zuteil.
Meinen
Sinn, in dem das Leben wohnet,
haben
sie hier in (körperliche) Hüllen gegossen.
Meine
Füße haben auserwählte Pflanzer gepflanzet,
nun
stehen sie auf dem Pfade des Rumpfes.
39,7
—24 Zweites Buch. Erstes Stück.
Der
Pfad des Rumpfes ist es,
nicht
lassen mich die Sieben auf meinem‘) Pfade.
Wie
muß ich gehorchen, wie dulden,
wie
muß ich meinen Sinn beruhigen!
Wie
muß ich von den sieben und zwölf Mysterien hören,
wie
muß ich stöhnen °)!
Wie
muß die Rede meines milden Vaters
unter
den finsteren Wesen weilen!
Als
der Manä dies sagte,
stieg
sein Ruf zum Lichtort empor.
Mandä
dHaije hörte meinen Ruf
und
sandte seinen Boten zu mir:
„Geh,
mein reiner Bote,
zeige
dich dem Mäna, daß er leuchte.
Wenn
du dich nicht dem Mänä zeigest,
verachten
ihn die Vergänglichen.“
In
verborgenem Glanze stand da
der
Bote, der zu ihm kam.
Er
stand in Glanz da
und
zeigte sich dem Maänä, denı Sohne des gewaltigen (Lebens).
Er
schrie und ließ ihn seine Stimme vernehmen
und
richtete ihm sein Herz auf seiner Stütze auf:
„Leuchte
und erleuchte, Mänä!
Ich
bin zu dir gekommen und werde dich nicht verlassen.
Wenn
man dich rufet,
steig
zum Lichtort empor.
Mich
haben sie geschaffen
und
zu dir gesandt.
Auf,
verlasse, Mäna,
den
Rumpf, in den du hineingeworfen bist,
den
Rumpf, in dem du groß wurdest,
der
ohne Hände und Füße ist.
Auf,
steig zu deiner Urheimat empor,
zu
deinem guten Sitze der Uthras.
Wohne
unter den Uthras, deinen Brüdern,
sitze
da, wie du gewohnt bist.
Suche
deinen Heimatsort auf
und
verfluche die Welt der Täuschung, in der au weiltest ’).
Dein
Glanz verbleibe an dir,
sei
aufgerichtet in deinem verborgenen Lichte.
1,
Lies WITT.
2)
Lies DNMIY.
s)
Siehe Lit., p. 160.
vi
20
30
35
40
Io
15
20
2
30
+56
Linker
Teil. 40, 1—18
Hiç yorum yok:
Yorum Gönder