121,
17—122, 13 Drittes Buch.
Sie
fesseln, schlagen, peitschen, werfen nieder und fragen aus
den,
der ihnen zu Liebe handelt, es aber nicht ganz und gar
[ausführt.
Sie
schlagen ihn mit ledernen Peitschen;
dafür
sollen sie mit Feuerpeitschen gepeitscht werden.
Die
knebeln, umstrieken und aufhängen,
werden
den Lichtort nicht schauen.
Wer
ihre Tollheiten treibt,
wird
hinstürzen, ohne wieder aufzustehen.
Er
wird hinstürzen, ohne wieder aufzustehen,
er
wird am Tage des Endes ein Ende nehmen.
Die
Pforte, die Nerig schuf,
wurde
ganz in Lüge geschaffen.
Ganz
in Lüge wurde sie geschaffen,
und
sie ziehen [122] in der Wüstenei in der Welt umher.
In
der Wüstenei ziehen sie in der Welt umher
und
zeigen ihre Tollheiten in der Welt.
Die
Hmurthas, die aus ihm hervorgehen,
sind
über den Zorn in der Tibil eingesetzt.
Sie
begehen Mord
und
vergießen Blut.
Er,
der sie zusammengerufen'),
schreitet
an der Spitze des Kriegszuges.
An
der Spitze des Kriegszuges schreitet er,
um
Blut in der Welt zu vergießen.
Am
Tage, an dem er einen Mord begeht,
freut
er sich über den Mord mehr als über eine Wohltat.
Am
Tage, an dem er einen Mord begeht,
redet
er”) und lacht in seinem Sinne.
Am
Tage, an dem er keinen Mord begeht,
ist
sein Körper mit Bitterkraut gefärbt.
Die
Pforte, die Nerig schuf,
wird
am Tage des Endes ein Ende nehmen.
Ich
habe euch über die Planeten belehrt
und
über die Pforten, die sie ın der Welt schufen.
Ich
habe euch über ıhre Werke belehrt:
fehlerhaft
wurden sie alle geschaffen.
Sie
alle”) wurden fehlerhaft geschaffen:
Haß,
Eifersucht und Zwietracht.
1)
Wiederum zweideutig, siehe p. 32*.
2)
Das steht da, ist aber kaum ursprünglich.
»)
Leid. hat npiny PnD1n.
137
AO
20
138
Rechter
Teil. 122, 13—123, 9
Ich
habe euch über die Geheimnisse der Sieben belehrt
und
habe euch über die zwölf Sterne belehrt,
die
diese Teilung vorgenommen haben.
Als
sie die Teilung vornahmen,
teilten
sie unter sich‘).
Als
sie dem Widder seinen Anteil zuteilten,
wiesen
sie ihm eine Anzahl Jahre zu.
Sıe
teilten ıhm als Anteil
zwölftausend
Jahre zu.
Dem
Stier teilten sie Jahre,
elftausend
Jahre an Zahl zu.
Den
Zwillingen teilten sie als Anteil Jahre,
zehntausend
Jahre an Zahl zu.
Dem
Krebs teilten sie als Anteil Jahre,
neuntausend
Jahre an Zahl zu.
Dem
Löwen teilten sie als Anteil Jahre,
achttausend
Jahre an Zahl zu.
Der
Ähre teilten sie als Anteil Jahre,
siebentausend
Jahre an Zahl zu.
Der
Wage teilten sie als Anteil Jahre,
sechstausend
Jahre an Zahl zu.
Dem
Skorpion teilten sie als Anteil Jahre,
[123]
fünftausend Jahre an Zahl zu.
Dem
Schützen teilten sie als Anteil Jahre,
viertausend
Jahre an Zahl zu.
Dem
Steinbock teilten sie als Anteil Jahre,
dreitausend
Jahre an Zahl zu.
Dem
Wassermann teilten sie als Anteil Jahre,
zweitausend
Jahre an Zahl zu.
Den
Fischen teilten sie als Anteil Jahre,
tausend
Jahre an Zahl zu.
Als
sie ihre Jahre verteilt
und
ihr Abbild in den Welten hergestellt hatten‘),
sprachen
sie: „Wir wollen ......
jeder
einzeln die ganze Welt finden’).
Wir
wollen zwölf Rufe hinaussenden,
von
denen zwölf Abbilder ausgehen sollen. —
Aus
dem Ruf, den der Widder rief,
sollten
alle Tiere entstehen.
1)
Siehe auch R 379.
?)
Siehe p. 99°.
3)
MWENIT ist wohl entstellt. Statt INIWN) hat man vielleicht TINDWN) zu lesen.
Leid.
hat 519 andRD.
123,
9—124, 1 Drittes Buch. 139
Alle
Tiere sollten entstehen,
deren
Ruf nach dem bösen Ruf wurde.
Er
ward nach dem bösen Rufe,
der
sagte: Ein Anteil soll mir an der Welt sein. —
Aus
dem Ruf, den der Stier rief,
entstand
jede Art böses Getier.
Die
bösen Tiere entstehen durch ihn,
die
aus ihrem Munde Auswurf‘) speien,
die
Auswurf aus ihrem Munde speien,
die
mit dem Munde wıederkauen,
weil
sie ihre innere Glut’)
aus
ihrem Magen’) herausbringen.
Die
Geschöpfe dieser beiden Sterne
entsprechen
einander. —
Aus
dem Ruf, den die Zwillinge riefen,
sind
alle Dämonen hervorgegangen.
Die
Dämonen sind aus ihm hervorgegangen,
die
alle Altäre innehaben.
Sie
haben die Altäre inne,
sie
haben die Ufer‘) inne. —
Aus
dem Ruf, den der Krebs rief,
ist
alles Zahngetier”) hervorgegangen.
Aus
ihm ist das Zahngetier hervorgegangen,
das
zum Bösen für die Welt geschaffen wurde. —
Aus
dem Ruf, den der Löwe rief,
ist
alles wilde Getier hervorgegangen.
Aus
ihm ist das wilde Getier hervorgegangen,
das
gegen die Lebewesen‘) ausgesandt wird.
Es
wird gegen die Lebewesen‘) ausgesandt,
und
sie verursachen Schrecken in der Welt. —
Aus
dem Ruf, den die Ähre rief,
sind
alle Früchte hervorgegangen.
Aus
ihm sind [124] die Früchte, Trauben und Bäume hervorgegangen,
die
in der Welt prangen. —
t)
Dies dürfte der Sinn des Wortes sein, das sich nur an dieser Stelle findet. Zu
ND),
91 „schlürfen‘“ gehört es wohl nicht. 2) Oder: Gift.
3)
801) „Magen“, auch R 204, 9 und Asfar Malwäse 112, 3 (XIN}] 212 „Magen-
schmerzen“),
gehört zu pers. gwäriden „verdauen‘.
#)
Leid. hat NY7N7N). Im Sinne „Ufer“ kommt NINN] sicher R 184, 15 vor, siche
Nöld.,
p. 115, 9. Häufiger findet sich hierfür 877%. Von Dämonen, die an Ufern sitzen,
ist
in
den alten Bleitafeln öfter die Rede, siehe z. B. das Zitat Joh. II, p. 152°.
5)
Die beißenden und stechenden Tiere.
6,
Es steht NANOWW) da, also eigentlich „Seelen“. Mit SNNDWN werden öfter die
Mandäer
bezeichnet, und es ist möglich, daß der Verfasser auch hier nur die Mandäer im
Auge
hat, siehe auch p. 140, 26.
30
140
71
20
tö
vı
us
\isı
Rechter
Teil. 124, 1—19
Aus
dem Ruf, den die Wage rief,
sind
alle Wasserfrüchte hervorgegangen‘).
Aus
ihm sind die schlimmen Früchte hervorgegangen,
durch
die die Welten (Wesen) zu Grabe getragen werden. —
Aus
dem Ruf, den der Skorpion rief,
sind
alle bösen Kriechtiere hervorgegangen.
Aus
ihm sind die bösen Kriechtiere hervorgegangen,
die
mit ihrem Zorn die Lebewesen töten. —
Aus
dem Ruf, den der Schütze rief,
ist
aller Zorn hervorgegangen.
Aus
ihm ist der große, böse Zorn hervorgegangen,
durch
den alle Wesen niedergestreckt werden.
Aus
dem Ruf, den der Steinbock rief,
ist
alles Viehgetier hervorgegangen.
Aus
ıhm ist das Viehgetier hervorgegangen,
dessen
Flügel schwächer sind, als die der Vögel”). —
Aus
dem Ruf, den der Wassermann rief,
ist
die Verkehrtheit hervorgegangen.
Aus
ihm ist Verkehrtheit,
aus
ihm ist Mangel und Fehl hervorgegangen. —
Aus
dem Ruf, den die Fische riefen,
sind
alle Fische hervorgegangen.
Aus
ihm sind die Fische und Delphine hervorgegangen,
aus
ihm ist alles Böse geworden.
Alle
diese Dinge sind aus den zwölf Gestirnen hervorgegangen,
die
sagen: „Wir wollen den Stamm des Lebens aufheben.“
Die
sieben Sterne traten hin
und
teilten sie in Teile ein°),
Sie
teilten sie in Teile ein
und
schufen die Fahrzeuge am Herzen des Himmels.
Was
sie alle auch treiben mochten, die sagen:
„Wir
wollen den Stamm des Lebens aufheben,
aufheben
wollen wir des Lebens Stamm“,
die
sich täglich zum Streit erheben:
die
Planeten wissen nicht,
die
Kinder der nichtigen Wohnung,
daß,
mochten sie auch die Teilung vorgenommen haben,
ich
ihre eigenen Stämme eingeteilt habe.
‘)
Siehe p. 37°. In Leid. fehlt XD. Ist es auch schwer zu sagen, warum die Früchte
des
Wassers todbringend sein sollen, so ist 0% hier wohl dennoch ursprünglich, denn
von
den
schlimmen Früchten kann nicht ohne weiteres „alle Früchte“ gesagt werden.
2,
Im letzten Satze ist das Hausgeflügel gemeint.
®)
Siehe oben, p. 134, 13.
j
124,
20—125, 16 Drittes Buch. 171
euer
Ihre
Stämme habe ich eingeteilt.
Von
ihnen sollen einige zum Pflügen dienen,
andere
sollen zum Schlachten dienen,
andere
zum Reiten, andere zum Essen.
Alle
Rufe, die sie hinausgerufen haben,
wurden
Adams wegen gerufen.
Denn
sie alle
erhielten
ihren Geruch von den Opferungen!).
Sie,
die Rufe hinausgerufen haben,
sie
sollen dahinwandern’), 10
[125]
sie sollen Adam gehorchen,
gehorchen
seinem ganzen Stamme.
wi
Als
ich so gegen die Planeten verfahren war,
hatten
sie keine Sprache mehr.
Als
ich es Adam zeigte, 15
freute
er sich und war wohlgemut über die Maßen.
Ich
trat mit den Uthras, meinen Brüdern, hin
und
belehrte Adam und seinen ganzen Stamm.
Ich
sprach zu ihnen:
„Übet
gute Werke 20
und
versehet euch mit Reisezehrung.
Lasset
den Ruf des Lebens vernehmen,
damit
euer Name im Hause des gewaltigen (Lebens) aufgerichtet
Sprechet
in reinen Reden, [werde.
damit
ihr in Heil’) als Reine gefestigt werdet. 25
Sprechet
in Güte
und
saget nichts Böses.
Verehret
und preiset das große (Leben)
und
das große Licht, das hierher gegangen ıst.
Verehret
und preiset die Uthras, 30
damit
sie euch Helfer seien,
Helfer
und eine Stütze
vom
Orte der Finsternis zum Orte des Lichtes‘).
Gepriesen
sei das Leben, gefestigt sei Manda dHaije, gesegnet sei
Name,
Silmai und Nidbai, Hibil, Sitil und Ano$. Das Leben ist sieg- ;;
reich
über alle Werke. Den Sieg errungen hat Jäwar-Ziwä und seine Helfer.
nigü.
Dies
ist das Buch der lebendigen, ersten Lehre.
1)
Das Wort 9%) findet sich nur an dieser Stelle. Ich sehe darin das babylonische
Die
Variante X'PN) wäre Partizip „Opfernde.“
®)
Siehe oben, p. 24. 3) Zur Schreibung oywn2 siehe Joh. II, p. 46°.
*)
Siehe auch Lit.. p. 212 ob.
N
V
o
S
in
Io
Viertes
Buch.
Eine
unklare und fragmentarische Schilderung des Abstieges Hibil-Ziwä’s zur Welt der
Finsternis,
die sich vielfach mit dem folgenden Traktate berührt. Das große Leben wird
genannt,
doch erscheint als höchstes Wesen der Herr der Größe, der auch der Lichtkönig
genannt
wird. Vor dem Abstieg wird Hibil-Ziwä vom Herrn der Größe und Mandä dHaije
im
Jordan getauft. In die Darstellung sind Stücke aus den Liturgien eingefügt.
Daher
wird
der Traktat auch liturgisch verwandt, nach der in Anm. 3 angeführten Randelosse
bei
der
Taufe der angehenden Priester.
Im
Namen des großen Lebens werde ein Sündenerlasser zuteil mir
NN,
meiner Gattin NN und meinen Kindern NN, NN, und ihr Name werde
aufgerichtet
im Schatzhause des Jawar-Ziwa.
Im
Namen des großen Lebens.
Ob
Kusta gut ist [126] für den Guten‘)
und
Manda dHaije für die Söhne des Heils?®)
Dies
ıst das Mysterium, das Buch, die Belehrung und die erste, leben-
dige
Lehre, die von jeher war’).
Als
das erste Leben nachsann und Mandä dHaije schuf und Manda
dHaije
Hibil-Ziwa schuf, da stand dieser tausend mal tausend Jahre vor
dem
Herrn der Größe und war in ihrer Mitte‘) verborgen. Hibil-Uthra
wird
dereinst zu Krun, dem großen Fleischberge, gehen und zu den drei
Welten
der Finsternis’), den uralten, die das Schwert nicht wegrafft, das
Feuer
nicht verzehrt, die in den Wasserfluten nicht untergehen‘). Jener
Krün,
der große Fleischberg, und die 366 Dews, die bei ihm wohnen: aus
jenen
Dews ist jenes Wesen Namens Ur, der Herr der Finsternis, hervor-
1)
Leid. hat NIONYD „für die Guten“.
?)
Entlehnung aus L 118, 3. Vgl. auch Lit., p. 81 1. ult.
®)
Am Rande steht: Dieser Vortrag und die Lehre ist für den Jordan (für die Taufe)
des
Schülers.
*)
Unter den vorher genannten Wesen.
°)
Nach der Schilderung im folgenden Buche gibt es mehr Welten der Finsternis.
°%)
Hier wird auf die drei Weltkatastrophen angespielt. siehe oben, p. 27.
126,
14—127, 23 Viertes Buch. 143
gegangen.
Sein Vater hat den Namen Gaf und sonstige zahlreiche Namen.
Von
seinem erstgeborenen Sohne, nämlich jenem Ur, gehen die Fünf’),
gehen
die Sieben, gehen die Zwölf hervor, die zusammen vierundzwanzig
Dews
sind. Aus dem Erguß und der Wirrung, als er zu seiner Mutter
eing,
entstand Karküm. Wenn er in der Tibil weilt, nennen ihn die Welten
und
Generationen Bar-Sfag?).
Wir
aber’), mit unserer, sowie des Lebens und der Uthras Kraft, mit
der
Kraft des Lichtkönigs, freuen uns des sanften Uthra‘), des gefestigten
Erstgeborenen,
den wir ausgedacht und geschaffen mit unserem Glanze, mit
dem
wir ihn bekleiden, mit dem Lichte, mit dem wir ihn bedecken, mit der
Kraft
und der Festigkeit, die wir ihm gewähren. Wir senden ihn gegen
alle
Bösen, die auf Böses gegen uns [127] sinnen, und gegen Ur, den Herrn
der
Finsternis, der sich über uns erhebt. Dieser Uthra packt ihn, drückt
ihn
nieder, fesselt und bindet ihn, überliefert ihn der unteren Kupfererde,
und
umgibt ihn mit sieben eisernen Mauern. Bis Ptahil kommt, griechisch
kunstvoll
die Erde dichtet°), das Firmament ausspannt, das Haus‘) baut und
alle
Bösen beseitigt, die auf Böses sinnen, so lange bleibt die Fesselung,
mit
der Hibil-Ziwa Ur gefesselt, bestehen.
Alsdann
begibt sich Hibil-Ziwa nach allen Welten der Finsternis, er
geht
zu Krün, dem großen Fleischberg, und tut ihm alles Böse an. Krün,
der
große Fleischberg, läßt Hibil-Ziwä Angst, Furcht und Schrecken schauen,
doch
Hibil-Ziwä fürchtet sich vor ihm nicht, und Krün wird von ihm unter-
worfen.
Alsdann
spricht Zihrün-Uthra‘), dessen Name Josmir-Kannaä ist, zu
Jadatan,
dem Manne, der diese Aufklärung gibt, der aus dem kleinen Finger
des
Herrn der Größe hervorgegangen ist. Im Namen jenes Uthra wurden
zwei
andere Uthras hervorgerufen, Adatan und Jadatan, die am Tage, an
dem
der erste Jordan Hibil-Ziwä taufte, als seine Helfer hervorgerufen
wurden.
Dann wurden sechs andere hervorgerufen: Sitil und Anos, Silmai
und
Nidbai, Adakas-Manä und das große Mysterium, dessen Name Jofin-
Uthra
ist.
Es
ging mit ihm®) der große, erste Glanz, der aus dem Gewande des
Herrn
der Größe herauskam. Allen Welten des Lichtes wie der Finsternis
schuf
er eine Grenze. Er verschloß die Tore, stieg auf die Riegel‘), und
!)
Siehe oben, p. 13%.
2)
DDr als Subjekt bei Top auch Text 120, 24; 121, 13.
»)
Mandä dHaije spricht.
*,
Das ist Hibil. 5) Siehe oben, p. 89.
®)
Die irdische Welt.
?)
Ein eingeschobenes Bruchstück, das ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden
steht.
8)
Mit Hibil-Ziwa.
3)
Dies ist wohl der Sinn von NN). das sich auch R 145, 13 findet. ZIMMERN
schreibt
mir
dazu: „.NMN) ist wohl das entlehnte gamiru, gameru, synon. giru „ein Teil des
Tür-
schlosses
oder Schlüssels“ bei DELITZSCH, Handwört. 201a. Das Wort kommt, als seltenes
Wort,
nur an den beiden von DELITZSCH genannten Vokabularstellen vor und wird, da es
Fi
o
-
5
20
25
30
In
15
30
33
144
Rechter Teil. 127, 24—129, 13
der
Paß (Passierschein) und das große Mysterium, die ihm von uns mit-
gegeben
waren: [128] jeder kriegerische Dew, der jenen Paß sah, drückte
sein
Siegel darauf. Er stiftete Frieden in allen Lichtwelten, die unbegrenzt
und
endlos sind.
Als
ich alle diese Dinge, die geheimen und geoffenbarten, erzählte
und
sagte‘), verehrte ich, pries und verherrlichte den Herrn der Größe
gemäß
der Weisheit und dem Wissen und dem, was das Leben mir sonst
mitgeteilt.
Jene tausend Jahre war ich vor dem Herrn der Größe, indem
ich
hingestreckt auf meinem Gesichte lag. Dann rief mich der Herr der
Größe,
faßte mich bei der Fläche meiner Rechten und richtete mich von
meiner
Lage empor. Alsdann breitete der Herr der Größe von seinem
Glanze
über mich, verlieh mir von seinem Lichte und legte mir um das
Haupt
einen Kranz von Siegen aus lichtvollem Laube. Geschaffen wurde
auch
Glanz und Licht allen Uthras, geschaffen allen Uthras Gewänder,
geschaffen
ein Gewand dem Herrn der Größe.
Hernach
erhob sich der Herr der Größe und schuf zu seiner Rechten
444
Skinäs und zu seiner Linken 366 Skinas. Aus jeder einzelnen Skina
schuf
er dann 1800000 Myriaden Uthras, die wert und wundersam sind,
deren
Glanz wundersam, deren Jicht hell und leuchtend ist, durch deren
Glanz
die Leuchten flackern’) und leuchten, die vor ihnen leuchten. In
jeder
einzelnen Skinä haben sich zwei Leibwächter niedergelassen, und zwei
Leuchten
leuchten davor.
Wie
ist der Name des ÖOberwächters der 444 Skinas? Wie ist der
Name
dessen der 366 Skinas?
[129]
Das Haupt der 444 Skinas führt den Namen Barbag-Uthra, auch
Azazel
mit Namen. Das der 366 Skmäs nennt man Anan-Nsab, auch
Taurel-Uthra
mit Namen. Mit dem Namen Taurel-Uthra schuf®) er sich
am
Anfange der ersten Schöpfung, alsdann schuf er alle Uthras.
Manda
dHaije und der Herr der Größe machten sich auf und stiegen
zum
Jordan hinunter, und (der Herr der Größe) bereitete‘) die Taufe. Als
er
den rüstigen Uthra, den großen, wohlgerüsteten Uthra taufen wollte,
wandte
sich der große Jordan an den Herrn der Größe, redete und sprach
mit
ıhm: „Wer ist dieser Uthra, den du in mir taufen willst, der du und
dein
Abbild’) in mir getauft wurdet?“ Alsdann, als das lebende Wasser
den
Glanz und das Licht des Hibil-Ziwä, den Glanz, das Licht und die
an
der zweiten Stelle gerade nur mit medilu „Riegel“ zusammen genannt wird, wohl
das
letztere
bedeuten, nicht etwa „Schlüssel“.
!)
Wiederum ohne Anschluß an das Vorhergehende. Der Sprecher ist Hibil-Ziwä.
?)
Lies NYIDN”.
®)
Auch Dr ist die Zweideutigkeit von X” störend, da es rufen, nennen“, wie „her-
vorrufen,
schaffen“ bedeuten kann.
*)
Auch hier steht XP, also „rief hervor“.
°)
Das „Abbild“ der Gottheit erscheint namentlich im folgenden Stück als ihr
weiblicher
Paredros.
Man hat mit Recht auf die Bezeichnung der Tanit, der karthagischen Caelestis,
als
„Antlitz des Baal‘ hingewiesen, siehe Brandt, Schr., p. 137.
F
129,
13—130, 17 Viertes Buch. 145
Herrlichkeit
des Manda dHaije und den Olivenstab lebenden Wassers er-
blickte,
der aus Jokafar-Kannä geschaffen worden war, scherzte es und
hielt
sich nicht still, hüpfte und drehte sich hin und her, gleich den Wellen
in
Sindiriawis, dem großen Jordan des Lebens.
Darauf
sprach der Herr der Größe zum großen Jordan: „Du, großer
Jordan
des Lebens, bleib ruhig und fest an deiner Stätte, denn Hibil-Ziwä
soll
in dir getauft werden.“ Da wandte sich der große Jordan des Lebens
von
den Worten des Herrn der Größe nicht ab und wich von seiner Rede
nicht
ab. Der Jordan des lebenden Wassers blieb stehen, und Hibil-Ziwä
wurde
in ihm getauft. Getauft wurde Hibil-Ziwa, getauft wurden mit ihm
seine
beiden Brüder‘), getauft vier andere, die Große genannt werden. Er
taufte
die drei Uthras, die [130] seine Brüder und seine Helfer sind’).
Als
er diese alle, die mit ihm waren, taufte, als er im Jordan stand mit
seinem
Schöpfer, dem Herrn der Größe, redete er, sang ein Lied über den
Jordan
und sprach:
„An
der Spitze’) des Wassers zog ich aus,
an
der Spitze der Sprudel des Lebens ging ich hierher.
Ich
gründete drei Skimas
und
setzte Hüter über sie ein.
Die
Hüter, die ich über sie einsetzte,
sind
wundersam, gesegnet und beständig“.
Alsdann
festigte‘) Manda dHaije die Taufe. Er stieg dann aus dem
Jordan
und schloß Kustä mit den Großen. Und der Herr der Größe, als
Manda
dHaije aus dem Jordan stieg und seine Brüder, die seine Söhne
sind’),
siegelte, er, der Herr der Größe, respondierte Manda dHaije und
sprach
zu ihm:
„Dein
Glanz ist hell,
und
dein Licht leuchtet.
Die
Jünger leuchten durch deinen Glanz,
und
ihre Gestalt leuchtet mehr als alle Welt.“
Er
rief Hibil zu und sprach zu ihm:
„Die
Stimme Hibil-Ziwas höre ich,
der
am Lichtorte redet und vorträgt,
die
Stimme seiner Rede, die lieblich ist.
Mein
Herz wurde mir erweckt, wurde des Lobpreises voll.
Mein
Herz wurde mir erweckt, und meine Seele freute sich,
mein
Sinn freut sich und prangt,
und
mein Inneres frohlockt über die Maßen.
2)
Sitil und Anös.
2)
Drei Uthras neben Hibil auch oben; p. 26, 28.
3)
Siehe Lit., p. 149, LXXXII
*)
Siehe Lit.. p. XXHLf.
5)
Die höheren Wesen werden öfter zugleich als Brüder und Söhne anderer
bezeichnet,
damit
soll ihre völlige Gleichartigkeit zum Ausdruck kommen.
Lidzbarski,
Ginza. 10
in
2
oO
J
in
30
55
5
15
25
530
38)
146
Rechter Teil. 130, 17—131, 21
Ich
hüpfe und freue mich über die Werke,
die
Hibil-Ziwä ausgeführt,
und
die durch seine Hand vortrefflich gelangen.“
Er
behütete ihn, festigte ihn, rüstete ihn, segnete ihn und breitete
von
seiner Gnade über ihn. Er verlieh Hibil-Ziwa Glanz, rief dann Sitil,
festigte
ihn und sprach zu ihm:
„Behüte,
behüte, Sitil-Uthra,
daß
deine Rede die der Dämonen sei.
Deine
Rede sei unsere Rede,
sei
mit uns verbunden und werde nicht abgeschnitten.“
Er
verlieh Sitil Licht, rief dann Anos, festigte ihn und sprach zu ihm:
„Dich
segneten [131] die vier Uthras, die im gegenseitigen Glanze') dasitzen.
Sie
tauften dich mit ihrer Taufe und bekleideten dich mit Gewändern von
den
ihrigen.“ Er verlieh Anos Helligkeit und gewährte ihm reichen Glanz,
wie
seinen beiden Brüdern.
Da
sprach die große Leuchte, die über alle Welten leuchtet, sie redete
und
sprach zum Herrn der Größe. Der Name jener Leuchte ist Jattir-
Jathrün;
sie hat 360 Namen. Sie sprach zu ihm:
„Wessen
ist dieser Glanz?)
Wessen
ist dieses Licht?
Wessen
ist diese Helligkeit?“
Darauf
erwiderte er ihr:
„Dieser
Glanz gehört Hibil,
dieses
Licht gehört Sitil,
diese
Helligkeit gehört Anos-Uthra°),
die
ausgedehnt und endlos ist.“
Der
Lichtkönig siegelte sie‘), er siegelte sie in vollkommener Weise.
Er
rief Silmai und Nidbai, legte seine Rechte auf sie, segnete sie mit seinem
Segen
und sprach zu ihm‘): „Wir freuen uns dieses Bildes, das geschaffen
wurde.“
Sie riefen dann R’ham-Razä und Adakas-Mäna und seine Helfer.
Sie
schufen ihnen eine bergende Wolke, damit die Uthras ihre Gestalt
nicht
schauen, und sprachen zu ihnen: „Die Uthras sangen Hymnen in ihrer
Herrlichkeit,
und ihr Großen freuet euch eurer Erleuchtung. Die Lichtwolke
freut
sich und prangt.“
Als
der Mann an ......... °) kam, setzte er sich hin. Der Licht-
könig
siegelte seine Helfer, seine Brüder, die seine Söhne sind. Er siegelte
Sindiriawis,
den großen Jordan des Lebens, in dem niemand getauft werden
1)
Vgl. auch R 335, 4. 2) Vgl. Lit., p. 245, XXIIf.
®)
Leid. hat NYID NIMy (für NND): dem großen Uthra.
4)
Hibil, Sitil und Anöß.
°)
Hier ist schwerlich nur einer von den beiden Genien gemeint; man hat wohl
POANEN)
„und sprach zu ihnen“ zu lesen.
®)
Ein Wort kosmischer Bedeutung, dessen Sinn sich nicht mit Sicherheit
feststellen
läßt,
siehe Joh. II, p. 66°.
131,
21—133, 5 Viertes Buch. 147
kann.
Er sprach zu ihnen: „Wir führten die Güte des großen (Lebens)
aus’)
und brachten deine Barmherzigkeit in Ordnung. Wir schufen den
großen
Jordan des Lebens und die 360 Jordane, in denen Hihil-Ziwä ge-
tauft
wurde.“
Alsdann
sprach Manda dHaije zum großen (Leben), [132] das ihn ge-
schaffen
hatte: „Gewähre, daß wir diesen erstgeborenen Sohn, den ich ge-
schaffen,
zur Welt der Bösen senden.“ Da sagte sein Abbild?) zu ihm:
„Nimm
kein (zu frühes) Ende!’) Wie kannst du ihn nur „mein Sohn“
nennen!“
Darauf erwiderte er ihr: „Wenn ich ihn nicht „mein Sohn“
nennen
soll, wer soll ihn „mein Sohn‘ nennen?“ Er sprach dann zu Hibil-
Zıwa,
dem Haupte des ganzen Geschlechtes: „Wie wir dich geschaffen
haben,
so schaffe du die Uthras, deine Brüder, auf daß sie auf den Schatz
des
Lebens achtgeben. Wenn du zur Finsternis gehest, nimm die Kraft
der
raschen Taube an.“
Alsdann
machte sich Hibil-Ziwä auf, ging hin und unterwarf die Ver-
gänglichen.
Er tat den gewaltigen Unholden etwas an, das ihnen verhaßt
war.
Er sah Rüha dQudsä, wie sie mit dem hinfälligen Unhold schwanger
war.
Sie war mit dem Könige der Finsternis schwanger, und sie sagen:
„Wir
wollen die Herren aller Welten, der oberen, mittleren und unteren
sein.“
Ich sah den König der Finsternis, wie meine Eltern es mir gesagt.
[Ich
unterwarf] Rüha, Hewath‘) das Weib, die Mutter des hinfälligen Un-
holdes.
Ich unterwarf den König der Finsternis, dessen Mutter sagt: „Wir
wollen
die Herren aller Welten sein.“ Ich schuf über ihm eine große
Verdichtung
und richtete ein ...... ’), über ihm auf, worin ich die Welt
aufrichtete.
Ich verfluchte Hewath das Weib, die Mutter des hinfälligen
Unholdes,
und sprach zu ihr: „Dein Fluch und dein Segen seien dein
alleiniger
Anteil‘). Deine Söhne und Ptahil-Uthra sollen diese Welt ein-
richten.
Nur infolge des Planes des Josamin’) bin ich zu euch gekommen.
Ich
kam zu euch und tat der Finsternis etwas Verhaßtes an. Denn ohne
Mangel
und Fehl habe ich ausgeführt, was meine Eltern mir befohlen. Denn
[133]
ein Sohn, der auf die Rede seiner Eltern‘) nicht hört, wird hier bei
euch
zurückgehalten. Ich jedoch gehorchte und nahm an und schlug nicht
in
den Wind, was meine Eltern mir befohlen. Ja, ich hörte auf ihre Rede,
ich
nahm sie an und ging hin, richtete sie im Schatze der Uthras, der
Hüter
des Schatzes, der Stützen des ganzen Palastes, auf. Kustä nahm ich
1)
Vgl. Lit., p. 1, 6.
2)
D. h. seine Frau, siehe p. 144°.
3)
Die Wendung findet sich nur an dieser Stelle. Sie ist wohl sinnverwandt mit
NW2
NND INMOIDND „stirb keines schlimmen Todes‘ R 161, 6.
4)
Siehe oben, p. 7L!.
5)
Siehe zu NINAIND oben, p. 89°. „Abflußrohr, Rinne“ paßt hier nicht.
6)
Sollen auf dich zurückfallen.
?)
Über den Plan des JöSamin und dessen Auflehnung gegen die Lichtwelt siehe Joh.
II,
p. 16ff., 28 und hier das dritte Buch.
8)
Leid. hat TNNIRINT NMWT.
192
.
ni
5
30
in
Io
15
148
Rechter Teil. 133, 6—19
in
meine Rechte und ging zur Welt der Finsternis. Die einen standen
fest
im Glauben, die anderen hielten sich selber in der Welt der Finsternis
zurück.
Di» im Glauben fest standen, steigen empor und schauen den
Ort
des Lichtes. Die nicht fest im Glauben standen, werden am Tage des
Endes
ein Ende nehmen.“
Mandä
dHaije redete und sprach: „Dieser Kampf, der stattfand, fand
Jöosamins
wegen statt. Denn ein jeder, der ein Haus baut und davor eine
Moschee
einrichtet ee).
Ein
jeder, der diesen Traktat betet und ihn nicht mit aufrichtigem
Herzen
und gläubigen Lippen rezitiert, wird vom Wege vor ihm?) abge-
schnitten
werden. Doch ein jeder, der ihn mit aufrichtigem Herzen und
gläubigen
Lippen rezitiert, wird einen Erlasser der Sünden und Vergehen
erhalten.
Gepriesen
sei Manda dHaije und seine Helfer Hibil, Sitil und Anos
und
Silmai und Nidbai. Und das Leben ist siegreich in alle Ewigkeit.
1)
Der Rest ist wohl mit Rücksicht auf die Muslims gestrichen.
®)
Der vor ihm zum Lichte emporführt.
I
Fünftes
Buch.
Im
Namen des großen, fremden Lebens aus den Lichtwelten, des er-
habenen,
das über allen Werken steht, werde Heilung und Sieghaftigkeit,
Kraft
und Festigkeit, Rede und Erhörung und ein Sündenerlasser zuteil
mir
NN und meiner Gattin NN ...... Und ihr Name werde aufgerichtet
im
Hause des Lebens.
Erstes
Stück.
Das
wichtigste Stück des mandäischen Schrifttums über den Abstieg des Erlösers in
die
Unterwelt. Während im Hauptteil des dritten Buches es Mandä dHaije ist, der zum
Kampfe
mit den Unterirdischen hinabgesandt wird, ist es in diesem Stücke Hibil-Ziwä,
der
darin
als Sohn Mandä dHaije’s erscheint. Bei der Charakterisierung der finsteren
Mächte,
der
Schilderung ihres Treibens und ihres Verhaltens dem überirdischen, fremden
Manne gegen-
über
zeigt die Darstellung eine Höhe, die sonst in der mandäischen Literatur nicht
erreicht
ist.
Trotz der Riesenhaftigkeit der Unholde und des Bewußtseins ihrer Macht fühlen
sie
sich
doch tief unter dem Lichtwesen stehend, und dies kommt in ihrem unterwürfigen,
diener-
haften
Eifer um ihn packend zum Ausdruck. Der Traktat ist auch wie kein anderer reich
an
mythischen Zügen. Trotzdem ist auch er nicht einheitlich, und die Darstellung
wird
durch
Widersprüche und Aneinanderreihen paralleler Züge gestört. Die Erzählung ist
auch
nicht
vollständig; der Anfang ist abgerissen und ohne Kopf. Die Überarbeitung gerade
des
Anfanges
zeigt sich auch darin, daß da von Hibil-Ziwä in der dritten Person erzählt
wird,
während
Hibil im weiteren Verlauf des Stückes von sich in der ersten Person spricht.
Als
höchste
Wesen erscheinen der Mänä und sein Abbild als sein weiblicher Genosse (siehe p.
144°).
Außer
ihnen wird aber das Leben genannt und als weibliches Wesen die Nituftä. Das
Leben,
auch
die Nituftä werden stellenweise mit dem Mänä und seinem Abbilde kombiniert, so
daß
eine
Dreiheit gebildet ist. Wahrscheinlich war ursprünglich in einer Version Mänä
nebst
seinem
Abbild, in einer anderen das Leben genannt, und die Nituftä gehörte, wohl auch
wa
25
Io
I5
20
25
30
35
150
Rechter Teil. 133, 24-134, 12
sekundär,
zu diesem. Auch der Zweck des Descensus hebt sich aus der jetzigen Darstellung
nicht
scharf genug ab, er läßt sich nur erschließen: Die Mänäs erfahren, daß in der
Unterwelt
ein
Wesen geboren werden soll, das einen Kampf mit der Lichtwelt aufnehmen wird;
dem
soll
der Erlöser entgegentreten. Die Geburt des Bösen scheint festzustehen und das
Ge-
schehnis
unabwendbar; dem Erlöser kann nur die Aufgabe zufallen, ihn möglichst unschäd-
lich
zu machen. Er steigt in die Unterwelt mit einem Heere Helfer hinunter und geht
darauf
aus, die Geburt des Bösen nach Möglichkeit hinzuziehen, ihm dann seine Kraft zu
nehmen
und ihn in Fesseln zu legen. Wie die Kraft Hibils im „großen Mysterium‘
besteht, das
ihm
aus der Lichtwelt mitgegeben wird, so ist auch die Stärke der Unterirdischen an
ein
Objekt
gebunden, das in der Unterwelt verborgen ist und das Hibil rauben soll. Im Ver-
laufe
der Erzählung werden verschiedene Gegenstände genannt, wohl nach der
Verschieden-
heit
der Quellen. Zuerst ist es ein Mrärä und Gimrä, dessen Bedeutung sich nicht
bestimmen
läßt
(weiterhin nur Gimrä), dann ein Zauberspiegel, dann eine Krone, schließlich
eine Perle.
Hibil
raubt diese Gegenstände, und es gelingt ihm, Ur in Fesseln zu legen. Hier p.
173, 31
sowie
oben, p. 143, 15 wird nur kurz angedeutet, daß die Fesselung Urs dauern sollte,
bis die
irdische
Welt geschaffen wird. Bei dieser Gelegenheit sollte wohl Ur mit Hilfe der
Sieben
und
Zwölf, die Rühä trotz seiner Fesselung von ihm gebiert, sich befreien und sich
zum
Äpxwv
TOD KÖonon Tobrou emporschwingen. Aber dies wird nicht ausgeführt, wohl aber
wird
kurz
erzählt, dab Abathur in Ptahil sein Abbild und seinen Sohn erhält und daß
dieser auf
Abathurs
Aufforderung trotz der Warnung Hibils die Erde schafft. Rühä gebiert die Sieben
und
Zwölf, Hibil findet sich damit ab und weist den Planeten ihre Stellung in der
Welt zu.
Mit
ihrer Hilfe schafft Hibil auch das erste Menschenpaar.
Der
Inhalt dieses Abschnittes ist bei PETERMANN, Reisen im Orient II, p. 450 ft.
wiedergegeben.
Auch SIOUFFT's Gewährsmann erzählt die Hauptzüge des Stückes mit fremden
Zügen
untermischt (p. 48 ff.). Auf Grund von BRANDT’s Übersetzung Schr., p. 137 ff.
sucht
BOUSSET,
Hauptprobleme, p. 244ft., den Inhalt zu analysieren. siehe auch Brandt, Rel.,
p.
29, 213#f.
Im
Namen [134] des fremden Lebens aus den Lichtwelten, des er-
habenen,
das über allen Werken steht.
Dies
ist das Mysterium, das Buch und das geheime Gebet‘). Denn
das
Leben hielt verborgen die Rede des Manda dHaije, als er vor dem
Mänä
und seinem Abbilde und vor dem Leben die Offenbarung äußerte,
daß
ein Dew aus Siniawis, der unteren Erde der Finsternis, emporstrebte?).
Als
Mandä dHaije dies sagte, sprach das Leben und der Mäna und sein
Abbild
zu ihm: „Warum sitzest du da, du Schatzhalter®) und unser ältester
Sohn?
Auf, steig hinab, geh hin und tue, was du wünschest.“
Als
Mandä dHaije dies von ihnen hörte, verneigte sich Manda dHaije,
streckte
sich vor ihnen hin und sprach zu ihnen: ‚‚Ich will mich aufmachen
2)
Statt 0MD würde ich lieber NW annehmen: die geheime Lehre, siehe z. B. Text
126,
3. ®) Leid. hat INNY.
®)
Dieser Name ist ihm als dem Behüter der Geheimnisse und Mysterien beigelegt.
Wohl
aus
demselben Grunde dient das Wort 7270) auch als Bezeichnung für den hohen
Priester
der
Mandäer.
134,
12—135, 13 Fünftes Buch. Erstes Stück. 151
und
den Schatzhalter'), euren Sohn, jene Pflanze, die ihr gepflanzet, das
Abbild,
das ihr gebildet habt aus eurem Versteck, eurem Ei?), aus jenem
Jordan,
den ihr hingezogen und .....-..- ‚ aus dem Tanna°) und der Ader
eures
Ortes rufen.“
Als
Manda dHaije so sprach, wurde seine Stimme in allen Welten ge-
hört.
Er stand auf, taufte und brachte herbei‘) jenen seinen Sohn und
sein
Abbild. ‚Vater, wohin gehen wir?“ fragte dieser ihn. Darauf ant-
wortete
er ihm: ‚Auf, komm, ich will dir das Abbild des Mana’) und Manä
und
sein großes, verborgenes Abbild zeigen, das vor allen Uthras in 365
verborgenen,
gewaltigen Welten und Eiern des Lichtes verborgen ist.“
Darauf
sprach zu Manda dHaije sein Sohn, der sein Bruder ist®): „Wo
ich
mich ängstige, dieses erste Abbild, jenes Abbild des Mänä und den
Manä
und sein verborgenes Abbild, das [135] vor aller Welt verborgen ist,
zu
schauen!“ Worauf sein Vater, der sein Bruder ist, ihm erwiderte: „Mich
haben
sie mit raschem Schritt hergesandt, und ich bin zu dir gekommen;
warum
sitzest du nun, geliebter Sohn, da, dem man ‚der Glanz des Lebens
handelte
und hatte Erfolg und Bestand‘ als Namen gegeben hat? Jetzt
auf!
Wir wollen hingehen und das Antlitz jener hoelrgeehrten Mänas
schauen.‘
Als
sein Vater dies sagte, gefiel es jenem sanften, gefestigten Sohne.
Er
faßte seinen Vater bei der Rechten und ging mit ihm, bis er zu den
Versteeken
und Eiern der Wesen, gewaltig an Herrlichkeit kam. Als er
hinkam,
sprachen zu ihm das erste Leben und Manä und sein Abbild: „Was
tuest
du Jawar-Kbar, Sohn des Mandä dHaije’), der uns die Stirnlocken auf
dem
Haupte flicht °) ?‘
Darauf
erwiderte er ihnen: „Wohlan, ihr suchtet®) und fandet; suchet
abermals
und findet. Ich machte mich auf und brachte euren Sohn.“ Da
sagten
sie zu ihm: „Auf, führe ihn hinein und bring ihn, damit wir ihn
sehen
und er uns sehe.“
1)
Hier ist es eine Bezeichnung für Hibil-Ziwa.
2)
Shbeleh hr eigentlich „Eiweiß“ findet sich häufig namentlich als Herkunfts- und
Ent-
stehungsort
geistiger Wesen, siehe Joh. II, p. 208°.
3)
Ein Wort unsicherer Herkunft. Verschiedentlich ist davon die Rede, dab das NINN
schmelze,
es steht auch sonst in Verbindung mit Wärme, daher ist es vielleicht aus NYNN
„Ofen“
gekürzt.
*)
Leid. hat FINN) TI’2.
5)
Es ist unklar, wer dieses Abbild sein soll, vielleicht das Leben, siehe
weiterhin.
6)
Siehe oben, p. 145°.
?)
BRANDT bemerkt richtig, daß die Ansprache an Mandä dHaije selbst gerichtet ist,
der
auch nachher antwortet. Zu Kbar siehe auch oben, p. 67, 19, der dort mit Manda
dHaije
identifiziert
wird. Jäwar heißt „Helfer“.
8)
Eigentlich die Hörner. Die Stirnlocken werden wie ein Kranz um das Haupt ge-
flochten
und bilden eine Zier des Hauptes; N steht auch bei Kränzen. Der Ausdruck
findet
sich öfter: R 178, 10; 257, 14; 373, 5; L 42, 15; Joh. 51, 5. Hier ist der
Sinn, daß
er
ihre Zier sei und ihnen zur Zier gereiche.
9,
Lies IN.
a
5
in
12}
vr
152
Rechter Teil. 155, 13—186, 21
Da
stand er auf, ging hin, führte ihn hinein und brachte ihn vor jene
hochgeehrten
Mänäs. Als Hibil, der künftige Mäna'), bei ihnen eintrat,
ängstigte
er sich vor ihnen, weil ihr Glanz wundersam, ihr Licht helleuch-
tend
war und niemand jene ihre Gestalt zu schauen vermag, weil ihr Glanz
ausgedehnt
und ihr Licht groß ist.
Als
die beiden teuren Mänäs”) und das erste Abbild mich erblickten‘®),
stellten
sie mich vor sich hin, küßten und kosten mich. Ich jedoch streckte
mich
vor ihnen hin, betete an und pries jenes Abbild. Tausend Jahre lag
ich
davor hingestreckt, bis mich dann jener Mänä mit seiner Rechten an-
faßte,
mich von meiner Lage aufrichtete und sprach: „Steh auf, Manä
Hibil-Ziwa,
den wir gerufen haben. Ängstige dich nicht.“ Auch das Ab-
bild
des großen Mänä legte die Hand auf mich, Hibil-Ziwa.
Alsdann
öffneten sie ihren Mund und sprachen: [186] „Warum sitzest
du
da? Steh auf, wir wollen dich in 360000 Jordanen taufen und mit 360%)
Gewändern
bekleiden.“ Sie bedeckten ihn mit Hüllen, von denen eine
jede
wundersamer war als die andere. Sie standen auf, tauften ihn in
360000
Jordanen und sprachen geheime Namen über ihn, von denen ein
jeder
wundersamer war als der andere. Sie bewachten mich tausend My-
riaden
endlose Jahre. Ich blieb bei ihnen in jenem verborgenen Ei, bis
ich
groß wurde und ihnen glich.
Alsdann
legte mein Vater die Hand auf mich, Hibil-Jawar — er hair
mir
seinen Namen Jäwar”) beigelegt — und schuf mir eine Welt, ausgedehnt
und
endlos. In jener Welt schuf er mir zehntausend mal tausend Licht-
welten
und schuf mir 360°) gewaltige, innere’) Jordane. In jeder einzelnen
Welt
schuf er mir 360000 Uthras, in jeder einzelnen Skina schuf er mir
360000
Skinäs. Jede einzelne Welt war verschieden (von der anderen), und
wundersam
war ihr Glanz, ihre Erleuchtung und ihr Lobpreis‘).
Mein
Vater gab mir sein Gewand mit, in dem er geschaffen worden
war,
das Gewand, in dem er die Taufe empfangen hatte, auch ein ver-
borgenes
Mysterium gab er mir, das von den Großen behütet ist, und sie
sprachen°):
„Gehe, gehe, unser Sohn und unser Abbild, dessen Glanz wunder-
samer
ist als der aller Uthras. Der Ort, in den du dich begibst: schweres
Leid‘)
wartet deiner in jenen Welten der Finsternis. Generationen über
!)
Zum Gebrauch von NMNY im Mandäischen siehe Lit., p. 251!. Es heißt „bereit
(um
in die Erscheinung zu treten), zukünftig“. Vorläufig sind die Wesen noch
jenseitig,
und
so deckt sich der Sinn des Wortes ungefähr mit dem von ’NINW oder WIND.
2)
Das Leben und der große Mänä.
°)
Von hier an spricht Hibil-Ziwä in der ersten Person, doch fällt die Erzählung
öfter
in
die dritte Person zurück.
*)
Leid. hat 360000.
5)
Siehe oben, p. 151°. 6) Leid. hat 360000.
?)
Zur Überwelt gehörig, aus dieser nicht heraustretend.
®)
Siehe oben, p. 55°.
?)
Nach dem Folgenden sind die Eltern als Subjekt gedacht.
zeEVol.
Nolde p. A0b.
136,
22—138, 4 Fünftes Buch. Erstes Stück. 153
Generationen
wirst du da bleiben, bis wir dich vergessen. Deine Gestalt
wird
dort bleiben, bis wir dir die Totenmesse lesen.“
Als
er dies von seinen Eltern hörte, verneigte er sich und streckte
sich
[137] vor ihnen hin und sprach zu ihnen: „Wohlan! Mit eurer, meiner
Eltern,
Kraft und dem großen Mysterium, das von euch bewahrt ist, mit
der
Kraft meines Vaters Manda dHaije, wohlan, will ich mich aufmachen
und
nach dem Orte gehen, an den ihr mich sendet.“
Also
sprach Hibil-Manä-Jäwar. Sein Vater geht und kommt mit ihm,
und
seine beiden Brüder’) gehen mit ihm. Sie lasen Hymnen, Gebete und
Gebetsordnungen,
ihr Herz hüpfte vor ihrem Vater, und ihrem Vater hüpfte
sein
Inneres, und er sprach: „Es gibt keinen wie ich bin, dem seine Eltern,
die
großen Mänas, solche verborgene Sprossen hervorgerufen und geschaffen
haben.“
Ihr
Vater geht und wandert mit ihnen, bis er an den Ort der beiden
Grenzen
kommt, der zwischen Licht und Finsternis liegt’). Sein Vater
sprach
dann zu ihm: „Gehe, mein Sohn Hibil samt deinen beiden Brüdern,
die
dich begleiten. Sie sollen mit der Gnade hinkommen, die dein Vater
dir
bereitet’).“ Darauf erwiderte Hibil seinem Vater, dem reinen Mänaä:
„Jemand,
den sein Vater wappnet, siegelt, tauft und festigt, braucht die
Bösen
nicht zu fürchten.“ Sein Vater umarmte ihn nicht und küßte ihn
nicht.
Da sprach er zu seinem Vater: „Wenn du mich umarmtest, käme
großes
Leid über mich‘).“ Als sein Vater dies von Hibil hörte, verneigte
er
sich und festigte ihn. Sein Vater machte sich dann auf den Weg’) und
begab
sich zum Mäna und seinem Abbild.
Ich
Jäwar-Hibil sprach nun: „Wohlan! Mit eurer, meiner Eltern, Kraft
und
mit der Kraft des großen Mysteriums und der Helfer, die mich be-
gleiten,
will ich zur Finsternis hinabsteigen.‘
Als
ich nun hinabsteigen und meine Füße in das schwarze Wasser
tauchen
und auf die Mauern, die Finsternis und Licht trennen, (setzen)
wollte,
zogen sie sich vor mir um tausend Meilen zurück, und ich gelangte
in
die erste Welt der Finsternis, [138] in der Rüha wohnte. In jener Welt
wohnte
ich tausend Myriaden Jahre, und niemand wußte von mir, daß ich
dort
war. In dieser Welt war ich vor ihren Augen verborgen.
Alsdann
sprach das große Mysterium, das mir beigegeben war: „Wir
?)
Sitil und Anös.
2)
Licht und Finsternis haben je eine eigene Grenze. !N NIS MI könnte an sich
auch
„zwischen die beiden Grenzen“ übersetzt werden, aber N’Y3%5 MD „Grenzort“ ist
ge-
rade
in diesem Stücke häufig.
2)
Wohl IRONNWD 20T zu lesen. SDDNT ist durch das Folgende beeinflußt und
danach
auch IRONNVD abgeändert.
4)
xDy kann hier kaum in anderem Sinne aufgefaßt werden, als oben, p. 152, 33. Die
Bedeutung
des Satzes ist dunkel.
5)
Eigentlich: schaute nach seinem Wege aus. Der Ausdruck ist erstarrt und be-
zeichnet
auch den Aufbruch. Er findet sich nur einigemal in diesem Traktat, außer hier
noch
Text 158, 17; 164, 8, 23.
wi
-
oO
D
[®)
[65
°
1
3
5
in
oO
un
154
Rechter Teil. 138, 4—139, 17
wollen
nach unten gehen.“ Darauf stieg ich unter diese Welt und kam in
die
Welt des großen Zartai-Zartanai; welchem Dinge seine Gestalt gleicht,
weiß
ich nicht. Da sprach ich zu ihnen: „Sehet ihr, Uthras, meine Brüder,
welchem
Dinge die Gestalt dieses Zartai-Zartanai gleicht?“ Ich sprach
dann
zu ihm: „Gefesselt und niedergehalten sei diese deine Gestalt, Zartai-
Zartanai,
und die deiner Gattin Amamit.“
Jahre
um Jahre und Generationen um Generationen war ich da, und
sie
wußten um mich nicht, daß ich da in ihrer Welt wohnte. Lichtwesen
waren
mit mir, und wir trugen Gebetsordnungen, Gebete und Totenmessen
vor.
Ihr Herz hüpfte bei ihrer Erleuchtung und ihrer Lobpreisung. Tag
für
Tag steigt diese zum Leben und zum Mana und seinem großen, ersten
Abbild
empor, die das Leben geschaffen. Ich sagte mir, daß ich beim
Leben,
meinem Vater, sitze und mich daher vor diesen Gestalten nicht zu
ängstigen
brauche.
Alsdann
verließ ich Zartai-Zartanai, brach auf und ging nach anderen
Welten,
denen des Hag und der Mag, der beiden Manäs der Finsternis,
deren
Zauberkunst größer ist als die aller Wesen der Finsternis. Von der
Welt
des Zartai-Zartanai bis zur Welt des Hag und der Mag sind tausend
Meilen
ohne Zahl. Ich sprach:
„Wer
hat mich hierher gebracht,
und
ihr, meine Füße, wer hat euch hierher emporsteigen lassen ?')“
Ich
ging hin und fand diese zwei gewaltigen Mänäs der Finsternis,
Hag
den Mann und Mag [139] das Weib. In jener Welt weilte ich sechzig-
tausend
Myriaden Jahre. In jener Welt sah ich sie und wußte, was in
ihrem
Herzen vorging.
Ich
verließ sie dann, brach auf und kam zu einer anderen Welt, der
des
Gaf und des Gafan, der gewaltigen Riesen der Finsternis, die aus der
Quelle
des schwarzen, zischenden, brodelnden Wassers hervorgegangen
sind,
das wie siedende Kessel kocht, sprudelt und in die Höhe steigt. Von
jener
Welt des Hag und der Mag bis zur Welt des Gaf und des Gafan
sind
hunderttausend Myriaden Meilen ohne Zahl und Rechnung.
Als
ich Gaf und Gafan erblickte, — ihre Gestalt ist verkehrte Gestalten;
sie
gleichen Drachen, und ihre Weiber gleichen Salamandern, — sprach
ich
zu ihnen: „Gebunden und gefesselt seiet ihr, Riesen der Finsternis, und
gefesselt
sei euer Körper mit der großen Fesselung, mit der die Schmiede’)
die
Unholde fesseln. Gefesselt sei eure Zauberei und euer Trug, die ihr
treibet.
Gefesselt seien eure Weiber, die Liliths, die Salamander, die ver-
kehrten
Gestalten, die häßlich, verdreht und verschnürt sind, deren Aus-
sehen
und deren Geschwätz niemand ertragen kann.“
1)
Wahrscheinlich ein Zitat aus einem anderen Zusammenhange, wie auch R 263, 1.
Daher
das hier nicht passende „emporsteigen‘, während man „hinabsteigen‘‘ erwartet.
Frei-
lich
ist auch weiterhin an einigen Stellen von einem Emporsteigen die Rede, wo Hibil
noch
tiefer
hinabsteigt. 2) NIRIND statt NN? nach einer Konjektur
NÖLDEKE’s,
die mir aber nicht sicher scheint.
139,
17—141, 6 Fünftes Buch. Erstes Stück. 155
Ich
sprach zu den Uthras, meinen Brüdern: „Habt ihr gesehen, welchem
Dinge
diese hinfälligen Riesen gleichen?“ Darauf sprachen meine Brüder,
die
Uthras: „Wie weit sind doch die Grenzen dieser Welten der Finsternis
und
wie zahlreich diese Riesen!“ Ich war vor ihren Augen tausend mal
tausend
Myriaden Jahre ohne Ende und Zahl verborgen.
Darauf
sprach zu mir‘) das große Mysterium, das mir beigegeben war:
„Warum
sitzen wir an diesem Orte? Auf, wir wollen emporsteigen®) und
sehen,
was wir tun wollen.“ Wir machen uns dann auf [140] aus der Welt
des
Gaf und des Gafan, wir wandern und gehen zur Welt des Anatan, des
Kämpen
der Finsternis, und seiner Gattin Qin, der Königin, der Herrin der
Finsternis,
die „Mutter der Finsternis‘ genannt wurde, die aus dem schwarzen,
trüben,
brodelnden, verderblichen, einander verzehrenden’) Wasser hervor-
gegangen
ist, die alle Welten der Finsternis schuf. Von dem Tage, an dem
wir
nach der finsteren Welt des kriegerischen Riesen Anatan gingen, den
sie
geschaffen hatte, waren es tausend mal tausend Meilen, ein weiter, end-
loser
Weg.
Ich
sprach zu dem großen Mysterium, das mir beigegeben war: „Sieh
dir
genau Qin und Anatan, die Riesen der Finsternis, daraufhin an, welchem
Dinge
sie gleichen.“ Wir saßen bei ihnen Jahre und Generationen ohne
Zahl
und Berechnung. Alle Wesen, die mir beigegeben waren, die Uthras
und
die Skinäs: (sie waren da) mit Hymnen, Gebetsordnungen, Gebeten und
Totenmessen.
Ihr Herz freute sich in ihnen und hüpfte vor Freude. Auch
ich
freute mich ihrer Freude und der Helfer, die meine Eltern mir geschaffen
und
aus ihrem Hofstaat mir beigegeben hatten. Ich sprach folgendermaßen:
„Ich
sitze bei dem Mana und seinem Abbilde. Unser Herz hüpft und pocht.
Jene
meine Erleuchtung und Lobpreisung steigt Tag für Tag, Stunde für
Stunde
empor vor den verborgenen Mana und sein Abbild und vor die
große,
verborgene, erste Nitufta‘), die vor den Liehtwelten existierte.“
Als
ich diese Welten sehaute und untersuchte, sprach ich: „Es wird
einen
Tag geben, da ich zu meinem Vater emporsteigen, mich hinsetzen
und
mit ihm sprechen werde, ich und die Uthras, meine Brüder, die mit
mir
gekommen sind, da ich Belehrung erhalten werde [141] durch das Wissen
und
die Kenntnis, die Erleuchtung und Lobpreisung®), die meine Eltern
nachsuchten
und wodurch sie sich in ihrem Sinne Klarheit verschafften.“
Als
ich so sprach, sprachen meine Brüder und das große Mysterium,
das
mir beigegeben war: „Nun wollen wir in die Höhe steigen‘). Warum
sitzen
wir an diesem Orte, ohne zu wissen, wieviel Jahre ohne Zahl wir
hier
sitzen? Auf, wir wollen das Tor der drei Könige öffnen, die Feuer
1)
Leid. hat MOINRON. 2) Siehe oben, p. 154!.
3)
Im Aramäischen ist „Wasser“ eine Mehrzahl.
#,
Eigentlich „Tropfen“, dient als Bezeichnung für weibliche höhere Wesen, siehe
Uthra,
p.
538 f., Joh. II, p. 227 und hier, p. 149 unt.
5)
Lies NNMIWIM NMMYD. Das Suffix der 1. Person ist durch das in INMINMININT
beeinflußt.
®) Siehe oben, p. 154.
D1
5
iR)
©
us
[e)
156
Rechter Teil. 141, 6—142, 23
nicht
verzehrt, den Ort, wo das Staubwasser ist, den Ort, wo jenes Wasser
der
Glanzsäule ist‘), den Ort, wo die Generation der Finsternis ein Ende
nimmt
und unter dem niemand mehr da ist.‘
Als
wir uns Klarheit und Kenntnis über dies und das verschafft hatten,
;
öffneten wir die Tore. Wir öffneten das erste Tor und erblickten und
schauten
den großen Sdüm, den Enkel der Finsternis. Wir sahen, daß seine
Gestalt
nicht jenen Dews, den Riesen der Finsternis, glich.
Ich,
Hibil, nahm nun eine große und schöne Gestalt an, setzte mich
vor
ihn und sprach: „Wohlan, in deinem Namen, großes Mysterium, im
ıo
Namen des verborgenen, ersten Lebens, das am verborgenen Orte verborgen
ist,
im Namen des Mäna und seines Abbildes, im Namen meines Vaters
Mandä
dHaije und mit dieser Erleuchtung der Uthras, die mit mir sind, die
mir
als Helfer beigegeben sind, sie, die mir in diesen Welten der Finsternis
Gesellschaft
leisten, wohin meine Eltern mich gesandt haben, wohlan, will
ich
mit dem kriegerischen Sdum, dem König der finsteren Welt, sprechen.“
In
der Freude, die ich empfand, redete ich und sprach zu ihm: „Friede
mit
dir, kriegerischer Sdüm, König der Welt.“ Er sah mich (anfangs) nicht
an.
Als ich ihn aber begrüßte, wandte er sich um, [142] sah mich, erhob
seine
Augen, hob die Wellen seines Antlitzes’) in die Höhe und sprach:
20
„Friede mit dir, du Mann von schöner Gestalt.“ Ich sprach dann zu ihm:
„Nur
ein Wort möchte ich mit dir sprechen.“ Darauf erwiderte er: ‚Sprich,
schöner
Mann, dessen Gestalt schön und leuchtend ist.“
Hierauf
sprach ich zu ihm: „Ein Sohn, der von euch hervorgeht, der
aus
eurem Stamme und eurer Wurzel ist, will einen Kampf beginnen und
>;
Aufruhr in eurer Welt’) stiften. Was saget ihr über ihn?“ Darauf er-
widerte
jener Sdüm und sprach: „Ich weiß nichts. Steig unter mich hinab;
da
ist einer, der älter ist als ich.“
Von
dem Tage, an dem ich zu ihm gekommen war, bis zu der Zeit,
da
ich zum großen Gew hinabstieg, waren es hunderttausend Jahre.
30
Alsdann machte ich mich zu einem Manne, der schöner als sie ist,
und
setzte mich vor Gew, ohne daß er wußte, daß ich mich ihm genähert
hatte.
Darauf begrüßte ich ihn, worauf er erwiderte: „Friede mit dir, du
Mann
von schöner [Gestalt. Was wünschest du von mir?“ Ich sprach zu
ihm:
„Ein Sohn, der von euch, eurem Stamme und eurer Wurzel her-
vorgeht,
will gegen die Lichtwelten kämpfen. Was sagst du über ihn?“
Darauf
erwiderte er: „Steig unter mich hinab, denn ich weiß nichts.“
Von
dem Tage, an dem ich ihn verließ und aufbrach, bis zu dem
Tage,
da ich bei Karküm‘), dem großen Fleischberge, anlangte, war ich
sechzigtausend
Myriaden Jahre auf jenem Wege; wie weit und endlos! Ich
-
vı
3
in
!)
Das steht da, paßt aber nicht.
2,
D.h. die herausragenden Stellen des Gesichtes. Die Wendung ist auch sonst
häufig,
siehe
Lit., p. 151.
®)
Soll heißen ‚in unserer Welt“.
#)
Siehe oben, p. 143, 5; steht hier fälschlich für Krün.
142,
23—144. 10 Fünftes Buch. Eıstes Stück. 157
erblickte
jenen Krun, den großen Fleischberg, an dem keine Knochen sind.
Sein
Aussehen ist wie Staub, und das Wasser, das [143] unter ihm ist, ist
Staub
und gleicht dem dunklen Gewölk.
Ich
ging dann an ihn heran, sah ihn, blieb jedoch seinen Augen ver-
borgen
— wie viele Jahre! Ich sagte mir: Was soll ich tun und was soll
ich
mit dem Manne, diesem Riesen Krün, dem großen Fleischberge, sprechen?
Hierauf
begann ich zu reden und sprach zu ihm: „Friede mit dir, Erstge-
borener,
König der Finsternis, Krün, großer Fleischberg.“
Er
erhob sein Gesicht nicht, sondern sprach: „Wer ist dieser Mann,
der
meinen Namen geoffenbart') und mein Zeichen begriffen hat?“ Darauf
erwiderte
ich ihm: „Ich bin Hibil. Das Leben hat mich hergesandt, und
ich
bin zu dir gekommen. Tausend mal tausend Jahre, endlose und zahl-
lose
Generationen, Jahre über Jahre bin ich zu dir gekommen.“ Er sprach
dann
zu sich selbst: „Das Leben ist es, das nicht vergeht, und der Glanz
und
das Licht, das nicht abgeschnitten wird.“ „Was hat es dir aufgetragen ?*
fragte
er. Darauf erwiderte ich ihm: „Das Leben gab mir den Auftrag und
sprach
zu mir: „Geh und sprich zu ihm: Ein Sohn, der von euch, eurer
Wurzel,
eurem Stamme und eurer Begattung hervorgeht, will Aufruhr in
die
Lichtwelten gegen uns werfen. Was sagst du über ihn?“
Darauf
sprach er’): „Geh, sonst verschlinge ich dich.“ Als er so zu
mir
sprach, saß ich, Hibil-Ziwa, in einem Futteral von Schwertern, Säbeln,
Stahlspießen,
Messern und Klingen und sagte ihm: „Verschlinge mich.“ Da
sagte
er: „Jetzt verschlinge ich dich“ und verschlang mich bis zur Hälfte.
Dann
spie er mich aus und warf mich aus. Er spie Geifer aus dem Munde,
denn
die Därme, die Leber und die Nieren waren ihm zerschnitten”). „Was
soll
ich“, rief er, ‚mit dem Manne tun, der zu mir gekommen ist, den das
Leben
gesandt hat?“ Darauf wandte er sich an mich und sprach: „Ihr
seid
Recken, [144] wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter, wir sind Men-
schen,
ihr seid Große, wir sind Kleine.“
Ich
sprach dann zu ıhm: „Auf, gib mir einen Paß.“ Da stand er auf
und
schwor mir beim Tage, an dem er geschaffen worden war: „Ich werde
dich
nicht täuschen, sondern ich werde in mein Schatzhaus gehen und dir
aus
meinem Schatzhaus einen Paß bringen.“
Da
stand er auf und brachte mir einen Paß. Dann brachte er den
Siegelring,
der in seinem Schatzhause verborgen war, auf dem der Name
der
großen Finsternis geschrieben und abgebildet war, der verborgen war,
den
er von dem Tage an, an dem er geschaffen worden war, nicht gesehen
hatte,
und sprach: „Wohlan, ich gewähre dir, daß alle Wesen, die dich
erblicken,
wenn du ihnen diesen Paß zeigst, ihn siegeln.“
1)
Der meinen Namen offen aussprechen konnte.
?2)
Hier steht noch „zu sich selbst“, was fälschlich aus Z. 14 hierher geraten ist.
»)
Ein altes und weitverbreitetes Motiv, das hier vielleicht auf den Mythus vom
Kampfe
Marduks
mit der Tiämat zurückgeht. siehe Hans SCHMIDT. Jona. 1907, p. 26 und BOUSSET,
Hauptprobleme.
p. 246.
in
20
30
&
in
158
Rechter Teil. 144, 10—145, 18
Als
er ihn mir dann gab, nahm ich ihn und verbarg ihn in sieben Ge-
wänder.
Dann stieg ich empor und kam zu seinem Bruder, dem großen
Gew.
Ich zeigte ihn, und er siegelte ihn. Als er jenen Paß sah, bestätigte
er
auf ihm das Siegel seines Bruders.
Ich
nahm ihn dann und stieg zum großen Sdum, dem Riesen, empor,
der
in seiner Welt daliegt und zappelt. Er sitzt auf........ ') von Feuer,
und
das Feuer leistet ihm Dienste. Ich zeigte ihn ihm und sprach zu ihm:
„Siehe
den Paß, den ich dir von deinen Eltern gebracht habe.“ Ich holte
ihn
hervor, zeigte ihn ihm, und er siegelte ihn. ‚Siehe‘, sagte ich zu ihm,
„was
deine Eltern dir gesandt haben.‘ Darauf sprach er: „Gesegnet sei
der
Tag, an dem du gekommen bist.“
Ich
verließ ıhn dann und stieg zu jenen oberen Welten empor. Ich
versiegelte
das Tor vor Sdüm. In jener Welt hatte ich tausend mal tausend
Jahre
gesessen.
Alsdann
näherte ich mich der Welt des Anatan und der Qin und weilte
dort.
Jahre über Jahre weilte ich in jener Welt. „Was soll ich tun?“
fragte
ich mich. Dann näherte ich mich der Qin, indem ich die Gestalt
ihres
Gatten [145] Anatan annahm, und sprach zu ihr: „Auf, zeige mir,
woraus
wir entstanden, woraus wir geformt und entstanden sind?).“
Darauf
erhob sie sich und zeigte mir die große Quelle, aus der sie
emporgekommen
waren. Als ich jene Quelle schwarzen Wassers erblickte,
da
war darin ein Mrara und @imra°), das in jener Quelle dalag und zappelte.
Da
sprach jenes große Mysterium, das mir beigegeben war: „Dieses Mrara
und
Gimra ist die Festigkeit der Welten der Finsternis.“
Als
es so zu mir sprach, machte ich ihre Augen blind, machte ihre
Ohren
taub und blieb ihren Augen verborgen. Da packte ich das Gimra
und
Mrära, und sie sah mich nicht, daß ich es gepackt hatte. Sie lag hin-
gestreckt
und suchte nach mir. „Wohin bist du gegangen?“ fragte sie
mich.
Sie ruft mir zu und spricht: „Komm, sage ich dir!“
Doch
ich verließ sie, ich kam und versiegelte das Tor jener Welt und
stieg
empor über die Riegel‘) und Schlüssel, die anders als alle Schlüssel waren.
Alsdann
freuen wir uns, ich und die Welten und Äonen, die mit mir
sind,
wir singen Hymnen und frohlocken, unser Herz frohlockt in Erleuch-
tung
und Lobpreisung über das, was wir von Qin mitgebracht haben, die
Sumgaq
die Große genannt wird, die aus ihrer Wurzel entstanden war,
Qin,
der Großmutter des Ur, vor allen Welten der Finsternis.
»)
Das Wort N3I3ND findet sich nur an dieser Stelle. Ich habe keine Erklärung
dafür.
Man
denkt leicht an 8Y38D, „Kohlenbecken“, aber es ist unwahrscheinlich, daß dieses
be-
kannte
Wort zu dem unbekannten entstellt sei.
2)
Er spricht als einer von ihnen.
®)
Die Verbindung NDIN NN” findet sich nur hier und ist bis jetzt unerklärt.
Nach
der folgenden Darstellung scheint es ein Insekt zu bedeuten, siehe auch Text
158, 22;
159,
17f. NND findet sich sonst im Sinne von „Bitterkeit“, auch „Bitterkraut‘“; zu
NH
siehe
Lit., p. 23°. #) Siehe oben, p. 143°.
145,
19— 147. 2 Fünftes Buch. Erstes Stück. 159
Als
ich die Tore verschlossen und die Riegel verschoben hatte, sprach
ich
über jenes Tor drei geheime Namen aus, die niemand von ihrer Stelle
versetzen
kann‘), den Namen Ham-Ziwa, Nhür-Ziwä und Lufafan-Nhürä-
Rabba,
diese geheimen, bei mir wohl verwahrten Namen, damit diese Tore
nicht
losgelöst werden und niemand sie öffnen könne.
Dann
stieg ich zu jener Welt empor, die über den Welten der Sum-
gaq,
der großen Perle, liegen. Von [146] dem Tage, da ich emporstieg
akeKkKkKk
xx*++»
zum großen Gaf und Gafan, dem Vater aller Welten der Fin-
sternis,
die dort beieimander sitzen, miteinander lachen und scherzen.
Ihre
Mutter Oin sitzt bei ihnen und spricht zu ihnen: „Auf, wir wollen
unsere
Schönheit und unseren Reiz schauen, wir wollen sehen, was wir
noch
nicht gesehen haben.‘
|
Als sie so zu ihnen sprach, wurden sie unruhig und traurig, sie traten
an
sie heran und sprachen zu ihr: „Zeige uns, was wir tun sollen.“ Da
sprach
sie zu ihrer Tochter Rühä’): „Komm, wir wollen dich deinem Bruder
Gaf
(zum Weibe) geben.‘
Als
sie so zu ihr sprach, gefiel es ihr und ihm, ihnen beiden. Sie standen
auf,
traten zueinander, er nahm sie vor ihnen (zum Weibe), nahm dann
seine
Junggesellen’) und küßte sie. Er sprach zu ihr: „Wie du, Rüha,
meine
Schwester, gibt es keine.‘ Von jenem Tage an, da sie mit Ur, dem
Herrn
und Riesen [der Welten der Finsternis], schwanger wurde, ++x xxx».
Alsdann
sprachen sie zueinander: „Auf, wir wollen unserer Mutter
Qin
und unserem Vater Gaf zurufen, daß wir miteinander verkehren.‘ Als
er
so zu ihr sprach, stand sie auf, ging mit ihm und sprach zu Qin und
Gaf:
„Sehet, was wir getan haben.‘ Darauf sprach Qin zu ihnen: „Heil
euch,
daß ihr dies tatet, wie wir es getan haben.“
Ich,
Jäwar, war vor ihren Augen verborgen, und sie sahen mich nicht,
daß
ich bei ihnen saß, ich und das große, verborgene Mysterium, das (gleich-
falls)
vor ihnen verborgen war.
Ich
nahm dann die Gestalt eines von ihnen an, doch war ich schöner
als
sie alle, herrlicher als sie alle. Ich ging dann hin, trat an Qin heran
und
sprach zu ihr: „Friede mit dir, große Mutter, Mutter aller Welten!“
Sie
wandte sich um, erblickte mich, und ich entflammte Liebe und
Feuer
in ihrem Herzen. Darauf sprach sie: „Friede mit dir, unser großer,
teurer
Gefährte.“
[147]
Ich nahm sie dann bei der Hand und sprach zu ihr: „Wie viele
Töchter
hast du, damit du mich zu deinem Schwiegersohne machest und
|
ich in dieser Welt bei dir weile?“
!)
Der Ausdruck bezieht sich auf die Namen, nicht auf die Riegel, vgl. auch R 159,
15.
Die
Vorstellung von der konkreten Eigenschaft der Namen kommt hier scharf zum
Ausdruck.
2)
Im Texte steht: Rüha sprach zu ihr.
3)
Die Hochzeitsburschen, die Freunde und Begleiter des Bräutigams, die sonst
NNIUNW,
NYINDWNW
genannt werden, siehe Joh. II, p. 113.
25
35
160
Rechter Teil. 147, 2—148, 9
Als
ich so zu ihr sprach, freute sie sich, und ihr Herz freute sich in
ihr,
daß ich ihr Schwiegersohn werden sollte. Sie faßte mich mit der
Rechten
und ging zu Gaf. „Friede mit dir“, sprach ich zu ihm, „du Berg
und
Riese über uns alle, du König dieser Welt.‘
Er
verstand nicht, was ich ihm sagte, da sprach sie zu ihm: „Dich
begrüßte
der Mann, der schöner als wir alle ist.“
Da
sprang er von seinem Throne auf, umarmte mich und sprach zu
mir:
„Gesegnet sei dein Kommen, König, unser Herr! Was wünschest du?“
Ich
sprach jedoch mit ihm nicht, doch sie sprach zu ihm: „Ein Weib
wünscht
er von dir. Auf, wir wollen es ihm geben.“ Da fragte er sie:
„Wen
wollen wir ihm geben?“ Darauf erwiderte sie ihm: „Wir wollen
ihm
Zahrel die Große‘) geben, die schöner als er ist.*
Als
beide so sprachen, zog ich den Ring ab und warf ihn ihr?) zu.
Sie
sah den Ring, den ich ihr zugeworfen, und wurde über den Ring er-
regt,
den ich ihr zugeworfen. „Wen gibt es“, spricht sie, „der mir gleicht?
Der
Mann, der mich sich anverlobt hat, warf mir einen Ring zu, einen
Ring,
wie es seinesgleichen in unserer Welt nicht gibt. Wehe, in unserem
ganzen
Schatze gibt es einen solchen nicht.‘
Darauf
sprach ihre Mutter zu ihr: „Verhülle dich vor ihm, bis ihr
Hochzeit
feiert’).“ Gaf wiederum sprach zu ihm: „Auf, tue, was die Männer
tun.
Wir wollen Zahrel mit dem schönen Manne vermählen, der schöner
als
wir alle ist.“ ‚Heil dir“, sprach sie zu ihm (Gaf), „daß sich dieser Mann
bei
dir eingefunden hat.‘
Sie
standen dann auf und gingen zu dem Ei, dem Orte, aus dem sie
hervorgegangen
waren. Sie sprach dann zu ihm (Gaf): „Auf, wir wollen
ihr
die Hochzeit bereiten und sie vermählen.“ Er, Gaf, richtete darauf ein
Bett
her und schlug die Pflöcke für das Hochzeitszelt ein. Sie lud alle
Welten
ein [148] und rief die Engel und Riesen jenes Ortes zusammen.
Diese
kamen dann zu ihr mit Gold, Silber, Perlen und Kränzen und brachten
ihnen
goldene Becher. Sie kamen, indem sie sprachen: „Wir wollen hin-
gehen
und jenen Bräutigam sehen, der mit Zahrel Hochzeit feiert.“
Um
mich legten sie ein seidenes Gewand, hüllten mich in Decken von
allerlei
Farben‘), hoben mich und sie in die Höhe und setzten mich auf das
goldene
Bett. Sie spannten einen Schleier über das Bett, hoben mich in
die
Höhe, setzten mich auf das Bett und sprachen zu mir: „Freue dich,
Herr,
unseres Weibes, des Weibes, das wir dir gegeben haben.“
ı)
NTIDNN bezeichnet ihre hohe Stellung. Man kann es auch etwa mit „Prinzessin“
übersetzen;
sie ist ja die Tochter der Fürsten der finsteren Welt. Siehe auch p. 158, 35;
9933:
2)
Der Zahrel.
3)
77 (MM) eigentlich „umhergehen, im Hochzeitszug umherziehen‘“ hat den Sinn von
„Hochzeit
feiern“ angenommen.
*)
Dies wird hervorgehoben, im Gegensatz zu den weißen Gewändern der Himmlischen
und
der Gläubigen.
148,
9—149, 21 Fünftes Buch. Erstes Stück. 161
Sie
rühren einen Brei ein, bringen ihn vor mich, halten ihn hin und
sprechen:
„Herr, iß und trink Wein.‘
Ich
jedoch lachte, als sie so mit mir sprachen, über sie und sprach:
„Was
treiben doch die Söhne der Finsternis, denen es nicht offenbart und
klar
ist, daß ich keine Speise esse und kein Getränke trinke! Alles, was
sie
treiben, geschieht nur, um ihr Geheimnis zu enthüllen, damit sie sich
nicht
über uns überheben‘).“ Ich sprach zu ihnen: „Fürwahr, ich habe
gegessen
und getrunken.“
Sie
verließen mich dann, gingen hin und hüllten sich in gewaltiges
Gewölk
der Finsternis.
Ich
koste Zahrel, denn ich sagte mir im Innern: Von dir sollen die
Geheimnisse
der Finsternis verraten werden. Sie bleibt jedoch vor mir
verhüllt.
Dann
kam die Zeit mich zu besuchen. Sie, Qin, kam zu mir, trat
hin,
verneigte sich in tiefer Verneigung und sprach: „Was hast du getan,
unser
Sohn und Herr?“ — „Was sollte ich tun?“ erwiderte ich ihr. Sie
ging
dann zu ihrer Tochter und sprach zu ihr: „Hat er dich (zur Frau)
genommen?“
— „Ich bin nicht (zur Frau) genommen“, erwiderte sie ihr.
Darauf
sprach ihre Mutter Qin zu ihr: „Fehlt ihm etwa [149] die
Mannheit?“
Darauf erwiderte ihr ihre Tochter: „Die Mannheit besitzt er.“
Sie
erhob sich von ihrer Tochter, kam zu mir und sprach: „Warum
hast
du deine Frau nicht „genommen“?“ Darauf erwiderte ich ihr: „In
unserer
Welt nimmt ein Mann seine Frau, wenn sie heiraten, erst nach
sieben
Jahren.“ — ‚Tue alles, was du willst‘, sagte sie.
Darauf
erwäge ich mit dem großen Mysterium und spreche: „Die
sieben
Jahre, von denen ich der Qin gesprochen habe, mache zu sieben-
tausend
Myriaden Jahren. Verwirre ihr Herz und ihr Inneres und verfin-
stere
ihre Augen.‘ Was ich ihm sagte, tat es.
Da
weilten wir dort Jahre über Jahre und Generationen über Gene-
rationen.
Ich
sprach zu Qin: „Woraus seid ihr geworden? Woraus wurdet ihr
geschaffen?“
Darauf erwiderte sie mir: „Wir wurden aus dem Tanna und
der
Pflanzung der Finsternis und aus dem ganzen Bereiche des schwarzen
Wassers.“
— „Wohlan“, sagte ich zu ihr, „zeige mir, woraus ihr gebildet
wurdet.‘
Da zeigte sie mir die Kraft und die Festigkeit der Finsternis und
das
verborgene Mysterium, das bei jenen gewaltigen Unholden, den Riesen
der
Finsternis, bewahrt wird. Sie zeigte mir eine Quelle. Unter ihnen war
niemand,
der wußte, wie groß die Ausdehnung jener Quelle war. Nur mir
wurde
die Ausdehnung und die Tiefe jener Quelle offenbart und bekannt.
In
jener Quelle lag ein Spiegel, in dem sie ihr Antlitz schauten und
danach
wußten, was sie tun sollten. Diesen verbarg ich vor ihren Augen,
!)
Ich lasse sie alles das treiben, in der Erwartung, daß es mir dadurch gelingen
werde,
ihr Geheimnis zu enthüllen.
Lidzbarski,
Ginza. 11
in
25
KO>
in
40
5
95
40
162
Rechter Teil. 149, 21—151. 11
nahm
ihn und verwahrte ihn. Sie suchte ihn und fand ihn nicht. Da sagte
sie:
„Was soll ich anfangen, wo unsere Festigkeit und unsere Kraft dahin
ist?«‘
— „Wonach suchest du?“ fragte ich Qin. Doch ihr wurde ihr Inneres
und
ihre Gedanken verschlossen, [150] und sie sprach mit mir nicht.
Darauf
verließ ich sie und kam zu Zahrel. „Wo warst du, mein Herr?“
fragte
sie mich. Ich koste sie und sprach zu ihr: „Bei deinen Eltern war
ich.“
— „Schön“, sagte sie, „daß du zu ihnen gegangen bist.“
Ich
ging dann zu Rühä, nahm die Gestalt ihres Bruders Gaf an und
sprach
zu ihr: „Auf, wir wollen zu deinen Eltern gehen.‘ — „Wo sind
sie?“
fragte sie mich. Da sagte ich ihr: „Jenseits, in jener Welt, die über
uns
liegt.“
An
jenem Tage, an dem Gaf zu ihr gegangen war, wurde sie schwanger.
Ich
sprach zu ihr: „Ich will hingehen und deine Schwester Zahrel be-
suchen,
die an einen Mann gekommen ist.“ Ich ging dann zu jener Zahrel,
da
bildete sich eine Gestalt zwischen mir und ihr und wurde wie ich.
Da
sagte ich zum großen Mysterium, das bei mir weilte: „Tritt in die
Schatzkammer
des Herzens’) der Zahrel ein und laß ein ....... °®) bei ihr
zurück.
Ich brachte sie dann zu ihrer Schwester.
Wir
ziehen hin, wir und die Mänäs meiner Begleitung, und Rühä wußte
nicht,
daß 360 Myriaden Tausende Lichtwesen bei mir weilten. Rühä ging
mit
mir, und ich sprach zu ihr: „Du bist mit dem erstgeborenen Sohne
schwanger.“
Rühä freute sich über das, was ich ihr sagte.
Wir
ziehen hin und gehen zu jener oberen Welt, einen weiten, end-
losen
Weg. Sie sprach: „Mir ist wehe.“ Da sagte ich zu ihr: „Bald kommst
du
hin.“
Als
ich zur Welt des Zartai-Zartanai gelangte, verschloß ich das Tor
des
Gaf und Gafan und verschob die Verschlüsse und Schlüssel. Beschwö-
rungen
warf ich in sie und sprach über jene Tore verborgene Namen: den
Namen
Hananel, Hannel und Smir, diese verborgenen Namen jener ver-
horgenen
Mänas.
[151]
Ich sprach zu ihr: „Gehe, Rühä“, und wir gingen in jene Welt
des
Zartai-Zartanai. Jahre ohne Ende waren wir da, bis wir in seine Welt
gelangten.
Sie rief: „Was machen wir, daß wir noch nicht bei unseren
Eltern
angelangt sind?“ Da sprach ich zu ihr: „Jetzt kommen wir an.‘
Raschen
Schrittes zogen wir hin und stiegen zu ihrer Welt”) empor,
die
über Zartai-Zartanai liegt. Als wir ihn verließen, verschloß ich die
Tore,
verschob alle Verschlüsse und Schlüssel und sprach über jene Tore
andere
verborgene Namen, den Namen Aksar, Aksar u-abad und Ksar Jawar-
Ziwä,
diese verborgenen Namen, die sich bei mir befinden.
Alsdann
sprach ich: „Gesegnet sei der Mann, der mich aus jenem Orte
2)
Vgl. dnoaupös täs Kapdias Luc. 6, 45.
.
2) Hier steht das Wort NMYNY, das drei verschiedene Bedeutungen hat (Schmuck —
Gesellschaft
— Laut); es ist unsicher, welcher Sinn hier vorliegt.
®)
Der Welt der Rühä, siehe oben, p. 153f.
151,
12— 158, 4 Fünftes Buch. Erstes Stück. 163
emporgebracht
hat, aus der Ader der Finsternis, aus den Tiefen der Fin-
sternis.
Und zu Rühä sprach ich: „Was wünschest du?“ Da sagte sie:
„Was
ich von dir wünsche? Wo sind meine Eltern?“ Darauf erwiderte
ich
ihr: „Jetzt werde ich dich hinbringen und dir zeigen, wo sie sind.“
Darauf
sprach ich zum großen Mysterium: „Mache ihre Augen blind,
mache
ihre Ohren taub und verwirre ihr Inneres.“ Was ich dem Manne,
der
mit mir weilte, sagte, führte er aus und änderte nichts daran. Er ver-
wirrte
ihr Inneres, machte ihre Augen blind, machte ihre Ohren taub, und
sie
wurde als existierte sie nicht.
Ich
umgab ihre Welt mit Mauern, die niemand von ihrer Stelle zu
verrücken
vermag. Sie lag in jener Welt da und suchte nach Kräutern,
um
sie zu essen, sie, die Ur trug‘).
[152]
Ich nun spreche zu den Welten und Äonen?), die mir beigegeben
waren:
„Freuet euch, seid wohlgemut und fest und unterwerfet euch euren
Eltern.
Was wir getan haben, ist in Ordnung. Jetzt, wohlan, wollen wir
emporsteigen
und uns zu unseren Eltern begeben, wir wollen die teuren Manas
schauen,
wir wollen den Mana und sein Abbild und die große Nitufta schauen,
aus
der wir hervorgegangen sind.“
Wir
ziehen hin und wandern. Wir tragen mit reiner Stimme und
Erleuchtung
geheime Hymnen und Gebetsordnungen vor. Unser Inneres
hüpft
vor großer Freude, und unsere Stimme steigt empor zum Leben und
zum
Mäna und seinem Abbilde. Als wir bis zum Grenzorte kamen, öffneten
wir
die Tore des Lichtes und stiegen vor meinen Vater in die Höhe. Er,
der
Mänä, und sein Abbild gingen uns entgegen, riefen mir zu und sprachen
zu
mir: „Ja, da kommt Hibil-Mana, dessen Glanz reicher ist als der aller
Uthras.“
Mein Vater umarmte mich, der große Mäna und sein Abbild kosten
und
küßten mich und sprachen: „Gesegnet sei deine Ankunft, Hibil, reiner
Mana,
Sar-Ziwä, Abad-u-köar.“ Mein Vater ließ einen Jordan fließen‘), und
der
Mana und sein Abbild führten mich zur Nitufta ein. Als ich sie er-
blickte,
frohlockte in Stolz mein Herz und mein Inneres.
Die
Nitufta führte mich in ihr eigenes Gewahrsam ein und zeigte mir,
was
ich noch nicht geschauet. Sie taufte mich in sieben gewaltigen, inneren
Jordanen,
die unter ihrem Throne fließen. Niemand vermag jene Jordane und
die
reinen Zeichen, die sie über mich sprach, zu schauen. Und die Nituftä
sprach:
„Freue dich und sei wohlgemut ob (dieser) deiner reinen Zeichen‘),
die
ich über dich gesprochen habe.‘
Ich
freue mich vor ihr und strecke mich anbetend hin. [153] Da
sprach
sie zu mir: „Geh zu deinem Vater hinaus, der im Jordan steht und
dich
erwartet.“ Ich ging dann von der Nitufta weg und begab mich zu
wı
_
oO
-_
5
30
[@S
7
uw
meinem
Vater. Ich stieg zu jenem ersten Jordan des Mana und seines Ab- jo
1)
Dies soll hier wohl gesagt sein, aber die dastehenden Worte sind entstellt.
2)
Lies xmond — NORIINDN.
3)
Zweifelhaft, siehe oben, p. 19°.
4)
Es ist NYDN7 zu lesen und NANDWIN), vielleicht auch yon zu streichen.
alt=
in
Io
I
un
25
35
40
164
Rechter Teil. 153, 4—154, 16
bildes
hinab. Mein Vater taufte mich und sprach geheime Zeichen über
mich.
Er taufte mich in dreihundert sechzig tausend Myriaden gewaltiger
Jordane
weißen Wassers, er taufte alle Uthras, die mit mir waren und bei
mir
weilten, führte sie dann empor und stellte sie am Ufer des Jordans
lebenden
Wassers auf.
Mein
Vater fragte mich und sprach zu mir: „Wie hast du, mein Sohn,
ihre
Gestalt in jenen Welten geschaut, die du besuchtest?“‘ Ich berichtete
ihm
dann und belehrte ihn über sie, wie ich sie geschaut hatte. Sein Herz
hüpfte,
sein Inneres prangte in Freude, über das, was ich ihm mitgeteilt,
und
er war voller Güte. „Wer ist“, sprach er, „dem großen Mysterium
gewachsen,
das mit dir weilt, das das Leben, dein Vater, dir mitgegeben
hat?“
Ich
verneigte mich vor meinem Vater und sprach zu ihm: „Du, mein
Vater,
sei gesegnet und gepriesen, da du mir diese Erleuchtung gewährt
hast.
Ich war zur Finsternis hinabgegangen und bin nun zu den Licht-
welten
emporgestiegen. Ich bin zu euch gekommen und sitze in eurer
Gesellschaft.
Die Geheimnisse, die ich geschauet, will ich euch offenbaren
und
euch über sie alle unterweisen. Denn von jeglicher Welt, in die ich
kam,
verschloß ich die Tore und holte ihre Festigkeit und ihre Kraft.“
Als
ich es meinem Vater Mandä dHaije mitteilte, lachte er über sie
und
rief: „Welche Gestalt haben diese Dinge, in denen die Finsternis aus-
gebreitet
ist!')‘“ Da sprach ich zu ihm: „Wie diese gibt es sonst nicht in
den
Welten der Finsternis und des schwarzen Wassers. Ich will mich auf-
machen
und [154] zu Rüha gehen, die ich in ihrer Welt zurückgelassen
habe,
wo niemand ist, der mit ihr spreche. Es schmerzt Rühä um das, was
ich
ihr angetan. Ich habe sieben Mauern um sie gelegt, eine eiserne Mauer
in
ihrer Welt, die niemand von ihrer Stelle wegrücken kann.“
Als
ich dies meinem Vater sagte, sprach er: „Brich auf, geh raschen
Schrittes
hin und tue, was du wünschest.“
Als
[mein Vater] dies [gesagt hatte], brach ich auf, ging hin und kam
an
den Grenzort der Finsternis. Meinen Fuß setzte ich hinab auf die
Wälle?)
und die Mauern der Finsternis. Sie zogen sich vor mir um tausend
Meilen
zurück. Wenn noch meine ganze Kraft an mir wäre, wie sie das
erste
Mal an mir war, hätte die ganze Welt vor mir nicht stand gehalten.
Ich
schaute hin und erblickte Rüha, wie sie dasaß und sprach: „Wer
hat
mich in Gefangenschaft gesetzt und in diese Welt gebracht, wo ich
nicht
weiß, wo meine Eltern sind?“ Ich hörte sie, lachte über sie und
sprach:
„Was sagt Rüha?‘“
Ich
erschien ihr als ihr Gatte Gaf, der ihr Bruder ist, und sprach zu
ihr:
„Warum sitzest du da, Rüha?“
Da
kam sie heran, umarmte mich, weinte mir ins Gesicht und sprach:
!)
Siehe Lit., p. 1782.
Save
Jche IT p102E
154,
17—156, 4 Fünftes Buch. Erstes Stück. 165
„Warum
ließest du mich zurück und gingst fort, daß du diese (vielen) Jahre
dort
bliebest?‘
Darauf
erwiderte ich ihr: „Ich war bei meinem Vater und meiner
Mutter.
Empfange einen Gruß von ihnen.“ Da sprach sie: „Heil dir, daß
du
meinen Vater und meine Mutter gesehen hast.“ — „Ich habe sie ge-
sehen“,
sprach ich zu ihr. „Wie sehen sie aus?“ fragte sie mich. Da
sprach
ich zu ihr: „Sie sitzen in dem dunklen Gewölk und ım Versteck,
das
sie sich selber geschaffen haben.‘ Da sagte sie: „Auf, wir wollen hin-
gehen,
um sie zu sehen.“ Doch ich sprach zu ihr: „Mich haben meine
Eltern
davongejagt und sprachen: Nimm dich in Acht, hierher zu kommen.
Auf,
geh in deine eigene Welt.‘ Da verfluchte sie sie und sprach: „Feuer
verzehre
sie, weil sie mit dir [155] hadern.. Nun mag ich nicht mehr hin-
gehn,
um sie zu sehen.“
Als
sie dies sagte, lachte ich über sie.
Sie
nun sinnt und sucht in ihrer Seele und in ihrem Herzen nach
einem
anderen Mysterium und spricht: ‚Ich will mich aufmachen, zu meinen
Eltern
gehen, bei ihnen eintreten und sie sehen.“
Ich
wußte, worauf Rüha in ihrem Herzen sann, doch sagte ich ihr
nichts,
sondern verließ sie und stieg zu meinem Vater, dem Leben, empor,
das
mich ausgesandt hatte. Tausend Jahre war ich bei ihm und stand vor
ihm.
Es verbarg mich und stellte mich in seinem Ei, in seiner eigenen
Gesellschaft
auf, tausend Jahre lang.
Dann
sprach ich zu ihm: „Wohlan, es kommt die Zeit, da ich in jene
Welt
gehen soll, von der du weißt.“ Darauf erwiderte mein Vater, das
Leben:
„Auf, geh, unser erstgeborener Sohn, der alle Welten in Ordnung
hal‘
Als
ich fortgegangen war und mich hinbegab, fand ich wieder Ruhä,
wie
sie weinte. Sie wußte nicht, wer ich bin. Ich schaute und blickte
hin.
Da sprach sie: „Ich will aufstehen und suchen, um zu erfahren, wo
die
Tore der Finsternis sind, und will bei meinen Eltern eintreten.“
Sie
stand dann auf, ging hin, trat in das schwarze Wasser ein und
suchte
das Tor, doch fand sie es nicht, um bei ihren Eltern einzutreten. Da
erhob
sie sich, kam, setzte sich hin und sprach: „Wann wird der Tag
kommen,
da ich den Sohn gebären werde, daß er mir Gesellschaft leiste,
daß
ich und er zusammensitzen, daß er mir Vater, daß er mir Mutter, daß
er
mir Gesellschafter, mir Gatte und Bruder, daß er mir eine Stütze sei,
die
mich stütze? Wenn er da ist, wird er die Tore kennen und unter-
scheiden
und wissen, wo meine Eltern sind. Dann wollen wir hingehen
und
sie schauen.“
Als
sie so sprach, weilte ich bei ihr, ohne daß sie es wußte. Da
sprach
ich: „Es wird einen Tag geben, [156] da du, Ruhä, gebären wirst.
Dein
Sohn wird Ur, der Riese der Finsternis, sein.“
Von
dem Tage an, da Rühä dies sprach, bis zu dem Tage, da ich ihr
als
ihr Bruder Gaf erschien, wankte sie und sprach: „Was soll ich mit dem
Da
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5
[93
in
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35
40
166
Rechter Teil. 156, 4--157, 17
Manne
tun, der mich von meinen Eltern weggeholt und zur Gefangenen
gemacht,
der mich von meinem Orte, aus dem ich hervorgegangen, wegge-
holt
hat?“
Als
Rühä dies sagte, sprach ich zu ihr: „Wieviel Jahre sind es her,
daß
du mit Ur schwanger bist?“ Da erwiderte sie: „Ach, zweitausend
Jahre.“
Da sprach ich zu ihr: „Dir steht noch Leidvolles bevor.“ Sie
fragte:
„Wieviel Jahre sind es noch, daß ich tragen soll?“ Da erwiderte
ich
ihr: „Siebzig tausend Myriaden Jahre und elf Tage sollst du in deiner
Gebärmutter
tragen und dann Ur, den großen, kriegerischen Riesen gebären.
Wenn
du ihn bei seiner Geburt siehst, wirst du mich nicht mehr sehen
wollen.“
Als
ich ihr dies sagte, war sie im Herzen beengt') und sprach: ‚Ach,
wie
lange soll ich in meinem Leibe tragen und lasten?“ Da sprach ich zu
ihr:
„Wenn ich nicht mehr bei dir bin, werden die Jahre rasch dahingehn.“
Darauf
sprach sie: „Auf, geh, du hast recht. Wenn du nicht bei mir bist,
wird
mein Herz eine Stütze finden, und ich verlange nicht nach dir.“
Als
sie so sprach, stieg ich zu meinen Eltern empor. Mein Vater um-
armte
mich, und sein Gewand hüpfte mir entgegen. Der Mänä, er und sein
Abbild,
richteten mich bei sich auf und sprachen: „Was hast du, geliebter
Sohn,
getan, dessen Glanz wundersam, dessen Gestalt leuchtend und dessen
Erleuchtung
wundersam ist, den wir hervorgerufen haben und dessen Gestalt
von
uns aufgerichtet ist? Er stützt unseren Sinn und unser Wissen.‘
Als
meine Eltern so zu mir sprachen, [157] streckte ich mich vor ihnen
in
Anbetung hin, in Erleuchtung, Einsicht und Lobpreisung, wie sie mich
gelehrt
haben. Sie ließen mich in Fülle nehmen: mein Glanz war ihr Glanz,
ihr
Glanz mein Glanz. Dann sprachen sie: „Bei deinem Leben, Hibil-Jäwar,
du
Bote, erzähle uns, wie es dir in jener Welt ergangen ist, in der du so
lange
warest, daß wir dich beinahe vergaßen. Jeden Tag gedachten wir
deiner
und malten vor uns deine Gestalt, deinen Glanz und dein Antlitz
hin.
Dein Vater las täglich eine Messe für dich und sprach: Mögen doch
Hibil,
Sitil und Ano$, meine drei Brüder, die meine Söhne und Freunde’)
sind,
emporsteigen und herkommen.“
Ich
unterhielt mich in Ruhe mit ihnen und sprach zum Leben und
zum
Mänä und seinem Abbild: „Wo meine Kraft groß ist”), bei eurem
Glanze,
der außergewöhnlich und groß ist, bei der Kraft, die ihr mir ver-
liehen,
bei den Helfern, die ihr mir geschaffen — wovor soll ich mich
fürchten?
Bei der Verborgenheit, in die ihr mich geborgen, ängstige ich
mich
nicht vor ihnen, und Angst dringt nicht in meinen Sinn. Nein, im
Vertrauen
auf euch (lebte ich) bis zu dem Tage, da ich hinkam, mich hin-
setzte
und mit ihnen gleich einem von ihnen sprach. Alle nannten mich
„unser
Herr“ und „unser König“. Ich nahm ihnen allen ihre Mysterien
!)
Ich vermute NP’NT statt NYINT, das nicht paßt.
?)
Siehe oben, p. 145°, 3) Vielleicht ist NONTT ND zu lesen.
157.
18—159, 7 Fünftes Buch. Erstes Stück. 167
weg
und holte sie von ihnen. Sie gaben mir einen Paß mit Rücksicht auf
den
Mann, von dem der Plan zu uns gelangt ist, daß, wenn er da ist, er
Streit
mit uns führen wird. Ihr habet kraft der Erleuchtung, des Wissens
und
der Offenbarung, die in eurem Sinne offenbart ist, mich geschaffen.
Ihr
sprachet zu mir, belehrtet mich und pflanztet mich. Ihr sandtet mich
in
jene Finsternis, bevor Mutter und Vater des Ur da waren, ja bevor ihre
Eltern
waren. Ich verschloß [158] alle Tore und verschob alle Verschlüsse,
daß
sie nicht zueinander gehen können. Niemand geht in die Welt des
anderen,
und kein Tor wird ihnen geöffnet.“
Darauf
sprach das Leben, mein Vater, zu mir: „O Hibil-Jäwar, ver-
borgener
Bote, auf den die Hand seines Vaters gelegt wurde und den wir
uns
gleich machten. Wenn wir dies nicht getan und du es nicht in Ord-
nung
gebracht hättest, wären wir Ur und seiner Mutter nicht gewachsen.“
Als
sie so zu mir sprachen, sprach ich zu ihnen: ‚Ich will mich auf-
machen
und zu Rühä gehen, die nahe daran ist, Ur zu gebären.“ — ı
„Wohlan“,
sagten sie, „geh und bring es in Ordnung, wie du es früher in
Ordnung
gebracht hast.“
Da
ging ich hin, kam an und fand Rühä, wie sie unruhig und betrübt,
wie
sie an die Geburtswehen gelangt war. Der Tag sollte herankommen,
an
dem sie ihren Sohn Ur gebären sollte. Sie stand da und wickelte Win- >
deln.
Dreihundert und sechzig Windeln wickelte sie, indem sie sprach:
„Ich
wickle Windeln, damit am Tage, da ich gebäre, ich ihn von einer
Windel
in die andere legen kann.“
Als
sie die Windeln wickelte, sprach ich zu ihr: „Bereite dich darauf
vor,
daß dein Monat kommt.“ Sie sprach jedoch nicht mit mir. Da sagte >
ich
zu ihr: „Deine Werke sind nichts wert.“
Dann
verließ ich sie, machte mich auf den Weg und ließ mich am
Grenzort
nieder. Ich sagte (mir): „Jetzt verwirklicht sich der große Plan
des
Josamin. Er wurde geschaffen, er entstand und schuf Söhne.“ Ich
wahrte
Schweigen und sprach nicht.
Alsdann
bekam Rüha die Wehen und sollte Ur. den Herrn der Fin-
sternis,
gebären. Als sie ihn gebar, sah ich ihn, und er glich einem kleinen
Gimra.
Ich sah ihn‘). Nach tausend Jahren nahm Rühä ihren Sohn und legte
ihn
aus der ersten Windel um. In jeder Windel [159] lag er tausend Jahre.
Sie
legte ihn aus einer Windel in die andere. Bis Ur in die letzte Windel ;
gelangte,
hatte er das Kleid des Leibes (Bauches) seiner Mutter nicht ver-
lassen’).
Als er aus dem Kleide des Leibes seiner Mutter herauskam, fiel
er.in
das schwarze Wasser. Er lag da und zappelte.
Da
sprach ich: „Jetzt wurde Ur geboren.“ Seine Mutter sah ihn, und
er
war noch sehr’) klein und erschien ihr gräulich. Sie wußte nicht, daß
1)
Dies ist zu streichen, oder dahinter ist eine Lücke.
2)
Rühä hielt ihn noch so lange in dem Gewande, das um ihren Unterkörper lag.
3)
Zu diesem Gebrauch von NWDN) siehe auch R 189, 11; 195, 24; 196, 6. Sonstiger
adverbialer
Gebrauch von NWDORJ: R 160, 6; 161, 9 (wo der Text gegen Nöld., p. Sl ii
Ordnung
ist) und 224, 3.
in
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2
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10)
wi
168
Rechter Teil. 159, 7—160, 21
er
sich zu einem größeren Riesen entwickeln werde als die gewaltigen
Riesen,
seine Eltern.
Ich
sah ihn an, dann verließ ich ıhn und stieg auf jene eisernen
Mauern.
Ich stand auf ihnen und redete in meiner Erleuchtung und Lobprei-
sung,
die das Leben, mein Vater, mir verliehen, und dem großen Mysterium,
das
mit mir weilte. Ich schuf sieben goldene Mauern und umgab (mit ihnen)
jene
ganze Welt. Über jede einzelne Mauer sprach ich geheime Namen
und
geheime Benennungen, den Namen Hamamel, Hathmel, Natrel, Zarzel,
Pa$rel
und Halsel‘), welche niemand von ihrer Stelle zu versetzen vermag.
Als
ich jene Mauern errichtet und in Ordnung gebracht hatte, kam
ich
bin und fand ihn, wie er im schwarzen Wasser gleich einem Wurme
dalag
und zappelte. Ich maß ihn, da betrug seine Länge eine Spanne und
seine
Breite eine Spanne. Da sagte ich: „Jetzt will ich in die Höhe steigen,
hingehen
und mich an den Grenzort setzen, bis er heranwächst und wird,
wie
über ihn gesagt wurde, als seine Mutter ihn den großen Riesen, die
Kraft
der Finsternis, nannte.“
Als
es geschah, daß er groß und stark wurde und mächtig gewachsen
war,
sprach ich: „Warum sitze ich da? Ich will mich aufmachen, will
wissen
und erkennen, ich will hinabsteigen [160] und unter diesem schwarzen
Wasser
eine Kupfererde schaffen und dicht machen, deren Dicke acht-
hundert
achtzig tausend Meilen sei, damit Ur sich auf sie stütze.‘“ Als dies
aus
meinem, des Jäwar-Hibil, Munde herausgekommen war, entstand sie
von
selbst und richtete sich her.
Da
stieg ich und kam auf das schwarze Wasser und sah, daß er sehr
sewachsen
war, da sagte ich mir: „Ich will mit meiner Hand über seine
Seite
fahren, damit seine Kraft erschüttert werde und er nicht mehr wachse.
Denn
wenn er noch mehr wächst, platzt die ganze Welt von seiner Kraft
und
seinem Wachstum.‘
Dann
ließ ich den Glanz und das Licht von mir und fuhr mit der
Hand
über seine Seite. Da tauchte er in das schwarze Wasser tausend
Myriaden
Meilen, bis er hingelangte und sich auf die Kupfererde stützte.
Von
seiner Schwere und seinem Sturze entstand ein Spalt in der Kupfer-
erde,
der zwölftausend Meilen lang und breit war, und ein Beben ging
durch
alle Welten der Finsternis. Da sagten seine Eltern: „Jetzt stürzt
die
Kupfererde ein und erdrückt uns auf der Stelle.“
Ur
verbarg sich in jenem Spalte wegen der Furcht, die er hatte, und
der
Angst, die er empfand. Ich wartete, bis er aus dem Spalte und dem
schwarzen
Wasser hervorkam. Meinen Glanz verbarg ich vor seinen Augen.
Da
sprach er zu seiner Mutter: „Was hast du mir angetan? Ich
sollte
wachsen, da fuhrest du mit deiner Hand über mich, ohne daß ich es
ahnte,
und ich geriet in Angst.“
!)
Die Namen sind aus den in den mandäischen Abwehrtexten verwandten Wörtern
DnnN
„siegeln“, %) „behüten“, IT „rüsten“, HD „auflösen“, yon „bedrücken‘‘ gebildet.
Siehe
diese
Wörter im Glossar zu POGNON, Inscriptions mandaites des coupes de Khouabir.
160,
21—162, 8 Fünftes Buch. Erstes Stück. 169
Da
erhob sich seine Mutter und schwor ihm bei ihren Eltern: „Es hat
keinen
Tag gegeben, da ich mit der Hand über deine Seite gefahren wäre.‘
Er
jedoch geriet in böse Erbitterung und wollte in seiner Wut seine eigene
Mutter
fressen. „Wo sind deine Eltern?“ fragte er sie. Da erwiderte sie
ihm:
„Auf, wir wollen zu ihnen hingehen.“
Ferner
[161] sprach sie zu ihm: „Auf, ich will dir eine Krone zeigen,
sie
dir auf das Haupt legen, und du sollst König sein. Von dem Tage an,
an
dem du geboren wurdest, habe ich sie dir angefertigt.‘ — „Zeige sie
mir,
daß ich sie sehe“, sprach er zu ihr. Da erwiderte sie ihm: „Komm,
ich
will sie dir zeigen, sie ist bei den Mauern verborgen.“
Er
warf sein Auge auf die Krone, er nahm die Krone und legte sie
sich
auf das Haupt. Rüha sprach dann zu ihm: „Freue dich deiner Krone,
denn
diese Krone ist deine Festigkeit.“ Doch er sprach zu seiner Mutter:
„Mutter!
Stirb nicht eines schlimmen Todes! Ich will sie mir nicht vom
Haupte
nehmen; ja, ich will auf sie achtgeben.“ Ferner sprach er zu ihr:
„Auf,
zeige mir das Tor, damit wir zu unseren Eltern gehen.“ Doch sie
erwiderte
ihm: „Bevor du geboren wurdest, suchte ich viel in der Welt
umher
und habe das Tor nicht gefunden.“
Da
wollte er seine Mutter fressen, bis sie vor ihm davonlief. Sie
schrie
und rief: „Wehe, wehe vor einem Sohne, der seine Mutter verachtet.‘“
Er
lief stöhnend in der Welt umher und konnte das Tor nicht finden,
um
einzutreten. Da rief er seiner Mutter zu und sprach zu ihr: „Fürchte
dich
nicht, komm, zeige es mir.“ Doch sie sprach zu ihm: „Du glaubst
meinen
Eiden nicht?“ Da sprach er zu ihr: „Gibt es eine Welt, die kein
Tor
hat? Gibt es jemand, dem die Eltern das Tor vor der Nase zuschließen
und
verriegeln? Gibt es ein Tor, durch das jemand hinausgeht und es
nieht
wieder erkennt? Gibt es jemand, den seine Eltern von sich ab-
sperren?“
Darauf erwiderte sie ihm: „Bin ich etwa so eine? Ich forsche
und
grüble über alles.“ Dann fragte er sie: „Gibt es nichts, das wir tun
könnten?‘
Darauf sprach sie zu ihm: „Ich weiß hohe und kräftige Zauber-
sprüche,
vor denen, wenn ich sie hersage, die Erde schmilzt.“ Da sprach
er
zu ihr: „Sage deine Zaubersprüche her und teile mir einige von ihnen
mit.“
Da sprach sie zu ihm: „Wenn ich sie hersage, wirst du sie lernen.“
—
„Sage her‘, sprach er zuihr. Da sprach sie zu ihm: „Auf, wir wollen
zu
jenen [162] Mauern gehen, bei denen deine Krone lag.“
Er
brach auf und ging mit ihr, sie gingen und kamen hin, und sie
sprach
tausend mal tausend endlose und zehntausend mal zehntausend zahl-
lose
(Sprüche), ohne daß die Mauern schmolzen. Da sprach er zu seiner
Mutter:
„Sagtest du nicht: Ich kenne große und kräftige Zaubersprüche ?“
Darauf
erwiderte sie ihm: ‚(Was soll ich tun), wo ich nicht weiß, was über
mich
gekommen ist?“ Da sprach er zu ihr: „Wohlan, tue, wie du es
weißt.“
Da
erhob sie sich und schuf mit ihren Zaubersprüchen und Mysterien
kriegerische
Dämonen. Als er sie mit seinen Augen sah, wußte er, daß
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170
Rechter Teil. 162, 8—163, 20
seine
Mutter große, kräftige und mächtige Zaubersprüche kannte. „Diese
Dämonen‘,
sprach er zu ihr, „sollen mir Helfer sein.“ Er liebkoste seine
Mutter
und sprach zu ihr: „Da du diese Werke verstehst, warum hast du
dir
keinen Genossen geschaffen?“ Darauf erwiderte sie ihm: ‚Mein Sohn!
Ich
sagte mir, daß ich außer dir nach niemandem begehre.“ Als sie ihm
dies
sagte, liebkoste und küßte er sie.
Ich,
Jäwar, wußte nicht, als ich sie von ihrem Orte herbrachte, daß
sie
sich auf diese Werke verstand. Als sie dies tat, war ich ihnen un-
sichtbar,
und sie bemerkten mich nicht. Ich stand vielmehr vor ihnen und
war
ihren Augen verborgen und sah, was sie trieben.
Sie
sprach zu ihrem Sohne: „Wohlan, ich will dir einen Spiegel zeigen,
den
ich besitze.‘ — „Zeige ihn mir‘, sprach er zu ihr. Da sprach sie zu
ihm:
„Da, siehe, mein König und Held.“
Sie
zeigte ihn ihm, und er schaute sein Antlitz in jenem Spiegel, er
schaute
die Welten der Finsternis, er schaute seine Eltern und schaute die
Welten
des Lichtes.
Als
er so schaute, krümmte er sich, zog sich zusammen und streckte-
sich
nicht. Seine Statur krümmte sich, und er sprach zu seiner Mutter:
„Warum
hast du mir (den Spiegel) bis heute nicht gegeben? Ich habe
mein
Antlitz in ihm geschaut.“
[163]
Darauf erwiderte sie ihm: „Mein Sohn! Dieser Spiegel und die
Krone
— von dem Zeitpunkte an, da ich in die Höhe kam und mein Held
mich
an diesen Ort in die Höhe brachte, war deine Krone, dein Spiegel
und
dieses eine Gimra bei mir, und ich sagte mir, daß wenn du geboren
würdest,
sie dir gehören sollten.“ Sie fragte ihn: „Was hast du gesehen,
mein
Sohn?“
„Ich
schaute“, sprach er zu ihr, „die Welten meiner Eltern; ich schaute
jeden
einzelnen in seiner eigenen Welt. Ich schaute die Welten des Lichtes
und
sagte mir: Was soll ich tun, daß ich meine Eltern schaute, daß ich
das
Licht mit meinen Augen') schaute, das nicht unser ist?“
Da
sprach sie zu ihm: „Zeige mir den Spiegel, daß ich in ihn hinein-
blicke.“
Er gab ihn ihr, und sie sah in ihm, was ihr Sohn gesehen hatte.
„Was
sollen wir jetzt tun?“ fragte er sie. Da stand sie da und erzürnte
ihn,
denn sie sprach: „Jetzt weiß ich nichts.‘‘“ Ihr fiel aber das Herz von
der
Stütze herunter, denn sie begriff alles. „Mein Sohn!“ sprach sie zu
ihm.
„Auf deinen Herkunftsort und auf deine eigenen Eltern richte deine
Augen,
doch gegen jene Lichtwelten unternimm keinen Kampf.“
Als
sie so zu ihm, sprach, faßte er sie bei den Haaren, zog sie an sich
heran
und trat sie mit Füßen. Da stieß sie dreihundert und sechzig Schreie
mit
einem Schrei aus und sprach zu ihm: „Wehe, wehe, mein Sohn, alles,
was
du zu tun wünschest, tue.“ Da sprach er zu ihr: „Ich will gegen das
Licht
kämpfen, nicht gegen die Finsternis.‘
!)
Ich lese INPINI statt NIMND.
165.
20—165, 5 Fünftes Buch. Erstes Stück. yet
Als
Ur so sprach, schrie er gegen das schwarze Wasser. Das schwarze
Wasser
wirbelte vor ihm in einem Wirbel, bis es gegen die Mauern und
Wälle
schlug, die die Finsternis vom Lichte trennen, und gegen die Mauern
klopfte.
Er erhob seine Stimme und stieß einen Schrei aus, bis alle Mauern
wankten.
[164]
Da sprach das Leben zu mir, Jawar: „Warum sitzest du jetzt
da,
Jawar-Hibil, du Bote? Auf, geh zu Ur, dem hochmütigen') Herrn der
Finsternis.‘
Ich,
Jäwar, wich nicht von der Rede meines Vaters ab, sondern ging
hin
und kam bei Ur an, ich und die Uthras meiner Begleitung und meine
Helfer,
die mein Vater mir geschaffen.
Als
Ur, der Herr der Finsternis, mich und meine Gestalt sah, vergrub
er
sich in das schwarze Wasser. Ich nahm ihm nun die Krone vom Haupte,
legte
sie in sieben Gewänder und schlug meinen Weg ein.
Ur
kam aus dem schwarzen Wasser hervor und sprach zu seiner
Mutter:
„Wer war das, der gegen mich hergegangen ist?“ Da erwiderte
sie
ihm: „Dieser, der gegen dich hergegangen ist, ist gegangen, um dich
zu
unterwerfen.“ Da fragte er seine Mutter: „Gibt es denn jemand, der
mich
zu unterwerfen vermag?“ Darauf erwiderte ihm seine Mutter: „Wenn
du
diesem Manne gewachsen bist, dessen Kraft sein Glanz ist‘), warum >
kannst
du ihm nicht deine Krone wegnehmen ?“
Als
seine Mutter so zu ihm sprach, warf er die Hände auf sein Haupt
und
rief: „Wehe, wehe mir!“ Er krümmte sich und streckte sich nicht
und
sprach zu seiner Mutter: „Er packte mich, daß der Rückenwirbel mir
zerbrach.“
Als
er so zu seiner Mutter sprach, weinte und stöhnte sie über ihn.
Dann
sprang er von seinem Throne auf und sprach zu ihr: „Was über
mich
kommen soll, mag kommen.“
Dann
stand er auf und kam in Wut und Zorn mit tausend Myriaden
Dews
seiner Begleitung heran. Doch als sie mich erblickten, starben sie ;
und
vergingen und wurden als ob sie nie dagewesen wären.
Da
sprang er wütend auf und schlug seinen Weg ein. Er trat in
das
schwarze Wasser ein und rief®) zahllose Dews. Er rief einen Dew,
[165]
der so groß war wie er, und trat mir aufs Neue entgegen. Doch als
die
Dews mich erblickten, starben sie, auch die sonst mit ihm waren.
Er
blickt hinter sich und vor sich hin‘) und spricht: „Was soll ich
tun?“
Da sprach seine Mutter zu ihm: „Du bist der Kraft dieses Lichtes
nicht
gewachsen.‘ — „Bin ich es nicht“, sprach er zu ihr, „wo meine Kraft
groß
ist?“ — „Wenn du kannst“, sprach sie zu ihm, „steh auf, wir wollen
1)
Var. „dem kriegerischen“.
2)
Nach Var. in B „diesem Manne von Kraft und Glanz“.
3)
Wiederum zweideutig, ob „rief“ oder „rief hervor, schuf.
4)
Lies Fonpaa) Annym.
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Rechter Teil. 165, 5—166, 13
zu
den Mauern gehen, und rüttle sie von ihrer Stelle weg.‘ Darauf sprach
er
zu seiner Mutter: „Auf, wir wollen hingehen.“
Sie
gingen hin. Als er die Mauern versetzen wollte, wurden sie von
ihm
nicht versetzt, und er schämte sich vor seiner Mutter. Da sprach sie
zu
ihm: „Es gibt niemand, der diese Mauern von ihrer Stelle wegzurücken
vermag.
Denn ich habe viele Jahre ein Zaubermurmeln gemurmelt, ohne
daß
die Mauern zusammenschmolzen.“
Da
sprach er zu seiner Mutter: „Was soll ich tun?‘ Darauf erwiderte
ste
ihm: „Dir gehört eine gewisse Perle, lege sie dir aufs Haupt, dann wird
deine
Kraft sich vermehren.‘
Als
sie die Perle brachte und sie ihm aufs Haupt legte, schrie er das
schwarze
Wasser an. Da wirbelte sich das Wasser und lief vor ihm fort.
Dann
sprach er: „Ich will zum Lichte und zur großen Wasserquelle
emporsteigen.‘
Doch
ich, Jäwar, erschien ihm in jenem Gewande, da schrumpfte er
zusammen
und fiel vor mich hin. Ich ergriff jene Perle, die seine Mutter
ihm
gegeben, mit der er prangte, und hob sie hoch. Dann verließ ich ihn
und
ging zu meinen Eltern, die mit mir wohnten‘).
Da
sprach er zu seiner Mutter: „Wehe, wehe, Mutter! Ach, unsere
Kraft
und unsere Festigkeit wurde uns genommen.‘ Da sprach sie zu ihm:
„Mein
Sohn, du kannst gegen diesen Mann nichts ausrichten.“ Ferner
sprach
sie zu ihm: „Wohlan, wir wollen in das schwarze Wasser eintreten
und
nach dem Gimrä sehen, das in meinem Innern ist. Wenn es in das
Wasser
fällt, siedet das schwarze Wasser. Dann werden wir sehen, was
wir
tun sollen.“
Er
und seine Mutter [166] traten dann in das schwarze Wasser ein,
und
ich Jäwar-Ziwä trat hinter ihnen ein. Rühä holte dann jenes Gimra
aus
ihrem Innern, und es fiel in das schwarze Wasser. Das schwarze
Wasser
siedete und wirbeite, bis daß jener Spalt sichtbar wurde, der von
der
Schwere des Ur entstanden war. Da sprach er zu seiner Mutter:
„Mutter!
Sieh diesen Spalt, der entstand, als ich herabfiel, als du mit der
Hand
über mich fuhrest.“ Sie sah jenen Spalt und war darüber beun-
ruhigt.
Ich,
Jäwar, blendete und verwirrte Rubhä und nahm vor ihr jenes
Gimrä
weg. Sie suchte danach, konnte es aber nicht finden. Da klagte
sie,
schlug mit den Händen gegen den Kopf und rief: „Wehe, wehe, unsere
Zauberei
und Hexerei geht verloren, und Rede und Erhörung?) wurde uns
genommen.‘
Sie weinte und er weinte, und sie entwurzelten die Erde durch
ihre
Aufregung’). Er stieg aus dem schwarzen Wasser empor und sprach
zu
seiner Mutter: „Ich will mich erheben und Krieg führen.“
!)
Der Ausdruck ist auffällig, aber man muß ihn, wie so vieles in den mandäischen
Schriften,
hinnehmen.
®2)
Daß wir etwas zu sagen hätten und erhört würden.
’)
Eine auch sonst vorkommende Wendung, vgl. p. 176,5. Zu N/7'%W siehe Joh. II, p.
20%.
166,
14—168, 5 Fünftes Buch. Erstes Stück. 173
Alsdann
rief er zum letzten Male, erhob seine Stimme, erhitzte sich
in
Aufregung und schrie das schwarze Wasser an. Da fiel das schwarze
Wasser
auf die Mauern, die Mauern wurden angeschlagen und tünten
gleich
einem Becken. Ob dieses Schalles setzten sich die Uthras in Wolken,
und
der Herr der Größe‘) setzte sich in sein eigenes Versteck.
Ich
nun, Jäwar-Ziwä, der Bote, der Oberste unter allen Boten, sprach:
„In
der Kraft des großen Mysteriums, das mit mir weilt, und in der Kraft
des
Lebens, meines Vaters.“ Ich öffnete das Tor, nahm den hohen Stab
und
zeigte ihn vor. Da zog sich sein Auge mit einer Träne zusammen,
und
er weinte über sich selber. Ich fesselte ihn und warf ihn vor mich,
Jäwar,
Sohn Jawars, hin. Dann brachte ich eine Kette, die schwerer
[167]
als alle seine Welten, die zehntausend mal so schwer als er selbst
ist,
und legte sie um Ur, den Obersten des ganzen Heeres der Finsternis.
Ich
rüttelte an seinen Knochen, da schrie er und rief: „Wehe, wehe, mein
Herr!“
Auch seine Mutter schrie und weinte über ihren Sohn Ur. Da
sprach
ich zu ihr: „O Rüha, geh hin und bleib ruhig sitzen. Das Leben
hat
mich im Zorn gegen ihn gesandt.‘
Ich
setzte vier Hüter über ihn ein. Ich warf ihn auf das Antlıtz hin
und
wickelte ihn in vier Tücher”). Ich machte vier Ecken an ihnen: eine
nach
Westen hin, eine nach Osten, eine nach Norden, eine nach Süden.
Im
Westen setzte ich über ihn Azazel, Azaziel, Tagfel und Margazel den
Großen
ein, der über seine Genossen zürnt; sie geben auf ihn acht. Im
Osten
setzte ich über ihn vier andere ein: Urpel, Marpel, Tagfe! und Hannel,
der
ihnen bald gnädig ist, bald droht. Im Norden setzte ich über ihm
Kanfan
und Kafan, Gubran und Guban ein, der stark und rüstig über sie
ist;
sie geben auf ihn acht. Im Süden setzte ich über ihn vier andere ein:
Hailel,
dessen Kraft groß ist, Qarbel, Nürel und Nüriel, der Feuer gegen
ihn
und die Engel, seine Gefährten, losläßt; sie geben auf ihn acht.
Als
ich sie eingesetzt hatte, es erreichte, daß Ur nichts unternehmen
konnte,
und mich über diese Welt des schwarzen Wassers unterrichtete, :
die
die Wohnstätte des Ur sein sollte, bis Abathur geschaffen wird‘), stieg
ich
zum Hause des Lebens empor und sprach zu meinem Vater: „Freue
dich
und sei wohlgemut, denn Ur ist bezwungen und niedergezwungen.“
Es
(das Leben) küßte mich mit seinem reinen Munde, es liebkoste und
küßte
mich, offenbarte mir [168] und sprach zu mir: „Hibil, reiner Mana!
Josamin
hat drei Söhne geschaffen. Einer von ihnen bewacht das Nest
seiner
Eltern, einer wohnt bei seinem Vater, einer, jener Abathur, geht ın
jene
Welt, in der du gewesen bist. Er sieht‘) sein Gesicht im schwarzen
Wasser,
und sein Abbild®) und Sohn wird ihm aus dem schwarzen Wasser
gebildet.‘
!)
Siehe oben, p. 4 Er wird sonst in diesem Stücke nicht genannt.
2)
Siehe auch p. 84, 20. 3) Eher Ptahil, siehe p. 150, 15. *) Besser NN.
5)
Hier ist, wie aus dem Folgenden zu ersehen ist, mit „Abbild“ nicht die Frau,
son-
dern
der Sohn gemeint, siehe auch oben, p. 151, 2.
\
9)
(®)
ta
vw
40
in
15
20
3
ur
40
174
Rechter Teil. 168, 5—169, 19
Als
das Leben, mein Vater, so sprach, stand Abathur auf, öffnete das
Tor,
schaute in das schwarze Wasser, und in derselben Stunde wurde sein
Abbild
im schwarzen Wasser gebildet. Ptahil wurde gebildet und stieg zum
Grenzort
empor. Abathur sah prüfend Ptahil an und sprach zu seinem
Sohne
Ptahil: „Komm, komm, Ptahil, du bist es, den ich im schwarzen
Wasser
geschaut habe.“
Als
er ihn in seiner eigenen Gestalt sah, wie er mit sieben Gewändern
jeglicher
Art und jeglicher Farbe bekleidet war, zog er sie ihm aus und
nahm
sie ihm weg. Er bekleidete ihn mit seinem Glanze und bedeckte ihn
mit
seinem Lichte. Doch stieg er (Ptahil) nicht zu den Lichtwelten empor,
da
er sich vor seinen Eltern fürchtete. Abathur setzte ihn an der Grenze
hin
und sprach zu ihm: „Bleib, Ptahil, an diesem deinem Orte sitzen, bis
das
Leben nach dir verlangt, um dich kennen zu lernen.“
Als
Abathur so sprach, redete ich, Jäwar-Hibil, Abathur an und sprach
zu
ihm: „Freue dich des Sohnes, den du geschaffen hast. Er wird dir ein
Gesellschafter
und Helfer sein.“
Als
ich so zu ihm sprach, stand Abathur vor mir auf, verneigte sich
in
Verehrung vor mir, Hibil-Uthra, und sprach: „Ja, durch deine Kraft ist
der
Sohn Ptahil entstanden und wurde (mir) beschert.* Dann sprach ich
zu
ihm: [169] „Prüfe, was du von dieser Welt erwartest, daß ein solcher
Plan‘)
entstehen konnte! Sıeh dich vor, daß du Ptahil beauftragest, törichter-
weise
etwas zu tun, was er nicht versteht.“ Doch er hörte nicht auf das,
was
ich ihm sagte. Da stieg ich zu meinen Eltern empor.
Abathur
gab ihm nun den Auftrag und sprach zu ihm: „Auf, Ptahil,
mein
Sohn, schaffe eine Verdichtung im schwarzen Wasser!“
Er
machte sich an die Verdichtung, doch sie kam nicht zustande. Da
stand
er nachdenklich da und sprach zu seinem Vater: „Vater! Ich nahm
von
jenen sieben Gewändern, in denen ich geschaffen worden bin, und
trat
in das Wasser, es verdichtete sich aber keine Erde.“
Da
sprach sein Vater zu ihm: „Du Tor! Nimm dich in Acht, mich dir
gleich
zu stellen). Nimm du von den sieben Gewändern des Glanzes, des
Lichtes
und der Herrlichkeit, mit denen ich dich bekleidet habe°), und wirf
in
das schwarze Wasser, damit sich jetzt eine Verdichtung bilde.“
Als
er dies von seinem Vater Abathur hörte, stand er auf, nahm von
jenen
sieben Gewändern des Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit,
warf
auf das schwarze Wasser hin, da verdichtete sich die Erde in einer
Verdichtung
von zwölftausend Meilen, und die ganze Welt stand da. Das
schwarze
Wasser bildete einen Umkreis um die Welt.
Da
erhob ich meine Stimme gegen Ptahil. Er fürchtete sich vor meiner
Stimme,
er erschrak vor meiner Rede, er streckte sich auf die Verdichtung
1)
Diese Welt zu schaffen.
®)
Indem du glaubst, daß deine Gewänder dieselbe Wirkung haben können wie die
meinigen.
DESıchew
7.2}
169,
19—171,7 Fünftes Buch. Erstes Stück. 175
hin,
die er gebildet hatte, und rief: „Wehe mir, daß dieser Hibil seine
Stimme
gegen mich erhoben hat.“
Als
ich ihn in solcher Angst sah, war ich freundlich zu ihm, koste ihn
und
sprach zu ihm: „Tue und mache recht und vollende deine Werke vor
deinem
Vater und vor dem Leben, das von dir fern ist ').“
[170]
Als ich ihm dies gesagt hatte, umgab ich die Verdichtung, die
er
gebildet, mit sieben Mauern.
Da
war er in Gedanken. Rüha ersann nun eine List gegen ihn und
sprach
zu ihm: „Woraus bist du geschaffen, woraus entstanden, Ptahil, daß
deine
Gestalt so schön ist?“ Darauf erwiderte er der Rüha: ‚Aus dieser
Welt
wurde ich geschaffen, bin ich entstanden und gebildet.“
Als
Rühä dies von Ptahil hörte, erstarkte ihr Herz, und sie sprach zu
ihm:
„Von mir stammst du.“ Sie stand dann auf, trat vor ihren Sohn (Ur)
und
sprach zu ihm: „Warum hockest du da, mein Held, und warum liegest
du?
Wohlan, schlafe bei mir, dann wird mir einer gleich dir werden, und
er
wird dich von deiner Fessel befreien.“
Als
er dies von seiner Mutter hörte, suchte er sich emporzuschwingen,
doch
schwang er sich nicht zu ihr heran. Sie sah ihn und weinte über
ihn,
weil die Last ihn schwer drückte. Sie machte sich nun selbst einer
Fessel?)
gleich und schlief bei ihm. Sie wurde von ihm schwanger und
gebar
sieben Söhne‘). Als sie sie erblickte, spie sie vor ihnen aus und
sprach:
„Ich suchte, schaute es aber nicht‘). Was soll ich nun tun?“ Da
sprach
sie: „Ich will wieder hingehen und mich zu ihm legen.“
Sie
ging wieder hin, legte sich zu ihm und erhielt in einer anderen
Schwangerschaft
zwölf Söhne. Als sie sie erblickte, weinte sie über sie
und
sprach zu ihnen: „Wie sehet ihr aus, meine Söhne? Ihr habt keine
Kraft
und gleichet nicht eurem Vater. Jetzt weiß ich in meiner Seele, daß
ich
kein Vertrauen auf diese Welt haben darf.“
Als
sie dies von ihrer Mutter hörten, wurden sie erbittert. Sie faßten
einander
an der Hand und setzten sich in den Schoß von Nebelwolken,
die
von ihnen selbst geschaffen worden waren. Sie sprach dann zu ihnen:
„Wohin
gehet ihr? [171] Jetzt kommt der Mann, der euren Vater gefesselt
und
festgenommen hat.“
Da
weinte jeder einzelne von ihnen über sich, und sie sprachen:
„Wehe,
warum wurden wir geboren?“
Ich,
Jäwar Hibil, der reine Manä, stand bei ihnen und wollte sie
machen,
als ob sie nie dagewesen wären. Ich überlegte und sprach: „Was
soll
ich mit diesen Unholden anfangen, die nicht jenen Riesen gleichen, die
ich
in den unteren Welten geschaut habe? Nein, ich will sie lassen, daß
ı)
Hier steht noch ein Satz, der nicht hierher gehört: „Und ich umgab mit Mauern
diese
Verdichtung, die, wenn sie jenes mein Gewand sieht, wegläuft und sich im
schwarzen
Wasser lagert und nicht darauf ist.“
2)
Siehe p. 93*. 3) Siehe p. 9.
#)
Ich erreichte nicht das, wonach ich suchte.
wa
us
°
in
[93
in
176
Rechter Teil. 171, 7—172, 18
sie
den Lauf dieser Welt laufen und den Gang dieser Welt gehen ’).“
Als
ich dies sagte, zeigte sich das Leben in seiner Fülle, ohne Mangel.
Ich
rief ihnen zu und sprach zu ihnen, da fiel ihnen das Herz von
der
Stütze herunter. Ruhä weinte über sie und sprach zu ihnen: „Dieser
Mann,
der euch zugerufen hat, ist der Mörder eures Vaters’).“ Da ent-
wurzelte
jeder einzelne von ihınen die Erde durch seine Aufregung.
Ptahil
rief: „Wehe! Die Verdichtung, die ich geschaffen habe, wurde
mir
entwurzelt. Was soll ich tun?“ Da sprach ich zu Ptahil: „Fürchte
dich
nicht. Jetzt habe ich mit diesen zu tun, die so handeln °).*
Alsdann
rief ich ihnen zu und sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht!
Ich
will euch nehmen und euch einen Wohnsitz anweisen.‘“
Als
ich so zu ihnen sprach, taten sie nichts. Da fragte ich sie: „Was
sind
eure Werke?“ Da sprachen sie: „Herr! Tue alles, was du wünschest,
nur
sei gütig zu uns, fremder Mann.“
Da
rief ich Samis (Sonne) bei seinem Namen, dann Sin (Mond), Kewän
(Saturn),
Bel (Jupiter), Dlibat (Venus), Nbü (Merkur) und Nerig (Mars).
Jedem
einzelnen von ihnen gab ich (einen Namen) und sprach zu ihnen:
„ich
verleihe euch Wagen, in die ihr euch setzen sollet. Ich bekleide euch
mit
einem wundersamen Gewande [172] und verleihe euch Glanz, daß ihr
in
dieser Welt leuchtet.“
Darauf
nahmen alle Samis, ihren ältesten Bruder, und sprachen zu
ihm:
„Du sollst unser König und Dlibat soll unsere Königin in der Welt
sein.
Wir alle wollen euch unterstehen.“
Als
ich dies von ihnen hörte, brachte ich ihnen ein Boot‘), dann rief
ich
Sar und Sarwän und sprach zu ihnen: „Behütet das Boot und seid
Helfer
dem’ Sami$, dem Haupte der Phalanx, dem Ältesten unter seinen
Brüdern.“
Die
beiden Uthras wichen nicht von dem ab, was ich ihnen sagte.
Ich
setzte sie’) nun in das Fahrzeug, und sie erleuchteten die Welt drei-
hundert
und sechzig tausend Jahre in ihrem wüsten Zustande.
Dann
sann ich, Jäwar, nach und sprach: „Ich werde Adam schaffen.‘
Da
rief ich‘) die Planeten und sprach zu ihnen: „Bildet die körperliche
Gestalt.“
Da bildeten sie sie, wie ich es ihnen gesagt hatte.
Da
brachte ich die Seele aus dem Schatze des gewaltigen Lebens, der
im
Hause der Nituftä verborgen war, welche (die Seele) im Tanna groß-
geworden
war, und warf sie in den Körper Adams. Dann schuf ich ihm
sein
Weib Hawwä, damit diese Welt erweckt und gefestigt werde.
Ich
werde der Übermittler‘) der Seelen sein, die hier geboren werden
!)
Siehe oben, p. 24%.
®)
Das ist nicht ganz richtig, er hat ihn nur geiesselt.
®)
Unsicher. Vielleicht: Jetzt will ich diesen, die so handeln, antun, [dab „x 4
xx].
“
xn150 findet sich in diesem Sinne (felüka) auch Joh. 79, 12; 80, 3.
5)
Die Planeten. 6) Lies nom.
?)
Bigentlich „der Händler“; der (Wuxononunös ist auch hier ein &umoAaios.
172,
18—173, 12 Fünftes Buch. Zweites Stück. 177
und
jenseits Uthras genannt werden, die emporsteigen und den äußeren
Äther
und den Ort, aus dem sie geschaffen wurden, schauen.
Bis
das Maß dieser Welt voll ist und sie emporsteigen und ihren Ur-
vater
schauen, ist das Leben erkenntlich Manda dHaije und dessen Sohne
Hibil,
der dem Leben, dem gewaltigen an Herrlichkeit, die Reihen ordnet’).
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den
Männern,
die uns unterweisen. Das Leben steht fest [173] in seiner Skinä,
das
Leben ist siegreich über alle Werke, und siegreich ist Jäawar-Ziwä und
seine
Helfer und Jünger.
in
Zweites
Stück. 10
Im
ersten Teile des Traktates wird’ geschildert, wie infolge des Erscheinens Mandä
dHaijö’s
die Götzen dieser Welt zusammenbrechen und umstürzen. Danach wird der Traktat
nach
der Schlußnotiz „Der Umsturz der ganzen Götterschaft des Hauses“ genannt, siehe
p.
15°. Weiterhin ist es eine Predigt mit zusammenhangslosen Ermahnungen aller Art.
Das
Stück
enthält wie kein anderes Entlehnungen aus dem Alten Testament. P. 178f. aus
Ps.114.29; 15
wie
Mißverständnisse zeigen, war eine aramäische Übersetzung verwertet. Eine etwas
ab-
weichende
Fassung bietet Lit. 126. Die Verwertung der Psalmstellen hängt wahrscheinlich
mit
eschatologischen Ausdeutungen des Auszuges der Kinder Israel aus Ägypten
zusammen,
siehe
Joh., p. XXI. In den Ermahnungen ist Jes. 5, 11 f., 20f. benutzt. Siehe zu dem
Stücke
Brandt,
Rel., p. 132 ff. 20
Im
Namen des großen, ersten Lebens.
Der
Glanz und das Licht des Lebens ist aufgegangen, und Mandä
dHaije
hat sich offenbart, um alle Welten‘) zu beschämen. Er stürzte die
ganze
Götterschaft des Hauses um und brachte Zwietracht unter alle Herren
dieser
Welt. Als sie den Glanz und das Licht des Manda dHaije erblickten, 25
fund
den Glanz und die Helligkeit]°), mit denen die Männer von erprobter
Gerechtigkeit
gekleidet wurden, knickten die Throne ihrer Götter unter
ihnen
zusammen. Ihre Reihen waren daran, auf das Gesicht hinzustürzen,
und
sie standen beschämt da.
Alle
Welten, die ihn erblickten, stürzten hin und fielen auf ihr Antlitz. 3°
Sie
öffnen nicht ihre Augen und sind nicht imstande, das Zeichen und das
Abbild
des großen Lebens zn schauen.
!)
Der hienieden nach dem Rechten sieht. Im vorhergehenden Absatz ist vom Auf-
stieg
der Einzelseelen die Rede, hier vom Aufstieg der Gesamtheit der Seelen beim
Weltende.
2)
Hier und weiterhin wohl im Sinne von Äonen gebraucht (siehe auch p. 46 #), doch
*
steht
Text 175, 22 dafür NYINT.
2)
Nach 175, 3f. (Text) ergänzt.
Lidzbarski,
Ginzä. 12
wı
178
Rechter Teil. 173, 12—174, 15
Doch
als die Männer von erprobter Gerechtigkeit ihn erblickten, wurden
sie
durch das Leben aufgerichtet und dessen voll, und das Leben wurde in
ihrem
Sinne aufgerichtet.
Erstarren
befiel die Herren des Hauses’), und sie sprechen zu ihrem
Gotte:
„Du bist unser Abbild, und wir sind dein Abbild; wenn Kraft in dir
ist,
so verändere deine Gestalt, sonst wollen wir hingehen und uns dem
Lichte
des Lebens anfügen.“ Darauf erwidert er ihnen: „Meine Gestalt ist
es,
und sie wird sich in aller Ewigkeit nicht verändern.“ Da sprechen sie:
„Wehe
uns, daß die Werke unserer Hände ohne Schuld waren, wir jedoch
schuldig
sein sollen.“
Warum
weinet ihr, Völker und Generationen? Euer Herz hängt an
etwas,
das nicht euer ist. Euer Königtum wird gewandt und wendet sich,
und
der Glanz eurer Herrlichkeit fiel über euch zusammen ?).
Sie
empören sich gegen ihren Gott, verfluchen ihn und sprechen zu
ihm:
„Verflucht seiest du, Gott, und der Geist, der auf Rüha ruht.“
[174]
Ihre Kraft ging hin, sie schämten sich in ihren Skinäs, Lug und Trug
war
in den Pforten ihrer Paläste. Finsternis ging über den Werken ihrer
Hände
auf, öde Dunkelheit‘) ist an ihrem Firmament. Ihre Götter knickten
an
ihrem Wege beschämt zusammen. [Über ihre Tempel] kam reichlich
Schmach‘).
|
Sie
setzten sich hin zu Täuschung und (falscher) Weisheit, treiben
Zauberei
und werfen sie über das Antlitz der Erde. Der Gott stieg von
der
Höhe hinab, nahm die Gestalt von Engeln an, und die Engel verklei-
deten
sich als Dämonen. Täglich, alltäglich verdrehen sie das Herz der
Menschenkinder,
sie lassen sich nieder auf den Hals der Priester, Pfaffen
und
Orakelmänner, um zur Sättigung von ihrem Fleische zu essen und zur
Labung
von ihrem Blute zu trinken. Sie sprechen°) in (falscher) Weisheit
und
Täuschung und verändern die Zeiten.
Das
Leben offenbarte sich der Tibil, Glanz und Licht des Lebens
gingen
auf.
Als
das Meer es erblickte, kehrte es um,
und
der Jordan wandte sich rückwärts.
Die
Berge hüpfen wie Hirsche,
und
die Hindinnen in der Steppe werfen ihre Jungen aus.
Die
Höhen sprechen wie Wolkentöchter in Ehrung‘).
t)
Wohl auch hier die Planeten, siehe p. 106, 8 und 179, 28, doch ist es unklar,
wer
ihr
Gott ist.
2?)
Dieser Absatz unterbricht den Zusammenhang.
®)
Siehe R 278, 14; 282, 1. Wegen dieser Stellen lese ich nicht mit A NYINY, ob-
wohl
X”% dem Sinne nach 837 nahesteht, siehe Joh. II, p. 76%.
#)
Siehe Lit., p. 128, 10.
)
Lies NOYSHNN.
6)
Ps. 114, 4 ist mißverstanden, besonders }97 2 = INy 2 „Lämmer“, die zu
„Wolkentöchtern“
wurden.
174,
16— 175, 20 Fünftes Buch. Zweites Stück. 179
Die
Berge öffnen ihren Mund und gewähren Lobpreis,
und
die Zedern auf dem Libanon brechen zusammen.
Als
die Erde mich erblickte, zitterte sie und erbebte,
und
als der König des Meeres’) mich sah, kehrte er um.
Meer,
wen sahest du und kehrtest um,
Jordan,
wen sahest du und wandtest dich rückwärts?
Berge,
wen sahet ihr und hüpfet wie Hirsche,
Hindinnen
in der Steppe, vor wem werfet ihr eure Jungen aus?
Höhen,
vor wem sprechet ihr wie Wolkentöchter in Ehrung?
Berge,
vor wem öffnet ihr euren Mund in Lobpreis,
Zedern
auf dem Libanon, vor wem brachet ihr zusammen?
Erde,
wen [175] sahest du und erbebtest?
König
des Meeres, wen sahest du und kehrtest um?
Inseln
des Meeres, vor wem wurdet ihr verwirrt,
Eilande
des Meeres, vor wem erschraket ihr?
Vor
dem Glanze und dem Lichte des Manda dHaije, dem Glanze und
der
Helligkeit, mit denen du die Männer von erprobter Gerechtigkeit be-
kleidet
hast. Das Leben ergoß sich über das Wasser, und die Inseln des
Meeres
öffneten ihren Mund, gewährten Lobpreis dem gewaltigen, fremden
Leben
und sprachen: „Deinen Namen, Leben, nannten wir nicht, und die
Furcht
vor dir kannten wir nicht.“
Dies
ist das Licht des Lebens, das sich offenbarte, und die Männer
von
erprobter Gerechtigkeit priesen es. Da sprach zu ihnen Manda dHajje:
„Ich
bin gekommen, um bei euch zu weilen und euch im Lichte des Lebens
aufzurichten.
Ich habe euch von den Völkern und Generationen abgeson-
dert,
ich will euch in der Liebe zur Wahrheit aufrichten, und ihr sollt
Wahrhaftige
vor mir im Lichte des Lebens sein.
Das
......”) des Lebens wird nicht den Herren des Hauses”) zuteil
werden.
Verwirrt wurden die Räder ihrer Wagen, und sie erhoben laut
ihre
Stimme in der Höhe. Gleich der Stimme des Mannes Himun‘) erhoben
die
Welten laut ihre Stimme in der Höhe.
Bl-Siddai
entwurzelte durch seine Wunderhandlungen die Erde im
Hause
des ......’) und schuf seine Werke im Hause des Mannes. Hinge-
worfen
wurde ihre Stärke, ihre Herrschaft wich von ihnen, das Königtum
fiel
ihnen vom Haupte. Sie saßen auf ihren Thronen in Erstarren da und
sprachen:
„Wehe, wehe, daß Starren auf alle Welten fiel. Ihre Zeit nahte
heran,
und sie sind im Begriffe ein Ende zu nehmen am Ende der Welten‘).“
ı)
„Der König des Meeres“ beruht auch nur auf einem mißverstandenen N%" Ar
ID:
®2)
Der Text ist hier entstellt und weiterhin lückenhaft. Vielleicht hat am Anfange
Ind
NT NRMDND) „und die Nachsicht des Lebens wird nicht zuteil werden“ gestanden.
3)
D. h. den Planeten, siehe p. 1781. ;
4)
Hier liegt wohl ein mißverstandenes 197 Hp vor (Jes. 13, 4; 33, 3 und sonst),
viel-
leicht
unter Einwirkung des Namens mn. Siehe auch GEIGER, ZDMG. XXI (1867), p. 491.
5)
Im Texte steht „Glanz“, was nicht paßt. %) Siehe p. 46%.
2
Io
25
30
IO
I
in
20
25
35
180
Rechter Teil. 175, 20—177, 3
Das
große Leben wird in der Höhe weilen, während die Pforten‘) und
Planeten
zu den Tiefen der Erde herabsinken werden. Den Äonen, die die
untere
Seol umgeben, ist ihre Herrschaft von der Höhe gewichen°). Ihre
bösen
Gedanken häuften sich auf ihrem Haupte.
Es
ist die Stimme des Lebens [176] aus den Früchten, die Stimme der
Gerechten
aus dem Lichte, die Stimme der Männer von erprobter Gerech-
tigkeit
aus den unteren Skmas, die im Namen des Lebens Lobpreis ver-
richten
und sprechen: „Wir kannten den Tod in der Tibil. Von dem Tage
an,
da wir Liebe zum Leben faßten und den Tod haßten, vertrauten wir
auf
dich, Leben, und wegen deines Namens, Leben, wurden wir in der
Tibil
verfolgt.“
Fürchtet
und preiset, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, das
Leben,
und das Leben wird auf euch ruhen. Ihr, Männer von erprobter
Gerechtigkeit,
werdet aufgerichtet sein; aufgerichtet stehet vor mir da.
Leuchtet
und erleuchtet; mein Licht soll über euch aufgehen. Dann wird
den
Männern von erprobter Gerechtigkeit das Antlitz leuchten und erleuchten
mehr
als den Söhnen des Sam, der weißen Frucht’). Die Gestalt der
Männer
von erprobter Gerechtigkeit wird leuchten gleich dem Leben, in
dem
keine Mischung ist.
OÖ
die da nach ihrer eigenen Meinung weise sind, und vor deren
eigenem
Antlitze ihre Klugheit steht‘)!
O
die sagen: wir gehören dem Leben und das Leben ist bei uns?),
während
das Leben bei ihnen nicht ist! Sie haben ihr Herz verlassen,
abgeschnitten,
geraubt.
OÖ
die da Süßes in Bitteres und Bitteres in Süßes verwandeln 9!
OÖ
die da Gutes böse nennen und das Böse als Gutes hinstellen 9!
O
die Finsternis in Licht und Licht in Finsternis verwandeln )!
OÖ
die des Morgens jungen Wein und am Abend alten trinken und
durch
Gesang, Zither und Flöte gefangen genommen werden ?)!
O
die sich mit feinen Ölen bestreichen und an wohlriechenden
Blumen
riechen, die sich in Hoffahrt verweichlichen und im Namen des
großen
Lebens und des Manda dHaije, der [177] bei ihnen war, kein Zeugnis
ablegten,
die nicht horchten und hörten, die das Leben nicht in ihrem Sinne
aufrichteten,
die in ihrer Hoffahrt die Ziererei befiel und die ihr Antlitz
dem
großen Süf-Meer zuwandten.
')
Vielleicht steht hier m im Sinne von ıy „Engel“. Mit „Pforten“ sind hier nicht
die
falschen Religionen gemeint, da dafür sonst NIND steht, siehe p. 205.
?)
Die Übersetzung ist unsicher; die Stelle ist vielleicht lückenhaft.
®)
Die „weiße Frucht“ als Eat, Sams auch Lit. 5, 7. Joh. 206, 5 erscheint sie
als
Aufbewahrungsstätte der Seelen.
*,
Nach Jes. 5, 21. Die letzten Worte sind entstellt. In nn NIIDDN steckt nnaaD
oder
Ähnliches.
5)
Im Text steht „bei euch“ unter Einwirkung von Text Z. 7.
6)
Nach Jes. 5, 20. ”) Nach Jes. 5, 11, 12.
177,
3—178, 13 Fünftes Buch. Zweites Stück. 181
Verehret
und preiset, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, den
Überweltlichen,
den eure Augen schauen‘), den Fremden aus den Licht-
welten,
der Bildwerke und Bildnisse nicht hat, der den Verfertigern von
Werken
der Täuschung nicht in die Hände fiel und seinen Namen und
seine
Gestalt den Menschenkindern’) nicht genannt hat.
Dies
ist das Licht des Lebens, das »«*«***» hingeworfen ist. Den
schlechten
Menschenkindern blieb ihre Kraft stehen, und die Rede wurde
ihnen
im Munde schwer‘), daß sie wie Stammelnde sprechen.
Dies
ist der alte Glanz und das Licht, das von jeher war. Er leuchtete
und
erleuchtete mit dem Lichte von den Welten der Siege her die Gestalt,
das
Zeichen, die Stimme, den Ruf, die Erleuchtung und die Wundertaten
des
Manda dHaije. Dieser erschien in allen Welten, und alle Götter er-
schraken.
Sie taumeln übereinander und sprechen: „Wie können wir
genug
Mandä dHaije preisen, dessen Glanz ausgedehnter ist, als daß wir
ihn
preisen, und dessen Licht reicher ist, als daß wir es verherrlichen
könnten.
Sein erstes Licht wurde beständig, schön und sieghaft sind seine
Worte
der Kustä, und sein Glanz legte sich auf seine Freunde,‘
Zu
Manda dHaije habet Vertrauen. Wie ein guter Hirte, der [seine
Schafe]
hütet, hält er von euch jeglichen Geist des Abfalls fern. Wie ein
guter
Hirte, der seine Schafe zu ihrer Hürde führt, setzt er euch hin und
pflanzt
euch vor sich auf‘).
Freuet
euch und preiset (ihn), ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit.
Beruhiget
euer Herz, demütiget euren Sinn und haltet euch abseits von den
Bösen.
O
ihr [Männer?] der Kusta’), deren Seele wahrhaftig ist! Ein Ruf
[178]
erscholl über die ganze Erde, der Glanz einer jeglichen Stadt ging
unter.
Manda dHaije offenbarte sich in Judäa, ein Weinstock erschien in
Jerusalem,
vor dem kein Frevel ist. Königstrotz hatte er nicht im Kopfe,
und
nicht hatte er das Aussehen nach einem Götzenwesen. Das Leben ist
es,
das von jeher war, und die Kustä, die von früher her am Anfange war.
Öffnet
euren Sinn und preiset aufrichtig. Warum wollt ihr den Schlaf
lieben
und mit den Strauchelnden straucheln, gleich den ersten Strauchlern,
die
strauchelten und ihre Hände nicht zur Kustä vor mich hinstreckten °)?
Heil
euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, denen die Stirn-
locken
auf dem Haupte gewunden werden. Eure Verdienste sind wunder-
samer
als alle Welten, und euer Antlitz leuchtet in Freude.
O
die ihr euch mit Mänteln verschiedener Art bekleidet”), die ihr in
-%)
Ich vermute: den eure Augen nicht schauen.
2)
Lies NWORIN DNIDD. 8) Vgl. p. 85, 5.
*)
Siehe Joh. II, p. 42f.
5)
Vor oder hinter NWWYIT ist ein Wort ausgefallen, entweder: o ihr Männer der
Kustä,
oder: die Kustä bekennen od. ähnl.
6)
Siehe auch weiterhin, p. 182, 33.
”,
Zu S’DRBTDI NWOND siehe Nöld., p. 127, 20. Der Sinn des Satzes ist wohl, daß
ei
_
td
w
o
5
oO
Io
15
20
25
30
35
182
Rechter Teil. 178, 13—179, 15
der
Tibil verfolgt werdet, aber [den Glauben nicht?] verlasset; euch werde
ich
mit Glanz, eure Verfolger mit Schmach und Schande bekleiden.
Wir
vertrauten auf das Leben, zum Leben hatten wir Vertrauen, und
Kustä
war in unserem Geleite. Wir wurden groß durch die Größe deiner
Erkenntnis’).
Das
Leben erhob sich zum Erbarmen mit euch. Ob der Liebe zur
Wahrheit
und Gerechtigkeit bekleidete und bedeckte ich euch gleich einem
großen
Panzer der Erde des Äthers mit Gerechtigkeit‘). Ob der Liebe, mit
der
ihr Manda dHaije liebtet, ist auf eurem Haupte [ein Kranz von] Siegen’)
aufgerichtet.
Wohlan,
machet groß meinen Namen‘) in der Tibil und meine Lob-
preisung
in allen Welten.
Alsdann
wird das Licht des Lebens, das sich offenbarte, «++» Lohn-
und
Almosenspenden »+*x*++3. Dann werden eure Seelen, ihr Männer von
erprobter
Gerechtigkeit, im Lichte des Lebens «xxx», und sie werden zu
zweien
im gegenseitigen Glanze leuchten. Euer Name [wird wundersamer]
sein
[als die sonstigen Namen], euer Glanz wird wundersamer sein als die
sonstigen
Glanze, [179] und euer Licht wird wundersamer sein als die son-
stigen
Lichter, eines jeden entsprechend seinen Werken und seinem Lohne.
Mein
Name sei in eurem Munde. Segnet und preiset bei eurem Gehen,
eurem
Kommen und eurem Sitzen, bei eurem Essen und eurem Trinken,
bei
eurem Ruhen und eurem Liegen auf eurem Bette den Namen des
Lebens,
dessen ihr gedenket’). Zu preisen, zu ehren, zu verherrlichen, zu
segnen,
zu festigen (ist er)‘).
Ferner,
machet groß meinen Namen in der Tibil und meine Lobprei-
sung
in allen Werken.
Ein
Ruf erscholl über die ganze Erde, der Glanz ging unter in jeg-
licher
Stadt. Manda dHaije offenbarte sich allen Menschenkindern und
erlöst
sie von der Finsternis zum Lichte, von der Dunkelheit zum Lichte
des
Lebens.
Verlasset
die öde Wüste und haltet euch fern und abseits von der
Täuschung
und dem Blendwerk dieser Welt.
Werdet
nicht hingerafft wegen eurer bösen Vergehen und strauchelt
nicht
weg vom Leben gleich den ersten Strauchlern, die strauchelten und
ihre
Hände nicht vor mich hinstreckten.
sie
in der Zeit der Verfolgung sich in fremde Gewänder kleiden, sich äußerlich vom
man-
däischen
Glauben lossagen, ihn aber innerlich bekennen.
')
Vielleicht ist IDMNINY) zu lesen. NND findet sich nur an dieser Stelle in
appellativischem
Sinne, siehe Joh., p. XVII, 15.
2)
Die Übersetzung ist sehr unsicher. Für IN’, sonst im Aramäischen im Sinne
„Panzer“
ganz gewöhnlich, läßt sich im Mandäischen dieser Sinn nicht nachweisen. Es hat
hier
sonst die Bedeutung ‚Ader‘, siehe Joh. II, p. 998,
25V
21. Joh Ip 4) Lies %ROYWS oder YNOYW, siehe weiterhin.
5)
Siehe oben, p. 19, 122.
6)
Eine häufige Form in den Eulogien, siehe Lit., p. 141.
179,
15—180, 11 Fünftes Buch. Drittes Stück. 183
Wohlan,
ihr Großen von erprobter Gerechtigkeit, haltet euch fern und
abseits
von den räuberischen Wölfen und den verderblichen Löwen, die
zum
Straucheln bringen, welche Leute von euch zum Straucheln bringen.
OÖ
über die, die auf den Märkten der Tibil umhergehen, und deren
Körper
gebückt und gebeugt ist, während sie ihr Herz verließen, abschnitten,
raubten').
Verkehret
nicht mit den Frevlern, deren Hände mit Blut befleckt sind,
die
täglich, alltäglich auf den Thronen der Auflehnung sitzen und den
Namen
des Lebens verfolgen. Feuer wird ihnen aus dem Gesichte lohen,
es
wird ihnen den Ort zwischen den Schultern zerstören und sie für ihren
[180]
Hochmut bestrafen. Mit ihrem eigenen Schlage werden sie geschlagen
werden,
ohne daß mein Schlag sie zu treffen braucht.
Das
Leben ist siegreich, siegreich Manda dHaije und seine Helfer.
Das
ist „der Umsturz der ganzen Götterschaft des Hauses“.
Drittes
Stück.
Das
Stück schildert die Wanderung der Seele an den Mattaräthä vorbei, den „Wacht-
häusern‘“,
Stätten zwischen der irdischen Welt und dem Jenseits, die zur Läuterung der
sün-
digen
Seelen dienen. An der Spitze der Wachthäuser stehen Dämonen oder als Dämonen
gedachte
Wesen, hier auch aus der christlichen Welt. Andere Beschreibungen der Matta-
räthä
finden sich in den Stücken R 204ff., L 26ff. Die Stücke sind eingehend
behandelt von
BRANDT,
Jahrbücher für protest. Theologie XVII (1892), p. 408ff., siehe auch REITZEN-
STEIN,
Das Mandäische Buch des Herrn der Größe, p. 80ff. und meine Bemerkungen
Zeitschr.
f. Semitistik II (1924), p. 181 ff.
Im
Namen des großen Lebens.
Mein
Maß in der Welt wurde mir voll,
und
meine Rechnungen lösten sich in den Zeitaltern auf?).
Ich
verließ die Welt der Finsternis,
den
Mischkrug des Todes’).
Ich
ging hin und kam nach dem Wachthause der gierigen, tollwütigen
Hunde,
deren Augen geblendet sind, daß sie nicht sehen, deren Ohren ver-
stopft
sind, daß sie nicht hören können. Ich nannte ihnen den Namen
des
Lebens, den Namen des Lebens verstanden sie nicht. Ich nannte ihnen
den
Namen des Todes, den Namen des Todes verstanden sie nicht. In
2)
Siehe oben, p. 180, 23. 2) Der Plural nach L 19, 7.
®)
Das Gefäß, aus dem der Tod stammt. Anderwärts ist NII NIMIND öfter zusammen
mit
den „Schätzen des Glanzes“ genannt: L 26, 24; 27, 5; 28, 15; Lit. 85, 7.
un
Ice)
184
Rechter Teil. 180, 11—181, 8
jenem
Wachthause hatte ich Angst und Furcht, ich ängstigte mich, und
mein
ganzer Körper zitterte mir in meinem Gewande Da ruft mir ein
Mann
aus dem Orte ...... ) der Welt zu und spricht: „O du Mann, der
du
nach dem Leben rufest und dem das Leben antwortet. Zum Leben
habe
festes Vertrauen. Du gleichest einem Manne im Alter von 120 Jahren,
einem
Manne, der Stab und Klapper in der Hand hält und hinter dem Vieh
einhergeht®).
Doch plötzlich ergreifen sie ihn, bekleiden ihn mit Ehrfurcht,
bedecken
ihn mit Ehrfurcht, binden ihm ein Diadem um, setzen ihn auf ein
Roß
und machen ihn zum König in den Städten’). Ferner gleichest du
einem
Manne, der in einem Raume von 160 Meilen in einer dürren Ebene‘)
steht,
nach Wasser dürstet und dann den Geruch des Lebens riecht. Seine
Seele
ist dann gleich dem guten Enos in seiner Herrlichkeit°).
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken [181] vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin
und
kam zum Wachthause der -Jungfrau, der Tochter ihres Vaters‘), vor
der
ihre 67 Töchter sitzen. Ihre Brust ist ihnen entblößt zur Schande,
und
ihre Seite ihnen aufgeschlitzt”) zu Verfehlungen. Sie nehmen die
Herzen
der Götter und das Gemüt‘) der Menschenkinder gefangen. Sie
sprachen
zu ihm’): „Du Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen,
die
du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und
aus
der großen Taufe des Lichtes geholt hast.“
Ich
nannte ihr'’) meinen Namen und mein Zeichen. Da erschraken
ı)
Das Wort 88% findet sich nur an dieser Stelle; der Sinn ist mir unbekannt.
„Tropfen“,
woran man zunächst denkt, paßt nicht.
®)
Einem alten, verächtlichen Hirten.
®)
Angespielt wird auf die Erhöhung der Seele des Frommen bei ihrem Abscheiden
(vgl.
z.B. Lit., p. 98), doch schwebte dem Verfasser vielleicht das Märchenmotiv von
dem
plötzlich
zum König. erhobenen armen Manne vor.
#)
Siehe Nöld., p. 140, 5. 5) Siehe auch p. 191, 12.
°)
Nach dem Folgenden ist Rühä gemeint, aber so ist sie nur hier genannt. Wie
ZIMMERN
mir mitteilt, findet sich ein ähnlicher Ausdruck im Babylonischen nicht. Sollte
hier
eine Kunde von Athena, der napd&vos, die von ihrem Vater geboren wurde,
vorliegen?
7)
Die gewöhnliche Bedeutung von N%WND im Aramäischen ist „Seite“, und dieser Sinn
liegt
wohl auch hier vor. Babli Gittin, f.90b, 1.1 wird als Scheidungsgrund
angegeben,
wenn
eine Frau an beiden Seiten aufgeschlitzt ausgeht (M77% WO MOD). Allerdings
kann
NYW°D auch „Saum“ bedeuten, danach hier „deren Kleidersaum ihnen aufgeschlitzt
ist“,
und
in den Canones des Ebed-Jesu von Söbä wird den Geistlichen das Tragen von
Röcken
mit
geschlitztem Saume (ROW NANDN NND) bei den priesterlichen Funktionen ver-
boten
(Mau Scriptorum Veterum Nova collectio X, Roma 1838, p. 277). Röcke dieser Art
sollen
arabisch NY’ heißen, wohl Durra‘a, siehe hierzu DOZY, Dictionnaire detaille des
noms
des vetements, p. 177ff., Supplement I, p. 434b. Aber die andere Auffassung
liegt
näher.
®) Eigentlich „Hauch, Dampf.“
®)
Obwohl ein Schwanken in der Person in diesen Texten nicht selten ist (siehe p.
14%),
ist
wohl hier wie in den Parallelstellen weiterhin NÖ'IHR) „und sie sprachen zu
mir“ zu
lesen.
‘0)
An dieser Stelle und weiterhin steht der Singular mit Beziehung auf die Haupt-
person,
hier Rühä, während man den Plural erwartet.
181,
8—182, 18 i Fünftes Buch. Drittes Stück. 185
sie,
fürchteten und ängstigten sich, sie erhoben sich vor mir und sprachen
zu
mir: „Du Mann, auf deinem Pfade soll niemand kommen, und deine
Schritte
soll niemand gehen.“ Darauf erwiderte ich ihnen: „Auf meinem
Pfade
sollen die Auserwählten kommen, meine Schritte sollen die Gläubigen
gehen‘).
Dir, Rüha, werden Splitter in deinen Augen sitzen und deine
Augen
dir im Kopfe finster werden. Die Näsoräer werden dann empor-
steigen
und den großen Ort des Lichtes und den lichten Wohnsitz schauen.“
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und
kam
nach einem anderen Wachthause, dem des Zan-Hazazban, des hurtigen,
tapferen,
des Königs des starken Zornes und Verderbens. Ich fragte und
sprach:
„Wessen Wachthaus ist dieses, wen bewacht es und wer ist darin
festgebunden?“
Ich
fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause sind
diejenigen
festgebunden, die Blut vergießen und ihre Ebenbilder vernichten.‘
Ich
fragte ferner und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit
den
häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie
sprachen
zu mir: „Jene Seelen gleichen den Geräten aus Ton, der Schwärze
annimmt,
und den Geräten [182] aus Kupfer, das Schmutz und Rost her-
vorbringt.
Man wirft sie in ein Gerät, in den Fußblock, in Bedrückung
und
Einschließung, und man tritt sie nieder. Man zerstößt sie, doch sie
werden
nicht süß, man brät sie, doch sie werden nicht gar’). Jene Seelen
verlangen
nach einem zweiten Tode in der Welt der Finsternis, doch der
zweite
Tod kommt nicht über ihren Geist. Zan und Hazazban sprachen
zu
mir’): „Du Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen, die du
aus
den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und aus der
großen
Taufe des Lichtes geholt hast.“ Ich nannte ihm meinen Namen
und
mein Zeichen, darauf verneigte sich Zan-Hazazban vor mir in tiefer
Verneigung.
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam
nach
dem Wachthause des Jür, Jahür und Arhum. Ich fragte und sprach:
„Wessen
Wachthaus ist dieses, wen bewacht es und wer ist darin festge-
bunden?“
Ich
fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause ist fest-
gebunden
ein jeder, der buhlte und stahl, der schwor und dabei log.“ Ich
fragte
ferner und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit
den
häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie
sprachen
zu mir: „Jene Seelen gleichen: sie sind dünner als ein Stock und
schwärzer
als das Haar auf dem Haupte. Man wirft sie in ein Gerät, in den
2)
Lies nach dem vorhergehenden Satze TION).
2)
Siehe NÖLDEKE, Zeitschr. für Assyriologie XXX (1916), p. 149.
)
Auch weiterhin in diesem Stücke und sonst werden zusammengehörige Wesen bald
als
mehrere Wesen, bald als eines angesehen.
-
(6)
(3)
[e}
in
in
IS)
oO
2
in
[e)
3
3
in
40
186
Rechter Teil. 182, 18—184, 3
Fußblock,
in Bedrückung, Einschließung und Peinigung, und man tritt sie
nieder.
Man zerstößt sie, doch sie werden nicht süß, man brät sie, doch
sie
werden nicht zart. Jene Seelen verlangen nach einem zweiten Tode,
doch
der zweite Tod kommt nicht über sie. Jür, Jahür und Arhum sprachen
zu
mir: „Du Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen, die du
aus
den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und aus der
großen
Taufe des Lichtes geholt hast.“ [183] Ich nannte ihm meinen Namen
und
mein Zeichen, darauf verneigte sich Jür, Jahür und Arhum vor mir in
tiefer
Verneigung.
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam
nach
einem anderen Wachthause, nach dem des Pilpin-Pipin, den Rühä
dQudsä
in finstere Nebelwolken eingehüllt hat. Ich fragte und sprach:
„Wessen
Wachthaus ist dieses, wen bewacht es und wer ist darin festge-
bunden
?“
Ich
fragte, und sie sprachen zu mir: ‚In diesem Wachthause sind die
Vögte,
Richter und Machthaber festgebunden, die die Grenzen verschieben
und
die Grenzsteine verrücken. (Da sind) die Frauen, die ihre Milch ver-
kaufen,
die ihre Kinder töten und die Kinder ihrer Genossinnen am Leben
erhalten,
die um einen fetten Bissen und um gesüßte Becher betteln. Das
Weinen,
Jammern und Klagen ihrer Kinder steigt vor das große, erste
Leben
in die Höhe. Die Frauen, die ihre Milch verkaufen, hängt man an
ihren
Brüsten auf bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis zur Stunde, den
Stunden
der Erlösung, weil sie ihre Kinder töten und die Kinder ihrer Ge-
fährtinnen
großziehen.“
Ich
fragte und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit den
häßlichen
Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie sprachen
zu
mir: „Jene Seelen gleichen den fetten Böcken, die man plötzlich packt
und
auf Kohlen wirft. Man wirft sie in ein Gerät, in den Fußblock, in
Bedrückung,
Einschließung und Peinigung, und man tritt sie nieder. Man
zerstößt
sie, doch sie werden nicht süß, man brät sie, doch sie werden
nicht
gar. Jene schuldigen Seelen verlangen nach einem zweiten Tode in
der
Welt der Finsternis, doch der zweite Tod kommt nicht über sie.“
[184]
Pilpin-Pipin sprachen‘) zu mir: „Du Mann, übergib uns deinen Namen
und
dein Zeichen, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen
des
Glanzes und aus der großen Taufe des Lichtes geholt hast.“ Ich nannte
ihm
meinen Namen und mein Zeichen, darauf verneigte sich Pilpin-Pipin
vor
mir in tiefer Verneigung.
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam
nach
einem anderen Wachthause, dem des nichtigen Jesus Christus. Ich fragte
und
sprach: „Wessen Wachthaus ist dieses und wer ist darin festgebunden?“
!)
Siehe oben.
184,
s—185, 21 Fünftes Buch. Drittes Stück. 187
Ich
fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause ist ein
jeder
festgebunden, der das Leben verleugnet und Christum bekennt.“ Ich
fragte
ferner und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit den
häßlichen
Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie sprachen
zu
mir: „Jene Seelen gleichen einer großen und zahlreichen Schafherde
vor
Christus. Christus führt sie zum Meere hin‘) und stellt sie am Meere
auf.
Sie bitten ihn um Wasser, doch das Ufer des Meeres ist hoch und
das
Wasser des Meeres tief. Sie wollen Wasser trinken, aber sie haben
keines’).
Da sprechen die Seelen zu Christus: „Christus, unser Herr! Als
wir
noch in jener Welt waren, haben wir (andere) mit Kleidern bekleidet
und
mit Hüllen eingehüllt, Loskäufe erwirkt und Almosen und Benefizien
gewährt;
warum wünschen wir jetzt Wasser zu trinken und haben keines?“
Darauf
spricht Christus zu den Seelen: „Auf wessen Namen habt ihr
mit
Kleidern bekleidet und mit Hüllen eingehüllt, Loskäufe erwirkt und
Almosen
und Benefizien gewährt?“ Darauf erwidern die Seelen Christo:
„Auf
[185] den Namen des oberen Wesens und den Namen des unteren
Wesens,
auf den Namen Jesu Christi, auf den Namen des Heiligen Geistes,
auf
den Namen des Gottes der Nazarener”) und auf den Namen der Jung-
frau,
der Tochter ihres Vaters.“ Da sagt Christus zu den Seelen: „Das
obere
Wesen ist der Himmel, das untere Wesen ist die Erde, Jesus Christus
bin
ich, der Heilige Geist ist hier.“
Der
Mann von erprobter Gerechtigkeit‘) ging an ihm vorüber und
brachte
den ganzen Stamm der Seelen, der mit ihm war, an ihm vorüber.
Christus
sprach dann zu dem Manne von erprobter Gerechtigkeit: „Du
Mann,
übergib uns deinen Namen und dein Zeichen, die du aus den Wogen
des
Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und aus der großen Taufe des
Lichtes
geholt hast.“ Ich nannte ihm meinen Namen und mein Zeichen,
darauf
verneigte sich Christus vor mir viermal in tiefer Verneigung.
Die
Seelen sprachen dann zu Christus: „Christus, unser Herr! Sagtest
du
nicht, als wir in jener Welt waren: Es gibt keinen größeren und stär-
keren
als ich bin; ich bin der Gott der Götter, der Herr der Herren, ich
bin
der König aller Welten, ich bin das Haupt aller Werke? Da ist nun
der
Mann, der an dir vorübergegangen ist, und du verneigtest dich viermal
in
tiefer Verneigung vor ihm. Wer ist er?“
Darauf
antwortete Christus den Seelen: „Dieser Mann, der an mir
vorübergegangen
ist und vor dem ich mich viermal in tiefer Verneigung
1)
Lies NDN.
2)
Meerwasser ist eigentlich kein Trinkwasser. Joh. IL, p. 45 ob. hält der gute
Hirte
seine
Schafe vom Meere fern, bringt ihnen aber Wasser zum Trinken, anscheinend vom
Meere.
Freilich werden bei den Semiten vielfach Meer und großer Fluß nicht
auseinander-
gehalten,
so wohl gerade hinsichtlich des Euphrat LUCIAN, De dea Syria, cap. 13.
»)
Im Texte steht „der Näsöräer“.
4)
Die Darstellung ist hier um ein fremdes Stück erweitert, in dem nicht die
Seele,
sondern
Mandä dHaijö mit den Seelen der Gläubigen an den Wachthäusern vorbeizieht.
in
-
(®)
-
5
5)
e)
wır
30
a
©)
je
21
wı
in
{88
Rechter Teil. 185, 21—187, 9
verneigte,
hat den Namen des oberen Wesens nicht genannt, den Namen
des
unteren Wesens hat er nicht genannt, den Namen des Heiligen Geistes
hat
er nicht genannt, den Namen Christi hat er nicht genannt, den Namen
des
Gottes der Nazarener hat er nicht genannt, den Namen der Jungfrau,
der
Tochter ihres Vaters, hat er nicht genannt.“ Da sprachen [186] die
Seelen
zu Christus: „Christus, unser Herr, wirf uns wieder auf drei Tage
in
unsern Körper, dann wollen wir all unsere Habe verkaufen, zum Jordan
hinabsteigen
und uns auf den Namen dieses Mannes, der an dir vorüber-
gegangen
ist, taufen lassen.“ Doch Christus erwiderte den Seelen: „O ihr
Gestrauchelten,
die ihr gestrauchelt seid! Habt ihr, als ihr noch in jener
Welt
waret, gesehen, daß man ein Kind, das den Leib seiner Mutter ver-
lassen,
wieder in seine Mutter eingeführt hätte, daß ich euch wieder auf
drei
Tage in euren Körper werfe, damit ihr all eure Habe verkaufet, zum
Jordan
hinabsteiget und euch auf den Namen dieses Mannes, der an mir
vorübergegangen
ist, taufen lasset')?“ Christus sprach ferner zu den Seelen:
„Wisset
ihr nicht, ihr Gestrauchelten, die ihr gestrauchelt seid? Ich bin
der
nichtige Messias, gerieben für die Bedrängnis, weise zum Bösen, der
die
Pforten des Schlafes verändert, die Werke des Geistes verdreht, die
frommen
Männer betört und sie in die gewaltigen Nebelwolken der Fin-
sternis
wirft. Als ich euch Pflöcke und Schlüssel zeigte”), betörte ich euch
und
machte euch gierig. Gold und Silber schenkte ich euch, damit ihr mir
in
der Finsternis, in jenem Orte, an dem wir stehen, Gesellschaft leistet.‘
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam
nach
einem anderen Wachthause, dem des Jorabbä. Ich fragte und sprach:
„Wessen
Wachthaus ist dieses und wer ist darin festgebunden?“
Ich
fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause sind alle
Großen
und Großtuer festgebunden‘); die, welche mit großen Scheffeln
(Ardebs)
nehmen [187] und mit kleinen Scheffeln geben, die Zins und Zinses-
zins,
Prozente und Prozentprozente nehmen, die den Armen nur nach seiner
Armut
und den König nur nach seiner Königswürde ansehen‘), die den
Armen
und Notleidenden von ihrer Pforte wegstoßen und kein Almosen
geben.“
Ich
fragte und sprach: „Welchem Dinge gleichen diese Seelen mit
den
häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie
sprachen
zu mir: „Jene Seelen gleichen fetten Böcken, die man plötzlich
von
ihrer Mutter fortreißt und auf Kohlen brät. Wie sie getan haben, tut
man
ihnen’), wie sie gegessen haben, ißt man sie. Das Eine vermehrt man
1)
Über diese Stelle und ihre Beziehung zu Ev. Joh. 3, 4 siehe Joh. II, p. 122f.
?)
Vielleicht schwebte hier ein Bild Christi mit Schlüsseln vor, wie es in
Anlehnung
an
Apokal. 1, 18; 3, 7 dargestellt sein konnte, oder ein Bild des Petrus, der für
Christus
gehalten
wurde.
®)
Eine Anlehnung an den Namen Jörabbä, d. h. der große Jö (Jao).
4)
Ich lese Fo) mit Streichung von xD. 5) Lies NOITDN.
187,
9—188, 10 Fünftes Buch. Drittes Stück. 189
ihnen
siebenfach, und Zorn kommt über sie. Jene schuldigen Seelen wün-
schen
einen zweiten Tod in der Welt der Finsternis, doch er kommt nicht
über
sie.“
Jorabbä
sprach zu mir’): „Du Mann, übergib uns deinen Namen und
dein
Zeichen, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des ;
Glanzes
und aus der großen Taufe des Lichtes geholt hast.“ Ich nannte
ihm
meinen Namen und mein Zeichen, darauf verneigte sich Jorabba vier-
mal
vor mir in tiefer Verneigung.
Ich
ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,
Furcht
und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam
nach
einem anderen Wachthause, dem der Rüha dQudsa°), die auf dem Munde
des
Verschlingers’) Karafıun sitzt. Die Harfe der Wollust liegt ihr auf der
Schulter,
und sie klagt mit ihren sechshundertsechzig Sprößlingen‘). Eine
Viper
liegt um sie. Sie spricht mit Zithern und ruft die zwölf Männer, die
Händler),
die sich zu ihr bekannt haben. Diese sprechen zu ihr: „Unsere
Herrin,
warum hast du uns gerufen und wozu wünschest du uns?“ Darauf
erwidert
sie ihnen: „Ich habe euch gerufen und ihr seid von mir ge-
wünscht
gleich dem Erdöl und dem Pech auf dem Munde des Verschlingers
Karafiun.“
Sie hält eine Klapper in der Hand‘) und sitzt auf dem Munde
des
Verschlingers Karafiun. Sie klappert nach [188] den zwölf Pforten, die
an
sie glauben, und wirft sie hinein. Sie spricht zu ihnen: „Gehet, gehet,
meine
Kinder, ich werde das Tor schließen und euch nachkommen.“ Sıe
gehen
im Schlunde des Karafiun umher und können sich nicht zurecht
tasten
und tappen, um hinzugehen und sich auf sie zu stützen.
Der
Mann von erprobter Gerechtigkeit‘) ging an ihm vorüber und
brachte
mit sich den ganzen Stamm der Seelen vorüber. Dann erwachte
der
Verschlinger Karafıun und sprach zu Rüha dQudsa: „Wo warst du?
Warum
hast du mir nicht den Mann übergeben, der an mir vorüberge-
gangen
ist?‘ Darauf erwiderte sie ihm: „Zu jener Zeit und in jener Stunde
glich
dein Mund einem Ameisenspältchen, das, wenn ein Wind kommt und :
ein
Blatt darauffällt, verstopft wird.“
1)
Dies NYOINDN:
2)
Sie ist identisch mit der „Jungfrau, der Tochter ihres Vaters“, der Inhaberin
des
zweiten
Wachthauses. Man erwartet also hier kein besonderes Wachthaus von ihr. Viel-
leicht
ist ursprünglich der eigentliche Inhaber Karafıun und Rühä dQudsä hat nur eine
Neben-
rolle
gespielt.
3)
NOYNND müßte nach dem Mandäischen diese Bedeutung haben, siehe NÖLDEKE, Zeit-
schr.
für Assyriologie XXX (1916), p. 150, doch liegt dem Worte vielleicht das
hebräische
an”
zu Grunde, siehe die Schilderung im Folgenden.
4)
Pers. farzend, vgl. die 67 Töchter oben, p. 184,16. Doch ist es immerhin
unsicher.
„Sie
ist angefüllt mit 660 Kernen“ (syr. XMIYND, talm. NNIYD) paßt nicht.
5)
Die 12 Apostel, die wie Händler umherziehen. ü
6)
Vielleicht liegt hier der Schilderung ein Bild der Isis mit dem Sistrum zu
Grunde.
Über
Isisbilder mit der Schlange siehe ROSCHER, Lexikon der griech. und röm. Myiho-
logie
II, 1, col. 533. ?, Siehe oben, p. 187.
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190
Rechter Teil. 188, 10—189, 11
Der
Mann von erprobter Gerechtigkeit stieg empor und schaute den
äußeren
Äther und den lichten Wohnsitz. Da sprach das Leben zu dem
Manne
von erprobter Gerechtigkeit: „Welchem Dinge gleicht die Welt, aus
der
du gekommen bist? Wem gleichen Rüha, Christus und die Planeten
in
ihren Wachthäusern?“ Darauf erwiderte ihm der Mann von erprobter
Gerechtigkeit:
„Rühä, Christus und die Planeten gleichen Fliegen, die auf
dem
Rande eines Topfes sitzen. Ihre Flügel werden vom Dampfe getroffen,
der
an sie herankommt, so daß sie in den Topf hineinfallen.“
Das
Leben freute sich und bekleidete den Mann von erprobter Ge-
rechtigkeit
mit Glanz. Es brachte Licht und bedeckte ihn damit. Es stellte
ihn
am Orte der Sicherheit auf, am Orte, von dem man sucht und findet,
man
bittet und es wird gewährt.
Das
Leben ist siegreich über alle Werke, siegreich ist‘) der Stamm
der
Nasoräer, der beim Namen des Jawar festblieb, und siegreich ist Mandä
dHaije
und die seinen Namen lieben.
Dies
ist das Buch ‚Mein Maß in der Welt wurde mir voll.“
Viertes
Stück.
Taufe
Mandä dHaije’s durch Johannes den Täufer und Johannes’ Tod und Aufstieg.
Siehe
auch Siouffi, p. 11ff., Brandt, Rel., p. 137ff., 218ff. und oben, p. 51, 153,
wo Hibil-
Ziwä
die Stelle Mandä dHaije’s vertritt.
Im
Namen des großen Lebens.
Dies
sind die Aussprüche [189] Johäna’s des Täufers, als er den Jordan
lebenden
Wassers nahm’), mit der lebendigen Taufe taufte und den Namen
des
Lebens darüber sprach.
Mandä
dHaije ging zu Johana dem Täufer und sprach zu ihm: „Wohlan,
Jöohänä,
taufe mich mit deiner Taufe, mit der du taufest, und sprich über
mich
etwas von dem Namen, den du auszusprechen pflegest.‘“
Darauf
sprach Johäna zu Manda dHaije: „Mein Bauch ist hungrig
nach
Essen und mein Leib durstig nach Trinken. Ich sammle Kräuter und
wahre
Schweigen. Ich sehne mich nach Ruhe, doch die Seelen drängen
mich’).
Jetzt soll der Morgen anbrechen, komm, dann will ich dich taufen.“
Als
Manda dHaije dastand, erhob er seine Augen nach dem Orte, der
ganz
Glanz, nach dem großen Orte, der ganz Licht ist, und sprach ein
!)
Im Texte steht „du warst siegreich.“
2)
D. h. ihn benutzte, siehe Brandt, Rel., p. 100f.
°®)
Die Gläubigen (siehe p. 139°), die getauft werden wollen.
189,
11—190, 23 Fünftes Buch. Viertes Stück. 191
Gebet,
das sehr groß, nicht klein war. Er sprach: „An euch richte ich
eine
Bitte, an das erste Leben, das zweite Leben, das dritte Leben, an
Jofin-Jofafin,
an Sam, den wohlbewahrten Mäna, an den Weinstock, der
ganz
Leben, den großen Baum, der ganz Heilungen ist, an Osar-Hai und
Pta-Hai,
die die Schöpfung des Lebens schaffen und die Pflanzung des
Lichtes
pflanzen”), an euch richte ich eine sehr große. nicht kleine Bitte.
Über
diese Stunde, in der ich stehe, bitte ich, über die zwölf Stunden des
Tages
und die zwölf Stunden der Nacht, über die vierundzwanzig Stunden,
daß
sie gleich einer Stunde sein sollen. Die Räder‘) des Tages seien die
der
Nacht, die Räder der Nacht seien die des Tages. Schlaf und Schlummer
mögen
über die Augen des Johänä kommen. Er schlummere und liege da,
und
seine Seele sei gleich dem guten Enos [190] in seiner Herrlichkeit °).
Auf
der Stelle will ich ihn fragen und mit ihm von der Taufe sprechen,
mit
der er tauft, in dieser Stunde, in welcher wir stehen.“
Mandä
dHaije geht und kommt aus dem Orte, der ganz Glanz, aus
dem
Orte, der ganz Licht ist, aus dem Orte, an dem ihm über die zwölf
Stunden
des Tages und die zwölf Stunden der Nacht gewährt wurde: sie
werden
wie eine Stunde. Die Räder des Tages wurden weggenommen;
sie
wurden zu denen der Nacht. Die Räder der Nacht wurden wegge-
nommen;
sie wurden zu denen des Tages. Es wurde Abend, es wurde 2
Morgen,
es wurde Nacht, es wurde Tag. Schlaf und Schlummer kam über
die
Augen des Johanä. Er schlummerte und schlief, dann wachte er auf,
nieste‘),
legte seine rechte Hand über die Augen und rieb sich den Schlaf
aus
den Augen. Da sprach Manda dHaije: „Gruß dır, Meister Johänä, greiser
Vater,
groß an Ehre.“ Darauf sprach Johana zu Mandä dHaije: „Komm
in
Frieden, kleiner Knabe, den ich bereits gestern zum Jordan bestellt
habe.
Heute werde ich dich nicht täuschen.“ Da sprach Manda dHaije zu
Johana:
„Wohlan, laß den Jordan frei fließen’), breite deine Arme aus,
nimm
mich an, taufe mich mit deiner lebendigen Taufe, mit der du zu
taufen
pflegest, und sprich über mich etwas von dem Namen, den du aus-
zusprechen
pflegest.‘“
Darauf
erwiderte Johäna dem Manda dHaije: „Zweiundvierzig Jahre
nahm
ich den Jordan, taufte ich Leute im Wasser, und noch hat mich
niemand
zum Jordan gerufen. Jetzt will ich mit dir, kleiner Knabe von
drei
Jahren und einem Tage, zum Jordan gehen.“
1)
Eine alte Gebetsformel, die auch verschiedentlich in den Liturgien wiederkehrt,
siehe
Lit. 141, 2; 15, 5; 84, 3, auch weiter unten, p. 196, 11.
2)
Die Räder, an denen die Himmelskörper sich drehen und so die Zeit bilden, siehe
Lit,
p- 129°. 3) Siehe oben, p. 184, 12.
#)
Das Wort findet sich nur an dieser Stelle. Es wird auch im Targüm zu 2. Kön.
4,
35 von dem durch Elisa neubelebten Knaben gebraucht (hebr. iM). Freilich steht
R
241, 18; Lit. 55, 1 für „niesen“ Mn. Sollte DNPNDNY hier den Sinn „gähnen‘“
haben,
was
man hier eher erwartet?
De.
y. 19°.
in
De
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19)
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in
192
Rechter Teil. 190, 23—192, 9
Da
fragte Manda dHaije den Jöhana: „Wie ist die Taufe, mit der du
taufest?“
[191] Darauf sprach Johana zu Manda dHaije: „Ich werfe die
Menschen
in den Jordan wie Schafe vor dem Hirten. Ich ziehe mit meinem
Stabe
Wasser über sie hin und spreche den Namen des Lebens über sie.“
Da
fragte Manda dHaije Johana den Täufer: „Wessen Namen sprichst du
über
sie bei der Taufe, die du taufest ')?*
Da
öffneten alle Jünger ihren Mund wie einen und sprachen zu Jo-
häna:
„Seit zweiundvierzig Jahren vollziehst du die Taufe, und noch nie-
mand
hat dich zum Jordan gerufen außer diesem kleinen Knaben. Ver-
achte
nicht die Reden, die er redete.“
Die
Jünger drängten Johanä, da stand Johäna auf, stieg in den Jordan,
ließ
den Jordan frei fließen, breitete seine Arme aus, empfing Manda dHaije
und
sprach zu ihm: „Komm, komm, kleiner Knabe von drei Jahren und
einem
Tage, Kleinster unter seinen Brüdern und Ältester unter seinen
Vätern,
der klein ist, dessen Reden aber bedeutsam sind.“
Darauf
ging Manda dHaije zu Johaänä an den Jordan. Als der Jordan
den
Manda dHaije erblickte, sprang und hüpfte er ihm entgegen und hüpfte
über
seine Ufer. Johäna stand über dem ersten Munde im Wasser und
unter
dem letzten Munde zwischen den Wassern®). Er schwimmt und hat
nicht
die Kraft zu stehen. Manda dHaije erblickte Johana und betrübte
sich
über ihn‘). Der Glanz des Mandä dHaije drückte auf den Jordan, und
als
der Jordan den Glanz des Manda dHaije erblickte, wandte er sich rück-
wärts‘),
und Johana stand ım Trocknen.
Manda
dHaije ging dann an Johanä heran und sprach zu ihm: „Taufe
mich
mit deiner reinen Taufe und sprich über mich etwas von dem Namen,
den
du auszusprechen pflegest.“
Darauf
sprach Johäna zu Manda dHaije: „Tausend mal tausend Men-
schen
habe ich in den Jordan hinabsteigen lassen, und zehntausend mal
zehntausend
Seelen [192] habe ich im Wasser getauft. Ein Mann, der dir
gliche,
ist mir noch nicht durch die Hände gegangen. Jetzt hat sich hier
Trocknis
gebildet; worin soll ich dich taufen ?“
Da
sprach Manda dHaije zu Johänä: „Soweit das Wasser hingeht, geh
auch
du, und ich will mit dir gehen. Taufe mich mit deiner reinen Taufe,
mit
der du zu taufen pflegest, und sprich über mich etwas von dem Namen,
den
du auszusprechen pflegest.“ So weit der Jordan zurückwich und das
Wasser
trocken war, ging Johänä dahin, und Manda dHaije ging mit ihm.
Der
Glanz des Manda dHaije legte sich über den Jordan und seine Ufer.
Die
Fische öffneten ihren Mund vom Meere her, die Vögel von den beiden
*)
Die Frage paßt nicht, da Jöhänä ihm schon vorher gesagt hat, daß er im Namen
des
Lebens taufe. Sie ist auch ohne Antwort.
®)
Über dem After und unter dem eigentlichen Munde.
®)
Die angenommene Bedeutung von ANININY, das sich nur an dieser Stelle findet,
ist
unsicher. Siehe zu borıny L 90, 26: Nöld., p. 366 unt.
*)
Siehe oben, p. 178, 32, auch Brandt, Schr., p. 200%.
mn
192,
9—193,14 Fünftes Buch. Viertes Stück. 193
Ufern
des Weltmeeres. Sie priesen Manda dHaije und sprachen zu ihm:
„Gesegnet
seiest du, Manda dHaije, gesegnet sei der Ort, aus dem du ge-
kommen
bist, gepriesen und gefestigt sei der große Ort, an den du gehest.‘
Als
die Stimme der Fische vom Meere her und die Stimme der Vögel
von
den beiden Ufern des Weltmeeres in das Ohr des Johänä drang, er-
kannte
er, daß es Mandä dHaije ist, der mit ihm ging. Da sprach Johänä
zu
Manda dHaije: „Du bist der Mann, in dessen Namen ich die lebendige
Taufe
taufte.‘“ — „In wessen Namen taufest du?“ fragte er ihn. Darauf
erwiderte
Johana dem Manda dHaije: „Im Namen dessen, der sich mir offen-
barte,
im Namen des Zukünftigen, der kommen soll, sowie des wohlbe-
wahrten
Mana, der sich offenbaren soll. Lege du nun deine Hand der
Kusta
und deine große Rechte der Heilungen auf mich’) und sprich über
mich,
deine Pflanzung, die du gepflanzt hast, [deinen Namen aus]. In
deinem
Namen sollen die Ersten und Letzten gefestigt werden.‘
Darauf
sprach Manda dHaije zu Johana: „Wenn ich meine Hand auf
dich
lege, scheidest du aus deinem Körper.“ Da sprach Johäna zu Manda
dHaije:
„Ich habe dich gesehen, nun will ich hier nicht länger sein. Ich
habe
dich gesehen und erreicht’), nun bitte ich dich um Kustä. [193] Ver-
damme
mich nicht weg von dir, von dem Orte, aus dem du gekommen
bist.
Wappne mich und gib mir Befehle für den großen Ort, an den du 2
gehest.
Sei mir gnädig und offenbare mir über die Mysterien der Könige‘),
über
die große Frucht des Lichtes, über die Ambosse und Früchte der
Erde,
(zu wissen) worauf sie gedrückt sind, über die Ambosse des Wassers,
von
denen das lebende Feuer sich ausbreitet‘), worin das Leben wohnt,
(zu
wissen), wer früher und größer ist als der andere.“
Als
[Manda dHaije] dies hörte «++*++++ den Johana auf seine Uier
ir
3), Er zog ihm sein Kleid im Jordan aus, er zog ihm sein Kleid
von
Fleisch und Blut aus‘), er bekleidete ihn mit einem Gewande des
Glanzes
und bedeckte ihn mit einem guten, reinen Turban des Lichtes.
(Manda
dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,
nach
dem Orte, der ganz Licht ist, und Johana ging mit ihm.) Die Fische
aus
dem Meere und die Vögel von den beiden Ufern des Weltmeeres
sammelten
sich über dem Körper des Johana und bedeckten ihn. Als Jö-
hana
seinen Körper erblickte, betrübte er sich über ihn. Da sprach Manda
dHaije
zu Johanä: „Warum bist du über das Fleisch und Blut betrübt, das.
ı)
Vgl. Lit., p. 5, 5.
a)
Mel. Joh. II, p. 148%. 3) Siehe oben, p. 6°.
4)
Die Ambosse der Erde, auf denen sie ruht, werden öfter genannt. Auch die Frucht
des
Lichtes als dessen Urbehälter ist verständlich. Weniger verständlich sind die
Früchte
der
Erde neben Ambossen und die Ambosse des Wassers. PTR2DT bezieht sich wohl auf
NIINTIND,
nicht auf WM.
5)
Die Worte IN3) 7N%D sind schwerlich in Ordnung. Die. Schreibung und Eee
ist
vielleicht durch den Ortsnameu I832 02 (R 330, 14) beeinflußt.
6)
Er streifte den Körper von der Seele ab.
Lidzbarski,
Ginza. 13
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D
Li
194
Rechter Teil. 193. 14— 194. 17
ich
dir ausgezogen habe? Wenn du willst, will ich dich wieder in dasselbe
einführen,“
Darauf
sprach Johana zu Manda dHaije: „Gesegnet und gepriesen sei
der
Mann, der mir das Gewand von Fleisch und Blut ausgezogen, mich
davon
erlöst und befreit hat. Gepriesen, verherrlicht, gefestigt und geehrt
seı
der erwählte Mann, der mich mit dem Gewande des Glanzes bekleidet
und
mit dem guten, reinen Turban des Lichtes bedeckt hat, (in dem ich
war)‘).
Nein, ich betrübte mich über meine Kinder, die voll Eifer sind,
die
ich zurücklassen mußte, ohne daß jemand da ist, der sie unterweisen
kann.“
Da
erwiderte ihm Manda dHaije: „Wer in deinem Sinne und in deinem
Herzen
wohnte, wird auch im Sinne und im Herzen deiner Kinder wohnen.
Mein
Sohn, ich weiß, weswegen du dich betrübtest.“ Darauf sprach Johana
zu
Mandä dHaije: „Auch du kennst die Herzen und durchschaust die Sinne.
Herzen,
[194] Leber und Nieren sind wie die Sonne vor dir ausgebreitet.
Du
spaltest ein Haar und siehest, was darin ist. Du erkennst, was im
Lichte
und was in der Finsternis ist.“ Also sprack sein Mund in Herrlich-
keit
vom Schaume’) des Wassers und von den Ophanen des Wassers her’).
Da
nahm (Manda dHaije) Sand vom Meere und von den beiden Ufern
des
Weltmeeres, trat hin und warf ihn über den Körper des Johana. Von
jenem
Tage an geschah die Zudeckung der Körper.
Mandä
dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,
nach
dem Orte, der ganz Licht ist, und Johana ging mit ihm. Er ging
und
kam nach dem Wachthause des heiligen‘) Ptahil, der des Glanzes bar,
vom
Lichte abgeschnitten ist, den das Leben abgeschnitten und von sich,
aus
seiner Gemeinschaft fortgelassen hat. Es setzte ihn abseits in eine
Wüste
und ließ ihn allein dasitzen.
Als
Ptahil Manda dHaije erblickte, neigte sich sein Thron unter ihm.
Er
erhob sich von ihm, pries und segnete "Manda dHaije und sprach zu
ihm:
„Gepriesen seiest du, Mandä dHaiie, gesegnet sei der Ort, aus dem
du
gekommen bist, und gepriesen, verherrlicht und gefestigt sei der große
Ort,
an den du gehest. Sei mir gnädig vor dem gewaltigen Leben in der
Höhe,
das Sturz und Fesselung®) über mich gestürzt hat und mich nicht
emporsteigen
läßt, um das Leben in der Höhe zu schauen.“
')
Diese Worte gehören nicht hierher. Vielleicht haben sie ursprünglich hinter
„Ge-
wand
von Fleisch und Blut‘ gestanden.
2)
Bei 0917) könnte man hier an hebr. aim „Ufer‘‘ denken. Doch kommt dies sonst
im
Mandäischen nicht vor. Dagegen ist bei 89 NEIN” R 210, 1 (auch Code Sab. Paris.
25,
f. 15b, 1. 8) der Sinn „Schaum“ sicher, und dieser Sinn mag auch hier
vorliegen.
®)
NND) steht hier wieder ohne rechten Sinn, siehe p. 44 unt. und Lit.. p. 1295,
An
Schöpfräder ist hier nicht zu denken.
#)
NWIIN?, siehe auch p. 80%.
5)
Für NDMDND, das sich nur an dieser Stelle findet, steht R 195, 9 8NEm0. Die
Identität
ist gesichert durch WINNDT NNOYMD R 306, 19f. Es ist wohl etwas wie „über-
gestürzte
Hülle“ (Nöld.. p. 103, 5). Für Dye) findet sich sonst die Bedeutung „Fessel“
194,
17—195, 17 Fünftes Buch. Vierbes Stück. 195
Darauf
sprach Manda dHaije zu Johana: „Erzähle diesem Vornehmen,
daß
die Vergebung des Lebens ihm zuteil wurde. Auch dich, den Men-
schen‘),
habe ich gleich einem der Könige”) gemacht, gleich den großen
Uthras
aus dem Hause der Herrlichkeit. Geh, überbring ihm die Worte.“
Da
sprach Johana zu Ptahil: „Die Vergebung des Lebens wurde zuteil
dir
und deinem Vater’), dem Uthra, dem Manne, der dich gerüstet, beauf-
tragt
und hierher gesandt hat.“
Manda
dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,
nach
dem Orte, der ganz Licht ist. Er ging und kam nach dem Wacht-
hause
des hohen Abathur. Tausend mal tausend (stehen da), [195] um die
Augen
nach ihm zu erheben, und zehntausend mal zehntausend stehen vor
ihm
(zu seinen Diensten). Sie halten hoch‘) seinen Thron, der hoch ist
und
auf dem er sitzt.
Als
Abathur Manda dHaije erblickte, stand er von seinem Throne auf.
Da
sprach Mandä dHaije zu Abathur: „Bleib, bleib, Abathur, auf deinem
Throne
sitzen, der hoch, prächtig und bewahrt ist, den das gewaltige Leben
in
der Höhe dir verliehen hat.“ Darauf sprach Abathur zu Manda dHajje:
„Wenn
du gehest, gedenke mein vor dem Leben.“ Da sprach Mandä
dHaije
zu Abathur: „Wenn ich hingehe, spreche und erzähle, so werden
sie
kommen und deinen Thron zwischen die Männer, die Söhne des Heils,
hochheben.
Wenn ich hingehe und spreche und gut erhört werde, so
werden
zwei Engel aus der Höhe kommen. Sie werden den hohen Vor-
hang
zwischen der Spitze deiner Skina und dem gewaltigen Leben hoch-
heben°).
Sie werden dich hören lassen und zu dir sprechen, und sie werden
das
gewaltige Leben hören lassen und sagen, daß Mandä dHaije hingegangen
ist
und Abathur Kustä gereicht hat.
Mandä
dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,
nach
dem Orte, der ganz Licht ist, und Johäna ging mit ihm. Sie gingen
und
kamen zu den vier Männern, den Söhnen des Heils: In-Hai (Lebens-
quell),
Sum-Hai (Lebensname), Ziw-Hai (Lebensglanz), Nhür-Hai (Lebens-
licht)‘.
Der Mann von erprobter Gerechtigkeit‘) nahm ihn (Johaäna) und
stellte
ihn am Orte der Sicherheit auf. Er faßte Johänä bei der Hand und
stellte
ihn am Orte der Sicherheit auf. Die Uthras überschütteten ihn mit
(Joh.
II, p.99°; doch NÖLDEKE, Zeitschr. für Assyriologie XXX, 1916, p. 154), und
dieser Sinn
scheint
auch hier vorzuliegen, da wir R 340, 8 8NEDYND zusammen mit NNDy finden. Viel-
leicht
ist wm) zu lesen. _
1)
Vielleicht NUNIN DNIN zu lesen.
aisieheroben,
p. 6°.
3)
D. h. dem Abathur.
eo)
Spy könnte allenfalls heißen „sie gründen ihm“ seinen Thron. Vielleicht ist
FbnN)Ann
zu lesen.
5)
Ich vermute FINOYIRI bezw. NO)IN.
6)
Siehe Lit. 83, 3.
?)
D.h. Mandä dHaije, siehe p. 187, 22; weiterhin ist damit Jöhänä gemeint.
Schwer-
lich
ist hier XP} 2 NORA Objekt, mit Beziehung auf Jöhänä, da sonst NI2N)D stände.
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196
Rechter Teil. 195, 17—196, 12
Gebetsordnungen,
Gebeten, Messen und Hymnen und sprachen: „Kommet,
wir
wollen hingehen und den Mann sehen, der aus der Tibil gekommen
ist,
den Mann von erprobter Gerechtigkeit, der wahrhaft und glaubensfest
geblieben
ist mitten unter den bösen Anschlägen und unter dem Throne
des
alten Abathur.“ Jeder einzelne bekleidet ihn mit einem Teile seines
Glanzes,
jeder einzelne bedeckt ihn mit einem Teile seines Lichtes. Sie
sprangen
auf und bekleideten ihn mit Gewändern lebenden Feuers, das ohne
Ende
und Zahl ist.
Johänä
stand nun da am Orte, der ganz Glanz, am Orte, der ganz
Licht
ist. Er stand da in einem Glauben, der sehr groß, nicht klein war.
Und
[196] Johana sprach: „An euch richte ich eine Bitte, an das erste
Leben,
das zweite Leben, das dritte Leben, an Joöfin-Jöfafin, an Säm, den
wohlbewahrten
Mana, an den Weinstock, der ganz Leben, an den großen
Baum,
der ganz Heilungen ist, an Osar-Hai und Pta-Hai, die die Schöpfung
des
Lebens schaffen, die Pflanzung des Lichtes pflanzen und das erste Ab-
bild
im Hause des Lebens gründen‘), an euch richte ich eine sehr große,
nicht
kleine Bitte: entsprechend dieser Stunde, in der ich dastehe, ent-
sprechend
diesem Aufstiege, mit dem ich aufgestiegen bin, mögen alle wahr-
haften
und gläubigen Menschen emporsteigen, die mit dem Zeichen des
Lebens
gezeichnet, mit der reinen Taufe getauft und über die der Name
des
gewaltigen, ersten Lebens gesprochen ist.“
Gepriesen
sei das Leben, das Leben ist siegreich, und siegreich ist der
Mann,
der hierher gegangen ist.
Fünftes
Stück.
Das
Stück wird „das Buch des Silmai, des Herrn des Hauses“, genannt. Die Bezeich-
nung
„Herr des Hauses“ hat hier wohl dieselbe Bedeutung, wie sonst im mandäischen
Schrift-
tum;
es ist der Herr der irdischen Welt?). Diese Benennung führt sonst der Böse, und
auch
Silmai
scheint einer der Unterirdischen zu sein. Er gehört zum Kreise der Rühä und ist
vielleicht
geradezu als ihr Sohn gedacht. Aber sein Vater Jathrün wird schlechthin der
Gute
genannt und hat seinen Sitz am Tore des Hauses des Lebens. Auf den Rat der Rühä
begibt
sich Silmai zu seinem Vater, der jedoch von seinem Erscheinen nicht erbaut ist.
Er
will
ihm den Garaus machen, doch rät ihm seine Umgebung, ihn einer Prüfung zu unter-
ziehen
und je nach dem Ausfall ihn bei sich aufzunehmen oder wieder in die Tiefe
hinabzu-
senden.
Jathrün tut so, und die lange Reihe von Fragen und Antworten über die verschie-
denen
Dinge der Natur sind wohl der eigentliche Zweck der Komposition. Silmai beant-
')
Siehe p. 191.
?)
Über die Verwendung des Ausdruckes XN)2 N”D im semitischen Heidentum siehe
Ephemeris
Ill, p. 88.
196,
13197, 11 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 197
wortet
alle Fragen zur Zufriedenheit Jathrüns, nur über das Ende der Welt kann er ihm
keine
Auskunft geben. Da erscheint Hibil-Ziwä und gewährt ihm Belehrung darüber. Er
erteilt
dem Vater die Auskunft, und dieser fragt ihn, von wem er sie erhalten habe. Die
Antwort,
daß sie von Hibil-Ziwä herrühre, gefällt dem Vater nicht, und er weist ihn von
sich.
Das
Buch scheint fremden Ursprunges zu sein. Silmai findet sich anderwärts nur zu-
sammen
mit Nidbai; sie sind Hüter des Jordans. Nur noch L 8, 9 ist Silmai allein als
In-
haber
eines Wachthauses und Schlüsselbewahrer des Lichtes genannt. Ebenso ist sein
Vater
Jathrün
sonst unbekannt!), und auch der Ausdruck NIYINENIT NP findet sich bis auf
R
276, 23 nur in diesem Buche.
Im
Namen des großen Lebens.
Der
Herr der Größe prangte
und
leuchtete durch die Uthras, seine Söhne.
Dies
ist das Mysterium und das Buch des Silmai, des Herrn des Hauses.
Im
Namen dessen, der gekommen ist, im Namen dessen, der kommt,
und
im Namen dessen, der entstehen soll. Im Namen jenes fremden Mannes,
der
durch die Welten drang, kam, das Firmament spaltete und sich offen-
barte?).
Er erhellte und kam zu den Skinäs aller Planeten, richtete seinen
Thron
auf und setzte sich auf ihn. Der Gute sann nach, erkannte und
belehrte
sich über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges und über
jenen
Berg, den Berg Karmel’).
Er
kam und fand die sieben und die zwölf Helden, die in ihren Händen
Üe
*, der Lüge halten und über die Monate, Jahre, Sosse”), Tage,
Sekunden,
Geburtsstunden‘) und Zeiten dasitzen.
Ewath,
die lügnerische Rüha, kam, rief jeden einzelnen Mann beim
Namen
auf, beauftragte jeden einzelnen Mann mit Werken, [197] sie rief
sie,
beauftragte sie und sandte sie in diese Welt. Sie rief auch Silmai, den
Herrn
des Hauses, und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses, steh zeitig
am
frühen Morgen auf, geh an das Ufer des Jordans und an den guten
Behälter
der Heilmittel. Wasche deine Hände in Kustä und reinige deine
Finger
im lichten, gewaltigen (Wasser?) des Jordans. Steig hinauf und
geh
vor deinen Vater Jathrün, den vollkommenen Mann. Wenn dein Vater
dich
sieht, wird er dir das Königtum, die Güte und die Sieghaftigkeit dieser
Welt
geben lassen.“
Wie
Ewath, die lügnerische Ruhä, zu Silmai, dem Herrn des Hauses,
sprach,
so tat er. Er stand zeitig am frühen Morgen auf, ging an das Ufer
des
Jordans und an den großen, guten Behälter der Heilmittel. Er wusch
seine
Hände in Kusta und reinigte seine Finger im lichten, gewaltigen
1)
Eine „Leuchte Jattir-Jathrün“ siehe p. 146, 17.
2)
Siehe Lit. 11, 11; 77, 3; 128, 2; 142, 11.
3)
Auf dem die Bösen ihre Versammlungen abhalten, siehe p. 121.
#)
Siehe oben, p. 132®.
5)
Siehe oben, p. 106°.
6)
Das Wort findet sich nur an dieser Stelle. Es gehört nicht zu yevos, sondern
wie
das
jüdische NO), N’D12] zu yeveoros, also etwa yeveotos Öpa.
Io
-
5
20
D
5
un
Io
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20
30
198
Rechter Teil. 197, 11—198, 14
(Wasser)
des Jordans. Er stieg vor seinen Vater Jathrün, den vollkom-
menen
Mann, in die Höhe, beugte seinen Körper und verneigte sich vor
seinem
Vater.
Als
sein Vater ihn erblickte, erboste der Gute, der sich noch nie er-
bost
hatte; es zürnte der Gute, der noch nie gezürnt hatte. Er wollte auf
die
Erde Tibil stampfen‘), ihn verderben, ihn an die großen Sphären der
Festigkeit?)
hängen und sie auf ihr Antlitz auf das Antlitz der Erde hin-
stürzen.
Vor
ihm standen dreihundert zweiundsechzig Jünger. Da sprachen sie
zu
ihrem Vater, dem vollkommenen Manne: „Du hast, o Jathrün, in deiner
Rede
ausgesprochen und bei deiner Taufe bestimmt erklärt, daß am Tore
des
Hauses des Lebens Wut und Zorn nicht da sei. Wenn du bei Silmai,
dem
Herrn des Hauses, (Bescheid) nachsuchest über die Ordnungen, Eigen-
schaften?)
und Worte, die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen über
diese
Welt, so er ihn dir gibt, laß ihm einen Thron zwischen den Männern,
seinen
Vätern, errichten. Suchst du bei ihm nach und er gewährt ihn dir
nicht,
so mag er [198] zu jener Welt zurückgehen, aus der er gekommen ist.“
Der
Gute beruhigte sich und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses!
Ein
Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen,
Eigenschaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deu-
tungen
über diese Welt gelangt: Woher diese Erde geworden, worauf der
Amboß
aufgestellt ist, wem‘) die große Hus’) gegeben wurde°).“
Darauf
erwiderte er ihm: ‚Mein Vater! Diese Erde wurde festge-
schmiedet’).
Der Amboß ist auf das schwarze Wasser gestützt. Die große
Hus
ist dem Lügner gegeben.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: „O Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen
1)
Die Wendung auch Joh. 276, 6.
2)
Obwohl die Sphären sich bewegen, haben sie doch ihre Festigkeit. NINYW steht
hier
nicht etwa im Sinne von „Feste, Firmament.‘
®)
NOND hat wohl auch hier diesen Sinn, siehe p. 7°.
*)
Nach dem Folgenden ist NDS zu lesen.
5)
Das Wort findet sich nur hier und R 273, 10. Dort ist es eine Bezeichnung für
das
„große Meer“; dies soll es wohl auch hier sein.
6)
Es ist keine direkte Frage. Er ist darüber unterrichtet; die Frage an Silmai
ist
zu
ergänzen.
?)
Ich vermute, daß hier Imw für um steht. Über die gerade bei 7, 7 häufigen Um-
setzungen
siehe Nöld., p. 66.
198,
15—199, 21 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 199
über
diese Welt gelangt: Woher diese Firmamente geworden, worauf sie
ausgespannt,
woran sie hängen und wodurch sie erleuchtet werden.“
Darauf
erwiderte er ihm: ‚Mein Vater! Diese Firmamente bestehen
aus
sieben schweren ') Wassernebeln, die Ptahil durch die Kraft, die sein
Vater
Abathur ihm verliehen, ausgespannt und hochgehoben hat. Zwischen
jedem
einzelnen hängen Leuchten des Glanzes, und sie werden durch die
Kraft
der Könige?) erleuchtet.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler
und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! [199] Ein Wort ist
zu
mir aus dem Hause meines Vaters über die Ordnungen, Eigenschaften
und
Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen über
diese
Welt gelangt: Woher die Sonne, wovon ihre Natur‘), woher ihre
Hitze,
woher ihre Kälte, woher ihr Glanz ist.“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Die Sonne ist aus der Erde
entstanden,
ihre Natur ist von der Natur der Sieben, ihre Hitze und Kälte
sind
von der Hitze und Kälte des Ptahil, ihr Glanz ist vom Glanze des >
gewaltigen,
fremden Lebens, des erhabenen, das über allen Werken steht.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler
und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein Wort ist zu
mir
aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigenschaften und
Worte,
über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen über diese
Welt
gelangt: Woher der Mond, wovon seine Natur, woher seine Hellig- -
keit,
woher seine Annehmlichkeit‘) ist.“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Der Mond ist aus der Erde
entstanden,
seine Natur ist von der Natur der Planeten, seine Helligkeit
und
Annehmlichkeit ist von der Helligkeit und Annehmlichheit des großen,
geliebten,
ersten Sam-Ziwä, des Mannes, dessen Skins über den hundert
und
sieben und sechzig gewaltigen, oberen Lichtwelten ruht. Jede Welt
mißt
für sich tausend mal tausend Meilen, und zehntausend mal zehntausend
Skinas
ruhen in ihr’), in jeder einzelnen Skins wohnen tausend mal
N)
WON) ist hier wohl so aufzufassen; nicht im Sinne von „teuer, Kostbar.‘
®2)
D. h. der himmlischen Wesen. CD haben „der Engel.“
3)
SIND steht hier wie auch sonst öfter fälschlich für NIMD.
*)
Die angenehme Kühle, die er verbreitet.
5)
Vielleicht ist 72 nur irrtümlich aus dem Folgenden wiederholt, so daß es heißen
würde
„tausend mal tausend Meilen und zehntausend mal zehntausend Skinäs“,
-
I;
177
in
in
-
vi
0)
je
21
[07
In
200
Rechter Teil. 199, 21—201, &
tausend
Uthras, und von jedem einzelnen Uthra wird eine Skinä bewohnt.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, [200] der dir zwischen den Männern,
deinen
Vätern, errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: „‚Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause meines Vaters über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen
über
diese Welt gelangt: Woher das Wasser, wovon seine Natur, woher
sein
Wohlgeschmack, woher seine Kraft ist.“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Das Wasser ist aus der Erde
gekommen,
seine Natur ist von der Natur der Sieben, !seine Kraft von der
Kraft
der Finsternis und sein Wohlgeschmack vom Wohlgeschmack des
lebenden
Wassers.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: ‚„Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause meines Vaters über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Nasaräertums und die Deutungen
über
diese Welt gelangt: Woher das Feuer, wovon seine Natur, woher sein
Aussehen,
woher sein Rauch ist.“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Das Feuer ist aus der Erde
gekommen,
seine Natur ist von der Natur der Sieben, seine Kraft von der
Kraft
der Finsternis und [sein Rauch] vom Hause des Satans Ismael').“
Da
sagte er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen
über
[201] diese Welt gelangt: Woher der Wind, wovon seine Natur, woher
seine
Kraft, woher seine Annehmlichkeit ist.“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Der Wind ist aus der Erde
gekommen,
seine Natur ist von der Natur der Sieben, seine Kraft von der
Kraft
der Finsternis und seine Annehmlichkeit von der Annehmlichkeit des
Athers.“
')
Aus Sama&l, der sich übrigens sonst als Name für den Teufel bei den
Mandäern
nicht
findet, wurde Ismael gemacht, mit Anspielung auf die verhaßten Araber.
201.
4—202,7 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 201
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen
über
diese Welt gelangt.“ Ferner sprach er zu ihm: „Was sind die oberen,
was
die unteren Dinge?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Die oberen Dinge sind das Firmament, die
unteren
die Erde.“
Da
fragte er ihn: „Wird das Firmament schwanger vor der Erde,
oder
wird die Erde schwanger vor dem Firmamente?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Das Firmament bringt Regen
und
Tau, und die Erde öffnet ihren Mund und nimmt ihn auf. Dann bringt
sie
Früchte, Saaten und Obst hervor, von denen die Kinder Adams essen
und
trinken, ohne ihrem Herrn zu danken.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen
über
diese Welt gelangt.“ Ferner sprach er zu ihm: „Wer sind die äußeren,
wer
die inneren Dinge?“
Darauf
erwiderte er ihm: ‚Die äußeren Dinge sind der Mann, die
inneren
die Frau’).
Da
fragte er ihn: „Empfängt der Mann vor der Frau, oder empfängt
die
Frau vor [202] dem Manne?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Der Same bildet sich im Körper des Mannes
durch
zweiundvierzig Tage. Dann übergibt er der Frau die Saat, den
Stamm,
die Wurzel und die Begattung und knüpft daraus das Mark, die
Knochen
und die Sehnen.“
Da
fragte er ihn: „Was gibt die Frau dem Kinde?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Sie gibt ihm das Blut, die Haut, die Bilder’)
und
die Haare.‘
vı
10
„
u
[$)
[e)
Da
fragte er ihn: „Wodurch entsteht das Kind in der Mutter und 40
wodurch
wächst es?“
!)
Wohl mit Beziehung auf die Geschlechtsteile und die Art der Begattung.
2)
Es ist unsicher, was damit gemeint ist, vielleicht die äußeren Formen.
in
Io
35
202
Rechter Teil. 202, 7—208, 8
Darauf
erwiderte er ihm: „Das Kind wächst durch die sieben Mysterien
seines
Vaters und seiner Mutter').“
Da
fragte er ihn: „Woher kommt die Nahrung für das Kind %
Darauf
erwiderte er ihm: „Die Nahrung kommt für das Kind aus dem
Innern
der Mutter.“
Da
fragte er ihn: „Wenn das Maß für das Kind voll ist und es ge-
boren
werden soll, wie wird es geboren ?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater! Wenn das Maß für das Kind
voll
ist, wirft man der Mutter Wehen?) in die inneren Hüften, schlägt das
Kind
mit gewaltigen ........... ). Dann dreht sich der Kopf nach unten
und
die Unterschenkel nach oben. Dann wird das Kind geboren.“
Da
sprach er zu ihm: „Schön ist was du mir gesagt hast, schön sind
die
geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze
dich
auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen
Vätern,
errichtet ist.“
Als
er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen
Schüler,
fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein
Wort
ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-
schaften
und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen
über
diese Welt gelangt.“ Ferner sprach er zu ihm: „Wenn das Maß für
die
Welt voll ist, auf welche Weise wird es voll?“
Alle
Auskünfte, die sein Vater von ihm wünschte, kannte er in seinem
Sinne,
um sie ihm zu erteilen; diese Auskunft kannte er nicht in seinem
Sinne,
um sie ihm zu erteilen. Er fühlte sich erniedrigt und setzte sich
[203]
unterhalb der dreihundert zweiundsechzig Jünger.
Da
ging hin und kam der Lichtschatz, die große Ruhe und Stütze des
Lebens‘),
fand ihn und sprach zu ihm: „Warum sitzest du da, Silmai, Herr
des
Hauses?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Mein Vater wünschte eine Auskunft von
inir,
die ich nicht in meinem Sinne kannte, um sie ihm zu erteilen.“
Da
sprach er zu ihm: „Die Auskunft, die dein Vater von dir- wünschte,
kenne
ich in meinem Sinne Wenn dein Vater dich vor sich lädt und zu
dir
spricht: ‚Kanntest du diese Auskunft in deinem Sinne und gabest sie
mir
nicht, oder hat einer von den Uthras, den Söhnen des Lichtes, dich
darüber
belehrt?‘°), so sprich zu ihm: ‚Ich kannte sie in meinem Sinne,
‘)
Von sieben Mysterien ist auch sonst die Rede (R 314, 7; Lit. 148, 1; Morg. 183,
6);
von
den „sieben Mysterien, die im Körper sitzen“ Lit. 36, 5. Hier sind wohl die
inneren
Körperteile
(etwa Herz, Lunge, Leber, Galle, Milz, Magen, Nieren) und ihre Tätigkeit ge-
meint.
®) Siehe Lit.. p. 36°.
o)
NPD (ROPIRD) findet sich nur an dieser Stelle; die Bedeutung ist unsicher. Das
sonst
häufige pp heißt „umstürzen.“ 7797 ist nicht in Ordnung. Vielleicht liegt eine
größere
Verderbnis vor und hat ursprünglich x „Gehirn“ dagestanden.
*)
Siehe auch Lit. 25,12; 75, 4; 80,4; 125, 4; 129,4. Hier ist damit, wie aus p.
204, 1
zu
ersehen ist, Hibil-Ziwä gemeint.
’)
Siehe zur Auffassung der Worte p. 203, 33#.
203,
8— 204. 14 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 203
und
doch gab ich sie dir nicht, weil mein Fuß vor dir nicht sicher stand
und
nicht auf meiner Sohle‘) stand.‘ Ferner sprich zu ihm: ‚Wenn das
Maß
der Welt voll ist, fällt die Erde in ....... ®), und der Himmel wickelt
sich
zusammen wie Matten. Die Sonne zieht ihren Glanz, der Mond zieht
seine
Helligkeit aus, die Sterne und Himmelsbilder fallen ab wie dürres
Laub.
Das Feuer geht in seine Hülle hinein, das Wasser in seine Hüllen’).
Die
vier Winde des Hauses fassen sich an den Flügeln und wehen nicht‘).“
Da
fragte er ihn: „Wohin gehen Rüha, Christus, die Planeten und die
Seelen
der Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben? Wohin gehen sie.
wohin
kommen sie und wo erhalten sie ihre Wohnung?“
Darauf
erwiderte er ihm: „Rüha, Christus, die Planeten und die Seelen
der
Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben, rufen nacheinander, fassen
einander
an der Hand, werden gefesselt, gehen hin und stürzen wie ein
Granatapfel
aus Blei’) in Ur, den Herrn der Finsternis, in seinen eigenen
großen
Leib. Es raucht‘), das Feuer wird angefacht und verzehrt Ur, den
Herrn
der Finsternis, Ewath, die lügnerische Rüha, die Planeten und die
Seelen
der Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben.“
Alsdann
erhob sich Silmai, der Herr des Hauses, ging vor Jathrün,
den
vollkommenen Mann, und sprach zu ihm: „Mein Vater! Die Auskunft,
die
du von mir wünschtest, [204] will ich dir geben. Wenn das Maß der >
Welt
voll ist, fällt die Erde in ....... und der Himmel wickelt sich zu-
sammen
wie Matten. Die Sonne zieht ihren Glanz, der Mond zieht seine
Helligkeit
aus, die Sterne und Himmelsbilder fallen ab wie dürres Laub.
Das
Feuer geht in seine Hülle hinein, das Wasser in seine Hüllen. Die
vier
Winde des Hauses fassen sich an den Flügeln und wehen nicht. Rüha, >
Christus,
die Planeten und die Seelen der Bösen, die sich zu ihnen bekannt
haben,
rufen nacheinander, gehen zueinander, fassen einander an der Hand,
werden
gefesselt, gehen hin und stürzen wie ein Granatapiel aus Blei in
Ur,
den Herrn der Finsternis, in seinen eigenen großen Leib. Rauch steigt
in
seinem Magen auf, das Feuer wird angefacht und verzehrt Ur, den Herrn
der
Finsternis, Ewath, die lügnerische Rüha, die Planeten und die Seelen
der
Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben.“
Da
sprach sein Vater zu Silmai, dem Herrn des Hauses: „Kanntest
du
diese Auskunft in deinem Sinne und gabest sie mir nicht, oder hat einer
von
den Uthras, den Söhnen des Lichtes, es dir gesagt?“
1)
SNINDy ist persisch uszuwar „fest, Festigkeit“. Es hat im Mandäischen konkrete
Bedeutung
angenommen und steht in Verbindung mit Fuß oder Ferse; auf ihrem INNDY
stehen
sie fest (R 264, 8; 266, 8, 11; 272, 19; 294, 10). Vielleicht bedeutet es
geradezu
Fußsohle.
2)
NND) steht außer hier auch L 17, 12. Die Bedeutung ist unsicher, siehe Nöld.,
p.
123, 11. Es scheint „Trümmer“ od. ähnl. zu bedeuten.
°)
Lies RI.
4)
Auch Joh. 79, 8.
®)
Man hat wobl zu lesen: FO5ORM TOR NININT NINDYT 721.
6)
Siehe Z. 29f.
-
5
204
Rechter Teil. 204, 14—19
Darauf
erwiderte er ihm: „Diese Auskunft hat Hibil-Ziwa mir ge-
währt.“
|
Da sprach er zu ihm: „Gehe, gehe, du, der des Glanzes bar, vom
Lichte
abgeschnitten ist, den das Leben von sich abgeschnitten hat und
;
die Uthras hinter sich zurückgelassen haben ').“
Das
Leben ist siegreich über alle Werke, und siegreich ist Jäwar-
Ziwa
und seine Helfer.
!)
Siehe oben, p. 194, 24.
IS
Sechstes
Buch.
Noch
eigenartiger als das Buch des Silmai ist „das Buch des Dinänükht.“ Dinänükht.
nach
ANDREAS iranisch Dendnuyt „derjenige. der der Religion gemäß redet“ (mit
Hinweis
auf
Yt. 5, 18 und Y. 8, 7, sowie BARTHOLOMAE, Altiran. Wörterb., col. 127 s. v.
anuy-
tayae),
ist ein Mittelding zwischen Mensch und Buch. Er ist „das Tintenbuch der Götter“,
ein
mit Tinte geschriebenes Buch, hier wohl noch im Gegensatz zu beschrifteten
Tontafeln.
Er
sitzt andauernd über seinen alten und neuen Büchern und sucht aus ihnen die
Geheim-
nisse
der Welt zu ergründen. Vor ihm erscheint der kleine Disai, auch er halb Mensch
halb
Buch.
Der Name \897 zeigt dieselbe Form gitlai, nach der sonst bei den Mandäern Namen
aus
der religiösen Welt umgeformt werden, vgl. Joh., p. XX. Der Stamm ist unsicher.
Yy7
findet
sich als Bezeichnung für die althebräische Schrift, siehe meine Nordsem.
Epigr.,
p.
190 Anm., doch ist es fraglich, ob der Name damit zusammenhängt. Disai, klein
aber
großsprecherisch,
kommt mit großen Worten, die Dinänükht keine Aufklärung geben. Dinä-
nükht
wirft ihn ins Feuer, dann ins Wasser, schließlich läßt er ihn vom Morgen bis
zum
Abend
vor sich liegen. Es scheint, daß Dinänükht einschläft und daß im Traume Ewath-
Rühä
ihm erscheint, die sich mit den höheren und niederen Dingen der Welt identifiziert.
Da
kommt ein Uthra Din-Mlıkh zu ihm, holt seine Seele aus dem Körper und führt sie
an
den
Wachthäusern vorbei. Es sollen acht sein (p. 210, 16), die aber nicht alle
aufgezählt werden.
In
ihnen sieht Dinänükht nur die Bösen und Frevler, aber zuletzt, im Wachthause
des Aba-
thur,
schaut er die ob ihrer guten Werke belohnten Frommen. Der Uthra verheißt auch
ihm
Belohnung
und Seligkeit, doch soll er erst zur unteren Welt zurückkehren, seine Bücher
ins
Feuer
und ins Wasser werfen und sechzig Jahre und sechzig Monate den wahren Glauben
verkünden.
Dinänükht kehrt in die Welt zurück, findet die Leute, die ihn für tot hielten,
um
ihn klagen, und veranlaßt sie davon abzustehen. Er befolgt den Rat des Uthra,
wirft
seine
Bücher ins Feuer und ins Wasser, predigt den wahren Glauben und steigt nach der
angesetzten
Zeit zum Hause des Lebens empor.
Die
Erzählung weist altertümliche Züge auf. Der weise Schriftgelehrte Dinänükht
“erinnert
an NIT NED 2), „den weisen Schriftgelehrten Nbü“ in der aramäischen In-
schrift
aus Kappadocien Zphemeris I, p. 325, wo man den Anfang so zu lesen hat, und
hier
L 29, 6. Bei dem zwischen den Wassern sitzenden Weisen denkt man an den an der
Mündung
der Ströme sitzenden hochweisen babylonischen Sintfiuthelden Ut-Napistim, um so
inehr
als Dinänülcht’s Gattin Nüraitä denselben Namen führt wie die Gattin Noahs,
siehe
oben,
p. 46, 4. Auch die Sprache weist alte Wendungen auf, siehe p. 206* zu NINYDYT
INDDN
und
p. 208% zu 727 >y.
15
20
in
1)
Ö
t3
AU
206
Rechter Teil. 204, 20— 205, 18
Die
Schrift wird von Bar Khöni bei der Beschreibung der Religion der Döstäer
zitiert,
siche
Theodorus BAR KONI, Liber Scholiorum ed. Addai SCHER II (Corpus Scriptorum
Christianorum
Orientalium, Scriptores Syri, Textus, Ser. II, tom. 66), p. 347, 6 und POGNON,
Inser.
Mandaites. p. 227. Statt xronn DD daselbst ist N77 DD zu lesen. SIOUFFI
erzählt
p. 31ff. eine Legende von Dananoukh, die mit dieser Geschichte nur wenig Berüh-
rungen
hat. Dananoukh erhält dort Briefe von den bösen Geistern, die er im Feuer ver-
brennt,
und seine Seele wird vom Todesengel durch die Matarotkho und dann durch die
Olmi-Danhowro
geführt und ihr die Strafen der Frevler und der Lohn der Frommen gezeigt.
Im
Namen des großen Lebens werde ein Sündenerlasser zuteil mir NN
und
meiner Gattin NN.
Zwischen
den Wassern sitze ich. Ich bin Dinanükht, der weise Schrift-
gelehrte,
das Tintenbuch der Götter, der Machtvolle, Stolze, Hochmütige, in
dessen
Haus es keinen Hausherrn, [205] in dessen Bau, in dessen oberen
Palästen
und unteren Häusern es keinen Älteren gibt. Diese meine Bücher
liegen
auf meinen Händen und mein Gedenkbuch ') auf meinen beiden Armen.
Ich
studiere in meinen neuen Büchern und suche Belehrung in den alten.
Ich
sinne, erkenne und belehre mich über Vergangenes, Gegenwärtiges und
Zukünftiges?).
Da
kam der kleine Disai und fiel vor mich hin. Ich öffnete ihn
und
studierte in ıhm. Er ist klein, doch seine Reden groß’), und heftig
brechen
ıhm die Worte hervor‘). Er suchte in den oberen Abaddons°)
und
sprach: „Es gibt ein Leben, das von jeher war, und es gibt eine Kusta,
die
schon früher am Anfang war. Es gibt Glanz, es gibt Licht. Es gibt
Tod,
es gibt Leben; es gibt Finsternis, es gibt Licht‘). Es gibt Irrtum, es
;
gibt Wahrheit. Es gibt Zerstörung, es gibt Aufbau. Es gibt Schlag, es
gibt
Heilung. Es gibt einen erhabenen Mann, der älter ist und früher da
war
als der Erbauer des Himmels und der Erde.“
Dinänukht
spricht: „Ich suchte vom kleinen Disai Belehrung und
sprach:
„Wo ist das Leben, das von jeher war, wo ist die Kusta, die schon
früher
am Anfang war? Wo ist der Glanz, wo ist das Licht? Wo ist der
Irrtum,
wo ist die Wahrheit? Wo ist die Zerstörung, wo ist der Aufbau?
Wo
ist der Schlag, wo ist die Heilung? Wo ist dieser erhabene Mann,
der
älter ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und der Erde?“
‘)
Ein alter Ausdruck, vgl. Maleachi 3, 16; Esther 6, 1; Ezra 4. 15.
®)
Siehe auch oben, p. 197, 18. ?) Siehe oben, p. 192, 15.
*)
aM findet sich außer in diesem Zusammenhange noch L 59, 8 bei Feuer. Im Syri-
schen
kennen wir AT im Sinne von „heftig“, besonders vom Regen. Im Arabischen wird
zrf
von allzureicher Wortfülle gebraucht.
®)
Die Abaddöns (bikl. NT2N) gehören eigentlich zur Unterwelt, siehe p. 208, 7 und
Lit.,
p.
67, 4; 117, 1. ö
°)
Dieser Satz fehlt in A. Die Auslassung muß alt sein. denn die entsprechenden
Worte
im folgenden Absatze fehlen in allen Handschriften.
205,
18— 207, 23 Sechstes Buch. 207
Dann
ergriff ich den kleinen Disai und verbrannte ihn im Feuer.
Zwischen
den Wassern sitze ich. Ich bin Dinanükht, der weise Schrift-
gelehrte,
das Tintenbuch der Götter, der Machtvolle, Stolze, Hochmütige, in
dessen
Haus es keinen Hausherrn, in dessen Bau, in dessen oberen Palästen
und
unteren Häusern es keinen Älteren gibt. Diese meine Bücher liegen
auf
meinen Händen und mein Gedenkbuch auf meinen beiden Armen. Ich
studiere
in meinen neuen Büchern und suche Belehrung in den alten. Ich
sinne,
erkenne und belehre mich über [206] Vergangenes, Gegenwärtiges
und
Zukünftiges.
Da
kam der kleine Disai und fiel vor mich hin. Ich öffnete ihn und
studierte
in ihm. Er ist klein, doch seine Reden groß, und heftig brechen
ihm
die Worte hervor. Er suchte in den oberen Abaddons und sprach:
„Es
gibt ein J,eben, das von jeher war, es gibt eine Kustä, die schon früher
am
Anfang war. Es gibt Glanz, es gibt Licht. Es gibt Tod, es gibt Leben.
Es
gibt Finsternis, es gibt Licht. Es gibt Irrtum, es gibt Wahrheit. Es
gibt
Zerstörung, es gibt Aufbau. Es gibt einen erhabenen Mann, der älter
ist
und früher da war als der Erbauer des Himmels und der Erde.“
Dinanükht
spricht: „Ich suchte vom kleinen Disai Belehrung und
sprach:
„Wo ist das Leben, das von jeher war, wo ist die Kustä, die schon
früher
am Anfang war? Wo ist der Glanz, wo ist das Licht? Wo ist der
Tod,
wo ist das Leben? Wo ist die Finsternis, wo ist das Licht? Wo ist
der
Irrtum, wo ist die Wahrheit? Wo ist die Zerstörung, wo ist der Auf-
bau?
Wo ist der Schlag, wo ist die Heilung? Wo ist dieser erhabene
Mann,
der älter ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und
der
Erde?“
Dann
ergriff ich den kleinen Disai und versenkte ihn ins Wasser.
Zwischen
den Wassern sitze ich ... (Wiederholung) in den oberen
Abaddons
[297] und sprach: ......... als der Erbauer des Himmels und
der
Erde?“
Dann
ergriff ich den kleinen Disai und ließ ihn vor mir liegen von
den
Schatten des Morgens bis zur großen Dämmerung) des Abends.
Da
kam Ewath, der heilige Geist, trat zu mir in meiner Skina heran
und
sprach zu mir: „Warum liegest du da, Dinanukht? Warum gefiel dir
der
Schlaf? Ich bin das Leben, das von jeher war, ich bin die Kustä, die
schon
früher am Anfang war. Ich bin der Glanz, ich bin das Licht. Ich
bin
der Tod, ich bin das Leben. Ich bin die Finsternis, ich bin das Licht.
Ich
bin der Irrtum, ich bin die Wahrheit. Ich bin die Zerstörung, ich bin
der
Aufbau. Ich bin der Schlag, ich bin die Heilung. Ich bin der erhabene
Mann,
der älter ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und
in
-
ur
IS
°
(67)
[e)
der
Erde. Ich habe keinen Genossen unter Königen, und es gibt sonst 40
keine
Krone in meinem Reiche. Es gibt keinen einzigen Menschen, der
mir
in den Nebelwolken der Finsternis einen Bescheid geben könnte.“
1)
Siehe Nöld., p. 127, 22.
in
15
D
in
[
208
Rechter Teil. 207, 23—208, 21
Da
kam Din-Mlikh-Uthra, warf Stöße') gegen den Körper des. Dina-
nükht
und brachte ihn aus dem Körper heraus. [208] Winde, Winde nehmen
Dinanükht
hin, Stürme, Stürme®) treiben ihn fort, Leitern, Leitern tragen
ihn
in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen emporsteigen. Sie brachten ihn
in
die Höhe und stellten ihn in das Wachthaus des Nbaz-Hailä, des Herrn
der
Finsternis, des großen Ambosses der Erde. Sein Thron ist auf den
Spalt’)
der Tibil gesetzt, seine Füße ruhen auf den unteren Abaddons, und
über
alle Meere wird der Saum seines Gewandes geschleift. Tausend mal
tausend
[stehen vor ihm], und zehntausend mal zehntausend Götzen bedienen
ihn.
Da sprach er: „Als ich ihn erblickte, sagte ich mir, ich würde mich
vor
ihm verneigen und verbeugen, meinen Körper hinstrecken und ihn
preisen.“
Doch Din-Mlıkh-Uthra, der mich begleitete, ließ mich nicht und
sprach
zu mir: „Vor wem willst du dich, Dinänükht, verneigen und vor
wem
willst du deinen Körper hinstrecken und ihn preisen, wo das große
Leben
und das Haus des großen, ersten Vaters vor dir sind?“
Winde,
Winde nehmen Dinanükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn
fort,
Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen
emporsteigen.
Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-
haus
des Zan-Hazazban, des hurtigen, tapferen, des Königs des Zornes, der
Stärke
und des Verderbens. Sein Thron ist am Tor des Himmels hinge-
setzt.
Zum Diebe sagt er: stiehl, und zum Hausherrn sagt er: bleib fest
stehen.
Zum Diebe wegen‘) der Tötung und zum Hausherrn wegen des
Schadens’),
Tausend mal tausend stehen vor ihm, und zehntausend mal
zehntausend
Götzen bedienen ihn. Als ich ihn erblickte, wollte ich mich
vor
ihm verneigen und verbeugen, meinen Körper hinstrecken und ihn
preisen.
Doch Din-Mlikh-Uthra, der mich begleitete, ließ mich nicht und
sprach
zu mir: „Vor wem willst du dich, Dinänükht, verneigen und vor
!)
Zu DH", eigentlich „mit den Füßen treten“ siehe Joh. II, p. 69%. 09%
bedeutet
hier
wohl „Fußtritte, Stöße“, und der Satz hat den in der Übersetzung angegebenen
Sinn.
Daß
8DD hier wie an anderen Stellen „Augenblick“ bedeute und der Satz etwa den Sinn
habe:
er warf Dinänükht auf einige Augenblicke in den Körper, ist nicht
wahrscheinlich,
da
Dinänükht sich im Körper befindet. Auch POGNON’s Annahme, daß XD9N
„Zauberblick“
bedeute
(„Il jeta des sortileges dans le corps de Dinanoukht“, Znscriptions mandaites,
p. 240),
ist
nicht wahrscheinlich.
?)
Der Sinn des Wortes NONTY, das sich in demselben Zusammenhange auch L 7, 5;
8,
7 findet, ist nur erraten.
®)
Das Wort findet sich nur an dieser Stelle. Den Sinn nehme ich nach der Grund-
bedeutung
von 5b an. Nspin „Korb, Bienenkorb‘“ (LEVY, Neuhebr. Wörterb. II, p. 54b)
paßt
nicht, eher paßt syrisch hellthä „Scheide.“ Wir haben hier die verbreitete
Vorstellung
von
dem Erdspalt, der die Oberfläche der Erde mit dem Urgrundwasser verbindet.
Sonst
findet
sich mandäisch dafür der Ausdruck x97'2, siehe Joh. II, p. 7°; Lit. 215, 1.
*)
Hier steht das kanaanäische 737 sy, das in die aramäische Amtssprache der Achä-
menidenzeit
eingedrungen ist, siehe SACHAU, Aramäische Papyrus und Ostraka, p. 282
Sa:
°)
Damit der Dieb dem Tode verfalle und der Hausherr Schaden erleide.
208,
21—210, 4 Sechstes Buch. 209
wem
willst du deinen Körper hinstrecken und ihn preisen, wo das große,
erste
Leben und das Haus des großen, ersten Vaters vor dir sind?“
Winde,
Winde nehmen Dinänükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn
fort,
Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe [209] und lassen ihn auf Sprossen
emporsteigen.
Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-
haus
der Ewath-Rühä, der Mutter der Ehelosen, Qananit, der Mutter der
„Heiligen“,
des inneren Skorpionengiftes der Finsternis. Sieben Edelfrauen
stehen
da, die keine Edelfrauen sind, und sieben Jungfrauen, die nicht
Jungfrauen
genannt werden dürfen. Ihre Brust‘) ist ihnen entblößt und ihre
Seite
ihnen geschlitzt. Der Kranz der Unzucht und Hurerei liegt ihnen auf
dem
Haupte. Sie nehmen die Herzen der Götter, sie nehmen das Gemüt der
Menschenkinder
gefangen. Sie nehmen die Männer durch die stolzen Blicke’),
die
Frauen durch das lüsterne Herz gefangen. Tausend mal tausend stehen
.
vor ihr, und zehntausend mal zehntausend Götzen bedienen sie. Er sprach:
„Als
ich sie erblickte, sagte ich mir, ich würde mich vor ihr verneigen und
verbeugen,
meinen Körper hinstrecken und sie preisen. Doch Din-Mlikh-
Uthra,
der mich begleitete, ließ mich nicht und sprach: „Vor wem willst
du
dich, Dinanükht, verneigen und vor wem willst du deinen Körper hin-
strecken
und ihn preisen, wo das große, erste Leben und das Haus des
großen,
ersten Vaters vor dir sind?“
Winde,
Winde nehmen Dinanükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn
fort,
Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen
emporsteigen.
Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-
haus
des Mannes Himun°). Tausend mal tausend stehen vor ihm, und zehn-
tausend
mal zehntausend Götzen bedienen ihn. Als ich ihn erblickte, sagte
ich
mir, ich würde mich vor ihm verneigen und verbeugen, meinen Körper
hinstrecken
und ihn preisen. Doch Din-Mlikh-Uthra, der mich begleitete,
ließ
mich nicht und sprach: „Vor wem willst du dich, Dinänükht, verneigen
und
vor wem willst du deinen Körper hinstrecken und ihn preisen, wo das
große,
erste Leben und das Haus des ersten, großen Vaters vor dir sind?“
Winde,
Winde nehmen Dinänükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn
fort,
Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen
emporsteigen.
Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-
haus
des Ptahil, der des Glanzes bar, vom Lichte abgeschnitten ist, den
das
Leben hinter sich abgeschnitten hat, [210] dessen Haupt weißer ist als
der
Schaum des Wassers, dessen Bart als Flocken weißer Wolle. Er spricht:
„Durch
meine Stärke habe ich das Haus gebaut, durch meine Wundertaten
habe
ich den Palast gegründet. Ich gab den Mond hin für die Rechnung
der
Welten, ich gab die Sonne hin, um den Menschenkindern zu dienen *).“
1)
Siehe p. 184, 16.
2)
Der Ausdruck steht auch R 215, 19. Vielleicht ist trotzdem MYINY zu lesen,
siehe
Targüm
zu Prov. 21,4.
Sasıche
p. 179, 30.
4)
Ein Wortspiel zwischen WONW und NWNDNW.
Lidzbarski,
Ginza. 14
un
>
o
20
8
5
in
bau]
in
w
u
30
210
Rechter Teil. 210, 4—211, 14
Der
Hochmütige, der nichts mit seinen Händen vollbracht, aber mit seinem
Munde
sich hochpreist.
Winde,
Winde nehmen Dinanükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn
fort,
Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen
emporsteigen.
Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-
haus
des alten, hohen, verborgenen, bewahrten Abathur. Ich schaute hin
und
sah, wie tausend mal tausend dastanden und zehntausend mal zehn-
tausend
dasaßen. Alle waren mit Glanz bekleidet und mit Licht bedeckt.
Ein
Kranz von Siegen war ihnen um das Haupt gelegt. Sie saßen auf
Thronen
der Ruhe und rezitierten geheime Gebetsordnungen, Messen und
Gebete’).
Ich schaute hin und sah, wie tausend mal tausend Throne auf-
gerichtet
waren. Über sie waren doppelt gelegt und ausgestreckt Gewänder
des
Glanzes und reine Turbane des Lichtes. Es sprach Dinanukht: „In
jenem
Wachthause hatte ich Angst und Furcht und ängstigte mich.“ Da
sprach
Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „O Dinanükht! Ich habe dich an
den
sieben Wachthäusern des Todes vorbeigebracht, und vor den acht des
Verderbens
hattest du keine Angst und Furcht. Was hast du hier gesehen,
daß
du in Angst und Furcht gerietest?*“
Da
sprach Dinänükht zu Dn-Mlikh-Uthra: „Ich sah tausend mal tausend
dastehn
und zehntausend mal zehntausend dasitzen. Alle waren mit Glanz
bekleidet
und mit Licht bedeckt. Kränze von Siegen waren ihnen um das
Haupt
gelegt. Sie saßen auf Thronen der Ruhe und rezitierten geheime
Gebetsordnungen,
Messen und Gebete. Ich sah tausend mal tausend
Throne,
über welche Gewänder des Glanzes und große Turbane des Lichtes
doppelt
gelegt und ausgestreckt waren.“ Er sprach ferner: „Ich sah [211] das
Leben,
das von jeher war, ich sah die Kustä, die schon früher am Anfang
war.“
Ferner sprach er zu ihm: „Ich sah den Tod, ich sah das Leben.
Ich
sah die Finsternis, ich sah das Licht. Ich sah den Irrtum, ich sah die
Wahrheit.
Ich sah die Zerstörung, ich sah den Aufbau. Ich sah den
Schlag,
ich sah die Heilung. Ich sah diesen erhabenen Mann, der älter ist
und
früher da war als der Erbauer des Himmels und der Erde.“
Darauf
sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „Diese Throne bewahrt
man
für die Seelen, deren Mutter und Vater noch nicht da sind. Nach
tausend
Jahren fallen sie in das Geschlecht von Vater und Mutter. Alsdann
kommen
sie hinaus in die Welt und ziehen die Farbe des Fleisches an.
Wenn
ihr Maß voll ist, verlassen sie die Welt, bekleiden sich mit Gewändern
des
Glanzes und bedecken sich mit großen Turbanen des Lichtes. Sie sitzen
auf
Thronen der Ruhe und rezitieren geheime Gebetsordnungen, Messen
und
Gebete.“
40
Da fragte Dinanükht den Din-Mlikh-Uthra: „Welches ist mein Thron?“
Darauf
erwiderte Din-Mlikh-Uthra dem Dinänükht: „Dein Kleid ist ein
Gewand
des Glanzes, und dein Turban ist ein großer des Lichtes. Dein
%)
Vgl. Lit. 9,5.
|
|
7
211,
14— 212, 18 Sechstes Buch. 211
Kranz
ist vom Weinstock Rwaz, der nicht verwelkt und nicht vergeht, und
dessen
Blätter nicht von ihm abfallen ').*
Ferner
sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „Geh in die Welt der
Bösen,
an den Ort, der ganz aus Königreichen besteht. Geh, verbrenne
deine
Bücher im Feuer und versenke dein Gedenkbuch ins Wasser. Zieh
in
die Welt hinaus, rufe den Ruf des Lebens und unterweise Jünger sechzig
Jahre
und sechzig Monate. Wenn dein Maß voll ist, wirst du kommen,
dich
mit deinem‘) Gewande des Glanzes bekleiden und mit deinem großen
Turban
des Lichtes bedecken, und man wird dir deinen prangenden Kranz
umlegen.
Du wirst auf deinem Throne der Ruhe sitzen und geheime
Gebetsordnungen,
Messen und Gebete zwischen deinen Brüdern, den Uthras,
den
Söhnen des Lichtes, rezitieren.“
Darauf
sprach Dinanükht zu Din-Mlikh-Uthra: „Ich will lieber an der
Schwelle
des Hauses des Lebens Staub essen und nicht in die Welt der
Bösen,
an den großen Ort, der ganz aus Königreichen besteht, zurück-
kehren.“
Da
sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „O Dinänükht, du Tor, der
nicht
weise ist, [212] du Mangelhafter, der nicht vollkommen ist. An der
Schwelle
des Hauses des Lebens ißt man keinen Staub. Nur Gutes ißt
man
und sucht da Behagen. Kehre in die Welt der Bösen und an den 20
Ort,
der ganz aus Königreichen besteht, zurück. Verbrenne deine Bücher
im
Feuer und versenke dein Gedenkbuch ins Wasser. Ziehe in die Welt
hinaus,
rufe den Ruf des Lebens und unterweise Jünger sechzig Jahre und
sechzig
Monate. Wenn dein Maß voll ist, komme, bekleide dich mit deinem
Gewande
des Glanzes, bedecke dich mit deinem großen Turban des Lichtes 25
und
lege dir deinen prangenden Kranz um das Haupt.“
Dinänukht
sprach: „Ich öffnete meine Augen und hob meine Brauen
hoch.
Ich schaute hin und sah tausend mal tausend Edelleute, die in der
Sonne
standen und über mich weinten, und zehntausend mal zehntausend
Edelfrauen,
die in der Hitze’) des Tages standen und über mich klagten 30
(und
weinten). Da sprach ich zu ihnen: „Gehet, ihr Edelmänner, die ihr
über
mich (klaget und) weinet, gehet, weinet über euch selber, und ihr
Edelfrauen,
die ihr über mich klaget (und weinet), gehet, klaget (und
weinet)
über euch selber. Ihr habt nicht geschaut, was meine Augen ge-
schauet‘),
ihr habt nicht gehört, was mein Ohr gehöret Or 38
Dann
stand Dinanükht auf, rief seine Gattin Nüraitä und sprach zu
ihr:
„Bringe mir diese meine Bücher und verbrenne sie im Feuer und mein
Gedenkbuch
versenke ins Wasser.“
Da
schrie seine Gattin Nüraitä, winselte‘), kreischte und sprach:
„Dinanukht
ist irrsinnig geworden, Dinanükht ist irrsinnig "), dieser Königs- 40
sohn
spricht ohne Verstand.“
in
ei
o
ei
5
1)
Siehe zu dieser Stelle Joh. II, p. 214!, auch Lit. 108, 1; 243, 10.
2)
Leid, hat 7ROUMY. s) Siehe Nöld., p. 63, 3. *) Leid. hat ANMT.
5)
Leid. hat NXOW. s) Leid. hat NXI2 „weinte*. ?) Lies NYW und NONYD.
14*
ın
Io
u
uw
912
Rechter Teil. 212, 18—213, 6
Da
stand Dinanükht auf, verbrannte diese seine Bücher im Feuer und
versenkte
sein Gedenkbuch ins Wasser. Er zog hinaus zu dieser Welt,
rief
den Ruf des Lebens und unterwies Jünger sechzig Jahre, sechzig
Monate
und sechzig Tage. Als das Maß des Dinanükht voll war und er
seinen
Körper verließ, führten sie ihn zum Tore des Hauses des Lebens
empor.
Da sprach Dinanükht: „Öffnet mir das Tor des Hauses des Lebens.“
Da
öffneten sie ihm das Tor des Hauses des Lebens und zogen vor ihm den
großen
Vorhang der Sicherheit in die Höhe. Sie sprangen auf, bekleideten
ihn
mit einem Gewande des Glanzes, bedeckten ihn mit einem großen
Turban
des Lichtes, brachten ihm einen Kranz vom Weinstock Rwaz und
legten
ihn ihm ums Haupt. Dinanukht stand nun am Orte des Lebens, am
Orte,
der ganz Glanz, am Orte, der ganz Licht ist. Er stand da in großer
Kraft‘),
pries das gewaltige Leben und den (Mann), dessen Benennung teuer
und
aufgerichtet ist [213] wie er selber). Und Dinänükht sprach: „Ent-
sprechend
diesem Aufstiege, mit dem ich aufgestiegen bin, sollen alle wahr-
haften,
gläubigen und trefflichen Näsoräer emporsteigen und hingelangen.
Sie
sollen am großen, ersten Lichtorte aufgerichtet und gefestigt werden ’).“
Das
Leben steht fest im Lichte, Manda dHaije wird aufgerichtet in
Siegen,
das Leben ist siegreich über alle Werke.
2)
Wohl RO%NT NND zu lesen. NJD) NÖNT Lit. 267,2 steht in anderem Zu-
sammenhange.
?)
Das ist Mandä dHaije. Sein Name wird ihm selber gleichgestellt.
3)
Siehe oben, p. 196, 17.
IN
EG:
Hr
Siebentes
Buch.
Eine
Sammlung von Weisheitssprüchen, die Johannes dem Täufer in den Mund gelegt
sind.
Für Johannes ist hier die arabische Form Jahjä gebraucht (siehe Joh. II, p.
73), im
Ginzä
nur an dieser Stelle. Danach ist der Traktat erst in islamischer Zeit
niedergeschrieben,
doch
ist es freilich nicht ganz ausgeschlossen, daß die arabische nachher geläufig
gewordene
Form
erst später für die ältere Johänä eingesetzt wurde. Die gehäufte
Zusammenstellung
verwandter
Begriffe (Z. 24; p. 216, 17) und die scharfe Gegenüberstellung von Gegensätzen
er-
innert
an dieselbe Art in der Schilderung der lichten und der finsteren Welt in den
beiden p. 3f.
besprochenen
Traktaten. Doch genügen diese Momente nicht, um das Stück demselben Ver-
fasser
zuzuschreiben, auch nicht die Nennung des Lichtkönigs (p. 214, 3).
Im
Namen des großen Lebens leuchte ihnen '') ihr Sinn, ihr Wissen und
ihre
Kenntnis, sowie mir NN und meiner Gattin NN.
Dies
ist die Weisheit und die Belehrungen, die Jahjä, der Sohn des
Zakhriä,
den wahrhaften und gläubigen Näsoräern kundtat, offenbarte und
mitteilte.
Er sprach: „Wenn du die Kraft dazu hast, sei ein Mann von
erprobter
Gerechtigkeit, der in allen seinen Werken erprobt ist, gleich
einem
Könige, dem die Krone auf dem Haupte aufgerichtet, der Krieg in
der
Welt der Bösen und Lügner führt und die Finsternis und ihre Helfer
niederwirft.
Hast du keine Kraft zum Manne von erprobter Gerechtigkeit,
so
sei ein wahrhafter Nasoräer, gleich dem geordneten Landmanne, der die
Erde
bearbeitet und die Saaten in ihr herausbringt, der den Vollkommenen
ein
Helfer wird, den Männern von erprobter Gerechtigkeit Kraft gewährt
und
an ihren Verdiensten teilnimmt.
Die
Waffe der Männer von erprobter Gerechtigkeit ist Wahrhaftigkeit,
Glaube,
Gradheit, Wissen, Verstand, Weisheit, Kunde, Lehre, Wahrheit, Gebet,
Lobpreis,
Lohn(gewährung), Almosen, Sanftmut, Güte, Demut, Gerechtigkeit,
Wahrhaftigkeit,
Beliebtheit°), Vorsicht, Richtigkeit, Reinheit, Schuldlosigkeit,
Bescheidenheit’),
Barmherzigkeit, Mitgefühl, Nachdenken und Nachsinnen
über
das Leben und wahrhafte Liebe.
2)
Den Gläubigen. 2) Wohl so, nicht „Freundlichkeit“, das p. 214, 27 nicht paßt.
®)
Siehe Nöld., p. XXVII unt.
Io
20
Io
I
uw
20
25
30
35
214
Rechter Teil. 213, 23—214, 14
Das
Erste an deiner Wahrhaftigkeit sei: verfälsche nicht dein Wort
und
liebe nicht Lug und Trug.
Das
Erste an deinem Glauben sei: glaube an den Lichtkönig, daß er
da
ist und in allen Tugenden dasteht.
Das
Erste an deiner Gradheit sei: richte dich selber.
Das
Erste an deinem Wissen sei: sei nicht gemischt ').
Das
Erste an deiner Einsicht?) sei: wirf dich nicht in Schmutz.
Das
Erste an deiner Weisheit sei: treibe keinen Scherz und lache
nicht
[214] über die Vollkommenen.
Das
Erste an deiner Belehrung sei: lehre und erkläre die Worte deines
Herrn.
Das
Erste an deiner Lehre sei: schneide nicht die auf Tugenden hin-
zielenden
Befehle von Seiten der guten Lehrer ab°).
Das
Erste an deiner Wahrheit sei: vertausche nicht dein Wort um
eines,
das nicht dein ist.
Das
Erste an deinem Gebete und Lobpreise sei: liebe keinen Schlaf.
Das
Erste an deiner Frömmigkeit und Güte sei: gewähre Almosen und
Wasser
an die Hungernden und Durstenden.
Das
Erste an deiner Milde sei: nimm keinen Hochmut an, zürne nicht
und
lehne dich nicht auf.
Das
Erste an deiner Demut sei: der Name deines Herrn weiche nicht
aus
deinem Munde.
Das
Erste an deiner Gerechtigkeit sei: halte dich gerecht‘) und nimm
die
Worte der Weisen an.
Das
Erste an deiner Wahrhaftigkeit sei: sage nichts, was du nicht
weißt.
Das
Erste an deiner Beliebtheit sei: sei geehrt bei jedermann.
Das
Erste an deiner Vorsicht sei: kenne deine Rechnung und dann
sprich.
Das
Erste an deiner Richtigkeit sei: begehre und nimm nichts, das
nicht
dir gehört.
Das
Erste an deiner Reinheit sei: wirf dich nicht in Schmutz.
Das
Erste an deiner Schuldlosigkeit sei: halte dich schuldlos und liebe
nichts
Hassenswertes.
Das
Erste an deiner Bescheidenheit sei: überhebe dich nicht über
einen,
der größer ist als du.
!)
Strebe nach Lauterkeit. ?) Siebe oben, p. 6%.
°)
D. h. mache sie nicht unwirksam. Der erste der beiden Sätze enthält offenbar
eine
Mahnung
an den Lehrenden, der zweite an den Lernenden. Aber NND heißt nicht die
Belehrung,
sondern das Wissen, die Kenntnis, die Einsicht, wie es denn zusammen mit
NAT
(R 128,5), ÄDMIND (R 305,9) steht. Hingegen gehört NNYNDOND zu NINDDND
und
bezeichnet die Stellung und Tätigkeit des Lehrers. Man könnte annehmen, daß die
beiden
Wörter irrtümlich vertauscht seien, wenn nicht NND eine Stütze in “NIDN und
NMIINDOND
eine Stütze in NY3NDDND hätte.
4)
Man erwartet 28.
214,
14—215, 6 Siebentes Buch. 215
Das
Erste an deiner Barmherzigkeit sei: sei barmherzig gegen die
Seelen
der Armen und Verfolgten.
Das
Erste an deinem Lobpreise sei: preise den Ort, aus dem du ge-
kommen
bist.
Das
Erste an deinem Nachsinnen sei: der Tag, an dem du deinen
Körper
verlässest.
Das
Erste an deiner Liebe sei: fasse treue Liebe zu den guten Brüdern,
die
in der Liebe zu deinem Herrn wandeln.
Der
Wahrhaftige gleicht einer Wage, die grade gerichtet und an der
keine
Schiefheit ist.
Der
Grade gleicht dem wahrhaften Richter, in dessen Rede keine
Lüge
ist.
Der
Gläubige gleicht dem Landmanne, der säet und gute, schöne
Früchte
hervorkommen läßt.
Der
Wissende gleicht dem tüchtigen Baumeister, der den Bau in aller
Schönheit
baut und einteilt.
Der
Ausgezeichnete‘) gleicht dem Maler, der Bilder in aller Schönheit
malt.
Der
Weise gleicht dem tüchtigen Werkmeister, der jegliches Ding
versteht.
Der
Tüchtiges schaffende, tüchtige Ausgezeichnete‘) gleicht der
leuchtenden
Lampe, die von links nach rechts leuchtet.
Der
Wahrhaftige gleicht einem hohen Berge, den die Stürme nicht
von
der Stelle rücken können.
Der
in Gebet und Lobpreis Erprobte gleicht einem Kaufmanne, der
sich
um Tausende des Gewinnes doppelt und verdoppelt.
Der
Gute, der Almosen darreicht, [215] gleicht dem satten Tische, der
vor
Hungrigen aufgestellt wird.
Der
Sanfte gleicht der süßen, schmackhaften Frucht.
Der
Demütige gleicht dem Wasser, das herunterfällt und sich über
jeden
Ort zerstreut.
Der
Ordentliche?) gleicht dem gepriesenen ........ ®), der arbeitet,
gekrönt
und wohlgeordnet ist‘).
Der
Freundliche gleicht einem Berge mit lieblichen Blumen, Bäumen
und
Duftpflanzen.
Der
Vorsichtige gleicht dem getreuen Turmhüter, der durch alle Be-
stechung
nicht bestochen wird.
Eu
5 Hier steht MNW"D, das identisch mit #apıoaios ist, siehe dazu Joh., p.
XXL.
®2)
Die vorhergehenden Worte „der den Willen seines Herrn nicht abändert“ sind
viel-
leicht
ursprünglich eine Glosse zu NYD, die in den Text hineingeraten ist.
®)
Das dastehende KIN kann nur „Preis“ bedeuten, was nicht paßt. Nach Text
216,12f.
scheint hier ein Baum genannt zu sein, etwa NM, NIWWUN die weibliche Zeder,
siehe
zu R 265, 12, doch paßt dazu INT, TNINT nicht.
#)
Unsicher, siehe auch Zeitschrift für Semitistik I (1922), p. 2.
Io
-
5
30
216
Rechter Teil. 215, 6—216,
Der
Rechte gleicht der rechten Speise, deren Geschmack durch aller-
hand
Früchte recht gemacht ist.
Der
Reine gleicht der hellen, reinen Quelle, die keinerlei Mischung
annimmt.
5
Der Schuldlose gleicht dem polierten Spiegel, in dem alle Gesichter
klar
zu erkennen sind.
Der
Mitleidige, der Mitleid empfindet, gleicht der Sonne, die über
Gute
und Böse leuchtet.
Der
Barmherzige gleicht dem angenehmen Winde, der in alle Türen
ıo
und Fenster weht.
Der
Nachdenkliche, der über das, was ihm bevorsteht, sinnt und nach-
denkt,
gleicht dem Ritter, der im Gefängnisse gefesselt sitzt, aber sinnt und
nachdenkt:
wann werde ich aus meiner Fessel befreit werden?
Ein
jeder, der von wahrhafter Liebe erfüllt ist)), gleicht dem guten
Vater,
der für seine Kinder und Sprossen seinen Besitz vermehrt.
-
in
Auserwählte
und Vollkommene! Seid auf eurer Hut und haltet euch
fern
von List, Unrecht, Trug, Lug, Falschheit, Betrügerei, Schiefheit, Bos-
heit,
Verkehrtheit, Irrtum, Verwirrung, Verdunkelung, Unglauben, Bestech-
lichkeit,
Torheit, Gesang, Schmutz, Hurerei, Verderbtheit, Hochfahrenheit 3,
Hochmut,
stolzem Blick, Trunkenheit, Tanz, Gefangennehmung, Wollust,
Glut,
durch die die Menschenkinder gefangen werden, Neid, Eifersucht,
Eingigkeit,
Haß, Frechheit, Zorn, Erbitterung, Auflehnung, Hurerei, Räuberei,
mit
der rauben, Bedrückungen, mit denen bedrücken, rauben und plündern
die
Bösen, von Schmutz, Befleckung der Körper, Widerspenstigkeit und Ver-
25
achtung, mit der die Bösen sich widerspenstig und verachtend gegen die
Vollkommenen
zeigen.
Erfasset
die Befehle eures Herrn.
2
[0]
[216]
Der Listige gleicht einer Grube, die in List verdeckt ist.
Der
Ungerechte gleicht einem Granatapfel, der von außen ein prangen-
30
des Gesicht zeigt, doch im Innern voll Schimmel ist )
Der
Fälscher gleicht dem Vogel, dem Vogeltier, der seine Genossen
in
das Garn bringt, alle seine Freunde in den Tod wirft‘),
Der
Lügner gleicht dem Feinde, der sich als Freund ausgibt, * der
jegliches
Recht kennt’) und der seine Stimme senkt.
35
Der Betrüger gleicht dem. räuberischen Meere, das die Schiffe, die
auf
ihm sind, raubt.
Der
Böse gleicht dem bitteren Baume, der Früchte mit tötlichem Gift
hervorbringt,
an dem keine guten Früchte sind.
1)
Lies 0597. °) Vgl. Zeitschrift für Semitistik I (1924), p. 180.
°)
Vgl. auch Lit. 218, 2f..
‘)
Lies SMD2 Fansı ID Ban Wondp2 FIDNT NITIRDT.
°*)
Diese Worte sind vielleicht zu streichen.
ä
216,
7— 217,6 Siebentes Buch. 917
Der
Sünder gleicht einem Brunnen, der stinkendes Wasser hervor-
sprudeln
läßt, der Gift und Bitteres hervorsprudeln läßt.
Der
Verworrene gleicht dem Kotziegel, der in Wasser geworfen ist.
Je
mehr du nach ihm suchst, desto stärker wird die Trübung.
Der
Harte gleicht dem Kiesel, der durch alle Feuchtigkeit nicht
weich
wird.
Der
Narr gleicht dem Felsstücke. Mag es auf dich, mag es unter dich
fallen,
es sündigt an dir.
Der
Hochmütige gleicht der prächtigen Platane, die mit ihrem Laube
prangt,
jedoch ihrem Herrn keine Früchte bringt und schenkt.
Der
Empörer gleicht dem geheizten Ofen, der weder ..... noch
wer:
hat").
Der
Bittere‘) gleicht der Alo&, die in Honig fällt und ihn verdirbt.
Der
Wüterich gleicht dem lodernden Feuer, das der Wind dahinträgt.
Der
Weise, der unordentlich ist, ist wie ein Haus ohne Dach.
Der
Weise, der ohne Ordnung ist, ist wie eine Edeldame ohne Kleid.
Der
Weise, der unbescheiden ist, ist wie ein Spiegel, der nicht ge-
glättet
ist.
Der
Weise, der unordentlich ist, ist wie ein Pferd ohne Sattel.
Der
Weise, der unfreundlich ist, ist wie eine Speise ohne Geschmack.
Der
Weise, der nicht schweigen kann, ist wie ein Heer ohne König.
Der
Weise, der unvollkommen ist, ist wie eine Tafel, die nicht ge-
schmückt
ist.
Der
Weise, dessen Worte unrichtig sind, ist wie ein Haus ohne Tür.
Der
Weise, der nicht recht ist, ist wie ein Fluß ohne Mündung.
Der
Weise, der sich nicht fürchtet, ist wie ein Landstück, das nicht
versehen
wird.
Der
Weise, der nicht vorsichtig ist, ist wie ein Schiff ohne Schiffer.
Wenn
der Weise es übermäßig ist’), ist seine Stimme niedergehalten,
[217]
seine Worte heiter, sein Gang ruhig, und sein Gruß kommt zuvor.
Wenn
der Tor es übermäßig ist, ist seine Stimme überlaut, seine
Worte
aufgeregt, wenn er geht, geht er auflehnerisch einher, und beim
Gruße
grüßt er mit den Fingerspitzen.
Wenn
der Weise es übermäßig ist, ist seine Rede richtig, und er ist
ein
Helfer in allen schönen Dingen.
Wenn
der Tor es übermäßig ist, ist seine Rede verlogen, und er ist
ein
Helfer in allen bösen Dingen.
Wenn
der Weise es vollkommen ist, ist seine Rede gerade in allen
1)
Siehe zu dieser Stelle Joh. II, p. 162°.
2)
Der Text hat NND. NÖLDEKE liest Gram. p. 374, 6 07%, vielleicht aus Versehen.
3)
Dies ist wohl hier und in den folgenden Sätzen der Sinn der Worte NN" 72,
nicht
etwa „wenn er in Überfluß lebt“, siehe auch Nöld., p. 463m.
“
in
20
30
35
218
Rechter Teil. 217, 6—218, 2
Abmachungen,
die er trifft, und sein Siegelring ist gegenwärtig‘). Beim
Weisen
ist für alle Vollkommenen die Wohnung hergerichtet und die Tafel
bereitet.
Wenn
der Tor es übermäßig ist, rechnet er mit dem Munde eine
5
Rechnung des Frevels vor und reicht mit den Händen Obolen und Halb-
drachmen
dar?)
Wenn
du mit dem Weisen einen Rechtsstreit hast, so läßt er von
selbst
das Recht gewähren und läßt deine Werke in Ruhe und Frieden
hingehen.
10
Wenn du mit dem Toren einen Rechtsstreit hast, so ist seine Rede
durchbohrend,
seine Stimme hart, und er läßt seinen Hals ans Schwert
kommen.
Der
Weise kommt nicht zur Freude, weil er an Eigenes und Fremdes
denkt.
Der Tor hat die Schlinge um den Hals und tanzt dabei.
15
Wenn du mit einem guten Weisen sprichst, sät er in dich gute, tugend-
hafte
Werke. Wenn du dich an einen Toren wendest, wirst du härter
als
Stein.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie ein Stein, der durch
Öl
nicht weich wird.
20
Die Worte des Weisen an den Toren sind wie ein Spiegel für den
Blinden.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie Regen auf schlechtem
Boden.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie weiße Kleider für den
25
Glasbläser°).
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie Schuhe für den Walker.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie Balsamöl für den Fischer ‘).
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie ein Prachtgewand für
den
Gerber.
30
Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Perlen für eine Sau.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie eine Jungfrau für den
Verschnittenen.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie Feuerkohlen in Wasser.
Die
Worte des Weisen an den Toren sind wie Freudenboten für den
35
[218] Stocktauben.
Läßt
du den Toren hungrig, so beschimpft er dich mit allen Tor-
heiten.
Sättigst du den Toren, so nimm und empfange von ihm unrechtes
Gemurre.
1)
Er ist bereit, seine Abmachungen durch den Siegelaufdruck zu bekräftigen.
®)
Gibt minderwertiges Geld. ®) Der sie doch gleich beschmutzt.
*)
Die Fischer haben einen üblen Geruch, siehe Joh. II, p. 146. FRAENKEL’s Auf-
fassung
der Worte Zeitschrift für Assyriologie XX (1906—1907), p. 448 ob. scheint mir
nicht
richtig.
218,
2— 219, 2 Siebentes Buch. 219
Der
Weise, der sagt: ich brauche mich von den Toren nicht fernzu-
halten,
ist der Erste unter allen Toren und ganz unweise. Der Tor, der
schweigt,
wird zu den Weisen gezählt.
Wer
nicht dein Freund ist, den weihe nicht in deine Handlungen ein.
Wessen
Herz nicht sanft und nicht demütig ist”), den siehe nicht als Edlen an.
Wer
anderen nicht Unrecht tut, braucht nicht zum Prozeß zu gehen.
Wer
ausruft°) und selbst nicht handelt, gleicht dem Schlauch und dem
Eimer,
der einem anderen Wasser füllt und zu trinken gibt.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht einem Manne, der von
häßlicher
Gestalt ist und Gemälde malt, während er sich selber nicht schön
machen
kann.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Walker, der das
Kleid
des Königs gebleicht hat und dem man es dann wegnimmt.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Tauben, der alle
Gesänge
und Lieder nicht hört.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Baumeister, der für
sich
selber keinen Bau aufführt.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Schläfer, der schläft
und
im Traume seinen Feind tötet. Wenn er vom Schlafe aufwacht, hat
er
nichts getan.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Gärtner, der sich
selber
keinen Kranz windet.
Wer
ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Richter, der nicht
sich
selber, sondern nur anderen Recht spricht.
Wehe
denen, die ausrufen und selbst nicht handeln, die anders reden
und
anders handeln. Von außen zeigen sie die Abzeichen des Glaubens,
und
in ihrem Innern sind sie gänzlich verdorben. Denn sie wissen nicht,
was
sie tun.
Wer
den Willen seines Herrn nicht tut, dem ist der Tod näher als
das
Leben.
Die
Vollkommenen sind diejenigen, die ausriefen, hörten und handelten,
die
nicht Lügen strafen, was ihr Mund spricht.
Dies
ist die Rede über die Weisen, die Jahjä, der Sohn des Zakhria,
in
Jerusalem, der Stadt der Juden, lehrte und offenbarte. Jäwar-Ziwä, er
[219]
und alle seine Helfer, machten ihn siegreich.
Das
Leben ist siegreich über alle Werke.
1)
Leid. hat TDINHND) NIMIND-
2)
Wer mahnend ruft, predigt, nicht „liest“, wie Nöld., p. 368 ob. NY? übersetzt.
Fu
in
En
o
35
in
-
in
[S)
°©
Achtes
Buch.
Versuche
der Rühä, die Gläubigen zu verführen ; Warnungen und Ermahnungen Mandä
dHaije's.
Im
Namen des großen, fremden Lebens werde ein Sündenerlasser zu-
teil
mir NN, meiner Gattin NN, meinem Vater NN, meiner Mutter NN ".
Im
Namen des großen, fremden Lebens.
Erhöre
mich, mein Vater, erhöre mich,
erhebe
mich, Großer, Sohn des gewaltigen (Lebens),
unser
Vater, Sohn des Lebens’).
Dies
ist das Mysterium, die Schrift und die Belehrung, womit Manda
dHaije
die Männer von erprobter Gerechtigkeit und alle Stämme Adams
belehrte.
Als
Adam und sein Weib Hawwa da waren, stieg Rüha dQudsa zur
unteren
Erde Sufath®) und zu den unteren Abaddons der Finsternis hinab.
Rühaä
brachte vom Dew Zamür Schmutz und Menstrualblut und band es
Hawwä
an die Hüften. Sie sprach: „Tage, Monate, Stunden, Augenblicke
und
Zeiten sollen kommen, in denen die Männer von erprobter Gerechtig-
keit
getötet und (hier) gehemmt werden, so daß keiner von ihnen zum
Lieht
emporsteigt. Nur Hibil-Ziwa wird emporsteigen, um Erleuchtung und
Lobpreisung
vom Lichte herzubringen.“
Dieses
Mysterium rief aus‘) und ersann Rüha. Doch da kam Hibil-
Ziwä,
erhob den weißen Olivenstab, schlug auf das Wasser und sprach:
„Eine
Zeit, aber auch eine Unterbrechung sei für das, was Rüha ausgerufen
und
ersonnen hat. Am zehnten Tage, am fünfzehnten Tage, am zwanzigsten
Tage,
am (vollen) Monat, im halben Monat°) sollen die Männer von er-
probter
Gerechtigkeit nicht getötet und gehemmt werden.“
')
In AC stehen hier noch die Worte: der diese gute Tat vollbracht hat. NIX ist
wohl
Singular und bezieht sich auf den Mann, der die Schrift hat abschreiben lassen.
°)
Anfang des Gedichtes Lit., p. 147, LXXX. Siehe auch den Anfang des zweiten
Stückes
des folgenden Buches.
°)
Siehe Joh. II, p. 24°. *%) Siehe p. 32%.
?)
Es scheint mir, daß die Zählungen so aufzufassen sind. Über diese Art der
Zählung
bei
Monatstagen, besonders aus dem Phönizischen bekannt, siehe ÜOORE, A Text-Book
of
219,
22—221, 3 Achtes Buch. 221
Alsdann
sprach Jorabba zu Rüha: „Für alles, was du geschaffen hast,
setzt
Manda dHaije') eine Unterbrechung an.“ Da sprach Rüha zu Jorabbä:
„Es
gibt etwas, das ich schaffen will, wodurch alle Welten gefangen ge-
nommen
und die Jünger abtrünnig werden sollen.“
Darauf
ging Rühä und schuf die Pauke, Gesang, Gastmähler und Ab-
fall,
sie schuf [220] Hörner und Bilüre, wodurch alle Welten gefangen
werden.
Dann ging sie hin, trat vor Mandäa dHaije und sprach zu ihm:
„Ich
will sieben Teile essen und du iß einen Teil, und an dem Teile, den
du
ißt, wıll ich auch einen Anteil haben.“
Da
erwiderte ihr Manda dHaije: „O du Blinde, blind im Herzen, Mangel-
hafte,
deren Augen das Licht nicht schauen. Wie willst du sieben Teile essen
und
ich einen Teil, und warum sollst du einen Anteil an dem Teile haben,
den
ich esse?“
Darauf
erwiderte sie ihm: „Mir gehören?) die Nasoräer, die im Besitze
von
Geld und Gut Hochmut annehmen, die bei Gesang, Harfenspiel und
Flöte
Wein trinken, die bei Gastmählern sitzen, während der Boden vor
ihnen
erschüttert wird’), die in meine Gefangenschaft geraten, deinen Namen,
Manda
dHaije, nicht nennen, kein Almosen geben und keine Wohltat üben.
Sie
bringe ich schon in dieser Welt zu Falle und stürze sie in die Marter
dieser
Welt.“
Da
sprach Manda dHaije zu ihr: „Die so handeln, mögen in deiner
Skina
untergebracht werden. Wenn ich Uthras schaffen will, schaffe ich
sie
aus dem großen, weißen Jordan des Lebens.“
Manda
dHaije ruft (den Uthras und) den Jüngern zu und spricht zu
ihnen:
„Euch rufe ich zu, ihr Söhne, die ich groß gezogen habe. Euch
rufe
ich zu, ihr Pflanzen, die ich aus der Mitte der Völker, Grenzen und
Zungen
geschaffen habe. Meine Söhne! Lasset euch durch meine Rede
anspornen,
damit ihr nicht in der heulenden Finsternis zurückgehalten
werdet.
Denn ich sporne euch an und mache euch standhaft in dieser
Welt.
Denn ich weiß in meinem Sinne, daß, je mehr das Zeitalter ab-
nimmt,
desto mehr die Bosheit euch bedrückt‘). Ihr jedoch verharret in
Gradheit
vor mir, damit ich euch aus der Verfolgung der sieben Planeten
erlöse.
Gebet Almosen, rufet den Ruf des Lebens, bekleidet mit Kleidern
und
umhüllet mit Hüllen. Wenn es einen Näsöräer gibt, der nicht das
ganze
Almosen geben kann, so gebe er das halbe Almosen. Er strecke
seine
Hände [221] in Kustä vor mich hin, und ich werde es ihm auf der
Lichterde
voll anrechnen.“
Ferner
belehre ich euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, über
alles,
was bei Jorabba ist, und über die Uthras, die bei ikm sind: Z’hir und
North-Semitic
Inscriptions, p. 55. Bei der Auffassung „in zehn Tagen, in vierzehn Tagen“
usw,
ergibt sich kein passender Sinn.
1)
Mandä dHaij& ist hier mit Hibil-Ziwä identifiziert wie auch sonst.
®)
Lies niony. ) Beim Tanze; wir würden sagen „unter ihnen“.
*)
Siehe auch R 229, 18; 284, 19.
in
-
[e)
15
20
(0?)
°
2)
in
in
(6)
in
[e)
222
Rechter Teil. 221, 3—222, 8
Zıhrün,
B’hir und Bihrün, Tar und Tarwän, Sar und Sarwan, Nsab und
Anan-Nsab,
über den jugendlichen Knaben, der vor ihm in seinem Wagen
sitzt‘),
und über die zwei Lichtbinden, die ihm um das Haupt gelegt sind;
der
Name der einen ist Zihan, der Name der anderen Z’ha-Zihan. Jorabbä
spricht
zu ihnen: „Wer vermag den Ruf des Lebens, der von jeher ertönte,
zu
überwinden?“ Und zur Rüha spricht Jorabba: „Noch ertönt der Ruf
des
Lebens in der Tibil. Noch dringt mir der Ruf des Lebens ins Ohr.
So
lange der Ruf des Lebens in der Tibil ertönt, höre ich das Gemurre des
Hibil-Ziwa.“
Doch ich sage: „Noch ist Hibil-Ziwa aus seinem Zeitalter
nicht
geschieden.“
Ferner
erkläre ich euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit:
„Jedesmal,
da ein Kampf auf der Lichterde stattfindet und die Luft °) in der
Welt
aufleuchtet, verstehet es wohl in eurem Sinne: euretwegen kämpfen
Finsternis
und Licht miteinander und zeigt er’) Merkmale und Zeichen am
Firmament.
Fürchtet euch nicht vor ihm.“
Ferner
erkläre ich euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit:
„Sichert
euch selber, eure Söhne, eure Frauen, eure Nachkommen, euer
Brot
und euer Wasser, und ihr brauchet ihn nicht zu fürchten. Denn noch
sind
der große Jordan des Lebens und Silmai und Nidbai hier. Denn
wären
diese Hüter nicht hier, ........ ‘) die Erde Tibil, so gelänge es
Jorabbäa,
sie und das Firmament übereinander zu stürzen, wie ein Schiff,
das
auf dem Wasser fährt‘). Ja, dreimal am Tage richtet er einen Ruf an
die
Sonne aus dem Hause des Abathur. Einmal beim Gebete des Morgen-
grauens,
einmal beim Gebete der siebenten Stunde, einmal beim Gebete des
Abends‘).
[222] Lasset euch belehren und fürchtet ihn nicht.
Wenn
ihr vom Schlafe aufstehet und das Gebet verrichten wollet, so
iuet
es, wenn ein Schimmer des Glanzes sichtbar wird. Dann betet in der
siebenten
Stunde. Dann, wenn ihr das Abendgebet verrichten wollet, ver-
richtet
es, so lange die Strahlen noch dastehn. Der Mann, der die Strahlen
zudeckt,
nimmt auch eure Gebete in Empfang und bewahrt sie im Schatz-
hause
des gewaltigen Lebens.
Leben
unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den
Männern,
die uns unterweisen. Das Leben steht fest in seiner Skina, das
Leben
ist siegreich.
‘)
Siehe die Vorbemerkung zum zweiten Stück des neunten Buches.
®)
Siehe oben, p. 15°. ®) D. h. Jörabba.
*)
Statt NSONT DNIDN (siehe Text 180,15) muß etwas anderes dagestanden haben.
5)
Lies 99 Sy”. °) Ohne damit Erfolg zu haben.
ESS
Neuntes
Buch.
Im
Namen des großen Lebens werde ein Sündenerlasser zuteil mir
NN
und meiner Gattin NN.
Erstes
Stück.
Die
Schrift wird „Der Umsturz der sieben Sterne“ genannt. Sie enthält eine scharfe
Polemik
gegen die fremden Religionen, die in den trübsten Farben geschildert werden.
Man
findet
darin alle die Scheußlichkeiten und Schmutzereien aufgezählt, die von alters
her die
verschiedenen
Religionen sich gegenseitig vorwerfen. Die falschen Religionen werden von
den
sieben Planeten hergeleitet (vgl. auch p. 134ff.), daher die Benennung der
Schrift. Mit
besonderer
Gehässigkeit wird der christlichen Sekten gedacht. Au? Nerig, den blutigen
Mars,
wird
Abdallah, wie hier Mohammed, Abdallahs Sohn, genannt wird, und die
kriegerischen
Muslims
zurückgeführt, siehe Joh. II, p. 50%. Die Angaben über diese bieten keine
sicheren
Anhaltspunkte
für eine genauere Bestimmung der Abfassungszeit, doch weisen sie auf eine
Zeit
reger Kämpfe im ‘Iräg, vielleicht auch auf anhaltende Kämpfe zwischen den
Byzantinern
und
Muslims hin (vgl. p. 231,14). Dies paßt für die Omaijadenzeit und die ältere
Abbassiden-
zeit.
Die Schrift mag dem achten Jahrhundert angehören.
Dies
ist das Mysterium und die Schrift und „der Umsturz‘) der sieben
Sterne“,
die Manda dHaije auf der Erde Tibil offenbarte und lehrte. Er
gab
sie Hibil, Sitil und Anos, und Hibil, Sitil und Ano$ gaben sie denen,
die
ihren Namen lieben. Er’) offenbarte ihnen über die Mysterien und
Vergehen
der sieben Planeten und den ersten Anhang, den Kewän vor
allen
Sternen des Zornes unter den Söhnen des großen Stammes des Lebens
gewonnen
hat’). Er schuf eine Hülle‘) und verkehrte das Zeichen. Er
1)
Lies NDORDINDT „vom Umsturz? 022% NOW NIONDTIND bezeichnet eben
den
Inhalt bezw. den Titel der Schrift.
2)
Es bezieht sich auf Manda dHaije oder auf Hibil, Sitil und Anoös, die öfter als
Ein-
heit
angesehen werden.
8)
Köwän-Saturn wird sonst vielfach als Gott der Juden angesehen; hier wird das
asketische
Christentum auf ihn zurückgeführt, siehe auch p. 29, 10; 47, 11.
*
Damit ist wohl der rauhe Mantel der Mönche und Anachoreten gemeint.
-
5
20
in
Io
I
in
20
25
30
25
224
Rechter Teil. 222, 17—223, 22
sandte
Lügenpropheten aus, er legte ihnen das Kreuz der Finsternis auf
die
linke Schulter und nahm sie aus ihren Häusern gefangen. Er erschien
ihnen
in der Gestalt des Gesandten und nannte sich den Herrn der Herren,
den
Gott, der am Himmel und auf der Erde Wunderwerke zeigt. Er ließ sich
auf
den Fastern und Fasterinnen nieder, er macht die Männer zu Mönchen und
die
Frauen zu Nonnen und läßt sich auf ihnen nieder. Dämonen, Dews und
Liliths
legen sich zu ihnen, aus den Weibern kommen männliche Dews, aus den
Männern
kommen weibliche Liliths. Sie packen die Körper, töten sie und holen
so
die Seelen aus dem Körper [223] zur Unzeit. Sie lehren sie eine Weisheit
der
Lüge, sie nehmen eine Lichtgestalt an, eignen sich die Rede des fremden
Mannes
an, halten lügnerische Reden und errichten ein Mysterienhaus, in
dem
sie ihre Kulte feiern. Sie legen sich zueinander, nehmen den Samen,
mischen
Wasser vom Jordan mit [Wasser aus?] dem Ozean, frisches und
altes’),
nehmen ...... ‘) von allen Menschenkindern, machen es gleich dem
Pihtä
des fremden Mannes und hemmen so ihre Seelen. Einem jeden von
ihnen,
der stirbt, tun sie Blut, Schmutz und ..... ’) von schwarzem Wasser
und
Öl in den Mund. Gleich meinen Jüngern veranstalten sie für sich eine
Totenmesse
und Gedenkfeier. Sie nennen sich Propheten der Lüge. Sie
erlegen
ihnen ein Fasten von vier Tagen, acht Tagen, zwanzig Tagen mit
Schweigen
auf. Er (Kewän) erlegt ihnen ein Fasten von fünfzig und ein-
undsechzig
Tagen auf.
Die
Männer von erprobter Gerechtigkeit seien davor bewahrt, daß die
Hand
des Kewän, der Rüha, des Christus und der sieben Planeten die Ge-
walt
über sie erhalte.
Auch
ihr, meine Jünger, entbietet den „Propheten“ keinen Gruß und
reichet
ihnen nicht die Hand. Denn während sie noch in ihrem Körper
weilen,
vertrocknet ihre Seele, und ihr Same wird vom Hause des Lebens
abgeschnitten.
Über jeden Jünger, der ihnen einen Gruß entbietet, kommt
der
Zorn vom Leben.
Wohlan,
ich sprach zu euch von Kewän und dem Anhange, den er
unter
den Söhnen des großen Stammes des Lebens gewonnen hat‘). Sie
leiden
Hunger mehr als eine Schlange und dürsten nach Wasser mehr als
eine
Ameise. Wenn ihr Geist stirbt, erlischt er wie Asche, und ihre Seele
stirbt
wie Feuerkohlen.
Wohlan,
ich sprach zu euch von Kewän und dem Anhange, den er
‘)
Es ist zweifelhaft, ob die hier gegebene Ergänzung und Auffassung der Worte
richtig
ist. Sie setzt voraus, daß KPMRTM NIMTINT pl. m. mit Beziehung auf NN sind.
Die
meisten Handschriften haben jedoch NNPYDNM (auch Leid.). Dieses ist fem. sing.,
und
danach
wäre auch N’M7N7) als fem. sing. aufzufassen, wie es auch Nöld., p. 154,11 tut.
Die
beiden
Worte müßten dann Attribute zu XM'27 sein. Dies wäre dann die Substanz, mit
der
sie das Jordanwasser mischen, wobei es sich aber nicht erklären ließe. In NND
ein
Gefäß
zu sehen, in dem sie die Mischung vornehmen, verbietet die Bezeichnung „neu und
alt“.
2)
Statt NTWORTp> hat ein Wort dagestanden, das eine Substanz nannte, aus der
sie
das Pihtä bereiten. ?) Siehe oben, p. 120°.
*)
Der Satz steht nachher noch einmal; an dieser Stelle ist er wohl zu streichen.
223,
22—224, 18 Neuntes :Buch. Erstes Stück. 225
gewonnen
hat. Er und der Anhang, den er gewonnen, nehmen ein Ende
am
Tage des Endes. Nun will ich euch von Samis sprechen und dem An-
hange,
den er gewonnen.
Von
ihm sind die Jazugäer') ausgegangen. Sie machen sich mir, dem
fremden
Manne, gleich. Sie binden sich ihre Bursums?) wie Kreuze auf die
Schultern.
Sie nennen den Namen [224] Jesu. Gleich meinem, des fremden
Mannes,
Pihta und Mambügä nehmen sie das Wasga; gleich der Totenmesse
richten
sie das Dröna her’). Wasser und Feuer verehren sie gar sehr. Sie
essen
vom Toten und sagen, daß Gott ihn getötet habe. Sie schlafen bei
ihren
Müttern und Töchtern. Sie erlegen sich Schweigen auf. Sie nehmen
Kleider
menstruierender Frauen, bekleiden sich und bedecken sich damit
und
sagen: wir verunreinigen uns nicht. Sie kennen ihre eigenen Tollheiten
nicht.
Wenn ihre Weiber ihre Embryonen aus dem Leibe abtreiben, ziehen
sie
ihnen die Haut ab, stellen sie an sieben Brunnen auf, sprengen Tier-
harn
über sie und waschen sie mit einem Flederwisch ab‘).
Von
der Pforte der Jazugäer geht die Pforte der Juden aus. Sie steigen
übereinander,
beschneiden sich und bestreichen sich mit den Händen das
Gesicht’).
Sie nehmen das Blut der Beschneidung und Wasser und spritzen
es
sich ins Gesicht. Das Zugerichtete, wovon sie essen, besprengen sie
mit
jenem Blute. Sie nennen sich Juden, weil sie gesündigt haben, und
Gescheite,
weil sie gescheitert sind‘). Wenn ihr Geist dahinstirbt”), ver-
brennt
man sie im lodernden Feuer.
Von
den beschnittenen, nichtswürdigen Juden gehen alle Völker und
Pforten
der Finsternis hervor. Sie beschmutzen und beflecken sich mit
ihrem
eigenen Schmutz und Menstrualblut. Wer ihre Werke übt, ist für
das
Haus des Lebens ungeeignet. Wer von ihrer Speise ißt, dessen Augen
1)
Siehe oben, p. 135%.
2,
Es sind die daresma, die heiligen Stäbe der Parsen.
3)
Wasgä als kultische Speise der Parsen wird auch in der Vita des heiligen
Giwargis
bei
HOFFMANN, Auszüge aus syrischen Akten persischer Märtyrer, p.96 genannt. Die
Stelle
ist zu übersetzen: „er gab ihm Wasgäa zur Zeit des Mahles.‘“ Das Wort ist
sicher
persisch,
doch konnte mir ANDREAS keine Erklärung dafür geben; HOFFMANN’s Erklärung sei
unmöglich.
Beim Syrer wird außerdem x3)%7 genannt, d.h. draona, drön, das geweihte
Brot
der Parsen (siehe HAuG, Essays on the Parsis?, p. 407, auch BRANDT, Rel., p.
203),
und
hier ist sicher N373y zu 8327 abzuändern. Freilich entspricht dieses mehr dem
Pihtä.
*#)
Siehe zu dieser Stelle NÖLDEKE, Archiv für Religionswissenschaft VII (1904),
p.
341f. NÖLDEKE hält die Lesung NN statt NW für bedenklich, hat aber übersehen,
daß
Godd.
AD tatsächlich diese Lesung bieten. Auch Leid. hat sie. NÖLDEKE erinnert an den
Rinderharn
(Gaomaeza) im zoroastrischen Ritual. NDN) ist wohl ND] „Flügel“, obwohl das
Mandäische
sonst dafür NDIN) hat, siehe Nöld., p. 77%.
5)
Siehe oben, p. 25,12.
%)
NINOIIDNN gibt Draym wieder, doch bedeutet SION im Mandäischen „töricht,
sündhaft
handeln“. Von den oa ist schon im AT. die Rede, vgl. besonders Dan. 11,
33,
35, doch ist das Wort namentlich in neuerer Zeit als Bezeichnung für die
Aufgeklärten
unter
den Juden gebräuchlich.
?)
Lies MR 72.
Lidzbarski,
Ginzä. 15
ei
[e)
15
wa
Io
15
2
in
30
226
Rechter Teil. 224,18—225, 19
schauen
nicht dasLicht. Wer ihnen Freundschaft bezeigt, stirbt eines zweiten
Todes.
Ich
spreche zu euch, meine Jünger, und belehre euch über jegliches
Ding.
Alles, was ihr von den Märkten und Straßen heimbringet, waschet
mit
Wasser und esset es dann. Wer es nicht abwäscht und ißt, wird auf
Eisgeräten
gepeinigt werden.
Wohlan,
ich habe euch über die Pforte der Juden belehrt; nun will
ich
euch von der Pforte des Sternes Libat (Venus) sagen, der andersartig als
alle
übrigen Sterne ist. Von ihr ging Ehebruch, Unzucht und Hurerei hervor.
Von
ihr gingen dreihundertundsechzig Gesänge und Schändlichkeiten') her-
vor,
[225] entstehen böse Geister. Sie veranstalten Gastmähler und Gesänge
und
werfen Gefangenschaft über jeden Ort. Sie verfertigen Pauken und
Harfen
und geben Wollust, Gefangenschaft und Gesang den „Erwählten“°)
der
Rüha. Diese hängen Pauken um ihre Schultern, nehmen Gesang und
Flöten
in den Mund und sprechen damit in schwerem Zorn. Weiber und
Männer,
Große und Kleine geraten dadurch in Glut und Hitze und reiben
sich
auf. Wollust umkleidet sie, und sie stürzen sich in Tanz. Die Hmurthäs
des
Nerig setzen sich in der Gestalt von Affen auf ihre Schultern, lassen
sie
in Tanz hüpfen und werfen sie in Feuerspalten’). Sie umhüllen sie mit
Zauberei
und Wollust, sie werden vom Mysterium der Trunkenheit gefangen
und
wissen nicht, was sie tun.
Dann
kam eine andere Pforte heraus, die Mnunäer‘) genannt wird.
Sie
bekleiden sich mit Rosen, bedecken sich mit Rosen und legen sich
Kränze
der Unzucht und Hurerei ums Haupt. Ihre Brust ist ihnen entblößt
für
Verfehlungen, ihre Seite ihnen aufgeschlitzt zur Schande. Sie nehmen
die
Menschenkinder gefangen und bringen sie zu Falle. Sie werden der
Block
der heldenhaften Männer und der verschlammte Klumpen ) genannt.
Die
Wesen werden durch sie getötet und gehemmt. Sie treiben Zauber
mit
dem ganzen Stamme der Seelen. Durch Zauberei und häßliche Werke
nehmen
sie die Männer aus ihren Häusern gefangen, holen sie von ihren
Frauen
weg und werfen sie in schwere Pein. Sie werden „die Erwählten“
5)
wrondp ist hier wohl in diesem Sinne aufzufassen, nicht im Sinne „Schlingen“,
was
es
auch bedeuten kann, siehe Joh. II, p. 50°.
?)
Mit 012%, einer kultischen Speise der Heiden (siehe oben, p. 21), kann dieses
NY2%3
nichts
zu tun haben. Es ist vielleicht aus syrisch N'22 „die Erwählten‘“ entstellt.
Siehe
auch
Z. 31. i
°)
Der Ausdruck findet sich nur an dieser Stelle; es ist nicht klar, was damit ge-
meint
ist.
*)
Oder Minunäer (XYNIMd, NND). Es könnte aus NYNISND Manichäer entstellt
sein,
doch ist von diesen später die Rede. An die jüdischen DY2D darf man wohl auch
nicht
p.
125f. verweisen.
?)
RIDNDD findet sich nur an dieser Stelle. Es gehört wohl zu X32%% „Schlamm“,
siehe
Joh. II, p. 52*. Der Ausdruck NIINWD NND mag von den Mandäern so verstanden
worden
sein, doch ist damit wohl eine fremde kultische Bezeichnung persifliert.
225,
19— 226, 20 Neuntes Buch. Erstes Stück. 9937
der
Rüha und Christi genannt. Sie führen Gefangene weg, schleppen Beute
fort
und sprechen den Namen des Todes aus‘). Sie bringen heim und ver-
kaufen,
und sie erwerben viel Geld und Gut. Wenn ihr Geist stirbt, kommen
sie
aus den Schlingen, Banden’) und Ketten nicht heraus, und sie sterben
eines
zweiten Todes. Sie werfen Wollust und Gesang der Lüge aus, und
die
Welten und Generationen werden bei ihnen ‚gefangen. Sie sinken in
den
Schlund des Hengstes hinab’).
Wohlan,
ich erzählte euch von der Pforte der Libat, von den Taten,
die
sie in der Welt vollbracht, und von den Sakramenten, den’ sieben
[226]
ersten Sakramenten‘). Sie töten einen Judenknaben, nehmen von
seinem
Blut, backen es in Brot und reichen es ihnen als Speise. Sie träu-
feln
Menstrualblut einer hurenden Nonne in Wein und geben ihn ihnen
aus
einem Becher zu trinken. Der Blick der Menschenkinder darf nicht
auf
sie fallen, und sie lassen sie nicht zuschauen. Sie verdrehen die Werke
des
fremden Mannes. Sie graben ein Becken in die Erde ein, stehlen
Wasser
aus dem Jordan, kochen es mit Feuer, gießen es in das Becken und
lassen
Männer und Frauen splitternackt hinabsteigen. Sie taufen sie im
Wasser
und geben ihnen von jenem Wasser zu trinken. Sie sprechen über
sie
den Namen des Todes, den Namen des Vaters, des Sohnes und des
heiligen
Geistes. Sie taufen sie und sprechen dabei den Namen Christi
über
sie.
Dann
kommt ein anderes Mysterium, welches das Sakrament der
Eselin
mit vier Beinen genannt wird. Am Orte, an dem es ausgesandt
wird,
sehen sie es mit ihren Augen’). Es Wird das schmutzige Sakrament
genannt,
durch das der ganze Stamm der Seelen gehemmt wird. Zu ihnen
gehören
Ehelose und „Heilige“, denen der Same über die Beine hinab-
läuft
und die ihre Kinder im Leibe töten. Sie werden Ehelose und
„Heilige“
genannt, die gefesselt in den Wachthäusern dastehn müssen. Aus
ihnen
gehen die Mönche und Nonnen hervor, die in das große Süf-Meer
versinken.
Sie nennen sich selige Männer und selige Frauen, weil ihre
Seele
in die heulende Finsternis versinkt‘°).
Dann
gibt es eine andere Pforte, die sich den Kopf abschaben, aus
einem
Klotze einen Gott bilden und ihn anbeten. Sie malen die Götter in
ihren
Häusern, und sie, ihre Söhne und Töchter beten sie an. Sie schlagen
1)
An Stelle des „Lebens“ der Mandäer, siehe auch Z. 19. Kaum 8% „des Toten“
d.
h. Christus) trotz p. 229, 8. 2) Siehe oben, p. 104°.
2)
Nach Joh. 180, 10 (II, 178) „nähern sich die unwürdigen Frauen dem Schlunde des
Hengstes“.
Weiterhin heißt es, daß der Name dieses Hengstes Ur, Herr der Finsternis, sei.
Von
demselben Hengst ist vielleicht auch in einem unklaren Zusammenhange R 338,17
die
Rede.
4)
Hier stehen noch die Worte NM VORIINDN, die sinnlos sind. Vielleicht ist
PORIINDN
aus NORTON verderbt und die Worte 87 NORTON fälschlich aus Text Z. 24
hierher
geraten.
3)
Es wird nicht im Verborgenen geübt? Siehe oben, Z. 13.
e)
Im Mandäischen ein Wortspiel.
i5*
un
30
in
Io
20
25
30
35
238
Rechter Teil. 226, 21—227, 22
die
Klapper und treiben Werke der Zauberei, (After)weisheit und Verächtlich-
keit.
Sie liegen bei der Frau während der Menstruation und nennen es die
Hoffnung
des Hauses der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus. Rüuha
spricht
zu ihnen: „Haltet sie nicht für unrein, denn es besteht (über sie)
kein
Verbot für euch.“ Ferner spricht Ruhä zu ihnen: „Ein jeder, dem
Vater
und Mutter oder der erstgeborene Sohn, der ihm teuer ist, stirbt:
setzet
sie in eurem Hause bei und [227] schaffet ihn nicht von euch weg.“
Sie
sagt ihnen ferner ein anderes Mysterium: „Einen jeden Philo-
sophen,
Katholikos, Metropoliten, Bischof, Presbyter und Diakon, der unter
euch
stirbt, setzet in der Kirche bei, verehret sie und betet für sie ') und
bringet
sie aus eurem Bethause nicht heraus. Auch jeden Visitator, Scho-
laren(?),
Vigilienpriester, der von euch scheidet, der in den Wundertaten
Christi
unterrichtet ist, setzet im Altarraume bei und haltet ihn nicht für
unrein.“
Ich
will euch von einer anderen Pforte erzählen, von dem Sakrament
des
Tempels‘), das im Herzen der Menschen brennt und in ihrem Sinne
glüht:
Sieben „Selige“ kommen zusammen, schlafen bei einem Weibe, werfen
Samen
in sie, und sie wird von ihnen schwanger. Alsdann nach sieben
Monaten
schlagen sie auf sie ein und lassen sie abortieren °). Dann nehmen
sie
den Fötus mit der Nachgeburt, dem Blut, dem Kot und der Menstruation
und
bereiten aus dem Mark das Öl der Benediktion. Jenes Mysterium
kochen
sie in Wasser und von den Knochen stellen sie ...... ‘) des Sakra-
mentes
her. Jenes [Sakrament] backen sie mit Mehl und Butter’), tun
Zauberei
und Geilheit hinein, und es wird das Sakrament der Hostie ge-
nannt,
das in den Herzen und Sinnen brennt‘). Ein jeder, der davon ißt,
kann
sein Antlitz zum Hause des Lebens nicht emporrichten und bleibt vor
den
Welten und Generationen verborgen.
Ich
will euch von einer anderen Pforte erzählen, die unter dem Stamme
der
Seelen ihr Unwesen treibt. Aus ihr sind die Mönche und Nonnen
hervorgegangen.
Auf den Bergen, Höhen und Feldern irren sie umher, und
mit
ihrer Gestalt gleichen sie den Dämonen. Splitternackt gehen sie um-
her,
und mit ihrem Haar gleichen sie den stinkenden Ziegenböcken. Ihre
Gestalt
ist häßlicher als die Nacht und fürchterlicher als die heulende
Dunkelheit.
Man
nemnt sie Anachoreten. Sie weiden Grünkraut ab ‘), und von den
1)
Das steht da, nicht „betet sie an“.
°)
Hier steht der Ausdruck NWINP% M12, der für den Tempel in Jerusalem ge-
braucht
wird.
°)
Siehe zu YD5 Joh. II, p. 136°.
*)
Das Wort 07779 steht nur an dieser Stelle. Es scheint zu 77 „trüben“ zu
gehören.
5)
So ist hier vielleicht NIINDIZ, arab. Ruläsa, nach dessen Hauptsinn im
Arabischen
aufzufassen.
°)
Hier wird auf den Doppelsinn des syrischen gmurta. das „Kohle“ und .Hostie“ be-
deutet,
angespielt.
u)
MOIN „sie essen‘ ist wohl nur eine Glosse.
227,
22—228, 20 Neuntes Buch. Erstes Stück. 23939
guten,
schönen Speisen, die Ptahil, der Erbauer des Himmels und der Erde,
geschaffen,
dürfen sie nicht essen. Sie kennen keine Freude; Rühä und
Christus
lassen sie nicht Freude in dieser Welt empfinden. Die Dämonen
flüstern
mit ihnen, und dann sagen sie: „Gott flüstert mit uns; wir wenden
uns
von Gott nicht ab.“ Sie nennen meine Jünger „Wortdeuter“ [228] und
„Verkäufer
von Wassereimern“') und sprechen zu meinen Jüngern: „Ihr
habt
keinen rechten Glauben in der Welt.“ Sie legen auch ihrem Munde
Fasten’)
auf, damit der Name des getöteten Mannes nicht aus ihrer Mitte
verschwinde.
Sie nehmen Staub von einem Toten und tun ihn in alle ihre
Zubereitungen
und Speisen.
Ferner
sprach und erklärte Manda dHaije: „Ein jeder Näsoräer, der
die
Speise Christi ißt am Tage, da sie Fasten einhalten, wird auf Feuer-
geräten
gepeinigt werden. Ferner soll jeder Nasöräer, der am ersten Tage
des
neuen Jahres sich mit Wasser aus dem Jordan wäscht, davon trinkt
und
das Gesicht damit bestreicht®), ein Anteil der Ruühä und Christi sein
und
den Sieben als Anteil zufallen.“
Ferner
erkläre ich euch, meine Jünger, daß da noch eine andere Pforte
ist,
die von Christus hervorgegangen ist. Sie werden Zandige und Mard-
mäne
genannt. Sie säen Samen im Verborgenen und weisen der Dunkel-
heit
ihren Anteil zu. Weiber und Männer liegen beieinander, nehmen den
Samen,
tun ihn in Wein, geben ihn den Seelen‘) zu trinken und sagen, er
sei
rein. Sie rufen Wind, Feuer und Wasser an und preisen Sonne und
Mond.
Wenn ihr Geist stirbt, gleichen sie den Fliegen, die auf einem Topfe
sitzen.
Der Dampf steigt empor und gelangt an sie, sie verlieren ihre
Flügel,
werden getroffen und fallen hinein‘). Sie werden die Auswahl ge-
nannt,
die Mär-Mäni auserwählt hat. Ein jeder Nasoräer, der von ihrer
Speise
ißt, wird in das große Süf-Meer fallen °).
Ich
habe euch von Rühä, Christus und den sieben Sakramenten er-
zählt,
die sie in der Welt geschaffen haben, um den Stamm der Seelen
darin
festzuhalten. Nun will ich euch von einer anderen Pforte erzählen,
t)
Der äußere Sinn der Worte ist sicher. Zu BD NIIWNDD vgl. 00% WD Tar-
güm
zu Eccl. 8,1. Aber die Anspielung ist nicht durchsichtig.
2)
Es scheint, daß hier damit Schweigen gemeint ist, anders wohl p. 50,6. Siehe
auch
p.
224, 19 und R 356.
3)
Der Verfasser hat hier anscheinend einen christlichen Brauch im Auge, wohl die
Flußtaufe,
die Wasserweihe und die Benutzung des geweihten Wassers, wie sie am Epiphanien-
tage,
dem „Großneujahr“, geübt werden. Die ältesten Nachrichten über die
Epiphanienfeier
siehe
bei HOLL, Sitzungsberichte der Berl. Akademie 1917, p. 403ff. Siehe auch
Brandt,
Rel.,
p. 90 unten.
4)
Den Mandäern. 5) Siehe oben, p. 190, 6.
6)
In diesem ganzen Absatz ist von den Manichäern die Rede. Zandiq ist die per-
sische
Bezeichnung für „Ketzer“. Mardmäne ist nach ANDREAS persisch mardman „Men-
schen“,
eine Bezeichnung, die sich sonst für die Manichäer oder einen Teil unter ihnen
nicht
nachweisen
läßt. Die oben genannten Wind, Feuer und Wasser sind drei der fünf manichäi-
schen
Elemente, siehe BOUSSET, Hauptprobleme, p. 231, auch oben, p. 34,5ff. Mit der
„Aus-
wahl“
sind die manichäischen Erwählten gemeint.
un
20
230
Rechter Teil. 228, 20-229, 24
die
Bel geschaffen hat. Sie nehmen die Krone an sich und üben das
Königtum
aus. Aus ihr ist das Buch der Rüha hervorgegangen. Die ganze
Tibil
stirbt dahin und wird getötet. Goldes und Silbers wegen morden sie
und
vergießen Blut. Die Jünger werden dabei hingemordet, und die Näso-
5
räer in die Gefangenschaft geführt. Sie lernen das Buch der Ruha, trinken
das
trübe Wasser und werden von Hochmut gefangen genommen. Sie
lieben
Bildwerke und farbiges Zeug, lieben die Lust der Tibil und sagen:
Wir
wollen sie nicht verlassen, die Tibil vergeht nicht. Einen jeden
[229]
Auserwählten und Vollkommenen, der sie tadelt, trifft Verfolgung und
ı0
Unbill.
Ich
erkläre euch nun, meine Jünger: Ein jeder Näsoräer, der Lohn
und
Almosen des Jäwar') für farbiges Zeug hingibt, weiße Gewänder färbt,
ihr
Aussehen verändert, seine Frau damit bekleidet und sie vor sich hin-
stellt,
wird Schlag um Schlag erhalten, — es gibt nichts, das endlos wäre, — h)
15
vom teuren Licht abgeschnitten werden, in die Wachthäuser der sieben
Planeten
fallen und dem Hause des Abathur nicht nahekommen.
Ferner,
einen jeden, der auf farbigem Zeug sitzt oder sein Haupt
darauf
legt, wird man mit rechtlosem Rechte richten. Ja, ihr meine Jünger,
habet
kein Verlangen nach den Bildwerken und dem farbigen Zeug dieser
2°
Welt, damit ihr nicht vom verborgenen Jäwar abgeschnitten werdet: denn
eine
jede Frau, die im Jordan getauft und mit dem Zeichen des Lebens
gezeichnet
ist und farbige Gewänder trägt, wird auf Feuergeräten gepeinigt
werden.
Ihre Seele wird dünn wie ein Haar auf dem Haupte, Prüfung und
Erzürnung
trifft sie im schwarzen Wasser, und sie stirbt, ohne dann Hei-
25
lung zu finden.
Ich
erzähle euch von dem Rufe, den Bel gerufen, durch den alle
Großen
und Hoffärtigen getötet werden. Nicht faßt man sie an den Händen,
daß
sie von ihnen befreit werden®). «Sie weinen, heulen und zerfließen in
Tränen.
Tagtäglich führen sie Krieg und vergießen Blut, und Verfolgung
30
trifft den ganzen Stamm der Seelen und das große Geschlecht des Lebens.
Immer
wieder bedrücken sie sie und sagen: wir wollen sie von dieser Welt
vertilgen.
Brot essen sie mit dem Schwert. Je mehr das Zeitalter abnimmt,
desto
mehr bedrückt sie die Bosheit‘). Alle Völker, Grenzen und Zungen
beten
sie an. Auch unter den Kindern des großen Stammes des Lebens
35
sind zahlreich die Seelen, die hingehen und sich ihnen anschließen. Sie
fallen
vom Namen des Lebens ab und verehren sie. Sie sagen sich von
Mandäa
dHaije los und bekennen sich zu Abdallah dem Araber und dem
heiligen
Geiste, der ihnen das Mysterium des Todes offenbart hat. Sie gehen
hin
und fluchen dem Namen des Lebens. Aller Schmutz und Schimpf geht
!)
Deren Spende Jäwar befohlen hat.
2)
Siehe oben, p. 75°.
°)
Oder ist 0792 NOINDND in demselben Sinne aufzufassen wie MNTYI NIUNDND
an
der Parallelstelle Text 232, 5: „sie sind nicht imstande, sich von ihnen zu
befreien“?
*)
Siehe oben, p. 221, 30.
229,
24—231.2 Neuntes Buch. Erstes Stück. 231
von
ihnen aus, und sie beschimpfen den Namen des Lebens. Ein jeder,
[230]
der vom großen Stamme des Lebens ist und Abdallah anbetet, wird
keine
Linderung finden. Weil er das Zeichen verdreht und abgeändert hat,
soll
er auf einem Eisgeräte getötet werden. Auch alle Hmurthäs, die von
ihm
(von Nerig) hervorgegangen sind, lassen sich auf den Sklaven und
Sklavinnen
des Abdallah nieder‘). Diese erheben einen Ruf, beten ein
falsches
Gebet und lassen es zum Firmament emporsteigen. Sie leiten ein-
ander
und schmähen die sieben Planeten‘). Nerig spricht zu ihnen: „Es
gibt
keinen Gott, der vornehmer und stärker als ich wäre.“ Er bringt un-
unterbrochen
Schwert, Säbel, Krieg, Mord, Hunger, Pein, Kampf und Ver-
folgung
gegen seine Brüder. In der ganzen Tibil, in ihren vier Ecken,
bringt
er täglich Kriegsgetümmel unter sie. Alle Seelen, die dem Abdallah
[entgegentreten
?]°), bekämpfen sie mit Schwert, Feuer und Flamme. Tag-
täglich
zieht Rüha‘) zum Kampf aus und führt Krieg mit Nerig. Sie spricht
zu
ihm: „Ich habe dir das Buch und die Rede gegeben und das Mysterium
des
Todes dir offenbart. Ich habe dir Geißel und Herrschermacht, Rede
und
Erhörung verliehen. Ich sagte dir, daß alles Licht für dich aufgehen
werde.
Du erklärst deinen Anbetern: ‚Wohlan, ich werde euch zum Para-
diese
emporheben, zum Orte, zu dem eure Augen voller Hoffnung empor-
schauen‘,
dabei stürzest du sie in die untere Seol. Du betörst sie durch
Geißel
und Herrschermacht, Gold und Silber, dann stürzest du sie in die
untere
$eol und bedrückest sie mit Gerät, Fußblock, Folter, Qual, Fesselung
und
Marter. Ich sprach zu dir: Sagtest du nicht: Ich bin der kraftvolle
Gott,
ich will euch das Licht zeigen?*)°) „Auch einen jeden, der zu den
Kindern
des großen Stammes des Lebens gehört und aus ihrer Lehre und
ihrem
Buche lernt, stürzt er in jenen großen Ort der Finsternis hinab.
Ferner:
Die auf die Jagd gehen und Fleisch der Jagd und Tötung
essen,
deren Seele wird durch Schwert und Säbel hingerafft werden. Alle
Frauen,
[231] die sich mit Schleppkleidern °%) und Brokatstoffen aus Gold und
Silber
kleiden”), werden unter Kesseln gefangen gehalten werden. Sie
I)
REN OA) NOINY ist an dieser Stelle zu streichen. Es ist aus Text Z.13 oder
231,25
hierhergeraten. Siehe auch p. 232, 11.
2)
Das soll wohl heißen: sie bestimmen selber ihr Geschick und verwerfen die
Planeten
als
Lenker des Geschickes, vgl. p. 13, 28.
3)
Der Text ist nicht in Ordnung, siehe die Parallelstelle 233, 1, wo der Text
auch ent-
stellt
ist. Mit den „Seelen“ können nur Mandäer gemeint sein.
4)
Bezeichnet wohl das christliche Byzanz.
5)
Das eingeklammerte Stück ist nachher wiederholt und steht dort an der richtigen
Stelle.
6)
Der Sinn des nur an dieser Stelle vorkommenden Wortes ist nur nach der Bedeu-
tung
von WOW „ziehen, herausziehen, hinziehen“ erraten. Das für einige seiner
Bedeutungen
wohl
aus dem Aramäischen entlehnte arabische sömt bedeutet unter anderem: der untere
über
den
Mantel herausragende und sichtbare Teil des Rockes; der auf Schulter und Brust
herab-
hängende
Teil des Turbans; ein über den Hinterteil des Pferdes herabhängender
Schutzpanzer,
dann
auch ein ungefüttertes Gewand und ein Gewand aus Baumwolle.
?)
Leid. hat NWIND-
un
-
5
in
[©]
uw
233
Rechter Teil. 231,2— 232,1
werden
eines zweiten Todes sterben und zum Hause des Lebens nicht
emporsteigen.
Wohlan,
ich habe euch über die Pforte des Bel belehrt und über die
Werke,
die er in der Welt geübet. Nun will ich euch über Sin (den Mond)
und
über den Ruf, den er ausgerufen, belehren. Von ihm gehen die Juden,
die
Abortüs und Abgänge aus, die aussätzigen Männer und Frauen. Er ver-
übt
Böses in der ganzen Tibil samt und sonders. Er nimmt zu und nimmt
ab,
er erhöht und erniedrigt, er bringt in die Höhe und stürzt in die Tiefe ü:
Er
schneidet Maß und Zahl ab’). Er verdirbt die Jahre und verübt Böses
an
den Tagen, Monaten und Jahren. Er verführt den ganzen Stamm der
Seelen.
Hurerische, stinkende Hmurthas kommen heraus und lassen sich
auf
Frauen und Männern nieder. Sie werden Baiwäzigh ‘’) genannt und
waschen
sich mit Wasser‘). Sie stellen einen Priester”) an ihre Spitze,
schlafen
bei ihm, tun Samen in ihn, nehmen jenes Mysterium, backen es
in
einem Kuchen, nehmen es an einer Grenzstelle®), schwören einander und
offenbaren
es einander nicht. Sie werden auch Abortüs und Abgänge ge-
nannt.
Wie sie handeln, handelt man an ihnen. Männer und F rauen, die
von
jenem Mysterium essen, finden keine Linderung und Heilung, und ihre
Augen
schauen nicht das Licht.
Wohlan,
ich habe euch über die Pforte belehrt, die Sin geschaffen,
über
die Werke, die er in der Welt verübt, und über die Verfehlungen,
zu
denen er den Stamm der Seelen verführt hat‘). Sie verführten diesen
und
teilten ihn in verschiedene Parteien.
Über
diese Pforte habe ich euch belehrt, meine Jünger, sowie über
die
Verfehlungen, die er (Sin) in der Welt verübt hat. Nun will ich euch
über
die Pforte belehren, die Nerig gegründet hat, der Abdallah der Araber
genannt
wird, von dem die sieben Gestalten des Zornes hervorgegangen
sind.
Der Stamm der Seelen wird durch ihn getötet, und die ganze Tibil
wird
unter seinen Thron gebeugt. Von ihm kam die Geißel, sie fressen
Herrschermacht
und üben das Königtum aus. Sie ziehen Schwert und Säbel
[232]
und vergießen das Blut der Söhne Adams. Sie bringen Beute heim
!)
Er wirkt entsprechend seiner eigenen Zu- und Abnahme.
?)
Er verkürzt das festgesetzte Lebensalter.
®)
Zu IINYND schreibt mir ANDREAS: „Das Wort ist iranisch namentlich wegen der
Schlußsilbe,
die das mitteliranische Adjektivsuffix öy, älter ey ist, doch läßt sich die
Bedeu-
tung
des Wortes nicht mit Sicherheit bestimmen. Die beiden Anfangssilben sind ein
Kom-
positum,
dessen Vorderglied dai, be die südwestiranische jüngere Form des älteren bay
„Gott“
ist.
Das Hinterglied wwöz läßt verschiedene Deutungen zu. Es kann wäz „Wort‘‘ sein,
dann
wäre
baiwazıy einer, der zum Gotteswort in Beziehung steht, oder wwäz wird als das
iranische
Aquivalent
des altindischen vaja „Kraft“ genommen, dann ist baiwäriy einer, dem Gottes-
kraft
als Eigenschaft zugeschrieben wird. Möglich wäre aber auch, daß baiwäz ein
Personen-
name
ist, dann wäre ein Baiwaziy der Anhänger eines Mannes Namens Baiwäz“
*)
Es ist unsicher, ob mit CD T0D) zu lesen ist. NND) AB paßt nicht.
?)
Auch oben, p. 224, 8 ist von unnatürlich gebärenden Männern die Rede.
°)
Die für Zauberhandlungen besonders geeignet ist.
?)
Leid. hat NOW; siehe auch oben, p. 24, 28.
232,
2—233, 11 Neuntes Buch. Erstes Stück. 233
und
schleppen Gefangene fort, [sie verkaufen,]'’) was sie mit ihrem Golde
nicht
gekauft, mit ihrem Silber nicht erhandelt und mit ihrem Gut nicht
erworben
haben. Sie rauben den Sohn von der Mutter, den Mann von der
Gattin,
den Vater vom Sohne und nehmen ihnen Stärke und Stahl’). Die
Menschen
sind nicht imstande sich von ihnen zu retten, sie weinen, heulen
und
zerfließen in Tränen. Tagtäglich führen sie Krieg und vergießen Blut,
und
Verfolgung trifft den ganzen Stamm der Seelen und das große Ge-
schlecht
des Lebens. Unaufhörlich bedrücken sie sie und sagen: wir wollen
sie
von dieser Welt vertilgen. Brot essen sie mit dem Schwert. Je mehr
das
Zeitalter abnimmt, desto mehr bedrückt sie die Bosheit. Alle Völker,
Grenzen
und Zungen beten sie an. Auch Seelen vom großen Stamme des
Lebens
schließen sich ihnen an. Sie fallen vom Namen des Lebens ab und
verehren
sie. Sie sagen sich von Manda dHaije los und bekennen sich zu
Abdallah
dem Araber und dem heiligen Geiste, der ihnen das Mysterium
des
Todes offenbart hat. Sie gehen hin und fluchen dem Namen des Lebens.
Aller
Schimpf und Schmutz ist von ihnen ausgegangen, und sie beschimpfen
den
Namen des Lebens. Ein jeder, der vom großen Stamme des Lebens
ist
und hingeht, den Araber anbetet, wird keine Linderung finden. Weil
sie
das Zeichen verdreht haben, sollen sie auf einem Eisgeräte getötet werden.
Auch
alle Hmurthäs, die von ihm hervorgegangen sind, lassen sich auf den
Sklaven
und Sklavinnen des Abdallah nieder. Diese erheben einen Ruf,
beten
ein falsches Gebet und lassen es zum Firmament emporsteigen. Sie
leiten
einander und schmähen die sieben Planeten. Nerig spricht zu ihnen:
„Es
gibt keinen Gott, der vornehmer und größer als ich wäre.“ Er bringt
ununterbrochen
Schwert, Säbel, Krieg, Mord, Hunger, Pein, Kampf und
Verfolgung
gegen seine Brüder. In der ganzen Tibil bringt er täglich
Kriegsgetümmel
unter sie. Alle [233] Seelen, die dem Araber Abdallah ent-
gegentreten(?)°),
bekämpfen sie mit Schwert, Feuer und Flamme. Tag-
täglich
zieht Rüha zum Kampf aus und führt Krieg mit Nerig. Sie spricht
zu
ihm: „Ich habe dir das Buch und die Rede gegeben und das Mysterium
des
Todes dir offenbart. Ich habe dir Geißel und Herrschermacht, Rede
und
Erhörung verliehen. Ich sagte dir, daß alles Licht für dich aufgehen
werde.
Du erklärst deinen Anbetern: ‚Wohlan, ich werde euch zum Para-
diese
emporheben, zum Orte, zu dem eure Augen voller Hoffnung empor-
schauen‘,
dabei stürzest du sie in die untere Seol. Du betörst sie durch
Geißel
und Herrschermacht, Gold und Silber, dann stürzest du sie in die
untere
Seol und bedrückest sie mit Gerät, Fußblock, Folter, Qual, Fesse-
lung
und Marter. Ich sprach zu dir: Sagtest du nicht: ‚Ich bin der kraft-
volle
Gott. Ich werde euch das Licht zeigen, werde euch Öl und Honig
zu
essen geben, werde euch mit prachtvollen Gewändern bekleiden, werde
!)
Siehe R 256, 4.
2)
Auch im Mandäischen eine Alliteration. arm ist wohl syrisch hellthä „Scheide“,
siehe
auch R 256, 9 und Lit., p. 182.
®)
Siehe oben, p. 231, 13.
in
ben!
o
[7
oO
234
Rechter Teil. 233, 12—234, 13
euch
jegliche Annehmlichkeit gewähren, und ihr werdet Gutes finden. Es
gibt
keinen Gott, der stärker wäre als ich. Ich will euch schöne Frauen
geben‘?
Warum bedrückest du sie jetzt mit Gerät, Fußblock, Folter, Qual,
Fesselung
und Marter und richtest sie nach einem rechtlosen Rechte? Die
;
Diener des fremden Mannes, gegen die wir das Schwert gezückt haben,
sind
jetzt zu den oberen Lichtwelten emporgestiegen, während wir hier in
der
Finsternis und dem schwarzen Wasser abgeschnitten sind und weder
Linderung
noch Seligkeit finden.“
Der
Araber Abdallah spricht zu seinen Dienern und allen Pforten, die
ıo
sich zu ihm bekannt haben: „Als ich euch mit dem großen Raubzug be-
tört,
die ganze Tibil euch unterworfen, Geißel und Herrschermacht euch ver-
liehen,
die ganze Gottheit unter euch gebeugt und alle Völker, Grenzen und
Zungen
ausgeplündert habe, da habe ich und meine Mutter Rüha euch ge-
meinsam
betört. Ich sagte mir: ‚So wird am letzten Tage mir, dem großen
ı5s
Qados’), meinem Vater, von dem ich gezeugt wurde, und meinem Vater
Leviathan
eine Mahlzeit bereit stehen”). [234] Wohlan, sehet, wie alle Pla-
neten
keine Macht gleich euch hatten und die Diener der Planeten, meiner
Brüder,
euch nicht gewachsen waren und keine Herrschermacht gleich euch
besaßen.
Jetzt, am großen Gerichtstage, findet ihr bei mir keine Aus-
2o
kunft’).. Weil ich euch mit ..... *) und Honig gespeiset, ihr euch mit
wohlriechenden
Kränzen, Blumen und Gewürzen verzärteltet, ich euch in
kostbaren
Gewändern einhergehen, zwischen Himmel und Erde im Zornes-
wagen
umherfahren ließ, euch zu fetten Widdern machte, soll euch niemand
jetzt
aus meinen Händen befreien und erlösen und zum Lichte empor-
25
bringen.“
Ich
habe euch über alle Pforten der Planeten und alle Torheiten be-
lehrt.
Genießet nicht ihre Speise. Eure Hände sollen sich nicht mit Blut
beflecken.
Küsset keinen ungetauften Mund.
Gelobt
sei das Leben und Manda dHaije. Das Leben ist siegreich
30
über alle Werke, und siegreich ist die Gemeinde der Näsoräer.
Und
das Leben ist siegreich.
Zweites
Stück.
Auf
Befehl des großen, gewaltigen Mänä wird von den Söhnen des ersten Lebens?)
aus
dem Piriawis-Jordan ein jugendliches Wesen geschaffen, das „der jugendliche
Knabe“,
1)
Dem Gotte der Juden, siehe oben, p. 25, 8.
®)
Der Verfasser des Stückes hat wohl einmal davon gehört, dab am jüngsten Tage
der
Leviathan zu einer Mahlzeit verwandt werden soll, und hat es auf diese Weise
verdreht.
®)
Kann ich euch nicht helfen.
*,
Das Wort NMDN findet sich nur an dieser Stelle. Oben steht „Öl und Honig“.
Auch
sonst findet sich NWOYN) NWS: Cod. Sab. Paris. 15, f. 45b, 19; Oxf. Rolle F, Z.
1238,
1262.
5)
Oder vom Leben selber, siehe p. 236.
3
234,
14—235,1 Neuntes Buch. Zweites Stück. 235
„der
gerechte, große Einzige“ genannt wird. — Als göttliches Kind genoß im
ausgehenden
Altertum
Harpokrates besondere Beliebtheit und wurde weit über seine ägyptische Heimat
hinaus
verehrt. Semitisch ist die Vorstellung vom Morgenstern, dem vor der Sonne
einher-
gehenden
kleineren Gestirn, als Knaben, dem pxer Phosphorus, siehe ZDMG XXXI (1878),
p.
565; ROSCHER’s Lexikon I, 1, col. 743 und Ditlef NIELSEN, Der dreieinige Gott
],
p.
122f., 232f. Beachtet man nun, wie oben p. 222,2 der jugendliche Knabe vor
Jörabbä,
der
mit Sami$, der Sonne, identifiziert wird, auf dessen Wagen sitzt, so möchte man
in der
Tat
diesen Knaben auf den pxuer Phosphorus zurückführen. Der „jugendliche Knabe“
führt
Lit.,
p. 229,2; 264, 4 den Namen }NEDNN, der sich nicht erklären läßt. Andererseits
wird
R
242,10f. Hibil so genannt, siehe auch Lit. 248,9. Daß Mandä dHaije, als er die
Taufe
empfangen
wollte, dem Johannes als kleiner Knabe NW NT) erschien, sahen wir oben.
Lit.
24,2 finden wir einen NY NTR mit dem merkwürdigen Namen DYPNNDY und R 374,
18
eine „Wolke“ x NOND.
Die
Benennung des Knaben und seines Vaters „der Einzige“ ist wohl soviel wie der
Eingeborene.
Die Bezeichnung eines Gottes als Einzig oder Eingeboren findet sich auch bei
den
Phöniziern: "leovö bei Philo Byblius, siehe BAUDISSIN, Adonis und Esmun,
p. 89. Der
Oeös
novoyevis spielt besonders bei den Orphikern eine Rolle und ist von ihnen zu
den Gno-
stikern
und in die johanneische Christologie gedrungen, siehe WOBBERMIN,
Religionsgeschicht-
liche
Studien, p. 114fi. Den großen, gerechten Einzigen und seinen ebenso benannten
Sohn
finden
wir auch am Anfange des elften Buches. SIOUFFI nennt unter den höheren Wesen
p.
40.46 einen Zahdoyo-Rabbo-Zadiko. — Siehe zu dem Stücke auch Brandt, Rel., p.
291.
Im
Namen des großen Lebens.
Erhöre
mich, mein Vater, erhöre mich,
erhebe
mich, Großer, Sohn des gewaltigen (Lebens),
unser
Vater, Sohn des Lebens’).
Dies
ist das Mysterium und das Buch vom Glanze, der im Mänä lo-
dert,
aus dem die Strahlen des Glanzes hervorgingen, aus dem die inneren
Jordane
kamen. Von ihnen, jenen *) Jordanen, kam der Jordan, der Größte
unter
allen Jordanen. Von jenem Jordan sonderte sich ab und ging her-
vor
die große, verborgene, erste Nitubtä°), (aus der der Herr der Größe,
der
Größte unter allen Uthras, der Vater aller Kundigen,)‘) aus der der
große,
gerechte Einzige, entstand, aus dem die hervorragenden °) Söhne des
ersten
Lebens entstanden, die dastehen und in Lobpreis jenen großen, ge-
waltigen
Mänä verehren und preisen. Er sprach zu ihnen: „Auf, ziehet
hinaus
zum Piriawis-Jordan und zu den Wogen des Wassers, ersinnet
[235]
und rufet hervor einen Sohn, dessen Gestalt nicht vergeht, in dem
1)
Siehe auch p. 220.
2)
Lies }D statt 9.
3)
Eine andere Form für Nituftä, siehe oben, p. 1589.
%)
Dieser, im übrigen unvollständige Satz ist wohl eingeschoben. Vom Herrn der
Größe
ist in diesem Stücke sonst nicht die Rede. Der große, gerechte Einzige ist
identisch
mit
dem großen, gewaltigen Mänä.
3)
NYNWID, siehe oben, p. 215'.
vı
m
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30
3»
in
19}
30
236
Rechter Teil. 235, 1—23
kein
(böses) Sinnen ist, der vielmehr sanft, bescheiden’), schweigsam und
gefällig
ist, der den Uthras, den Söhnen des Lichtes, gleicht.“
Sobald
ich das Wort zu ihnen gesprochen ?), erhoben sie sich in Lob-
preis,
verneigten sich, priesen, verherrlichten, segneten ihn und sprachen
zu
ihm: „Was du sprichst, tritt in Kraft.“
Sie
erhoben sich, zogen zum Piriawis-Jordan und zu den Wogen des
Wassers
hinaus, sie ersannen und riefen hervor den einzigen Sohn, dessen
Gestalt
nicht vergeht, in dem kein (böses) Sinnen ist, den großen, gerechten
Einzigen,
der aus dem großen, gerechten Einzigen hervorging, den das
Leben
durch sein Wort schuf. Jetzt stand fest, weswegen es schuf°).
Das
erste Leben‘) erhob sich dann, verneigte sich und pries jenen
großen,
gewaltigen Mäna und sprach zu ihm’): „Ich habe einen einzigen,
großen,
gerechten Sohn ersonnen und hervorgerufen, der aus dem großen,
gerechten
Einzigen hervorging.“
Dann
sprach er zu ihm (zum Leben): „Geh, bekleide ihn mit einem
Gewande‘)
des Glanzes und bedecke ihn mit guten, reinen Turbanen des
Lichtes.“
Da
kam es, bekleidete ihn mit Gewändern des Glanzes, bedeckte ihn
mit
guten, reinen Turbanen des Lichtes und sprach zu ihm: „Auf, steig
empor
und schaue deinen Vater, der an seinem Orte thront.“ Darauf sprach
er
zu ihm: „Es gibt einen, der größer ist als du und zu dessen Rechten
und
Linken zahlreiche Lichtwesen stehen.“ — „Auf“, sprach es zu ihm,
„schaue
die Skina in der Skina“. — „Da ist die Skinä,“ erwiderte er ihm,
„von
der du mir gesprochen hast“.
Alsdann
kam heraus ein Bote, dessen Name Adakas-Malala ist, vom großen,
gewaltigen
Mänä her und sprach zu ihm: „Was ist dein Name?“ Doch er
wahrte
Schweigen. Zum zweiten Male fragte er ihn und sprach zu ihm:
„Was
ist dein Name?“ Doch er wahrte Schweigen. Zum dritten Male
fragte
er ihn und sprach zu ihm: „Was ist dein Name?“ Darauf erwiderte
er
ihm: „Ich bin der jugendliche Knabe, der gerechte, große Einzige.“
Da
nahm er ihn, liebkoste ihn, führte ihn ein, zeigte ihm die Skinä
in
der Skina und zeigte ihm die gewaltigen Eier’) der Verborgenheit. Er
schaute
die Helligkeit, deren Glanz wundersam, deren Licht kostbar und
!)
Eigentlich „bedürftig‘‘, siehe auch Nöld., p. 150°.
?)
Siehe Nöld., p. 454, 8, auch hier, p. 14%.
°®)
Hier ist wohl eine Lücke. Vielleicht gehört DN’NPNY) noch zum vorhergehenden
Satze:
„und er wurde gefestigt.“
*)
Im Folgenden ist nur vom Leben, nicht von den Söhnen des Lebens die Rede. Es
ist
möglich, daß auch vorher nur das Leben genannt war und die Söhne des Lebens
erst von
einem
Manne eingeführt wurden, der an der Rolle, die hier dem Leben dem Mänä
gegenüber
zugewiesen
wird, Anstoß nahm.
%)
POIRDR) Z. 9 und MoSnom in Z. 11 sind zu vertauschen.
°)
Ursprünglich hat wohl hier wie weiterhin „Gewänder“ gestanden.
?)
Die Schreibung NND5N findet sich auch L 26,1; 27, 8, trotzdem ist wohl Nam
zu
lesen, siehe oben, p. 1512.
235,
23—237,5 Neuntes Buch. Zweites Stück. 237
deren
Gestalt glänzend und erhaben ist. Als er dies schaute, ängstigte er
sich,
erbebte und erschauerte, fiel auf sein Antlitz, betete an und pries.
Darauf
sprach zu ihm der Bote, dessen Name Adakas-Ziwä ist: „Ein
jeder,
[236] der diese Gestalt den Menschen offenbart, die unwürdig sind,
—
es gibt nichts, das endlos wäre, ) — wird das Licht nicht schauen. Wer
jedoch
diese Gestalt im Verborgenen läßt und wahrt, wird Tag um Tag
emporsteigen,
den Lichtort schauen, und von meinem Glanze wird ein Teil
auf
ihm ruhen.“
Da
sprach der jugendliche Knabe zum Boten, dessen Name Adakas-
Malala
ist: „[Ich schaute]*®) den Glanz, der über allem Glanze, das Licht,
das
über allem Lichte steht. Wer hat mir die Blendung’) von den Augen
und
das Fleischstüäck vom Herzen genommen? Wenn du mit dem Leben,
deinem
Vater, sprichst, so sage ihm nicht, was ich sage‘).“ Darauf sprach
er
(Adakas) zu ihm: „Sage dem Leben, deinem Vater, daß es im eigenen
Sinne
sich freue und leuchte um das, was du geschaut hast.“
Alsdann
stieg er (der Knabe) hinab, begab sich hin und fand das erste
Leben,
wie es in der eigenen Skina saß. Da sprach er zu ihm: „Freue
dich
und leuchte in deinem eigenen Sinne um das, was ich geschaut.“ Das
erste
Leben fragte den jugendlichen Knaben: „Was hast du geschaut?“ Da
sprach
er zu ihm: „Ich schaute den Glanz, der über allem Glanze, und das
Licht,
das über allem Lichte steht. Ich schaute die Helligkeit, deren
Glanz
wundersam, deren Licht kostbar und deren Gestalt erhaben ist. In
großer
Zahl stehen ihr tausend mal tausend Lichtwesen zur Rechten und
zehntausend
mal zehntausend Lichtwesen zur Linken.“
Da
stand das erste Leben samt seiner eigenen Skinä’) auf und richtete
Gebet
und Lobpreis an ihn‘). Die Stimme und der Ruf stieg zum großen,
gewaltigen
Mana empor. Als der große, gewaltige Mäna jene Stimme und
jenen
Ruf vernahm, stand er auf und schuf tausend mal tausend Licht-
wesen
zu seiner Rechten und zehntausend mal zehntausend Lichtwesen zu
seiner
Linken. Der große, gewaltige Mana sprach dann zu jenem Boten,
der
vor ihm steht: „Wo ist der jugendliche Knabe? Man hole ihn vor
mich.“
Da erwiderte er ihm: „Wenn du sprichst, tritt es in Kraft.“
Er
ging dann vom Lichtkönig‘) fort, trat vor das erste Leben [237] und
sprach
zu ihm: „Wo ist der jugendliche Knabe? Wohin ist der gerechte,
große
Einzige gegangen?“ Da erwiderte ihm das erste Leben: „Er ging
zu
den anderen Lichtwelten, die hervorgerufen, aber nicht gut hergerichtet
sind.
Sie schickten ihn hin und verpflichteten ihn über sie, daß er sie gut
herrichte.“
Da sprach er zum Leben: „Man hole ihn eiligst.“ Da brachte
es
ihn, nahm ihn und führte ihn vor ihn hinein. Dabei verbeugte ich
DEsielie
p. 79°. ®) Siehe weiterhin.
®),
Vgl. Nöld., p. 147, 6.
4)
Lies NIINONT. 5, Vgl. Lit., p. 4.
6)
An den großen, gewaltigen Mänä.
?)
Ein jüngerer Einsatz an Stelle des großen, gewaltigen Mänä, siehe auch p. 235,
30.
15
(8)
je]
Lı
238
Rechter Teil. 237,5—18
mich’),
pries ihn und sprach zu ihm: „Gesegnet sei der Ort, von dem du
kamest.
Gepriesen, verherrlicht und gefestigt sei der Mann, der dich ge-
schickt
und gesandt hat.“
Er
(der Bote) faßte ihn bei der Fläche seiner rechten Hand, hob ihn
empor
und brachte ihn vor den großen, gewaltigen Mana. Als dieser ihn
erblickte,
liebkoste und küßte er ihn und sprach zu ihm: „Geh und sprich
zu
den Näsoräern, die in der Welt der Finsternis und im schwarzen Wasser
zurückgelassen
sind: Ein jeder Nasoräer, der sich selber das Kusta reicht
gleich
dem großen, gewaltigen Mänä, der bei seiner eigenen Taufe die Hand
hinstreckte,
als er keinen Genossen hatte, wird keinerlei Anteil®) am Hause
des
Lebens haben’). Über einen jeden Nasöräer, der sitzend das Pihta be-
veitet,
wird Verdammnis, Schlag und Plage aus dem Hause des Lebens
kommen‘).
Vielmehr stehe er lange, lange da und bereite es, und dann
sitze
er reichlich, reichlich und ruhe aus.“
Das
Leben wird gepriesen im Lichte, das endlos ist, das Leben ist
siegreich,
und siegreich ist Jäwar-Ziwä und seine Freunde.
!)
Der jugendliche Knabe spricht.
°)
In PN) steckt jedenfalls 03%. Aber DND) ist wohl keine Verschreibung, sondern
ANRION
anon eine Redensart, in der NH) an PNON angepaßt wurde.
®)
Man soll vielmehr einen Priester hinzuziehen.
*)
Siehe auch Lit., p. 70, 81.
Zehntes
Buch.
Diese
Schrift führt den Titel „Das Buch vom Glanze, der im Pihtä lodert‘‘, Ihr In-
halt
ist wieder die Urschöpfung. Am Anfange wohnte der erste Mänä im Pihtä. Das
erste
Leben,
über dessen Beziehungen zum Mänä nichts gesagt ist, war aus sich selber
entstanden,
Wie
im dritten Buche schafft es einen Sohn, den Zweiten, der seinerseits Söhne
hervorruft.
Diese
wollen Welten schaffen. Das Leben beauftragt Jözataq Mandä dHaije, jenem Plane
zuvorzukommen.
Der weitere Verlauf ist durch eine Lücke (p. 242) unterbrochen. Nach
Wiederaufnahme
des Textes erfahren wir, daß Ptahil eine Welt gebildet habe und nun daran
“gehe,
Adam und Hawwä zu schaffen. Er wirft in sie eine Art Geist (77), die Planeten
etwas
von ihrem Mysterium, doch vermögen sie nicht, sie auf die Beine zu bringen. Das
Folgende
ist aus zwei verschiedenen Darstellungen zusammengesetzt, in die noch andere
Stücke
eingefügt sind, und seine Teile widersprechen sich stellenweise. Nach der einen
Quelle
war Hibil herabgesandt, um Adam und Hawwä zu beleben und für sie zu sorgen.
Nach
der anderen war Adakas, der verborgene Adam, hier dessen Seele, in Adam und
Hawwä
gedrungen
und hatte ihnen erst das rechte Leben gegeben. Der Kompilator sucht an einigen
Stellen
die beiden Versionen zu kombinieren. Die Abweichungen in den beiden Quellen
zeigen
sich besonders bei der Schilderung der Herstellung des ersten Gewandes für Adam
und
Hawwä. Die Planeten treten Hibil bzw. Adakas entgegen, doch ohne Erfolg. In dem
Stücke
wird Ptahil und sein Werk verworfen, doch schließt es am Ende mit einer Recht-
fertigung
Ptahils.
Im
Namen des großen Lebens werde Heilung, Sieghaftigkeit und ein
Siindenerlasser
zuteil mir NN, meiner Gattin NN, meinem Vater NN, meiner
Mutter
NN und meinen Kindern NN, NN.
Ferner
werde ein Sündenerlasser allen Priestern und Mandäern zuteil,
die
in diesen Büchern Belehrung suchen.
Im
Namen des großen, fremden Lebens aus [238] den Lichtwelten, des
erhabenen,
das über allen Werken steht.
Dies
ist das Mysterium und das Buch vom Glanze, der im Pihtä lo-
dert),
das in seinem eigenen Glanze°) leuchtete und in seinem Lichte groß
war.
Jener erste Mäna weilte, schuf und wohnte darin. Es glaubte an den
1)
Siehe auch p. 235, 26. 2) Leid. hat NYDN) 12 „in seinem reichen Glanze.“
IS}
in
in
Io
15
2
in
30
Us
nn
240
Rechter Teil. 238, 4—239, 10
Mana,
der darin weilte, es glaubte an den Glanz und das Licht, das darin
war,
es glaubte an den Manä, der darin weilte, dessen Name Sarhabel ist.
Glanz
kam aus dem Pihtä heraus, Licht legte sich über das Pihta und kam
aus
ihm heraus. Er‘) nannte sich Sproß, Glanz und Licht, dessen Glanz,
dessen
Licht von sich aus lodert. Das Tanna erglühte, das Tanna schmolz,
in
dem er war’). Als er über dem Tannä loderte, entstanden die Mamba-
gas”),
entstand die Gemeinschaftlichkeit‘), die ohne Unterbrechung ist. Es
entstand
die Gemeinschaft mit dem Leben, das Leben nahm seinen Wohn-
sitz,
das Leben stellte sich in den Quellen des Wassers auf, die sich daraus
ergossen.
Mit seinem Gebete betete es zu sich selber‘), in denen®) es war,
in
denen es wuchs. Durch sie wurde erhellt und gefestigt, in ihrem Glanze
nahm
Platz der Name der lebendigen Lehre, mit dem er sich bekleidete und
durch
den er gefestigt wurde, sowie der Name des Glanzes und des Lichtes,
das
darin lodert. Es (das Leben) nahm von sich selber Kusta an, eine Kusta,
die
von jeher war, die am Uranfange geschaffen war. Das Leben glaubte
daran,
es war in seiner eigenen Taufe, es glaubte an die eigene Kustä, es
nahm
sie aus der eigenen Hand, es küßte die (eigene) Rechte und sprach
zu
sich: „Ich bin der erste Täufer, der an die Kustä und diese Taufe glaubte.
Ein
jeder, der zu mir hält, an meine Kusta und diese meine Taufe glaubt,
wird
in die Gemeinschaft mit mir eingehen und in meiner S$kma Platz
finden.“
Es ward die Skina des Lebens, die über dem Wasser und dem
lebenden
Feuer ist. Es sprach: „Ich bin das Leben, das aus sich selber
wurde,
aus seinem eigenen Glanze wurde. Es bildete sich aus seiner Ge-
stalt
und stand dort bei sich [239] im Verborgenen ’).“ Sein Glanz leuchtete
daraus
heraus, sein Licht war groß, das es über seinem Glanze und Lichte
reichlich
schuf. Sein eigenes Licht wurde trefflich hergerichtet. Das Leben
ersann
in seinem Innern, im eigenen Gebilde‘), das Leben stellte sich im
Verborgenen
hin, um einen Sohn zu schaffen und ihn zum Genossen für sich
zu
machen. Das Leben wußte, daß der Sohn, den es zu schaffen im Sinne
hatte,
Söhne schaffen werde, daß die Söhne, die er schüfe, ihm raten würden,
andere
Welten zu schaffen, ihm, den das Leben aus seinem eigenen Herzen
sich
als Stütze geschaffen, als sein Abbild hingestellt und in der Skins hat
wohnen
lassen, daß er in Zukunft an andere Welten schreiten werde.
Alsdann
schuf es’) einen Sohn, machte ihn sich zum Genossen, stellte
ihn
im Jordan lebenden Wassers auf, das vom Leben kam, reichte ihm
!)
Oder Es; es bezieht sich auf „Glanz“ wie auf „Licht“.
Sicher
pl ®) Siehe p. 19°.
*)
Unter den Gläubigen, siehe Lit., p. 13°. 5) Siehe p. 66%.
€)
Bezieht sich wohl auf die Quellen.
2)
yYNSD ist hier intransitiv, vgl. Joh. II, p. 66°. Freilich paßt dann DW? nicht,
wofür
wohl DNP oder |DONP zu lesen ist, ebenso Text 239, 3. Im übrigen ist es nicht
ganz
sicher,
wo die Rede aufhört.
®)
Siehe Joh. II, p. 66?, hier p. 146°.
°)
Hier steht, wie auch sonst öfter, irrtümlich der Singular mit Beziehung auf X».
239,
10—240, 14 Zehntes: Buch. 241
Kustä,
bekleidete ihn mit einem Teile seines Glanzes, bedeckte ihn mit
einem
Teile seines Lichtes und ließ ihn bei sich in seiner Skinä jenseits
des
lebenden Feuers Platz nehmen.
Der
Sohn, den es geschaffen, plante, für sich Söhne zu schaffen. Er
schuf
Söhne, bekleidete sie mit einigen von seinen Gewändern, bedeckte sie
mit
einigen von seinen Hüllen, ließ sie in seiner Skina zu seiner Rechten
und
Linken Platz nehmen und reichte ihnen Kusta.
Die
Söhne, die er schuf, planten, andere Welten zu schaffen, und
sprachen:
„Wir wollen uns Welten ') schaffen gleich denen dieses Hauses
des
Lebens.“ Sie traten dann vor ihren hohen Vater, den Zweiten’), und
sprachen
zu ihm: „Gewähre uns, daß wir hingehen und andere Welten
schaffen,
dir eine Pflanzung gleich der dieses Hauses des Lebens pflanzen,
eine
Pflanzung pflanzen und Welten bauen’) und schaffen, gleich wie die
Söhne
des Heils geschaffen und gebildet wurden.“
Ihr
Vater gewährte ihnen aus dem Verborgenen, und sein Erst-
geborener,
der Zweite, und seine Brüder gaben es einem der Söhne des
Heils,
dem ältesten Bruder unter ihnen, die‘) nach dem Bilde der Söhne
des
Heils geschaffen waren’). Er gab ihm‘) Wasser und lebendes Feuer
und
sprach zu ihm: „Geh, schaffe Welten gleich den Söhnen des Heils, wie
du
es [240] im Hause des Lebens gesehen hast.“
Das
Leben sann bei sich nach und sprach so zu Manda dHaije, der
Jozataq
Mandä dHaije genannt wird. Es sprach zu ihm: „Gewähre der
Formung
das Abbild der Herrlichkeit”) «+»x....“ Da erwiderte ihm Mandä
dHaije:
„Du hast mich geschaffen und gefestigt, und ich bin gesonnen, jener
Welt
zuvorzukommen, bevor sie über jene Welt Pläne fassen *und jene
Welt
ordnen. Sie nannten mich den Vorderen, Ersten®), daß ich [vorher?]
in
ihr den Samen säe, in ihr Söhne schaffe, die die Söhne des großen
Stammes
des Lebens genannt werden sollen. Ich will vorher von meinen
Stämmen
hinsenden, die das Leben mir gewähret. Es rief mich, es spornte
mich
über sie an und schuf mir [Stämme]°), daß sie den Ruf des Lebens
rufen,
der wundersamer als die Welt ist, und sich von der Welt der
Finsternis
fern halten.“ Manda dHaije sprach: „Ich will hier früher, als
jene
Welt entsteht, sie in die Gemeinschaft mit dem Leben aufnehmen;
ihre’)
Skinä sei im Hause des Lebens.“
Y)
Lies NDR. 2) Siehe oben, p. 97. ®) Leid. hat NN.
Eee
197.
5)
Die Stelle ist ganz unklar, wohl auch lückenhaft. Ihr Vater ist eben der
Zweite.
6)
Lies FHARNY.
?)
Daß sie gleich dem Abbild der Herrlichkeit sei? Nach p. 242,6 ist Mandä dHaije
selber
aus dem Abbild der Herrlichkeit entstanden. Dahinter ist eine Lücke. Es stehen
dann
noch die Worte „die in die Welt der Finsternis geworfen sind, der bereit ist zu
bilden
hierher.“
Hier war von den Bewohnern der finsteren Welt die Rede, siehe weiterhin.
8*)
Aus Z. 10.
%)
Ergänze NANIW, siehe Text Z. 24.
10)
Lies NAIDW.
Lidzbarski,
Ginzä. 16
20
25
30
in
wı
{6}
wa
u
942
Rechter Teil, 240, 14— 241, 18
Als
Manda dHaije dies sagte, küßte es‘) ihn, reichte ihm Kusta und
sprach
zu ihm: „Kustä erhalte dich heil, Guter, und erhalte heil das Wort,
in
dem du dich geäußert hast’). Ja, ich will von meinen Stämmen bringen,
ae
daß sie in der Welt der Finsternis nicht verurteilt werden, daß
sie
keine Verfehlungen begehen.“
Das
Leben rief Jozatag Manda dHaije, der aus dem Abbild der Herr-
lichkeit
im Verborgenen entstanden war. Es rief Manda dHaije.. nn y>
Er
wählt, pflanzt und führt zum lichten Wohnsitz empor.
Diese
Worte sprach er‘) zu Jozataq Manda dHaije, dann ging er hin
und
schuf eine Welt für die Söhne des Heils®). Die Formung, die der
Zweite
geformt hatte, gab er einem der Söhne des Heils. Er nahm sie und
gab
sie seinem Sohne Ptahil. Dieser kam dann und warf sie in die Welt
der
Finsternis. Er schuf Schöpfungen und bildete Stämme außerhalb des
Lebens,
die des Lebens unwürdig sind. [241] Er wurde „des Glanzes bar,
vom
Lichte abgeschnitten“ °) genannt, er, der die Stämme in der Welt der
Finsternis
abgeschnitten hat, so daß sie abgeschnitten sind.
Nachdem
Ptahil jene Welt geschaffen und Stämme in ihr gebildet
hatte,
richtete und stellte er die Engel des Hauses ‘) auf, daß sie den körper-
lichen
Adam und sein Weib Hawwa in jener Welt der Finsternis verehren
sollen.
Er schuf in ihr Berge, Meere, Vögel, wildes Getier, Fische in den
Meeren,
sowie Früchte, Trauben und Bäume, damit er und sein Weib
Hawwä
essen und sich freuen sollen, damit ihn keine Betribnis befalle.
Von
den Tieren, sowie den Früchten, Trauben und Bäumen werde Adam
und
seinem Weibe Hawwä zuteil, damit er den schönen Körper beruhige.
Nachdem
Ptahil jene Welt geschaffen, baute er seinen Sohn Adam
nach
seiner Gestalt, und nach der Gestalt Adams wurde sein Weib Hawwä
gebaut.
Ptahil warf in ihn (Adam) eine Art Geist von seinem eigenen
Geiste,
und von den Planeten warf ein jeder in ihn etwas von seinem
eigenen
Mysterium. Ptahil und die Planeten, die mit ihm waren, konnten
jedoch
Adam und sein Weib Hawwa nicht aufrichten. Alsdann ging Ptahil
zu
seinem Vater Abathur, nahm einen verborgenen Mänä, den man ihnen‘)
aus
dem Hause des Lebens gab, brachte ihn und warf ihn in Adam und
sein
Weib Hawwä.
Da
flog und kam ein stammbildender Uthra heran, den das Leben zu
ihm
gesandt hatte. Adam erhob seine Augen, Hibil warf auf ihn Glanz),
!)
Die Verba stehen wieder im Singular trotz der Beziehung auf x”.
?)
Siehe oben, p. 95, 4.
°)
Vier Worte ohne Sinn in diesem Zusammenhange: „bei Jäwar sollen sie schwören
(?
Leid. hat 99%) ....“ Hier scheint auch eine größere Lücke zu sein.
*)
Nach dem Folgenden ist es Abathur, von dem vorher die Rede gewesen sein muß.
°)
So, siehe dagegen p. 241,13f.
°)
Siehe oben, p. 194, 24; 209, 34. ?) Siehe oben, p. 15€.
®)
Abathur und Ptahil, siehe p. 109f.
°)
So. 87 ist nicht mit Hibil zu verbinden. Auch sonst steht hier 5397 ohne xt.
241,
18— 242, 21 Zehntes Buch. 243
Adam
nieste und fragte nach dem Leben‘). Ptahil und die Planeten, die
mit
ihm waren, sprachen zu ihm: „Lebe, Adam!“°) Da antwortete ihnen
Adam:
„Im Vertrauen auf den stammbildenden Uthra, der aus dem Hause
des
Lebens zu mir gekommen ist.“ Adam sprach ferner: „Ich bin aus dem
Hause
des Lebens’) gekommen, und das Leben war [mit mir?]. Ich bin
Adakas-Ziwa,
der aus dem verborgenen Orte gekommen ist‘). «xxx» fiel
in
mich und brachte mich her. Dann kommt der gute Bote mir entgegen,
um
mich dorthin hinauszuführen, nach dem Orte, aus dem ich gekommen
bin.“
Alsdann
offenbarte sich Hibil dem Ptahil, als dessen Gedanken sich
verwirrt
hatten und alle seine Werke verdorben waren. [242] Da sprach
Ptahil:
„Wehe, wehe über meine Werke, über die du die Macht erhalten
hast.“
Ptahil verließ dann die Welt, die er geschaffen, und ging zu seinem
Vater
Abathur. Abathur zürnte auf ihn und setzte ihn in den Fußblock
bis
zum Ende der Welten. Dann werden Abathur und Ptahil sich gegen-
seitig
vergeben’).
Dann
erhob sich Adam, verneigte sich und pries den Mann, der ihm
die
Augen geöffnet und ihn auf die Füße gestellt hatte. Adam schaute hin
und
sah alles, was er sah. Adam sah sein Weib Hawwä nackt, und sein
Sinn
schämte sich vor ihr. Dies erfuhr Hibil, da kam er zu Adam, während
er
sich vor seinem Weibe Hawwä schämte. Dann‘) schuf er Adam und
seinem
Weibe Hawwä ein Gewand, womit sie ihre Blöße”) bedeckten.
Ein
jugendlicher Knabe‘°) ließ sich bei Hawwä nieder, während Adam
keusch
bei ihr lebte’). Da sprach Hawwä: „Woher kam der jugendliche
Knabe,
der nicht durch eines Mannes Samen gesät wurde? Der Leib eines 2
Weibes
ist nicht gewachsen, und keine Fülle war ihr? Seine Rede ist an-
genehm,
seine Stimme hell. Hibil bar Adam nennt man ihn, den Sohn
Adams
von Hawwa.“
Hibil
bekam einen Sohn, und sein Name war Sitil, und Sitil bekam
einen
Sohn, und sein Name war Anos.
Alsdann
gab sich Adam dem Nachsinnen hin, er sann über seinen
Vater
Ptahil nach, darüber, was dessen Vater Abathur jenem anbefohlen
hatte,
und darüber, was Hibil in den Sinn Adams und seines Weibes Hawwä
gelegt
hatte. Adam und sein Weib Hawwä erhoben sich dann und legten
das
Gewand ab, womit Hibil Adam und sein Weib Hawwä bekleidet hatte,
die
nach ihrem eigenen Bilde dem Schatze des Lebens glichen.
ı)
Siehe Lit., p. 55.
%,
Vielleicht ist dieses „Lebe!“ allgemein ein Zuruf an den Niesenden, prosit, und
hier
soll
die Entstehung des Brauches erklärt werden.
3)
Leid. hat WW MD ID. +) Siehe p. 109ft.
5)
Kaum x statt NYIN77 zu lesen: dann wird ihnen vom Leben vergeben werden.
6)
Lies 7UT’NM statt INDN. ?) Siehe p. 1328.
8)
Leid. hat N'OND NIDNN.
9)
Verschiedene Berichte über die Geburt Hibils sind im Folgenden nebeneinander
gestellt.
16*
un
-
[6]
-
5
D
oO
S2
un
30
©
wa
I
30
3
in
5
in
an
944
Rechter Teil. 242, 21— 244,6
Als
die neun Monate für Hawwa vollzählig waren, kamen ihr die
Wehen
der Geburt. Da sagten die Welten: „Woher kam Hibil, woher hatte
Hawwä
einen Sohn, der nicht aus dem Samen Adams entstanden ist? Ja,
das
ist ein Wunder zu nennen, das in alle Welten hinausgeht. Es ist ein
Sproß,
[243] der in die Tibil hinausging, sich offenbarte und in die Welt
der
Menschenkinder kam, Gutes für die Einrichtungen der Menschenkinder )
zu
schaffen und die Menschen dorthin zurückzuführen‘), an den Ort, aus
dem
sie gekommmen sind.“
Dann
legte sich Adam hin, gesellte sich seinem Weibe Hawwä, und
sie
empfing von ihm eine doppelte Leibesfrucht, einen Mann und ein Weib.
Sie
war in ihrem Leibe neun Monate, nach dem, was Ptahil über sie ge-
plant,
wie sein Vater Abathur es ihm befohlen hatte. Hawwa gebar dann
ein
Zwillingspaar, einen Mann und ein Weib.
Alsdann
sprach Adakas-Mäna, der aus dem verborgenen Orte ge-
kommen,
in Adam und sein Weib Hawwä gefallen war, Adam und sein
Weib
Hawwä auf die Füße gestellt, ihre Augen erleuchtet, daß sie sahen,
ihre
Füße «++ x», daß sie gingen, ihren Mund geöffnet, daß sie aßen, Adam
die
Macht über die Tiere, über die Früchte, Trauben und Bäume, über die
Vögel
und die Fische im Meer verliehen hatte, die sein Vater Ptahil ihm
als
Nahrung geschaffen, die er Adam zugedacht hatte, — Hibil’) sprach zu
Adam:
„Wohlan, nimm die Wolle dieser Tiere und gib sie deinem Weibe
Hawwä,
damit sie dir ein Gewand mache als Schmuck für deinen Körper
und
den deines Weibes Hawwa, die dein Vater Ptahil dir geschaffen.“
Da
ging Adam daran, schor die Wolle von den Seiten der Tiere, gab
sie
seinem Weibe Hawwä, und sie machte ihm ein Gewand, wie Hibil‘) es
in
den Sinn Adams und seines Weibes Hawwa gelegt hatte. Sie machte
ein
Gewand als Ehrung für ihren Körper. Und er’) bereitete ihnen ein
Lager
und stellte ihnen eine Tafel zum Essen auf.
Da
gingen jene sieben Planeten umher, stellten sich hin und ersannen
Geheimnis,
Gewinke, Haß, Eifersucht und Zwietracht über ihn. Ein Ge-
heimnis
legte sich in ihren eigenen geheimen Sinn, das sie dann in Adam
und
sein Weib Hawwä warfen. Sie sprachen: „Sie sollen nicht die Rede
des
fremden Mannes hören, [244] der hierher gegangen ist, und sollen seine
Lehre
nicht annehmen. Da wir Adam geschaffen haben, trete er hin und
gehorche
uns und unserem Vater Ptahil. Die Stämme Adams sollen hin-
treten
und uns und unseren Vater Ptahil anbeten. Er faßte Liebe zum
fremden
Manne, dessen Rede fremd, der Welt entfremdet ist. Manda dHaije
nahm
Platz in der Schatzkammer des Herzens‘) Adams und in Adakas-
Mänä,
der kam und in ihn gedrungen ist.“
!)
Siehe weiter unten, p. 2483, ®) Lies NN). Leid. hat NII787.
=)
Sa ist hier vom Kompilator eingeschoben, siehe oben, p. 243,20.
*)
Steht für Adakas.,
5,
D. h. Hibil bezw. Adakas. Hinter ybssımı ist ein Wort wie NO”IN ausgefallen.
)
Siehe oben, p. 162, 17.
244,
6—245, 13 Zehntes Buch. 245
Da
sprach Adakas-Mänä zu den Planeten und allen Welten: „Als sie
mich
noch nicht gebracht und in Adam und sein Weib Hawwä geworfen
hatten,
haben eure Mysterien Adam und sein Weib Hawwä nicht aufge-
stellt,
hat er durch den Geist, den Ptahil in ihn geworfen, den sein Vater
ihm
gegeben, dem sein Vater Abathur befohlen hatte, die Augen nicht ge-
öffnet,
auf den Füßen nicht gestanden, den Mund nicht geöffnet und sprach
nicht.
Er hatte keine Macht über die Werke, die sein Vater Ptahil ihm
zur
Nahrung geschaffen hatte. Er lag nicht bei seinem Weibe Hawwä,
und
die Menschenkinder erwachten nicht in der Welt: bis ich, Adakas-
Mana,
aus dem verborgenen Orte kam. Von mir aus verbreiteten sich die
Stämme
in der Tibil. Ich war es, der den Samen in den Uterus der Weiber
säte.
Von meinem Samen bildete sich der Fötus im Leibe der Mutter.
Von
mir bildeten sich die Augen, von den Augen bildete sich das Mark,
vom
Mark bildete sich der Kopf, vom Kopfe aus entstand das Nasenbein ').
Von
mir aus entstand der Mund, vom Munde aus entstand die Zunge, von
der
Zunge aus entstehen die.....°), von mir aus entstehen die Herzen,
und
von den Herzen aus entstehen die Triebe. Diese sind in den Herzen
teils
gute, teils schlechte. Alle Formen, die das Kind im Mutterleibe erhält,
kommen
dem Kinde im Mutterleibe von mir /,vom Mysterium, das die Pla-
neten,
und vom Geist, den Ptahil hineinwarf). Ich ward das Haupt für
alle
Mysterien, ich baute den Körperbau der Menschenkinder, und ich ver-
breitete
den Stamm der Menschenkinder in dieser Welt. [245] Stünde ich
nicht
an der Spitze der Mysterien, wäre ich nicht beim Kinde, so käme
das
Kind nicht aus dem Mutterleib heraus. Denn es läge nicht in der
Macht
der Mysterien und des Geistes, so ich nicht das Kind baute, ihm den
Weg
zeigte und es aus dem Mutterleibe herausbrächte.*“
Alsdann’)
lag Adam zum zweiten Male bei seinem Weibe Hawwä, und
sie
gebar einen Mann und ein Weib. Bei drei Geburten, die sie von Adam
hatte,
waren es drei Männer und drei Weiber, von denen aus die Welt sich
belebte.
Ihr Name ist im Buch der Bücher niedergeschrieben und ausge-
sprochen.
„Wohlan,
am Anfange bin ich gekommen, dann bin ich wieder als
Haupt
zu den Männern von erprobter Gerechtigkeit gekommen‘). Die
Planeten
stehen da°) und tuscheln. Dann schmieden sie einen geheimen
Plan
gegen den Sohn der Glanzwesen, der hierher gegangen ist, dessen
Glanz
nicht von hier, dessen Licht nicht von dieser Welt war‘). Die Pla-
neten
konnten gegen meinen Namen nichts ausrichten, da gingen sie hin
und
schmiedeten gegen einen anderen einen geheimen Plan.“
2!)
Unsicher, siehe Nöld., p. 128, 7.
2)
x2y heißt sonst „Flügel, Arm“; das paßt hier nicht. Leid. hat 0\2%2y. Siehe
auch
oben, p. 133°.
®)
Die Rede des Adakas wird durch diesen Absatz unterbrochen.
*)
Die Stelle ist verderbt; NNOYW ist wohl fälschlich aus Z. 7 in Z. 9 wiederholt.
6)
Lies NONMN.
#)
Dieser Satz ist vielleicht ganz eingeschoben oder abgeändert.
in
-
[6]
D
°
30
in
15
20
25
30
246
Rechter Teil. 245, 13246, 12
„Mein
Name ist: das Haupt Adakas, der verborgene Mana, der aus
seinem
Orte gekommen ist. Nibta (Sproß) ist unser Name’), die Welt des
Gesetzes”)
nennt man mich, Seele nennt man mich, den Beinamen Mana
gibt
man mir, Einlöser der Einlösungen’) nennt man mich, Licht nennt
man
mich, das Stöhnen des Lebens‘) ist unser Name, Tannä ist unser
Name,
Lebendes Feuer ist unser Name. Ich bin mein verborgener Name
aus
dem Hause des Lebens, ich bin Adakas-Ziwa, der aus dem verborgenen
Orte
gekommen ist. Mich brachten meine Brüder, die Uthras, her, die Söhne
des
Lichtes, meine guten Freunde, die sich von dort aufgemacht hatten.
Sie
wurden zu mir gesandt und brachten mich hin. Sie verhängten über
mich
den Tod aus der körperlichen Wohnung, in der ich aufgewachsen bin.
Sie
bekleideten mich mit Glanz und bedeckten mich mit Licht, das mir von
dort
her, aus dem Hause des Lebens, gesandt war. Sie drehten mir die
Stirnlocken
auf dem Haupte, legten mir meine Verdienste über die Schul-
tern’)
und führten mich zum Hause des Lebens hinaus.“
Dann
wurde den Geistern und Seelen der Männer von erprobter Ge-
rechtigkeit
die Gemeinschaft (mit dem Leben) zuteil, denen, die selber ein-
sichtig
waren [246] und bei denen Einsicht schufen, die in dieser Welt,
die
voller Täuschung und Blendwerk ist, wohnen. Adam, den Hibil belehrt
und
ermahnt hatte, sprach: „Heil dem, der bei dieser Ermahnung des Hihil,
Sitil
und Anos feststeht. Die angespornten Männer, die aus dem reinen
Orte
kamen und zum reinen Orte hingehen‘), an denen keine Mischung
mit
den Sünden und Verfehlungen der Tibil ist, wurden bei ihrer eigenen
Reisezehrung,
die aus ihrem eigenen Wohnsitz zu ihnen gelangt ist, die ihr
Vater
ihnen gewährte, aufgerichtet. Sie hatten Gewinn, keinen Verlust.
Sie
aßen nicht vom verzehrenden Feuer dieser Welt, gaben sich damit nicht
ab,
taten nichts von den Werken des Ptahil in der Welt, aßen nicht von
der
Reisezehrung der Menschenkinder, sondern sie waren bei ihrer eigenen
Reisezehrung,
die aus ihrem Wohnsitz zu ihnen gelangt ist, die ihr Vater
ihnen
gewährte, aufgerichtet. Die Täuschung und Schlechtigkeit der Tibil
war
nicht bei ihnen, niemand [von der Tibil?] begünstigte sie‘), und sie
hatten
mit der Tibil nichts gemein. Nein, mögen die Planeten auch gegen
‘)
Das Suffix schwankt in dieser Aufzählung zwischen der 1. sing. und pl., wohl
schon
in
der ursprünglichen Fassung.
?)
Unsicher, siehe weiter unten, p. 2483.
°)
Der Ausdruck findet sich nur an dieser Stelle. Die angegebene Bedeutung (Ablei-
tung
von YD) ist nicht sicher.
*)
NHMY „Stöhnen“ ist in den mandäischen Schriften häufig (R 87,23: 88, Smae
und
sonst), und 07 MN kann kaum anders übersetzt werden. Daß es etwa aus
NY
ANDWN) oder N” MNDND verderbt sei, glaube ich nicht. Freilich ist es unklar,
was
hier
damit gemeint ist.
°)
Aus dem „Kranze der Siege“ oder „Verdienste“, siehe Joh. II, p. 2.
°)
Siehe auch Lit., p. 13, 8.
?)
Zu der hier angenommenen Bedeutung von N’DINI LNID vgl. syrisch NÖND so
und
hebr. DD nW:.
246,
12— 247,16 Zehntes Buch. 947
sie
sein und die Verfolger sie mit Schwert, Feuer und Wasser‘) verfolgen,
so
bleiben sie doch kraft ihrer Wegzehrung, ihres Gewandes und des Lichtes,
das
ihr Vater ihnen verliehen, siegreich, während die Planeten unterliegen.
[So]
ihr euch an diese Worte haltet, fest bleibet, Almosen spendet und euer
Herz
im Glauben [verharrt], wird euch die Gemeinschaft mit dem Hause
des
Lebens zuteil werden; kraft der Ermahnung der drei Männer werdet
ihr
emporsteigen und von der Gemeinschaft mit ihnen nicht abgeschnitten
werden.“
Hibil
sprach zum körperlichen Adam: „O du körperlicher Adam, der
du
dastehst und deine Söhne und Stämme ermahnest, (indem du ihnen
sagest),
daß diese Welt nicht nach dem Wunsche des Lebens geschaffen
wurde,
mögen sie sich fest an deine Worte halten. Denn vom Leben war
ihnen
kein «*x=*+*+°). Diese Welt wurde durch die Verfehlungen [der
Planeten]
geschaffen, und die Planeten stehen da, legen sich auf den Schatz
ihres
Gemütes’) und verleiten die Menschenkinder zur Sünde.
Wenn
wir diese Welt verlassen, wenn uns die Stirnlocken gedreht
werden
und unsere Verdienste vor uns einhergehen, werden mit uns auch
die
wahrhaften und gläubigen Männer hinausziehen, auch die Männer von
erprobter
Gerechtigkeit, gebildet von Fleisch und Blut, die auf unseren Ruf
hörten,
[247] an unserem Namen festhielten, Almosen spendeten und gläubig
im
Vertrauen auf uns aufrecht standen: auch sie werden emporsteigen. Da
wir
ihnen den Pfad ausgetreten, den Grenzstein aufgerichtet und den Weg
geebnet
haben, auf dem es weder Furcht noch Trübsal gibt, werden sie
emporsteigen
und den großen Lichtort und den lichten Wohnsitz schauen,
zu
dem unsere Augen emporblicken.“
Als
die Planeten und Rühä dQudsä hörten, daß Hibil diese Worte an
Adam
und seinen Stamm richtete, als Rühä dQudsa es hörte, zerbrach sie
den
Schatz‘) an ihrem Halse, raufte sich die Locken vom Haupte aus und
sprach:
„Lasset mich diese Welt übernehmen.“ Da sprachen zu ihr die
Planeten
und die Söhne der Planeten’): „..... die Menschen werden gar
sehr
groß, die Menschen werden gewaltig. Soweit es in unserer‘) Macht
steht,
wollen wir handeln, denn wir sind Herren des Willens.“
Als
sie so sprachen, während Hibil und seine Brüder die Lippen über
sie
spitzten, faßte Rühä und die Planeten den Plan, den lügnerischen Christus
zu
schaffen, damit er alle Welten zur Sünde verleite, die Welt unter den
Menschen
in verschiedene Gebiete und Zungen spalte und die Rede im
Munde
der Menschen verdrehe.
%)
Eine Anspielung auf die drei Weltkatastrophen, siehe p. 271.458.
2)
Befehl gegeben oder ähnl.
3)
Ist hier gebraucht wie der „Schatz des Herzens‘, siehe oben, p. 162, 17.
#)
D.h. den wertvollen Schmuck.
>)
unond vor DIN NN ist eine irrtümliche Wiederholung des vorhergehenden
ag,
Auch DIRI%W NN ist wohl zu streichen. Das folgende Ne) steht vielleicht
äuch
irrtümlich da, oder es ist aus nHory verderbt: „Daß nicht etwa die Menschen gar
Behr.
... ‚* 6) Lies WONIONDT.
in
15
30
[957
in
wvı
20
25
248
Rechter Teil. 247, 16248, 15
Als
die Planeten diese Worte sprachen, befand sich Manda dHaije dort
bei
ihnen im Verborgenen, bei ihnen, den Planeten‘). In einem Augen-
blick
kam er heran, richtete das Herz seiner Söhne auf und ließ es auf
seiner
Stütze ruhen. Manda dHaije kam, nahm den Planeten ihren Glanz
und
verdeckte ihn”), nahm ihnen ihr Herz, [entfernte sie aus?] dem lebenden
Feuer,
mit dem sie bekleidet waren, und ließ sie im verzehrenden Feuer,
um
Rede und Erhörung darin zu haben und Gutes darin zu ersinnen. Dann
wurde
es ihnen genommen. Dann wurde Christus, der Sohn der Rüha, ge-
schaffen.
Diese
Worte des Nimüsa, als er in Adam fiel®), [248] rief ich ermah-
nend
und gab sie den Männern von erprobter Gerechtigkeit: „Ihr Männer
von
erprobter Gerechtigkeit! Esset von allen Früchten und Werken, die
Ptahil
für seinen Sohn Adam geschaffen hat, sowie von der Frucht, der
Traube
und dem Baume, den Vögeln, dem Viehgetier und den Fischen des
Meeres
und spendet die milde Gabe. Bevor Nimüsä in Adam fiel, aß Adam
nichts.
Nachdem jedoch Nimüsa in Adam gefallen war, stand er und die
Stämme,
die mit ıhm waren, auf und aßen.
Auch
über alle Gewürze und Früchte, die die Erde hervorbringt, sowie
die
wohlriechenden Blumen und Gewürze, deren Duft dem Nimüsä, der in
Adam
fiel, angenehm ist, sprach Ptahil, daß er an ihnen rieche und es dem
Nimüsä,
den er in Adam gelegt, angenehm sei. Es solle ihm und allen
seinen
Stämmen in dieser Welt nicht um die Früchte, Trauben und Bäume,
die
Vögel, die Fische im Meere und das Viehgetier, Männlein und Weiblein,
die
Ptahil ihm geschaffen, leid sein. Er nahm die Frucht, die Traube und
den
Baum, er nahm Männlein und Weiblein von ihnen, sie lassen [Samen?]
fallen
und tragen Früchte. Von den Vögeln, den Fischen im Meere und
dem
Viehgetier steigt das Männlein auf das Weiblein, dann tragen sie und
gebären.
’)
Vielleicht ist das zweite 73% und das folgende }D im Sinne „von“ aufzufassen
und
zum Folgenden zu ziehen: Von ihnen den Planeten kam er. Vielleicht ist auch das
zweite
7'020 nach D zu streichen. °) Siehe auch Lit., p. 127, 8,
®»)
Hier ist kein Anschluß an das Vorhergehende vorhanden. SD) wird R 46,6 die
Thora
Mosis genannt, es ist also vöpos. Auch R 243, 2; 245,15 kann es im Sinne
„Gesetz“
stehen,
aber hier kann es diesen Sinn nicht haben, sondern hier kann höchstens die auf
das
Gesetz
und das Leben nach dem Gesetze achtende Seele gemeint sein. Danach ist hier
vöpos
vielleicht
mit vos zusammengeworfen. Auch in der Oxforder Rolle G ist XD) in ver-
kehrtem
Sinne gebraucht. Z. 173 heißt es, daß die Dämonen des Nbü den Körper und
NDYDM
des NN verlassen sollen, und Z. 1004 steht NDYS) am Ende einer Aufzählung von
Dämonen.
— Die muslimischen Gelehrten fabeln von einem Namüs, der mit dem Engel Ga-
briel
identisch sein soll. Die Äußerungen gehen auf einen angeblichen Ausspruch des
Waraga
b.
Naufal, des Vetters der Chadiga, zurück. Als diese zu ihm kam und ihm
beunruhigt von
den
Anfällen und Halluzinationen Mohammeds erzählte, erkannte er darin Äußerungen
der
Prophetie
und sagte, auf ihn sei der Nämüs gekommen, der auf Moses zu kommen pflegte
(vgl
SPRENGER, ZDMG XIII, 1859, p. 690ff.). Auch dieses Nämüs hängt zweifellos mit
vönos
zusammen,
und auch da ist das Wort mißverstanden, aber ein Zusammenhang mit der An-
wendung
von NDS) in den mandäischen Schriften liegt kaum vor.
248,
15—24 Zehntes Buch. 249
Heil
dieser Welt! Dem Ptahil-Uthra ist in ihr ein Thron errichtet,
und
er ist der Leiter dieser Welt, die er gebaut und geschaffen hat. Er
brachte
sie nicht in die Gewalt der Rüha und der Planeten und ließ sie
nicht
bei ihnen. Rühä und die Planeten verfolgten diese Welt nicht, und
in
ihr war keine Trübsal. Ja, Ptahil-Uthra ist für die Lichterde bestimmt,
während
Rüha und die Planeten hier in dieser Welt der Finsternis abge-
schnitten
werden und ihre Augen das Licht nicht schauen, sie und alle ihre
Geschöpfe.
Das
Leben steht fest in seiner Skinä, das Leben ist siegreich über
alle
Werke. Deren Vater‘) sieghaft ist, sind selber sieghaft, und sieghaft 10
sind
Hibil, Sitil und Anos.
Und
gepriesen sei das Leben.
in
!)
Nach MIN CD vermute ich YY287.
EI
in
I
in
25
Elites
Buch.
Das
Buch nennt sich „Das Mysterium und das Buch des großen Anös“‘, was ebenso
wie
die ganze Einführung besser zum folgenden Stücke paßt. Im zweiten Teile des
Buches
ist
zwar von Anös (Enös) die Rede, aber hier wird er gerade der kleine Enös (Anöß)
ge-
nannt.
Stellenweise sieht es so aus, als ob es eine weitere Ausführung zum folgenden
Stücke
wäre.
Sein Inhalt zeigt einen solchen Mangel an Disposition und Klarheit, wie er
selbst in
mandäischen
Schriften selten ist. Ich hatte daher die Absicht, dieses Stück unübersetzt zu
lassen.
Ich entschied mich schließlich dennoch für eine Wiedergabe, da es besondere
sprach-
liche
Eigentümlichkeiten aufweist, die zeigen, daß es in einem anderen Kreise als die
son-
stigen
mandäischen Schriften entstanden ist. Es sind yoy als Plural des Demonstrativs
in
dem
häufigen Ausdrucke SINN yoy NYI21) „diese drei Männer“ (nur noch R 286, 22),
die
Präposition
DY „mit“, die Wendung Y 07%) oder } 07%) mit folgendem Partizip, INDY
NDWN
statt NONWY) NDY (doch auch R 296, 5). die zweite bezw. dritte Person Pl.
Imperf.
mit
ausgehendem } statt 71, so PM 257, 14. yny3 251.5, YOYNPN) 251, 12, das
archaische
MPYDINN
262, 7. Bei der Erzählung von den Weltkatastrophen kannte der Verfasser eine
Darstellung,
die uns sonst unbekannt ist.
Am
Anfange des Buches ist wie oben, p. 235f., vom Eingeborenen die Rede, der aus
sich
selber entstanden ist (novoyevjs und adroguns), der einen gleichen Sohn
schafft. In un-
klarer
Darstellung wird von der Geburt weiterer drei Söhne erzählt. Der Einzige wird
auf-
gefordert,
für die drei Uthras, seine Brüder, zu sorgen. Die drei Uthras sind im Folgenden
bald
Hibil, Sitil und Anö$, bald wird Hibil von ihnen getrennt. An die Stelle des
einzigen
Sohnes
wird dann Mandä dHaij& eingeführt. Daran knüpfen sich Ermahnungen Mandä
dHaijes
an
die Gläubigen, der die drei Uthras als Vorbilder hinstellt. P. 256, 24 knüpft
wieder an 253 ob.
an.
Der Vordere, Erste spricht zu den drei Uthras und schickt sie in diese Welt, um
den
Seelen
der Gläubigen beizustehen. Die Planeten treten ihnen entgegen, und sie
versuchen
besonders
Hibil zu umgarnen. Ihre Versuche bleiben ohne Erfolg. Sie fassen nun den Plan,
den
ganzen Stamm zu vernichten. Sie versuchen es erst mit dem Schwert, und ihr
Angriff
zichtet
sich besonders gegen die drei Männer, denen jedoch Mandä dHaije beisteht. Es
scheint,
daß
von den drei Versuchen mit Schwert, Feuer und Wasser (siehe p. 27f., 45f.) der
erste
gegen
Hibil, der zweite gegen Sitil, der dritte gegen Anös gerichtet war, doch ist es
jetzt
verwischt.
Beim Feuer sehen wir p. 261, wie Anö$ an die Stelle Sitils tritt. Anö$ stellt
Betrachtungen
über seine Lage und überhaupt über die Vorgänge in der Welt an. Von p- 263
an
wird er „der kleine Enös“ genannt. Die Bösen wollen dann die Welt durch Wasser
ver-
nichten.
Dabei ist p. 263 das Bruchstück eines Sintflutberichtes in die Erzählung einge-
249,
1—250, 6 Eiftes Buch. Bi
fügt.
Mandä dHaije kommt Enös zu Hilfe und gibt ihm Aufklärung über die Geheimnisse
dieser
Welt und die Werke Ptahils. Von Ptahil sind der Himmel und die Sterne, Feuer,
Wind
und Wasser geschaffen, die Erde mit ihrem Inhalt, dann nach seinem Bilde Adam,
und
nach Rühäs Bild Hawwä. Mandä dHaije verheißt ihm Schutz und Erlösung aus dieser
Welt
und steigt zum Leben empor.
[249]
Im Namen des großen, fremden Lebens aus den Lichtwelten,
des
erhabenen, das über allen Werken steht, werde Heilung, Sieghaftigkeit
und
ein Sündenerlasser zuteil mir NN, meiner Gattin NN, meinen Kindern
NN,
meinen Brüdern NN, meinem Vater NN und meiner Mutter NN.
Das
Leben schuf eine Skina,
und
Glanz ging im hehren Äther auf.
Dies
ist das Mysterium und das Buch des großen Anos, des Sohnes
des
großen Sitil, des Sohnes des großen Adam, des Sohnes der gewaltigen
Uthras
der Herrlichkeit )).
Ein
Sohn des Lichtortes bin ich‘), ein Sohn des lichten Wohnsitzes
bin
ich, der ganz von Uthras bevölkert ist, ein Sohn der Stadt bin ich, die
sanz
Güte ist. — Nach dem Plane der beiden Uthras’), nach dem Ge-
danken‘),
den sie in ihrem Innern hegen, schufen sie den großen, ersten,
einzigen’)
Uthra, der [aus] sich selber entstand. Er nannte sich selbst:
„Ich
bin der Einzige, Große, Gerechte, der aus sich selber entstand.“ Er;
rief
ins Leben und schuf einen geliebten Uthra, damit er ein Unterscheider‘)
sei
für (sich und) seinen Vater, den Gerechten, der aus sich selber ent-
standen
war, damit er über alle Werke unterrichte, die entstehen sollten,
und
Unterweisung vor seinem Vater veranstalte. Er nannte diesen geliebten
Uthra,
den Einzigen, Großen, Gerechten, „Ein Uthra ”, schuf mich“ und ,
einen
anderen Uthra, seinen Sohn, der „der Unterscheider“ genannt wurde‘),
„Einer
schuf mich und Einer rief mich ins Leben“. Von den beiden
Uthras,
meinen Brüdern, die meine Eltern sind‘), führt einer [250] den
Namen
Sarhabel-Ziwä, Sihlün, das gute Licht, der treffliche Ratschläge er-
teilt
seinen Brüdern, die älter sind als er, und auch seinen Brüdern, die
jünger
sind als er, die zusammen geschaffen wurden. Alle drei wurden in
einem
Gewande geschaffen und wurden ein gutes Vorzeichen für die
anderen
Seelen, die sehen werden, daß er'°) wahrhaftig, zuverlässig, sanft
1)
Bezieht sich wohl auf Anös, nicht auf Adam, siehe den Anfang des folgenden
Stückes.
2)
Sprecher ist, wie in der Einführung des folgenden Stückes, Anös.
3)
Hibil und Sitil. !
4)
NMIIRIT, sonst „Nachsicht, Erbarmen“ wird hier vom Verfasser offenbar mit
NYNINY
zusammengebracht.
5) Siehe oben, p. 235.
|
% D. h. NWYNND, eigentlich „klug“, siehe auch oben. p. 5. 21: 31, 17, soll hier
wohl
„Unterweiser‘“
sein, siehe weiterhin.
?)
yamıy ist vielleicht zu streichen, siehe weiterhin.
*)
Man beachte den Widerspruch zum Vorhergehenden.
9)
Siehe p. 145°.
10)
Kaum ein anderer als Sarhabel trotz des Widersinnes.
-
5
in
39
959
Rechter Teil. 250, 6—251, 12
und
trefflich ist. Ein anderer führt den Namen Rahziel, der Rüstige, der
Kleinste
unter seinen Brüdern. Zwei Gewänder liegen für ihn bereit, daß
er
in ihnen bewahrt‘) und in ihnen gedeckt sei vor den Bösen und den
Verderbern,
die ihre Eltern, die sie für mich schufen, zu ihnen senden ”
Es
befahl, ermahnte seinen Sohn und sprach der Vater, jener erste
Glanz,
der sich selber nannte „Ich bin der handelte und Erfolg hatte, der
recht
tat und fest hielt an dem Neste, aus dem er hervorgegangen war?)*.
Er
rief seinen Sohn Z’hir-Smir-Ziwä, der von Sam....... ‘) ein bewahrter
Mänä
war. Er sprach zu ihm: „Auf, versorge deine Uthras, deine Brüder,
die
deine Söhne sind. Versorge sie mit der Zehrung, die ich dir gewährt
habe.
Bekleide sie mit Glanz, bedecke sie mit Licht und lasse sie im Ge-
wande
lebenden Feuers weilen, die drei Uthras, die von außen dorthin
gehen,
um den Ruf des Lebens vernehmen zu lassen. Man wird sie zu-
sammen
aufstellen), ihr Glanz, ihre Rede und ihr Wort sollen zusammen-
passen°).
Sie sollen gefestigt werden, «+++ ihre Gestalt; sie sollen zu-
sammen
leuchten. Schwert, Feuer und Wasser jener Welt sollen sich ihnen
nicht
nahen. Schlechtigkeit, Geheimnis und Winken, die Herren der Not}
drücken
auf sie und auf das Gewand lebenden Feuers, in dem sie stehen
und
bewahrt sind®), doch haben sie keine Unruhe. Auch wegen des Ge-
wandes,
gegen das sie Geheimpläne schmieden und sagen „Wir wollen es
ihnen
wegnehmen“ haben sie keine Macht, es ihnen wegzunehmen, und sie
hindern
sie nicht [251] es anzuziehen.
Der
Große, Erste, der aus sich selber wurde, sprach: „Diesen drei
Uthras
steht es bevor, daß sie hingehen, Stämme gründen und den Namen
des
Lebens und den Glanz des Lebens über jene Welt breiten, in der man
Finsternis
und Tod bei ihnen geschaffen hat. Nicht kennen, nicht kannten
alle
Wesen, die dort sein werden, die beiden Uthras, die außer mir, Manda
dHaije,
eine Welt zu schaffen planen. Ich klärte mich und die Uthras,
meine
Brüder, die meine Söhne sind, auf, die drei Uthras, die für dort be-
stimmt
und dorthin gerufen sind, die dort Licht in der Finsternis schufen,
so
daß Leben im Tode ersteht und sie die Seelen der Erwählten hinaus-
holen,
die für das Haus des Lebens bestimmt‘) und begehrt sind, diese drei
Uthras,
die von hier dorthin, in jene Welt, gingen; sie werden in ihr festen
2)
Lies NIIRBRINYT.
°®)
Das steht da.
?)
Siehe oben, p. 151, 16; 162, 38.
*)
MSDNANY, das nur heißen könnte „wurde zersägt“, paßt nicht. Es ist auch kaum
ein
Beiname des DND. Abänderungen zu RUNINY oder INONNDY helfen nicht viel.
5)
Wohl NANONPN zu lesen, doch vielleicht auch NORM) wie weiterhin.
°,
In dem sinnlosen wmpyb steckt vielleicht eine Form von NW, etwa NYRNWYD
oder
YNMWYN.
”)
Es ist unwahrscheinlich, daß NPN NND Apposition zu den drei vorhergehenden
Nomina
sei; vielleicht ist NND zu lesen.
‘)
Im Texte steht fälschlich „in dem ich stehe und bewahrt bin“.
")
D hat 07PNy? „die gerufen sind“, was auch paßt.
251,
12— 2852, 23 Elftes Buch. 253
Sitz
erhalten‘) und der Gemeinschaft mit dem Hause des Lebens teilhaftig
werden,
sie werden in der Skinä des Lebens festen Sitz erhalten.
Mandä
dHaije ruft auch, spricht und belehrt°) alle seine Freunde. Er
spricht:
„Wohlan, ich belehrte alle Wesen, die sein werden, und alle Seelen
der
Menschenkinder, die dort sein werden: Tod ist dort bei euch in jener
Welt,
in der ihr wohnet. Wohlan, ob des Lebens und?) dieser drei Uthras,
die
von außen dorthin gekommen sind, den Ruf des Lebens vernehmen zu
lassen
und Licht zu schaffen, damit den.Seelen Linderung zuteil werde,
sollen
sie*) durch den Ruf des Lebens gefestigt werden, sie sollen bezeugen
und
preisen; in jener Welt®) der Finsternis sollen sie Linderung finden,
wenn
sie das Gewand der Finsternis verlassen, in dem sie weilten und
wohnten.“
Ferner
sprach Mandä dHaije: „Ich belehrte euch über das Leben: Das
Leben
sandte zu euch Tod und Finsternis, die sitzen und weilen [252] dort
bei
euch in der Welt; bei euch wohnen sie. Tod und Finsternis haben
kein
Licht. Die dortigen Seelen finden, wenn sie den Rumpf der Finsternis,
in
dem sie weilen, verlassen, keine Linderung und schauen nicht das Licht.
Sie
verlassen die Finsternis und werden in der Finsternis, die unter ihnen
ist,
untergebracht.“
Mandä
dHaije sprach so zu allen Wesen, die sein werden. Er sprach:
„All
ihr Seelen, die ihr dort in Finsternis und Tod geworfen seid, warum
wollet
ihr, wenn jener letzte Tag bei euch ist‘), das Behagen der Seelen
der
Männer von erprobter Gerechtigkeit ansehen, die auf den Ruf des Le-
bens
hörten, denen Manda dHaije zurief und sie dann an ihn glaubten und
dureh
ihn gefestigt wurden und an die Rede der drei Männer glaubten?
Manda
dHaije brachte ihnen Glanz entgegen, bekleidete sie mit Glanz und
bedeckte
sie mit Licht. Behagen in Fülle und Seligkeit in Fülle finden sie,
und
ihr Herz freut sich des Behagens, das sie fanden. Ihr werdet da-
stehen‘),
während die Männer von erprobter Gerechtigkeit, mit Glanz be-
kleidet
und mit Licht bedeckt, an euch vorübergehen und zum großen Licht-
ort
emporsteigen. Ihr werdet es ansehen müssen, während ihr in der
Finsternis
dieser Welt untergebracht seid und mit euch selber Mitleid habt.
Ihr
werdet sagen: Warum hörten wir nicht auf die Rede, die man uns zu-
rief,
und zogen nicht auf diesem schönen Wege hinaus, auf dem diese Ge-
rechten
hinausziehen?“ Sie sagen: „Wir müssen dulden, weil man uns ins
Ohr
gerufen und wir nicht hören wollten.“ Ferner sprechen sie: „Wer will
hingehen
und unsere Kinder ermahnen, daß sie nicht (diesseits) zurückge-
halten
werden sollen: Gehet nicht auf diesem unserem Wege, übet nicht
die
Werke, die wir geübet? Denn wir sind hier in der großen Finsternis
2)
Lies INOINPMN”. 2) Lies WORD.
Sy
7 ist wohl zu streichen oder dafür NY) zu lesen.
4)
Bezieht sich auf die Seelen. 5) Lies NOIN2.
6)
Man erwartet ND’RMRYI FNRINT NINIDRI NO.
°%)
Lies NNM’NP).
-
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-_
5
30
35
Io
20
30
3
in
in
un
254
Rechter Teil. 252, 23—254,5
untergebracht.
Höret ihr vielmehr auf die Rede dieser drei wahrhaften und
gläubigen
Männer, bekennet das Leben [253] und bezeuget Manda dHaije.
Diese
drei Männer, die Söhne des großen Stammes des Lebens, ließen den
Ruf
des Lebens vernehmen und bekannten [das Leben]. Auf jenem Wege,
den
die wahrhaften und gläubigen Männer gehen‘), wandelt auch ihr.
Man
läßt uns nicht hingehen und unseren Kindern sagen: Wir sind
in
die böse Finsternis geworfen, und unsere Augen schauen nicht das Licht.
Sie
verschließen die Tore der Finsternis vor uns und lassen uns nicht [hin-
ausgehen?].
Täglich, alltäglich lassen sie Pein und Verhängnis gegen uns
los).
Jeden einzelnen von uns fragen sie entsprechend den Werken und
Lohn(zahlungen)
aus, die wir in dieser Welt, die sie nicht geschaffen, geübt
haben.
Zahlreich sind auch die anderen Seelen der Menschenkinder, die
hier
wie Lampen dahinsterben, als ob sie nie dagewesen wären, und die
niemand
ausfragt. Dann findet auch, weil sie schlechte und häßliche Werke
geübet,
dort in der Welt keine Ausfragung bei ihnen statt. Dort sterben
diese,
ohne ausgefragt zu werden, und werden dort gefesselt. Was sind
eure
Werke, daß ihr nicht wie diese hinsterben sollet, die sterben und zu-
grunde
gehen?“
Manda
dHaije belehrt und spricht über diejenigen, die sterben und zu-
grunde
gehen, über diejenigen, die gefesselt sind und ausgefragt werden:
„Tag
um Tag +++ +» diese [Seelen], die gefesselt sind und ausgefragt werden,
die
der Kaufleute, die Teilhaber von einander sind und unredlich handeln’),
die
Brüder von einander sind und doch Räuber‘) und nicht in Frieden mit-
einander
sprechen: auch ihnen wird es so ergehen. Ein jeder Näsoräer,
der
die Rede des Lebens verläßt und eine andere Rede der Verfehlungen
redet,
der den Weg des Lebens verläßt und den Weg der Finsternis
wandelt:
auch ihnen wird es so ergehen. Die in der Finsternis dastehen
und
deren Seele seufzt, sprechen so zueinander: Bis wann soll ihnen sein
ER
ku
Mandä
dHaije spricht: „Jeden einzelnen fragt man entsprechend seinen
eigenen
Werken aus. Die Näsoräer richtet man ihrem Rechte [254] und
die
Vornehmen ihren Werken entsprechend. Dann treten die Näsöräer hin
und
unterwerfen sich dem Leben, preisen Mandä dHaije und sprechen zu
ihm:
„Wir haben gesündigt und gefehlt infolge der Schlechtigkeit der Engel
dieser
Welt, die bei uns wirkte, Jetzt vergib uns unsere Sünden. Du,
Mandä
dHaije, erlöse uns aus der Finsternis dieser Welt, in die wir ge-
worfen
sind.“
Y)
Lies POIR oder FI.
°)
Lies "DDNW vgl. R 312, 16. TR) ist durch das wiederholte Saw im Folgenden
veranlaßt.
?)
L 93,14 steht I INPNTY neben anderen Lesungen parallel DYY, Dort könnte es
allenfalls,
wie NÖLDEKE Gram., p. 46,8 annimmt, „sich freuen“ heißen, aber hier paßt dieser
Sinn
nicht. Vielleicht hat man RPINTIOND zu lesen, siehe die Var. C.
»
ann für Ftöm auch R 215, 22.
254,
5255, 15 Elftes Buch. 255
Dann
spricht Manda dHaije zu allen Seelen der Näsoräer: „Die') dort
in
die Finsternis geworfen sind und nach mir rufen, die mit dem Zeichen
des
Lebens gezeichnet wurden, aber den Weg des Lebens verließen und
im
Namen der Ruhä und des Christus zum Jordan hinabstiegen — wer soll
ihnen
ihre Sünden erlassen? Jedoch die anderen Seelen, die in den Ver-
fehlungen
der Rüha und des Christus wandelten [und mit dem Zeichen der
Rüha
und des Christus] nicht gezeichnet wurden, weil sie Almosenspende
und
Wohltat in dieser Welt übten, dulden ihren Werken entsprechend, die
sie
in der Welt übten, weil sie mit dem Zeichen der Rühä und des Christus
nicht
gezeichnet wurden. Diese Seelen dieser Vornehmen und Nasöräer und
aller
Pforten, die mit dem Zeichen der Rüuha und des Christus gezeichnet
sind
und die Götter dieser Welt bekennen — Rühä und Christus sprechen
zu
allen Pforten: „Ja, ich lasse euch zum Paradiese emporsteigen. Wenn
ihr
aus eurem Körper scheidet, werdet ihr dort hingehen und Gnade finden.“
Doch
Manda äHaije spricht zu ihnen: „Da ist die Finsternis, in die ihr ge-
worfen
seid?) und nun nach mir rufet. Da ist das Paradies, auf das ihr
hofftet.
Jetzt sind da eure Häuser: die Finsternis, in die ihr geworfen seid,
ohne
daß jemand euch aus ihr in die Höhe bringen kann. Tag um Tag,
Jahre
um Jahre und Monate um Monate siechen eure Seelen dahin und
werden
in jener Finsternis, in der ihr stehet, festgehalten, bis zum Tage,
dem
Gerichtstage, bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung.
Ferner,
an jenem Tage, da Himmel und Erde enden, wo Erde und
Himmel
eure Häuser waren, in denen die Planeten [255] wandeln: sie ver-
fallen
alle. Rüha und Christus, Sonne, Mond und die Planeten nehmen alle
ein
Ende. Auch die Menschenkinder, die Ruha, Christus und den Gott‘)
bekannten‘),
nehmen mit Rüha ein Ende. Sie nehmen ein Ende am großen
Tage
des Endes «+++» und mit Ruha, die euch das Geheimnis des Todes
offenbarte.
Nach dem Tode gehet ihr dahin und fallet in die Finsternis.
Ich
rief euch zum Leben, an dem der Name des Todes nicht ist. Ich rief
euch
zum Lichte, an dem keine Finsternis ist. Ich rief euch zu: „Bekleidet
euch
mit Glanz und bedecket euch mit Licht und ziehet hinaus auf dem
Wege
des Lebens. Ich will euch auf dem Pfade hinausführen, an dem der
Name
des Todes nicht ist, der Name der Finsternis nicht ist.“ Doch ihr
hörtet
nicht auf mich, und die Rede der Uthras gefiel euch nicht. Auch
die
Menschenkinder, die vom Stamme der körperlichen Adam und Hawwa
sind,
die auf den Ruf des Lebens horchten, an ihn glaubten und sich durch
ihn
belehren ließen, die auf den Ruf dieser drei Männer horchten und bei
ihrer
Rede ...... 5), die den Tod haßten und das Leben liebten, die Finsternis
2)
Vorher ist wahrscheinlich etwas ausgefallen, wohl „die Seelen“.
?)
Leid. hat AanmYrN, doch siehe weiterhin.
s)
Var. „die Götter“,
4)
Leid. hat NIYMN7.
5)
Jan „verbreiten“ paßt nicht; vielleicht hat MIIRWN) „und fest blieben“ dage-
standen.
un
-
ta
19)
ur
oO
o
vi
[e}
in
°
in
°
ww
256
Rechter Teil. 255, 15—257, 4
haßten
und das Licht liebten, sich mit Glanz bekleideten und mit Licht be-
deckten,
steigen auf dem großen Wege des Lebens empor; sie kamen und
fanden
das Leben’). Auch sie riefen euch den Ruf des Lebens ins Ohr,
doch
ihr hörtet nicht darauf. Ihr nun, ihr Söhne Adams und Hawwäs,
warum
hörtet ihr nicht auf ihre Worte und gehet nicht den Weg des Le-
bens,
den die Gerechten gehen? Jetzt kommet ihr auf dem Wege, den ihr
liebtet,
zu eurem Gotte, der euch in die Irre führte. Worauf setztet ihr euer
Vertrauen?
Diese anderen Seelen (die) sterben, nehmen ein Ende, ver-
gehen
und verlöschen gleich einer Lampe, die in jener Welt [256] der
Finsternis
wohnten, und eine Ausfragung findet bei ihnen nicht statt.“
Manda
dHaije spricht und erklärt den Männern von erprobter Ge-
rechtigkeit:
„Diese Seelen, die einen Mord begehen und das Blut eines
Adamssohnes
auf die Erde vergossen haben, diejenigen, die Gefangene
machen‘),
die verkaufen, was sie nicht mit ihrem Golde gekauft, nieht mit
ihrem
Besitze erworben und nicht mit ihrem Handel erhandelt haben, die
hingehen,
die Häuser der Freien zerstören und diese zu Sklaven und die
freien
Frauen zu Mägden machen, die Seelen der ehebrecherischen Männer
und
der ehebrecherischen Frauen, die von Herrschermacht zehren und keine
Wohltat
üben, die den Vater züchtigen und den Sohn freisprechen, die
ihnen
Stahl und Stärke nehmen, ohne daß sie ihnen entgegentreten können,
so
daß ihre Seele über sie betrübt ist — alle Seelen, die die häßlichen
Werke
der Engel geübt, nehmen alle ein Ende, alle Götter und ihre Schaaren
nehmen
ein Ende.“
Auch
festigte der Vordere, Erste, der aus sich selber entstanden war,
die
drei Uthras, segnete sie und festigte sie und festigte den geliebten Sohn,
den
Unterscheider, den Ersten, der aus ihm entstanden war, und sprach
zu
diesen drei Uthras: „Ich segnete euch mit einem Segen, wie die Eltern
(mit
ihm) ihre Kinder segneten. Gehet in jene Welt, führet dort ihren
Prozeß
und sprechet rein die Seelen, die von hier dorthin geholt wurden.
Man
brachte sie in jene Welt der Finsternis, in der der Tod herrscht.
Sprechet
rein und holet hinaus’) diejenigen Seelen von ihnen, die gerufen
und
begehrt sind, die auf die Rede des Lebens hören, durch Mandaä dHaije
gefestigt
werden, auf eure Rede hören, mit dem Glanze und Lichte des
Mandä
dHaije hinausziehen und im Hause des Lebens gefestigt werden.
Euch,
drei Uthras, wird Hibil, euer ältester Bruder, Recht sprechen und ur-
teilen
[257] in jener Welt. Denn der älteste Bruder ist (wie) der Vater.
Er
wird das Haupt, er wird der Richter über die Richter dieser Welt sein.
Sie
rufen ihm zu: ‚Woher ist dieser Kiesel über uns gekommen‘), die da-
stehen
und uns in dieser unserer eigenen Welt erzürnen?‘ |Er ist] das
)
Wohl NIWNY zu lesen. 877 ist schwerlich Subjekt.
?)
PANWY ist zu streichen, siehe hierzu und zum Folgenden Text 232 ob.
®)
Lies POINMN.
*)
Der Kiesel ist ein Bild besonderer Härte, siehe oben, p. 217,5. Damit sind hier
die
Dämonen
gemeint.
257,
4—258, 8 Elftes Buch. 257
Haupt
unseres Stammes in dieser Welt, dessen Rede, Laut und Wort er-
hört
werden.“
Der
Erste spricht zu den drei Uthras: „Gehet und kehret zurück zur
Skına,
aus der ihr hervorgegangen seid, zu dem, was das Leben euch ge-
schaffen,
dem Palaste des Glanzes und der Kammer des Lichtes. Ihr werdet
siegreich
hinausgehen, wenn eure Werke vollendet sind. Euer Antlitz wird
in
Freude leuchten, ihr werdet in der Skinä des Obersten der Glanzwesen
sitzen,
dessen Licht mehr als die ganze Welt leuchtet, der die Könige ‘)
überragt,
die über jene Welt eingesetzt wurden). Gehet jetzt dahin, mit
Glanz
bekleidet und mit Licht bedeckt, eure Stirnlocken seien euch auf
dem
Haupte gedreht, und ihr werdet das Haupt des Stammes des Lebens
genannt
werden, aus dessen Skina ihr die Seelen holet, die mit dem Rufe
des
Lebens zu dem Gemache emporsteigen werden, das ich euch gebaut
habe.
Alle Seelen, die an es (das Leben) glaubten, werden als solche von
erprobter
Gerechtigkeit bei euch in dieser großen Skina des Lebens und
in
dem Gemache des großen Lebens’), das ich euch geschaffen, aufgestellt
werden.
Manda dHaije wird euch in dieser Skina aufstellen‘) und euch
zum
Hause des Lebens emporführen. Auch alle Seelen der von Fleisch und
Blut
Gebildeten, die auf die Stimme des Lebens horchen und gläubig sind,
werden
der Gemeinschaft mit dem Hause des Lebens teilhaftig werden.“
Die
Planeten stehen da und sinnen auf Böses gegen sie in dieser
Welt.
[Sie sagen:] „Sie sollen uns erblicken und sich vor uns fürchten
und
sich uns unterwerfen.“ Ferner sagen sie: „Wir wollen ihnen unser
Kleid
wegnehmen, und es gehöre uns.“ Sie erhoben ihre Stimme gegen
sie,
doch sie bebten nicht und erbebten nicht, und Beben und Furcht war
nicht
bei ihnen. Ferner sagen sie: „Dann wollen wir sie durch Schlauheit,
Schmeichelei
und Liebtuerei umschmeicheln; sie stehen aber doch nicht zu
uns
und lassen sich von uns nicht umschmeicheln.“ Ferner sprechen sie:
„Wir
wollen [258] an sie mit Sanftheit und Güte herantreten; vielleicht
kommen
sie zu uns und halten es mit uns.“
Hibil
der Gerechte sprach zu seinen Brüdern und Söhnen‘): „Gehet
hin,
tretet unter sie. Jetzt wollen sie mich zu ihrem Herrn machen, jetzt
wollen
sie mich anbeten. Sie sprechen zu mir: Wir wollen dir einen Opfer-
kuchen
bereiten. Wohlan, ich werde weder durch ihre Anbetung noch
durch
ihren Opferkuchen von ihnen eingenommen. Ich will sie hinstürzen
und
liegen lassen und Gier und Glut über sie alle werfen. Wenn ich aus
ihrer
Mitte scheide, werden alle Welten dann durch ihre eigene Gier er-
hitzen
und werden erglühen.* So sprach ich zu meinen Brüdern, erklärte
1)
B hat „Uthras und Könige“, aber n’9nıy ist wohl zu streichen. Zu NIIDND siehe
6°.
;
2) Dahinter steht noch „und machten ihn zur Festigkeit‘ oder „zum Leuchten“,
doch
gehören
die Worte nicht hierher.
°)
Lies NOT NIIT NIIT NIIMY) *) Lies IINOWNPN.
5)
Zu seinen jüngeren Brüdern, die seine Söhne sind, siehe oben, p. 145°.
Lid„barski,
Ginza. 17
2}
o
-
5
20
30
[077
in
in
Io
20
»
vr
30
35
258
Rechter Teil 258, 8—259, 13
auch
so meinen Söhnen. Ich ging hin und trat unter sie (die Planeten),
während
sie mir entgegengehen und sprechen: „Komm, Herr der Götter,
Herr
der ganzen Welt.“ Die Planeten freuen sich, Rüha, die mit ihnen
war,
freut sich. Sie sprechen zu mir: „Komm, sei unser Haupt, sei das
Haupt
der ganzen Welt.“ Rühä, sie und das große Wesen’) nahmen die
Krone
von ihrem Haupte herunter. Die Planeten verneigen sich vor mir
und
sprechen zu mir: „Nimm von uns die Anbetung, nimm von uns den
Opferkuchen
an.“ Doch ich erwiderte so der Rüha und allen Planeten:
„Ich
bin kein Mann, der Bestechung annimmt oder die Rede, mit der seine
Eltern
ihm befohlen, und die Worte, mit denen seine Eltern ihn ermahnt
haben,
in den Wind schlägt.“
Als
Rühä dies hörte, sprach sie zu den Planeten: „Der Mann gehört
nicht
zu uns, und seine Rede ist nicht von eurer Rede, Er hat keine Ver-
bindung
(Mischung) mit euch, und er ist nicht ein Kind eurer Rede. Seine
Rede
kommt von außen her. Ich habe ihn, den Fremden °), jetzt zu be-
tören
gesucht, doch er ließ sich nicht betören. Nun wollen wir einen Ge-
heimplan
gegen ihn schmieden, vielleicht werden wir ihn durch den Ge-
heimplan
einfangen.“
Sie
reden mit mir in Falschheit, doch ich bin fälscher als sie. Sie
reden
in Verschlagenheit, doch ich bin verschlagener als sie alle. Sie alle
setzten
sich wieder hin und wissen, daß ich ihnen entweichen werde. Sie
sprechen:
„Rede zu uns mit deiner reinen Rede und singe uns von deinem
wunderbaren
Gesange vor’).“ Da sprach ich mit meiner reinen Stimme
und
sang von [259] meinem wunderbaren Gesange vor. Ich singe wunder-
barer
als alle Welt. Ich spreche mit meiner lieblichen Rede, die lieblicher
als
alle Welt ist, an der keine Mischung mit Lüge ist. Ich sang und stürzte
sie
hin und warf Schmach über sie alle. Ich sprach und beschämte sie;
nicht
glich mein Gesang ihrem Gesange, nicht glich meine Rede ihrer Rede.
Ich
erhob mich aus ihrer Mitte und warf Schmach über sie alle Sie
schlossen
ihre Augen‘), und sie alle ängstigten sich und waren betrübt °). Ich
lachte
sie aus und beschämte sie‘) und ließ ein Gelächter über sie alle los.
Ich
erhob mich, verließ sie und wich aus ihrer Mitte, aus dem Gewande,
an
dem Fraß ist und aus dem übler Duft dringt. Ich ging hin, zog das
reine
Gewand an’), das meine Eltern mir verliehen, das reine Gewand, in
dem
wir weilen, an dem weder Fraß, noch übler Duft ist. Sein Duft ist
wundersam,
und der Glanz meiner Brüder ist lieblich an mir #):
‘)
Wie oben, p. 187, 16; 188, 1 steht hier My, eigentlich „Sein“. Es ist der Gott
der
Juden, also so viel wie Jörabbä, der große Jo.
®)
Wohl w'87215 Abb zu lesen. ») Vgl. Joh. II, p. 165.
*)
387) bei Augen auch R 294, 13 (CD, Leid.); es ist wohl IM „umkreisen,
umschließen“.
5)
Statt NIPIRD DRIN ist NIIINW INTEND zu lesen. mW ist häufig neben 7,
siehe
R 146, 5; 158, 10; 353, 19; L 21, 17. n
6)
Var. „ließ sie weinen“. ”), Wohl MW25 zu lesen.
°)
Wohl so aufzufassen, nicht: ‚und die Gesellschaft meiner Brüder ist mir
angenehm.
259,
13—260, 16 Elftes Buch. 259
Sie
stehen da und schmieden einen Geheimplan gegen mein Gewand,
sie
fassen ein .....') gegen mich und sprechen: „Womit können wir diesen
Stamm
fassen und ihn: aus der Welt verschwinden lassen?“ — „Mit dem
Schwert?“
sagen sie zueinander, „das Schwert reicht an sie nicht heran.
Vielmehr
mit Feuer wollen wir sie fassen und diesen Stamm beseitigen.
Wenn
das Feuer an sie nicht heranreicht, wollen wir sie mit Wasser fassen
und
diesen Stamm beseitigen.“
Rüha
spricht: „Wohlan, wir wollen ein wenig warten.“ Da sprechen
die
Engel, und die Planeten beraten sich: „Wenn Schwert, Feuer und
Wasser
die Welt hinrafft?) [und?] das Haupt dieses Stammes, so wird die
Welt
gleich ihm sein.“ Alsdann sprechen sie: „Wir wollen von diesem
Sauerteig
nehmen, der in unserem Schatzhaus aufbewahrt ist’).“ Alsdann
nahmen
sie von dem Sauerteig der Welt, der in ihrem Schatzhaus‘) auf-
bewahrt
ist, damit eine Welt aus ihm [260] entstehe. Sie ließen das Schwert
los
und nahmen gegen uns »+x xxx.
Das
Leben wußte dort, was hier vorgeht, daß sie gegen uns Pläne
schmieden.
In einem Augenblick kam Manda dHaije, brachte Glanz, brachte
lebendes,
urerstes Feuer und Licht aus dem Hause des Lebens. Er be-
kleidete
Hibil mit Glanz, bedeckte ihn mit Licht und bestimmte das Ver-
hängnis
vor dem Schwert‘). Diejenigen Seelen, die den Ruf der drei
Männer
bezeugten und an Mandä dHaije glaubten, [schieden] vor dem
Schwert.
Hibil
ging hinaus, ohne daß die Planeten wußten, daß er von hier
fortgegangen
war. Er legte einen Weg an und richtete einen Wegstein
auf
für seine Brüder, die er hier im Gewande des Lebens zurückgelassen
hatte,
unter denen er geweilt hatte. Den Geistern und Seelen der treff-
lichen
Männer wurde Behagen in dieser Welt zuteil, und sie wurden der
Gemeinschaft
mit dem Hause des Lebens teilhaftig. Manda dHaije schuf
Gutes
für diejenigen, die am Namen und an den Worten dieser drei Männer
festhielten.
Alsdann
fiel das Schwert in die Welt. Da befahl Mandä dHaije dem
Sitil:
„Richte deine Augen auf deinen Sohn Anos, der dein jüngerer Bruder
ist,
und auf das Gewand lebenden Feuers, in dem ihr stehet. Ich will hin-
1)
Die Bedeutung von ND hier, wo es parallel X70% steht, und Text 269, 23 ist
unsicher.
Die sonstigen Bedeutungen in den mandäischen Texten „Feier“ und „Matte‘‘ passen
nicht.
Auf den Zauberschalen kommt es anscheinend im Sinne von „Beschwörung‘ vor,
siehe
MONTGOMERY,
Aramaic Incantation Texts, p. 162 (nicht „Schale“, wie M. annimmt);
vielleicht
liegt derselbe Sinn auch hier vor.
2)
Vielleicht ist NIY\N2 zu lesen: wenn wir mit Schwert usw. hinraffen.
8)
Lies 937, siehe weiterhin; IND, RUN ist durch Text Z. 19 beeinflußt. Die
folgenden
Worte NTORONRDRD xDyyır gehören nicht hierher; siehe Text, Z. 18. Vom
Sauerteig
der Welt, aus dem Dinge geschaffen werden sollen, ist nur in diesem Stücke die
Rede.
4) Lies MR.
5)
Daß sie vor der Vernichtung der Menschen durch das Schwert abscheiden- sollen,
siehe
L 20, 23 ff. y
iz
Di
in
15
{>}
o
Io
I
2
30
5
in
5
in
in
260
Rechter Teil. 260, 16—268, 2
gehen,
Hibil in dem neuen Gemach einen Platz anweisen und komme dann
rasch
zu euch. Fürchtet euch nicht vor dem Schwert der Planeten, und
Furcht
und Angst sei nicht bei euch. Hernach, wohlan, komme ich zu
euch‘).
Das Auge des Lebens ist auf euch gerichtet. Ich bedeckte euch
mit
dem Gewande des Lebens, das es euch verliehen hat. Fürwahr, ich
bin
bei euch. Jedes Mal, da ihr mich suchet, werdet ihr mich finden,
jedes
Mal, da ihr mich rufet, [261] werde ich euch antworten. Ich bin
nicht
fern von euch.“
Diese
Worte richtete Mandä dHaije an Sitil. Auch Sitil reichte ihnen’)
Kusta.
Da sprach Hibil zu Sitil: „Komm bald nach mir hin, und Anos
komme
nach dir. Auch alle Seelen der Männer von erprobter Gerechtig-
keit,
die das Leben bekannten und hinausziehen, sollen vor dir hinkommen
und
nach dir hinkommen auf dem Wege, auf dem wir hinausgezogen sind,
den
Manda dHaije für uns errichtet hat.“
Rühä
und die Planeten wußten es nicht. Sie zogen hinaus und warfen
das
Schwert in die Welt. Doch diese Männer erreichte das Schwert nicht,
weil
Manda dHaije bei ihnen war. Nachdem Ruhe in dieser Welt einge-
treten
war, sahen die Engel, die über den Zorn eingesetzt sind, daß diese
Männer
in ihrem Glanze aufleuchteten und in dieser Welt dastehen, da
gingen
sie hin und sprachen zum großen EI und zu Ruüha: „Fürwahr diese
Männer
stehen in ihrem eigenen Glanze da, und das Schwert reichte an
sie
nicht heran.“ Alsdann nahmen die Planeten vom Sauerteig der Welt,
der
sich in ihrem Schatzhause befand und bei ihnen bewahrt war, «xxx*x*«
Räm
und Rüd, von den Kindern Adams°), von denen aus die Menschen-
kinder
erweckt werden sollten. Diese Männer stehen in ihrem Glanze in
der
Welt da, und sie‘) vermögen nichts gegen sie. Dann nahmen sie von
je
zweien aus der Welt xx x++»-
Ruha
und der große EI] gerieten in Zorn und sprachen zu den Engeln,
die
über den Zorn eingesetzt sind. Sie sprachen zum Engel Daniel, der
über
das Feuer eingesetzt ist°): „Wirf Brand in die ganze Welt, vielleicht
werden
wir ihnen mit Feuer beikommen‘).“ Da warfen sie Feuer in die
Welt.
Da kam Mandä dHaije, trat zu diesen Männern, und das Feuer
reichte
an sie nicht heran. Nachdem Ruhe in dieser Welt eingetreten war,
[sehen
die Engel, «++ »+»], daß diese drei Männer [262] in dieser Welt da-
stehen
und sie nichts gegen sie vermögen. Da gingen diese Engel, die
über
den Zorn eingesetzt sind, und sprachen zu ihren Göttern’): „Diese
")
Die folgenden Worte bis NIIRDND in Z. 22 sind eine irrtümliche Wiederholung.
2)
Den Frommen seines Geschlechtes.
°)
Lies DNINT 132 9 7 (oder DR) DNY7. Vielleicht hat NINO vor DNT ge-
standen,
vgl. Text 262, 5. Vorher fehlt noch mehr.
*)
Die Planeten bezw. die Engel.
5)
Er wird nur an dieser Stelle genannt. Aus dem Daniel des Feuerofens wurde ein
Engel
des Feuers. Die Form des Namens wird mit dazu beigetragen haben.
®)
Hinter DYPY ist etwa nmmındy zu ergänzen. ”) Rüha und Bl.
262,
2— 263, 5 Eiftes Buch. 261
Männer
stehen in ihrem Glanze in dieser Welt da, und ‚wir vermögen
nichts
gegen sie').“
Da
nahmen sie vom Sauerteig dieser Welt, der bei ihnen in ihrem
Schatzhause
aufbewahrt war, «+++++ und ihr Name war Surbai und Sar-
habel
aus dem Stamme Adams, von denen aus die Welt erweckt wurde.
Dann
kam Mandä dHaije, holte den trefflichen Sitil heraus, der gute Rat-
schläge
erteilt, bekleidete ihn mit einem trefflichen Kleide des Glanzes und
bedeckte
ihn mit einem Gewande des Lichtes, so daß sein Glanz sich in
der
ganzen Welt zeigte. Er führte ihn hinaus auf dem Wege, auf dem
Hibil
gegangen war, und ließ ihn in dem Gemache?) wohnen, in dem Hibil
gewohnt
hatte und wo für die Seelen die Gemeinschaft mit dem Hause des
Lebens
hergerichtet ist, für die es keine Trennung gibt. Er ließ Anos in
diesem
großen Gewande, in dem seine Brüder gewohnt hatten, das seine
Brüder
dem Ano$ anvertraut und seine Eltern ihn damit gerüstet hatten’).
Manda
dHaije sprach zu Anos: „Fürchte und ängstige dich nicht und sage
nicht:
sie haben mich allein in dieser Welt der Bösen zurückgelassen. Denn
bald
komme ich zu dir.“ Ich‘) stehe da und reibe mich in meinem Ge-
wande
ab, doch mein Herz ist mir nicht bedrückt°), und mein Gewissen
ist
mir nicht bedrückt. In meinem Innern stelle ich Betrachtungen an,
allein
stehe ich [in] dieser [Welt] und spreche: „Wer wird die Schlechtig-
keit
dieser Welt wegnehmen? Alle meine Brüder waren hier bei mir, und
ich
wuchs bei ihnen auf, gleich einem Sohne, den seine Eltern groß zogen
und
seine älteren Brüder ...... %, Ich wuchs unter ihnen auf, während
sie
in dieser Welt der Bösen und Verderber sprechen und hören. Was
soll
ich nun allein in dieser Welt der Bösen anfangen?“ Ich bildete
Gleichnisworte,
ich bildete ein Gleichnis über mich und sprach:
[263]
„Wer hat euch, meine Füße, hierher gebracht,
wer
brachte mich zur Wohnung der Bösen empor? ')“
Ich
stehe im Gewande meiner Brüder da, das das Leben ihnen ver-
liehen.
Alsdann spreche ich: „Wohin geht diese Welt, worauf wandelt sie?“
Da
meine Brüder hier waren, rief ich meine Brüder über die Welt heran,
doch
fragte ich sie nicht über sie‘). Ich hob meine Augen empor und be-
3)
Lies NImRdy IRINTYI-
2)
So nach B. Die anderen Handschrr. haben „an dem Orte“.
3)
Bei der jetzigen Form des Textes muß man diese Worte auf NW2>2 beziehen,
aber
es
ist mir zweifelhaft, daß es so ursprünglich sei. Vielleicht ist vor N’YIPND)
eine Lücke,
vgl.
Text 258, 17. 4) Von hier an spricht Anös.
5)
Zu I siehe Nöld., p. 40, 14. DM findet sich nur an dieser Stelle. Es gehört
wohl
zu hebr. und jüd.-aram. DUM.
e)
FO2Dn!n, das dasteht, gibt keinen Sinn. Ein Pael von ID) findet sich auch sonst
nicht.
Schwerlich Fb'ODN3H „sie betrüben ihn“ zu lesen.
?)
Siehe p. 154, 20.
)
Der Widerspruch würde behoben werden, wenn man yanbmRy‘ läse, doch ist im
Folgenden
von einer Frage an die Brüder nicht die Rede. Dahinter kann man auch ndy
„vielmehr“
lesen.
in
„
°
30
un
Io
15
20
25
30
262
Rechter Teil. 263, 5264, 13
trachtete
die ganze Welt: den Himmel, die Sterne, die an ihm aufgegangen
sind,
die Sonne und den Mond, die Engel, die über den Himmel eingesetzt
sind,
die auch über die Erde eingesetzt sind, die zwölf Tierbilder, durch die
Sonne
und Mond wandeln‘), über diese Engel, die über Wasser, Wind und
Feuer
eingesetzt sind, über die Erde, worauf sie gestützt ist, über die Berge
und
die Meere, über die Früchte, Trauben und Bäume. Wer wird mir über
sie
sagen, woher sie kamen, worauf sie gestützt sind und worauf sie stehen?
Über
diese Ablösung (der Sterne)*), die beim Morgengrauen aufgeht, und
über
die vier Engel, die sie hinziehen. Über die andere Ablösung, die bei
Nacht
aufgeht; Engel ziehen sie dahin; sie gleichen einander nicht‘). Über
diese
Ablösung, die bei Tage aufgeht, und den Menschenkindern leuchtet
und
Licht bringt. Diese bringt ihr Licht überhaupt nicht zum Hause des
Lebens
empor‘), sondern ist nur für das von den Menschenkindern Ge-
machte
und Geschaffene. Es gibt manche, die sich darüber freuen, manche,
die
darüber betrübt sind und sprechen: „Warum ging der Tag auf und
warum
kam der Morgen?“ Und diese andere Ablösung, die bei Nacht auf-
geht:
es gibt manche, die sich darüber freuen, manche, die darüber betrübt
sind
und weinen und sprechen: „Warum kam die Nacht und warum ging
der
Mond auf?“ Diese Sterne, die am Himmel stehen, wandeln bei Tag
und
Nacht, gehen umher und drehen sich am Himmel und haben keinen
Stand
an einer Stelle. [264] Sie schaffen nichts Gutes den Menschenkindern.
Den
einen verarmen sie, den andern bereichern sie; Schaden bereiten sie
jedem
Menschenkinde. Den Sklaven machen sie zum Freien, den Freien
machen
sie zum Sklaven. Sie hintergehen hier die Seelen der Menschen-
kinder
und verführen sie zur Verfehlung. Sie überlisten sie und halten
manche
Seelen von ihnen bis zum letzten Tage bei sich zurück).
Als
ich sah, daß die Welt so beschaffen ist, bebte und erbebte ich,
und
mein Körper, der gestreckt war, knickte zusammen. In mein Herz
drang
Stöhnen, in meine Fersen drang Zittern, und sie blieben nicht auf
ihrem
Gestelle fest stehen. Ich stellte so Betrachtungen an und sprach:
„Meine
älteren Brüder ließen mich in dieser Welt der Bösen zurück, und
sie
kommen nicht und erlösen mich nicht von hier. Dabei sagte mir Manda
dHaije:
Ich will selber zu dir kommen.“ Ich stelle Betrachtungen an und
empfinde
Mitleid mit meinen Brüdern‘), die nicht kommen und mich von
t)
Entweder ist NIMIND oder NIMIDNMD zu streichen. Dahinter etwa wandnn Dy
poRn,
siehe vorher. Hier ist kaum gesagt, daß auch die Engel durch sie wandeln und
mit
ihnen
die Planeten gemeint, siehe auch p. 265 ob.
2)
Vgl. Joh. IL p. 203%
®)
Bezieht sich wohl auf die Ablösungen, nicht auf die Engel.
*)
Gemeint ist wohl nur die Ablösung des Tages, danach ist 777) zu lesen. Die Auf-
fassung
der folgenden Worte ist unsicher.
5)
Ich lese mit B NRIOT mit Bezug auf die Menschenkinder, nicht 839 mit
Bezug
auf die Sterne: manche von ihnen halten die Seelen zurück.
6)
WIONTRIND, das dasteht, paßt nicht; vielleicht NIORONTIN „ich zürne“.
264,
13—265, 20 Elftes Buch 263
hier
nicht erlösen, der ich allein in meinem Gewande dastehe, das meine
Brüder
auf mir in dieser Welt zurückgelassen haben.
Die
Bösen ließen sich nieder und sinnen auf Böses gegen mich. Ich
höre,
wie sie die Engel, die über den Zorn eingesetzt sind, rufen, (indem
sie
sagen): „Das Leben erwachte in Fülle, und die Menschenkinder waren
in
Fülle da. Sie sprechen in der Rede des fremden Lebens, sprechen in
der
Rede dieser drei Männer. Sie schließen sich dem Leben an und unter.
werfen
sich diesen drei Männern. Sie erheben sich gegen uns und ver-
achten
uns in dieser unserer eigenen Welt').“ Sie beraten sich miteinander
gegen
mich und .....”) in ihrem Innern, daß sie mir nichts anhaben
können.
i
Wie
sie den geheimen Plan gegen mich schmieden und gegen das
Gewand,
in dem ich dastehe: zu wem blicken da meine Augen empor und
zu
wem habe ich Vertrauen? Ich hoffe auf Manda dHaije, daß er komme
und
mir eine Stütze sei [265] in dieser Welt, daß er mich von den Bösen
errette,
wie er meine Brüder von dem Schwerte und dem Feuer der Bösen
dieser
Welt errettet hat.
Ich,
der kleine Enös, war Jahre über Jahre «+*+++, wo meine Brüder
waren.
Ich überrage sie hier, wo ich doch nach ihnen in diese Welt kam
Da
micht ....... Sie, die Bösen, sinnen gegen mich und gegen das
Gewand,
in dem ich stehe und bewahrt bin, sie, die Bösen, die den Ruf
des
Lebens haßten. Wer soll [den Ruf des Lebens] in dieser Welt rufen?
Sie
sprechen zueinander: „In unserer eigenen Welt soll man den Ruf des
Lebens
nicht rufen, sie gehöre vielmehr uns.“ Sie riefen dann die Engel
des
Zornes und befahlen ihnen: „Steiget hinunter zur Erde Tibil und saget
Noah:
Baue eine Arche. Rufe und setze Zimmerer hin, gehe hin und fälle
Zedern
aus dem Lande Libanon und weibliche Zedern®) aus dem Berge
Jatur‘).“
Saget ihm: „Setze Zimmerer hin und baue eine Arche, nimm von
jeder
(Art) zwei, Männlein und Weiblein’), und setze sie in den Kasten,
den
du herstellst, denn wir wollen die Welt hinnehmen.“
und
gegen‘) das Haupt dieser drei Männer, gegen dieses Gewand, in
dem
ich stehe ..... Denn die Planeten sagen: „Vielleicht vertilgen wir
sie
aus dieser Welt, daß niemand ihren Namen und ihre Rede ausspreche
und
niemand ihre Rede höre.“ Denn sie, die Bösen, die Herren des Hauses’),
wissen,
daß ich allein dastehe, und schmieden zum Bösen einen geheimen
t)
Diese Sätze stammen wohl aus einem anderen Zusammenhange. Sie sind hierher
gesetzt
und als Rede der Engel gedacht.
2)
Vielleicht ist NIAMND) zu lesen: „und sie schämen sich“.
=),
Siehe Joh, p. 157.
*)
Wird nur an dieser Stelle genannt, siehe hingegen R 380,11. In dem Namen steckt
vielleicht
Athür (siehe NÖLDEKE bei Löw, Aram. Pflanzennamen, p. 60), so daß die assy-
rischen
Berge gemeint sind.
5)
Siehe den Wortlaut R 380, 14.
%)
Gehört zu Z. 21.
?)
Siehe p. 106, 8.
Io
-
5
ty
in
3
3
4
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vı
°
[e)
5
°
264
Rechter Teil. 265, 20— 267,7
Plan
gegen mich. Gleich an dem Tage, an dem meine Brüder mich ver-
ließen,
legten sie Waffen an und kämpften mit mir. Täglich, alltäglich
suche
ich ihnen zu entrinnen, da ich allein in dieser Welt dastehe. Meine
Augen
blicken zu Manda dHaije empor, der mir sagte: „Bald komme ich
zu
dir.“ Ich denke über meine Brüder nach, daß sie ihm nicht gegen mich’)
raten
[266] und sich ihm nicht gegen mich unterwerfen. Täglich blicken
meine
Augen zu dem Wege empor, den meine Brüder gehen, und zu dem
Pfade,
auf dem Mandä dHaije kommt. Ich schaue hin und sehe, daß die
Pforte
des Himmels sich öffnete. Eine Wolke des Glanzes und des Lichtes
erschien,
vor der alle Wesen, die sie erblickten, erschraken. Als ich nun
die
Liehtwolke erblickte, in der Manda dHaije kam, da spitzte ich, der kleine
Anos,
meine Lippen über die Herren des Hauses. Mein Körper, der zu-
sammengeknickt
war, streckte sich, mein Herz, in das Seufzen eingekehrt
war,
stützte sich auf seine Stelle, und meine Fersen, die zitterten, standen
fest
auf ihrem Gestelle. Mandä dHaije kam, rief mir zu und sprach zu mir:
„Kleiner
Enos, warum ängstigtest du dich, warum bebtest, warum erbebtest
du?
Warum knickte dein Körper zusammen, warum kehrte in dein Herz
Seufzen
ein und warum zitterten deine Füße auf ihrem Gestelle?“*
Einmal
spreche ich, einmal wiederum fürchte ich, vor Manda dHaije
zu
sprechen. Da sprach Manda dHaije zu mir: „Kleiner Enos, fürchte dich
nicht
vor mir. Da Schrecken dich in dieser Welt befiel, kam ich, um dich
aufzuklären.
Fürchte dich nicht vor den Bösen dieser Welt und vor den
\Wasserfluten;
sie sollen über deinem Haupte hinweggenommen werden.
Wie
sie über deine Brüder Schwert und Feuer brachten und Schwert und
Feuer
an sie nicht heranlangen konnten, so werden auch die Wasser-
fluten
an dich nicht heranlangen. Ich werde dir Glanz und Licht bringen,
die
dir Helfer sein und dir beistehen sollen. Deine Kraft soll über sie
kommen,
und deine Gestalt sei gleich diesen zweien, die mit dir hinausge-
zogen
sind und mit diesem Gewande, das zum Hause des Lebens gegangen
ist,
indem es in Glanz erschien. Deine Gestalt”) gleiche Hibil und Sitil.
Die
Bösen der Welt sollen sagen: „Diese drei Männer sind in der Welt,
jedoch
sind sie keine Männer, sondern Glanz und Licht ist es, das seine
Gestalt
zeigt [267] in dieser Welt beim kleinen Enos, der allein in dieser
Welt
dasteht.“
Ferner
sprach Mandä dHaije zu ihm: „Komm, ich will dir über die
häßlichen
Mysterien dieser Welt offenbaren, die du sahest und vor ihnen
erschrakest;
über den Himmel, der ausgespannt ist, und über die Sterne,
die
aufgegangen sind, die an ihm schimmern. Der Himmel aus Wasser
****+*,
und lebendes Feuer und verzehrendes Feuer sind an ihm ange-
zündet.
[Angezündet sind?] die Sterne durch das verzehrende Feuer, sie
leuchten
durch die Kraft des lebenden Feuers, von dem der Himmel ange-
Y)
Lies „dy.
?)
Lies RM".
267,
7— 268, 7 Elftes Buch. 265
zündet
ist, und wuchsen‘). Diese zwölf Tierbilder, (durch die die Planeten, )
durch
die Sonne [und Mond] gehen: hätte Ptahil diese Sterne nicht ge-
schaffen,
so hätten Sonne und Mond keinen Gang.
Siehe,
die Finsternis, die entsteht, wenn die Sonne untergeht und der
Mond
aufgeht: Ptahil dachte über das Feuer, das Finsternis ist“), daß Nacht
und
Tag werde zur Rechnung und Zählung der Menschenkinder, zur Zäh-
lung
der Jahre, Monate und Tage.
Siehe,
ich offenbarte dir über den Wind’), über das Wasser und über
die
zwei [Engel »«+«««]. Ich sage dir, daß er daraus geschaffen wurde,
aus
der Kraft des Wassers und des lebenden Feuers, und den beiden Engeln,
den
Leitern dieser Welt, übergeben wurde‘), die über Wasser und Regen
eingesetzt
sind, über Hagel, Not”) und Hunger und Sättigung, die unter
dem
Befehle ihrer Götter handeln.
Über
das Feuer will ich dir sagen, aus wessen Einhüllung es ge-
kommen
ist) und welcher Mann es geschaffen hat. Ptahil schuf es, jedoch
aus”)
Frucht, Traube und Baum wurde es, aus der Wurzel von Frucht,
Traube
und Baum wurde es, aus ihnen wurde es geschaffen, sie zu ver-
zehren
°).
Über
das Wasser will ich dir sagen, woher es sich ergossen hat und
woher
es gekommen ist. ...°) und lebendes Feuer entstand. Aus dem
Hause
des Lebens wurden sie geschaffen, und man brachte sie‘) hierher.
Dann
veränderte sich das lebende Feuer, [268] und das Wasser wurde trübe
ohne
zu leuchten durch die Hand Ptahils des Mannes, den sein Vater ge-
sandt,
Himmel und Erde zu bauen. Er vollzog, was sein Vater ihm be-
fohlen,
und die Werke und Schöpfungen, die er mit seiner Hand schuf,
werden
Bestand haben.
Dieses
Geheimnis vom Himmel offenbarte ich dir, nun will ich dir
über
das Geheimnis der Erde offenbaren. Siehe, die Erde ist schwarzes
Wasser.
Es (das Wasser) entstand hier, nachdem dieses Geheimnis ent-
standen
war(?). Ich offenbare dir: Ptahil kam, er und die Engel seiner Be-
gleitung,
er ging an das schwarze Wasser und sprach: „Ich will die Erde
1)
Die Wiedergabe der letzten Sätze ist sehr unsicher. DN) am Ende heißt kaum
„sie
gingen“, beachte auch die Lesung YD) D.
2)
Die dastehenden Worte lassen sich nicht anders wiedergeben, aber Feuer erwartet
man
hier nicht.
3)
NP uy fehlt in C. Aber hier ist gerade vom Winde die Rede, nicht vom Wasser,
von
dessen Entstehung erst später gesprochen wird. #, Lies NY).
5)
Siehe auch oben, p. 231, 10.
°)
Dies steht da; als ob es bei dem Schöpfer eingehüllt gewesen wäre. Ich glaube
nicht,
daß man dafür x3N)I „Natur“ zu lesen habe.
?)
Lies !D statt DNID.
s)
Wiederum recht dunkel. Vielleicht ist der Sinn, daß das Feuer aus dem Holz der
Wurzeln
der Bäume entsteht und es dann wieder verzehrt.
®)
Vielleicht war hier vom lebenden Wasser die Rede.
0)
Lies 1IMN.
m
5
30
I
2
2
3
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[o}
5
oO
nn
wa
266
Rechter Teil. 268, 7—269, 11
dichten,
die Erde bilde sich.“ Ptahil stellte sich hin und überdachte in
seinem
Innern, was sein Vater ihm befohlen. Da sprach Rüha, sie und die
Engel
ihrer Begleitung, und redete zu Ptahil: „Wie du den Himmel aus-
gespannt,
so sprich über dieses Wasser, und die Erde bilde sich.“ Da sprach
er
zu den Engeln: „Dies befahl mir mein Vater zu tun, doch ist gut, was
ihr
mir sagtet.“
Da
nahm er etwas vom lebenden Feuer, dann nahm er eines’) von
den
Gewändern, mit denen er bekleidet war, warf es in das schwarze Wasser,
und
die Erde Tibil dichtete sich. Dann schnitt er in ihr die Berge aus,
spaltete
die Meere, schuf in den Meeren Fische von jeglicher Gattung, und
auf
der Erde und den Bergen’) schuf er Früchte, Trauben und Bäume.
An
den Bäumen ®) nehmen sie die Frucht, und sie wird zu Sämereien jeglicher
Gattung.
Er schrie die Erde an, und alles bildete sich auf der Erde. Es
bildeten
sich alle Sämereien, sie stehen da und prangen auf der Erde Tibil.
Sie
tragen Früchte, die (den Menschen) zum Essen und zum Trinken dienen.
Er
schuf das Viehgetier von jeglicher Gattung, Männlein und Weiblein,
und
schuf die Vögel, und sie stehen da und weiden‘).
Rüha
und die Engel ihrer Begleitung wissen nicht, für wen dies
geschaffen
wurde und wer sie essen soll. Da sprach Ptahil zu Rüha und
den
Engeln ihrer Begleitung: „Ich will mein Bild als Mann und dein Bild
als
Weib bilden’. Den Mann wollen wir Adam und das Weib wollen wir
Hawwä
nennen. Ich will ihr Bild schaffen und aufrichten.“ Rüha wußte
nicht,
daß Ptahil von seinem Vater Abathur den Befehl über Adam und sein
Weib
Hawwä erhalten hatte.
[269]
Die Erde war nun oben, und das schwarze Wasser war unter der
Erde.
Ptahil versuchte alles, doch das Wasser wurde nicht schmackhaft.
Da
sprach Manda dHaije zum kleinen Enö$°): „Als das Leben mich hierher
sandte,
da wußte ich, daß das Wasser hier nicht schmackhaft würde. Da
sprach
ich vor dem großen Leben: ‚In der Welt, in die ihr mich sendet,
den
Ruf des Lebens vernehmen zu lassen, damit sie ihn hören, Leben
erhalten
und zum Hause des Lebens emporsteigen, wird das Wasser nicht
schmackhaft,
daß die Menschenkinder es trinken, Leben erhalten und diese
Rede
des Lebens hören.‘ Da sprach das große Leben zu Mandä dHaijje:
„Mache
du dich auf, geh an der Spitze des Wassers hin und ziehe einen
dünnen
Zug’) lebenden Wassers hin. Es soll hingehen, in das trübe Wasser
fallen,
und das Wasser werde schmackhaft, auf daß die Menschenkinder es
trinken
und dem großen Leben gleich werden.“
t)
Oder: einige.
?)
Lies NM.
®)
Man erwartet eher NUNDY 0 „von den Bäumen“.
*#)
Dies bezieht sich auf das Vieh.
5)
Lies NYNWYY); die Schreibung ist durch Text Z. 22 beeinflußt.
6)
Var. Anoös.
*)
Lies hier und weiterhin NY).
269,
11— 270, 16 Elftes Buch. 267
Da
sprach er zu Taurel-Uthra, dieser machte sich ans Werk, er zog
einen
dünnen Zug Wassers hin, es fiel in die Tibil, in das Wasser, das
nicht
schmackhaft war, und das Wasser der Tibil wurde schmackhaft, daß
die
Menschenkinder es trinken und es ihnen schmecke.
Manda
dHaije sprach zum kleinen Enos') über das Geheimnis der Rühä
und
der Engel dieser Welt?). «x». ein Feuer, nach dem sie nicht sprechen
und
hören können, außer dem verzehrenden Feuer, nach dem sie sprechen
und
hören können xxx ***.
Wenn
Manda äHaije euch hier festigt und Mandä dHaije euch erlöst)
aus
dieser Welt der Finsternis «++ *x**.
„Ich‘)
ging zwischen ihnen durch, nahm ihnen das lebende Feuer weg,
mit
dem sie bekleidet sind, nach dem sie nicht sprechen und hören können,
und
hob es’) an seine Stätte, den lichten Wohnsitz, empor. Ich ließ sie im
verzehrenden
Feuer zurück, aus dem sie geschaffen worden waren. Ein
Kleid
ließ ich auf ihnen zurück, an einen von ihnen gelangte das... )
des
Ptahil, damit sie hintreten und in der Welt leuchten, auf daß diese
nicht
untergehe. Ich ließ es ihm‘), denn wenn ich ihm diesen Glanz nicht
gelassen
[270] und ihn ihm genommen hätte, wie ich ihn allen seinen
Brüdern
genommen habe, so wäre diese Welt längst untergegangen und
alles
wäre Finsternis bis zum Ende der Welten.
Dieses
Weltmeer, das Ptahil schuf und bildete, das die ganze Tibil
umkreist,
ist ein Brunnen, an den ein Erguß herankam und hineinfiel. Wenn
er
dies nicht für die Tibil geschaffen hätte, wäre die ganze Erde...... a
Es
gäbe nichts Getanes und nichts Gemachtes, und sie wäre nicht geraten.
Wohlan,
du sahest, kleiner Enos, daß ich dir über das Geheimnis der
Bösen
dieser Welt offenbarte, die du erblicktest und vor ihnen erschrakest,
vor
denen du bebtest und erbebtest. Ich offenbarte dir über das Geheimnis
von
Himmel und Erde, ich offenbarte dir über das Geheimnis alles Getanen
und
Gemachten, das in der Welt existiert, und belehrte dich über sie. Ich
gewährte
dir Glanz und Licht, daß es bei dir an jenem ersten Gewande
sei,
das man dir aus dem Hause des Lebens verlieh und das jetzt bei dir
verwahrt
ist, um das die Bösen kämpfen es wegzunehmen, ohne daß es
ihnen
gelingt es wegzunehmen. Siehe, ich mehrte dir Glanz zum Glanze,
ich
mehrte dir Licht zum Lichte, daß es bei dir in der Gestalt dieser zwei
Männer,
deiner Brüder, sei, die von dir fortzegen und zum Hause des
Lebens
gingen.
1)
Var. Anös.
2)
Man könnte hier nach Text 268, 6, 23 FIT ergänzen und 107 NOONT zum
Folgenden
ziehen, doch siehe Text 270,7. Dahinter ist zunächst vom lebenden Feuer die
Rede,
siehe weiterhin.
3)
Lies NIOPYNNDN. *) Lies RN.
5)
Lies N’DDN) oder ANPYDN). 6) Siehe oben, p. 259%,
?)
Lies Fby, siehe weiterhin. Danach ist Nöld., p. 203, 29 zu berichtigen.
8)
NND, das dasteht, gibt keinen Sinn. Von DD finden sich im Mandäischen wie
sonst
im Aramäischen nur Bildungen vom Aphel. Vielleicht ist NND „wäre verfault“ zu lesen.
-
Io
20
vi
Io
[9)
vi
3
vı
in
268
Rechter Teil. 270, 16—271, 23
Siehe,
ich fügte dir Kraft zu deiner Kraft hinzu, ich mehrte dir Weisheit
zu
deiner Weisheit, und Erleuchtung und Erkenntnis, siehe, gewährte ich
dir,
daß du mit ihnen sagest und erhört werdest').
Siehe,
ich gehe nun zum Hause des Lebens, dann will ich kommen
und
dich von den Bösen und Sündern dieser Welt befreien. Das Auge
des
Lebens wird auf dich gerichtet sein, sowie auf die wahrhaften, gläu-
bigen
und trefflichen Männer, die auf deine Rede hören. Ich will dich
von
Schwert, Feuer und Wasserfluten erlösen und auf dem Wege empor-
führen,
auf dem Hibil der Gerechte und Sitil und Manda dHaije aus dieser
Welt
der Bösen emporsteigen.“
Diese
Worte richtete Manda dHaije an seinen Sohn, den kleinen Anos,
[271]
und reichte ihm Kustä. Dann zog er hinaus und ging nach dem
Hause
des Lebens. Er setze sich in die Skina seines Vaters, und sein
(des
Lebens) Auge war auf ihn’) gerichtet. Dann erhob sich Ano$ voller
Freude
ob des Glanzes und des Lichtes, das das Leben ihm verliehen, und ob
der
Kraft, die sein Vater ihm anvertraut, und leuchtete auf in Glanz und Licht.
*«#+#***,
die in dieser Welt sind’), schauen auf die Herren des Hauses,
die
auf Böses gegen diese drei Männer sinnen und gegen das Gewand, in
dem
ich stehe, die in dieser Welt aufgeleuchtet sind. Die Planeten sprechen
so
zueinander: „Diese Männer haben sich uns nicht gezeigt, denn sie fürch-
teten
sich vor uns. Sei es daß sie vor uns davongelaufen sind, sei es daß
sie
sich vor uns versteckt haben, sie zeigten sich uns nicht. Jetzt zeigten
sie
sich uns in ihrem reichen Glanze und ihrem großen Lichte. Jetzt,
wohlan,
sind sie aufgeleuchtet und stehen da in reichem und großem (?) Glanz
undelehrer.
*%), Bei seinen Brüdern wurde Feuer und Schwert weg-
genommen,
und sie konnten an sie nicht heranreichen, jetzt ......°), daß
sie
für sich dastehen.*
Die
Planeten sprechen: „Wir können gegen die Kraft dieser Männer
nichts
ausrichten, da sie zahlreicher sind als wir. Man ließ gegen sie
Wasserfluten
los, doch die Wasserfluten reichten an sie nicht heran. Sie
sprechen:
‚Wir wollen sie durch Schwert und Brand beseitigen‘, doch gelingt
es
ihnen nicht, sie zu beseitigen.“
Das
Leben steht fest in seiner Skina, das Leben ist siegreich über
alle
Werke. Siegreich sind Hibil, Sitil und Anos, und siegreich ist das
Volk
der Nasoräer, sowie die Priester und Mandäer, die an ihrem Namen
und
Zeichen festhielten, auf den Namen des ersten Lebens gezeichnet wurden
und
am Namen und an der Rede des Jäwar-Ziwä festhielten.
Und
das Leben ist siegreich.
2)
Vielleicht hat hier wie sonst in diesem Stücke „und hörest“ gestanden.
2)
Lies 97 by.
®)
Vorher hat wohl „die drei Männer“ gestanden, doch fehlt wahrscheinlich noch
mehr.
*)
Vielleicht ist SIND) zu lesen, doch ist freilich damit die Stelle noch nicht
hergestellt.
°)
„Sind sie gefestigt“ von })D, oder es ist YODNY „verbargen sie sich“ zu lesen.
N
V
o
SS
Zwölftes
Buch.
Im
Namen des großen Lebens sei der Name des NN und meiner
Gattin
NN [272] bei den gewaltigen Uthras, den Söhnen des Lichtes,
aufgerichtet.
Erstes
Stück.
Anös,
der auch hier, wie in der Einführung des elften Buches, als Sohn Sitils
bezeichnet
wird,
stellt Betrachtungen über die Naturerscheinungen an und erhält Aufklärungen,
freilich
sehr
dunkle, von einem Glanzwesen über Himmel. Sterne, Erde, Tag und Nacht.
Ich
bin der große Anos, der Sohn des großen Sitil, des Sohnes des
großen
Adam, der Sohn der gewaltigen Könige der Herrlichkeit, der Sohn
des
Lichtortes, der Sohn der Blätter") alles Wissens. Meine Füße führten
mich
hier hinauf. Am Orte reichen Glanzes sitze ich. Ich stelle Betrach-
tungen
an und spreche, ich schaue und sehe diese Welt, den Himmel und
die
Erde, die Sonne, den Mond und die Sterne des Hochstehens und des
Niederganges
des Himmels, das Licht, in dem ich stehe, und die Kraft, in
der
sie stehen. Mit wessen Kraft stehen sie da, mit wessen Licht leuchten sie?
Ich
öffnete meine Augen und erhob meine Brauen, da schaute ich und
sah
ein großes Kohlenbecken des Glanzes, das fest in der Hand von Engeln
liegt.
Zwölf Engel ziehen es auf dem Finsterberge unter der großen Brücke
des
Glanzes hin. Sie tragen es in die Höhe und bringen es an das Tor
des
Jasäna, an den Ort, wo dem Erbauer des Himmels und der Erde’) ein
Thron
errichtet ist.
Wiederum
öffnete ich meine Augen und erhob meine Brauen, da
schaute
ich und sah ein großes Tor, das darin (im Himmel)°) geöffnet war.
1)
Siehe Nöld., p. 48°. Diese Bedeutung von NMNINY scheint mir nicht sicher. Es
könnte
auch zu NI%W gehören: „der Lobpreisung, die ganz Wissen ist.*
2)
Wohl auch hier Ptahil gemeint.
®)
112 bezieht sich wohl auf WW, doch würde man freilich eher 72 mit Suffix fem.
sing.
erwarten.
-
5
20
10
30
3
vi
in
in
970
Rechter Teil. 272, 15— 278,21
Tausend
mal tausend Glanzwesen standen an seiner rechten und zehntausend
mal
zehntausend an seiner linken Seite. Ein Glanzwesen trat aus dem
Hause
des Lebens hervor, dessen Glanz zweiundvierzig mal so groß war
als
der des Jorabbaä. Als ich jenes Glanzwesen erblickte, erbebte und
erzitterte
mein Körper, und meine Füße standen auf meinem Gestelle nicht
fest,
Ich stürzte und fiel vor ihm hin. Da stand ein Engel des Glanzes
vor
ihm auf, faßte mich bei der Fläche meiner Rechten, richtete mich gerade
vor
ihm auf und sprach zu mir: „Komm, großer Anos, Sohn des großen
Sitil,
des Sohnes des großen Adam, Sohn der gewaltigen Könige des Hauses
der
Herrlichkeit, Sohn des Lichtortes, Sohn der Blätter‘) alles [273] Wissens,
komm,
ich will dir über das große Leben offenbaren. Es ist hier nieder-
geschrieben)
und niedergelegt auf dem großen Berge ........... ar
Komm,
ich will dir über diesen Himmel offenbaren, den die Menschen-
kinder
Himmel nannten, während er kein Himmel ist. Nebelwolken sind
es,
die Abathur durch die Kraft und den Namen des Erbauers des Himmels
und
der Erde gegründet hat.
Komm,
ich will dir über die Sterne offenbaren, die an ihm leuchten.
Zwölf
Engel sind es. Einige von ihnen sind über den Osten des Himmels
und
der Erde eingesetzt, einige von ihnen sind über die Seol und die
Finsternis
eingesetzt. Wie sie hier sind, so sind sie auch dort.
Komm,
ich will dir über diese Erde offenbaren, die die Menschenkinder
[Erde]
nannten, während es keine Erde ist. Vielmehr Wasser aus Hus, dem
großen"Meere
ist es........ *%). Jahr um Jahr und Monat um Monat läuft
es
und fließt dahin und schafft eine Bahn für die Menschenkinder.
Komm,
ich will dir über diese Ablösung) offenbaren, die beim Morgen-
grauen
aufgeht. Mancher freut sich, mancher betrübt sich darüber. Sein
Haupt
ist reines Licht, (er ist) ein eheloser Mann, ein Händler, gewaltsam,
tapfer,
rüstig und steht in der großen Zeit‘). Ein großer Mast des Glanzes
ist
darin aufgerichtet, Taue des Lichtes sind darin hingelegt. Zwölf Engel
ziehen
sie und führen sie auf dem Finsterberge unter der großen Brücke
des
Glanzes hin. Sie tragen sie in die Höhe und bringen sie an das große
Tor
des Jäsaänä, an den Ort, wo dem Erbauer des Himmels und der Erde
ein
Thron errichtet ist.
Komm,
ich will dir über die Ablösung offenbaren, die in der Nacht
aufgeht.
Sein Haupt ist reines Wasser, (er ist) ein eheloser Mann, ein Händler,
1)
Siehe oben, p. 269.
?)
Zweifelhaft, schon an sich, dann wegen der Varianten XIN72, NYINTD\.
?)
Die beiden Worte NYIDNT NIINTIT (NI2NTOT) sind dunkel. Vielleicht ist NII7NH7
„der
Steppe“ zu lesen.
‘)
Im Texte steht „das hingibt“ (2707), das schlecht paßt. Wegen der folgenden
Worte
ist kaum NW2NYT „das austrocknet“ dafür zu lesen. Doch beachte man, daß Lit.
218,4
N’I7N?
von Weinbehältern steht.
°)
In der Nacht- und Tageszeit, siehe p. 262
6)
Der Satz kann sich schwer auf „die Ablösung“ beziehen. Nach dem Folgenden
erwartet
man, daß hier von einem Schiffe die Rede sei.
273,
21-274, 18 “"Zwölftes Buch. Zweites Stück. 271
gewaltsam,
tapfer, rüstig und steht in der großen Zeit. Ein großer Mast
des
Glanzes ist darin aufgerichtet, Taue des Lichtes sind darin hingelegt.
Zwölf
Engel ziehen sie und führen sie auf dem Finsterberge hin. Sie
bringen
sie an das große Tor des Jasänä, den Ort, wo dem Erbauer des
Himmels
und der Erde ein Thron errichtet ist.
Komm,
ich will dir offenbaren, mein Bruder: [274] Diese Männer von
erprobter
Gerechtigkeit, die hier in der Tibil sind, gehen, wenn ihr Maß
voll
ist, von dieser Welt dorthin. Sie suchen und finden. Vom Gebete
und
vom Schatze des Lebens, von ihrem Gebete und ihrer Lobpreisung
bekleiden
sie sich mit Glanz und bedecken sich mit Licht. Gewand über '0
Gewand
legen sie an, mit Licht über Licht bedecken sie sich. Sie lachen,
freuen
sich, hüpfen, prangen und vergnügen sich. Und wir sagen: „Das
Leben
steht fest und aufgerichtet in seiner Skinä; das Leben ist siegreich
über
alle Werke.“
Zweites
Stück. 15
Erster
alphabetischer Psalm. Er steht auch an der Spitze der Gebetsammlung in den
Pariser
Handschriften Codes Sabeens 25 und 15 (hier E und F).
Im
Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Komm
in Güte, Kusta, 20
Licht,
das du zum Hause deiner Freunde gehest.
Du
bist die Auserwählte, Sieghafte,
die
du deinen ganzen Stamm in Sieghaftigkeit festigst.
Du
bist ein vollkommenes Gimrä’),
Auserwählte,
ohne Fehl. 25
Du
bist der Weg der Vollkommenen,
der
Pfad, der zum Lichtort emporsteigt.
Du
bist das Leben von Ewigkeit,
die
du hingingest und in (jeglichem) wahrhaftem Herzen Platz
Wehe
dem, der auf dich nicht hört?), meine Herrin, [nahmest. 30
und
dessen Pfad durch die Wohnungen der Schwelgerei in
Du
bist die Waffe der Vollkommenen, [Musik geht.
die
Wahrheit ohne Irrtum.
Du
bist weise und angenehm’),
lehrest
Weisheit und Lobpreis alle, die deinen Namen lieben. 335
t)
Siehe oben, p. 158. 2) EF noch „und horcht“; das ist überschüssig.
®)
EF hier noch „meine Herrin“. Pr
Io
15
20
ty
in
2372
Rechter Teil. 274, 18--275, 9
Heil
dem, der auf dich hört, meine Herrin,
und
auf den Wegen hinter dir hergeht.
Du
bist der Tag der Freude,
an
dem es Trauer und Klage nicht gibt.
Du
bist ein Kranz von Siegen,
um
das Haupt der Erleuchteten gelegt.
Du
bist die Zunge des Lobpreises,
die
du täglich das Leben preisest.
Du
bist das erste Gerät,
das
das Leben geschaffen hat.
Du
bist das Licht der Großen,
die
du hingingest und in die Welt kamest.
Du
bist das Heilmittel,
das
alle, die deinen Namen lieben, heilet').
Du
bist das Auge [275] der Männer von erprobter Gerechtigkeit,
das
täglich zum Leben emporschaut.
Du
bist eine süße Frucht,
von
einem Geschmacke, der keinen Tod bringt’).
Du
bist die erste Genossin,
die
Pflanzung, die aus dem Hause des Lebens kam’).
Du
bist der erste Laut,
den
das Leben aus seiner Natur schuf.
Du
bist der Oberste der Ganzibräs,
dem
das Leben über jegliches Ding die Herrschaft verlieh‘).
Die
Toten hörten dich und lebten auf,
die
Kranken hörten dich und genasen.
Du
vergibst den Auserwählten und Vollkommenen,
in
deren Herz Kustä Platz genommen hat. —
Das
Leben ist siegreich, und siegreich ist der Mann, der hierher
gegangen
ist.
Drittes
Stück.
Zweiter
alphabetischer Psalm.
Se
°) nach der Wohnung, in der die Sanften wohnten, |
und
mein Herz ist unter den Auserwählten erwählt.
1)
EF: Du bist das Heilmittel, das die Schmerzen heilet, der Arzt, der alle, die
seinen
Namen
lieben, heilet.
2)
BDEF: an dem kein Fehl ist.
”)
EF: die von jeher war. *%) EF: auf denen dein Glanz ruhet.
5)
{NN „Äther“ paßt nicht. Hier ist wohl eine Form ıy anzunehmen, etwa INTIN
„er
weckte mich“.
275,
10—276, 5 Zwölftes Buch. Drittes Stück. 273
Ein
Auserwählter bin ich, ich schreite
im
Geruche des Lebens, der mich umfängt.
Ich
bin ein fremder Mann;
sie
haben mich mit Sehnsucht nach den guten Nasöräern erfüllt.
(Er
gedenke meiner vor dem Leben, und mein Freund sei 5
Unser
Recht [wird] der gute Vater [vertreten?], [mir ein Helfer.)
der
vor dem Leben siegreich dasteht.
Ich
habe das Siegel der Tibil geöffnet
und
in ihr jegliches Ding geschaut. Ich schaute Uthras, die der
lichten
Wohnung würdig sind.) 10
Eine
Rose bin ich, ein Sohn Auserwählter;
ich
habe das Leben geschaut, und das Leben hat mich geschaut.
Meine
Reisezehrung kommt von dem fremden Manne,
den
das Leben wünschte und gepflanzt hat').
Ich
werde unter die Guten kommen, 15
die
jener fremde Mann geliebt hat.
Gnade
kam den Guten,
Freude
dem wahrhaften Manne.
Der
Glanz des Lebens war,
als
die Seele aus dem Hause des Lebens ward. 20
Groß
war auf mir der Glanz des Lebens,
und
das Licht des Lebens fehlte nicht.
Mein
Herz preist das Leben,
damit
das Leben mich zu seiner Zahl zähle.
Mit
den Guten tat ich, 25
was
das Leben mir befohlen.
Ich
leuchtete in seinem Lichte;
von
seinem Lichte mehrte es auf mir.
Es
setzte auf mich Glanz und reiches Licht,
damit
ich eine Stütze habe. 30
Das
große Leben zeigte Herablassung
gegen
alle, die seinen Namen lieben.
[276]
Mein Mund preist das Leben,
damit
es mich zu seiner Zahl zähle.
Ich
hörte den Ruf der Uthras, meiner Brüder, 35
ich
richtete meine Augen auf sie.
Ich
erhob mich mit großer Kraft,
ich
schritt hin und kam zu ihnen.
Mit
dem Zeichen des Lebens zeichneten mich
meine
Geleiter Silmai und Nidbai. 40
Die
Wahrheit des Lebens
wurde
mir als Stirnlocke auf dem Haupte gedreht.
2)
Oder lies 212% „und wünschen wird“? Doch siehe auch Var. zu R 353, 6.
Lidzbarski,
Ginza. 18
274
Rechter Teil. 276,5—19
Das
große Leben zeigt Nachsicht
gegen
einen jeden, der mit dem Zeichen des Lebens gezeichnet
ist.
<Die Guten, Auserwählten und Vollkommenen, bei denen
[Kustaä
Platz genommen hat.)
5
Das Leben ist siegreich, und siegreich ist der Mann, der hierher
gegangen
ist.
Viertes
Stück.
Dritter
alphabetischer Psalm. Findet sich auch in der Gebetsammlung in Codes
Sabeens
25, f. 22b und 15, f. 18a.
10
Im Namen des großen Lebens
sei
verherrlicht das hehre Licht. —
Die
reine‘) Perle kam,
die
die finsteren Herzen erleuchtete.
Glanz
suchte zu werden,
15
und Licht erwachte und wurde.
Ich
lachte über die Planeten
und
über das, was sie ersannen und taten.
Ich
wohnte in ihren Häusern’),
doch
die Sieben bemerkten mich nicht.
20
Gnade wird den Auserwählten zuteil,
die
das Leben liebten.
Wehe
den Planeten,
die
gegen meine Auserwählten Böses ersinnen.
Er°)
ist der erste‘) Glanz,
25
das Licht ohne Ende.
Es
ist das erste Leben,
das
Leben, das von jeher war.
Heil
dem, der auf dich) hört’)
und
auf dem Pfade hinter dir hergeht.
30
Er°) war der große Glanz,
als
die Seele aus dem Hause des großen Lebens kam.
Er
ist der reine Kranz, 3
der
Hibil in seiner Skina aufgelegt wurde.
!)
Nur in EF.
?)
EF: NNNNY2 „unter ihnen“.
®)
Bezieht sich auf Mandä dHajje.
4)
EF: „der große“.
5)
EF noch „und horcht, mein Herr“, siehe auch p. 2712.
276,
19—277, 9 Zwölftes Buch. Viertes Stück.
Mein
Herz begehrt nach dem Leben,
auf
daß das Leben nach mir in seiner Skina') begehre.
Von
dem Tage an, da Hibil mich pflanzte,
bekannte
meine Seele den Lichtort.
Du
bist die erste Ruhe;
deinetwegen
fanden die Uthras Ruhe.
Die
zwölf Pforten schauen aus,
doch
steigen sie zu den Pfaden der Kustä nicht empor.
Die
Tiefen des Nasaräertums
sind
ausgedehnt und endlos.
Er
ist eine süße Frucht,
von
einem Geschmacke, der keinen Tod bringt).
Ich
hörte den Ruf des Lebens
[277]
am großen Orte, dem Hause der Vollendung.
Den
Ruf des großen °) Glanzes,
der
in seiner Skina spricht und vorträgt.
Er
ist das große Zeichen,
mit
dem das Leben in seiner Skina gezeichnet wird.
Wer
auf die Rede des Lebens hört,
findet
Platz in der Skina des Lebens.
Er
ist die liebliche Pforte,
das
Licht ohne Ende. —
Und
das Leben ist siegreich.
Fünftes
Stück.
Vierter
alphabetischer Psalm. Treiben und Schicksal der Bösen und Sünder.
Im
Namen des großen Lebens.
Nackt
verließ der Vornehme,
der
Verstorbene die Welt.
Sein
Haus steht zur Verwüstung da,
sein
Besitz zur Plünderung.
Die
Schmähung der Geschöpfe
wird
allen Welten zuteil.
Du
gleichst den schlechten Reben,
die
keine Früchte tragen.
1)
EF: „nach seiner Skinä“.
®?)
DEF: „an dem kein Fehl ist“, siehe auch oben, p. 272?.
3)
EF: „des reinen“.
18*
275
Io
20
25
30
20
25
30
35
276
Rechter
Teil. 2377,9—25
Stumm
und taub sind sie,
die
für die Menschenkinder auf Böses ausschauen.
Wehe
dem schlimmen Tage,
der
für die Juden in der Welt aufbewahrt ist.
Sıe
säen Frevel
und
ernten eine Ernte der Lüge.
Ihr
Herz ist voll Finsternis,
und
ihre Augen sind blind und leuchten nicht.
Irrtum
packte sie,
und
sie schauen nicht den Lichtort.
Sie
sind ein Tag der Klage,
ihre
Seele schwere Krankheit.
Alle
zwölf Pforten
sind
eine Grube, die sie für die Ewigkeit bewahrt.
Ihr
Herz ist ihnen zwiespältig,
und
sie steigen nicht zum Licht empor.
Sie
sind mit Sünden bekleidet
und
rauben die Seelen.
Ihre
Seele ist ihnen verstumpft,
und
sie haben kein Verlangen nach ihren Frauen.
Sıe
sind das Gift der Mörder,
die
die Menschenkinder morden.
Wassertiefen
sind sie,
Wirbel,
die zum Ertrinken bringen.
Ihr
Mund ist ihnen voll Lüge,
und
ihre Augen schauen nach Bösem aus.
Trocken
sind ihre Früchte,
die
sie in der Welt säen.
Sie
stehen außerhalb der Kustä
und
tun Dienste außerhalb der Gnade.
Sie
lieben die Schönheit des Körpers
und
die verfinsterten Schatten.
Voll
von Bodensatz und Fäulnis
steht
ihre Seele in der Welt da.
Sie
sind die Pforte des Todes
und
töten die Menschenkinder. —
Und
das Leben ist siegreich.
278,
1—279,5 Zwölftes Buch. Sechstes Stück. 277
Sechstes
Stück.
Schilderung
der Welt der Finsternis und ihres Königs, ein Gegenstück zur Schilderung
der
Liehtwelt uud des Lichtkönigs im ersten Buche, siehe p. 3f. Das Stück ist von
NÖLDEKE
übersetzt
und erklärt in Aufsätze zur Kultur- und Sprachgeschichte (Festschrift für
Ernst
Kuhn), 1916, p. 131—138.
[278]
Im Namen des großen Lebens.
Euch
rufe ich zu, lehre ich und sage ich, ihr wahrhaften und gläubigen
Männer,
ihr Sehenden, Abgesonderten'): Sondert euch von der Welt des
Mangels
ab, die voll Unruhe und Irrtum) ist.
Zuerst
belehrte ich euch über den Lichtkönig, der in alle Ewigkeit
gepriesen
ist. Ich sprach zu euch über die gepriesenen Lichtwelten, die
unvergänglich
sind, über die Uthras, Jordane und Skinäs, die wundersam
und
leuchtend sind. Nun will ich zu euch über die Welten der Finsternis
und
ihren Inhalt sprechen, die häßlich und furchtbar sind und deren Gestalt
nicht
recht ist.
Außerhalb
der Lichterde nach unten, außerhalb der Erde Tibil nach
Süden
liegt jene Erde der Finsternis. Sie ist von einer Form, die anders-
artig
und abweichend von der Lichterde ist, denn sie weichen in jeder
Eigenart
und Form von einander ab. Die Finsternis existiert in ihrer
eigenen
bösen Natur, heulende Finsternis, öde Dunkelheit, sie kennt weder
Erstes
noch Letztes.
Doch
der Lichtkönig kennt und versteht Erstes und Letztes, Vergan-
genes
und Zukünftiges. Er wußte und erkannte, daß der Böse da ist, doch
wollte
er ihm nichts Übles antun, gemäß dem, was man gesagt hat: „Tue
dem
Bösen und Feinde nichts Übles an, bis er selber Übles getan hat.“
Seine
böse Natur besteht von Anfang an und in alle Ewigkeit. Die Welten
der
Finsternis sind ausgedehnt’) und endlos. Man sagte: „Weit und tief
ist
die Wohnung der Bösen, deren Völker keine Treue an dem Orte zeigten,
wo
ihr Aufenthalt endlos ist, deren Reich von ihnen selber ist. Ihre Erde
ist
schwarzes Wasser, ihre Höhe finstere Finsternis.“
Aus
dem schwarzen Wasser wurde der König der Finsternis durch seine
eigene
böse Natur gebildet und kam heraus. Er wurde groß, [279] mächtig und
gewaltig,
er rief hervor und verbreitete tausend mal tausend böse Geschlechter
ohne
Ende und zehntausend mal zehntausend häßliche Geschöpfe ohne Zahl.
Die
Finsternis wurde groß und weit durch dje Dämonen, Dews, Genien, Geister,
Hmurthäs,
Liliths, Tempel- und Kapellengeister, Götzen, Archonten, Engel,
?,
Die Lesung schwankt sehr: NYNWINDY, NYNWND), und die Münchener und Londoner
Handschriften
haben NYNWINDN. Letzteres würde „Unterscheidende, Einsichtige‘“ bedeuten
und
zu NWNINT passen, aber im Folgenden wird offenbar auf die Bedeutung „sich
absondern“
angespielt.
Siehe auch p. 215.
?2)
Die Londoner Handschriften haben NP'%) „und Trubel“, vgl. einerseits Text 7,18,
anderseits
11,21; 14,9.
3)
Wohl so, nicht „zahlreich“, was W'D) auch bedeuten kann, siehe das Folgende.
-
{6}
15
30
in
o°
2
25
35
278
Rechter Teil. 279, 5—280, 19
Vampyre,
Schrate, Unheilsgeister, Schlagflußdämonen), Unholde, Netz- und
Lockengeister
”), Satane, alle die häßlichen Gestalten der Finsternis von jeglicher
Art
und Gattung, Männlein und Weiblein aus der Finsternis: finster, schwarz,
tölpelhaft,
widerspenstig, zornig, wütend, giftig, auflehnerisch °), töricht, faulig,
greulich,
schmutzig und stinkend. Einige unter ihnen sind stumm, taub,
zugestopft,
dumpf, stammelnd, gehörlos, stumm, taub, verwirrt, ohne Wissen.
Einige
unter ihnen sind frech, hitzig, gewalttätig, scharf, jähzornig, wollüstig,
Kinder
des Bluts, angefachter Lohe und verzehrenden Feuers. Einige unter
ihnen
sind Zauberer, Fälscher, Lügner, Betrüger, Räuber, Arglistige, Be-
schwörer,
Chaldäer, Wahrsager. Sie sind Meister in allen Schlechtigkeiten,
Anstifter‘)
von Not, sie begehen Mord und vergießen Blut ohne Mitleid
und
Erbarmen. Sie sind Künstler in allen häßlichen Dingen, kennen Sprachen
ohne
Zahl und verstehen was vor ihrem Antlitz ist. Von jeglicher Art sind
sie.
Einige von ihnen kriechen auf dem Bauche, einige schleichen im
Wasser
hin, einige fliegen, einige haben viele Füße gleich dem Gewürm
der
Erde, einige tragen hundert «+++». Sie haben Backen- und Schneide-
zähne
im Munde. Der Geschmack ihrer Bäume ist Gift und Galle, ihr Saft
ist
Erdöl und Pech. Jener [280] König der Finsternis nahm alle Gestalten
der
Kinder der Welt an: den Kopf des Adlers, den Körper des Drachen,
die
Flügel des Adlers, die Seiten der Schildkröte, Hände und Füße des
Unholdes”).
Er geht, kriecht, schleicht, fliegt, schreit, ist frech, droht,
brüllt,
pfeift, zwinkert und flötet. Er kennt alle Sprachen der Welt, doch
ist
er dumm, verworren, seine Gedanken sind gehemmt, und er kennt weder
Erstes
noch Letztes. Doch weiß er, was in allen Welten vorgeht; er ist
von
vielen Arten. Er ist größer‘) als alle seine Welten, er ist mächtiger
und
ausgedehnter als sie alle, er ist kräftiger als alle seine Kreaturen und
stärker
als sie. Wenn er es wünscht, verbirgt er sich vor ihnen, daß sie
ihn
nicht sehen, weiß aber, was im Herzen dessen vorgeht, der vor ihm
steht.
Wenn die Geschlechter vor ihm fliehen, bringt er sie durch sein
Wort
zurück, die Dews, die er wünscht, läßt er umkehren und stellt sie
vor
sich auf”). Wenn er will, dehnt er seine Gestalt aus, wenn er will,
macht
er sich klein. Er zieht seine Glieder ein und streckt sie wieder aus,
und
er hat (die Körperteile) der Männer wie der Weiber. Er nimmt alle
Geheimnisse
wahr. Er zürnt mit Stimme, Wort, Hauch, Atem, Auge, Mund,
Hand,
Fuß, Stärke, Gift, Zorn, Rede, Furcht, Angst, Schrecken, Zittern °),
Gebrüll,
da erschrecken alle Welten der Finsternis. Seine Gestalt ist häßlich,
sein
Körper stinkend, sein Gesicht verdreht. Die Dicke der Lippe seines
i)
Unsicher, siehe zu diesem Geisterkatalog Uthra, p. 541.
2)
Vielleicht Geister, die die Menschen umstricken und umlocken.
)
Vielleicht „kitter“, siehe NÖLDEKE, a. a. O. zur Stelle. *) Lies SYINYONID?
5)
Eine ähnliche Schilderung des Teufels gibt Mäni, siehe Brandt, Schr., p. 226.
6)
NÖLDEKE vermutet hier mit Recht einen Singular INYNIM.
2juSıehes
Joh: 11, p21505,
®)
Die Londoner Handschriften haben hier noch NMMI2.
2380,
19—282, 2 Zwölftes Buch. Sechstes Stück. 279
Mundes
beträgt 144000 Meilen. Vom Hauche seines Mundes siedet das
Eisen,
und der Fels wird durch seinen Odem erhitzt. Hebt er seine Augen,
so
erbeben die Berge, vom Flüstern seiner Lippen werden die Ebenen
erschüttert.
Er
sann in seinem Innern nach, beriet sich in seinem törichten Herzen
und
überlegte in seinem listigen Sinne. Da stieg er empor und schaute
die
Welten der Finsternis, die ausgedehnt und endlos sind. Er nahm Stolz
an,
erhob sich über alle und sprach: „Gibt es jemand, der größer ist als
ich?
Gibt es jemand, [281] der mir gewachsen ist? Gibt es jemand, der
größer
ist als ich, ausgedehnter und trefflicher als alle Welten? Gibt es
jemand,
dessen Speise Berge sind, in dessen Bauch sich kein Blut findet?
Sollte
es jemand geben, der kraftvoller ist als ich, so will ich mich zum
Kampfe
mit ihm erheben, will mich erheben zum Kampfe mit ihm und
sehen,
woher seine Kraft kam').“
Er
verbarg sich und erblickte die Welten des Lichtes aus der Ferne
an
den Grenzen der Finsternis und des Lichtes: wie ein Feuer auf dem
Gipfel
hoher Berge, wie Sterne, die am Firmamente schimmern, gleich dem
Glanze
der Sonne, wenn sie aufgeht und vom Osten kommt, gleich dem
Monde
in seiner Helligkeit. Er sah den Schimmer jener Lichterde wie
brennende
Lampen, die, mit Glasgefäßen bedeckt, nach außen leuchten.
Er
sann in seinem Innern nach, geriet in Zorn, tobte mit großer
Gewalt
und sprach: „Wenn es diese Welt gibt‘), wozu soll mir diese
Wohnung
der Finsternis, deren Einrichtung‘) häßlich und furchtbar, deren
Speise
schwarzes Wasser und Schmutz ist? Ich will vielmehr zu dieser
leuchtenden
Erde emporsteigen und mit ihrem König Krieg führen. Ich
will
ihm die Krone wegnehmen, will sie mir aufs Haupt setzen, will König
der
Höhe und Tiefe werden.“ Er sprach ferner: „Wenn sie ein Gewand
ist‘),
will ich es anziehen, wenn sie eine Speise ist, sie essen, wenn sie
ein
Getränk ist, es trinken, wenn sie ein Haus ist, es niederreißen, wenn
sie
ein Bau ist, ihn zerstören, wenn sie eine Wohnung ist, in ihr wohnen,
wenn
sie etwas ist, das stärker ist als ich, mit ihr Streit anfangen.“
Er
entbrannte in Feuer, erglühte ın seinem Sinne, erhitzte sich in
Zorn
und wollte alle Welten auffressen. Doch seine Wege sind verwirıt,
seine
Straßen versperrt, seine Pfade gewunden. Trotzdem gelangt er in
einem
Augenblick über das Ende hinaus bis zur unteren Grenze der
Finsternis.
In der Wanderung eines Tages legt er einen Weg von hundert
Jahren
zurück.
Als
er jene schimmernde Gestalt erblickte, wollte er sich in die Höhe
schwingen
[282] und aus der heulenden, öden Finsternis zu jener leuchtenden
1)
Siehe auch p. 81 unt. Ich habe erwogen, ob NY S&9%7 nicht „der Berge
nieder-
trat‘
bedeute, aber die gegebene Übersetzung paßt besser zur zweiten Hälfte des
Satzes.
2)
NÖLDERE vermutet NN YY statt INYNIIY.
s)
Eigentlich „Ausstattung, Schmuck“.
#)
y7 bezieht sich wohl auf NDON, die Welt (des Lichtes), nicht auf ND>nD
„König“.
in
-
5
[67]
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35
in
Io
15
20
25
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