4 Eylül 2021 Cumartesi

3

 

121, 17—122, 13 Drittes Buch.

 

 

Sie fesseln, schlagen, peitschen, werfen nieder und fragen aus

 

 

den, der ihnen zu Liebe handelt, es aber nicht ganz und gar

 

 

[ausführt.

 

Sie schlagen ihn mit ledernen Peitschen;

 

dafür sollen sie mit Feuerpeitschen gepeitscht werden.

Die knebeln, umstrieken und aufhängen,

 

werden den Lichtort nicht schauen.

Wer ihre Tollheiten treibt,

 

wird hinstürzen, ohne wieder aufzustehen.

Er wird hinstürzen, ohne wieder aufzustehen,

 

er wird am Tage des Endes ein Ende nehmen.

 

 

Die Pforte, die Nerig schuf,

wurde ganz in Lüge geschaffen.

Ganz in Lüge wurde sie geschaffen,

 

 

und sie ziehen [122] in der Wüstenei in der Welt umher.

 

 

In der Wüstenei ziehen sie in der Welt umher

und zeigen ihre Tollheiten in der Welt.

Die Hmurthas, die aus ihm hervorgehen,

sind über den Zorn in der Tibil eingesetzt.

Sie begehen Mord

und vergießen Blut.

Er, der sie zusammengerufen'),

schreitet an der Spitze des Kriegszuges.

An der Spitze des Kriegszuges schreitet er,

um Blut in der Welt zu vergießen.

Am Tage, an dem er einen Mord begeht,

freut er sich über den Mord mehr als über eine Wohltat.

Am Tage, an dem er einen Mord begeht,

redet er”) und lacht in seinem Sinne.

Am Tage, an dem er keinen Mord begeht,

ist sein Körper mit Bitterkraut gefärbt.

Die Pforte, die Nerig schuf,

wird am Tage des Endes ein Ende nehmen.

 

 

Ich habe euch über die Planeten belehrt

 

und über die Pforten, die sie ın der Welt schufen.

Ich habe euch über ıhre Werke belehrt:

 

fehlerhaft wurden sie alle geschaffen.

Sie alle”) wurden fehlerhaft geschaffen:

 

Haß, Eifersucht und Zwietracht.

 

 

 

 

 

1) Wiederum zweideutig, siehe p. 32*.

2) Das steht da, ist aber kaum ursprünglich.

») Leid. hat npiny PnD1n.

 

 

137

 

 

AO

 

 

20

 

 

138

 

 

Rechter Teil. 122, 13—123, 9

 

 

Ich habe euch über die Geheimnisse der Sieben belehrt

 

und habe euch über die zwölf Sterne belehrt,

die diese Teilung vorgenommen haben.

 

Als sie die Teilung vornahmen,

teilten sie unter sich‘).

 

Als sie dem Widder seinen Anteil zuteilten,

wiesen sie ihm eine Anzahl Jahre zu.

 

Sıe teilten ıhm als Anteil

zwölftausend Jahre zu.

 

Dem Stier teilten sie Jahre,

elftausend Jahre an Zahl zu.

 

Den Zwillingen teilten sie als Anteil Jahre,

zehntausend Jahre an Zahl zu.

 

Dem Krebs teilten sie als Anteil Jahre,

neuntausend Jahre an Zahl zu.

 

Dem Löwen teilten sie als Anteil Jahre,

achttausend Jahre an Zahl zu.

 

Der Ähre teilten sie als Anteil Jahre,

siebentausend Jahre an Zahl zu.

 

Der Wage teilten sie als Anteil Jahre,

sechstausend Jahre an Zahl zu.

 

Dem Skorpion teilten sie als Anteil Jahre,

[123] fünftausend Jahre an Zahl zu.

 

Dem Schützen teilten sie als Anteil Jahre,

viertausend Jahre an Zahl zu.

 

Dem Steinbock teilten sie als Anteil Jahre,

dreitausend Jahre an Zahl zu.

 

Dem Wassermann teilten sie als Anteil Jahre,

zweitausend Jahre an Zahl zu.

 

Den Fischen teilten sie als Anteil Jahre,

tausend Jahre an Zahl zu.

 

 

Als sie ihre Jahre verteilt

 

und ihr Abbild in den Welten hergestellt hatten‘),

sprachen sie: „Wir wollen ......

 

jeder einzeln die ganze Welt finden’).

Wir wollen zwölf Rufe hinaussenden,

 

von denen zwölf Abbilder ausgehen sollen. —

Aus dem Ruf, den der Widder rief,

 

sollten alle Tiere entstehen.

 

 

 

 

 

1) Siehe auch R 379.

?) Siehe p. 99°.

3) MWENIT ist wohl entstellt. Statt INIWN) hat man vielleicht TINDWN) zu lesen.

 

 

Leid. hat 519 andRD.

 

 

123, 9—124, 1 Drittes Buch. 139

 

 

Alle Tiere sollten entstehen,

deren Ruf nach dem bösen Ruf wurde.

Er ward nach dem bösen Rufe,

der sagte: Ein Anteil soll mir an der Welt sein. —

Aus dem Ruf, den der Stier rief,

entstand jede Art böses Getier.

Die bösen Tiere entstehen durch ihn,

die aus ihrem Munde Auswurf‘) speien,

die Auswurf aus ihrem Munde speien,

die mit dem Munde wıederkauen,

weil sie ihre innere Glut’)

aus ihrem Magen’) herausbringen.

Die Geschöpfe dieser beiden Sterne

entsprechen einander. —

Aus dem Ruf, den die Zwillinge riefen,

sind alle Dämonen hervorgegangen.

Die Dämonen sind aus ihm hervorgegangen,

die alle Altäre innehaben.

Sie haben die Altäre inne,

sie haben die Ufer‘) inne. —

Aus dem Ruf, den der Krebs rief,

ist alles Zahngetier”) hervorgegangen.

Aus ihm ist das Zahngetier hervorgegangen,

das zum Bösen für die Welt geschaffen wurde. —

Aus dem Ruf, den der Löwe rief,

ist alles wilde Getier hervorgegangen.

Aus ihm ist das wilde Getier hervorgegangen,

das gegen die Lebewesen‘) ausgesandt wird.

Es wird gegen die Lebewesen‘) ausgesandt,

und sie verursachen Schrecken in der Welt. —

Aus dem Ruf, den die Ähre rief,

sind alle Früchte hervorgegangen.

Aus ihm sind [124] die Früchte, Trauben und Bäume hervorgegangen,

die in der Welt prangen. —

 

 

 

 

 

t) Dies dürfte der Sinn des Wortes sein, das sich nur an dieser Stelle findet. Zu

ND), 91 „schlürfen‘“ gehört es wohl nicht. 2) Oder: Gift.

 

3) 801) „Magen“, auch R 204, 9 und Asfar Malwäse 112, 3 (XIN}] 212 „Magen-

schmerzen“), gehört zu pers. gwäriden „verdauen‘.

 

#) Leid. hat NY7N7N). Im Sinne „Ufer“ kommt NINN] sicher R 184, 15 vor, siche

Nöld., p. 115, 9. Häufiger findet sich hierfür 877%. Von Dämonen, die an Ufern sitzen, ist

in den alten Bleitafeln öfter die Rede, siehe z. B. das Zitat Joh. II, p. 152°.

 

5) Die beißenden und stechenden Tiere.

 

6, Es steht NANOWW) da, also eigentlich „Seelen“. Mit SNNDWN werden öfter die

Mandäer bezeichnet, und es ist möglich, daß der Verfasser auch hier nur die Mandäer im

Auge hat, siehe auch p. 140, 26.

 

 

30

 

 

140

 

 

71

 

 

20

 

 

 

 

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\isı

 

 

Rechter Teil. 124, 1—19

 

 

Aus dem Ruf, den die Wage rief,

sind alle Wasserfrüchte hervorgegangen‘).

Aus ihm sind die schlimmen Früchte hervorgegangen,

durch die die Welten (Wesen) zu Grabe getragen werden. —

Aus dem Ruf, den der Skorpion rief,

sind alle bösen Kriechtiere hervorgegangen.

Aus ihm sind die bösen Kriechtiere hervorgegangen,

die mit ihrem Zorn die Lebewesen töten. —

Aus dem Ruf, den der Schütze rief,

ist aller Zorn hervorgegangen.

Aus ihm ist der große, böse Zorn hervorgegangen,

durch den alle Wesen niedergestreckt werden.

Aus dem Ruf, den der Steinbock rief,

ist alles Viehgetier hervorgegangen.

Aus ıhm ist das Viehgetier hervorgegangen,

dessen Flügel schwächer sind, als die der Vögel”). —

Aus dem Ruf, den der Wassermann rief,

ist die Verkehrtheit hervorgegangen.

Aus ihm ist Verkehrtheit,

aus ihm ist Mangel und Fehl hervorgegangen. —

Aus dem Ruf, den die Fische riefen,

sind alle Fische hervorgegangen.

Aus ihm sind die Fische und Delphine hervorgegangen,

aus ihm ist alles Böse geworden.

 

 

Alle diese Dinge sind aus den zwölf Gestirnen hervorgegangen,

die sagen: „Wir wollen den Stamm des Lebens aufheben.“

Die sieben Sterne traten hin

und teilten sie in Teile ein°),

Sie teilten sie in Teile ein

und schufen die Fahrzeuge am Herzen des Himmels.

Was sie alle auch treiben mochten, die sagen:

„Wir wollen den Stamm des Lebens aufheben,

aufheben wollen wir des Lebens Stamm“,

die sich täglich zum Streit erheben:

die Planeten wissen nicht,

die Kinder der nichtigen Wohnung,

daß, mochten sie auch die Teilung vorgenommen haben,

ich ihre eigenen Stämme eingeteilt habe.

 

 

‘) Siehe p. 37°. In Leid. fehlt XD. Ist es auch schwer zu sagen, warum die Früchte

 

 

des Wassers todbringend sein sollen, so ist 0% hier wohl dennoch ursprünglich, denn von

den schlimmen Früchten kann nicht ohne weiteres „alle Früchte“ gesagt werden.

 

 

2, Im letzten Satze ist das Hausgeflügel gemeint.

®) Siehe oben, p. 134, 13.

 

 

 

 

 

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124, 20—125, 16 Drittes Buch. 171

 

 

euer

 

 

Ihre Stämme habe ich eingeteilt.

 

Von ihnen sollen einige zum Pflügen dienen,

andere sollen zum Schlachten dienen,

 

andere zum Reiten, andere zum Essen.

Alle Rufe, die sie hinausgerufen haben,

 

wurden Adams wegen gerufen.

Denn sie alle

 

erhielten ihren Geruch von den Opferungen!).

Sie, die Rufe hinausgerufen haben,

 

sie sollen dahinwandern’), 10

[125] sie sollen Adam gehorchen,

 

gehorchen seinem ganzen Stamme.

 

 

wi

 

 

Als ich so gegen die Planeten verfahren war,

hatten sie keine Sprache mehr.

Als ich es Adam zeigte, 15

freute er sich und war wohlgemut über die Maßen.

Ich trat mit den Uthras, meinen Brüdern, hin

und belehrte Adam und seinen ganzen Stamm.

Ich sprach zu ihnen:

„Übet gute Werke 20

und versehet euch mit Reisezehrung.

Lasset den Ruf des Lebens vernehmen,

damit euer Name im Hause des gewaltigen (Lebens) aufgerichtet

Sprechet in reinen Reden, [werde.

damit ihr in Heil’) als Reine gefestigt werdet. 25

Sprechet in Güte

und saget nichts Böses.

Verehret und preiset das große (Leben)

und das große Licht, das hierher gegangen ıst.

Verehret und preiset die Uthras, 30

damit sie euch Helfer seien,

Helfer und eine Stütze

vom Orte der Finsternis zum Orte des Lichtes‘).

 

 

Gepriesen sei das Leben, gefestigt sei Manda dHaije, gesegnet sei

Name, Silmai und Nidbai, Hibil, Sitil und Ano$. Das Leben ist sieg- ;;

 

 

reich über alle Werke. Den Sieg errungen hat Jäwar-Ziwä und seine Helfer.

 

 

nigü.

 

 

Dies ist das Buch der lebendigen, ersten Lehre.

 

 

 

 

 

1) Das Wort 9%) findet sich nur an dieser Stelle. Ich sehe darin das babylonische

Die Variante X'PN) wäre Partizip „Opfernde.“

 

®) Siehe oben, p. 24. 3) Zur Schreibung oywn2 siehe Joh. II, p. 46°.

*) Siehe auch Lit.. p. 212 ob.

 

 

N V

o S

 

 

in

 

 

Io

 

 

 

 

 

Viertes Buch.

 

 

Eine unklare und fragmentarische Schilderung des Abstieges Hibil-Ziwä’s zur Welt der

Finsternis, die sich vielfach mit dem folgenden Traktate berührt. Das große Leben wird

genannt, doch erscheint als höchstes Wesen der Herr der Größe, der auch der Lichtkönig

genannt wird. Vor dem Abstieg wird Hibil-Ziwä vom Herrn der Größe und Mandä dHaije

im Jordan getauft. In die Darstellung sind Stücke aus den Liturgien eingefügt. Daher

wird der Traktat auch liturgisch verwandt, nach der in Anm. 3 angeführten Randelosse bei

 

 

der Taufe der angehenden Priester.

 

 

Im Namen des großen Lebens werde ein Sündenerlasser zuteil mir

NN, meiner Gattin NN und meinen Kindern NN, NN, und ihr Name werde

aufgerichtet im Schatzhause des Jawar-Ziwa.

 

Im Namen des großen Lebens.

 

Ob Kusta gut ist [126] für den Guten‘)

 

und Manda dHaije für die Söhne des Heils?®)

 

Dies ıst das Mysterium, das Buch, die Belehrung und die erste, leben-

dige Lehre, die von jeher war’).

 

Als das erste Leben nachsann und Mandä dHaije schuf und Manda

dHaije Hibil-Ziwa schuf, da stand dieser tausend mal tausend Jahre vor

dem Herrn der Größe und war in ihrer Mitte‘) verborgen. Hibil-Uthra

wird dereinst zu Krun, dem großen Fleischberge, gehen und zu den drei

Welten der Finsternis’), den uralten, die das Schwert nicht wegrafft, das

Feuer nicht verzehrt, die in den Wasserfluten nicht untergehen‘). Jener

Krün, der große Fleischberg, und die 366 Dews, die bei ihm wohnen: aus

jenen Dews ist jenes Wesen Namens Ur, der Herr der Finsternis, hervor-

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Leid. hat NIONYD „für die Guten“.

 

?) Entlehnung aus L 118, 3. Vgl. auch Lit., p. 81 1. ult.

 

®) Am Rande steht: Dieser Vortrag und die Lehre ist für den Jordan (für die Taufe)

des Schülers.

 

*) Unter den vorher genannten Wesen.

 

°) Nach der Schilderung im folgenden Buche gibt es mehr Welten der Finsternis.

 

°%) Hier wird auf die drei Weltkatastrophen angespielt. siehe oben, p. 27.

 

 

126, 14—127, 23 Viertes Buch. 143

 

 

gegangen. Sein Vater hat den Namen Gaf und sonstige zahlreiche Namen.

Von seinem erstgeborenen Sohne, nämlich jenem Ur, gehen die Fünf’),

gehen die Sieben, gehen die Zwölf hervor, die zusammen vierundzwanzig

Dews sind. Aus dem Erguß und der Wirrung, als er zu seiner Mutter

eing, entstand Karküm. Wenn er in der Tibil weilt, nennen ihn die Welten

und Generationen Bar-Sfag?).

 

Wir aber’), mit unserer, sowie des Lebens und der Uthras Kraft, mit

der Kraft des Lichtkönigs, freuen uns des sanften Uthra‘), des gefestigten

Erstgeborenen, den wir ausgedacht und geschaffen mit unserem Glanze, mit

dem wir ihn bekleiden, mit dem Lichte, mit dem wir ihn bedecken, mit der

Kraft und der Festigkeit, die wir ihm gewähren. Wir senden ihn gegen

alle Bösen, die auf Böses gegen uns [127] sinnen, und gegen Ur, den Herrn

der Finsternis, der sich über uns erhebt. Dieser Uthra packt ihn, drückt

ihn nieder, fesselt und bindet ihn, überliefert ihn der unteren Kupfererde,

und umgibt ihn mit sieben eisernen Mauern. Bis Ptahil kommt, griechisch

kunstvoll die Erde dichtet°), das Firmament ausspannt, das Haus‘) baut und

alle Bösen beseitigt, die auf Böses sinnen, so lange bleibt die Fesselung,

mit der Hibil-Ziwa Ur gefesselt, bestehen.

 

Alsdann begibt sich Hibil-Ziwa nach allen Welten der Finsternis, er

geht zu Krün, dem großen Fleischberg, und tut ihm alles Böse an. Krün,

der große Fleischberg, läßt Hibil-Ziwä Angst, Furcht und Schrecken schauen,

doch Hibil-Ziwä fürchtet sich vor ihm nicht, und Krün wird von ihm unter-

worfen.

 

Alsdann spricht Zihrün-Uthra‘), dessen Name Josmir-Kannaä ist, zu

Jadatan, dem Manne, der diese Aufklärung gibt, der aus dem kleinen Finger

des Herrn der Größe hervorgegangen ist. Im Namen jenes Uthra wurden

zwei andere Uthras hervorgerufen, Adatan und Jadatan, die am Tage, an

dem der erste Jordan Hibil-Ziwä taufte, als seine Helfer hervorgerufen

wurden. Dann wurden sechs andere hervorgerufen: Sitil und Anos, Silmai

und Nidbai, Adakas-Manä und das große Mysterium, dessen Name Jofin-

Uthra ist.

 

Es ging mit ihm®) der große, erste Glanz, der aus dem Gewande des

Herrn der Größe herauskam. Allen Welten des Lichtes wie der Finsternis

schuf er eine Grenze. Er verschloß die Tore, stieg auf die Riegel‘), und

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Siehe oben, p. 13%.

 

2) DDr als Subjekt bei Top auch Text 120, 24; 121, 13.

 

») Mandä dHaije spricht.

 

*, Das ist Hibil. 5) Siehe oben, p. 89.

 

®) Die irdische Welt.

 

?) Ein eingeschobenes Bruchstück, das ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden steht.

 

8) Mit Hibil-Ziwa.

 

3) Dies ist wohl der Sinn von NN). das sich auch R 145, 13 findet. ZIMMERN schreibt

mir dazu: „.NMN) ist wohl das entlehnte gamiru, gameru, synon. giru „ein Teil des Tür-

schlosses oder Schlüssels“ bei DELITZSCH, Handwört. 201a. Das Wort kommt, als seltenes

Wort, nur an den beiden von DELITZSCH genannten Vokabularstellen vor und wird, da es

 

 

Fi

 

 

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-

 

 

5

 

 

20

 

 

25

 

 

30

 

 

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15

 

 

30

 

 

33

 

 

144 Rechter Teil. 127, 24—129, 13

 

 

der Paß (Passierschein) und das große Mysterium, die ihm von uns mit-

gegeben waren: [128] jeder kriegerische Dew, der jenen Paß sah, drückte

sein Siegel darauf. Er stiftete Frieden in allen Lichtwelten, die unbegrenzt

und endlos sind.

 

Als ich alle diese Dinge, die geheimen und geoffenbarten, erzählte

und sagte‘), verehrte ich, pries und verherrlichte den Herrn der Größe

gemäß der Weisheit und dem Wissen und dem, was das Leben mir sonst

mitgeteilt. Jene tausend Jahre war ich vor dem Herrn der Größe, indem

ich hingestreckt auf meinem Gesichte lag. Dann rief mich der Herr der

Größe, faßte mich bei der Fläche meiner Rechten und richtete mich von

meiner Lage empor. Alsdann breitete der Herr der Größe von seinem

Glanze über mich, verlieh mir von seinem Lichte und legte mir um das

Haupt einen Kranz von Siegen aus lichtvollem Laube. Geschaffen wurde

auch Glanz und Licht allen Uthras, geschaffen allen Uthras Gewänder,

geschaffen ein Gewand dem Herrn der Größe.

 

Hernach erhob sich der Herr der Größe und schuf zu seiner Rechten

444 Skinäs und zu seiner Linken 366 Skinas. Aus jeder einzelnen Skina

schuf er dann 1800000 Myriaden Uthras, die wert und wundersam sind,

deren Glanz wundersam, deren Jicht hell und leuchtend ist, durch deren

Glanz die Leuchten flackern’) und leuchten, die vor ihnen leuchten. In

jeder einzelnen Skinä haben sich zwei Leibwächter niedergelassen, und zwei

Leuchten leuchten davor.

 

Wie ist der Name des ÖOberwächters der 444 Skinas? Wie ist der

Name dessen der 366 Skinas?

 

[129] Das Haupt der 444 Skinas führt den Namen Barbag-Uthra, auch

Azazel mit Namen. Das der 366 Skmäs nennt man Anan-Nsab, auch

Taurel-Uthra mit Namen. Mit dem Namen Taurel-Uthra schuf®) er sich

am Anfange der ersten Schöpfung, alsdann schuf er alle Uthras.

 

Manda dHaije und der Herr der Größe machten sich auf und stiegen

zum Jordan hinunter, und (der Herr der Größe) bereitete‘) die Taufe. Als

er den rüstigen Uthra, den großen, wohlgerüsteten Uthra taufen wollte,

wandte sich der große Jordan an den Herrn der Größe, redete und sprach

mit ıhm: „Wer ist dieser Uthra, den du in mir taufen willst, der du und

dein Abbild’) in mir getauft wurdet?“ Alsdann, als das lebende Wasser

den Glanz und das Licht des Hibil-Ziwä, den Glanz, das Licht und die

 

 

 

 

 

 

 

 

an der zweiten Stelle gerade nur mit medilu „Riegel“ zusammen genannt wird, wohl das

letztere bedeuten, nicht etwa „Schlüssel“.

 

!) Wiederum ohne Anschluß an das Vorhergehende. Der Sprecher ist Hibil-Ziwä.

 

?) Lies NYIDN”.

 

®) Auch Dr ist die Zweideutigkeit von X” störend, da es rufen, nennen“, wie „her-

vorrufen, schaffen“ bedeuten kann.

 

*) Auch hier steht XP, also „rief hervor“.

 

°) Das „Abbild“ der Gottheit erscheint namentlich im folgenden Stück als ihr weiblicher

Paredros. Man hat mit Recht auf die Bezeichnung der Tanit, der karthagischen Caelestis,

als „Antlitz des Baal‘ hingewiesen, siehe Brandt, Schr., p. 137.

 

 

F

 

 

129, 13—130, 17 Viertes Buch. 145

 

 

Herrlichkeit des Manda dHaije und den Olivenstab lebenden Wassers er-

blickte, der aus Jokafar-Kannä geschaffen worden war, scherzte es und

hielt sich nicht still, hüpfte und drehte sich hin und her, gleich den Wellen

in Sindiriawis, dem großen Jordan des Lebens.

 

Darauf sprach der Herr der Größe zum großen Jordan: „Du, großer

Jordan des Lebens, bleib ruhig und fest an deiner Stätte, denn Hibil-Ziwä

soll in dir getauft werden.“ Da wandte sich der große Jordan des Lebens

von den Worten des Herrn der Größe nicht ab und wich von seiner Rede

nicht ab. Der Jordan des lebenden Wassers blieb stehen, und Hibil-Ziwä

wurde in ihm getauft. Getauft wurde Hibil-Ziwa, getauft wurden mit ihm

seine beiden Brüder‘), getauft vier andere, die Große genannt werden. Er

taufte die drei Uthras, die [130] seine Brüder und seine Helfer sind’).

 

Als er diese alle, die mit ihm waren, taufte, als er im Jordan stand mit

seinem Schöpfer, dem Herrn der Größe, redete er, sang ein Lied über den

Jordan und sprach:

 

„An der Spitze’) des Wassers zog ich aus,

 

an der Spitze der Sprudel des Lebens ging ich hierher.

Ich gründete drei Skimas

 

und setzte Hüter über sie ein.

Die Hüter, die ich über sie einsetzte,

 

sind wundersam, gesegnet und beständig“.

 

Alsdann festigte‘) Manda dHaije die Taufe. Er stieg dann aus dem

Jordan und schloß Kustä mit den Großen. Und der Herr der Größe, als

Manda dHaije aus dem Jordan stieg und seine Brüder, die seine Söhne

sind’), siegelte, er, der Herr der Größe, respondierte Manda dHaije und

sprach zu ihm:

 

„Dein Glanz ist hell,

 

und dein Licht leuchtet.

Die Jünger leuchten durch deinen Glanz,

und ihre Gestalt leuchtet mehr als alle Welt.“

Er rief Hibil zu und sprach zu ihm:

„Die Stimme Hibil-Ziwas höre ich,

der am Lichtorte redet und vorträgt,

 

die Stimme seiner Rede, die lieblich ist.

 

Mein Herz wurde mir erweckt, wurde des Lobpreises voll.

 

Mein Herz wurde mir erweckt, und meine Seele freute sich,

 

mein Sinn freut sich und prangt,

und mein Inneres frohlockt über die Maßen.

 

 

 

 

 

2) Sitil und Anös.

2) Drei Uthras neben Hibil auch oben; p. 26, 28.

3) Siehe Lit., p. 149, LXXXII

*) Siehe Lit.. p. XXHLf.

5) Die höheren Wesen werden öfter zugleich als Brüder und Söhne anderer bezeichnet,

damit soll ihre völlige Gleichartigkeit zum Ausdruck kommen.

Lidzbarski, Ginza. 10

 

 

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2

 

 

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in

 

 

30

 

 

55

 

 

5

 

 

15

 

 

25

 

 

530

 

 

38)

 

 

146 Rechter Teil. 130, 17—131, 21

 

 

Ich hüpfe und freue mich über die Werke,

die Hibil-Ziwä ausgeführt,

und die durch seine Hand vortrefflich gelangen.“

 

Er behütete ihn, festigte ihn, rüstete ihn, segnete ihn und breitete

von seiner Gnade über ihn. Er verlieh Hibil-Ziwa Glanz, rief dann Sitil,

festigte ihn und sprach zu ihm:

 

„Behüte, behüte, Sitil-Uthra,

 

daß deine Rede die der Dämonen sei.

Deine Rede sei unsere Rede,

sei mit uns verbunden und werde nicht abgeschnitten.“

 

Er verlieh Sitil Licht, rief dann Anos, festigte ihn und sprach zu ihm:

„Dich segneten [131] die vier Uthras, die im gegenseitigen Glanze') dasitzen.

Sie tauften dich mit ihrer Taufe und bekleideten dich mit Gewändern von

den ihrigen.“ Er verlieh Anos Helligkeit und gewährte ihm reichen Glanz,

wie seinen beiden Brüdern.

 

Da sprach die große Leuchte, die über alle Welten leuchtet, sie redete

und sprach zum Herrn der Größe. Der Name jener Leuchte ist Jattir-

Jathrün; sie hat 360 Namen. Sie sprach zu ihm:

 

„Wessen ist dieser Glanz?)

Wessen ist dieses Licht?

Wessen ist diese Helligkeit?“

Darauf erwiderte er ihr:

„Dieser Glanz gehört Hibil,

dieses Licht gehört Sitil,

diese Helligkeit gehört Anos-Uthra°),

die ausgedehnt und endlos ist.“

 

Der Lichtkönig siegelte sie‘), er siegelte sie in vollkommener Weise.

Er rief Silmai und Nidbai, legte seine Rechte auf sie, segnete sie mit seinem

Segen und sprach zu ihm‘): „Wir freuen uns dieses Bildes, das geschaffen

wurde.“ Sie riefen dann R’ham-Razä und Adakas-Mäna und seine Helfer.

Sie schufen ihnen eine bergende Wolke, damit die Uthras ihre Gestalt

nicht schauen, und sprachen zu ihnen: „Die Uthras sangen Hymnen in ihrer

Herrlichkeit, und ihr Großen freuet euch eurer Erleuchtung. Die Lichtwolke

freut sich und prangt.“

 

Als der Mann an ......... °) kam, setzte er sich hin. Der Licht-

könig siegelte seine Helfer, seine Brüder, die seine Söhne sind. Er siegelte

Sindiriawis, den großen Jordan des Lebens, in dem niemand getauft werden

 

 

 

 

 

1) Vgl. auch R 335, 4. 2) Vgl. Lit., p. 245, XXIIf.

 

®) Leid. hat NYID NIMy (für NND): dem großen Uthra.

 

4) Hibil, Sitil und Anöß.

 

°) Hier ist schwerlich nur einer von den beiden Genien gemeint; man hat wohl

POANEN) „und sprach zu ihnen“ zu lesen.

 

®) Ein Wort kosmischer Bedeutung, dessen Sinn sich nicht mit Sicherheit feststellen

 

 

läßt, siehe Joh. II, p. 66°.

 

 

131, 21—133, 5 Viertes Buch. 147

 

 

kann. Er sprach zu ihnen: „Wir führten die Güte des großen (Lebens)

aus’) und brachten deine Barmherzigkeit in Ordnung. Wir schufen den

großen Jordan des Lebens und die 360 Jordane, in denen Hihil-Ziwä ge-

tauft wurde.“

 

Alsdann sprach Manda dHaije zum großen (Leben), [132] das ihn ge-

schaffen hatte: „Gewähre, daß wir diesen erstgeborenen Sohn, den ich ge-

schaffen, zur Welt der Bösen senden.“ Da sagte sein Abbild?) zu ihm:

„Nimm kein (zu frühes) Ende!’) Wie kannst du ihn nur „mein Sohn“

nennen!“ Darauf erwiderte er ihr: „Wenn ich ihn nicht „mein Sohn“

nennen soll, wer soll ihn „mein Sohn‘ nennen?“ Er sprach dann zu Hibil-

Zıwa, dem Haupte des ganzen Geschlechtes: „Wie wir dich geschaffen

haben, so schaffe du die Uthras, deine Brüder, auf daß sie auf den Schatz

des Lebens achtgeben. Wenn du zur Finsternis gehest, nimm die Kraft

der raschen Taube an.“

 

Alsdann machte sich Hibil-Ziwä auf, ging hin und unterwarf die Ver-

gänglichen. Er tat den gewaltigen Unholden etwas an, das ihnen verhaßt

war. Er sah Rüha dQudsä, wie sie mit dem hinfälligen Unhold schwanger

war. Sie war mit dem Könige der Finsternis schwanger, und sie sagen:

„Wir wollen die Herren aller Welten, der oberen, mittleren und unteren

sein.“ Ich sah den König der Finsternis, wie meine Eltern es mir gesagt.

[Ich unterwarf] Rüha, Hewath‘) das Weib, die Mutter des hinfälligen Un-

holdes. Ich unterwarf den König der Finsternis, dessen Mutter sagt: „Wir

wollen die Herren aller Welten sein.“ Ich schuf über ihm eine große

Verdichtung und richtete ein ...... ’), über ihm auf, worin ich die Welt

aufrichtete. Ich verfluchte Hewath das Weib, die Mutter des hinfälligen

Unholdes, und sprach zu ihr: „Dein Fluch und dein Segen seien dein

alleiniger Anteil‘). Deine Söhne und Ptahil-Uthra sollen diese Welt ein-

richten. Nur infolge des Planes des Josamin’) bin ich zu euch gekommen.

Ich kam zu euch und tat der Finsternis etwas Verhaßtes an. Denn ohne

Mangel und Fehl habe ich ausgeführt, was meine Eltern mir befohlen. Denn

[133] ein Sohn, der auf die Rede seiner Eltern‘) nicht hört, wird hier bei

euch zurückgehalten. Ich jedoch gehorchte und nahm an und schlug nicht

in den Wind, was meine Eltern mir befohlen. Ja, ich hörte auf ihre Rede,

ich nahm sie an und ging hin, richtete sie im Schatze der Uthras, der

Hüter des Schatzes, der Stützen des ganzen Palastes, auf. Kustä nahm ich

 

1) Vgl. Lit., p. 1, 6.

 

2) D. h. seine Frau, siehe p. 144°.

 

3) Die Wendung findet sich nur an dieser Stelle. Sie ist wohl sinnverwandt mit

NW2 NND INMOIDND „stirb keines schlimmen Todes‘ R 161, 6.

 

4) Siehe oben, p. 7L!.

 

5) Siehe zu NINAIND oben, p. 89°. „Abflußrohr, Rinne“ paßt hier nicht.

 

6) Sollen auf dich zurückfallen.

 

?) Über den Plan des JöSamin und dessen Auflehnung gegen die Lichtwelt siehe Joh.

II, p. 16ff., 28 und hier das dritte Buch.

 

8) Leid. hat TNNIRINT NMWT.

192

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148 Rechter Teil. 133, 6—19

 

 

in meine Rechte und ging zur Welt der Finsternis. Die einen standen

fest im Glauben, die anderen hielten sich selber in der Welt der Finsternis

zurück. Di» im Glauben fest standen, steigen empor und schauen den

Ort des Lichtes. Die nicht fest im Glauben standen, werden am Tage des

Endes ein Ende nehmen.“

 

Mandä dHaije redete und sprach: „Dieser Kampf, der stattfand, fand

Jöosamins wegen statt. Denn ein jeder, der ein Haus baut und davor eine

Moschee einrichtet ee).

 

Ein jeder, der diesen Traktat betet und ihn nicht mit aufrichtigem

Herzen und gläubigen Lippen rezitiert, wird vom Wege vor ihm?) abge-

schnitten werden. Doch ein jeder, der ihn mit aufrichtigem Herzen und

gläubigen Lippen rezitiert, wird einen Erlasser der Sünden und Vergehen

erhalten.

 

Gepriesen sei Manda dHaije und seine Helfer Hibil, Sitil und Anos

und Silmai und Nidbai. Und das Leben ist siegreich in alle Ewigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Der Rest ist wohl mit Rücksicht auf die Muslims gestrichen.

®) Der vor ihm zum Lichte emporführt.

 

 

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Fünftes Buch.

 

 

Im Namen des großen, fremden Lebens aus den Lichtwelten, des er-

habenen, das über allen Werken steht, werde Heilung und Sieghaftigkeit,

Kraft und Festigkeit, Rede und Erhörung und ein Sündenerlasser zuteil

mir NN und meiner Gattin NN ...... Und ihr Name werde aufgerichtet

im Hause des Lebens.

 

 

 

 

 

Erstes Stück.

 

 

Das wichtigste Stück des mandäischen Schrifttums über den Abstieg des Erlösers in

die Unterwelt. Während im Hauptteil des dritten Buches es Mandä dHaije ist, der zum

Kampfe mit den Unterirdischen hinabgesandt wird, ist es in diesem Stücke Hibil-Ziwä, der

darin als Sohn Mandä dHaije’s erscheint. Bei der Charakterisierung der finsteren Mächte,

der Schilderung ihres Treibens und ihres Verhaltens dem überirdischen, fremden Manne gegen-

über zeigt die Darstellung eine Höhe, die sonst in der mandäischen Literatur nicht erreicht

ist. Trotz der Riesenhaftigkeit der Unholde und des Bewußtseins ihrer Macht fühlen sie

sich doch tief unter dem Lichtwesen stehend, und dies kommt in ihrem unterwürfigen, diener-

haften Eifer um ihn packend zum Ausdruck. Der Traktat ist auch wie kein anderer reich

an mythischen Zügen. Trotzdem ist auch er nicht einheitlich, und die Darstellung wird

durch Widersprüche und Aneinanderreihen paralleler Züge gestört. Die Erzählung ist auch

nicht vollständig; der Anfang ist abgerissen und ohne Kopf. Die Überarbeitung gerade des

Anfanges zeigt sich auch darin, daß da von Hibil-Ziwä in der dritten Person erzählt wird,

während Hibil im weiteren Verlauf des Stückes von sich in der ersten Person spricht. Als

höchste Wesen erscheinen der Mänä und sein Abbild als sein weiblicher Genosse (siehe p. 144°).

Außer ihnen wird aber das Leben genannt und als weibliches Wesen die Nituftä. Das Leben,

auch die Nituftä werden stellenweise mit dem Mänä und seinem Abbilde kombiniert, so daß

eine Dreiheit gebildet ist. Wahrscheinlich war ursprünglich in einer Version Mänä nebst

seinem Abbild, in einer anderen das Leben genannt, und die Nituftä gehörte, wohl auch

 

 

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35

 

 

150 Rechter Teil. 133, 24-134, 12

 

 

sekundär, zu diesem. Auch der Zweck des Descensus hebt sich aus der jetzigen Darstellung

nicht scharf genug ab, er läßt sich nur erschließen: Die Mänäs erfahren, daß in der Unterwelt

ein Wesen geboren werden soll, das einen Kampf mit der Lichtwelt aufnehmen wird; dem

soll der Erlöser entgegentreten. Die Geburt des Bösen scheint festzustehen und das Ge-

schehnis unabwendbar; dem Erlöser kann nur die Aufgabe zufallen, ihn möglichst unschäd-

lich zu machen. Er steigt in die Unterwelt mit einem Heere Helfer hinunter und geht

darauf aus, die Geburt des Bösen nach Möglichkeit hinzuziehen, ihm dann seine Kraft zu

nehmen und ihn in Fesseln zu legen. Wie die Kraft Hibils im „großen Mysterium‘ besteht, das

ihm aus der Lichtwelt mitgegeben wird, so ist auch die Stärke der Unterirdischen an ein

Objekt gebunden, das in der Unterwelt verborgen ist und das Hibil rauben soll. Im Ver-

laufe der Erzählung werden verschiedene Gegenstände genannt, wohl nach der Verschieden-

heit der Quellen. Zuerst ist es ein Mrärä und Gimrä, dessen Bedeutung sich nicht bestimmen

läßt (weiterhin nur Gimrä), dann ein Zauberspiegel, dann eine Krone, schließlich eine Perle.

Hibil raubt diese Gegenstände, und es gelingt ihm, Ur in Fesseln zu legen. Hier p. 173, 31

sowie oben, p. 143, 15 wird nur kurz angedeutet, daß die Fesselung Urs dauern sollte, bis die

irdische Welt geschaffen wird. Bei dieser Gelegenheit sollte wohl Ur mit Hilfe der Sieben

und Zwölf, die Rühä trotz seiner Fesselung von ihm gebiert, sich befreien und sich zum

Äpxwv TOD KÖonon Tobrou emporschwingen. Aber dies wird nicht ausgeführt, wohl aber wird

kurz erzählt, dab Abathur in Ptahil sein Abbild und seinen Sohn erhält und daß dieser auf

Abathurs Aufforderung trotz der Warnung Hibils die Erde schafft. Rühä gebiert die Sieben

und Zwölf, Hibil findet sich damit ab und weist den Planeten ihre Stellung in der Welt zu.

Mit ihrer Hilfe schafft Hibil auch das erste Menschenpaar.

 

Der Inhalt dieses Abschnittes ist bei PETERMANN, Reisen im Orient II, p. 450 ft.

wiedergegeben. Auch SIOUFFT's Gewährsmann erzählt die Hauptzüge des Stückes mit fremden

Zügen untermischt (p. 48 ff.). Auf Grund von BRANDT’s Übersetzung Schr., p. 137 ff. sucht

BOUSSET, Hauptprobleme, p. 244ft., den Inhalt zu analysieren. siehe auch Brandt, Rel.,

p. 29, 213#f.

 

 

Im Namen [134] des fremden Lebens aus den Lichtwelten, des er-

habenen, das über allen Werken steht.

 

Dies ist das Mysterium, das Buch und das geheime Gebet‘). Denn

das Leben hielt verborgen die Rede des Manda dHaije, als er vor dem

Mänä und seinem Abbilde und vor dem Leben die Offenbarung äußerte,

daß ein Dew aus Siniawis, der unteren Erde der Finsternis, emporstrebte?).

Als Mandä dHaije dies sagte, sprach das Leben und der Mäna und sein

Abbild zu ihm: „Warum sitzest du da, du Schatzhalter®) und unser ältester

Sohn? Auf, steig hinab, geh hin und tue, was du wünschest.“

 

Als Mandä dHaije dies von ihnen hörte, verneigte sich Manda dHaije,

streckte sich vor ihnen hin und sprach zu ihnen: ‚‚Ich will mich aufmachen

 

 

2) Statt 0MD würde ich lieber NW annehmen: die geheime Lehre, siehe z. B. Text

126, 3. ®) Leid. hat INNY.

 

®) Dieser Name ist ihm als dem Behüter der Geheimnisse und Mysterien beigelegt. Wohl

aus demselben Grunde dient das Wort 7270) auch als Bezeichnung für den hohen Priester

der Mandäer.

 

 

 

 

 

134, 12—135, 13 Fünftes Buch. Erstes Stück. 151

 

 

und den Schatzhalter'), euren Sohn, jene Pflanze, die ihr gepflanzet, das

Abbild, das ihr gebildet habt aus eurem Versteck, eurem Ei?), aus jenem

Jordan, den ihr hingezogen und .....-..- ‚ aus dem Tanna°) und der Ader

eures Ortes rufen.“

 

Als Manda dHaije so sprach, wurde seine Stimme in allen Welten ge-

hört. Er stand auf, taufte und brachte herbei‘) jenen seinen Sohn und

sein Abbild. ‚Vater, wohin gehen wir?“ fragte dieser ihn. Darauf ant-

wortete er ihm: ‚Auf, komm, ich will dir das Abbild des Mana’) und Manä

und sein großes, verborgenes Abbild zeigen, das vor allen Uthras in 365

verborgenen, gewaltigen Welten und Eiern des Lichtes verborgen ist.“

 

Darauf sprach zu Manda dHaije sein Sohn, der sein Bruder ist®): „Wo

ich mich ängstige, dieses erste Abbild, jenes Abbild des Mänä und den

Manä und sein verborgenes Abbild, das [135] vor aller Welt verborgen ist,

zu schauen!“ Worauf sein Vater, der sein Bruder ist, ihm erwiderte: „Mich

haben sie mit raschem Schritt hergesandt, und ich bin zu dir gekommen;

warum sitzest du nun, geliebter Sohn, da, dem man ‚der Glanz des Lebens

handelte und hatte Erfolg und Bestand‘ als Namen gegeben hat? Jetzt

auf! Wir wollen hingehen und das Antlitz jener hoelrgeehrten Mänas

schauen.‘

 

Als sein Vater dies sagte, gefiel es jenem sanften, gefestigten Sohne.

Er faßte seinen Vater bei der Rechten und ging mit ihm, bis er zu den

Versteeken und Eiern der Wesen, gewaltig an Herrlichkeit kam. Als er

hinkam, sprachen zu ihm das erste Leben und Manä und sein Abbild: „Was

tuest du Jawar-Kbar, Sohn des Mandä dHaije’), der uns die Stirnlocken auf

dem Haupte flicht °) ?‘

 

Darauf erwiderte er ihnen: „Wohlan, ihr suchtet®) und fandet; suchet

abermals und findet. Ich machte mich auf und brachte euren Sohn.“ Da

sagten sie zu ihm: „Auf, führe ihn hinein und bring ihn, damit wir ihn

sehen und er uns sehe.“

 

 

1) Hier ist es eine Bezeichnung für Hibil-Ziwa.

 

2) Shbeleh hr eigentlich „Eiweiß“ findet sich häufig namentlich als Herkunfts- und Ent-

stehungsort geistiger Wesen, siehe Joh. II, p. 208°.

 

3) Ein Wort unsicherer Herkunft. Verschiedentlich ist davon die Rede, dab das NINN

schmelze, es steht auch sonst in Verbindung mit Wärme, daher ist es vielleicht aus NYNN

„Ofen“ gekürzt.

 

*) Leid. hat FINN) TI’2.

 

5) Es ist unklar, wer dieses Abbild sein soll, vielleicht das Leben, siehe weiterhin.

 

6) Siehe oben, p. 145°.

 

?) BRANDT bemerkt richtig, daß die Ansprache an Mandä dHaije selbst gerichtet ist,

der auch nachher antwortet. Zu Kbar siehe auch oben, p. 67, 19, der dort mit Manda dHaije

identifiziert wird. Jäwar heißt „Helfer“.

 

8) Eigentlich die Hörner. Die Stirnlocken werden wie ein Kranz um das Haupt ge-

flochten und bilden eine Zier des Hauptes; N steht auch bei Kränzen. Der Ausdruck

findet sich öfter: R 178, 10; 257, 14; 373, 5; L 42, 15; Joh. 51, 5. Hier ist der Sinn, daß

er ihre Zier sei und ihnen zur Zier gereiche.

 

9, Lies IN.

 

 

 

 

 

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152 Rechter Teil. 155, 13—186, 21

 

 

Da stand er auf, ging hin, führte ihn hinein und brachte ihn vor jene

hochgeehrten Mänäs. Als Hibil, der künftige Mäna'), bei ihnen eintrat,

ängstigte er sich vor ihnen, weil ihr Glanz wundersam, ihr Licht helleuch-

tend war und niemand jene ihre Gestalt zu schauen vermag, weil ihr Glanz

ausgedehnt und ihr Licht groß ist.

 

Als die beiden teuren Mänäs”) und das erste Abbild mich erblickten‘®),

stellten sie mich vor sich hin, küßten und kosten mich. Ich jedoch streckte

mich vor ihnen hin, betete an und pries jenes Abbild. Tausend Jahre lag

ich davor hingestreckt, bis mich dann jener Mänä mit seiner Rechten an-

faßte, mich von meiner Lage aufrichtete und sprach: „Steh auf, Manä

Hibil-Ziwa, den wir gerufen haben. Ängstige dich nicht.“ Auch das Ab-

bild des großen Mänä legte die Hand auf mich, Hibil-Ziwa.

 

Alsdann öffneten sie ihren Mund und sprachen: [186] „Warum sitzest

du da? Steh auf, wir wollen dich in 360000 Jordanen taufen und mit 360%)

Gewändern bekleiden.“ Sie bedeckten ihn mit Hüllen, von denen eine

jede wundersamer war als die andere. Sie standen auf, tauften ihn in

360000 Jordanen und sprachen geheime Namen über ihn, von denen ein

jeder wundersamer war als der andere. Sie bewachten mich tausend My-

riaden endlose Jahre. Ich blieb bei ihnen in jenem verborgenen Ei, bis

ich groß wurde und ihnen glich.

 

Alsdann legte mein Vater die Hand auf mich, Hibil-Jawar — er hair

mir seinen Namen Jäwar”) beigelegt — und schuf mir eine Welt, ausgedehnt

und endlos. In jener Welt schuf er mir zehntausend mal tausend Licht-

welten und schuf mir 360°) gewaltige, innere’) Jordane. In jeder einzelnen

Welt schuf er mir 360000 Uthras, in jeder einzelnen Skina schuf er mir

360000 Skinäs. Jede einzelne Welt war verschieden (von der anderen), und

wundersam war ihr Glanz, ihre Erleuchtung und ihr Lobpreis‘).

 

Mein Vater gab mir sein Gewand mit, in dem er geschaffen worden

war, das Gewand, in dem er die Taufe empfangen hatte, auch ein ver-

borgenes Mysterium gab er mir, das von den Großen behütet ist, und sie

sprachen°): „Gehe, gehe, unser Sohn und unser Abbild, dessen Glanz wunder-

samer ist als der aller Uthras. Der Ort, in den du dich begibst: schweres

Leid‘) wartet deiner in jenen Welten der Finsternis. Generationen über

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Zum Gebrauch von NMNY im Mandäischen siehe Lit., p. 251!. Es heißt „bereit

(um in die Erscheinung zu treten), zukünftig“. Vorläufig sind die Wesen noch jenseitig,

und so deckt sich der Sinn des Wortes ungefähr mit dem von ’NINW oder WIND.

 

2) Das Leben und der große Mänä.

 

°) Von hier an spricht Hibil-Ziwä in der ersten Person, doch fällt die Erzählung öfter

in die dritte Person zurück.

 

*) Leid. hat 360000.

 

5) Siehe oben, p. 151°. 6) Leid. hat 360000.

 

?) Zur Überwelt gehörig, aus dieser nicht heraustretend.

 

®) Siehe oben, p. 55°.

 

?) Nach dem Folgenden sind die Eltern als Subjekt gedacht.

 

zeEVol. Nolde p. A0b.

 

 

 

 

 

136, 22—138, 4 Fünftes Buch. Erstes Stück. 153

 

 

Generationen wirst du da bleiben, bis wir dich vergessen. Deine Gestalt

wird dort bleiben, bis wir dir die Totenmesse lesen.“

 

Als er dies von seinen Eltern hörte, verneigte er sich und streckte

sich [137] vor ihnen hin und sprach zu ihnen: „Wohlan! Mit eurer, meiner

Eltern, Kraft und dem großen Mysterium, das von euch bewahrt ist, mit

der Kraft meines Vaters Manda dHaije, wohlan, will ich mich aufmachen

und nach dem Orte gehen, an den ihr mich sendet.“

 

Also sprach Hibil-Manä-Jäwar. Sein Vater geht und kommt mit ihm,

und seine beiden Brüder’) gehen mit ihm. Sie lasen Hymnen, Gebete und

Gebetsordnungen, ihr Herz hüpfte vor ihrem Vater, und ihrem Vater hüpfte

sein Inneres, und er sprach: „Es gibt keinen wie ich bin, dem seine Eltern,

die großen Mänas, solche verborgene Sprossen hervorgerufen und geschaffen

haben.“

 

Ihr Vater geht und wandert mit ihnen, bis er an den Ort der beiden

Grenzen kommt, der zwischen Licht und Finsternis liegt’). Sein Vater

sprach dann zu ihm: „Gehe, mein Sohn Hibil samt deinen beiden Brüdern,

die dich begleiten. Sie sollen mit der Gnade hinkommen, die dein Vater

dir bereitet’).“ Darauf erwiderte Hibil seinem Vater, dem reinen Mänaä:

„Jemand, den sein Vater wappnet, siegelt, tauft und festigt, braucht die

Bösen nicht zu fürchten.“ Sein Vater umarmte ihn nicht und küßte ihn

nicht. Da sprach er zu seinem Vater: „Wenn du mich umarmtest, käme

großes Leid über mich‘).“ Als sein Vater dies von Hibil hörte, verneigte

er sich und festigte ihn. Sein Vater machte sich dann auf den Weg’) und

begab sich zum Mäna und seinem Abbild.

 

Ich Jäwar-Hibil sprach nun: „Wohlan! Mit eurer, meiner Eltern, Kraft

und mit der Kraft des großen Mysteriums und der Helfer, die mich be-

gleiten, will ich zur Finsternis hinabsteigen.‘

 

Als ich nun hinabsteigen und meine Füße in das schwarze Wasser

tauchen und auf die Mauern, die Finsternis und Licht trennen, (setzen)

wollte, zogen sie sich vor mir um tausend Meilen zurück, und ich gelangte

in die erste Welt der Finsternis, [138] in der Rüha wohnte. In jener Welt

wohnte ich tausend Myriaden Jahre, und niemand wußte von mir, daß ich

dort war. In dieser Welt war ich vor ihren Augen verborgen.

 

Alsdann sprach das große Mysterium, das mir beigegeben war: „Wir

 

?) Sitil und Anös.

 

2) Licht und Finsternis haben je eine eigene Grenze. !N NIS MI könnte an sich

auch „zwischen die beiden Grenzen“ übersetzt werden, aber N’Y3%5 MD „Grenzort“ ist ge-

rade in diesem Stücke häufig.

 

2) Wohl IRONNWD 20T zu lesen. SDDNT ist durch das Folgende beeinflußt und

danach auch IRONNVD abgeändert.

 

4) xDy kann hier kaum in anderem Sinne aufgefaßt werden, als oben, p. 152, 33. Die

Bedeutung des Satzes ist dunkel.

 

5) Eigentlich: schaute nach seinem Wege aus. Der Ausdruck ist erstarrt und be-

 

 

zeichnet auch den Aufbruch. Er findet sich nur einigemal in diesem Traktat, außer hier

noch Text 158, 17; 164, 8, 23.

 

 

 

 

 

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154 Rechter Teil. 138, 4—139, 17

 

 

wollen nach unten gehen.“ Darauf stieg ich unter diese Welt und kam in

die Welt des großen Zartai-Zartanai; welchem Dinge seine Gestalt gleicht,

weiß ich nicht. Da sprach ich zu ihnen: „Sehet ihr, Uthras, meine Brüder,

welchem Dinge die Gestalt dieses Zartai-Zartanai gleicht?“ Ich sprach

dann zu ihm: „Gefesselt und niedergehalten sei diese deine Gestalt, Zartai-

Zartanai, und die deiner Gattin Amamit.“

 

Jahre um Jahre und Generationen um Generationen war ich da, und

sie wußten um mich nicht, daß ich da in ihrer Welt wohnte. Lichtwesen

waren mit mir, und wir trugen Gebetsordnungen, Gebete und Totenmessen

vor. Ihr Herz hüpfte bei ihrer Erleuchtung und ihrer Lobpreisung. Tag

für Tag steigt diese zum Leben und zum Mana und seinem großen, ersten

Abbild empor, die das Leben geschaffen. Ich sagte mir, daß ich beim

Leben, meinem Vater, sitze und mich daher vor diesen Gestalten nicht zu

ängstigen brauche.

 

Alsdann verließ ich Zartai-Zartanai, brach auf und ging nach anderen

Welten, denen des Hag und der Mag, der beiden Manäs der Finsternis,

deren Zauberkunst größer ist als die aller Wesen der Finsternis. Von der

Welt des Zartai-Zartanai bis zur Welt des Hag und der Mag sind tausend

Meilen ohne Zahl. Ich sprach:

 

„Wer hat mich hierher gebracht,

 

und ihr, meine Füße, wer hat euch hierher emporsteigen lassen ?')“

 

Ich ging hin und fand diese zwei gewaltigen Mänäs der Finsternis,

Hag den Mann und Mag [139] das Weib. In jener Welt weilte ich sechzig-

tausend Myriaden Jahre. In jener Welt sah ich sie und wußte, was in

ihrem Herzen vorging.

 

Ich verließ sie dann, brach auf und kam zu einer anderen Welt, der

des Gaf und des Gafan, der gewaltigen Riesen der Finsternis, die aus der

Quelle des schwarzen, zischenden, brodelnden Wassers hervorgegangen

sind, das wie siedende Kessel kocht, sprudelt und in die Höhe steigt. Von

jener Welt des Hag und der Mag bis zur Welt des Gaf und des Gafan

sind hunderttausend Myriaden Meilen ohne Zahl und Rechnung.

 

Als ich Gaf und Gafan erblickte, — ihre Gestalt ist verkehrte Gestalten;

sie gleichen Drachen, und ihre Weiber gleichen Salamandern, — sprach

ich zu ihnen: „Gebunden und gefesselt seiet ihr, Riesen der Finsternis, und

gefesselt sei euer Körper mit der großen Fesselung, mit der die Schmiede’)

die Unholde fesseln. Gefesselt sei eure Zauberei und euer Trug, die ihr

treibet. Gefesselt seien eure Weiber, die Liliths, die Salamander, die ver-

kehrten Gestalten, die häßlich, verdreht und verschnürt sind, deren Aus-

sehen und deren Geschwätz niemand ertragen kann.“

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Wahrscheinlich ein Zitat aus einem anderen Zusammenhange, wie auch R 263, 1.

Daher das hier nicht passende „emporsteigen‘, während man „hinabsteigen‘‘ erwartet. Frei-

lich ist auch weiterhin an einigen Stellen von einem Emporsteigen die Rede, wo Hibil noch

tiefer hinabsteigt. 2) NIRIND statt NN? nach einer Konjektur

NÖLDEKE’s, die mir aber nicht sicher scheint.

 

 

139, 17—141, 6 Fünftes Buch. Erstes Stück. 155

 

 

Ich sprach zu den Uthras, meinen Brüdern: „Habt ihr gesehen, welchem

Dinge diese hinfälligen Riesen gleichen?“ Darauf sprachen meine Brüder,

die Uthras: „Wie weit sind doch die Grenzen dieser Welten der Finsternis

und wie zahlreich diese Riesen!“ Ich war vor ihren Augen tausend mal

tausend Myriaden Jahre ohne Ende und Zahl verborgen.

 

Darauf sprach zu mir‘) das große Mysterium, das mir beigegeben war:

„Warum sitzen wir an diesem Orte? Auf, wir wollen emporsteigen®) und

sehen, was wir tun wollen.“ Wir machen uns dann auf [140] aus der Welt

des Gaf und des Gafan, wir wandern und gehen zur Welt des Anatan, des

Kämpen der Finsternis, und seiner Gattin Qin, der Königin, der Herrin der

Finsternis, die „Mutter der Finsternis‘ genannt wurde, die aus dem schwarzen,

trüben, brodelnden, verderblichen, einander verzehrenden’) Wasser hervor-

gegangen ist, die alle Welten der Finsternis schuf. Von dem Tage, an dem

wir nach der finsteren Welt des kriegerischen Riesen Anatan gingen, den

sie geschaffen hatte, waren es tausend mal tausend Meilen, ein weiter, end-

loser Weg.

 

Ich sprach zu dem großen Mysterium, das mir beigegeben war: „Sieh

dir genau Qin und Anatan, die Riesen der Finsternis, daraufhin an, welchem

Dinge sie gleichen.“ Wir saßen bei ihnen Jahre und Generationen ohne

Zahl und Berechnung. Alle Wesen, die mir beigegeben waren, die Uthras

und die Skinäs: (sie waren da) mit Hymnen, Gebetsordnungen, Gebeten und

Totenmessen. Ihr Herz freute sich in ihnen und hüpfte vor Freude. Auch

ich freute mich ihrer Freude und der Helfer, die meine Eltern mir geschaffen

und aus ihrem Hofstaat mir beigegeben hatten. Ich sprach folgendermaßen:

„Ich sitze bei dem Mana und seinem Abbilde. Unser Herz hüpft und pocht.

Jene meine Erleuchtung und Lobpreisung steigt Tag für Tag, Stunde für

Stunde empor vor den verborgenen Mana und sein Abbild und vor die

große, verborgene, erste Nitufta‘), die vor den Liehtwelten existierte.“

 

Als ich diese Welten sehaute und untersuchte, sprach ich: „Es wird

einen Tag geben, da ich zu meinem Vater emporsteigen, mich hinsetzen

und mit ihm sprechen werde, ich und die Uthras, meine Brüder, die mit

mir gekommen sind, da ich Belehrung erhalten werde [141] durch das Wissen

und die Kenntnis, die Erleuchtung und Lobpreisung®), die meine Eltern

nachsuchten und wodurch sie sich in ihrem Sinne Klarheit verschafften.“

 

Als ich so sprach, sprachen meine Brüder und das große Mysterium,

das mir beigegeben war: „Nun wollen wir in die Höhe steigen‘). Warum

sitzen wir an diesem Orte, ohne zu wissen, wieviel Jahre ohne Zahl wir

hier sitzen? Auf, wir wollen das Tor der drei Könige öffnen, die Feuer

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Leid. hat MOINRON. 2) Siehe oben, p. 154!.

 

3) Im Aramäischen ist „Wasser“ eine Mehrzahl.

 

#, Eigentlich „Tropfen“, dient als Bezeichnung für weibliche höhere Wesen, siehe Uthra,

p. 538 f., Joh. II, p. 227 und hier, p. 149 unt.

 

5) Lies NNMIWIM NMMYD. Das Suffix der 1. Person ist durch das in INMINMININT

beeinflußt. ®) Siehe oben, p. 154.

 

 

 

 

 

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156 Rechter Teil. 141, 6—142, 23

 

 

nicht verzehrt, den Ort, wo das Staubwasser ist, den Ort, wo jenes Wasser

der Glanzsäule ist‘), den Ort, wo die Generation der Finsternis ein Ende

nimmt und unter dem niemand mehr da ist.‘

Als wir uns Klarheit und Kenntnis über dies und das verschafft hatten,

; öffneten wir die Tore. Wir öffneten das erste Tor und erblickten und

schauten den großen Sdüm, den Enkel der Finsternis. Wir sahen, daß seine

Gestalt nicht jenen Dews, den Riesen der Finsternis, glich.

Ich, Hibil, nahm nun eine große und schöne Gestalt an, setzte mich

vor ihn und sprach: „Wohlan, in deinem Namen, großes Mysterium, im

ıo Namen des verborgenen, ersten Lebens, das am verborgenen Orte verborgen

ist, im Namen des Mäna und seines Abbildes, im Namen meines Vaters

Mandä dHaije und mit dieser Erleuchtung der Uthras, die mit mir sind, die

mir als Helfer beigegeben sind, sie, die mir in diesen Welten der Finsternis

Gesellschaft leisten, wohin meine Eltern mich gesandt haben, wohlan, will

ich mit dem kriegerischen Sdum, dem König der finsteren Welt, sprechen.“

In der Freude, die ich empfand, redete ich und sprach zu ihm: „Friede

mit dir, kriegerischer Sdüm, König der Welt.“ Er sah mich (anfangs) nicht

an. Als ich ihn aber begrüßte, wandte er sich um, [142] sah mich, erhob

seine Augen, hob die Wellen seines Antlitzes’) in die Höhe und sprach:

20 „Friede mit dir, du Mann von schöner Gestalt.“ Ich sprach dann zu ihm:

„Nur ein Wort möchte ich mit dir sprechen.“ Darauf erwiderte er: ‚Sprich,

schöner Mann, dessen Gestalt schön und leuchtend ist.“

Hierauf sprach ich zu ihm: „Ein Sohn, der von euch hervorgeht, der

aus eurem Stamme und eurer Wurzel ist, will einen Kampf beginnen und

>; Aufruhr in eurer Welt’) stiften. Was saget ihr über ihn?“ Darauf er-

widerte jener Sdüm und sprach: „Ich weiß nichts. Steig unter mich hinab;

da ist einer, der älter ist als ich.“

Von dem Tage, an dem ich zu ihm gekommen war, bis zu der Zeit,

da ich zum großen Gew hinabstieg, waren es hunderttausend Jahre.

30 Alsdann machte ich mich zu einem Manne, der schöner als sie ist,

und setzte mich vor Gew, ohne daß er wußte, daß ich mich ihm genähert

hatte. Darauf begrüßte ich ihn, worauf er erwiderte: „Friede mit dir, du

Mann von schöner [Gestalt. Was wünschest du von mir?“ Ich sprach zu

ihm: „Ein Sohn, der von euch, eurem Stamme und eurer Wurzel her-

vorgeht, will gegen die Lichtwelten kämpfen. Was sagst du über ihn?“

Darauf erwiderte er: „Steig unter mich hinab, denn ich weiß nichts.“

Von dem Tage, an dem ich ihn verließ und aufbrach, bis zu dem

Tage, da ich bei Karküm‘), dem großen Fleischberge, anlangte, war ich

sechzigtausend Myriaden Jahre auf jenem Wege; wie weit und endlos! Ich

 

 

-

 

 

3

 

 

in

 

 

!) Das steht da, paßt aber nicht.

 

2, D.h. die herausragenden Stellen des Gesichtes. Die Wendung ist auch sonst häufig,

siehe Lit., p. 151.

 

®) Soll heißen ‚in unserer Welt“.

 

#) Siehe oben, p. 143, 5; steht hier fälschlich für Krün.

 

 

 

 

 

 

 

 

142, 23—144. 10 Fünftes Buch. Eıstes Stück. 157

 

 

erblickte jenen Krun, den großen Fleischberg, an dem keine Knochen sind.

Sein Aussehen ist wie Staub, und das Wasser, das [143] unter ihm ist, ist

Staub und gleicht dem dunklen Gewölk.

 

Ich ging dann an ihn heran, sah ihn, blieb jedoch seinen Augen ver-

borgen — wie viele Jahre! Ich sagte mir: Was soll ich tun und was soll

ich mit dem Manne, diesem Riesen Krün, dem großen Fleischberge, sprechen?

Hierauf begann ich zu reden und sprach zu ihm: „Friede mit dir, Erstge-

borener, König der Finsternis, Krün, großer Fleischberg.“

 

Er erhob sein Gesicht nicht, sondern sprach: „Wer ist dieser Mann,

der meinen Namen geoffenbart') und mein Zeichen begriffen hat?“ Darauf

erwiderte ich ihm: „Ich bin Hibil. Das Leben hat mich hergesandt, und

ich bin zu dir gekommen. Tausend mal tausend Jahre, endlose und zahl-

lose Generationen, Jahre über Jahre bin ich zu dir gekommen.“ Er sprach

dann zu sich selbst: „Das Leben ist es, das nicht vergeht, und der Glanz

und das Licht, das nicht abgeschnitten wird.“ „Was hat es dir aufgetragen ?*

fragte er. Darauf erwiderte ich ihm: „Das Leben gab mir den Auftrag und

sprach zu mir: „Geh und sprich zu ihm: Ein Sohn, der von euch, eurer

Wurzel, eurem Stamme und eurer Begattung hervorgeht, will Aufruhr in

die Lichtwelten gegen uns werfen. Was sagst du über ihn?“

 

Darauf sprach er’): „Geh, sonst verschlinge ich dich.“ Als er so zu

mir sprach, saß ich, Hibil-Ziwa, in einem Futteral von Schwertern, Säbeln,

Stahlspießen, Messern und Klingen und sagte ihm: „Verschlinge mich.“ Da

sagte er: „Jetzt verschlinge ich dich“ und verschlang mich bis zur Hälfte.

Dann spie er mich aus und warf mich aus. Er spie Geifer aus dem Munde,

denn die Därme, die Leber und die Nieren waren ihm zerschnitten”). „Was

soll ich“, rief er, ‚mit dem Manne tun, der zu mir gekommen ist, den das

Leben gesandt hat?“ Darauf wandte er sich an mich und sprach: „Ihr

seid Recken, [144] wir sind Schwächlinge, ihr seid Götter, wir sind Men-

schen, ihr seid Große, wir sind Kleine.“

 

Ich sprach dann zu ıhm: „Auf, gib mir einen Paß.“ Da stand er auf

und schwor mir beim Tage, an dem er geschaffen worden war: „Ich werde

dich nicht täuschen, sondern ich werde in mein Schatzhaus gehen und dir

aus meinem Schatzhaus einen Paß bringen.“

 

Da stand er auf und brachte mir einen Paß. Dann brachte er den

Siegelring, der in seinem Schatzhause verborgen war, auf dem der Name

der großen Finsternis geschrieben und abgebildet war, der verborgen war,

den er von dem Tage an, an dem er geschaffen worden war, nicht gesehen

hatte, und sprach: „Wohlan, ich gewähre dir, daß alle Wesen, die dich

erblicken, wenn du ihnen diesen Paß zeigst, ihn siegeln.“

 

 

1) Der meinen Namen offen aussprechen konnte.

 

?2) Hier steht noch „zu sich selbst“, was fälschlich aus Z. 14 hierher geraten ist.

 

») Ein altes und weitverbreitetes Motiv, das hier vielleicht auf den Mythus vom Kampfe

Marduks mit der Tiämat zurückgeht. siehe Hans SCHMIDT. Jona. 1907, p. 26 und BOUSSET,

 

 

Hauptprobleme. p. 246.

 

 

in

 

 

20

 

 

30

 

 

&

in

 

 

158 Rechter Teil. 144, 10—145, 18

 

 

Als er ihn mir dann gab, nahm ich ihn und verbarg ihn in sieben Ge-

wänder. Dann stieg ich empor und kam zu seinem Bruder, dem großen

Gew. Ich zeigte ihn, und er siegelte ihn. Als er jenen Paß sah, bestätigte

er auf ihm das Siegel seines Bruders.

 

Ich nahm ihn dann und stieg zum großen Sdum, dem Riesen, empor,

der in seiner Welt daliegt und zappelt. Er sitzt auf........ ') von Feuer,

und das Feuer leistet ihm Dienste. Ich zeigte ihn ihm und sprach zu ihm:

„Siehe den Paß, den ich dir von deinen Eltern gebracht habe.“ Ich holte

ihn hervor, zeigte ihn ihm, und er siegelte ihn. ‚Siehe‘, sagte ich zu ihm,

„was deine Eltern dir gesandt haben.‘ Darauf sprach er: „Gesegnet sei

der Tag, an dem du gekommen bist.“

 

Ich verließ ıhn dann und stieg zu jenen oberen Welten empor. Ich

versiegelte das Tor vor Sdüm. In jener Welt hatte ich tausend mal tausend

Jahre gesessen.

 

Alsdann näherte ich mich der Welt des Anatan und der Qin und weilte

dort. Jahre über Jahre weilte ich in jener Welt. „Was soll ich tun?“

fragte ich mich. Dann näherte ich mich der Qin, indem ich die Gestalt

ihres Gatten [145] Anatan annahm, und sprach zu ihr: „Auf, zeige mir,

woraus wir entstanden, woraus wir geformt und entstanden sind?).“

 

Darauf erhob sie sich und zeigte mir die große Quelle, aus der sie

emporgekommen waren. Als ich jene Quelle schwarzen Wassers erblickte,

da war darin ein Mrara und @imra°), das in jener Quelle dalag und zappelte.

Da sprach jenes große Mysterium, das mir beigegeben war: „Dieses Mrara

und Gimra ist die Festigkeit der Welten der Finsternis.“

 

Als es so zu mir sprach, machte ich ihre Augen blind, machte ihre

Ohren taub und blieb ihren Augen verborgen. Da packte ich das Gimra

und Mrära, und sie sah mich nicht, daß ich es gepackt hatte. Sie lag hin-

gestreckt und suchte nach mir. „Wohin bist du gegangen?“ fragte sie

mich. Sie ruft mir zu und spricht: „Komm, sage ich dir!“

 

Doch ich verließ sie, ich kam und versiegelte das Tor jener Welt und

stieg empor über die Riegel‘) und Schlüssel, die anders als alle Schlüssel waren.

 

Alsdann freuen wir uns, ich und die Welten und Äonen, die mit mir

sind, wir singen Hymnen und frohlocken, unser Herz frohlockt in Erleuch-

tung und Lobpreisung über das, was wir von Qin mitgebracht haben, die

Sumgaq die Große genannt wird, die aus ihrer Wurzel entstanden war,

Qin, der Großmutter des Ur, vor allen Welten der Finsternis.

 

 

») Das Wort N3I3ND findet sich nur an dieser Stelle. Ich habe keine Erklärung dafür.

Man denkt leicht an 8Y38D, „Kohlenbecken“, aber es ist unwahrscheinlich, daß dieses be-

kannte Wort zu dem unbekannten entstellt sei.

 

2) Er spricht als einer von ihnen.

 

®) Die Verbindung NDIN NN” findet sich nur hier und ist bis jetzt unerklärt.

Nach der folgenden Darstellung scheint es ein Insekt zu bedeuten, siehe auch Text 158, 22;

159, 17f. NND findet sich sonst im Sinne von „Bitterkeit“, auch „Bitterkraut‘“; zu NH

siehe Lit., p. 23°. #) Siehe oben, p. 143°.

 

 

 

 

 

145, 19— 147. 2 Fünftes Buch. Erstes Stück. 159

 

 

Als ich die Tore verschlossen und die Riegel verschoben hatte, sprach

ich über jenes Tor drei geheime Namen aus, die niemand von ihrer Stelle

versetzen kann‘), den Namen Ham-Ziwa, Nhür-Ziwä und Lufafan-Nhürä-

Rabba, diese geheimen, bei mir wohl verwahrten Namen, damit diese Tore

nicht losgelöst werden und niemand sie öffnen könne.

 

Dann stieg ich zu jener Welt empor, die über den Welten der Sum-

gaq, der großen Perle, liegen. Von [146] dem Tage, da ich emporstieg

akeKkKkKk

 

xx*++» zum großen Gaf und Gafan, dem Vater aller Welten der Fin-

sternis, die dort beieimander sitzen, miteinander lachen und scherzen.

Ihre Mutter Oin sitzt bei ihnen und spricht zu ihnen: „Auf, wir wollen

unsere Schönheit und unseren Reiz schauen, wir wollen sehen, was wir

noch nicht gesehen haben.‘

 

| Als sie so zu ihnen sprach, wurden sie unruhig und traurig, sie traten

an sie heran und sprachen zu ihr: „Zeige uns, was wir tun sollen.“ Da

sprach sie zu ihrer Tochter Rühä’): „Komm, wir wollen dich deinem Bruder

Gaf (zum Weibe) geben.‘

 

Als sie so zu ihr sprach, gefiel es ihr und ihm, ihnen beiden. Sie standen

auf, traten zueinander, er nahm sie vor ihnen (zum Weibe), nahm dann

seine Junggesellen’) und küßte sie. Er sprach zu ihr: „Wie du, Rüha,

meine Schwester, gibt es keine.‘ Von jenem Tage an, da sie mit Ur, dem

Herrn und Riesen [der Welten der Finsternis], schwanger wurde, ++x xxx».

 

Alsdann sprachen sie zueinander: „Auf, wir wollen unserer Mutter

Qin und unserem Vater Gaf zurufen, daß wir miteinander verkehren.‘ Als

er so zu ihr sprach, stand sie auf, ging mit ihm und sprach zu Qin und

Gaf: „Sehet, was wir getan haben.‘ Darauf sprach Qin zu ihnen: „Heil

euch, daß ihr dies tatet, wie wir es getan haben.“

 

Ich, Jäwar, war vor ihren Augen verborgen, und sie sahen mich nicht,

daß ich bei ihnen saß, ich und das große, verborgene Mysterium, das (gleich-

falls) vor ihnen verborgen war.

 

Ich nahm dann die Gestalt eines von ihnen an, doch war ich schöner

als sie alle, herrlicher als sie alle. Ich ging dann hin, trat an Qin heran

und sprach zu ihr: „Friede mit dir, große Mutter, Mutter aller Welten!“

 

Sie wandte sich um, erblickte mich, und ich entflammte Liebe und

Feuer in ihrem Herzen. Darauf sprach sie: „Friede mit dir, unser großer,

 

teurer Gefährte.“

 

[147] Ich nahm sie dann bei der Hand und sprach zu ihr: „Wie viele

Töchter hast du, damit du mich zu deinem Schwiegersohne machest und

| ich in dieser Welt bei dir weile?“

 

 

!) Der Ausdruck bezieht sich auf die Namen, nicht auf die Riegel, vgl. auch R 159, 15.

Die Vorstellung von der konkreten Eigenschaft der Namen kommt hier scharf zum Ausdruck.

 

2) Im Texte steht: Rüha sprach zu ihr.

 

3) Die Hochzeitsburschen, die Freunde und Begleiter des Bräutigams, die sonst NNIUNW,

NYINDWNW genannt werden, siehe Joh. II, p. 113.

 

 

 

 

 

25

 

 

35

 

 

160 Rechter Teil. 147, 2—148, 9

 

 

Als ich so zu ihr sprach, freute sie sich, und ihr Herz freute sich in

ihr, daß ich ihr Schwiegersohn werden sollte. Sie faßte mich mit der

Rechten und ging zu Gaf. „Friede mit dir“, sprach ich zu ihm, „du Berg

und Riese über uns alle, du König dieser Welt.‘

 

Er verstand nicht, was ich ihm sagte, da sprach sie zu ihm: „Dich

begrüßte der Mann, der schöner als wir alle ist.“

 

Da sprang er von seinem Throne auf, umarmte mich und sprach zu

mir: „Gesegnet sei dein Kommen, König, unser Herr! Was wünschest du?“

 

Ich sprach jedoch mit ihm nicht, doch sie sprach zu ihm: „Ein Weib

wünscht er von dir. Auf, wir wollen es ihm geben.“ Da fragte er sie:

„Wen wollen wir ihm geben?“ Darauf erwiderte sie ihm: „Wir wollen

ihm Zahrel die Große‘) geben, die schöner als er ist.*

 

Als beide so sprachen, zog ich den Ring ab und warf ihn ihr?) zu.

Sie sah den Ring, den ich ihr zugeworfen, und wurde über den Ring er-

regt, den ich ihr zugeworfen. „Wen gibt es“, spricht sie, „der mir gleicht?

Der Mann, der mich sich anverlobt hat, warf mir einen Ring zu, einen

Ring, wie es seinesgleichen in unserer Welt nicht gibt. Wehe, in unserem

ganzen Schatze gibt es einen solchen nicht.‘

 

Darauf sprach ihre Mutter zu ihr: „Verhülle dich vor ihm, bis ihr

Hochzeit feiert’).“ Gaf wiederum sprach zu ihm: „Auf, tue, was die Männer

tun. Wir wollen Zahrel mit dem schönen Manne vermählen, der schöner

als wir alle ist.“ ‚Heil dir“, sprach sie zu ihm (Gaf), „daß sich dieser Mann

bei dir eingefunden hat.‘

 

Sie standen dann auf und gingen zu dem Ei, dem Orte, aus dem sie

hervorgegangen waren. Sie sprach dann zu ihm (Gaf): „Auf, wir wollen

ihr die Hochzeit bereiten und sie vermählen.“ Er, Gaf, richtete darauf ein

Bett her und schlug die Pflöcke für das Hochzeitszelt ein. Sie lud alle

Welten ein [148] und rief die Engel und Riesen jenes Ortes zusammen.

Diese kamen dann zu ihr mit Gold, Silber, Perlen und Kränzen und brachten

ihnen goldene Becher. Sie kamen, indem sie sprachen: „Wir wollen hin-

gehen und jenen Bräutigam sehen, der mit Zahrel Hochzeit feiert.“

 

Um mich legten sie ein seidenes Gewand, hüllten mich in Decken von

allerlei Farben‘), hoben mich und sie in die Höhe und setzten mich auf das

goldene Bett. Sie spannten einen Schleier über das Bett, hoben mich in

die Höhe, setzten mich auf das Bett und sprachen zu mir: „Freue dich,

Herr, unseres Weibes, des Weibes, das wir dir gegeben haben.“

 

 

ı) NTIDNN bezeichnet ihre hohe Stellung. Man kann es auch etwa mit „Prinzessin“

übersetzen; sie ist ja die Tochter der Fürsten der finsteren Welt. Siehe auch p. 158, 35;

9933:

 

2) Der Zahrel.

 

3) 77 (MM) eigentlich „umhergehen, im Hochzeitszug umherziehen‘“ hat den Sinn von

„Hochzeit feiern“ angenommen.

 

*) Dies wird hervorgehoben, im Gegensatz zu den weißen Gewändern der Himmlischen

und der Gläubigen.

 

 

148, 9—149, 21 Fünftes Buch. Erstes Stück. 161

 

 

Sie rühren einen Brei ein, bringen ihn vor mich, halten ihn hin und

sprechen: „Herr, iß und trink Wein.‘

 

Ich jedoch lachte, als sie so mit mir sprachen, über sie und sprach:

„Was treiben doch die Söhne der Finsternis, denen es nicht offenbart und

klar ist, daß ich keine Speise esse und kein Getränke trinke! Alles, was

sie treiben, geschieht nur, um ihr Geheimnis zu enthüllen, damit sie sich

nicht über uns überheben‘).“ Ich sprach zu ihnen: „Fürwahr, ich habe

gegessen und getrunken.“

 

Sie verließen mich dann, gingen hin und hüllten sich in gewaltiges

Gewölk der Finsternis.

 

Ich koste Zahrel, denn ich sagte mir im Innern: Von dir sollen die

Geheimnisse der Finsternis verraten werden. Sie bleibt jedoch vor mir

verhüllt.

 

Dann kam die Zeit mich zu besuchen. Sie, Qin, kam zu mir, trat

hin, verneigte sich in tiefer Verneigung und sprach: „Was hast du getan,

unser Sohn und Herr?“ — „Was sollte ich tun?“ erwiderte ich ihr. Sie

ging dann zu ihrer Tochter und sprach zu ihr: „Hat er dich (zur Frau)

genommen?“ — „Ich bin nicht (zur Frau) genommen“, erwiderte sie ihr.

 

Darauf sprach ihre Mutter Qin zu ihr: „Fehlt ihm etwa [149] die

Mannheit?“ Darauf erwiderte ihr ihre Tochter: „Die Mannheit besitzt er.“

 

Sie erhob sich von ihrer Tochter, kam zu mir und sprach: „Warum

hast du deine Frau nicht „genommen“?“ Darauf erwiderte ich ihr: „In

unserer Welt nimmt ein Mann seine Frau, wenn sie heiraten, erst nach

sieben Jahren.“ — ‚Tue alles, was du willst‘, sagte sie.

 

Darauf erwäge ich mit dem großen Mysterium und spreche: „Die

sieben Jahre, von denen ich der Qin gesprochen habe, mache zu sieben-

tausend Myriaden Jahren. Verwirre ihr Herz und ihr Inneres und verfin-

stere ihre Augen.‘ Was ich ihm sagte, tat es.

 

Da weilten wir dort Jahre über Jahre und Generationen über Gene-

rationen.

 

Ich sprach zu Qin: „Woraus seid ihr geworden? Woraus wurdet ihr

geschaffen?“ Darauf erwiderte sie mir: „Wir wurden aus dem Tanna und

der Pflanzung der Finsternis und aus dem ganzen Bereiche des schwarzen

Wassers.“ — „Wohlan“, sagte ich zu ihr, „zeige mir, woraus ihr gebildet

wurdet.‘ Da zeigte sie mir die Kraft und die Festigkeit der Finsternis und

das verborgene Mysterium, das bei jenen gewaltigen Unholden, den Riesen

der Finsternis, bewahrt wird. Sie zeigte mir eine Quelle. Unter ihnen war

niemand, der wußte, wie groß die Ausdehnung jener Quelle war. Nur mir

wurde die Ausdehnung und die Tiefe jener Quelle offenbart und bekannt.

 

In jener Quelle lag ein Spiegel, in dem sie ihr Antlitz schauten und

danach wußten, was sie tun sollten. Diesen verbarg ich vor ihren Augen,

 

 

!) Ich lasse sie alles das treiben, in der Erwartung, daß es mir dadurch gelingen

werde, ihr Geheimnis zu enthüllen.

 

 

Lidzbarski, Ginza. 11

 

 

in

 

 

25

 

 

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in

 

 

40

 

 

5

 

 

95

 

 

40

 

 

162 Rechter Teil. 149, 21—151. 11

 

 

nahm ihn und verwahrte ihn. Sie suchte ihn und fand ihn nicht. Da sagte

sie: „Was soll ich anfangen, wo unsere Festigkeit und unsere Kraft dahin

ist?«‘ — „Wonach suchest du?“ fragte ich Qin. Doch ihr wurde ihr Inneres

und ihre Gedanken verschlossen, [150] und sie sprach mit mir nicht.

Darauf verließ ich sie und kam zu Zahrel. „Wo warst du, mein Herr?“

fragte sie mich. Ich koste sie und sprach zu ihr: „Bei deinen Eltern war

 

 

ich.“ — „Schön“, sagte sie, „daß du zu ihnen gegangen bist.“

Ich ging dann zu Rühä, nahm die Gestalt ihres Bruders Gaf an und

sprach zu ihr: „Auf, wir wollen zu deinen Eltern gehen.‘ — „Wo sind

 

 

sie?“ fragte sie mich. Da sagte ich ihr: „Jenseits, in jener Welt, die über

uns liegt.“

 

An jenem Tage, an dem Gaf zu ihr gegangen war, wurde sie schwanger.

 

Ich sprach zu ihr: „Ich will hingehen und deine Schwester Zahrel be-

suchen, die an einen Mann gekommen ist.“ Ich ging dann zu jener Zahrel,

da bildete sich eine Gestalt zwischen mir und ihr und wurde wie ich.

 

Da sagte ich zum großen Mysterium, das bei mir weilte: „Tritt in die

Schatzkammer des Herzens’) der Zahrel ein und laß ein ....... °®) bei ihr

zurück. Ich brachte sie dann zu ihrer Schwester.

 

Wir ziehen hin, wir und die Mänäs meiner Begleitung, und Rühä wußte

nicht, daß 360 Myriaden Tausende Lichtwesen bei mir weilten. Rühä ging

mit mir, und ich sprach zu ihr: „Du bist mit dem erstgeborenen Sohne

schwanger.“ Rühä freute sich über das, was ich ihr sagte.

 

Wir ziehen hin und gehen zu jener oberen Welt, einen weiten, end-

losen Weg. Sie sprach: „Mir ist wehe.“ Da sagte ich zu ihr: „Bald kommst

du hin.“

 

Als ich zur Welt des Zartai-Zartanai gelangte, verschloß ich das Tor

des Gaf und Gafan und verschob die Verschlüsse und Schlüssel. Beschwö-

rungen warf ich in sie und sprach über jene Tore verborgene Namen: den

Namen Hananel, Hannel und Smir, diese verborgenen Namen jener ver-

horgenen Mänas.

 

[151] Ich sprach zu ihr: „Gehe, Rühä“, und wir gingen in jene Welt

des Zartai-Zartanai. Jahre ohne Ende waren wir da, bis wir in seine Welt

gelangten. Sie rief: „Was machen wir, daß wir noch nicht bei unseren

Eltern angelangt sind?“ Da sprach ich zu ihr: „Jetzt kommen wir an.‘

 

Raschen Schrittes zogen wir hin und stiegen zu ihrer Welt”) empor,

die über Zartai-Zartanai liegt. Als wir ihn verließen, verschloß ich die

Tore, verschob alle Verschlüsse und Schlüssel und sprach über jene Tore

andere verborgene Namen, den Namen Aksar, Aksar u-abad und Ksar Jawar-

Ziwä, diese verborgenen Namen, die sich bei mir befinden.

 

Alsdann sprach ich: „Gesegnet sei der Mann, der mich aus jenem Orte

 

 

2) Vgl. dnoaupös täs Kapdias Luc. 6, 45.

. 2) Hier steht das Wort NMYNY, das drei verschiedene Bedeutungen hat (Schmuck —

Gesellschaft — Laut); es ist unsicher, welcher Sinn hier vorliegt.

®) Der Welt der Rühä, siehe oben, p. 153f.

 

 

 

 

 

151, 12— 158, 4 Fünftes Buch. Erstes Stück. 163

 

 

emporgebracht hat, aus der Ader der Finsternis, aus den Tiefen der Fin-

sternis. Und zu Rühä sprach ich: „Was wünschest du?“ Da sagte sie:

„Was ich von dir wünsche? Wo sind meine Eltern?“ Darauf erwiderte

ich ihr: „Jetzt werde ich dich hinbringen und dir zeigen, wo sie sind.“

 

Darauf sprach ich zum großen Mysterium: „Mache ihre Augen blind,

mache ihre Ohren taub und verwirre ihr Inneres.“ Was ich dem Manne,

der mit mir weilte, sagte, führte er aus und änderte nichts daran. Er ver-

wirrte ihr Inneres, machte ihre Augen blind, machte ihre Ohren taub, und

sie wurde als existierte sie nicht.

 

Ich umgab ihre Welt mit Mauern, die niemand von ihrer Stelle zu

verrücken vermag. Sie lag in jener Welt da und suchte nach Kräutern,

um sie zu essen, sie, die Ur trug‘).

 

[152] Ich nun spreche zu den Welten und Äonen?), die mir beigegeben

waren: „Freuet euch, seid wohlgemut und fest und unterwerfet euch euren

Eltern. Was wir getan haben, ist in Ordnung. Jetzt, wohlan, wollen wir

emporsteigen und uns zu unseren Eltern begeben, wir wollen die teuren Manas

schauen, wir wollen den Mana und sein Abbild und die große Nitufta schauen,

aus der wir hervorgegangen sind.“

 

Wir ziehen hin und wandern. Wir tragen mit reiner Stimme und

Erleuchtung geheime Hymnen und Gebetsordnungen vor. Unser Inneres

hüpft vor großer Freude, und unsere Stimme steigt empor zum Leben und

zum Mäna und seinem Abbilde. Als wir bis zum Grenzorte kamen, öffneten

wir die Tore des Lichtes und stiegen vor meinen Vater in die Höhe. Er,

der Mänä, und sein Abbild gingen uns entgegen, riefen mir zu und sprachen

zu mir: „Ja, da kommt Hibil-Mana, dessen Glanz reicher ist als der aller

Uthras.“ Mein Vater umarmte mich, der große Mäna und sein Abbild kosten

und küßten mich und sprachen: „Gesegnet sei deine Ankunft, Hibil, reiner

Mana, Sar-Ziwä, Abad-u-köar.“ Mein Vater ließ einen Jordan fließen‘), und

der Mana und sein Abbild führten mich zur Nitufta ein. Als ich sie er-

blickte, frohlockte in Stolz mein Herz und mein Inneres.

 

Die Nitufta führte mich in ihr eigenes Gewahrsam ein und zeigte mir,

was ich noch nicht geschauet. Sie taufte mich in sieben gewaltigen, inneren

Jordanen, die unter ihrem Throne fließen. Niemand vermag jene Jordane und

die reinen Zeichen, die sie über mich sprach, zu schauen. Und die Nituftä

sprach: „Freue dich und sei wohlgemut ob (dieser) deiner reinen Zeichen‘),

die ich über dich gesprochen habe.‘

 

Ich freue mich vor ihr und strecke mich anbetend hin. [153] Da

sprach sie zu mir: „Geh zu deinem Vater hinaus, der im Jordan steht und

dich erwartet.“ Ich ging dann von der Nitufta weg und begab mich zu

 

 

 

 

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5

 

 

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meinem Vater. Ich stieg zu jenem ersten Jordan des Mana und seines Ab- jo

 

 

1) Dies soll hier wohl gesagt sein, aber die dastehenden Worte sind entstellt.

 

2) Lies xmond — NORIINDN.

 

3) Zweifelhaft, siehe oben, p. 19°.

 

4) Es ist NYDN7 zu lesen und NANDWIN), vielleicht auch yon zu streichen.

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25

 

 

35

 

 

40

 

 

164 Rechter Teil. 153, 4—154, 16

 

 

bildes hinab. Mein Vater taufte mich und sprach geheime Zeichen über

mich. Er taufte mich in dreihundert sechzig tausend Myriaden gewaltiger

Jordane weißen Wassers, er taufte alle Uthras, die mit mir waren und bei

mir weilten, führte sie dann empor und stellte sie am Ufer des Jordans

lebenden Wassers auf.

 

Mein Vater fragte mich und sprach zu mir: „Wie hast du, mein Sohn,

ihre Gestalt in jenen Welten geschaut, die du besuchtest?“‘ Ich berichtete

ihm dann und belehrte ihn über sie, wie ich sie geschaut hatte. Sein Herz

hüpfte, sein Inneres prangte in Freude, über das, was ich ihm mitgeteilt,

und er war voller Güte. „Wer ist“, sprach er, „dem großen Mysterium

gewachsen, das mit dir weilt, das das Leben, dein Vater, dir mitgegeben

hat?“

 

Ich verneigte mich vor meinem Vater und sprach zu ihm: „Du, mein

Vater, sei gesegnet und gepriesen, da du mir diese Erleuchtung gewährt

hast. Ich war zur Finsternis hinabgegangen und bin nun zu den Licht-

welten emporgestiegen. Ich bin zu euch gekommen und sitze in eurer

Gesellschaft. Die Geheimnisse, die ich geschauet, will ich euch offenbaren

und euch über sie alle unterweisen. Denn von jeglicher Welt, in die ich

kam, verschloß ich die Tore und holte ihre Festigkeit und ihre Kraft.“

 

Als ich es meinem Vater Mandä dHaije mitteilte, lachte er über sie

und rief: „Welche Gestalt haben diese Dinge, in denen die Finsternis aus-

gebreitet ist!')‘“ Da sprach ich zu ihm: „Wie diese gibt es sonst nicht in

den Welten der Finsternis und des schwarzen Wassers. Ich will mich auf-

machen und [154] zu Rüha gehen, die ich in ihrer Welt zurückgelassen

habe, wo niemand ist, der mit ihr spreche. Es schmerzt Rühä um das, was

ich ihr angetan. Ich habe sieben Mauern um sie gelegt, eine eiserne Mauer

in ihrer Welt, die niemand von ihrer Stelle wegrücken kann.“

 

Als ich dies meinem Vater sagte, sprach er: „Brich auf, geh raschen

Schrittes hin und tue, was du wünschest.“

 

Als [mein Vater] dies [gesagt hatte], brach ich auf, ging hin und kam

an den Grenzort der Finsternis. Meinen Fuß setzte ich hinab auf die

Wälle?) und die Mauern der Finsternis. Sie zogen sich vor mir um tausend

Meilen zurück. Wenn noch meine ganze Kraft an mir wäre, wie sie das

erste Mal an mir war, hätte die ganze Welt vor mir nicht stand gehalten.

 

Ich schaute hin und erblickte Rüha, wie sie dasaß und sprach: „Wer

hat mich in Gefangenschaft gesetzt und in diese Welt gebracht, wo ich

nicht weiß, wo meine Eltern sind?“ Ich hörte sie, lachte über sie und

sprach: „Was sagt Rüha?‘“

 

Ich erschien ihr als ihr Gatte Gaf, der ihr Bruder ist, und sprach zu

ihr: „Warum sitzest du da, Rüha?“

 

Da kam sie heran, umarmte mich, weinte mir ins Gesicht und sprach:

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Siehe Lit., p. 1782.

Save Jche IT p102E

 

 

 

 

 

154, 17—156, 4 Fünftes Buch. Erstes Stück. 165

 

 

„Warum ließest du mich zurück und gingst fort, daß du diese (vielen) Jahre

dort bliebest?‘

 

Darauf erwiderte ich ihr: „Ich war bei meinem Vater und meiner

Mutter. Empfange einen Gruß von ihnen.“ Da sprach sie: „Heil dir, daß

du meinen Vater und meine Mutter gesehen hast.“ — „Ich habe sie ge-

sehen“, sprach ich zu ihr. „Wie sehen sie aus?“ fragte sie mich. Da

sprach ich zu ihr: „Sie sitzen in dem dunklen Gewölk und ım Versteck,

das sie sich selber geschaffen haben.‘ Da sagte sie: „Auf, wir wollen hin-

gehen, um sie zu sehen.“ Doch ich sprach zu ihr: „Mich haben meine

Eltern davongejagt und sprachen: Nimm dich in Acht, hierher zu kommen.

Auf, geh in deine eigene Welt.‘ Da verfluchte sie sie und sprach: „Feuer

verzehre sie, weil sie mit dir [155] hadern.. Nun mag ich nicht mehr hin-

gehn, um sie zu sehen.“

 

Als sie dies sagte, lachte ich über sie.

 

Sie nun sinnt und sucht in ihrer Seele und in ihrem Herzen nach

einem anderen Mysterium und spricht: ‚Ich will mich aufmachen, zu meinen

Eltern gehen, bei ihnen eintreten und sie sehen.“

 

Ich wußte, worauf Rüha in ihrem Herzen sann, doch sagte ich ihr

nichts, sondern verließ sie und stieg zu meinem Vater, dem Leben, empor,

das mich ausgesandt hatte. Tausend Jahre war ich bei ihm und stand vor

ihm. Es verbarg mich und stellte mich in seinem Ei, in seiner eigenen

Gesellschaft auf, tausend Jahre lang.

 

Dann sprach ich zu ihm: „Wohlan, es kommt die Zeit, da ich in jene

Welt gehen soll, von der du weißt.“ Darauf erwiderte mein Vater, das

Leben: „Auf, geh, unser erstgeborener Sohn, der alle Welten in Ordnung

hal‘

 

Als ich fortgegangen war und mich hinbegab, fand ich wieder Ruhä,

wie sie weinte. Sie wußte nicht, wer ich bin. Ich schaute und blickte

hin. Da sprach sie: „Ich will aufstehen und suchen, um zu erfahren, wo

die Tore der Finsternis sind, und will bei meinen Eltern eintreten.“

 

Sie stand dann auf, ging hin, trat in das schwarze Wasser ein und

suchte das Tor, doch fand sie es nicht, um bei ihren Eltern einzutreten. Da

erhob sie sich, kam, setzte sich hin und sprach: „Wann wird der Tag

kommen, da ich den Sohn gebären werde, daß er mir Gesellschaft leiste,

daß ich und er zusammensitzen, daß er mir Vater, daß er mir Mutter, daß

er mir Gesellschafter, mir Gatte und Bruder, daß er mir eine Stütze sei,

die mich stütze? Wenn er da ist, wird er die Tore kennen und unter-

scheiden und wissen, wo meine Eltern sind. Dann wollen wir hingehen

und sie schauen.“

 

Als sie so sprach, weilte ich bei ihr, ohne daß sie es wußte. Da

sprach ich: „Es wird einen Tag geben, [156] da du, Ruhä, gebären wirst.

Dein Sohn wird Ur, der Riese der Finsternis, sein.“

 

Von dem Tage an, da Rühä dies sprach, bis zu dem Tage, da ich ihr

als ihr Bruder Gaf erschien, wankte sie und sprach: „Was soll ich mit dem

 

 

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166 Rechter Teil. 156, 4--157, 17

 

 

Manne tun, der mich von meinen Eltern weggeholt und zur Gefangenen

gemacht, der mich von meinem Orte, aus dem ich hervorgegangen, wegge-

holt hat?“

 

Als Rühä dies sagte, sprach ich zu ihr: „Wieviel Jahre sind es her,

daß du mit Ur schwanger bist?“ Da erwiderte sie: „Ach, zweitausend

Jahre.“ Da sprach ich zu ihr: „Dir steht noch Leidvolles bevor.“ Sie

fragte: „Wieviel Jahre sind es noch, daß ich tragen soll?“ Da erwiderte

ich ihr: „Siebzig tausend Myriaden Jahre und elf Tage sollst du in deiner

Gebärmutter tragen und dann Ur, den großen, kriegerischen Riesen gebären.

Wenn du ihn bei seiner Geburt siehst, wirst du mich nicht mehr sehen

wollen.“

 

Als ich ihr dies sagte, war sie im Herzen beengt') und sprach: ‚Ach,

wie lange soll ich in meinem Leibe tragen und lasten?“ Da sprach ich zu

ihr: „Wenn ich nicht mehr bei dir bin, werden die Jahre rasch dahingehn.“

Darauf sprach sie: „Auf, geh, du hast recht. Wenn du nicht bei mir bist,

wird mein Herz eine Stütze finden, und ich verlange nicht nach dir.“

 

Als sie so sprach, stieg ich zu meinen Eltern empor. Mein Vater um-

armte mich, und sein Gewand hüpfte mir entgegen. Der Mänä, er und sein

Abbild, richteten mich bei sich auf und sprachen: „Was hast du, geliebter

Sohn, getan, dessen Glanz wundersam, dessen Gestalt leuchtend und dessen

Erleuchtung wundersam ist, den wir hervorgerufen haben und dessen Gestalt

von uns aufgerichtet ist? Er stützt unseren Sinn und unser Wissen.‘

 

Als meine Eltern so zu mir sprachen, [157] streckte ich mich vor ihnen

in Anbetung hin, in Erleuchtung, Einsicht und Lobpreisung, wie sie mich

gelehrt haben. Sie ließen mich in Fülle nehmen: mein Glanz war ihr Glanz,

ihr Glanz mein Glanz. Dann sprachen sie: „Bei deinem Leben, Hibil-Jäwar,

du Bote, erzähle uns, wie es dir in jener Welt ergangen ist, in der du so

lange warest, daß wir dich beinahe vergaßen. Jeden Tag gedachten wir

deiner und malten vor uns deine Gestalt, deinen Glanz und dein Antlitz

hin. Dein Vater las täglich eine Messe für dich und sprach: Mögen doch

Hibil, Sitil und Ano$, meine drei Brüder, die meine Söhne und Freunde’)

sind, emporsteigen und herkommen.“

 

Ich unterhielt mich in Ruhe mit ihnen und sprach zum Leben und

zum Mänä und seinem Abbild: „Wo meine Kraft groß ist”), bei eurem

Glanze, der außergewöhnlich und groß ist, bei der Kraft, die ihr mir ver-

liehen, bei den Helfern, die ihr mir geschaffen — wovor soll ich mich

fürchten? Bei der Verborgenheit, in die ihr mich geborgen, ängstige ich

mich nicht vor ihnen, und Angst dringt nicht in meinen Sinn. Nein, im

Vertrauen auf euch (lebte ich) bis zu dem Tage, da ich hinkam, mich hin-

setzte und mit ihnen gleich einem von ihnen sprach. Alle nannten mich

„unser Herr“ und „unser König“. Ich nahm ihnen allen ihre Mysterien

 

 

!) Ich vermute NP’NT statt NYINT, das nicht paßt.

?) Siehe oben, p. 145°, 3) Vielleicht ist NONTT ND zu lesen.

 

 

 

 

 

157. 18—159, 7 Fünftes Buch. Erstes Stück. 167

 

 

weg und holte sie von ihnen. Sie gaben mir einen Paß mit Rücksicht auf

den Mann, von dem der Plan zu uns gelangt ist, daß, wenn er da ist, er

Streit mit uns führen wird. Ihr habet kraft der Erleuchtung, des Wissens

und der Offenbarung, die in eurem Sinne offenbart ist, mich geschaffen.

Ihr sprachet zu mir, belehrtet mich und pflanztet mich. Ihr sandtet mich

in jene Finsternis, bevor Mutter und Vater des Ur da waren, ja bevor ihre

Eltern waren. Ich verschloß [158] alle Tore und verschob alle Verschlüsse,

daß sie nicht zueinander gehen können. Niemand geht in die Welt des

anderen, und kein Tor wird ihnen geöffnet.“

 

Darauf sprach das Leben, mein Vater, zu mir: „O Hibil-Jäwar, ver-

borgener Bote, auf den die Hand seines Vaters gelegt wurde und den wir

uns gleich machten. Wenn wir dies nicht getan und du es nicht in Ord-

nung gebracht hättest, wären wir Ur und seiner Mutter nicht gewachsen.“

 

Als sie so zu mir sprachen, sprach ich zu ihnen: ‚Ich will mich auf-

 

 

machen und zu Rühä gehen, die nahe daran ist, Ur zu gebären.“ — ı

 

 

„Wohlan“, sagten sie, „geh und bring es in Ordnung, wie du es früher in

Ordnung gebracht hast.“

 

Da ging ich hin, kam an und fand Rühä, wie sie unruhig und betrübt,

wie sie an die Geburtswehen gelangt war. Der Tag sollte herankommen,

 

 

an dem sie ihren Sohn Ur gebären sollte. Sie stand da und wickelte Win- >

 

 

deln. Dreihundert und sechzig Windeln wickelte sie, indem sie sprach:

„Ich wickle Windeln, damit am Tage, da ich gebäre, ich ihn von einer

Windel in die andere legen kann.“

 

Als sie die Windeln wickelte, sprach ich zu ihr: „Bereite dich darauf

 

 

vor, daß dein Monat kommt.“ Sie sprach jedoch nicht mit mir. Da sagte >

 

 

ich zu ihr: „Deine Werke sind nichts wert.“

 

Dann verließ ich sie, machte mich auf den Weg und ließ mich am

Grenzort nieder. Ich sagte (mir): „Jetzt verwirklicht sich der große Plan

des Josamin. Er wurde geschaffen, er entstand und schuf Söhne.“ Ich

wahrte Schweigen und sprach nicht.

 

Alsdann bekam Rüha die Wehen und sollte Ur. den Herrn der Fin-

sternis, gebären. Als sie ihn gebar, sah ich ihn, und er glich einem kleinen

Gimra. Ich sah ihn‘). Nach tausend Jahren nahm Rühä ihren Sohn und legte

ihn aus der ersten Windel um. In jeder Windel [159] lag er tausend Jahre.

 

 

Sie legte ihn aus einer Windel in die andere. Bis Ur in die letzte Windel ;

 

 

gelangte, hatte er das Kleid des Leibes (Bauches) seiner Mutter nicht ver-

lassen’). Als er aus dem Kleide des Leibes seiner Mutter herauskam, fiel

er.in das schwarze Wasser. Er lag da und zappelte.

 

Da sprach ich: „Jetzt wurde Ur geboren.“ Seine Mutter sah ihn, und

er war noch sehr’) klein und erschien ihr gräulich. Sie wußte nicht, daß

 

1) Dies ist zu streichen, oder dahinter ist eine Lücke.

 

2) Rühä hielt ihn noch so lange in dem Gewande, das um ihren Unterkörper lag.

 

3) Zu diesem Gebrauch von NWDN) siehe auch R 189, 11; 195, 24; 196, 6. Sonstiger

adverbialer Gebrauch von NWDORJ: R 160, 6; 161, 9 (wo der Text gegen Nöld., p. Sl ii

Ordnung ist) und 224, 3.

 

 

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168 Rechter Teil. 159, 7—160, 21

 

 

er sich zu einem größeren Riesen entwickeln werde als die gewaltigen

Riesen, seine Eltern.

 

Ich sah ihn an, dann verließ ich ıhn und stieg auf jene eisernen

Mauern. Ich stand auf ihnen und redete in meiner Erleuchtung und Lobprei-

sung, die das Leben, mein Vater, mir verliehen, und dem großen Mysterium,

das mit mir weilte. Ich schuf sieben goldene Mauern und umgab (mit ihnen)

jene ganze Welt. Über jede einzelne Mauer sprach ich geheime Namen

und geheime Benennungen, den Namen Hamamel, Hathmel, Natrel, Zarzel,

Pa$rel und Halsel‘), welche niemand von ihrer Stelle zu versetzen vermag.

 

Als ich jene Mauern errichtet und in Ordnung gebracht hatte, kam

ich bin und fand ihn, wie er im schwarzen Wasser gleich einem Wurme

dalag und zappelte. Ich maß ihn, da betrug seine Länge eine Spanne und

seine Breite eine Spanne. Da sagte ich: „Jetzt will ich in die Höhe steigen,

hingehen und mich an den Grenzort setzen, bis er heranwächst und wird,

wie über ihn gesagt wurde, als seine Mutter ihn den großen Riesen, die

Kraft der Finsternis, nannte.“

 

Als es geschah, daß er groß und stark wurde und mächtig gewachsen

war, sprach ich: „Warum sitze ich da? Ich will mich aufmachen, will

wissen und erkennen, ich will hinabsteigen [160] und unter diesem schwarzen

Wasser eine Kupfererde schaffen und dicht machen, deren Dicke acht-

hundert achtzig tausend Meilen sei, damit Ur sich auf sie stütze.‘“ Als dies

aus meinem, des Jäwar-Hibil, Munde herausgekommen war, entstand sie

von selbst und richtete sich her.

 

Da stieg ich und kam auf das schwarze Wasser und sah, daß er sehr

sewachsen war, da sagte ich mir: „Ich will mit meiner Hand über seine

Seite fahren, damit seine Kraft erschüttert werde und er nicht mehr wachse.

Denn wenn er noch mehr wächst, platzt die ganze Welt von seiner Kraft

und seinem Wachstum.‘

 

Dann ließ ich den Glanz und das Licht von mir und fuhr mit der

Hand über seine Seite. Da tauchte er in das schwarze Wasser tausend

Myriaden Meilen, bis er hingelangte und sich auf die Kupfererde stützte.

Von seiner Schwere und seinem Sturze entstand ein Spalt in der Kupfer-

erde, der zwölftausend Meilen lang und breit war, und ein Beben ging

durch alle Welten der Finsternis. Da sagten seine Eltern: „Jetzt stürzt

die Kupfererde ein und erdrückt uns auf der Stelle.“

 

Ur verbarg sich in jenem Spalte wegen der Furcht, die er hatte, und

der Angst, die er empfand. Ich wartete, bis er aus dem Spalte und dem

schwarzen Wasser hervorkam. Meinen Glanz verbarg ich vor seinen Augen.

 

Da sprach er zu seiner Mutter: „Was hast du mir angetan? Ich

sollte wachsen, da fuhrest du mit deiner Hand über mich, ohne daß ich es

ahnte, und ich geriet in Angst.“

 

 

!) Die Namen sind aus den in den mandäischen Abwehrtexten verwandten Wörtern

DnnN „siegeln“, %) „behüten“, IT „rüsten“, HD „auflösen“, yon „bedrücken‘‘ gebildet. Siehe

diese Wörter im Glossar zu POGNON, Inscriptions mandaites des coupes de Khouabir.

 

 

160, 21—162, 8 Fünftes Buch. Erstes Stück. 169

 

 

Da erhob sich seine Mutter und schwor ihm bei ihren Eltern: „Es hat

keinen Tag gegeben, da ich mit der Hand über deine Seite gefahren wäre.‘

Er jedoch geriet in böse Erbitterung und wollte in seiner Wut seine eigene

Mutter fressen. „Wo sind deine Eltern?“ fragte er sie. Da erwiderte sie

ihm: „Auf, wir wollen zu ihnen hingehen.“

 

Ferner [161] sprach sie zu ihm: „Auf, ich will dir eine Krone zeigen,

sie dir auf das Haupt legen, und du sollst König sein. Von dem Tage an,

an dem du geboren wurdest, habe ich sie dir angefertigt.‘ — „Zeige sie

mir, daß ich sie sehe“, sprach er zu ihr. Da erwiderte sie ihm: „Komm,

ich will sie dir zeigen, sie ist bei den Mauern verborgen.“

 

Er warf sein Auge auf die Krone, er nahm die Krone und legte sie

sich auf das Haupt. Rüha sprach dann zu ihm: „Freue dich deiner Krone,

denn diese Krone ist deine Festigkeit.“ Doch er sprach zu seiner Mutter:

„Mutter! Stirb nicht eines schlimmen Todes! Ich will sie mir nicht vom

Haupte nehmen; ja, ich will auf sie achtgeben.“ Ferner sprach er zu ihr:

„Auf, zeige mir das Tor, damit wir zu unseren Eltern gehen.“ Doch sie

erwiderte ihm: „Bevor du geboren wurdest, suchte ich viel in der Welt

umher und habe das Tor nicht gefunden.“

 

Da wollte er seine Mutter fressen, bis sie vor ihm davonlief. Sie

schrie und rief: „Wehe, wehe vor einem Sohne, der seine Mutter verachtet.‘“

 

Er lief stöhnend in der Welt umher und konnte das Tor nicht finden,

um einzutreten. Da rief er seiner Mutter zu und sprach zu ihr: „Fürchte

dich nicht, komm, zeige es mir.“ Doch sie sprach zu ihm: „Du glaubst

meinen Eiden nicht?“ Da sprach er zu ihr: „Gibt es eine Welt, die kein

Tor hat? Gibt es jemand, dem die Eltern das Tor vor der Nase zuschließen

und verriegeln? Gibt es ein Tor, durch das jemand hinausgeht und es

nieht wieder erkennt? Gibt es jemand, den seine Eltern von sich ab-

sperren?“ Darauf erwiderte sie ihm: „Bin ich etwa so eine? Ich forsche

und grüble über alles.“ Dann fragte er sie: „Gibt es nichts, das wir tun

könnten?‘ Darauf sprach sie zu ihm: „Ich weiß hohe und kräftige Zauber-

sprüche, vor denen, wenn ich sie hersage, die Erde schmilzt.“ Da sprach

er zu ihr: „Sage deine Zaubersprüche her und teile mir einige von ihnen

mit.“ Da sprach sie zu ihm: „Wenn ich sie hersage, wirst du sie lernen.“

— „Sage her‘, sprach er zuihr. Da sprach sie zu ihm: „Auf, wir wollen

zu jenen [162] Mauern gehen, bei denen deine Krone lag.“

 

Er brach auf und ging mit ihr, sie gingen und kamen hin, und sie

sprach tausend mal tausend endlose und zehntausend mal zehntausend zahl-

lose (Sprüche), ohne daß die Mauern schmolzen. Da sprach er zu seiner

Mutter: „Sagtest du nicht: Ich kenne große und kräftige Zaubersprüche ?“

Darauf erwiderte sie ihm: ‚(Was soll ich tun), wo ich nicht weiß, was über

mich gekommen ist?“ Da sprach er zu ihr: „Wohlan, tue, wie du es

weißt.“

 

Da erhob sie sich und schuf mit ihren Zaubersprüchen und Mysterien

kriegerische Dämonen. Als er sie mit seinen Augen sah, wußte er, daß

 

 

 

 

 

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170 Rechter Teil. 162, 8—163, 20

 

 

seine Mutter große, kräftige und mächtige Zaubersprüche kannte. „Diese

Dämonen‘, sprach er zu ihr, „sollen mir Helfer sein.“ Er liebkoste seine

Mutter und sprach zu ihr: „Da du diese Werke verstehst, warum hast du

dir keinen Genossen geschaffen?“ Darauf erwiderte sie ihm: ‚Mein Sohn!

Ich sagte mir, daß ich außer dir nach niemandem begehre.“ Als sie ihm

dies sagte, liebkoste und küßte er sie.

 

Ich, Jäwar, wußte nicht, als ich sie von ihrem Orte herbrachte, daß

sie sich auf diese Werke verstand. Als sie dies tat, war ich ihnen un-

sichtbar, und sie bemerkten mich nicht. Ich stand vielmehr vor ihnen und

war ihren Augen verborgen und sah, was sie trieben.

 

Sie sprach zu ihrem Sohne: „Wohlan, ich will dir einen Spiegel zeigen,

den ich besitze.‘ — „Zeige ihn mir‘, sprach er zu ihr. Da sprach sie zu

ihm: „Da, siehe, mein König und Held.“

 

Sie zeigte ihn ihm, und er schaute sein Antlitz in jenem Spiegel, er

schaute die Welten der Finsternis, er schaute seine Eltern und schaute die

Welten des Lichtes.

 

Als er so schaute, krümmte er sich, zog sich zusammen und streckte-

sich nicht. Seine Statur krümmte sich, und er sprach zu seiner Mutter:

„Warum hast du mir (den Spiegel) bis heute nicht gegeben? Ich habe

mein Antlitz in ihm geschaut.“

 

[163] Darauf erwiderte sie ihm: „Mein Sohn! Dieser Spiegel und die

Krone — von dem Zeitpunkte an, da ich in die Höhe kam und mein Held

mich an diesen Ort in die Höhe brachte, war deine Krone, dein Spiegel

und dieses eine Gimra bei mir, und ich sagte mir, daß wenn du geboren

würdest, sie dir gehören sollten.“ Sie fragte ihn: „Was hast du gesehen,

mein Sohn?“

 

„Ich schaute“, sprach er zu ihr, „die Welten meiner Eltern; ich schaute

jeden einzelnen in seiner eigenen Welt. Ich schaute die Welten des Lichtes

und sagte mir: Was soll ich tun, daß ich meine Eltern schaute, daß ich

das Licht mit meinen Augen') schaute, das nicht unser ist?“

 

Da sprach sie zu ihm: „Zeige mir den Spiegel, daß ich in ihn hinein-

blicke.“ Er gab ihn ihr, und sie sah in ihm, was ihr Sohn gesehen hatte.

„Was sollen wir jetzt tun?“ fragte er sie. Da stand sie da und erzürnte

ihn, denn sie sprach: „Jetzt weiß ich nichts.‘‘“ Ihr fiel aber das Herz von

der Stütze herunter, denn sie begriff alles. „Mein Sohn!“ sprach sie zu

ihm. „Auf deinen Herkunftsort und auf deine eigenen Eltern richte deine

Augen, doch gegen jene Lichtwelten unternimm keinen Kampf.“

 

Als sie so zu ihm, sprach, faßte er sie bei den Haaren, zog sie an sich

heran und trat sie mit Füßen. Da stieß sie dreihundert und sechzig Schreie

mit einem Schrei aus und sprach zu ihm: „Wehe, wehe, mein Sohn, alles,

was du zu tun wünschest, tue.“ Da sprach er zu ihr: „Ich will gegen das

Licht kämpfen, nicht gegen die Finsternis.‘

 

 

!) Ich lese INPINI statt NIMND.

 

 

 

 

 

165. 20—165, 5 Fünftes Buch. Erstes Stück. yet

 

 

Als Ur so sprach, schrie er gegen das schwarze Wasser. Das schwarze

Wasser wirbelte vor ihm in einem Wirbel, bis es gegen die Mauern und

Wälle schlug, die die Finsternis vom Lichte trennen, und gegen die Mauern

klopfte. Er erhob seine Stimme und stieß einen Schrei aus, bis alle Mauern

wankten.

 

[164] Da sprach das Leben zu mir, Jawar: „Warum sitzest du jetzt

da, Jawar-Hibil, du Bote? Auf, geh zu Ur, dem hochmütigen') Herrn der

Finsternis.‘

 

Ich, Jäwar, wich nicht von der Rede meines Vaters ab, sondern ging

hin und kam bei Ur an, ich und die Uthras meiner Begleitung und meine

Helfer, die mein Vater mir geschaffen.

 

Als Ur, der Herr der Finsternis, mich und meine Gestalt sah, vergrub

er sich in das schwarze Wasser. Ich nahm ihm nun die Krone vom Haupte,

legte sie in sieben Gewänder und schlug meinen Weg ein.

 

Ur kam aus dem schwarzen Wasser hervor und sprach zu seiner

Mutter: „Wer war das, der gegen mich hergegangen ist?“ Da erwiderte

sie ihm: „Dieser, der gegen dich hergegangen ist, ist gegangen, um dich

zu unterwerfen.“ Da fragte er seine Mutter: „Gibt es denn jemand, der

mich zu unterwerfen vermag?“ Darauf erwiderte ihm seine Mutter: „Wenn

 

 

du diesem Manne gewachsen bist, dessen Kraft sein Glanz ist‘), warum >

 

 

kannst du ihm nicht deine Krone wegnehmen ?“

 

Als seine Mutter so zu ihm sprach, warf er die Hände auf sein Haupt

und rief: „Wehe, wehe mir!“ Er krümmte sich und streckte sich nicht

und sprach zu seiner Mutter: „Er packte mich, daß der Rückenwirbel mir

zerbrach.“

 

Als er so zu seiner Mutter sprach, weinte und stöhnte sie über ihn.

Dann sprang er von seinem Throne auf und sprach zu ihr: „Was über

mich kommen soll, mag kommen.“

 

Dann stand er auf und kam in Wut und Zorn mit tausend Myriaden

 

 

Dews seiner Begleitung heran. Doch als sie mich erblickten, starben sie ;

 

 

und vergingen und wurden als ob sie nie dagewesen wären.

 

Da sprang er wütend auf und schlug seinen Weg ein. Er trat in

das schwarze Wasser ein und rief®) zahllose Dews. Er rief einen Dew,

[165] der so groß war wie er, und trat mir aufs Neue entgegen. Doch als

die Dews mich erblickten, starben sie, auch die sonst mit ihm waren.

 

Er blickt hinter sich und vor sich hin‘) und spricht: „Was soll ich

tun?“ Da sprach seine Mutter zu ihm: „Du bist der Kraft dieses Lichtes

nicht gewachsen.‘ — „Bin ich es nicht“, sprach er zu ihr, „wo meine Kraft

groß ist?“ — „Wenn du kannst“, sprach sie zu ihm, „steh auf, wir wollen

 

 

1) Var. „dem kriegerischen“.

 

2) Nach Var. in B „diesem Manne von Kraft und Glanz“.

 

3) Wiederum zweideutig, ob „rief“ oder „rief hervor, schuf.

4) Lies Fonpaa) Annym.

 

 

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409

 

 

we Rechter Teil. 165, 5—166, 13

 

 

zu den Mauern gehen, und rüttle sie von ihrer Stelle weg.‘ Darauf sprach

er zu seiner Mutter: „Auf, wir wollen hingehen.“

 

Sie gingen hin. Als er die Mauern versetzen wollte, wurden sie von

ihm nicht versetzt, und er schämte sich vor seiner Mutter. Da sprach sie

zu ihm: „Es gibt niemand, der diese Mauern von ihrer Stelle wegzurücken

vermag. Denn ich habe viele Jahre ein Zaubermurmeln gemurmelt, ohne

daß die Mauern zusammenschmolzen.“

 

Da sprach er zu seiner Mutter: „Was soll ich tun?‘ Darauf erwiderte

ste ihm: „Dir gehört eine gewisse Perle, lege sie dir aufs Haupt, dann wird

deine Kraft sich vermehren.‘

 

Als sie die Perle brachte und sie ihm aufs Haupt legte, schrie er das

schwarze Wasser an. Da wirbelte sich das Wasser und lief vor ihm fort.

 

Dann sprach er: „Ich will zum Lichte und zur großen Wasserquelle

emporsteigen.‘

 

Doch ich, Jäwar, erschien ihm in jenem Gewande, da schrumpfte er

zusammen und fiel vor mich hin. Ich ergriff jene Perle, die seine Mutter

ihm gegeben, mit der er prangte, und hob sie hoch. Dann verließ ich ihn

und ging zu meinen Eltern, die mit mir wohnten‘).

 

Da sprach er zu seiner Mutter: „Wehe, wehe, Mutter! Ach, unsere

Kraft und unsere Festigkeit wurde uns genommen.‘ Da sprach sie zu ihm:

„Mein Sohn, du kannst gegen diesen Mann nichts ausrichten.“ Ferner

sprach sie zu ihm: „Wohlan, wir wollen in das schwarze Wasser eintreten

und nach dem Gimrä sehen, das in meinem Innern ist. Wenn es in das

Wasser fällt, siedet das schwarze Wasser. Dann werden wir sehen, was

wir tun sollen.“

 

Er und seine Mutter [166] traten dann in das schwarze Wasser ein,

und ich Jäwar-Ziwä trat hinter ihnen ein. Rühä holte dann jenes Gimra

aus ihrem Innern, und es fiel in das schwarze Wasser. Das schwarze

Wasser siedete und wirbeite, bis daß jener Spalt sichtbar wurde, der von

der Schwere des Ur entstanden war. Da sprach er zu seiner Mutter:

„Mutter! Sieh diesen Spalt, der entstand, als ich herabfiel, als du mit der

Hand über mich fuhrest.“ Sie sah jenen Spalt und war darüber beun-

ruhigt.

 

Ich, Jäwar, blendete und verwirrte Rubhä und nahm vor ihr jenes

Gimrä weg. Sie suchte danach, konnte es aber nicht finden. Da klagte

sie, schlug mit den Händen gegen den Kopf und rief: „Wehe, wehe, unsere

Zauberei und Hexerei geht verloren, und Rede und Erhörung?) wurde uns

genommen.‘ Sie weinte und er weinte, und sie entwurzelten die Erde durch

ihre Aufregung’). Er stieg aus dem schwarzen Wasser empor und sprach

zu seiner Mutter: „Ich will mich erheben und Krieg führen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Der Ausdruck ist auffällig, aber man muß ihn, wie so vieles in den mandäischen

Schriften, hinnehmen.

 

®2) Daß wir etwas zu sagen hätten und erhört würden.

 

’) Eine auch sonst vorkommende Wendung, vgl. p. 176,5. Zu N/7'%W siehe Joh. II, p. 20%.

 

 

 

 

 

166, 14—168, 5 Fünftes Buch. Erstes Stück. 173

 

 

Alsdann rief er zum letzten Male, erhob seine Stimme, erhitzte sich

in Aufregung und schrie das schwarze Wasser an. Da fiel das schwarze

Wasser auf die Mauern, die Mauern wurden angeschlagen und tünten

gleich einem Becken. Ob dieses Schalles setzten sich die Uthras in Wolken,

und der Herr der Größe‘) setzte sich in sein eigenes Versteck.

 

Ich nun, Jäwar-Ziwä, der Bote, der Oberste unter allen Boten, sprach:

„In der Kraft des großen Mysteriums, das mit mir weilt, und in der Kraft

des Lebens, meines Vaters.“ Ich öffnete das Tor, nahm den hohen Stab

und zeigte ihn vor. Da zog sich sein Auge mit einer Träne zusammen,

und er weinte über sich selber. Ich fesselte ihn und warf ihn vor mich,

Jäwar, Sohn Jawars, hin. Dann brachte ich eine Kette, die schwerer

[167] als alle seine Welten, die zehntausend mal so schwer als er selbst

ist, und legte sie um Ur, den Obersten des ganzen Heeres der Finsternis.

Ich rüttelte an seinen Knochen, da schrie er und rief: „Wehe, wehe, mein

Herr!“ Auch seine Mutter schrie und weinte über ihren Sohn Ur. Da

sprach ich zu ihr: „O Rüha, geh hin und bleib ruhig sitzen. Das Leben

hat mich im Zorn gegen ihn gesandt.‘

 

Ich setzte vier Hüter über ihn ein. Ich warf ihn auf das Antlıtz hin

und wickelte ihn in vier Tücher”). Ich machte vier Ecken an ihnen: eine

nach Westen hin, eine nach Osten, eine nach Norden, eine nach Süden.

Im Westen setzte ich über ihn Azazel, Azaziel, Tagfel und Margazel den

Großen ein, der über seine Genossen zürnt; sie geben auf ihn acht. Im

Osten setzte ich über ihn vier andere ein: Urpel, Marpel, Tagfe! und Hannel,

der ihnen bald gnädig ist, bald droht. Im Norden setzte ich über ihm

Kanfan und Kafan, Gubran und Guban ein, der stark und rüstig über sie

ist; sie geben auf ihn acht. Im Süden setzte ich über ihn vier andere ein:

Hailel, dessen Kraft groß ist, Qarbel, Nürel und Nüriel, der Feuer gegen

ihn und die Engel, seine Gefährten, losläßt; sie geben auf ihn acht.

 

Als ich sie eingesetzt hatte, es erreichte, daß Ur nichts unternehmen

 

 

konnte, und mich über diese Welt des schwarzen Wassers unterrichtete, :

 

 

die die Wohnstätte des Ur sein sollte, bis Abathur geschaffen wird‘), stieg

ich zum Hause des Lebens empor und sprach zu meinem Vater: „Freue

dich und sei wohlgemut, denn Ur ist bezwungen und niedergezwungen.“

 

Es (das Leben) küßte mich mit seinem reinen Munde, es liebkoste und

küßte mich, offenbarte mir [168] und sprach zu mir: „Hibil, reiner Mana!

Josamin hat drei Söhne geschaffen. Einer von ihnen bewacht das Nest

seiner Eltern, einer wohnt bei seinem Vater, einer, jener Abathur, geht ın

jene Welt, in der du gewesen bist. Er sieht‘) sein Gesicht im schwarzen

Wasser, und sein Abbild®) und Sohn wird ihm aus dem schwarzen Wasser

gebildet.‘

 

 

!) Siehe oben, p. 4 Er wird sonst in diesem Stücke nicht genannt.

 

2) Siehe auch p. 84, 20. 3) Eher Ptahil, siehe p. 150, 15. *) Besser NN.

 

5) Hier ist, wie aus dem Folgenden zu ersehen ist, mit „Abbild“ nicht die Frau, son-

dern der Sohn gemeint, siehe auch oben, p. 151, 2.

 

 

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174 Rechter Teil. 168, 5—169, 19

 

 

Als das Leben, mein Vater, so sprach, stand Abathur auf, öffnete das

Tor, schaute in das schwarze Wasser, und in derselben Stunde wurde sein

Abbild im schwarzen Wasser gebildet. Ptahil wurde gebildet und stieg zum

Grenzort empor. Abathur sah prüfend Ptahil an und sprach zu seinem

Sohne Ptahil: „Komm, komm, Ptahil, du bist es, den ich im schwarzen

Wasser geschaut habe.“

 

Als er ihn in seiner eigenen Gestalt sah, wie er mit sieben Gewändern

jeglicher Art und jeglicher Farbe bekleidet war, zog er sie ihm aus und

nahm sie ihm weg. Er bekleidete ihn mit seinem Glanze und bedeckte ihn

mit seinem Lichte. Doch stieg er (Ptahil) nicht zu den Lichtwelten empor,

da er sich vor seinen Eltern fürchtete. Abathur setzte ihn an der Grenze

hin und sprach zu ihm: „Bleib, Ptahil, an diesem deinem Orte sitzen, bis

das Leben nach dir verlangt, um dich kennen zu lernen.“

 

Als Abathur so sprach, redete ich, Jäwar-Hibil, Abathur an und sprach

zu ihm: „Freue dich des Sohnes, den du geschaffen hast. Er wird dir ein

Gesellschafter und Helfer sein.“

 

Als ich so zu ihm sprach, stand Abathur vor mir auf, verneigte sich

in Verehrung vor mir, Hibil-Uthra, und sprach: „Ja, durch deine Kraft ist

der Sohn Ptahil entstanden und wurde (mir) beschert.* Dann sprach ich

zu ihm: [169] „Prüfe, was du von dieser Welt erwartest, daß ein solcher

Plan‘) entstehen konnte! Sıeh dich vor, daß du Ptahil beauftragest, törichter-

weise etwas zu tun, was er nicht versteht.“ Doch er hörte nicht auf das,

was ich ihm sagte. Da stieg ich zu meinen Eltern empor.

 

Abathur gab ihm nun den Auftrag und sprach zu ihm: „Auf, Ptahil,

mein Sohn, schaffe eine Verdichtung im schwarzen Wasser!“

 

Er machte sich an die Verdichtung, doch sie kam nicht zustande. Da

stand er nachdenklich da und sprach zu seinem Vater: „Vater! Ich nahm

von jenen sieben Gewändern, in denen ich geschaffen worden bin, und

trat in das Wasser, es verdichtete sich aber keine Erde.“

 

Da sprach sein Vater zu ihm: „Du Tor! Nimm dich in Acht, mich dir

gleich zu stellen). Nimm du von den sieben Gewändern des Glanzes, des

Lichtes und der Herrlichkeit, mit denen ich dich bekleidet habe°), und wirf

in das schwarze Wasser, damit sich jetzt eine Verdichtung bilde.“

 

Als er dies von seinem Vater Abathur hörte, stand er auf, nahm von

jenen sieben Gewändern des Glanzes, des Lichtes und der Herrlichkeit,

warf auf das schwarze Wasser hin, da verdichtete sich die Erde in einer

Verdichtung von zwölftausend Meilen, und die ganze Welt stand da. Das

schwarze Wasser bildete einen Umkreis um die Welt.

 

Da erhob ich meine Stimme gegen Ptahil. Er fürchtete sich vor meiner

Stimme, er erschrak vor meiner Rede, er streckte sich auf die Verdichtung

 

 

1) Diese Welt zu schaffen.

 

®) Indem du glaubst, daß deine Gewänder dieselbe Wirkung haben können wie die

meinigen.

 

DESıchew 7.2}

 

 

 

 

 

 

 

 

169, 19—171,7 Fünftes Buch. Erstes Stück. 175

 

 

hin, die er gebildet hatte, und rief: „Wehe mir, daß dieser Hibil seine

Stimme gegen mich erhoben hat.“

 

Als ich ihn in solcher Angst sah, war ich freundlich zu ihm, koste ihn

und sprach zu ihm: „Tue und mache recht und vollende deine Werke vor

deinem Vater und vor dem Leben, das von dir fern ist ').“

 

[170] Als ich ihm dies gesagt hatte, umgab ich die Verdichtung, die

er gebildet, mit sieben Mauern.

 

Da war er in Gedanken. Rüha ersann nun eine List gegen ihn und

sprach zu ihm: „Woraus bist du geschaffen, woraus entstanden, Ptahil, daß

deine Gestalt so schön ist?“ Darauf erwiderte er der Rüha: ‚Aus dieser

Welt wurde ich geschaffen, bin ich entstanden und gebildet.“

 

Als Rühä dies von Ptahil hörte, erstarkte ihr Herz, und sie sprach zu

ihm: „Von mir stammst du.“ Sie stand dann auf, trat vor ihren Sohn (Ur)

und sprach zu ihm: „Warum hockest du da, mein Held, und warum liegest

du? Wohlan, schlafe bei mir, dann wird mir einer gleich dir werden, und

er wird dich von deiner Fessel befreien.“

 

Als er dies von seiner Mutter hörte, suchte er sich emporzuschwingen,

doch schwang er sich nicht zu ihr heran. Sie sah ihn und weinte über

ihn, weil die Last ihn schwer drückte. Sie machte sich nun selbst einer

Fessel?) gleich und schlief bei ihm. Sie wurde von ihm schwanger und

gebar sieben Söhne‘). Als sie sie erblickte, spie sie vor ihnen aus und

sprach: „Ich suchte, schaute es aber nicht‘). Was soll ich nun tun?“ Da

sprach sie: „Ich will wieder hingehen und mich zu ihm legen.“

 

Sie ging wieder hin, legte sich zu ihm und erhielt in einer anderen

Schwangerschaft zwölf Söhne. Als sie sie erblickte, weinte sie über sie

und sprach zu ihnen: „Wie sehet ihr aus, meine Söhne? Ihr habt keine

Kraft und gleichet nicht eurem Vater. Jetzt weiß ich in meiner Seele, daß

ich kein Vertrauen auf diese Welt haben darf.“

 

Als sie dies von ihrer Mutter hörten, wurden sie erbittert. Sie faßten

einander an der Hand und setzten sich in den Schoß von Nebelwolken,

die von ihnen selbst geschaffen worden waren. Sie sprach dann zu ihnen:

„Wohin gehet ihr? [171] Jetzt kommt der Mann, der euren Vater gefesselt

und festgenommen hat.“

 

Da weinte jeder einzelne von ihnen über sich, und sie sprachen:

 

„Wehe, warum wurden wir geboren?“

 

Ich, Jäwar Hibil, der reine Manä, stand bei ihnen und wollte sie

machen, als ob sie nie dagewesen wären. Ich überlegte und sprach: „Was

soll ich mit diesen Unholden anfangen, die nicht jenen Riesen gleichen, die

ich in den unteren Welten geschaut habe? Nein, ich will sie lassen, daß

 

 

 

 

 

 

 

 

ı) Hier steht noch ein Satz, der nicht hierher gehört: „Und ich umgab mit Mauern

diese Verdichtung, die, wenn sie jenes mein Gewand sieht, wegläuft und sich im

schwarzen Wasser lagert und nicht darauf ist.“

 

2) Siehe p. 93*. 3) Siehe p. 9.

 

#) Ich erreichte nicht das, wonach ich suchte.

 

 

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176 Rechter Teil. 171, 7—172, 18

 

 

sie den Lauf dieser Welt laufen und den Gang dieser Welt gehen ’).“

 

Als ich dies sagte, zeigte sich das Leben in seiner Fülle, ohne Mangel.

 

Ich rief ihnen zu und sprach zu ihnen, da fiel ihnen das Herz von

der Stütze herunter. Ruhä weinte über sie und sprach zu ihnen: „Dieser

Mann, der euch zugerufen hat, ist der Mörder eures Vaters’).“ Da ent-

wurzelte jeder einzelne von ihınen die Erde durch seine Aufregung.

 

Ptahil rief: „Wehe! Die Verdichtung, die ich geschaffen habe, wurde

mir entwurzelt. Was soll ich tun?“ Da sprach ich zu Ptahil: „Fürchte

dich nicht. Jetzt habe ich mit diesen zu tun, die so handeln °).*

 

Alsdann rief ich ihnen zu und sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht!

Ich will euch nehmen und euch einen Wohnsitz anweisen.‘“

 

Als ich so zu ihnen sprach, taten sie nichts. Da fragte ich sie: „Was

sind eure Werke?“ Da sprachen sie: „Herr! Tue alles, was du wünschest,

nur sei gütig zu uns, fremder Mann.“

 

Da rief ich Samis (Sonne) bei seinem Namen, dann Sin (Mond), Kewän

(Saturn), Bel (Jupiter), Dlibat (Venus), Nbü (Merkur) und Nerig (Mars).

Jedem einzelnen von ihnen gab ich (einen Namen) und sprach zu ihnen:

„ich verleihe euch Wagen, in die ihr euch setzen sollet. Ich bekleide euch

mit einem wundersamen Gewande [172] und verleihe euch Glanz, daß ihr

in dieser Welt leuchtet.“

 

Darauf nahmen alle Samis, ihren ältesten Bruder, und sprachen zu

ihm: „Du sollst unser König und Dlibat soll unsere Königin in der Welt

sein. Wir alle wollen euch unterstehen.“

 

Als ich dies von ihnen hörte, brachte ich ihnen ein Boot‘), dann rief

ich Sar und Sarwän und sprach zu ihnen: „Behütet das Boot und seid

Helfer dem’ Sami$, dem Haupte der Phalanx, dem Ältesten unter seinen

Brüdern.“

 

Die beiden Uthras wichen nicht von dem ab, was ich ihnen sagte.

Ich setzte sie’) nun in das Fahrzeug, und sie erleuchteten die Welt drei-

hundert und sechzig tausend Jahre in ihrem wüsten Zustande.

 

Dann sann ich, Jäwar, nach und sprach: „Ich werde Adam schaffen.‘

Da rief ich‘) die Planeten und sprach zu ihnen: „Bildet die körperliche

Gestalt.“ Da bildeten sie sie, wie ich es ihnen gesagt hatte.

 

Da brachte ich die Seele aus dem Schatze des gewaltigen Lebens, der

im Hause der Nituftä verborgen war, welche (die Seele) im Tanna groß-

geworden war, und warf sie in den Körper Adams. Dann schuf ich ihm

sein Weib Hawwä, damit diese Welt erweckt und gefestigt werde.

 

Ich werde der Übermittler‘) der Seelen sein, die hier geboren werden

 

 

!) Siehe oben, p. 24%.

 

®) Das ist nicht ganz richtig, er hat ihn nur geiesselt.

 

®) Unsicher. Vielleicht: Jetzt will ich diesen, die so handeln, antun, [dab „x 4 xx].

“ xn150 findet sich in diesem Sinne (felüka) auch Joh. 79, 12; 80, 3.

 

5) Die Planeten. 6) Lies nom.

 

?) Bigentlich „der Händler“; der (Wuxononunös ist auch hier ein &umoAaios.

 

 

 

 

 

172, 18—173, 12 Fünftes Buch. Zweites Stück. 177

 

 

und jenseits Uthras genannt werden, die emporsteigen und den äußeren

Äther und den Ort, aus dem sie geschaffen wurden, schauen.

 

Bis das Maß dieser Welt voll ist und sie emporsteigen und ihren Ur-

vater schauen, ist das Leben erkenntlich Manda dHaije und dessen Sohne

Hibil, der dem Leben, dem gewaltigen an Herrlichkeit, die Reihen ordnet’).

 

Leben unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den

Männern, die uns unterweisen. Das Leben steht fest [173] in seiner Skinä,

das Leben ist siegreich über alle Werke, und siegreich ist Jäawar-Ziwä und

seine Helfer und Jünger.

 

 

in

 

 

Zweites Stück. 10

 

 

Im ersten Teile des Traktates wird’ geschildert, wie infolge des Erscheinens Mandä

dHaijö’s die Götzen dieser Welt zusammenbrechen und umstürzen. Danach wird der Traktat

nach der Schlußnotiz „Der Umsturz der ganzen Götterschaft des Hauses“ genannt, siehe

p. 15°. Weiterhin ist es eine Predigt mit zusammenhangslosen Ermahnungen aller Art. Das

Stück enthält wie kein anderes Entlehnungen aus dem Alten Testament. P. 178f. aus Ps.114.29; 15

wie Mißverständnisse zeigen, war eine aramäische Übersetzung verwertet. Eine etwas ab-

weichende Fassung bietet Lit. 126. Die Verwertung der Psalmstellen hängt wahrscheinlich

mit eschatologischen Ausdeutungen des Auszuges der Kinder Israel aus Ägypten zusammen,

siehe Joh., p. XXI. In den Ermahnungen ist Jes. 5, 11 f., 20f. benutzt. Siehe zu dem Stücke

Brandt, Rel., p. 132 ff. 20

 

 

Im Namen des großen, ersten Lebens.

 

Der Glanz und das Licht des Lebens ist aufgegangen, und Mandä

dHaije hat sich offenbart, um alle Welten‘) zu beschämen. Er stürzte die

ganze Götterschaft des Hauses um und brachte Zwietracht unter alle Herren

dieser Welt. Als sie den Glanz und das Licht des Manda dHaije erblickten, 25

fund den Glanz und die Helligkeit]°), mit denen die Männer von erprobter

Gerechtigkeit gekleidet wurden, knickten die Throne ihrer Götter unter

ihnen zusammen. Ihre Reihen waren daran, auf das Gesicht hinzustürzen,

und sie standen beschämt da.

 

Alle Welten, die ihn erblickten, stürzten hin und fielen auf ihr Antlitz. 3°

Sie öffnen nicht ihre Augen und sind nicht imstande, das Zeichen und das

Abbild des großen Lebens zn schauen.

 

 

!) Der hienieden nach dem Rechten sieht. Im vorhergehenden Absatz ist vom Auf-

stieg der Einzelseelen die Rede, hier vom Aufstieg der Gesamtheit der Seelen beim Weltende.

2) Hier und weiterhin wohl im Sinne von Äonen gebraucht (siehe auch p. 46 #), doch *

steht Text 175, 22 dafür NYINT.

2) Nach 175, 3f. (Text) ergänzt.

Lidzbarski, Ginzä. 12

 

 

 

 

 

 

 

178 Rechter Teil. 173, 12—174, 15

 

 

Doch als die Männer von erprobter Gerechtigkeit ihn erblickten, wurden

sie durch das Leben aufgerichtet und dessen voll, und das Leben wurde in

ihrem Sinne aufgerichtet.

 

Erstarren befiel die Herren des Hauses’), und sie sprechen zu ihrem

Gotte: „Du bist unser Abbild, und wir sind dein Abbild; wenn Kraft in dir

ist, so verändere deine Gestalt, sonst wollen wir hingehen und uns dem

Lichte des Lebens anfügen.“ Darauf erwidert er ihnen: „Meine Gestalt ist

es, und sie wird sich in aller Ewigkeit nicht verändern.“ Da sprechen sie:

„Wehe uns, daß die Werke unserer Hände ohne Schuld waren, wir jedoch

schuldig sein sollen.“

 

Warum weinet ihr, Völker und Generationen? Euer Herz hängt an

etwas, das nicht euer ist. Euer Königtum wird gewandt und wendet sich,

und der Glanz eurer Herrlichkeit fiel über euch zusammen ?).

 

Sie empören sich gegen ihren Gott, verfluchen ihn und sprechen zu

ihm: „Verflucht seiest du, Gott, und der Geist, der auf Rüha ruht.“

[174] Ihre Kraft ging hin, sie schämten sich in ihren Skinäs, Lug und Trug

war in den Pforten ihrer Paläste. Finsternis ging über den Werken ihrer

Hände auf, öde Dunkelheit‘) ist an ihrem Firmament. Ihre Götter knickten

an ihrem Wege beschämt zusammen. [Über ihre Tempel] kam reichlich

Schmach‘). |

 

Sie setzten sich hin zu Täuschung und (falscher) Weisheit, treiben

Zauberei und werfen sie über das Antlitz der Erde. Der Gott stieg von

der Höhe hinab, nahm die Gestalt von Engeln an, und die Engel verklei-

deten sich als Dämonen. Täglich, alltäglich verdrehen sie das Herz der

Menschenkinder, sie lassen sich nieder auf den Hals der Priester, Pfaffen

und Orakelmänner, um zur Sättigung von ihrem Fleische zu essen und zur

Labung von ihrem Blute zu trinken. Sie sprechen°) in (falscher) Weisheit

und Täuschung und verändern die Zeiten.

 

Das Leben offenbarte sich der Tibil, Glanz und Licht des Lebens

gingen auf.

 

Als das Meer es erblickte, kehrte es um,

 

und der Jordan wandte sich rückwärts.

Die Berge hüpfen wie Hirsche,

 

und die Hindinnen in der Steppe werfen ihre Jungen aus.

Die Höhen sprechen wie Wolkentöchter in Ehrung‘).

 

 

t) Wohl auch hier die Planeten, siehe p. 106, 8 und 179, 28, doch ist es unklar, wer

ihr Gott ist.

 

2?) Dieser Absatz unterbricht den Zusammenhang.

 

®) Siehe R 278, 14; 282, 1. Wegen dieser Stellen lese ich nicht mit A NYINY, ob-

wohl X”% dem Sinne nach 837 nahesteht, siehe Joh. II, p. 76%.

 

#) Siehe Lit., p. 128, 10.

 

) Lies NOYSHNN.

 

6) Ps. 114, 4 ist mißverstanden, besonders }97 2 = INy 2 „Lämmer“, die zu

„Wolkentöchtern“ wurden.

 

 

 

 

 

174, 16— 175, 20 Fünftes Buch. Zweites Stück. 179

 

 

Die Berge öffnen ihren Mund und gewähren Lobpreis,

 

und die Zedern auf dem Libanon brechen zusammen.

Als die Erde mich erblickte, zitterte sie und erbebte,

 

und als der König des Meeres’) mich sah, kehrte er um.

 

Meer, wen sahest du und kehrtest um,

 

Jordan, wen sahest du und wandtest dich rückwärts?

 

Berge, wen sahet ihr und hüpfet wie Hirsche,

 

Hindinnen in der Steppe, vor wem werfet ihr eure Jungen aus?

 

Höhen, vor wem sprechet ihr wie Wolkentöchter in Ehrung?

 

Berge, vor wem öffnet ihr euren Mund in Lobpreis,

 

Zedern auf dem Libanon, vor wem brachet ihr zusammen?

 

Erde, wen [175] sahest du und erbebtest?

 

König des Meeres, wen sahest du und kehrtest um?

 

Inseln des Meeres, vor wem wurdet ihr verwirrt,

 

Eilande des Meeres, vor wem erschraket ihr?

 

Vor dem Glanze und dem Lichte des Manda dHaije, dem Glanze und

der Helligkeit, mit denen du die Männer von erprobter Gerechtigkeit be-

kleidet hast. Das Leben ergoß sich über das Wasser, und die Inseln des

Meeres öffneten ihren Mund, gewährten Lobpreis dem gewaltigen, fremden

Leben und sprachen: „Deinen Namen, Leben, nannten wir nicht, und die

Furcht vor dir kannten wir nicht.“

 

Dies ist das Licht des Lebens, das sich offenbarte, und die Männer

von erprobter Gerechtigkeit priesen es. Da sprach zu ihnen Manda dHajje:

„Ich bin gekommen, um bei euch zu weilen und euch im Lichte des Lebens

aufzurichten. Ich habe euch von den Völkern und Generationen abgeson-

dert, ich will euch in der Liebe zur Wahrheit aufrichten, und ihr sollt

Wahrhaftige vor mir im Lichte des Lebens sein.

 

Das ......”) des Lebens wird nicht den Herren des Hauses”) zuteil

werden. Verwirrt wurden die Räder ihrer Wagen, und sie erhoben laut

ihre Stimme in der Höhe. Gleich der Stimme des Mannes Himun‘) erhoben

die Welten laut ihre Stimme in der Höhe.

 

Bl-Siddai entwurzelte durch seine Wunderhandlungen die Erde im

Hause des ......’) und schuf seine Werke im Hause des Mannes. Hinge-

worfen wurde ihre Stärke, ihre Herrschaft wich von ihnen, das Königtum

fiel ihnen vom Haupte. Sie saßen auf ihren Thronen in Erstarren da und

sprachen: „Wehe, wehe, daß Starren auf alle Welten fiel. Ihre Zeit nahte

heran, und sie sind im Begriffe ein Ende zu nehmen am Ende der Welten‘).“

 

 

ı) „Der König des Meeres“ beruht auch nur auf einem mißverstandenen N%" Ar ID:

 

®2) Der Text ist hier entstellt und weiterhin lückenhaft. Vielleicht hat am Anfange

Ind NT NRMDND) „und die Nachsicht des Lebens wird nicht zuteil werden“ gestanden.

 

3) D. h. den Planeten, siehe p. 1781. ;

 

4) Hier liegt wohl ein mißverstandenes 197 Hp vor (Jes. 13, 4; 33, 3 und sonst), viel-

leicht unter Einwirkung des Namens mn. Siehe auch GEIGER, ZDMG. XXI (1867), p. 491.

 

5) Im Texte steht „Glanz“, was nicht paßt. %) Siehe p. 46%.

 

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180 Rechter Teil. 175, 20—177, 3

 

 

Das große Leben wird in der Höhe weilen, während die Pforten‘) und

Planeten zu den Tiefen der Erde herabsinken werden. Den Äonen, die die

untere Seol umgeben, ist ihre Herrschaft von der Höhe gewichen°). Ihre

bösen Gedanken häuften sich auf ihrem Haupte.

 

Es ist die Stimme des Lebens [176] aus den Früchten, die Stimme der

Gerechten aus dem Lichte, die Stimme der Männer von erprobter Gerech-

tigkeit aus den unteren Skmas, die im Namen des Lebens Lobpreis ver-

richten und sprechen: „Wir kannten den Tod in der Tibil. Von dem Tage

an, da wir Liebe zum Leben faßten und den Tod haßten, vertrauten wir

auf dich, Leben, und wegen deines Namens, Leben, wurden wir in der

Tibil verfolgt.“

 

Fürchtet und preiset, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, das

Leben, und das Leben wird auf euch ruhen. Ihr, Männer von erprobter

Gerechtigkeit, werdet aufgerichtet sein; aufgerichtet stehet vor mir da.

Leuchtet und erleuchtet; mein Licht soll über euch aufgehen. Dann wird

den Männern von erprobter Gerechtigkeit das Antlitz leuchten und erleuchten

mehr als den Söhnen des Sam, der weißen Frucht’). Die Gestalt der

Männer von erprobter Gerechtigkeit wird leuchten gleich dem Leben, in

dem keine Mischung ist.

 

OÖ die da nach ihrer eigenen Meinung weise sind, und vor deren

eigenem Antlitze ihre Klugheit steht‘)!

 

O die sagen: wir gehören dem Leben und das Leben ist bei uns?),

während das Leben bei ihnen nicht ist! Sie haben ihr Herz verlassen,

abgeschnitten, geraubt.

 

OÖ die da Süßes in Bitteres und Bitteres in Süßes verwandeln 9!

 

OÖ die da Gutes böse nennen und das Böse als Gutes hinstellen 9!

 

O die Finsternis in Licht und Licht in Finsternis verwandeln )!

 

OÖ die des Morgens jungen Wein und am Abend alten trinken und

durch Gesang, Zither und Flöte gefangen genommen werden ?)!

 

O die sich mit feinen Ölen bestreichen und an wohlriechenden

Blumen riechen, die sich in Hoffahrt verweichlichen und im Namen des

großen Lebens und des Manda dHaije, der [177] bei ihnen war, kein Zeugnis

ablegten, die nicht horchten und hörten, die das Leben nicht in ihrem Sinne

aufrichteten, die in ihrer Hoffahrt die Ziererei befiel und die ihr Antlitz

dem großen Süf-Meer zuwandten.

 

 

') Vielleicht steht hier m im Sinne von ıy „Engel“. Mit „Pforten“ sind hier nicht

 

 

die falschen Religionen gemeint, da dafür sonst NIND steht, siehe p. 205.

 

?) Die Übersetzung ist unsicher; die Stelle ist vielleicht lückenhaft.

 

®) Die „weiße Frucht“ als Eat, Sams auch Lit. 5, 7. Joh. 206, 5 erscheint sie

als Aufbewahrungsstätte der Seelen.

 

*, Nach Jes. 5, 21. Die letzten Worte sind entstellt. In nn NIIDDN steckt nnaaD

oder Ähnliches.

 

5) Im Text steht „bei euch“ unter Einwirkung von Text Z. 7.

 

6) Nach Jes. 5, 20. ”) Nach Jes. 5, 11, 12.

 

 

 

 

 

177, 3—178, 13 Fünftes Buch. Zweites Stück. 181

 

 

Verehret und preiset, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, den

Überweltlichen, den eure Augen schauen‘), den Fremden aus den Licht-

welten, der Bildwerke und Bildnisse nicht hat, der den Verfertigern von

Werken der Täuschung nicht in die Hände fiel und seinen Namen und

seine Gestalt den Menschenkindern’) nicht genannt hat.

 

Dies ist das Licht des Lebens, das »«*«***» hingeworfen ist. Den

schlechten Menschenkindern blieb ihre Kraft stehen, und die Rede wurde

ihnen im Munde schwer‘), daß sie wie Stammelnde sprechen.

 

Dies ist der alte Glanz und das Licht, das von jeher war. Er leuchtete

und erleuchtete mit dem Lichte von den Welten der Siege her die Gestalt,

das Zeichen, die Stimme, den Ruf, die Erleuchtung und die Wundertaten

des Manda dHaije. Dieser erschien in allen Welten, und alle Götter er-

schraken. Sie taumeln übereinander und sprechen: „Wie können wir

genug Mandä dHaije preisen, dessen Glanz ausgedehnter ist, als daß wir

ihn preisen, und dessen Licht reicher ist, als daß wir es verherrlichen

könnten. Sein erstes Licht wurde beständig, schön und sieghaft sind seine

Worte der Kustä, und sein Glanz legte sich auf seine Freunde,‘

 

Zu Manda dHaije habet Vertrauen. Wie ein guter Hirte, der [seine

Schafe] hütet, hält er von euch jeglichen Geist des Abfalls fern. Wie ein

guter Hirte, der seine Schafe zu ihrer Hürde führt, setzt er euch hin und

pflanzt euch vor sich auf‘).

 

Freuet euch und preiset (ihn), ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit.

Beruhiget euer Herz, demütiget euren Sinn und haltet euch abseits von den

Bösen.

O ihr [Männer?] der Kusta’), deren Seele wahrhaftig ist! Ein Ruf

[178] erscholl über die ganze Erde, der Glanz einer jeglichen Stadt ging

unter. Manda dHaije offenbarte sich in Judäa, ein Weinstock erschien in

Jerusalem, vor dem kein Frevel ist. Königstrotz hatte er nicht im Kopfe,

und nicht hatte er das Aussehen nach einem Götzenwesen. Das Leben ist

es, das von jeher war, und die Kustä, die von früher her am Anfange war.

 

Öffnet euren Sinn und preiset aufrichtig. Warum wollt ihr den Schlaf

lieben und mit den Strauchelnden straucheln, gleich den ersten Strauchlern,

die strauchelten und ihre Hände nicht zur Kustä vor mich hinstreckten °)?

 

Heil euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, denen die Stirn-

locken auf dem Haupte gewunden werden. Eure Verdienste sind wunder-

samer als alle Welten, und euer Antlitz leuchtet in Freude.

 

O die ihr euch mit Mänteln verschiedener Art bekleidet”), die ihr in

 

 

-%) Ich vermute: den eure Augen nicht schauen.

 

2) Lies NWORIN DNIDD. 8) Vgl. p. 85, 5.

 

*) Siehe Joh. II, p. 42f.

 

5) Vor oder hinter NWWYIT ist ein Wort ausgefallen, entweder: o ihr Männer der

Kustä, oder: die Kustä bekennen od. ähnl.

 

6) Siehe auch weiterhin, p. 182, 33.

 

”, Zu S’DRBTDI NWOND siehe Nöld., p. 127, 20. Der Sinn des Satzes ist wohl, daß

 

 

 

 

 

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182 Rechter Teil. 178, 13—179, 15

 

 

der Tibil verfolgt werdet, aber [den Glauben nicht?] verlasset; euch werde

ich mit Glanz, eure Verfolger mit Schmach und Schande bekleiden.

 

Wir vertrauten auf das Leben, zum Leben hatten wir Vertrauen, und

Kustä war in unserem Geleite. Wir wurden groß durch die Größe deiner

Erkenntnis’).

 

Das Leben erhob sich zum Erbarmen mit euch. Ob der Liebe zur

Wahrheit und Gerechtigkeit bekleidete und bedeckte ich euch gleich einem

großen Panzer der Erde des Äthers mit Gerechtigkeit‘). Ob der Liebe, mit

der ihr Manda dHaije liebtet, ist auf eurem Haupte [ein Kranz von] Siegen’)

aufgerichtet.

 

Wohlan, machet groß meinen Namen‘) in der Tibil und meine Lob-

preisung in allen Welten.

 

Alsdann wird das Licht des Lebens, das sich offenbarte, «++» Lohn-

und Almosenspenden »+*x*++3. Dann werden eure Seelen, ihr Männer von

erprobter Gerechtigkeit, im Lichte des Lebens «xxx», und sie werden zu

zweien im gegenseitigen Glanze leuchten. Euer Name [wird wundersamer]

sein [als die sonstigen Namen], euer Glanz wird wundersamer sein als die

sonstigen Glanze, [179] und euer Licht wird wundersamer sein als die son-

stigen Lichter, eines jeden entsprechend seinen Werken und seinem Lohne.

 

Mein Name sei in eurem Munde. Segnet und preiset bei eurem Gehen,

eurem Kommen und eurem Sitzen, bei eurem Essen und eurem Trinken,

bei eurem Ruhen und eurem Liegen auf eurem Bette den Namen des

Lebens, dessen ihr gedenket’). Zu preisen, zu ehren, zu verherrlichen, zu

segnen, zu festigen (ist er)‘).

 

Ferner, machet groß meinen Namen in der Tibil und meine Lobprei-

sung in allen Werken.

 

Ein Ruf erscholl über die ganze Erde, der Glanz ging unter in jeg-

licher Stadt. Manda dHaije offenbarte sich allen Menschenkindern und

erlöst sie von der Finsternis zum Lichte, von der Dunkelheit zum Lichte

des Lebens.

 

Verlasset die öde Wüste und haltet euch fern und abseits von der

Täuschung und dem Blendwerk dieser Welt.

 

Werdet nicht hingerafft wegen eurer bösen Vergehen und strauchelt

nicht weg vom Leben gleich den ersten Strauchlern, die strauchelten und

ihre Hände nicht vor mich hinstreckten.

 

 

sie in der Zeit der Verfolgung sich in fremde Gewänder kleiden, sich äußerlich vom man-

däischen Glauben lossagen, ihn aber innerlich bekennen.

 

') Vielleicht ist IDMNINY) zu lesen. NND findet sich nur an dieser Stelle in

appellativischem Sinne, siehe Joh., p. XVII, 15.

 

2) Die Übersetzung ist sehr unsicher. Für IN’, sonst im Aramäischen im Sinne

„Panzer“ ganz gewöhnlich, läßt sich im Mandäischen dieser Sinn nicht nachweisen. Es hat

hier sonst die Bedeutung ‚Ader‘, siehe Joh. II, p. 998,

 

25V 21. Joh Ip 4) Lies %ROYWS oder YNOYW, siehe weiterhin.

 

5) Siehe oben, p. 19, 122.

 

6) Eine häufige Form in den Eulogien, siehe Lit., p. 141.

 

 

 

 

 

179, 15—180, 11 Fünftes Buch. Drittes Stück. 183

 

 

Wohlan, ihr Großen von erprobter Gerechtigkeit, haltet euch fern und

abseits von den räuberischen Wölfen und den verderblichen Löwen, die

zum Straucheln bringen, welche Leute von euch zum Straucheln bringen.

 

OÖ über die, die auf den Märkten der Tibil umhergehen, und deren

Körper gebückt und gebeugt ist, während sie ihr Herz verließen, abschnitten,

raubten').

 

Verkehret nicht mit den Frevlern, deren Hände mit Blut befleckt sind,

die täglich, alltäglich auf den Thronen der Auflehnung sitzen und den

Namen des Lebens verfolgen. Feuer wird ihnen aus dem Gesichte lohen,

es wird ihnen den Ort zwischen den Schultern zerstören und sie für ihren

[180] Hochmut bestrafen. Mit ihrem eigenen Schlage werden sie geschlagen

werden, ohne daß mein Schlag sie zu treffen braucht.

 

Das Leben ist siegreich, siegreich Manda dHaije und seine Helfer.

 

 

Das ist „der Umsturz der ganzen Götterschaft des Hauses“.

 

 

 

 

 

Drittes Stück.

 

 

Das Stück schildert die Wanderung der Seele an den Mattaräthä vorbei, den „Wacht-

häusern‘“, Stätten zwischen der irdischen Welt und dem Jenseits, die zur Läuterung der sün-

digen Seelen dienen. An der Spitze der Wachthäuser stehen Dämonen oder als Dämonen

gedachte Wesen, hier auch aus der christlichen Welt. Andere Beschreibungen der Matta-

räthä finden sich in den Stücken R 204ff., L 26ff. Die Stücke sind eingehend behandelt von

BRANDT, Jahrbücher für protest. Theologie XVII (1892), p. 408ff., siehe auch REITZEN-

STEIN, Das Mandäische Buch des Herrn der Größe, p. 80ff. und meine Bemerkungen

Zeitschr. f. Semitistik II (1924), p. 181 ff.

 

 

Im Namen des großen Lebens.

Mein Maß in der Welt wurde mir voll,

und meine Rechnungen lösten sich in den Zeitaltern auf?).

Ich verließ die Welt der Finsternis,

den Mischkrug des Todes’).

 

Ich ging hin und kam nach dem Wachthause der gierigen, tollwütigen

Hunde, deren Augen geblendet sind, daß sie nicht sehen, deren Ohren ver-

stopft sind, daß sie nicht hören können. Ich nannte ihnen den Namen

des Lebens, den Namen des Lebens verstanden sie nicht. Ich nannte ihnen

den Namen des Todes, den Namen des Todes verstanden sie nicht. In

 

 

2) Siehe oben, p. 180, 23. 2) Der Plural nach L 19, 7.

®) Das Gefäß, aus dem der Tod stammt. Anderwärts ist NII NIMIND öfter zusammen

mit den „Schätzen des Glanzes“ genannt: L 26, 24; 27, 5; 28, 15; Lit. 85, 7.

 

 

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184 Rechter Teil. 180, 11—181, 8

 

 

jenem Wachthause hatte ich Angst und Furcht, ich ängstigte mich, und

mein ganzer Körper zitterte mir in meinem Gewande Da ruft mir ein

Mann aus dem Orte ...... ) der Welt zu und spricht: „O du Mann, der

du nach dem Leben rufest und dem das Leben antwortet. Zum Leben

habe festes Vertrauen. Du gleichest einem Manne im Alter von 120 Jahren,

einem Manne, der Stab und Klapper in der Hand hält und hinter dem Vieh

einhergeht®). Doch plötzlich ergreifen sie ihn, bekleiden ihn mit Ehrfurcht,

bedecken ihn mit Ehrfurcht, binden ihm ein Diadem um, setzen ihn auf ein

Roß und machen ihn zum König in den Städten’). Ferner gleichest du

einem Manne, der in einem Raume von 160 Meilen in einer dürren Ebene‘)

steht, nach Wasser dürstet und dann den Geruch des Lebens riecht. Seine

Seele ist dann gleich dem guten Enos in seiner Herrlichkeit°).

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken [181] vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin

und kam zum Wachthause der -Jungfrau, der Tochter ihres Vaters‘), vor

der ihre 67 Töchter sitzen. Ihre Brust ist ihnen entblößt zur Schande,

und ihre Seite ihnen aufgeschlitzt”) zu Verfehlungen. Sie nehmen die

Herzen der Götter und das Gemüt‘) der Menschenkinder gefangen. Sie

sprachen zu ihm’): „Du Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen,

die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und

aus der großen Taufe des Lichtes geholt hast.“

 

Ich nannte ihr'’) meinen Namen und mein Zeichen. Da erschraken

 

 

ı) Das Wort 88% findet sich nur an dieser Stelle; der Sinn ist mir unbekannt.

„Tropfen“, woran man zunächst denkt, paßt nicht.

 

®) Einem alten, verächtlichen Hirten.

 

®) Angespielt wird auf die Erhöhung der Seele des Frommen bei ihrem Abscheiden

(vgl. z.B. Lit., p. 98), doch schwebte dem Verfasser vielleicht das Märchenmotiv von dem

plötzlich zum König. erhobenen armen Manne vor.

 

#) Siehe Nöld., p. 140, 5. 5) Siehe auch p. 191, 12.

 

°) Nach dem Folgenden ist Rühä gemeint, aber so ist sie nur hier genannt. Wie

ZIMMERN mir mitteilt, findet sich ein ähnlicher Ausdruck im Babylonischen nicht. Sollte

hier eine Kunde von Athena, der napd&vos, die von ihrem Vater geboren wurde, vorliegen?

 

7) Die gewöhnliche Bedeutung von N%WND im Aramäischen ist „Seite“, und dieser Sinn

liegt wohl auch hier vor. Babli Gittin, f.90b, 1.1 wird als Scheidungsgrund angegeben,

wenn eine Frau an beiden Seiten aufgeschlitzt ausgeht (M77% WO MOD). Allerdings

kann NYW°D auch „Saum“ bedeuten, danach hier „deren Kleidersaum ihnen aufgeschlitzt ist“,

und in den Canones des Ebed-Jesu von Söbä wird den Geistlichen das Tragen von Röcken

mit geschlitztem Saume (ROW NANDN NND) bei den priesterlichen Funktionen ver-

 

 

boten (Mau Scriptorum Veterum Nova collectio X, Roma 1838, p. 277). Röcke dieser Art

sollen arabisch NY’ heißen, wohl Durra‘a, siehe hierzu DOZY, Dictionnaire detaille des

noms des vetements, p. 177ff., Supplement I, p. 434b. Aber die andere Auffassung liegt

näher. ®) Eigentlich „Hauch, Dampf.“

 

®) Obwohl ein Schwanken in der Person in diesen Texten nicht selten ist (siehe p. 14%),

ist wohl hier wie in den Parallelstellen weiterhin NÖ'IHR) „und sie sprachen zu mir“ zu

lesen.

 

‘0) An dieser Stelle und weiterhin steht der Singular mit Beziehung auf die Haupt-

person, hier Rühä, während man den Plural erwartet.

 

 

 

 

 

181, 8—182, 18 i Fünftes Buch. Drittes Stück. 185

 

 

sie, fürchteten und ängstigten sich, sie erhoben sich vor mir und sprachen

zu mir: „Du Mann, auf deinem Pfade soll niemand kommen, und deine

Schritte soll niemand gehen.“ Darauf erwiderte ich ihnen: „Auf meinem

Pfade sollen die Auserwählten kommen, meine Schritte sollen die Gläubigen

gehen‘). Dir, Rüha, werden Splitter in deinen Augen sitzen und deine

Augen dir im Kopfe finster werden. Die Näsoräer werden dann empor-

steigen und den großen Ort des Lichtes und den lichten Wohnsitz schauen.“

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und

kam nach einem anderen Wachthause, dem des Zan-Hazazban, des hurtigen,

tapferen, des Königs des starken Zornes und Verderbens. Ich fragte und

sprach: „Wessen Wachthaus ist dieses, wen bewacht es und wer ist darin

festgebunden?“

 

Ich fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause sind

diejenigen festgebunden, die Blut vergießen und ihre Ebenbilder vernichten.‘

Ich fragte ferner und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit

den häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie

sprachen zu mir: „Jene Seelen gleichen den Geräten aus Ton, der Schwärze

annimmt, und den Geräten [182] aus Kupfer, das Schmutz und Rost her-

vorbringt. Man wirft sie in ein Gerät, in den Fußblock, in Bedrückung

und Einschließung, und man tritt sie nieder. Man zerstößt sie, doch sie

werden nicht süß, man brät sie, doch sie werden nicht gar’). Jene Seelen

verlangen nach einem zweiten Tode in der Welt der Finsternis, doch der

zweite Tod kommt nicht über ihren Geist. Zan und Hazazban sprachen

zu mir’): „Du Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen, die du

aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und aus der

großen Taufe des Lichtes geholt hast.“ Ich nannte ihm meinen Namen

und mein Zeichen, darauf verneigte sich Zan-Hazazban vor mir in tiefer

Verneigung.

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam

nach dem Wachthause des Jür, Jahür und Arhum. Ich fragte und sprach:

„Wessen Wachthaus ist dieses, wen bewacht es und wer ist darin festge-

bunden?“

 

Ich fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause ist fest-

gebunden ein jeder, der buhlte und stahl, der schwor und dabei log.“ Ich

fragte ferner und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit

den häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie

sprachen zu mir: „Jene Seelen gleichen: sie sind dünner als ein Stock und

schwärzer als das Haar auf dem Haupte. Man wirft sie in ein Gerät, in den

 

 

2) Lies nach dem vorhergehenden Satze TION).

2) Siehe NÖLDEKE, Zeitschr. für Assyriologie XXX (1916), p. 149.

) Auch weiterhin in diesem Stücke und sonst werden zusammengehörige Wesen bald

als mehrere Wesen, bald als eines angesehen.

 

 

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40

 

 

186 Rechter Teil. 182, 18—184, 3

 

 

Fußblock, in Bedrückung, Einschließung und Peinigung, und man tritt sie

nieder. Man zerstößt sie, doch sie werden nicht süß, man brät sie, doch

sie werden nicht zart. Jene Seelen verlangen nach einem zweiten Tode,

doch der zweite Tod kommt nicht über sie. Jür, Jahür und Arhum sprachen

zu mir: „Du Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen, die du

aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und aus der

großen Taufe des Lichtes geholt hast.“ [183] Ich nannte ihm meinen Namen

und mein Zeichen, darauf verneigte sich Jür, Jahür und Arhum vor mir in

tiefer Verneigung.

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam

nach einem anderen Wachthause, nach dem des Pilpin-Pipin, den Rühä

dQudsä in finstere Nebelwolken eingehüllt hat. Ich fragte und sprach:

„Wessen Wachthaus ist dieses, wen bewacht es und wer ist darin festge-

bunden ?“

 

Ich fragte, und sie sprachen zu mir: ‚In diesem Wachthause sind die

Vögte, Richter und Machthaber festgebunden, die die Grenzen verschieben

und die Grenzsteine verrücken. (Da sind) die Frauen, die ihre Milch ver-

kaufen, die ihre Kinder töten und die Kinder ihrer Genossinnen am Leben

erhalten, die um einen fetten Bissen und um gesüßte Becher betteln. Das

Weinen, Jammern und Klagen ihrer Kinder steigt vor das große, erste

Leben in die Höhe. Die Frauen, die ihre Milch verkaufen, hängt man an

ihren Brüsten auf bis zum Tage, dem Gerichtstage, bis zur Stunde, den

Stunden der Erlösung, weil sie ihre Kinder töten und die Kinder ihrer Ge-

fährtinnen großziehen.“

 

Ich fragte und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit den

häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie sprachen

zu mir: „Jene Seelen gleichen den fetten Böcken, die man plötzlich packt

und auf Kohlen wirft. Man wirft sie in ein Gerät, in den Fußblock, in

Bedrückung, Einschließung und Peinigung, und man tritt sie nieder. Man

zerstößt sie, doch sie werden nicht süß, man brät sie, doch sie werden

nicht gar. Jene schuldigen Seelen verlangen nach einem zweiten Tode in

der Welt der Finsternis, doch der zweite Tod kommt nicht über sie.“

[184] Pilpin-Pipin sprachen‘) zu mir: „Du Mann, übergib uns deinen Namen

und dein Zeichen, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen

des Glanzes und aus der großen Taufe des Lichtes geholt hast.“ Ich nannte

ihm meinen Namen und mein Zeichen, darauf verneigte sich Pilpin-Pipin

vor mir in tiefer Verneigung.

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam

nach einem anderen Wachthause, dem des nichtigen Jesus Christus. Ich fragte

und sprach: „Wessen Wachthaus ist dieses und wer ist darin festgebunden?“

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Siehe oben.

 

 

184, s—185, 21 Fünftes Buch. Drittes Stück. 187

 

 

Ich fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause ist ein

jeder festgebunden, der das Leben verleugnet und Christum bekennt.“ Ich

fragte ferner und sprach: „Welchem Dinge gleichen jene Seelen mit den

häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie sprachen

zu mir: „Jene Seelen gleichen einer großen und zahlreichen Schafherde

vor Christus. Christus führt sie zum Meere hin‘) und stellt sie am Meere

auf. Sie bitten ihn um Wasser, doch das Ufer des Meeres ist hoch und

das Wasser des Meeres tief. Sie wollen Wasser trinken, aber sie haben

keines’). Da sprechen die Seelen zu Christus: „Christus, unser Herr! Als

wir noch in jener Welt waren, haben wir (andere) mit Kleidern bekleidet

und mit Hüllen eingehüllt, Loskäufe erwirkt und Almosen und Benefizien

gewährt; warum wünschen wir jetzt Wasser zu trinken und haben keines?“

 

Darauf spricht Christus zu den Seelen: „Auf wessen Namen habt ihr

mit Kleidern bekleidet und mit Hüllen eingehüllt, Loskäufe erwirkt und

Almosen und Benefizien gewährt?“ Darauf erwidern die Seelen Christo:

„Auf [185] den Namen des oberen Wesens und den Namen des unteren

Wesens, auf den Namen Jesu Christi, auf den Namen des Heiligen Geistes,

auf den Namen des Gottes der Nazarener”) und auf den Namen der Jung-

frau, der Tochter ihres Vaters.“ Da sagt Christus zu den Seelen: „Das

obere Wesen ist der Himmel, das untere Wesen ist die Erde, Jesus Christus

bin ich, der Heilige Geist ist hier.“

 

Der Mann von erprobter Gerechtigkeit‘) ging an ihm vorüber und

brachte den ganzen Stamm der Seelen, der mit ihm war, an ihm vorüber.

Christus sprach dann zu dem Manne von erprobter Gerechtigkeit: „Du

Mann, übergib uns deinen Namen und dein Zeichen, die du aus den Wogen

des Wassers, aus den Schätzen des Glanzes und aus der großen Taufe des

Lichtes geholt hast.“ Ich nannte ihm meinen Namen und mein Zeichen,

darauf verneigte sich Christus vor mir viermal in tiefer Verneigung.

 

Die Seelen sprachen dann zu Christus: „Christus, unser Herr! Sagtest

du nicht, als wir in jener Welt waren: Es gibt keinen größeren und stär-

keren als ich bin; ich bin der Gott der Götter, der Herr der Herren, ich

bin der König aller Welten, ich bin das Haupt aller Werke? Da ist nun

der Mann, der an dir vorübergegangen ist, und du verneigtest dich viermal

in tiefer Verneigung vor ihm. Wer ist er?“

 

Darauf antwortete Christus den Seelen: „Dieser Mann, der an mir

vorübergegangen ist und vor dem ich mich viermal in tiefer Verneigung

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Lies NDN.

 

2) Meerwasser ist eigentlich kein Trinkwasser. Joh. IL, p. 45 ob. hält der gute Hirte

seine Schafe vom Meere fern, bringt ihnen aber Wasser zum Trinken, anscheinend vom

Meere. Freilich werden bei den Semiten vielfach Meer und großer Fluß nicht auseinander-

gehalten, so wohl gerade hinsichtlich des Euphrat LUCIAN, De dea Syria, cap. 13.

 

») Im Texte steht „der Näsöräer“.

 

4) Die Darstellung ist hier um ein fremdes Stück erweitert, in dem nicht die Seele,

sondern Mandä dHaijö mit den Seelen der Gläubigen an den Wachthäusern vorbeizieht.

 

 

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{88 Rechter Teil. 185, 21—187, 9

 

 

verneigte, hat den Namen des oberen Wesens nicht genannt, den Namen

des unteren Wesens hat er nicht genannt, den Namen des Heiligen Geistes

hat er nicht genannt, den Namen Christi hat er nicht genannt, den Namen

des Gottes der Nazarener hat er nicht genannt, den Namen der Jungfrau,

der Tochter ihres Vaters, hat er nicht genannt.“ Da sprachen [186] die

Seelen zu Christus: „Christus, unser Herr, wirf uns wieder auf drei Tage

in unsern Körper, dann wollen wir all unsere Habe verkaufen, zum Jordan

hinabsteigen und uns auf den Namen dieses Mannes, der an dir vorüber-

gegangen ist, taufen lassen.“ Doch Christus erwiderte den Seelen: „O ihr

Gestrauchelten, die ihr gestrauchelt seid! Habt ihr, als ihr noch in jener

Welt waret, gesehen, daß man ein Kind, das den Leib seiner Mutter ver-

lassen, wieder in seine Mutter eingeführt hätte, daß ich euch wieder auf

drei Tage in euren Körper werfe, damit ihr all eure Habe verkaufet, zum

Jordan hinabsteiget und euch auf den Namen dieses Mannes, der an mir

vorübergegangen ist, taufen lasset')?“ Christus sprach ferner zu den Seelen:

„Wisset ihr nicht, ihr Gestrauchelten, die ihr gestrauchelt seid? Ich bin

der nichtige Messias, gerieben für die Bedrängnis, weise zum Bösen, der

die Pforten des Schlafes verändert, die Werke des Geistes verdreht, die

frommen Männer betört und sie in die gewaltigen Nebelwolken der Fin-

sternis wirft. Als ich euch Pflöcke und Schlüssel zeigte”), betörte ich euch

und machte euch gierig. Gold und Silber schenkte ich euch, damit ihr mir

in der Finsternis, in jenem Orte, an dem wir stehen, Gesellschaft leistet.‘

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam

nach einem anderen Wachthause, dem des Jorabbä. Ich fragte und sprach:

„Wessen Wachthaus ist dieses und wer ist darin festgebunden?“

 

Ich fragte, und sie sprachen zu mir: „In diesem Wachthause sind alle

Großen und Großtuer festgebunden‘); die, welche mit großen Scheffeln

(Ardebs) nehmen [187] und mit kleinen Scheffeln geben, die Zins und Zinses-

zins, Prozente und Prozentprozente nehmen, die den Armen nur nach seiner

Armut und den König nur nach seiner Königswürde ansehen‘), die den

Armen und Notleidenden von ihrer Pforte wegstoßen und kein Almosen

geben.“

 

Ich fragte und sprach: „Welchem Dinge gleichen diese Seelen mit

den häßlichen Werken, die sie in der Welt üben?“ Ich fragte, und sie

sprachen zu mir: „Jene Seelen gleichen fetten Böcken, die man plötzlich

von ihrer Mutter fortreißt und auf Kohlen brät. Wie sie getan haben, tut

man ihnen’), wie sie gegessen haben, ißt man sie. Das Eine vermehrt man

 

 

1) Über diese Stelle und ihre Beziehung zu Ev. Joh. 3, 4 siehe Joh. II, p. 122f.

?) Vielleicht schwebte hier ein Bild Christi mit Schlüsseln vor, wie es in Anlehnung

 

 

an Apokal. 1, 18; 3, 7 dargestellt sein konnte, oder ein Bild des Petrus, der für Christus

 

 

gehalten wurde.

®) Eine Anlehnung an den Namen Jörabbä, d. h. der große Jö (Jao).

4) Ich lese Fo) mit Streichung von xD. 5) Lies NOITDN.

 

 

187, 9—188, 10 Fünftes Buch. Drittes Stück. 189

 

 

ihnen siebenfach, und Zorn kommt über sie. Jene schuldigen Seelen wün-

schen einen zweiten Tod in der Welt der Finsternis, doch er kommt nicht

über sie.“

 

Jorabbä sprach zu mir’): „Du Mann, übergib uns deinen Namen und

 

 

dein Zeichen, die du aus den Wogen des Wassers, aus den Schätzen des ;

 

 

Glanzes und aus der großen Taufe des Lichtes geholt hast.“ Ich nannte

ihm meinen Namen und mein Zeichen, darauf verneigte sich Jorabba vier-

mal vor mir in tiefer Verneigung.

 

Ich ging an jenem Wachthause vorbei, da sagte ich mir, daß Angst,

Furcht und Schrecken vor mir nicht mehr da seien. Ich ging hin und kam

nach einem anderen Wachthause, dem der Rüha dQudsa°), die auf dem Munde

des Verschlingers’) Karafıun sitzt. Die Harfe der Wollust liegt ihr auf der

Schulter, und sie klagt mit ihren sechshundertsechzig Sprößlingen‘). Eine

Viper liegt um sie. Sie spricht mit Zithern und ruft die zwölf Männer, die

Händler), die sich zu ihr bekannt haben. Diese sprechen zu ihr: „Unsere

Herrin, warum hast du uns gerufen und wozu wünschest du uns?“ Darauf

erwidert sie ihnen: „Ich habe euch gerufen und ihr seid von mir ge-

wünscht gleich dem Erdöl und dem Pech auf dem Munde des Verschlingers

Karafiun.“ Sie hält eine Klapper in der Hand‘) und sitzt auf dem Munde

des Verschlingers Karafiun. Sie klappert nach [188] den zwölf Pforten, die

an sie glauben, und wirft sie hinein. Sie spricht zu ihnen: „Gehet, gehet,

meine Kinder, ich werde das Tor schließen und euch nachkommen.“ Sıe

gehen im Schlunde des Karafiun umher und können sich nicht zurecht

tasten und tappen, um hinzugehen und sich auf sie zu stützen.

 

Der Mann von erprobter Gerechtigkeit‘) ging an ihm vorüber und

brachte mit sich den ganzen Stamm der Seelen vorüber. Dann erwachte

der Verschlinger Karafıun und sprach zu Rüha dQudsa: „Wo warst du?

Warum hast du mir nicht den Mann übergeben, der an mir vorüberge-

gangen ist?‘ Darauf erwiderte sie ihm: „Zu jener Zeit und in jener Stunde

 

 

glich dein Mund einem Ameisenspältchen, das, wenn ein Wind kommt und :

 

 

ein Blatt darauffällt, verstopft wird.“

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Dies NYOINDN:

 

2) Sie ist identisch mit der „Jungfrau, der Tochter ihres Vaters“, der Inhaberin des

zweiten Wachthauses. Man erwartet also hier kein besonderes Wachthaus von ihr. Viel-

leicht ist ursprünglich der eigentliche Inhaber Karafıun und Rühä dQudsä hat nur eine Neben-

rolle gespielt.

 

3) NOYNND müßte nach dem Mandäischen diese Bedeutung haben, siehe NÖLDEKE, Zeit-

schr. für Assyriologie XXX (1916), p. 150, doch liegt dem Worte vielleicht das hebräische

an” zu Grunde, siehe die Schilderung im Folgenden.

 

 

4) Pers. farzend, vgl. die 67 Töchter oben, p. 184,16. Doch ist es immerhin unsicher.

„Sie ist angefüllt mit 660 Kernen“ (syr. XMIYND, talm. NNIYD) paßt nicht.

 

5) Die 12 Apostel, die wie Händler umherziehen. ü

 

6) Vielleicht liegt hier der Schilderung ein Bild der Isis mit dem Sistrum zu Grunde.

Über Isisbilder mit der Schlange siehe ROSCHER, Lexikon der griech. und röm. Myiho-

logie II, 1, col. 533. ?, Siehe oben, p. 187.

 

 

 

 

 

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190 Rechter Teil. 188, 10—189, 11

 

 

Der Mann von erprobter Gerechtigkeit stieg empor und schaute den

äußeren Äther und den lichten Wohnsitz. Da sprach das Leben zu dem

Manne von erprobter Gerechtigkeit: „Welchem Dinge gleicht die Welt, aus

der du gekommen bist? Wem gleichen Rüha, Christus und die Planeten

in ihren Wachthäusern?“ Darauf erwiderte ihm der Mann von erprobter

Gerechtigkeit: „Rühä, Christus und die Planeten gleichen Fliegen, die auf

dem Rande eines Topfes sitzen. Ihre Flügel werden vom Dampfe getroffen,

der an sie herankommt, so daß sie in den Topf hineinfallen.“

 

Das Leben freute sich und bekleidete den Mann von erprobter Ge-

rechtigkeit mit Glanz. Es brachte Licht und bedeckte ihn damit. Es stellte

ihn am Orte der Sicherheit auf, am Orte, von dem man sucht und findet,

man bittet und es wird gewährt.

 

Das Leben ist siegreich über alle Werke, siegreich ist‘) der Stamm

der Nasoräer, der beim Namen des Jawar festblieb, und siegreich ist Mandä

dHaije und die seinen Namen lieben.

 

 

Dies ist das Buch ‚Mein Maß in der Welt wurde mir voll.“

 

 

 

 

 

Viertes Stück.

 

 

Taufe Mandä dHaije’s durch Johannes den Täufer und Johannes’ Tod und Aufstieg.

Siehe auch Siouffi, p. 11ff., Brandt, Rel., p. 137ff., 218ff. und oben, p. 51, 153, wo Hibil-

Ziwä die Stelle Mandä dHaije’s vertritt.

 

 

Im Namen des großen Lebens.

 

Dies sind die Aussprüche [189] Johäna’s des Täufers, als er den Jordan

lebenden Wassers nahm’), mit der lebendigen Taufe taufte und den Namen

des Lebens darüber sprach.

 

Mandä dHaije ging zu Johana dem Täufer und sprach zu ihm: „Wohlan,

Jöohänä, taufe mich mit deiner Taufe, mit der du taufest, und sprich über

mich etwas von dem Namen, den du auszusprechen pflegest.‘“

 

Darauf sprach Johäna zu Manda dHaije: „Mein Bauch ist hungrig

nach Essen und mein Leib durstig nach Trinken. Ich sammle Kräuter und

wahre Schweigen. Ich sehne mich nach Ruhe, doch die Seelen drängen

mich’). Jetzt soll der Morgen anbrechen, komm, dann will ich dich taufen.“

 

Als Manda dHaije dastand, erhob er seine Augen nach dem Orte, der

ganz Glanz, nach dem großen Orte, der ganz Licht ist, und sprach ein

 

 

 

 

 

!) Im Texte steht „du warst siegreich.“

2) D. h. ihn benutzte, siehe Brandt, Rel., p. 100f.

°®) Die Gläubigen (siehe p. 139°), die getauft werden wollen.

 

 

189, 11—190, 23 Fünftes Buch. Viertes Stück. 191

 

 

Gebet, das sehr groß, nicht klein war. Er sprach: „An euch richte ich

eine Bitte, an das erste Leben, das zweite Leben, das dritte Leben, an

Jofin-Jofafin, an Sam, den wohlbewahrten Mäna, an den Weinstock, der

ganz Leben, den großen Baum, der ganz Heilungen ist, an Osar-Hai und

Pta-Hai, die die Schöpfung des Lebens schaffen und die Pflanzung des

Lichtes pflanzen”), an euch richte ich eine sehr große. nicht kleine Bitte.

Über diese Stunde, in der ich stehe, bitte ich, über die zwölf Stunden des

Tages und die zwölf Stunden der Nacht, über die vierundzwanzig Stunden,

daß sie gleich einer Stunde sein sollen. Die Räder‘) des Tages seien die

der Nacht, die Räder der Nacht seien die des Tages. Schlaf und Schlummer

mögen über die Augen des Johänä kommen. Er schlummere und liege da,

und seine Seele sei gleich dem guten Enos [190] in seiner Herrlichkeit °).

Auf der Stelle will ich ihn fragen und mit ihm von der Taufe sprechen,

mit der er tauft, in dieser Stunde, in welcher wir stehen.“

 

Mandä dHaije geht und kommt aus dem Orte, der ganz Glanz, aus

dem Orte, der ganz Licht ist, aus dem Orte, an dem ihm über die zwölf

Stunden des Tages und die zwölf Stunden der Nacht gewährt wurde: sie

werden wie eine Stunde. Die Räder des Tages wurden weggenommen;

sie wurden zu denen der Nacht. Die Räder der Nacht wurden wegge-

 

 

nommen; sie wurden zu denen des Tages. Es wurde Abend, es wurde 2

 

 

Morgen, es wurde Nacht, es wurde Tag. Schlaf und Schlummer kam über

die Augen des Johanä. Er schlummerte und schlief, dann wachte er auf,

nieste‘), legte seine rechte Hand über die Augen und rieb sich den Schlaf

aus den Augen. Da sprach Manda dHaije: „Gruß dır, Meister Johänä, greiser

Vater, groß an Ehre.“ Darauf sprach Johana zu Mandä dHaije: „Komm

in Frieden, kleiner Knabe, den ich bereits gestern zum Jordan bestellt

habe. Heute werde ich dich nicht täuschen.“ Da sprach Manda dHaije zu

Johana: „Wohlan, laß den Jordan frei fließen’), breite deine Arme aus,

nimm mich an, taufe mich mit deiner lebendigen Taufe, mit der du zu

taufen pflegest, und sprich über mich etwas von dem Namen, den du aus-

zusprechen pflegest.‘“

 

Darauf erwiderte Johäna dem Manda dHaije: „Zweiundvierzig Jahre

nahm ich den Jordan, taufte ich Leute im Wasser, und noch hat mich

niemand zum Jordan gerufen. Jetzt will ich mit dir, kleiner Knabe von

drei Jahren und einem Tage, zum Jordan gehen.“

 

 

1) Eine alte Gebetsformel, die auch verschiedentlich in den Liturgien wiederkehrt,

siehe Lit. 141, 2; 15, 5; 84, 3, auch weiter unten, p. 196, 11.

 

2) Die Räder, an denen die Himmelskörper sich drehen und so die Zeit bilden, siehe

Lit, p- 129°. 3) Siehe oben, p. 184, 12.

 

#) Das Wort findet sich nur an dieser Stelle. Es wird auch im Targüm zu 2. Kön.

4, 35 von dem durch Elisa neubelebten Knaben gebraucht (hebr. iM). Freilich steht

R 241, 18; Lit. 55, 1 für „niesen“ Mn. Sollte DNPNDNY hier den Sinn „gähnen‘“ haben,

was man hier eher erwartet?

 

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192 Rechter Teil. 190, 23—192, 9

 

 

Da fragte Manda dHaije den Jöhana: „Wie ist die Taufe, mit der du

taufest?“ [191] Darauf sprach Johana zu Manda dHaije: „Ich werfe die

Menschen in den Jordan wie Schafe vor dem Hirten. Ich ziehe mit meinem

Stabe Wasser über sie hin und spreche den Namen des Lebens über sie.“

Da fragte Manda dHaije Johana den Täufer: „Wessen Namen sprichst du

über sie bei der Taufe, die du taufest ')?*

 

Da öffneten alle Jünger ihren Mund wie einen und sprachen zu Jo-

häna: „Seit zweiundvierzig Jahren vollziehst du die Taufe, und noch nie-

mand hat dich zum Jordan gerufen außer diesem kleinen Knaben. Ver-

achte nicht die Reden, die er redete.“

 

Die Jünger drängten Johanä, da stand Johäna auf, stieg in den Jordan,

ließ den Jordan frei fließen, breitete seine Arme aus, empfing Manda dHaije

und sprach zu ihm: „Komm, komm, kleiner Knabe von drei Jahren und

einem Tage, Kleinster unter seinen Brüdern und Ältester unter seinen

Vätern, der klein ist, dessen Reden aber bedeutsam sind.“

 

Darauf ging Manda dHaije zu Johaänä an den Jordan. Als der Jordan

den Manda dHaije erblickte, sprang und hüpfte er ihm entgegen und hüpfte

über seine Ufer. Johäna stand über dem ersten Munde im Wasser und

unter dem letzten Munde zwischen den Wassern®). Er schwimmt und hat

nicht die Kraft zu stehen. Manda dHaije erblickte Johana und betrübte

sich über ihn‘). Der Glanz des Mandä dHaije drückte auf den Jordan, und

als der Jordan den Glanz des Manda dHaije erblickte, wandte er sich rück-

wärts‘), und Johana stand ım Trocknen.

 

Manda dHaije ging dann an Johanä heran und sprach zu ihm: „Taufe

mich mit deiner reinen Taufe und sprich über mich etwas von dem Namen,

den du auszusprechen pflegest.“

 

Darauf sprach Johäna zu Manda dHaije: „Tausend mal tausend Men-

schen habe ich in den Jordan hinabsteigen lassen, und zehntausend mal

zehntausend Seelen [192] habe ich im Wasser getauft. Ein Mann, der dir

gliche, ist mir noch nicht durch die Hände gegangen. Jetzt hat sich hier

Trocknis gebildet; worin soll ich dich taufen ?“

 

Da sprach Manda dHaije zu Johänä: „Soweit das Wasser hingeht, geh

auch du, und ich will mit dir gehen. Taufe mich mit deiner reinen Taufe,

mit der du zu taufen pflegest, und sprich über mich etwas von dem Namen,

den du auszusprechen pflegest.“ So weit der Jordan zurückwich und das

Wasser trocken war, ging Johänä dahin, und Manda dHaije ging mit ihm.

Der Glanz des Manda dHaije legte sich über den Jordan und seine Ufer.

Die Fische öffneten ihren Mund vom Meere her, die Vögel von den beiden

 

 

 

 

 

 

 

 

*) Die Frage paßt nicht, da Jöhänä ihm schon vorher gesagt hat, daß er im Namen

des Lebens taufe. Sie ist auch ohne Antwort.

 

®) Über dem After und unter dem eigentlichen Munde.

 

®) Die angenommene Bedeutung von ANININY, das sich nur an dieser Stelle findet,

ist unsicher. Siehe zu borıny L 90, 26: Nöld., p. 366 unt.

 

*) Siehe oben, p. 178, 32, auch Brandt, Schr., p. 200%.

 

 

mn

 

 

192, 9—193,14 Fünftes Buch. Viertes Stück. 193

 

 

Ufern des Weltmeeres. Sie priesen Manda dHaije und sprachen zu ihm:

„Gesegnet seiest du, Manda dHaije, gesegnet sei der Ort, aus dem du ge-

kommen bist, gepriesen und gefestigt sei der große Ort, an den du gehest.‘

Als die Stimme der Fische vom Meere her und die Stimme der Vögel

von den beiden Ufern des Weltmeeres in das Ohr des Johänä drang, er-

kannte er, daß es Mandä dHaije ist, der mit ihm ging. Da sprach Johänä

zu Manda dHaije: „Du bist der Mann, in dessen Namen ich die lebendige

Taufe taufte.‘“ — „In wessen Namen taufest du?“ fragte er ihn. Darauf

erwiderte Johana dem Manda dHaije: „Im Namen dessen, der sich mir offen-

barte, im Namen des Zukünftigen, der kommen soll, sowie des wohlbe-

wahrten Mana, der sich offenbaren soll. Lege du nun deine Hand der

Kusta und deine große Rechte der Heilungen auf mich’) und sprich über

mich, deine Pflanzung, die du gepflanzt hast, [deinen Namen aus]. In

deinem Namen sollen die Ersten und Letzten gefestigt werden.‘

Darauf sprach Manda dHaije zu Johana: „Wenn ich meine Hand auf

dich lege, scheidest du aus deinem Körper.“ Da sprach Johäna zu Manda

dHaije: „Ich habe dich gesehen, nun will ich hier nicht länger sein. Ich

habe dich gesehen und erreicht’), nun bitte ich dich um Kustä. [193] Ver-

damme mich nicht weg von dir, von dem Orte, aus dem du gekommen

 

 

bist. Wappne mich und gib mir Befehle für den großen Ort, an den du 2

 

 

gehest. Sei mir gnädig und offenbare mir über die Mysterien der Könige‘),

über die große Frucht des Lichtes, über die Ambosse und Früchte der

Erde, (zu wissen) worauf sie gedrückt sind, über die Ambosse des Wassers,

von denen das lebende Feuer sich ausbreitet‘), worin das Leben wohnt,

(zu wissen), wer früher und größer ist als der andere.“

 

Als [Manda dHaije] dies hörte «++*++++ den Johana auf seine Uier

ir 3), Er zog ihm sein Kleid im Jordan aus, er zog ihm sein Kleid

von Fleisch und Blut aus‘), er bekleidete ihn mit einem Gewande des

Glanzes und bedeckte ihn mit einem guten, reinen Turban des Lichtes.

 

(Manda dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,

nach dem Orte, der ganz Licht ist, und Johana ging mit ihm.) Die Fische

aus dem Meere und die Vögel von den beiden Ufern des Weltmeeres

sammelten sich über dem Körper des Johana und bedeckten ihn. Als Jö-

hana seinen Körper erblickte, betrübte er sich über ihn. Da sprach Manda

 

 

dHaije zu Johanä: „Warum bist du über das Fleisch und Blut betrübt, das.

 

 

ı) Vgl. Lit., p. 5, 5.

 

a) Mel. Joh. II, p. 148%. 3) Siehe oben, p. 6°.

 

4) Die Ambosse der Erde, auf denen sie ruht, werden öfter genannt. Auch die Frucht

des Lichtes als dessen Urbehälter ist verständlich. Weniger verständlich sind die Früchte

der Erde neben Ambossen und die Ambosse des Wassers. PTR2DT bezieht sich wohl auf

NIINTIND, nicht auf WM.

 

5) Die Worte IN3) 7N%D sind schwerlich in Ordnung. Die. Schreibung und Eee

ist vielleicht durch den Ortsnameu I832 02 (R 330, 14) beeinflußt.

 

6) Er streifte den Körper von der Seele ab.

 

Lidzbarski, Ginza. 13

 

 

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194 Rechter Teil. 193. 14— 194. 17

 

 

ich dir ausgezogen habe? Wenn du willst, will ich dich wieder in dasselbe

einführen,“

 

Darauf sprach Johana zu Manda dHaije: „Gesegnet und gepriesen sei

der Mann, der mir das Gewand von Fleisch und Blut ausgezogen, mich

davon erlöst und befreit hat. Gepriesen, verherrlicht, gefestigt und geehrt

seı der erwählte Mann, der mich mit dem Gewande des Glanzes bekleidet

und mit dem guten, reinen Turban des Lichtes bedeckt hat, (in dem ich

war)‘). Nein, ich betrübte mich über meine Kinder, die voll Eifer sind,

die ich zurücklassen mußte, ohne daß jemand da ist, der sie unterweisen

kann.“

 

Da erwiderte ihm Manda dHaije: „Wer in deinem Sinne und in deinem

Herzen wohnte, wird auch im Sinne und im Herzen deiner Kinder wohnen.

Mein Sohn, ich weiß, weswegen du dich betrübtest.“ Darauf sprach Johana

zu Mandä dHaije: „Auch du kennst die Herzen und durchschaust die Sinne.

Herzen, [194] Leber und Nieren sind wie die Sonne vor dir ausgebreitet.

Du spaltest ein Haar und siehest, was darin ist. Du erkennst, was im

Lichte und was in der Finsternis ist.“ Also sprack sein Mund in Herrlich-

keit vom Schaume’) des Wassers und von den Ophanen des Wassers her’).

 

Da nahm (Manda dHaije) Sand vom Meere und von den beiden Ufern

des Weltmeeres, trat hin und warf ihn über den Körper des Johana. Von

jenem Tage an geschah die Zudeckung der Körper.

 

Mandä dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,

nach dem Orte, der ganz Licht ist, und Johana ging mit ihm. Er ging

und kam nach dem Wachthause des heiligen‘) Ptahil, der des Glanzes bar,

vom Lichte abgeschnitten ist, den das Leben abgeschnitten und von sich,

aus seiner Gemeinschaft fortgelassen hat. Es setzte ihn abseits in eine

Wüste und ließ ihn allein dasitzen.

 

Als Ptahil Manda dHaije erblickte, neigte sich sein Thron unter ihm.

Er erhob sich von ihm, pries und segnete "Manda dHaije und sprach zu

ihm: „Gepriesen seiest du, Mandä dHaiie, gesegnet sei der Ort, aus dem

du gekommen bist, und gepriesen, verherrlicht und gefestigt sei der große

Ort, an den du gehest. Sei mir gnädig vor dem gewaltigen Leben in der

Höhe, das Sturz und Fesselung®) über mich gestürzt hat und mich nicht

emporsteigen läßt, um das Leben in der Höhe zu schauen.“

 

 

') Diese Worte gehören nicht hierher. Vielleicht haben sie ursprünglich hinter „Ge-

wand von Fleisch und Blut‘ gestanden.

 

2) Bei 0917) könnte man hier an hebr. aim „Ufer‘‘ denken. Doch kommt dies sonst

im Mandäischen nicht vor. Dagegen ist bei 89 NEIN” R 210, 1 (auch Code Sab. Paris.

25, f. 15b, 1. 8) der Sinn „Schaum“ sicher, und dieser Sinn mag auch hier vorliegen.

 

®) NND) steht hier wieder ohne rechten Sinn, siehe p. 44 unt. und Lit.. p. 1295,

An Schöpfräder ist hier nicht zu denken.

 

#) NWIIN?, siehe auch p. 80%.

 

5) Für NDMDND, das sich nur an dieser Stelle findet, steht R 195, 9 8NEm0. Die

Identität ist gesichert durch WINNDT NNOYMD R 306, 19f. Es ist wohl etwas wie „über-

gestürzte Hülle“ (Nöld.. p. 103, 5). Für Dye) findet sich sonst die Bedeutung „Fessel“

 

 

 

 

 

194, 17—195, 17 Fünftes Buch. Vierbes Stück. 195

 

 

Darauf sprach Manda dHaije zu Johana: „Erzähle diesem Vornehmen,

daß die Vergebung des Lebens ihm zuteil wurde. Auch dich, den Men-

schen‘), habe ich gleich einem der Könige”) gemacht, gleich den großen

Uthras aus dem Hause der Herrlichkeit. Geh, überbring ihm die Worte.“

 

Da sprach Johana zu Ptahil: „Die Vergebung des Lebens wurde zuteil

dir und deinem Vater’), dem Uthra, dem Manne, der dich gerüstet, beauf-

tragt und hierher gesandt hat.“

 

Manda dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,

nach dem Orte, der ganz Licht ist. Er ging und kam nach dem Wacht-

hause des hohen Abathur. Tausend mal tausend (stehen da), [195] um die

Augen nach ihm zu erheben, und zehntausend mal zehntausend stehen vor

ihm (zu seinen Diensten). Sie halten hoch‘) seinen Thron, der hoch ist

und auf dem er sitzt.

 

Als Abathur Manda dHaije erblickte, stand er von seinem Throne auf.

Da sprach Mandä dHaije zu Abathur: „Bleib, bleib, Abathur, auf deinem

Throne sitzen, der hoch, prächtig und bewahrt ist, den das gewaltige Leben

in der Höhe dir verliehen hat.“ Darauf sprach Abathur zu Manda dHajje:

„Wenn du gehest, gedenke mein vor dem Leben.“ Da sprach Mandä

dHaije zu Abathur: „Wenn ich hingehe, spreche und erzähle, so werden

sie kommen und deinen Thron zwischen die Männer, die Söhne des Heils,

hochheben. Wenn ich hingehe und spreche und gut erhört werde, so

werden zwei Engel aus der Höhe kommen. Sie werden den hohen Vor-

hang zwischen der Spitze deiner Skina und dem gewaltigen Leben hoch-

heben°). Sie werden dich hören lassen und zu dir sprechen, und sie werden

das gewaltige Leben hören lassen und sagen, daß Mandä dHaije hingegangen

ist und Abathur Kustä gereicht hat.

 

Mandä dHaije setzte seinen Weg fort nach dem Orte, der ganz Glanz,

nach dem Orte, der ganz Licht ist, und Johäna ging mit ihm. Sie gingen

und kamen zu den vier Männern, den Söhnen des Heils: In-Hai (Lebens-

quell), Sum-Hai (Lebensname), Ziw-Hai (Lebensglanz), Nhür-Hai (Lebens-

licht)‘. Der Mann von erprobter Gerechtigkeit‘) nahm ihn (Johaäna) und

stellte ihn am Orte der Sicherheit auf. Er faßte Johänä bei der Hand und

stellte ihn am Orte der Sicherheit auf. Die Uthras überschütteten ihn mit

 

 

(Joh. II, p.99°; doch NÖLDEKE, Zeitschr. für Assyriologie XXX, 1916, p. 154), und dieser Sinn

scheint auch hier vorzuliegen, da wir R 340, 8 8NEDYND zusammen mit NNDy finden. Viel-

leicht ist wm) zu lesen. _

 

1) Vielleicht NUNIN DNIN zu lesen.

 

aisieheroben, p. 6°.

 

3) D. h. dem Abathur.

 

eo) Spy könnte allenfalls heißen „sie gründen ihm“ seinen Thron. Vielleicht ist

FbnN)Ann zu lesen.

 

5) Ich vermute FINOYIRI bezw. NO)IN.

 

6) Siehe Lit. 83, 3.

 

?) D.h. Mandä dHaije, siehe p. 187, 22; weiterhin ist damit Jöhänä gemeint. Schwer-

lich ist hier XP} 2 NORA Objekt, mit Beziehung auf Jöhänä, da sonst NI2N)D stände.

 

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196 Rechter Teil. 195, 17—196, 12

 

 

Gebetsordnungen, Gebeten, Messen und Hymnen und sprachen: „Kommet,

wir wollen hingehen und den Mann sehen, der aus der Tibil gekommen

ist, den Mann von erprobter Gerechtigkeit, der wahrhaft und glaubensfest

geblieben ist mitten unter den bösen Anschlägen und unter dem Throne

des alten Abathur.“ Jeder einzelne bekleidet ihn mit einem Teile seines

Glanzes, jeder einzelne bedeckt ihn mit einem Teile seines Lichtes. Sie

sprangen auf und bekleideten ihn mit Gewändern lebenden Feuers, das ohne

Ende und Zahl ist.

 

Johänä stand nun da am Orte, der ganz Glanz, am Orte, der ganz

Licht ist. Er stand da in einem Glauben, der sehr groß, nicht klein war.

Und [196] Johana sprach: „An euch richte ich eine Bitte, an das erste

Leben, das zweite Leben, das dritte Leben, an Joöfin-Jöfafin, an Säm, den

wohlbewahrten Mana, an den Weinstock, der ganz Leben, an den großen

Baum, der ganz Heilungen ist, an Osar-Hai und Pta-Hai, die die Schöpfung

des Lebens schaffen, die Pflanzung des Lichtes pflanzen und das erste Ab-

bild im Hause des Lebens gründen‘), an euch richte ich eine sehr große,

nicht kleine Bitte: entsprechend dieser Stunde, in der ich dastehe, ent-

sprechend diesem Aufstiege, mit dem ich aufgestiegen bin, mögen alle wahr-

haften und gläubigen Menschen emporsteigen, die mit dem Zeichen des

Lebens gezeichnet, mit der reinen Taufe getauft und über die der Name

des gewaltigen, ersten Lebens gesprochen ist.“

 

Gepriesen sei das Leben, das Leben ist siegreich, und siegreich ist der

Mann, der hierher gegangen ist.

 

 

 

 

 

Fünftes Stück.

 

 

Das Stück wird „das Buch des Silmai, des Herrn des Hauses“, genannt. Die Bezeich-

nung „Herr des Hauses“ hat hier wohl dieselbe Bedeutung, wie sonst im mandäischen Schrift-

tum; es ist der Herr der irdischen Welt?). Diese Benennung führt sonst der Böse, und auch

Silmai scheint einer der Unterirdischen zu sein. Er gehört zum Kreise der Rühä und ist

vielleicht geradezu als ihr Sohn gedacht. Aber sein Vater Jathrün wird schlechthin der

Gute genannt und hat seinen Sitz am Tore des Hauses des Lebens. Auf den Rat der Rühä

begibt sich Silmai zu seinem Vater, der jedoch von seinem Erscheinen nicht erbaut ist. Er

will ihm den Garaus machen, doch rät ihm seine Umgebung, ihn einer Prüfung zu unter-

ziehen und je nach dem Ausfall ihn bei sich aufzunehmen oder wieder in die Tiefe hinabzu-

senden. Jathrün tut so, und die lange Reihe von Fragen und Antworten über die verschie-

denen Dinge der Natur sind wohl der eigentliche Zweck der Komposition. Silmai beant-

 

 

') Siehe p. 191.

?) Über die Verwendung des Ausdruckes XN)2 N”D im semitischen Heidentum siehe

Ephemeris Ill, p. 88.

 

 

196, 13197, 11 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 197

 

 

wortet alle Fragen zur Zufriedenheit Jathrüns, nur über das Ende der Welt kann er ihm

keine Auskunft geben. Da erscheint Hibil-Ziwä und gewährt ihm Belehrung darüber. Er

erteilt dem Vater die Auskunft, und dieser fragt ihn, von wem er sie erhalten habe. Die

Antwort, daß sie von Hibil-Ziwä herrühre, gefällt dem Vater nicht, und er weist ihn von sich.

 

Das Buch scheint fremden Ursprunges zu sein. Silmai findet sich anderwärts nur zu-

sammen mit Nidbai; sie sind Hüter des Jordans. Nur noch L 8, 9 ist Silmai allein als In-

haber eines Wachthauses und Schlüsselbewahrer des Lichtes genannt. Ebenso ist sein Vater

Jathrün sonst unbekannt!), und auch der Ausdruck NIYINENIT NP findet sich bis auf

R 276, 23 nur in diesem Buche.

 

 

Im Namen des großen Lebens.

 

Der Herr der Größe prangte

 

und leuchtete durch die Uthras, seine Söhne.

 

Dies ist das Mysterium und das Buch des Silmai, des Herrn des Hauses.

 

Im Namen dessen, der gekommen ist, im Namen dessen, der kommt,

und im Namen dessen, der entstehen soll. Im Namen jenes fremden Mannes,

der durch die Welten drang, kam, das Firmament spaltete und sich offen-

barte?). Er erhellte und kam zu den Skinäs aller Planeten, richtete seinen

Thron auf und setzte sich auf ihn. Der Gute sann nach, erkannte und

belehrte sich über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges und über

jenen Berg, den Berg Karmel’).

 

Er kam und fand die sieben und die zwölf Helden, die in ihren Händen

Üe *, der Lüge halten und über die Monate, Jahre, Sosse”), Tage,

Sekunden, Geburtsstunden‘) und Zeiten dasitzen.

 

Ewath, die lügnerische Rüha, kam, rief jeden einzelnen Mann beim

Namen auf, beauftragte jeden einzelnen Mann mit Werken, [197] sie rief

sie, beauftragte sie und sandte sie in diese Welt. Sie rief auch Silmai, den

Herrn des Hauses, und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses, steh zeitig

am frühen Morgen auf, geh an das Ufer des Jordans und an den guten

Behälter der Heilmittel. Wasche deine Hände in Kustä und reinige deine

Finger im lichten, gewaltigen (Wasser?) des Jordans. Steig hinauf und

geh vor deinen Vater Jathrün, den vollkommenen Mann. Wenn dein Vater

dich sieht, wird er dir das Königtum, die Güte und die Sieghaftigkeit dieser

Welt geben lassen.“

 

Wie Ewath, die lügnerische Ruhä, zu Silmai, dem Herrn des Hauses,

sprach, so tat er. Er stand zeitig am frühen Morgen auf, ging an das Ufer

des Jordans und an den großen, guten Behälter der Heilmittel. Er wusch

seine Hände in Kusta und reinigte seine Finger im lichten, gewaltigen

 

 

1) Eine „Leuchte Jattir-Jathrün“ siehe p. 146, 17.

 

2) Siehe Lit. 11, 11; 77, 3; 128, 2; 142, 11.

 

3) Auf dem die Bösen ihre Versammlungen abhalten, siehe p. 121.

 

#) Siehe oben, p. 132®.

 

5) Siehe oben, p. 106°.

 

6) Das Wort findet sich nur an dieser Stelle. Es gehört nicht zu yevos, sondern wie

das jüdische NO), N’D12] zu yeveoros, also etwa yeveotos Öpa.

 

 

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198 Rechter Teil. 197, 11—198, 14

 

 

(Wasser) des Jordans. Er stieg vor seinen Vater Jathrün, den vollkom-

menen Mann, in die Höhe, beugte seinen Körper und verneigte sich vor

seinem Vater.

 

Als sein Vater ihn erblickte, erboste der Gute, der sich noch nie er-

bost hatte; es zürnte der Gute, der noch nie gezürnt hatte. Er wollte auf

die Erde Tibil stampfen‘), ihn verderben, ihn an die großen Sphären der

Festigkeit?) hängen und sie auf ihr Antlitz auf das Antlitz der Erde hin-

stürzen.

 

Vor ihm standen dreihundert zweiundsechzig Jünger. Da sprachen sie

zu ihrem Vater, dem vollkommenen Manne: „Du hast, o Jathrün, in deiner

Rede ausgesprochen und bei deiner Taufe bestimmt erklärt, daß am Tore

des Hauses des Lebens Wut und Zorn nicht da sei. Wenn du bei Silmai,

dem Herrn des Hauses, (Bescheid) nachsuchest über die Ordnungen, Eigen-

schaften?) und Worte, die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen über

diese Welt, so er ihn dir gibt, laß ihm einen Thron zwischen den Männern,

seinen Vätern, errichten. Suchst du bei ihm nach und er gewährt ihn dir

nicht, so mag er [198] zu jener Welt zurückgehen, aus der er gekommen ist.“

 

Der Gute beruhigte sich und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses!

Ein Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen,

Eigenschaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deu-

tungen über diese Welt gelangt: Woher diese Erde geworden, worauf der

Amboß aufgestellt ist, wem‘) die große Hus’) gegeben wurde°).“

 

Darauf erwiderte er ihm: ‚Mein Vater! Diese Erde wurde festge-

schmiedet’). Der Amboß ist auf das schwarze Wasser gestützt. Die große

Hus ist dem Lügner gegeben.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: „O Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen

 

 

1) Die Wendung auch Joh. 276, 6.

 

2) Obwohl die Sphären sich bewegen, haben sie doch ihre Festigkeit. NINYW steht

hier nicht etwa im Sinne von „Feste, Firmament.‘

 

®) NOND hat wohl auch hier diesen Sinn, siehe p. 7°.

 

*) Nach dem Folgenden ist NDS zu lesen.

 

5) Das Wort findet sich nur hier und R 273, 10. Dort ist es eine Bezeichnung für

das „große Meer“; dies soll es wohl auch hier sein.

 

6) Es ist keine direkte Frage. Er ist darüber unterrichtet; die Frage an Silmai ist

zu ergänzen.

 

?) Ich vermute, daß hier Imw für um steht. Über die gerade bei 7, 7 häufigen Um-

setzungen siehe Nöld., p. 66.

 

 

198, 15—199, 21 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 199

 

 

über diese Welt gelangt: Woher diese Firmamente geworden, worauf sie

ausgespannt, woran sie hängen und wodurch sie erleuchtet werden.“

 

Darauf erwiderte er ihm: ‚Mein Vater! Diese Firmamente bestehen

aus sieben schweren ') Wassernebeln, die Ptahil durch die Kraft, die sein

Vater Abathur ihm verliehen, ausgespannt und hochgehoben hat. Zwischen

jedem einzelnen hängen Leuchten des Glanzes, und sie werden durch die

Kraft der Könige?) erleuchtet.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! [199] Ein Wort ist

zu mir aus dem Hause meines Vaters über die Ordnungen, Eigenschaften

und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen über

diese Welt gelangt: Woher die Sonne, wovon ihre Natur‘), woher ihre

Hitze, woher ihre Kälte, woher ihr Glanz ist.“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Die Sonne ist aus der Erde

entstanden, ihre Natur ist von der Natur der Sieben, ihre Hitze und Kälte

 

 

sind von der Hitze und Kälte des Ptahil, ihr Glanz ist vom Glanze des >

 

 

gewaltigen, fremden Lebens, des erhabenen, das über allen Werken steht.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein Wort ist zu

mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigenschaften und

Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen über diese

 

 

Welt gelangt: Woher der Mond, wovon seine Natur, woher seine Hellig- -

 

 

keit, woher seine Annehmlichkeit‘) ist.“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Der Mond ist aus der Erde

entstanden, seine Natur ist von der Natur der Planeten, seine Helligkeit

und Annehmlichkeit ist von der Helligkeit und Annehmlichheit des großen,

geliebten, ersten Sam-Ziwä, des Mannes, dessen Skins über den hundert

und sieben und sechzig gewaltigen, oberen Lichtwelten ruht. Jede Welt

mißt für sich tausend mal tausend Meilen, und zehntausend mal zehntausend

Skinas ruhen in ihr’), in jeder einzelnen Skins wohnen tausend mal

 

 

N) WON) ist hier wohl so aufzufassen; nicht im Sinne von „teuer, Kostbar.‘

 

®2) D. h. der himmlischen Wesen. CD haben „der Engel.“

 

3) SIND steht hier wie auch sonst öfter fälschlich für NIMD.

 

*) Die angenehme Kühle, die er verbreitet.

 

5) Vielleicht ist 72 nur irrtümlich aus dem Folgenden wiederholt, so daß es heißen

würde „tausend mal tausend Meilen und zehntausend mal zehntausend Skinäs“,

 

 

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200 Rechter Teil. 199, 21—201, &

 

 

tausend Uthras, und von jedem einzelnen Uthra wird eine Skinä bewohnt.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, [200] der dir zwischen den Männern,

deinen Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: „‚Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause meines Vaters über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen

über diese Welt gelangt: Woher das Wasser, wovon seine Natur, woher

sein Wohlgeschmack, woher seine Kraft ist.“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Das Wasser ist aus der Erde

gekommen, seine Natur ist von der Natur der Sieben, !seine Kraft von der

Kraft der Finsternis und sein Wohlgeschmack vom Wohlgeschmack des

lebenden Wassers.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: ‚„Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause meines Vaters über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Nasaräertums und die Deutungen

über diese Welt gelangt: Woher das Feuer, wovon seine Natur, woher sein

Aussehen, woher sein Rauch ist.“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Das Feuer ist aus der Erde

gekommen, seine Natur ist von der Natur der Sieben, seine Kraft von der

Kraft der Finsternis und [sein Rauch] vom Hause des Satans Ismael').“

 

Da sagte er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen

über [201] diese Welt gelangt: Woher der Wind, wovon seine Natur, woher

seine Kraft, woher seine Annehmlichkeit ist.“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Der Wind ist aus der Erde

gekommen, seine Natur ist von der Natur der Sieben, seine Kraft von der

Kraft der Finsternis und seine Annehmlichkeit von der Annehmlichkeit des

Athers.“

 

 

') Aus Sama&l, der sich übrigens sonst als Name für den Teufel bei den Mandäern

nicht findet, wurde Ismael gemacht, mit Anspielung auf die verhaßten Araber.

 

 

 

 

 

201. 4—202,7 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 201

 

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist, was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen

über diese Welt gelangt.“ Ferner sprach er zu ihm: „Was sind die oberen,

was die unteren Dinge?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Die oberen Dinge sind das Firmament, die

unteren die Erde.“

 

Da fragte er ihn: „Wird das Firmament schwanger vor der Erde,

oder wird die Erde schwanger vor dem Firmamente?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Das Firmament bringt Regen

und Tau, und die Erde öffnet ihren Mund und nimmt ihn auf. Dann bringt

sie Früchte, Saaten und Obst hervor, von denen die Kinder Adams essen

und trinken, ohne ihrem Herrn zu danken.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen

über diese Welt gelangt.“ Ferner sprach er zu ihm: „Wer sind die äußeren,

wer die inneren Dinge?“

 

Darauf erwiderte er ihm: ‚Die äußeren Dinge sind der Mann, die

inneren die Frau’).

 

Da fragte er ihn: „Empfängt der Mann vor der Frau, oder empfängt

die Frau vor [202] dem Manne?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Der Same bildet sich im Körper des Mannes

durch zweiundvierzig Tage. Dann übergibt er der Frau die Saat, den

Stamm, die Wurzel und die Begattung und knüpft daraus das Mark, die

Knochen und die Sehnen.“

 

Da fragte er ihn: „Was gibt die Frau dem Kinde?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Sie gibt ihm das Blut, die Haut, die Bilder’)

und die Haare.‘

 

 

 

 

10

 

 

u

 

 

[$)

[e)

 

 

Da fragte er ihn: „Wodurch entsteht das Kind in der Mutter und 40

 

 

wodurch wächst es?“

 

 

!) Wohl mit Beziehung auf die Geschlechtsteile und die Art der Begattung.

2) Es ist unsicher, was damit gemeint ist, vielleicht die äußeren Formen.

 

 

in

 

 

Io

 

 

35

 

 

202 Rechter Teil. 202, 7—208, 8

 

 

Darauf erwiderte er ihm: „Das Kind wächst durch die sieben Mysterien

seines Vaters und seiner Mutter').“

 

Da fragte er ihn: „Woher kommt die Nahrung für das Kind %

 

Darauf erwiderte er ihm: „Die Nahrung kommt für das Kind aus dem

Innern der Mutter.“

 

Da fragte er ihn: „Wenn das Maß für das Kind voll ist und es ge-

boren werden soll, wie wird es geboren ?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater! Wenn das Maß für das Kind

voll ist, wirft man der Mutter Wehen?) in die inneren Hüften, schlägt das

Kind mit gewaltigen ........... ). Dann dreht sich der Kopf nach unten

und die Unterschenkel nach oben. Dann wird das Kind geboren.“

 

Da sprach er zu ihm: „Schön ist was du mir gesagt hast, schön sind

die geheimen Worte, die aus deinem Munde herauskommen. Geh, setze

dich auf deinen großen Ehrenthron, der dir zwischen den Männern, deinen

Vätern, errichtet ist.“

 

Als er hingehen und sich hinsetzen wollte, rief der Meister seinen

Schüler, fragte ihn und sprach zu ihm: „Silmai, Herr des Hauses! Ein

Wort ist zu mir aus dem Hause des Lebens über die Ordnungen, Eigen-

schaften und Worte, über die Tiefen des Näsaräertums und die Deutungen

über diese Welt gelangt.“ Ferner sprach er zu ihm: „Wenn das Maß für

die Welt voll ist, auf welche Weise wird es voll?“

 

Alle Auskünfte, die sein Vater von ihm wünschte, kannte er in seinem

Sinne, um sie ihm zu erteilen; diese Auskunft kannte er nicht in seinem

Sinne, um sie ihm zu erteilen. Er fühlte sich erniedrigt und setzte sich

[203] unterhalb der dreihundert zweiundsechzig Jünger.

 

Da ging hin und kam der Lichtschatz, die große Ruhe und Stütze des

Lebens‘), fand ihn und sprach zu ihm: „Warum sitzest du da, Silmai, Herr

des Hauses?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Mein Vater wünschte eine Auskunft von

inir, die ich nicht in meinem Sinne kannte, um sie ihm zu erteilen.“

 

Da sprach er zu ihm: „Die Auskunft, die dein Vater von dir- wünschte,

kenne ich in meinem Sinne Wenn dein Vater dich vor sich lädt und zu

dir spricht: ‚Kanntest du diese Auskunft in deinem Sinne und gabest sie

mir nicht, oder hat einer von den Uthras, den Söhnen des Lichtes, dich

darüber belehrt?‘°), so sprich zu ihm: ‚Ich kannte sie in meinem Sinne,

 

 

‘) Von sieben Mysterien ist auch sonst die Rede (R 314, 7; Lit. 148, 1; Morg. 183, 6);

von den „sieben Mysterien, die im Körper sitzen“ Lit. 36, 5. Hier sind wohl die inneren

Körperteile (etwa Herz, Lunge, Leber, Galle, Milz, Magen, Nieren) und ihre Tätigkeit ge-

meint. ®) Siehe Lit.. p. 36°.

 

o) NPD (ROPIRD) findet sich nur an dieser Stelle; die Bedeutung ist unsicher. Das

sonst häufige pp heißt „umstürzen.“ 7797 ist nicht in Ordnung. Vielleicht liegt eine

größere Verderbnis vor und hat ursprünglich x „Gehirn“ dagestanden.

 

*) Siehe auch Lit. 25,12; 75, 4; 80,4; 125, 4; 129,4. Hier ist damit, wie aus p. 204, 1

zu ersehen ist, Hibil-Ziwä gemeint.

 

’) Siehe zur Auffassung der Worte p. 203, 33#.

 

 

203, 8— 204. 14 Fünftes Buch. Fünftes Stück. 203

 

 

und doch gab ich sie dir nicht, weil mein Fuß vor dir nicht sicher stand

und nicht auf meiner Sohle‘) stand.‘ Ferner sprich zu ihm: ‚Wenn das

Maß der Welt voll ist, fällt die Erde in ....... ®), und der Himmel wickelt

sich zusammen wie Matten. Die Sonne zieht ihren Glanz, der Mond zieht

seine Helligkeit aus, die Sterne und Himmelsbilder fallen ab wie dürres

Laub. Das Feuer geht in seine Hülle hinein, das Wasser in seine Hüllen’).

Die vier Winde des Hauses fassen sich an den Flügeln und wehen nicht‘).“

 

Da fragte er ihn: „Wohin gehen Rüha, Christus, die Planeten und die

Seelen der Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben? Wohin gehen sie.

wohin kommen sie und wo erhalten sie ihre Wohnung?“

 

Darauf erwiderte er ihm: „Rüha, Christus, die Planeten und die Seelen

der Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben, rufen nacheinander, fassen

einander an der Hand, werden gefesselt, gehen hin und stürzen wie ein

Granatapfel aus Blei’) in Ur, den Herrn der Finsternis, in seinen eigenen

großen Leib. Es raucht‘), das Feuer wird angefacht und verzehrt Ur, den

Herrn der Finsternis, Ewath, die lügnerische Rüha, die Planeten und die

Seelen der Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben.“

 

Alsdann erhob sich Silmai, der Herr des Hauses, ging vor Jathrün,

den vollkommenen Mann, und sprach zu ihm: „Mein Vater! Die Auskunft,

 

 

die du von mir wünschtest, [204] will ich dir geben. Wenn das Maß der >

 

 

Welt voll ist, fällt die Erde in ....... und der Himmel wickelt sich zu-

sammen wie Matten. Die Sonne zieht ihren Glanz, der Mond zieht seine

Helligkeit aus, die Sterne und Himmelsbilder fallen ab wie dürres Laub.

Das Feuer geht in seine Hülle hinein, das Wasser in seine Hüllen. Die

 

 

vier Winde des Hauses fassen sich an den Flügeln und wehen nicht. Rüha, >

 

 

Christus, die Planeten und die Seelen der Bösen, die sich zu ihnen bekannt

haben, rufen nacheinander, gehen zueinander, fassen einander an der Hand,

werden gefesselt, gehen hin und stürzen wie ein Granatapiel aus Blei in

Ur, den Herrn der Finsternis, in seinen eigenen großen Leib. Rauch steigt

in seinem Magen auf, das Feuer wird angefacht und verzehrt Ur, den Herrn

der Finsternis, Ewath, die lügnerische Rüha, die Planeten und die Seelen

der Bösen, die sich zu ihnen bekannt haben.“

 

Da sprach sein Vater zu Silmai, dem Herrn des Hauses: „Kanntest

du diese Auskunft in deinem Sinne und gabest sie mir nicht, oder hat einer

von den Uthras, den Söhnen des Lichtes, es dir gesagt?“

 

 

1) SNINDy ist persisch uszuwar „fest, Festigkeit“. Es hat im Mandäischen konkrete

Bedeutung angenommen und steht in Verbindung mit Fuß oder Ferse; auf ihrem INNDY

stehen sie fest (R 264, 8; 266, 8, 11; 272, 19; 294, 10). Vielleicht bedeutet es geradezu

Fußsohle.

 

2) NND) steht außer hier auch L 17, 12. Die Bedeutung ist unsicher, siehe Nöld.,

p. 123, 11. Es scheint „Trümmer“ od. ähnl. zu bedeuten.

 

°) Lies RI.

 

4) Auch Joh. 79, 8.

 

®) Man hat wobl zu lesen: FO5ORM TOR NININT NINDYT 721.

 

6) Siehe Z. 29f.

 

 

-

 

 

5

 

 

204 Rechter Teil. 204, 14—19

 

 

Darauf erwiderte er ihm: „Diese Auskunft hat Hibil-Ziwa mir ge-

währt.“

| Da sprach er zu ihm: „Gehe, gehe, du, der des Glanzes bar, vom

Lichte abgeschnitten ist, den das Leben von sich abgeschnitten hat und

; die Uthras hinter sich zurückgelassen haben ').“

Das Leben ist siegreich über alle Werke, und siegreich ist Jäwar-

Ziwa und seine Helfer.

 

 

!) Siehe oben, p. 194, 24.

 

 

IS

 

 

 

 

 

Sechstes Buch.

 

 

Noch eigenartiger als das Buch des Silmai ist „das Buch des Dinänükht.“ Dinänükht.

nach ANDREAS iranisch Dendnuyt „derjenige. der der Religion gemäß redet“ (mit Hinweis

auf Yt. 5, 18 und Y. 8, 7, sowie BARTHOLOMAE, Altiran. Wörterb., col. 127 s. v. anuy-

tayae), ist ein Mittelding zwischen Mensch und Buch. Er ist „das Tintenbuch der Götter“,

ein mit Tinte geschriebenes Buch, hier wohl noch im Gegensatz zu beschrifteten Tontafeln.

Er sitzt andauernd über seinen alten und neuen Büchern und sucht aus ihnen die Geheim-

nisse der Welt zu ergründen. Vor ihm erscheint der kleine Disai, auch er halb Mensch halb

Buch. Der Name \897 zeigt dieselbe Form gitlai, nach der sonst bei den Mandäern Namen

aus der religiösen Welt umgeformt werden, vgl. Joh., p. XX. Der Stamm ist unsicher. Yy7

findet sich als Bezeichnung für die althebräische Schrift, siehe meine Nordsem. Epigr.,

p. 190 Anm., doch ist es fraglich, ob der Name damit zusammenhängt. Disai, klein aber

großsprecherisch, kommt mit großen Worten, die Dinänükht keine Aufklärung geben. Dinä-

nükht wirft ihn ins Feuer, dann ins Wasser, schließlich läßt er ihn vom Morgen bis zum

Abend vor sich liegen. Es scheint, daß Dinänükht einschläft und daß im Traume Ewath-

Rühä ihm erscheint, die sich mit den höheren und niederen Dingen der Welt identifiziert.

Da kommt ein Uthra Din-Mlıkh zu ihm, holt seine Seele aus dem Körper und führt sie an

den Wachthäusern vorbei. Es sollen acht sein (p. 210, 16), die aber nicht alle aufgezählt werden.

In ihnen sieht Dinänükht nur die Bösen und Frevler, aber zuletzt, im Wachthause des Aba-

thur, schaut er die ob ihrer guten Werke belohnten Frommen. Der Uthra verheißt auch ihm

Belohnung und Seligkeit, doch soll er erst zur unteren Welt zurückkehren, seine Bücher ins

Feuer und ins Wasser werfen und sechzig Jahre und sechzig Monate den wahren Glauben

verkünden. Dinänükht kehrt in die Welt zurück, findet die Leute, die ihn für tot hielten,

um ihn klagen, und veranlaßt sie davon abzustehen. Er befolgt den Rat des Uthra, wirft

seine Bücher ins Feuer und ins Wasser, predigt den wahren Glauben und steigt nach der

angesetzten Zeit zum Hause des Lebens empor.

 

Die Erzählung weist altertümliche Züge auf. Der weise Schriftgelehrte Dinänükht

“erinnert an NIT NED 2), „den weisen Schriftgelehrten Nbü“ in der aramäischen In-

schrift aus Kappadocien Zphemeris I, p. 325, wo man den Anfang so zu lesen hat, und

hier L 29, 6. Bei dem zwischen den Wassern sitzenden Weisen denkt man an den an der

Mündung der Ströme sitzenden hochweisen babylonischen Sintfiuthelden Ut-Napistim, um so

inehr als Dinänülcht’s Gattin Nüraitä denselben Namen führt wie die Gattin Noahs, siehe

oben, p. 46, 4. Auch die Sprache weist alte Wendungen auf, siehe p. 206* zu NINYDYT INDDN

und p. 208% zu 727 >y.

 

 

15

 

 

20

 

 

in

 

 

1)

Ö

 

 

t3

AU

 

 

206 Rechter Teil. 204, 20— 205, 18

 

 

Die Schrift wird von Bar Khöni bei der Beschreibung der Religion der Döstäer zitiert,

siche Theodorus BAR KONI, Liber Scholiorum ed. Addai SCHER II (Corpus Scriptorum

Christianorum Orientalium, Scriptores Syri, Textus, Ser. II, tom. 66), p. 347, 6 und POGNON,

Inser. Mandaites. p. 227. Statt xronn DD daselbst ist N77 DD zu lesen. SIOUFFI

erzählt p. 31ff. eine Legende von Dananoukh, die mit dieser Geschichte nur wenig Berüh-

rungen hat. Dananoukh erhält dort Briefe von den bösen Geistern, die er im Feuer ver-

brennt, und seine Seele wird vom Todesengel durch die Matarotkho und dann durch die

Olmi-Danhowro geführt und ihr die Strafen der Frevler und der Lohn der Frommen gezeigt.

 

 

Im Namen des großen Lebens werde ein Sündenerlasser zuteil mir NN

und meiner Gattin NN.

 

Zwischen den Wassern sitze ich. Ich bin Dinanükht, der weise Schrift-

gelehrte, das Tintenbuch der Götter, der Machtvolle, Stolze, Hochmütige, in

dessen Haus es keinen Hausherrn, [205] in dessen Bau, in dessen oberen

Palästen und unteren Häusern es keinen Älteren gibt. Diese meine Bücher

liegen auf meinen Händen und mein Gedenkbuch ') auf meinen beiden Armen.

Ich studiere in meinen neuen Büchern und suche Belehrung in den alten.

Ich sinne, erkenne und belehre mich über Vergangenes, Gegenwärtiges und

Zukünftiges?).

 

Da kam der kleine Disai und fiel vor mich hin. Ich öffnete ihn

und studierte in ıhm. Er ist klein, doch seine Reden groß’), und heftig

brechen ıhm die Worte hervor‘). Er suchte in den oberen Abaddons°)

und sprach: „Es gibt ein Leben, das von jeher war, und es gibt eine Kusta,

die schon früher am Anfang war. Es gibt Glanz, es gibt Licht. Es gibt

Tod, es gibt Leben; es gibt Finsternis, es gibt Licht‘). Es gibt Irrtum, es

 

 

; gibt Wahrheit. Es gibt Zerstörung, es gibt Aufbau. Es gibt Schlag, es

 

 

gibt Heilung. Es gibt einen erhabenen Mann, der älter ist und früher da

war als der Erbauer des Himmels und der Erde.“

 

Dinänukht spricht: „Ich suchte vom kleinen Disai Belehrung und

sprach: „Wo ist das Leben, das von jeher war, wo ist die Kusta, die schon

früher am Anfang war? Wo ist der Glanz, wo ist das Licht? Wo ist der

Irrtum, wo ist die Wahrheit? Wo ist die Zerstörung, wo ist der Aufbau?

Wo ist der Schlag, wo ist die Heilung? Wo ist dieser erhabene Mann,

der älter ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und der Erde?“

 

 

 

 

 

 

 

 

‘) Ein alter Ausdruck, vgl. Maleachi 3, 16; Esther 6, 1; Ezra 4. 15.

 

®) Siehe auch oben, p. 197, 18. ?) Siehe oben, p. 192, 15.

 

*) aM findet sich außer in diesem Zusammenhange noch L 59, 8 bei Feuer. Im Syri-

schen kennen wir AT im Sinne von „heftig“, besonders vom Regen. Im Arabischen wird

zrf von allzureicher Wortfülle gebraucht.

 

®) Die Abaddöns (bikl. NT2N) gehören eigentlich zur Unterwelt, siehe p. 208, 7 und Lit.,

p. 67, 4; 117, 1. ö

 

°) Dieser Satz fehlt in A. Die Auslassung muß alt sein. denn die entsprechenden

Worte im folgenden Absatze fehlen in allen Handschriften.

 

 

 

 

 

205, 18— 207, 23 Sechstes Buch. 207

 

 

Dann ergriff ich den kleinen Disai und verbrannte ihn im Feuer.

 

Zwischen den Wassern sitze ich. Ich bin Dinanükht, der weise Schrift-

gelehrte, das Tintenbuch der Götter, der Machtvolle, Stolze, Hochmütige, in

dessen Haus es keinen Hausherrn, in dessen Bau, in dessen oberen Palästen

und unteren Häusern es keinen Älteren gibt. Diese meine Bücher liegen

auf meinen Händen und mein Gedenkbuch auf meinen beiden Armen. Ich

studiere in meinen neuen Büchern und suche Belehrung in den alten. Ich

sinne, erkenne und belehre mich über [206] Vergangenes, Gegenwärtiges

und Zukünftiges.

 

Da kam der kleine Disai und fiel vor mich hin. Ich öffnete ihn und

studierte in ihm. Er ist klein, doch seine Reden groß, und heftig brechen

ihm die Worte hervor. Er suchte in den oberen Abaddons und sprach:

„Es gibt ein J,eben, das von jeher war, es gibt eine Kustä, die schon früher

am Anfang war. Es gibt Glanz, es gibt Licht. Es gibt Tod, es gibt Leben.

Es gibt Finsternis, es gibt Licht. Es gibt Irrtum, es gibt Wahrheit. Es

gibt Zerstörung, es gibt Aufbau. Es gibt einen erhabenen Mann, der älter

ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und der Erde.“

 

Dinanükht spricht: „Ich suchte vom kleinen Disai Belehrung und

sprach: „Wo ist das Leben, das von jeher war, wo ist die Kustä, die schon

früher am Anfang war? Wo ist der Glanz, wo ist das Licht? Wo ist der

Tod, wo ist das Leben? Wo ist die Finsternis, wo ist das Licht? Wo ist

der Irrtum, wo ist die Wahrheit? Wo ist die Zerstörung, wo ist der Auf-

bau? Wo ist der Schlag, wo ist die Heilung? Wo ist dieser erhabene

Mann, der älter ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und

der Erde?“

 

Dann ergriff ich den kleinen Disai und versenkte ihn ins Wasser.

 

 

Zwischen den Wassern sitze ich ... (Wiederholung) in den oberen

Abaddons [297] und sprach: ......... als der Erbauer des Himmels und

der Erde?“

 

 

Dann ergriff ich den kleinen Disai und ließ ihn vor mir liegen von

den Schatten des Morgens bis zur großen Dämmerung) des Abends.

 

Da kam Ewath, der heilige Geist, trat zu mir in meiner Skina heran

und sprach zu mir: „Warum liegest du da, Dinanukht? Warum gefiel dir

der Schlaf? Ich bin das Leben, das von jeher war, ich bin die Kustä, die

schon früher am Anfang war. Ich bin der Glanz, ich bin das Licht. Ich

bin der Tod, ich bin das Leben. Ich bin die Finsternis, ich bin das Licht.

Ich bin der Irrtum, ich bin die Wahrheit. Ich bin die Zerstörung, ich bin

der Aufbau. Ich bin der Schlag, ich bin die Heilung. Ich bin der erhabene

Mann, der älter ist und früher da war als der Erbauer des Himmels und

 

 

in

 

 

-

ur

 

 

IS

°

 

 

(67)

[e)

 

 

der Erde. Ich habe keinen Genossen unter Königen, und es gibt sonst 40

 

 

keine Krone in meinem Reiche. Es gibt keinen einzigen Menschen, der

mir in den Nebelwolken der Finsternis einen Bescheid geben könnte.“

 

 

1) Siehe Nöld., p. 127, 22.

 

 

in

 

 

15

 

 

D

in

 

 

[

208 Rechter Teil. 207, 23—208, 21

 

 

Da kam Din-Mlikh-Uthra, warf Stöße') gegen den Körper des. Dina-

nükht und brachte ihn aus dem Körper heraus. [208] Winde, Winde nehmen

Dinanükht hin, Stürme, Stürme®) treiben ihn fort, Leitern, Leitern tragen

ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen emporsteigen. Sie brachten ihn

in die Höhe und stellten ihn in das Wachthaus des Nbaz-Hailä, des Herrn

der Finsternis, des großen Ambosses der Erde. Sein Thron ist auf den

Spalt’) der Tibil gesetzt, seine Füße ruhen auf den unteren Abaddons, und

über alle Meere wird der Saum seines Gewandes geschleift. Tausend mal

tausend [stehen vor ihm], und zehntausend mal zehntausend Götzen bedienen

ihn. Da sprach er: „Als ich ihn erblickte, sagte ich mir, ich würde mich

vor ihm verneigen und verbeugen, meinen Körper hinstrecken und ihn

preisen.“ Doch Din-Mlıkh-Uthra, der mich begleitete, ließ mich nicht und

sprach zu mir: „Vor wem willst du dich, Dinänükht, verneigen und vor

wem willst du deinen Körper hinstrecken und ihn preisen, wo das große

Leben und das Haus des großen, ersten Vaters vor dir sind?“

 

Winde, Winde nehmen Dinanükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn

fort, Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen

emporsteigen. Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-

haus des Zan-Hazazban, des hurtigen, tapferen, des Königs des Zornes, der

Stärke und des Verderbens. Sein Thron ist am Tor des Himmels hinge-

setzt. Zum Diebe sagt er: stiehl, und zum Hausherrn sagt er: bleib fest

stehen. Zum Diebe wegen‘) der Tötung und zum Hausherrn wegen des

Schadens’), Tausend mal tausend stehen vor ihm, und zehntausend mal

zehntausend Götzen bedienen ihn. Als ich ihn erblickte, wollte ich mich

vor ihm verneigen und verbeugen, meinen Körper hinstrecken und ihn

preisen. Doch Din-Mlikh-Uthra, der mich begleitete, ließ mich nicht und

sprach zu mir: „Vor wem willst du dich, Dinänükht, verneigen und vor

 

 

!) Zu DH", eigentlich „mit den Füßen treten“ siehe Joh. II, p. 69%. 09% bedeutet

hier wohl „Fußtritte, Stöße“, und der Satz hat den in der Übersetzung angegebenen Sinn.

Daß 8DD hier wie an anderen Stellen „Augenblick“ bedeute und der Satz etwa den Sinn

habe: er warf Dinänükht auf einige Augenblicke in den Körper, ist nicht wahrscheinlich,

da Dinänükht sich im Körper befindet. Auch POGNON’s Annahme, daß XD9N „Zauberblick“

bedeute („Il jeta des sortileges dans le corps de Dinanoukht“, Znscriptions mandaites, p. 240),

ist nicht wahrscheinlich.

 

?) Der Sinn des Wortes NONTY, das sich in demselben Zusammenhange auch L 7, 5;

8, 7 findet, ist nur erraten.

 

®) Das Wort findet sich nur an dieser Stelle. Den Sinn nehme ich nach der Grund-

bedeutung von 5b an. Nspin „Korb, Bienenkorb‘“ (LEVY, Neuhebr. Wörterb. II, p. 54b)

paßt nicht, eher paßt syrisch hellthä „Scheide.“ Wir haben hier die verbreitete Vorstellung

von dem Erdspalt, der die Oberfläche der Erde mit dem Urgrundwasser verbindet. Sonst

findet sich mandäisch dafür der Ausdruck x97'2, siehe Joh. II, p. 7°; Lit. 215, 1.

 

*) Hier steht das kanaanäische 737 sy, das in die aramäische Amtssprache der Achä-

menidenzeit eingedrungen ist, siehe SACHAU, Aramäische Papyrus und Ostraka, p. 282

Sa:

 

°) Damit der Dieb dem Tode verfalle und der Hausherr Schaden erleide.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

208, 21—210, 4 Sechstes Buch. 209

 

 

wem willst du deinen Körper hinstrecken und ihn preisen, wo das große,

erste Leben und das Haus des großen, ersten Vaters vor dir sind?“

 

Winde, Winde nehmen Dinänükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn

fort, Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe [209] und lassen ihn auf Sprossen

emporsteigen. Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-

haus der Ewath-Rühä, der Mutter der Ehelosen, Qananit, der Mutter der

„Heiligen“, des inneren Skorpionengiftes der Finsternis. Sieben Edelfrauen

stehen da, die keine Edelfrauen sind, und sieben Jungfrauen, die nicht

Jungfrauen genannt werden dürfen. Ihre Brust‘) ist ihnen entblößt und ihre

Seite ihnen geschlitzt. Der Kranz der Unzucht und Hurerei liegt ihnen auf

dem Haupte. Sie nehmen die Herzen der Götter, sie nehmen das Gemüt der

Menschenkinder gefangen. Sie nehmen die Männer durch die stolzen Blicke’),

die Frauen durch das lüsterne Herz gefangen. Tausend mal tausend stehen

. vor ihr, und zehntausend mal zehntausend Götzen bedienen sie. Er sprach:

„Als ich sie erblickte, sagte ich mir, ich würde mich vor ihr verneigen und

verbeugen, meinen Körper hinstrecken und sie preisen. Doch Din-Mlikh-

Uthra, der mich begleitete, ließ mich nicht und sprach: „Vor wem willst

du dich, Dinanükht, verneigen und vor wem willst du deinen Körper hin-

strecken und ihn preisen, wo das große, erste Leben und das Haus des

großen, ersten Vaters vor dir sind?“

 

Winde, Winde nehmen Dinanükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn

fort, Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen

emporsteigen. Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-

haus des Mannes Himun°). Tausend mal tausend stehen vor ihm, und zehn-

tausend mal zehntausend Götzen bedienen ihn. Als ich ihn erblickte, sagte

ich mir, ich würde mich vor ihm verneigen und verbeugen, meinen Körper

hinstrecken und ihn preisen. Doch Din-Mlikh-Uthra, der mich begleitete,

ließ mich nicht und sprach: „Vor wem willst du dich, Dinänükht, verneigen

und vor wem willst du deinen Körper hinstrecken und ihn preisen, wo das

große, erste Leben und das Haus des ersten, großen Vaters vor dir sind?“

 

Winde, Winde nehmen Dinänükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn

fort, Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen

emporsteigen. Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-

haus des Ptahil, der des Glanzes bar, vom Lichte abgeschnitten ist, den

das Leben hinter sich abgeschnitten hat, [210] dessen Haupt weißer ist als

der Schaum des Wassers, dessen Bart als Flocken weißer Wolle. Er spricht:

„Durch meine Stärke habe ich das Haus gebaut, durch meine Wundertaten

habe ich den Palast gegründet. Ich gab den Mond hin für die Rechnung

der Welten, ich gab die Sonne hin, um den Menschenkindern zu dienen *).“

 

 

1) Siehe p. 184, 16.

2) Der Ausdruck steht auch R 215, 19. Vielleicht ist trotzdem MYINY zu lesen, siehe

Targüm zu Prov. 21,4.

Sasıche p. 179, 30.

4) Ein Wortspiel zwischen WONW und NWNDNW.

Lidzbarski, Ginza. 14

 

 

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210 Rechter Teil. 210, 4—211, 14

 

 

Der Hochmütige, der nichts mit seinen Händen vollbracht, aber mit seinem

Munde sich hochpreist.

 

Winde, Winde nehmen Dinanükht hin, Stürme, Stürme treiben ihn

fort, Leitern, Leitern tragen ihn in die Höhe und lassen ihn auf Sprossen

emporsteigen. Sie brachten ihn in die Höhe und stellten ihn in das Wacht-

haus des alten, hohen, verborgenen, bewahrten Abathur. Ich schaute hin

und sah, wie tausend mal tausend dastanden und zehntausend mal zehn-

tausend dasaßen. Alle waren mit Glanz bekleidet und mit Licht bedeckt.

Ein Kranz von Siegen war ihnen um das Haupt gelegt. Sie saßen auf

Thronen der Ruhe und rezitierten geheime Gebetsordnungen, Messen und

Gebete’). Ich schaute hin und sah, wie tausend mal tausend Throne auf-

gerichtet waren. Über sie waren doppelt gelegt und ausgestreckt Gewänder

des Glanzes und reine Turbane des Lichtes. Es sprach Dinanukht: „In

jenem Wachthause hatte ich Angst und Furcht und ängstigte mich.“ Da

sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „O Dinanükht! Ich habe dich an

den sieben Wachthäusern des Todes vorbeigebracht, und vor den acht des

Verderbens hattest du keine Angst und Furcht. Was hast du hier gesehen,

daß du in Angst und Furcht gerietest?*“

 

Da sprach Dinänükht zu Dn-Mlikh-Uthra: „Ich sah tausend mal tausend

dastehn und zehntausend mal zehntausend dasitzen. Alle waren mit Glanz

bekleidet und mit Licht bedeckt. Kränze von Siegen waren ihnen um das

Haupt gelegt. Sie saßen auf Thronen der Ruhe und rezitierten geheime

Gebetsordnungen, Messen und Gebete. Ich sah tausend mal tausend

Throne, über welche Gewänder des Glanzes und große Turbane des Lichtes

doppelt gelegt und ausgestreckt waren.“ Er sprach ferner: „Ich sah [211] das

Leben, das von jeher war, ich sah die Kustä, die schon früher am Anfang

war.“ Ferner sprach er zu ihm: „Ich sah den Tod, ich sah das Leben.

Ich sah die Finsternis, ich sah das Licht. Ich sah den Irrtum, ich sah die

Wahrheit. Ich sah die Zerstörung, ich sah den Aufbau. Ich sah den

Schlag, ich sah die Heilung. Ich sah diesen erhabenen Mann, der älter ist

und früher da war als der Erbauer des Himmels und der Erde.“

 

Darauf sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „Diese Throne bewahrt

man für die Seelen, deren Mutter und Vater noch nicht da sind. Nach

tausend Jahren fallen sie in das Geschlecht von Vater und Mutter. Alsdann

kommen sie hinaus in die Welt und ziehen die Farbe des Fleisches an.

Wenn ihr Maß voll ist, verlassen sie die Welt, bekleiden sich mit Gewändern

des Glanzes und bedecken sich mit großen Turbanen des Lichtes. Sie sitzen

auf Thronen der Ruhe und rezitieren geheime Gebetsordnungen, Messen

und Gebete.“

 

 

40 Da fragte Dinanükht den Din-Mlikh-Uthra: „Welches ist mein Thron?“

 

 

Darauf erwiderte Din-Mlikh-Uthra dem Dinänükht: „Dein Kleid ist ein

Gewand des Glanzes, und dein Turban ist ein großer des Lichtes. Dein

 

 

%) Vgl. Lit. 9,5.

 

 

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|

7

 

 

211, 14— 212, 18 Sechstes Buch. 211

 

 

Kranz ist vom Weinstock Rwaz, der nicht verwelkt und nicht vergeht, und

dessen Blätter nicht von ihm abfallen ').*

 

Ferner sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „Geh in die Welt der

Bösen, an den Ort, der ganz aus Königreichen besteht. Geh, verbrenne

deine Bücher im Feuer und versenke dein Gedenkbuch ins Wasser. Zieh

in die Welt hinaus, rufe den Ruf des Lebens und unterweise Jünger sechzig

Jahre und sechzig Monate. Wenn dein Maß voll ist, wirst du kommen,

dich mit deinem‘) Gewande des Glanzes bekleiden und mit deinem großen

Turban des Lichtes bedecken, und man wird dir deinen prangenden Kranz

umlegen. Du wirst auf deinem Throne der Ruhe sitzen und geheime

Gebetsordnungen, Messen und Gebete zwischen deinen Brüdern, den Uthras,

den Söhnen des Lichtes, rezitieren.“

 

Darauf sprach Dinanükht zu Din-Mlikh-Uthra: „Ich will lieber an der

Schwelle des Hauses des Lebens Staub essen und nicht in die Welt der

Bösen, an den großen Ort, der ganz aus Königreichen besteht, zurück-

 

kehren.“

 

Da sprach Din-Mlikh-Uthra zu Dinanükht: „O Dinänükht, du Tor, der

nicht weise ist, [212] du Mangelhafter, der nicht vollkommen ist. An der

Schwelle des Hauses des Lebens ißt man keinen Staub. Nur Gutes ißt

man und sucht da Behagen. Kehre in die Welt der Bösen und an den 20

Ort, der ganz aus Königreichen besteht, zurück. Verbrenne deine Bücher

im Feuer und versenke dein Gedenkbuch ins Wasser. Ziehe in die Welt

hinaus, rufe den Ruf des Lebens und unterweise Jünger sechzig Jahre und

sechzig Monate. Wenn dein Maß voll ist, komme, bekleide dich mit deinem

Gewande des Glanzes, bedecke dich mit deinem großen Turban des Lichtes 25

und lege dir deinen prangenden Kranz um das Haupt.“

 

Dinänukht sprach: „Ich öffnete meine Augen und hob meine Brauen

hoch. Ich schaute hin und sah tausend mal tausend Edelleute, die in der

Sonne standen und über mich weinten, und zehntausend mal zehntausend

Edelfrauen, die in der Hitze’) des Tages standen und über mich klagten 30

(und weinten). Da sprach ich zu ihnen: „Gehet, ihr Edelmänner, die ihr

über mich (klaget und) weinet, gehet, weinet über euch selber, und ihr

Edelfrauen, die ihr über mich klaget (und weinet), gehet, klaget (und

weinet) über euch selber. Ihr habt nicht geschaut, was meine Augen ge-

schauet‘), ihr habt nicht gehört, was mein Ohr gehöret Or 38

 

Dann stand Dinanükht auf, rief seine Gattin Nüraitä und sprach zu

ihr: „Bringe mir diese meine Bücher und verbrenne sie im Feuer und mein

Gedenkbuch versenke ins Wasser.“

 

Da schrie seine Gattin Nüraitä, winselte‘), kreischte und sprach:

„Dinanukht ist irrsinnig geworden, Dinanükht ist irrsinnig "), dieser Königs- 40

sohn spricht ohne Verstand.“

 

 

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5

 

 

 

 

 

1) Siehe zu dieser Stelle Joh. II, p. 214!, auch Lit. 108, 1; 243, 10.

 

2) Leid, hat 7ROUMY. s) Siehe Nöld., p. 63, 3. *) Leid. hat ANMT.

 

5) Leid. hat NXOW. s) Leid. hat NXI2 „weinte*. ?) Lies NYW und NONYD.

14*

 

 

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912 Rechter Teil. 212, 18—213, 6

 

 

Da stand Dinanükht auf, verbrannte diese seine Bücher im Feuer und

versenkte sein Gedenkbuch ins Wasser. Er zog hinaus zu dieser Welt,

rief den Ruf des Lebens und unterwies Jünger sechzig Jahre, sechzig

Monate und sechzig Tage. Als das Maß des Dinanükht voll war und er

seinen Körper verließ, führten sie ihn zum Tore des Hauses des Lebens

empor. Da sprach Dinanükht: „Öffnet mir das Tor des Hauses des Lebens.“

Da öffneten sie ihm das Tor des Hauses des Lebens und zogen vor ihm den

großen Vorhang der Sicherheit in die Höhe. Sie sprangen auf, bekleideten

ihn mit einem Gewande des Glanzes, bedeckten ihn mit einem großen

Turban des Lichtes, brachten ihm einen Kranz vom Weinstock Rwaz und

legten ihn ihm ums Haupt. Dinanukht stand nun am Orte des Lebens, am

Orte, der ganz Glanz, am Orte, der ganz Licht ist. Er stand da in großer

Kraft‘), pries das gewaltige Leben und den (Mann), dessen Benennung teuer

und aufgerichtet ist [213] wie er selber). Und Dinänükht sprach: „Ent-

sprechend diesem Aufstiege, mit dem ich aufgestiegen bin, sollen alle wahr-

haften, gläubigen und trefflichen Näsoräer emporsteigen und hingelangen.

Sie sollen am großen, ersten Lichtorte aufgerichtet und gefestigt werden ’).“

 

Das Leben steht fest im Lichte, Manda dHaije wird aufgerichtet in

Siegen, das Leben ist siegreich über alle Werke.

 

 

2) Wohl RO%NT NND zu lesen. NJD) NÖNT Lit. 267,2 steht in anderem Zu-

sammenhange.

 

?) Das ist Mandä dHaije. Sein Name wird ihm selber gleichgestellt.

 

3) Siehe oben, p. 196, 17.

 

 

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Siebentes Buch.

 

 

Eine Sammlung von Weisheitssprüchen, die Johannes dem Täufer in den Mund gelegt

sind. Für Johannes ist hier die arabische Form Jahjä gebraucht (siehe Joh. II, p. 73), im

Ginzä nur an dieser Stelle. Danach ist der Traktat erst in islamischer Zeit niedergeschrieben,

doch ist es freilich nicht ganz ausgeschlossen, daß die arabische nachher geläufig gewordene

Form erst später für die ältere Johänä eingesetzt wurde. Die gehäufte Zusammenstellung

verwandter Begriffe (Z. 24; p. 216, 17) und die scharfe Gegenüberstellung von Gegensätzen er-

innert an dieselbe Art in der Schilderung der lichten und der finsteren Welt in den beiden p. 3f.

besprochenen Traktaten. Doch genügen diese Momente nicht, um das Stück demselben Ver-

fasser zuzuschreiben, auch nicht die Nennung des Lichtkönigs (p. 214, 3).

 

 

Im Namen des großen Lebens leuchte ihnen '') ihr Sinn, ihr Wissen und

ihre Kenntnis, sowie mir NN und meiner Gattin NN.

 

 

Dies ist die Weisheit und die Belehrungen, die Jahjä, der Sohn des

Zakhriä, den wahrhaften und gläubigen Näsoräern kundtat, offenbarte und

mitteilte. Er sprach: „Wenn du die Kraft dazu hast, sei ein Mann von

erprobter Gerechtigkeit, der in allen seinen Werken erprobt ist, gleich

einem Könige, dem die Krone auf dem Haupte aufgerichtet, der Krieg in

der Welt der Bösen und Lügner führt und die Finsternis und ihre Helfer

niederwirft. Hast du keine Kraft zum Manne von erprobter Gerechtigkeit,

so sei ein wahrhafter Nasoräer, gleich dem geordneten Landmanne, der die

Erde bearbeitet und die Saaten in ihr herausbringt, der den Vollkommenen

ein Helfer wird, den Männern von erprobter Gerechtigkeit Kraft gewährt

und an ihren Verdiensten teilnimmt.

 

Die Waffe der Männer von erprobter Gerechtigkeit ist Wahrhaftigkeit,

Glaube, Gradheit, Wissen, Verstand, Weisheit, Kunde, Lehre, Wahrheit, Gebet,

Lobpreis, Lohn(gewährung), Almosen, Sanftmut, Güte, Demut, Gerechtigkeit,

Wahrhaftigkeit, Beliebtheit°), Vorsicht, Richtigkeit, Reinheit, Schuldlosigkeit,

Bescheidenheit’), Barmherzigkeit, Mitgefühl, Nachdenken und Nachsinnen

über das Leben und wahrhafte Liebe.

 

 

2) Den Gläubigen. 2) Wohl so, nicht „Freundlichkeit“, das p. 214, 27 nicht paßt.

®) Siehe Nöld., p. XXVII unt.

 

 

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25

 

 

30

 

 

35

 

 

214 Rechter Teil. 213, 23—214, 14

 

 

Das Erste an deiner Wahrhaftigkeit sei: verfälsche nicht dein Wort

und liebe nicht Lug und Trug.

 

Das Erste an deinem Glauben sei: glaube an den Lichtkönig, daß er

da ist und in allen Tugenden dasteht.

 

Das Erste an deiner Gradheit sei: richte dich selber.

 

Das Erste an deinem Wissen sei: sei nicht gemischt ').

 

Das Erste an deiner Einsicht?) sei: wirf dich nicht in Schmutz.

 

Das Erste an deiner Weisheit sei: treibe keinen Scherz und lache

nicht [214] über die Vollkommenen.

 

Das Erste an deiner Belehrung sei: lehre und erkläre die Worte deines

Herrn.

 

Das Erste an deiner Lehre sei: schneide nicht die auf Tugenden hin-

zielenden Befehle von Seiten der guten Lehrer ab°).

 

Das Erste an deiner Wahrheit sei: vertausche nicht dein Wort um

eines, das nicht dein ist.

 

Das Erste an deinem Gebete und Lobpreise sei: liebe keinen Schlaf.

 

Das Erste an deiner Frömmigkeit und Güte sei: gewähre Almosen und

Wasser an die Hungernden und Durstenden.

 

Das Erste an deiner Milde sei: nimm keinen Hochmut an, zürne nicht

und lehne dich nicht auf.

 

Das Erste an deiner Demut sei: der Name deines Herrn weiche nicht

aus deinem Munde.

 

Das Erste an deiner Gerechtigkeit sei: halte dich gerecht‘) und nimm

die Worte der Weisen an.

 

Das Erste an deiner Wahrhaftigkeit sei: sage nichts, was du nicht

weißt.

 

Das Erste an deiner Beliebtheit sei: sei geehrt bei jedermann.

 

Das Erste an deiner Vorsicht sei: kenne deine Rechnung und dann

sprich.

 

Das Erste an deiner Richtigkeit sei: begehre und nimm nichts, das

nicht dir gehört.

 

Das Erste an deiner Reinheit sei: wirf dich nicht in Schmutz.

 

Das Erste an deiner Schuldlosigkeit sei: halte dich schuldlos und liebe

nichts Hassenswertes.

 

Das Erste an deiner Bescheidenheit sei: überhebe dich nicht über

einen, der größer ist als du.

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Strebe nach Lauterkeit. ?) Siebe oben, p. 6%.

 

°) D. h. mache sie nicht unwirksam. Der erste der beiden Sätze enthält offenbar eine

Mahnung an den Lehrenden, der zweite an den Lernenden. Aber NND heißt nicht die

Belehrung, sondern das Wissen, die Kenntnis, die Einsicht, wie es denn zusammen mit

NAT (R 128,5), ÄDMIND (R 305,9) steht. Hingegen gehört NNYNDOND zu NINDDND

und bezeichnet die Stellung und Tätigkeit des Lehrers. Man könnte annehmen, daß die

beiden Wörter irrtümlich vertauscht seien, wenn nicht NND eine Stütze in “NIDN und

NMIINDOND eine Stütze in NY3NDDND hätte.

 

4) Man erwartet 28.

 

 

 

 

 

214, 14—215, 6 Siebentes Buch. 215

 

 

Das Erste an deiner Barmherzigkeit sei: sei barmherzig gegen die

Seelen der Armen und Verfolgten.

 

Das Erste an deinem Lobpreise sei: preise den Ort, aus dem du ge-

kommen bist.

 

Das Erste an deinem Nachsinnen sei: der Tag, an dem du deinen

Körper verlässest.

 

Das Erste an deiner Liebe sei: fasse treue Liebe zu den guten Brüdern,

die in der Liebe zu deinem Herrn wandeln.

 

 

Der Wahrhaftige gleicht einer Wage, die grade gerichtet und an der

keine Schiefheit ist.

 

Der Grade gleicht dem wahrhaften Richter, in dessen Rede keine

Lüge ist.

 

Der Gläubige gleicht dem Landmanne, der säet und gute, schöne

Früchte hervorkommen läßt.

 

Der Wissende gleicht dem tüchtigen Baumeister, der den Bau in aller

Schönheit baut und einteilt.

 

Der Ausgezeichnete‘) gleicht dem Maler, der Bilder in aller Schönheit

malt.

 

Der Weise gleicht dem tüchtigen Werkmeister, der jegliches Ding

versteht.

 

Der Tüchtiges schaffende, tüchtige Ausgezeichnete‘) gleicht der

leuchtenden Lampe, die von links nach rechts leuchtet.

 

Der Wahrhaftige gleicht einem hohen Berge, den die Stürme nicht

von der Stelle rücken können.

 

Der in Gebet und Lobpreis Erprobte gleicht einem Kaufmanne, der

sich um Tausende des Gewinnes doppelt und verdoppelt.

 

Der Gute, der Almosen darreicht, [215] gleicht dem satten Tische, der

vor Hungrigen aufgestellt wird.

 

Der Sanfte gleicht der süßen, schmackhaften Frucht.

 

Der Demütige gleicht dem Wasser, das herunterfällt und sich über

jeden Ort zerstreut.

 

Der Ordentliche?) gleicht dem gepriesenen ........ ®), der arbeitet,

gekrönt und wohlgeordnet ist‘).

 

Der Freundliche gleicht einem Berge mit lieblichen Blumen, Bäumen

und Duftpflanzen.

 

Der Vorsichtige gleicht dem getreuen Turmhüter, der durch alle Be-

stechung nicht bestochen wird.

Eu 5 Hier steht MNW"D, das identisch mit #apıoaios ist, siehe dazu Joh., p. XXL.

 

®2) Die vorhergehenden Worte „der den Willen seines Herrn nicht abändert“ sind viel-

leicht ursprünglich eine Glosse zu NYD, die in den Text hineingeraten ist.

 

®) Das dastehende KIN kann nur „Preis“ bedeuten, was nicht paßt. Nach Text

216,12f. scheint hier ein Baum genannt zu sein, etwa NM, NIWWUN die weibliche Zeder,

 

 

siehe zu R 265, 12, doch paßt dazu INT, TNINT nicht.

#) Unsicher, siehe auch Zeitschrift für Semitistik I (1922), p. 2.

 

 

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-

 

 

5

 

 

30

 

 

216 Rechter Teil. 215, 6—216,

 

 

Der Rechte gleicht der rechten Speise, deren Geschmack durch aller-

hand Früchte recht gemacht ist.

Der Reine gleicht der hellen, reinen Quelle, die keinerlei Mischung

annimmt.

5 Der Schuldlose gleicht dem polierten Spiegel, in dem alle Gesichter

klar zu erkennen sind.

Der Mitleidige, der Mitleid empfindet, gleicht der Sonne, die über

Gute und Böse leuchtet.

Der Barmherzige gleicht dem angenehmen Winde, der in alle Türen

ıo und Fenster weht.

 

Der Nachdenkliche, der über das, was ihm bevorsteht, sinnt und nach-

denkt, gleicht dem Ritter, der im Gefängnisse gefesselt sitzt, aber sinnt und

nachdenkt: wann werde ich aus meiner Fessel befreit werden?

 

Ein jeder, der von wahrhafter Liebe erfüllt ist)), gleicht dem guten

Vater, der für seine Kinder und Sprossen seinen Besitz vermehrt.

 

 

-

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Auserwählte und Vollkommene! Seid auf eurer Hut und haltet euch

fern von List, Unrecht, Trug, Lug, Falschheit, Betrügerei, Schiefheit, Bos-

heit, Verkehrtheit, Irrtum, Verwirrung, Verdunkelung, Unglauben, Bestech-

lichkeit, Torheit, Gesang, Schmutz, Hurerei, Verderbtheit, Hochfahrenheit 3,

Hochmut, stolzem Blick, Trunkenheit, Tanz, Gefangennehmung, Wollust,

Glut, durch die die Menschenkinder gefangen werden, Neid, Eifersucht,

Eingigkeit, Haß, Frechheit, Zorn, Erbitterung, Auflehnung, Hurerei, Räuberei,

mit der rauben, Bedrückungen, mit denen bedrücken, rauben und plündern

die Bösen, von Schmutz, Befleckung der Körper, Widerspenstigkeit und Ver-

25 achtung, mit der die Bösen sich widerspenstig und verachtend gegen die

 

Vollkommenen zeigen.

Erfasset die Befehle eures Herrn.

 

 

2

 

 

[0]

 

 

[216] Der Listige gleicht einer Grube, die in List verdeckt ist.

Der Ungerechte gleicht einem Granatapfel, der von außen ein prangen-

30 des Gesicht zeigt, doch im Innern voll Schimmel ist )

Der Fälscher gleicht dem Vogel, dem Vogeltier, der seine Genossen

in das Garn bringt, alle seine Freunde in den Tod wirft‘),

Der Lügner gleicht dem Feinde, der sich als Freund ausgibt, * der

jegliches Recht kennt’) und der seine Stimme senkt.

35 Der Betrüger gleicht dem. räuberischen Meere, das die Schiffe, die

auf ihm sind, raubt.

Der Böse gleicht dem bitteren Baume, der Früchte mit tötlichem Gift

hervorbringt, an dem keine guten Früchte sind.

 

 

1) Lies 0597. °) Vgl. Zeitschrift für Semitistik I (1924), p. 180.

°) Vgl. auch Lit. 218, 2f..

 

‘) Lies SMD2 Fansı ID Ban Wondp2 FIDNT NITIRDT.

 

°*) Diese Worte sind vielleicht zu streichen.

 

 

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216, 7— 217,6 Siebentes Buch. 917

 

 

Der Sünder gleicht einem Brunnen, der stinkendes Wasser hervor-

sprudeln läßt, der Gift und Bitteres hervorsprudeln läßt.

 

Der Verworrene gleicht dem Kotziegel, der in Wasser geworfen ist.

Je mehr du nach ihm suchst, desto stärker wird die Trübung.

 

Der Harte gleicht dem Kiesel, der durch alle Feuchtigkeit nicht

weich wird.

 

Der Narr gleicht dem Felsstücke. Mag es auf dich, mag es unter dich

fallen, es sündigt an dir.

 

Der Hochmütige gleicht der prächtigen Platane, die mit ihrem Laube

prangt, jedoch ihrem Herrn keine Früchte bringt und schenkt.

 

Der Empörer gleicht dem geheizten Ofen, der weder ..... noch

wer: hat").

 

Der Bittere‘) gleicht der Alo&, die in Honig fällt und ihn verdirbt.

 

Der Wüterich gleicht dem lodernden Feuer, das der Wind dahinträgt.

 

 

Der Weise, der unordentlich ist, ist wie ein Haus ohne Dach.

 

Der Weise, der ohne Ordnung ist, ist wie eine Edeldame ohne Kleid.

 

Der Weise, der unbescheiden ist, ist wie ein Spiegel, der nicht ge-

glättet ist.

 

Der Weise, der unordentlich ist, ist wie ein Pferd ohne Sattel.

 

Der Weise, der unfreundlich ist, ist wie eine Speise ohne Geschmack.

 

Der Weise, der nicht schweigen kann, ist wie ein Heer ohne König.

 

Der Weise, der unvollkommen ist, ist wie eine Tafel, die nicht ge-

schmückt ist.

 

Der Weise, dessen Worte unrichtig sind, ist wie ein Haus ohne Tür.

 

Der Weise, der nicht recht ist, ist wie ein Fluß ohne Mündung.

 

Der Weise, der sich nicht fürchtet, ist wie ein Landstück, das nicht

versehen wird.

 

Der Weise, der nicht vorsichtig ist, ist wie ein Schiff ohne Schiffer.

 

 

Wenn der Weise es übermäßig ist’), ist seine Stimme niedergehalten,

[217] seine Worte heiter, sein Gang ruhig, und sein Gruß kommt zuvor.

 

Wenn der Tor es übermäßig ist, ist seine Stimme überlaut, seine

Worte aufgeregt, wenn er geht, geht er auflehnerisch einher, und beim

Gruße grüßt er mit den Fingerspitzen.

 

Wenn der Weise es übermäßig ist, ist seine Rede richtig, und er ist

ein Helfer in allen schönen Dingen.

 

Wenn der Tor es übermäßig ist, ist seine Rede verlogen, und er ist

ein Helfer in allen bösen Dingen.

 

Wenn der Weise es vollkommen ist, ist seine Rede gerade in allen

 

 

 

 

 

1) Siehe zu dieser Stelle Joh. II, p. 162°.

 

2) Der Text hat NND. NÖLDEKE liest Gram. p. 374, 6 07%, vielleicht aus Versehen.

 

3) Dies ist wohl hier und in den folgenden Sätzen der Sinn der Worte NN" 72,

nicht etwa „wenn er in Überfluß lebt“, siehe auch Nöld., p. 463m.

 

 

 

 

in

 

 

20

 

 

30

 

 

35

 

 

218 Rechter Teil. 217, 6—218, 2

 

 

Abmachungen, die er trifft, und sein Siegelring ist gegenwärtig‘). Beim

Weisen ist für alle Vollkommenen die Wohnung hergerichtet und die Tafel

bereitet.

 

Wenn der Tor es übermäßig ist, rechnet er mit dem Munde eine

 

5 Rechnung des Frevels vor und reicht mit den Händen Obolen und Halb-

drachmen dar?)

 

Wenn du mit dem Weisen einen Rechtsstreit hast, so läßt er von

selbst das Recht gewähren und läßt deine Werke in Ruhe und Frieden

hingehen.

 

10 Wenn du mit dem Toren einen Rechtsstreit hast, so ist seine Rede

durchbohrend, seine Stimme hart, und er läßt seinen Hals ans Schwert

kommen.

 

Der Weise kommt nicht zur Freude, weil er an Eigenes und Fremdes

denkt. Der Tor hat die Schlinge um den Hals und tanzt dabei.

 

15 Wenn du mit einem guten Weisen sprichst, sät er in dich gute, tugend-

hafte Werke. Wenn du dich an einen Toren wendest, wirst du härter

als Stein.

 

 

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie ein Stein, der durch

Öl nicht weich wird.

20 Die Worte des Weisen an den Toren sind wie ein Spiegel für den

Blinden.

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Regen auf schlechtem

Boden.

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie weiße Kleider für den

25 Glasbläser°).

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Schuhe für den Walker.

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Balsamöl für den Fischer ‘).

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie ein Prachtgewand für

den Gerber.

30 Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Perlen für eine Sau.

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie eine Jungfrau für den

Verschnittenen.

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Feuerkohlen in Wasser.

Die Worte des Weisen an den Toren sind wie Freudenboten für den

35 [218] Stocktauben.

Läßt du den Toren hungrig, so beschimpft er dich mit allen Tor-

heiten. Sättigst du den Toren, so nimm und empfange von ihm unrechtes

Gemurre.

 

 

1) Er ist bereit, seine Abmachungen durch den Siegelaufdruck zu bekräftigen.

 

®) Gibt minderwertiges Geld. ®) Der sie doch gleich beschmutzt.

 

*) Die Fischer haben einen üblen Geruch, siehe Joh. II, p. 146. FRAENKEL’s Auf-

fassung der Worte Zeitschrift für Assyriologie XX (1906—1907), p. 448 ob. scheint mir

nicht richtig.

 

 

218, 2— 219, 2 Siebentes Buch. 219

 

 

Der Weise, der sagt: ich brauche mich von den Toren nicht fernzu-

halten, ist der Erste unter allen Toren und ganz unweise. Der Tor, der

schweigt, wird zu den Weisen gezählt.

 

Wer nicht dein Freund ist, den weihe nicht in deine Handlungen ein.

Wessen Herz nicht sanft und nicht demütig ist”), den siehe nicht als Edlen an.

 

Wer anderen nicht Unrecht tut, braucht nicht zum Prozeß zu gehen.

 

 

Wer ausruft°) und selbst nicht handelt, gleicht dem Schlauch und dem

Eimer, der einem anderen Wasser füllt und zu trinken gibt.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht einem Manne, der von

häßlicher Gestalt ist und Gemälde malt, während er sich selber nicht schön

machen kann.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Walker, der das

Kleid des Königs gebleicht hat und dem man es dann wegnimmt.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Tauben, der alle

Gesänge und Lieder nicht hört.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Baumeister, der für

sich selber keinen Bau aufführt.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Schläfer, der schläft

und im Traume seinen Feind tötet. Wenn er vom Schlafe aufwacht, hat

er nichts getan.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Gärtner, der sich

selber keinen Kranz windet.

 

Wer ausruft und selbst nicht handelt, gleicht dem Richter, der nicht

sich selber, sondern nur anderen Recht spricht.

 

Wehe denen, die ausrufen und selbst nicht handeln, die anders reden

und anders handeln. Von außen zeigen sie die Abzeichen des Glaubens,

und in ihrem Innern sind sie gänzlich verdorben. Denn sie wissen nicht,

was sie tun.

 

Wer den Willen seines Herrn nicht tut, dem ist der Tod näher als

das Leben.

 

Die Vollkommenen sind diejenigen, die ausriefen, hörten und handelten,

die nicht Lügen strafen, was ihr Mund spricht.

 

Dies ist die Rede über die Weisen, die Jahjä, der Sohn des Zakhria,

in Jerusalem, der Stadt der Juden, lehrte und offenbarte. Jäwar-Ziwä, er

[219] und alle seine Helfer, machten ihn siegreich.

 

Das Leben ist siegreich über alle Werke.

 

 

1) Leid. hat TDINHND) NIMIND-

2) Wer mahnend ruft, predigt, nicht „liest“, wie Nöld., p. 368 ob. NY? übersetzt.

 

 

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Achtes Buch.

 

 

Versuche der Rühä, die Gläubigen zu verführen ; Warnungen und Ermahnungen Mandä

dHaije's.

 

Im Namen des großen, fremden Lebens werde ein Sündenerlasser zu-

teil mir NN, meiner Gattin NN, meinem Vater NN, meiner Mutter NN ".

 

 

Im Namen des großen, fremden Lebens.

 

 

Erhöre mich, mein Vater, erhöre mich,

erhebe mich, Großer, Sohn des gewaltigen (Lebens),

 

unser Vater, Sohn des Lebens’).

 

Dies ist das Mysterium, die Schrift und die Belehrung, womit Manda

dHaije die Männer von erprobter Gerechtigkeit und alle Stämme Adams

belehrte.

 

Als Adam und sein Weib Hawwa da waren, stieg Rüha dQudsa zur

unteren Erde Sufath®) und zu den unteren Abaddons der Finsternis hinab.

Rühaä brachte vom Dew Zamür Schmutz und Menstrualblut und band es

Hawwä an die Hüften. Sie sprach: „Tage, Monate, Stunden, Augenblicke

und Zeiten sollen kommen, in denen die Männer von erprobter Gerechtig-

keit getötet und (hier) gehemmt werden, so daß keiner von ihnen zum

Lieht emporsteigt. Nur Hibil-Ziwa wird emporsteigen, um Erleuchtung und

Lobpreisung vom Lichte herzubringen.“

 

Dieses Mysterium rief aus‘) und ersann Rüha. Doch da kam Hibil-

Ziwä, erhob den weißen Olivenstab, schlug auf das Wasser und sprach:

„Eine Zeit, aber auch eine Unterbrechung sei für das, was Rüha ausgerufen

und ersonnen hat. Am zehnten Tage, am fünfzehnten Tage, am zwanzigsten

Tage, am (vollen) Monat, im halben Monat°) sollen die Männer von er-

probter Gerechtigkeit nicht getötet und gehemmt werden.“

 

') In AC stehen hier noch die Worte: der diese gute Tat vollbracht hat. NIX ist

wohl Singular und bezieht sich auf den Mann, der die Schrift hat abschreiben lassen.

 

°) Anfang des Gedichtes Lit., p. 147, LXXX. Siehe auch den Anfang des zweiten

Stückes des folgenden Buches.

 

°) Siehe Joh. II, p. 24°. *%) Siehe p. 32%.

 

?) Es scheint mir, daß die Zählungen so aufzufassen sind. Über diese Art der Zählung

bei Monatstagen, besonders aus dem Phönizischen bekannt, siehe ÜOORE, A Text-Book of

 

 

 

 

 

219, 22—221, 3 Achtes Buch. 221

 

 

Alsdann sprach Jorabba zu Rüha: „Für alles, was du geschaffen hast,

setzt Manda dHaije') eine Unterbrechung an.“ Da sprach Rüha zu Jorabbä:

„Es gibt etwas, das ich schaffen will, wodurch alle Welten gefangen ge-

nommen und die Jünger abtrünnig werden sollen.“

 

Darauf ging Rühä und schuf die Pauke, Gesang, Gastmähler und Ab-

fall, sie schuf [220] Hörner und Bilüre, wodurch alle Welten gefangen

werden. Dann ging sie hin, trat vor Mandäa dHaije und sprach zu ihm:

„Ich will sieben Teile essen und du iß einen Teil, und an dem Teile, den

du ißt, wıll ich auch einen Anteil haben.“

 

Da erwiderte ihr Manda dHaije: „O du Blinde, blind im Herzen, Mangel-

hafte, deren Augen das Licht nicht schauen. Wie willst du sieben Teile essen

und ich einen Teil, und warum sollst du einen Anteil an dem Teile haben,

den ich esse?“

 

Darauf erwiderte sie ihm: „Mir gehören?) die Nasoräer, die im Besitze

von Geld und Gut Hochmut annehmen, die bei Gesang, Harfenspiel und

Flöte Wein trinken, die bei Gastmählern sitzen, während der Boden vor

ihnen erschüttert wird’), die in meine Gefangenschaft geraten, deinen Namen,

Manda dHaije, nicht nennen, kein Almosen geben und keine Wohltat üben.

Sie bringe ich schon in dieser Welt zu Falle und stürze sie in die Marter

dieser Welt.“

 

Da sprach Manda dHaije zu ihr: „Die so handeln, mögen in deiner

Skina untergebracht werden. Wenn ich Uthras schaffen will, schaffe ich

sie aus dem großen, weißen Jordan des Lebens.“

 

Manda dHaije ruft (den Uthras und) den Jüngern zu und spricht zu

ihnen: „Euch rufe ich zu, ihr Söhne, die ich groß gezogen habe. Euch

rufe ich zu, ihr Pflanzen, die ich aus der Mitte der Völker, Grenzen und

Zungen geschaffen habe. Meine Söhne! Lasset euch durch meine Rede

anspornen, damit ihr nicht in der heulenden Finsternis zurückgehalten

werdet. Denn ich sporne euch an und mache euch standhaft in dieser

Welt. Denn ich weiß in meinem Sinne, daß, je mehr das Zeitalter ab-

nimmt, desto mehr die Bosheit euch bedrückt‘). Ihr jedoch verharret in

Gradheit vor mir, damit ich euch aus der Verfolgung der sieben Planeten

erlöse. Gebet Almosen, rufet den Ruf des Lebens, bekleidet mit Kleidern

und umhüllet mit Hüllen. Wenn es einen Näsöräer gibt, der nicht das

ganze Almosen geben kann, so gebe er das halbe Almosen. Er strecke

seine Hände [221] in Kustä vor mich hin, und ich werde es ihm auf der

Lichterde voll anrechnen.“

 

Ferner belehre ich euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit, über

alles, was bei Jorabba ist, und über die Uthras, die bei ikm sind: Z’hir und

 

 

North-Semitic Inscriptions, p. 55. Bei der Auffassung „in zehn Tagen, in vierzehn Tagen“

usw, ergibt sich kein passender Sinn.

1) Mandä dHaij& ist hier mit Hibil-Ziwä identifiziert wie auch sonst.

®) Lies niony. ) Beim Tanze; wir würden sagen „unter ihnen“.

*) Siehe auch R 229, 18; 284, 19.

 

 

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222 Rechter Teil. 221, 3—222, 8

 

 

Zıhrün, B’hir und Bihrün, Tar und Tarwän, Sar und Sarwan, Nsab und

Anan-Nsab, über den jugendlichen Knaben, der vor ihm in seinem Wagen

sitzt‘), und über die zwei Lichtbinden, die ihm um das Haupt gelegt sind;

der Name der einen ist Zihan, der Name der anderen Z’ha-Zihan. Jorabbä

spricht zu ihnen: „Wer vermag den Ruf des Lebens, der von jeher ertönte,

zu überwinden?“ Und zur Rüha spricht Jorabba: „Noch ertönt der Ruf

des Lebens in der Tibil. Noch dringt mir der Ruf des Lebens ins Ohr.

So lange der Ruf des Lebens in der Tibil ertönt, höre ich das Gemurre des

Hibil-Ziwa.“ Doch ich sage: „Noch ist Hibil-Ziwa aus seinem Zeitalter

nicht geschieden.“

 

Ferner erkläre ich euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit:

„Jedesmal, da ein Kampf auf der Lichterde stattfindet und die Luft °) in der

Welt aufleuchtet, verstehet es wohl in eurem Sinne: euretwegen kämpfen

Finsternis und Licht miteinander und zeigt er’) Merkmale und Zeichen am

Firmament. Fürchtet euch nicht vor ihm.“

 

Ferner erkläre ich euch, ihr Männer von erprobter Gerechtigkeit:

„Sichert euch selber, eure Söhne, eure Frauen, eure Nachkommen, euer

Brot und euer Wasser, und ihr brauchet ihn nicht zu fürchten. Denn noch

sind der große Jordan des Lebens und Silmai und Nidbai hier. Denn

wären diese Hüter nicht hier, ........ ‘) die Erde Tibil, so gelänge es

Jorabbäa, sie und das Firmament übereinander zu stürzen, wie ein Schiff,

das auf dem Wasser fährt‘). Ja, dreimal am Tage richtet er einen Ruf an

die Sonne aus dem Hause des Abathur. Einmal beim Gebete des Morgen-

grauens, einmal beim Gebete der siebenten Stunde, einmal beim Gebete des

Abends‘). [222] Lasset euch belehren und fürchtet ihn nicht.

 

Wenn ihr vom Schlafe aufstehet und das Gebet verrichten wollet, so

iuet es, wenn ein Schimmer des Glanzes sichtbar wird. Dann betet in der

siebenten Stunde. Dann, wenn ihr das Abendgebet verrichten wollet, ver-

richtet es, so lange die Strahlen noch dastehn. Der Mann, der die Strahlen

zudeckt, nimmt auch eure Gebete in Empfang und bewahrt sie im Schatz-

hause des gewaltigen Lebens.

 

Leben unseren Wissenden, Leben unseren Verstehenden, Leben den

Männern, die uns unterweisen. Das Leben steht fest in seiner Skina, das

Leben ist siegreich.

 

 

‘) Siehe die Vorbemerkung zum zweiten Stück des neunten Buches.

 

 

®) Siehe oben, p. 15°. ®) D. h. Jörabba.

*) Statt NSONT DNIDN (siehe Text 180,15) muß etwas anderes dagestanden haben.

5) Lies 99 Sy”. °) Ohne damit Erfolg zu haben.

 

 

ESS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuntes Buch.

 

 

Im Namen des großen Lebens werde ein Sündenerlasser zuteil mir

NN und meiner Gattin NN.

 

 

Erstes Stück.

 

 

Die Schrift wird „Der Umsturz der sieben Sterne“ genannt. Sie enthält eine scharfe

Polemik gegen die fremden Religionen, die in den trübsten Farben geschildert werden. Man

findet darin alle die Scheußlichkeiten und Schmutzereien aufgezählt, die von alters her die

verschiedenen Religionen sich gegenseitig vorwerfen. Die falschen Religionen werden von

den sieben Planeten hergeleitet (vgl. auch p. 134ff.), daher die Benennung der Schrift. Mit

besonderer Gehässigkeit wird der christlichen Sekten gedacht. Au? Nerig, den blutigen Mars,

wird Abdallah, wie hier Mohammed, Abdallahs Sohn, genannt wird, und die kriegerischen

Muslims zurückgeführt, siehe Joh. II, p. 50%. Die Angaben über diese bieten keine sicheren

Anhaltspunkte für eine genauere Bestimmung der Abfassungszeit, doch weisen sie auf eine

Zeit reger Kämpfe im ‘Iräg, vielleicht auch auf anhaltende Kämpfe zwischen den Byzantinern

und Muslims hin (vgl. p. 231,14). Dies paßt für die Omaijadenzeit und die ältere Abbassiden-

zeit. Die Schrift mag dem achten Jahrhundert angehören.

 

 

Dies ist das Mysterium und die Schrift und „der Umsturz‘) der sieben

Sterne“, die Manda dHaije auf der Erde Tibil offenbarte und lehrte. Er

gab sie Hibil, Sitil und Anos, und Hibil, Sitil und Ano$ gaben sie denen,

die ihren Namen lieben. Er’) offenbarte ihnen über die Mysterien und

Vergehen der sieben Planeten und den ersten Anhang, den Kewän vor

allen Sternen des Zornes unter den Söhnen des großen Stammes des Lebens

gewonnen hat’). Er schuf eine Hülle‘) und verkehrte das Zeichen. Er

 

 

1) Lies NDORDINDT „vom Umsturz? 022% NOW NIONDTIND bezeichnet eben

den Inhalt bezw. den Titel der Schrift.

 

2) Es bezieht sich auf Manda dHaije oder auf Hibil, Sitil und Anoös, die öfter als Ein-

heit angesehen werden.

 

8) Köwän-Saturn wird sonst vielfach als Gott der Juden angesehen; hier wird das

asketische Christentum auf ihn zurückgeführt, siehe auch p. 29, 10; 47, 11.

 

* Damit ist wohl der rauhe Mantel der Mönche und Anachoreten gemeint.

 

 

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25

 

 

224 Rechter Teil. 222, 17—223, 22

 

 

sandte Lügenpropheten aus, er legte ihnen das Kreuz der Finsternis auf

die linke Schulter und nahm sie aus ihren Häusern gefangen. Er erschien

ihnen in der Gestalt des Gesandten und nannte sich den Herrn der Herren,

den Gott, der am Himmel und auf der Erde Wunderwerke zeigt. Er ließ sich

auf den Fastern und Fasterinnen nieder, er macht die Männer zu Mönchen und

die Frauen zu Nonnen und läßt sich auf ihnen nieder. Dämonen, Dews und

Liliths legen sich zu ihnen, aus den Weibern kommen männliche Dews, aus den

Männern kommen weibliche Liliths. Sie packen die Körper, töten sie und holen

so die Seelen aus dem Körper [223] zur Unzeit. Sie lehren sie eine Weisheit

der Lüge, sie nehmen eine Lichtgestalt an, eignen sich die Rede des fremden

Mannes an, halten lügnerische Reden und errichten ein Mysterienhaus, in

dem sie ihre Kulte feiern. Sie legen sich zueinander, nehmen den Samen,

mischen Wasser vom Jordan mit [Wasser aus?] dem Ozean, frisches und

altes’), nehmen ...... ‘) von allen Menschenkindern, machen es gleich dem

Pihtä des fremden Mannes und hemmen so ihre Seelen. Einem jeden von

ihnen, der stirbt, tun sie Blut, Schmutz und ..... ’) von schwarzem Wasser

und Öl in den Mund. Gleich meinen Jüngern veranstalten sie für sich eine

Totenmesse und Gedenkfeier. Sie nennen sich Propheten der Lüge. Sie

erlegen ihnen ein Fasten von vier Tagen, acht Tagen, zwanzig Tagen mit

Schweigen auf. Er (Kewän) erlegt ihnen ein Fasten von fünfzig und ein-

undsechzig Tagen auf.

 

Die Männer von erprobter Gerechtigkeit seien davor bewahrt, daß die

Hand des Kewän, der Rüha, des Christus und der sieben Planeten die Ge-

walt über sie erhalte.

 

Auch ihr, meine Jünger, entbietet den „Propheten“ keinen Gruß und

reichet ihnen nicht die Hand. Denn während sie noch in ihrem Körper

weilen, vertrocknet ihre Seele, und ihr Same wird vom Hause des Lebens

abgeschnitten. Über jeden Jünger, der ihnen einen Gruß entbietet, kommt

der Zorn vom Leben.

 

Wohlan, ich sprach zu euch von Kewän und dem Anhange, den er

unter den Söhnen des großen Stammes des Lebens gewonnen hat‘). Sie

leiden Hunger mehr als eine Schlange und dürsten nach Wasser mehr als

eine Ameise. Wenn ihr Geist stirbt, erlischt er wie Asche, und ihre Seele

stirbt wie Feuerkohlen.

 

Wohlan, ich sprach zu euch von Kewän und dem Anhange, den er

 

 

‘) Es ist zweifelhaft, ob die hier gegebene Ergänzung und Auffassung der Worte

richtig ist. Sie setzt voraus, daß KPMRTM NIMTINT pl. m. mit Beziehung auf NN sind.

Die meisten Handschriften haben jedoch NNPYDNM (auch Leid.). Dieses ist fem. sing., und

danach wäre auch N’M7N7) als fem. sing. aufzufassen, wie es auch Nöld., p. 154,11 tut. Die

beiden Worte müßten dann Attribute zu XM'27 sein. Dies wäre dann die Substanz, mit

der sie das Jordanwasser mischen, wobei es sich aber nicht erklären ließe. In NND ein

Gefäß zu sehen, in dem sie die Mischung vornehmen, verbietet die Bezeichnung „neu und alt“.

 

2) Statt NTWORTp> hat ein Wort dagestanden, das eine Substanz nannte, aus der

sie das Pihtä bereiten. ?) Siehe oben, p. 120°.

 

*) Der Satz steht nachher noch einmal; an dieser Stelle ist er wohl zu streichen.

 

 

 

 

 

223, 22—224, 18 Neuntes :Buch. Erstes Stück. 225

 

 

gewonnen hat. Er und der Anhang, den er gewonnen, nehmen ein Ende

am Tage des Endes. Nun will ich euch von Samis sprechen und dem An-

hange, den er gewonnen.

 

Von ihm sind die Jazugäer') ausgegangen. Sie machen sich mir, dem

fremden Manne, gleich. Sie binden sich ihre Bursums?) wie Kreuze auf die

Schultern. Sie nennen den Namen [224] Jesu. Gleich meinem, des fremden

Mannes, Pihta und Mambügä nehmen sie das Wasga; gleich der Totenmesse

richten sie das Dröna her’). Wasser und Feuer verehren sie gar sehr. Sie

essen vom Toten und sagen, daß Gott ihn getötet habe. Sie schlafen bei

ihren Müttern und Töchtern. Sie erlegen sich Schweigen auf. Sie nehmen

Kleider menstruierender Frauen, bekleiden sich und bedecken sich damit

und sagen: wir verunreinigen uns nicht. Sie kennen ihre eigenen Tollheiten

nicht. Wenn ihre Weiber ihre Embryonen aus dem Leibe abtreiben, ziehen

sie ihnen die Haut ab, stellen sie an sieben Brunnen auf, sprengen Tier-

harn über sie und waschen sie mit einem Flederwisch ab‘).

 

Von der Pforte der Jazugäer geht die Pforte der Juden aus. Sie steigen

übereinander, beschneiden sich und bestreichen sich mit den Händen das

Gesicht’). Sie nehmen das Blut der Beschneidung und Wasser und spritzen

es sich ins Gesicht. Das Zugerichtete, wovon sie essen, besprengen sie

mit jenem Blute. Sie nennen sich Juden, weil sie gesündigt haben, und

Gescheite, weil sie gescheitert sind‘). Wenn ihr Geist dahinstirbt”), ver-

brennt man sie im lodernden Feuer.

 

Von den beschnittenen, nichtswürdigen Juden gehen alle Völker und

Pforten der Finsternis hervor. Sie beschmutzen und beflecken sich mit

ihrem eigenen Schmutz und Menstrualblut. Wer ihre Werke übt, ist für

das Haus des Lebens ungeeignet. Wer von ihrer Speise ißt, dessen Augen

 

 

1) Siehe oben, p. 135%.

 

2, Es sind die daresma, die heiligen Stäbe der Parsen.

 

3) Wasgä als kultische Speise der Parsen wird auch in der Vita des heiligen Giwargis

bei HOFFMANN, Auszüge aus syrischen Akten persischer Märtyrer, p.96 genannt. Die

Stelle ist zu übersetzen: „er gab ihm Wasgäa zur Zeit des Mahles.‘“ Das Wort ist sicher

persisch, doch konnte mir ANDREAS keine Erklärung dafür geben; HOFFMANN’s Erklärung sei

unmöglich. Beim Syrer wird außerdem x3)%7 genannt, d.h. draona, drön, das geweihte

Brot der Parsen (siehe HAuG, Essays on the Parsis?, p. 407, auch BRANDT, Rel., p. 203),

und hier ist sicher N373y zu 8327 abzuändern. Freilich entspricht dieses mehr dem Pihtä.

 

*#) Siehe zu dieser Stelle NÖLDEKE, Archiv für Religionswissenschaft VII (1904),

p. 341f. NÖLDEKE hält die Lesung NN statt NW für bedenklich, hat aber übersehen, daß

Godd. AD tatsächlich diese Lesung bieten. Auch Leid. hat sie. NÖLDEKE erinnert an den

Rinderharn (Gaomaeza) im zoroastrischen Ritual. NDN) ist wohl ND] „Flügel“, obwohl das

Mandäische sonst dafür NDIN) hat, siehe Nöld., p. 77%.

 

5) Siehe oben, p. 25,12.

 

%) NINOIIDNN gibt Draym wieder, doch bedeutet SION im Mandäischen „töricht,

sündhaft handeln“. Von den oa ist schon im AT. die Rede, vgl. besonders Dan. 11,

33, 35, doch ist das Wort namentlich in neuerer Zeit als Bezeichnung für die Aufgeklärten

unter den Juden gebräuchlich.

 

?) Lies MR 72.

 

Lidzbarski, Ginzä. 15

 

 

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30

 

 

226 Rechter Teil. 224,18—225, 19

 

 

schauen nicht dasLicht. Wer ihnen Freundschaft bezeigt, stirbt eines zweiten

Todes.

 

Ich spreche zu euch, meine Jünger, und belehre euch über jegliches

Ding. Alles, was ihr von den Märkten und Straßen heimbringet, waschet

mit Wasser und esset es dann. Wer es nicht abwäscht und ißt, wird auf

Eisgeräten gepeinigt werden.

 

Wohlan, ich habe euch über die Pforte der Juden belehrt; nun will

ich euch von der Pforte des Sternes Libat (Venus) sagen, der andersartig als

alle übrigen Sterne ist. Von ihr ging Ehebruch, Unzucht und Hurerei hervor.

Von ihr gingen dreihundertundsechzig Gesänge und Schändlichkeiten') her-

vor, [225] entstehen böse Geister. Sie veranstalten Gastmähler und Gesänge

und werfen Gefangenschaft über jeden Ort. Sie verfertigen Pauken und

Harfen und geben Wollust, Gefangenschaft und Gesang den „Erwählten“°)

der Rüha. Diese hängen Pauken um ihre Schultern, nehmen Gesang und

Flöten in den Mund und sprechen damit in schwerem Zorn. Weiber und

Männer, Große und Kleine geraten dadurch in Glut und Hitze und reiben

sich auf. Wollust umkleidet sie, und sie stürzen sich in Tanz. Die Hmurthäs

des Nerig setzen sich in der Gestalt von Affen auf ihre Schultern, lassen

sie in Tanz hüpfen und werfen sie in Feuerspalten’). Sie umhüllen sie mit

Zauberei und Wollust, sie werden vom Mysterium der Trunkenheit gefangen

und wissen nicht, was sie tun.

 

Dann kam eine andere Pforte heraus, die Mnunäer‘) genannt wird.

Sie bekleiden sich mit Rosen, bedecken sich mit Rosen und legen sich

Kränze der Unzucht und Hurerei ums Haupt. Ihre Brust ist ihnen entblößt

für Verfehlungen, ihre Seite ihnen aufgeschlitzt zur Schande. Sie nehmen

die Menschenkinder gefangen und bringen sie zu Falle. Sie werden der

Block der heldenhaften Männer und der verschlammte Klumpen ) genannt.

Die Wesen werden durch sie getötet und gehemmt. Sie treiben Zauber

mit dem ganzen Stamme der Seelen. Durch Zauberei und häßliche Werke

nehmen sie die Männer aus ihren Häusern gefangen, holen sie von ihren

Frauen weg und werfen sie in schwere Pein. Sie werden „die Erwählten“

 

 

5) wrondp ist hier wohl in diesem Sinne aufzufassen, nicht im Sinne „Schlingen“, was

es auch bedeuten kann, siehe Joh. II, p. 50°.

 

?) Mit 012%, einer kultischen Speise der Heiden (siehe oben, p. 21), kann dieses NY2%3

nichts zu tun haben. Es ist vielleicht aus syrisch N'22 „die Erwählten‘“ entstellt. Siehe

auch Z. 31. i

 

°) Der Ausdruck findet sich nur an dieser Stelle; es ist nicht klar, was damit ge-

meint ist.

 

*) Oder Minunäer (XYNIMd, NND). Es könnte aus NYNISND Manichäer entstellt

sein, doch ist von diesen später die Rede. An die jüdischen DY2D darf man wohl auch nicht

 

 

p. 125f. verweisen.

 

?) RIDNDD findet sich nur an dieser Stelle. Es gehört wohl zu X32%% „Schlamm“,

siehe Joh. II, p. 52*. Der Ausdruck NIINWD NND mag von den Mandäern so verstanden

worden sein, doch ist damit wohl eine fremde kultische Bezeichnung persifliert.

 

 

 

 

 

225, 19— 226, 20 Neuntes Buch. Erstes Stück. 9937

 

 

der Rüha und Christi genannt. Sie führen Gefangene weg, schleppen Beute

fort und sprechen den Namen des Todes aus‘). Sie bringen heim und ver-

kaufen, und sie erwerben viel Geld und Gut. Wenn ihr Geist stirbt, kommen

sie aus den Schlingen, Banden’) und Ketten nicht heraus, und sie sterben

eines zweiten Todes. Sie werfen Wollust und Gesang der Lüge aus, und

die Welten und Generationen werden bei ihnen ‚gefangen. Sie sinken in

den Schlund des Hengstes hinab’).

 

Wohlan, ich erzählte euch von der Pforte der Libat, von den Taten,

die sie in der Welt vollbracht, und von den Sakramenten, den’ sieben

[226] ersten Sakramenten‘). Sie töten einen Judenknaben, nehmen von

seinem Blut, backen es in Brot und reichen es ihnen als Speise. Sie träu-

feln Menstrualblut einer hurenden Nonne in Wein und geben ihn ihnen

aus einem Becher zu trinken. Der Blick der Menschenkinder darf nicht

auf sie fallen, und sie lassen sie nicht zuschauen. Sie verdrehen die Werke

des fremden Mannes. Sie graben ein Becken in die Erde ein, stehlen

Wasser aus dem Jordan, kochen es mit Feuer, gießen es in das Becken und

lassen Männer und Frauen splitternackt hinabsteigen. Sie taufen sie im

Wasser und geben ihnen von jenem Wasser zu trinken. Sie sprechen über

sie den Namen des Todes, den Namen des Vaters, des Sohnes und des

heiligen Geistes. Sie taufen sie und sprechen dabei den Namen Christi

über sie.

 

Dann kommt ein anderes Mysterium, welches das Sakrament der

Eselin mit vier Beinen genannt wird. Am Orte, an dem es ausgesandt

wird, sehen sie es mit ihren Augen’). Es Wird das schmutzige Sakrament

genannt, durch das der ganze Stamm der Seelen gehemmt wird. Zu ihnen

gehören Ehelose und „Heilige“, denen der Same über die Beine hinab-

läuft und die ihre Kinder im Leibe töten. Sie werden Ehelose und

„Heilige“ genannt, die gefesselt in den Wachthäusern dastehn müssen. Aus

ihnen gehen die Mönche und Nonnen hervor, die in das große Süf-Meer

versinken. Sie nennen sich selige Männer und selige Frauen, weil ihre

Seele in die heulende Finsternis versinkt‘°).

 

Dann gibt es eine andere Pforte, die sich den Kopf abschaben, aus

einem Klotze einen Gott bilden und ihn anbeten. Sie malen die Götter in

ihren Häusern, und sie, ihre Söhne und Töchter beten sie an. Sie schlagen

 

 

1) An Stelle des „Lebens“ der Mandäer, siehe auch Z. 19. Kaum 8% „des Toten“

d. h. Christus) trotz p. 229, 8. 2) Siehe oben, p. 104°.

 

2) Nach Joh. 180, 10 (II, 178) „nähern sich die unwürdigen Frauen dem Schlunde des

Hengstes“. Weiterhin heißt es, daß der Name dieses Hengstes Ur, Herr der Finsternis, sei.

Von demselben Hengst ist vielleicht auch in einem unklaren Zusammenhange R 338,17

die Rede.

 

4) Hier stehen noch die Worte NM VORIINDN, die sinnlos sind. Vielleicht ist

PORIINDN aus NORTON verderbt und die Worte 87 NORTON fälschlich aus Text Z. 24

hierher geraten.

 

3) Es wird nicht im Verborgenen geübt? Siehe oben, Z. 13.

 

e) Im Mandäischen ein Wortspiel.

 

 

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238 Rechter Teil. 226, 21—227, 22

 

 

die Klapper und treiben Werke der Zauberei, (After)weisheit und Verächtlich-

keit. Sie liegen bei der Frau während der Menstruation und nennen es die

Hoffnung des Hauses der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus. Rüuha

spricht zu ihnen: „Haltet sie nicht für unrein, denn es besteht (über sie)

kein Verbot für euch.“ Ferner spricht Ruhä zu ihnen: „Ein jeder, dem

Vater und Mutter oder der erstgeborene Sohn, der ihm teuer ist, stirbt:

setzet sie in eurem Hause bei und [227] schaffet ihn nicht von euch weg.“

 

Sie sagt ihnen ferner ein anderes Mysterium: „Einen jeden Philo-

sophen, Katholikos, Metropoliten, Bischof, Presbyter und Diakon, der unter

euch stirbt, setzet in der Kirche bei, verehret sie und betet für sie ') und

bringet sie aus eurem Bethause nicht heraus. Auch jeden Visitator, Scho-

laren(?), Vigilienpriester, der von euch scheidet, der in den Wundertaten

Christi unterrichtet ist, setzet im Altarraume bei und haltet ihn nicht für

unrein.“

 

Ich will euch von einer anderen Pforte erzählen, von dem Sakrament

des Tempels‘), das im Herzen der Menschen brennt und in ihrem Sinne

glüht: Sieben „Selige“ kommen zusammen, schlafen bei einem Weibe, werfen

Samen in sie, und sie wird von ihnen schwanger. Alsdann nach sieben

Monaten schlagen sie auf sie ein und lassen sie abortieren °). Dann nehmen

sie den Fötus mit der Nachgeburt, dem Blut, dem Kot und der Menstruation

und bereiten aus dem Mark das Öl der Benediktion. Jenes Mysterium

kochen sie in Wasser und von den Knochen stellen sie ...... ‘) des Sakra-

mentes her. Jenes [Sakrament] backen sie mit Mehl und Butter’), tun

Zauberei und Geilheit hinein, und es wird das Sakrament der Hostie ge-

nannt, das in den Herzen und Sinnen brennt‘). Ein jeder, der davon ißt,

kann sein Antlitz zum Hause des Lebens nicht emporrichten und bleibt vor

den Welten und Generationen verborgen.

 

Ich will euch von einer anderen Pforte erzählen, die unter dem Stamme

der Seelen ihr Unwesen treibt. Aus ihr sind die Mönche und Nonnen

hervorgegangen. Auf den Bergen, Höhen und Feldern irren sie umher, und

mit ihrer Gestalt gleichen sie den Dämonen. Splitternackt gehen sie um-

her, und mit ihrem Haar gleichen sie den stinkenden Ziegenböcken. Ihre

Gestalt ist häßlicher als die Nacht und fürchterlicher als die heulende

Dunkelheit.

 

Man nemnt sie Anachoreten. Sie weiden Grünkraut ab ‘), und von den

 

 

1) Das steht da, nicht „betet sie an“.

 

°) Hier steht der Ausdruck NWINP% M12, der für den Tempel in Jerusalem ge-

braucht wird.

 

°) Siehe zu YD5 Joh. II, p. 136°.

 

*) Das Wort 07779 steht nur an dieser Stelle. Es scheint zu 77 „trüben“ zu gehören.

 

5) So ist hier vielleicht NIINDIZ, arab. Ruläsa, nach dessen Hauptsinn im Arabischen

aufzufassen.

 

°) Hier wird auf den Doppelsinn des syrischen gmurta. das „Kohle“ und .Hostie“ be-

deutet, angespielt.

 

u) MOIN „sie essen‘ ist wohl nur eine Glosse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

227, 22—228, 20 Neuntes Buch. Erstes Stück. 23939

 

 

guten, schönen Speisen, die Ptahil, der Erbauer des Himmels und der Erde,

geschaffen, dürfen sie nicht essen. Sie kennen keine Freude; Rühä und

Christus lassen sie nicht Freude in dieser Welt empfinden. Die Dämonen

flüstern mit ihnen, und dann sagen sie: „Gott flüstert mit uns; wir wenden

uns von Gott nicht ab.“ Sie nennen meine Jünger „Wortdeuter“ [228] und

„Verkäufer von Wassereimern“') und sprechen zu meinen Jüngern: „Ihr

habt keinen rechten Glauben in der Welt.“ Sie legen auch ihrem Munde

Fasten’) auf, damit der Name des getöteten Mannes nicht aus ihrer Mitte

verschwinde. Sie nehmen Staub von einem Toten und tun ihn in alle ihre

Zubereitungen und Speisen.

 

Ferner sprach und erklärte Manda dHaije: „Ein jeder Näsoräer, der

die Speise Christi ißt am Tage, da sie Fasten einhalten, wird auf Feuer-

geräten gepeinigt werden. Ferner soll jeder Nasöräer, der am ersten Tage

des neuen Jahres sich mit Wasser aus dem Jordan wäscht, davon trinkt

und das Gesicht damit bestreicht®), ein Anteil der Ruühä und Christi sein

und den Sieben als Anteil zufallen.“

 

Ferner erkläre ich euch, meine Jünger, daß da noch eine andere Pforte

ist, die von Christus hervorgegangen ist. Sie werden Zandige und Mard-

mäne genannt. Sie säen Samen im Verborgenen und weisen der Dunkel-

heit ihren Anteil zu. Weiber und Männer liegen beieinander, nehmen den

Samen, tun ihn in Wein, geben ihn den Seelen‘) zu trinken und sagen, er

sei rein. Sie rufen Wind, Feuer und Wasser an und preisen Sonne und

Mond. Wenn ihr Geist stirbt, gleichen sie den Fliegen, die auf einem Topfe

sitzen. Der Dampf steigt empor und gelangt an sie, sie verlieren ihre

Flügel, werden getroffen und fallen hinein‘). Sie werden die Auswahl ge-

nannt, die Mär-Mäni auserwählt hat. Ein jeder Nasoräer, der von ihrer

Speise ißt, wird in das große Süf-Meer fallen °).

 

Ich habe euch von Rühä, Christus und den sieben Sakramenten er-

zählt, die sie in der Welt geschaffen haben, um den Stamm der Seelen

darin festzuhalten. Nun will ich euch von einer anderen Pforte erzählen,

 

 

t) Der äußere Sinn der Worte ist sicher. Zu BD NIIWNDD vgl. 00% WD Tar-

güm zu Eccl. 8,1. Aber die Anspielung ist nicht durchsichtig.

 

2) Es scheint, daß hier damit Schweigen gemeint ist, anders wohl p. 50,6. Siehe auch

p. 224, 19 und R 356.

 

3) Der Verfasser hat hier anscheinend einen christlichen Brauch im Auge, wohl die

Flußtaufe, die Wasserweihe und die Benutzung des geweihten Wassers, wie sie am Epiphanien-

tage, dem „Großneujahr“, geübt werden. Die ältesten Nachrichten über die Epiphanienfeier

siehe bei HOLL, Sitzungsberichte der Berl. Akademie 1917, p. 403ff. Siehe auch Brandt,

Rel., p. 90 unten.

 

4) Den Mandäern. 5) Siehe oben, p. 190, 6.

 

6) In diesem ganzen Absatz ist von den Manichäern die Rede. Zandiq ist die per-

sische Bezeichnung für „Ketzer“. Mardmäne ist nach ANDREAS persisch mardman „Men-

schen“, eine Bezeichnung, die sich sonst für die Manichäer oder einen Teil unter ihnen nicht

nachweisen läßt. Die oben genannten Wind, Feuer und Wasser sind drei der fünf manichäi-

schen Elemente, siehe BOUSSET, Hauptprobleme, p. 231, auch oben, p. 34,5ff. Mit der „Aus-

wahl“ sind die manichäischen Erwählten gemeint.

 

 

un

 

 

20

 

 

230 Rechter Teil. 228, 20-229, 24

 

 

die Bel geschaffen hat. Sie nehmen die Krone an sich und üben das

Königtum aus. Aus ihr ist das Buch der Rüha hervorgegangen. Die ganze

Tibil stirbt dahin und wird getötet. Goldes und Silbers wegen morden sie

und vergießen Blut. Die Jünger werden dabei hingemordet, und die Näso-

5 räer in die Gefangenschaft geführt. Sie lernen das Buch der Ruha, trinken

das trübe Wasser und werden von Hochmut gefangen genommen. Sie

lieben Bildwerke und farbiges Zeug, lieben die Lust der Tibil und sagen:

Wir wollen sie nicht verlassen, die Tibil vergeht nicht. Einen jeden

[229] Auserwählten und Vollkommenen, der sie tadelt, trifft Verfolgung und

ı0 Unbill.

 

Ich erkläre euch nun, meine Jünger: Ein jeder Näsoräer, der Lohn

und Almosen des Jäwar') für farbiges Zeug hingibt, weiße Gewänder färbt,

ihr Aussehen verändert, seine Frau damit bekleidet und sie vor sich hin-

stellt, wird Schlag um Schlag erhalten, — es gibt nichts, das endlos wäre, — h)

 

15 vom teuren Licht abgeschnitten werden, in die Wachthäuser der sieben

Planeten fallen und dem Hause des Abathur nicht nahekommen.

 

Ferner, einen jeden, der auf farbigem Zeug sitzt oder sein Haupt

darauf legt, wird man mit rechtlosem Rechte richten. Ja, ihr meine Jünger,

habet kein Verlangen nach den Bildwerken und dem farbigen Zeug dieser

 

2° Welt, damit ihr nicht vom verborgenen Jäwar abgeschnitten werdet: denn

eine jede Frau, die im Jordan getauft und mit dem Zeichen des Lebens

gezeichnet ist und farbige Gewänder trägt, wird auf Feuergeräten gepeinigt

werden. Ihre Seele wird dünn wie ein Haar auf dem Haupte, Prüfung und

Erzürnung trifft sie im schwarzen Wasser, und sie stirbt, ohne dann Hei-

25 lung zu finden.

 

Ich erzähle euch von dem Rufe, den Bel gerufen, durch den alle

Großen und Hoffärtigen getötet werden. Nicht faßt man sie an den Händen,

daß sie von ihnen befreit werden®). «Sie weinen, heulen und zerfließen in

Tränen. Tagtäglich führen sie Krieg und vergießen Blut, und Verfolgung

 

30 trifft den ganzen Stamm der Seelen und das große Geschlecht des Lebens.

Immer wieder bedrücken sie sie und sagen: wir wollen sie von dieser Welt

vertilgen. Brot essen sie mit dem Schwert. Je mehr das Zeitalter abnimmt,

desto mehr bedrückt sie die Bosheit‘). Alle Völker, Grenzen und Zungen

beten sie an. Auch unter den Kindern des großen Stammes des Lebens

 

35 sind zahlreich die Seelen, die hingehen und sich ihnen anschließen. Sie

fallen vom Namen des Lebens ab und verehren sie. Sie sagen sich von

Mandäa dHaije los und bekennen sich zu Abdallah dem Araber und dem

heiligen Geiste, der ihnen das Mysterium des Todes offenbart hat. Sie gehen

hin und fluchen dem Namen des Lebens. Aller Schmutz und Schimpf geht

 

 

!) Deren Spende Jäwar befohlen hat.

 

2) Siehe oben, p. 75°.

 

°) Oder ist 0792 NOINDND in demselben Sinne aufzufassen wie MNTYI NIUNDND

an der Parallelstelle Text 232, 5: „sie sind nicht imstande, sich von ihnen zu befreien“?

 

*) Siehe oben, p. 221, 30.

 

 

 

 

 

229, 24—231.2 Neuntes Buch. Erstes Stück. 231

 

 

von ihnen aus, und sie beschimpfen den Namen des Lebens. Ein jeder,

[230] der vom großen Stamme des Lebens ist und Abdallah anbetet, wird

keine Linderung finden. Weil er das Zeichen verdreht und abgeändert hat,

soll er auf einem Eisgeräte getötet werden. Auch alle Hmurthäs, die von

ihm (von Nerig) hervorgegangen sind, lassen sich auf den Sklaven und

Sklavinnen des Abdallah nieder‘). Diese erheben einen Ruf, beten ein

falsches Gebet und lassen es zum Firmament emporsteigen. Sie leiten ein-

ander und schmähen die sieben Planeten‘). Nerig spricht zu ihnen: „Es

gibt keinen Gott, der vornehmer und stärker als ich wäre.“ Er bringt un-

unterbrochen Schwert, Säbel, Krieg, Mord, Hunger, Pein, Kampf und Ver-

folgung gegen seine Brüder. In der ganzen Tibil, in ihren vier Ecken,

bringt er täglich Kriegsgetümmel unter sie. Alle Seelen, die dem Abdallah

[entgegentreten ?]°), bekämpfen sie mit Schwert, Feuer und Flamme. Tag-

täglich zieht Rüha‘) zum Kampf aus und führt Krieg mit Nerig. Sie spricht

zu ihm: „Ich habe dir das Buch und die Rede gegeben und das Mysterium

des Todes dir offenbart. Ich habe dir Geißel und Herrschermacht, Rede

und Erhörung verliehen. Ich sagte dir, daß alles Licht für dich aufgehen

werde. Du erklärst deinen Anbetern: ‚Wohlan, ich werde euch zum Para-

diese emporheben, zum Orte, zu dem eure Augen voller Hoffnung empor-

schauen‘, dabei stürzest du sie in die untere Seol. Du betörst sie durch

Geißel und Herrschermacht, Gold und Silber, dann stürzest du sie in die

untere $eol und bedrückest sie mit Gerät, Fußblock, Folter, Qual, Fesselung

und Marter. Ich sprach zu dir: Sagtest du nicht: Ich bin der kraftvolle

Gott, ich will euch das Licht zeigen?*)°) „Auch einen jeden, der zu den

Kindern des großen Stammes des Lebens gehört und aus ihrer Lehre und

ihrem Buche lernt, stürzt er in jenen großen Ort der Finsternis hinab.

Ferner: Die auf die Jagd gehen und Fleisch der Jagd und Tötung

essen, deren Seele wird durch Schwert und Säbel hingerafft werden. Alle

Frauen, [231] die sich mit Schleppkleidern °%) und Brokatstoffen aus Gold und

Silber kleiden”), werden unter Kesseln gefangen gehalten werden. Sie

 

 

 

 

 

I) REN OA) NOINY ist an dieser Stelle zu streichen. Es ist aus Text Z.13 oder

231,25 hierhergeraten. Siehe auch p. 232, 11.

 

2) Das soll wohl heißen: sie bestimmen selber ihr Geschick und verwerfen die Planeten

als Lenker des Geschickes, vgl. p. 13, 28.

 

3) Der Text ist nicht in Ordnung, siehe die Parallelstelle 233, 1, wo der Text auch ent-

stellt ist. Mit den „Seelen“ können nur Mandäer gemeint sein.

 

4) Bezeichnet wohl das christliche Byzanz.

 

5) Das eingeklammerte Stück ist nachher wiederholt und steht dort an der richtigen Stelle.

 

6) Der Sinn des nur an dieser Stelle vorkommenden Wortes ist nur nach der Bedeu-

tung von WOW „ziehen, herausziehen, hinziehen“ erraten. Das für einige seiner Bedeutungen

wohl aus dem Aramäischen entlehnte arabische sömt bedeutet unter anderem: der untere über

den Mantel herausragende und sichtbare Teil des Rockes; der auf Schulter und Brust herab-

hängende Teil des Turbans; ein über den Hinterteil des Pferdes herabhängender Schutzpanzer,

dann auch ein ungefüttertes Gewand und ein Gewand aus Baumwolle.

 

?) Leid. hat NWIND-

 

 

un

 

 

-

 

 

5

 

 

in

 

 

[©]

uw

 

 

233 Rechter Teil. 231,2— 232,1

 

 

werden eines zweiten Todes sterben und zum Hause des Lebens nicht

emporsteigen.

 

Wohlan, ich habe euch über die Pforte des Bel belehrt und über die

Werke, die er in der Welt geübet. Nun will ich euch über Sin (den Mond)

und über den Ruf, den er ausgerufen, belehren. Von ihm gehen die Juden,

die Abortüs und Abgänge aus, die aussätzigen Männer und Frauen. Er ver-

übt Böses in der ganzen Tibil samt und sonders. Er nimmt zu und nimmt

ab, er erhöht und erniedrigt, er bringt in die Höhe und stürzt in die Tiefe ü:

Er schneidet Maß und Zahl ab’). Er verdirbt die Jahre und verübt Böses

an den Tagen, Monaten und Jahren. Er verführt den ganzen Stamm der

Seelen. Hurerische, stinkende Hmurthas kommen heraus und lassen sich

auf Frauen und Männern nieder. Sie werden Baiwäzigh ‘’) genannt und

waschen sich mit Wasser‘). Sie stellen einen Priester”) an ihre Spitze,

schlafen bei ihm, tun Samen in ihn, nehmen jenes Mysterium, backen es

in einem Kuchen, nehmen es an einer Grenzstelle®), schwören einander und

offenbaren es einander nicht. Sie werden auch Abortüs und Abgänge ge-

nannt. Wie sie handeln, handelt man an ihnen. Männer und F rauen, die

von jenem Mysterium essen, finden keine Linderung und Heilung, und ihre

Augen schauen nicht das Licht.

 

Wohlan, ich habe euch über die Pforte belehrt, die Sin geschaffen,

über die Werke, die er in der Welt verübt, und über die Verfehlungen,

zu denen er den Stamm der Seelen verführt hat‘). Sie verführten diesen

und teilten ihn in verschiedene Parteien.

 

Über diese Pforte habe ich euch belehrt, meine Jünger, sowie über

die Verfehlungen, die er (Sin) in der Welt verübt hat. Nun will ich euch

über die Pforte belehren, die Nerig gegründet hat, der Abdallah der Araber

genannt wird, von dem die sieben Gestalten des Zornes hervorgegangen

sind. Der Stamm der Seelen wird durch ihn getötet, und die ganze Tibil

wird unter seinen Thron gebeugt. Von ihm kam die Geißel, sie fressen

Herrschermacht und üben das Königtum aus. Sie ziehen Schwert und Säbel

[232] und vergießen das Blut der Söhne Adams. Sie bringen Beute heim

 

!) Er wirkt entsprechend seiner eigenen Zu- und Abnahme.

 

?) Er verkürzt das festgesetzte Lebensalter.

 

®) Zu IINYND schreibt mir ANDREAS: „Das Wort ist iranisch namentlich wegen der

Schlußsilbe, die das mitteliranische Adjektivsuffix öy, älter ey ist, doch läßt sich die Bedeu-

tung des Wortes nicht mit Sicherheit bestimmen. Die beiden Anfangssilben sind ein Kom-

positum, dessen Vorderglied dai, be die südwestiranische jüngere Form des älteren bay „Gott“

ist. Das Hinterglied wwöz läßt verschiedene Deutungen zu. Es kann wäz „Wort‘‘ sein, dann

wäre baiwazıy einer, der zum Gotteswort in Beziehung steht, oder wwäz wird als das iranische

Aquivalent des altindischen vaja „Kraft“ genommen, dann ist baiwäriy einer, dem Gottes-

kraft als Eigenschaft zugeschrieben wird. Möglich wäre aber auch, daß baiwäz ein Personen-

name ist, dann wäre ein Baiwaziy der Anhänger eines Mannes Namens Baiwäz“

 

*) Es ist unsicher, ob mit CD T0D) zu lesen ist. NND) AB paßt nicht.

 

?) Auch oben, p. 224, 8 ist von unnatürlich gebärenden Männern die Rede.

 

 

°) Die für Zauberhandlungen besonders geeignet ist.

?) Leid. hat NOW; siehe auch oben, p. 24, 28.

 

 

 

 

 

232, 2—233, 11 Neuntes Buch. Erstes Stück. 233

 

 

und schleppen Gefangene fort, [sie verkaufen,]'’) was sie mit ihrem Golde

nicht gekauft, mit ihrem Silber nicht erhandelt und mit ihrem Gut nicht

erworben haben. Sie rauben den Sohn von der Mutter, den Mann von der

Gattin, den Vater vom Sohne und nehmen ihnen Stärke und Stahl’). Die

Menschen sind nicht imstande sich von ihnen zu retten, sie weinen, heulen

und zerfließen in Tränen. Tagtäglich führen sie Krieg und vergießen Blut,

und Verfolgung trifft den ganzen Stamm der Seelen und das große Ge-

schlecht des Lebens. Unaufhörlich bedrücken sie sie und sagen: wir wollen

sie von dieser Welt vertilgen. Brot essen sie mit dem Schwert. Je mehr

das Zeitalter abnimmt, desto mehr bedrückt sie die Bosheit. Alle Völker,

Grenzen und Zungen beten sie an. Auch Seelen vom großen Stamme des

Lebens schließen sich ihnen an. Sie fallen vom Namen des Lebens ab und

verehren sie. Sie sagen sich von Manda dHaije los und bekennen sich zu

Abdallah dem Araber und dem heiligen Geiste, der ihnen das Mysterium

des Todes offenbart hat. Sie gehen hin und fluchen dem Namen des Lebens.

Aller Schimpf und Schmutz ist von ihnen ausgegangen, und sie beschimpfen

den Namen des Lebens. Ein jeder, der vom großen Stamme des Lebens

ist und hingeht, den Araber anbetet, wird keine Linderung finden. Weil

sie das Zeichen verdreht haben, sollen sie auf einem Eisgeräte getötet werden.

Auch alle Hmurthäs, die von ihm hervorgegangen sind, lassen sich auf den

Sklaven und Sklavinnen des Abdallah nieder. Diese erheben einen Ruf,

beten ein falsches Gebet und lassen es zum Firmament emporsteigen. Sie

leiten einander und schmähen die sieben Planeten. Nerig spricht zu ihnen:

„Es gibt keinen Gott, der vornehmer und größer als ich wäre.“ Er bringt

ununterbrochen Schwert, Säbel, Krieg, Mord, Hunger, Pein, Kampf und

Verfolgung gegen seine Brüder. In der ganzen Tibil bringt er täglich

Kriegsgetümmel unter sie. Alle [233] Seelen, die dem Araber Abdallah ent-

gegentreten(?)°), bekämpfen sie mit Schwert, Feuer und Flamme. Tag-

täglich zieht Rüha zum Kampf aus und führt Krieg mit Nerig. Sie spricht

zu ihm: „Ich habe dir das Buch und die Rede gegeben und das Mysterium

des Todes dir offenbart. Ich habe dir Geißel und Herrschermacht, Rede

und Erhörung verliehen. Ich sagte dir, daß alles Licht für dich aufgehen

werde. Du erklärst deinen Anbetern: ‚Wohlan, ich werde euch zum Para-

diese emporheben, zum Orte, zu dem eure Augen voller Hoffnung empor-

schauen‘, dabei stürzest du sie in die untere Seol. Du betörst sie durch

Geißel und Herrschermacht, Gold und Silber, dann stürzest du sie in die

untere Seol und bedrückest sie mit Gerät, Fußblock, Folter, Qual, Fesse-

lung und Marter. Ich sprach zu dir: Sagtest du nicht: ‚Ich bin der kraft-

volle Gott. Ich werde euch das Licht zeigen, werde euch Öl und Honig

zu essen geben, werde euch mit prachtvollen Gewändern bekleiden, werde

 

!) Siehe R 256, 4.

 

2) Auch im Mandäischen eine Alliteration. arm ist wohl syrisch hellthä „Scheide“,

 

 

siehe auch R 256, 9 und Lit., p. 182.

®) Siehe oben, p. 231, 13.

 

 

in

 

 

ben!

 

 

o

 

 

[7

 

 

oO

 

 

234 Rechter Teil. 233, 12—234, 13

 

 

euch jegliche Annehmlichkeit gewähren, und ihr werdet Gutes finden. Es

gibt keinen Gott, der stärker wäre als ich. Ich will euch schöne Frauen

geben‘? Warum bedrückest du sie jetzt mit Gerät, Fußblock, Folter, Qual,

Fesselung und Marter und richtest sie nach einem rechtlosen Rechte? Die

; Diener des fremden Mannes, gegen die wir das Schwert gezückt haben,

sind jetzt zu den oberen Lichtwelten emporgestiegen, während wir hier in

der Finsternis und dem schwarzen Wasser abgeschnitten sind und weder

Linderung noch Seligkeit finden.“

Der Araber Abdallah spricht zu seinen Dienern und allen Pforten, die

ıo sich zu ihm bekannt haben: „Als ich euch mit dem großen Raubzug be-

tört, die ganze Tibil euch unterworfen, Geißel und Herrschermacht euch ver-

liehen, die ganze Gottheit unter euch gebeugt und alle Völker, Grenzen und

Zungen ausgeplündert habe, da habe ich und meine Mutter Rüha euch ge-

meinsam betört. Ich sagte mir: ‚So wird am letzten Tage mir, dem großen

ı5s Qados’), meinem Vater, von dem ich gezeugt wurde, und meinem Vater

Leviathan eine Mahlzeit bereit stehen”). [234] Wohlan, sehet, wie alle Pla-

neten keine Macht gleich euch hatten und die Diener der Planeten, meiner

Brüder, euch nicht gewachsen waren und keine Herrschermacht gleich euch

besaßen. Jetzt, am großen Gerichtstage, findet ihr bei mir keine Aus-

2o kunft’).. Weil ich euch mit ..... *) und Honig gespeiset, ihr euch mit

wohlriechenden Kränzen, Blumen und Gewürzen verzärteltet, ich euch in

kostbaren Gewändern einhergehen, zwischen Himmel und Erde im Zornes-

wagen umherfahren ließ, euch zu fetten Widdern machte, soll euch niemand

jetzt aus meinen Händen befreien und erlösen und zum Lichte empor-

25 bringen.“

 

Ich habe euch über alle Pforten der Planeten und alle Torheiten be-

lehrt. Genießet nicht ihre Speise. Eure Hände sollen sich nicht mit Blut

beflecken. Küsset keinen ungetauften Mund.

 

Gelobt sei das Leben und Manda dHaije. Das Leben ist siegreich

 

30 über alle Werke, und siegreich ist die Gemeinde der Näsoräer.

 

Und das Leben ist siegreich.

 

 

Zweites Stück.

 

 

Auf Befehl des großen, gewaltigen Mänä wird von den Söhnen des ersten Lebens?)

aus dem Piriawis-Jordan ein jugendliches Wesen geschaffen, das „der jugendliche Knabe“,

 

 

1) Dem Gotte der Juden, siehe oben, p. 25, 8.

 

®) Der Verfasser des Stückes hat wohl einmal davon gehört, dab am jüngsten Tage

der Leviathan zu einer Mahlzeit verwandt werden soll, und hat es auf diese Weise verdreht.

 

®) Kann ich euch nicht helfen.

 

*, Das Wort NMDN findet sich nur an dieser Stelle. Oben steht „Öl und Honig“.

Auch sonst findet sich NWOYN) NWS: Cod. Sab. Paris. 15, f. 45b, 19; Oxf. Rolle F, Z. 1238,

1262.

 

5) Oder vom Leben selber, siehe p. 236.

 

 

3

 

 

 

 

 

234, 14—235,1 Neuntes Buch. Zweites Stück. 235

 

 

„der gerechte, große Einzige“ genannt wird. — Als göttliches Kind genoß im ausgehenden

Altertum Harpokrates besondere Beliebtheit und wurde weit über seine ägyptische Heimat

hinaus verehrt. Semitisch ist die Vorstellung vom Morgenstern, dem vor der Sonne einher-

gehenden kleineren Gestirn, als Knaben, dem pxer Phosphorus, siehe ZDMG XXXI (1878),

p. 565; ROSCHER’s Lexikon I, 1, col. 743 und Ditlef NIELSEN, Der dreieinige Gott ],

p. 122f., 232f. Beachtet man nun, wie oben p. 222,2 der jugendliche Knabe vor Jörabbä,

der mit Sami$, der Sonne, identifiziert wird, auf dessen Wagen sitzt, so möchte man in der

Tat diesen Knaben auf den pxuer Phosphorus zurückführen. Der „jugendliche Knabe“ führt

Lit., p. 229,2; 264, 4 den Namen }NEDNN, der sich nicht erklären läßt. Andererseits wird

R 242,10f. Hibil so genannt, siehe auch Lit. 248,9. Daß Mandä dHaije, als er die Taufe

empfangen wollte, dem Johannes als kleiner Knabe NW NT) erschien, sahen wir oben.

Lit. 24,2 finden wir einen NY NTR mit dem merkwürdigen Namen DYPNNDY und R 374,

18 eine „Wolke“ x NOND.

 

Die Benennung des Knaben und seines Vaters „der Einzige“ ist wohl soviel wie der

Eingeborene. Die Bezeichnung eines Gottes als Einzig oder Eingeboren findet sich auch bei

den Phöniziern: "leovö bei Philo Byblius, siehe BAUDISSIN, Adonis und Esmun, p. 89. Der

Oeös novoyevis spielt besonders bei den Orphikern eine Rolle und ist von ihnen zu den Gno-

stikern und in die johanneische Christologie gedrungen, siehe WOBBERMIN, Religionsgeschicht-

liche Studien, p. 114fi. Den großen, gerechten Einzigen und seinen ebenso benannten Sohn

finden wir auch am Anfange des elften Buches. SIOUFFI nennt unter den höheren Wesen

p. 40.46 einen Zahdoyo-Rabbo-Zadiko. — Siehe zu dem Stücke auch Brandt, Rel., p. 291.

 

 

Im Namen des großen Lebens.

 

 

Erhöre mich, mein Vater, erhöre mich,

erhebe mich, Großer, Sohn des gewaltigen (Lebens),

unser Vater, Sohn des Lebens’).

 

 

Dies ist das Mysterium und das Buch vom Glanze, der im Mänä lo-

dert, aus dem die Strahlen des Glanzes hervorgingen, aus dem die inneren

Jordane kamen. Von ihnen, jenen *) Jordanen, kam der Jordan, der Größte

unter allen Jordanen. Von jenem Jordan sonderte sich ab und ging her-

vor die große, verborgene, erste Nitubtä°), (aus der der Herr der Größe,

der Größte unter allen Uthras, der Vater aller Kundigen,)‘) aus der der

große, gerechte Einzige, entstand, aus dem die hervorragenden °) Söhne des

ersten Lebens entstanden, die dastehen und in Lobpreis jenen großen, ge-

waltigen Mänä verehren und preisen. Er sprach zu ihnen: „Auf, ziehet

hinaus zum Piriawis-Jordan und zu den Wogen des Wassers, ersinnet

[235] und rufet hervor einen Sohn, dessen Gestalt nicht vergeht, in dem

 

 

1) Siehe auch p. 220.

 

2) Lies }D statt 9.

 

3) Eine andere Form für Nituftä, siehe oben, p. 1589.

 

%) Dieser, im übrigen unvollständige Satz ist wohl eingeschoben. Vom Herrn der

Größe ist in diesem Stücke sonst nicht die Rede. Der große, gerechte Einzige ist identisch

mit dem großen, gewaltigen Mänä.

 

3) NYNWID, siehe oben, p. 215'.

 

 

 

 

 

 

 

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o

 

 

w

un

 

 

30

 

 

 

 

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19}

 

 

30

 

 

236 Rechter Teil. 235, 1—23

 

 

kein (böses) Sinnen ist, der vielmehr sanft, bescheiden’), schweigsam und

gefällig ist, der den Uthras, den Söhnen des Lichtes, gleicht.“

 

Sobald ich das Wort zu ihnen gesprochen ?), erhoben sie sich in Lob-

preis, verneigten sich, priesen, verherrlichten, segneten ihn und sprachen

zu ihm: „Was du sprichst, tritt in Kraft.“

 

Sie erhoben sich, zogen zum Piriawis-Jordan und zu den Wogen des

Wassers hinaus, sie ersannen und riefen hervor den einzigen Sohn, dessen

Gestalt nicht vergeht, in dem kein (böses) Sinnen ist, den großen, gerechten

Einzigen, der aus dem großen, gerechten Einzigen hervorging, den das

Leben durch sein Wort schuf. Jetzt stand fest, weswegen es schuf°).

 

Das erste Leben‘) erhob sich dann, verneigte sich und pries jenen

großen, gewaltigen Mäna und sprach zu ihm’): „Ich habe einen einzigen,

großen, gerechten Sohn ersonnen und hervorgerufen, der aus dem großen,

gerechten Einzigen hervorging.“

 

Dann sprach er zu ihm (zum Leben): „Geh, bekleide ihn mit einem

Gewande‘) des Glanzes und bedecke ihn mit guten, reinen Turbanen des

Lichtes.“

 

Da kam es, bekleidete ihn mit Gewändern des Glanzes, bedeckte ihn

mit guten, reinen Turbanen des Lichtes und sprach zu ihm: „Auf, steig

empor und schaue deinen Vater, der an seinem Orte thront.“ Darauf sprach

er zu ihm: „Es gibt einen, der größer ist als du und zu dessen Rechten

und Linken zahlreiche Lichtwesen stehen.“ — „Auf“, sprach es zu ihm,

„schaue die Skina in der Skina“. — „Da ist die Skinä,“ erwiderte er ihm,

„von der du mir gesprochen hast“.

 

Alsdann kam heraus ein Bote, dessen Name Adakas-Malala ist, vom großen,

gewaltigen Mänä her und sprach zu ihm: „Was ist dein Name?“ Doch er

wahrte Schweigen. Zum zweiten Male fragte er ihn und sprach zu ihm:

„Was ist dein Name?“ Doch er wahrte Schweigen. Zum dritten Male

fragte er ihn und sprach zu ihm: „Was ist dein Name?“ Darauf erwiderte

er ihm: „Ich bin der jugendliche Knabe, der gerechte, große Einzige.“

 

 

Da nahm er ihn, liebkoste ihn, führte ihn ein, zeigte ihm die Skinä

 

 

in der Skina und zeigte ihm die gewaltigen Eier’) der Verborgenheit. Er

schaute die Helligkeit, deren Glanz wundersam, deren Licht kostbar und

 

 

 

 

 

 

 

 

!) Eigentlich „bedürftig‘‘, siehe auch Nöld., p. 150°.

 

?) Siehe Nöld., p. 454, 8, auch hier, p. 14%.

 

°®) Hier ist wohl eine Lücke. Vielleicht gehört DN’NPNY) noch zum vorhergehenden

Satze: „und er wurde gefestigt.“

 

*) Im Folgenden ist nur vom Leben, nicht von den Söhnen des Lebens die Rede. Es

ist möglich, daß auch vorher nur das Leben genannt war und die Söhne des Lebens erst von

einem Manne eingeführt wurden, der an der Rolle, die hier dem Leben dem Mänä gegenüber

zugewiesen wird, Anstoß nahm.

 

%) POIRDR) Z. 9 und MoSnom in Z. 11 sind zu vertauschen.

 

°) Ursprünglich hat wohl hier wie weiterhin „Gewänder“ gestanden.

 

?) Die Schreibung NND5N findet sich auch L 26,1; 27, 8, trotzdem ist wohl Nam

zu lesen, siehe oben, p. 1512.

 

 

 

 

 

235, 23—237,5 Neuntes Buch. Zweites Stück. 237

 

 

deren Gestalt glänzend und erhaben ist. Als er dies schaute, ängstigte er

sich, erbebte und erschauerte, fiel auf sein Antlitz, betete an und pries.

 

Darauf sprach zu ihm der Bote, dessen Name Adakas-Ziwä ist: „Ein

jeder, [236] der diese Gestalt den Menschen offenbart, die unwürdig sind,

— es gibt nichts, das endlos wäre, ) — wird das Licht nicht schauen. Wer

jedoch diese Gestalt im Verborgenen läßt und wahrt, wird Tag um Tag

emporsteigen, den Lichtort schauen, und von meinem Glanze wird ein Teil

auf ihm ruhen.“

 

Da sprach der jugendliche Knabe zum Boten, dessen Name Adakas-

Malala ist: „[Ich schaute]*®) den Glanz, der über allem Glanze, das Licht,

das über allem Lichte steht. Wer hat mir die Blendung’) von den Augen

und das Fleischstüäck vom Herzen genommen? Wenn du mit dem Leben,

deinem Vater, sprichst, so sage ihm nicht, was ich sage‘).“ Darauf sprach

er (Adakas) zu ihm: „Sage dem Leben, deinem Vater, daß es im eigenen

Sinne sich freue und leuchte um das, was du geschaut hast.“

 

Alsdann stieg er (der Knabe) hinab, begab sich hin und fand das erste

Leben, wie es in der eigenen Skina saß. Da sprach er zu ihm: „Freue

dich und leuchte in deinem eigenen Sinne um das, was ich geschaut.“ Das

erste Leben fragte den jugendlichen Knaben: „Was hast du geschaut?“ Da

sprach er zu ihm: „Ich schaute den Glanz, der über allem Glanze, und das

Licht, das über allem Lichte steht. Ich schaute die Helligkeit, deren

Glanz wundersam, deren Licht kostbar und deren Gestalt erhaben ist. In

großer Zahl stehen ihr tausend mal tausend Lichtwesen zur Rechten und

zehntausend mal zehntausend Lichtwesen zur Linken.“

 

Da stand das erste Leben samt seiner eigenen Skinä’) auf und richtete

Gebet und Lobpreis an ihn‘). Die Stimme und der Ruf stieg zum großen,

gewaltigen Mana empor. Als der große, gewaltige Mäna jene Stimme und

jenen Ruf vernahm, stand er auf und schuf tausend mal tausend Licht-

wesen zu seiner Rechten und zehntausend mal zehntausend Lichtwesen zu

seiner Linken. Der große, gewaltige Mana sprach dann zu jenem Boten,

der vor ihm steht: „Wo ist der jugendliche Knabe? Man hole ihn vor

mich.“ Da erwiderte er ihm: „Wenn du sprichst, tritt es in Kraft.“

 

Er ging dann vom Lichtkönig‘) fort, trat vor das erste Leben [237] und

sprach zu ihm: „Wo ist der jugendliche Knabe? Wohin ist der gerechte,

große Einzige gegangen?“ Da erwiderte ihm das erste Leben: „Er ging

zu den anderen Lichtwelten, die hervorgerufen, aber nicht gut hergerichtet

sind. Sie schickten ihn hin und verpflichteten ihn über sie, daß er sie gut

herrichte.“ Da sprach er zum Leben: „Man hole ihn eiligst.“ Da brachte

 

es ihn, nahm ihn und führte ihn vor ihn hinein. Dabei verbeugte ich

 

 

 

 

 

 

 

 

DEsielie p. 79°. ®) Siehe weiterhin.

®), Vgl. Nöld., p. 147, 6.

4) Lies NIINONT. 5, Vgl. Lit., p. 4.

 

 

6) An den großen, gewaltigen Mänä.

?) Ein jüngerer Einsatz an Stelle des großen, gewaltigen Mänä, siehe auch p. 235, 30.

 

 

15

 

 

(8)

je]

 

 

 

 

238 Rechter Teil. 237,5—18

 

 

mich’), pries ihn und sprach zu ihm: „Gesegnet sei der Ort, von dem du

kamest. Gepriesen, verherrlicht und gefestigt sei der Mann, der dich ge-

schickt und gesandt hat.“

 

Er (der Bote) faßte ihn bei der Fläche seiner rechten Hand, hob ihn

empor und brachte ihn vor den großen, gewaltigen Mana. Als dieser ihn

erblickte, liebkoste und küßte er ihn und sprach zu ihm: „Geh und sprich

zu den Näsoräern, die in der Welt der Finsternis und im schwarzen Wasser

zurückgelassen sind: Ein jeder Nasoräer, der sich selber das Kusta reicht

gleich dem großen, gewaltigen Mänä, der bei seiner eigenen Taufe die Hand

hinstreckte, als er keinen Genossen hatte, wird keinerlei Anteil®) am Hause

des Lebens haben’). Über einen jeden Nasöräer, der sitzend das Pihta be-

veitet, wird Verdammnis, Schlag und Plage aus dem Hause des Lebens

kommen‘). Vielmehr stehe er lange, lange da und bereite es, und dann

sitze er reichlich, reichlich und ruhe aus.“

 

Das Leben wird gepriesen im Lichte, das endlos ist, das Leben ist

siegreich, und siegreich ist Jäwar-Ziwä und seine Freunde.

 

 

 

 

 

!) Der jugendliche Knabe spricht.

 

°) In PN) steckt jedenfalls 03%. Aber DND) ist wohl keine Verschreibung, sondern

ANRION anon eine Redensart, in der NH) an PNON angepaßt wurde.

 

®) Man soll vielmehr einen Priester hinzuziehen.

 

*) Siehe auch Lit., p. 70, 81.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zehntes Buch.

 

 

Diese Schrift führt den Titel „Das Buch vom Glanze, der im Pihtä lodert‘‘, Ihr In-

halt ist wieder die Urschöpfung. Am Anfange wohnte der erste Mänä im Pihtä. Das erste

Leben, über dessen Beziehungen zum Mänä nichts gesagt ist, war aus sich selber entstanden,

Wie im dritten Buche schafft es einen Sohn, den Zweiten, der seinerseits Söhne hervorruft.

Diese wollen Welten schaffen. Das Leben beauftragt Jözataq Mandä dHaije, jenem Plane

zuvorzukommen. Der weitere Verlauf ist durch eine Lücke (p. 242) unterbrochen. Nach

Wiederaufnahme des Textes erfahren wir, daß Ptahil eine Welt gebildet habe und nun daran

“gehe, Adam und Hawwä zu schaffen. Er wirft in sie eine Art Geist (77), die Planeten

etwas von ihrem Mysterium, doch vermögen sie nicht, sie auf die Beine zu bringen. Das

Folgende ist aus zwei verschiedenen Darstellungen zusammengesetzt, in die noch andere

Stücke eingefügt sind, und seine Teile widersprechen sich stellenweise. Nach der einen

Quelle war Hibil herabgesandt, um Adam und Hawwä zu beleben und für sie zu sorgen.

Nach der anderen war Adakas, der verborgene Adam, hier dessen Seele, in Adam und Hawwä

gedrungen und hatte ihnen erst das rechte Leben gegeben. Der Kompilator sucht an einigen

Stellen die beiden Versionen zu kombinieren. Die Abweichungen in den beiden Quellen

zeigen sich besonders bei der Schilderung der Herstellung des ersten Gewandes für Adam

und Hawwä. Die Planeten treten Hibil bzw. Adakas entgegen, doch ohne Erfolg. In dem

Stücke wird Ptahil und sein Werk verworfen, doch schließt es am Ende mit einer Recht-

 

 

fertigung Ptahils.

 

 

Im Namen des großen Lebens werde Heilung, Sieghaftigkeit und ein

Siindenerlasser zuteil mir NN, meiner Gattin NN, meinem Vater NN, meiner

Mutter NN und meinen Kindern NN, NN.

 

Ferner werde ein Sündenerlasser allen Priestern und Mandäern zuteil,

die in diesen Büchern Belehrung suchen.

 

 

Im Namen des großen, fremden Lebens aus [238] den Lichtwelten, des

erhabenen, das über allen Werken steht.

 

Dies ist das Mysterium und das Buch vom Glanze, der im Pihtä lo-

dert), das in seinem eigenen Glanze°) leuchtete und in seinem Lichte groß

war. Jener erste Mäna weilte, schuf und wohnte darin. Es glaubte an den

 

 

1) Siehe auch p. 235, 26. 2) Leid. hat NYDN) 12 „in seinem reichen Glanze.“

 

 

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240 Rechter Teil. 238, 4—239, 10

 

 

Mana, der darin weilte, es glaubte an den Glanz und das Licht, das darin

war, es glaubte an den Manä, der darin weilte, dessen Name Sarhabel ist.

Glanz kam aus dem Pihtä heraus, Licht legte sich über das Pihta und kam

aus ihm heraus. Er‘) nannte sich Sproß, Glanz und Licht, dessen Glanz,

dessen Licht von sich aus lodert. Das Tanna erglühte, das Tanna schmolz,

in dem er war’). Als er über dem Tannä loderte, entstanden die Mamba-

gas”), entstand die Gemeinschaftlichkeit‘), die ohne Unterbrechung ist. Es

entstand die Gemeinschaft mit dem Leben, das Leben nahm seinen Wohn-

sitz, das Leben stellte sich in den Quellen des Wassers auf, die sich daraus

ergossen. Mit seinem Gebete betete es zu sich selber‘), in denen®) es war,

in denen es wuchs. Durch sie wurde erhellt und gefestigt, in ihrem Glanze

nahm Platz der Name der lebendigen Lehre, mit dem er sich bekleidete und

durch den er gefestigt wurde, sowie der Name des Glanzes und des Lichtes,

das darin lodert. Es (das Leben) nahm von sich selber Kusta an, eine Kusta,

die von jeher war, die am Uranfange geschaffen war. Das Leben glaubte

daran, es war in seiner eigenen Taufe, es glaubte an die eigene Kustä, es

nahm sie aus der eigenen Hand, es küßte die (eigene) Rechte und sprach

zu sich: „Ich bin der erste Täufer, der an die Kustä und diese Taufe glaubte.

Ein jeder, der zu mir hält, an meine Kusta und diese meine Taufe glaubt,

wird in die Gemeinschaft mit mir eingehen und in meiner S$kma Platz

finden.“ Es ward die Skina des Lebens, die über dem Wasser und dem

lebenden Feuer ist. Es sprach: „Ich bin das Leben, das aus sich selber

wurde, aus seinem eigenen Glanze wurde. Es bildete sich aus seiner Ge-

stalt und stand dort bei sich [239] im Verborgenen ’).“ Sein Glanz leuchtete

daraus heraus, sein Licht war groß, das es über seinem Glanze und Lichte

reichlich schuf. Sein eigenes Licht wurde trefflich hergerichtet. Das Leben

ersann in seinem Innern, im eigenen Gebilde‘), das Leben stellte sich im

Verborgenen hin, um einen Sohn zu schaffen und ihn zum Genossen für sich

zu machen. Das Leben wußte, daß der Sohn, den es zu schaffen im Sinne

hatte, Söhne schaffen werde, daß die Söhne, die er schüfe, ihm raten würden,

andere Welten zu schaffen, ihm, den das Leben aus seinem eigenen Herzen

sich als Stütze geschaffen, als sein Abbild hingestellt und in der Skins hat

wohnen lassen, daß er in Zukunft an andere Welten schreiten werde.

 

Alsdann schuf es’) einen Sohn, machte ihn sich zum Genossen, stellte

ihn im Jordan lebenden Wassers auf, das vom Leben kam, reichte ihm

 

!) Oder Es; es bezieht sich auf „Glanz“ wie auf „Licht“.

 

Sicher pl ®) Siehe p. 19°.

 

*) Unter den Gläubigen, siehe Lit., p. 13°. 5) Siehe p. 66%.

 

€) Bezieht sich wohl auf die Quellen.

 

2) yYNSD ist hier intransitiv, vgl. Joh. II, p. 66°. Freilich paßt dann DW? nicht,

wofür wohl DNP oder |DONP zu lesen ist, ebenso Text 239, 3. Im übrigen ist es nicht ganz

sicher, wo die Rede aufhört.

 

®) Siehe Joh. II, p. 66?, hier p. 146°.

 

°) Hier steht, wie auch sonst öfter, irrtümlich der Singular mit Beziehung auf X».

 

 

 

 

 

239, 10—240, 14 Zehntes: Buch. 241

 

 

Kustä, bekleidete ihn mit einem Teile seines Glanzes, bedeckte ihn mit

einem Teile seines Lichtes und ließ ihn bei sich in seiner Skinä jenseits

des lebenden Feuers Platz nehmen.

 

Der Sohn, den es geschaffen, plante, für sich Söhne zu schaffen. Er

schuf Söhne, bekleidete sie mit einigen von seinen Gewändern, bedeckte sie

mit einigen von seinen Hüllen, ließ sie in seiner Skina zu seiner Rechten

und Linken Platz nehmen und reichte ihnen Kusta.

 

Die Söhne, die er schuf, planten, andere Welten zu schaffen, und

sprachen: „Wir wollen uns Welten ') schaffen gleich denen dieses Hauses

des Lebens.“ Sie traten dann vor ihren hohen Vater, den Zweiten’), und

sprachen zu ihm: „Gewähre uns, daß wir hingehen und andere Welten

schaffen, dir eine Pflanzung gleich der dieses Hauses des Lebens pflanzen,

eine Pflanzung pflanzen und Welten bauen’) und schaffen, gleich wie die

Söhne des Heils geschaffen und gebildet wurden.“

 

Ihr Vater gewährte ihnen aus dem Verborgenen, und sein Erst-

geborener, der Zweite, und seine Brüder gaben es einem der Söhne des

Heils, dem ältesten Bruder unter ihnen, die‘) nach dem Bilde der Söhne

des Heils geschaffen waren’). Er gab ihm‘) Wasser und lebendes Feuer

und sprach zu ihm: „Geh, schaffe Welten gleich den Söhnen des Heils, wie

du es [240] im Hause des Lebens gesehen hast.“

 

Das Leben sann bei sich nach und sprach so zu Manda dHaije, der

Jozataq Mandä dHaije genannt wird. Es sprach zu ihm: „Gewähre der

Formung das Abbild der Herrlichkeit”) «+»x....“ Da erwiderte ihm Mandä

dHaije: „Du hast mich geschaffen und gefestigt, und ich bin gesonnen, jener

Welt zuvorzukommen, bevor sie über jene Welt Pläne fassen *und jene

Welt ordnen. Sie nannten mich den Vorderen, Ersten®), daß ich [vorher?]

in ihr den Samen säe, in ihr Söhne schaffe, die die Söhne des großen

Stammes des Lebens genannt werden sollen. Ich will vorher von meinen

Stämmen hinsenden, die das Leben mir gewähret. Es rief mich, es spornte

mich über sie an und schuf mir [Stämme]°), daß sie den Ruf des Lebens

rufen, der wundersamer als die Welt ist, und sich von der Welt der

Finsternis fern halten.“ Manda dHaije sprach: „Ich will hier früher, als

jene Welt entsteht, sie in die Gemeinschaft mit dem Leben aufnehmen;

ihre’) Skinä sei im Hause des Lebens.“

 

 

Y) Lies NDR. 2) Siehe oben, p. 97. ®) Leid. hat NN.

 

Eee 197.

 

5) Die Stelle ist ganz unklar, wohl auch lückenhaft. Ihr Vater ist eben der Zweite.

 

6) Lies FHARNY.

 

?) Daß sie gleich dem Abbild der Herrlichkeit sei? Nach p. 242,6 ist Mandä dHaije

selber aus dem Abbild der Herrlichkeit entstanden. Dahinter ist eine Lücke. Es stehen

dann noch die Worte „die in die Welt der Finsternis geworfen sind, der bereit ist zu bilden

hierher.“ Hier war von den Bewohnern der finsteren Welt die Rede, siehe weiterhin.

 

8*) Aus Z. 10.

 

%) Ergänze NANIW, siehe Text Z. 24.

 

10) Lies NAIDW.

 

Lidzbarski, Ginzä. 16

 

 

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25

 

 

30

 

 

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942 Rechter Teil, 240, 14— 241, 18

 

 

Als Manda dHaije dies sagte, küßte es‘) ihn, reichte ihm Kusta und

sprach zu ihm: „Kustä erhalte dich heil, Guter, und erhalte heil das Wort,

in dem du dich geäußert hast’). Ja, ich will von meinen Stämmen bringen,

ae daß sie in der Welt der Finsternis nicht verurteilt werden, daß

sie keine Verfehlungen begehen.“

 

Das Leben rief Jozatag Manda dHaije, der aus dem Abbild der Herr-

lichkeit im Verborgenen entstanden war. Es rief Manda dHaije.. nn y>

Er wählt, pflanzt und führt zum lichten Wohnsitz empor.

 

Diese Worte sprach er‘) zu Jozataq Manda dHaije, dann ging er hin

und schuf eine Welt für die Söhne des Heils®). Die Formung, die der

Zweite geformt hatte, gab er einem der Söhne des Heils. Er nahm sie und

gab sie seinem Sohne Ptahil. Dieser kam dann und warf sie in die Welt

der Finsternis. Er schuf Schöpfungen und bildete Stämme außerhalb des

Lebens, die des Lebens unwürdig sind. [241] Er wurde „des Glanzes bar,

vom Lichte abgeschnitten“ °) genannt, er, der die Stämme in der Welt der

Finsternis abgeschnitten hat, so daß sie abgeschnitten sind.

 

Nachdem Ptahil jene Welt geschaffen und Stämme in ihr gebildet

hatte, richtete und stellte er die Engel des Hauses ‘) auf, daß sie den körper-

lichen Adam und sein Weib Hawwa in jener Welt der Finsternis verehren

sollen. Er schuf in ihr Berge, Meere, Vögel, wildes Getier, Fische in den

Meeren, sowie Früchte, Trauben und Bäume, damit er und sein Weib

Hawwä essen und sich freuen sollen, damit ihn keine Betribnis befalle.

Von den Tieren, sowie den Früchten, Trauben und Bäumen werde Adam

und seinem Weibe Hawwä zuteil, damit er den schönen Körper beruhige.

 

Nachdem Ptahil jene Welt geschaffen, baute er seinen Sohn Adam

nach seiner Gestalt, und nach der Gestalt Adams wurde sein Weib Hawwä

gebaut. Ptahil warf in ihn (Adam) eine Art Geist von seinem eigenen

Geiste, und von den Planeten warf ein jeder in ihn etwas von seinem

eigenen Mysterium. Ptahil und die Planeten, die mit ihm waren, konnten

jedoch Adam und sein Weib Hawwa nicht aufrichten. Alsdann ging Ptahil

zu seinem Vater Abathur, nahm einen verborgenen Mänä, den man ihnen‘)

aus dem Hause des Lebens gab, brachte ihn und warf ihn in Adam und

sein Weib Hawwä.

 

Da flog und kam ein stammbildender Uthra heran, den das Leben zu

ihm gesandt hatte. Adam erhob seine Augen, Hibil warf auf ihn Glanz),

 

 

!) Die Verba stehen wieder im Singular trotz der Beziehung auf x”.

 

?) Siehe oben, p. 95, 4.

 

°) Vier Worte ohne Sinn in diesem Zusammenhange: „bei Jäwar sollen sie schwören

(? Leid. hat 99%) ....“ Hier scheint auch eine größere Lücke zu sein.

 

*) Nach dem Folgenden ist es Abathur, von dem vorher die Rede gewesen sein muß.

 

°) So, siehe dagegen p. 241,13f.

 

°) Siehe oben, p. 194, 24; 209, 34. ?) Siehe oben, p. 15€.

 

®) Abathur und Ptahil, siehe p. 109f.

 

°) So. 87 ist nicht mit Hibil zu verbinden. Auch sonst steht hier 5397 ohne xt.

 

 

 

 

 

241, 18— 242, 21 Zehntes Buch. 243

 

 

Adam nieste und fragte nach dem Leben‘). Ptahil und die Planeten, die

mit ihm waren, sprachen zu ihm: „Lebe, Adam!“°) Da antwortete ihnen

Adam: „Im Vertrauen auf den stammbildenden Uthra, der aus dem Hause

des Lebens zu mir gekommen ist.“ Adam sprach ferner: „Ich bin aus dem

Hause des Lebens’) gekommen, und das Leben war [mit mir?]. Ich bin

Adakas-Ziwa, der aus dem verborgenen Orte gekommen ist‘). «xxx» fiel

in mich und brachte mich her. Dann kommt der gute Bote mir entgegen,

um mich dorthin hinauszuführen, nach dem Orte, aus dem ich gekommen

bin.“

 

Alsdann offenbarte sich Hibil dem Ptahil, als dessen Gedanken sich

verwirrt hatten und alle seine Werke verdorben waren. [242] Da sprach

Ptahil: „Wehe, wehe über meine Werke, über die du die Macht erhalten

hast.“ Ptahil verließ dann die Welt, die er geschaffen, und ging zu seinem

Vater Abathur. Abathur zürnte auf ihn und setzte ihn in den Fußblock

bis zum Ende der Welten. Dann werden Abathur und Ptahil sich gegen-

seitig vergeben’).

 

Dann erhob sich Adam, verneigte sich und pries den Mann, der ihm

die Augen geöffnet und ihn auf die Füße gestellt hatte. Adam schaute hin

und sah alles, was er sah. Adam sah sein Weib Hawwä nackt, und sein

Sinn schämte sich vor ihr. Dies erfuhr Hibil, da kam er zu Adam, während

er sich vor seinem Weibe Hawwä schämte. Dann‘) schuf er Adam und

seinem Weibe Hawwä ein Gewand, womit sie ihre Blöße”) bedeckten.

 

Ein jugendlicher Knabe‘°) ließ sich bei Hawwä nieder, während Adam

keusch bei ihr lebte’). Da sprach Hawwä: „Woher kam der jugendliche

 

 

Knabe, der nicht durch eines Mannes Samen gesät wurde? Der Leib eines 2

 

 

Weibes ist nicht gewachsen, und keine Fülle war ihr? Seine Rede ist an-

genehm, seine Stimme hell. Hibil bar Adam nennt man ihn, den Sohn

Adams von Hawwa.“

 

Hibil bekam einen Sohn, und sein Name war Sitil, und Sitil bekam

einen Sohn, und sein Name war Anos.

 

Alsdann gab sich Adam dem Nachsinnen hin, er sann über seinen

Vater Ptahil nach, darüber, was dessen Vater Abathur jenem anbefohlen

hatte, und darüber, was Hibil in den Sinn Adams und seines Weibes Hawwä

gelegt hatte. Adam und sein Weib Hawwä erhoben sich dann und legten

das Gewand ab, womit Hibil Adam und sein Weib Hawwä bekleidet hatte,

die nach ihrem eigenen Bilde dem Schatze des Lebens glichen.

 

ı) Siehe Lit., p. 55.

 

%, Vielleicht ist dieses „Lebe!“ allgemein ein Zuruf an den Niesenden, prosit, und hier

soll die Entstehung des Brauches erklärt werden.

 

 

3) Leid. hat WW MD ID. +) Siehe p. 109ft.

5) Kaum x statt NYIN77 zu lesen: dann wird ihnen vom Leben vergeben werden.

6) Lies 7UT’NM statt INDN. ?) Siehe p. 1328.

 

 

8) Leid. hat N'OND NIDNN.

9) Verschiedene Berichte über die Geburt Hibils sind im Folgenden nebeneinander

gestellt.

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944 Rechter Teil. 242, 21— 244,6

 

 

Als die neun Monate für Hawwa vollzählig waren, kamen ihr die

Wehen der Geburt. Da sagten die Welten: „Woher kam Hibil, woher hatte

Hawwä einen Sohn, der nicht aus dem Samen Adams entstanden ist? Ja,

das ist ein Wunder zu nennen, das in alle Welten hinausgeht. Es ist ein

Sproß, [243] der in die Tibil hinausging, sich offenbarte und in die Welt

der Menschenkinder kam, Gutes für die Einrichtungen der Menschenkinder )

zu schaffen und die Menschen dorthin zurückzuführen‘), an den Ort, aus

dem sie gekommmen sind.“

 

Dann legte sich Adam hin, gesellte sich seinem Weibe Hawwä, und

sie empfing von ihm eine doppelte Leibesfrucht, einen Mann und ein Weib.

Sie war in ihrem Leibe neun Monate, nach dem, was Ptahil über sie ge-

plant, wie sein Vater Abathur es ihm befohlen hatte. Hawwa gebar dann

ein Zwillingspaar, einen Mann und ein Weib.

 

Alsdann sprach Adakas-Mäna, der aus dem verborgenen Orte ge-

kommen, in Adam und sein Weib Hawwä gefallen war, Adam und sein

Weib Hawwä auf die Füße gestellt, ihre Augen erleuchtet, daß sie sahen,

ihre Füße «++ x», daß sie gingen, ihren Mund geöffnet, daß sie aßen, Adam

die Macht über die Tiere, über die Früchte, Trauben und Bäume, über die

Vögel und die Fische im Meer verliehen hatte, die sein Vater Ptahil ihm

als Nahrung geschaffen, die er Adam zugedacht hatte, — Hibil’) sprach zu

Adam: „Wohlan, nimm die Wolle dieser Tiere und gib sie deinem Weibe

Hawwä, damit sie dir ein Gewand mache als Schmuck für deinen Körper

und den deines Weibes Hawwa, die dein Vater Ptahil dir geschaffen.“

 

Da ging Adam daran, schor die Wolle von den Seiten der Tiere, gab

sie seinem Weibe Hawwä, und sie machte ihm ein Gewand, wie Hibil‘) es

in den Sinn Adams und seines Weibes Hawwa gelegt hatte. Sie machte

ein Gewand als Ehrung für ihren Körper. Und er’) bereitete ihnen ein

Lager und stellte ihnen eine Tafel zum Essen auf.

 

Da gingen jene sieben Planeten umher, stellten sich hin und ersannen

Geheimnis, Gewinke, Haß, Eifersucht und Zwietracht über ihn. Ein Ge-

heimnis legte sich in ihren eigenen geheimen Sinn, das sie dann in Adam

und sein Weib Hawwä warfen. Sie sprachen: „Sie sollen nicht die Rede

des fremden Mannes hören, [244] der hierher gegangen ist, und sollen seine

Lehre nicht annehmen. Da wir Adam geschaffen haben, trete er hin und

gehorche uns und unserem Vater Ptahil. Die Stämme Adams sollen hin-

treten und uns und unseren Vater Ptahil anbeten. Er faßte Liebe zum

fremden Manne, dessen Rede fremd, der Welt entfremdet ist. Manda dHaije

nahm Platz in der Schatzkammer des Herzens‘) Adams und in Adakas-

Mänä, der kam und in ihn gedrungen ist.“

 

 

!) Siehe weiter unten, p. 2483, ®) Lies NN). Leid. hat NII787.

=) Sa ist hier vom Kompilator eingeschoben, siehe oben, p. 243,20.

 

*) Steht für Adakas.,

 

5, D. h. Hibil bezw. Adakas. Hinter ybssımı ist ein Wort wie NO”IN ausgefallen.

) Siehe oben, p. 162, 17.

 

 

 

 

 

244, 6—245, 13 Zehntes Buch. 245

 

 

Da sprach Adakas-Mänä zu den Planeten und allen Welten: „Als sie

mich noch nicht gebracht und in Adam und sein Weib Hawwä geworfen

hatten, haben eure Mysterien Adam und sein Weib Hawwä nicht aufge-

stellt, hat er durch den Geist, den Ptahil in ihn geworfen, den sein Vater

ihm gegeben, dem sein Vater Abathur befohlen hatte, die Augen nicht ge-

öffnet, auf den Füßen nicht gestanden, den Mund nicht geöffnet und sprach

nicht. Er hatte keine Macht über die Werke, die sein Vater Ptahil ihm

zur Nahrung geschaffen hatte. Er lag nicht bei seinem Weibe Hawwä,

und die Menschenkinder erwachten nicht in der Welt: bis ich, Adakas-

Mana, aus dem verborgenen Orte kam. Von mir aus verbreiteten sich die

Stämme in der Tibil. Ich war es, der den Samen in den Uterus der Weiber

säte. Von meinem Samen bildete sich der Fötus im Leibe der Mutter.

Von mir bildeten sich die Augen, von den Augen bildete sich das Mark,

vom Mark bildete sich der Kopf, vom Kopfe aus entstand das Nasenbein ').

Von mir aus entstand der Mund, vom Munde aus entstand die Zunge, von

der Zunge aus entstehen die.....°), von mir aus entstehen die Herzen,

und von den Herzen aus entstehen die Triebe. Diese sind in den Herzen

teils gute, teils schlechte. Alle Formen, die das Kind im Mutterleibe erhält,

kommen dem Kinde im Mutterleibe von mir /,vom Mysterium, das die Pla-

neten, und vom Geist, den Ptahil hineinwarf). Ich ward das Haupt für

alle Mysterien, ich baute den Körperbau der Menschenkinder, und ich ver-

breitete den Stamm der Menschenkinder in dieser Welt. [245] Stünde ich

nicht an der Spitze der Mysterien, wäre ich nicht beim Kinde, so käme

das Kind nicht aus dem Mutterleib heraus. Denn es läge nicht in der

Macht der Mysterien und des Geistes, so ich nicht das Kind baute, ihm den

Weg zeigte und es aus dem Mutterleibe herausbrächte.*“

 

Alsdann’) lag Adam zum zweiten Male bei seinem Weibe Hawwä, und

sie gebar einen Mann und ein Weib. Bei drei Geburten, die sie von Adam

hatte, waren es drei Männer und drei Weiber, von denen aus die Welt sich

belebte. Ihr Name ist im Buch der Bücher niedergeschrieben und ausge-

sprochen.

 

„Wohlan, am Anfange bin ich gekommen, dann bin ich wieder als

Haupt zu den Männern von erprobter Gerechtigkeit gekommen‘). Die

Planeten stehen da°) und tuscheln. Dann schmieden sie einen geheimen

Plan gegen den Sohn der Glanzwesen, der hierher gegangen ist, dessen

Glanz nicht von hier, dessen Licht nicht von dieser Welt war‘). Die Pla-

neten konnten gegen meinen Namen nichts ausrichten, da gingen sie hin

und schmiedeten gegen einen anderen einen geheimen Plan.“

 

2!) Unsicher, siehe Nöld., p. 128, 7.

 

2) x2y heißt sonst „Flügel, Arm“; das paßt hier nicht. Leid. hat 0\2%2y. Siehe

auch oben, p. 133°.

 

®) Die Rede des Adakas wird durch diesen Absatz unterbrochen.

 

*) Die Stelle ist verderbt; NNOYW ist wohl fälschlich aus Z. 7 in Z. 9 wiederholt.

 

6) Lies NONMN.

 

#) Dieser Satz ist vielleicht ganz eingeschoben oder abgeändert.

 

 

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246 Rechter Teil. 245, 13246, 12

 

 

„Mein Name ist: das Haupt Adakas, der verborgene Mana, der aus

seinem Orte gekommen ist. Nibta (Sproß) ist unser Name’), die Welt des

Gesetzes”) nennt man mich, Seele nennt man mich, den Beinamen Mana

gibt man mir, Einlöser der Einlösungen’) nennt man mich, Licht nennt

man mich, das Stöhnen des Lebens‘) ist unser Name, Tannä ist unser

Name, Lebendes Feuer ist unser Name. Ich bin mein verborgener Name

aus dem Hause des Lebens, ich bin Adakas-Ziwa, der aus dem verborgenen

Orte gekommen ist. Mich brachten meine Brüder, die Uthras, her, die Söhne

des Lichtes, meine guten Freunde, die sich von dort aufgemacht hatten.

Sie wurden zu mir gesandt und brachten mich hin. Sie verhängten über

mich den Tod aus der körperlichen Wohnung, in der ich aufgewachsen bin.

Sie bekleideten mich mit Glanz und bedeckten mich mit Licht, das mir von

dort her, aus dem Hause des Lebens, gesandt war. Sie drehten mir die

Stirnlocken auf dem Haupte, legten mir meine Verdienste über die Schul-

tern’) und führten mich zum Hause des Lebens hinaus.“

 

Dann wurde den Geistern und Seelen der Männer von erprobter Ge-

rechtigkeit die Gemeinschaft (mit dem Leben) zuteil, denen, die selber ein-

sichtig waren [246] und bei denen Einsicht schufen, die in dieser Welt,

die voller Täuschung und Blendwerk ist, wohnen. Adam, den Hibil belehrt

und ermahnt hatte, sprach: „Heil dem, der bei dieser Ermahnung des Hihil,

Sitil und Anos feststeht. Die angespornten Männer, die aus dem reinen

Orte kamen und zum reinen Orte hingehen‘), an denen keine Mischung

mit den Sünden und Verfehlungen der Tibil ist, wurden bei ihrer eigenen

Reisezehrung, die aus ihrem eigenen Wohnsitz zu ihnen gelangt ist, die ihr

Vater ihnen gewährte, aufgerichtet. Sie hatten Gewinn, keinen Verlust.

Sie aßen nicht vom verzehrenden Feuer dieser Welt, gaben sich damit nicht

ab, taten nichts von den Werken des Ptahil in der Welt, aßen nicht von

der Reisezehrung der Menschenkinder, sondern sie waren bei ihrer eigenen

Reisezehrung, die aus ihrem Wohnsitz zu ihnen gelangt ist, die ihr Vater

ihnen gewährte, aufgerichtet. Die Täuschung und Schlechtigkeit der Tibil

war nicht bei ihnen, niemand [von der Tibil?] begünstigte sie‘), und sie

hatten mit der Tibil nichts gemein. Nein, mögen die Planeten auch gegen

 

 

‘) Das Suffix schwankt in dieser Aufzählung zwischen der 1. sing. und pl., wohl schon

in der ursprünglichen Fassung.

 

?) Unsicher, siehe weiter unten, p. 2483.

 

°) Der Ausdruck findet sich nur an dieser Stelle. Die angegebene Bedeutung (Ablei-

tung von YD) ist nicht sicher.

 

*) NHMY „Stöhnen“ ist in den mandäischen Schriften häufig (R 87,23: 88, Smae

und sonst), und 07 MN kann kaum anders übersetzt werden. Daß es etwa aus

NY ANDWN) oder N” MNDND verderbt sei, glaube ich nicht. Freilich ist es unklar, was

hier damit gemeint ist.

 

°) Aus dem „Kranze der Siege“ oder „Verdienste“, siehe Joh. II, p. 2.

 

°) Siehe auch Lit., p. 13, 8.

 

?) Zu der hier angenommenen Bedeutung von N’DINI LNID vgl. syrisch NÖND so

und hebr. DD nW:.

 

 

 

 

 

246, 12— 247,16 Zehntes Buch. 947

 

 

sie sein und die Verfolger sie mit Schwert, Feuer und Wasser‘) verfolgen,

so bleiben sie doch kraft ihrer Wegzehrung, ihres Gewandes und des Lichtes,

das ihr Vater ihnen verliehen, siegreich, während die Planeten unterliegen.

[So] ihr euch an diese Worte haltet, fest bleibet, Almosen spendet und euer

Herz im Glauben [verharrt], wird euch die Gemeinschaft mit dem Hause

des Lebens zuteil werden; kraft der Ermahnung der drei Männer werdet

ihr emporsteigen und von der Gemeinschaft mit ihnen nicht abgeschnitten

werden.“

 

Hibil sprach zum körperlichen Adam: „O du körperlicher Adam, der

du dastehst und deine Söhne und Stämme ermahnest, (indem du ihnen

sagest), daß diese Welt nicht nach dem Wunsche des Lebens geschaffen

wurde, mögen sie sich fest an deine Worte halten. Denn vom Leben war

ihnen kein «*x=*+*+°). Diese Welt wurde durch die Verfehlungen [der

Planeten] geschaffen, und die Planeten stehen da, legen sich auf den Schatz

ihres Gemütes’) und verleiten die Menschenkinder zur Sünde.

 

Wenn wir diese Welt verlassen, wenn uns die Stirnlocken gedreht

werden und unsere Verdienste vor uns einhergehen, werden mit uns auch

die wahrhaften und gläubigen Männer hinausziehen, auch die Männer von

erprobter Gerechtigkeit, gebildet von Fleisch und Blut, die auf unseren Ruf

hörten, [247] an unserem Namen festhielten, Almosen spendeten und gläubig

im Vertrauen auf uns aufrecht standen: auch sie werden emporsteigen. Da

wir ihnen den Pfad ausgetreten, den Grenzstein aufgerichtet und den Weg

geebnet haben, auf dem es weder Furcht noch Trübsal gibt, werden sie

emporsteigen und den großen Lichtort und den lichten Wohnsitz schauen,

zu dem unsere Augen emporblicken.“

 

Als die Planeten und Rühä dQudsä hörten, daß Hibil diese Worte an

Adam und seinen Stamm richtete, als Rühä dQudsa es hörte, zerbrach sie

den Schatz‘) an ihrem Halse, raufte sich die Locken vom Haupte aus und

sprach: „Lasset mich diese Welt übernehmen.“ Da sprachen zu ihr die

Planeten und die Söhne der Planeten’): „..... die Menschen werden gar

sehr groß, die Menschen werden gewaltig. Soweit es in unserer‘) Macht

steht, wollen wir handeln, denn wir sind Herren des Willens.“

 

Als sie so sprachen, während Hibil und seine Brüder die Lippen über

sie spitzten, faßte Rühä und die Planeten den Plan, den lügnerischen Christus

zu schaffen, damit er alle Welten zur Sünde verleite, die Welt unter den

Menschen in verschiedene Gebiete und Zungen spalte und die Rede im

Munde der Menschen verdrehe.

 

%) Eine Anspielung auf die drei Weltkatastrophen, siehe p. 271.458.

 

2) Befehl gegeben oder ähnl.

 

3) Ist hier gebraucht wie der „Schatz des Herzens‘, siehe oben, p. 162, 17.

 

#) D.h. den wertvollen Schmuck.

 

>) unond vor DIN NN ist eine irrtümliche Wiederholung des vorhergehenden

ag, Auch DIRI%W NN ist wohl zu streichen. Das folgende Ne) steht vielleicht

äuch irrtümlich da, oder es ist aus nHory verderbt: „Daß nicht etwa die Menschen gar

Behr. ... ‚* 6) Lies WONIONDT.

 

 

in

 

 

15

 

 

30

 

 

[957

in

 

 

wvı

 

 

20

 

 

25

 

 

248 Rechter Teil. 247, 16248, 15

 

 

Als die Planeten diese Worte sprachen, befand sich Manda dHaije dort

bei ihnen im Verborgenen, bei ihnen, den Planeten‘). In einem Augen-

blick kam er heran, richtete das Herz seiner Söhne auf und ließ es auf

seiner Stütze ruhen. Manda dHaije kam, nahm den Planeten ihren Glanz

und verdeckte ihn”), nahm ihnen ihr Herz, [entfernte sie aus?] dem lebenden

Feuer, mit dem sie bekleidet waren, und ließ sie im verzehrenden Feuer,

um Rede und Erhörung darin zu haben und Gutes darin zu ersinnen. Dann

wurde es ihnen genommen. Dann wurde Christus, der Sohn der Rüha, ge-

schaffen.

 

Diese Worte des Nimüsa, als er in Adam fiel®), [248] rief ich ermah-

nend und gab sie den Männern von erprobter Gerechtigkeit: „Ihr Männer

von erprobter Gerechtigkeit! Esset von allen Früchten und Werken, die

Ptahil für seinen Sohn Adam geschaffen hat, sowie von der Frucht, der

Traube und dem Baume, den Vögeln, dem Viehgetier und den Fischen des

Meeres und spendet die milde Gabe. Bevor Nimüsä in Adam fiel, aß Adam

nichts. Nachdem jedoch Nimüsa in Adam gefallen war, stand er und die

Stämme, die mit ıhm waren, auf und aßen.

 

Auch über alle Gewürze und Früchte, die die Erde hervorbringt, sowie

die wohlriechenden Blumen und Gewürze, deren Duft dem Nimüsä, der in

Adam fiel, angenehm ist, sprach Ptahil, daß er an ihnen rieche und es dem

Nimüsä, den er in Adam gelegt, angenehm sei. Es solle ihm und allen

seinen Stämmen in dieser Welt nicht um die Früchte, Trauben und Bäume,

die Vögel, die Fische im Meere und das Viehgetier, Männlein und Weiblein,

die Ptahil ihm geschaffen, leid sein. Er nahm die Frucht, die Traube und

den Baum, er nahm Männlein und Weiblein von ihnen, sie lassen [Samen?]

fallen und tragen Früchte. Von den Vögeln, den Fischen im Meere und

dem Viehgetier steigt das Männlein auf das Weiblein, dann tragen sie und

gebären.

 

 

 

 

 

 

 

 

’) Vielleicht ist das zweite 73% und das folgende }D im Sinne „von“ aufzufassen

und zum Folgenden zu ziehen: Von ihnen den Planeten kam er. Vielleicht ist auch das

zweite 7'020 nach D zu streichen. °) Siehe auch Lit., p. 127, 8,

 

®») Hier ist kein Anschluß an das Vorhergehende vorhanden. SD) wird R 46,6 die

Thora Mosis genannt, es ist also vöpos. Auch R 243, 2; 245,15 kann es im Sinne „Gesetz“

stehen, aber hier kann es diesen Sinn nicht haben, sondern hier kann höchstens die auf das

Gesetz und das Leben nach dem Gesetze achtende Seele gemeint sein. Danach ist hier vöpos

vielleicht mit vos zusammengeworfen. Auch in der Oxforder Rolle G ist XD) in ver-

kehrtem Sinne gebraucht. Z. 173 heißt es, daß die Dämonen des Nbü den Körper und

NDYDM des NN verlassen sollen, und Z. 1004 steht NDYS) am Ende einer Aufzählung von

Dämonen. — Die muslimischen Gelehrten fabeln von einem Namüs, der mit dem Engel Ga-

briel identisch sein soll. Die Äußerungen gehen auf einen angeblichen Ausspruch des Waraga

b. Naufal, des Vetters der Chadiga, zurück. Als diese zu ihm kam und ihm beunruhigt von

den Anfällen und Halluzinationen Mohammeds erzählte, erkannte er darin Äußerungen der

Prophetie und sagte, auf ihn sei der Nämüs gekommen, der auf Moses zu kommen pflegte

(vgl SPRENGER, ZDMG XIII, 1859, p. 690ff.). Auch dieses Nämüs hängt zweifellos mit vönos

zusammen, und auch da ist das Wort mißverstanden, aber ein Zusammenhang mit der An-

wendung von NDS) in den mandäischen Schriften liegt kaum vor.

 

 

 

 

 

248, 15—24 Zehntes Buch. 249

 

 

Heil dieser Welt! Dem Ptahil-Uthra ist in ihr ein Thron errichtet,

und er ist der Leiter dieser Welt, die er gebaut und geschaffen hat. Er

brachte sie nicht in die Gewalt der Rüha und der Planeten und ließ sie

nicht bei ihnen. Rühä und die Planeten verfolgten diese Welt nicht, und

in ihr war keine Trübsal. Ja, Ptahil-Uthra ist für die Lichterde bestimmt,

während Rüha und die Planeten hier in dieser Welt der Finsternis abge-

schnitten werden und ihre Augen das Licht nicht schauen, sie und alle ihre

Geschöpfe.

 

Das Leben steht fest in seiner Skinä, das Leben ist siegreich über

alle Werke. Deren Vater‘) sieghaft ist, sind selber sieghaft, und sieghaft 10

sind Hibil, Sitil und Anos.

 

Und gepriesen sei das Leben.

 

 

in

 

 

 

 

 

!) Nach MIN CD vermute ich YY287.

 

 

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25

 

 

 

 

 

Elites Buch.

 

 

Das Buch nennt sich „Das Mysterium und das Buch des großen Anös“‘, was ebenso

 

 

wie die ganze Einführung besser zum folgenden Stücke paßt. Im zweiten Teile des Buches

ist zwar von Anös (Enös) die Rede, aber hier wird er gerade der kleine Enös (Anöß) ge-

nannt. Stellenweise sieht es so aus, als ob es eine weitere Ausführung zum folgenden Stücke

wäre. Sein Inhalt zeigt einen solchen Mangel an Disposition und Klarheit, wie er selbst in

mandäischen Schriften selten ist. Ich hatte daher die Absicht, dieses Stück unübersetzt zu

lassen. Ich entschied mich schließlich dennoch für eine Wiedergabe, da es besondere sprach-

liche Eigentümlichkeiten aufweist, die zeigen, daß es in einem anderen Kreise als die son-

stigen mandäischen Schriften entstanden ist. Es sind yoy als Plural des Demonstrativs in

dem häufigen Ausdrucke SINN yoy NYI21) „diese drei Männer“ (nur noch R 286, 22), die

Präposition DY „mit“, die Wendung Y 07%) oder } 07%) mit folgendem Partizip, INDY

NDWN statt NONWY) NDY (doch auch R 296, 5). die zweite bezw. dritte Person Pl. Imperf.

mit ausgehendem } statt 71, so PM 257, 14. yny3 251.5, YOYNPN) 251, 12, das archaische

MPYDINN 262, 7. Bei der Erzählung von den Weltkatastrophen kannte der Verfasser eine

Darstellung, die uns sonst unbekannt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Anfange des Buches ist wie oben, p. 235f., vom Eingeborenen die Rede, der aus

sich selber entstanden ist (novoyevjs und adroguns), der einen gleichen Sohn schafft. In un-

klarer Darstellung wird von der Geburt weiterer drei Söhne erzählt. Der Einzige wird auf-

gefordert, für die drei Uthras, seine Brüder, zu sorgen. Die drei Uthras sind im Folgenden

bald Hibil, Sitil und Anö$, bald wird Hibil von ihnen getrennt. An die Stelle des einzigen

Sohnes wird dann Mandä dHaij& eingeführt. Daran knüpfen sich Ermahnungen Mandä dHaijes

an die Gläubigen, der die drei Uthras als Vorbilder hinstellt. P. 256, 24 knüpft wieder an 253 ob.

an. Der Vordere, Erste spricht zu den drei Uthras und schickt sie in diese Welt, um den

Seelen der Gläubigen beizustehen. Die Planeten treten ihnen entgegen, und sie versuchen

besonders Hibil zu umgarnen. Ihre Versuche bleiben ohne Erfolg. Sie fassen nun den Plan,

den ganzen Stamm zu vernichten. Sie versuchen es erst mit dem Schwert, und ihr Angriff

zichtet sich besonders gegen die drei Männer, denen jedoch Mandä dHaije beisteht. Es scheint,

daß von den drei Versuchen mit Schwert, Feuer und Wasser (siehe p. 27f., 45f.) der erste

gegen Hibil, der zweite gegen Sitil, der dritte gegen Anös gerichtet war, doch ist es jetzt

verwischt. Beim Feuer sehen wir p. 261, wie Anö$ an die Stelle Sitils tritt. Anö$ stellt

Betrachtungen über seine Lage und überhaupt über die Vorgänge in der Welt an. Von p- 263

an wird er „der kleine Enös“ genannt. Die Bösen wollen dann die Welt durch Wasser ver-

nichten. Dabei ist p. 263 das Bruchstück eines Sintflutberichtes in die Erzählung einge-

 

 

249, 1—250, 6 Eiftes Buch. Bi

 

 

fügt. Mandä dHaije kommt Enös zu Hilfe und gibt ihm Aufklärung über die Geheimnisse

dieser Welt und die Werke Ptahils. Von Ptahil sind der Himmel und die Sterne, Feuer,

Wind und Wasser geschaffen, die Erde mit ihrem Inhalt, dann nach seinem Bilde Adam,

und nach Rühäs Bild Hawwä. Mandä dHaije verheißt ihm Schutz und Erlösung aus dieser

Welt und steigt zum Leben empor.

 

 

[249] Im Namen des großen, fremden Lebens aus den Lichtwelten,

des erhabenen, das über allen Werken steht, werde Heilung, Sieghaftigkeit

und ein Sündenerlasser zuteil mir NN, meiner Gattin NN, meinen Kindern

NN, meinen Brüdern NN, meinem Vater NN und meiner Mutter NN.

 

 

Das Leben schuf eine Skina,

und Glanz ging im hehren Äther auf.

 

Dies ist das Mysterium und das Buch des großen Anos, des Sohnes

des großen Sitil, des Sohnes des großen Adam, des Sohnes der gewaltigen

Uthras der Herrlichkeit )).

 

Ein Sohn des Lichtortes bin ich‘), ein Sohn des lichten Wohnsitzes

bin ich, der ganz von Uthras bevölkert ist, ein Sohn der Stadt bin ich, die

sanz Güte ist. — Nach dem Plane der beiden Uthras’), nach dem Ge-

danken‘), den sie in ihrem Innern hegen, schufen sie den großen, ersten,

einzigen’) Uthra, der [aus] sich selber entstand. Er nannte sich selbst:

 

 

„Ich bin der Einzige, Große, Gerechte, der aus sich selber entstand.“ Er;

 

 

rief ins Leben und schuf einen geliebten Uthra, damit er ein Unterscheider‘)

sei für (sich und) seinen Vater, den Gerechten, der aus sich selber ent-

standen war, damit er über alle Werke unterrichte, die entstehen sollten,

und Unterweisung vor seinem Vater veranstalte. Er nannte diesen geliebten

 

 

Uthra, den Einzigen, Großen, Gerechten, „Ein Uthra ”, schuf mich“ und ,

 

 

einen anderen Uthra, seinen Sohn, der „der Unterscheider“ genannt wurde‘),

„Einer schuf mich und Einer rief mich ins Leben“. Von den beiden

Uthras, meinen Brüdern, die meine Eltern sind‘), führt einer [250] den

Namen Sarhabel-Ziwä, Sihlün, das gute Licht, der treffliche Ratschläge er-

teilt seinen Brüdern, die älter sind als er, und auch seinen Brüdern, die

jünger sind als er, die zusammen geschaffen wurden. Alle drei wurden in

einem Gewande geschaffen und wurden ein gutes Vorzeichen für die

anderen Seelen, die sehen werden, daß er'°) wahrhaftig, zuverlässig, sanft

 

 

1) Bezieht sich wohl auf Anös, nicht auf Adam, siehe den Anfang des folgenden Stückes.

2) Sprecher ist, wie in der Einführung des folgenden Stückes, Anös.

3) Hibil und Sitil. !

4) NMIIRIT, sonst „Nachsicht, Erbarmen“ wird hier vom Verfasser offenbar mit NYNINY

zusammengebracht. 5) Siehe oben, p. 235.

| % D. h. NWYNND, eigentlich „klug“, siehe auch oben. p. 5. 21: 31, 17, soll hier wohl

„Unterweiser‘“ sein, siehe weiterhin.

?) yamıy ist vielleicht zu streichen, siehe weiterhin.

*) Man beachte den Widerspruch zum Vorhergehenden.

9) Siehe p. 145°.

10) Kaum ein anderer als Sarhabel trotz des Widersinnes.

 

 

-

 

 

5

 

 

in

 

 

39

 

 

959 Rechter Teil. 250, 6—251, 12

 

 

und trefflich ist. Ein anderer führt den Namen Rahziel, der Rüstige, der

Kleinste unter seinen Brüdern. Zwei Gewänder liegen für ihn bereit, daß

er in ihnen bewahrt‘) und in ihnen gedeckt sei vor den Bösen und den

Verderbern, die ihre Eltern, die sie für mich schufen, zu ihnen senden ”

 

Es befahl, ermahnte seinen Sohn und sprach der Vater, jener erste

Glanz, der sich selber nannte „Ich bin der handelte und Erfolg hatte, der

recht tat und fest hielt an dem Neste, aus dem er hervorgegangen war?)*.

Er rief seinen Sohn Z’hir-Smir-Ziwä, der von Sam....... ‘) ein bewahrter

Mänä war. Er sprach zu ihm: „Auf, versorge deine Uthras, deine Brüder,

die deine Söhne sind. Versorge sie mit der Zehrung, die ich dir gewährt

habe. Bekleide sie mit Glanz, bedecke sie mit Licht und lasse sie im Ge-

wande lebenden Feuers weilen, die drei Uthras, die von außen dorthin

gehen, um den Ruf des Lebens vernehmen zu lassen. Man wird sie zu-

sammen aufstellen), ihr Glanz, ihre Rede und ihr Wort sollen zusammen-

passen°). Sie sollen gefestigt werden, «+++ ihre Gestalt; sie sollen zu-

sammen leuchten. Schwert, Feuer und Wasser jener Welt sollen sich ihnen

nicht nahen. Schlechtigkeit, Geheimnis und Winken, die Herren der Not}

drücken auf sie und auf das Gewand lebenden Feuers, in dem sie stehen

und bewahrt sind®), doch haben sie keine Unruhe. Auch wegen des Ge-

wandes, gegen das sie Geheimpläne schmieden und sagen „Wir wollen es

ihnen wegnehmen“ haben sie keine Macht, es ihnen wegzunehmen, und sie

hindern sie nicht [251] es anzuziehen.

 

Der Große, Erste, der aus sich selber wurde, sprach: „Diesen drei

Uthras steht es bevor, daß sie hingehen, Stämme gründen und den Namen

des Lebens und den Glanz des Lebens über jene Welt breiten, in der man

Finsternis und Tod bei ihnen geschaffen hat. Nicht kennen, nicht kannten

alle Wesen, die dort sein werden, die beiden Uthras, die außer mir, Manda

dHaije, eine Welt zu schaffen planen. Ich klärte mich und die Uthras,

meine Brüder, die meine Söhne sind, auf, die drei Uthras, die für dort be-

stimmt und dorthin gerufen sind, die dort Licht in der Finsternis schufen,

so daß Leben im Tode ersteht und sie die Seelen der Erwählten hinaus-

holen, die für das Haus des Lebens bestimmt‘) und begehrt sind, diese drei

Uthras, die von hier dorthin, in jene Welt, gingen; sie werden in ihr festen

 

2) Lies NIIRBRINYT.

 

°®) Das steht da.

 

?) Siehe oben, p. 151, 16; 162, 38.

 

*) MSDNANY, das nur heißen könnte „wurde zersägt“, paßt nicht. Es ist auch kaum

ein Beiname des DND. Abänderungen zu RUNINY oder INONNDY helfen nicht viel.

 

5) Wohl NANONPN zu lesen, doch vielleicht auch NORM) wie weiterhin.

 

°, In dem sinnlosen wmpyb steckt vielleicht eine Form von NW, etwa NYRNWYD

oder YNMWYN.

 

”) Es ist unwahrscheinlich, daß NPN NND Apposition zu den drei vorhergehenden

Nomina sei; vielleicht ist NND zu lesen.

 

‘) Im Texte steht fälschlich „in dem ich stehe und bewahrt bin“.

 

") D hat 07PNy? „die gerufen sind“, was auch paßt.

 

 

 

 

 

251, 12— 2852, 23 Elftes Buch. 253

 

 

Sitz erhalten‘) und der Gemeinschaft mit dem Hause des Lebens teilhaftig

werden, sie werden in der Skinä des Lebens festen Sitz erhalten.

 

Mandä dHaije ruft auch, spricht und belehrt°) alle seine Freunde. Er

spricht: „Wohlan, ich belehrte alle Wesen, die sein werden, und alle Seelen

der Menschenkinder, die dort sein werden: Tod ist dort bei euch in jener

Welt, in der ihr wohnet. Wohlan, ob des Lebens und?) dieser drei Uthras,

die von außen dorthin gekommen sind, den Ruf des Lebens vernehmen zu

lassen und Licht zu schaffen, damit den.Seelen Linderung zuteil werde,

sollen sie*) durch den Ruf des Lebens gefestigt werden, sie sollen bezeugen

und preisen; in jener Welt®) der Finsternis sollen sie Linderung finden,

wenn sie das Gewand der Finsternis verlassen, in dem sie weilten und

wohnten.“

 

Ferner sprach Mandä dHaije: „Ich belehrte euch über das Leben: Das

Leben sandte zu euch Tod und Finsternis, die sitzen und weilen [252] dort

bei euch in der Welt; bei euch wohnen sie. Tod und Finsternis haben

kein Licht. Die dortigen Seelen finden, wenn sie den Rumpf der Finsternis,

in dem sie weilen, verlassen, keine Linderung und schauen nicht das Licht.

Sie verlassen die Finsternis und werden in der Finsternis, die unter ihnen

ist, untergebracht.“

 

Mandä dHaije sprach so zu allen Wesen, die sein werden. Er sprach:

„All ihr Seelen, die ihr dort in Finsternis und Tod geworfen seid, warum

wollet ihr, wenn jener letzte Tag bei euch ist‘), das Behagen der Seelen

der Männer von erprobter Gerechtigkeit ansehen, die auf den Ruf des Le-

bens hörten, denen Manda dHaije zurief und sie dann an ihn glaubten und

dureh ihn gefestigt wurden und an die Rede der drei Männer glaubten?

Manda dHaije brachte ihnen Glanz entgegen, bekleidete sie mit Glanz und

bedeckte sie mit Licht. Behagen in Fülle und Seligkeit in Fülle finden sie,

und ihr Herz freut sich des Behagens, das sie fanden. Ihr werdet da-

stehen‘), während die Männer von erprobter Gerechtigkeit, mit Glanz be-

kleidet und mit Licht bedeckt, an euch vorübergehen und zum großen Licht-

ort emporsteigen. Ihr werdet es ansehen müssen, während ihr in der

Finsternis dieser Welt untergebracht seid und mit euch selber Mitleid habt.

Ihr werdet sagen: Warum hörten wir nicht auf die Rede, die man uns zu-

rief, und zogen nicht auf diesem schönen Wege hinaus, auf dem diese Ge-

rechten hinausziehen?“ Sie sagen: „Wir müssen dulden, weil man uns ins

Ohr gerufen und wir nicht hören wollten.“ Ferner sprechen sie: „Wer will

hingehen und unsere Kinder ermahnen, daß sie nicht (diesseits) zurückge-

halten werden sollen: Gehet nicht auf diesem unserem Wege, übet nicht

die Werke, die wir geübet? Denn wir sind hier in der großen Finsternis

 

 

2) Lies INOINPMN”. 2) Lies WORD.

Sy 7 ist wohl zu streichen oder dafür NY) zu lesen.

4) Bezieht sich auf die Seelen. 5) Lies NOIN2.

 

 

6) Man erwartet ND’RMRYI FNRINT NINIDRI NO.

°%) Lies NNM’NP).

 

 

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254 Rechter Teil. 252, 23—254,5

 

 

untergebracht. Höret ihr vielmehr auf die Rede dieser drei wahrhaften und

gläubigen Männer, bekennet das Leben [253] und bezeuget Manda dHaije.

Diese drei Männer, die Söhne des großen Stammes des Lebens, ließen den

Ruf des Lebens vernehmen und bekannten [das Leben]. Auf jenem Wege,

den die wahrhaften und gläubigen Männer gehen‘), wandelt auch ihr.

 

Man läßt uns nicht hingehen und unseren Kindern sagen: Wir sind

in die böse Finsternis geworfen, und unsere Augen schauen nicht das Licht.

Sie verschließen die Tore der Finsternis vor uns und lassen uns nicht [hin-

ausgehen?]. Täglich, alltäglich lassen sie Pein und Verhängnis gegen uns

los). Jeden einzelnen von uns fragen sie entsprechend den Werken und

Lohn(zahlungen) aus, die wir in dieser Welt, die sie nicht geschaffen, geübt

haben. Zahlreich sind auch die anderen Seelen der Menschenkinder, die

hier wie Lampen dahinsterben, als ob sie nie dagewesen wären, und die

niemand ausfragt. Dann findet auch, weil sie schlechte und häßliche Werke

geübet, dort in der Welt keine Ausfragung bei ihnen statt. Dort sterben

diese, ohne ausgefragt zu werden, und werden dort gefesselt. Was sind

eure Werke, daß ihr nicht wie diese hinsterben sollet, die sterben und zu-

grunde gehen?“

 

Manda dHaije belehrt und spricht über diejenigen, die sterben und zu-

grunde gehen, über diejenigen, die gefesselt sind und ausgefragt werden:

„Tag um Tag +++ +» diese [Seelen], die gefesselt sind und ausgefragt werden,

die der Kaufleute, die Teilhaber von einander sind und unredlich handeln’),

die Brüder von einander sind und doch Räuber‘) und nicht in Frieden mit-

einander sprechen: auch ihnen wird es so ergehen. Ein jeder Näsoräer,

der die Rede des Lebens verläßt und eine andere Rede der Verfehlungen

redet, der den Weg des Lebens verläßt und den Weg der Finsternis

wandelt: auch ihnen wird es so ergehen. Die in der Finsternis dastehen

und deren Seele seufzt, sprechen so zueinander: Bis wann soll ihnen sein

ER ku

 

Mandä dHaije spricht: „Jeden einzelnen fragt man entsprechend seinen

eigenen Werken aus. Die Näsoräer richtet man ihrem Rechte [254] und

die Vornehmen ihren Werken entsprechend. Dann treten die Näsöräer hin

und unterwerfen sich dem Leben, preisen Mandä dHaije und sprechen zu

ihm: „Wir haben gesündigt und gefehlt infolge der Schlechtigkeit der Engel

dieser Welt, die bei uns wirkte, Jetzt vergib uns unsere Sünden. Du,

Mandä dHaije, erlöse uns aus der Finsternis dieser Welt, in die wir ge-

worfen sind.“

 

 

 

 

 

Y) Lies POIR oder FI.

 

°) Lies "DDNW vgl. R 312, 16. TR) ist durch das wiederholte Saw im Folgenden

veranlaßt.

 

?) L 93,14 steht I INPNTY neben anderen Lesungen parallel DYY, Dort könnte es

allenfalls, wie NÖLDEKE Gram., p. 46,8 annimmt, „sich freuen“ heißen, aber hier paßt dieser

Sinn nicht. Vielleicht hat man RPINTIOND zu lesen, siehe die Var. C.

 

» ann für Ftöm auch R 215, 22.

 

 

 

 

 

254, 5255, 15 Elftes Buch. 255

 

 

Dann spricht Manda dHaije zu allen Seelen der Näsoräer: „Die') dort

in die Finsternis geworfen sind und nach mir rufen, die mit dem Zeichen

des Lebens gezeichnet wurden, aber den Weg des Lebens verließen und

im Namen der Ruhä und des Christus zum Jordan hinabstiegen — wer soll

ihnen ihre Sünden erlassen? Jedoch die anderen Seelen, die in den Ver-

fehlungen der Rüha und des Christus wandelten [und mit dem Zeichen der

Rüha und des Christus] nicht gezeichnet wurden, weil sie Almosenspende

und Wohltat in dieser Welt übten, dulden ihren Werken entsprechend, die

sie in der Welt übten, weil sie mit dem Zeichen der Rühä und des Christus

nicht gezeichnet wurden. Diese Seelen dieser Vornehmen und Nasöräer und

aller Pforten, die mit dem Zeichen der Rüuha und des Christus gezeichnet

sind und die Götter dieser Welt bekennen — Rühä und Christus sprechen

zu allen Pforten: „Ja, ich lasse euch zum Paradiese emporsteigen. Wenn

ihr aus eurem Körper scheidet, werdet ihr dort hingehen und Gnade finden.“

Doch Manda äHaije spricht zu ihnen: „Da ist die Finsternis, in die ihr ge-

worfen seid?) und nun nach mir rufet. Da ist das Paradies, auf das ihr

hofftet. Jetzt sind da eure Häuser: die Finsternis, in die ihr geworfen seid,

ohne daß jemand euch aus ihr in die Höhe bringen kann. Tag um Tag,

Jahre um Jahre und Monate um Monate siechen eure Seelen dahin und

werden in jener Finsternis, in der ihr stehet, festgehalten, bis zum Tage,

dem Gerichtstage, bis zur Stunde, den Stunden der Erlösung.

 

Ferner, an jenem Tage, da Himmel und Erde enden, wo Erde und

Himmel eure Häuser waren, in denen die Planeten [255] wandeln: sie ver-

fallen alle. Rüha und Christus, Sonne, Mond und die Planeten nehmen alle

ein Ende. Auch die Menschenkinder, die Ruha, Christus und den Gott‘)

bekannten‘), nehmen mit Rüha ein Ende. Sie nehmen ein Ende am großen

Tage des Endes «+++» und mit Ruha, die euch das Geheimnis des Todes

offenbarte. Nach dem Tode gehet ihr dahin und fallet in die Finsternis.

Ich rief euch zum Leben, an dem der Name des Todes nicht ist. Ich rief

euch zum Lichte, an dem keine Finsternis ist. Ich rief euch zu: „Bekleidet

euch mit Glanz und bedecket euch mit Licht und ziehet hinaus auf dem

Wege des Lebens. Ich will euch auf dem Pfade hinausführen, an dem der

Name des Todes nicht ist, der Name der Finsternis nicht ist.“ Doch ihr

hörtet nicht auf mich, und die Rede der Uthras gefiel euch nicht. Auch

die Menschenkinder, die vom Stamme der körperlichen Adam und Hawwa

sind, die auf den Ruf des Lebens horchten, an ihn glaubten und sich durch

ihn belehren ließen, die auf den Ruf dieser drei Männer horchten und bei

ihrer Rede ...... 5), die den Tod haßten und das Leben liebten, die Finsternis

 

 

2) Vorher ist wahrscheinlich etwas ausgefallen, wohl „die Seelen“.

 

?) Leid. hat AanmYrN, doch siehe weiterhin.

 

s) Var. „die Götter“,

 

4) Leid. hat NIYMN7.

 

5) Jan „verbreiten“ paßt nicht; vielleicht hat MIIRWN) „und fest blieben“ dage-

standen.

 

 

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256 Rechter Teil. 255, 15—257, 4

 

 

haßten und das Licht liebten, sich mit Glanz bekleideten und mit Licht be-

deckten, steigen auf dem großen Wege des Lebens empor; sie kamen und

fanden das Leben’). Auch sie riefen euch den Ruf des Lebens ins Ohr,

doch ihr hörtet nicht darauf. Ihr nun, ihr Söhne Adams und Hawwäs,

warum hörtet ihr nicht auf ihre Worte und gehet nicht den Weg des Le-

bens, den die Gerechten gehen? Jetzt kommet ihr auf dem Wege, den ihr

liebtet, zu eurem Gotte, der euch in die Irre führte. Worauf setztet ihr euer

Vertrauen? Diese anderen Seelen (die) sterben, nehmen ein Ende, ver-

gehen und verlöschen gleich einer Lampe, die in jener Welt [256] der

Finsternis wohnten, und eine Ausfragung findet bei ihnen nicht statt.“

 

Manda dHaije spricht und erklärt den Männern von erprobter Ge-

rechtigkeit: „Diese Seelen, die einen Mord begehen und das Blut eines

Adamssohnes auf die Erde vergossen haben, diejenigen, die Gefangene

machen‘), die verkaufen, was sie nicht mit ihrem Golde gekauft, nieht mit

ihrem Besitze erworben und nicht mit ihrem Handel erhandelt haben, die

hingehen, die Häuser der Freien zerstören und diese zu Sklaven und die

freien Frauen zu Mägden machen, die Seelen der ehebrecherischen Männer

und der ehebrecherischen Frauen, die von Herrschermacht zehren und keine

Wohltat üben, die den Vater züchtigen und den Sohn freisprechen, die

ihnen Stahl und Stärke nehmen, ohne daß sie ihnen entgegentreten können,

so daß ihre Seele über sie betrübt ist — alle Seelen, die die häßlichen

Werke der Engel geübt, nehmen alle ein Ende, alle Götter und ihre Schaaren

nehmen ein Ende.“

 

Auch festigte der Vordere, Erste, der aus sich selber entstanden war,

die drei Uthras, segnete sie und festigte sie und festigte den geliebten Sohn,

den Unterscheider, den Ersten, der aus ihm entstanden war, und sprach

zu diesen drei Uthras: „Ich segnete euch mit einem Segen, wie die Eltern

(mit ihm) ihre Kinder segneten. Gehet in jene Welt, führet dort ihren

Prozeß und sprechet rein die Seelen, die von hier dorthin geholt wurden.

Man brachte sie in jene Welt der Finsternis, in der der Tod herrscht.

Sprechet rein und holet hinaus’) diejenigen Seelen von ihnen, die gerufen

und begehrt sind, die auf die Rede des Lebens hören, durch Mandaä dHaije

gefestigt werden, auf eure Rede hören, mit dem Glanze und Lichte des

Mandä dHaije hinausziehen und im Hause des Lebens gefestigt werden.

Euch, drei Uthras, wird Hibil, euer ältester Bruder, Recht sprechen und ur-

teilen [257] in jener Welt. Denn der älteste Bruder ist (wie) der Vater.

Er wird das Haupt, er wird der Richter über die Richter dieser Welt sein.

Sie rufen ihm zu: ‚Woher ist dieser Kiesel über uns gekommen‘), die da-

stehen und uns in dieser unserer eigenen Welt erzürnen?‘ |Er ist] das

 

 

) Wohl NIWNY zu lesen. 877 ist schwerlich Subjekt.

 

?) PANWY ist zu streichen, siehe hierzu und zum Folgenden Text 232 ob.

 

®) Lies POINMN.

 

*) Der Kiesel ist ein Bild besonderer Härte, siehe oben, p. 217,5. Damit sind hier die

Dämonen gemeint.

 

 

257, 4—258, 8 Elftes Buch. 257

 

 

Haupt unseres Stammes in dieser Welt, dessen Rede, Laut und Wort er-

hört werden.“

 

Der Erste spricht zu den drei Uthras: „Gehet und kehret zurück zur

Skına, aus der ihr hervorgegangen seid, zu dem, was das Leben euch ge-

schaffen, dem Palaste des Glanzes und der Kammer des Lichtes. Ihr werdet

siegreich hinausgehen, wenn eure Werke vollendet sind. Euer Antlitz wird

in Freude leuchten, ihr werdet in der Skinä des Obersten der Glanzwesen

sitzen, dessen Licht mehr als die ganze Welt leuchtet, der die Könige ‘)

überragt, die über jene Welt eingesetzt wurden). Gehet jetzt dahin, mit

Glanz bekleidet und mit Licht bedeckt, eure Stirnlocken seien euch auf

dem Haupte gedreht, und ihr werdet das Haupt des Stammes des Lebens

genannt werden, aus dessen Skina ihr die Seelen holet, die mit dem Rufe

des Lebens zu dem Gemache emporsteigen werden, das ich euch gebaut

habe. Alle Seelen, die an es (das Leben) glaubten, werden als solche von

erprobter Gerechtigkeit bei euch in dieser großen Skina des Lebens und

in dem Gemache des großen Lebens’), das ich euch geschaffen, aufgestellt

werden. Manda dHaije wird euch in dieser Skina aufstellen‘) und euch

zum Hause des Lebens emporführen. Auch alle Seelen der von Fleisch und

Blut Gebildeten, die auf die Stimme des Lebens horchen und gläubig sind,

werden der Gemeinschaft mit dem Hause des Lebens teilhaftig werden.“

 

Die Planeten stehen da und sinnen auf Böses gegen sie in dieser

Welt. [Sie sagen:] „Sie sollen uns erblicken und sich vor uns fürchten

und sich uns unterwerfen.“ Ferner sagen sie: „Wir wollen ihnen unser

Kleid wegnehmen, und es gehöre uns.“ Sie erhoben ihre Stimme gegen

sie, doch sie bebten nicht und erbebten nicht, und Beben und Furcht war

nicht bei ihnen. Ferner sagen sie: „Dann wollen wir sie durch Schlauheit,

Schmeichelei und Liebtuerei umschmeicheln; sie stehen aber doch nicht zu

uns und lassen sich von uns nicht umschmeicheln.“ Ferner sprechen sie:

„Wir wollen [258] an sie mit Sanftheit und Güte herantreten; vielleicht

kommen sie zu uns und halten es mit uns.“

 

Hibil der Gerechte sprach zu seinen Brüdern und Söhnen‘): „Gehet

hin, tretet unter sie. Jetzt wollen sie mich zu ihrem Herrn machen, jetzt

wollen sie mich anbeten. Sie sprechen zu mir: Wir wollen dir einen Opfer-

kuchen bereiten. Wohlan, ich werde weder durch ihre Anbetung noch

durch ihren Opferkuchen von ihnen eingenommen. Ich will sie hinstürzen

und liegen lassen und Gier und Glut über sie alle werfen. Wenn ich aus

ihrer Mitte scheide, werden alle Welten dann durch ihre eigene Gier er-

hitzen und werden erglühen.* So sprach ich zu meinen Brüdern, erklärte

 

 

 

 

 

 

 

 

1) B hat „Uthras und Könige“, aber n’9nıy ist wohl zu streichen. Zu NIIDND siehe

6°.

; 2) Dahinter steht noch „und machten ihn zur Festigkeit‘ oder „zum Leuchten“, doch

gehören die Worte nicht hierher.

°) Lies NOT NIIT NIIT NIIMY) *) Lies IINOWNPN.

5) Zu seinen jüngeren Brüdern, die seine Söhne sind, siehe oben, p. 145°.

Lid„barski, Ginza. 17

 

 

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258 Rechter Teil 258, 8—259, 13

 

 

auch so meinen Söhnen. Ich ging hin und trat unter sie (die Planeten),

während sie mir entgegengehen und sprechen: „Komm, Herr der Götter,

Herr der ganzen Welt.“ Die Planeten freuen sich, Rüha, die mit ihnen

war, freut sich. Sie sprechen zu mir: „Komm, sei unser Haupt, sei das

Haupt der ganzen Welt.“ Rühä, sie und das große Wesen’) nahmen die

Krone von ihrem Haupte herunter. Die Planeten verneigen sich vor mir

und sprechen zu mir: „Nimm von uns die Anbetung, nimm von uns den

Opferkuchen an.“ Doch ich erwiderte so der Rüha und allen Planeten:

„Ich bin kein Mann, der Bestechung annimmt oder die Rede, mit der seine

Eltern ihm befohlen, und die Worte, mit denen seine Eltern ihn ermahnt

haben, in den Wind schlägt.“

 

Als Rühä dies hörte, sprach sie zu den Planeten: „Der Mann gehört

nicht zu uns, und seine Rede ist nicht von eurer Rede, Er hat keine Ver-

bindung (Mischung) mit euch, und er ist nicht ein Kind eurer Rede. Seine

Rede kommt von außen her. Ich habe ihn, den Fremden °), jetzt zu be-

tören gesucht, doch er ließ sich nicht betören. Nun wollen wir einen Ge-

heimplan gegen ihn schmieden, vielleicht werden wir ihn durch den Ge-

heimplan einfangen.“

 

Sie reden mit mir in Falschheit, doch ich bin fälscher als sie. Sie

reden in Verschlagenheit, doch ich bin verschlagener als sie alle. Sie alle

setzten sich wieder hin und wissen, daß ich ihnen entweichen werde. Sie

sprechen: „Rede zu uns mit deiner reinen Rede und singe uns von deinem

wunderbaren Gesange vor’).“ Da sprach ich mit meiner reinen Stimme

und sang von [259] meinem wunderbaren Gesange vor. Ich singe wunder-

barer als alle Welt. Ich spreche mit meiner lieblichen Rede, die lieblicher

als alle Welt ist, an der keine Mischung mit Lüge ist. Ich sang und stürzte

sie hin und warf Schmach über sie alle. Ich sprach und beschämte sie;

nicht glich mein Gesang ihrem Gesange, nicht glich meine Rede ihrer Rede.

Ich erhob mich aus ihrer Mitte und warf Schmach über sie alle Sie

schlossen ihre Augen‘), und sie alle ängstigten sich und waren betrübt °). Ich

lachte sie aus und beschämte sie‘) und ließ ein Gelächter über sie alle los.

Ich erhob mich, verließ sie und wich aus ihrer Mitte, aus dem Gewande,

an dem Fraß ist und aus dem übler Duft dringt. Ich ging hin, zog das

reine Gewand an’), das meine Eltern mir verliehen, das reine Gewand, in

dem wir weilen, an dem weder Fraß, noch übler Duft ist. Sein Duft ist

wundersam, und der Glanz meiner Brüder ist lieblich an mir #):

 

‘) Wie oben, p. 187, 16; 188, 1 steht hier My, eigentlich „Sein“. Es ist der Gott

der Juden, also so viel wie Jörabbä, der große Jo.

 

®) Wohl w'87215 Abb zu lesen. ») Vgl. Joh. II, p. 165.

 

*) 387) bei Augen auch R 294, 13 (CD, Leid.); es ist wohl IM „umkreisen, umschließen“.

 

5) Statt NIPIRD DRIN ist NIIINW INTEND zu lesen. mW ist häufig neben 7,

siehe R 146, 5; 158, 10; 353, 19; L 21, 17. n

 

6) Var. „ließ sie weinen“. ”), Wohl MW25 zu lesen.

 

°) Wohl so aufzufassen, nicht: ‚und die Gesellschaft meiner Brüder ist mir angenehm.

 

 

259, 13—260, 16 Elftes Buch. 259

 

 

Sie stehen da und schmieden einen Geheimplan gegen mein Gewand,

sie fassen ein .....') gegen mich und sprechen: „Womit können wir diesen

Stamm fassen und ihn: aus der Welt verschwinden lassen?“ — „Mit dem

Schwert?“ sagen sie zueinander, „das Schwert reicht an sie nicht heran.

Vielmehr mit Feuer wollen wir sie fassen und diesen Stamm beseitigen.

Wenn das Feuer an sie nicht heranreicht, wollen wir sie mit Wasser fassen

und diesen Stamm beseitigen.“

 

Rüha spricht: „Wohlan, wir wollen ein wenig warten.“ Da sprechen

die Engel, und die Planeten beraten sich: „Wenn Schwert, Feuer und

Wasser die Welt hinrafft?) [und?] das Haupt dieses Stammes, so wird die

Welt gleich ihm sein.“ Alsdann sprechen sie: „Wir wollen von diesem

Sauerteig nehmen, der in unserem Schatzhaus aufbewahrt ist’).“ Alsdann

nahmen sie von dem Sauerteig der Welt, der in ihrem Schatzhaus‘) auf-

bewahrt ist, damit eine Welt aus ihm [260] entstehe. Sie ließen das Schwert

los und nahmen gegen uns »+x xxx.

 

Das Leben wußte dort, was hier vorgeht, daß sie gegen uns Pläne

schmieden. In einem Augenblick kam Manda dHaije, brachte Glanz, brachte

lebendes, urerstes Feuer und Licht aus dem Hause des Lebens. Er be-

kleidete Hibil mit Glanz, bedeckte ihn mit Licht und bestimmte das Ver-

hängnis vor dem Schwert‘). Diejenigen Seelen, die den Ruf der drei

Männer bezeugten und an Mandä dHaije glaubten, [schieden] vor dem

Schwert.

 

Hibil ging hinaus, ohne daß die Planeten wußten, daß er von hier

fortgegangen war. Er legte einen Weg an und richtete einen Wegstein

auf für seine Brüder, die er hier im Gewande des Lebens zurückgelassen

hatte, unter denen er geweilt hatte. Den Geistern und Seelen der treff-

lichen Männer wurde Behagen in dieser Welt zuteil, und sie wurden der

Gemeinschaft mit dem Hause des Lebens teilhaftig. Manda dHaije schuf

Gutes für diejenigen, die am Namen und an den Worten dieser drei Männer

festhielten.

 

Alsdann fiel das Schwert in die Welt. Da befahl Mandä dHaije dem

Sitil: „Richte deine Augen auf deinen Sohn Anos, der dein jüngerer Bruder

ist, und auf das Gewand lebenden Feuers, in dem ihr stehet. Ich will hin-

 

 

1) Die Bedeutung von ND hier, wo es parallel X70% steht, und Text 269, 23 ist

unsicher. Die sonstigen Bedeutungen in den mandäischen Texten „Feier“ und „Matte‘‘ passen

nicht. Auf den Zauberschalen kommt es anscheinend im Sinne von „Beschwörung‘ vor, siehe

MONTGOMERY, Aramaic Incantation Texts, p. 162 (nicht „Schale“, wie M. annimmt);

vielleicht liegt derselbe Sinn auch hier vor.

 

2) Vielleicht ist NIY\N2 zu lesen: wenn wir mit Schwert usw. hinraffen.

 

8) Lies 937, siehe weiterhin; IND, RUN ist durch Text Z. 19 beeinflußt. Die

folgenden Worte NTORONRDRD xDyyır gehören nicht hierher; siehe Text, Z. 18. Vom

Sauerteig der Welt, aus dem Dinge geschaffen werden sollen, ist nur in diesem Stücke die

Rede. 4) Lies MR.

 

5) Daß sie vor der Vernichtung der Menschen durch das Schwert abscheiden- sollen,

siehe L 20, 23 ff. y

 

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260 Rechter Teil. 260, 16—268, 2

 

 

gehen, Hibil in dem neuen Gemach einen Platz anweisen und komme dann

rasch zu euch. Fürchtet euch nicht vor dem Schwert der Planeten, und

Furcht und Angst sei nicht bei euch. Hernach, wohlan, komme ich zu

euch‘). Das Auge des Lebens ist auf euch gerichtet. Ich bedeckte euch

mit dem Gewande des Lebens, das es euch verliehen hat. Fürwahr, ich

bin bei euch. Jedes Mal, da ihr mich suchet, werdet ihr mich finden,

jedes Mal, da ihr mich rufet, [261] werde ich euch antworten. Ich bin

nicht fern von euch.“

 

Diese Worte richtete Mandä dHaije an Sitil. Auch Sitil reichte ihnen’)

Kusta. Da sprach Hibil zu Sitil: „Komm bald nach mir hin, und Anos

komme nach dir. Auch alle Seelen der Männer von erprobter Gerechtig-

keit, die das Leben bekannten und hinausziehen, sollen vor dir hinkommen

und nach dir hinkommen auf dem Wege, auf dem wir hinausgezogen sind,

den Manda dHaije für uns errichtet hat.“

 

Rühä und die Planeten wußten es nicht. Sie zogen hinaus und warfen

das Schwert in die Welt. Doch diese Männer erreichte das Schwert nicht,

weil Manda dHaije bei ihnen war. Nachdem Ruhe in dieser Welt einge-

treten war, sahen die Engel, die über den Zorn eingesetzt sind, daß diese

Männer in ihrem Glanze aufleuchteten und in dieser Welt dastehen, da

gingen sie hin und sprachen zum großen EI und zu Ruüha: „Fürwahr diese

Männer stehen in ihrem eigenen Glanze da, und das Schwert reichte an

sie nicht heran.“ Alsdann nahmen die Planeten vom Sauerteig der Welt,

der sich in ihrem Schatzhause befand und bei ihnen bewahrt war, «xxx*x*«

Räm und Rüd, von den Kindern Adams°), von denen aus die Menschen-

kinder erweckt werden sollten. Diese Männer stehen in ihrem Glanze in

der Welt da, und sie‘) vermögen nichts gegen sie. Dann nahmen sie von

je zweien aus der Welt xx x++»-

 

Ruha und der große EI] gerieten in Zorn und sprachen zu den Engeln,

die über den Zorn eingesetzt sind. Sie sprachen zum Engel Daniel, der

über das Feuer eingesetzt ist°): „Wirf Brand in die ganze Welt, vielleicht

werden wir ihnen mit Feuer beikommen‘).“ Da warfen sie Feuer in die

Welt. Da kam Mandä dHaije, trat zu diesen Männern, und das Feuer

reichte an sie nicht heran. Nachdem Ruhe in dieser Welt eingetreten war,

[sehen die Engel, «++ »+»], daß diese drei Männer [262] in dieser Welt da-

stehen und sie nichts gegen sie vermögen. Da gingen diese Engel, die

über den Zorn eingesetzt sind, und sprachen zu ihren Göttern’): „Diese

 

 

") Die folgenden Worte bis NIIRDND in Z. 22 sind eine irrtümliche Wiederholung.

 

2) Den Frommen seines Geschlechtes.

 

°) Lies DNINT 132 9 7 (oder DR) DNY7. Vielleicht hat NINO vor DNT ge-

standen, vgl. Text 262, 5. Vorher fehlt noch mehr.

 

*) Die Planeten bezw. die Engel.

 

5) Er wird nur an dieser Stelle genannt. Aus dem Daniel des Feuerofens wurde ein

Engel des Feuers. Die Form des Namens wird mit dazu beigetragen haben.

 

®) Hinter DYPY ist etwa nmmındy zu ergänzen. ”) Rüha und Bl.

 

 

262, 2— 263, 5 Eiftes Buch. 261

 

 

Männer stehen in ihrem Glanze in dieser Welt da, und ‚wir vermögen

nichts gegen sie').“

 

Da nahmen sie vom Sauerteig dieser Welt, der bei ihnen in ihrem

Schatzhause aufbewahrt war, «+++++ und ihr Name war Surbai und Sar-

habel aus dem Stamme Adams, von denen aus die Welt erweckt wurde.

Dann kam Mandä dHaije, holte den trefflichen Sitil heraus, der gute Rat-

schläge erteilt, bekleidete ihn mit einem trefflichen Kleide des Glanzes und

bedeckte ihn mit einem Gewande des Lichtes, so daß sein Glanz sich in

der ganzen Welt zeigte. Er führte ihn hinaus auf dem Wege, auf dem

Hibil gegangen war, und ließ ihn in dem Gemache?) wohnen, in dem Hibil

gewohnt hatte und wo für die Seelen die Gemeinschaft mit dem Hause des

Lebens hergerichtet ist, für die es keine Trennung gibt. Er ließ Anos in

diesem großen Gewande, in dem seine Brüder gewohnt hatten, das seine

Brüder dem Ano$ anvertraut und seine Eltern ihn damit gerüstet hatten’).

Manda dHaije sprach zu Anos: „Fürchte und ängstige dich nicht und sage

nicht: sie haben mich allein in dieser Welt der Bösen zurückgelassen. Denn

bald komme ich zu dir.“ Ich‘) stehe da und reibe mich in meinem Ge-

wande ab, doch mein Herz ist mir nicht bedrückt°), und mein Gewissen

ist mir nicht bedrückt. In meinem Innern stelle ich Betrachtungen an,

allein stehe ich [in] dieser [Welt] und spreche: „Wer wird die Schlechtig-

keit dieser Welt wegnehmen? Alle meine Brüder waren hier bei mir, und

ich wuchs bei ihnen auf, gleich einem Sohne, den seine Eltern groß zogen

und seine älteren Brüder ...... %, Ich wuchs unter ihnen auf, während

sie in dieser Welt der Bösen und Verderber sprechen und hören. Was

soll ich nun allein in dieser Welt der Bösen anfangen?“ Ich bildete

Gleichnisworte, ich bildete ein Gleichnis über mich und sprach:

 

[263] „Wer hat euch, meine Füße, hierher gebracht,

 

wer brachte mich zur Wohnung der Bösen empor? ')“

 

Ich stehe im Gewande meiner Brüder da, das das Leben ihnen ver-

liehen. Alsdann spreche ich: „Wohin geht diese Welt, worauf wandelt sie?“

Da meine Brüder hier waren, rief ich meine Brüder über die Welt heran,

doch fragte ich sie nicht über sie‘). Ich hob meine Augen empor und be-

 

 

3) Lies NImRdy IRINTYI-

 

2) So nach B. Die anderen Handschrr. haben „an dem Orte“.

 

3) Bei der jetzigen Form des Textes muß man diese Worte auf NW2>2 beziehen, aber

es ist mir zweifelhaft, daß es so ursprünglich sei. Vielleicht ist vor N’YIPND) eine Lücke,

vgl. Text 258, 17. 4) Von hier an spricht Anös.

 

5) Zu I siehe Nöld., p. 40, 14. DM findet sich nur an dieser Stelle. Es gehört

wohl zu hebr. und jüd.-aram. DUM.

 

e) FO2Dn!n, das dasteht, gibt keinen Sinn. Ein Pael von ID) findet sich auch sonst

nicht. Schwerlich Fb'ODN3H „sie betrüben ihn“ zu lesen.

 

?) Siehe p. 154, 20.

 

) Der Widerspruch würde behoben werden, wenn man yanbmRy‘ läse, doch ist im

Folgenden von einer Frage an die Brüder nicht die Rede. Dahinter kann man auch ndy

„vielmehr“ lesen.

 

 

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262 Rechter Teil. 263, 5264, 13

 

 

trachtete die ganze Welt: den Himmel, die Sterne, die an ihm aufgegangen

sind, die Sonne und den Mond, die Engel, die über den Himmel eingesetzt

sind, die auch über die Erde eingesetzt sind, die zwölf Tierbilder, durch die

Sonne und Mond wandeln‘), über diese Engel, die über Wasser, Wind und

Feuer eingesetzt sind, über die Erde, worauf sie gestützt ist, über die Berge

und die Meere, über die Früchte, Trauben und Bäume. Wer wird mir über

sie sagen, woher sie kamen, worauf sie gestützt sind und worauf sie stehen?

Über diese Ablösung (der Sterne)*), die beim Morgengrauen aufgeht, und

über die vier Engel, die sie hinziehen. Über die andere Ablösung, die bei

Nacht aufgeht; Engel ziehen sie dahin; sie gleichen einander nicht‘). Über

diese Ablösung, die bei Tage aufgeht, und den Menschenkindern leuchtet

und Licht bringt. Diese bringt ihr Licht überhaupt nicht zum Hause des

Lebens empor‘), sondern ist nur für das von den Menschenkindern Ge-

machte und Geschaffene. Es gibt manche, die sich darüber freuen, manche,

die darüber betrübt sind und sprechen: „Warum ging der Tag auf und

warum kam der Morgen?“ Und diese andere Ablösung, die bei Nacht auf-

geht: es gibt manche, die sich darüber freuen, manche, die darüber betrübt

sind und weinen und sprechen: „Warum kam die Nacht und warum ging

der Mond auf?“ Diese Sterne, die am Himmel stehen, wandeln bei Tag

und Nacht, gehen umher und drehen sich am Himmel und haben keinen

Stand an einer Stelle. [264] Sie schaffen nichts Gutes den Menschenkindern.

Den einen verarmen sie, den andern bereichern sie; Schaden bereiten sie

jedem Menschenkinde. Den Sklaven machen sie zum Freien, den Freien

machen sie zum Sklaven. Sie hintergehen hier die Seelen der Menschen-

kinder und verführen sie zur Verfehlung. Sie überlisten sie und halten

manche Seelen von ihnen bis zum letzten Tage bei sich zurück).

 

Als ich sah, daß die Welt so beschaffen ist, bebte und erbebte ich,

und mein Körper, der gestreckt war, knickte zusammen. In mein Herz

drang Stöhnen, in meine Fersen drang Zittern, und sie blieben nicht auf

ihrem Gestelle fest stehen. Ich stellte so Betrachtungen an und sprach:

„Meine älteren Brüder ließen mich in dieser Welt der Bösen zurück, und

sie kommen nicht und erlösen mich nicht von hier. Dabei sagte mir Manda

dHaije: Ich will selber zu dir kommen.“ Ich stelle Betrachtungen an und

empfinde Mitleid mit meinen Brüdern‘), die nicht kommen und mich von

 

 

t) Entweder ist NIMIND oder NIMIDNMD zu streichen. Dahinter etwa wandnn Dy

poRn, siehe vorher. Hier ist kaum gesagt, daß auch die Engel durch sie wandeln und mit

ihnen die Planeten gemeint, siehe auch p. 265 ob.

 

2) Vgl. Joh. IL p. 203%

 

®) Bezieht sich wohl auf die Ablösungen, nicht auf die Engel.

 

*) Gemeint ist wohl nur die Ablösung des Tages, danach ist 777) zu lesen. Die Auf-

fassung der folgenden Worte ist unsicher.

 

5) Ich lese mit B NRIOT mit Bezug auf die Menschenkinder, nicht 839 mit

Bezug auf die Sterne: manche von ihnen halten die Seelen zurück.

 

6) WIONTRIND, das dasteht, paßt nicht; vielleicht NIORONTIN „ich zürne“.

 

 

264, 13—265, 20 Elftes Buch 263

 

 

hier nicht erlösen, der ich allein in meinem Gewande dastehe, das meine

Brüder auf mir in dieser Welt zurückgelassen haben.

 

Die Bösen ließen sich nieder und sinnen auf Böses gegen mich. Ich

höre, wie sie die Engel, die über den Zorn eingesetzt sind, rufen, (indem

sie sagen): „Das Leben erwachte in Fülle, und die Menschenkinder waren

in Fülle da. Sie sprechen in der Rede des fremden Lebens, sprechen in

der Rede dieser drei Männer. Sie schließen sich dem Leben an und unter.

werfen sich diesen drei Männern. Sie erheben sich gegen uns und ver-

achten uns in dieser unserer eigenen Welt').“ Sie beraten sich miteinander

gegen mich und .....”) in ihrem Innern, daß sie mir nichts anhaben

können. i

 

Wie sie den geheimen Plan gegen mich schmieden und gegen das

Gewand, in dem ich dastehe: zu wem blicken da meine Augen empor und

zu wem habe ich Vertrauen? Ich hoffe auf Manda dHaije, daß er komme

und mir eine Stütze sei [265] in dieser Welt, daß er mich von den Bösen

errette, wie er meine Brüder von dem Schwerte und dem Feuer der Bösen

dieser Welt errettet hat.

 

Ich, der kleine Enös, war Jahre über Jahre «+*+++, wo meine Brüder

waren. Ich überrage sie hier, wo ich doch nach ihnen in diese Welt kam

Da micht ....... Sie, die Bösen, sinnen gegen mich und gegen das

Gewand, in dem ich stehe und bewahrt bin, sie, die Bösen, die den Ruf

des Lebens haßten. Wer soll [den Ruf des Lebens] in dieser Welt rufen?

Sie sprechen zueinander: „In unserer eigenen Welt soll man den Ruf des

Lebens nicht rufen, sie gehöre vielmehr uns.“ Sie riefen dann die Engel

des Zornes und befahlen ihnen: „Steiget hinunter zur Erde Tibil und saget

Noah: Baue eine Arche. Rufe und setze Zimmerer hin, gehe hin und fälle

Zedern aus dem Lande Libanon und weibliche Zedern®) aus dem Berge

Jatur‘).“ Saget ihm: „Setze Zimmerer hin und baue eine Arche, nimm von

jeder (Art) zwei, Männlein und Weiblein’), und setze sie in den Kasten,

den du herstellst, denn wir wollen die Welt hinnehmen.“

 

und gegen‘) das Haupt dieser drei Männer, gegen dieses Gewand, in

dem ich stehe ..... Denn die Planeten sagen: „Vielleicht vertilgen wir

sie aus dieser Welt, daß niemand ihren Namen und ihre Rede ausspreche

und niemand ihre Rede höre.“ Denn sie, die Bösen, die Herren des Hauses’),

wissen, daß ich allein dastehe, und schmieden zum Bösen einen geheimen

 

 

t) Diese Sätze stammen wohl aus einem anderen Zusammenhange. Sie sind hierher

gesetzt und als Rede der Engel gedacht.

 

2) Vielleicht ist NIAMND) zu lesen: „und sie schämen sich“.

 

=), Siehe Joh, p. 157.

 

*) Wird nur an dieser Stelle genannt, siehe hingegen R 380,11. In dem Namen steckt

vielleicht Athür (siehe NÖLDEKE bei Löw, Aram. Pflanzennamen, p. 60), so daß die assy-

rischen Berge gemeint sind.

 

5) Siehe den Wortlaut R 380, 14.

 

%) Gehört zu Z. 21.

 

?) Siehe p. 106, 8.

 

 

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264 Rechter Teil. 265, 20— 267,7

 

 

Plan gegen mich. Gleich an dem Tage, an dem meine Brüder mich ver-

ließen, legten sie Waffen an und kämpften mit mir. Täglich, alltäglich

suche ich ihnen zu entrinnen, da ich allein in dieser Welt dastehe. Meine

Augen blicken zu Manda dHaije empor, der mir sagte: „Bald komme ich

zu dir.“ Ich denke über meine Brüder nach, daß sie ihm nicht gegen mich’)

raten [266] und sich ihm nicht gegen mich unterwerfen. Täglich blicken

meine Augen zu dem Wege empor, den meine Brüder gehen, und zu dem

Pfade, auf dem Mandä dHaije kommt. Ich schaue hin und sehe, daß die

Pforte des Himmels sich öffnete. Eine Wolke des Glanzes und des Lichtes

erschien, vor der alle Wesen, die sie erblickten, erschraken. Als ich nun

die Liehtwolke erblickte, in der Manda dHaije kam, da spitzte ich, der kleine

Anos, meine Lippen über die Herren des Hauses. Mein Körper, der zu-

sammengeknickt war, streckte sich, mein Herz, in das Seufzen eingekehrt

war, stützte sich auf seine Stelle, und meine Fersen, die zitterten, standen

fest auf ihrem Gestelle. Mandä dHaije kam, rief mir zu und sprach zu mir:

„Kleiner Enos, warum ängstigtest du dich, warum bebtest, warum erbebtest

du? Warum knickte dein Körper zusammen, warum kehrte in dein Herz

Seufzen ein und warum zitterten deine Füße auf ihrem Gestelle?“*

 

Einmal spreche ich, einmal wiederum fürchte ich, vor Manda dHaije

zu sprechen. Da sprach Manda dHaije zu mir: „Kleiner Enos, fürchte dich

nicht vor mir. Da Schrecken dich in dieser Welt befiel, kam ich, um dich

aufzuklären. Fürchte dich nicht vor den Bösen dieser Welt und vor den

\Wasserfluten; sie sollen über deinem Haupte hinweggenommen werden.

Wie sie über deine Brüder Schwert und Feuer brachten und Schwert und

Feuer an sie nicht heranlangen konnten, so werden auch die Wasser-

fluten an dich nicht heranlangen. Ich werde dir Glanz und Licht bringen,

die dir Helfer sein und dir beistehen sollen. Deine Kraft soll über sie

kommen, und deine Gestalt sei gleich diesen zweien, die mit dir hinausge-

zogen sind und mit diesem Gewande, das zum Hause des Lebens gegangen

ist, indem es in Glanz erschien. Deine Gestalt”) gleiche Hibil und Sitil.

Die Bösen der Welt sollen sagen: „Diese drei Männer sind in der Welt,

jedoch sind sie keine Männer, sondern Glanz und Licht ist es, das seine

Gestalt zeigt [267] in dieser Welt beim kleinen Enos, der allein in dieser

Welt dasteht.“

 

Ferner sprach Mandä dHaije zu ihm: „Komm, ich will dir über die

häßlichen Mysterien dieser Welt offenbaren, die du sahest und vor ihnen

erschrakest; über den Himmel, der ausgespannt ist, und über die Sterne,

die aufgegangen sind, die an ihm schimmern. Der Himmel aus Wasser

****+*, und lebendes Feuer und verzehrendes Feuer sind an ihm ange-

zündet. [Angezündet sind?] die Sterne durch das verzehrende Feuer, sie

leuchten durch die Kraft des lebenden Feuers, von dem der Himmel ange-

 

 

 

 

 

Y) Lies „dy.

?) Lies RM".

 

 

 

 

 

267, 7— 268, 7 Elftes Buch. 265

 

 

zündet ist, und wuchsen‘). Diese zwölf Tierbilder, (durch die die Planeten, )

durch die Sonne [und Mond] gehen: hätte Ptahil diese Sterne nicht ge-

schaffen, so hätten Sonne und Mond keinen Gang.

 

Siehe, die Finsternis, die entsteht, wenn die Sonne untergeht und der

Mond aufgeht: Ptahil dachte über das Feuer, das Finsternis ist“), daß Nacht

und Tag werde zur Rechnung und Zählung der Menschenkinder, zur Zäh-

lung der Jahre, Monate und Tage.

 

Siehe, ich offenbarte dir über den Wind’), über das Wasser und über

 

 

die zwei [Engel »«+«««]. Ich sage dir, daß er daraus geschaffen wurde,

 

 

aus der Kraft des Wassers und des lebenden Feuers, und den beiden Engeln,

den Leitern dieser Welt, übergeben wurde‘), die über Wasser und Regen

eingesetzt sind, über Hagel, Not”) und Hunger und Sättigung, die unter

dem Befehle ihrer Götter handeln.

 

Über das Feuer will ich dir sagen, aus wessen Einhüllung es ge-

kommen ist) und welcher Mann es geschaffen hat. Ptahil schuf es, jedoch

aus”) Frucht, Traube und Baum wurde es, aus der Wurzel von Frucht,

Traube und Baum wurde es, aus ihnen wurde es geschaffen, sie zu ver-

zehren °).

 

Über das Wasser will ich dir sagen, woher es sich ergossen hat und

woher es gekommen ist. ...°) und lebendes Feuer entstand. Aus dem

Hause des Lebens wurden sie geschaffen, und man brachte sie‘) hierher.

Dann veränderte sich das lebende Feuer, [268] und das Wasser wurde trübe

ohne zu leuchten durch die Hand Ptahils des Mannes, den sein Vater ge-

sandt, Himmel und Erde zu bauen. Er vollzog, was sein Vater ihm be-

fohlen, und die Werke und Schöpfungen, die er mit seiner Hand schuf,

werden Bestand haben.

 

Dieses Geheimnis vom Himmel offenbarte ich dir, nun will ich dir

über das Geheimnis der Erde offenbaren. Siehe, die Erde ist schwarzes

Wasser. Es (das Wasser) entstand hier, nachdem dieses Geheimnis ent-

standen war(?). Ich offenbare dir: Ptahil kam, er und die Engel seiner Be-

gleitung, er ging an das schwarze Wasser und sprach: „Ich will die Erde

 

 

1) Die Wiedergabe der letzten Sätze ist sehr unsicher. DN) am Ende heißt kaum

„sie gingen“, beachte auch die Lesung YD) D.

 

2) Die dastehenden Worte lassen sich nicht anders wiedergeben, aber Feuer erwartet

man hier nicht.

 

3) NP uy fehlt in C. Aber hier ist gerade vom Winde die Rede, nicht vom Wasser,

von dessen Entstehung erst später gesprochen wird. #, Lies NY).

 

5) Siehe auch oben, p. 231, 10.

 

°) Dies steht da; als ob es bei dem Schöpfer eingehüllt gewesen wäre. Ich glaube

nicht, daß man dafür x3N)I „Natur“ zu lesen habe.

 

?) Lies !D statt DNID.

 

s) Wiederum recht dunkel. Vielleicht ist der Sinn, daß das Feuer aus dem Holz der

Wurzeln der Bäume entsteht und es dann wieder verzehrt.

 

®) Vielleicht war hier vom lebenden Wasser die Rede.

 

0) Lies 1IMN.

 

 

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266 Rechter Teil. 268, 7—269, 11

 

 

dichten, die Erde bilde sich.“ Ptahil stellte sich hin und überdachte in

seinem Innern, was sein Vater ihm befohlen. Da sprach Rüha, sie und die

Engel ihrer Begleitung, und redete zu Ptahil: „Wie du den Himmel aus-

gespannt, so sprich über dieses Wasser, und die Erde bilde sich.“ Da sprach

er zu den Engeln: „Dies befahl mir mein Vater zu tun, doch ist gut, was

ihr mir sagtet.“

 

Da nahm er etwas vom lebenden Feuer, dann nahm er eines’) von

den Gewändern, mit denen er bekleidet war, warf es in das schwarze Wasser,

und die Erde Tibil dichtete sich. Dann schnitt er in ihr die Berge aus,

spaltete die Meere, schuf in den Meeren Fische von jeglicher Gattung, und

auf der Erde und den Bergen’) schuf er Früchte, Trauben und Bäume.

An den Bäumen ®) nehmen sie die Frucht, und sie wird zu Sämereien jeglicher

Gattung. Er schrie die Erde an, und alles bildete sich auf der Erde. Es

bildeten sich alle Sämereien, sie stehen da und prangen auf der Erde Tibil.

Sie tragen Früchte, die (den Menschen) zum Essen und zum Trinken dienen.

Er schuf das Viehgetier von jeglicher Gattung, Männlein und Weiblein,

und schuf die Vögel, und sie stehen da und weiden‘).

 

Rüha und die Engel ihrer Begleitung wissen nicht, für wen dies

geschaffen wurde und wer sie essen soll. Da sprach Ptahil zu Rüha und

den Engeln ihrer Begleitung: „Ich will mein Bild als Mann und dein Bild

als Weib bilden’. Den Mann wollen wir Adam und das Weib wollen wir

Hawwä nennen. Ich will ihr Bild schaffen und aufrichten.“ Rüha wußte

nicht, daß Ptahil von seinem Vater Abathur den Befehl über Adam und sein

Weib Hawwä erhalten hatte.

 

[269] Die Erde war nun oben, und das schwarze Wasser war unter der

Erde. Ptahil versuchte alles, doch das Wasser wurde nicht schmackhaft.

Da sprach Manda dHaije zum kleinen Enö$°): „Als das Leben mich hierher

sandte, da wußte ich, daß das Wasser hier nicht schmackhaft würde. Da

sprach ich vor dem großen Leben: ‚In der Welt, in die ihr mich sendet,

den Ruf des Lebens vernehmen zu lassen, damit sie ihn hören, Leben

erhalten und zum Hause des Lebens emporsteigen, wird das Wasser nicht

schmackhaft, daß die Menschenkinder es trinken, Leben erhalten und diese

Rede des Lebens hören.‘ Da sprach das große Leben zu Mandä dHaijje:

„Mache du dich auf, geh an der Spitze des Wassers hin und ziehe einen

dünnen Zug’) lebenden Wassers hin. Es soll hingehen, in das trübe Wasser

fallen, und das Wasser werde schmackhaft, auf daß die Menschenkinder es

trinken und dem großen Leben gleich werden.“

 

 

t) Oder: einige.

 

?) Lies NM.

 

®) Man erwartet eher NUNDY 0 „von den Bäumen“.

 

*#) Dies bezieht sich auf das Vieh.

 

5) Lies NYNWYY); die Schreibung ist durch Text Z. 22 beeinflußt.

6) Var. Anoös.

 

*) Lies hier und weiterhin NY).

 

 

 

 

 

269, 11— 270, 16 Elftes Buch. 267

 

 

Da sprach er zu Taurel-Uthra, dieser machte sich ans Werk, er zog

einen dünnen Zug Wassers hin, es fiel in die Tibil, in das Wasser, das

nicht schmackhaft war, und das Wasser der Tibil wurde schmackhaft, daß

die Menschenkinder es trinken und es ihnen schmecke.

 

Manda dHaije sprach zum kleinen Enos') über das Geheimnis der Rühä

und der Engel dieser Welt?). «x». ein Feuer, nach dem sie nicht sprechen

und hören können, außer dem verzehrenden Feuer, nach dem sie sprechen

und hören können xxx ***.

 

Wenn Manda äHaije euch hier festigt und Mandä dHaije euch erlöst)

aus dieser Welt der Finsternis «++ *x**.

 

„Ich‘) ging zwischen ihnen durch, nahm ihnen das lebende Feuer weg,

mit dem sie bekleidet sind, nach dem sie nicht sprechen und hören können,

und hob es’) an seine Stätte, den lichten Wohnsitz, empor. Ich ließ sie im

verzehrenden Feuer zurück, aus dem sie geschaffen worden waren. Ein

Kleid ließ ich auf ihnen zurück, an einen von ihnen gelangte das... )

des Ptahil, damit sie hintreten und in der Welt leuchten, auf daß diese

nicht untergehe. Ich ließ es ihm‘), denn wenn ich ihm diesen Glanz nicht

gelassen [270] und ihn ihm genommen hätte, wie ich ihn allen seinen

Brüdern genommen habe, so wäre diese Welt längst untergegangen und

alles wäre Finsternis bis zum Ende der Welten.

 

Dieses Weltmeer, das Ptahil schuf und bildete, das die ganze Tibil

umkreist, ist ein Brunnen, an den ein Erguß herankam und hineinfiel. Wenn

er dies nicht für die Tibil geschaffen hätte, wäre die ganze Erde...... a

Es gäbe nichts Getanes und nichts Gemachtes, und sie wäre nicht geraten.

 

Wohlan, du sahest, kleiner Enos, daß ich dir über das Geheimnis der

Bösen dieser Welt offenbarte, die du erblicktest und vor ihnen erschrakest,

vor denen du bebtest und erbebtest. Ich offenbarte dir über das Geheimnis

von Himmel und Erde, ich offenbarte dir über das Geheimnis alles Getanen

und Gemachten, das in der Welt existiert, und belehrte dich über sie. Ich

gewährte dir Glanz und Licht, daß es bei dir an jenem ersten Gewande

sei, das man dir aus dem Hause des Lebens verlieh und das jetzt bei dir

verwahrt ist, um das die Bösen kämpfen es wegzunehmen, ohne daß es

ihnen gelingt es wegzunehmen. Siehe, ich mehrte dir Glanz zum Glanze,

ich mehrte dir Licht zum Lichte, daß es bei dir in der Gestalt dieser zwei

Männer, deiner Brüder, sei, die von dir fortzegen und zum Hause des

Lebens gingen.

 

 

 

 

 

 

 

 

1) Var. Anös.

 

2) Man könnte hier nach Text 268, 6, 23 FIT ergänzen und 107 NOONT zum

Folgenden ziehen, doch siehe Text 270,7. Dahinter ist zunächst vom lebenden Feuer die

Rede, siehe weiterhin.

 

3) Lies NIOPYNNDN. *) Lies RN.

 

5) Lies N’DDN) oder ANPYDN). 6) Siehe oben, p. 259%,

 

?) Lies Fby, siehe weiterhin. Danach ist Nöld., p. 203, 29 zu berichtigen.

 

8) NND, das dasteht, gibt keinen Sinn. Von DD finden sich im Mandäischen wie

sonst im Aramäischen nur Bildungen vom Aphel. Vielleicht ist NND „wäre verfault“ zu lesen.

 

 

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268 Rechter Teil. 270, 16—271, 23

 

 

Siehe, ich fügte dir Kraft zu deiner Kraft hinzu, ich mehrte dir Weisheit

zu deiner Weisheit, und Erleuchtung und Erkenntnis, siehe, gewährte ich

dir, daß du mit ihnen sagest und erhört werdest').

 

Siehe, ich gehe nun zum Hause des Lebens, dann will ich kommen

und dich von den Bösen und Sündern dieser Welt befreien. Das Auge

des Lebens wird auf dich gerichtet sein, sowie auf die wahrhaften, gläu-

bigen und trefflichen Männer, die auf deine Rede hören. Ich will dich

von Schwert, Feuer und Wasserfluten erlösen und auf dem Wege empor-

führen, auf dem Hibil der Gerechte und Sitil und Manda dHaije aus dieser

Welt der Bösen emporsteigen.“

 

Diese Worte richtete Manda dHaije an seinen Sohn, den kleinen Anos,

[271] und reichte ihm Kustä. Dann zog er hinaus und ging nach dem

Hause des Lebens. Er setze sich in die Skina seines Vaters, und sein

(des Lebens) Auge war auf ihn’) gerichtet. Dann erhob sich Ano$ voller

Freude ob des Glanzes und des Lichtes, das das Leben ihm verliehen, und ob

der Kraft, die sein Vater ihm anvertraut, und leuchtete auf in Glanz und Licht.

 

*«#+#***, die in dieser Welt sind’), schauen auf die Herren des Hauses,

die auf Böses gegen diese drei Männer sinnen und gegen das Gewand, in

dem ich stehe, die in dieser Welt aufgeleuchtet sind. Die Planeten sprechen

so zueinander: „Diese Männer haben sich uns nicht gezeigt, denn sie fürch-

teten sich vor uns. Sei es daß sie vor uns davongelaufen sind, sei es daß

sie sich vor uns versteckt haben, sie zeigten sich uns nicht. Jetzt zeigten

sie sich uns in ihrem reichen Glanze und ihrem großen Lichte. Jetzt,

wohlan, sind sie aufgeleuchtet und stehen da in reichem und großem (?) Glanz

undelehrer. *%), Bei seinen Brüdern wurde Feuer und Schwert weg-

genommen, und sie konnten an sie nicht heranreichen, jetzt ......°), daß

sie für sich dastehen.*

 

Die Planeten sprechen: „Wir können gegen die Kraft dieser Männer

nichts ausrichten, da sie zahlreicher sind als wir. Man ließ gegen sie

Wasserfluten los, doch die Wasserfluten reichten an sie nicht heran. Sie

sprechen: ‚Wir wollen sie durch Schwert und Brand beseitigen‘, doch gelingt

es ihnen nicht, sie zu beseitigen.“

 

Das Leben steht fest in seiner Skina, das Leben ist siegreich über

alle Werke. Siegreich sind Hibil, Sitil und Anos, und siegreich ist das

Volk der Nasoräer, sowie die Priester und Mandäer, die an ihrem Namen

und Zeichen festhielten, auf den Namen des ersten Lebens gezeichnet wurden

und am Namen und an der Rede des Jäwar-Ziwä festhielten.

 

Und das Leben ist siegreich.

 

2) Vielleicht hat hier wie sonst in diesem Stücke „und hörest“ gestanden.

 

2) Lies 97 by.

 

®) Vorher hat wohl „die drei Männer“ gestanden, doch fehlt wahrscheinlich noch mehr.

 

*) Vielleicht ist SIND) zu lesen, doch ist freilich damit die Stelle noch nicht hergestellt.

 

°) „Sind sie gefestigt“ von })D, oder es ist YODNY „verbargen sie sich“ zu lesen.

 

 

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Zwölftes Buch.

 

 

Im Namen des großen Lebens sei der Name des NN und meiner

Gattin NN [272] bei den gewaltigen Uthras, den Söhnen des Lichtes,

aufgerichtet.

 

 

 

 

 

Erstes Stück.

 

 

Anös, der auch hier, wie in der Einführung des elften Buches, als Sohn Sitils bezeichnet

wird, stellt Betrachtungen über die Naturerscheinungen an und erhält Aufklärungen, freilich

sehr dunkle, von einem Glanzwesen über Himmel. Sterne, Erde, Tag und Nacht.

 

 

Ich bin der große Anos, der Sohn des großen Sitil, des Sohnes des

großen Adam, der Sohn der gewaltigen Könige der Herrlichkeit, der Sohn

des Lichtortes, der Sohn der Blätter") alles Wissens. Meine Füße führten

mich hier hinauf. Am Orte reichen Glanzes sitze ich. Ich stelle Betrach-

tungen an und spreche, ich schaue und sehe diese Welt, den Himmel und

die Erde, die Sonne, den Mond und die Sterne des Hochstehens und des

Niederganges des Himmels, das Licht, in dem ich stehe, und die Kraft, in

der sie stehen. Mit wessen Kraft stehen sie da, mit wessen Licht leuchten sie?

 

Ich öffnete meine Augen und erhob meine Brauen, da schaute ich und

sah ein großes Kohlenbecken des Glanzes, das fest in der Hand von Engeln

liegt. Zwölf Engel ziehen es auf dem Finsterberge unter der großen Brücke

des Glanzes hin. Sie tragen es in die Höhe und bringen es an das Tor

des Jasäna, an den Ort, wo dem Erbauer des Himmels und der Erde’) ein

Thron errichtet ist.

 

Wiederum öffnete ich meine Augen und erhob meine Brauen, da

schaute ich und sah ein großes Tor, das darin (im Himmel)°) geöffnet war.

 

 

1) Siehe Nöld., p. 48°. Diese Bedeutung von NMNINY scheint mir nicht sicher. Es

könnte auch zu NI%W gehören: „der Lobpreisung, die ganz Wissen ist.*

 

2) Wohl auch hier Ptahil gemeint.

 

®) 112 bezieht sich wohl auf WW, doch würde man freilich eher 72 mit Suffix fem.

sing. erwarten.

 

 

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970 Rechter Teil. 272, 15— 278,21

 

 

Tausend mal tausend Glanzwesen standen an seiner rechten und zehntausend

mal zehntausend an seiner linken Seite. Ein Glanzwesen trat aus dem

Hause des Lebens hervor, dessen Glanz zweiundvierzig mal so groß war

als der des Jorabbaä. Als ich jenes Glanzwesen erblickte, erbebte und

erzitterte mein Körper, und meine Füße standen auf meinem Gestelle nicht

fest, Ich stürzte und fiel vor ihm hin. Da stand ein Engel des Glanzes

vor ihm auf, faßte mich bei der Fläche meiner Rechten, richtete mich gerade

vor ihm auf und sprach zu mir: „Komm, großer Anos, Sohn des großen

Sitil, des Sohnes des großen Adam, Sohn der gewaltigen Könige des Hauses

der Herrlichkeit, Sohn des Lichtortes, Sohn der Blätter‘) alles [273] Wissens,

komm, ich will dir über das große Leben offenbaren. Es ist hier nieder-

geschrieben) und niedergelegt auf dem großen Berge ........... ar

 

Komm, ich will dir über diesen Himmel offenbaren, den die Menschen-

kinder Himmel nannten, während er kein Himmel ist. Nebelwolken sind

es, die Abathur durch die Kraft und den Namen des Erbauers des Himmels

und der Erde gegründet hat.

 

Komm, ich will dir über die Sterne offenbaren, die an ihm leuchten.

Zwölf Engel sind es. Einige von ihnen sind über den Osten des Himmels

und der Erde eingesetzt, einige von ihnen sind über die Seol und die

Finsternis eingesetzt. Wie sie hier sind, so sind sie auch dort.

 

Komm, ich will dir über diese Erde offenbaren, die die Menschenkinder

[Erde] nannten, während es keine Erde ist. Vielmehr Wasser aus Hus, dem

großen"Meere ist es........ *%). Jahr um Jahr und Monat um Monat läuft

es und fließt dahin und schafft eine Bahn für die Menschenkinder.

 

Komm, ich will dir über diese Ablösung) offenbaren, die beim Morgen-

grauen aufgeht. Mancher freut sich, mancher betrübt sich darüber. Sein

Haupt ist reines Licht, (er ist) ein eheloser Mann, ein Händler, gewaltsam,

tapfer, rüstig und steht in der großen Zeit‘). Ein großer Mast des Glanzes

ist darin aufgerichtet, Taue des Lichtes sind darin hingelegt. Zwölf Engel

ziehen sie und führen sie auf dem Finsterberge unter der großen Brücke

des Glanzes hin. Sie tragen sie in die Höhe und bringen sie an das große

Tor des Jäsaänä, an den Ort, wo dem Erbauer des Himmels und der Erde

ein Thron errichtet ist.

 

Komm, ich will dir über die Ablösung offenbaren, die in der Nacht

aufgeht. Sein Haupt ist reines Wasser, (er ist) ein eheloser Mann, ein Händler,

 

 

 

 

 

1) Siehe oben, p. 269.

 

?) Zweifelhaft, schon an sich, dann wegen der Varianten XIN72, NYINTD\.

 

?) Die beiden Worte NYIDNT NIINTIT (NI2NTOT) sind dunkel. Vielleicht ist NII7NH7

„der Steppe“ zu lesen.

 

‘) Im Texte steht „das hingibt“ (2707), das schlecht paßt. Wegen der folgenden

Worte ist kaum NW2NYT „das austrocknet“ dafür zu lesen. Doch beachte man, daß Lit. 218,4

N’I7N? von Weinbehältern steht.

 

°) In der Nacht- und Tageszeit, siehe p. 262

 

6) Der Satz kann sich schwer auf „die Ablösung“ beziehen. Nach dem Folgenden

erwartet man, daß hier von einem Schiffe die Rede sei.

 

 

273, 21-274, 18 “"Zwölftes Buch. Zweites Stück. 271

 

 

gewaltsam, tapfer, rüstig und steht in der großen Zeit. Ein großer Mast

des Glanzes ist darin aufgerichtet, Taue des Lichtes sind darin hingelegt.

Zwölf Engel ziehen sie und führen sie auf dem Finsterberge hin. Sie

bringen sie an das große Tor des Jasänä, den Ort, wo dem Erbauer des

Himmels und der Erde ein Thron errichtet ist.

 

Komm, ich will dir offenbaren, mein Bruder: [274] Diese Männer von

erprobter Gerechtigkeit, die hier in der Tibil sind, gehen, wenn ihr Maß

voll ist, von dieser Welt dorthin. Sie suchen und finden. Vom Gebete

und vom Schatze des Lebens, von ihrem Gebete und ihrer Lobpreisung

 

 

 

 

 

bekleiden sie sich mit Glanz und bedecken sich mit Licht. Gewand über '0

Gewand legen sie an, mit Licht über Licht bedecken sie sich. Sie lachen,

freuen sich, hüpfen, prangen und vergnügen sich. Und wir sagen: „Das

Leben steht fest und aufgerichtet in seiner Skinä; das Leben ist siegreich

über alle Werke.“

Zweites Stück. 15

Erster alphabetischer Psalm. Er steht auch an der Spitze der Gebetsammlung in den

Pariser Handschriften Codes Sabeens 25 und 15 (hier E und F).

Im Namen des großen Lebens

sei verherrlicht das hehre Licht. —

Komm in Güte, Kusta, 20

Licht, das du zum Hause deiner Freunde gehest.

Du bist die Auserwählte, Sieghafte,

die du deinen ganzen Stamm in Sieghaftigkeit festigst.

Du bist ein vollkommenes Gimrä’),

Auserwählte, ohne Fehl. 25

Du bist der Weg der Vollkommenen,

der Pfad, der zum Lichtort emporsteigt.

Du bist das Leben von Ewigkeit,

die du hingingest und in (jeglichem) wahrhaftem Herzen Platz

Wehe dem, der auf dich nicht hört?), meine Herrin, [nahmest. 30

und dessen Pfad durch die Wohnungen der Schwelgerei in

Du bist die Waffe der Vollkommenen, [Musik geht.

die Wahrheit ohne Irrtum.

Du bist weise und angenehm’),

lehrest Weisheit und Lobpreis alle, die deinen Namen lieben. 335

 

 

 

 

 

t) Siehe oben, p. 158. 2) EF noch „und horcht“; das ist überschüssig.

®) EF hier noch „meine Herrin“. Pr

 

 

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15

 

 

20

 

 

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2372 Rechter Teil. 274, 18--275, 9

 

 

Heil dem, der auf dich hört, meine Herrin,

und auf den Wegen hinter dir hergeht.

Du bist der Tag der Freude,

an dem es Trauer und Klage nicht gibt.

Du bist ein Kranz von Siegen,

um das Haupt der Erleuchteten gelegt.

Du bist die Zunge des Lobpreises,

die du täglich das Leben preisest.

Du bist das erste Gerät,

das das Leben geschaffen hat.

Du bist das Licht der Großen,

die du hingingest und in die Welt kamest.

Du bist das Heilmittel,

das alle, die deinen Namen lieben, heilet').

Du bist das Auge [275] der Männer von erprobter Gerechtigkeit,

das täglich zum Leben emporschaut.

Du bist eine süße Frucht,

von einem Geschmacke, der keinen Tod bringt’).

Du bist die erste Genossin,

die Pflanzung, die aus dem Hause des Lebens kam’).

Du bist der erste Laut,

den das Leben aus seiner Natur schuf.

Du bist der Oberste der Ganzibräs,

dem das Leben über jegliches Ding die Herrschaft verlieh‘).

Die Toten hörten dich und lebten auf,

die Kranken hörten dich und genasen.

Du vergibst den Auserwählten und Vollkommenen,

in deren Herz Kustä Platz genommen hat. —

Das Leben ist siegreich, und siegreich ist der Mann, der hierher

gegangen ist.

 

 

 

 

 

Drittes Stück.

 

 

Zweiter alphabetischer Psalm.

 

 

Se °) nach der Wohnung, in der die Sanften wohnten, |

und mein Herz ist unter den Auserwählten erwählt.

 

 

1) EF: Du bist das Heilmittel, das die Schmerzen heilet, der Arzt, der alle, die seinen

Namen lieben, heilet.

 

2) BDEF: an dem kein Fehl ist.

 

”) EF: die von jeher war. *%) EF: auf denen dein Glanz ruhet.

 

5) {NN „Äther“ paßt nicht. Hier ist wohl eine Form ıy anzunehmen, etwa INTIN

„er weckte mich“.

 

 

275, 10—276, 5 Zwölftes Buch. Drittes Stück. 273

 

 

Ein Auserwählter bin ich, ich schreite

im Geruche des Lebens, der mich umfängt.

Ich bin ein fremder Mann;

sie haben mich mit Sehnsucht nach den guten Nasöräern erfüllt.

(Er gedenke meiner vor dem Leben, und mein Freund sei 5

Unser Recht [wird] der gute Vater [vertreten?], [mir ein Helfer.)

der vor dem Leben siegreich dasteht.

Ich habe das Siegel der Tibil geöffnet

und in ihr jegliches Ding geschaut. Ich schaute Uthras, die der

lichten Wohnung würdig sind.) 10

Eine Rose bin ich, ein Sohn Auserwählter;

ich habe das Leben geschaut, und das Leben hat mich geschaut.

Meine Reisezehrung kommt von dem fremden Manne,

den das Leben wünschte und gepflanzt hat').

Ich werde unter die Guten kommen, 15

die jener fremde Mann geliebt hat.

Gnade kam den Guten,

Freude dem wahrhaften Manne.

Der Glanz des Lebens war,

als die Seele aus dem Hause des Lebens ward. 20

Groß war auf mir der Glanz des Lebens,

und das Licht des Lebens fehlte nicht.

Mein Herz preist das Leben,

damit das Leben mich zu seiner Zahl zähle.

Mit den Guten tat ich, 25

was das Leben mir befohlen.

Ich leuchtete in seinem Lichte;

von seinem Lichte mehrte es auf mir.

Es setzte auf mich Glanz und reiches Licht,

damit ich eine Stütze habe. 30

Das große Leben zeigte Herablassung

gegen alle, die seinen Namen lieben.

[276] Mein Mund preist das Leben,

damit es mich zu seiner Zahl zähle.

Ich hörte den Ruf der Uthras, meiner Brüder, 35

ich richtete meine Augen auf sie.

Ich erhob mich mit großer Kraft,

ich schritt hin und kam zu ihnen.

Mit dem Zeichen des Lebens zeichneten mich

meine Geleiter Silmai und Nidbai. 40

Die Wahrheit des Lebens

wurde mir als Stirnlocke auf dem Haupte gedreht.

 

 

2) Oder lies 212% „und wünschen wird“? Doch siehe auch Var. zu R 353, 6.

 

 

Lidzbarski, Ginza. 18

 

 

 

 

 

274 Rechter Teil. 276,5—19

 

 

Das große Leben zeigt Nachsicht

gegen einen jeden, der mit dem Zeichen des Lebens gezeichnet

ist. <Die Guten, Auserwählten und Vollkommenen, bei denen

[Kustaä Platz genommen hat.)

5 Das Leben ist siegreich, und siegreich ist der Mann, der hierher

gegangen ist.

 

 

Viertes Stück.

 

 

Dritter alphabetischer Psalm. Findet sich auch in der Gebetsammlung in Codes

Sabeens 25, f. 22b und 15, f. 18a.

 

 

10 Im Namen des großen Lebens

sei verherrlicht das hehre Licht. —

Die reine‘) Perle kam,

die die finsteren Herzen erleuchtete.

Glanz suchte zu werden,

15 und Licht erwachte und wurde.

Ich lachte über die Planeten

und über das, was sie ersannen und taten.

Ich wohnte in ihren Häusern’),

doch die Sieben bemerkten mich nicht.

20 Gnade wird den Auserwählten zuteil,

die das Leben liebten.

Wehe den Planeten,

die gegen meine Auserwählten Böses ersinnen.

Er°) ist der erste‘) Glanz,

25 das Licht ohne Ende.

Es ist das erste Leben,

das Leben, das von jeher war.

Heil dem, der auf dich) hört’)

und auf dem Pfade hinter dir hergeht.

30 Er°) war der große Glanz,

als die Seele aus dem Hause des großen Lebens kam.

Er ist der reine Kranz, 3

der Hibil in seiner Skina aufgelegt wurde.

 

 

!) Nur in EF.

 

?) EF: NNNNY2 „unter ihnen“.

 

®) Bezieht sich auf Mandä dHajje.

 

4) EF: „der große“.

 

5) EF noch „und horcht, mein Herr“, siehe auch p. 2712.

 

 

 

 

 

276, 19—277, 9 Zwölftes Buch. Viertes Stück.

 

 

Mein Herz begehrt nach dem Leben,

 

auf daß das Leben nach mir in seiner Skina') begehre.

Von dem Tage an, da Hibil mich pflanzte,

 

bekannte meine Seele den Lichtort.

Du bist die erste Ruhe;

 

deinetwegen fanden die Uthras Ruhe.

Die zwölf Pforten schauen aus,

 

doch steigen sie zu den Pfaden der Kustä nicht empor.

Die Tiefen des Nasaräertums

 

sind ausgedehnt und endlos.

Er ist eine süße Frucht,

 

von einem Geschmacke, der keinen Tod bringt).

Ich hörte den Ruf des Lebens

 

[277] am großen Orte, dem Hause der Vollendung.

Den Ruf des großen °) Glanzes,

 

der in seiner Skina spricht und vorträgt.

Er ist das große Zeichen,

 

mit dem das Leben in seiner Skina gezeichnet wird.

Wer auf die Rede des Lebens hört,

 

findet Platz in der Skina des Lebens.

Er ist die liebliche Pforte,

 

das Licht ohne Ende. —

Und das Leben ist siegreich.

 

 

 

 

 

Fünftes Stück.

 

 

Vierter alphabetischer Psalm. Treiben und Schicksal der Bösen und Sünder.

 

 

Im Namen des großen Lebens.

 

Nackt verließ der Vornehme,

 

der Verstorbene die Welt.

Sein Haus steht zur Verwüstung da,

 

sein Besitz zur Plünderung.

Die Schmähung der Geschöpfe

 

wird allen Welten zuteil.

Du gleichst den schlechten Reben,

 

die keine Früchte tragen.

 

 

 

 

 

1) EF: „nach seiner Skinä“.

®?) DEF: „an dem kein Fehl ist“, siehe auch oben, p. 272?.

3) EF: „des reinen“.

18*

 

 

 

 

 

275

 

 

Io

 

 

20

 

 

25

 

 

30

 

 

20

 

 

25

 

 

30

 

 

35

 

 

276

 

 

Rechter Teil. 2377,9—25

 

 

Stumm und taub sind sie,

 

die für die Menschenkinder auf Böses ausschauen.

Wehe dem schlimmen Tage,

 

der für die Juden in der Welt aufbewahrt ist.

Sıe säen Frevel

 

und ernten eine Ernte der Lüge.

Ihr Herz ist voll Finsternis,

 

und ihre Augen sind blind und leuchten nicht.

Irrtum packte sie,

 

und sie schauen nicht den Lichtort.

Sie sind ein Tag der Klage,

 

ihre Seele schwere Krankheit.

Alle zwölf Pforten

 

sind eine Grube, die sie für die Ewigkeit bewahrt.

Ihr Herz ist ihnen zwiespältig,

 

und sie steigen nicht zum Licht empor.

Sie sind mit Sünden bekleidet

 

und rauben die Seelen.

Ihre Seele ist ihnen verstumpft,

 

und sie haben kein Verlangen nach ihren Frauen.

Sıe sind das Gift der Mörder,

 

die die Menschenkinder morden.

Wassertiefen sind sie,

 

Wirbel, die zum Ertrinken bringen.

Ihr Mund ist ihnen voll Lüge,

 

und ihre Augen schauen nach Bösem aus.

Trocken sind ihre Früchte,

 

die sie in der Welt säen.

Sie stehen außerhalb der Kustä

 

und tun Dienste außerhalb der Gnade.

Sie lieben die Schönheit des Körpers

 

und die verfinsterten Schatten.

Voll von Bodensatz und Fäulnis

 

steht ihre Seele in der Welt da.

Sie sind die Pforte des Todes

 

und töten die Menschenkinder. —

Und das Leben ist siegreich.

 

 

278, 1—279,5 Zwölftes Buch. Sechstes Stück. 277

 

 

Sechstes Stück.

 

 

Schilderung der Welt der Finsternis und ihres Königs, ein Gegenstück zur Schilderung

der Liehtwelt uud des Lichtkönigs im ersten Buche, siehe p. 3f. Das Stück ist von NÖLDEKE

übersetzt und erklärt in Aufsätze zur Kultur- und Sprachgeschichte (Festschrift für

Ernst Kuhn), 1916, p. 131—138.

 

 

[278] Im Namen des großen Lebens.

 

Euch rufe ich zu, lehre ich und sage ich, ihr wahrhaften und gläubigen

Männer, ihr Sehenden, Abgesonderten'): Sondert euch von der Welt des

Mangels ab, die voll Unruhe und Irrtum) ist.

 

Zuerst belehrte ich euch über den Lichtkönig, der in alle Ewigkeit

gepriesen ist. Ich sprach zu euch über die gepriesenen Lichtwelten, die

unvergänglich sind, über die Uthras, Jordane und Skinäs, die wundersam

und leuchtend sind. Nun will ich zu euch über die Welten der Finsternis

und ihren Inhalt sprechen, die häßlich und furchtbar sind und deren Gestalt

nicht recht ist.

 

Außerhalb der Lichterde nach unten, außerhalb der Erde Tibil nach

Süden liegt jene Erde der Finsternis. Sie ist von einer Form, die anders-

artig und abweichend von der Lichterde ist, denn sie weichen in jeder

Eigenart und Form von einander ab. Die Finsternis existiert in ihrer

eigenen bösen Natur, heulende Finsternis, öde Dunkelheit, sie kennt weder

Erstes noch Letztes.

 

Doch der Lichtkönig kennt und versteht Erstes und Letztes, Vergan-

genes und Zukünftiges. Er wußte und erkannte, daß der Böse da ist, doch

wollte er ihm nichts Übles antun, gemäß dem, was man gesagt hat: „Tue

dem Bösen und Feinde nichts Übles an, bis er selber Übles getan hat.“

Seine böse Natur besteht von Anfang an und in alle Ewigkeit. Die Welten

der Finsternis sind ausgedehnt’) und endlos. Man sagte: „Weit und tief

ist die Wohnung der Bösen, deren Völker keine Treue an dem Orte zeigten,

wo ihr Aufenthalt endlos ist, deren Reich von ihnen selber ist. Ihre Erde

ist schwarzes Wasser, ihre Höhe finstere Finsternis.“

 

Aus dem schwarzen Wasser wurde der König der Finsternis durch seine

eigene böse Natur gebildet und kam heraus. Er wurde groß, [279] mächtig und

gewaltig, er rief hervor und verbreitete tausend mal tausend böse Geschlechter

ohne Ende und zehntausend mal zehntausend häßliche Geschöpfe ohne Zahl.

Die Finsternis wurde groß und weit durch dje Dämonen, Dews, Genien, Geister,

Hmurthäs, Liliths, Tempel- und Kapellengeister, Götzen, Archonten, Engel,

 

 

?, Die Lesung schwankt sehr: NYNWINDY, NYNWND), und die Münchener und Londoner

Handschriften haben NYNWINDN. Letzteres würde „Unterscheidende, Einsichtige‘“ bedeuten

und zu NWNINT passen, aber im Folgenden wird offenbar auf die Bedeutung „sich absondern“

angespielt. Siehe auch p. 215.

 

?2) Die Londoner Handschriften haben NP'%) „und Trubel“, vgl. einerseits Text 7,18,

anderseits 11,21; 14,9.

 

3) Wohl so, nicht „zahlreich“, was W'D) auch bedeuten kann, siehe das Folgende.

 

 

-

 

 

{6}

 

 

15

 

 

30

 

 

in

 

 

 

 

2

 

 

25

 

 

35

 

 

278 Rechter Teil. 279, 5—280, 19

 

 

Vampyre, Schrate, Unheilsgeister, Schlagflußdämonen), Unholde, Netz- und

Lockengeister ”), Satane, alle die häßlichen Gestalten der Finsternis von jeglicher

Art und Gattung, Männlein und Weiblein aus der Finsternis: finster, schwarz,

tölpelhaft, widerspenstig, zornig, wütend, giftig, auflehnerisch °), töricht, faulig,

greulich, schmutzig und stinkend. Einige unter ihnen sind stumm, taub,

zugestopft, dumpf, stammelnd, gehörlos, stumm, taub, verwirrt, ohne Wissen.

Einige unter ihnen sind frech, hitzig, gewalttätig, scharf, jähzornig, wollüstig,

Kinder des Bluts, angefachter Lohe und verzehrenden Feuers. Einige unter

ihnen sind Zauberer, Fälscher, Lügner, Betrüger, Räuber, Arglistige, Be-

schwörer, Chaldäer, Wahrsager. Sie sind Meister in allen Schlechtigkeiten,

Anstifter‘) von Not, sie begehen Mord und vergießen Blut ohne Mitleid

und Erbarmen. Sie sind Künstler in allen häßlichen Dingen, kennen Sprachen

ohne Zahl und verstehen was vor ihrem Antlitz ist. Von jeglicher Art sind

sie. Einige von ihnen kriechen auf dem Bauche, einige schleichen im

Wasser hin, einige fliegen, einige haben viele Füße gleich dem Gewürm

der Erde, einige tragen hundert «+++». Sie haben Backen- und Schneide-

zähne im Munde. Der Geschmack ihrer Bäume ist Gift und Galle, ihr Saft

ist Erdöl und Pech. Jener [280] König der Finsternis nahm alle Gestalten

der Kinder der Welt an: den Kopf des Adlers, den Körper des Drachen,

die Flügel des Adlers, die Seiten der Schildkröte, Hände und Füße des

Unholdes”). Er geht, kriecht, schleicht, fliegt, schreit, ist frech, droht,

brüllt, pfeift, zwinkert und flötet. Er kennt alle Sprachen der Welt, doch

ist er dumm, verworren, seine Gedanken sind gehemmt, und er kennt weder

Erstes noch Letztes. Doch weiß er, was in allen Welten vorgeht; er ist

von vielen Arten. Er ist größer‘) als alle seine Welten, er ist mächtiger

und ausgedehnter als sie alle, er ist kräftiger als alle seine Kreaturen und

stärker als sie. Wenn er es wünscht, verbirgt er sich vor ihnen, daß sie

ihn nicht sehen, weiß aber, was im Herzen dessen vorgeht, der vor ihm

steht. Wenn die Geschlechter vor ihm fliehen, bringt er sie durch sein

Wort zurück, die Dews, die er wünscht, läßt er umkehren und stellt sie

vor sich auf”). Wenn er will, dehnt er seine Gestalt aus, wenn er will,

macht er sich klein. Er zieht seine Glieder ein und streckt sie wieder aus,

und er hat (die Körperteile) der Männer wie der Weiber. Er nimmt alle

Geheimnisse wahr. Er zürnt mit Stimme, Wort, Hauch, Atem, Auge, Mund,

Hand, Fuß, Stärke, Gift, Zorn, Rede, Furcht, Angst, Schrecken, Zittern °),

Gebrüll, da erschrecken alle Welten der Finsternis. Seine Gestalt ist häßlich,

sein Körper stinkend, sein Gesicht verdreht. Die Dicke der Lippe seines

 

 

 

 

 

i) Unsicher, siehe zu diesem Geisterkatalog Uthra, p. 541.

 

2) Vielleicht Geister, die die Menschen umstricken und umlocken.

 

) Vielleicht „kitter“, siehe NÖLDEKE, a. a. O. zur Stelle. *) Lies SYINYONID?

5) Eine ähnliche Schilderung des Teufels gibt Mäni, siehe Brandt, Schr., p. 226.

 

6) NÖLDEKE vermutet hier mit Recht einen Singular INYNIM.

 

2juSıehes Joh: 11, p21505,

 

®) Die Londoner Handschriften haben hier noch NMMI2.

 

 

2380, 19—282, 2 Zwölftes Buch. Sechstes Stück. 279

 

 

Mundes beträgt 144000 Meilen. Vom Hauche seines Mundes siedet das

Eisen, und der Fels wird durch seinen Odem erhitzt. Hebt er seine Augen,

so erbeben die Berge, vom Flüstern seiner Lippen werden die Ebenen

erschüttert.

 

Er sann in seinem Innern nach, beriet sich in seinem törichten Herzen

und überlegte in seinem listigen Sinne. Da stieg er empor und schaute

die Welten der Finsternis, die ausgedehnt und endlos sind. Er nahm Stolz

an, erhob sich über alle und sprach: „Gibt es jemand, der größer ist als

ich? Gibt es jemand, [281] der mir gewachsen ist? Gibt es jemand, der

größer ist als ich, ausgedehnter und trefflicher als alle Welten? Gibt es

jemand, dessen Speise Berge sind, in dessen Bauch sich kein Blut findet?

Sollte es jemand geben, der kraftvoller ist als ich, so will ich mich zum

Kampfe mit ihm erheben, will mich erheben zum Kampfe mit ihm und

sehen, woher seine Kraft kam').“

 

Er verbarg sich und erblickte die Welten des Lichtes aus der Ferne

an den Grenzen der Finsternis und des Lichtes: wie ein Feuer auf dem

Gipfel hoher Berge, wie Sterne, die am Firmamente schimmern, gleich dem

Glanze der Sonne, wenn sie aufgeht und vom Osten kommt, gleich dem

Monde in seiner Helligkeit. Er sah den Schimmer jener Lichterde wie

brennende Lampen, die, mit Glasgefäßen bedeckt, nach außen leuchten.

 

Er sann in seinem Innern nach, geriet in Zorn, tobte mit großer

Gewalt und sprach: „Wenn es diese Welt gibt‘), wozu soll mir diese

Wohnung der Finsternis, deren Einrichtung‘) häßlich und furchtbar, deren

Speise schwarzes Wasser und Schmutz ist? Ich will vielmehr zu dieser

leuchtenden Erde emporsteigen und mit ihrem König Krieg führen. Ich

will ihm die Krone wegnehmen, will sie mir aufs Haupt setzen, will König

der Höhe und Tiefe werden.“ Er sprach ferner: „Wenn sie ein Gewand

ist‘), will ich es anziehen, wenn sie eine Speise ist, sie essen, wenn sie

ein Getränk ist, es trinken, wenn sie ein Haus ist, es niederreißen, wenn

sie ein Bau ist, ihn zerstören, wenn sie eine Wohnung ist, in ihr wohnen,

wenn sie etwas ist, das stärker ist als ich, mit ihr Streit anfangen.“

 

Er entbrannte in Feuer, erglühte ın seinem Sinne, erhitzte sich in

Zorn und wollte alle Welten auffressen. Doch seine Wege sind verwirıt,

seine Straßen versperrt, seine Pfade gewunden. Trotzdem gelangt er in

einem Augenblick über das Ende hinaus bis zur unteren Grenze der

Finsternis. In der Wanderung eines Tages legt er einen Weg von hundert

Jahren zurück.

 

Als er jene schimmernde Gestalt erblickte, wollte er sich in die Höhe

schwingen [282] und aus der heulenden, öden Finsternis zu jener leuchtenden

 

 

1) Siehe auch p. 81 unt. Ich habe erwogen, ob NY S&9%7 nicht „der Berge nieder-

trat‘ bedeute, aber die gegebene Übersetzung paßt besser zur zweiten Hälfte des Satzes.

 

2) NÖLDERE vermutet NN YY statt INYNIIY.

 

s) Eigentlich „Ausstattung, Schmuck“.

 

#) y7 bezieht sich wohl auf NDON, die Welt (des Lichtes), nicht auf ND>nD „König“.

 

 

in

 

 

-

 

 

5

 

 

[67]

[o}

 

 

35

 

 

in

 

 

Io

 

 

15

 

 

20

 

 

25

 

 

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